[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

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    • Nach einer ganzen Litanei an Worten, von denen nur ein gutes Drittel wirklich als passabel und adäquat herausgefiltert werden konnten, hob Hawthorne die Hand und sah sie ein wenig genervt an.
      "Nun mal langsam, Sallow", murmelte er. "Sie reden wie ein Maschinengewehr. Nummer 1: Wagen Sie es noch einmal, in meinem Beisein eine Vorgesetzte höheren Ranges zu beleidigen oder zu diffamieren, geben Sie Ihre Marke für einen Monat ab und verziehen sich auf die Sozialstation, ist das klar? Punkt 2: Sie haben Recht mit der Tatsache, dass wir einen Abgleich gemacht haben und keine Übereinstimmung fanden. Nicht einmal unter den bekannten Arkana war eine Übereinstimmung erkenntlich, sodass wir von anderem ausgehen mussten. "
      Cunningham sah sie noch immer entsetzt und leicht feindselig an, ehe sie mit der Zunge schnalzte.
      "Und ehe Sie wieder einen Höhenflug kriegen, Detective:", sagte sie und sprach ihren Titel beinahe gehässig und süffisant aus. "Das Blut an der Wand war in der Tat das Blut des Opfers, Emmett White. Ich habe ja keine Ahnung, welche Form von Menschenkenntnis zu besitzen zu glauben, aber ein Leben mit einem Arkana macht keinen Menschenkenner aus Ihnen, auch wenn Sie sich der Illusion gerne hingeben. Nachher sagt sie uns noch, dass sie einen sexuellen Interkurs mit diesem Monster hatte."
      "Hör auf, Julia. Sallow ist alt und erfahren genug, genau das nicht zu tun. Sie weiß selbst, dass sie dafür vielleicht ihre Marke verlieren würde."
      Cunningham zuckte die Achseln und sah sie mit ihrem blinden Auge. Und für einen Moment, eine kurze Sekunde gar, blitzte eine Pupille in dem toten Fleisch auf, ehe ein kurzes Grinsen auf ihrem Gesicht erschien, das sogleich wieder verflog.
      Hawthorne räusperte sich und richtete sich auf.
      "Nun, ich glaube Ihnen ja, Ember", murmelte er und sah sie durchdringend an, während seine Hände mit sich selbst spielten. Er brauchte eine Zigarette. Zwei Sturköpfe in einem Raum waren zu viel. Er war da ja ganz anders. "Und selbst wenn Foremar versucht hätte, den Richter zu überzeugen, sagt der Augenzeuge etwas gänzlich anderes. Es fällt mir schwer zu glauben, dass diese Auseinandersetzungen zufällig zu Tage treten..."
      Seufzend wies er mit dem Kinn zum Ausgang.
      "Wenn SIe wieder bereit sind, zu arbeiten: Der Augenzeuge wartet in Verwahrzelle 3. Ich muss Sie nicht darauf hinweisen, dass Sie die Zelle nicht allein betreten dürfen. Gleichsam muss ich darauf hinweisen, dass der Zeuge zumindest ein Rogue der Klasse A ist. Also seien Sie vorsichtig..."

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    • Langsam aber sicher ahnte Ember, warum Hawthorne zu ihr gemeint hatte, sie solle Cunningham wie einen Menschen behandeln. Die Ermittlerin konnte nicht ganz nachvollziehen, warum man Schwierigkeiten haben sollte, mit ihr zusammen zu arbeiten, sah man die Leiterin einmal nebst ihr stehen. Diese Frau war eine völlig andere Hausnummer, die selbst Ember säuerlich stimmte.
      Und diffamiert hatte sie ja nun wirklich niemanden. Darauf hatte sie bei ihrer Wortwahl durchaus geachtet. Aber sie wusste sehr wohl, dass selbst sie sich nicht alles gefallen lassen musste. Die Zahlen waren eindeutig auf ihrer Seite und sonst niemand.
      Außerdem wusste Ember ganz genau, dass sie auf gar keinen Fall auf das Wort Monster anspringen durfte. Ihr war klar, dass der augenscheinliche Ausrutscher Wellen schlagen konnte, die Cunningham vielleicht nachvollziehen konnte. In diesem Boot wollte und würde Ember nicht mit dieser Frau gemeinsam sitzen. Allerdings bedeutete der Detective der seltsame Ausdruck im Gesicht der Leiterin, dass sie vielleicht schon Lunte gerochen haben mochte. Oder sich einfach einen Spaß daraus machte.
      Als sie dann hörte, dass der Augenzeuge noch im Gebäude war, hellte sich ihr Gesicht sichtbar auf. Sie kannte die Spielregeln und legte sich bereits einen Plan zurecht. Den Typen würde sie grillen, wenn es sein musste.
      "Hawthorne. Ich hab' zwei Arkana überlebt. Da schaff' ich schon eine Klasse A", beteuerte sie ihm und nickte Cunningham nur kurz zu. Sie sollte ja den Schein wahren. "Ich mache dann mal einen Umweg bei Heyden. Für den Fall, Sie wissen schon."
      Damit rollte sie zu der Tür hinüber, klopfte und wartete bis Shawn sie endlich aus dem Glashaus befreite. Die Steine lagen viel zu nah in Greifweite als dass sie länger dort verweilen konnte.

      Etwa eine Stunde später stand ein Trio vor der Verwahrzelle 3. Shawn hatte seine Schwester wie darum gebeten zu Heyden, dem Technikfritzen, geschoben und wurde zum zweiten Mal des Tages aus einem Raum geworfen. Dieses Mal durfte er sogar nichts sehen und Ember antwortete auf keine seine Fragen.
      Neben den Geschwistern stand tatsächlich Noland, der sich einen Becher Coffee-to-Go mitgenommen hatte. Er wirkte eher wie der freundliche alte Rentner von nebenan, wie er durch den Flur blickte und an seinem Becher nippte. Ember hatte vielleicht fünf Minuten grbaucht, um den Rogue aus seinem Zimmer zu locken. Solange er sich im Gebäude bewegte, konnte er tun und lassen was er wollte. Buchstäblich.
      "Die haben wirklich Angst, dich allein in die Zelle zu lassen nachdem du mit Foremar in deiner Wohnung klargekommen bist?" Nolands Worte klangen erheitert bei dem Gedanken, wie Ember bei den Worten reagiert haben mochte.
      "Und einen beläufigen Angriff von Bones überstanden, ja. Ich mein, ich schinde so jetzt nicht den besten Eindruck, von daher kann ich's verstehen..."
      "Ich nehme an, ich muss wieder warten?" Shawns Stimme schaltete sich dazwischen und klang mittlerweile eher nüchtern. Er hatte sein Schicksal dahingehend akzeptiert.
      "Ja, musst du. Du kannst auch gerne gehen, ich komm' hier auch schon allein raus."
      "Du bist im Büro des Commissioners fast in die Scheibe gefahren."
      "Wie oft saßt du schon im Rollstuhl, du kleiner Klugscheißer?!"
      Da tippte Noland Ember auf die Schulter und deutete auf die Tür, vor der ein Wachmann ihnen nun zunickte. "Ich denke, wir dürfen."
      In einer erstaunlich geschmeidigen Bewegung löste der alte Rogue den jungen Mann am Griff des Rollstuhls ab und schob sie beide zur Zelle hinüber.
      "Ich freue mich schon, dich einmal live bei einer Befragung zu erleben", raunte er ihr leise ins Ohr und hüstelte dabei, als er ein Lachen unterdrückte.
      "Freu dich nicht zu früh, alter Mann. So spektakulär wird das nicht."
      Damit betraten sie die Verwahrzelle 3.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Cunningham und Hawthorne blickten der Detective forschend hinterher, ehe sich die Tür schloss. Beide wirkten eine Sekunde lang so, als hingen sie ihren Gedanken nach, als Hawthorne sich vorbeugte und schwer auf die Ellenbogen stützte.
      "Und du bist wirklich sicher?", fragte er Julia und sah sie versöhnlicher an, beinahe kameradschaftlich. "Musste das übrigens sein, dass du sie auf vor eine Affäre warnst? Ich meine...Ember ist ein Großmaul und ein Sturkopf, aber sie überschreitet keine Grenzen."
      Cunningham schlug die Beine erneut übereinander und verschränkte lächelnd die Arme vor der Brust.
      "Das mag alles stimmen", bekannte sie. "Von dem was ich sehe, ist sie eine starke Frau. Aber August Foremar ist anders..."
      "WIe meinst du das?"
      "Auch wenn Ms Sallow glaubt, dass Foremar unschuldig ist oder versucht, uns zu retten, weiß sie nicht, dass August Foremar der einzige Arkana ist, der seine Bezeichnung verdient, James. Er ist wahrhaftig ein Teufel in Menschengestalt. Vor zehn Jahren herrschte er über London und den Untergrund und war bei seinen Untergebenen als "Schwarzer König" gekannt. Und hat mit Liebe und Leidenschaft seine Untertanen gequält und ihnen Illusionen eingepflanzt, die sie frohlocken und jauchzen ließen. Sie wandelten wie Zombies durch den Untergrund."
      Hawthorne zog die Augenbrauen hinauf und seufzte.
      "Hat sich ja deutlich gemacht...", murmelte er und räusperte sich. "Dennoch...WIederhole die Frage: Bist du sicher?"
      Julia zögerte einen Moment und rückte auf dem Stuhl hin und her. Anschließend nickte sie mit dem Kopf und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
      "Definitiv", sagte sie. "Ich spüre Augusts Aura an ihrer. Egal, was dort war, sie sind sich nahe gekommen. So viel steht fest..."


      Verhörraum 3 war nichts, was man in den Forbes Magazinen oder in Illustrierten Möbelzeitschriften als Muster fand. Die Welt des Verhörten betrug hier der Schritte vier auf vier. In der Höhe waren es drei. Tumbes grau in grau und die obligatorische Spiegelwand, von der jeder wusste, dass ein Zwei-Wege-Spiegel war.
      Ein Plastiktisch stand in der Mitte und wurde von zwei Stühlen flankiert. Auf einem davon saß eine junge Frau. Die braune Haarmähne trug sie offen und offenkundig gerne fettig, denn die schweren Locken hingen ihr wie ein Vorhang über den Schultern. Auf der Nase trug sie eine Brille, die ihre Augen um das vierfache vergrößerten. Und nicht mal ein ungeübter Beobachter vermochte zu übersehen, dass sie nervös war. Von ihrer breiten Stirn tropfte regelrecht bahnbrechend der Schweiß und ließ ihre Sommersprossen noch mehr unter der braunen Mähne hervorlugen. Gekleidet war sie in ein einfaches Kleid aus dunkler Baumwolle und trug schulmäßig eine weiße Bluse darunter. Seufzend blickte sie sich gerade nochmals um, als die Tür aufgezogen wurde und Ember mitsamt Gefolge den Raum betraten.
      Hektisch sprang sie unter lautem Getöse des Stuhls auf und begann sogleich zu plappern.
      "Ich war es nicht, nur damit das klar ist!", ereiferte sie sich. "Ich weiß, dass hinter dem Spiegel ein hohes Tier steht und mich beobachtet und ich finde es bahnbrechend niederschmetternd, dass man mir meine Rechte verweigert. Ich bin nur Zeugin, verdammt und hatte nicht mal einen Anruf frei!"
      Anschließend drehte sie sich zum Spiegel um und brüllte diesen regelrecht an.
      "Ich kenne meine Rechte, ihr verdammten Bastarde! Lebend kriegt ihr mich nicht! Ich habe CSI gesehen, ich habe einen Anruf-"
      Sorgsam hielt sie inne und sah zu Ember.
      "Habe ich in England einen Anruf?"; fragte sie schließlich. "Ich heiße übrigens Endelyn Trevillian. Nur falls es interessiert."
      Anschließend setzte sie sich wieder auf den Stuhl und legte die Hände ineinander auf den Tisch.
      "Sie wollen bestimmt was über die Schlägerei im Untergrund wissen, nicht wahr, nicht wahr?"

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    • Sichtlich überrascht hoben sich Embers Augenbrauen, als die Zeugin quasi umgehend mit ihrer Triade begann, kaum hatten sie die Tür geöffnet. Noland schloss eben jene hinter sie völlig überührt und schob Ember zum Tisch hinüber ehe er sich auf dem daneben stehenden Stuhl setzte. Er legte seine Hände offen auf den Tisch, die Handflächen lediglich überschlagen und hielt sich bedeckt, wie es sich für einen stillen Beobachter gehörte.
      "Miss Trevillian, es tut mir leid, dass man Sie hier etwas eigennützig einsperrt", eröffnete Ember ihrerseits das Gespräch und lächte der Frau ihr gegenüber ermutigend zu, "aber ich muss genau hören, was Sie gesehen haben. Mein Name ist Ember Sallow, Senior Detective und mit dem Fall um August Foremar betraut worden. Und das hier ist Noland, unser Berater."
      Sie nickte zu dem Mann an ihrer Seite, der daraufhin ein herzerwärmendes Lächeln präsentierte. Allerdings kannte Ember diesen Mann nur zu gut und wusste, dass dies sein über Jahrzehnte geübtes falsches Lächeln war, das sich sogar über seine Augen hinweg erstreckte. Man wusste es nur wenn man seine Lebensgeschichte kannte.
      Dann warf Ember einen Blick an der Frau vorbei zu dem Spiegel, eine Prise aufgesetzte Feindseligkeit um zu verdeutlichen, dass ihr die stillen Beobachter auch nicht sonderlich gefielen. Im nächsten Moment hatte die Zauberin vor ihr wieder ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.
      "Wie Sie sehen bin ich während meiner Ermittlungen etwas in Ungnade gefallen. Dementsprechend brauche ich jedes noch so kleine Detail, das Ihnen aufgefallen ist. Ich habe gehört, Sie haben Foremar mit den anderen beiden Arkana reden sehen? Wie und wo? Wie lange? Wieso haben Sie sie dort gesehen?"
      Innerlich ärgerte sich Ember, dass sie ihr Notizbuch nicht mitgenommen hatte. Stattdessen hatte sie allerdings ein wandelndes Notizbuch an ihrer Seite, dessen aufmerksame Augen unverholen die Zauberin musterten. Noch immer verlor er kein Wort und saß seine Rolle aus. Währenddessen glitt der Blick der Detective über den Tisch. Anschließend seufzte sie und rutschte etwas in ihrem Rollstuhl umher.
      "Gott, hat man Ihnen nicht mal ein Wasser oder dergleichen gebracht? Wie lange sitzen Sie schon hier? Kein Wunder, dass Sie bei dieser Behandlung hier wieder schnell raus wollen..."
      Was kann sie, dass mich Hawthorne vor ihr gewarnt hat? Sieht nicht aus wie eine Level A, also Vorsicht...

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    • Trevilian lächelte breit, während sie so vielen freundlichen Gesichtern entgegen sah. Ihre Hände kopierten den Stil Nolands und das gleiche, beinahe echte Lächeln huschte über ihre Wangen, während sie den Mann fixierte. Erst danach sah sie zu Ember Sallow, wie sie sich vorstellte und legte den Kopf schief, wobei ihre Brille zu rutschen begann.
      "Wasser? Nein, nicht wirklich, wenn ich recht bedenke", sagte sie und sah zum Spiegel hinüber und verzog die Augen. "ICH WUSSTE IHR BESCHEIßT MICH IHR KLEINEN SADISTEN!"
      Ihre Stimme wurde mit einem Mal lauter, wie es schien, doch betrübte es nicht die Ohren. Vielmehr schien die Luft zu vibrieren während sie ihre Stimme erhob, sodass es in Embers Ohren klingen musste wie eine leicht schreiende Frau. Doch die Schwingung der Luft ließ selbst die zentimeterdicke Panzerglasscheibe gefährlich vibrieren, sodass sich kleine Risse im Putz bildeten.
      Trevilian räusperte sich und sah wieder ihre beiden Befrager an. Mit einem Mal war ein Lächeln auf ihr Gesicht zurückgekehrt, obgleich sie noch immer ihre Hände und Tasche knetete wie einen Gummibaum.
      "Nun...Wie gesagt, ich arbeite im Untergrund in einem Etablissement, das dem Richter untersteht. Vielmehr muss ich sagen, dass ich dem Richter direkt unterstehe. Ich leite seine Geschäfte in buchhalterischer Hinsicht", begann sie, wobei ihre Stimme nicht zur Gestik passte. Die Stimme war hart und gefestigt, während sie Ember fixierte. "Vor drei Tagen kam Foremar in den Untergrund und ersuchte mich um einen Termin beim Richter. Zum Dank für meine Ablehnung erntete ich das hier!"
      SIe entblößte kurz ihr Kleid an der oberen Schulter, wo ein dicker Verband lag.
      "Er bekam also seinen Termin. Was beide nicht wussten, war die Tatsache, dass ich den Termin belauschen konnte. Die Räume des Richters sind mit Absicht verwanzt, sodass kein Wort unausgesprochen bleibt, Sie verstehen? Nun...Sei's wie es sei. Foremar war aufgebracht, geradezu wütend und platzte beim Richter hinein und bedrohte ihn regelrecht. Er sollte ihm sagen, wer 'es' war. Niemand wusste, was 'es' war. Zwischen der Schreierei der beiden hörte ich nur die Worte "Unfall" und "Männer". Nach einer kurzen Zeit beruhigten sich beide Parteien und es schien eine Art Frieden einzukehren. Anschließend kam Foremar auf ein Bündnis zu sprechen, dass sie beide schließen sollten. Unwissend, dass Bones und der Richter dies bereits nach der ersten Zerstörung des Untergrunds getan hatten. Ms Bones ist seither Gast im Etablissement gewesen und trat der Unterhaltung bei. Ein Wort ergab das andere, man machte sich Vorwürfe und August entschied, den Hohen Rat zusammen zu rufen, um das Problem zu klären. Fragen Sie mich nicht welches. Doch der Richter und Bones waren dagegen, sprachen von Führungswechsel und dass Foremars Führung immer von Leid und Illusion geprägt war."
      Trevilian unterbrach sich um ihre Brille zu richten und seufzte.
      "Was soll ich Ihnen sagen? Die Fotos haben Sie sicherlich in der Zeitung gesehen...", murmelte sie und sah Ember an. "Ich muss fair sein und berichten, dass Foremar den Kampf nicht begann. Bones und der Richter griffen ihn gleichzeitig an und zwangen ihn dazu, seine volle Kraft zu nutzen. Und ich weiß nicht, ob sie das Ausmaß der Aura eines Arkana jemals wahrgenommen haben, aber...Selbst wenn man es schafft, länger als vier Sekunden bei Bewusstsein zu bleiben, fühlt es sich an, als stünde man im Himalaya mit nichts als seiner Haut bekleidet.
      Der Kampf...Er war fürchterlich. Ich weiß nicht mehr viel. Mein Verlobter, er..."
      Trevilian schluckte und atmete durch.
      "Mein Verlobter arbeitete ebenfalls für den Richter. Er starb als einer der ersten, als das Haus gesprengt wurde, als die Auren zusammentrafen. Das letzte was ich sah, war dieser Teufel, wie er Bones wie eine Puppe durch die Gegend schleuderte. Eine Aurawelle vernichtete meine Verteidigung und ich wurde ohnmächtig. Erwacht bin ich in dieser Hölle dort unten und fand nur noch Teile meines Verlobten wieder...Daher auch meine BEreitschaft, gegen diese Scheusale auszusagen. Er verschwand anschließend...ICh habe ihn noch gesehen...Als ich wach wurde, stand ein Teufel inmitten von Leichen und sah mich an. Und glauben Sie mir wenn ich Ihnen sage: Ich werde dieses Lachen niemals vergessen...Dieses wiehernde, grausame und kalte Lachen..."

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    • Aus dem Augenwinkel sah Ember, wie Noland auf Trevilian reagierte. Er verengte die Augen minimal, der einzige Hinweis, dass ihn irgendetwas gerade betraf. Ember hingegen bemerkte davon rein gar nichts. Sicher trug sie etwas in der Schale ihres BHs, nah am Herzen und ungesehen, das ihr Heyden vorhin noch zugesteckt hatte. Es zählte bei Weitem nicht zu den wirklich illegalen Teilen, die sie schon von ihm bekommen hatte, war aber trotzdem in der Grauzone, einfach wegen der Art, wie das kleine Teil gefertigt worden war. Als Konsequenz bekam die Detective praktisch nichts mit von den Schwingungen. Nur das vibrierende Glas machte ihr ein wenig Sorgen.
      Aufmerksam lauschte Ember der Erzählung der Frau, deren Stimme und Gestik nicht weiter voneinander entfernt liegen konnten. Dann zeigte sie der Detective ihre Schulter mit dem kräftigen Verband, doch es bewirkte keine einzige Regung. Allerdings waren es ihre folgenden Worte, die kleine Denkfalten auf Embers Stirn erscheinen ließen. Auch Noland bemerkte die leicht geänderte Ausstrahlung seiner Kollegin, quittierte dies aber nur mit einem flüchtigen Blick. Mit jedem weiteren Wort wurden aus den leichten Falten regelrechte Graben.
      Nachdem Trevilians Erzählung geendet hatte, lockerte Ember ihre Haltung, setzte sich etwas aufrechter und ihr Blick wurde unverhofft weich. "Mein Beileid. Ich kann sehr gut verstehen, weshalb Sie zu uns gekommen sind. Ihr Bericht ist wirklich hilfreich. Mir war nicht bewusst, dass es bereits zu einer Allianz des Richters und des Hierophanten gekommen ist. Das haben Sie so vorhin noch nicht erzählt, richtig?"
      Soviel zu Cunninghams großer Schnauze.
      "Sie kommen hier natürlich ungeschoren wieder raus. Zumindest werde ich mich darum kümmern. Aber wenn Sie direkt unter dem Richter arbeiten wären wir dankbar für jedes bisschen Einsicht, was Sie uns zu ihm offenbaren könnten. Reine Schutzmaßnahmen. Niemand hier wird ihn vermutlich im Alleingang angehen. Auf der anderen Seite würde ich Sie bitten, dem Herren hier zu meiner Seite Ihre Hand darzubieten. Der gute Mann überprüft Ihre Aussage auf den Wahrheitsgehalt, wenn Sie damit einverstanden sind. Sie können gerne ablehnen, es steht Ihnen frei."
      Noland rückte ein wenig nach vorn, legte seine linke Hand auf den Tisch mit der geöffneten Handfläche nach oben. Er lächelte Trevilian an, sein geübtes Lächeln mit dem er zu Hauf Ahnungslose und Leichtgläubige in seinen Bann zog. "Wiederholen Sie dann einfach die Stellen, die wir bestätigen sollen. Keine Sorge, es gibt keinen Übergriff, keine Manipulation meinerseits an Ihrer Psyche." Er blickte einen Augenblick auf seine Hand, dann hob er ihn wieder und musterte die Frau ihm gegenüber.
      "Aber wenn Sie es wünschen kann ich dafür sorgen, dass Sie dieses Lachen doch vergessen können. Und andere Dinge. Aber alles nur auf Ihr Geheiß."
      Das war Embers Stichwort. Sie legte ihre Hände in den Schoß und ließ die Situation einfach laufen. Ihre Fragerunde war beendet.



      18:34 Uhr

      Ember saß mit Shawn zusammen in seinem Wagen und standen auf einem Parkplatz vor einem ihm unbekannten Etablissement. Mit Nachdruck hatte seine Schwester versucht, einen bestimmten Ort in Erfahrung zu bringen und sie hatte etliche ihrer Kontakte im Department gebraucht bis man ihr eine konkrete Adresse anhand einer sehr schwammigen Beschreibung geben konnte. Als sie ihrem Bruder erzählte, wohin er sie fahren sollte, war sein Gesichtsausdruck Gold wert gewesen.
      Warum sollte Ember auch ein Bordell aufsuchen und vorallem so überstürzt?
      "Pass auf Shawn", begann Ember nachdem sie sich vergewissert hatte, dass sie ihre Hüfte tatsächlich ohne große Schwierigkeiten bewegen konnte.
      Sie hatten noch einen Abstecher bei den Heilkundigen gemacht, die ihr immerhin die Knochen soweit heilen konnten, dass sie wieder eigenständig laufen konnte. Aber ordentliche Portion Ruhe ersetzten sie jedoch nicht weshalb sie sich von jeglicher Action fernhalten sollte. Es reichte, damit sie nicht mehr wie ein Schwerstinvalide umherlief.
      "Du wirst hier im Wagen warten. Ich werde wenn überhaupt wohl nur Informationen oder kleine Schnippsel herausbekommen, aber das ist der einzige Anhaltspunkt, wo Foremar gewesen sein könnte. Er hatt's vor dem Unfall erwähnt gehabt. Bis auf den Untergrund habe ich keine weitere Spur und da will ich jetzt ganz bestimmt nicht hingehen. Also - Hurenhaus von Dolores, wie er es so schön gesagt hat."
      "Wie seid ihr denn bitte auf so ein Thema gekommen?"
      "Der Mann war jahrelang im Knast. Kannst du ihm das verübeln?"
      Shawm schnaubte. Nein, konnte er nicht. Trotzdem sah man an seiner bockigen Haltung, dass ihm die ganze Aktion nicht wirklich gefiel. Er hasste es zu warten und noch mehr hasste er es, nicht zu sehen, wenn seiner Schwester irgendetwas passieren mochte.
      Ember seufzte, als sie die Tür öffnete und ein wenig wackelig auf die Beine kam. Eine Woche Krankenhausaufenthalt forderte eben doch seinen Tribut.
      "Schön warten, ja? Ist nur ein Puff, alles gut."
      Damit warf sie die Tür zu und machte sich zum Haupteingang des Etablissements. Es war vielmehr die Bar als alles andere, durch die Ember auf den Ort hingewiesen worden war. Folglich hatte sie kein Problem damit selbstbewusst wie sie war die Bar zu betreten und sich sofort in dem gedämmten Licht heimisch zu fühlen. Sie konnte sich gar nicht mehr recht erinnern, durch wie viele Bars sie zu Beginn ihrer Karriere hier gezogen war, aber das Twisted Mind Palace zählte nie dazu. Höchstwahrscheinlich wegen der eindeutigen Zweitbeschäftigung, die in den Stockwerken über ihren Köpfen vor sich gingen.
      Ohne Umschweife steuerte Ember die Theke an, um sich neben einen Barhocker zu stellen. Sie traute dem fragilen Frieden in ihren Knochen noch nicht vollständig über den Weg. Dafür stützte sie sich halb auf die Ausschenke und lugte zu der Frau hinüber, die irgendwie zu mies gelaunt für ihren Job aussah. Ein schmales Lächeln erschien auf Embers Lippen, als die Frau ihr hinüber kam.
      "Hi. Einen Pimm's hätt' ich gern. Und eine kleine Auskunft, wo ich eine Dolores finden kann."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"

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    • Das Haus empfing einen jeden mit einer Herzenswärme, die man derartig nicht vermutete. Das Twisted Mind Palace befand sich im Londoner Westen und bestach durch die alt anmutende Häuserfassade eines mittelalterlichen Baus. Fachwerkstrukturen zogen sich durch die schweren Mauerfassaden und krönten die breite Fassade mit zwei Turmauswüchsen, in welchen man eindeutiges hätte zu sehen bekommen, sofern man dazu in der Lage gewesen wäre.
      So waren die Fenster eben von außen verhangen. Vor dem Eingang in der Mitte des Baus und der wuchtigen Flügeltür standen recht ordentlich bekleidete Damen und sprachen mit allerlei Herren in feinen oder unfeinen Zwirnen. Musik drang aus dem Innenraum und das allgegenwärtige Raunen von langen Gesprächen. Und selbst ein ungeneigter Zuschauer musste zugeben, dass dies ein Ort war, wo es sich leben ließ.

      Im Innenraum befand sich zur rechten des Eingangs ein wuchtiger Tresen, der beinahe voll besetzt war. Die Luft roch nach Parfum und Alkohol und der Abstand der Menschen verringerte sich mit jedem Zentimeter, den man näher an den Treppenaufgang herantrat, der sich an der Kopfseite des Raumes befand. Zu allen Seiten hatte man Tische drapiert, die ebenfalls voll besetzt waren. Zumeist befanden sich hier Herren der Schöpfung, spielten Karten, tranken und redeten über das Leben oder was es ihnen nahm. Man hätte beinahe nicht davon ausgehen können, dass es sich hierbei um ein Hurenhaus handelte, wenn man nicht die Damen betrachtete, die sich mehr und mehr zu den Männern hinbewegten und hier und da kleine Spitzfindigkeiten in die Ohren flüsterten.
      Die grimmige Wirtin sah Ember an und seufzte.
      Schweigend griff sie ins Regal hinter sich und zog eine schlanke Flasche mit langem Hals hervor. Nicht viele tranken von diesem Zeug.
      Sie stellte ein kleines Wiskeyglas auf den Tisch und fülte dieses zu gut einem Drittel mit dem Likör und beugte sich zu ihr hinüber.
      „Was woll’n se von Dolores, wa?“, fragte die Wirtin in einem breiten Manchesterakzent, der kaum verständlich war.
      „Schon gut, Elma.“
      Die sanfte Stimme hatte sich neben Ember erhoben und saß bereits seit ihrer Ankunft auf dem Hocker vor der Bar.
      Die Frau, zu der sie gehörte, war alt. Unendlich alt, wie es schien. Falten durchzogen ihr Gesicht wie Schützengräben auf einem Schlachtfeld und die Lippen waren leicht gekräuselt, als sie von ihrem Tee nippte, der aromatisch roch. Das weiße Haar hielt sie zu einem Dutt gebunden und sah sie freundlich an. Das einzig jugendliche an ihr waren ihre Augen. Diese blitzten in einem schimmernden Blau hervor und versteckten das unterschwellige Lächeln.

      „Ich würde Ihnen einen Pimms mit Holunder und Blaubeere empfehlen, mein Kind“, sagte sie und wandte sich Ember zu. „Ich bin – wie Sie wohl vermuten – Dolores. Und vielleicht…Ja, vielleicht sollten wir in einem anderen Rahmen reden, nicht wahr?“
      Sie sah zur Wirtin.
      „Bereitest du uns das Separee vor, Teuerste?“
      Langsam stiegen sie nach Anweisung die Treppe hinauf, wobei sich die alte Dame schwertat, mit dem Stock zu ihrer Seite die Stufen zu erklimmen. Und dennoch. Oben angekommen hielt sie inne und blickte sich kurz um. Allerorten begrüßte man sie freundlich. Selbst die Mädchen und die Freier erschienen erfreut und erpicht auf ein Schwätzchen, was sie dankend ablehnte.
      „Sie sind mit August befreundet, nicht wahr?“, fragte sie und lächelte wissend. „Er hat von Ihnen berichtet, daher habe ich Sie erkannt.“
      Sie führte Ember in eines der Hurenzimmer, welches jedoch leer stand. Nur ein Bett und ein Nachttisch standen in dem Raum, der an sich sauberer als gedacht erschien.
      „Nun…“, begann Dolores und lächelte, während sie sich auf einen Stuhl setzte. „Sie wollten mich finden. Hier bin ich. Wie kann ich Ihnen helfen?“

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    • Irgendwie hatte die Detective gehofft, dass besagte Dolores einfach nur eine ansehnliche Frau in ihrem Alter sein mochte und keine alte, vermutliche, Puffmutter. Allerdings kam Ember mit solch einem Kaliber deutlich besser klar, zumal sie die Frau wesentlich besser verstand als die Barfrau mit ihrem schweren Akzent. Leicht lächelnd erwiderte Ember den Kommentar und schob ihr Glas wieder ein Stückchen zurück als Zeichen, dem Ratschlag Folge leisten zu wollen. Tatsächlich hatte sie auf eine viel größere Gegenwehr getippt, was ihr widerum bedeutete, dass man sie erkannte.
      Also lag Ember in ihrer Annahme völlig richtig, dass August schon hier gewesen war.
      "Ich glaube, hier im Treiben wäre ein kleines Gespräch wirklich nicht angebracht", stimmte sie Dolores zu bevor sie sich erhob und der alten Dame zur Treppe folgte.
      Wie ein Schatten folgte Ember mit dem Glas in der Hand Dolores, nah genug, um im Notfall zu helfen aber weit genug entfernt, sodass es nicht aufdringlich wirkte. Sie wusste genau, dass es ausreichte, Hilfe zu symbolisieren anstatt den Bedürftigen ständig damit auf die Nerven zu gehen. Wenn Dolores Hilfe wollte für die Treppe, dann war Ember hinter ihr zur Stelle.
      Selbstredend entging ihr nicht das Ansehen und der Respekt, den man Dolores entgegenbrachte. Im gesamten Haus herrschte eine gesunde Stimmung, die ihren Ursprung am Kopf der Schlange haben musste und dieser starkste höchst wahrscheinlich gerade vor der Detective vorweg, um sie in ein leeres Zimmer zu führen. Dolores Worte bestätigten weiterhin Embers Vermutungen noch bevor sich die Dame auf den einzigen Stuhl im Raum gesetzt hatte. Ember hingegen blieb nahe der geschlossenen Türe stehen, die Hand mit dem Glas auf ihrem anderen verschränkten Unterarm drapiert.
      "Er hat es Ihnen vermutlich schon gesagt, aber ich heiße Ember Sallow. Senior Detective im Special Department." Auf den Aspekt des Befreundet sein ging sie nicht weiter ein. "Ich habe schon fast vermutet, dass er hier gewesen ist. Ich weiß nicht, wie sehr Sie im Bilde sind, aber vor knapp einer Woche hatten wir einen Unfall und seitdem war ich aus dem Verkehr gezogen worden. Ich habe den Kontakt zu ihm verloren und da er kurz vorher Ihren Namen erwähnt hatte, war das meine einzige Spur."
      Dann nippte sie einmal an ihrem Glas. Der Alkohol brannte sich förmlich seinen Weg ihre Kehle hinunter, nachdem sie die letzten Tage ausschließlich Wasser zu trinken bekommen hatte.
      "Sie kennen August schon wie lange? Sicherlich etliche Jahre." Ihre Augen wanderten kurz über den gebrechlich wirkenden Körper Dolores'. "Bestimmt hat er sich in Ihre jugendliche Schönheit damals verguckt." Sie lächelte etwas amüsiert. "Ich bin mir nicht ganz sicher, wie viel Sie von unserer Ermittlung wissen - allerdings gehe ich stark davon aus, dass er Sie in Dinge eingeweiht hat, von denen ich nichts weiß. Zum Beispiel, warum er mich bei Ihnen erwähnt hat. Er hat Sie vorgewarnt, dass ich auftauchen werde. Hat er noch was gesagt? Irgendetwas, dass Sie mir ausrichten sollen?"
      Ember hoffte auf ein Seil, dass der Rogue hinter sich hergezogen hatte, damit sie endlich wieder zu ihm aufschließen konnte. Dank ihrer Nacht und Nebel Aktion hatte sie nicht die Zeit gehabt, Hintergründe von Dolores zu erforschen und tat sich dementsprechend schwer, die alte Frau im Kontext einzuordnen. Immerhin war sie eine der Wenigen, die ihn scheinbar nicht direkt als Teufel verschrien.
      "Wann war er hier? Wissen Sie, wohin er jetzt gegangen ist? Ich muss ihn wiederfinden - wegen mehreren Problemen."

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    • Dolores grinste nur nachsichtig und wies ihr das Bett zum Sitzen zu. Ihre Hände waren knotig und knubbelig, aber man konnte durchaus eine gewisse Anmut in ihren Bewegungen sehen. Als wäre sie mehr als lange gewohnt, Gäste zu empfangen. Vor allen Dingen wenn diese Gäste offenbar etwas dringendes suchen.
      "Immer mit der Ruhe, mein Kind", murmelte sie und hob beide Hände, als habe sie sich ergeben. "So viele Fragen in meinem Alter...Herrje...SIe müssen verzweifelt sein, meine Liebe."
      Sie richtete sich im Sitzen auf und nickte.
      "Es freut mich, Sie endlich kennen zu lernen, Ember Sallow. Auch wenn ich durch Augusts Erzählungen schon beinahe glaubte, Sie bereits zu kennen. Mein Name ist Dolores. Dolores Lynch. Und wie Sie richtig annehmen, leite ich dieses Haus. Und ja, ich bin im Bilde, mein Kind. Ich weiß von dem Unfall...Schrecklich, so etwas...August war völlig aufgelöst als er hier her kam. Verletzt und wütend haben wir ihn gepflegt, bis er wieder auszog, um einen Herrn zu finden, mit dem er sprechen wollte. Er berichtet mir leider nie viel von seinen Plänen müssen Sie wissen."
      Ein wissendes Lächeln stahl sich auf die faltigen Lippen. SIe legte den Kopf schief und sah Ember an.
      "Jugendliche Schönheit...Sie sind eine Schmeichlerin, Miss Sallow. Ich könnte Ihre Urgroßmutter sein. Ja, August und ich verbindet eine lange Zeit der Bekanntschaft. Einige Jahre. Vermutlich viel zu viele, nicht wahr?"
      Dolores blickte sie verwirrt an und begann anschließend amüsiert zu lachen.
      "Meine Liebe...Das ist doch kein Kriminalroman", kicherte sie. "August warnte mich vor, dass eine junge Polizistin hier auftauchen könnte. Eine junge Frau mit grauem Haar, die viel zu zielstrebig und offenherzig nach Informationen fragt. Und dass ich auf sie aufpassen soll bis er wieder hier ist. Es wird nicht mehr lange dauern, Schätzchen. VIelleicht nur eine Stunde oder dergleichen. Er ist nie lange draußen seit...Nun...Sie sind denke ich über alles im Bilde, nicht wahr?"
      Anschließend faltete sie die Hände in ihrem Schoß und sah sie ernst an.
      "Eine Frage habe ich jedoch auch, wenn Sie es mir erlauben", murmelte sie und räusperte sich. "Was ist August für Sie?"

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    • Bereitwillig folgte Ember Dolores' Aufforderung, sich auf das Bett zu setzen. In ihrer Jugend hatte sie Freudenhäuser immer als dreckige Absteige wahrgenommen, doch im Laufe der Zeit hatte sich diese Ansicht geändert. Sie war in zu vielen Fällen verstrickt gewesen, die häufig in solchen Einrichtungen liefen und in den seltensten Fällen waren es heruntergekommene Absteigen gewesen. In den meisten Fällen ließ die Geschichte der Sexarbeiter es gar nicht anders zu als ihnen ein übergeordnetes Verständnis entgegenzubringen.
      Verzweifelt war nicht das richtige Wort. Sicher, sie spürte den Druck in ihrem Nacken, aber dieser rührte nicht nur von der drohenden Guillotine, die man bereits im Hinterhof aufbaute. Es waren viele kleine Aspekte, die mit hinein spielten und übergeordnet stand der Fakt, dass dies hier der einzige handfeste Hinweis war, den die Frau nun mal besaß.
      Allerdings kam Ember nicht drum herum, die Stirn ein wenig zu runzeln. "Ich hatte vermutet, dass er direkt nach dem Unfall hierher käme. Immerhin wusste ich von keinem anderen Ort. Sicher, ein Unfall, oder eher Attentat, ist nervenaufreibend. Allerdings hab ich die Bilder gesehen. Er hat die Angreifer buchstäblich gesprengt. Eigentlich hätte er gar nicht so aufgebracht sein müssen."
      Schließlich hat er mich direkt in ein Krankenhaus geportet und ihm ist scheinbar nichts weiter passiert. Zwar wissen wir nicht, wer sie waren, aber...
      Also hatte August Dolores indirekt verraten, dass er zum Richter gehen wollte. Wenn man diese Information mit jeder von Trevilian verband, dann musste August über Tage eine Wut aufgestaut haben, von der sie nicht glauben wollte, woher sie nach dem Hörensagen rührte. Wütend zu werden für das Wohl eines Anderen würde eine gewisse Beziehung bedeuten.
      Ruhig nahm Ember einen weiteren Schluck. Die Art, wie Dolores lächelte und sie ansah bedeutete ihr, dass die alte Frau die Intention hinter ihrer Frage gerochen haben musste. Und ebenso darum herum schiffte wie sie selbst es tat. Bevor sie sich aber in ihren Gedanken verfangen konnte, tropften die nächsten Worte über die spröden Lippen und sorgten dafür, dass sich ungetrübte Überraschung in Embers Augen zeigte.
      Man sollte auf sie aufpassen bis er zurückkam. August war hier abgestiegen und nicht nur als Zwischenstopp eingekehrt. Und noch viel wichtiger: Er war davon ausgegangen, dass sie sich an seine Worte erinnerte und ihn hier aufsuchen würde. Ob sie dabei wirklich über alles im Bilde war, bezweifelte Ember jedoch stark.
      Auf Dolores' Frage hin blitzten mehrere Optionen vor ihrem geistigen Auge auf. Jene, die sie wählte, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Jene, die gezielt Tatsachen vertuschten und jene, die sie nur ihren engsten Angehörigen offen kundtat.
      "Was August Foremar, der so verschriene Massenmörder für mich ist?", wiederholte die Detective die Frage, wobei sie sie so ausschmückte, wie die generelle Öffentlichkeit ihn sah. Noch immer schwang die Überraschung in ihren Worten mit, die bei den folgenden Worten durch eine Ernsthaftigkeit abgelöst wurde, die dem Ausdruck der alten Dame entsprach. "Ein Freund. Vielleicht ein Kollege. Und wenn Sie es ganz kitschig sehen wollen die Möglichkeit, das richtig zu rücken, zu dem ich allein nicht fähig bin."
      In Embers Augen funkelte die Wahrheit. Doch tief unter diesem Glanz lag etwas begraben, das der Arkana von ihr noch nicht gesehen hatte und es erst würde, wenn sich ihre Vertrauensbasis etablierte. Sie sah es nicht als nötig an, vor der alten Dame ihre Worte zu verschachteln. Wenn August ihr vertraute, dann tat sie es ebenfalls. Das war sie ihm allein schon wegen ihres Deals schuldig.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Auf ihre Erzählung hin zog die alte Dame die Stirn kraus. Gerade als sie antworten wollte, klopfte es zaghaft an der Tür und man schob einen Servierwagen hinein, auf dem eine Kanne mit einem Gedeck. Der Geruch von Pfefferminz nahm den Raum ein und Dolores lächelte der jungen Frau zu, die leicht bekleidet den Wagen hinein schob.
      "Ah, Marina", sagte sie und blickte sich um. "Vielen Dank, Liebes. Läuft es gut?"
      "Ja, Ma'am"; bestätigte sie. "Ich hatte bisher nur drei und diese waren durchweg angenehm."
      "Freut mich, freut mich. Sollte dir einer der Herren zu nahe treten, zögere nicht, dich zu melden, meine Liebe."
      "In Ordnung Dolores."
      Mit einem kurzen Nicken in Embers Richtung verschwand die junge Frau genauso schnell wie sie gekommen war. Schweigsam goss die alte Dame Tee in die Tassen, während sie Ember lauschte.
      "Ja...", murmelte sie und reichte ihr eine Tasse. "Ich hörte von diesem grässlichen Vorkommnis. Nun, August ist - wie viele andere Menschen - nicht perfekt wissen Sie? Und er neigt zu unwirschen Ausbrüchen, wenn man ihm - wie heißt es - quer kommt? Und ich glaube, dass es vielmehr Sorge um ihre Gesundheit war als Wut auf die anderen, Liebes."
      Lächelnd trank sie einen Schluck Tee und setzte die Tasse mit einem geruhsamen Klacken in den Unterteller zurück.
      "Er ist für Sie also eine Art Ticket, nicht wahr?", fragte sie wohl gewählt und verlor nicht die Spur ihres wachen Ausdrucks. "Wissen Sie...Ich stellte August dieselbe Frage, vor sehr langer Zeit. Allerdings eine andere Person betreffend. Erstaunlicherweise berichtete er mir beinahe haargenau dasselbe wie Sie. Auch wenn einige Jahre dazwischen liegen. Er sagte mir, dass er in dieser Person Jemanden sehe, der ihm möglich mache, wozu er selbst nicht fähig gewesen sei."
      Sie stellte die Tasse samt Teller auf den Wagen und seufzte.
      "Wissen Sie...Auch wenn es mich nicht wundern sollte, so freue ich mich zumindest, dass er eine Freundin wie Sie gefunden hat. Ich werde nicht ewig auf Gottes grüner Erde wandeln und mich hoffentlich schon bald in die Arme meiner Eltern und meiner Schwester flüchten, die die Welt schon so früh verlassen mussten. Und August war immer ein gebranntes Kind, was Verlust angeht."

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    • Dankbar stellte Ember ihr Whiskeyglas beiseite, um sich einer der Teetassen zu bemächtigen. Üblicherweise trank sie seltens Tee, aber jetzt gerade war der sanfte Geruch der Pfefferminze purer Balsam für die Nase.
      "Ich möchte ja nicht anmaßend klingen aber ich bin nicht davon ausgegangen, dass meine Gesundheit eine besonders große Rolle für den Mann spielt", merkte Ember ehrlicherweise an und hielt Ausschau nach etwas Zucker, der in einem kleinen Pöttchen mit dazu gereicht worden war. "Wir kennen uns nicht mal eine volle Woche."
      Schon eine volle Woche, wenn man den Besuch im Evenstar mit einrechnete, aber das zählte nun wirklich nicht zum Kennen. Recht geschäftigt versenkte die Detective einen vollen Teelöffel Zucker in ihrer Tasse, sodass einem Diabetiker womöglich direkt der Zuckerschock zu Kopf gestiegen wäre.
      Dann sah Ember zu Dolores auf. "Ein Ticket klingt wie eine Wegwerfware. Und das ist er sicherlich nicht."
      Ihre Worte kamen schärfer zur Geltung als sie es beabsichtigt hatte. Egal wie niederträchtig ein Mensch sein mochte, wo er seine Wurzeln hatte und woran er glaubte - nichts davon machte das Leben der Person weniger wert.
      Sie räusperte sich leise, um den richtigen Ton wiederzufinden. "Wenn ich raten müsste, dann trifft das vermutlich auf.... ihre Tochter zu?"
      Ein halber Schuss ins Blaue. Die Dame war alt genug, als dass sie selbst Kinder gehabt haben mochte. Es musste einen Grund geben, warum August eine Verbindung zu dieser alten Frau hatte und wenn sie sich richtig entsann, dann war August nicht nur mit Dolores, sondern auch mit einer jüngeren Person befreundet gewesen, die im direkten Bezug zu der alten Dame stand. Es war nicht Rem, dessen war sich Ember bewusst. Aber es gab da ja noch einen weiteren Frauennamen, der auf den Rippen des Arkana prangte. Eine weitere Frau, deren Kleid sie getragen hatte.
      "Sagen wir es mal so: Er behauptet zwar, dass er jederzeit aus Evenstar hätte verschwinden können, aber ich hab ihn in aller Öffentlichkeit daraus geholt. Vielleicht will er ja einfach verhindern, dass sein Image noch weiter leidet, sollte er die Ermittlerin auf dem Gewissen haben, die ihn rausgeschlagen hat...", lächelte Ember mit einer ungeahnten Wärme in der Stimme, als sie einen Schluck des eigentlich viel zu süßen Tees nahm.
      Kaum hatte sie geschluckt, kam sie ohne Umschweife wieder auf einen für sie wichtigen Aspekt zurück. "Verlust ist etwas, mit dem wir alle klarkommen müssen. Sie, ich, er. Jeder auf Erden. Ich habe ein bisschen von seinem Leid gesehen in den wenigen Tagen, die wir miteinander verbracht haben. Aber ich füchte, das war nur die Spitze des Eisberges und Sie kennen ein ganzes Stück mehr als ich."
      Embers Blick war hellwach während sie über den Rand ihrer Tasse Dolores fixierte.
      "Sie kennen ihn länger als dreißig Jahre, richtig? Wie lange kennen Sie ihn bereits, Dolores? Er hat sich bereits einmal verhaspelt als er beiläufig erwähnte, dass er Commissioner Hawthorne so lange kennt. Ich lag falsch in der Annahme, er sei so alt wie ich.... Er rückt nur spärlich mit den Hintergründen raus und ich bin gewillt, an Stelle Ihrer auf ihn aufzupassen. Aber das geht nur, wenn ich mehr über ihn weiß."
      Sie würde nicht drumherum kommen, ein Puzzle um August Foremar auszulegen und eigenständig Teil für Teil ineinander zu fügen. Von sich aus würde er vermutlich nur mehr erzählen, wenn sie beiden die Ruhe dazu hatten und so wie die Lage aktuell war, konnte sich Ember geschmeidig abschminken.
      "Aber ich bin gespannt, was er gleich sagt...", murmelte sie leise in die Untiefen ihrer Teetasse.

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    • Dolores sah sie erstaunt an und zuckte anschließend nachsichtig lächelnd die Achseln.
      "Nun..."; begann sie und legte ihre Hände in den Schoß. "Irgendetwas wird er in Ihnen sehen, Liebes. August mag zwar seinem Temperament so manches Mal erlegen sein, aber er würde sich niemals dermaßen aufregen, wenn er einen Menschen nicht irgendwie leiden könnte."
      Sie zwinkerte verschwörerisch und nahm einen Schluck des Tees der angenehm auf der Zunge brannte. Sie erzählte wohl besser nicht allzu viel, aber gleichsam war etwas in den Augen der jungen Frau, dass sie sprechen ließ. Als habe der Junge es gewusst, als er sie beide zusammenbrachte.
      Auf ihre Erwiderung hin musste sie damenhaft kichern und nickte.
      "Freilich ist er das nicht", bestätigte sie. "Aber es ist schön zu sehen, dass sich noch jemand empört, wenn es zur Sprache kommt. Ich freue mich."
      Auf ihre weitere Erwiderung hüllte sich die Dame in beherrschendes Schweigen und ein warmes, beinahe großmütterliches Lächeln, als sie weiter sprach. Schließlich nickte sie nachsichtig.
      "Ja, es mag stimmen", bestätigte sie. "August hätte sich vermutlich aus diesem scheußlichen Gefängnis befreien können. Und ich glaube nicht, dass sein...Pardon, wie war das? Image? Ich denke nicht, dass sein Image darunter litt, Miss Sallow. August war schon immer ein Mann, der, wenn er nicht gefunden werden wollte, nicht gefunden wurde. Und dasselbe war es mit dem Gefängnis. Es hieß in den Zeitungen und Berichten, man habe ihn gefangen genommen nach langer Schlacht. Zutreffend ist, dass es eine Schlacht gab, Liebes. Aber August gab freiwillig auf und ließ sich gefangen nehmen von dieser Cunningham und diesem grässlichen Mann...Wie hieß er noch gleich?"
      Ihre letzte Frage jedoch besaß Zündstoff.
      So viel davon, dass sie sich beinahe an ihrem Tee verschluckte. Seufzend stellte sie ihn sorgsam auf den kleinen Servierwagen und seufzte, ehe sie die Hände in den Schoß legte. Etwas war in diesen Augen...
      "Es wird irgendwann ohnehin zur Sprache kommen, nicht wahr?", fragte sie und lächelte nachsichtig. "Was ich Ihnen nunmehr erzähle, wissen auf dieser Welt genau zwei Personen. Nämlich August und ich selbst. Und es wäre schön, wenn nach ihnen keiner mehr hinzukäme."
      Ihr Blick über die schmalen Brillenränder war unnachgiebig und beinahe beherrschend. Erst da bekam man einen Eindruck, was für eine eindrucksvolle Frau sie einst gewesen sein mochte.
      "Es ist zutreffend, dass ich ihn länger kenne, Liebes. Ich lernte August Foremar in einem lauen Spätsommer kennen, als ich mit meiner Familie nach London kam. Das war im Sommer von 1942. August kannte meine Schwester und arbeitete und forschte mit ihr. Ihr Name war Izabella Lynch. Und sie starb bei einem grässlichen Unfall vor beinahe 80 Jahren."

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    • Ember verfiel in Schweigen. Ihre Mimik war völlig nichtsaussagend während sie die Tasse nochmals hob, um einen kleinen Schluck zu nehmen. Wie war es faktisch möglich, dass niemand dieses wahnwitzige Detail bemerkt hat? Zugegeben, sie selbst hätte auch viel eher stutzen müssen, Hawthorne hätte stutzen müssen in Anbetracht dessen, dass sich der Rogue vermutlich nicht viel verändert hatte.
      Aber dass es sich um die Schwester statt der Tochter handelte, machte es nicht unbedingt besser.
      "Schön, dass ich endlich mal eine eindeutige Bestätigung bekomme anstelle ständiger kryptischer Antworten", gab Ember nüchtern zurück. "Aber es kann mir doch keiner erzählen, dass wirklich niemand auf sein Alter geachtet hat? Oder war es denen einfach egal?"
      Ein Alter spielte im Endeffekt selten eine Rolle. Vielleicht war es auch nur Ember, die sich wunderte. Einfach nur weil ihr doch ein Erfahrungsschatz fehlte, auf den ihre Vorgesetzten allesamt zurückblicken konnten. Änderte es etwas, wenn sie nun wusste, dass August an die 100 Jahre kratzen mochte und trotzdem so aussah, als wäre er nicht viel älter als sie selbst? Allerdings... ploppte direkt die nächste Frage auf. Eine, die noch ein wenig seltsamer erschien.
      "Kannten Sie den Rest von Augusts Freundestruppe von damals? Ich weiß, welche Personen oder zumindest Namen er umfasste. Eine Person hieß Rem und wir haben ihren Vater im Untergrund getroffen. Wie kann es sein, dass besagte Rem und Ihre Schwester zeitgleich existieren konnten, während Rem's Vater mit Sicherheit keine 80 Jahre alt ist?"
      Dieser Zusammenhang war in etwa vergleichbar mit dem Gefühl das sie hatte, als sie ihren Namen auf dem Foto gelesen hatte. Es war eine Sache, dass August sein Leben wie auch immer verlängern mochte. Aber irgendetwas stimmte in der Rechnung mit seinen Freunden nicht. Irgendwo lag der Hase im Pfeffer. Sie musste ihn nur finden.

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    • Dolores lächelte verschwörerisch, als Ember auf ihre Aussagen reagierte. Zu köstlich, die heutige Jugend. Und ärgerlich, dass August dies nicht hören konnte. Es war erstaunlich, dass sie nicht einmal den Hauch von Überraschung zeigte. Sicherlich, August hatte sich bei diesem Hawthorne verplappert, aber wenn sie ehrlich war, hatte sie doch mit einer ausladenderen Reaktion gerechnet. Zumindest passierte es den meisten, dass sie danbach erstmal schweigten.
      "Ich kenne die übrigen", murmelte sie schließlich betroffen. "Da waren meine Schwester, Rem, Marya, Thomas und William. Gute Menschen und jeder auf seine Art ein brillanter Rogue. Sie...Nun, sie wollten alle die Grenzen der Magie austesten, so erschien es mir damals. Und als Mädchen fand ich es spannend, ihnen dabei zuzusehen, wie sie Zauber berechneten und sich stritten. Rem und August waren die Wortführer dieser Gruppe, wenn ich mich recht entsinne..."
      Anschließend sah sie zu Ember und lächelte.
      "Mein Kind...Das Alter ist durchweg eine Zahl. Freilich fiel es einigen auf, dass August nicht wirklich alterte. Aber als er seinen Status als Arcana erhielt, fragte Niemand mehr danach. Ein jeder hielt es plötzlich für natürlich, nicht wahr? Und Jeremiah...Der arme Jeremiah..."
      Sie sah betroffen zur Seite und seufzte schwer. Schmerz und Trauer zogen sich durch ihre Falten und ließen ihre Augen stumpf werden.
      "Jeremiah Old wurde als Jeremiah Chapman in London geboren. Um die Jahrhundertwende muss das gewesen sein. Er war Rems Vater und als sie nicht mehr war, da...Da öffnete er dieses verfluchte Sieben-Wege-Tor. Zumindest eines davon. Und hielt seine eigene Zeit zu unbekannten Kosten an. Seither haust er in der Welt und sucht Rache fpr etwas, was nicht gerächt werden kann..."
      Ein Rumpeln ging durch das Untergeschoss und eilige Schritte waren auf der Außentreppe zu hören. Die jungen Damen verfielen ins Plappern und gerade aufgeregtes Gerede, als eine Männerstimme sich hinzugesellte. Und sie klang aufgeregt und leicht gereizt, als die Tür aufgerissen wurde und August Foremar den Raum betrat.
      Sein Gesicht hatte sich verändert. Zarte Narbenbildung zeichnete sich auf den Wangen ab und sein Hemd war unordentlich geschnürt. Statt des Dreiteilers, den er sonst trug, waren seine Beine in ausgeblichenen Jeans und schwere Boots gekleidet, während sein Oberkörper in ein hastig geknöpftes, schwarzes Hemd gehüllt war.
      Den kurzen Ärmeln des Hemdes zu schulden, waren dicke Verbände an seinen Armen erkennbar und verblassende Narben an seiner Brust. Was ein Heiler so anrichten konnte...Zumindest würden die Narben spurlos verschwunden sein mit der Zeit. Aber der gehetzte Ausdruck auf seinen Augen blieb, als er Ember im Raum sitzen sah.
      "Sahst schon besser aus, Sallow", grinste er verstohlen und nickte Dolores zu, ehe er sie umarmte. "Danke, dass du auf sie aufgepasst hast, Lory."
      Anschließend sah er zu Ember und stemmte die Hände in die Hüften.
      "WIe geht es dir? Was machen die Verletzungen?"

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    • Sehr gut sogar konnte sich Ember die kleine Gruppe an Zauberern vorstellen, die zusammenhingen und das erforschten, was ihnen von der Natur aus gegeben worden war. Besäße Ember dieselben Fähigkeiten wäre sie womöglich ebenfalls ein Teil einer solchen Gruppe gewesen. Doch das Schicksal hatte ihr andere Karten zugespielt, mit denen sie nun ihr Leben bestreiten musste.
      "Jeremiah hat das Tor geöffnet?"
      Diese kleine Information zählte zu jenen, die eine Regung in den von der Arbeit gestählten Augen der Detective erzeugte. Sicher, im Zustand des überwältigenden Schmerzes tat einjeder alles, um ihn zu mildern. Aber dass nicht nur August sondern auch Jerry sich mit diesem ominösen Tor auseinandergesetzt hatten, war erstaunlich. Fast so erstaublich wie die Tatsache, dass sich der Herr im Untergrund mit dieser Aktion scheinbar unsterblich gemacht hatte. Für welchen Preis aus immer es war.
      Dann hörten die beiden Frauen Geräusche ein Stockwerk tiefer. Reflexartig stellte Ember ihre Teetasse auf dem Unterteller ab, ihr Blick war eisern auf die Tür gerichtet. Sie zog die Augenbrauen zusammen als sie versuchte, die Männerstimme zwischen all den aufgeregten Frauen deutlicher herauszuhören. Viel weiter kam sie jedoch nicht, da wurde bereits die Tür mit solch einer Inbrunst aufgerissen, dass sie den Schuldigen auch blind erkannt hätte.
      Ember musste mehrfach blinzeln ehe sie den Mann aus ihrer Erinnerung mit jenem übereinander brachte, der gerade den Raum betreten hatte. Falls die Detective gedacht hätte, dass sie leicht mitgenommen aussah, wies der Rogue sie grandios in ihre Schranken. Die Narben passten zu den Bildern, die man ihr im Präsidium vorgelegt hatte, ein regelrechtes Kriegsopfer. Die Klamotten, die er nun zur Schau trug, war ein harter Kontrast zu dem, wie sie ihn eigentlich kennengelernt hatte.
      Dies war einer der seltenen Momente, in denen Ember ihren Gesichtsausdruck weder kontrollieren noch selbst einschätzen konnte. Im Endeffekt gaffte sie August mit leicht geöffnetem Mund an, kein Wort kam über ihre Lippen. Fast schon schockiert sah sie dabei zu, wie er in aller Vertraulichkeit mit Dolores umging ehe er sich aufbaute und das Wort an die Detective richtete. Es dauerte einen Augenblick bis seine Worte offensichtlich in ihrem Geiste Fuß fassen konnten.
      "Wie es mir geht?", wiederholte Ember beinahe perplex bevor sie sich vorsichtig erhob und leicht den Kopf schüttelte. "Irgendwelche Wahnsinnigen haben meinen schönen Wagen in Altmetall verwandelt und mir gebrochene Rippen eingehandelt. Und alles, was ich tun darf, ist 'ne verdammte Woche zu früh aus dem Krankenhaus zu flüchten damit man mir im Präsidium den Kopf abreißen kann weil ich dich verloren habe. Und die Hölle gefühlt ausgebrochen ist."
      Jäh endete der Ausbruch der Detective als drei weitere stille Sekunden vergingen. Dann schüttelte sie wieder den Kopf, der Ausdruck plötzlich weich und seltsam verletzlich. Bevor man mehr in diesen Gesichtsausdruck interpretieren konnte, schloss sie zu dem Arkana auf, legte ihm einen Arm um den Nacken und zog ihn in eine Umarmung. Ihre Lippen waren an seinem Ohr als sie "Danke" mehr hauchte als wirklich sprach. Sie musste ihm vermutlich nicht sagen, dass sie ohne seine Hilfe vermutlich im Wald erstickt wäre.
      Dann gab sie ihn wieder frei und trat drei Schritte wieder zurück und ließ ihren Blick über den Rogue schweifen. Vielleicht auch nur, um einen Moment Zeit zu gewinnen um ihre Stimme wiederzufinden.
      "Also. Magst du mir kurz erklären, wieso der Sharokh einfach aufgehört hat zu wüten, wie es zu dem Bündnis der beiden gekommen ist und was zur Hölle du da treibst?"

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    • Eine Umarmung, dachte er, während sich ihre Arme um seinen Nacken schlossen und ihn leicht herunter zogen. Wer hätte das gedacht?
      Selbst Dolores, die sich nunmehr schweigend erhob und sich schwer auf ihren Stock stützte, kam ins Schmunzeln.
      "Ihr Lieben, ich lasse euch beide allein", murmelte sie und begab sich in Richtung der Tür.
      August sah Ember kurz an und grinste, ehe er sich mit ernstem Gesicht zu Dolores umdrehte.
      "Lory, wir müssen unten die Wachen verstärken. Habe das Gefühl, das Bones hier wieder auf und ab läuft. Zumindest ist mir eben eine ihrer Kreaturen entgegen gekommen."
      "In Ordnung, Gus", sagte sie und schloss die Tür hinter sich. Gleich dahinter hörte man sie bereits ein paar Befehle bellen. Wer hätte gedacht, dass noch so viel Kraft in der Frau steckte?
      Seufzend und schwerfällig ließ sich der Rogue auf den Stuhl fallen und lehnte sich in die Holzlehne hinein, sodass diese ächzte und knirschte.
      "Meine Güte...", murmelte er. "Was für eine Woche. Ich bin jedenfalls froh, dass dir nichts passiert ist, Sallow. Dachte beim Teleport schon, dass dich die Weißkittel nicht mehr zusammen flicken können...Und du hast mich nicht verloren. Hatte nie die Absicht fortzulaufen. Musste nur ein wenig Abstand von allem bekommen, damit ich mich in Ruhe mit Bones und dem Richter bekriegen konnte. Jimmy hats dir wahrscheinlich schon erzählt oder?"
      Er beugte sich wieder vor und legte seine Hände auf die Knie während er sie ansah.
      "Ich befürchte, kurz ist das falsche Wort für meine Erklärungen..."; grinste er vieldeutig und kratzte sich die Nase. "Zum Sharokh weiß ich nicht viel. Habe seine Spur bis vor ein paar Tagen verfolgt, aber in Chelsea verlief es sich. Ich vermute, dass er entweder gemordet hat oder bald morden wird. Aber ich weiß weder wo, noch wen. Und das Bündnis..."
      Einen Moment lang stahl sich etwas wie Schmerz auf sein Gesicht und er fuhr sich durch die Haare. Auch am Haaransatz fanden sich Pflasterreste und verschorfte Wunden wieder.
      "Was soll ich sagen...Ich wollte herausfinden, wer es da auf uns abgesehen hatte und dachte, ich frage mal beim Herrn der Unterwelt nach. Der Richter wusste aber nichts davon. Als ich ihn dann auf das Bündnis ansprach hat er mir brühwarm berichtet, dass er und Bones bereits eines geschlossen hatten. Und was soll ich sagen. Bones kam hinzu, ein Wort ergab das andere und irgendwann sprachen die beiden von Führungswechsel in den Arcana. Als ich mich dessen entziehen wollten, griffen sie mich an und ich musste mich verteidigen. Behaupte, das habe ich recht gut hinbekommen, aber die Resultate waren nicht so wunderbar anzusehen..."
      Er spielte auf die Fotos an die sich durch alle Zeitungen schoben wie Herpes.
      "Und was ich treibe...Sallow, ich habe nicht den Hauch einer Ahnung. Die beiden Idioten haben mit dieser Attacke ein Ungleichgewicht herbei geführt, dass du einem Zaubererkrieg führen könnte. Im Grunde müsste es eine Versammlung geben, aber die Gefahr, alle Arcana an einem Ort zu versammeln, ist zu groß. Also führe ich Gespräche und versuche, Verbündete zu gewinnen. UNd was hast du so getrieben?"

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    • Als August ein Wort an Dolores verlor, dass er draußen einer Kreatur Bones begegnet war, kehrte die altbekannte Unruhe in Ember zurück. Sofort zog sie ihr Handy aus der Hosentasche und wählte einen Kontakt bevor sie es sich ans Ohr hielt. Es gab drei Freizeichentöne, dann nahm jemand ab.
      "Hey, mir geht's gut, alles in Ordnung. Aber du musst da wegfahren, sofort."
      ....
      "Ach, scheiß drauf, im Notfall nehme ich mir ein Taxi. Darum geht's aber nicht, du sollst da einfach wegfahren."
      ....
      "Shawn", die Worte bekamen einen schneidend scharfen Ton, "wenn wir Pech haben rennt da gerade ein Arkana rum. Bitte fahr einfach nach Hause, ja?"
      Eine weitere Pause bis sich ihre Gesichtszüge etwas entspannten, sie auflegte und das Handy wieder in ihrer Hosentasche verschwinden ließ. Prompt flog Embers Blick zu August herüber, der sich gerade auf den Stuhl gesetzt hatte. So sehr sie es auch versuchte, so recht kam sie über sein verändertes Erscheinungsbild nicht hinweg.
      "Ich bin ohnmächtig geworden nach dem Teleport, ja. Aber wenn du es nicht getan hättest wäre ich vermutlich erstickt. Drei gebrochene Rippen, punktierte Lunge und ein gebrochenes Becken. War wirklich spaßig und bis vor ein paar Stunden war ich noch im Rollstuhl. Toll, was so Heilkundige vollbringen können, aber ich traue dem Frieden nicht."
      Unterbewusst fuhr sie sich mit den Fingern der linken Hand über ihren rechten Rippenbogen. Sie traute sich ja nicht einmal, richtig tief einzuatmen. Aufmerksam verfolgte sie dennoch seinen Bericht und erkannte, dass es scheinbar keinen Fleck an seinem Körper gab, der nicht in Mitleidenschaft gezogen worden war.
      "Ja, ich habe die Fotos gesehen. Man hat mir noch im Krankenhaus grob umrissen, was passiert ist, gerade mal einen Tag nachdem der Unfall passiert ist." Die Detective kehrte zu dem kleinen Servicewagen zurück, um zu ihrem mittlerweile lauwarmen Tee zu greifen. "Also stimmen die Informationen, die ich bisher erfragen konnte. Sowohl Hawthorne als auch diese Cunningham, ja, die habe ich mittlerweile auch kennenlernen dürfen, bestehen darauf, dass du den Aufstand da unten vom Zaun gebrochen hast. Ich habe es bezweifelt und glücklicherweise hatten wir eine Zeugin da, die genau das gleiche ausgesagt hat. Noland hat ihre Aussage verifiziert und sie bestätigt so ziemlich alles, was du gerade erzählt hast."
      Es gab einige Aspekte, die sie jedoch noch mit ihm klären musste. Seine Sicht auf die Dinge erfahren musste um abzuwägen, wie sie damit weiter vorging. Nachdenklich stellte sie ihre leere Tasse zurück auf die Untertasse und kam dann zu dem Rogue herüber. Sie blieb knapp vor ihm stehen, um die Narben in seinem Gesicht aus der Nähe zu inspizieren. Wenn sich das über seinen gesamten Körper erstreckte wollte sie gar nicht wissen, wie es dazu gekommen war.
      "Respekt, dass du dich gegen zwei andere Arkana gleichzeitig behaupten konntest", bemerkte Ember leise als sie ihre Hand hob um mit den Fingerspitzen über Augusts Stirn zum Haaransatz zu fahren und abzuschätzen, wie weit die Spuren hier reichen mochten. "Aber du hättest definitiv nicht so aufgebracht dahinter sitzen sollen, rauszukriegen, wer die Kerle im Auto waren. Das war das geringste Problem."
      Sie zog ihre Finger aus seinen Haaren zurück und fasste vorn nach dem Kragen seines Hemdes. Sanft zog sie es etwas zur Seite, um etwas mehr der darunter liegenden Haut zum Vorschein zu bringen.
      "Führungswechsel also? Ich hab' jetzt schon mehrfach gehört, dass man eigentlich dich als Anführer sieht. Natürlich bin ich außen vor, was das Gefüge unter euch Arkana angeht, aber vielleicht solltest du tatsächlich die anderen Mitglieder einzeln aufsuchen um einen Krieg zu verhindern."

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    • August blickte erstaunt zu ihr, als sie ihr Telefon wie mechanisch ergriff und eine Person zu warnen schien. Shawn...Eine Sekunde lang spürte er einen Stich in seiner Magengegend, als er den Namen hörte und gleichsam wunderte sich der Rogue über die Tatsache, wie er auf dies reagierte. Kopfschüttelnd wartete er geduldig, bis sie aufgelegt hatte und grinste.
      "Shawn?", fragte er und zog eine Augenbraue hoch. "Wer ist das? Und warum bringst du ihn hierher?"
      Die Antwort war zwar offensichtlich, da sie sich selbst schlecht hierher bugsieren konnte, aber zumindest eine Interessenfrage mochte ihm erlaubt sein.
      "Du kannst Heilkundigen vertrauen", murmelte er und grinste schief. "Immerhin siehst du den Verhältnissen entsprechend gut aus. Schön, dass es dich nicht zerfetzt hat, Sallow."
      Er nickte zu ihren Ausführungen und nahm es beinahe gelassen hin, dass es eine Zeugin gab. Auch wenn es ihn milde überraschte, wenn er ehrlich war. Aber die einzige, die ein solches Massaker überleben konnte, war eigentlich nur die kleine Trevilian. Sie war zwar die kleine, graue Maus des Richters aber nicht zu unterschätzen wenn es um einen Überlebenskampf ging. Erstaunlich, wenn man es bedachte, dass sie mit der Polizei kooperierte.
      August folgte ihr mit den Augen und war gleichsam überrascht, als sie die Distanz zwischen ihnen schloss und ihn regelrecht abtastete und begutachtete. Als würde man sichergehen, dass seinem Liebsten nichts geschehen war. Hatte er etwas verpasst? Mal Klartext gesprochen: Die Berührungen waren schön, auch wenn er es ungern zugab. Immerhin war er die letzte Zeit nicht mehr zärtlich oder gar vorsichtig berührt worden, aber dennoch war es für einen Moment lang merkwürdig.
      Und August hasste ambivalente Gefühle. Selbst bei sich.
      "Vielleicht war es das kleinste Problem, aber ich mag nicht, wenn man Menschen angreift, die ich mag. Und zum anderen war es merkwürdig, dass sie es so klar auf uns abgesehen haben. Ich habe leider bis heute keine Ahnung, wer das war...", murmelte er und ließ alles über sich geschehen, jedoch nicht ohne spöttischen Blick in ihre Richtung. "Und Respekt brauchst du keinen zu haben. Es wäre vermeidbar gewesen wenn diese Idioten sich nicht so dumm angestellt hätten."
      Als sie selbst sein Hemd zur Seite schob, musste er grinsen.
      "Gefällt dir, was du siehst?", fragte spöttisch, wissend, dass dem nicht so sein mochte. Selbst sein ganzer Oberkörper war mit Verbänden umwickelt. Bones hatte gut zugelangt, aber der Richter war eine Nummer für sich. Kein Wunder, dass er ihn abgelöst hatte als Herr der Unterwelt.
      "Anführer ist das falsche Wort", murmelte er und nahm ihre Hand zärtlich von seinem Hemd und gab sie ihr zurück. "Wortführer eher. Und damit bin ich nicht allein. Die Kaiserin und der Richter sind ebenfalls Wortführer dieser Gemeinde. Und die Mitglieder einzeln aufzusuchen, würde vermutlich Monate dauern. Wir sind in der ganzen Welt verstreut, Sallow."
      Er kicherte kurz und schlug die Beine übereinander.
      "Also...Nachdem wir uns so eindringlich inspiziert haben: Was hast du jetzt vor?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember quittierte Augusts spöttische Blicke mit einem beiläufig erscheinenden Augenrollen. Sie wusste ganz genau, dass es so aussah, als würde sie sich übermäßige Sorgen um ihn machen. Die nüchterne Wahrheit jedoch war eine andere. Anhand von Verletzungen und Wunden ließ sich viel auf einen Tathergang schließen, ob es stumpfe Traumata waren oder nicht. Außerdem wollte sie sehen, wie sein Körper auf derartige Verletzungen reagiert hatte, spätestens nachdem sie gesehen hatte, wie schnell er sich mit diesem seltsamen Kräuterzeug geheilt hatte. Damals hatte er keine Narben davon getragen. Das hier war also etwas anderes.
      Erst als der Rogue ihre Hand von seinem Hemd löste atmete Ember tief durch.
      "Shawn ist einer der wenigen Männer in meinem nächsten Umfeld, denen ich vollkommen und bedingungslos vertraue. Bis ich ein neues Auto habe wird er wohl mein Fahrservice spielen. Zumindest solange er kann. Nicht vergessen: bis vor ein paar Stunden konnte ich nicht mal laufen."
      Wie als Bestätigung schritt sie zurück zum Bett und setzte sich vorsichtig darauf. Man mochte es vielleicht nicht auf den ersten Blick sehen, aber eine Woche absolute Bettruhe hatte den Muskeln in ihrem Körper schon zugesetzt. Sie hatte bereits gespürt, wie das Zittern durch ihre Beine ging, wenn sie zu lange stand und ging. Folglich überschlug sie auch nicht ihre Beine, wie sie es üblicherweise tat, sondern streckte sie weit von sich ab.
      "Wirklich rausfinden wer das in dem Passat war, können wir nicht. Du hast die Männer ziemlich, sagen wir mal, entstellt. Sicher, wir konnten Nachforschungen anstellen aber keiner von ihnen war auch nur in irgendeiner Karteikarte gelistet. Außerdem waren sie mit Sicherheit hinter dir her und ich war nur Kollateralschaden." Ember steckte sich zu der Teekanne, die noch immer dampfenden Tee enthielt und füllte ihre Tasse wieder auf. Dann nickte sie zu August. "Du auch?"
      Eigentlich wäre die Detective davon ausgegangen, dass es keine wirkliche Führungsperson unter den Arkana gab. Ein Machtgefüge, sicherlich, aber niemanden, der von allen anderen Mitgliedern kompromisslos als Kopf der Gruppierung akzeptiert wurde. Eine Teilung dieser Rolle erschien in ihren Augen als das Sinnvollste, dass diese übermächtigen Zauberer hätten tun können.
      "Dann solltest du vielleicht schauen, ob du zumindest diejenigen erreichen kannst, die sich in greifbarer Nähe befinden?", schlug Ember vor und ging gedanklich die Liste ab, die sie vor Tagen zusammengetragen hatte. Über manche Arkana war nicht einmal bekannt, wo genau sie sich aufhielten. Da würde August wohl besser Bescheid wissen.
      "Ich muss zugeben, dass ich überrascht bin, so viele Kampfesspuren an dir zu sehen. Ich hab' doch gesehen, wie schnell du dich regenerieren kannst. Da du es nicht auf diese Art und Weise machst nehme ich an, der Preis dafür ist zu hoch." Sie ließ ihn lediglich an ihren Gedanken teilhaben während sie wieder einen Löffel Zucker im Tee auflöste und dem Mann ihr gegenüber einen weiteren, forschenden Blick zuwarf.
      "Nächste Frage: Kannst du mir verraten, welche Magie der Richter beherrscht? Damit ich nicht wieder blindlinks irgendwo reinlaufe, wo ich definitiv nicht hin will?"
      Sollte sie weiterhin im nahen Umfeld des Rogue agieren würde sie vermutlich früher oder später in den Kontakt mit weiteren Arkana kommen. Dass sie im Untergrund Bones schon fast blauäugig in die Arme gelaufen war, reichte ihr völlig aus. Da wollte sie zumindest so gut es ging gewappnet sein, wenn sie dem nächsten über den Weg lief.
      "Letzte Frage: Rührt dein Alter auch vom Sieben-Wege-Tor her oder ist es etwas anderes?"
      Diese Frage kam so schnell hinterher geschossen, dass sie einen Teil ihres Gesichts mit der Hilfe der Teetasse verdeckte. In ihrer Stimme lag nicht die übliche unterkühlte Schärfe, die sie bei ihren Befragungen an den Tag legte. Vielmehr war es nüchternes Interesse gegeben durch die Möglichkeit, ihn ungescholten direkt zu fragen.

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