[2er RPG] Vessels [Asuna & Winterhauch]

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    • Sylea konnte nicht mehr denken. Sie konnte nicht mal mehr atmen. Cain hatte sie beiden in einer flüssigen Bewegung miteinander verbunden, das plötzliche Gefühl der Völle ließ sie so sehr zusammenzucken wie der Biss an ihrer Halsbeuge. Ein leiser Aufschrei ertönte, der in den schönsten Farben der zuckersüßen Qual getaucht war. Ohne Umschweife suchten ihre Hände Cains Oberarme, ihre Finger gruben sich dermaßen tief in sein Fleisch, dass ihre Fingernägel sich darin abzeichneten. Die Welt vor ihren Augen war ein strahlendes Weiß, sodass sie einfach die Lider schloss und sich der Gefühlskulisse und den Geräuschen an ihrem Ohr hingab. Jeder Stoß trieb sie in ein größeres Hoch, ließen ihr Verlangen weiter ansteigen bis sie schließlich eine verkrampfte Hand von Cains malträtierten Armen lösen und zu ihrem Unterleib führen musste. Es bedurfte nur wenige Augenblicke der zusätzlichen Stimulation, da trieb es sie bereits über die Klippe.
      Sylea kam heftig unter dem Seeker, der es ihr scheinbar noch nicht gleich tat. Instinktiv bog sie ihren Körper unter ihm durch, noch immer ritt sie auf der gleichen Welle, die einfach kein Ende nehmen wollte. Ihre sorgsam unter Kontrolle gehaltene Aura war ein einziges Chaos - das ehemals ruhige Silber pulsierte, brach immer wieder aus seiner Form aus und riss zeitgleich Anifuris' bläulichen Schimmer mit sich. In ihrem Inneren blieb er von ihrem Höhepunkt nicht verschont und musste sich von dem Vessel abwenden, damit seine Mimik ihn nicht verriet. Das berstende Silber streifte Cains Aura, schoss inmitten seiner Farbe und ließ einzelne glitzernde Partikel in seinem Gold zurück.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Der Silberstreif explodierte und überrollte Cain wie ein gewaltiger Sturm aus Hitze und purer Begierde
      Die ruckartige Berührung ihrer Auren, die sich umspielten und das Silber tief vergraben in seiner Aura, fegten alle Gedanken aus seinem Gehirn. Einem weißen Lichtblitz gleicht zuckten Syleas Empfindungen durch seinen Körper, als wären es seine eigenen. Es fühlte sich an, als würden einzelne Synapsen in seinem Gehirn überladen und einfach durchbrennen. Für einen normalen, menschlichen Verstand wäre es sicherlich zu viel auf einmal gewesen. Lediglich am Rande nahm Cain die Hand war, die sich zwischen ihre Körper gestohlen hatte und dessen Knöchel über seinen Bauch streiften und spürte das schmerzhafte Ziehen unter der Haut, als sich ihre Nägel in seinen Armen vergruben.
      Ohne den Kopf zu heben, riskierte er einen Blick hinab ohne Sylea auch nur eine winzige Pause zu gönnen. Unnachgiebig vergrub er sich in ihrem zuckenden Leib, der sich impulsartig um ihn zusammen zog und verkrampfte. Der verschwitzte Körper bog sich Cain unter den Nachwellen ihrer Lust mit rhythmisch Zuckungen entgegen. Der Anblick in Kombination mit ihren ungefilterten Gefühlen und den Regungen ihres bebenden Körpers, waren selbst für den kontrollierten Seeker zu viel. Er musste seine Aussage wirklich berichtigen.
      Alle Sinne wurden bis zum Rande des erträglichen überflutet. Irgendwo weit hinten in seinem schwerfälligen Verstand spürte er einen Teil der nachtblauen Aura, die ebenfalls in sein Gold fortgerissen wurde.
      Ein heftiger Ruck erging durch seine Hüften, als sich sämtliche glühende Lava zwischen seinen Schenkeln sammelte und Cain sich mit einem kraftvollen Stoß ein letztes Mal in Syleas zierlichem Leib versenkte. So unglaublich tief und innig, dass er davon überzeugt war, sich nie wieder von ihr trennen zu können. Genüsslich und überwältigt von dem heftigen und unerwarteten Höhepunkt bog der Seeker den Rücken durch während sich seine Muskeln verkrampften. Neben dem braunen Haarschopf gruben sich seine Finger schmerzhaft in das Kissen. Seine Stirn sackte gegen ihre Brust, als er atemlos keuchte.
      Heftige Pulsstöße lösten sich aus dem Goldschimmer und prallten gegen das zersplitternde Silber, das sich in jede kleinste Lücke zwängte. Er warf einen Blick hinauf zu Sylea, wobei das Glühen seiner Augen so intensiv wurde, dass es beinahe so wirkte, als würde seine Aura durch die Iris hinausströmen. Überall, wo die glitzernden Partikel in seiner Aura versanken, entstand ein sanfter Wirbel, der Cain immer wieder unkontrolliert erschaudern ließ.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • In ihrer eigenen Ekstase hatte Sylea nicht viel von Cains Aura mitbekommen. Doch in dem Moment, wo sie ihren Höhrepunkt überschritten hatte und Cain sich seinem genäherte hatte, bekam sie seine Gefühlswelt dank seiner goldenen Aura an ihrer mit. Nach Luft schnappend riss das Vessel die Augen auf als der Seeker in ihr kam und sich so tief in ihr versenkte wie noch nie zuvor. Flüchtig sah sie seine Finger neben sich, wie sie sich in das Kissen gruben. Sein Kopf sackte an ihre Brust wo sie das Gefühl hatte, ihr Herz spränge ihm gleich entgegen. Ihre Hände hatte sie von ihren angestammten Plätzen gelöst und auf Cains Rücken gelegt, wo sie seine Schulterblätter nachzeichnete. Noch immer bewegte sie sich stetig unter seinem erschöpften Körper. Die aufgestachelten Auren rieben sich noch immer aneinander und ließen ihren Körper nie richtig zu Ruhe kommen.
      Mit einer unglaublichen Wärme in ihren Augen erwiderte Sylea Cains Blick als dieser zu ihr aufsah. Das Strahlen in seinen Augen war so intensiv wie noch nie zuvor, weshalb sich Syleas Augenbrauen etwas hoben. Noch immer ging ihr Atem unruhig. "Das... war intensiv", murmelte sie nüchtern, ein Lächeln umspielte ihre Lippen.
      Sanft wanderten ihre Hände hoch bis ihre Finger an Cains Wangen lagen. Dort strich sie ihm die nassen Strähnen mit einer Bewegung aus dem Gesicht nach hinten. "Du wirkst ziemlich platt, aber deine Augen schreien nach mehr."
      Schwerfällig bekam sie ihr Bein, das er noch immer nach oben gebogen hatte, frei und streckte es vorsichtig aus. Scharf sog sie etwas Luft ein als ihre Muskeln im Bein jammerten. Dann tappte sie den Seeker an seinen Oberarm an damit er sich von ihr löste. Widerwillig folgte er ihrer Bitte und brachte die junge Frau zum Erschaudern, als er sich aus ihr zurückzog.
      Anschließend kämpfte sich Sylea in eine aufrechte Haltung und warf Cain einen Blick zu. Irgendwie wirkte alles noch nicht ganz real, das war vermutlich die sprichwörtliche rosa Brille, die sie gerade sah. Aber der junge Mann sah nach dem Sex einfach großartig aus. Kaputt und wild zugleich, und sie war der Auslöser dafür gewesen.
      Sylea schmunzelte als sie sich aus dem Bett kämpfte. Es dauerte ein paar Schritte ehe sie ihr Gleichgewicht richtig hatte und spürte etwas Warmes zwischen ihren Beinen. Sie rümpfte die Nase, als sie auf eine Tür deutete. "Badezimmer?"
      Nach einer Bestätigung suchte sie das Bad auf und ließ sich zuallererst auf der Toilette nieder. Sie rieb sich ihre Oberschenkel während sie die Stimme hob: "Ich hätte sowas von die Kontrolle gestern verloren, wenn wir das in der Holzhütte gemacht hätten."
      Keine Sorge. Ich hätte dich vorher abgehalten.
      Ach, da kommt der Spanner aus seiner Ecke und meldet sich?
      Wie könnte ich nicht? Dank deiner bescheidenen Verwebung hast du deinen Orgasmus nicht allein erlebt.
      Sylea schüttelte sich angewidert bei dem Gedanken, dass Anifuris das Gleiche erlebt hatte wie sie. Kam er sich dann so vor, als hätte er mit seinem ursprünglichen Körper Sex gehabt oder teilten sie wirklich nur ihre Empfindungen? Sie wollte nicht weiter darüber nachdenken.
      "Aber guck mal an, ich bin ja doch aus dem Bett gekommen! So viel zum Thema, du lässt mich zwei Tage nicht mehr raus!"
      Den Seitenhieb konnte sich die junge Rubra nicht sparen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Eine wohltuende Leere herrschte in seinem Verstand.
      Beiläufig registrierte Cain die zarten Hände auf seinem Rücken und bog sich unter einem wohligen Erschaudern ihren streichelnden Fingerspitzen entgegen. Die Berührung stand in ihrer Sanftheit in starkem Kontrast zu den heftigen Wellen, die seine Muskeln unregelmäßig anspannen und wieder entspannen ließ. Zügellos drängte sich seine Aura immer neu an das funkelnde Silber und erzeugte damit kleine Schockmomente. Sylea erging es wohl ähnlich, denn ihr Körper wollte nicht still stehen und stachelte auf geistiger Ebene seine Leidenschaft kontinuierlich an. Allerdings war Cain noch dabei die letzten Wogen seines Höhepunktes zu verarbeiten.
      Erst die sanften Fingerspitzen auf seinen Wangen klärten seinen Blick und erdeten die überreizten Sinne auf einen einzigen Fokus: Syleas errötetes Gesicht und die strahlende Zufriedenheit in ihren Augen. Widerspenstige Haarsträhnen verschwanden aus seinen Augen und Cain blinzelte träge. Langsam glättete sich der goldene Spiegel seiner Aura bis nur noch vereinzelte, leichte Erschütterungen seine Hülle in Unruhe versetzten.
      Die Fähigkeit klare Worte zu bilden, erlangte der Seeker nur mühevoll zurück und brachte in der ersten Sekunde lediglich und unverständlichen Brummen hervor. Mit einem müden Lächeln auf den Lippen schmiegte er sein Gesicht in ihre warmen Hände.
      Bei der Erwähnung seiner Augen blinzelte Cain automatisch und hob eine Hand um sich über die durch den Schweiß brennenden Augen zu wischen. Das Gesicht verzog das Gesicht unter einer letzten Erschütterung seiner Aura.
      "Meine Aura ist noch nicht wieder im Einklang mit meinem Körper.", flüsterte er schließlich, die Stimme in seiner Kehle rau wie Schleifpapier. "Aber nach dem hier...", er drehte den Kopf und presste einen Kuss in ihre Handfläche. "...werde ich nie genug von dir bekommen. Ich hatte vergessen, wie es sich anfühlt beim Sex meiner Aura Freiheit zu gewähren."
      Der gefürchtete Kontrollverlust hatte sich als ein wahrer Segen erwiesen. Cain fühlte eine tiefe Glückseligkeit und das strahlte auch das schimmernde Gold seiner Aura in alle Winkel ab.
      Mit einem mürrischen aber verspielten Knurren ließ er sich von Sylea herunter bugsieren und zog augenblicklich besorgt die Augenbrauen zusammen, als er sich aus ihrem Körper zog und sie dabei erschauderte. Die Vereinigung ihrer Auren hatte seine sorgsame Selbstbeherrschung zu großen Teilen kinderleicht davon geschwemmt. Cain schwieg, um sich nicht sofort wieder wie eine besorgte Glucke aufzuführen. Der Moment war zu intensiv, zu schön.
      Ermattet ließ er sich wenig grazil auf den Rücken plumpsen, wobei die Bett verächtlich unter seinem Gewicht ächzte.
      Er hätte sie am liebsten sofort zurück in seine Arme gezogen, ließ Sylea jedoch gewähren, da er verstand.
      Mit einem wenig motivierten Schlenker seiner Hand deutete er auf die zweite Tür, die vom Schlafzimmer abging. Dahinter befand sich ein Bad von moderater Größe sogar mit Wanne und Dusche. Alles war in eleganten Grau- und Weißtönen gehalten, aber bar jeglicher persönlichen Note.
      Während Sylea im Bad verschwand, rieb sich Cain mit dem Handballen über seine Brust an der Stelle, unter der sein Herz sich kaum von seinem beschleunigten Rhythmus erholte. Es stolperte in seiner Brust und normalisierte sich erst wieder mit seiner gleichmäßigen Atmung. Die Worte ließen ihn breit Grinsen und er wollte gar nicht erst sein trotteliges Gesicht dabei sehen. Nebenbei fischte er blind das Shirt neben dem Bett vom Boden um sich notdürftig zu säubern. Die Dusche konnte noch ein paar Minuten warten. Achtlos warf ließ er das Kleidungsstück wieder aus seinem Sichtfeld fallen und schob einen Arm hinter den Kopf um das Kissen zurechtzurücken.
      Bei dem sicherlich verdienten Seitenhieb, ertönte ein bellendes Lachen aus dem Schlafzimmer.
      "Gib mir eine kleine Verschnaufpause, dann Ich lasse es liebend gerne auf einen Versuch ankommen. Ich halte dich von nichts ab und stelle mich als freiwilliges Versuchskaninchen zur Verfügung."
      Erst als Sylea wieder den Raum betrat, regte sich Cain wieder und streckte ihr auffordernd eine Hand entgegen, damit sie wieder zu ihm ins Bett kam.
      "Geht es dir gut?", fragte er dennoch. "Hab ich dir weh getan?"
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • "Das klang ursprünglich eher so, als würdest du die zwei Tage von dir aus fordern und nicht, dass ich dich nicht mehr rauslasse."
      Sylea kam aus dem Bad zurück, nachdem sie sich wenigstens halbwegs sicher war, keine Spuren mehr zu hinterlassen. Noch immer glänzte ihre Haut leicht von dem Schweiß der vergangenen Minuten, das Haar hatte sie nur grob mit ihren Fingern durchkämmt. Als ihr Blick auf Cain fiel, der noch immer im Bett lungerte, kehrte das Lächeln auf ihre Lippen zurück.
      Ohne zu zögern griff sie nach seiner ausgestreckten Hand und ließ sich augenblicklich an seine Brust ziehen. Noch immer rumpelte es in seinem Brustkorb und er hatte diesen wunderbaren Geruch an sich, der eine Mischung aus seinem ganz eigenen Geruch und ihrem eigenen war.
      "Kannst du aufhören zu fragen ob ich in Ordnung bin nachdem du mit mir geschlafen hast?", fragte sie, der Schalk schwang deutlich in ihrer Stimme mit. "Sonst sag ich dir Dinge, die du nicht wissen willst. Zum Beispiel, dass du gerade Blut vergossen hast."
      Sie hatte es auf dem Toilettenpapier gesehen und nach einem Moment der Dankbarkeit hinuntergespült. Bis jetzt war sie sich nie sicher gewesen, was die Ratsmitglieder alles versucht hatten, um sie damals in der Kathedrale zu töten. Wie Anifuris bereits erwähnte, hatte sie nie alles bewusst miterlebt. Dass sie hier gerade den Beweis hatte, dass eine Vergewaltigung nicht dazu gehört hatte, erleichterte sie extrem.
      "Ich dachte, du wärst so erfahren? Du hast also bei keiner Anderen deine Aura so freigelassen wie gerade?"
      Vorsichtig streckte sie ihr Silber wieder nach Cains Gold aus. Sie strich über die mittlerweile deutlich ebenere Oberfläche, die bei jeder Berührung eine warme Welle über ihren Leib sandte. In völliger Entspannung legte sie ihren Kopf seitlich auf die Brust des jungen Mannes und hörte, wie sein Herz kräftig arbeitete. Ihre Gedanken drifteten bereits in die nahe Zukunft ab. Er würde duschen gehen. Mit ihr. Hätten sie nicht das Eiswasser in der Hütte gehabt, dann wären sie vermutlich auch dort nicht so schnell wieder rausgekommen. Unterbewusst biss sich Sylea auf die Unterlippe.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Augenblicklich schob Cain einen Arm unter ihren Schultern hindurch und legte eine Hand sanft auf ihren Rücken.
      Die Fingerspitzen tanzten verträumt über die Erhebungen ihrer Wirbelsäule hinab bis er knapp über ihrem Steiß anhielt nur um den Weg wieder hinauf zu streicheln bis in ihren Nacken. Genießend wiederholte er die Streicheleinheiten, während er einen Kuss auf ihre Stirn hauchte. Der innere Frieden, den er jetzt verspürte, war neu für Cain.
      Belustigt über ihre Worte drückte Sylea ein wenig fester an seine Seite und genoss die Wärme, die sie ausstrahlte.
      "Wir müssen uns nicht zwingend auf das Bett oder das Schlafzimmer beschränken...", flüsterte er an ihren Scheitel und seine Worte klangen wir ein Versprechen. Cain bezweifelte selbst, ob er wirklich dazu in der Lage war, in den nächsten Stunden die Finger von ihr zulassen. Der trügerische Frieden innerhalb der vier Wände dieser Wohnung war alles, was er gerade wollte. Ein Tag, oder zwei, dachte er grinsend.
      An die Unverblümtheit, mit der Sylea seine sorgenvolle Frage beantwortete, schockte ihn nicht so sehr wie vielleicht erwartet. Die Natürlichkeit der Sache ließ sich nicht rütteln und ein Lächeln ruhte auf seinen Lippen. Eigentlich freute es Cain sogar, dass er der Erste war, der sie auf diese Art berühren durfte.
      "Hauptsache du bereust es nicht.", sagte Cain mit einer für ihn ungewohnten Leichtigkeit. Die allgegenwärtige Furcht, dass allein der Einfluss ihrer Auren ihre Gefühle und Instinkte leitete, ließ sich nicht vollständig abstellen. Trotz allem Gesagten und den Geständnissen, die voran gegangen waren.
      Lächelnd fuhren seine Finger in ihr verschwitztes Haar, wo sich seine Fingerspitzen in Kreisen über ihre Kopfhaut und ihren Nacken bewegten.
      "Ein Seeker lernt schon im frühen Kindesalter seine Aura und sämtliche Emotionen bis zur Perfektion zu kontrollieren. Wenn ich jedes Mal die Angst und die Verzweiflung meiner Zielobjekte an mich heran gelassen und mir dadurch Mitleid erlaubt hätte, wäre ich daran zu Grunde gegangen. Wir müssen fokussiert sein. Dafür wurde das Blind Eye entwickelt. Ohne disziplinierte Selbstbeherrschung und Abschirmung kann es zu leicht passieren, dass sich Gefühle und Auren nur noch schwer voneinander trennen lassen. Nicht mehr unterscheiden zu können wo das Selbst anfängt und welche Emotionen einem selbst gehören, kann einen Seeker in den Wahnsinn treiben. Und da ich sehr empfänglich für fremde Empfindungen bin, musste ich umso vorsichtiger sein. Ich durfte mich nicht derart verlieren."
      Cain seufzte und schloss die Augen. "Aber ich wollte diese Distanz zu dir nicht, auch wenn es schwer ist diese Automatismen abzustellen."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Träge zuckte Sylea mit den Schultern.
      "Wieso sollte ich was bereuen? Ich hätte höchstens bereut, es nicht getan zu haben. Wie gesagt, ich hätte in irgendeinem Keller versauern können, ohne auch nur ein einziges Mal diese Erfahrung zu machen. Also nehme ich alles, was mir die Welt entgegen wirft mit Kusshand."
      Seitdem sie etwas Zeit gehabt hatte, die Ereignisse in Ruhe zu beleuchten, hatte sie eine etwas andere Ansicht von ihrem Leben gewonnen. Die Tatsache, dass sie auf Lebzeiten mit Anifuris verwoben sein würde, war nicht unbedingt die beste Vorstellung, wie sie ihr Leben teilen wollte. Auf der anderen Seite war er allerdings der einzige Grund, warum sie überhaupt noch Erden wandelte. Es hätte alles ganz anders laufen können, wenn man die junge Rubra damals nicht als Vessel missbraucht hätte und sie vielleicht einem anderen Wesen geopfert hätte, das sie nicht am Leben hielt. Nur der Punkt, dass er sie vielleicht eines Tages komplett übernehmen würde, stieß ihr bitter auf. Doch das war ein Aspekt, dem sie sich wenigstens aktiv widersetzen konnte.
      Cains Fingerspitzen auf ihrer Kopfhaut und an ihrem Nacken ließen die Gedanken einfach verpuffen. Genüsslich schloss sie die Augen. Für einen harmlosen Augenblick wollte sie diesen Frieden bis in ihren Kern vordringen und nie wieder gehen lassen.
      "Du solltest trotzdem aufpassen, dass du deine Türen nicht die ganze Zeit offen stehen lässt. Es gibt da jemanden, der es ausnutzen wird, sollte er es für angebracht halten. Aber wenn wir das hier machen...", ihre Finger wanderten über seine Brust abwärts und strichen hauchzart über die V-förmigen Muskelstränge an Cains Leiste, "kannst du gerne alles aufreißen."
      Leise kicherte sie bei dem Gedanken, dass er sich wirklich nicht nur auf das Bett beschränken würde. Sie wusste es besser. Immerhin wären sie auf der alten Couch in der Hütte schon fast übereinander hergefallen. Während dieser Ruhezeit sickerte langsam wieder Verstand in das nicht mehr so geflutete Hirn der Rubra, wodurch sie sich an etwas erinnerte, was sie dem Seeker unbedingt mitteilen wollte.
      "Als ich vorhin Anifuris' Aura mit meiner verwoben habe, hab ich kurz Zugriff auf seine Erinnerungen bekommen", begann Sylea und versteifte sich umgehend.
      Anifuris blaue Fasern in ihrem Silber begannen plötzlich so stark zu vibrieren, als wolle er allein durch die Reibung ihre Verbindung losbrennen. Sylea kniff die Augen zusammen. Er wusste, was sie sagen wollte und setzte einiges daran, es zu verhindern. Ein bitterböses Lächeln verzog ihre Mundwinkel bei dem Gedanken, dass sie eine empfindliche Information aus ihm hatte gewinnen können.
      "Ich weiß, was deine goldene Aura aussagt", presste sie zwischen zwei scharfen Atemzügen hervor und stieß sich hart von Cain ab.
      Mühsam setzte sie sich auf. Ein Unwissender würde meinen, sie hätte gerade einen harten Migräneanfall. Aber Seeker und Vessel wussten es besser.
      Verlier ein weiteres Wort darüber und ich sorge dafür, dass du dir die Zunge abbeißt.
      Die kalte Stimme in ihrem Kopf hörte sich so fremd an wie das allererste Mal, wo sie die alte Seele in sich hatte sprechen hören. Es schien fast so, als wäre ihre gemeinsam erlebte Zeit mit einem Schlag ausradiert worden. So sehr wollte er sie davon abhalten, Worte über dieses Detail zu verlieren. Doch Sylea hatte die Nase voll. Voll davon, dass er ihr Handeln bestimmte und sich als ungebetener Gast in ihrem Körper breitmachte. Hasserfüllt riss sie an dem Netz, wodurch das Vibrieren der blauen Aura unterbrochen wurde.
      "Gold ist selten und auf einem Seeker wohl besonders gefährlich für ihn. Sie kann-"
      Sylea brach in ihren Worten ab als sie spürte, wie sich ihre Kiefermuskeln verspannten. Sie schmeckte Eisen in ihrem Mund, ein Schmerz schoss durch ihren Geist und trieb ihr die Tränen in die Augen. Noch hatte sie sich die Zunge nicht abgebissen, aber Anifuris hatte dafür gesorgt, dass sie kräftig draufbiss. Stöhnend schlug sie sich die Hand vor den Mund. Zorn erfüllte sie umgehend während sie ungehalten vom Bett rollte und auf die Füße kam. Eine unglaubliche Präsenz umgab ihre Haltung, wodurch sie den ganzen Raum für sich einzunehmen schien.
      "Er wird es früher oder später eh erfahren, also hör auf zu bocken und lass mich reden!", fauchte Sylea an einen unsichtbaren Gesprächspartner gerichtet, damit Cain zumindest ihren Teil hören konnte. "Wir wissen beide, dass ich mehr von deinen Erinnerungen sehen werde sobald du versuchst, mich weiter zu übernehmen. Ein zweischneidiges Schwert, mein Freundchen. Also gewöhn dich an den Fakt, dass ich dir deine Existenz zur Hölle mach'."
      Nach ein paar weiteren aggressiven Atemzügen wandte das Vessel den Blick zum Seeker, der sie stumm anschwieg. Sie schüttelte leicht den Kopf, eine entschuldigende Geste. Sie machte ein paar Schritte im Raum, um die angestaute Spannung abzubauen ehe sie zum Bett ging und Cain eine Hand hinstreckte.
      "Ich find' schon noch einen Weg, dir das zu sagen. Im Notfall zeig ich dir das irgendwie, da kann er nichts machen... Aber naja, dann nutzen wir diesen Moment der Klarheit einfach, um uns zu duschen. Immerhin hast du mich mit warmen Wasser gelockt."

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    • Gegenüber Anifuris musste Cain jede Sekunde vorsichtig sein.
      Ein unachtsamer Augenblick oder das falsche Wort der alten Seele gegenüber und nichts würde Anifuris davon abhalten den Seeker seinen Willen aufzuzwingen. Noch war Cains eigener Widerstand nicht stark genug um dem Bewusstsein standzuhalten. Vielleicht würde sich das bald ändern je mehr er über seine Fähigkeiten heraus bekam. Immerhin wusste er nun, wie viel den Seekern während ihrer Ausbildung vorenthalten wurde oder besser war dabei es zu lernen.
      "Ich bin vorsichtig. Versprochen.", brummte Cain und genoss die zarten Berührungen auf seiner Haut, Fingerspitzen die stetig tiefer wanderten und dafür sorgten, dass sein Körper sich ihnen auf subtile Weise entgegen reckte. Wohlig seufzend schloss er die Augen und hätte womöglich ewig mit Sylea an seiner Seite in diesem Bett liegen bleiben können. Da verkrampfte sich der zierliche Leib unter seinen Händen, so dass Cain sich mit äußerster Besorgnis aufrichtete. Dieses Mal brauchte der Seeker keine Frage zustellen. Er hatte sofort begriffen, dass Anifuris mit dem Gesagten wenig einverstanden war. Bevor er nach ihren schmalen Schultern greifen konnte, schob sich Sylea regelrecht von ihm fort.
      Jegliche Nachwirkungen der geteilten Leidenschaft fielen in einer eisigen Kälte von ihm ab, als Sylea die Augen gequält zusammenkniff, als litt sie unter schwersten Kopfschmerzen. Er wusste es besser als sie jetzt zu berühren und damit ihre Konzentration zu stören. Auf ein Gespräch mit Anifuris war er im Augenblick nicht scharf. Der goldene Schimmer seiner Aura schlug unruhige Wellen, die seinem Umfeld seine Sorge mitteilten. Unfähig mit anzusehen, wie das Vessel gegen das fremde Bewusstsein in ihrem Inneren rebellierte, war für ihn wie die reinste Folter.
      "Gold ist selten und auf einem Seeker wohl besonders gefährlich für ihn. Sie kann-"
      Cain riss den Blick nach oben und konnte deutlich sehen, wie sich das Gesicht vor Schmerz verzog. Alarmiert nahm er eine knieende Haltung an, um zur Not eingreifen zu können. Auch wenn er nicht genau wusste wie. Mit anzusehen, wie Sylea sich mit Anifuris auseinander setzte war beeindruckend aber ebenso besorgniserregend. Zwar hatte Sylea recht und sie gewann stetig an Stärke, aber es würde sicherlich noch lange nicht reichen um Anifuris endgültig in seine Schranken zu verweisen. Ein gewisses Risiko blieb immer bestehen.
      Perplex ergriff er ihre Hand und war erstaunt, wie schnell sie die Ruhe wieder gewann wo sein Herz noch einen Marathon lief. Die Muskeln in seinem gesamten Körper waren wie zum Sprung gespannt.
      "Hast du dir auf die Zunge gebissen?", stieß er besorgt hervor. "Ich werde nie begreifen, wie du es aushältst ständig eine zweite Stimme in deinem Verstand zu haben...", murmelte er und ein Hauch Bewunderung schwang darin. Cain hatte es durchaus ernst gemeint. Die Rubra war stärker als er es jemals sein würde. "Wir finden schon einen Weg, wie du es mir mitteilen kannst. Wenn Anifuris sich so sehr dagegen sträubt, muss es essenziell sein."
      Wieder auf den Füßen führte er Sylea zurück in das angrenzende Bad und ging ohne Umschweife auf die Dusche zu. Es dauerte nur einen kleinen Moment da stoben die ersten Dampfschwaden aus der ebenerdigen und offenen Duschkabine.
      "Ladys first.", schmunzelte er und lehnte dabei lässt mit einer Schulter an den Fliesen, während er Richtung fließendes und dampfendes Wasser nickte. Nachdem sie die ersten Schritte unter den prasselnden Duschstrahl gewagt hatte, folgte ihr Cain augenblicklich und blieb in ihrem Rücken stehen und ließ sie als Erste das heiße Wasser genießen.
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    • "Ist ja nicht so, als würde er ohne Unterbrechung mich vollquatschen. Er gibt meistens nur... seinen Senf dazu."
      Sylea reckte verzückt ihren Kopf an Cains Rücken vorbei, um dabei zu zusehen, wie Dampfschwaden zur Decke empor stiegen. Die warme Dusche im Hollow Point war schon ein Erlebnis gewesen. Aber das hier.... dürfte besser werden als das. Viel besser. Er hätte seine Worte gar nicht gebraucht, da war das Vessel schon an ihm vorbei gehuscht und hatte sich plakativ unter den Wasserstrahl gestellt. Ungebremst quietschte Sylea auf als das warme Wasser ihre kühlere Haut erreichte und einen starken Kontrast erzeugte. Mit Eiswasser kam sie klar - an das Gegenteil musste sie sich erst noch gewöhnen.
      Sie wich einen Schritt zurück und prallte dabei direkt gegen Cains Brust, der ihr ohne Umschweife gefolgt war. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht, das über beide Ohren zu reichen schien, wischte sie sich das Wasser und verlorene Haarsträhnen aus dem Gesicht. Dann machte sie eine schnelle Drehung um 180 Grad, packte den Seeker an den Schultern und zog ihn weiter unter den Wasserstrahl. Das Wasser lief in ihre geöffneten Augen, verwischte ihre Sicht ein wenig. Zielsicher fanden ihre Hände das Gesicht des Mannes vor ihr, um es sich zu herunter zu führen und ihn heiß zu küssen, wobei das Wasser die geringere Temperatur gerade hatte. Wieder schmeckte sie eine Spur Eisen als sich ihre Zungenspitzen trafen, wodurch sie sich abrupt zurückzog. Das Grinsen war noch immer auf ihrem Gesicht als sie tastend mit ihrem Zeigefinger ihre Zunge befühlte.
      "Er hat mir gedroht, dass ich mir die Zunge abbeiße, wenn ich weiterspreche. Ich hab nur drauf gebissen, ja. Passiert."
      Im nächsten Moment stand sie schon wieder eng an seinen Körper gepresst. Ihre Arme hatte sie über ihren Kopf gehoben, um das Wasser besser über ihren Haaren und den Nacken verteilen zu können. Nur zu gut spürte Sylea, wie ihre Rundungen über Cains feste Brust strichen ehe sie bis nach ganz hinten in der Kabine zurückwich. Die kalten Fliesen in ihrem Rücken beruhigten ihr leicht erhitztes Gemüt, doch das Feuer stand noch immer in dem Blick, den sie dem Seeker zuwarf.
      "Seife?", fragte sie schlicht und schürzte die Lippen. Wasser auf nackter Haut machte ihn nicht weniger unwiderstehlich...

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    • "Vorsichtig," lachte Cain amüsiert, als Sylea gegen seine Brust stolperte.
      Reflexartig streckte er die Hände nach ihr aus, um sie stützend an der Hüfte zu fassen. Das breite Grinsen auf ihrem Gesicht konnte er zwar nicht sehen, aber die silberne Aura versprühte das Glück förmlich in alle Himmelrichtungen. Und es war ansteckend. Cain lächelte ebenfalls und sah mit funkelnden Augen zu ihr herab, als sie sich gänzlich zu ihm umdrehte. Ohne Widerworte ließ sich der Seeker unter das dampfende Wasser ziehen, das sich wie eine Wohltat auf seinen angespannten Muskeln anfühlte.
      Der Kuss schmeckte eindeutig nach Mehr. Seine Vermutung von Zuvor bestätigte sich, als Cain eindeutig den metallischen Geschmack von Blut auf der Zunge hatte. Das prasselnde Wasser beeinträchtigte zwar seine Sicht, dennoch konnte er mit verschwommenen Konturen erkennen, wie sie ihre eigene Zunge befühlte.
      Die Erklärung dazu ließ eine zornige Spitze aus seiner Aura hervorbrechen, die er aber sofort wieder einfing. Die aufkeimende Wut sollte die Leichtigkeit nicht trüben, die Sylea gerade mit jeder Zelle ausstrahlte. Faszinierend welche Wirkung eine simple, heiße Dusche haben konnte.
      Cain genoss das Gefühl ihrer feuchten Haut auf seiner und wie sich ihre weiblichen Kurven im fließenden Wasser an ihn schmiegten. Da entfernte sich die junge Rubra dreister Weise von ihm, dass er ihre Nähe augenblicklich vermisste. Mit einem gespielt vorwurfsvollen Blick sah er sie an und folgte ihr auf dem Fuße. Wie ein starker Magnet wurde Cain von ihr angezogen, bis sich ihre Oberkörper erneut in der vom Wasserdampf vernebelten Dusche trafen.
      Blind streckte der Seeker den Arm zu Seite und lehnte sich ein wenig aus der Dusche heraus, bis er einen kleinen Korb zu fassen bekam.
      Darin befanden sich Seife, Shampoo und diverse andere Kleinigkeiten die vorsorglich hier deponiert gewesen waren.
      "Such dir was aus...", sagte er gegen das Rauschen des Duschkopfes und wartete geduldig bis Sylea ihm die Sachen aus der Hand nahm. "Jace hat immer darauf geachtet, dass das nötigste griffbereit ist. Wusste ja keiner, ob und wann ich jemals wieder hierher komme."
      Cain erlaubte sich einen weiteren Kuss von Sylea zu stehlen, ehe er zurück unter das Wasser trat und sich das heiße Nass nun komplett über den Kopf laufen ließ. Fluten perlten über seinen Körper hinab und nahmen den Schweiß und Dreck des Waldes mit sich.
      Mit den Fingern schob er sich die schwarzen, triefnassen Strähnen aus dem Gesicht. Wasserperlen verfingen sich in den ungewöhnlich langen Wimpern.
      “We all change, when you think about it.
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      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • "Wer ist Jace?", fragte Sylea nach nachdem sie einfach irgendeine Plastikflasche aus dem Korb gegriffen hatte und eine 2-in-1 Formel mit Limettenduft erwischt hatte.
      Dieser Name war neu. Bisher hatte sie nur von Cains Schwester etwas gehört, aber die Namen seiner Eltern waren ihr ebenso fremd wie das Wissen, ob er neben einer Schwester vielleicht noch weitere Geschwister hatte. Einen älteren Bruder zum Beispiel.
      "Ich bin sowieso überrascht, dass du die ganze Zeit über einen Plan B gehabt hast. Also, die Wohnung hier und alles. Und das, obwohl du davon ausgegangen bist, nie vom Blind Eye wegzukommen."
      Die junge Rubra öffnete die Flasche, gab sich etwas vom Inhalt in die Handfläche und stellte die Flasche in eine Ecke auf den Boden der Dusche. Dann seifte sie ihre Haare ein wobei sie einen ständigen Blick auf den Seeker vor ihr hatte. Vielleicht war sie angesichts der Umstände einfach nur ein bisschen verklärt, aber... leugnen konnte sie die Wärme in ihrer Brust nicht wann immer sie den jungen Mann sah. Eine Mischung aus Dankbarkeit, Zuneigung und Vertrauen. Ihre Bewegungen wurden langsamer bis sie sich scheinbar etwas überlegt hatte.
      Mit einer Hand schob sie Cain aus dem Wasserstrahl, um Platz für sich zu machen. Hastig kniff sie die Augen zusammen als das Wasser den Schaum aus ihren Haaren wusch und sie das Brennen in ihren Augen verhindern wollte. Als sie fertig war trat sie wieder zwei Schritte zurück, drehte sich um und bückte sich nach der Flasche, die unscheinbar auf ihren Einsatz in der Ecke am Boden wartete. Dass Sylea dabei ihre Heckansicht dem jungen Mann zur Gänze präsentierte, war sicherlich nicht unbeabsichtigt.
      Mit der Flasche in der Hand richtete sie sich wieder auf und wandte sich Cain zu. "Du möchtest nicht mir helfen? Ich komm' an meinen Rücken so schlecht dran."
      Ein warmes Lächeln stand auf ihrem Gesicht, als sie dem Seeker die Flasche hinhielt.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Jace ist ein Informatik-Spezialist und außerordentlich begabter Hacker. Und ein ehemaliger Angestellter im Dienste unseres ehrwürdigen Rates.", erklärte Cain. Wobei die letzten Worte vor Abneigung trieften. "Bevor du deine Bedanken äußerst, ich verspreche dir, er ist vertrauenswürdig. Er kümmert sich um die Entsorgung unseres Fluchtfahrzeuges und besorgt uns neue Ausweise, Pässe und die dazugehörigen Bankkonten. Ohne finanzielle Mittel ist unserer kleines Abenteuer nämlich bald zu Ende. Jace weiß, was er tut. Er hat sich die letzten Jahre auch um diese Wohnung gekümmert, falls ich noch einmal zurückkomme."
      Obwohl Cain die Informationen mit einem gewissen Ernst in der Stimme teilte, spiegelte sich dennoch ein amüsiertes Grinsen auf seinen Lippen, während er Sylea völlig ungeniert beobachtete. Obwohl das herabströmende Wasser in seinen Augen brannte, konnte er nicht eine Sekunde den Blick von ihr abwenden.
      "Das Apartment hat Jace mir vor ein paar Jahren besorgt, als ich es geschafft hatte zu flüchten um Cordelia zu suchen. Und um deine Frage zu beantworten, damals war ich noch nicht vom Blind Eye abhängig. Das war die schlussendliche Konsequenz nachdem mich die Hunter wieder eingefangen hatten und meine Vorgesetzten eine weiteren Fluchtversuch unterbinden wollten. Und nein. Keiner außer mit und Jace weiß von diesem Versteck. Es läuft unter anderem Namen und wurde bar bezahlt."
      Theatralisch seufzend ließ sich der Seeker von dem wohlig und heißen Wasser vertreiben, damit Sylea ihre Haare ausspülen konnte. Da sie nun erstmal nichts als Rauschen hören würde, beschäftigte sich Cain damit seine eigenen verschwitzten Haare zu waschen. Blinzelnd nahm er wahr, wie die junge Frau das Wasser wieder ihm überließ und trat erneut unter den Duschstrahl, um den Schaum aus seinen Haaren zu spülen. Als er den Kopf aus dem fließenden Wasser streckte, wurde er mit dem Anblick ihren wohlgeformten Hinterns belohnt. Mit dem breiten Grinsen auf seinen Gesicht musste er aussehen wie ein liebeskranker Vollidiot.
      Etwas zu hastig vielleicht folgte er ihrer Aufforderung. Dabei wäre ihm die gereichte Falsche aus den Fingern gerutscht.
      "Wie könnte ich dir diese Bitte abschlagen...", raunte er.
      Er gab sich etwas von dem duftenden Inhalt in die Handfläche und reichte ihre Flasche zurück. Erst verrieb er es ein wenig zwischen den Händen, ehe er Letztere auf ihren Schultern ablegte. Das Wasser tropfte ihm in Strömen aus den Haaren.
      Großzügig glitten seine Hände über ihren Rücken und tiefer hinab über die noch eben freimütig präsentierte Kehrseite. Aus Versehen, natürlich.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
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    • Etwa eine Viertelstunde später kamen Sylea und Cain aus dem Bad wieder heraus. Es war beim harmlosen gegenseitigen Waschen geblieben, da das Vessel nicht mehr leugnen konnte, dass das Zittern in ihren Beinen daher rührte, dass sie dringend etwas Essen musste. Im Eifer des Gefechts hatten sie beide aus den Augen verloren, dass sie eigentlich immer noch anemisch war und dieses Defizit erst einmal wieder ausgleichen musste.
      Folglich schlurfte sie in ein großes Handtuch gewickelt ins Wohnzimmer, wo sie sich auf das Sofa fallen ließ. Sie erinnerte sich daran, dass der Kühlschrank selbstverständlich noch leer sein musste. Schließlich waren sie beide überstürzt in einer Nacht und Nebel Aktion hier ausgeschlagen. Als sie sich ihre Haare in einem kleineren Handtuch trocken trupfte, fiel ihr wieder auf, wie kurz sie eigentlich waren. Vermutlich sah sie aus wie ein gerupftes Huhn...
      "Wir müssen noch Lebensmittel besorgen, richtig? Willst du das allein machen oder soll ich mitkommen?"
      Augenblicklich lag der Blick der jungen Frau auf Cain, der nach ihr den Raum betrat und nur ein Handtuch um die Hüfte geschlagen hatte. Gründlich musterten ihre Augen den Mann von unten nach oben bis sie ihm in die Augen blicken konnte. Am liebsten hätte sie schon wieder gelächelt, allerdings unterdrückte sie dieses Mal den Drang. Sie konnte sich nur zu gut vorstellen, wie er spästens nach einer Stärkung schon wieder über sie herfallen könnte. Als sie den Blick abwand rubbelte sie sich ordentlich die Haare in der Hoffnung, die Bilder aus ihrem Kopf gleich mit zu vertreiben.
      "Wirst du Anifuris Forderung nachkommen?", kam es gedämpft von ihr, da das Handtuch viel von ihrer Stimme schluckte. "Ich weiß nicht, wie lange wir hier bleiben können. Kann mir gut vorstellen, dass der Rat sämtliche Ohren und Augen aktiviert hat, um uns zu finden. Wahrscheinlich wirke ich wie ein Signalfeuer, wenn ich nach draußen gehe. Zumindest bis ich gelernt habe, unsere Auren komplett zu verschleiern."
      In sich hörte Sylea ein entferntes Brummen. Anifuris war nicht wirklich erpicht darauf, ihr diese Fähigkeit beizubringen wie er es konnte. Es war wahrscheinlicher, dass er sie erpressen und seine Fähigkeit im Tausch für die Kontrolle über den Körper anbieten würde. Was er dann aber genau mit seiner gewonnen Freiheit anstellen mochte, war eine andere Geschichte. Sylea hatte die alte Seele noch nie in einer Großstadt erlebt und wollte es auch nicht unbedingt.

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    • Lediglich mit einem großzügigen Handtuch um die Hüften gewickelt, betrat Cain das Wohnzimmer und ging auf direktem Weg in die Küche, als Sylea das Thema Essen erwähnte. Wie zu erwarten, herrschte im Kühlschrank gähnende Leere. Selbst das Gefrierfach war ohne jeglichen Inhalt. Natürlich war Jace kein Hellseher, so viel musste der Seeker ihm zugestehen. Und sein Hausmädchen war der Hacker schon gar nicht. Nachdenklich legte sich seine Stirn in Falten, während er in den geöffneten Kühlschrank starrte und ihn schließlich lautstark schloss. Ein gedehntes Seufzen war aus der Küche zu hören, bevor er wieder zu Sylea ins Wohnzimmer kam.
      Die Mühe sich die Haare abzutrocknen, hatte er gar nicht erst gemacht. Ungehindert tropfte das Wasser aus seinen Haaren und perlte von der leicht gebräunten Haut ab. Hinter einem bequemen Sessel blieb er stehen und stützte sich mit den Händen auf der Rückenlehne ab.
      Der Blick, den Sylea ihm zuwarf, war ihm nicht entgangen. Was er alles dafür geben würde, um gerade jetzt ihre Gedanken lesen zu können. Aber wie besprochen, hatte Cain sämtliche Türen in seinem Kopf sicherheitshalber geschlossen und schirmte sich so auch vor Anifuris ab. Allerdings, sollte die alte Seele es darauf anlegen, würden auch alle seine Sicherheitsvorkehrungen nicht helfen.
      "Sieht ganz danach aus.", kommentierte er ihre Bemerkung zum lästigen Einkauf. Cain hasste Supermärkte. Zu viele Menschen und damit viel zu viele gemischte und lautstarke Emotionen und Seelen, die um die Wette eiferten. Sein Training würde in vor einer sensorischen Überladung schützen. Angenehm war es trotzdem nicht. Gedanklich setzte er bereits Kopfschmerztabletten auf die Einkaufsliste. Die Stadt hatte sicherlich ihren Reiz, aber barg auch versteckte Schwierigkeiten.
      "Einerseits würde ich mich sehr darüber freuen, wenn du mich begleitet, aber Anifuris ist und bleibt ein Risiko. Ich will...", zögerte Cain und seufzte schon zum zweiten Mal in den letzten 5 Minuten. "Ich will dich nicht damit überfordern. Wenn du unter Menschen die Kontrolle verlierst, wird das schwer zu verstecken sein."
      Von dem Chaos, das Anifuris anrichten konnte, wollte er dabei gar nicht erst anfangen.
      "Ich habe nachgedacht...", murmelte Cain und kratzte sich mit dem Zeigefinger an der Nase. "Dieser Trick mit den Blutrunen. Könntest du damit das Apartment abschirmen? Vielleicht ist es möglich uns zumindest so lange wir uns hier aufhalten von anderen Seekern zu verbergen. Und der Rat wird andere schicken. Neben Helyon, der vermutlich wenig amüsiert darüber sein wird, das ich ihn ausgetrickst habe."
      Ein leichtes Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, als er den Sessel umrundete und sich schließlich in die weichen Polster fallen ließ. Für einen Augenblick wollte er noch den Frieden auskosten, ehe er sich anziehen und dem geschäftigen Treiben der Stadt stellen musste.
      "Was Anifuris 'Bitte angeht'...", begann er und setzte das Wort Bitte mit den Fingern in Anführungszeichen. "Ich denke noch darüber nach. Versteh mich nicht falsch, mir ist nicht wohl dabei. Aber unser Miesepeter hat sich in bedrohlichen Situationen als ziemlich hilfreich erwiesen..."
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    • Betont langsam überschlug Sylea die Beine und schaffte es gerade noch so, ein Grinsen zu unterdrücken als sie die Reaktion dazu in Cains Augen sehen konnte.
      "So gern ich mir die Stadt angucken würde - ich glaube auch, dass es zu gefährlich ist, den Spanner unter Menschenmassen zu bringen." Dabei wusste Sylea nicht einmal, dass Anifuris des Nachts bereits aufgestanden war und die Umgebung gescannt hatte. "Kannst du nicht diesen... Jayce? Jace. Fragen, ob er für`s Erste was besorgen kann? Das sollte doch nicht so auffällig sein oder? Ich muss ja auch kein Wort mit ihm wechseln."
      Ehrlich gesagt würde ich das schon ganz gerne tun. Man weiß nie, wozu man einen guten Hacker gebrauchen kann und der kleine Seeker hat ihn ja förmlich verhökert.
      Prompt verzog das Vessel das Gesicht. Im Prinzip war alles, was die alte Seele interessant fand, in irgendeinerweise schädlich für ihr weiteres Vorankommen. Sicher, er hatte aufgrund seines Wissens die beiden Flüchtenden schon aus der ein oder anderen Misere schlagen können. Doch warum er das so auf diese Art und Weise tat, war noch immer unklar.
      "Ich weiß nicht, wie genau das geht. Ich kenne ein paar Grundrunen, aber für mehr hatte es damals nicht mehr gereicht..."
      Die junge Rubra schaffte gerade so die Worte zu vollenden, da fasste sie sich an die Brust. Mit unbändiger Kraft rüttelte Anifuris an seiner Aurenfarbe in Syleas Netz, so als wolle er die Vorherrschaft gewinnen.
      Sag doch einfach, wenn du was willst!
      Du bist doch jetzt viel zu erpicht darauf, dass ich gar nicht mehr raus komme. Ich habe wenig Lust, uns zu wiederholen. Mach deine Maschen ein bisschen größer und entspann dich. Dann kann ich wenigstens sprechen.
      Perplex hielt Sylea in ihrer Bewegung inne. Sie runzelte die Stirn als sie sich etwas gerader aufrichtete und einen sorgsamen Blick zu Cain warf, der sie wieder so sorgenvoll anblickte. Leicht schüttelte sie den Kopf, dann schloss sie die Augen und entspannte sich. Ganz leicht lockerten sich die engen Maschen und gaben dem Nachtblau die kleine Freiheit, ihren Umriss zu ändern und anders zu pulsieren. Als sich Syleas Stimme das nächste Mal hob, war es ihr Klang mit anderer Persona.
      "Die Rubra kennen die meisten Runen nicht mehr. Haben sie verlernt oder schlichtweg vergessen. Es gibt praktisch nichts, was man mit den richtigen Borden nicht halten kann. Wenn man bereit ist, den Preis dafür zu zahlen."
      Als sich Syleas Augen öffneten, war die junge Frau ganz eindeutig noch darin zu erkennen. Auch sie war es, die die Schulter zuckte und die Augenbrauen in Verwirrung hob. Ihre Stimme hatte trotzdem einen neutralen Tonfall, als sie fortfuhr: "Ich kann einen Kreis ziehen, allerdings funktioniert er nur sehr eingeschränkt weil wir keinen direkten Erdboden unter uns haben. Ich würde unserer Aurensignaturen hier einsperren. Aber wenn sie noch andere im Umkreis befinden, gilt das auch für sie. Es ist eine Kugel, die man erzeugt, kein Würfel oder Quader. Läuft jemand in die Barriere, wird derjenige sofort merken, dass es eine war. Wenn und also ein Helyon auf die Schliche kommt und in meine errichtete Kugel läuft, wird er in genau dieser Sekunde wissen, dass wir es sind. Auch, wenn er vorher nicht eine Nase voll von uns wahrgenommen hat."
      Deswegen hielt der Bannkreis an der Kathedrale so außerordentlich gut. Man hatte die Zeichen in die Steine am Boden geritzt ohne Unterbrechung von anderen menschlichen Signaturen. Tiere waren immer eine Ausnahme, aber dort gab es keine andere Zivilisation. Hier allerdings war es eine andere Geschichte.
      "Ich kann natürlich auch deine und unsere Aura fast ins Nichts laufen lassen", ein spitzbübisches Lächeln erschien auf Syleas Lippen, das sicherlich nicht von ihr stammte, "aber ich glaube, das möchtest du nicht. Signaturen auslagern ist eine... sehr private Angelegenheit. Kann dich mit einem Fingerschnipps töten, du weißt schon."
      Ein Ruck ging durch Syleas Körper als sie sich anspannte und die Maschen wieder enger zog. Sie hatten genug gehört. Die Optionen gehört.
      "Wir wissen beide, dass er praktisch nichts nicht kann. Wir dürfen uns da nur nicht drauf verlassen. Und komm nicht auf die Idee, sein Angebot anzunehmen. Wie ich ihn kenne wird er deine Aura nur auseinandernehmen und falsch zusammensetzen..."

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    • "Natürlich. Jace zu kontaktieren ist im Prinzip möglich. Es wird allerdings eine Weile dauern bis er hier ist. Abgesehen davon weiß er, dass ich nicht alleine hier bin. Ich habe ihm keine Einzelheiten über dich erzählt. Aber das ist auch nicht nötig, damit er uns hilft."
      Mit schief gelegtem Kopf beobachtete Cain die junge Rubra und das Bernstein seiner Augen leuchtete eindeutig auf, als sich sein Blick auf ihre überschlagenen Beine fixierte. Ein wenig verzog er dabei die Mundwinkel, als wollte er sich eine Bemerkung verkneifen. Er musste endlich aufhören sich in der Gegenwart von Sylea wie ein hormongesteuerter Teenager zu benehmen. Den Impuls aufzustehen und sich neben die Vessel auf das einladende Sofa zu setzen, verpuffte zu einem unruhigen Trommeln seiner Fingerspitzen auf den Sessellehnen.
      Besorgnis zeichnete sich in seinem Blick ab, als Sylea sich mit angespannter Miene an die Brust fasste.
      Aufgrund seiner verschlossenen Aura war es schwer zu erfühlen, was gerade in dem Mädchen vor sich ging. So konnte er sich allein auf das Lesen ihrer Mimik verlassen. Das Kopfschütteln ließ ihn wieder tiefer in das weiche Polster des Sessels sinken. Der Seeker musste ihr vertrauen, dass sie Anifuris im Griff hatte. Vorsichtshalber verstärkte er die mentalen Sperrungen um seinen Verstand, wobei sich seine goldene Aura eng und glatt um seinen Körper schmiegte, um wenig Angriffsfläche zu bieten.
      Der Anblick war wie schon kurz nach dem Aufwachen sehr befremdlich. Die Stimme klang eindeutig nicht nach Sylea, aber ihr Blick war ihm umso mehr vertraut.
      "Das klingt alles eher suboptimal.", brummte Cain und fuhr sich durch die feuchten Haare, die sich durch das Lufttrocknen an den Spitzen ein wenig wellten. "Aber eine bessere Idee habe ich im Augenblick auf nicht. Wir müssen uns nicht jetzt entscheiden."
      Die versteckte Drohung in den Worten von Anifuris war ihm nicht entgangen. Freiwillig würde Cain sich nicht in die fragwürdigen Hände des alten Bewusstseins begeben. Diese Methode sollte der letzte Ausweg sein, um ihren Verfolgern zu entkommen. Aus freien Stücken zu Anifuris' Marionette zu werden stand völlig außer Frage.
      Erst als Sylea wieder selbst Herrin über ihre Worte war, erhob sich Cain von seinem Platz und ging auf die zu.
      "Wir sollten uns was anziehen und dann rufe ich Jace an. Irgendwelche Wünsche für die Bestellung?", fragte er lächelnd. "Und kein Sorge. Anifuris Angebot ist der letzte Weg, den wir einschlagen werden. Warte kurz."
      Cain beugte sich etwas vor und drückte einen Kuss auf die Stirn der jungen Frau. Sanft fuhr er ihr durch das kurze Haar.
      Dann verschwand er im angrenzenden Schlafzimmer und kam wenige Minuten barfuß, aber in einer schwarzen Jeans und in einem gemütlich aussehenden Pullover in schlichtem Grau zurück. Seine Garderobe war nie sonderlich farbenfroh gewesen. Unterm Arm klemmte eine Reisetasche, die sie zuvor nicht dabei gehabt hatten.
      Er stellte die Tasche neben ihr auf der Couch ab und deutete auffordernd darauf.
      "Jace hat mir ein paar Sachen für dich mitgegeben. Keine Ahnung, ob davon was passt. Ich hoffe das nächste Mal kannst du dir mal selbst etwas aussuchen.", grinste er verlegen und zog ein fremdes Handy hervor. Kein Smartphone sondern ein veralteter Knochen.
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    • Für einen kurzen Augenblick schloss Sylea die Augen, genoss einfach nur, wie sich Cains Lippen auf ihrer Stirn und seine sanften Berührungen in ihrem Haar anfühlten. Dann war er bereits verschwunden und kehrte angezogen wieder zurück. Was bedeutete, dass sie vielleicht vorerst sicher vor ihm war. Vielleicht.
      "Haargummis wären nicht schlecht", bemerkte Sylea noch bevor sie sich auf die neben ihr abgestellte Tasche stürzte. "Ansonsten ist es mir relativ egal. Klingt ein wenig dämlich, aber ich glaube es gibt nichts, was ich nicht essen würde. Leben in kargen Umständen lässt keinen Raum für Vorlieben, weißt du? Oh, aber Eier könnte er besorgen. Ich liebe Eier. Hartgekocht das Beste, was mir manchmal in der Kathedrale in die Finger fiel."
      Sichtlich ambitioniert wühlte sich das Vessel durch die Untiefen der Tasche und förderte dabei alles Mögliche an Kleidungsstücke zutage. Unter anderem ein Pulli mit Micky Mouse Aufnäher. Belustigt zog sie eine Schnute als sie einfach ihr Handtuch um sich löste und den Pulli über den Kopf zog. Er war so weit, dass sich ihre Statur gänzlich darin verlor. Selbst die Arme waren zu lang und verschluckten ihre Hände.
      "Sag mir bloß, dass erwachsene Frauen sowas anziehen."
      Mit einem Grinsen trennte sie sich von dem Pullover, faltete ihn und legte ihn zur Seite. Dass das Handtuch nun nur noch um ihre Hüften lag, störte sie natürlich wenig während sie weiter den Inhalt der Tasche durchsuchte. Irgendwann fand sie einen schmal geschnittenen, motivlosen dünnen Pulli, der vielleicht eher passen mochte. Auch diesen zog sie an und befand ihn immerhin als nicht zu groß. Dann fann sie noch eine schwarze Leggins, die sie nach einer Prüfung ebenfalls behielt.
      "Ich werde schon nicht vom Fleisch fallen bis Jace was vorbei gebracht hat. Einen Tag nichts zu Essen ist lächerlich im Vergleich zu den Hungeperioden, die ich schon hatte", lächelte Sylea ohne ein Anzeichen von schlechten Erinnerungen. Es waren Fakten und Umstände, die lange zurücklagen und vorbei waren.
      Als sie sich erhob, ließ sie das Handtuch absichtlich fallen. Sie sammelte es auf, legte es sich über den Arm und schritt für ihre Verhältnisse sehr würdevoll an dem jungen Mann vorbei Richtung Schlafzimmer. Noch immer lächelte sie, konnte seine Blicke auf ihrem Körper mit jedem Schritt fühlen. Asbald hatte sie ihren BH sowie den Slip eingesammelt und sie angezogen. Dann kam sie zurück ins Wohnzimmer, schlüpfte in den Pulli und schälte sich in die Leggins.
      "Wusstest du eigentlich, dass du mich immer noch wie ein hungriges Tier anschaust?", fragte sie den Seeker unnötigerweise. Die Belustigung in ihrer Stimme war unverkennbar. "Wenn du da weiter so viel Energie rein steckst, dann klappst du eher zusammen als ich bevor Jace hier auftaucht."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Mit einem Grinsen machte sich Cain gedanklich eine Notiz zu ihren Einkaufswünschen und musste sich auf die Zunge beißen, um keinen schlechten Witz zu ihrer Vorliebe für hartgekochte Eier zu machen. Das wäre nun doch etwas zu platt gewesen. Und das war wirklich nicht seine Art. Der Seeker schmunzelte nur still vor sich hin und durchsuchte das Telefonbuch nach der Nummer von Jace. Das alte Mobiltelefon war notwendig, aber Cain fühlte sich ins Mittelalter zurückversetzt.
      Beiläufig sah er zu Sylea herüber und erwischte die junge Frau gerade dabei, wie sie in den übergroßen Pullover mit Micky Mouse Motiv schlüpfte. Wahrscheinlich würde er dem Hacker auf schonende Weise beibringen müssen, dass er absolut keinen Modegeschmack hatte. Dennoch sah sie in dem Hoodie schon süß und zum Anbeißen aus. Selbst in seinem Kopf klang Cain wie ein verknallter Teenager. Leicht schüttelte er den schwarzen Haarschopf und ließ es sich trotzdem nicht nehmen den Blick über ihre wunderschönen Kurven wandern zu lassen, ehe dieser wieder hinter einer lästigen Schicht aus Kleidung verschwanden.
      Bei dem Anblick, der sich im Anschluss bot, zog Cain amüsiert eine Augenbraue nach oben und schmunzelte still vor sich hin. Mit aller Erhabenheit schritt Sylea, nackt wie sie geschaffen wurde, an ihm vorbei ins Schlafzimmer und präsentierte ihm einen wunderbaren Ausblick auf ihren Hintern. Sie würde ihn noch in den Wahnsinn treiben, so viel stand fest.
      Grinsend ließ er sich auf das Sofa fallen und platzierte seine Füße auf dem niedrigen Couchtisch, wo er die Knöchel lässig übereinander kreuzte. Und auf die Anruftaste drückte. Während Sylea sich im Schlafzimmer scheinbar nach Unterwäsche umsah, führte er ein knappes Gespräch mit Jace. Die beiden hatten sich darauf geeinigt am Telefon nur das Nötigste zu besprechen.
      Als Sylea zurück ins Wohnzimmer trat, lediglich in BH und Slip, stockte Cain mitten im Satz.
      "Erde and Cain! Bist du noch dran? Hallo!?", erklang die fremde Stimme lautstark aus dem Telefon. Ein Ruck ging durch den Seeker.
      "Ja, verdammt...", knurrte er. "Wie besprochen." Damit legte er ohne ein weiteres Wort auf.
      Tief lehnte er sich zurück in die Polster und beobachtete sie schamlos dabei, wie sie sich die restlichen Kleidungsstücke anzog. Etwas ertappt sah er sie mit schief gelegtem Kopf an.
      "Wenn ich aufhören soll, musst du erst damit aufhören halbnackt vor mir herumzulaufen.", schmunzelte er. "Und mach dir mal keine Sorgen um meinen Energiehaushalt. Stört es dich, wenn ich dich ansehe?", hakte er dann schließlich doch nach. Ihr Ton war zwar scherzhaft gewesen, aber manchmal versuchten Menschen damit auch einfach nur ihre Unsicherheit zu verstecken.
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    • "Wieso stockst du inmitten deines Satzes, wenn ich in Unterwäsche vor dir stehe? Ich war vor gefühlten drei Sekunden noch nackt hier."
      Du unterschätzt die Macht von Reizwäsche, meine Liebe. Wobei... Das, was du da gerade trägst ist so weit ab von Reiz... Der kleine Seeker ist vielleicht auch einfach nur notgeil.
      Ein Stirnrunzeln begleitete diese Aussage Anifuris'. Er zeigte ihr kurz eine Erinnerung an eine Frau, die feuerrote Spitzendessous trug. Ihre in Falten gelegte Stirn glättete sich. Jap. Sah definitiv gut aus.
      Sylea verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Cain, der sie noch immer ansah wie ein Stück Frischfleisch. Zwar mit ein wenig mehr Zurückhaltung, aber an seiner Intention hatte sich nicht viel geändert. Ihre Lippen kräuselten sich kurz bevor sie zu reden anfing: "Wie du siehst, reicht eine Leggins scheinbar auch schon aus, dass du mich so anschaust. Und nein, es stört mich nicht. Hat was spaßiges, wenn ich so darüber nachdenke. Seit wann siehst du mich eigentlich so, hm? Schon in der Zelle? Oh, bitte sag mir nicht, du hast schon überlegt als ich dich um deine Anwesenheit gebeten hatte weil ich nicht allein einschlafen wollte."
      Der Tonfall des Vessels war leicht spöttisch, den Kopf hatte sie ein wenig zur Seite geneigt. Das Grinsen auf ihren Lippen war absolut unmissverständlich. Der ganze Austausch bereitete ihr einen Höllenspaß und nach den ganzen Strapazen kostete sie ihn auch vollends aus.
      "Wir haben jetzt ja noch ein bisschen Zeit bis dein Kumpel kommt, ja?", erkundigte sie sich, da setzten sich ihre nackten Füße bereits in Bewegung. Langsam näherte sie sich dem jungen Mann bis ihre Knie seitlich an seine Beine stießen. "Wie du siehst hab ich aufgehört, halbnackt vor dir herum zu laufen. Macht's das besser?"
      Ohne auf eine Antwort zu warten schlug sie ein Bein über Cains hinweg, schob sich bis zum Beginn der Polster an ihn heran und bedachte ihn einen Augenblick lang mit einem schwer zu deutenden Blick. Dann setzte sie erst ein Knie nebst seiner Hüfte in die Polster, dann das andere auf der anderen Seite. Rittlinks setzte sie sich auf seinen Schoß, nahm ihm das Handy ab und streckte sich nach hinten, um das Gerät auf dem Couchtisch neben seinen Füßen abzulegen. Dann begann sie, mit ihren Fingern durch sein dunkles Haar zu kämmen.
      "Dein Freund weiß nicht, dass du was mit einem ehemaligen Ziel am Laufen hast, hm?" Sie grinste so breit, dass es fast schon drohte, ihr Gesicht entzwei zu reißen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Anscheinend amüsierte sich Sylea ganz hervorragend. Und das definitiv auf seine Kosten.
      Das Grinsen auf ihrem Gesicht erinnerte ihn nur entfernt an das Mädchen, dass ihn verschreckt aus den verdreckten Tiefen einer Baumunterhöhlung angesehen hatte. Allein ihr intensiver Blick reichte aus, um einen heißen Schauer durch seine Blutbahnen zu jagen. Mit gespielter Kränkung verschränkte Cain die Arme vor dem Brustkorb und zog gezwungen die Mundwinkel nach unten. Der Seeker legte eine bühnenreife Schmollmiene an den Tag, als würde er es ganz und gar nicht amüsant finden.
      "Wirklich, Sylea? Traust du mir tatsächlich zu, dass ich deine Lage dermaßen ausgenutzt hätte? Ich bin entsetzt.", sagte Cain und reckte das Kinn ein wenig, um besser zu ihr aufsehen zu können. Die junge Rubra hätte einen unförmigen Kartoffelsack tragen können und hätte ihn doch mit Leichtigkeit um den Finger gewickelt.
      Mit den Knien stieß sie gegen seine ausgestreckten Beine, was seinen Blick ganz automatisch nach unten lenkte, wo er die Berührung gespürt hatte. Die glatte Hülle seine Aura schlug dabei eine seichte Welle, als wollte sie Cain davon überzeugen, das schimmernde Gold von der Leine zu lassen. Es bedurfte nur einer kleinen Annäherung und seine Aura strebte gegen den Käfig seiner Kontrolle an. Es war geradezu unheimlich, wie der Silberstreif den Goldschimmer anzog.
      Sein Mund öffnete sich zu einer neckenden Antwort, als er die Worte hinunter schluckte, da sie Sylea sich innerhalb weniger Sekunden bereits zielstrebig auf seinen Schoß gesetzte hatte. Reflexartig löste sich seine Arme aus der Verschränkung und die Hände legten sich ohne sein Zutun auf den vertrauten Schwung ihrer Hüften. Der Stoff unter seinen Fingern fühlte sich weich und einladend an.
      "Wie du siehst hab ich aufgehört, halbnackt vor dir herum zu laufen. Macht's das besser?"
      "Nicht wenn du dabei auf meinen Schoß sitzt.", grummelte Cain und verzog erneut das Gesicht. Allerdings hatte er dieses Mal sichtliche Mühe seine ernste Miene aufrecht zu erhalten. Stattdessen übte er einen sanften Druck auf ihre Hüften aus und zog die junge Rubra näher an sich heran, bis er selbst durch die neuen Lagen Stoff die wärme ihres Körpers spüren konnte.
      "Jace wird ungefähr eine Stunde brauchen bis er mit allem hier ist.", antwortete er fast beiläufig und trauerte dem alten Handy keine Sekunde nach, von ihm aus hätte sie das Ding auch aus dem Fenster werfen können. "Aber er ist alles andere als dumm, Sylea. Er wird sich seinen Teil dazu denken."
      Mit einem genüsslichen Brummen legte Cain den Kopf den Nacken und drückte sich ihren streichelnden Händen entgegen, die durch sein Haar fuhren.
      "Aber um deine Frage zu beantworte: Nein, ich habe ihm nichts gesagt." Das breite Grinsen ließ ihn auflachen. "Was geht in deinem hübschen Kopf vor sich, hm?"
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