[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Für einen Moment lang hatte Andvari Zweifel an seiner Lehrmethode.
      Lhoris war ein herausragender Schwertkämpfer und zu seinem Entsetzen hielt er sich tatsächlich nicht zurück. Die Geschwindigkeit war die größte Stärke des Elfen und zumeist ein absoluter Todesgrund. DIe Tatsache, dass Viola alleine die beiden Hiebe zu blocken wusste, zeigte schon viel über ihre Stärke. Auch wenn der zweite Schlag zwar einige Zeit später, aber durchaus zielführend seine Wirkung zeigte.
      "Das war schon sehr gut!", rief Andvari und ging vorerst dazwischen.
      Lhoris schwang sein Schwert aus und sah mit einem glitzernden Blick zu Viola. Es ging zu schnell und beide Elfen spürten es. Sicherlich wohnte dem Schwert große Kraft inne, welche durch die Kräfte der Heilerin erwachten. Doch zu schnelles Erwachen förderte zumeist eine Gegenreaktion.
      Schweigsam trat der weißhaarige Elf näher und legte seine Hand lächelnd auf Violas Handgelenk.
      "Blocke nicht mit beiden Händen", erklärte er und legte ihre Hand fest um den Griff des Schwertes. "Denk dir deine zweite Hand hinzu und führe das Schwert wie einen Schild. Du führst es noch wie ein Schwert...Dandelost ist darauf ausgelegt, beinahe jede Attacke zurückwerfen zu können. Das kann es aber nur, wenn es die volle Widerstandskraft hat. So in etwa!"
      Er legte ihre Hand fest an das Schwert und positioniert es in einem beinahe genauen rechten Winkel vor ihrem Körper.
      Anschließend sah er zu Lhoris.
      "Wir versuchen es nochmal. Konzentrier dich nur darauf, es gerade zu halten und die Magie fließen zu lassen. Wehr dich nicht dagegen."
      Es war riskant, aber sie mussten es versuchen. Viola wollte kämpfen und es war das beste, die Möglichkeiten auszuschöpfen, die sie hatten.
      Ein kurzes Nicken signalisierte dem Schwarzhaarigen, seinen Angriff zu beginnen.
      Beinahe beiläufig schüttelte dieser noch sein Schwert aus und stand seitlich zu Viola.
      Um im beinahe selben Moment hervorzupreschen wie ein Pfeil. Leichtfüßig glitten seine Füße durch den Schlamm und es brauchte erneut nur drei lange Schritte und einen Sprung, ehe er abhob und das Schwert wie eine Axrt hoch über den Kopf schwang.
      Mit einem Urschrei ging es auf Viola hernieder..

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Die Elfen wussten etwas, dass Viola verborgen blieb.
      Flüchtig wanderte der Blick zwischen den Männern hin und her, ehe sich die volle Aufmerksamkeit wieder auf das magische Elfenrelikt in ihren ungeübten Fingern legte. Viola beschlich einmal mehr der zweifelnde Gedanke, dass die Kräfte dieser Klinge in ihren Händen verschwendet waren. Ein Mensch konnte unmöglich dazu in der Lage sein, das volle Potenzial des Schwertes auszuschöpfen. Viola fehlte die Selbstverständlichkeit für das magische Gespür und die natürliche Verbindung zu jenen Mächten. Vor einiger Zeit noch war es Andvari gewesen, der sie darüber belehrt hatte, dass Elfen eine natürliche Verbindung zu der Magie ihrer Welt besaßen. Im Gegendazu zu Viola benötigten sie keinen Schubser um die Erweckung ihrer Kräfte zu bewirken. Was wäre, wenn sie nie ohne einen führenden Funken das Schwert rechtmäßig führen konnte?
      Unter der Führung des weißhaarigen Elfen positionierte sich Viola neu und versuchte die Klinge möglichst sicher im geforderten Winkel zu halten. Dandelost war leicht, aber dennoch war das Gewicht für jemand Ungeübten nicht zu vernachlässigen. Ihr war schleierhaft, wie sie mit diesem unsicheren Halt einen mächtigen Hieb von Lhoris abwehren sollte. Zwar glich Dandelost einen Teil ihrer Schwäche aus, aber es hatte mit zwei Händen schon kaum gereicht.
      Dennoch nickte sie entschlossen und ein kleiner Teil wünschte sich, dass Andvari als Versicherung in ihrem Rücken verweilte. Diese Lektion musste sie leider alleine lernen. Und hatte sie nicht am Vorabend noch darauf bestanden, sich nicht mehr verstecken zu wollen?
      Der Überlebensinstinkt setzte ein und wollte die Heilerin dazu bringen, ihre Füße schnellstmöglich von der Stelle zu bewegen. Sie spürte die dumpfe Wucht der ersten Hiebe noch in Muskeln und Knochen, da befand sich Lhoris bereits mit atemberaubender Geschwindigkeit im vollen Lauf. Die Leichtfüßigkeit, mit der er die Anziehungskraft des Bodens hinter sich ließ, versetzte auch die Schaulustigen auf der Palisade in Erstaunen. Tilda blickte zwischen ihren Fingern hindurch auf die frostige Wiese und konnte gar nicht richtig hinsehen.
      Viola versuchte die drohende Gefahr, die von dem Hieb ausging, weitegehend in den Hintergrund zu drängen. Tief in ihrem Verstand wusste sie, dass Lhoris ihr kein Haar krümmen würde, aber der Schrei allein hätte sie beinahe erstarren lassen.
      Die Zeit schien sich zu verlangsamen und Viola lauschte dem hektischen Herzschlag in ihrer Brust. Ein, zwei gleichmäßige Atemzüge und sie zog erneut die vertraute und wärmende Magie aus dem Kern ihrer selbst hervor. Die Linien auf ihrer Haut waren so hell, dass sie bereits durch den Stoff zu sehen waren und flossen durch ihren Arm und ihre Hand in das gläserne Metall der Herzensschneide.
      Als sie die Augen aufriss und das glühende Schwert des schwarzhaarigen Elfen mit voller Kraft aufprallte, erhob sich erneut eine Halbkuppel aus glitzerndem Licht zwischen ihnen. Dieses Mal reichte der Schild über ihr Haupt hinweg und scheinbar bis den gefrorenen Boden hinein. Es schirmte sie vollständig von der drohenden Hitze von Lhoris's Schwert ab und vor einem potenziell tödlichen Treffer.
      Der Druck auf ihrem Arm war enorm und tatsächlich gruben sich ihre Stiefel ein wenig tiefer in den harten Boden und hinterließen einen Furche, als sie knapp einen halben Meter nach hinten gedrückt wurde.
      Verbissen sah sie Lhoris aus blitzenden Augen an und tat das, was Andvari gesagt hatte. Sie ließ die Magie fließen, wie eine Welle, die sich sammelte und mit tosender Kraft auf das Ufer prallte. Gleichzeitig schien sich die lichtartige Struktur des Schildes zu verfestigen und ein ruckartiger Puls fegte über die Wiese. Viola riss für einen Augenblick triumphierend den Kopf hoch, wäre da nicht das Brennen unter ihrer Haut gewesen. Ein Brennen, dass mit jeder verstreichenden Sekunde wuchs.
      "Warte...", murmelte sie. Viola stemmte sich nun mit ihrem vollen Gewicht nach vorn, um Lhoris zu verdeutlichen, dass er sich zurückziehen sollte. "Lhoris...Hör auf!"
      Sobald der Druck der fremden Klinge verschwand, flirrte der Schild und verglühte.
      Mit beunruhigender Hektik nestelte Viola mit der freien Hand an dem Hemdsärmel ihres Schwertarmes und schob die Wolle nach oben. Die Ranken aus Licht waren verglüht, aber das Muster war weiterhin als gerötete Haut zuerkennen. Es ähnelte der Rötung, die auftrat, sobald man einer großen Hitzequelle zu nah kam. Nicht heiß genug um eine Brandwunde zu hinterlassen, aber genug um die Haut zu reizen. Prüfend fuhr sie mit den Fingerspitzen darüber. Sie würden rasch verblassen, das wusste Viola, aber was wäre passiert wenn sie Dandelost Magie länger durch ihren Arm hätte fließen lassen.
      "Das ist noch nie passiert...", sagte sie und fühlte die Wärme der geröteten Linien unter ihren Fingern.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Auch wenn der Rückprall des Schwertes durchaus erträglich war, so war es doch umso erstaunlicher, dass sie die Hiebe abblocken konnte. Lhoris schlug mit voller Kraft, voller Geschwindigkeit. Das einzige, was er fortließ, war die Tatsache, dass er immer noch einen Schildträger mühelos in die Defensive drängen konnte.
      Doch das Ergebnis nach zwei Versuchen war bereits erstaunlich.
      Und dennoch glitt Sorge durch die Blicke der Elfen, als sie sich ansahen und Andvari wieder näher kam. Der Weißhaarige hatte einen zweifelnden Blick aufgesetzt und griff beinahe ruckartig nach ihrem Arm, um ihn dennoch zart, aber bestimmt zu sich heranzuziehen. Die Linien auf der Haut erinnerten ihn schmerzlich an seine eigenen Zeichnungen, die er nicht mehr vergessen konnte.
      Schweigsam fuhr auch er mit den Fingern darüber, spürte aber nur eine leichte Hitze davon ausgehen. Als würde die Magie eine kleine Warnung senden.
      "Etwas stimmt nicht...", flüsterte er und selbst Lhoris, der hinzugetreten war, b,lickte mit sorgenvollem Blick auf den Arm.
      "Es erscheint, als sei die Magie durchaus in der Lage zu fließen, jedoch sind ihre Kanäle nicht weit genug geöffnet...", murmelte der Schwertkämpfer und schob seine Klinge in die zugehörige Scheide.
      Andvari nickte, wusste aber nicht, welche Ursache dies haben konnte. Sicherlich erschien die Erklärung von Lhoris als das Wahrscheinlichste, jedoch konnten gefühlt 100 Gründe ursächlich hierfür sein.
      "Oder die Aura färbt sich zu schnell", murmelte Andvari und seufzte. "Ich kenne dieses Phänomen eigentlich nur bei Lichtrufern. Als ich ausgebildet wurde, da sollte ich meine Magie frei fließen lassen. Mein Körper jedoch war nicht in der Lage, die Magie zu stemmen und so verbrannte mich das Licht, das ich ureigens rief. Vielleicht ist es ähnlich..."
      Anschließend sah er zu Viola und legte den Kopf schief.
      "Geht es dir gut? Hat es neben der Reizung noch etwas gegeben, was du bemerkt hast?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Unter den vorsichtigen Berührungen des Elfen zuckte Violas Arm durch die Überempfindlichkeit.
      Die Nerven unter der geröteten sandten das gleiche pochende Brennen aus, wie bei einer Verbrühung. Die Heilerin verzog leicht das Gesicht, aber widerstand dem Reflex den Arm schützend an ihren Körper zuziehen. Die Magie des Schwertes war nicht für Menschenhände gemacht worden und Viola befürchtete, dass ihr eigener Körper langsam die Grenzen aufzeigte. Ein unwillkommene Einschränkung, die sich als ärgerliches Hindernis herausstellte.
      Der Schild in Telerin war weitaus größer und energieraubender gewesen, gleichzeitig aber auch brüchiger und instabiler. Der äußerliche Druck und die physische Krafteinwirkung hatte sich allerdings auf eine wesentlich größere Fläche ausgebreitet. Die Angriffe waren nicht gezielt auf einen Punkt ausgerichtet worden. Dazu gab die natürliche Verwundbarkeit der Schattenkreaturen gegenüber Licht.
      Viola ahnte bereits, welch großes Glück auf ihrer Seite gewesen war. Vielleicht hätte Sylvar Rat gewusst.
      "Es geht mir gut. Glaube ich.", antworte Viola nachdenklich, während ihr Blick noch immer auf den Arm geheftet war.
      Das unangenehme Brennen unter der Haut zog sich den gesamten Arm herauf bis zum Ende der Zeichnungen über dem Herzen, dass noch von der geforderten Anstrengung raste. Das Blut rauschte förmlich in den Ohren. Als ausgebildete Heilerin wusste Viola, dass der Rhythmus viel zu schnell war.
      Beiläufig presste sie die freie Handfläche gegen den beschleunigten Herzschlag und versuchte mit kontrollierten Atemzügen die nötige Ruhe durch ihren Körper fließen zu lassen. Dabei glitt ihr Blick zu Lhoris herüber.
      "Gibt es eine Möglichkeit die Angelegenheit zu beschleunigen?", fragte Viola mit mehr geflüsterten als lauten Silben und schloss kurz die Augen, wobei der Puls ein dumpfes Pochen hinter der Stirn erzeugte. Die Zeit für eine langsam geführte und angebrachte Ausbildung fehlte den Gefährten. In wenigen Tagen könnte Faolan samt seiner kriegshungrigen und schrecklichen Raben bereits vor den Toren der Stadt stehen.
      Oben auf der Palisade scheuchte Tilda bereits die neugierigen Beobachter davon und wieder an ihr Tagwerk. Das Gemurmel in der Distanz verstummte und nichts blieb übrig als das Rauschen des Windes, der über die Wiese pfiff.
      "Was bedeutet es, wenn die Aura sich zu schnell färbt. Erklär es mir, bitte.", fragte sie mit gezwungen ruhiger Stimme, die elfischen Silben schwer auf ihrer Zunge. "Ich verstehe das nicht. Der Lichtschild in Telerin war viel kräfteraubender und ich habe wesentlich mehr Magie aufgewendet an diesem Tag. Sogar bis kein Tropfen mehr übrig war. Da hat mich das Licht nicht verbrannt. Nachdem Blutopfer im Tempel habe ich zwar eine Weil gebraucht, bis ich die Magie wieder spüren konnte, aber es schien alles in Ordnung..."
      Viola stockte kurz.
      "Andvari...", murmelte sie schließlich und griff nach seinem Arm. Das Dröhnen in ihrem Kopf entwickelte sich zu schwindelerregenden Hammerschlägen. "Ich denke, ich sollte mich setzen."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Eilig glitt Andvari zu ihr und fing ihren strauchelnden Körper auf. Mit einer sachten Bestimmtheit nahm er sie kurzerhand auf die Arme, sodass er sie zumindest zur nächsten Bank tragen konnte. Der Bank, die ihm als Stütze gedient hatte, eignete sich perfekt dafür. Ebenso sachte wie eilig setzte er sie auf die Bank ab und nahm ihr einstweilen Dandelost aus der Hand. Das Schwert war ungewöhnlich heiß und gleichsam spürte man noch immer den Widerhall der Magie, den Viola hindurch geleitet hatte.
      Es war erstaunlich, betrachtete man die Tatsache, dass die Magien nicht kompatibel sein sollten...
      Seufzend legte er das Schwert neben sie und sah zu Lhoris.
      "Geh zu Tilda und lass dir einen Becher Wasser und einen Becher Met geben", befahl er schnell und Lhoris eilte von dannen.
      Anschließend sah Andvari zu Viola und wirkte mehr besorgt als erfreut über den Trainingsfortschritt. Sicherlich konnte man deutlich erkennen, dass sie das Potenzial zu Großem hatte. Jedoch war es wie bei Jedem Großen,...Täuschte man sich in der Belastbarkeit, war der eigene Tod wahrscheinlicher als
      "Es geht dir nicht gut", stellte Andvari fest und seufzte, ehe er sich vor sie hockte und seine Hände auf ihre Oberschenkel legte. Selbst jetzt, Minuten nach der Freisetzung, erschien der Fluss gestört.
      "WIe soll ich es erklären...", murmelte er und überlegte, während seine eigene Aura versuchte, die Fremdkörper aus ihrem Fluss herauszufiltern. "Menschen- und Elfenmagie unterscheiden sich gravierend voneinander. Menschen interagieren mit den Elementen zumeist und nehmen Kraft von einer internen Quelle. Elfen jedoch nehmen die Kraft von einer externen Quelle. Daher ist es einem Elfen, der das Schwert schwingt, ohne großen Nachteil möglich, dies entsprechend zu tun, da beide Externa zur Generierung von Kraft nutzen. Ich vermute demnach, dass die beiden Magiearten hier gegeneinander arbeiten. Das Schwert sieht deinen Aurakern als Externe Quelle an und saugt diese leer. Das wäre auch nicht weiter schlimm, jedoch scheint sich das Schwert mehr als das nehmen zu wollen. Es ist, als wollte es dich übernehmen..."
      Ausatmend ließ er von ihr ab und erhob sich.
      "Ich vermute, dass der große Schild gerade wegen seiner Größe einfacher war. Du musstest eine Vielzahl von Attacken abwehren und die KRaft wie ein Netz ausdehnen. Hier jedoch geht es um die Blockade eines magischen Schlages, das heißt eine konzentrierte Verteidigung mittels einer Auratechnik. Und dies könnte entsprechend dafür sorgen, dass auch die Magie des Schwertes in konzentrierter Form freigesetzt wird."
      Zuletzt sah er sie besorgt an, als Lhoris zurück kehrte und ihr beide Becher reichte.
      "Der Met für dich und das Wasser für deinen Kern", sagte Andvari und verschränkte die Arme. "Und ja, es gibt einen Weg...Aber dieser ist riskant und gefährlich..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Für ein kurze Sekunde drehte sich die frostige Winterlandschaft vor ihren Augen.
      Ein Sog aus glitzerndem Weiß, kargen Feldern und dem strahlenden Eisblau des Himmels. Viola verlor den festen Boden unter den Füßen und befürchtete einen Augenblick lang ins Leere zu fallen. Jedoch erwartete die Heilerin kein schmerzhafter Fall, sondern starke Arme, die sie stattdessen mit Mühelosigkeit empor hoben. Viola stieß den zitternden Atem aus, der vor ihrem bleichen Gesicht in flüchtigen Wölkchen zerstob. Der Weg zur knorrigen Bank herüber schien eine Ewigkeit zu wären, solange die kahlen Ebenen des Niemandslandes unaufhörlich schaukelten und sich drehten. Widerstandslos ließ sich Viola das magische Elfenschwert aus den gekrümmten Fingern nehmen und der Blick viel auf das blassrote, erhitzte Muster auf ihrem Handrücken. Mit Sorglosigkeit betrachtet, wirkten die Windungen sogar recht kunstvoll. Und sie verblassten bereits.
      Wie aus einer tiefen Trance gerissen, schnellte der Blick ruckartig zu Andvaris Gesicht, dass sich wundersameweise auf Augenhöhe befand. Viola begriff erst, dass er sich in die Hocke begeben hatte, als sich warme Hände sachte auf ihre Oberschenkel legten. Die altvertraute Berührung seiner Aura durchströmte den eigenen Fluss und mit jeder verstreichenden Sekunde verlangsamte sich der wild klopfende Herzschlag auf ein erträgliches Niveau. Viola spürte die Kälte des Wintermorgens nicht mehr, nur die sanfte Wärme, die keine Ähnlichkeit mit der brennenden Hitze hatte, die Dandelost verursacht hatte.
      Der Elf wirkte beunruhigt und Viola sah sich außer Stande seine Besorgnis zu entkräften. Er hatte Recht. Es ging ihr nicht gut.
      Sie schöpfte ihren magischen Kern schneller aus, als er sich erholen konnte. Und wenn hinter dem ungewöhnlichen Verhalten des Schwertes tatsächlich mehr steckte...
      "Andvari...", begann Viola und zögerte schließlich den Satz zu beenden. Sachte schüttelte sie den Kopf und legte ihre Hand behutsam auf seine. Ein Wort über das Flüstern und melodische Summen, das sie regelmäßig aus dem gläsernen Stahl hörte, und er würde ihr Dandelost nie wieder in die Hände legen. Viola entschloss sich zu schweigen.
      Stattdessen versuchte die Heilerin zu verstehen und konzentrierte sich auf die Erläuterungen des Elfen.
      Schritte knirschten auf dem Weg und als sie den Kopf hob, reichte Lhoris ihr bereits die mitgebrachten Becher. Dankbar lächelte sie den Schwertkämpfer an und zwang sich bedächtig, den Becher mit Wasser zu leeren. Beim Anblick der klaren Flüssigkeit war ihr erst bewusst geworden, wie sehr ihr Körper nach dem lebenspenden Wasser verlangte. Die Wurzel ihrer eigenen Magie entsprang diesem Element. Es fühlte sich an, als würde ihr Körper des Wasser bereits verzehren, noch bevor es ihre Kehle wirklich verlassen hatte.
      "Welchen Weg, Andvari?", forderte sie sanft, aber mit einer Festigkeit in der Stimme, die bereits angekündigte, dass sie eine Umschiffung des Themas nicht akzeptieren würde. "Welchen Nutzen habe ich als Erstes Schwert, wenn ich Dandelost nicht richtig führen kann? Du hast gesagt, dass Schwert bezieht seine Stärke nicht aus der Kampffertigkeit des Trägers sondern aus den Gefühlen des Führenden. Vielleicht müssen wir einsehen, dass diese Gegebenheit für einen Menschen nicht ausreicht."
      Der Gedanke versetzte ihr einen Stich.
      Vorsichtig nippte sie an dem Met und hieß die damit einhergehende Wärme willkommen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Für einen Moment lang wirkte der Elf unwillig,s eine Hände von ihren Schenkeln zu nehmen.
      Beinahe einem trotzigen Kinde gleich kam er ihrer Bitte nach und löste sich und seinen Aurafluss von ihr und seufzte. Es würde von Nöten sein, ihren Fluss ins Gleichgewicht zu bringen. Ob man es wollte oder nicht, ein gestörter Aurafluss war das Todesurteil für jeden Zauberer. Schweigsam erhob sich Andvari und blickte sie an, während sie ihren Met trank.
      Der GEdanke, den sie aussprach, war nicht abwegig, zu seiner absoluten Missgunst. Dandelost zog tatsächlich seine Kraft aus den Gefühlen des Führenden. Das Problem konnte einerseits das sein, was Viola sich selbst bereits erarbeitet hatte oder aber die Tatsache, dass die Gefühle, die sie empfand, nicht stark genug waren.
      Damals, in Telerin, hatten sie gegen den Baumschatten gekämpft. Einen Mann, der sie für ihr Leben gezeichnet hatte. Der ihr alles genommen hatte...
      Andvari legte den Zeigefinger an das Kinn und seufzte.
      "Es ist möglich", gab er schließlich zu und nickte. "Gleichsam ist es aber auch die Tatsache zu erörtern, ob die Gefühle, die du empfindest stark genug sind. Jeder weiß, dass Gefühle unterschiedliche Wertigkeiten hinsichtlich ihres Zweckes. Schutz oder der Schutz von Geliebten mag ein starkes Gefühl sein, aber der Schutz einer Menschenmasse, die man kaum kennt und kaum einer Bindung habhaft ist, ist von der Wertigkeit her schwer.
      Das andere Problem ist die Tatsache deines Aurakerns."
      Lhoris nickte und seufzte. Andvari jedoch fuhr fort.
      "Es gibt eine Technik mit der man die Kanäle deines Auraflusses öffnen oder weiten kann. Damit mehr Aura fließen kann. Das Problem ist hierbei nicht die Technik per se sondern die Auswirkung auf den Körper...Wir müssten deine Kanäle gewaltsam öffnen und das wird Schmerzen nach sich ziehen..."
      "Gewaltige Schmerzen", bemerkte Lhoris. "Allerdings könnte das Auskommen gut sein. Du würdest zumindest den Fluss für ein paar Minuten regeln können. Und der große Schild ließe sich leichter spannen. Zwar wäre er immer noch weit davon entfernt wirklich mächtig zu sein, aber zumindest hätten wir eine Möglichkeit..."
      "Wir brauchen Heiler dafür", sagte ANdvari und misste erneut seinen Bruder schmerzhaft. "Gute und schnelle magische Heiler. Gibt es die hier?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Eine begabte Lügnerin war Viola nie gewesen.
      Weshalb sich während die Elfen die Chancen erläuterten ein aberwitziges Auf und Ab von Gefühlen auf ihrem Gesicht abspielte. Trotz und Entschlossenheit gingen Hand in Hand mit der aufkeimenden Furcht vor einer magischen Prozedur, deren Erfolg nicht einmal gewiss war. Der beruhigte Rhythmus beschleunigte sich erneut, wobei sich Viola dieses Mal keine Sorgen darum machte. An Nervosität war noch niemand gestorben, zumindest nicht nach ihrem Wissensstand.
      Die Heilerin versuchte in den Erklärungen keine versteckte Botschaft zu hören. Das Thema gestaltete sich jedoch als heikel, nachdem Andvari ebenfalls den Gedanken laut ausprach, dass ihre Gefühle nicht stark genug waren. Mit sanften Druck schlossen sich ihre Finger um seine Handgelenk, dessen dazugehörige Hand noch an ihrem Kinn festhielt.
      Viola nickte und stimmte somit den beiden Elfenkriegern ohne Zögern zu. Die Beschaffenheit einer sterblichen Aura, die ein Relikt führte, dass so viel mächtiger war, konnte die unbeschadet davon kommen. Und die schwerwiegenden Folgen begannen sich schleichend dem Tageslicht zu offenbaren. Der Fluss war zu träge, zu störrisch. Viola, ein sture aber auch gewöhnliche Menschenfrau, hielt der imensen Auhäufung von Magie nicht stand. Nicht ohne den benötigten Schubser in die richtige Richtung.
      Viola hätte sagen können, dass es schlimmere Schmerzen gab. Das sie bereits andere Qualen überlebt hatte, ohne daran zu sterben.
      Am Ende spielte es sowieso keine Rolle. Andvari wusste es. Lhoris vermutlich auch, wenn er im Austausch mit Sylvar gestanden hatte.
      Was blieb, war eine simple Antwort.
      "Ich kann das.", bekräftigte sie. "Und ich halte das aus."
      Obwohl Lhoris Worte die Erwartungshaltung einen kleinen Dämpfer verpassten, fühlte sie sich dadruch nicht gekränkt.
      Sie musste mit den Möglichkeiten zurecht kommen, die ihr als Mensch gegeben ware. Auch wenn dies bedeutete, nie das volle Potenziel der Kräfte des Elfenschwertes erwecken zu können. Der Versuch würde sie vermutlich umbringen.
      "Die Einzige heilkundige Frau ist Marlena.", antwortete Viola. "Tilda's Schwester. Kräuterfrauen besaßen lange Zeit keinen sehr angesehen Ruf. Ich erinnere mich daran, wie eine alte Frau in einem Nachbardorf als Giftmischerin beschimpft wurde. Ob Marlena magisch begabt ist, weiß ich nicht. Ich habe sie nur einmal gesehen, als ich Elise zu ihr brachte."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari sah sie eine ganze Weile schweigend an und in seinem Blick tosten die Wiedersprüche Wellengleich aneinander.
      Als würde er nur eine Möglichkeit suchen, aufzubegehren und ihr dies Vorhaben auszureden. Und gerade in diesen Momenten erinnerte sie ihn so sehr an das Mädchen, das Steinen Namen gab...Sie war auch stur gewesen. Und unnachgiebig.
      Und selbst dort hatte er nicht widersprechen können, sodass er auch hier schließlich nickte. AUch wenn ein resignierendes Seufzen dabei herumkam.
      "Neben der Frage, ob du es aushältst ist die Frage, ob dein Körper es übersteht", sagte Lhoris und erhob einen Zeigefinger, als wollte er lehren. "Der menschliche wie elfische Körper besteht aus sogenannten Ley-Linien. Linien, oder vielmehr unsichtbare Adern, durch denen die Essenz der magischen Kraft, die Aura, fließen kann. Diese Linien sind bei Menschen weniger weit geöffnet als bei Elfen, weshalb die Magie schwerer zu bändigen ist."
      Andvari nickte.
      "Man kann es sich vorstellen wie einen Staudamm, der ein Wasserrohr freibläst. Man fördert eine gewaltige Menge Aura durch zu kleine Kanäle und pumpt diese damit auf. Es bedeutet Schmerzen, aber es bedeutet auch Schäden an den Kanälen. Diese können platzen, verstopfen oder krampfen, weshalb es eigentlich einen guten und schnellen Heiler braucht, um die Schäden im Zaum zu halten...", murmelte er. "Eine Kräuterfrau wird es nicht tun..."
      Lhoris sah seinen Prinzen an und hasste sich bereits für seine Worte.
      "Es gäbe eine Möglichkeit...", murmelte er. "Ich könnte es tun. Als Ausgleicher."
      "Ein Ausgleicher sorgt dafür, dass der Fluss der eingespeisten Aura in einer Art Trichter vorangeht. Die Menge an Aura die durchfließt wird reguliert und man hat länger und ausdauernd Schmerzen. Dafür nehmen die Kanäle mehr Schaden", sage ANdvari und sah Viola an.
      "Es liegt bei dir. In jedem Fall muss alles Magische fort von dir. Und wir brauchen einen ruhigen Raum ohne viel Geschaue. Solltest du einen Heilkundigen finden der dich schneller heilen kann als ich dich verletze, so würde ich das Erste vorschlagen. Sonst das Zweite."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Zaghaft trommelten die Fingerspitzen auf dem Tonbecher, dessen süßen und wärmenden Inhalt sie beinahe vollständig geleert hatte.
      Obwohl die Situation nach einer gewissen Ernsthaftigkeit verlangte, kräuselte sich ein schmales Grinsen auf ihren Lippen während sie Lhoris Erklärung lauschte. Mit dem erhobenen Zeigefinger erinnerte der Schwertkämpfer ein wenig an Sylvar, der versuchte ihr eine wichtige Lektion nahe zu bringen. Und Viola bezweifelte, dass der Zauberer ihr Vorhaben abgesegnet hätte. Bedauerlicherweise war er nicht hier, um ihr diese Torheit auszureden. Es musste seine Gründe haben, warum Sylvar bei ihrem Aufenthalt im Refugium nie etwas über derlei Techniken erzählt hatte. Dabei strebte Viola nicht aus Machtgier oder Selbstsucht nach der Stärkung ihrer Fähigkeiten.
      Alles, was sie wirklich wollte, war helfen und die zu beschützen, die sie liebte.
      "Marlena könnte einen Sud zubereiten. Etwas, das die Schmerzen betäubt. Falls das überhaupt möglich ist. Kräuterfrauen arbeiten mit anderen Mitteln, als der Orden der Heiler in Bourgone. Den Beinamen der Giftmischer tragen sie nicht völlig ohne Grund. Tollkirschen, Alraunen, Schierling...Mit dem nötigen Geschick und dem richtigen Mischungsverhältnis ergeben sich aus diesen giftigen Pflanzen und Wurzeln wirkungsvolle Tränke.", sprach Viola mit ruhiger Stimme.
      Ein Vorschlag, nicht nur um ihretwillen sondern auch für Andvari. Die Heilerin konnte sich das Ausmaß des Kummers nicht vorstellen, den er möglicherweise empfand bei dem bloßen Gedanken daran ihr diese unsagbaren Schmerzen zuzufügen.
      Viola leerte den Becher mit großen Schlücken, als verliehe ihr der Met den nötigen Mut. Geräuschvoll stellte sie das Gefäß auf der Bank neben sich ab und sah zwischen Andvari und Lhoris hin und her. Der Blick blieb schließlich bei Lhoris hängen. Bis auf Erzählungen, die sie voneinander wusste, waren sie genaugenommen Fremde.
      "Andvari vertraut dir.", sagte die Heilerin und nickte bekräftigend. "Also, vertraue ich dir ebenfalls. Wenn es eine andere Möglichkeit gäbe, würde ich dir diese Aufgabe nicht aufbürden. Und dir auch nicht, Andvari."
      Mit einem gedehnten Seufzen streckte sie dem weißhaarigen Elf ihren Arm entgegen, damit er ihr wieder auf die Füße half. Etwas wackelig noch, aber gefasster als zuvor prüfte Viola das eigene Gleichgewicht und hakte sich dennoch sicherheitshalber bei Andvari unter.
      Die ersten Schritte in Richtung Stadttor gestalteten sich noch etwas unsicher.
      "Wir sollten Tilda aufsuchen. Sie weiß sicher einen geeigneten Ort, abseits neugieriger Augen und Ohren.", schlug sie vor.
      Die resolute Wirtin würde wenig begeistert sein.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Das Gewicht an seinem Arm war zwar nicht wirklich viel, jedoch ließ sich anhand der Tatsache der Entlastung die er leisten musste, gut abschätzen, dass Viola nicht wirklich bei Kräften war.
      Das würde eine riskante Nummer, weshalb Andvari kurz zu Lhoris sah, der seine Bedenken stumm zu teilen schien. Als hätten die beiden sich gegen irgendetwas verschworen. Doch dem war nicht so. Letztlich teilten sie beide die Sorge um eine junge Frau, die viel Mut bewies.
      "Ich denke, wir sollten die besagte Dame hinzuziehen. Ich bin nicht sicher, ob der Sud von Marlena viel hilft, aber wir sollten jeden Arm nehmen der sich uns bietet...", sagte Andvari und nahm sich vor, nach besagter Dame schicken zu lassen.
      Zunächst schleppte sich das merkwüdige Trio vorbei an einigen Schaulustigen, die Viola scheinbar anerkennende Blicke zuwarfen. Immerhin hatte sie sich gegen einen Elfenkrieger behauptet und zumindest zweimal erfolgreich Schläge abgeblockt, wo andere Schwertmeister den Hieb vielleicht nur umlenken konnten.
      Lhoris ging indes an ihrer anderen Seite und lächelte schwach, als Zeichen, das er gehört hatte. Und auch wenn er ihre Besorgtheit wohlwollend in Kauf nahm, gab es wichtigeres zur Sorge.
      "Tilda!", rief Andvari plötzlich und riss Lhoris aus seinen Gedanken. "Ich bräuchte einen ruhigen Ort", sagte Andvari. "Einen Ort ohne Augen und Ohren wenn Ihr versteht...Und Marlena...Ist hier irgendwer mit dem Namen Marlena bekannt? ich benötige auch ihre Hilfe."
      Sachte schleppte er seine Liebste noch ein Stückchen weiter.
      "Und während Marlena den Sud aufsetzt, regenerierst du dich so gut du kannst. Schlaf, nimm das Wasser oder tu weas du tun musst. Aber versuche, Kraft aufzubauen!"
      Andvaris Stimme war eindringlich, beinahe befehlend, als er mit gar wirrem Blick zu ihr saß. Denn inhärent wusste er, dass er Viola töten konnte, wenn sie nicht kraftvoll genug war.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Tatsächlich zeigte Tilda wenig Begeisterungsstürme, als die Gefährten vor der rustikalen Taverne auftauchten.
      Der prüfende Blick glitt zuerst über die Elfen und schließlich zu Viola, die geschwächt von den Männern flankiert wurde. Seufzend lehnte sie den Reisigbesen, der bereits bessere Tage gesehen hatte und einiges an Borsten eingebüßt hatte, gegen die rissige Hauswand. Mit Tadel auf dem vom Alter gezeichneten Gesicht stemmte sie die Hände in die Hüften, unter deren Nägeln Staub und Dreck harter Arbeit klebte.
      Allein die Tatsache, dass Andvari erst vor wenigen Stunden ein geliebtes Familienmitglied verloren hatte, hielt die forsche Schankdame davon ab, ihm die Ohren gehörig noch ein Stückchen länger zuziehen. Unter den eigenen Augen trug sie tiefe, düstere Augenringe, die den offensichtlichen Schlafmangel bezeugten.
      "Will ich wirklich wissen, welche Art von Dummheiten ihr gerade wieder ausheckt?", grummelte Tilda missgestimmt. "Marlena ist meine Schwester, ja. Aber wofür benötigt ihr die Dienste einer Kräuterfrau...? Ach, vergesst es. Ich will es gar nicht wissen."
      Mit einer unwirschen Geste winkte sie ab und war an Violas Seite, kaum hatte sich die erschöpfte Heilerin von Andvari gelöst. Mit einem erstaunlich festen Griff packte sie die junge Frau um die Hüfte, und überraschenderweise ließ Viola ohne Widerspruch die angebotene Hilfe zu.
      "Folgt der Straße bis zur Schmiede und dahinter nehmt ihr die kleine Gasse zu Eurer Linken. Das Haus ist nicht zu verfehlen, glaubt mir.", sagte Tilda und deutete mit einem Kopfnicken an dem verfallenen Brunnen im Zentrum des Marktplatzes vorbei. Um die Behausung der heilkundigen Marlena zu finden, benötigte es lediglich eine gute Nase. Die winzige Gasse war stets vom Duft frischer Kräuter erfüllt, selbst im Winter hingen getrocknete Büschel von Lavendel und allerlei wohlriechendes Krautes vom verschrobenen Dachfirst und den kleinen Sprossenfenstern.
      "Marlena wird einen geeignet Ort für Euch wissen. Fragt sie danach. Und Du...", wandte sie sich an Viola. "Tust was dein Liebster dir sagt, Kind. Welchen Sud meine Schwester für euch brauen soll, es wird ein paar Stunden dauern. Genug Zeit für eine Mahlzeit und ausreichend Schlaf."
      Damit schob sie Viola in die Taverne und als die Tür ins Schloss viel, verließ sie das unbehagliche Gefühl nicht, dass sie die zierliche wenn auch dickköpfige Frau an in ihrem Arm in dem kleinen Zimmer über der Taverne einschließen sollte.

      Die abendliche Dämmerung setzte bereits ein, als sich vier schattenhafte Gestalten begleitet von den letzten verbliebenden Sonnenstrahlen über einen frostigen, gewundenen Pfad von Beleriand entfernen. Unter wärmenden, mit Kaninchenfell gefütterten Wintermänteln, verbargen sich zwei Elfen mit grimmiger Miene und zwei daneben recht zierlich wirkende Frauen.
      Marlena erwies sich als ebenso forsch wie ihre ältere Schwester und hatte die Männer gründlich über die Wirksamkeit des Gebräus belehrt. Der kleine Raum, der ihr als Kochnische und Wohnraum diente, erinnerte tatsächlich an eine eigenwillige Hexenküche. Einmachgläser, Tontöpfe mit allerlei fraglichem Inhalt und unzählige, penibel gepflegte Pflanze säumten Regale und beinahe sämtliche freien Flächen des Zimmers.
      Den Sud, den sie Andvari nach langen Stunden in die Hand gedrückt hatte, war eine Trank gebraut aus den betäubenden Wurzeln der gemeinen Alraune. Sie hatte ihn eindringlich ermahnt. Eine Phiole, auf keinen Fall mehr. Die Wurzel war in ihrer Wirkung äußerst wirkungsvoll, aber ein Tropfen zu viel und das Gift würde seine natürliche Wirkung entfalten. Egal, wie sehr ihn der Anblick quälen würde. Keinen Schluck mehr, als Marlena gesagt hatte. Natürlich hatte sich die Kräuterfrau von den Elfen erklären lassen, was sie planten. Ein Gemisch aus Anerkennung aber auch Besorgnis hatte sich dabei auf ihrem Gesicht abgezeichnet. Ein waghalsiges Unterfangen war es in ihren Augen, aber sie verstand durchaus den Nutzen dahinter. Es berührte die Frau mit den eindringlichen Augen und den raspelkurzen, schwarzen Haaren, dass eine Fremde dieses Risiko auf sich nahm, um eine Stadt zu schützen, die nicht ihre Heimat war.
      "Eine Phiole, Elf.", hatte sie ihn vor dem Aufbruch ein letztes Mal, als sie ihm die verkorkte Falsche in die Hand gedrückt hatte. Der süßliche und vernebelnde Geruch ließ sich selbst vom Verschluss nicht abhalten. Die verschlungenen Zeichnung aus schwarzer Tinte an den Seiten ihres Kopfes verliehen ihr etwas Respekteinflößendes. Zeichnungen, die Viola nur aus Büchern kannte und von alter Herkunft zeugte. Marlena war keine Scharlatanin. Diese Symbole erhielten diese Frauen nur nach langjähriger Erfahrung und Ausbildung.
      Die Frauen unterhielten sich mit gedämpften Stimmen über diverse Kräuter, denn Violas natürliche Neugierde war geweckt worden.
      Der Pfad führte in den Waldrand hinein und tiefer in das Unterholz, bis sie eine winzige Hütte zwischen hohen Fichten erreichten.
      "Mein altes Haus.", erklärte Marlena und ruckelte ein wenige an der störrischen Tür, ehe diese aufschwang. "Ich musste es aufgeben, als der Krieg kam und Schutz in der Stadt suchen. Nicht jeder war darüber begeistert, wie Ihr euch denken könnt. Hier habt ihr Ruhe. Um diese Zeit wandert niemand durch den Wald, der nicht lebensmüde ist."
      Die Einrichtung war verstaubt und teils von der Zeit angenagt worden, aber es würde reichen. Ein großer Holztisch in der Mitte nahm beinahe den gesamten Raum ein und in der hintersten Ecke war ein Bett gegen die Wand geschoben worden. Der Kamin war schwarz von Ruß und das Holz darin alt und faul. Sämtliche Schränke und Regal, deren Türen teils noch offen standen, wirkten, als wären sie in großer Eile geleert worden.
      "Seid Ihr sicher, dass Ihr das wirklich tun wollt?", fragte Marlena und richtete ihre Worte dabei ausschließlich an Viola, die schweigend nickte. "Schickt Lhoris zu mir sollte...solltet Ihr Hilfe benötigen."
      Die Kräuterfrau blieb nicht. Sie hatte Andvari bereits erklärt, dass ihre Pflicht und der Eid, den sie vor den alten Göttern geschworen hatte, sie eigentlich dazu verpflichteten die Gefährten von der Prozedur abzuhalten. In den Augen der Alten war das Vorhaben wider der natürlichen Ordnung, aber sie verstand, warum es nötig war.
      "Ich wünsche Euch viel Glück, Viola.", sprach sie sanft.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari war kein Elf, der schnell jemanden mochte oder hasste.
      Tatsächlich brauchte es recht lange, eine Bindung zu dem Weißhaarigen herzustellen, was sein Schwertbruder bezeugen mochte. Und auch bei Marlena war es nicht anders. Auch wenn die Kräuterfrau sicherlich nur Gutes im Sinne hatte, so schien sich Andvari schwer zu tun einen Zugang zu ihr zu finden. AUch wenn er ihre Art und den Umgang mit den Seinen vollständig nachempfinden konnte. Wer mochte schon gerne mit seinem ehemaligen Peiniger verkehren?
      Gar niemand, mochte man meinen.
      Im Schatten der Dämmerung eilten sie von dannen und schlugen sich durch den Wald hindurch. Die Mäntel hatten sie aus Gefälligkeit angenommen, brauchten Elfen dieserlei Schutzkleidung zumeist nicht. Jedoch erschien es beiden Elfen durchaus unhöflich, einen großzügigen Mantel abzulehnen.
      Und auch wenn die Dame etwas eigen erschien und in ihrer merkwürdigen Küche so manch Gebräu zusammen rührte, so war ihre Miene keinesfalls grimmig, auch wenn es aus der Ferne so erscheinen mochte. Vielmehr legte sich Konzentration auf die Gesichter der Elfen während sie den Pfad entlang huschten und der Kräuterfrau folgen.
      DIe Phiole umklammernd blickte Andvari zu dem Häuschen, was vielleicht eher eine Hütte zu sein erschien und kam das erste Mal in Zweifel. Der Elf legte den Kopf schief und betrat als letzter der Reisegruppe die Lichtung.
      "Ich danke Euch", sagte er schließlich und nickte der Kräuterfrau zu. "Für alles, was ihr getan habt. Wisset, dass dies nicht selbstverständlich ist, dass Ihr Euch derartig verbürgt, um uns zu helfen-."
      Auch wenn sie die Elfen von der Unterhaltung ausschließen wollte (zumindest erschien es so), nickte auch Lhoris. Einerseits zum Dank, andererseits um ihr anzuzeigen, dass er die Order verstanden hatte. Der Plan war riskant und alle drei schienen um das Schicksal zu wissen, dass sie erwarten konnte.
      Andvari konnte heute zwei Personen verlieren, die er liebte. UNd dies war nicht Sinn der Sache.
      Sie sahen noch zu wie die Kräuterfrau ging und die Tür störrisch und knarrend ins Schloss fiel, da legten sie wie auf Kommando beide die Mäntel ab und ordneten diese sorgsam auf einem Stuhl, den sie herbei zogen.
      "Ein Feuer", sagte Andvari und wies auf den schmalen Holzofen, der auch bereits bessere Tage gesehen hatte.
      Das stumpfe Holz roch bereits merkwüridg, aber mittels Lhoris magischer Veranlagung war es eine Sache von Sekunden, ehe die Scheite wieder glommen und Flammenfinger nach dem Sauerstoff lechzten.
      "Alsdann...", begann der Weißhaarige und schob einen Stuhl vor das Feuer. "Bitte."
      Eine Hand wies auf den Stuhl, ehe er selbst schmuck und Waffe ablegte.
      "Bitte lege alles ab, was Magie leitet oder leiten könnte. Versuche während des ganzen Vorhabens ruhig zu atmen. Sofern dies nicht möglich ist, atme weiter. Niemals die Luft anhalten, auch wenn dein Körper danach schreien wird...", murmelte Andvari und hielt ihr die Phiole hin.
      "Bist du wirklich sicher? Ich werde gleich für eine lange Zeit meine Aura durch deine Leylinien schicken. Es wird wehtun...Und ich weiß nicht, was dann geschieht..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Entschuldigend blickte Viola zu ihren elfischen Begleitern.
      Das ruppige Verhalten der Kräuterfrau bereitete ihr sichtliches Unbehagen. Eigentlich verwunderte es nicht, dass nicht jeder Mensch im kargen Niemandsland den elfischen Flüchtlingen gutmütig gesinnt war. Der Krieg hatte vielen Alles genommen. Und vor einer langen Zeit waren Violas Gefühle von derselben Natur gewesen. Ein mildes Lächeln ruhte auf ihren Lippen und als sie an Andvari vorbei ging, um ebenfalls den schweren Wintermantel über einem der alten Stühle zu platzierten, berührte sie flüchtig aber sanft seinen Arm.
      Die Heilerin fröstelte einen Augenblick lang, ehe das wärmende Feuer in dem maroden Kamin aufflammte. Von allein zog es Viola zu der verlockenden Wärmequelle, denn in der Hütte selbst war es vom andauernden Winter kühl und feucht. Gemütlichkeit fühlte sich definitiv anders an. Stumm kam Viola der Aufforderung nach und löste Dandelost von dem schlichten Ledergürtel um ihre Hüfte. Ein paar Schritte führten sie zurück an den Tisch, worauf sie das Elfenschwert außerhalb ihrer baldigen Reichweite ablegte. Die junge Frau besaß nicht viel und trug außer der magischen Klinge nichts von Bedeutung mit sich. Das einzige Schmuckstück, dass sie je besessen hatte, ruhte einsam im Schatten in den tiefen der Verliese von Telerin. Und die letzten materiellen Überbleibsel ihrer Familie befanden sich versteckt in dem kleine Zimmer über der Schänke. Mit flinken Fingergriffen löste sie das Band aus ihrem Haar und ließ die herbstroten Strähnen frei über ihre Schultern fallen.
      Mit Entschlossenheit kehrte sie ans Feuer zurück und ließ sich auf den bereit gestellten Stuhl nieder.
      Die Phiole mit der trüben und zähen Flüssigkeit erhaschte ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Marlena hatte ihr auf dem Weg erklärt, wie sich das verdünnte Gift der Alraune auswirken würde. Die Vorstellung war wenig verlockend. Viola war nie ein Freundin von sinnesbetäubenden Mittelchen gewesen, selbst als sie mit Schmerzen im Bett gelegen hatte, nachdem sie aus Mitleid dem Orden übergeben worden war. Hilflosigkeit war kein Zustand, dem sie sich guten Gewissens freiwillig aussetzte.
      Trotzdem nahm sie Andvari die Phiole aus der Hand und schwenkte den Inhalt kurz zwischen den Fingern. Als sie den Gläschen entkorkte, erfüllte ein klebriger, süßer Geruch sofort die Luft. Allein das Einatmen schien bereits die Nase zu verkleben.
      Nachdenklich starrte sie auf die geöffnete Phiole.
      Zunächst ohne ein gesprochene Antwort setzte sie das erwärmte Kleinod an ihre Lippen an und leerte den Inhalt mit einem Zug.
      Viola hatte noch nicht einmal den Sud herunter gewürgt, da wehrte sich ihr Körper bereits dagegen, das eigentliche Gift in ihren Körper zu lassen. Hustend hielt sie sich die Hand vor den Mund und atmete stoßweise durch die Nase aus bis der Würgreflex verflog.
      "Bei den Heiligen.", krächzte sie. "Das Zeug ist schlimmer als Tildas ominöser Schnaps."
      Ein schlechter Zeitpunkt für einen schlechten Scherz, aber Viola brachte dennoch ein schiefes Lächeln zustande.
      Sie lehnte sich zurück gegen die Stuhllehne, die Hände locker auf ihre Oberschenkel abgelegt.
      Viola nickte, während sich die grünen Augen eintrübten und sich ihr Blick auch die lechzenden Flammen legte.
      "Bereit wenn du es bist.", murmelte sie und spürte bereits einen diffusen Nebel in ihrem Kopf.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Zumindest Lhoris ließ ein Lächeln über sein Gesicht fahren und verblieb sodann stumm.
      DIe Luft in diesem merkwürdigen Haus stank nach Kräutern und allerlei anderen verdorbenen Resten von Suden oder dergleichen. Gut, dies Haus stand lange leer, aber zumindest in Punkto Gemütlichkeit war es unterdurchschnittlich. Passend für den Zweck den sie durchlaufen wollten.
      Andvari postierte sich hinter Viola und sah zu, wie sie das Fläschchen beiseite stellte. Ihr Körper entspannte sich zwar merklich jedoch war es nicht das, was er mit der Entspannung bewirken wollte. Er hoffte, dass die Wirkweise des Mittels sie zumindest so bei Sinnen hielt, dass sie nicht ohnmächtig wurde. Ohnmacht war der Tod.
      Lhoris indes kniete sich vor das Feuer und bereitete einen kleinen Schal aus, den er um die Hüfte trug. Darin waren kleine Kräuter wie magische Artefaktgaben, die man zur Verstärkung seiner eigenen Aura oder zu dessen Verbergen trug. Beide Elfen legten alles Magische von ihren Körpern ab und brachten sich in Position.
      Andvari hinter Viola, während Lhoris sich vor sie in den Staub des Holzboden kniete.
      "Ich bin soweit", murmelte Lhoris und schlug seine Haare nach hinten.
      Sachte griff der dunkelhaarige Elf nach Violas Händen und legte sie in seine.
      "Wenn es zuviel wird, dann gib mir ein Zeichen. Wir brechen ab", sagte er abschließend ehe er die Augen schloss.
      Gleichzeitig schien der Raum um ihn und auch um Violas Hände deutlich spürbar wärmer zu werden. Als zöge er seine Wärme wie einen Mantel über sie.
      Andvari indes war das gewaltige Gegenteil.
      In Violas Rücken bereitete er sich darauf vor, seine Aura durch ihren Körper zu schicken. Eine Aura, die eines Lichtrufers gleichkam. Sachte schloss er kurz die Augen und suchte nach seinem Kern, tief im Inneren seiner Seele. Als wühlte er sich durch einen Ozean an Emotionen, so sehr klammerte er sich an die Magie, die sich ihm entgegen reckte.
      Als er die Augen wieder öffnete, glühten sie bereits in weißlich gelben Licht.
      "Sei bereit", sagte er und glühende Hitze senkte sich in den Raum.
      Die Luftpartikel um ihn herum wirbelten zunächst auf, ehe sie in der sengenden Hitze verbrannten, die die flirrende Luft um ihn mit sich brachte. Mit einem Mal begann es nach verbranntem Staub zu riechen, als Andvari näher kam und seine Hand zwischen ihre Schulterblätter legte. Auf den Kern der Ley-Linien ihres Körpers. Von dort aus würde die Aura durch ihre Gliedmaßen fließen, sobald er sie frei ließ. Und es würde weh tun.
      Nach einem tiefen Atmen ließ er seine Aura fließen. Sengende Hitze verließ seine Hand und er konnte fühlen wie sief in Violas Körper einsank.
      Ihr Bäume, wenn sie das überstanden, würde er es nie wieder tun...

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Der betäubende Nebelschleier trübte die Sinne.
      Träge neigte Viola das Kinn und versuchte den Blick auf Lhoris zu fokussieren. Die elfischen Silben erstarben bevor sie überhaupt ein sinnvolles Wort bilden konnte. Die Heilerin war sich der Umgebung bewusst, dennoch schien die Zeit zäher zufließen. Ein bestätigendes, aber langsames Nicken war alles, was sie fertig brachte. Die kräftigen, warmen Finger um ihre Eigenen formten sich zu einem fühlbaren und Halt spendenden Ankerpunkt. Sanft drückte sie die viel größeren Hände, um zu verdeutlichen, dass sie da war und verstand.
      Die allumfassende Wärme legte sich wie eine Decke um sie. Viola hatte vergessen, wie kühl es in dem einsamen Haus war, da seit Jahren kein Leben mehr in sich barg. Das Gefühl war einnehmend und beinahe hätte die junge Frau die Augen geschlossen, um sich von der verlockenden Wärme gepaart mit der Leichtigkeit des verdünnten Suds davon tragen zu lassen.
      Andvari erhob die Stimme und Viola blinzelte.
      Durch die zierlichen Schultern fuhr ein sachter Ruck, als wäre sie von der Schwelle zwischen Traum und Wirklichkeit fortgerissen worden.
      Das Erste, was sie bewusst wahrnahm, war der prägnante und vertraute Geruch von Asche.
      Ein Geruch, der für die Ewigkeit mit den verbrannten Grippen eines Dorfes verknüpft war und mit den Flammen, die daran fraßen. Das Gefühl von verkohlter Erde unter ihren Fingern, die sich in den erwärmten Boden gruben. An Hände, die ihren Körper durch die Asche geschleift hatten, wie durch frisch gefallenen Schnee. Erbarmungslos und unnachgiebig. Sie spürte die sengende Hitze der Flamen auf ihrer Haut und fröstelte gleichzeitig.
      Es grenzte an einen Akt der Gnade, als sich eine glühend heiße Hand zwischen ihre Schulterblätter legte und sie den gekrümmten Klauen ihrer Erinnerungen entriss.
      Wo Lhoris Wärme etwas Tröstliches mit sich trug, überrollte sie Hitze Andvaris wie ein Feuersturm.
      Die Heftigkeit, mit der die Magie über die Ley-Linien den Weg durch ihren Körper suchte, presste ihr beinahe vollständig die Luft aus den Lungen. Ruckartig und sich an die warnenden Worte erinnernd, schnappte die Heilerin nach Luft.
      Nichts, kein Wort, hätte Viola auf das Bevorstehende vorbereiten können.
      Ein Wimpernschlag verging und Viola stand in Flammen.
      Aufgrund der Einwirkung der eindringenden Aura verkrampfte sich der Körper unter dem Schock. Das Einzige, an das Viola denken konnte, war atmen. Jeder Atemzug schmerzte tief in ihrem Brustkorb und hinterließ das Gefühl mit der aufgeheizten Luft die Lungen zu verbrennen. Erbarmungslos floss die von Andvari gespeiste Aura durch die Ley-Linien. Die glühenden, verschlungenen Linien zeigten sich nicht länger ausschließlich auf ihrem Schwertarm. In künstlerischer Weise schlängelten sich die leuchtenden Windungen über alle ihre Gliedmaßen und breiteten sich ebenfalls über ihren Hals aus. Das Gefühl bei lebendigem Leib zu verbrennen ohne das heiße Flammen die Haut verkohlten, war übermächtig. Der Schmerz tobte unter ihrer Haut und verzehrte sie von innen heraus.
      Welche Narrheit hatte sie glauben lassen, dass ein einfacher Sud gegen die blanke Aura eines Lichtrufers bestehen konnte.
      Ein zweiter Wimpernschlag verging und Viola schrie.
      Ein gequälter und verängstigter Laut, der durch Mark und Bein ging. Ein schmerzvoller Schrei, der einem verwundeten Tier auf erschreckende Weise ähnelte. Und während ihre Stimme mit der verstreichenden Zeit versagte und sich ihre Finger wie ein Schraubstock um Lhoris Hände krampften, blieb nur ein klägliches und herzzerreißendes Wimmern, das zu sehr an ein junges Mädchen erinnerte, das vor vielen Jahren um ihre Leben bettelte.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Brennende Adern.
      So hatte einst seine Mutter Andvaris Ley-Linien benannt, nachdem sie das Muster mit ihren Augen erblickt hatte. Ein Feuer, das vom Herzen in die weitesten Glieder ausströmt und diese unter Strom setzt, mit Leben versorgt. Einem unsichtbaren Pulsschlag gleich. Die Aura, die magische Energie, der Kern oder wie man sonst auch immer diese Macht nannte...Sie war das Lebenselixier so mancher Völker. Die Elfen begründeten ihr langes Leben damit, dass sie die Ley-Linien perfekt beherrschten und daher ihre Lebenskraft für längere Zeit binden konnten als Menschen oder Zwerge.
      Aber all das erschien bloße Theorie, als Andvari seine Aura in Viola entließ. Sengende, glühende Hitze drückte sich wellenartig durch die viel zu engen Kanäle und plusterten diese auf wie ein luftgefüllter Ballon.
      Selbst als Andvari ihre klagenden Schreie hörte, vermochte er nicht mehr, den Strom aufzuhalten. Es musste einmal alles hindurch gleiten, damit sich die Kraft erneuern konnte. Lediglich die Gewissheit, dass sie schrie, ließ ihn einen Teil seiner Sorge vergessen. Denn das eine suggerierte, dass sie zwar Schmerzen litt, aber nicht der Ohnmacht erlag. Zum anderen bedeutete es, dass es funktionierte.
      Denn Lhoris kniete vor ihr und nahm die Hälfte der AUra seines Herrn und Schwertbruders entgegen, als sei dieses ein dankbares Geschenk.
      Doch auch für ihn war die schiere Masse beinahe überwältigend. Selbst unter seinen Händen zitterte seine Haut von der Übermacht der Hitze und für einen Moment blickte er an die Decke, unsicher, die Aura halten zu können.
      Erst nach einer kurzen Weile öffnete er die Augen und den Mund und wunderte sich nicht als grelles Licht daraus hervor brach, als würde ein Drache seinem Feuer erliegen. Mit schmelzendem Brennen riss das Licht drei saubere Löcher in die Decke, aber zumindest erschien es kaum mehr tödlich.
      Als Violas Stimme nicht mehr als ein Wimmern war, riss Andvari seine Hand, die einen roten Abdruck auf ihrem Rücken hinterlassen hatte, zurück´und nahm Abstand.
      Lhoris fiel hintenüber und fand sich auf seinem Hosenboden wieder, während der weißhaarige Elf nach vorne stürzte und Violas Gesicht anhob.
      "Viola?? Viola, gehts dir gut??!", rief er und gab ihr eine sachte Ohrfeige, damit sie an das Leben erinnert wurde.
      "Ja, mir gehts übrigens fantastisch"; knurrte Lhoris und erhob sich ächzend. An den Stellen, wo Viola ihn berührt hatte, waren die Handschuhe verbrannt...
      "Hats funkitoniert?"
      Andvari schüttelte den Kopf.
      "Viola...Würdest du dich bitte heilen?", fragte er und hoffte auf Antwort.


      2 (?)Tagesritte von Beleriand entfernt - Stunde des Abends

      Zwei Männer gingen die Straße lang. Der Eine groß, der Andere klein.
      Sie wanderten einträchtig und in sehender Ruhe nebeneinander her, in ihre Reiseumhänge gehüllt und die Gesichter mittels großer Kapuzen verhangen. Auf dem Rücken des Kleinen Mannes befand sich - in Stoff eingeschlagen - ein langes Objekt, das einem Knüppel beinahe glich und dennoch keiner war.
      Sie wanderten eine Weile, ehe der Kleine mit einem Mal stehen blieb und wütend unter seinem Umhang eine Karte hervor zog. Hier war mit Kohle auf Pergament eine grobe Skizze der Umgebung gezeichnet. Mit einem hässlichen Pfeil war dort ein Ort namens "BILIRANT!" markiert.
      "Ma ehrlich, wa...", murmelte der Kleine und grunzte. "Det kann keener lesen! Wo soll'n det Bilirant sein?!"
      "Beleriand."
      DIe Stimme des Großen Mannes war tief, wenn sie nicht durch gelegentliches Knuspern unterbrochen wurde.
      "Wat frisste wieder, Mann? Wir ham et eilich, wa? "
      "Eile mit Weile."
      "Er nun wieder...", grunzte der Kleine und drehte die Karte herum. "Da! jetzt macht se sinn!"
      "Unsinn. Wir müssen den Fluss hinunter."
      "Ach wat, Fluss! Det is keen Fluss! Det is'n Bach, verstehste?!"
      "Das ist ein Fluss."
      "Und ich ne notjeile Ische!"
      "SCHWEINSKRAM!"
      "Schrei hier nüsch so! Biste meschugge, Mann? Wenn die rauskriejen, det wir hier sin', dann köpft uns der dumme Feuerfinger!"
      "ICH SCHREIE NI-...Oh...Ich schreie nicht, wollte ich sagen..."
      "Bist noch merkwürdijer als de ma warst,wa?"
      "Mitnichten."
      Als würde kein Wässerchen fortfließen, gingen sie sodann in Eintracht weiter. Beleriand war nicht mehr weit. Man konnte die Elfen regelrecht riechen...

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Vielleicht dauerte der gleißende Schmerz lediglich Minuten an. Vielleicht waren es auch Stunden.
      Jegliches Zeitgefühl glitt Viola durch die verkrampften Finger wie der fallende Sand in einem Stundenglas. Was schließlich blieb, war das dumpfe, schmerzhafte Pochen direkt hinter der Stirn, als das letzte bisschen brennende Aura die glühenden Ley-Linien verließ. Die kunstvollen, rankenartigen Windungen auf der Haut der Heilerin verloren das blendende Licht und ließen nichts als gereizte, rötliche Linien, die an Händen und Armen bereits die ersten Merkmale eine Verbrennung zeigten.
      Andvaris Hand verschwand und Viola sackte in sich zusammen, wie die Marionette eines Spielmannes deren Fäden ruckartig durchtrennt wurden. Eine quälende Schrecksekunde verstrich, in der sie völlig leblos auf dem Stuhl saß, ehe ein stockender Atemzug die schmalen Schultern durchrüttelte. Vertraute Stimmen, leise und undeutlich, drangen an ihre Ohren. Die Heilerin versuchte die Augen zu öffnen, doch die Augenlider zuckten lediglich kläglich, da zog die sanfte Dunkelheit sie bereits zurück. Es war der stechende, aber nicht tragische Schmerz unbekannter Herkunft auf ihrer Wange, der sie vollends aus den Klauen der drohenden Ohnmacht zog.
      Viola schnappte nach Luft und riss die Augen auf. Zunächst sah sie nichts anderes als verschwommene Gestalten. Diffuse Flecken und Bewegungen, die sich mit jedem Moment ein wenig mehr aufklarten. Ein hektisches Blinzeln später und sie erkannte Andvaris besorgtes Gesicht, spürte die Hand um ihr Gesicht und das nicht mehr ganz so fremde Kribbeln ihrer Wange.
      Nur langsam kam die Heilerin der Bitte nach, denn der Verstand war noch getrübt von der Prozedur und den restlichen Nachwirkungen der Alraune, die nicht von der Hitze des Lichtes in ihrem Körper verbrannt worden waren. Zittrig atmete sie aus und schloss kurz die Augen.
      Sowie die Temperatur zuvor massiv angestiegen war, fiel diese wieder spürbar ab. Die Feuchtigkeit der Luft nahm zu, als Viola das mit der Aura auch die Heilmagie entließ, die ihren Kern durchströmte, wie ein lebensspendender Fluss. Aus sämtlichen porösen Lehmwänden und modrigen Balken löste sich das angesammelte Wasser, so fein, das es lediglich als feines Schimmern in der Luft zu erkennen war.
      Viola atmete tief ein und die Verbrennungen auf Gliedmaßen und Hals verblassten bis sie gänzlich verschwunden waren. Das Wasser strömte über Atmung und sämtliche Poren unter ihre Haut reparierte den Schaden, den Andvari mit seiner Aura trotz der Hilfe seines Schwertbruder angerichtet hatte.
      Etwas Farbe kehrte in ihr Gesicht zurück, als sie endlich mit aufgeklartem Blick zum Elfenprinzen aufsah.
      "Es hat nicht funktioniert...oder?", murmelte sie mit brüchiger Stimme. Zumindest deutete sie die Blicke der Elfen in diese Richtung.
      Viola räusperte sie, um ihre Stimmbänder wieder unter Kontrolle zu bekommen und wirkte niedergeschlagen.
      Vermutlich hatte sie die Belastbarkeit des eigenes Körpers unterschätzt. Andvaris Hand glitt von ihrem Gesicht, als sie zu Lhoris blickte, denn der Geruch von verbranntem Leder war zu prägnant. Die Augen weiteten sich, als sie die verkohlten Handschuhe bemerkte.
      "Deine Hände...", flüsterte sie und während sie ihr Gewicht erschöpft gegen an Andvari sinken ließ, streckte sie ihre Hände auffordernd nach Lhoris aus.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Mit dem Aufwachen der jungen Frau trat Erleichterung in das Gesicht des Elfen. Zunächst war nur die Tatsache schön, dass sie bei Bewusstsein war. SIe sah gesund aus, wenngleich ein wenig malträtiert von magischen Angriffen. Aber wer wäre das nicht? Schweigsam sah er sie an und ihr dabei zu, wie sie ihre Magie heraufbeschwor.
      Und es schaffte!
      Mit einem Mal hellten sich die Gesichter beider Elfen deutlich mehr auf als sie sahen wie schnell und gezielt die Magie regelrecht über ihren Körper schwappte und die Wunden heilte, die diese leuchtenden WIndungen hinterlassen hatten. Sicherlich galt es zu erörtern, was diese Windungen waren, aber zumindest jetzt waren sie einfach nur froh.
      Andvari merkte nicht einmal, wie er erleichtert zu Boden sank und zu lachen begann, während Lhoris abwinkte. Ihr Gewicht an seinem Körper war ein schönes Gefühl, sodass er nicht umhin kam seine Hände um sie zu schlingen und ihren Rücken zu streicheln. Diese kostbare Wärme war nur für einen Moment in Zweifel gezogen worden und das reichte für eine ausgewachsene Krise.
      "Gib nichts darauf", grinste Lhoris und sah seine Hände an. "Das war notwendig. Und offenbar hat es funktioniert..."
      Andvari nickte.
      "Ja", murmelte er grinsend. "Es hat funktioniert. Die Tatsache, dass du nach so kurzer Zeit eine derartige Heilungsmagie in so kurzer Zeit beschwören konntest, zeigt mir, dass deine Kanäle zumindest weit genug sind, um mehr Aura hindurch zu tragen. Wir haben zumindest einen Teilsieg errungen."
      "Wir sollten herausfinden, ob es etwas am Schwert verändert hat", ereiferte sich Lhoris und schlug die Hände zusammen.
      Seine Augen glitzerten, als freute ihn die Aussicht, sich bald erneut mit Viola zu messen. Vielleicht würde der Kampf schon ausgeglichener und er konnte endlich mit ganzer KRaft kämpfen?!
      "Immer langsam!", mahnte der Weißhaarige und sah Lhoris an. "Viola sollte sich zunächst etwas erholen und ihrem Körper Ruhe gönnen. Danach könnt ihr euch meinetwegen prügeln bis euch die Haare ausfallen. Aber bis hierhin war das genug für heute."
      Anschließend fuhr er mit seinen FIngern durch ihr Haar und lächelte, als er ihren Scheitel küsste.
      "Nur diese Linien"; murmelte Lhoris und sah Viola an. "Was sind das für goldene Linien auf deinen Armen?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht, Lhoris.", antwortete Viola seufzend. "Die Linien sind das allererste Mal in Erscheinung getreten, als Andvari mir Dandelost anvertraut hat. In gewisser Weise standen wir mit einem Fuß bereits im Kerker und musste vor Faolan und seinen Häschern fliehen. Damals hatte ich keine Zeit mir darüber Gedanken zu machen."
      Erschöpft sank das schwere Haupt an die Schulter ihres Gefährten und Viola schloss grübelnd die Augen. Es war ein schwieriger Kampf nicht augenblicklich dem Wunsch nach Schlaf nachzugeben, während sanfte Fingern durch ihr Haar fuhren. Die vertraute Berührung sorgte dafür, dass sich ihr müder Körper weiter entspannte. Der Gedanke, sich in einer weiteren Übungsstunde mit Lhoris zu messen, zauberte ein Grinsen auf ihr Gesicht. Wobei es gewiss war, dass sie mehr Zeit im Staub verbringen würde, als Gelegenheit zu haben einen ernsthaften Angriff durchzuführen. Der erfahrene Schwertkämpfer schonte sie nicht wie Andvari. Aber würde ihr helfen neue Stärke zu gewinnen. Eine offene Konfrontation ließe sich bald nicht mehr verhindern.
      "Es fühlt sich an, als wäre Gaston auf mir herum getrampelt.", murmelte sie und presste die Wange gegen Andvaris Schultern.
      Blinzelnd schlug Viola die Augen auf und ließ den Blick zu dem alten Esstisch wandern, auf dem Dandelost im Schein der Flammen zu glühen schien. Die Heilerin im Arm des Elfenprinzen durchbohrte die Elfenklinge förmlich mit Blicken, als wartete sie auf etwas.
      Kein Summen. Kein Stimmengewirr. Nichts.
      "Die Linien reagieren offenbar auf die Anwesenheit von Lichtmagie.", fuhr sie schließlich fort und senkte den Blick auf ihre verheilten Arme, das Muster jedoch glasklar vor Augen. "Was durchaus Sinn macht, immerhin hat dein Großvater einen Funken dieses Lichtes in der Klinge eingebettet. Es schein, als würde jeder Einsatz von Dandelost Spuren hinterlassen. Wie Risse im Glas..."
      Die Frage beschlich Viola, wie viele weitere Sprünge und Risse ihr Körper aushielt. Ein Theorie, die sie zu verfolgen gedachte, sobald die neblige Müdigkeit aus ihrem Kopf verschwunden war. Da war noch etwas anderes, dass die Heilerin weitaus mehr beunruhigte.
      "Andvari? Ich werde dir jetzt etwa erzählen und ich möchte, dass du mir versprichst keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.", sagte Viola und legte den Kopf etwas in den Nacken um ihren Gefährten mit ernster Miene anzusehen. Schließlich sah sie zu Lhoris und streckte erneut ihre Hand aus. Mit der notwendigen Strenge einer erfahrenen Heilerin, die sich gegen allerlei wehrhaften Patienten auf den Schlachtfeldern behaupten musste, krümmte sie in erneuter, stummer Aufforderung ihre Finger. Was für eine Heilerin wäre sie, wenn sie sich seine Hände nicht wenigstens ansah? Noch während sie wartete, begann sie wieder zu sprechen.
      "Wusstest du, dass Dandelost singt?", begann sie mit ihrer Erzählung. "Eigentlich ist es eher ein Summen. Eine Melodie, die ich nie zuvor gehört habe. Von Zeit zu Zeit höre ich sogar eine Stimme. Nicht immer sind die Worte deutlich zu verstehen, dumpf und weit weg, als befände ich mich unter Wasser. Manchmal höre ich eine Frauenstimme und ein anderes Mal eine männliche Stimme. Und dann gibt es Augenblicke da erklingt es wie Beides."
      Viola spürte förmlich wie sich die Blicke in ihren Hinterkopf bohrten.
      "Außer diese Melodie...Das Summen ist immer eine Frau. Und es ist immer dieselbe Stimme."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”