[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Lhoris saß am Feuer und löffelte Suppe aus einer Zinnschale, als ihn eine Stimme erreichte und ein mühsamer Stupser seine Aufmerksamkeit auf den Eingang richtete, wo Viola sich bereits nach ihm erkundigte. Schweigsam legte er den Löffel nieder und sah zu ihr als sie näher kam und nickte.
      Andvari und die Scheune. Es war nicht gut, wenn er mit dem Nachtelf alleine war. Er liebte seinen Schwertbruder wie einen eigenen, aber dennoch neigte Andvari zu Gefühlsausbrüchen wenn keiner hinsah.
      Der Elf erhob sich und schlug den Umhang um seine Schultern als er Viola seinen Platz anbot.
      "Wärme dich", murmelte er. "Ich kümmere mich um ihn."
      Mit einem kurzen Nicken und einem Luftholen, so als wpllte er noch etwas sagen, entfernte sich der Elf schließlich in die Nacht hinaus.

      Andvari indes hatte den Worten des Prinzen gelauscht und mehr als grimmig genickt.
      Das weiße Haar wirkte schmutzig im Gegenlicht der fahlen Abendbeleuchtung des Himmels und seine Augen stachen wie Dolche in die Augen des NAchtelfen, der den Blick nicht einmal abwandte. Mut hatte er, das musste man lassen.
      "Es ist sicherlich ratsam, so leise wie möglich durch den Himmel zu ziehen. Wir müssen die Truppen erreichen und irgendwie eine Verteidigung aufbauen...", murmelte Andvari beinahe mehr zu sich und kniete schließlich nieder zu dem Nachtelfen.
      Grob ergriff er seinen Kragen und zog ihn wuchtig zu sich heran, sodss die Kreatur zu ächzen begann und seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen suchte.
      "Und du", sagte er und grinste bestialisch. "Wirst uns genau sagen, mit welchen Truppen meine verehrten Brüder hier aufschlagen, ist das klar, Dorynn?"
      "Ihr könnt mich mal, Möchtegernhoheit", kicherte dieser und fing sich dafür einen erneuten Schlag mit der Faust.
      Diesmal war das Knacken der Knochen deutlich zu hören und rotes Blut tropfte auf den Boden und färbte das Heu. Just in dem Moment trat Lhoris ein und gebot diesem Einhalt.
      "Es reicht!", rief er und trat eilig näher, während ANdvari von ihm abließ. "Es ist genug."
      Schwer atmend sah er hinab zu dem Häufchen Elend, dass seine Nase versuchte abzuschirmen und spuckte aus.
      "Du bist vieles, Andvari", sagte Lhoris. "Aber du warst niemals grausam!"
      Andvari begann zu lächeln und seufzte.
      Anschließend sah er zu Lucien.
      "Es ist Zeit, dass wir Maßnahmen ergreifen, Prinz. HErumstehen hat keine Schlacht je gewonnen."

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    • Lucien, Prinz der Menschen und rechtmäßiger Thronfolger, verzog angewidert das Gesicht.
      Kurzzeitig erfüllte das unverkennbare Geräusch eines zertrümmerten Nasenbeines die Scheune. Das schauderhafte Knirschen des Knochens ließen seine Haare zu Berge stehen. Der Schlag hatte gesessen und der Prinz hoffte für sein eigenes Gesicht, niemals den Zorn des Elfen auf sich zu ziehen. Das Blut schoss förmlich aus der Nase des Gefangenen und tränkte den dreckigen Scheunenboden. Nicht nur die rohe Kraft, auch das verzerrte gar monströse Grinsen, flößten dem Kronprinzen Respekt ein. Andvari wirkte von Emotionen getrieben, was angesichts der Geschehnisse kein Wunder war. Aber das machte ihn gefährlich und unberechenbar.
      Das lautstarke Knarzen der alten Scheunentür ließ Lucien herumwirbeln, als rechnete er mit einem weiteren Angreifer. Die angespannten Schultern sackten ein wenig herab, als er Lhoris erkannte, der ohne jegliche Umschweife an die Seite von Andvari trat. Lucien bezweifelte, dass er im Ernstfall dem Elfenprinzen Einhalt gebieten konnte. Er war zwar ein erfahrener Kämpfer, aber angesichts des Weißhaarigen und der köchelnden Wut bevorzugte er Lhoris diplomatisches Eingreifen.
      "Dann sollten wir keine weitere Sekunde verschwenden.", nickte der Kronprinz zustimmend und vollführte eine knappe Armbewegung Richtung Scheunentor. Lhoris würde ohne Zweifel alleine mit dem Nachtelfen fertig werden.

      Ein einladende Wärme begrüßte die ungleichen Prinzen und das summende Gemurmel im Schankraum erstarb.
      Alle Augenpaare richteten sich auf die Beiden Männer, die Matsch und Kälte mit sich brachten. Lucien hielt den Blick gesenkte und das Gesicht vom Hauptgeschehen abgewandt. Die hohe Gestalt des Elfenprinzen erlaubte ihm einen winzigen, verborgenen Winkel. Das Tuch, das stets in der Öffentlichkeit hier sein Gesicht bedeckte, lag irgendwo vergessen in der alten Scheune.
      "Andvari?", murmelte er hinter dem Elf und sein Blick huschte Richtung Tilda, die ihn bereits heranwinkte und in der Küche verschwand. "Tilda erwartet uns in der Küche. Vermutlich ein ungewöhnlicher Ort, um einen möglichen Angriff auf die Stadt zu besprechen, aber zumindest gibt es dort keine neugierigen Augen. Kommt."
      Dabei grenzte es an ein Wunder, dass niemand Lucien erkannte. Andererseits war womöglich kein einzige Bewohner der Stadt jemals in im Zentrum der Kaiserstadt gewesen. Vermutlich wusste niemand, wie der Kronprinz eigentlich aussah. Aber Vorsicht war meist besser als Nachsicht. Und für eine Nacht hatte es genug Aufregung gegeben. Und genug Tod und Verwüstung.
      Kurz bevor die Männer die Küche betrat, stoppte Lucien des Weißhaarigen mit einer behutsamen Hand auf dessen Schulter.
      "Verzeiht mir, Andvari. Ich war ungerecht zu Eurem Bruder und ich bedaure Euren Verlust.", sprach er ruhig und schob sich anschließend an Andvari vorbei in die Küche, wo ihn bereits ein geschäftiger Anblick begrüßte.
      Tilda und Albert standen vor der kleinen Feuerstelle und hielten beide einen dampfenden Holzbecher in den Händen. Sie unterhielten sich leise und verstummten erst als die Prinzen eintraten. Tilda blickte zu Andvari und hatte sichtlich Mühe die Tränen im Zaum zu halten. Auch sie näherte sich ihm bedächtig und nahm beiläufig einen weiteren Becher zu Hand, den sie an den Elf weiter reichte.
      "Es tut mir furchtbar leid...", flüsterte sie und fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen. "Wenn Ihr irgendetwas braucht, zögert nicht mich zu fragen."
      Am Tisch selbst eröffnete sich ein anderes Bild.
      Viola, deren Gesicht notdürftig vom Schmutz befreit wurde, führte eine Hand über die bereits dunkel hervorscheinenden Flecken über den Rippen des Bogenschützen. Meliorn saß wie ein kleiner Lausejunge auf dem leer geräumten Tisch und schielte mit faszinierter Miene zu der Heilerin hinab, die zu seinem sichtlichen Staunen Magie verwendete. Zwischenzeitlich verzog er das Gesicht, während sich winzige Knochensplitter wieder in das Gesamtbild einfügten und die Brüche langsam verheilten.
      "Tut es noch weh, wenn ihr atmet?", fragte Viola ohne dabei aufzusehen. Das rote Haar fiel frei und störrisch über ihre Schultern, die Augen waren gerötet und brannten stetig.
      "Es wird besser.", murmelte Meliorn und atmete tief ein und aus. Einmal. Zweimal. "Viel besser."
      Erst als er Lucien und schlussendlich Andvari entdeckte, senkte der ehemalige Soldat den Kopf. Die Bewegung schien Viola zu irritieren, denn sie sah fragend auf und schließlich über ihre Schulter zurück.
      Ein schwaches Lächeln erschien auf ihren Lippen. Sie sah ein wenig lebendiger aus, was wohl der Wärme geschuldet war. Sie blickte auf das Blut auf Andvaris Kleidung und an seinen Handknöcheln und wagte einen besorgten Blick in sein Gesicht.
      "Meliorn?", begann Lucien und trat zu den beiden herüber. "Kannst du für uns eine Botschaft nach Tirion überbringen? Ein Taube zu entsenden, halte ich für zu riskant"
      "Natürlich.", antwortete der Bogenschütze.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Der Weg zurück hatte ihn beinahe alles gekostet, was er an Selbstbeherrschung aufbieten konnte. Nicht nur, dass sie eine Ewigkeit gereist waren, sondern auch die Tatsache, dass er Sylvars merkwürdigen Argumentationen nie wieder hören würde, schmerzte ihn und schnürte ihm das Herz zusammen.
      Wut, Hass, Trauer und Verzweiflung rangen miteinander wie Kämpfende und ließen alles Gute außer Acht was sich um ihn herum befand.
      In der Schänke schien das Leben zwar eingekehrt, aber nicht zurückgekehrt zu sein. Viele Gesichter spiegelten die Schrecken der Nacht wieder und angeregtes Getuschel durchmaß den ganzen Raum, der bis vor kurzem noch mehr Besucher hatte.
      Er hatte Luciens Geste mit einem Nicken hingenommen, unfähig, viele Worte zu sprechen. Aber es bedeutete ihm viel, dass dieser König immerhin dazu stand, was er glaubte, falsch gemacht zu haben. Auch wenn es nichts zu entschuldigen gab. Lucien hatte wenn nur den Fehler gemacht, die Elfen in seine Stadt zu lassen. Wären sie doch nur fortgeblieben...
      Den Prinzen in seinem Rücken versteckend, durchmaß Andvari die Schenke und kam nicht umhin, einen Blick zu dem einen Thekenplatz zu werfen, der wie aus Respekt leer geblieben war. Ein Seufzen durchfuhr ihn wie ein Blitzgewitter , ehe er sich mit einem letzten Nicken zum Geist seines Bruders in die Küche begab.
      Tilda derartig aufgelöst zu sehen, schmerzte ihn. Auch wenn er sie kaum kannte. Aber zu sehen, welche EMotionen Sylvar in diesen Menschen hervor rief, ließ ihn zweifeln, ob dieser Wahnsinn das richtige war.
      "Schon gut, Tilda...", murmelte er und legte ihr kurz die immer noch warme Hand auf die Schullter. Selbst ein schwaches Lächeln wollte ihm gelingen.
      Es war nicht die Zeit für Trauer. Leider.
      Andvari näherte sich Meliorn und Viola gleichsam wie der Prinz und lächelte Viola schwach zu. Das Blut an seiner Faust wischte er nach ihrem wachsamen Blick an seinem Umhang ab und küsste ihren Scheitel, als er hinter sie trat.
      "Wie hältst du dich?", wisperte er beinahe unhörbar.
      Als Meliorn zustimmte, wandte er sich ihm kurz zu.
      "Ich müsste eine Nachricht an die Weiße Hand senden, dass ein neuer Erzmagier in Würden gesetzt werden muss. Und ich müsste zwei Nachrichten versenden, die nicht für die Öffenlichkeit sind."
      Er reichte dem Elfen einen kleinen Fetzen Papier, wo Eyrik seinerzeit die Namen der Schwerter geschrieben hatte.
      "An diese Elfen und andere...Es müsste schnell gehen. Bitte sagt ihnen sie sollen herkommen. Und dass Ihr König sie ruft."

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    • Besorgnis schimmerte in blutunterlaufenen Augen.
      Das klägliche Lächeln überzeugte Viola in keinster Weise. Die Zerrissenheit war für die junge Heilerin beinahe körperlich spürbar.
      Aber auch ihr blieb nicht anderes übrig, als tapfer die Munwinkel anzuheben und sich ihrer Aufgabe zuwidmen. Ein letztes Mal tasteten ihre suchenden und behutsamen Fingerspitzen über die in Mitleidenschaft gezogenen Rippenbögen. Die letzten dunklen Schatten auf der vernarbten Haut würden in wenigen Stunden vollständig verschwunden sein. Viola wäre sicherlich dazu in der Lage gewesen, auch diese Überbleibsel zu lindern, aber sie fühlte die Kräfte schwinden. Die Trauer um den tragischen Verlust drückte auf das sanfte Gemüt der Heilerin. Der eigene Körper fühlte sich ausgelaugt und schwer an. Viola spürte die Wärme des Feuers nicht, schmeckte nicht das stärkende Aroma des Kräutertees, den Tilda herumreichte und selbst ihre Hände fühlten sich taub und fremd an.
      Für eine Sekunde erlaubte sich Viola die Augen zuschließen und lehnte sich ein wenig zurück gegen Andvari, der hinter sie getreten war. Einen winzigen Augenblick, in dem sie den Kopf senkte und einen tiefen, gequälten Atemzug nahm. Die Frage klang unendlich falsch in ihren Ohren. Sie hatte nicht gerade ihren Bruder verloren und seinen Körper den Sternen übergeben.
      "Ich komme zurecht. Gibt es etwas, das ich tun kann?", flüsterte Viola gleichsam leise mit der Gewissheit, dass Andvari sie sehr wohl hören konnte.
      Sie mussten sich alle zusammenreißen und die Gefahr im Auge behalten, die sich vermutlich bereits wenige Tagesmärsche entfernt befand. Blind griff sie nach hinten und fand zielsicher das Handgelenk ihres trauernden Gefährten. Sorgfältig glitten ihre Fingerspitzen über die Erhebungen der Fingerknöcheln, von denen hastig das Blut gewischt worden war. Viola vermutete bereits, dass das Gesicht des Nachtelfen weitaus schlimmere Spuren aufwies, als ein paar aufgeplatzte Knöchel.
      Ein flüchtiger Blick erfasste das Papier in Andvaris Fingern, dass Meliorn ihm mit einem Nicken abnahm.
      Sie brauchte keinen Blick auf die geschriebenen Worte zu werfen, um zu wissen, welche Namen sich darauf befanden. Es gab erschreckenderweise nicht viele Verbündete, die der Elf kontaktieren konnte und ohne Sylvar fehlte Ihnen die Person, die sie geführt hatte. Der verschrobene, geheimniskrämerische aber liebenswerte Magier hatte ihnen stets den Weg gewiesen.
      Meliorn überflog die Namen auf dem zerknitterten Papier, wobei seine Augen mit jeder verstreichenden Silbe ein wenig größer wurden.
      Die Namen der legeänderen Schwerter waren keine Unbekannten. Sorgältig faltete er das Papier zusammen, als sei es von unschätzbarem Wert.
      "Kinderspiel.", lächelte Meliorn schwach und erschien innerlich froh darüber, etwas Nützliches tun zu können ohne dabei jemanden in seiner unmittelbaren Nähe in Gefahr zu bringen. "Nichts ist schneller als der Wind."
      Der Bogenschütze und Bote rutschte etwas steif vom Kampf vom Tisch herab und griff hastig nach seinem Wams, dass er sich über den zerzausten Haarschopf zog. Viola beobachtete den Elfen, dessen Schritte ungewohnt schwerfällig waren und ließ ein wenig der wärmenden Magie ihres Kerns in Andvaris Hand fließen. Die geschundene Haut über den Handknöcheln verheilte unter ihren Fingerspitzen. Mehr konnte sie nicht tun. Die Qual in seinem Herzen ließ sich mit Magie nicht lindern.
      Meliorn öffnete eines der Fenster und ließ sich davor auf dem breiten Fensterbrett nieder. Mit beiden Hände formte er eine hohle Schale und führte die Hände an seine Lippen. Lediglich das Spiel der Kiefermuskeln enthüllte, dass er gewisperte Worte sprach. Keine einzige Silbe war für die Umstehenden hörbar. Als er die Hände senkte tobte ein winziger Wirbel über seinen Handflächeln, kaum erkennbar, der seine Haare von den Schultern wehte. Lediglich das sanfte Leuchten des Wirbels ließ ihn überhaupt sichtbar werden. Der Elf wandte sich dem geöffneten Fenster zu und bließ den Wirbel von seinen Händen wie die filigranen Blüten einer Pusteblume. Kaum verließ die Botschaft seine Hand, verklang auch das Leuchten.
      Lucien indess wandte den Blick mit grimmiger Miene ab und sah zu Andvari und Viola. Wäre er von gerringerem Geist, hätte ihn beinahe die Eifersucht übermannen können. Leicht schüttelte er den Kopf.
      "Für's Erste heißt es wohl Abschied nehmen.", erhob er sachte die Stimme und holte schwere Lederhandschuhe aus seinem Mantel hervor, die er überstreifte. Die Nacht war eisige und der Ritt würde nicht angenehm werden. "Ich werde mich auf den Weg machen und zur Ersten Garde zurückreiten. Es wird Zeit, dass wir unsere Köpfe aus dem Schlamm ziehen. Erhofft Euch nicht zu viel. Ich bezweifle, dass wir Unterstützung aus der Kaiserstadt bekommen. Mein Vater ist ein alter Narr und sein Verstand brüchig. Aber die Garde ist in der Nähe und untersteht mir."
      Der Kronprinz streckte Andvari zum Abschied die Hand entgegen.
      "Ich bin nicht so flink wie Meliorns Wind, aber ich werde weder rasten noch ruhen."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvaris Blicke verharrten auf den Gesichtern der Masse und doch nicht.
      Als würde er ins Leere schauen und dort etwas suchen, was er niemals finden würde. Erstaunlicherweise, dachte er bei sich und bemerkte mit Erstaunen, wie Viola seine Wunden an den Fingerknöcheln heilte. Der Elf behielt das schwache Lächeln bei und nickte ihr dankbar zu, aber zu tun gab es nichts. Konnte es nichts geben.
      Denn dafür müsste die Welt sich aufhören zu drehen und sich entgegen ihres Kreislaufs bewegen. Eine Tatsache, die nicht geschehen würde.
      "Nein...", muremlte er.
      Danke..., dachte er anschließend nur. Warum fiel es so schwer, Worte des Danks oder der Freude zu formulieren, wenn das eigene Herz auf Eis lag? Er würde dessen nie klüger werden, vermutete Andvari und lauschte Meliorn, der sich bereits eilig ans Werk machte. Es war inspirerend, dem Elfen dabei zuzusehen, wie er offenbar SIlben und Namen in den Wind flüsterte. Und wahrlich, nur der Wind war schneller als die Boten des Himmels.
      Vielleicht würden die Nachrichten die Schwerter rechtzeitig erreichen, damit sie eine Chance hatten. Auch wenn es noch nicht gesichert war, dass die Armee ihren Weg hierher fand.
      "Geht mit Vorsicht, Freund", sagte Andvari und heftete seinen Blick auf Lucien. "Die Armee meiner Brüder rastet nicht weit, befürchte ich. Zieht ihr einen Konvoi von mehreren tausend Mann hinter Euch, wird man Euch entdecken und auf nachteiligem Terrain angreifen. Es bleibt Euch nur der Weg durch die Wälder und Bergpässe."
      Anschließend wandte er sich zu Viola um.
      "Ich werde die Stellung hier halten. Mit dir, wenn du es willst. Und mich auf die Schlacht vorbereiten, so sie denn kommt. Ich...Ich habe keine Ahnung, ob es das richtige ist."
      Anschließend - und viel leiser als der Rest wisperte er Viola zu:
      "Ich weiß nicht was ich tun soll..."

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    • Die Bedrohlichkeit einer aufziehenden Schlacht hatte sämtlichen jungenhaften Schalk aus dem Gesicht des Menschenprinzen getrieben.
      Der verbissene Ernst war ein seltener Anblick im Gesicht Luciens. Meliorn bemerkte die Aufbruchstimmung von seiner wachenden Position am Fenster aus und rühte sich nicht vom Fleck. Er warf einen letzten Blick auf den Kronprinzen und kehrte dem restlichen Raum den Rücken zu. Die eigene Verbitterung über seinen närrischen Fehler ließ nichts anderes zu. Ein weiteres Mal flüsterte er seine Botschaft in den Wind, zu den nächsten Schwertern, um sie im Namen ihres rechtmäßigen Königs in die Grenzlande zurufen. Niemand außer denjenigen, für die die Botschaft bestimmt war, würden die geflüsterten Worte im Wind hören.
      Wenn die Abweisung Lucien verletzte, zeigte er es nicht.
      Der Prinz der Menschen nickte entschlossen und zeigte doch ein schwaches Grinsen, dass im Vergleich zu vorher, eher armselig wirkte.
      "Wer hätte gedacht, dass ich das Wort Freund noch aus Eurem Mund hören werden, Andvari.", schmunzelte Lucien. "Die Bergpässe sind schmal und beschwerlich. Ein Umweg, der uns wichtige Zeit kosten könnte. Aber vermutlich die klügere Wahl. Wir werden sehen."
      Viola reichte er ebenfalls zum Abschied die Hand und beugte sich leicht vor um einen flüchtigen Kuss auf ihren Handrücken zu platzieren. Von der Geste überrascht, sah sie Lucien fragend an und wirkte etwas überfordert, da der Thronfolger ihres Volkes sich vor ihr verbeugte. Sie hatte sich immer noch nicht daran gewöhnt, wie greifbar der Mann wirkte.
      "Ich würde Euch ja darum bitten mich zu begleiten und Eure Stellung in der Garde wieder einzunehmen.", sprach er ruhig. "Aber ich denke, die Antwort kenne ich bereits. Passt auf Euch auf, Viola. Und auf diesen chaotischen Haufen."
      Und Der Kronprinz hatte nicht Unrecht. Ihr Platz war an der Seite des Elfen in ihrem Rücken, der so verloren erschien, wie ein kleiner Junge.
      Damit erhob sich Lucien wieder zu seiner vollen Größe und wandte sich ab. Die Verabschiedung mit Tilda und Albert verlief hastig. Eine Sekunde länger und die willenststarke Schankdame hätte ihn womöglich gar nicht erst in die Nacht ziehen lassen. Tilda hielt sich aufrecht, doch die ältere Frau war erschöpft, das Grau ihrer Haare intensiver im flackernden Licht des Feuers.
      Viola beobachtete den wehmütigen Abschied der ungleichen Freunde am Hinterausgang der Küche. Ein Prinz, ein Zimmermann und eine Schankwirtin.
      Viola hob Andvaris verheilte Hand an ihre ausgekühlte Wange, als wollte ihr Körper die Wärme der Flammen nicht halten.
      "Natürlich, bleibe ich.", flüsterte sie sanft. "Ich folge dir, welche Entscheidung du auch treffen wirst. Der Kampf wird nach Beleriand kommen. Faolan wird die Menschen und Elfen hier nicht verschonen. Er hat keine Gewissheit, dass wir hier sind, aber das wird ihn nicht aufhalten."
      Die letzten Worte des Elfen waren so leise und still, und so voller Selbstzweifel, dass es Viola das Herz in Zwei brach.
      Andvari hatte das hier nie gewollt. Die Verantwortung. Dieses Erbe. König zu sein.
      "Ich wünschte, ich könnte es dir sagen.", sagte Viola und versuchte sich an einem Lächeln, während im Hintergrund Lucien in die Nacht verschwand und Meliorn durch das geöffnete Fenster kletterte.
      "Was ich weiß, ist, dass Faolan nicht im Morgengrauen hier sein wird. Wir sind alle erschöpft. Heute Nacht ruhen wir."
      Das verräterische Brennen schlich sich zurück die Augen. "Heute Nacht trauern wir. Komm."
      Viola senkte die Hand von ihrem Gesicht und umschloss seine Finger zart mit den Eigenen. Im Vorbeigehen nickte sie Tilda und Albert zu, griff eine Flasche von Tildas Apfelwein vom Tisch und führte Andvari durch das Stimmengewirr des Schankraumes. Die Blicke, die sich durch ihre Hinterköpfe bohrten, ignorierte sie mit erhobenem Haupt. Zweifelsohne gab es noch genug Männer und Frauen in diesem gastlichen Raum, die sie am liebsten durch Stadttor hinauswerfen würden. Die Treppe knarzte unter den bedächtigen Schritten und Violas Anspannung verschwand erst, als sie die alte Tür zum oberen Dachgeschoss hinter sich abgeschlossen hatte.

      Die Räumlichkeiten wirkten seltsam still und leer. Ohne Sylvar. Ohne sein Geschimpfe und Neckereien.
      Das Mitbringsel stellte sich auf dem wackeligen Tisch am Kamin ab, wo sie ohne einen Gedanken zu verschwenden, das noch leicht feuchte und vor allem dreckige Kleid abstreifte und die mit Schlamm verkrusteten Stiefel zum Trocknen ans Feuer stellte. Das Unterkleid war zur ihrer Erleichterung unbeschadet davon gekommen. Sie griff eine der Wolldecken von einem mottenzerfressenden Sessel und schlang sich den schweren, aber warmen Stoff um die Schultern, ehe sie barfuß zu Andvari herüber ging, der verloren mitten im Raum stand.
      Ein zaghaften Lächeln zuckte an ihren Munwinkeln, als sie ohne jegliche Hintergedanken nach dem blutbfleckten Wams griff und es aus dem Bund seiner Hose zog. Der Blick ruhte auf den eingetrockneten Blutspritzern. Sie wollte nichts von diesem widerlichen Gorynn in der Nähe haben. Die Flecken würden vermutlich nicht ganz herausgehen, aber vielleicht konnte Tilda dabei helfen.
      Viola ließ das besudelte Kleidungsstück auf den Boden fallen und ließ ihre Hände über seine Arme herauf wandern, während sie den nun freien Torso nach weiteren Blessuren absuchte. Eine Sorge, die sich nicht abschütteln ließ. Aber da war nichts.
      "Du bist kalt.", flüsterte sie.
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    • Schweigsam blickte der Elf dem Menschen hinterher und fragte sich erneut, warum ihrer beiden Völker eine derartige Zeit des Krieges hinter sich bringen mussten. Er beobachtete schweigend wie er Viola die Hand reichte und für eine Sekunde war da der Stich des Zweifels in seiner Brust. Umso überraschter war er, dass sie tatsächlich bleiben wollte. Auch wenn sie beide bereits einiges durchgestanden hatten, so würde sie doch immer das Erbe seines Blutes trennen.
      Wütend auf die Situation und auf sich selbst war er bereits in voller Härte mit sich im Gericht, als ihn Violas Worte dumpfen Ohres erreichten. Ihre bedingungsloser Treue sicher fühlte er sich nur noch widerlicher, wenn er bedachte wie viele gute Menschen hier sterben würden, weil er sich hinter Mauern verkroch anstatt sich seinem Bruder zu fassen.
      Und noch während ihre Wange an seinen Fingern spürte fragte er sich erneut ob es niht besser wäre, er schliche sich heimlich davon und gäbe sein Leben im Austausch für das Der Bewohner von Beleriand…
      Dann erst merkte er dass er regelrecht mitgezogen wurde. Es gab ohnehin nichts mehr zu sagen, dass einer Ansprache würdig gewesen wäre. Das gab es nur in heroischen Epen, die in trunkenem Bewusstsein geschrieben wurden.
      Also ließ er sich mitziehen und kam nicht einmal dazu, ihr eine ordentliche Antwort auf ihre wundervollen Sätze zu geben. Was blieb, war nur die Gewissheit, dass sich ein schwaches Lächeln auf seine Lippen stahl, als er die Blicke bemerkte die sich in ihre Hinterköpfe bohrten.


      Im Zimmer angekommen erfasste ihn ungeahnte Wehmut, als er Slvars Zimmer zu Gesicht bekam. Ein kalter Hauch schien daraus zu ihnen herüber zu wehen und erinnerte ihn an sein Versagen, während er den Raum betrat und die Tür ins Schloss schob.
      Erst als sie ihm das Wams aus dem Bund seiner Hose zog bemerkte er, dass er im Raum gestanden und in die Ecke gestarrt hatte. Schweigsam ließ er die zärtlichen Berührungen der Mneschenfrau geschehen obgleich sein Kopf bereits danach schrie, dass man einen Versager nicht derartig berührte.
      „Wirklich?“, fragte er und zuckte die Achseln. „Mir ist nicht kalt.“
      Langsam ging er zur zimmereigenen Feuerstelle und entfachte die Scheite darin mit seiner Magie. Sanft schaute er dem Prasseln der Flammen zu, während er sich innerlich fragte, was zur Hölle er hier tat.
      Erst danach stand er auf und trat bestimmten Fußes an Viola heran und drückte ihr Kinn sachte nach oben um auch sie nach Blessuren oder Spuren dieser Ratte Dorynn abzusuchen.
      „Immerhin…“, murmelte er. „Er hat dich nicht verletzt. Das ist eine Erleichterung.“

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    • Angesichts der Bestimmtheit seiner Schritte unterdrückte Viola den Reflex einen Schritt nach hinten zu gehen.
      Die Begegnung mit Dorryn hatte keine Blessuren auf der blassen Haut hinterlassen, aber die Erinnerung an einem Fremden unmittelbar in ihrem Rücken und das Gefühl eines heißen Atems in ihrem Nacken ließ sie frösteln. Die Art und Weise wie die Heilerin ihr Kinn unter dem sachten Druck seiner Hand anhob ähnelte beinahe einem stillen Gehorsam. Die Augen, gerötet von dem brennenden Salz frischer Tränen, verschwanden fast gänzlich unter einem Kranz langer, geschwungender Wimpern. Dorryn, die kleine, dreckige Ratte hatte ihr kein offensichtliches Leid zu gefügt, aber seine Drohungen und widerlichen Versprechungen waren keine leeren Worte gewesen. Ein Fehler, sei der noch winzig klein gewesen, dann...
      Viola schüttelte den Kopf in der Hand des Elfen, um die Gedanken zuvertreiben und Andvari mit der Geste zuzustimmen.
      "Nein, hat er nicht. Ich wusste, du würdest mich beschützen", murmelte sie und blieb unschlüsslig, ob sie das Gesicht in die vertrauten Finger schmiegen oder die Hand abschütteln sollte.
      Letzten Endes war die Entscheidung ein Mittelweg, als Viola kurz die eigene Hand anhob und Andvaris Handgelenk mit zarten Fingern umschloss. Unter den Fingerspitzen fühlte sie einen starken, kräftigen Puls. Der Daumen zog ein paar wenige, sanfte Kreise über seinen Handrücken ehe sie den Halt um ihr Gesicht bedächtig löste. Über die Tatsache, wie leicht es war den Elf vor sich zu berühren, wunderte sich die junge Frau schon lange nicht mehr. Allerdings war es erschreckend, welche alten Ängsten die Nähe eines Anderen auslöste. Das Letzte, was sie in dieser Nacht noch brauchten, war die erdrückende und schwermütige Belastung durch ihre eigene Unsicherheit. Viola konnte stark sein. Für Andvari. Für das, was ab heute jedem Morgen lauernd am Horizont auf sie wartete.
      "Hör auf.", sprach sie ruhig, ein wenig wie aus dem Nichts, nachdem sie eine gefühlte Ewigkeit geschwiegen hatte. "Ich weiß, was du denkst. Es ist Unsinn. Und solltest du das irrwitzige Vorhaben verfolgen heute Nacht zu verschwinden und dich Faolan auszuliefern, verspreche ich dir, dich an beiden Ohren hier her zurück zuschleifen. Dein Bruder wird nicht einfach kampflos den Rückzug antreten, nur weil er bekommen hat, was er wollte. Das tun sie nie."
      Außerdem hatte Sylvar es bereits erklärt. Faolan, der teuflische Prinz, brauchte die Heilerin. Ohne sie fehlte dem jüngsten Bruder Andvaris das geeignete Druckmittel. Sie sprach nicht aus, was offen und wie ein eiskalter Hauch im Raum stand. Entweder gingen sie beide oder gar keiner. Und selbst dann, traute sie dem jüngsten Sproß der Königsfamilie nicht.
      Zaghaft ergriff Viola seiner Hand und zog den Elf ein weiteres Mal mit sich in Richtung des prasselnden Feuers. Im Vorbeigehen sammelte sie die Falsche ein. Der Wein würde stark genug sein um die eisige Kälte aus ihren Eingeweiden zu vertreiben. Mit der Wolldecke um die Schultern ließ sich Viola vor dem Ofen am Boden nieder und bedeutete Andvari sich zu setzen. Eine zweite Decke legte sie wie ein stummes Angebot zwischen sich und wandte sich schweigsam dem öffnen des Flaschenkorkens zu.
      Ein wenig Ziehen und Geruckel da entschied sich der Korken endlich nachzugeben und ein spüßlicher, schwerer Geruch erfüllte die Nase.
      Der Zweifel nagte auch an ihr. Die Heilerin seufzte schwer und blickte auf die Falsche in ihrer Hand. All das große Gerede über Revolution, Gerechtigkeit und dem größeren Wohl verblasste angesichts des Preises, den sie gezahlt hatten. Viola hatte einen Freund verloren und Andvari seinen Bruder. Beherzt nahm sie einen Schluck aus der Flasche und verzog leicht das Gesicht. Es war etwas zu süß für ihren Geschmack, aber in der Not fraß der Teufel auch Fliegen.
      "Wir hätten gehen sollen.", murmelte Viola. "Weg von hier. Vielleicht über die Berge."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Manchmal sei ein kleiner Dolch das Schlimmste, so sagten die Alten.
      Vielerlei Orten wurde geglaubt, dass ein Schwert die Schlimmsten Wunden reißt, aber ein Dolch, ein filigraner GEdanke des Zweifels konnte das ganze bereits viel schlimmer machen. So bemerkte Andvari ihre zarte Unsicherheit, das kurze Zucken, die Finger an seinem Handgelenk anstatt die Bewegung willkommen zu heißen.
      Konnten er mehr erwarten?
      Konnte er wirklich erwarten, dass sie über diesen miesen kleinen Nachtelfen im Laufe von einer STunde hinweg kam? Immerhin musste sie einige Minuten mit ihm verbringen und seine Gemeinheiten ertragen, wenn Andvari richtig schätzte. Dorynn erschien nicht der Typ, der seine Opfer ohne Spiel entließ. Der sie überhaupt entließ.
      Sachte senkte er den Griff um ihr Kinn udn seufzte.
      Mit einem kleinen Lächeln ließ er sich zu dem Kamin führen und sah ihr nach dem Sitzen zu wie sie die Flasche entkorkte. Sicherlich ein wenig unbeholfen aber es mochte an der Flasche liegen. Mehr aus Solidarität schlang er die Decke über die Beine und ergab sich seinem Nichtstun. Obgleich er dies hasste. Er wollte sich bewegen, hinaus. Weg von diesen Gedanken, diesem Feuer, das ihn fraß.
      Schweigsam nahm er die Flasche an und nahm einen Schluck.
      Auch er verzog das Gesicht. Der Wein war zwar gewürzt, aber durchaus zu süß um als normaler leichter Wein zu gelten. Es war eine derartige Menge an Zucker enthalten, dass es beinahe obszön schien.
      "Dann wären wir geflohen und hätten doch keine Hoffnung gewonnen...SIe hätten uns gefunden. So oder so."
      Draußen verhallten langsam die Geräusche der Taverne. Keinem war heute nach Feiern zu Mute. Nicht einmal mehr den Feierwütigen, die sonst die Nächte durchzechten. Nunmehr wurden die Lichter gelöscht und es ging nach Hause, um sich noch einige Male in der wohligen Wärme der Liebsten zu versinken. Nichts anderes, als was er auch tat.
      "Weißt du..."; begann er schließlich udn reichte die Flasche nach einem weiteren großen Schluck weiter. "Ich dachte sogar anders. Sicherlich habe ich daran gedacht mich zu stellen. Aber du hast Recht, er wird nicht nachgeben...Der nächste Gedanke war: Er möchte mich offenbar quälen. Aber das kann er nur wenn ich noch da bin. Also was, wenn ich nicht mehr da wäre?"
      Eigentlich mehr ein Gedankenexperiment hatte sich dieser Gedanke in den letzten Minuten durchaus verfestigt. Er wollte sein Leben mit Viola nicht aufgeben, mitnichten. Aber gleichsam sah Andvari keinen Weg eine Schlacht zu gewinnen UND diese Stadt zu schützen...

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ein vorsichtiges Lächeln umspielte die Lippen, als Andvari nach der Decke griff. Vermutlich tat er dies eher ihr zu Liebe.
      Die Anspannung blieb Viola nicht verborgen. Ebenso wenig war der Heilerin der hauchzarte Anflug von Enttäuschung nicht entgangen, als sie die Berührung nicht wie gewohnt willkommen geheißen hatte. Die widerwertige Ratte mochte die obszönen Drohungen nicht in die Tat umgesetzt haben, aber die Vorstellung nistete sich wie ein gefräßiger Parasit in Violas Verstand ein. Im Eifer des Schlachtfeldes dem Fluch ihrer Vergangenheit die Stirn zu bieten und sich Vaerils Schatten über ihrem Leben loszusagen, erschien so unendlich weit weg.
      Die Worte erklangen niederschmetternd in den Ohren, denn Viola zweifelte nicht an deren Wahrheit.
      Den ersehnten Frieden in der Flucht zu finden, erschien wie der Gedanke eines Narren. Faolan hätte sie unter keinen Umständen ziehen lassen. Selbst wenn Andvari allem abgeschworen hätte, war die Bedrohung durch seine Blutlinie eine stetige Gefahr für die Kinder des Elfenkönigs. Viola durfte in den Landen der Elfen bereits Zeugin sein, wie das einfache Volk hinter dem Lichtrufer stand. Die Zeichen waren subtil und für das unaufmerksame Auge kaum zu erkennen. Ein Volk lebte in neuer Hoffnung, denn die Kunde verbreitete sich schneller als ein Lauffeuer. Und wenn Meliorn Erfolg hatte, würden bald alle Schwerter in Beleriand versammelt sein, um ihrem rechtmäßigen König zu folgen.
      Bedächtig nickte Viola letztendlich und ergriff die Falsche mit den süßlichen Wein. Ihr fehlte die Kraft für aufmunternde Worte, jetzt wo keine fremden Augen mehr auf ihnen lagen. Die Welt war ausgesperrt aus diesen alten Räumen, die plötzlich leer und leblos wirkten.
      Viola nahm einen Schluck aus der Falsche und schließlich einen Zweiten. Und einen Dritten. Früher hatte sie sich oft mit Helena heimlich in den Weinkeller des Ordens geschlichen. Wie sie es manchmal trotzdem pünktlich in den Unterricht geschafft hatten, war ihr bis heute ein Rätsel. Wenn sie so darüber sinnierte, gab es doch recht viele schöne Erinnerungen, neben den Grausamkeiten des Krieges. Sie hatten das Beste aus dem gemacht, was ihnen gegeben war.
      Ungehörigerweise setzte die Heilerin erneut die Falsche an die Lippen und hielt stockend in der Bewegung inne.
      "Was meinst du damit?", hauchte Viola mehr, als das sie sprach und senkte die Falsche in den Schoß ihrer gekreuzten Beine. Wohin diese Gedanken auch führten, sie gefielen ihr nicht.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • "Versteh mich nicht miss", sagte Andvari und sah sie an, während sie die Weinflasche eisern hielt.
      Wenn dies eine andere Zeit, ein anderer Ort und er vielleicht ein anderer Elf, gar ein Mann, gewesen wäre, hätte er ihr wohl gesagt, wie verführerisch sie aussah. Jetzt, wo alle Spannung abfiel und Niemand ihnen zusah, kam eine betörende Natürlichkeit in ihr Antlitz, dass er beinahe das Gefühl verspürte, seiner Gelüste Drangsal nachzugeben.
      "Ich liebe dieses Leben. Und ich liebe es mit dir", begann er schließlich und faltete die Hände auf dem Baum, während er sich in den Stuhl zurücklehnte. "Aber gleichsam frage ich mich, wie ich unnötige Opfer verhindern kann. Sicherlich geht es Faolan und seinen Truppen um mich. Sie wollen mich quälen und einem grausamen Ende zuführen. Aber was wäre, wenn ich nicht mehr wäre? Wenn man mich töten würde oder ich mich gar selbst und ihnen damit das Ziel nähme?"
      Es war schwer, darüber zu sprechen und sich darüber bewusst zu sein, dass Viola diese Nachrichten sicherlich nicht gut aufnehmen würde. Innerlich sah er bereits die Flasche Wein um seine Ohren fliegen, aber gleichsam war der weißhaarige Elf verzweifelt. Wie sollte er verhindern, dass diese guten Menschen zu Schaden kamen? Wie konte er sich König nennen, wenn er nicht mal eine Stadt schützen konnte?
      Die Menschen sind wichtiger als jedwede Krone, hatte seine Mutter ihm einst eingetrichtert. Und wenn er sich die Familie der Lichtrufer ansah, so war dies stets ihr oberstes Streben gewesen. Eine Wand zwischen den Feinden und dem Volk zu sein. Und nun versrsteckte er sich in ihrer Mitte. Menschen, die er zu schützen hatte...
      "Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll", murmelte er und lächelte schwach, ehe er ihr die Weinflasche wenig galant aus der Hand spielte.
      Nach drei, vier kräftigen Schlucken hielt er sie ihr wieder hin.

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      The more you drag me to hell
    • Ewigkeiten entfernt, vielleicht, in einem anderen Leben hätte Viola die wenigen Schritte gewagt und die unsichtbare Kluft zwischen ihnen mit Leichtigkeit überwunden. Der wehmütige Gedanke Trost und Zuflucht in der Nähe des anderen zu finden und der Welt vor der Tür einer Weile zu entkommen, ehe Faolan und seine Raben das Grauen vor ihre Tore brachten.
      Viola besaß bei Weitem nicht die Kraft das Glas mit bloßen Händen zu zersplittern, aber die Knöchel ihrer verkrampften Hände um den Flaschenhals traten besorgniserregend hervor. Die grünen Augen fixierten während der Elf sprach das gefärbte Glas und die süßliche Flüssigkeit darin. Der schwere Wein hinterließ bereits eine wohlige Wärme tief in der Magengrube, doch der betäubende Nebel in ihrem Kopf blieb noch fern. Die verlockende Schwere, die den Schlaf erleichterte und die Sorgen verdrängte. Die Heilerin hatte nie getrunken, um zu verdrängen. Die heutige Nacht erschien ihr ein willkommener Anlass dafür. Die Situation entglitt ihnen und lief unaufhörlich auf eine Katastrophe zu.
      "Lass Maels Worte nicht an dich heran, Andvari.", sagte Viola ohne ihren Gefährten dabei anzusehen. "Niemand verlangt von dir mit deinem Leben für die Rettung der Stadt zu bezahlen. Glaubst du wirklich Faolan gibt sich damit zufrieden? Kannst du dir sicher sein, dass er sich zurückzieht, sobald er Nachricht über deinen Tod erhält? Dein Bruder wird einen Beweis fordern. Eine simple Täuschung..."
      Während die gesprochenen Gedanken über ihre Lippen fielen, stockte Viola bei den einzelnen Silben. Die letzten Worte nicht mehr als ein zögerliches Flüstern. Verstehen zeichnete sich in ihrem Blick ab und wandelte sich augenblicklich in tiefe Bestürzung. Die Weinflasche wäre am Boden zerschellt, hätte Andvari sie nicht aus ihren zitternden Fingern gezogen.
      "Bitte sag mir, dass das nicht dein Ernst ist.", würgte die Heilerin hervor, weniger eine Bitte als eine Forderung, und hob endlich den Blick von den Händen unter deren Nägeln noch etwas von dem Staub und Dreck der Straße klebte. Eine ureigene Angst legte sich einer eiskalten Klaue gleich um ihren Brustkorb und erstickte jeglichen Atem in ihren Lungen. Viola beäugte die Flasche, die ihr ein weiteres Mal angeboten wurde und verspürte tatsächlich das drängende Bedürfnis diese mit Schwung gegen die nächste Wand zu schmettern. Andvaris Kopf erschien ihr ebenfalls ein gutes Ziel zu sein, um seinen Verstand wieder ein wenig gerade zu rücken.
      Die Heilerin schüttelte hastig den Kopf, um gleichzeitig den gewürzten Apfelwein und seine törichte Idee abzulehnen.
      Vorsichtig, dem eigenen Gleichgewicht nicht trauend, erhob sich Viola von ihrem Platz und überquerte mit überraschender Entschlossenheit den wenigen Abstand zwischen ihren Sesseln. Im Vergleich zu ihren festen Schritten erwies sich die Berührung der Fingerspitzen an Andvaris Schläfe zarter als die Flügel eines Schmetterlings. Die grüne Iris ihrer Augen glühte eigentümlich im Schein der Flammen und erzeugte die Illusion sich bewegender Baumwipfel. Die Knie stießen sachte gegen seine.
      "Versprich mir, dass du nichts Unüberlegtes tust. Du bist verletzte und trauerst. Es ist kaum eine Stunde vergangen seit du deinen Bruder verloren hast. Ich vermisse ihn auch, weißt du? Und ich verstehe, dass du Unschuldige vor einem grausamen Ende durch Faolan beschützen willst. Aber das kann nicht die Lösung sein. Wer soll uns führen, wenn du fort bist? Die anderen Schwerter -deine Freunde- sollen sie hier eintreffen und erfahren, dass sie zu spät sind? Was ist mit Lhoris? Nuala? Farryn und all den anderen?"
      Liebevoll strich sich eine Strähne des schneeweißen Haares zurück und fuhr den geflochtenen Zopf an der Seite seines Hauptes entlang, den sie selbst am Vorabend in friedlicher Runde am Feuer geflochten hatte.
      "Ich würde dir diese Brüder abnehmen, wenn ich könnte.", murmelte sie. "Aber ich bin bei dir, welche Entscheidung du auch triffst. Verschwinde nicht einfach an einen Ort, an den ich dir nicht folgen kann."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
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    • Sachte ergriff Andvari ihre Hand und küsste die warme Handfläche darunter.
      "Ich weiß, dass du das würdest", bekräftigte er lächelnd und sah wieder in die Flammen zu ihren Füßen. "Es sind nur Gedankenexperimente, Viola. Ich...Ich habe keine Ahnung, was mein Bruder tun würde. Sicherlich würde Faolan einen Beweis fordern und eine Täuschung wäre sinnlos, aber ich weiß nicht, wie ich diese Menschen schützen kann. Ein Kampf mit einer gestandenen Armee, dazu noch Lysanthir, birgt mehr Opfer als Nutzen.
      Selbst mit den Schwertern haben wir nur den Hauch einer Chance..."
      Das stimmte nicht ganz.
      Mit den Sieben konnten sie immerhin gehörigen Schaden anrichten, aber letztlich würden die Opferzahlen die gleichen bleiben. Und die Zerstörung noch ein bisschen gewaltiger. Wenn er nur an Hogav dachte, wurde ihm bereits leicht übel. DIeser Oger konnte ein ganzes Dorf in Schutt und Asche legen und würde sich vermutlich nicht einmal nach dem Sinn fragen.
      Mit einer kurzen Bewegung seiner Arme schlug er die Decke zurück und zog Viola auf seinen Schoß hinüber. Wenn sie schon einmal hier war und sie sich ohnehin aufwärmen wollten, konnten sie das auch beieinander tun.
      Erst als sie einen festen Sitz erreicht hatte, schlang er die Decke wieder über sie beide und seufzte.
      "Ich verspreche, dass ich nichts Dummes tun werde", sagte er. "Und ich weiß, dass du trauerst...Und ich wünschte, ich könnte dir dieses Gefühl nehmen, weil du bereits so viel in deinem Leben trauern musstest...."
      Auf ihren Satz hinsichtlich der Führung musste er lächeln.
      "Nun...Ich denke eigentlich,d ass du eine gute Anführerin wärest", grinste er.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ein überraschter Laut entfloh der Kehle, als die Decke flüchtig bei Seite gezogen wurde und ein starker Arm sie herab zog.
      Reflexartig suchten ihre Hände den Halt auf den Schultern des Elfen und sie benötigte durch die plötzliche Änderung der Positionen und dem langsamen Einzug des weingeschuldeten Nebels einen Augenblick um ihre Beine zu sortieren. Etwas unbeholfen kletterte Viola auf seinen Schoß, die Knie in das durchgesessene Polster neben seinen Hüften gedrückt. Von allen Seiten umfing sich eine verlockende Wärme vom Feuer im Rücken und des vertrauten Körpers vor ihr. Ein Seufzen verließ ihre Lippen, als die Decke sich um sie schlang und die Wärme zwischen ihnen gefangen hielt.
      "Vielleicht sind es nur Gedankenexperimente, aber die Vorstellung ist deshalb nicht weniger furchterregend.", murmelte sie und entschloss sich kurzer Hand die Weinflasche aus seiner Hand zu nehmen und erneut an die Lippen zu setzen. Nachdem Absetzen leckte sie sich kurz den schweren, süßen Geschmack von den Lippen.
      Das Versprechen schenkte der Heilerin ein wenig Ruhe und so ließ sie zu, dass ihr träges Haupt sich sachte auf seine Brust legte. Unter ihrem Ohr erklang der lebendige Rhythmus seines Herzens und sie schmiegte ihre Wange gegen die schwarzen Linien auf seiner Haut. Die kühlen Hände rutschten von den Schultern hinab und suchten ein wärmendes Versteck zwischen ihren Körper.
      "Sylvar war mein einziger Vertrauter, während deiner Gefangenschaft in den Kerkern Tirions. Mein Mentor, mein Freund. Er war der Einzige, dem ich trauen konnte. Und das Letzte, dass ich ihm zuteilwerden ließ, war mein Misstrauen.", wisperte sie an seine Brust und drängte den Rest zurück. Sie war es nicht, die einen Bruder verloren hatte.
      "Ich? Eine Anführerin?", brachte sie zweifelnd hervor und schüttelte den Kopf ohne dabei das Haupt zu heben. "Sicherlich. Faolans Männer würden sich zu Tode fürchten vor mir. Ich bin Heilerin, keine Strategin."
      Viola schloss die Augen und ließ die Gedanken eine Schritt zurückwandern. Vielleicht konnte sie kein Heer anführen, aber es gab etwas anderen, dass in ihrer Macht stand. Dafür würde Andvari aber auf ihre Fähigkeiten im Kampf gegen Faolan verzichten müssten. Und das Erste Schwert blieb nie zurück.
      "Ich kann Beleriand beschützen.", sagte sie nach einer Weile der Stille. "Vorausgesetzt ich schaffe es den Schild auszuweiten."
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    • Andvaris Gesicht blieb ihr größtenteils verborgen, zeigte es doch nur Schmerz und Verzweiflung. Und die Wut eines Kriegers, der seinen Krieg nicht mehr führen konnte, ohne Opfer in Kauf zu nehmen. Wir sollte er seinen Brüdern beikommen, die ihn an Grausamkeit um so viel übertrafen?
      „Da hast du Recht“, murmelte er und eine überlegende Falte zeigte sich zwischen seinen Augenbrauen.
      Sachte legte er seine Hände um sie und sah ihr genüsslich lächelnd dabei zu wie sie den Wein ansetzte. Grinsend nahm er ihr die Flasche ab und setzte nun selbst zu einem guten Schluck an. Noch ehe die willkommene Süße seine Kehle hinab rann, sah er sie an und seufzte.
      Letztlich streichelte er über ihren Rücken und nickte.
      „Ich weiß…“, flüsterte er. „Und ich wünschte, ich könnte deinen Verlust erträglicher machen. Ich würde Vieles dafür geben, glaube mir. Aber ich bin mir sicher, dass dir Sylvar nicht übel gesonnen war. Er war nie ein Elf, der lange Jemandem böswillig sein konnte. Vermutlich hat er sich noch zuletzt darüber amüsiert, dass wir seinen brillanten Plan nicht durchschaut haben.“
      Eine Lüge. Andvari hatte den Schmerz in den Augen seines Bruders gesehen als sie aufeinander losgegangen waren. Und auch das Unvermögen, sich zur Wehr zu setzen. Eine bewusste, und bedachte Entscheidung, die Andvari nicht recht akzeptieren konnte. Warum hatte er sich nicht dagegen behauptet? Weshalb nur nicht…
      „Ich denke schon, dass gerade die Tatsache, dass du keine Kriegerin bist, aus dir eine grandiose Anführerin machen würde. Eine Heilerin vermag besser als jeder Krieger einzuschätzen welche Schäden an menschlichen Körpern gemacht werden können“, murmelte Andvari überlegend und grinste breit.
      Bei ihrem letzten Satz jedoch nickte er. Zu seinem eigenen Erstaunen wie er zugeben musste. Es gab eine inhärente Kraft von Dandelost, die er bisher außer Acht gelassen hatte. Ein Schwert, das schützte und nicht schadete.
      „Ich kann dir zeigen, wie…“, murmelte er und sah ins Feuer, die Augen gänzlich entrückt. „Aber es bedeutet ein gewaltiges Risiko und ich bin nicht sicher, ob du die ganze Stadt einhüllen könntest. Du müsstest bereit sein, weiter zu gehen als jede andere Heilerin…“

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    • Die bittere Wahrheit hinter der besänftigenden Lüge verdrängte Viola in die tiefen ihres Verstandes.
      Ein einziges Mal wollte sie die lieber die Lüge glauben, als mit der nagenden Schuld zu leben. Vielleicht hätte sie ihrem Freund und Mentor mehr Vertrauen entgegenbringen sollen. Bis zum Schluss hatte sich der Zweifel hartnäckig gehalten und schließlich war es zu spät gewesen.
      Die Beschreibung über die Berufung der Heilerin und deren durchaus unkonvetionelle Verwendung ließ Viola die Stirn runzeln. Sie war nicht Heilerin geworden, um dieses Wissen letztendlich dazu zuverwenden, anderen Lebewesen Schaden zuzufügen. Vielleicht verstand sie Andvari auch einfach nur falsch. Eigentlich war sie Heilerin geworden, weil sie keine anderen Weg hatte gehen können. Eine Waise ohne jegliche entfernte Verwandte und auf das Wohlwollen fremder Menschen angewiesen. Aber die Tätigkeit erfüllte sie mit Stolz.
      "Ich bin nicht für den Krieg gemacht, Andvari.", schüttelte sie bestimmt den Kopf. "Aber ich bin es leid, mich hinter dir oder den anderen zu verstecken."
      Sachte drückten sich ihre Handflächen gegen seine Brust, als sich Viola leicht aufrichtete damit sie ihrem Gefährten ins Gesicht sehen konnte. Entschlossenheit grub sich in Form tiefer Linien in ihre Stirn. Ein ernster Ausdruck, der nicht oft in den gutmütigen Augen zu sehen war. Der schwere Wein hatte einen zarten Rotschimmer auf ihre Wangen gezaubert, die grünen Augen mit einem dezenten Schleier überzogen. Die Stimme ware dennoch fest und der Wein veriet sich nur durch den süßlichen Geruch ihr Atems.
      "Dann zeig es mir. Alle gehen Risiken ein, um diesen Kampf gewinnen zu können. Prinz Lucien gefährdet seine Stellung als Thronfolger, Meliorn und Lhoris riskieren ihr Leben. Tilda würde lieber sterben, als Beleriand jemals zu verlassen."
      Und Sylvar hatte bereits sein Leben gelassen.
      "Warum also sollte ich nicht alles tun, was in meiner Macht steht, um die zu beschützen, die ich liebe.", flüsterte sie und schob eine Hand seitlich seinen Hals hinauf, die Fingerspitzen knapp und mit sanften Druck unter dem markanten Schwung seines Kieferkochens.
      "Beinahe hätte ich einer Göttin die Stirn geboten, wäre Sylvar nicht gewesen. Damals, im Tempel. Ich werde so weit gehen, wie ich muss."
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    • Andvari

      Seine Hand fuhr sachte ihren Haarschopf entlang und mehr und mehr bemerkte er, welch Ruhe und meditative Art diese Bewegung in ihm auslöste. Die Strähnen ihrer seidigen Haare zu spüren, die Wärme ihres Kopfes und Nackens und letztlich auch die Berührungen ihrerseits an seinem Körper spürbar werden zu lassen.
      Es erschien Andvari so falsch, diese Berührungen zu genießen und sie gern zu haben, wenn gerade Jemand sein Leben lassen musste und sie dem dräuenden Tod ins Auge sahen. Und doch erschien es dem Weißhaarigen so merkwürdig. Vor einigen Monaten noch stand er an Stelle von Faolan und blickte auf eine Menschenstadt hinab.
      Und heute schützte er eine Siedlung vor dem drohenden Tod.
      Ein merkwürdiger Wink des Schicksals.
      „Es geht nicht um das weit gehen“, murmelte er. „Ich bin nicht ein halb so guter Lehrer wie ich denke, aber um eine Magie zu verstärken bedarf es nicht immer großer Risiken. Und manchmal brauch es auch nicht die Welt um eine Technik zu entwickeln. Und ein Schild bleibt ein Schild, auch wenn ich es mit mehr Aura versehe. Was man aber tun kann, ist dein eigenes Reservoir an magischer Kraft zu stärken.
      Und dafür gibt es eine Methode…“
      Anschließend nickte er grinsend.
      „Morgen, wenn wir geruht haben, sollten wir versuchen, dir zu helfen“, sagte er während bereits die Worte in seinem Mund keinen Sinn mehr ergaben.
      Er nahm einen weiteren Schluck des Weins und hielt ihr die Flasche hin.
      „Auf das Leben.“

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    • "Das Leben...", antwortete die Heilerin.
      Ein weiteres Mal, Viola hatte bereits aufgehört zu zählen, nahm sie die angebotene Flasche an sich und ließ den süßlich Wein die Kehle herunterlaufen bis sich scheinbar glühende Kohlen in ihrem Körper ausbreiteten. Gewöhnlicherweise wäre das Verlangen nach einer Erklärung viel zu groß gewesen, doch der Kopf fühlte sich angenehm schwer und leicht zugleich an. Etwas im Hinterkopf sagte ihr, dass ein lehrreiches und strategisches Gespräch besser am nächsten Morgen geführt werden sollte. Mit einm dezenten Klirren stellte Viola die beinahe leere Flasche neben dem Sessel ab, wobei sie sich wackelig über die Armlehne beugte. Tildas unerhört, süßliches Gerbäu verfehlte seine gehoffte Wirkung jedenfalls nicht. Etwas umständlich rutschte Viola auf dem Sessel zurück und benötigte eine beschämend lange Zeit die Füße zielsicher und vor allem stabil auf dem alten Holzboden zu platzieren. Eingehüllt in die einladende Decke und Andvaris ganz eigener Wärme, war ihr der Wein schneller zu Kopf gestiegen als gedacht. Die löchrige Wolldecke drohte ihr zum Verhängnis werden, da diese mit ihr zusammen vom Sessel gerutscht war. Mit einem irritierten Blick sah sie auf ihre verhedderten Füße und trat den Stoff mit einem wenig damenhaften Schnauben zur Seite.
      Auffordernd hielt sie Andvari die Hände entgegen und führte den Elf schließlich fort vom Feuer in das kleine Zimmer, dass augenblicklich ihr Zuhause war. Bestimmt und mit etwas mehr Schwung als erwartet, schloss sie die Tür hinter sich, als könnte sie so die unvermeidliche Schlacht aussperren. Was sie jedoch am Boden der leeren Weinflasche zurückließ, waren die Gedanken an Dorynn und Vaeril. Die Vernunft gebot ihr, dass es keine sinnvolle Methode war seine Ängste in reichlich schwerem Wein zu ertränken, aber für heute machte die gewissenhafte Heilerin eine Ausnahme.
      Viola küsste Andvari bevor der Geist überhaupt den Bewegungen des Körper nachkam. Die Zeit floss zäh wie Honig und für ein paar Stunden bis zum Morgengrauen gab es nichts anderes, als sie beide in diesem Zimmer.

      Über die armseligen und brüchigen Holzpalisaden, die der Stadt als einiger Schutzwall dienten, blickten neugierge Augenpaare hinaus auf die von Frost bedeckte Wiese. Schaulustige hatten sich in den frühen Morgenstunden versammelt und beobachteten zwei Gestalten, die sich mit bedächtigen Schritten umkreisten. Das metallische Klirren von Schwertklingen hatte die Menschen angelockt, denn Viola hatte trotz pochender Kopfschmerzen darauf bestanden bereits am Morgen wieder mit dem Unterricht zu beginnen. Frische Luft schadete nicht und würde dir Nachwehen des Weines sicherlich schnell vertreiben. Eine Entscheidung, die sie wenige Minuten später bereut hatte, als das strahlende Licht der morgendlichen Wintersonne in ihre müden Augen fiel.
      Für den Ernstfall musste auch die Heilerin noch an ihren Kampfkünsten feilen, obwohl sie auch dann keine wirkliche Gefahr für einen Gegener darstellte. Dieses Defizit an Kraft glich Dandelost durch seinen Schild aus, der die Angriffe ihres Gefährten mit einem Rückstoß zurückwarf. Zwischen die Augenbrauen der jungen Frau hatten sich angestrengte Furchen gebildet. Abschätzend beobachtete sie, wohin Andvari als nächstes seinen Fuß setzte, um die nächste Handlung vorauszuahnen. Sie wusste, dass er nicht mit seiner gesamten Kraft angriff, etwas das sie dankbar schätzte aber auch ärgerlich fand. In der bevorstehenden Schlacht nahm auch niemand Rücksicht auf ihre Unerfahrenheit.
      "Hätte nicht gedacht, dass die Zwei schon auf den Beinen sind.", murmelte Albert.
      "Nicht nachdem eine Flasche meines gewürzten Apfelweins verschwunden war.", fügte Tilda amüsiert hinzu.
      Die tiefen Augenringe im Gesicht der Wirtin waren stumme Zeugen für eine sehr kurz Nacht. Jeder war auf seine Art vor den tragischen Ereignissen der Nacht geflogen. Der eine in Wein, der anderen in ein warmes Bett und Gesellschaft. Oder gleich beides.
      Viola schnalzte ungeduldig mit der Zunge und drehte Dandelost mit einer spielerischen Bewegung ihres Handgelenkes.
      Tatsache war, dass eine verkaterte Viola weniger Geduld besaß als üblich. Aber die Übungen halfen ihr den Kopf frei zu bekommen für die eigentliche Lektion. Dandelost summte leise in ihrer Hand, eine Eigenart, die lediglich Viola als sanfte Schwingungen unter ihren Fingern wahrnahm.
      Überall glitzerte der winterliche Frost auf Gräsern und Sträuchern. Ein schöner, eisiger Wintermorgen, der eigentlich zu anderen Aktivitäten einlud als sich mit erhobenen Schwerten gegenüber zu stehen.
      Die Heilerin hob das Elfenschwert vor sich und deutete mit der Spitze der Klinge auf Andvari. Mittlerweile sah das filigrane Schwert in ihren Händen tatsächlich spielend leicht aus. Da ihr Kleidung durch Matsch und Schlamm erstmal unbrauchbar waren, hatte sie sich eine Hose von Tilda geliehen und ebenfalls ein einfaches Hemd aus Wolle hineingesteckt in den Bund der Hose, das zwar dünn aussah aber durch das Material hervorragend wärmte. Fast zu warm für frühe Schwertübungen.
      "Du hälst dich zurück...", sagte sie und ruckte mit dem Kopf leicht zur Seite um eine der rötlichen Strähnen aus dem Gesicht zu verbannen, die sich aus dem Zopf an ihrem Hinterkopf gelöst hatten.
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    • Wenn die Wintersonne ihren Schatten warf, erschien Beleriand einem glitzernden Inferno mannigfaltiger Farben gleich. Auf den Hölzern der Häuser wie auf den Zäunen türmte sich gefrorener Raureif hinab und einige Glasscherben wiesen das zarte Glitzern von Eisfingern auf, die nach der Wärme griffen.
      Man hätte dies einen friedlichen Morgen heißen können, als die Nacht wieder erwachte und sich beinahe schlagfertig aus der Ruhe begab. Die ersten Schritte durch verschlammten Boden wurden getätigt, Vorräte wurden auf Karren eingebracht und zierten so manche Ecke. Ein kleiner Markt befand sich im Aufbau, obgleich Niemand wirklich dazu in der Lage war, einem Markte beizuwohnen. Und doch lag der wohlige GEruch eines Lagerfeuers in der Luft, als Andvari die kalte Luft des Morgens genoss.
      Er hatte seinen schweren Mantel abgelegt und trug, seinem Stande gemäß, ein schweres Lederwams mit abgeschnittenen Ärmeln, sodass seine blassen Arme gut zur Geltung kamen. Arme, die nicht zu einem agilen Schwertkämpfer passen wollten, besaßen sie hierfür zu viel an Masse.
      Die Haare hatte er sich im Nacken zusammen gebunden und mit wachsamem Blick betrachtete er seine liebste Gefährtin und wog Angrist in seiner Hand, dass sich merkwürdig fremd anfühlte. Ihre Rückwürfe waren interessant, aber letztlich gesehen zu schwach. Sie steckte genügend Magie hinein, jedoch war es ersichtlich, dass das Schwert eher für Elfen- denn für Menschenhände gemacht war.
      "Freilich", nickte er grinsend und schlug Angrist aus. "Deine Parade ist jedoch sehr gut. Aber du wirst verstehen, dass ich nicht einfach gegen die Person vorgehen kann, die ich liebe."
      Seufzend sah er sie an und schüttelte den Kopf.
      "Ich habe eine bessere Idee. Lhoris!"
      Aus einer Nische eines Hauses schälte sich der Schwertbruder des Prinzen und grinste breit. Es war absehbar, dass Andvari ihn gefunden hatte. Er fand ihn immer. Sachte trat er heran und nickte Viola zu.
      "Als mein Großvater dieses Schwert schmiedete, so tat er es mit gebrochenem Herzen und im Gedanken an den Schutz, den er anderen bieten wollte", begann Andvari. "Als er diese Vision mit sich trug, stellte er jedoch fest, dass das Schwert, das er ins Feuer legte, kein wirkliches Schwert war. Es war das Schild, das er sich erhofft hatte, jedoch in falscher Form."
      Er legte Angrist an einem Zaun ab und lehnte sich daran, während Lhoris sein eigenes Schwert zog und die Heilerin angrinste.
      "Lhoris wird dich mit voller Kraft angreifen. Führe das Schwert beim ersten Versuch wie ein Schwert, das du gewohnt bist. Beim zweiten jedoch: Führe es wie einen Schild und leg alle Aura für einen Moment in die Klinge hinein. Stell dir vor, sie sei dein Wächter!"
      Kaum hatte Andvari zu Ende gesprochen, nickte er seinem Freund und BRuder zu.
      Und Lhoris verschwendete keine Sekunde. Mit glühenden Augen sah der schwarzhaarige Kämpfer zu Viola und mit einem Mal erschien es, als flirrte die Luft im ihn herum. Der Matsch zu seinen Füßen erschien fester zu werden, ehe er vom schweren Stiefel zerteilt wurde und das Schwert in seiner Hand begann leicht zu glühen. Als zögen Lavaadern durch den Stahl, regte sich Dampf auf dem Eisen und Lhoris atmete aus.
      Erst dann begann er seinen Angriff.
      Mit drei schnellen Schritten überwand er die nicht unerhebliche Distanz zwischen ihnen beiden und schien beinahe erpicht darauf, sie wirklich zu töten.
      Der erste Hieb erfolgte als schneller, seitlicher Ausfall, der ihren Körper anvisierte.
      Der zweite, eigentlich schwere Hieb, würde von oben und direkt erfolgen. Mal sehen wie sich die Heilerin schlug.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Skeptisch schoss eine Augenbraue in die Höhe, als sich die vertraute Gestalt von Lhoris aus einem versteckten Winkel zwischen den Häusern löste. Die aus Holz und groben Stein gefertigten Bauten außerhalb der Holzpalisade wirkten eingefallen und vom andauernden Krieg gezeichnet. Die kunsfertigen Glasfenster waren zerbrochen und die Dächer mit zahlreichen Löchern gespickt. Vom ehemaligen Glanz der einstigen Handelsstadt war hier Nichts mehr übrig.
      Flüchtig glitt ihr Blick zu Andvari, der sich entspannt und offensichtlich in Plauderlaune an den alten Weidezaun lehnte. Ein sachtes Nicken ihrerseits zeigte, dass sie ihm zuhörte, obwohl die Augen bereits wachsam auf dem schwarzhaarigen Elf gerichtet waren. Etwas sagte ihr, dass Lhoris keine Rücksicht nehmen würde, im Gegensatz zu ihrem Gefährten. Bisher hatte sie nur wenige Worte mit Andvaris Schwertbruder wechseln können, denn die Ereignisse hatten ihr keine Möglichkeit geboten. Unsicher, wie Lhoris zu der ungewöhnlichen und durchaus gefährlichen Konstellation zwischen seinem zukünftigen König und der Menschenfrau stand, spiegelte sich trotz der freundlichen Worte am Feuer eine gewisse Vorsicht in den grünen Augen.
      Das breite Grinsen fegte allerdings einen beachtlichen Teil der Besorgnis fort, offensichtlich amüsierte sich der Elfenkrieger über die Aussicht ihren Fähigkeiten auf den Zahn zu fühlen. Andvari vertraute seinen Freund und Bruder. Viola atmete ruhig und tief ein, ehe sie sicheren Stand auf dem frostigen Boden suchte und fixierte ihren neuen Übungspartner aufmerksam.
      Mit geweiteten Augen betrachtete die Heilerin das fasziniernde Spiel von Lhoris' eigener Magie. Gegenüber Feuermagie besaß Viola den benötigten Respekt. Das hitzige Element konnte sowohl lebenswichtige Wärme als auch eine vernichtende Feuerstbrunst sein.
      Und der schwarzhaarige Krieger war schnell, beeindruckend schnell.
      Die glühende Klinge prallte mit voller Wucht auf die gläsern erscheinande Schneide von Dandelost. Das Geräusch von Stahl auf Stahl erfüllte die flirrende Luft und Viola spürte die enorme Hitze selbst durch die Schichten der Kleidung. Mit beiden Händen hielt sie Dandelost fest umschlossen um den Hieb seitlich zu parieren. Lhoris' Schwert stoppte lediglich eine Haaresbreite vor dem zierlichen Körper der Heilerin und Hitze fraß sich durch die grobe Wolle. Der Bruchteil einer Sekunde verstrich ehe Dandelost einen kraftvollen Puls, der das gläserne Metall flüchtig aufleuchten ließ, erzeugte, gespeist durch die Wucht des Angriffes. Mit Hilfe der Magie, die dem Schwert innewohnte, warf Viola den Hieb zurück. Die Heftigkeit der Attacke des Schwertkämpfers ließ sie dennoch kurz straucheln.
      Bevor sich die junge Frau von dem ersten Angriff sammeln konnte, ging ein weiterer Hieb auf sie nieder.
      Erschrocken über die ungewohnte Geschwindigkeit riss Viola die Herzensschneide empor. Die Klinge befand sich in einer waagerechten Position, eine der Hände umschloss den verzierten Schwertgriff während sich ihre freie Handfläche gegen die flache Seite der Schneide presste. Der schwere Hieb verfehlte nicht und ließ ihre ungeübten Muskeln in den Armen erzittern. Glühend und klirrend stieß die dampfende Klinge von Lhoris auf Dandelost. Die Wucht war derart heftig, dass Viola auf dem gefrorenen Boden in die Knie ging während sie verbissen versuchte die glühende und heiße Schwertschneide von ihrem Gesicht fernzuhalten. Die Luft um sie herum war dermaßen aufgeheizt, dass sie bei jedem Atemzug in der Kehle brannte.
      Andvaris Anweisungen zu folgen und gleichzeitig zu verhindern, die Haut vom Gesicht gebrannt zu bekommen, erwies sich als recht schwierig. Vor Anstrengung erzitterten ihre Arme immer stärker und drohten unter der vollen Kraft des Kriegers nachzugeben. Der übliche abwehrende Magiepuls von Dandelost reichte dieses Mal nicht aus, um den Angriff abzuschmettern.
      Viola schloss beinahe ergeben die Augen und griff mit aller Macht nach jedem verbliebenen Funken Magie tief im Kern ihres Körpers.
      Als sie die Augen erneut aufschlug, war die grüne Iris mit goldenen Tupfen übersät.
      Über ihre Arme zogen sich glühende Linien aus Licht, die ihren Ursprung über ihrem Herzen hatten, lediglich zu sehen durch den offenen Kragen ihre Hemdes und auf den verkrampften Händen. Für wenige Sekunden flimmerte ein Schild aus reinem Licht zwischen Lhoris und Viola auf, dessen Zentrum an der Stelle lag, an der ihre Klingen gegeneinander drückten. Der Schild baute sich wie eine leuchtende Mauer zwischen ihnen auf...und hielt doch nur ein paar Sekunden. Sie hatte zu lange gezögert.
      Violas gequälte Arme gaben nach und die Heilerin schaffte es gerade noch sich zur Seite zu werfen, ehe die glühende Klinge dampfend an ihr vorbei durch die kalte Morgenluft glitt.
      Atemlos stemmte sie sich auf und klopfte sich unwirsch den Staub von der Hose und sah erst Andvari dann Lhoris an.
      "Nochmal", forderte sie und erhob Dandelost.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”