[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Die Elfen

      Sylvar brauchte eine Weile bis er sich erhoben und dem Tisch zugegangen zu sein. Andvari genoß die letzten Momente ihrer Zweisamkeit, in dem er seine Hand um ihre Nahe Hüfte schlang und sie an sich drückte. Es brauchte nicht lange, da stand das Essen einem Festmale gleich auf dem staubigen Tisch und grinsend blickten die Elfen auf es hinab.
      "Zugegeben", stimmte Andvari ihr zu.
      "Die Latte hängt tief", murmelte Sylvar, tat sich aber gierig von dem Essen auf, während Andvari Violas Teller füllte und ihr zuschob, ehe er selbst einen Teller für sich füllte. Das Fleisch dampfte herrlich und duftete beinahe neutral, da sie keine Gewürze hatten, aber zumindest füllte es die Mägen.
      Genüsslich aßen sie und stopften sich die Fleischstücke in den Mund als hatten sie niemals Essen gelernt. Zwischenzeitlich blickte der Erzmagier auf udn sah Andvari an.
      "Weißt du...", murmelte er zwischen zwei Bissen. "Viola sieht ihr wirklich ein wenig ähnlich..."
      Eine Bemerkung die normalerweise für genügend Zunder gesorgt hätte um ein Feuer zu entfachen. Doch dieses Mal aß Andvari einen Bissen und sah Viola kurz sanft an, ehe er Sylvar ansah.
      "Das mag sein", murmelte er. "Aber Viola ist Viola. Und Fea ist Fea. Was Vaeril behauptet hat, entspricht nicht einmal ansatzweise der Wahrheit."
      "Das habe ich auch nicht gesagt", murmelte Sylvar.
      "Lasst uns Vaerils Abscheulichkeiten für einen Moment vergessen", sagte Andvari lächelnd. "Beim nächsten Mal wird er seiner gerechten strafe zugeführt und damit wird das lästige Thema endlich sein Ende finden..."

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    • Mit einem belustigten Grinsen beobachtete Viola, wie die Elfen gierig Bissen um Bissen verschlangen.
      Der Anblick erweckte den Eindruck, als hätten die Männer seit Tagen keine vernünftige Mahlzeit mehr eingenommen. Aber auch Viola spürte den nagenden Hunger, was sicherlich nicht erstaunlich war. Der freimütige Einsatz großer Mengen von Magie hatte die Energiereserven ihres Körpers aufgezehrt. Schlaf allein würde keinen von ihnen auf den Beinen halten. Da Tischmanieren an Verschwendung grenzten, begann auch die Heilerin wenig damenhaft ihren Anteil des Kaninchenbratens zu essen. Obwohl das Fleisch durch den Mangel an Gewürzen und Kräuter eher fad schmeckte, grummelte ihr Magen dankbar über die feste Nahrung. Erst während des Essens wurde ihr bewusst, wie hungrig sie tatsächlich war.
      Bei der vorsichtigen Bemerkung des Magiers hielt sie mitten in der Bewegung inne, wobei sie gerade dabei gewesen war sich ein weiteres Fleischstück einzuverleiben. Ihre Hand sank zurück zum Teller, während ihr Blick auf Sylvar haftete. Der Erzmagier tat seine Meinung nicht grundlos kund und während die Heilerin den nächsten Bissen bedächtig und langsamer als zuvor kaute, wanderte ihr Blick zwischen den Brüder hin und her.
      Grob wischte sie sich eine Hand an ihrer Schürze ab und legte diese in einer beschwichtigenden Geste auf Andvaris Knie. Sie konnte nachvollziehen, warum ihn das Thema grämte.
      "Wir wissen jetzt wozu Vaeril ohne jegliche Skrupel bereit ist. Wer seine eigenen Gefolgsleute auf diese grausame Art opfert, verdient es nicht zu führen. Sternenlicht scheint seinen Schattenbestien großen Schaden zuzufügen." Viola erinnerte sich an die Worte des Magiers. "Das erklärt warum der Schild von Dandelost ihnen Probleme bereitet hat. Du hast gesagt, in der Klinge wurde Sternenlicht verarbeitet. Aber dieses Mal", sie kicherte sanft. "...stimmte ich Andvari zu. Ich hatte genug von Vaeril für einen Tag."
      Es war keine Beunruhigung in ihrem Blick, kein Unwohlsein in ihrer Haltung, als sie nachdenklich den Kopf schief legte und Sylvar mit fragenden Augen ansah. Seine Bemerkung über ihre Ähnlichkeit zu Fae ließ die Zahnräder in ihrem Kopf unaufhörlich rattern.
      "Woran denkst du?", fragte sie frei heraus.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Sylvar nickte kauend und wischte sich den Mund mit dem Ärmel seines MAntels ab.
      Der Wind war bereits halb vergessen und auch die eisige Nacht die noch immer über sie hereinbrach.
      "Das ist wahr", murmelte er. "Licht und Schatten sind konträre Elemente, wie du weißt. Was dem Schatten dient, schadet dem Licht und umgekehrt. DAs Problem bei Sternenlicht jedoch ist, dass es schwer kontrollierbar ist. Dandelion war ein Meister, wenn er es schmieden konnte."
      Andvari nickte bereitwillig. NAch ihrer Frage blickte er Sylvar ebenfalls an, wartend auf die Zahnräder, die der alte MAnn in bewegung setzte.
      "Ich denke nichts", sagte er grinsend."Ich sage nur, dass sie Fea sehr ähnlich ist. Feanore hatte ebenfalls flammendrotes Haar, beispielsweise. Es war ungewöhnlich für Elfen und sie wurde ähnlich verstoßen wie Andvari mit seinen weißen Haaren. Vermutlich passten Sie deshalb gut zusammen..."
      "Das Mädchen, das mit Steinen sprach...", murmelte er vor sich hin und lächelte schwach. "So nannte ich sie. Sie sprach mit der Natur, mit den Steinen, den Böumen und Sträuchern. Sie liebte die Natur und alles was darin wuchs. Auch wenn sie nicht so bewandert war wie du, hatte sie eine eigenartige Art an sich. Und sie nannte mich den Jungen, der die Schatten sammelt..."
      Sylvar nickte.
      "Weil ich immer im Schatten vesteckte. Ich wollte nicht, dass Jemand sah, wie ich meine Kräfte nutzte. Also gab sie mir einen ähnlichen Spitznamen, weil es sie es glaube ich lustig fand. Aber damit war auch alles gesagt. Mehr Ähnlichkeit gibt es Gott sei Dank nicht", sagte Andvari und schob den TEller von sich. Er hatte kaum etwas übrig gelassen, doch wollte sich nicht voll essen. Einer musste Wache halten.
      "Naja...außer der Sturheit, der Willenskraft und der Wut, wenn du Mist baust", kicherte Sylvar.

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    • Über die Schlussworte des Erzmagiers musste Viola schmunzeln.
      Offensichtlich hatte das Mädchen mit dem Flammenhaar, die den Worten des Elfen nach mit Natur um sie herum tief verbunden gewesen war, ein ähnliches Temperament besessen. Fae schien kein einfach Leben geführt zu haben, bis sie Andvari traf. Die Geschichte rührte Viola und weckte gleichzeitig eine unterschwellige Wut über seine Welt, die keinen von ihnen je erlaubt hatte in Frieden zu leben. Oder zu lieben. Das Mädchen, das mit Steinen sprach und der Junge, der die Schatten sammelte.
      Vor einer Weile noch hatte der Gedanke an Fae etwas Einschüchterndes. Das Gefühl in die sprichwörtlich großen Fußstapfen zu treten, hatte wie ein Schatten über ihr geschwebt. Alles was jetzt blieb, war ein ehrliches Lächeln und ein verständnisvolles Funkeln in ihren grünen Augen.
      "Klingt nach einer beindruckenden Frau...", erwiderte sie mit schlichten Worten aber deshalb nicht weniger ernst gemeint. "Das Mädchen, das mit Steinen sprach und der Junge, der die Schatten sammelte. Das hätte meiner Mutter gefallen."
      Die resolute Frau mit den widerspenstigen braunen Locken, die rote Mähne stammte aus der Linie der de Clairmonts, hätte ihre helle Freude daran gehabt die beiden Brüder der Nase lang in Verlegenheit zu bringen. Sie war eine gute Frau gewesen und hatte nicht mit dem Finger auf andere gezeigt. Vieles hätte vielleicht anders sein können.
      Viola aß die letzten Bissen von ihrem Teller und schob diesen ebenfalls ein wenig von sich, um die Ellbogen auf dem Tisch abzustützen.
      Kurz blickte sie hinauf in das löchrige Dach und hoffte dass ihnen zumindest ein ungemütlicher Schneeregen erspart blieb. Die Ruine, die einst ein gemütliches Bauernhaus gewesen war, war wirklich nicht mehr zu retten. In diesen vier Wänden würde nie wieder jemand leben. Das Dorf würde ein Mahnmal werden. Eines von vielen im Niemandsland.
      Die junge Frau ging zu dem Eimer mit eiskalten Wasser aus dem Bach und wusch sich die Hände, die sie fahrig an ihrer Schürze trocknete.
      "Wir sollten uns als Nachtlager eine Stelle mit möglichst wenig Löchern im Dach aussuchen.", lachte sie verhalten und ärgerte sich ein wenig darüber, dass ihr kein anderer, nützlicher Ort eingefallen war. Der Wind pfiff durch das Gebälk, nahm aber ab je weiter die Nacht fortschritt. Wenn sie Glück hatten, würde sie ein sonniger Morgen erwarten.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
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    • Die Elfen

      Andvari musste grinsen, als sie ihre Erwiderung preisgab. Zunächst hatte er ein schlechtes Gewissen, dass über Feanore erzählt wurde. Sie war die erste Liebe seines Lebens und leider auch der Grund, weshalb er sehr lange nicht mehr wirklich mit den anderen Völkern etwas zu tun haben wollte.
      "Sie war beeindruckend", murmelte er versonnen, sah sie aber mit klarem Blick an. "Aber du bist es genauso. Manchmal glaubt man, dass man sich mit anderen vergleichen muss. Doch bitte tu das nicht. Ihr zwei seit euch ähnlich, aber nicht in allem. Und das ist gut so!"
      Für einen Moment hielt er inne um sie anzusehen, als sie von ihrer Mutter sprach. Wenn er ehrlich war, hatte er sie noch nie nach ihrer Familie recht befragt. Immerhin machten die Klamotten die sie gefunden hatten, den Eindruck, als waren sie einst Edelleute. Und nachdem was sie erzählt hatte, bewahrheitete sie sich.
      Doch dies war ein Gespräch für später. Wenn er in ihr GEsicht sah, zeichnete sich dort die ersten Spuren der Erschöpfung eines langen Tages ab und bei ihm machte sich die Schwere der Schwäche breit. Er würde noch mindestens eine NAcht ruhen müssen.
      "Das ist wahr"; murmelte Andvari und sah sich bereits im hitneren Teil des Wohnraumes um.
      Dort war zumindest kein Guckloch für den Regen.
      "MAcht es euch bequem", muremlte Sylvar und wies auf den hinteren Teil. "Ich halte die erste Wache."
      "Gut", nickte Andvari. "Ich werde dich in sechs Stunden ablösen, wenn der Mond hoch steht."
      "Ja, ja...Schlaft. Ihr braucht die Ruhe mehr als ich. Lös mich ab, wenn du wach bist:"

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    • Die versonnene Miene Andvaris war ihr bei Weitem lieber, als die schwermütige Traurigkeit die den Elf ergriffen hatte, als sie das erste Mal in einem zerbrechlichen Augenblick nach der verstorbenen Liebsten gefragt hatte. Viola hatte damals nur geahnt, was hinter dem ihr fremden Namen verborgen lag.
      Während sie notdürftig ein paar der mottenzerfressenen Decken auf dem in einer trockenen und weniger zugigen Ecke auf dem Boden ausbreitete, warf sie einen Blick über die Schulter zurück. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen und sie schüttelte sachte den Kopf.
      "Um bei der Wahrheit zu bleiben", setzte Viola an und strich unnötigerweise die Falten aus den Decken, die ihre besten Tage bereits hinter sich hatten. "Zu Beginn hat mich der Gedanke eingeschüchtert, dass es vor mir jemanden gab. Da war die Geschichte dieser wundervollen Frau und mir wurde in dem Augenblick klar, dass ich so gut wie nichts von dir wusste. Aber ich habe dir im Nachhinein nie unterstellt, jemand anderen in mir zu sehen. Feanore kann ich nicht ersetzen. Und ich will es auch nicht. Vaeril liegt falsch mit seiner Behauptung, ich glaube nicht eine Silbe die er von sich gibt. Ich bin ich. Und mehr muss ich nicht sein."
      Viola blickte in sein von Erschöpfung gezeichnetes Gesicht und nickte dankbar zu Sylvar, der die erste Wache übernehmen würde.
      Die Decken am Boden würden die Kälte aus dem Boden kaum dämpfen können, aber es war besser als nichts. Die gefütterten Wintermäntel mit dem wärmenden Pelzen würden sie schon vor den kalten Temperaturen schützen.
      Der Rotschopf verschräntke die Arme vor der Brust und blickte kurz von einem Elf zum anderen.
      "Theoretisch könnte ich auch eine Wache übernehmen.", bot sie an. "Meine Augen und Ohren sind vielleicht nicht so scharf wie eure, aber es reicht um Bewegungen im Dunkeln zu erkennen. Falls ihr Zwei mir das zutraut."
      Viola wollte helfen. In den vergangenen Tagen hatte sie sich immer auf Andvari oder Sylvar gestützt. Der Kampf in Telerin hatte ihr gezeigt, dass sie über sich hinaus wachsen konnte. Die Elfen mochten sie als zerbrechlich betrachten, aber sie hatte eindeutig bewiesen, dass sie viel zäher war, als ihr selbst bewusst gewesen war. Sie hatte auf Kriegsschauplätzen gedient, sie war keine feine Hofdame.
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    • Die Elfen

      Andvari nickte ihr zu und lächelte.
      "Du musst nicht mehr sein. Du zu sein reicht völlig", sagte er und begab sich anschließend in die Schlafecke, sozusagen, um ihr dabei zuzusehen wie sie unnötigerweise Falten aus der Decke schlug, die keine mehr werfen konnte. Offenbar ging das alles doch nicht ganz spurlos an ihr vorbei aber er war dankbar, dass sie einmal darüber sprachen. Er hatte lange nicht mehr über Feanore nachgedacht und ein kurzes Gespräch darüber erschien ihm mehr als angebracht.
      Schweigsam ließ sich der Elf auf die Knie nieder, um eine der Decken in Beschlag zu nehmen. Der Boden war rau und kalt, aber die Jacke tat ihr übrigstes. Während er sich auf den Rücken legte und ide morsche Decke ansah, schien Viola noch nicht ganz zur Ruhe eingestellt.
      "Wissen wir, meine Liebe", sagte Sylvar und lächelte sie an. "Du kannst die letzte Wache haben. Die wird in den frühen Morgenstunden fällig. Du musst von uns allem am meisten ruhen udn tätest gut daran. Was sollen wir sonst ohne unserer Heilerin machen?"
      Andvari schmunzelte leicht und nickte.
      "Die letzte Wache ist gut", murmelte er. "Und jetzt komm und leg dich hin du Sturschädel! Es ist spät und wir müssen morgen weiterreisen. Es bringt nichts, müde zu sein. Und keiner kann dich tragen."
      glatt gelogen. Er würde sie überall hin tragen. Aber das musste sie nicht wissen.

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    • "Sturschädel? Das sagt der Richtige.", bemerkte Viola mit spielerischem Protest, gab sich aber letzten Endes geschlagen.
      Die Müdigkeit fraß sich tief in ihre Knochen. Und ein Wachdienst, auf dem sie nach Sekunden einschlief, half nun wirklich niemandem. Kopfschüttelnd über ihre seltsame, kleine Reisegemeinschaft drehte die junge Frau auf dem Absatz um und überließ Sylvar die erste Nachtwache. Ein verräterisches Gähnen bahnte sich den Weg über ihre Lippen, während sie sich neben Andvari auf dem spärlichen Lager niederließ und bereits die schmerzenden Gelenke spüren konnte, mit denen sie am Morgen erwachen würde. Dabei gab es wesentlich schlechtere Orte um zu nächtigen. Wenigstens war der hintere Teil des alten Bauernhauses trocken.
      Die anhaltende Kälte ließ Viola unwillkürlich zittern. Die Verlockung sich an die Seite ihres Gefährten zu schmiegen und etwas von seiner Körperwärme zu stehlen, war eine zu schöne Vorstellung. Kurz hauchte sie warmen Atem gegen ihre eiskalten Finger, das Wasser aus dem Bach hatte die Haut sichtlich abgekühlt.
      Viola suchte augenblicklich die Nähe des wärmenden Körpers und vergrub die kalte Nase zwischen Hals und Schulter des Elfen, wo sie unter der Winterkleidung und dem herrlich weichen Fellen einen winzigen Streifen Haus erreichen konnte. Selbst wenn sie gewollte hätte, die lockende Wärme war zu wunderbar. Ein Arm legte sich quer über seinen Oberkörper, ehe die Hand unter seinem Wintermantel verschwand um sie zwischen Innenfutter und Rippen zu wärmen.
      "Wehe niemand weckt mich...", grummelte sie an seinem Hals und sobald sie lag, die Augen halb geschlossen, spürte sie die schwere des Schlafes nach ihr greifen. Viola bezweifelte einen friedlichen Schlaf zu bekommen, nicht in diesem Haus, aber ein paar wenige Stunden halfen hoffentlich gegen ihre Erschöpfung. Aus dem Augenwinkel sah sie das Flackern des notdürftigen Feuers, das Kraut hielt die Flamme groß und die Wärme bereitete sich ein wenig weiter im Raum aus. Viola konnte es ganz sachte auf ihrem Gesicht spüren.
      Das Knistern und das sanfte Rauschen des Windes lullten die Heilerin langsam in den Schlaf, den ihr Körper zu dringend brauchte um seine Reserven neu aufzufüllen.

      Am nächsten Morgen, kurz vor Sonnenaufgang...

      Die Felder vor den brüchigen Fenstern verhüllt von einem schweren, grauen Nebel, blickte Viola durch das verstaubte Glas hinaus auf die Äcker. Eine kleine Gruppe Feldhasen eilte über die wilden, wuchernden Pflanze. Die Ohren gespitzt, als würden sie nach dem fremden Jäger vom Abend zu vor Ausschau halten. An diesem Morgen erwartete sie jedoch keine Gefahr.
      Die Heilerin warf einen kurzen Blick zurück in den hinteren Teil ihres alten Heimes und beobachtete Andvari und Sylvar, die unter den dicken Umhängen beinahe verschwanden. Nur der weiße und blonde Haarschopf lugten hervor. Andvari hatte tatsächlich nicht vergessen sie zu wecken und so saß sie nun auf der breiten Fensterbank, die ihre Mutter so geliebt hatte und auf der sie immer Geschichten vorgelesen hatte, und sah dem Tag beim Aufwachen zu.
      Sie fühlte sich in der Tat erholt und spürte die verloren geglaubte Magie unter ihrer Haut pulsieren. Auch wenn der Schlaf von unruhiger Natur gewesen war. Sie war sich sicher, dass den Namen ihres Bruders im Schlaf geflüstert hatte. Zumindest erinnerte sie sich wage daran von dem Jungen mit den Sommersprossen geträumt zu haben. Selbst in ihrem Gesicht zeichnete sich das Gleichgewicht ab, das nun wieder in ihr herrschte. Die Blässe war nicht länger ungesund, es lag sogar ein zarter Rosaschimmer auf ihren Wangen. Viola fühlte sich lebendig. Lächelnd zog sie die Knie an den Körper lehnte die Stirn an das kühle Fensterglas.
      Wenn sie genau hinsah, konnte sie sich leicht vorstellen, wie ihr Vater über den kaputten Zaun kletterte und mit einer im Sonnenlicht blitzenden Sense zur alttäglichen Arbeit auf das Feld ging. Neben ihm Val, der um seine Beine herumsprang.
      Die ersten Sonnenstrahlen berührten ihr Gesicht und ließen die frostigen Eiskristalle auf Blättern und Gräsern wie Diamanten funkeln.
      “We all change, when you think about it.
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    • Beiernd wie der kalte Morgen erwachte Andvari als erster aus dem rettenden Schlaf. Ihm war ein Lächeln nicht zu entrücken gewesen, als er zur Wache geweckt wurde und bemerkte, dass Viola wie ein Gürteltier an ihn gerobbt schlief. Es war herrlich mit anzusehen und er hätte vermutlich stunden auf ihr friedliches Gesicht starren können.
      Doch das jetzige Erwachen war kalt und umbarmherzig. Und begleitet von dem brachialen Schnarchen eines Möchtegernedelmannes zu seiner Seite. Er hatte das immer noch nicht behoben. Eine Schande.
      Schweigsam schlug er die Fellmäntel zurück und erhob sich in die Kälte des Morgens. Die Kühle wärmte ihn von innen und machte das Wachwerden leichter, während er sich streckte und reckte und ein leises Ächzen von sich gab, als sich seine Wirbelsäule von oben bis unten ieder einrenkte.
      Als er sich umschaute, fand er Viola auf der Fensterbank sitzend und wollte das Bild nicht stören. Es war perfekt, in seinem eigenen Muster. Als würde sie genau dort sitzen müssen, damit die Perfektion griff.
      Langsam wanderte er beinahe lautlos zu ihr und berührte sie leicht an der Schulter. er wartete nicht einmal auf eine Begrüßung, sondern drehte ihr Kinn leicht mit seinen Fingern ein und küsste sie. Wenn auch nur kurz, aber nicht weniger leidenschaftlich als in ihrer zweisamen Zeit.
      "Guten Morgen", murmelte er. "Wie war deine erste Wache?"
      Ein leichts Grinsen umspielte sein Gesicht als er sich ebenfalls auf der Fensterbank niederließ, aber in das Innere des Raumes sah, wo sich Sylvar nochmals umdrehte.
      "Hast du schlafen können?"

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    • Mit einem Lächeln beobachtete Viola das hübsche Lichtspiel in den winzigen Eiskristallen, deren Facetten in den wunderschönsten Farben des Spektrum schimmerten. Der friedliche Morgen wurde nur von einem ohrenbetäubenden Schnarchen unterbrochen, wobei die Heilerin das Gesicht verzog. Ein wenig lauter und selbst die Hasen auf dem Feld würden vor dem Lärm Reißaus nehmen. Jedenfalls hatte Sylvars geräuschvolle Untermalung dafür gesorgt, dass sie seit ihrem Erwachen gar nicht erst in Versuchung gekommen war, auf ihrer Wache wieder einzuschlafen. Trotz des unruhigen Schlafes hatte sie kaum mitbekommen, wie Andvari seinen Teil der Nachtwache angetreten war. Nur das plötzliche Fehlen der herrlichen Wärmequelle hatte ihr einen mürrischen, verschlafenen Laut entlockt.
      Die federleichten Schritte auf den alten Holzdielen waren kaum zu hören. Viola musste schon angestrengt die Ohren spitzen, um den Zeitpunkt auszumachen, an dem der weißhaarige Elf beschlossen hatte den Weg in ihre Richtung einzuschlagen. Sie hatte mittlerweile ein besonderes Gespür für ihre Begleiter entwickelt, was vielleicht auch dadruch gefördert wurde, dass sie unebwusst angefangen hatte nach den Auren magischer Natur ihre Sinne auszustrecken. Es funktionierte noch nicht sehr zuverlässig, aber Übung machte bekanntlich den Meister.
      Eine leichte Berühung ihrer Schulter ließ sie den Kopf etwas drehen und den Blick von der frostigen Landschaft nehmen. Viola öffnete den Mund zu einer morgendlichen Begrüßung, bekam jedoch keine Chance auch nur eine Silbe auszusprechen. Andvari küsste sie und die junge Frau vergaß den erwachenden Morgen bis nichts mehr von Bedeutung war außer der Finger an ihrem Kinn und den anderen Lippen auf ihren.
      Viola schlug die verträumt wirkenden Augen auf und benötigte einen Augenblick zu lang, bis die Worte des Elfen in ihrem Kopf einen Sinn ergaben.
      "Morgen...", murmelte sie verlegen zurück. "Ruhig. Bis auf das schnarchende Ungetüm dort hinten. Jeder mit funktionierenden Ohren könnte meinen, einen Bär bei seinem Winterschlaf zu stören..."
      Mit einem knappen Kopfnicken deutete sie zu Sylvar.
      Die Heilerin betrachtete Andvari von der Seite und zuckte schließlich mit den Schultern.
      "Ja. Auch wenn es seltsam ist wieder unter diesem Dach zu schlafen. Oder zumindest unter dem, was davon übrig ist. Ich glaube, ich habe von Val geträumt. Aber ich erinnere mich nicht an Vieles.", gestand sie und lehnte sich gegen den mit Lehm verputzten Fensterrahmen zurück. Ein Grinsen trat auf ihre Lippen, sie wollte nicht bereits am Morgen wieder schwere Gedanken wälzen.
      "Ich hätte sicherlich besser geschlafen, wenn ich die halbe Nacht nicht allein unter den Pelzen hätte frieren müssen.", sagte Viola. Eine glatte Lüge, die Pelze hatten sie warm gehalten, aber ohne ihren Gefährten war es nicht dasselbe.
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    • Der weißhaarige elf leckte sich beinahe spielerisch über die Lippen, die nach heißem Honigwein und der Kälte des Winters schmeckten. Nicht, dass sie welchen getrunken hätte, aber jeder Kuss schmeckte süß, wenn er nicht oft gegeben wurde. Er ließ von ihr ab und blickte nun mit ihr aus dem Fenster hinaus, ehe er lachen musste.
      "Ja, Sylvar schnarcht bereits die Flora und Fauna seit einigen Jahrzehnten wach. Er hatte immer wieder etwas daran tun wollen, aber wsas soll ich sagen. Die fähigsten Heiler und Forscher sind ein Witz gegen seinen Sturkopf", grinste er und fuhr sich kurz über das stoppelige Kinn. Er fragte isch, ob es Elfen mit Bärten gab.
      Mit einer kzrzen Drehung warf er die Haare zurück und sah hinaus, während die Eiskristalle sich langsam von den Bäumen lösten und als Tropfen in den Schnee sanken.
      "Ja, ich weiß", murmelte er. "Mir war auch ab einer gewissen Zeit serh kalt..."
      Er hoffte, dass sie verstand, worauf er hinaus wollte und seufzte tief.
      "Ich freue mich, wenn ich dir ein Haus bauen kann, indem du glücklich werden kannst. In dem wir glücklich werden können und nicht mehr jeden Morgen von einem feixenden und schnarchenden Ungetüm geweckt werden. Ich kann es kaum erwarten, die Stunden des morgens voll auszukosten."
      Er erhob sich und berührte sie sacht an der Schulter.
      "Es tut mir Leid, dass es deine Wunden aufgerissen hat, wieder hierher zu kommen", flüsterte er und küsste ihren Scheitel. "Ich werde kurz zum Bach gehen und mich waschen. ICh fühle mich beschnarcht..."
      Grinsend tippte er zart in ihren Nacken und begab sich nach draußen in die Eiseskälte. Ohne Mantel würde er nicht allzu lange aushalten, aber für den Kurzen Weg reichte es alle Mal. Während er so durch den Schnee stapfte und den erwachenden Tag beobachtete, fragte er sich, wie weit sich dieses Niemandsland erstreckte. Es mussten Kilometer sein. Wenn nicht mehr.
      Als er den Fluss erreichte, kniete er nieder und schöpfte die erste Handvoll eiskaltes Wasser, dass ihn beinahe schreien ließ. Keuchend sah er in sein Spiegelbild und musste grinsen. Der begossene Pudel von Tirion. Eine Freude.

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    • Ein wissendes Leuchten erstrahlte in Violas Augen, erhellt von den kühlen Strahlen der Morgensonne.
      "Ich freue mich darauf...", sprach sie sanft.
      Mit einem Schmunzeln auf den Lippen blickte sie aus dem Augenwinkel zu Andvari. Ein verlockender Gedanke in einer ungewissen Zukunft wieder in einem eigenen Bett aufzuwachen. Vielleicht sogar an einem eiskalten Wintermorgen wie heute, vergraben in Fellen und an einen wärmenden Leib geschmiegt. Der Ausdruck in ihrem Blick glich einen offenen Buch, dessen Geheimnisse sie nur allzu gern mit Andvari teilte.
      Der trügerische Frieden der frühen Morgenstunden, und gefährlich war die Ruhe im besetzten Niemandsland immer, konnte den glücklichen Gedanken in ihrem Augen nicht trüben. Viola genoss die zerbrechlichen Augenblicke zwischen ihnen. Kleinigkeiten, wie das gemeinsame Verweilen auf einer alten, morschen Fensterbank. Die flüchtigen, aber bedeutungsvollen Berührungen des Elfen, die ihren ganzes Dasein in eine wohlige Wärme tauchten. Die Augenlider flatterten sanft, als Andvari ihren Scheiter mit einem Kuss bedachte und sie kurz den vertrauten Duft seiner Haut einatmete.
      "Es ist nicht dein Schuld.", flüsterte sie leise. "Ich habe diesen Ort gewählt. Vielleicht war es längst überfällig, dass ich wenigstens einmal hier zurückkehre. Um Lebewohl zu sagen. Ich trage meine Familie im Herzen so lange ich atmete, aber es wird Zeit. Das Gefühl dürfte dir nicht fremd sein."
      Viola hatte bereits am See Abschied von ihrer Familie genommen und ihnen die letzte Ehre erwiesen. Dieses Ort jedoch ein letztes Mal zu bereten und danach endgültig zu verlassen, hatte etwas Entgültiges an sich.
      "Geh nur. Ich passe auf unseren schlummernden Meister Petz auf." Bedächtig nickte sie und grinste schief, als sie einen erneuten Blick zu Sylvar warf, der gerade in diesem Augenblick erneut ein grunzendes Schnarchgeräusch von sich gab.
      Verträumt, wie das junge Mädchen das sie eigentlich war, blickte sie Andvari nach und schüttelte über sich selbst den Kopf.
      Sie würde noch eine Weile warten, um Sylvar zu wecken. Vielleicht bot sich die seltene Gelegenheit ein paar stille Augenblicke mit Andvari zu stehlen, bevor sie ihren Weg fortsetzen müssten.
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    • Die Elfen

      Wähernd Andvari dem Wasser zusah, wie es von seinen Haaren hinabtropfte, blickte er den Fluss hinauf und hinab. Dies Niemandsland musste sich wesentlich weiter erstrecken als er gedacht hatte. Und trotz der Tatsache, dass dieser Krieg beendet werden und dafür geführt werden musste, fühlte er sich schlecht, wenn er an Eyrik und Farryn dachte, die im Norden die Kriegstrommeln schlugen. Trommeln die seiner galten und vor denen er - wenn er ehrlich war - davon lief. Am liebsten wäre er noch weiter gerannt.
      Mit zwei schnellen Strichen über das Gesicht war die Feuchtigkeit schon beinahe fort. Mit ihr ging jedoch auch der beiernde Biss der Müdigkeit, die seinen Leib umschlossen hatte und machte Platz für einen arbeitsamen und reiseintensiven Plan. Andvari erhob sich und schüttelte die weißen Haare genüsslich aus, während er über ihre nächsten Schritte nachdachte. Er vertraute Viola. Wenn sie sagte, die nächste Stadt namens Beleriand wäre eine Möglichkeit, sich zu verdingen und Geld zu verdienen, würde er es tun. Jedoch blieb der Restzweifel, ob man sie wirklich so positiv aufnahmen, wie gedacht.
      Nach einer weiteren Fuhre kalten Wassers und einem kurzen Schluck aus dem Fluss, machte er sich wieder auf den Rückweg und betrat das abgebrannte Haus erneut. Der Geruch hatte sich nicht verändert, aber die Atmosphäre war mittlerweile eine andere.
      Sylvar hatte sich derweil aus den Federn erhoben und saß wie ein Untoter aufgrecht auf den Fellen, während er sich schlaftrunken umsah.
      "Wie spät ist es?", fragte er gähnend.
      "Der Tag lacht, Brüderchen. Wir müssen uns reisefertig machen, wenn wir noch heute Beleriand erreichen wollen."
      Ein Grunzen hallte durch den Raum, während sich Sylvar erhob und wortlos und mit einem kurzen Winken zu Viola in Richtung Fluss schlurfte.
      Er war nie ein Morgenelf gewesen.
      "Hast du eine Ahnung, wie lange wir reisen werden?", fragte Andvari Viola, als sie wieder allein waren.

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    • Wenige Augenblicke später nahm das ohrenbetäubende Schnarchen ein jähes Ende.
      Viola beobachtete von ihrem Sitzplatz auf der Fensterbank, wie Sylvar sich aus den gemütlichen Fellen kämpfte und etwas orientierungslos in den baufälligen Raum blickte. Auf den ersten Blick war sofort zu erkennen, dass die frühen Morgenstunden nicht seine bevorzugte Zeit waren. Der von allen geschätzten Erzmagier als Morgenmuffel zu sehen, hatte einen gewissen Unterhaltungswert.
      Viola schwang die Beine über das Fensterbrett, um sich vom Ausblick auf die frostige Landschaft abzuwenden. Das Fensterglas fühlte sich kühl in ihrem Rücken an und sie hob mit einem stillen Lächeln die Hand, um den wortkargen Gruß ihres Mentors und Freundes zu erwidern.
      "Sylvar ist wirklich kein Frühaufsteher...", murmelte sie amüsiert, ehe sie den Blick zu Andvari schweifen ließ. "Wirklich sicher bin mir dabei nicht. Es ist eine Weile her, dass ich dort war. Vielleicht ein halber Tagesmarsch oder auch bis der Abend anbricht."
      Viola stieß ein Seufzen aus und rutschte von dem brüchigen Fensterbrett. Das Holz war dermaßen morsch und zerfressen, dass es Wunder war, dass es sie überhaupt gehalten hatte. Mit der Handfläche strich sie über das spröde Material, ehe sie sich mit Bestimmtheit abwandte.
      Die Heilern befestigte Dandelost an ihrem Gürtel und griff aus Gewohnheit zu dem Lederriemen an ihrem Oberschenkel. Der Dolch war nicht länger an seinem angestammten Platz, was Viola daran erinnerte, dass sie diesen Teile ihrer Geschichte im Tempel zurückgelassen hatte. Der Blick in den grünen Augen spiegelte eine Mischung aus Erleichterung aber auch Wehmut wieder. Die Klinge hatte sie lange begleitet, als Erinnerung an ihre Fähigkeit auch das Schlimmste zu überleben. Aber diese Versicherung brauchte sie nicht mehr.
      Mit einem sanften Ruck hatte sie das Leder von ihrem Bein gewickelt und legte es auf den Tisch. Nachdenklich fuhr sie mit den Fingerspitzen über die Narbe unter ihrem Schlüsselbein, die tief hinablief und unter dem Stoff verschwand. Die letzte Narbe, die dieser Dolch ihr je zufügt hatte. Die junge Frau lächelte.
      "Wir sollten auf der Straße Augen und Ohren offenhalten. Banditenüberfälle sind keine Seltenheit. Die Menschen hier leiden unter Hunger und Armut. Es fehlt am Nötigsten. Ich hoffe, dass wir Ärger umgehen können. Und der Winter hier im Norden wird nicht spurlos an den Menschen vorbei gegangen sein."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari begann zu lachen, als sie sprach.
      Sylvar torkelte regelrecht zum Fluss und wäre beinahe hinein gefallen, wenn er sich nicht im letzten Moment hätte fangen können.
      "Ja, das ist wahr", nickte er. "War er früher auch nicht. Wir mussten ihn regelrecht aus den Betten zerren. Anfangs aufgrund von Müdigkeit, später aufgrund von Frauen. Es ist eine stetige Wiederholung.."
      Er verschränkte die Arme vor der Brust und seufzte, ehe er ihr zunickte. "Das klingt nach einer machbaren Strecke. Für eine solche Entfernung brauchen wir kein stehendes Proviant. Wir können unterwegs sicherlich genügend finden, damit wir nicht hungern. Wasser sollten wir jedoch an diesem Fluss hier nehmen. Das Wasser schmeckt rein und mineralisch. Es könnte nützlich sein."
      Er sah der Heilerin eine ganze Weile zu, wie sie sich gürtete und ihre Waffen anlegte. Auch dass der Dolch verschwunden war, erstaunte ihn nicht. Dennoch war es ein Umstand, der neu war.
      "Hast du ihn zurückgelassen?",f ragte er und trat zu ihr. Seine Hände führen über das Lederband auf dem Tisch und Andvari sah sie an. "Ist alles in Ordnung?"
      Zuletzt nickte er auf ihre letzte Bemerkung.
      "In Ordnung. Wir werden Augen und Ohren offenhalten", bestätigte er. Sein Blick glitt grimmig +ber das karge Land und mehr als einmal fragte er sich, ob das eine gute Entscheidung war. Irgendetwas ließ ihn zweifeln. Ein ungutes Gefühl durchmaß seine Magengegend und er seufzte.
      "Werden wir uns verteidigen können ohne unsere Tarnung aufzugeben?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Vorsicht ist geboten.", begann Viola. "Allerdings bezweifle ich sehr, dass die Menschen im Grenzland das nötige Wissen besitzen, um zu erkennen wer du bist. Niemand im Norden beschäftigte sich mit den Erzählungen über das fremde Volk hinter der Gebirgskette. Für uns war das Gebirge unüberwindbar und die Familien in den Dörfern hatten sich um dringendere Angelegenheiten zu sorgen. Der Landstrich war schon immer ärmlich, die Ländereien einen Großteil des Jahres karg und zäh. Wir hatten keine Zeit für Märchen und Geschichten. Trotzdem hat meine Mutter geliebt. Erst als die ersten Städte und Dörfer fielen, begriffen wir, dass wir nicht alleine sind."
      Der Blick fiel herab auf die Hand des Elfen und über Fingerspitzen, die über das dunkle Lederband fuhren. Viola senkte das Kinn und ergriff seine Hand in einem zarten Griff. Bedächtig lenkte sie seine Finger über die blasse, rosafarbene Narbe unter ihrem Schlüsselbein.
      Die Textur unterschied sich in keiner Weise zu der unversehrten Haut daneben, sondern hob sich nur durch die Färbung ab.
      "Der Dolch ist mir in der Quelle des Tempels aus den Händen gerutscht.", murmelte sie und drückte seine Handfläche über ihr Herz. "Das hier ist die letzte Verwundung, die diese Klinge je einem Lebewesen zufügt hat. Ein Stück der Vergangenheit, dass ich bereit war, gehen zu lassen. Ich brauche ihn nicht mehr, um mich daran zu erinnern, dass ich überlebt habe."
      Viola hob den Kopf wieder ein wenig an und schenkte Andvari ein warmes Lächeln.
      "Ich weiß nicht, wie viel deine Freunde dir erzählt haben, nachdem du aufgewacht bist.", sagte sie und eine altvertraute Unsicherheit schwang kaum merklich in den Silben mit. Es war keine Zeit gewesen, um darüber zu sprechen.
      Nur kryptische Worte und Silben.
      "Ich habe es mit dem Opfer für die Quelle vielleicht ein kleines Bisschen übertrieben. Und bevor du etwas sagst, Sylvar hat mich dahingehend gründlich belehrt und mir den Kopf gewaschen." Sie grinste schwach.
      Sanft berührten die Fingerspitzen ihrer freien Hand den markanten Schwung seines Kiefers, hinab bis zum Kinn. Sie hatte nie explizit erklärt, dass sie den Dolch nicht nur bei sich trug, um die Erinnerung aufrecht zu erhalten. Die Klinge war ein letzter Fluchtweg gewesen, falls ihr Tross der kaiserlichen Garde jemals in Gefangenschaft geraten wäre.
      "Jedenfalls kann der Dolch dort keinen Schaden mehr anrichten."
      Viola räusperte sich und ein verhaltenes, leises Lachen erklang. Da war sie und wollte keine Schwermut aufkommen lassen und konnte doch nicht aus ihrer Haut. Nicht an diesem Ort.
      "Sylvar ein Weiberheld?", fragte sie schließlich nach. "Der Gedanke fällt mir irgendwie immer noch schwer..."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari sah Viola eine ganze Zeit an, wobei diese ihm vielleicht selbst nur länger vorkam. Ein leichter Wind setzte ein und die Sonne begann sich bereits wieder hinter dichten Quellwolken zu verstecken. Vorbei waren die Stunden der Ruhe und der Rast. Eine Reise an einen unbekannten Ort stand an und wenn der Elf ehrlich war, so war ihm mulmig zumute.
      Dennoch fuhr er sich mit der Hand über das kernige Gesicht und nickte.
      "Mag sein", murmelte er zu ihren Ausführungen. "Aber dennoch: Wir sollten es nicht unterschätzen. Auch wenn die Menschen sicherlich nicht wissen wer wir sind, aber wenn die restlichen Landstriche ebenfalls von Vaeril und den Seinen heimgesucht wurden, werden sie zumindest wissen, was ein Elf ist. Und ihn vielleicht nicht freundlich emfpangen."
      Seine Hand glitt zu seinem Schwert und streichelte den Griff. Er würde es hassen, es nutzen zu müssen.
      Als Viola seine Hand an ihre BRust führte und er die zarten Unebenheiten der frischen Haut ertastete, zog er die Augenbrauen hinauf. Still und weiter tastend hörte er ihr zu, während sie berichtete. Es stimmte, Eyrik und Farryn hatten ihm das ein oder andere erzählt. Aber da beide nicht viel von Heilungsmagie und die der Quelle verstanden hatten sie es etwas herunter gespielt. Es traf Andvari mit Entsetzen, dass die Frau, die er liebte, sich derartig für ihn hatte aufopfern müssen.
      "Es tut mir Leid, dass es dir derartige Schmerzen bereitet hat", murmelte er und sah sie an. "Ich hätte besser aufpassen sollen, dann wäre das alles nicht derartig eskaliert und du unversehrt."
      Es sprach Schuld aus seiner Stimme, die sich jedoch wieder verzog, als sie ihm das Kinn berührte und er ein leichtes Lächeln unterdrücken musste.
      "Sylvar war einst so. Aber nicht mehr."
      "Wie war ich?"
      Der Erzmagier hatte das Haus erneut betreten und sah wiederum fürchterlich aus. Das Haar stand ihm ab und auf seiner Stirn leuchtete erneut das grüne Ornament das ihn begleitete. Sorgsam kratzte er sich den Allerwertesten, als er das Haus betrat.
      "Ein Frauenheld!"
      "Darauf kannst du einen lassen!"; erwiederte er salopp und räusperte sich. "Wir sollten langsam losziehen. Ich habe mehr und mehr das Gefühl, das wir verfolgt werden."
      Wie sehr dies Gefühl den Tatsachen entsprach, konnten sie alle nicht wissen. Nur würden sie sich an diesen Moment zurückerinnern.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola nickte bedächtig bevor sie sprach. Dabei lag hinter ihren Worten keine bissige Schärfe.
      "Natürlich wissen die Menschen des Grenzlandes, was ein Elf ist, Andvari.", seufzte sie. "Die meisten Familien haben ihre Ländereien und das wenige Hab und Gut, das sie besitzen an fremde Krieger und das Feuer verloren."
      Still beobachtete Viola die unzähligen feinen Veränderung im Gesicht des Elfen, während ihre Worte ihn erreichten und die Bedeutung unaufhaltsam in seinen Verstand sickerte. Entsetzen über den blutigen Preis, der gezahlt wurde und Schuld über den Schmerz, den der Schnitt ihr bereitet hatte. Ein Schmerz der im Vergleich zu der Furcht zu spät gehandelt zu haben, gar lächerlich wirkte.
      Viola grämte sich nicht über die gut sichtbare Narbe. Eitelkeit war die letzte Eigenschaft, die sich die junge Frau auf die Fahnen schreiben würde. Weder das Leben im Orden noch der Dienst auf den Kriegfeldern hatte ihr wenig Gelegenheit gegeben an das Erscheinungsbild zu denken. Die zärtlichen Fingerspitzen, die über das stoppelige Kinn wanderten, waren eine mehr als versöhnliche Geste.
      "Du hast getan, was du für das Beste hieltest. Und wir leben. Alles andere ist, wie sagt man, Schnee von Gestern."
      Ein Lächeln zuckte an seinen Mundwinkeln, zeigte aber dennoch nicht der Welt. Viola spürte das Zucken unter ihren Fingern.
      Obwohl das Haus am See eine traurige Geschichte in sich barg, hatte die Heilerin das seltsame Gefühl, dass Andvari dort etwas freier und ein wenig mehr er selbst gewesen war. Das Lächeln war ihm leichter gefallen. Vermutlich erwartete das seltsame Gespann aus Elfen und einer Menschenfrau auch keine rosigen Zeit, die ein Lächeln verdienten.
      Wie auf Stichwort betrat der Erzmagier den Raum und Viola ließ die Hand vom Gesicht des Weihaarigen fallen.
      Mit vor der Brust verschränkten Armen folgten ihre Augen Sylvar, der seine Manieren wohl vor dem Haus vergessen hatte.
      "Nein...", murmelte Viola und kicherte verhalten. "Ich kann es mir wirklich nicht vorstellen. Warte, Sylvar. Du siehst aus wie ein gerupfter Hahn."
      Das Kichern verwandelte sich in ein leichtes aber durchaus amüsiertes Lachen. Noch einmal drückte sie versichernd, dass es ihr gut ging, den Arm des weißhaarigen Elfen und durchquerte den Raum mit wenigen Schritte.
      "Warte kurz." Viola blieb hinter Sylvar stehen, ehe sie behutsam mit einem leichten Zögern die blonden Strähnen zwischen ihren Fingern sammelte. Locker kämte sie das Haar mit den Fingern durch und sammelte alles im Nacken. Es dauerte nicht lange, da hatte sie die widerspenstigen Strähnen in einem geflochtenen Zopf gebändigt. Und die langen, blonden Haare boten sich geradezu an. Verstohlen warf sie einen Blick auf Andvaris weißen Haarschopf.
      "Das letzte Mal, als ich jemandem die Haare geflochten Haare, ist Ewigkeiten her. Aber ich denke es ist recht passabel."
      Die warnenden Worte des Magiers nahm sie nicht auf die leichte Schulter. Seit sich ihre Gespür für Vaerils Anwesenheit bewahrheitet hattet, wusste sie es besser, als ein solches Gefühl zu ignorieren. Da sie bis auf Dandelost und den Wintermantel nichts mehr an Habseligkeiten bei sich hatte, war sie innerhalb weniger Sekunden zum Aufbruch bereit.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Auch wenn die beiden ihren Moment der Zweisamkeit zu genießen schienen, alarmierte Andvari das Gesagte wesentlich mehr. Wortlos erhob sich der weißhaarige Elf und legte die Hand an den Knauf seines Schwertes. Eine ungute Vorahnung legte sich auf seine Lippen, doch sprach er sie nicht aus.
      Während Sylvar sein Haar flechten ließ, blcikte Andvari ihn an und beide Brüder verstandnen einander.
      Kurz nickte Andvari und sah nach draußen.
      "Welche Richtung?", fragte er und blickte in die Wintersonne hinaus, die sich mehr und mehr zu verstecken schien.
      Nur war es diesmal keine Wolke. Sondern fliegende Wolken.
      "Norden", murmetle Sylvar und blickte grimmig drein. Als Viola ihm diesen Zopf zu ende geflochten hatte erhob er sich eilig und fischte nach seinem Stab, den er wie einen Krückstock aufsetzte.
      Ein Dumpfer Schlag erfolgte und schoss wie ein Puls durch die Erde.
      "Eine Tarnung", mahnte er erklärend zu Viola und gemeinsam harrten sie aus.
      Die Geräusche kamen näher. Ein Flug von tausend Flügeln, gleich einem Wintersturm brausend, schob sich mehr und mehr in ihr Hörfeld. Es mussten tausende Vögel sein, die hier unterwegs waren. Ein ganzer Schwarm oder hunderte Schwärme gar. Der Himmel wurde dunkler und dunkler je lauter die Geräusche waren und Andvari gab stumm das Signal sich zu verstecken. er selbst verbarg sich hinter einer LEhmstütze, die auch Sylvar ausgeguckt hatte, während nur Sekunden später eine gewaltige Schar von Vögeln über das karge Dorf hinweg zog. Krähend und kreischend wie eine Schaar aufgeregter Jungelfen.
      Andvari erlaubte sich endlich wieder zu atmen als er zu den anderen sah.
      "Wir sollten nicht mehr zögern", murmelte er.
      Sylvar nickte.
      "Wenn er die Vögel schickt sind die Raben nicht weit. Wie konnten sie uns so schnell finden?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Eine beunruhigende Stille überzog das verfallene Bauernhaus. Viola versuchte den grimmigen Ausdruck in den Gesichtern ihrer Begleiter zu deuten. Das Gefühl, etwas Wichtiges übersehen zu haben, erfasste sie. Die Eiskristalle an den verstaubten und gesplitterten Fensterscheiben tauten bereits, als die Heilerin die finstere Wolke am Horizont bemerkte. Ein schwarzes Ungetüm, das sich bin ungewöhnlicher Geschwindigkeit bewegte und das offensichtlich entgegengesetzt zum eisigen Wind. Das kühle Licht der Wintersonne war beinahe völlig von der Wolke verschluckt worden.
      Der Anblick weckte eine gewisse, düstere Faszination, als die Bewegungen in ihrem Rücken Viola aus der Starre rissen.
      Der Stab des Magiers schlug dumpf auf den Holzdielen auf. Die Vibrationen spürte sie deutlich unter ihren gefütterten Winterstiefeln. Die Erklärung bekam sie postwendend und sie presste die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen, um keinen einzigen Mucks von sich zugeben.
      Viola horchte angespannt auf. Da hörte sie das unheilverkündende Geräusch von unzähligen Flügelschlägen im der kalten Winterluft. Ein kurzer Blick zu Andvari reichte aus, um die angewurzelten Füße endlich in Bewegung zu setzen. Eilig durchquerte Viola das Zimmer und fand ein passendes Versteck in einer verborgenen unter den verkohlten Treppenstufen. Der Gestank von altem, verbrannten Holz verstopfte ihre Nase. Unwillkürlich hielt sie die Luft an, nicht wegen des verbrannten Geruchs, sondern aus der ureigenen Angst ein Atemzug könnte ihre Tarnung zu Nichte machen.
      Das Kreischen am Himmel schmerzte in den Ohren, als der finstere Schar aus tausenden von Vögeln über sie hinweg zog. Für den Bruchteil einer Sekunde schien es, als verdunkelte der Schwarm die Sonne vollständig. Erst als Ruhe einkehrte wagte sich die Heilerin aus der Nische heraus.
      "Was bei allen Göttern war das?", stieß sie gepresst hervor und wagte einen flüchtigen Blick zum durchlöcherten Dach hinauf.
      Die folgenden Worte wecken Erinnerungen an die grausigen Narben, die Farryn ihr im Tempel präsentiert hatte. Ohne weitere Zögern trat Viola an die Seite der Männer und zog die mit weichem Fell gesäumte Kapuze über ihren flammenden Haarschopf.
      "Faolans Raben!", würgte Viola hervor. "Spielt es eine Rolle, warum sie uns so schnell finden konnten? Wir müssen weg. Die einzige Person, die etwas über die Lage dieses Dorfes weiß ist Vaeril. Aber er konnte unmöglich mit Gewissheit ahnen, dass wir hier her kommen würden."
      Mit einer Hand umschlosse sie den Griff von Dandelost. Die Kraft ihrer Magie war kaum ausreichend wieder hergestellt, um den Einsatz der Herzensklinge überhaupt in Erwägung zu ziehen.
      "Dieser Schwarm? Das sind Späher, richtig?",
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”