[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Viola & der Geist der Vergangenheit

      Die Finsternis verschluckte sie wie das Mail einer gigantischen, furchteinflößenden Bestie.
      Die ureigne Angst nie wieder das strahlende Licht der Sonne zu sehen, auf ewig ihrer Sicht beraubt, fügte sich in den Strudel aus Panik ein. Die Präsenz des verhassten und gerüchteten Mannes in ihrem Rücken, schnürte ihr die Kehle zu. Sie wollte schreien und toben. Kein weiterer Laut verließ nach diesem ersten Schrei ihre Lippen. Selbst in der Dunkelheit schlug und trat sie gegen jeden Teil seines Körper, den sie erwischen konnte, aber sie hätte wohl gut und gern auf massiven Felsen schlagen können. Vaeril zuckte verzog nicht einmal die Miene, während sein heißer Atem ihr in den Nacken schlug. Sie bekam keine Luft, obwohl sie hektisch atmete, jedoch viel zu schnell.
      Das Sonnenlicht, das ihre Augen plötzlich traf, war so grell und intensiv, dass sie glaubte binnen Sekunden zu erblinden. Unter ihren Füßen raschelte saftiges, grünes Gras. Vaeril war in sorgsam angelegten Gärten des Füstenpalstes von Telerin aus dem Schatten eines Baumes getreten. Der Schattenläufer zerrte seine Gefangene erbarmungslos in Richtung des weißen Baumes, der Viola auf einmal vorkam wie das Mahnmal zu ihrer Hinrichtung. Mit seinem Arm, der sich ebenfalls um ihre Oberarme schlang, verhinderte der Elf mit eisernem Griff, dass sie ihre Arme überhaupt benutzen konnte. Das letzte was er brauchte war ein Dolch zwischen den Rippen. Die Frau in seinem Arm war ihm kräftemäßig um Meilen unterlegen, aber Angst machte selbst das kleinste Beutetier zu einem erbitterten Gegner. Der Geruch ihrer Panik war für ihn wie der süßeste Blumenduft. Jeder kleinste Luftzug wehte einen Hauch Furcht in seine Richtung.
      Das Gras unter ihren Füßen wandelte sich in weiße, glatte Kieselsteine. Der verschlungene Pfad führte eine kleine Steigung hinauf direkt zum großen Vorplatz hinter dem Haupttor. Dort standen in sauberenen Reihen ein Heer von schwarz gekleideten Söldnern, die allesamt die gleiche silberne Schnalle an ihrer leichten aus Leder gefertigten Rüstung trugen. Ein filigran gravierter Baum mit weit ausgestreckten Zweigen. Vaerils eigene Männer, die für einen ausreichenden Sold beinahe jeglische Schandtat fertig brachten. Krieger, Trinker und Raufbolde mit fraglichem Ruf, die kein ehrwürdiges Heer jemals aufnehmen würde. Männer und Frauen aus dem ärmsten Straßen und Regionen des Elfenreiches, die keinen anderes Leben kannten als das nackte Überleben. Sie wurden gerufen wenn es Drecksarbeit zu erledigen gab. Die Gesichter waren bis über die Nase mit ebenso tiefschwarzen Tüchern bedeckt, so dass ihre Gesichter nie klar zu erkennen waren. Keiner rührte sich als Vaeril mit dem wehrhaften Bündel einer Menschenfrau auf die Reihen zutrat. Synchron neigten die Krieger ihre Häupter in einem stummen Gruß.
      Vaeril Baumschatten trat vor die vorderste Front und wandte sich dem offenen Platz zu. Jetzt hieß es warten.
      Mit geschickten Handgriffen hatte er den Dolch aus seiner Halterung gezogen und in den Kies geworfen.
      "War ich so unvergesslich, dass du ein Andecken von mir behalten hast?", raunte er süffisant an ihr Ohr, worauf Viola ein Wimmern ausstieß, wie ein verwundetes Tier. "Habe ich etwa deine Vorlieben für elfische Männer geweckt, mein kleines Vögelchen?"
      Dandelost wurde von ihrer Hüfte gelöst und abfällig wie ein rostiges Stück Metall ebenfalls zu Boden befördert. Daraufhin trat die Heilerin nochmals mit aller Kraft aber ohne Erfolg aus.
      "Eigentlich habe ich wenig Intresse an etwas, das dieser Bastardprinz übrig lässt, aber bei dir, Liebes, mache ich eine Ausnahme. Du schuldest mir noch ein Auge.", zischte Vaeril und verstärke den Griff seines Armes, der sich nun um ihre Kehle legte. Er schnürte ihr die Luft ab bis sie Sterne sah und zu nicht mehr als einem kraftloses Zucken fähig war.
      Ein Messer rutschte aus seinem Ärmel in seine Handfläche, da begann die Erde unter ihren Füßen zu beben. Ein erschrockenen Raunen glitt durch die Reihen der Söldner, das ihr Anführer mit einem Zischen zum Schweigen brachte.
      "Wer sich bewegt, dem schneide ich eigenhändig die Kehle durch." Das musste der Magier sein, der überraschenderweise recht ungehalten auf die kleine Entführung reagierte. Den Blick auf den Vorplatz fixiert, blieb er nah an ihrem Ohr.
      “We all change, when you think about it.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Sylvar

      Ein unterirdischer Puls erhob sich in der Finsternis.
      Der Vorplatz, der den Weg zum Weißen Baum und dem Fürstenpalast Telerins säumte, wirkte für einen Moment beinahe idyllisch mit seinen konzentrisch angeordneten steinen und den edlen Baumwurzeln, die sich aus dem Boden sanft erhoben und Bänke und andere Sitzgelegenheiten bildeten. Eine schwere Steinmauer war um den Palast gezogen worden, die ebenfalls in einem perfekt austariertem Halbkreis angeordnet war. Und doch stimmte mit der Szenerie etwas nicht.
      Die Vögel waren verschwunden.
      Bereits vom ersten Puls an hatten sie sich, schwarm- und überfallartig aus den Wipfeln der Bäume und den umliegenden Sträuchern erhoben und waren in die Luft gestoben, als spürten sie herannahendes Ungemach. Und freilich, Recht sollten sie behalten. Zunächst war es nur ein Puls der sich aus dem unterirdischen Gefängnis erhob. Langsam, voll und kräftig schlug er sich Bahn durch die Erde, die Kruste und den Stein und ließ den Staub auf den Wegen leicht erbeben. Als würde ein gewaltiges, unterirdisches Herz schlagen.
      Erst danach war die Welle von Aura zu spüren, die sich ebenfalls erdrückend wie ein Tuch auf den Ort legte. Und wahrlich, sie war gewaltig.
      Auramengen zu messen glich einer Kunst, aber diese hier war nicht einmal mehr greifbar. Die ersten Wachen des Palastes begannen zu zittern obgleich es angenehm warm war. Ihre Speerspitzen wankten in unsichtbaren Winden umher, während die Soldaten sich fragend ansahen. Und sich fühlten, als seien sie in einem Schneesturm gefangen, nackt wie die Götter sie schufen. Keiner, aber auch Niemand verspürte den Drang, sich zu bewegen. Es war nicht einmal mehr so, als könnten sie es. Die Beine waren festgefroren am Boden, als sich aus der Nische zum Gefängnis ein gewaltiges Knirschen erhob.
      Der Boden vor dem Vorplatz, vormals die Labyrinthe von Telerin, brach mit einem schaurigen Krachen auf und spuckte Gestein und allerlei weitere Unflätigkeiten in die Luft aus. Aus dem sich auftuenden Moloch erstand eine Wurzel, schwarz und stark, die sich in die Höhe erhob und sich zunächst nicht einmal menschlich auftat.
      erst nach kurzer Zeit und einem weiteren Aurapuls, gewaltig genug, dass er die Sträuche und Bäume leicht ins Wanken brachte. Ja, selbst der weiße Baum erzitterte geradezu vor dem Schwung, den diese schwarze Wurzel aussandte, während sie sich langsam zu einem Wesen formte, das menschliche Züge aufwies.
      Jedoch nur auf den ersten Blick.
      Kalt wie Eis erwachten Augen aus dem Gewirr von Wurzeln und Blättern, die im Winde glühend vergingen und wieder neu erstanden. Blutig rot blickten drei ungleich große Augen aus einem Totenkopfähnlichen Gebilde, das man nur im Entferntesten Kopf nennen konnte, während es sich übermannshoch aus dem Schatten des Gefängnisses erhob.
      Breite Schultern und lange, elendig dünne Arme erhoben sich mit ihm, die in hölzernen, schwarzverbrannten Klauen endeten und furchterregend zu den Wachen und Söldnern sahen.
      Die erste Wache begann den Halt zu verlieren und stürzte mit schäumendem Munde zu Boden, während die andere Wache zu weinen begann und sich einnässte. Die Aura, der sie entgegensahen war gewaltig. Gwwaltig und erdrückend, als sähe man einer Naturkatastrophe ins Auge.
      Die Weiße Hand war gefürchtet unter den Zauberern. Sylvar Valverden galt als einer der professionierten Zauberer des Elfenreiches, jedoch die Wutausbrüche, die ihm seinen Spitznamen einbrachten, sollten legendär bleiben. So auch an diesem Tag, als sich Sylvar "Eisenblatt" aus den Schatten seiner eigenen Wut erhob und mit einem breiten, flammend rotem Lächeln zu Vaeril und seinen Söldnern herbei sah.
      Es dauerte einen Moment, bis sich der hölzerne, gigantische Kopf der Bestie zur Seite neigte und fragend hinüber blickte. Erst dann beugte er sich vor und brüllte hundserbärmlich und doch fürchterlich den Soldaten entgegen. Ein rauer, tiefer Ton als habe man eine Bestie freigelassen, ertönte über den Vorplatz und sprengte die Fenster des Palastes beinahe im gleichen Moment.

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    • Viola & Vaeril

      Ein unterirdischer Herzschlag erschütterte die Reihen der Söldner als das Beben stetig anwuchs.
      Keiner der Männer und Frauen wagte auch nur einen Schritt zurück, noch war die Furcht vor ihrem General größer, als das drohende Grollen aus den tiefen der Erde. Bei der Erschütterung sollte es jedoch nicht bleiben. Vaeril ließ den Blick über den Vorplatz schweifen, der bis auf die übrigen Wachen und seiner eigenen Krieger unheimlich tot und leer wirkte. Kein Geräusch war zu höhren außer das Ächzen von Gestein und Erde. Das Zittern des Untergrundes zu ihren Füßen schwoll weiter an, bis selbst Vaeril seinen festen Stand korrigieren musste, um durch das Wanken der Erdoberfläche nicht ins Straucheln zu geraten.
      Hinter ihm ertöhnte erneut ein beunruhigtes Raunen, doch niemand rührte sich vom Fleck. Als der Vorplatz vor ihren Füßen in einer gewaltigen Kluft aufbrach, gab der Gerenal mit einer stummen Geste zu verstehen, dass alle ein Stück zurückweichen sollten. Die Risse im Boden näherten sich drohend seinen Füßen und er war mit Verlaub nicht erpicht darauf, sich von der zornigen Erde verschlucken zu lassen. Die Wachen am Fürstenpalast begann zu schreien und zu gurgeln, wie von unsichtbarer Hand gepeinigt. Und auch unter seinen Kriegern waren die Effekte des Aurapuls deutlich spürbar. Allerdings hielten sie sich etwas besser als die nichtsnutzigen Diener des Fürsten. Über sein Gesicht huschte ein dunkle Schatten, als schwarze Finsternis wie zähe Flüssigkeit träge sein verbliebenes Auge färbte. Als würde tiefschwarzes Blut in seinen Augapfel strömen. Vaerils Gefolgsleute hoben die Unterarme schützend vor ihre Gesichter als Steine und Kies wie kleine nadelartige Geschosse in ihre Richtung flogen.
      Ein weiterer Aurapuls, der Stärkste bisher, fegte über den Vorplatz und die Söldner schlucken die Fersen in den Kies Boden, um nicht umgerissen zu werden. Dennoch schob die unsichtbare Kraft sie mit aller Wucht zurück, so dass sie tiefe Furchen im weißen Kies hinterließen wie ein Pflug auf einem frischen Acker.
      "General...!", rief jemand alarmiert aus und Vaeril schwarzer Blick richtete sich auf die Unheil verkündende Wurzel, die sich aus dem Boden schälte. Vaeril hatte von den legendären Ausbrüchen des Erzmagiers gehört. Was er nicht kalkuliert hatte, war das der Zauberer derart unbeherrscht und gewaltig auf sein Vorhaben reagieren würde. Aus dem Augenwinkel blickte er auf den leuchten, roten Haarschopf unter seinem Kinn. Sei es wie es sei. Der Elf war niemand, der sich leicht aus der Ruhe bringen ließ, auch wenn die Bedrohung, die sich vor ihm auftat sicherlich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen war. Ein Spiel auf Leben und Tod. Und er hielt den Schlüssel in der Hand.
      Der Anblick der glühenden, roten Augen allein hätte ein schwaches Gemüt sofort in panischen Wahnsinn getrieben, aber Vaeril zückte das Messer, eine rasiermesserscharfe Klinge, die durch Haut schnitt wie ein glühendes Messer durch Butter.
      "Eisenblatt!", rief er aus, höhnisch, als würde er einen alten Freund begrüßen. "Wozu dieser Aufruhr!?"
      Im gleichen Augenblick halle ein tiefes Brüllen über den Hof. Einige der Söldner schlugen sich die Hände vor die Ohren, um das schmerzhafte Dröhnen in ihrem Kopf zu dämpfen. Das Springen von Glas war zu höhren, als die verzierten Fensterscheiben des weißen Baumes in abertausenden von Scherben zersprangen.
      Um den Platz herum schien sich der Raum zu verdunkeln, obwohl die Sonne hoch und strahlend am Himmel stand. Aus allen Richtungen wanderten geisterhafte Schatten über den Boden. Von Bäumen, Sträuchern, Gebräuden und vom Fürstenpalast selbst, krochen schwarze Flecken über den Vorplatz. Wie Pfützen aus schwarzem Teer schlugen sie Blasen und Wellen. Die Schatten sammelten sich zu den Füßen des Söldnergenerals und aus ihrer Finsternis lösten sich rauchartige Arme die sich in zu allen Richtungen wie bodentiefer Nebel ausbreiteten. Ein paar dünnere schattenartige Gliedmaßen schlängelten sich an Vaeril und der leblos wirkenden Viola hervor, umgriffen ihre Knöchel und schlangen sich wie ein dritter Arm um ihre Hüfte.
      "Habt Ihr wirklich vor Telerin in Schutt und Asche zu legen? Wie viele unschuldige Elfen seid ihr bereits zu Opfern für eine Menschenfrau!?", rief er mit aller Lautstärke aus, die seine Stimmbände hergaben. Sein Blick schweifte über die Zerstörung. Der Lichtbringer hielt sich entweder im Hintergrund und schickte seinen verrückten Bruder vor, oder er hatte noch gar nichts mitbekommen. Das Chaos, das sich nun Bahn brach, sollte ihn wohl aus seinem Versteck locken. Sylvar war bedauerlicherweise gerade das größere Problem.
      Vaeril drückte die flache Klinge seines Messers an die Wange der Heilerin, die Messerspitze direkt unter ihrem linken Auge. Die Berühlung des kalten Stahls brachte leben zurück in den zierlichen Körper, der sich aus Reflex schon gegen den unerbittlichen Griff stemmte.
      "An deiner Stelle würde ich von dem Gezappel absehen, Liebes." Die Messerspitze drückte sich über ihrem Wangenknochen in die dünne Haut und Butrinnsal, wie eine tiefrote Träne rann an der Wange hinab. Viola griff nach dem Arm um ihren Hals und versuchte ihn fortzuzerren, um mehr Luft zu bekommen. Ohne Erfolg, also schlug sie die Fingernägel in seinen Arm. Zu mehr war sie nicht fähig, sie konnte nicht Atmen und die Angst ließ ihren Körper erstarren.
      "Sieh es dir an, meine Liebe." Das Gesicht nah an ihrem Ohr, was sie erneut wimmern ließ. Der heiße Atem war zu nah, der Körper in ihrem Rücken zu viel. "Sieh dir an, welche Freunde du dir ausgesucht hast. Aber ich sehe deinen geliebten Prinzen nirgends. Vielleicht hat er beschlossen, dass du das Risiko nicht wert bist." Eine dreckige Lüge, aber es stach trotzdem.
      Grüne Augen richten sich auf das Beist mit dem totenkopfgleichen Schädel. Und sie wusste es. "Sylvar...",
      Zu ihren Füßen gab Dandelost einen schwachen Impuls frei, ein schwaches Drängen.
      “We all change, when you think about it.
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    • Sylvar und Farryn

      Für einen Moment schien es, als würde das Wesen, das sich immer größer werdend aus den Schatten erhob, innehalten und Vaeril direkt ansehen.
      Warme, rote Glut, die als Augen schlimmer als Pfeile stachen, wirkten belustigt und vielleicht sogar nachdenklich, wenn man es genau betrachtete. Und auch wenn der MAgier durchaus in seiner Wut versunken war, bemerkten einige Wachen die Frau, die aus dem Schacht ebenso herauskletterte. Sogleich begannen sie auf die beiden Ankömmlinge zu starren und wiesen mit den Fingern auf sie, ehe sie begannen zu schreien:
      "Eisenblatt und der Tausendhammer! An die Waffen! An die Waffen! Holt jeden Elf beisammen, der Waffen tragen kann und schickt ihn in den Vorho-"
      Eine garstige Wurzel, winzig und filigran im Gegensatz zu den bisherigen Wurzeln, die nach und nach aus der Erde stachen, schoss aus Sylvars rechter Klaue und traf den Soldaten ins Gesicht. Doch anstelle eines schnellen Todes wickelte sie sich wie ein Schal um seinen Hals und seinen MUnd und brachte ihn zum Schweigen, ehe er von einem sanften Druck um den Hals gepresst, zu Boden sank und die Augen verdrehte.
      "Wir sind richtige BErühmtheiten", kommentierte Farryn und verschränkte die Arme vor der üppigen Brust. "Vielleicht könntest du dich beruhigen?"
      Doch das Unterfangen war vergebens. Vaeril, dieser Klotzkopf, begann sogar noch mehr die Klinge in die Wange der jungen Menschenfrau einzuschälen. Man konnte davon halten was man wollte. Farryn mochte Menschen auch nicht wirklich. Aber derartige Schweinereien waren nicht notwendig.
      Die kreatur zu ihrer Linken atmete schwer aus und grellroter Dampf stob ihr aus dem Mund, ehe es einen Schritt nach vorn wagte. Dabei rupften die Wurzelfüße regelrecht aus dem Boden und hoben Erde und Stein gleichsam mühelos an, ehe der Fuß wieder krachend aufgesetzt wurde und sich sofort mit dem Stein verband.
      "Lass...Sie...Los...", donnerte eine tiefe, unendlich unirdische Stimme während zwei große Wurzeln aus seinem Rücken stoben. "Oder...Du...Stirbst..."
      Wie um der Drohung ein wenig Würze zu verleihen befreite er gut ein Drittel seiner gefangenen Aura. Mit einem Mal legte sich ein Riss durch die Steinplatten, der sich bis vor Vaerils Füße bahnte. Als wäre ein Blitz in den Boden eingefahren, zerteilte sich der Riss mühelos und spaltete den Boden in nie dargewesener Schönheit. Die Palastwachen waren nicht mehr in der Lage sich zu bewegen, da die meisten nicht einmal das Ungeheuer kannten. Das einzige, was sie wussten, war die simple Tatsache, dass sie es nicht angreifen sollten.
      "Sylvar...Du solltest dich beruhigen", murmelte Farryn und trat ebenfalls vor.

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    • Viola & Vaeril

      Die Erde zu ihren Füßen erzitterte unter einem einzigen, gewaltigen Schritt der bedrohlichen Kreatur, die Viola kaum noch an zu Scherzen aufgelegten Magier erinnerte. Im Augenwinkel sanken die aufgescheuchten Wachen nacheinander zu Boden und griffen sich an die zugeschnürten Hälse. Ein einziges Winden und Zucken unter der Atemnot. Die Hilfeschreie gingen unter den unbarmherzigen Wurzelausläufern verloren. Selbst die verzerrte Stimme klang fremd und furchteinflößend.
      Die Heilerin war im Arm ihres Peinigers zur Salzsäule erstarrt und sah mit Entsetzen auf die tiefe, blitzförmige Furche, die sich vor ihren Füßen im Boden auftat. Die Steinplatte ächzte und knarzte unter der Wucht der mächtigen Aura. Zur ihrer Verwunderung bewegte sich Vaeril, obgleich der unverkennbaren Drohung, nicht einen Schritt zurück. Der Elf in ihrem Rücken war viel zu ruhig, dass es ihr einen Schauer über den Rücken jagte.
      „Vorsicht, Eisenblatt. Nicht das die Erde noch die Frau verschluckt, die Ihr zu retten gedenkt. Leider befürchte ich, dass ich Eurer freundlichen Bitte nicht nachkommen kann, Magier.“, rief er mit deutlichem Hohn in der Stimme über den mittlerweile fast gänzlich zerstörten Platz hinweg.„Bei allem gebührenden Respekt, ich nehme nur die Befehle Eures Bruders entgegen.“
      Ein Misserfolg dieses Auftrages bedeutete eine grausige Strafe und der schwarzhaarige Elf hatte nicht vor sich in einem Folterkeller wiederzufinden. Der schattenhafte Arm um die Hüfte der Heilerin, zog sich enger zu, was ihr ein erschrockenes Keuchen aus den Lungen presste.
      Um Vaerils hochgewachsene Gestalt türmten sich die gesammelten Schatten zu einer undurchsichtigen Front aus schwarzem Nebel auf. Ein Anblick, der selbst seinen eigenen Söldnern eine dunkle Vorahnung ins Gesicht zauberte. Er würde hier und jetzt nicht zurückweichen. Und er war bereit den Preis für die Entfesselung einer ganz anderen Magie zu zahlen. Der Elf blinzelte und die der nebelartige Schatten stob in alle Himmelsrichtungen auseinander. Die erste Reihe Söldner in seinem Rücken stieß ein unsagbares Heulen und Schreien aus, als die Dunkelheit sie verschluckte. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde da senkte sich der Nebel zu Boden und ein Dutzend Männer und Frauen waren im Nichts verschwunden. Vaeril, der den zweifelhaften Ruf genoss einen Sieg mit allen Mitteln zu erringen, zeigte nicht das kleinste Mitleid für die geopferten Söldner. Im Angesicht des entfesselten Magiers war im jedes Mittel recht.
      In Violas Rücken begann die Temperatur deutlich abzufallen, ein eisiger Schauder erfüllte die verbliebenen Reihen, als sich ruckartig schwarz gefärbte Arme aus dem bodentiefen Nebel lösten und ihre Klauen in den Boden gruben. Gekrümmte Rücken erhoben und streckten sich. Die Schattenwesen, die sich manifestierten zeigten keinerlei Gesichtszüge. Nur die glühenden Augen zuckten hin und her. Mit Hilfe ihrer Krallen zogen sie sich aus dem Nebel um sich hinter Vaeril aufzubauen wie eine groteske Reihe lebendiger Schatten. Aus den formlosen Schultern brach jeweils ein weiteres paar Arme hervor, deren Hände sich zu scharfen Klauen krümmten. Pechschwarze Nebelschwanden waberten um die einzelnen Gliedmaßen und den gekauerten Leib.
      Die Schattenkreaturen kannten keinen Schmerz, sie kannten keine Furch. Vaeril hatte ihnen alles geraubt, was sie als fühlende Wesen ausgezeichnet hätte. Um sich selbst aufgrund der gewaltigen Menge Energie nicht aufzuzehren, hatte er mit der Lebensenergie seiner Männer für diese Form der Magie bezahlt. Ein verpöntes und äußerst fragwürdiges Vorgehen.
      Die Gesichtslosen blieben unheimlich still, erst nach und nach erhob sie ein schauderndes Klicken in ihren Reihen. Als würden Schnäbel aufeinander schlagen.
      Viola war in dem eisernen Griff verdächtig still geworden. Die Ohren erfüllt von den gequälten Lauten der Wachen im Erstickungskampf und den klickernden Lauten der Wesen. Die Heilerin hatte nie gewollt, dass jemand für sie starb. Niemand und vor allem nicht jene, die sie liebte und ins Herz geschlossen hatte. Sie dachte an Henrietta, die herzliche Frau, und stellte sich vor wie sie mit Schock hinauf zum Fürstenpalast sah. Sie dachte an Sylvar, den kauzigen aber liebenswürdigen Magier, der in seiner Wut die ahnungslosen Wachen in seinem Griff hielt. Viola dachte an Andvari, an das herzerwärmende Lachen und das Glück, das er ihr geschenkt hatte.
      Die ersten Tränen brannten in ihren Augen, als sie den Kopf hob. Viola musste etwas unternehmen, auch wenn es ihr das Herz brach.
      „Sylvar…“, wisperte sie erst leise, ehe sie die Stimme weiter anhob. „Sylvar, bitte. Hör auf. Ich will nicht, dass jemand um meinetwillen stirbt. Such Andvari und verschwindet von hier. Versprich mir, als mein Freund, dass sie ihn nicht bekommen. Du musst es mir versprechen.“

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    • Sylvar, Farryn und das Halbvolle Dutzend

      Die Situation wurde bedrohlich, nachdem sie mehr als unethisch war. Entgeistert sah Farryn zu, wie dieser Despot von einem Heerführer seine Männer und Frauen opferte, um seine garstigen Kreaturen Leben einzuhauchen. Schauerlich wabernden diese Geister um die leblosen Körper und mit einem Mal fühlte sich Farryn bereits verloren ohne ihren Hammer. Unwillkürlich wich sie einen Schritt zurück und löste en kalmmernden Griff um ihre Brust. Etwas in ihr sagte ihr, dass das nicht gut ausgehen konnte.
      Auch nicht mit den Worten Violas, die leise, aber vernehmbar an ihrer beider Ohren drang.
      Und die leider genau das sagte, was keiner von ihnen hier hören wollte. Auch wenn es sicherlcih die weise und richtige Wahl war. Doch Sylvar, doer das, was er mal war, schrie seinen Zorn in einem unirdischen Geräusch hinaus, sodass selbst die Fassaden zu wackeln begannen.
      "ICH KOMME...AYLA...WARTE:..AUF MICH...."
      Oh je, dachte Farryn und schlug sich vor den Kopf. Jetzt war er nicht nur vor Jähzorn durchgedreht, sondern sein Verstand hatte sich auch noch verabschiedet.
      Und ehe Iarpetor etwas tun konnte, um nochmals beruhigend auf den Baummann einzuwirken, setzte sich dieser mit einem rupfenden Geräusch in Bewegung. Krachend lösten sich die Bodenplatten, als er einen Schritt vorwärts machte, der Schattenarmee entgegen. Dieser Kampf konnte die Stadt nur in Schutt und Asche legen, wenn niemand etwas tat.
      Schreiend begann der Baum nicht nur zu gehen sondern setzte zum Laufen an, als die Wachen endlich aus der Starre erwachten und ebenfalls den Marschbefphl gaben. Obgleich die Schattengestalten dort waren, zückten sie die Waffen und Speere und setzte sich im Gleichschritt in Bewegung, während Heulend und brüllend der Baummann mit rasanter Geschwindigkeit näher kam.
      Erst auf der Mitte des Weges unterbrach er mit einem Mal sein Geschrei und die Wurzeln aus seinen Schultern hielten kurz vor den Wachen an, die sich ihm entgegen stellten. Mit verwirrtem Blick hielt der monströse Baum inne und atmete Glut aus, während er nach recht sah.
      Und alles sah nach rechts.
      Und was dort durch das Seitentor kam, war unwirklicher als ein Gewinn im stadtbekannten Hurenhaus:
      Ein Karren, gezogen von einem Pferd, das klappriger nicht sein konnte, fuhr gemütlich quietschend in den Hof. Dieser war als eine Art Planwagen ausgestattet und bedeckt mit feuerrotem Tuch, das vor Regen schützen sollte, es aber aufgrund diverser Löcher nicht tat. Aus diesem Karren drang derartig falsches Instrumentenspiel, dass sich die ersten Wachen udn auch Farryn die Ohren zuhielten. Auf dem Kutschbock saß ein Halbling, der gedankenverloren eine Laute malträtierte und herzzereißend schief ein Lied brüllend zum Besten gab.
      "ICH BIN DER HEXE GAR SO GUT, STEH DA UND GAFF SIE AN! WAS DOCH FÜR LUMPIG' SCHÖN GESCIHT, FÜR WIRRWARR STIFTEN KAAAAAAAAAAAAA-VERFAULTE RIESENKLÖTEN!!"
      Der Karren kam eilig und ruckartig zum Stehen als der Halbling die Schindmähre vor ihm regelrecht um ihren Hals erleichterte. Wiehernd und spuckend kam sie zum Stehen und das Geschepper im Wagen klang nach einigen Problemen, denn mehrere Stimmen erhoben sich!
      "Sam! was soll das? Hast du wieder gesoffen?", fragte ein weiterer Halbling, der den Kopf aus dem Karren stekcte. "Ich hab dir gesagt, das Bier gibts erst wenn wir in Teler-AAAAAAAAAAAH SABBERNDE TRIEFNASEN! WAS IST DAS?!"
      Angsterfüllt blickten die beiden zum Baummann und den Schattengeistern, während Farryn den Kopf schieflegte. Das durfte doch alles nicht wahr sein...
      Konnte sie sich täuschen?
      "Sam! Melvin! Was ist das für Lärm, verfluchte Ochsenhoden?!", donnerte eine tiefere Stimme, aber dennoch die eines HAlblings aus dem Wagen und sah an einem Loch zur Seite hinaus. "ACH DU VERMALEDEITER ZIEGENFRESSER! BOSS! BOHOOOSS! KUNDSCHAFT, SCHNELL!"
      Erst danach wurde es bedrohlich still, als eine höher gewachsene Gestalt hinten aus dem Wagen stieg, und gleichsam ein schweres Paket mit ihr.
      Dies Paket offenbate sich als Laute, die er sich Knüppelartig auf die Schulter schwang und die langen, schwarzen Haare in den Nacken warf. Erst dann begann Farryn zu schreien,.
      "RAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!", donnerte sie. "NEIN! NEIN, NEIN, NEIN, VERDAMMICH NEIN! NICHT DIESER IRRE!"
      "Geschätzte Elfen!", begann eine kraftvolle Stimme zu ertönen. "Werte, Ladies, werte Lords! Könige und Königinnen, Fußvolk und Missetäter! Geehrt bin ich, an diesem wunderbaren Ort gelangt zu sein und arf mich vorstellen: Mein Name ist..."
      "Komm zum Punkt!"; rief eine Wache genervt.
      Ein räuspern später und das kantige Gesicht des Mannes mit der Narbe über dem Auge begann wieder zu grinsen.
      "Man nennt mich Eyrik! Und das, werte Gesellen, ist meine Musikkapelle: Das Halbvolle Dutzend!"
      Es war der Moment, als Farryn auf die Knie sank und mit den Fäusten auf den Boden zu trommeln begann.
      "Warum immer ich? Warum?"

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    • Viola & Vaeril

      Furchterregend und mit ruckartigen, unmenschlichen Bewegungen richteten sich die Schattenkrieger weiter auf. Obwohl die gekrümmten und scheinbar missgebildeten Rückenwirbel keine völlig aufrechte Haltung zuließen. Sie wirkte wie stille Jäger in Lauerstellung. Die klickernden Laute ertönten in immer schnellerer Abfolge, als stachelten sich die schattenartigen Wesen gegenseitig an. Vaeril wusste, dass in ihnen nur noch ein einziger Wunsch vorherrschte, das letzte Gefühl, das er ihnen gelassen hatte: Raserei. Und er musste sie nur noch von ihren imaginären Ketten lassen.
      Soldaten und Söldner setzte sich gleichsam in Bewegung, als die baumartige Kreatur sich brüllend und wütend in ihre Richtung stürzte. Kaum ein gewöhnlicher Elf würde dem Zorn des verwandelten Erzmagiers standhalten. Die Schattenwesen zu seinen Seiten bäumten sich mit glühenden Augen auf, bereit sich der herannahenden Bedrohung entgegen zu werfen und die Rinde von seinem Leib zu schälen. Sie gierten danach ihre Klauen in alles Lebendige zu schlagen, das vom Licht berührt wurde. Dann wurde es schlagartig still. Aller Blicke richteten sich zu den Neuankömmlingen, die mit der Gemächlichkeit einer Spazierfahrt in den völlig zerstörten Vorplatz fuhren. Vaeril zog über alle Maße iritiert die Augenbrauen hoch, während die Schattenwesen klickend ihre Köpfe beinahe synchron schief legten.
      "Bei den verfaulten Gebeinen meiner Großmutter...", murmelte er und konnte seinem Auge kaum trauen, als die klapprige Mähre samt ebenso klapprigen Wagen zum Stehen kam. Farryns Ausbruch ließ ihn die Augen zusammenkneifen. Hatten den alle völlig den Verstand verloren? Und die amazonenhafte Kriegerin nannte den unerwünschten Besucht einen Irren. Vom Blickwinkel des Generals hatte alle Beteiligten, alle anwesenden so berühmt berüchtigten Schwerter, nicht mehr alle Blätter in der Krone. Wie man mit einem so chaotischen Haufen überhaupt eine Rebellion anstreben konnte, war ihm schleierhaft. Keiner von ihnen, bis auf Sylvar, der vor Überrschaung wie eine knorrige Eiche erstarrt war, wirkte wie eine ernsthafte Gefahr.
      "Barde!", bellte Vaeril über den Platz. "Wenn du nicht vorhast dein eigenes Begräbnis aus dem jenseitigen Leben zu besingen, schlage ich dir vor deine klapprigen Gaul anzutreiben und deine Lieder jemand anderem zu trällern."
      Sämtliche Aufmerksamkeit lag auf dem Karren und den Halblingen, die scheinbar den ernst der Lage noch nicht ganz begriffen hatten.
      Viola hob den Kopf. In den vergangenen Wochen waren ihr alle möglichen merkwürdigen, fragwürdigen und abwerwitzigen Dinge unter die Augen gekommen, aber ein Barde, der sich spielend beiläufig an eine Szenerie wie diese zubewegte, grenzte an Wahnsinn. Allerdings schien er kein Unbekannter, Farryn war jedenfalls nicht begeistert ihn zu sehen.
      Die Heilerin traf eine Entscheidung. Es war vielleicht die letzte Chance, die sie bekam, bevor die Lage erneut eskalierte.
      Ihre Finger gruben sich in den Unterarm des Elfen und ehe er wusste, was geschah, hatte Viola zugebissen. Vaerils zorniger aber überrascher Aufschrei erfüllte den Vorplatz, während Blut an seinem Arm herunter lief in dem die junge Frau sich offensichtlich festgebissen hatte, wie ein in die Ecke gedrängter Hund. Schmerz und Schreck sorgten dafür, dass sie die Schatten um ihren Körper lockerten und schließlich ganz zurückzogen. Vaeril ließ seine kostbare Beute fallen und Viola sackte zu Boden. Angewidert wischte sie sich das Blut aus dem Gesicht und verschmierte es dabei zu einer mehr als abstrakten Kriegsbemalung.
      Der stechende Blick des Schattenläufers hatte sich erneut auf die Frau zu seinen Füßen fixiert. Kochend vor Wut ließ er einen schattengleichen Arm, nach ihrem Fuß greifen.
      "Du willst zu ihnen, kleines Rotkehlchen? Na schön. Dann lauf, wenn du kannst."
      Der pechschwarze Ausläufer um ihren Knöchel zog sich ruckartig zu.
      Bevor sich der Schrei aus ihrer Kehle löste, ertönte ein ekelerregendes Knacken, als die Knochen unter der Schlinge brachen. Tränen schossen ihr augenblicklich in die Augen und sie hätte beinahe das Bewusstsein verloren. Aber mit dem betäubenden Schmerz kam etwas anderes. Violas feuchte Augen schienen zu glühen, eine Täuschung des Lichts, sicherlich. Was kein Irrtum war, war das glühen ihres rechten Armes, als die leuchtenden Reben sich von ihrem Handgelenk bis zu Schulter heraufwanden. Und Viola folgte dem Ruf.
      Mit größter Anstrengung streckte sie den Arm nach Dandelost aus, das vor ihr im Kies lag und krallte die Finger um den Griff. Ihre Stimme klang gequält, als sie das rote Haar zurückwarf und grimmig zu Vaeril aufblickte. Sie hatte Andvari gesagt, dass es leid war, Angst zu haben. Und sie würde heute damit anfangen.
      Mit einer Drehung ihres Handgelenks rammte sie die Herzensschneide zwischen sich und Vaeril in den Boden. EIn Puls ließ die Klinge vebrieren, ehe sich ausgehend von der Stelle an der Dandelost im Boden steckte eine Wand aus Licht erhob und sich wie eine Kuppel über Sylvar, Farryn und die Neuankömmlige legte, Viola mit eingeschlossen. Ihr Fußgelenk pochte und glühte, aber ihr Blick war auf Vaeril fixiert. Die Schattenwesen, die dem Schild aus purer Energie zu nahe kamen, zischten bei Kontakt gepeinigt auf und wichen klickernd zurück. "Fahr zur Hölle...", zischte die für gewöhnlich, sanfte Frau.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Die Creep Connection

      Für einen Moment lang wirkte es surreal passiv, wie sich die Parteien anstarrten.
      Der Trupp Halblinge und der Karren fanden sich inmitten eines gewaltigen Kleinkrieges wie es erschien, und ihr Boss war nicht wirklich hilfreich. Stattdessen blickte der Barde zunächst zweifelnd zu den Schattengeistern, die sich um sie herum auftürmten und begann spöttisch zu grinsen.
      "Gute Güte, Vaeril?", fragte er und legte sich eine Hand ans beharrte Kinn, um seinen Schnurrbart zu zwirbeln. "Hast du abgenommen? Letztes Mal warst du mir nicht so hager in Erinnerung. Schade, dass unser Kampf das letzte Mal nicht stattfinden konnte. "
      Das Lächeln wurde bösartig.
      "Und wie schön, dass wir es nochmals geschafft haben, uns zu sehen."
      Als wäre er aus der Reserve gelockt worden, breitete der Barde seine Hände zu beiden Seiten aus und holte tief Luft. Aus seiner Kehle entrang sich mit Zögern beinahe ein tiefer, grollender Laut, der stetig höher wurde, bis er eine Tonhöhe erreichte, die in den Ohren schmerzten. Als würde ide Luft von unsichtbaren Händen angeschoben schoss pfeilschnell ein Teil der stehenden Luft in Richtung der Schattenarmee, um hinter ihnen im Palast einzuschlagen. Wie durch Zauberhand schienen sich die Steine regelrecht wegzusprengen, während sich Eyrik am Kopf kratzte.
      "Na, ich habe auch mal besser getroffen."
      "Eyrik, du alter Taugenichts, ich..."
      "SCHWEIGT!", donnerte Sylvar und wollte sich erneut in Bewegung setzen, als bei Vaeril Bewegung in den Ablauf kam.
      Mit irritierten Gesichtern beobachteten die drei Schwerter, wie Viola dem Schattenmann in den Arm biss. Farryn entkam ein nicht ganz weibliches Gejubel, währnd sie ihre Faust in die Luft stieß. Eyrik hätte schwören können, dass er eine Vibration in der Luft wahrgenommen hatte.
      Kampfbereit zog er die Laute von der schulter und hielt sie nun wirklich wie einen Knüppel, während Farryn die Fäuste ballte.
      Sie alle kamen zu einem Halt, als sich die glänzende Lichtwand aus dem Nichts erhob und sie einschloss.
      Selbst die Schindmähre begann kläglich zu wiehern, während Sam sich nach dem glänzenden Ding umsah.
      "HELMUT; KARLHEINZ, RAUS MIT EUCH UND BRINGT DIE EIMER MIT! WENN VON DEM GOLDENEN DINGSDA ETWAS ABFÄLLT; AUFSAMMELN, IHR TEILZEITSÄUFER!"
      "Sam...Bitte...Unsere Reputation", murmelte Eyrik und schlug die Haare zurück. "Aber durchaus eine nette Alternative zu einem Kampf. Also Kameraden: Was tun wir nun?"
      Farryn schüttelte den Kopf und ging gemeinsam mit Sylvar ein paar Schritte in Violas Richtung, während sie die Knöchel knacken ließ.
      "Was sollen wir schon tun? Wir hauen ihnen auf die Omme, bis Andvari kommt und dann gehört der Schattentyp der Menschenfrau!"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola & Vaeril

      Mühevoll zog sich Viola an Dandelost in eine aufrechte Position, blieb aber aufgrund des schmerzhaften Bruchs in ihrem Knöchel am Boden sitzen. Stoßweise entkam der hektische Atem über ihre Lippen, die von Blut beschmiert waren. Der metallische Geschmack auf der Zunge ließ Galle ihre Kehle hinauf steigen. In ihrer Hand pulsierte Dandelost in einem rhythmischen Takt. Viola bemerkte fasziniert, dass es sich dabei um den eigenen takvollen Klang ihres Herzschlages handelte. Unter den hoch geschobenen Ärmeln ihreres Hemdes schlängelte sich glühendes Licht wie Efeu über ihre Haut. Der offenstehende Kragen offenbarte wie die Linien bis über ihr Schlüsselbein zu ihrem Herzen ragten. Ein reiner Instinkt hatte die Heilerin dazu gebracht Dandelost zu ergreifen, eine lockende und flehende Stimme.
      Die Herzenschneide war kein Schwert das dazu geschmiedet wurde Leben zu nehmen. Dandelost war dazu bestimmt zu beschützen, was seine Trägerin in ihrem Herzen barg. Und dieser Wunsch hatte Viola gerufen. Viola erzitterte unter der immensen Gewalt an Magie die aus ihrem Körper in das Schwert floss und den Schild näherte, wie eine Quelle. Lange würde sie den Schild nicht aufrecht erhalten können. Einen Blick auf ihren verdrehten Knöchel wagte sie nicht, es fühlte sich grausig genug an. Aber der Schmerz rückte in den Hintergrund, während Welle um Welle ihrer Aura durch ihren Arm pulsierte. Der Körper eines Menschen, wenn auch mit einen Quäntchen Magie gesegnet, war nicht stark genug. Die Klinge war nicht geschmiedet worden, um von Menschenhand geführt zu werden.
      Die schützende Kuppel hielt Söldner und Palastwachen fern, die mittlerweile versuchten den Schild zu durchbrechen. Überall wo der Schild bearbeitet wurde, warf die Hülle Wellen, wie die aufgerüttelte Oberfläche eines Sees. Vaeril schlug mit der Faust dagegen und blickte zu Viola, getrennt von ihr durch den magischen Schild. Eyrik würdigte er keines Blickes, die Ohren klingelten ihm noch von dem hohen Ton. Einigen der Söldner lief tatsächlich unter Wimmern, das Blut aus den Ohren.
      "Das hälst du nicht durch...", zischte er. "Wenn dieser Schild fällt, gehörst du mir. Und wenn ich mit dir fertig bin, können dieser Bastard und seine Anhänger einsammeln, was von dir übrig ist, du elendes Miststück."
      Viola zuckte zusammen, ließ aber nicht von Dandelost ab. Schritte näherten sich und ihr Kopf fuhr herum, nur um Farryn und Sylvar zu erblicken. Der Gesichtsausdruck der Heilerin hatte verdächtige Ähnlichkeit mit einem verletzten, wilden Tier, dass sich mit Händen und Füßen wehren würde. Goldene Tupfen sprenkelten die tiefgrünen Iren.
      "Ich...Ich kann den Schild nicht lange halten.", sprach sie und ihre Stimme war bereits beunruhigend dünn. Mit der freien Hand fischte sie nach dem Dolch. Vaerils Worte schürten einen ureigene Furcht. Sie nahm lieber ihr eigenes Leben in die Hand, als sich wieder gefangen nehmen zu lassen. "Ich kann euch alle hindurchlassen. Oder sie einzeln hinein lassen. Besser als alle aufeinmal. Aber ich kann mich nicht bewegen."
      Ein Speer krachte unweit des Karrens in den Schild. Es knackte und ein Riss lief hindurch. Splitter lösten sich und rieselte wie Schnee zu Boden, nur um sofort beim Aufprall zu zerspringen wie feinstes Glas. Viola drehte das Kinn in die Richtung der beschädigten Stelle und der Riss schloss sich. Endlich konnte auch sie den Neuankömmling klar erkennen und nickte Eyrik knapp zu. Die Vorstellung musste wohl noch ein wenig warten.
      "Ich habe keine Ahnung, wie ich das mache...", stieß sie hervor und die Knöchel am Schwertgriff traten weiß hervor. Viola schwankte, hielt sich aber aufrecht. Ihr Blick glitt zu dem Baumwesen, in dem sie nur entfernt die vertrauten Züge erkannte. Aus der Nähe wirkte die Kreatur regelrecht unschüchternd, auch wenn sie ihn nicht zu fürchten brauchte. Geistesabwesend ließ die Heilin den Dolch in ihren Schoß fallen und streckte den Arm zu Sylvar aus, vielleicht um ihn zu beruhigen.
      "Sylvar, wenn das hier schief geht, brauchen wir einen Fluchtweg.", sprach sie mit dünner Stimme, während ihr der Schweiß von den Schläfen perlte.
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    • Die Creep Connection

      Während Viola das Schild mühsam aufrecht hielt und die Feinde bereits begannen, eben jenen einzureißen, trat Farryn an sie heran und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
      "Du machst das gut", sagte sie und nickte. "Einfach weiter die Konzentration halten, wärhend wir beraten. Eyrik, was zum Donner bringt dich schon wieder in meine Nähe?"
      "Es ist nicht so, als würde ich mir deine Nähe aussuchen, Liebes", kommentierte der Barde und zupfte sich erneut an dem Schnauzbart.
      Krachend fiel etwas auf den Schild und barst ihn beinahe, sodass er nach oben sah. "Wir sollten eienn Weg hinaus finden."
      Sylvar indes beugte sich knarrend vor und eine gewaltige Klaue hob sich sacht aus der Tiefe seines knorrigen Körpers hervor und vollzog eine beinahe beiläufige Bewegung mit den klauenartigen Fingern. Eine kleine Wurzel brach durch die Steine und legte sich um Violas gebrochenen Knöchel. Man hätte erwarten können, dass Schmerzen die Folge eines derartigen Umschlingens waren, jedoch strahlte die Wurzel lebendige Wärme ab, die sie auf die bleiche Haut unter sich übertrug. Es würde sicherlich eine Weile dauern, bis der Heilzauber wirkte, aber zumindest würde sie laufen können.
      "WIR LASSEN...SIE EIn....", knurrte der Baum beinahe unhörbar, während er sich wieder der Feinde besah. "Hat...keinen...Sinn..."
      "Das Schild aufrecht zu halten? ich finde es sehr wirksam, gegen diese Schattengeister", murmelte Farryn und knackte noch immer ihre Knöchel.
      Eyrik verzog angewidert das Gesicht vor diesen Unheilsbringern, nickte aber schließlich.
      "Stimme unserem Baumgeist leider zu. Es macht keinen Sinn ein Schild aufrecht zu halten, was ohnehin brechen wird. Wir drei sollten in der Lage sein, diese Macht zurückzuschlagen."
      "Nein...", knurrte Sylvar. "Ich...halte zurück...Ihr geht...mit Viola..."
      Farryn schüttelte den Kopf.
      "DAs kannst du gepflegt vergessen. Wir kämpfen mit dir oder gehen mit dir."
      "Andvari...muss gefunden werden...Kommt zurück...wenn ihr den Hammer habt..."
      "Andvari ist hier?", fragten Farryn und Eyrik unisono und sahen die Frau an.

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    • Viola


      Obwohl die Heilerin versuchte dem Gespräch in ihrem Rücken zu folgen, verlangte die Erhaltung des Schildes ihre vollständige Aufmerksamkeit. Sie nickte Farryn stumm zu, dankbar für den Zuspruch.
      Jede Erschütterung der schützenden Hülle fuhr wie ein Schlag durch ihren Körper, als könnte sie den Angriff physisch spüren, wobei sie aber keine Schmerzen empfand. So wusste sie aber instinktiv, wo sich der nächste brüchige Riss auftat und verschloss ihn erneut. Es war erschreckend einfach, wenn sie sich auf ihr Bauchgefühl verließ. Dennoch, er würde nicht halten. Aber immerhin reichte es aus, um ihnen ein wenig Zeit zu erkaufen.
      Viola blickte Sylvar entgegen, der sich unter knarrenden Geräuschen zu ihr beugte. Etwas berührte daraufhin ihren gebrochenen Knöchel, doch der Schmerz blieb aus. Wie eine eigenwillige Schiene, wickelte sich die Wurzel sich um den Bruch und der brennende Schmerz verkam zu einem dumpfen Pochen. Erleichtert über die Milderung atmete die Heilerin aus. Die Freisetzung des Schutzschildes verbrauchte zu viel ihrer Aura und sie hätte unmöglich ihre eigenen Verletzungen noch behandeln können.
      Vorsichtig brachte Viola ihre Beine unter sich, um Dandelost als behelfsmäßige Stütze zu missbrauchen, und sich auf wackelige Füße zu ziehen. Die Welt schwankte, aber die junge Frau bleib stehen. All das geschah unter den zornigen Argusaugen von Vaeril, der nun einen Schritt zurückmachte und hinter den Reihen seiner Schattenwesen verschwand, die sich nun mit aller Macht und trotz offensichtlicher Qualen klickernd und schnarrend gegen den Schild warfen. Von den Elfen, die sie einst gewesen ware, war nichts mehr übrig.
      Unwirsch wischte sich Viola mit dem Hemdärmel über das Gesicht, in der Hoffnung das letzte bisschen von Vaerils Blut zu entfernen. Ein paar Flecken blieben allerdings zurück. Ihr Blick richtete sich auf die beiden Schwerter, die sich ihr nun zu gewandt hatten. Sichtlich erstaunt, wie es schien. Viola sah Dandelost an, dass noch immer wie ein Mahnmal im Boden steckte, fest umklammert.
      Bestätigend nickte sie.
      "Wir haben uns auf der Suche nach Farryn getrennt.", sagte sie. "Andvari ist auf dem Weg in die Waffenkammer, um den Hammer zu bergen."
      Kurz darauf wandte sie sich Sylvar zu und zog leicht die Mundwinkel nach oben. Und nickte.
      Er hatte ihr das Versprechen abgenommen, zu tun, was er sagte, wenn der Ernstfall eintraf.
      "Sylvar, kannst du Andvari ausfindig machen? Der Aufspürzauber! Wenn wir seine Position kennen, kostet uns das weniger Zeit..."
      Und sie würden schneller wieder hier sein, um dem Magier unter die Arme zu greifen.
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    • Die Ritter des (Un)Rechts

      Es war schon erstaunlich, was diese Menschenfrau zu leisten vermochte, wenn man ihr ein Elfenartefakt in die Hand gab. Es musste einen Grund haben, weshalb Andvari sie als erstes Schwert auserkoren hatte, aber diese Art der Kraft überraschte selbst den Barden und Farryn gehörih. Die Schattenwesen trauten sich beinahe nicht heran, während sie das Schild beinahe andauernd aufrecht hielt. Ein Schild dieser Größenordnung musste gewaltige Aurareserven verschlingen, wenn man es recht bedachte.
      "Wenn Andvari hier ist, haben wir eine Chance gegen diese kleine Armee", murmelte Farryn beinahe für sich selbst und spürte Aufregung in sich aufwallen.
      Sylvar indes nickte knorrig und blickte sich in Richtung des Palastes um. Seine Aura suchte mit einem gewaltigen Puls den Palast ab und beinahe fühlte es sich an wie eine Kältewelle die über Telerin hereinkam. Doch inmitten des edlen Gehölzes des Baumes und den unzähligen Fenstern darum herum, spürte er den Elfenprinzen mit seinem Licht unentwegt rennen. Und er hatte den Hammer dabei!
      "Andvari...hat den Hammer...Kommt hierher...", donnerte er und sah wiede rzu Vaeril, der in der Masse verschwand.
      "Was ist los, VAeril?", grinste Eyrik. "Angst, Baumschatten? Oder ist es eher Respekt, wie man bei euch sagte?"
      Kichernd ging der Barde einen provozierenden Schritt auf sie zu, während Sylvar den Arm hob, um ihn zurückzuhalten.
      "Such...Andvari...", knurrte er und blickte hasserfüllt mit glühenden Augen tzu der Schattenarmee und VAeril. "Überlass...sie mir..."
      "Oh je oh je...", flüsterte Eyrik und kratzte sich am Kopf. "Befürchte, wir verpassen den ganzen Spaß, nicht wahr?"
      "Geht...jetzt..."
      Mit einm Wink seines Armes begann die Luft um Viola herum zu flirren, ehe sich vor ihren Augen eine Dimensionstür öffnete, die in Regenbogenfarben glitzerte. "Findet...ihn..."
      Ein Ziel war nicht zu erkennen, aber die Worte des BAumes waren durchaus eindeutig zu verstehen. Es duldete keinen Aufschub mehr. Sie mussten handeln, sonst würde Faolan alles erfahren.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Erschöpfung stand der Heilerin ins Gesicht geschrieben und dennoch verzog sie die Lippen zu einem Lächeln reinster Erleichterung, als Syvlar verkündete den weißhaarigen Elf gefunden zu haben. Es war also doch eine weise Idee gewesen, Andvari mit diesem kleinen Zauber auszustatten.
      Bedenkliche Risse und Sprünge zogen sich allmälich über den glühenden Schild, Splitter aus Energie und physisch nicht greifbar, rieselten über ihren Köpfen zu Boden. Sobald sie Dandelost aus der aufgewühlten Erde zog, würde das Gebilde in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus. Das altbekannte Flirren einer Dimensionstür sorgte dafür, dass sich die feinen Härchen an ihren Armen aufstellten. Es fühlte sich an, als würde sich die Luft um sie herum aufladen.
      "Sie entkommen!", brüllte es aus den Reihen Vaerils und der Druck auf den Schild schien sich zu erhöhen.
      Die Wucht hätte Viola beinahe von den Füßn gerissen. Wenn dieser Kampf überstanden war, würde sie dringend Übung brauchen.
      "Wir haben nur Sekunden!", rief sie zu Farryn und Eyrik herüber. "Sobald ich Dandelost aus dem Boden ziehe, fällt der Schild."
      Und die Schattenkreaturen waren beunruhigend schnell. Unaufhörlich preschten sie gegen din splitternden Schutzschild. Zischen zwängte eines der Wesen seine garstige Klaue durch ein entstandenes Loch im Schild.
      Viola warf das rote Haar zurück und blickte zu Sylvar. Es gefiel ihr nicht, ihn hier Vaeril und seinen Kreaturen zu überlassen. Sie öffnete den Mund um etwas zu sagen, da zwängte sich bereits der nächste Schatten klickernd durch einen klaffenden Riss. Stattdessen flog ihr Blick zu den beiden andren Schwertern.
      "Bereit?", fragte Viola und wartete auf das Signal. Ein Einatmen, tief und gleichmäßig folgte. Die grünen Augen richtete sich auf das schimmernde Portal. "Jetzt!"
      Mit einem kräftigen Zug riss Viola das Elfenschwert aus der Erde. Ein schwacher Puls ließ den Schild erzittern, ehe ein Geräusch die Luft erfüllte, das am ehesten mit dem Bersten von Kristallglas zu vergleichen war. Die Kuppel brach und rieselte wie schimmernder Schnee zu Boden.
      Die Heilerin warf sich mit einem Satz durch das Portal, ohne zu wissen, wo sie landen würde. Sichtlich mitgenommen sank VIola auf der anderen Seite in die Knie, Dandelost auf ihre Oberschenkel gelegt. Die Male auf ihrem Arm pulsierten im Ryhtmus ihres rasenden Herzschlages. Schritte ertönten in ihrem Rücken, ehe sich die Dimensionstür mit einem 'Plopp' versiegelte und verschwand.
      Der Boden unter ihr war von kaltem, glatten Stein. Glassplitter der zerborstenen Fenster bedeckten die Oberfläche. Sie mussten im weißen Baum sein.
      "Alle noch an einem Stück? Keine verlorenen Gliedmaßen?"
      “We all change, when you think about it.
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    • Barde, Barbarin und der Königsmuffel

      Der Moment, ehe das Portal sich verzog und mit einem "Plopp" erlosch, schien sich beinahe ewig hinzuziehen, wenn Farryn und Eyrik das beurteilten konnten. Sieahtten sich kurz anch Viola durch das Portal geschmissen und waren in einem Gang angekommen.
      Die Wände und der Boden bestanden aus weißem, massiven Stein und an den Wänden entlang des roten Laufteppichs zu ihren Füßen hingen unzählige Gemälde verblichener Herrscher und Herscherinnen. Sie alle wirkten auf eine merkwürdige Weise ähnlich als handele es sich beinahe um ein und denselben Elfen.
      Selbst für Eyrik und Farryn erschien dieser Grad der Verwandschaft beängstigend und verdächtig zugleich. Man hatte durchaus von Cousinenehen in diesem Reich gehört, aber selten wurde diese ausgeführt. Schweigend betrachteten sie ihr neues Umfeld, während Farryn Viola zaghaft auf die Füße half.
      "Keine verlorenen Gliedmaßen", bestätigte Eyrik grinsend. "War eine ganz schöne Aktion, werte Dame. Hatte selten das Vergnügen Dandelost in voller Fahrt erleben zu können, und was soll cih sagen: Beeindruckend, beeindruckend."
      Farryn versuchte derweil auf ein Geräusch zu hören und warf die verfilzten Haare nach hinten, um ein Ohr an die Scheibe zu pressen. Doch die Kämpfe waren zu weit entfernt. Sicherlich vermochte sie einen schreienden Dämon zu hören, aber letztlich blieb es dabei.
      "Gut, gut", wir haben es also geschafft", konstatierte derBArde erneut udn zwirbelte sich den Schnurrbart. "Die Frage ist nur: Wo ist der König?"
      "Schätze, dass er nicht weit weg sein kann oder? Ich meine, es war doch ein Zauber, um ihn aufzuspüren...Eine Frage am Rande? Wo ist meine Kapelle?"
      "Welche Kapelle?"
      "Na die Halblinge! Bei den Bäumen, haben sie..."
      Farryn seufzte und wollte Viola gerade eine Frage stellen, als Andvari in einem schweren Schwarzen Reisemantel um die Ecke bog und beinahe unfreiwllig komisch zu allen Seiten ausschau hielt, ehe er die drei Neuankömmlinge sah.
      "Was...", begann er und legte den Kopf schief.
      In seiner Hand trug er einen gewaltigen Hammer, der zu beiden Seiten mit einer schweren Hammerseite ausgerüstet war. Der Griff bestand aus Kirschbaumholz des letzten heiligen Baumes und das Metall des Hammers war Mithril der Zwerge. Silbern schimmerte es im Gegenlicht des Tages, während er auf sie zukam.
      "Was tut ihr denn hier?", fragte er und sah zu Viola und ihrem Gesicht. "Was ist geschehen?"

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    • Viola

      Mit Dankbarkeit nickte Viola der Elfe zu und ließ sich von ihr aufhelfen. Die Beine fühlten sich an, als hätten sie jegliche Substanz verloren, auch wenn die Wurzel an ihrem Knöchel die Schritte stabilisierte. Prüfend trat sie mit dem verletzten Fuß ein wenig fester auf und verzog leicht das Gesicht. Keine Schmerzen, aber wirklich belastbar wirkte der gesplitterte Knochen nicht.
      Besorgt suchten grüne Augen ihre neuen Begleiter nach offensichtlichen Verletzungen ab, aber Eyrik behielt recht. Sie waren zu Glück alle noch an einem Stück und den fauchenden Schattenkreaturen rechtzeitig entkommen. Die Worte des Lobs zauberten ein verlegenes Lächeln auf ihr Gesicht, das mit dem Blut darin reichlich abstrakt wirkte.
      "Viola. Mein Name ist Viola. Und um ehrlich zu sein, das war das erste Mal. Ich habe Dandelost erst vor wenigen Tagen erhalten.", gab sie bedächtig zurück und sah auf das Elfenrelikt in ihrer Hand. Das kaum vorhandene Gewicht fühlte sich nach dieser Begebenheit wie ein Teil ihres Körpers an, als wäre die Verbundenheit zu der Klinge damit gewachsen. Sie spürte die Wärme unter der Haut in ihrem Arm. "Mir war nicht bewusst, dass das Schwert so etwas vollbringen kann. Da war einen Stimme..."
      Viola verlor sich mitten im Satz und schüttelte den Kopf. Bei der Erwähnung der Hablinge fuhr ihr Kopf zu den Fenstern herum.
      "Ach herrje...!", sie zog die Stirn kraus. "Vielleicht konnten sie sich irgendwo hinter Sylvar in Sicherheit bringen."
      Die irrwitzige Truppe um den Barden war zu weit weg vom Portal gewesen, um auch nur ansatzweise rechtzeitig in die Nähe zu gelangen. Unter anderen Umständen wäre die erste Begnung mit Eyrik und seiner Kapelle sicherlich herzlicher ausgefallen.
      Die Heilerin sah an Farryn vorbei, die sie mit einer Frage in den Augen anblickte. Wenige Sekunden später bog Andvari mit eiligen Schritten um die Ecke und sah sich hektisch um. Sie hatte ihn gespürt, noch bevor sie ihn gesehen hatte. Sylvar hatte sie wohl sehr präzise abgesetzt.
      Viola achtete nicht auf die beiden übrigen Schwerter und schob sich an der Kriegerin vorbei.
      Ein paar wenige humpelnde Schritte schaffte sie, da war der Weißhaarige schon bei ihnen und blickte die drei Neuankömmlinge sichtlich überrascht an. Bei dem Ausdruck in seinen bernsteinfarbenen Augen erinnerte sich die Heilerin an ihre eigenes, zerüttetes Erscheinungsbild. Tränenspuren auf blutverschmierten Wangen, der kleine Schnitt unter ihrem Auge und der unordentliche Zustand ihrer Kleidung.
      Tief holte sie Luft, um das wilde Herz in ihrer Brust zu zähmen. Sie wirkte mit jeder Sekunde blasser.
      "Der Schatten...", setzte sie an und leckte sich über die Lippen, was sie sofort bereute, als sie Blut schmeckte. " Der Schatten, der uns seit unserer Ankunft in Telerin verfolgt. Das war...Vaeril ist hier. Er hat uns überrascht, als wir Farryn aus ihrer Zelle holten. Sylvar hat die Beherrschung verloren, als er mich fort gerissen hat...Wir...Wir müssen sofort zurück! Sylvar ist zurück geblieben, um Vaerils widerliche Schatten in Schach zu halten."
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    • Le Reste

      Andvari eilte zu Viola und versuchte, ihre humpelnde Gestat zu begreifen. Ihr Gesicht sah aus als hätte sie eine Schlacht hinter sich und ihre Lippen standen von Blut. Lippen die heute morgen noch fröhlich gelacht hatten. Mit einem Mal war die Überraschung nicht unerheblicher Wut gewichen, nachdem er den Namen des Peinigers seiner Liebsten hörte. Für einen Moment blickte er sie nur an und fühlte sich mit einem Mal wie in einem Moloch gefangen. Das Leben, das er bisher geführt hatte, zog regelrecht an ihm vorbei und Wut bahnte sich beinahe schwallartig den Weg durch seinen Verstand.
      Doch nichts davon zeichnete sich auf dem ausdruckslosen Gesicht ab.
      "Hat er dir etwas getan?"; fragte er bedächtig und ruhig währnd seine Augen ihr Gesicht nach Spuren absuchten. Der Knöchel. Er spürte einen gebrochenen Knochen, aber war, was Heilzauber anging, nicht wirklich bewandert, um die Wunden zu schließen. Die Wurzeln um ihren Knöchel jedoch waren weiterhin besorgniserregnd.
      "Sylvar hat fürchte ich ds Siegel gebrochen", sagte Farryn schließlich und verschränkte die Arme vor der Brust. "Und Viola hat versucht, uns zu schützen.."
      "Sehr wohl! Sie hat alles getan, was menschenmöglich war. Versteht ihr? versteht ihr?"
      "Klappe, Eyrik", donnerten Andvari und Farryn unisono während sie sich ansahen als seien sie Fremde.
      "Wie weit ist das Siegel aufgerissen?"
      "Er hat Viola für Ayla gehalten..."
      "Also ist es offen. Gut, wir müssen ihn einfangen und gleihsam zur Ruhe bringen. Wir sollten auf jeden Fall zurück aufs Schlachtfeld und ihn in Sicherheit bringen!"
      Farryn grinste, als Andvari ihr den Hammer gab und drückte ihn an ihren Busen. "Du braver Hammer..."
      "DU und dein Hammer", kommentierte Eyrik. "Könnten wir einmal kommentieren, dass meine Kappelle dort unten ist und vermutlich zwar nicht hilflos, aber zumindest unnütz mit einem Karren unterwegs?"
      "Du hast die Halblinge dabei?"
      "Was heißt dabei - sie laufen mir nach. Und sie haben einen tollen Rhythmus"
      Einen Momnt lang wirkte es surreal, hier zu stehen, während die erste Explosion den Palast erschütterte. In der Ferne des Fensterblickes ließen sich gewaltige Wurzeln erblicken, die den Weg in den Himmel fanden. Sie schlugen wie gigantische Peitschen auf den Boden ein und Steine und Geröll flogen wie Konfetti durch die Luft.
      "Vielleicht sollten wir dorthin", sagte Farryn und kratzte sich am Kopf.
      "Haben wir eine Möglichkeit?", fragte ANdvari und sah sich ratsuchend um.

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      The more you drag me to hell
    • Viola


      Der Gesichtsausdruck des Elfen strahlte Ruhe aus.
      Eine täuschende Ruhe die Viola ihm nicht gänzlich abkaufte und die Zeit drängte. Offensichtlich hatte der Schattenläufer ihr zugesetzt, aber das, wonach Andvari fragte, war nicht geschehen. Behutsam schüttelte Viola den Kopf.
      "Nein, hat er nicht.", antwortete sie und erstaunte selbst über die Festigkeit ihrer Stimme angesichts der Begegnung mit Vaeril. "Wenn ich fest genug zugebissen habe, dürfte er einen hübsche Narbe zurückbehalten. Das war den gebrochenen Knöchel fast wert."
      Der schlechte Wortwitz des Barden ließ Viola trotzdem schmunzeln. Sowohl Farryn als auch Eyrik hatten bisher keinen Anstoß an ihrer Anwesenheit genommen. Die Fragen mussten allerdings noch ein wenig warten.
      "Ich hoffe dein Gesang ist besser als deine Witze...", grinste sie nur zu Eyrik herüber.
      Viola wunderte sich kaum darüber, wie selbstbewusst sie dabei klang. Die Freisetzung von Dandelost und die Bestätigung, wozu sie als kleines Menschlein in der Lage war, hatten ihr einen großzügig Schub verpasst. Adrenalin rauschte unaufhörlich durch ihre Adern. Vielleicht würde sie auf Dauer wirklich eine passable Kämpferin abgeben.
      "Von welchem Siegel sprecht ihr eigentlich?", fragte Viola und verschränkte die Arme vor der Brust. "Warum sollte mich Sylvar für Andvaris Mutter halten?"
      Noch während sie auf eine Antwort wartete, trat Viola an eines der bereits gesprungenen Fenster heran und lehnte sich ein wenig aus dem zerstörten Sproßenfenster, nachdem sie gesplitterten Holzsproßen bei Seite geknickt hatte. Es war hoch. Zu hoch. Der direkte Weg war also keine Option.
      "Wie kommen wir da herunter ohne uns den Hals zubrechen?", mumelte sie leise. Ihre verbliebene Kraft würde kaum reichen, um sie alle nach einem waghalsigen Sprung oder anderen lebensmüden Vorhanden rechtzeitig zu heilen. Der Weg durch den Palast war zu lang und sicherlich nicht ohne weitere Kämpfe machbar. Nachdenklich drehte sie Dandelost in der Hand. Wenn es die Möglichkeit gäbe den Schild zu konzentrieren...Seufzend blickte Viola in die Ferne und erblickte die mächtigen Wurzeln die sich in den Himmel reckten.


      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Adnvari und der wütende Mob

      "Nichts rechtfertigt einen gebrochenen deinerseits", murmelte Andvari wütend und blickte kurz zum Schlachtfeld. "Und das wird er ebenso bezahlen wie die Tatsache, die er dir sonst angetan hat."
      "Er hat ihr etwas angetan?", fragte Eyrik neugierig und legt den Kopf schief, während er versuchte, seine Haare zu entknoten. Standesgemäß nutzte er kein LEderriemchen sondern vielmehr seine eigenen Haare, die er schlicht verknotete.
      "Nicht...", sagte Farryn und schpüttelte den Kopf. "Man spricht nicht über sowas..."
      "Sowas.."
      "Eyrik!"
      Andvaris Stimme hatte sich mit dem Auftauchen seiner Schwerter verändert. Man konnte sagen, dass sie erhabener geworden war. Tiefer, dunkler in der Farbe und beinahe bestimmend. Auch dieser Ton ließ keine Abweichung von der Tatsache ab, dass nicht mehr darüber gesprochen werden sollte.
      "Da Sylvars Kräfte seit seiner Jugend nicht zu bändigen waren, wurden sie unter ein Schutzsiegel gestellt", sagte Andvari und sah sie an. Die warmen Bernsteinaugen fuhren wahllos über ihr Gesicht als suchten sie es ab. Aber schienen das, was sie suchten, nicht zu finden. "Das Siegel zauberte seinerzeit meine Mutter, Ayla, die Lichtruferin. Sie war Erzmagierin der Weißen Hand und Sylvars Meisterin bis zu ihrem Dahinscheiden. Sylvar hatte eine besondere Beziehung zu ihr auch wenn er eine eigene Mutter hatte. Aber da Magie seiner Art nicht gern gesehen wurde im Schloss, fand er in meiner Mutter eine geduldige Zuhörerin. UNd nun ja...Es entwickelte sich eine Freundschaft. Meine Mutter wurde fortgebracht und Sylvar musste machtlos mit ansehen wie mein Vater sein Gutdünken mit ihr hatte. Seither besitzt er ein Trauma, was ihn regelrecht wahnsinnig werden lässt. Unter diesem Trauma bricht das Siegel auf und Sylvar befindet sich in seinem 20jährigen Ich vor dem Verlust meiner Mutter...Das Resultat siehst du dort!"
      Er wies mit dem Kinn zum Schlachtfeld, während die anderen beiden nach violas Woeten ans Fesnter traten.
      "Sie hat Recht", sagte Farryn. "Ich kann mich abfangen, das wird kein Problem sein. Eyrik kann durch seine Schallwellen bremsen...Aber sie...Vielleicht sollten wir sie zurück..."
      "Das erste Schwert wird nicht zurückgelassen, Farryn."
      Erneut dieser Ton, der keinen Widerspruch duldete. Im Gegenteil. Demütig neigte Farryn Iarpetor, er Tausendhammer und Königin des Jähzorns den Kopf und trat an Violas Seite. "Ich könnte sie tragen."
      "Nein"; sagte Andvari und sah Viola an.
      "Das Schwert, das du besitzt...", begann er und grinste. "Ich nehme an, du hast den Kniff herausgefunden? Wenn ja, werde ich dich tragen und springen. Und sicher sein, dass uns beiden nichts geschieht."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola


      Die Autorität, die Andvari gegenüber den restlichen Schwertern an den Tag legte, war für Viola befremdlich. Obwohl sie in den vergangenen Wochen und Tagen die verschiedensten Facetten von ihm erblickt hatte.
      Krieger, Witwer, Vater, Bruder und Liebhaber.
      In jenem Augenblick, als er Eyrik und seine zweifelhafte Neugierde in die Schranken wies, sah sie das erste Mal seit ihrer schicksalhaften Begegnung den Feldherrn und Lichtbringer ins Tageslicht treten. Kopfschüttelnd schenkte sie dem ahnungslosen Barden ein mildes Lächeln. Der Blick der grünen Augen spiegelte eine schattenhafte Erinnerung wieder, ehe sie seufzend zu Andvari sah, um seinen Worten zu lauschen. Der Ausdruck ihrer Augen sollte für die meisten genug sein und auch für Eyrik, um ihn wenigstens erahnen zu lassen, das Vaeril gegen ihren Willen Hand an sie gelegt hatte und das nicht erst heute.
      "Das ist furchtbar. Was können wir tun um Sylvar zu helfen?", murmelte sie.
      Besorgt folgte sie der deutenden Bewegung seines Kinns zum Fenster.
      Der Einwurf von Farryn erhellte die Miene der jungen Frau nicht gerade. Auf keinen Fall würde sie tatenlos hier zurückbleiben.
      Bevor sie überhaupt zum Protest den Mund öffnen konnte, war Andvari bereits vorgetreten und sprach sich für sie aus.
      Besänftigend legte Viola eine zierliche Hand auf seine Brust, nachdem sie an seine Seite getreten. Einen Moment lang sah sie ihn einfach schweigend an, da sie keinesfalls seine Autorität vor den Schwertern untergraben wollte. Dennoch zu sehen wie eine eindrucksvolle Frau wie Farryn demütig das Haupt senkte...
      Das Grinsen erschien ihr endlich wieder ein wenig vertrauter.
      Zuversichtlich nickte Viola und drehte Dandelost in einer gut geübten Bewegung in der Hand, ehe sie das Schwert mit beiden Händen hielt. Eine noch immer am Griff die andere behutsam unter die kühle, gläsernwirkende Klinge gelegt.
      "Erst hat es mich überrascht, als ich das goldene Licht gesehen habe. Aber irgendwie hat es Sinn ergeben, dass die in der Klinge wohnende Kraft auf dieser Form von Magie basiert. Korrigier mich bitte, ich bin keine Expertin sondern blutige Anfängerin.", sprach sie mit einem sanften Lächeln. "Wer die Klinge geschmiedet hat, hat einen Funken Lichtmagie darin eingebettet, vermute ich. Und der Träger, in diesem fall meine Wenigkeit, dient als Energiequelle."
      Sie konnte dadurch zwar die Kraft des Schwertes befeuern, war aber generell nicht auf wundersame Weise dazu in der Lage wann immer sie wollte mit der begehrten Lichtmagie herumzuspielen.
      Viola schloss die Augen und war dieses Mal nicht erschrocken, als Dandelost in ihrer Hand pulsierte und die wärme unter ihrer Haut sich verstärkte. Der Puls ähnelte erneut ihrem eigenen Herzschlag und langsam aber stetig kroch das Licht wie eine verkleinerte Form ihres Schildes ihre Arme hinauf. Es war definitv dasselbe Schimmern der Kuppel. Wie eine zweite Haut legte sich das Licht der angepasste Schild um ihren gesamten Körper.
      Als die Heilerin die Augen aufschlug, funkelten wieder goldene Sprenkler in ihrer Iris.
      "Ja, ich glaube ich habe den Trick raus.", sagte sie und wirkte dabei äußerst selbstzufrieden.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Die Fantastic Three

      Andvari nickte zu ihren Ausführungen und lächelte breit. Das weiße Haar wirkte bereits seit dem Bad nicht mehr schmutzig und fahrig, sodass es einer weißen Mähne gleich wieder hinter die Ohren fiel. Dennoch fehlte ihm der Zopf seiner verblichenen Tochter hin und wieder.
      "Du hast es erfasst", grinste er und stemmte die Hände in die Hüften.
      Eyrik, aus seiner Starre erwacht, blickte nunmehr zu Andvari und Viola, ehe er mit Farryn einen Blick tauschte.
      "Du hast es ihr nicht gesagt?", fragten die beiden erneut unisono, während Andvari sie fragend ansah.
      "Was gesagt?"
      "DAs Schwert...Der Schmied..."
      "Oh", erinnerte sich der Elf und schlug sich mit der flachen Hand vor die stirn. "Nein, es kam bisher kaum zur Sprache."
      Farryn verschränkte die Arme vor der Brust und warf ihm einen missbilligenden Blick zu.
      "Dass du ihr nicht mal von unserem eigenen Großvater erzählst", strunzte sie und zog einen Schmollmund. "Immerhin sind wir verwandt, dreifachgedeckelter Cousin."
      Adnvari seufzte. Es war ja nicht so, dass draußen ein Krieg tobte. Und während er beeindruckt zusah, wie Viola sich selbstständig in goldenes Licht hüllte, pfiff Eyrik anerkennend.
      "Na das habe ich auch noch nicht gesehen...", sagte er und grinste breit. "Sie kann es!"
      "Dürfte den Lichtsprung überstehen, nicht wahr?", fragte Andvari und sah sie dann an.
      Langsam trat der Elf an sie heran und legte eine Hand in ihren Rücken, mit der er ihre Hüfte umschlang und sie fast ein Stückchen hinaufzog.
      "Wir vollziehen gleich einen Sprung", murmelte er ihr zu, während die anderen beiden sich vorbereiteten. "Dieser wird schwerwiegend und schnell sein. Vermutlich wird Schaden genommen werden...Dennoch: Halt das Schild aufrecht. Es schüttz deine Knochen und Organe. So schnell wie das Licht zu sein, hat leider mehr Nach- als Vorteile. Und um ihren Drang zu befriedigen: Du hast vollkommen Recht. Es liegt Lichtmagie in dem Schwert. Farryns und mein Großvater hat dies Schwert geschmiedet."
      Er erwartete keine Antwort mehr.
      Stumm nickte Andvari den beiden anderen zu. Eyrik stürzte sich als erster in die Tiefe, ohne nochmals zurückzusehen. Nur Sekunden später vernahm man einen hohen Ton, der sich beinahe unendlich streckte. Als schrie ein Vogel oder dergleichen laut auf. Eyriks Körper wurde in die Luft katapultiert und schien tatsächlich auf dem Wind zu fliegen.
      "Geht ihr. Ich komme nach", sagte Farryn und grinste, während die Schritte von Wachen zu hören waren, die durch den Palast trampelten.
      Andvari nickte und postierte sich mit Viola so am Fenster dass er gute Sicht auf die herumschleudernden Ranken hatte. Es würde ein kniffliges Unterfangen werden, zumal die Bewegungen nicht vorhersehbar waren, aber er musste dort hin.
      Langsam schloss er die Augen und sammelte die Aura, die er rief. Heiß und brodelnd schoss sie aus seinen Venen hervor und ließ die Luft um ihn flirren, währnd ein leichtes Surren in der Luft vernehmbar war.
      "Halt dich fest...", flüsterte Andvari während seine Augen zu leuchten begannen.
      Es fühlte sich an wie ein Sog, den die Welt mit sich brachte. Als risse man sie beide aus dem Leben an eine andere Stelle im Gefüge des Universums. Eben noch am Balkon, danach inmitten des Schlachtfeldes von um sich schreiendden Schattengeistern und einem Baumdämon, der wütend um sich schlug und ihnen Wurzeln entgegen warf. Der Vorhof lag regelrecht in Trümmern, als habe man einen Kanonenbeschuss veranlasst und Andvari kam mit einem gewaltigen Knall zum stehen. Der Boden vor ihm hatte sich regelrecht aufgewühlt und getürmt und seine Knochen schmerzten, wenn er ehrlich war.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell