[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Viola

      Furchteinflösend löste sich ein eleganter Reiter aus den Reihen der elfischen Krieger in ihren schimmernden Rüstungen. Viola hätte dem Anblick etwas Schönes abgewinnen können, wenn nicht ihr Leben auf dem Spiel gestanden hätte. Der prächtige Schimmel des Reiters hatte etwas Unnatürliches an sich, was seiner außergewöhnlichen Schönheit keinen Abbruch tat. Es stand völlig außer Frage, wer sich dort mit kühlen Blick und erhobenem Haupt aus dem Nebel löste. Das musste Lysanthir sein. Die mahnenden Worte Andvaris klingelten warnend in ihren Ohren und so grub sie angespannt die Hände in das Fell des Wallachs.
      Nacheinander stiegen auch Lohris und Nuala von ihren Pferden ab. Viola versuchte den Blick gesenkt zu halten um keine ungewollte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Angesichts der Tatsache, dass sie auf dem Rücken des Pferdes wie auf dem Präsentierteller saß, eher ein sinnloser Wunsch. Der Wallach unter ihr spürte die Angst seiner verbliebenen Reiterin und scharrte mit den Hufen unruhig auf dem schlammigen Boden. Die Ohren zuckten nervös in alle Richtungen. So ruhig wie möglich streichelte sie über den Hals des Tieres, damit der nervöse Wallach nicht ausbrach. Viola achtete peinlich genau darauf, keine hektische Bewegung zu machen.
      Aus dem Augenwinkel wurde sie einer Bewegung gewahr. Ein Gefühl eisiger als der der tiefste, gefrorene See rauschte durch ihre Adern. Der Herzschlag in ihrer Brust flatterte wie die wilden, hektischen Flügel eines Vogels. Es war nicht mehr abstreitbar. Die Heilerin hatte Angst. Eine tief verankerte Furcht, die nicht einmal der tote Hauptmann je in ihr hervor gebracht hatte.
      Fremde, verschwommene Worte klangen so fern in ihren Ohren und doch bedrohlich nah. Unter gesenkten Augenlidern blickte sie zwischen den Ohren des Wallachs hindurch und erkannte die Quelle des eisigen Schauers. Der blonde Reiter, der auf seinem Ross thronte, hatte ihr den Blick zu gewandt. Viola rührte sich keinen Milimeter. Sie wagte es beinahe nicht zu atmen. Sie löste den Blick von Lysanthir und senkte beinahe demütig das Haupt. Flammendrotes Haar verbarg nun den angsterfüllten Blick der jungen Frau.
      Das Ahnung, dass gerade um ihr Leben verhandelt wurde, kroch durch ihren Kopf. Was immer Andvari auch sagte, schien nicht in die gewollte Richtung zulaufen. Die Erkenntnis traf sie, dass es nichts und niemanden gab, der sie hier beschützen konnte, wenn sich das Glück weiter gegen sie wandte. Nicht einmal die Blutschuld. Nicht einmal Andvari.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Hier könnte ein cooler Elfenwitz-Titel stehen
      (Die üblichen Verdächtigen)

      Andvari trat einen Schritt seitwärts, sodass er die Sicht zu Viola und dem Wallach blockierte. Auf seinem Gesicht stand ein eisiges Grinsen und die Bernsteinaugen bohrten sich regelrecht in die Augen seines Bruders, der seinerseits vom Pferd geglitten war.
      "Diese dort wird nicht angerührt", flüsterte er. "Sie ist ein wertvoller Unterpfand."
      Der weißhaarige Elf trat näher an ihn heran, ohne bedrohlich zu wirken.
      Auch wenn sein Bruder kein Kampfmagier war und nicht die Elemente beugen konnte, so war er immernoch ein gefährlicher und gewandter Krieher, der selbst unter Elfen gefürchtet wurde. Lhoris hatte sich neben Violas Wallach postiert und begann nun, leise mit ihr zu reden, während seine Eulenaugen über die Soldaten huschten, die ihre Waffen im Anschlag hielten.
      "Wenn wir das Kommando geben, solltet ihr reiten. Ich habe keine Ahnung, wie das hier ausgehen wird...", flüsterte er ihr zu.
      Nuala indes postierte sich an Andvaris verletzter rechter Seite, die Hand am Knauf ihres Schwertes. Sie würde sein Arm sein, wenn es zum Kampf kam, solange sie lebte.
      "Ein Unterpfand?", kicherte der Prinz genüsslich. "Hast du deinen Weg in die Freiheit unehrenhaft erkauft, Bruderherz? Oder hat es dich nun endgültig zum Feinde hingezogen. Ich meine, schlecht sieht dieses Weib nicht aus und es gab schon schlechter aussehende Sklavinnen, die sich der Lust hinzugeben hatten."
      "Sie ist nichts dergleichen."
      Andvaris Ton wurde schärfer und die beiden Brüder standen sich Nase an Nase gegenüber, beiderseits die Hand am Schwertknauf. Andvari hatte bereits so manch Verbrechen begannen, aber Prinzenmord stand noch offen in dieser Liste. Die Luft um die beiden Elfen schien sich regelrecht zu erhitzen und zu flirren, während der Morgen langsam über die Berge kroch.
      "Du wärest besser in der Schlacht gestorben, Taugenichts...", murmelte Lysanthir und wandte sich ab. "Nehmt sie mit und gebt ihnen eine Eskorte. Den Mensch tötet hier und verscharrt sie im Boden! Es soll niemand sagen, dass wir grausam sind!"
      "NEIN!", rief Andvari und wollte bereits sein Schwert ziehen, da Lhoris nach vorn schnellte und sich vor dem Prinzen zu Boden warf. Die Soldaten rings umher kamen in Bewegung und richteten ihre Speere auf Andvari.
      "Mein Herr!", rief er und versuchte, keinen ablehnenden Ton in die Stimme zu legen. "Diese dort ist eine Heilerin und gehörte dem Tross der Armee an, die uns bekämpfte. Sie besitzt unter Garantie Wissen über die Armeen des Feindes und dessen Hauptstadt! Wollt Ihr wirklich mit leeren Händen zu Eurem Vater zurückkehren?"

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    • Viola

      Das Schicksal war stets von wankelmütiger Natur.
      Und an diesem Tag, umringt von den Wesen aus ihren Albträumen, fiel es nicht zu ihren Gunsten.
      Zuvor hatte Viola noch Lhoris mit einem störrischen, fast jugendlichen Trotz in ihren Augen angesehen und den Kopf sachte geschüttelt. Sie konnte nicht erwarten oder gar in Kauf nehmen, dass Andvari und seine Gefährten so viel für sie aufs Spiel setzten. Der Gedanke einfach davon zu laufen, hinterließ einen bitteren Beigeschmack. Dennoch wäre das ihre einzige Chance. Aber wie weit würde sie schon auf fremder Ebene kommen? Das unbekannte Terrain war nicht zu ihrem Vorteil und der Wallach bereits müde. Auch das Pferd hatte beinahe seine Kräftereserven verbaucht. Die Männer Lysanthirs hätten sie eingeholt, bevor sie überhaupt das Ende der Ebene erreicht hatte. Da war sich Viola sicher.
      Viola wusste genau, in welchem Augenblick, die gefährliche Balance kippte. Alles passierte so schnell, dass die Heilerin beinahe nicht hinterkam. Alles was sie registrierte, war Andvaris Hand fest um den Griff seines Schwertes geschlossen und Lhoris, der seine Stellung an ihrer Seite verließ und sich vor Lysanthir in den Staub warf. Der Wallach bäumte sich erschrocken auf, als der schwarzhaarige Elf sich so ruckartig fortbwegte.
      Etwas in Violas splitterte bei dem Anblick. Und ihre Befürchtung erwuchs zu blanker Panik, als fremde Hände ihr die Zügel aus der Hand rissen. Empört und mit schrillem Wiehern bäumte sich der Wallach auf und traf sogar einen der gepanzerten Elfen mit dem Vorderhuf kräftig in die Brust. Aber all das verhinderte nicht, als Hände sich um ihre Arme und Beine schlossen und sie gnadenlos vom Rücken des Pferdes zogen. Ihr Blick haftete noch kurz auf Lhoris, dann auf Andavir und Nuala. Ihr Verstand setzte aus. Verraten, verkauft. Sie würde hier auf dieser Gott verlassenen Ebene sterben. Aber nicht kampflos. Wie ein in die Enge getriebenes Tier wehrte sich die Heilerin mit Händen und Füßen.
      "Nein..Nein..." Wie ein Mantra flogen die Silben über ihre Lippen, mal leise und mal kräftiger, während sie versuchte sich aus den Griffen zu winden.
      Mit den Knien landete sie im schlammigen Untergrund. Grob fasste eine Hand in das rote Haar und zog den Kopf zurück. Eine gebogene Klinge, rasiermesserscharf legte sich kühl an ihre entblöste Kehle. Mit weit aufgerissen Augen blickte Viola auf die Szene vor sich. Ihr Leben stand wörtlich auf Messers Schneide. Lhoris Worte, sorgte wohlmöglich dafür, dass ihr Blut nicht bereits in Strömen aus der Kehle lief. Aber nicht ihretwegen. Sie hatte gesehen, dass Andvari bereit gewesen war, seine Waffe zuziehen. Der schwarzhaarige Elf beschützte seinen Herrn, Violas Leben war ein gerringer Preis dafür. Bei klarem Gedanken hätte sie es vielleicht verstanden. Aber ihr Blick war getrübt. Die grünen Augen glänzten feucht von Tränen, die sie zurückhielt. Diese Genugtuung würde sie niemandem geben. Aber ihre Stimme verriet Viola. "...versprochen..." Wisperte sie kaum verständlich. "...Ihr habt es mir versprochen..."
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    • Die zwielichtigen Drei


      Ehe Andvari auch nur reagieren konnte, rissen diese Schandmäuler die junge Heilerin von dem Wallach. Sie begann sich zu wehren, aber die geübten Griffe der Soldaten beherrschten ihren Leib binnen Sekunden. Die Kämpfer des Prinzen waren den Kampf im Verborgenen und gegen Stärkere gewohnt. Die junge Heilerin würde nicht einmal ansatzweise ein Hindernis darstellen.
      Andvari fuhr herum und riss Angrist aus seiner Scheide.
      Das silberne Leuchten des Schwertes ließ einige Speere zurückweichen, aber nicht alle. Das Messer an der Kehle der jungen Frau war zu nah, als dass er noch etwas tun könnte. Vor allem, da Lysanthir sich nunmehr zu ihr umdrehte und bösartig grinste. Lhoris lag noch immer im Staub und wusste in der Sekunde, dass er versagt hatte.
      Der Prinz verschränkte lächelnd die Hande vor der Brust. In der gleichen Sekunde schnellte ein blendender Speer unter seinem Arm hindurch und traf Lhoris in die Brust. De rKörper des dunkelhaarigen Elfen zuckte kurz zusammen, ehe er vornüberfiel und wortlos und unwürdig zu liegen kam.
      "LHORIS!"
      Anvaris Stimme war mehr ein unirdisches Brüllen, denn eine Stimme und brach regelrecht aus ihm hervor. Gleichsam begann Angrists Schneide in einem goldenen, heißen Licht zu leuchten, das auch die restlichen Soldaten auf Abstand hielt. Angst erfüllte selbst deren Augen.
      "Lass diesen Wahnsinn, Lysanthir!", rief der Weißhaarige und brachte sich in eine stabile Position.
      Die überraschendste Reaktion zeigte jedoch seine Gefährtin. Nuala bemerkte den Tumult in ihrem Rücken und auch, wie der Soldat, der die Heilerin gefangen hielt, sie an den Haaren hoch riss. Mit einer kurzen Drehung betrat sie die Schatten, die die Soldaten warfen und schien durch ein schwarzes Nichts zu wandeln. Mit einem Mal verschwand sie vor aller Augen, um nur Sekunden später im Schatten des Soldaten wieder aufzutauchen.
      Er hielt den Kopf der Heilerin noch immer in drohendem Gebahren. Auch noch, als Nualas Schwert wie ein Donnerschlag daniederfuhr und ihn vom Fleck weg enthauptete.
      "Wenn es einer von Euch miesen Lakaien auch nur wagt, eine Frau noch einmal so zu berühren, schneide ich euch allen die Eier ab!", zischte sie und hielt ihr schwert im Anschlag.
      "Es reicht jetzt!"
      Lysanthir schien ein wenig zur Besinnung gekommen zu sein, als er die Handlungen übersah. Der Elfenprinz blickte noch immer zufrieden auf Lhoris leblosen Leib, der im Staub der EBene lag.
      "Nehmt diesen Leichnam und wickelt ihn in Tuch. Lasst die Heilerin leben! Wir wollen ja nicht, dass sich Nuala noch an allen anderen vergeht. ich danke dir, euch, seher, Bruderherz...Immerhin hast du mir erneut bewiesen, dass du dich eher dem Feind anfreunden würdest, als dankenswerterweise deinen verdammten Platz einzunehmen."
      Andvaris Gesicht glich mehr einer Fratze, die einen Dämon verscheucht hätte. Angrist leuchtete noch immer in seiner Hand, aber letztlich musste er sich eingestehen, dass sie verloren hatten. Sie waren alle geschwächt von der Reise und Lhoris war verloren. Die Heilerin mochte einen Wert besitzen, aber sie freizugeben, bedeutete ihren Tod. Die Gedanken des Elfen rasten, als er schließlich nickte.
      "Ich kehre an meinen Platz zurück...Unter einer Bedingung! Lasst diese Frau frei!", sagte er und blickte zu Viola.
      Ein Mensch im Land der Elfen war zum Tode verdammt. Das wusste er nur zu gut.
      "Abgelehnt. Sie kommt mit uns. Und wird Vater vorgeführt, sodass sie die wertvolle Information preisgeben mag, die sie ja laut Lhoris beherbergt. Und wenn sie nichts beherbergt...Wird sie dir in den Tod folgen."

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      “I wanted to remember his face when the world turned dark.”

      Blanker Schrecken stand Viola ins Gesicht geschrieben, das jegliche Farbe verloren hatte.
      Lhoris lebloser Körper sackte vor ihren Augen zu Boden und regte sich nicht mehr. Hektisch suchten ihre Augen nach einem Anzeichen von Leben, aber ihr geschulter Blick wusste, dass alle Hoffnung vergebens war. Der Elf würde sich nicht davon erholen. Der letzte Atemzug hatte ihn bereits verlassen. Viola wand sich in den eisernen Griffen und hielt erst wieder still, als sich die Schneide des Schwertes fester gegen ihren Hals presste. Ein kleines Rinnsal perlte über die Klinge und tropfte in den weichen Untergrund.
      "Monster..." Quälte sie die Silben zwischen ihren angespannten Kiefern hervor. Lysanthir verkörperte alles, was sie Jahre lang über Elfen zu wissen geglaubt hatte. Ein kaltblütiger, hinterlistiger Mörder ohne jegliches Mitgefühl. Die allgegenwärtige Arroganz, die den Prinzen umgab. Der längst verstummte Schrei Andvaris hallte noch immer in ihren Ohren. Lhoris hatte sein Leben verloren, und dieses Schuld lud sie auf ihre eigenen Schultern. Sie hätte im Wald zurückbleiben sollen. Der Elf würde noch Leben. Viola schloss die Augen.
      Womit sie nicht gerechnet hatte, war das die Klinge, die ihr den Tod bringen sollte, von ihrem Hals glitt und im matschigen Boden landete. Völlig überrumpelt riss sie den Kopf herum und erblickte...nichts. Außer einen blutigen, offenen Hals und Nuala, die mit funkelnden Zorn in den Augen und giftigen Ton in der Stimme um sich sah. Viola blickte in das tote Gesicht des Schädels in den Händen der Elfin. Wie ein nasser Sack kippte der Torso des enthaupteten Elfen zur Seite in den Schlamm. Geistesgegenwärtig griff sich die Heilerin an die Kehle. Ein Puls, nur ein kleiner Schnitt. Nuala hatte das nicht für sie getan, aber dennoch war die junge Frau ihr dankbar. Sie erkannte etwas im Blick der blonden Kriegerin. Etwas Schreckliches, das ihr umso vertrauter war.
      Lysanthirs Stimme hallte über den Tumult hinweg und alle hielten inne. Das Schnauben der Pferde klang überlaut in ihren Ohren, sie meinte jeden Atemzug hören zu können, das entfernte Rascheln von verdorrtem Gras. Angestrengt versuchte sie sich an die wenigen elfischen Silbern zu erinnert, die sie gelernt hatte. Aber es war beinahe sinnlos. Viola war am Ende ihrer Kräfte, so wie sie alle. Aber warum zögerte der kühle Prinz. Sie verstand nicht, warum sich niemand Nuala in den Weg stellte.
      In all dem Chaos fing sie Andvaris Blick auf. Sie wollte ihn fragen, was passierte und welche Worte gewechselt wurden.
      Was sie verstand, war die Tatsache, dass man ihre Hände zusammen band sobald sie auf wackeligen Beinen stand. Gezwungenermaßen verzichtete man darauf Viola gröber anzufassen als nötig. Viola wurde das Gefühl nicht los, dass sie diesen Umstand Nuala zu verdanken hatte.
      Die Ironie daran war nicht verloren. Sie tauschte den Platz mit Andvari. Und die flüchtige Erleichterung nicht mit aufgeschlitzter, klaffender Kehle im Schlamm zu liegen, machte einem viel größeren Grauen breit. Von den Fesseln blickte sie zu Andvari.
      "Was werden sie mit mir machen? Und bitte, lüg mich nicht an." Sprach die Heilerin mit resignierter Ruhe in der Stimme. Sie dachte an den Dolch in ihrem Stiefel und ihre letzten Ausweg. Der Blick fiel noch einmal zu Lhoris. Viola hatte ihn nicht gekannt, aber das spielte keine Rolle und minderte ihr schweres Bedauern nicht.
      Nie wieder. Hallte es in ihrem Kopf. Nie wieder.
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    • The Good, the Bad and the Ugly

      Andvaris Gesicht glich mehr denn je einer Fratze des Grauens, als man auch ihm schwere Fesseln anlegte.
      Erneut, mochte er behaupten. Die Soldaten näherten sich ihm mit besonderer Vorsicht, wusste man um seine Fähigkeiten. Andvari, der die Nacht bändigte, das Licht enzerrte und die Fäden neu sponn. Es schien, als erwarteten die übrigen Elfen eines Ausbruch des Bastardprinzen, der sein Schwert jedoch widerstandslos seinem Bruder überreichte.
      "Ein Schwert, das viel zu kostbar für dich wahr, du Usurpator...", flüster Lysanthir und gab Kommando zum Aufbruch. Er sah Nuala durchdringend mit diesen widerlichen Augen an und lächelte.
      "Auch deines will ich bei mir wissen, Nuala Beylamin."
      Eine langfingrige, kalte Hand streckte sich aus und die Elfin, die noch immer in Violas Rücken stand ließ die Klinge nach einem Blick von Andvari sinken. Es war genügend Blut geflossen für heute. Dennoch konnte sie nicht umhin, näher als notwendig an den Prinzen heran zu treten und ihn anzusehen, während sie ihr Schwert in seine Hand gab.
      "Hütet Euch, Prinz. Auch Ihr müsst schlafen."
      Die Worte wurden langsam gesprochen, ohen Akzent ihrer Herkunft. Die Soldaten rings umher begannen untereinander zu tuscheln. Schließlich war ihnen allen der Name Beylamin ein Begriff. Eine Unteroffizierin, die es zum General geschafft hätte, wenn sie nicht Andvari verfallen wäre. Lhoris lebloser Körper wurde aufgenommen und in ein weißes Tuch gewickelt, dass die Elfen auf einem kleinen Plankarren mit sich führten. Das dunkle Haar des Elfen verschwand unter der Plane und es tränkte sich blau, als es über die Stelle des Einstichs gelegt wurde.
      Als Andvari in Violas Nähe gerückt wurde und das Horn zum Aufbruch geblasen wurde, seufzte er hinsichtlich ihrer Frage. Nuala ging zu Violas Rechten und blickte grimmig auf die Männer vor und hinter ihr. Es waren zu viele Männer hier Zu viele Schwanzdenkenden.
      "Sie nehmen uns mit", sagte Andvari in der Menschensprache. "Und sie werden...Euch vorführen...meinem Vater. Glauben, Ihr habt Informationen...Zu Menschenkönig..."
      Als der Tross sich langsam in Bewegung setzte, geriet eine Geräuschkulisse von leise scheppernden Rüstungen, Schwertern und anderer Materialien über sie, sodass auch Nuala ihren Kopf herüber steckte. Mit bloßen Gesten ihres Kinns wies sie auf Violas Füße und hoffte, dass die Heilerin den Wink zu ihrem Dolch verstand. Anschließend schüttelte sie vehement den Kopf.
      Sie mussten einen besseren Zeitpunkt abwarten für die Flucht. Und dieser würde erst kommen, wenn Lysanthir die Grenzen zum Elfenreich überschritten hatte.
      Vor ihnen lag eine recht lange Reise.

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    • Viola

      Verständnislos schüttelte Viola den Kopf, als die Worte des Elfen erklangen. Was hatte Lhoris ihnen in seiner Verzweiflung seinem Herrn erzählt? Es grämte die Heilerin, dass seine Mühen vergeblich gewesen waren. Es gab nichts von Bedeutung, dass sie ihren Feinden mitteilen konnte. Kleinigkeiten über die kaiserliche Hauptstadt vielleicht. Verborgene Zugänge, die für den Notfall konstruiert worden waren. Aber selbst das grenzte an Hochverrat. Es spielte keine Rolle, wie sie es drehte und wendete, am Ende würde sie durch die Hand der Elfen oder der eigenen Verbündeten den Tod finden. Vielleicht wäre eine durchtrennte Kehle das mildere Schicksal gewesen. Die grünen Augen wanderten zu Andvari, der so erschöpft aussah, wie sie sich fühlte. Der Ritt allein musste eine Tortur gewesen sein und jetzt der Marsch. Der Elbenprinz, der sie in Ketten gelegt hatte, schien nicht viel von seinem Halbbruder zu halten. Die Blicke waren unmissverständlich gewesen. Als Andvari wieder schwieg, sickerten die Worte erst richtig zu ihr durch. Sie brachten sie zum Elfenkönig? Wäre es im Rahmen der Möglichkeiten gewesen, Viola wäre noch blasser geworden als der weiße Schnee, den sie hinter sich gelassen hatten. "Dem König vorführen? Das ist Wahnsinn." Murmelte sie und betete, dass sich der Boden auftat und sie verschlang.
      Aus dem Augenwinkel folgte sie den schließlich der Geste von Nuala. Natürlich. Die findige Kriegerin hatte die versteckte Waffe längst bemerkt. Viola hatte sie gut verborgen gehalten, aber dem scharfen Blick der Elfin entging wohl nichts. Mit dem dezenten Neigen ihres Kinns bedeutete die Heilerin, dass sie verstanden hatte.
      Den Blick starr nach vorn gerichtet, erblickte die Heilerin den Karren, in dem sich Lhoris Körper befand. Viola schlug die Augen nieder und auch wenn ihre Worte wohl wenig Trost spendeten, konnte sie nicht darüber schweigen. "Auch wenn keinen Wert hat. Es tut mir leid, um Lhoris." Wisperte sie durch den Klang von Metall auf Metall und dem monotonen Marschgeräusch der bewaffneten Männer um sie herum. Ihr Blick huschte zögerlich zu Nuala, die zu ihrer Rechten neben ihr lief. Auch wenn sie es mit ihrer Grimmigkeit gut verbarg, die Elfin fühlte sich ebenso unwohl, wie die Heilerin der Menschen. "Danke...für Hilfe." Die Silben rollten nur schwer und in einer brüchigen Variante der elfischen Sprache über ihre Lippen. Sie wusste nicht, ob Nuala die Sprache der Menschen beherrschte. Es erschien ihr angesichts ihrer gemeinsamen misslichen Lage als zu unhöflich, die Elfin bei den knappen Gesprächen außen vor zu lassen. Ob sie es wollten oder nicht, sie steckten alle in derselben Klemme.
      Viola fragte sich im Stillen, wie lange sie marschieren mussten. Die Wirkung des Atlaskrautes nahm langsam ab und erinnerte sie daran, das sie selbst körperlich nicht in bester Verfassung war. Aber sie klagte nicht. Sie war nicht schwer verletzt und hatte auch nicht gerade einen engen Freund verloren.
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    • Prizonerz of Azkaban


      Andvaris Blick wurde wehmütig, als er an seinen toten Freund dachte.
      Lhoris stammte aus ärmlichen Familienverhältnissen und war bis vor zwanzig Jahren noch ein Bücherwurm im weißen Turm gewesen, der noch nicht mal ein Schwert ansah. Freilich hatte ebenso Unterricht in dieser Kunstform erhalten, aber diese nie angewendet. Gewalt war ihm zuwider. Der Elf nickte zu Violas Worten, ließ sie aber unkommentiert. Sicherlich war es von Ehre, den Verlust eines Feindes mit zu betrauern, aber es brachte ihn nicht zurück. Selbst Nualas grimmiges Wesen schien sich ein wenig zu beruhigen und sich ihrem Schicksal zu ergeben. Es blieb nichts, als abzuwarten. Dennoch nickte sie wortlos Viola zu, während sie marschierten. Es gab keinen Grund sich zu bedanken. Keine Frau sollte derartig berührt werden...
      Und so begannen die drei Gefangenen ihren Weg durch die karge Ebene und die dahinter liegenden Bergketten. Das Elfenreich lag noch ein gutes Stück weiter im Norden, aber sie würden es schneller erreichen, wenn sie die BErge erreichten. Andvari gab den Gedanken nicht auf, dass eine Katastrophe sich anbahnte.

      - Zwei Wochen später -

      Der Tross um Prinz Lysanthir hatte die Bergkette hinter dem Tal von Vûl hinter sich gelassen. Der Schneepass der nördlichen Berge war eine Herausforderung gewesen und sicherlich hatte der Tross Männer verloren, wenn man recht überlegte. Aber dennoch erschienen sie sonst alle bei guter Hoffnung und Gesundheit.
      Als sie den Pass durchtraten, schien Andvari das Sonnenlicht ins bleiche Gesicht. Seinen Arm hatte er zwischenzeitlich aus der Schlinge befreien können und unter Zuhilfenahme elfischer Heilmittel waren sowohl seiner, als auch nach Forderungen seinerseits, auch Violas Wunden behandelt worden. Nuala hatte während der Reise kaum mehr ein Wort zu irgendeinem der Männer, geschweige denn zu ihren Leidensgenossen gesprochen. Ihre Augen hefteten sich auf der Reise mehr und mehr in Lysanthirs Rücken, sodass es einen wundern konnte, dass dieser sich nicht permanent kratzte.
      Andvari selbst blieb zumeist in der Nähe der HEilerin. Auch wenn die Soldaten des Trosses sich zurückhielten und wenn dann nur vorsichtig mit ihr umgingen, traute er ihnen nicht einen Meter über den Weg. Und während sie so dahintrotteten und das Gras zu ihren Füßen mit jedem Meter grüner wurde, wusste der Bastardsohn,dass sie ihr Ziel alsbald erreichen würden.
      Andvari hob den Blick und blickte in das Tal vor ihnen.
      Und dort, inmitten des kreisrunden Ausschnitts eines Bergkessels, zwischen Wäldern aus hohen Laubbäumen, deren Wurzeln tief in die Erde ragten, türmte sich die Weiße Stadt in großer Entfernung auf.
      Mauern aus weißem Stein der Kalkberge gehauen, gemetzt und anschließend kunstvoll verziert umrahmten jedes Gemäuer der Stadt, sodass dieser einem funkelnden Stern glich, der selbst am Tage nicht an Leuchtkraft verlor. In der Mitte der kreisrund angelegten Stadt ragte ein Schloss empor, in wiederum dessen Mitte ein weißer, kerzengerade Turm in die Höhe wuchs. Nur die wenigsten hatten die Ehre besessen, diesen erklimmen zu können.
      Außerhalb der Mauern lagen Dörfer und Felderarmadas, so weit das Auge reichte. Die Luft roch nach Blütenstaub und Frühling, als wäre der Winter hier nie eingebrochen. Selbst die Wolken am Himmel erschienen weißer als auf der anderen Seite der Berge. Die Soldaten rings um sie wirkten gelöst, als sie die Stadt erblickten, während Andvari seufzte.
      "Das ist die Stadt unter den Sternen", murmelte er und wies mit dem Kinn auf die weit entfernten Mauern. Sie würden noch einen halben Tag reisen müssen, ehe sie soweit waren, emfpangen zu werden. Auch wenn er nicht mit einem herzlichen Emfpang rechnete.

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    • Viola

      Die zwei vergangenen Wochen waren Viola wie eine Ewigkeit vorgekommen. Und gleichzeitig war die Zeit an ihr vorbei geflogen. Jetzt, da der Abstieg vom Berg hinter ihr lag, kehrte das bedrückte Gefühl zurück und nistete sich knurrend und furchteinflösend in ihrem Hinterkopf ein. Viola fürchtete sich vor dem Ziel ihrer Reise und die Last der Erwartung drückte ihr schwer auf die Schultern. Das Gefühl, nicht nur ihr eigenes Leben in den Händen zu halten, drohte über zusammen zu brechen. Ohne Andvari hätte sie in den letzten Tagen den Verstand verloren.
      Es waren die stillen Augenblicke gewesen, umgeben von den Gewalten und Wetterlaunen des Bergpasses, die ihr Trost gespendet und ihn Zuversicht gegeben hatten. Leise geflüsterte Worte nur für ihrer beider Ohren bestimmt. Viola hatte kleine Geschichten ihrer Familie erzählt, geliebte Erinnerungen an heiße Sommer und den Anblick der wogenden Weizenfelder im goldenen Sonnenlicht. Und sie hatte versucht zu lernen. DIe Heilerin hatte Andavri gebeten, sie mehr der elfischen Sprache zu lehren. Auf keinen Fall würde sie sich zum Hof des Königs begeben ohne das gerringste Wort zu verstehen. Es war unmöglich eine ganze Sprache in zwei Wochen zu erlernen, aber sie hatte sich hoffentlich genug angeeignet. Keiner der Männer hatte es auch nur gewagt sie schief anzusehen. Und Viola war sich nicht sicher ob es an Andvaris einschüchternder Präsenz lag oder den tödlichen Blicken die Nuala um sich warf.
      Zur ihrer eigenen Überraschung behandelten die Elfen ihre Gefangenen wesentlich besser, als es ihre eigenen Leute mit dem weißhaarigen Elfen getan hatten. Ihre Verletzungen waren schließlich versorgt worden und auf ihrer Haut, ihrem Gesicht war nichts mehr zusehen außer die ewig präsenten Narben. Man hatte ihr sogar warme Kleidung gebracht. Die junge Frau war nicht an die dermaßen esigen Temperaturen gewöhnt gewesen. Nachts hatte sie instinktiv Andvaris Nähe gesucht, es hatte ihr Sicherheit gegeben neben ihm zu sitzen. Oft war sei einfach in sitzender Haltung eingeschlafen. Aber allein zu sein unter all den fremden Kriegern hatte sie nicht friedlich schlafen lassen.
      Und nun, da Temperaturen milder wurden und die Sonne förmlich vom Himmel strahlte, konnte sie ihren Blick kaum von dem herrlischen Anblick abwenden. Das Bild, das sich ihr bot in all seiner Schönheit ließ sie unwillkürlich lächeln. Wie es wohl diese Stadt nicht als Gefangene zu betreten? Trotz ihrer brenzlichen Lage kam sie nicht umhin die strahlend, weiße Stadt zu bewundern. Es war kein Vergleich zur kaiserlichen Hauptstadt, diese war auf anderen Art imposant.
      Sie war neben Andvari getreten und unterdrückte bei seiner bedrückte Miene den Impuls, nach seinem Arm zu fassen. Unter den ständigen Blicken von Lysanthir und seinen Männern hatte sie es vermieden. "Es ist wunderschön..." Sprach sie in den Worten der Elfen, sicherer ohne das Zögern zwischen den einzelnen Silben. Nervös strich sie mit den Händen über den Stoff des Kleides, das ihr ebenso fremd war wie der Anblick der grünen Ländereien. Obwohl sie sich sicher war, dass es ein sehr einfaches Gewand war, war der Stoff feiner und edler als alles, was sie je besessen hatte. Die Farbe von einem satten, dunklen Grün und an der Taille mit einer einfachen geflochtenen Korder gebunden. Anscheinend wollte man keine Bettlerin in zerschließenen und dreckigen Gewändern präsentieren.
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    • The Returned


      Die letzte Etappe der Reise würde sich als recht schwierig gestalten, doch Andvari war froh, dass Viola und Nuala diese gut überstanden hatten. Die Heilerin erwies sich als gelehrige Schülerin, was ihre Sprache anging und konnte sich bereits viele Worte und grammatikalische Züge aneignen. Auch wenn der Weißhaarige nicht wusste, wo diese Reise enden würde. In ihrer aller Tod oder vielleicht einem anderen Weg…
      Das grüne Kleid schien zumindest zu gefallen und er ließ die Information weg, dass er es ausgesucht hatte, bevor er die Soldaten beinahe mit dem Tode bedrohen musste. Nuala hatte sich im Laufe der Reise als zu ruhig erwiesen. Ihr Haar wirkte zerzaust und ihre Miene bitter, während sie immer wieder zu dem Plankarren starrte, in dem Lhoris lag.
      Und doch lag auch in ihren Augen Erkenntnis und Ruhe, als sie die Türme der Stadt sah.
      „Das ist sie“, murmelte Andvari, während der Tross unaufhaltsam weiter stapfte. „Auch wenn sie nur von außen so wirkt.“
      Die weißen Türme gaben ein unirdisches Licht von Sicht, dass selbst die Siedlungen ringsum beleuchtete. Als würde eine Lampe in der Dunkelheit gezündet, strahlte sie regelrecht über die weißlich goldenen Felder von Weizen, die die Stadt umgaben.
      Nuala trat neben sie und scheuerte sich die Hände an den Fesseln auf.
      „Sag mir, dass du einen Plan hast“, wisperte sie, während sie darauf achtete, die hohen, hörbaren Töne durch gezielte Schritte und Scheppern ihrer Rüstung zu überdecken.
      Andvari hielt sich nahe bei Viola und wusste selbst nicht genau weshalb er es eigentlich tat. Dennoch blickte er alarmierend zu Nuala und verhieß sie um Stille. Der Tross um sie herum setzte sich stur weiter in bewegung und sie marschierten auf eine kleine Prunkstraße zu, die in beinahe gerader Linie durch den angrenzenden Laubwald und die dahinter liegende Dorfgemeinschaft führte. Sicherlich würde man es als großen Siegeszug Lysanthirs verbuchen.
      „Ich habe keinen“, murmelte Andvari und blickte sich sorgsam um. „Lysanthir wird uns nichts tun, ehe er uns meinem Vater vorgeführt hat. Bis dahin sind wir gefangen. Sobald wir im Palast sind habe ich vielleicht eine Möglichkeit, um euch frei zu setzen.“
      „Was ist mit dir?“
      Andvari blickte traurig und lächelte bösartig.
      „Ich war nie frei, wie du weißt. Ich war immer ein Handlanger meiner Brüder. Eines noch: Wenn ihr Lysanthir als grausam empfindet, haltet euch von meinem jüngeren Bruder fern.“
      Nuala Spuckte aus während sie dem Wald näher kamen.
      „Faolan…“
      „Faolan Herzfeuer, genau“, nickte Andvari und sah auch Viola an. „Vor allem Ihr. Achtet darauf, dass er Euch nicht übel gesonnen ist. Sonst kann Euch keine Hölle beschützen…“

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “I hope you realize that no matter what anyone has ever told you,
      you are more worthy than anyone I’ve ever met.”


      Viola

      Die unverkennbaren Schritte von Nuala gesellten sich zu ihnen. Die Heilerin hatte während der anstrengenden Reise auf dem Berg und der Stille Zeit gehabt, sich über vieles Gedanken zu machen. Mit wachsamen Augen hatte sie Lysanthirs Männer studiert, aber auch ihre beiden Mitgefangenen. Mittlerweile fiel es ihr beinahe spielendleicht Andvari und Nuala an der Art und Weise ihrer Schritte und des Ganges zu unterscheiden. Allerdings war sich Viola auch ziemlich sicher, dass die beiden sich in ihrer Gegenwart absichtlich lauter bewegten, als sie es sonst für gewöhnlich taten. Ausmerksam lauschte sie den Worten, folgte ihnen so gut sie konnte, aber sie hatte einen hervorragenden Lehrmeister gehabt. Zwischendurch neigte sie sachte, kaum bemerkbar das Kinn, um zu signalisieren, dass sie verstanden hatte. Die Heilerin hatte sich schnell der vorsichtigen und verborgenen Verständigung angepasst. Weder Lysanthir noch seine Männer schenkten ihr genug Aufmerksamkeit um zu bemerken, dass die menschliche Frau unter ihnen mehr mitbekam als man glauben mochte. Und es grenzte an ein Wunder, dass keinem aufgefallen war, dass sie noch immer eine Waffe bei sich trug. Manchmal hatte es durchaus Vorteile unterschätzt zu werden, auch wenn der Dolch in ihren Händen wohl weniger gefährlich war. Die Klinge steckte noch immer in ihrem Stiefel. Sie hatte darauf bestanden das Schuhwerk aus weichem Leder zu behalten.
      Viola schöpfte Stärke aus der Anwesenheit der beiden Elfen an ihrer Seite. Und selbst die grimmige Nuala sah sie in einem leicht gewandelten Licht. Ob die Elfin es wollte oder nicht, sie waren widerwillige und unfreiwillige Verbündete. Daran ließ sich nun einmal nicht rütteln. Auf Nualas Frage, wie der weißhaarige Elf entkommen wollte, stand dieselbe Frage stumm in ihrem Gesicht. Der Blick in seinen bernsteinfarbenen Augen behagte der Heilerin nicht. Und die folgenden Worte noch weniger. Es musste einen Weg geben, wie sie alle ihren Kopf aus der sprichwörtlichen Schlinge ziehen konnten.
      "Wunderbar..." Murmelte sie gedämpft. Lysanthir sollte das gerringere Übel sein? Ihr Blick glitt über die schimmernden Rüstungen vor sich, sie konnte kaum über die Schultern der Elfenkrieger blicken. Aber der unterkühlte Prinz schien sich zum Anfang des Trosses begeben zu haben. Über ihnen raschelte das dichte Laub der Bäume. Die junge Frau konnte es kaum glauben, dass sie sich vor Tagen noch durch knietiefen Schnee gekämpft hatte. In diesen Landen schien es als herrschte ein immerwährender Frühling. Selbst die Luft war klar und rein. Kein Vergleich zu der stickigen, modrigen Luft der großen Städte im Kaiserreich. Faolan. Sie prägte sich den Namen ein. Viola würde die warnenden Worte nicht auf die leichte Schulter nehmen.
      "Ich zweifle daran, dass ich wirklich eine Wahl haben werde." Wisperte sie leise. Mit einer knappen Geste hob sie kurz ihre gefesselten Hände an. Wie sollte sie Faolan oder Lysanthir aus dem Weg gehen, wenn sie nicht einen Schritt ohne Bewachung machen konnte. Ein Schatten huschte über ihr Gesicht, dennoch kräuselte sich ein schiefes Grinsen auf ihren Lippen. "Gibt es noch andere Brüder von denen ich wissen sollte? Ich habe das Gefühl es gibt noch nicht genug davon, die mir an die Kehle wollen." Dabei legte sie den Kopf leicht schief und sah Andvari aus den grünen Augen an, die perfekt mit dem Kleid harmonierten, ebenso wie ihr rotes Haar. Andvari mochte lediglich der Bastardsohn des Königsein, in den Augen seiner Brüder nicht einmal den Boden wert, auf dem er stand, aber Lhoris Worte wollten ihr nicht aus dem Kopf gehen. - Der nächste König...Sonst sind wir alle des Todes. - Lhoris hatte all seine Hoffnungen in seinen Gefährten und Freund gesetzt. Er hatte etwas gesehen, für das andere blind waren. Was Viola sah, war ein Mann, der ohne Zögern nach seinem Schwert gegriffen hatte, als man ihr ein Messer an die Kehle gehalten hatte und der nun bereit war seine eigenen Freiheit zu opfern, um einer treuen Freundin, ihr Blick huschte kurz zu Nuala, und einer Angehörigen des Feindes das Leben zu retten.

      [Quote by: From Blood and Ash - Jennifer L. Armentrout]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Name:
      Oberon Valverden, König unter den Sternen


      Alter:
      unbekannt


      Beruf:
      Hochkönig der Elfen


      Sonstiges:
      Vater von Andvari und drei weiteren Söhnen


      Status:
      am Leben





      Name:
      Lysanthir Valverden, 1. Prinz des Elfenreiches


      Alter:
      unbekannt


      Beruf:
      Prinz und Armeeführer, 1. General der Streitkräfte


      Sonstiges:
      hinterlistig
      berechnend


      Status:
      am Leben





      2.sohn.jpg




      Name:
      Sylvar Valverden, 2. Prinz des Elfenreiches



      Alter:
      TBA



      Beruf:
      Prinz und Erzmagier der Weißen Hand


      Sonstiges:
      Sog. "Dagda" (befähigt, alle Arten der Magie zu beherrschen)
      Ausnahmetalent
      Besondere Profession: Naturmagie, Dimensionsmagie


      Status:
      am Leben













      faolan.jpg


      Name:
      Faolan Valverden, das "Herzfeuer"
      3. Prinz des Elfenreiches


      Alter:
      unbekannt (jünger als alle seine Brüder und Andvari)


      Beruf:
      Prinz und Meister der Münze


      Sonstiges:
      Monster des Palastes


      Status:
      am Leben




      Ayla.jpg

      Ayla, die Lichtruferin
      (Mutter von Andvari und (?) )


      Alter:
      Verstorben im Alter von 295 Jahren

      Beruf:
      Erzmagierin der Weißen Hand

      Status:
      verstorben

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell

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    • Prison-Break-Connection


      Andvaris Blick wurde erneut finsterer, als Viola die nicht vorhandene Wahl ansprach. Zu seinem Leidwesen hatte die Heilerin Recht. Sie würde seinem Vater vorgeführt und anschließend würde ihr Wert bewertet. Bei Glück würde sie verschont, bei Pech mit ihm vermutlich hingerichtet.
      Sie marschierten beinahe wortlos durch den Wald, der sich als wesentlich weniger ausgebreitet entpuppte als von außen angenommen. Inmitten des Waldes hatte man den Großteil der Siedlung abgeholzt und ein Dorf in Bäumen und Ästen errichtet. Die Behausungen der hier lebenden Elfen waren in die Baumrinden geschlagen und darum herum gebaut worden, dass es aussah, als sähen eine die Baumwipfel aus tausend neugierigen Augen an. Das Sonnenlicht fiel hier nur sporadisch durch die Reste der Baumwipfel und bildete interessante Farbenspiele am Boden des Waldes, der vor Leben zu strotzen schien. Die gepflasterte Straße wurde überall von herauswachsendem Gras durchzogen und gab einen merkwürdig frischen Geruch ab, obgleich es den Eindruck machte, als kompostierte sich die Welt von alleine neu.
      Die Elfen aus dem Dorf unterbrachen ihr Tagewerk und blickte zum Tross, dessen Banner se erkannten. Die Elfen hier wirkten wie einfaches Bauernvolk. Die Kleidung war nicht ansatzweise edel, sondern bestand aus grobem Stoff und den Resten der Rinde, die man herabgeschält hatte. Ihre Haare waren meist von heller Farbe, jedoch ihre Gesichter schmutzig und die Hände rau und schwielig. Sie schulterten ihre Werkzeuge, mal einen Hammer, mal einen Spaten von einfachster Machart und blickten zu dem Spektakel, das sich ihnen bot.
      Lyysanthir wirkte gewinnend, als er gnädig seine Hand hob, um als künftiger König dem einfachen Volk zu winken. Diese neigten den Kopf und schlugen sich mit der Faust zweimal sacht auf die Stelle über dem Herzen. Die Soldaten rings um sie herum schien vor Stolz der Kamm zu schwellen, als sie ihre Brust ein wenig mehr herausdrückten. Dachten sie doch, der Ehrenzug galt ihnen.
      Doch Nuala bemerkte als eine der ersten im Tross, dass die Elfen hier nicht Lysanthir ansahen, der wir ein eitler Gockel voran spazierte und seine Haare nach hinten warf. Diese hier blickten zur Mitte des Trosses, wiederum in dessen Mitte die drei Gefangenen spazierten. Einer der Gründe, weshalb Nuala ihm verfallen war, war sein Einfluss und seine Wirkung auf die Elfen um ihn herum.
      Die Elfenkinder liefen von ihren Müttern fort und wollten durch die Reihen der Soldaten brechen, ein fröhliches, ausgelassenes Lächeln auf den Lippen. Nuala wusste, dass Andvari aus einem einfachen Dorf stammte. Aber dass er immer noch so beliebt bei den Kindern war wie vor vielen, vielen Jahren?
      Die Elfen dahinter, Erwachsene, vom Krieg gegerbte Elfen und Elfinnen blickten stoisch an Lysanthir vorbei und folgten mit ihren Augen dem Weißhaarigen, der sie nicht beachtete. Nicht beachten durfte. Ein Blick und sie wären alle des Todes. Und in Andvaris Gesicht stand nie geschriebener Zorn über diese Ereignisse. Während der König im Palast schmauste und lebte, ackerten die Bauern wie die Tiere und schufteten sich zu Tode im Halbdunkel des Waldes. Schönheit hatte ihren Preis.
      Erneut.
      Sie kamen an eine neue Biegung und auch hier sah man die drei Gefangenen an und klopfte sich zweimal auf die Brust, ehe man den Blick senkte. Die Geste eines Dieners, eines Untertanen einem König gegenüber. Und Nuala sah nur einen König hier.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "And if you decide you want to take what is yours,
      claim the throne, I will set this entire kingdom on fire
      and watch it burn if that ensures that the crown
      sits on your head."


      Viola

      Das Lächeln erstarb augenblicklich, als die Miene des Elfen an ihrer Seite sich verfinsterte. So schlecht standen also die Chancen. Schweigend richtete Viola den Blick wieder nach vorn und versuchte das mulmige Gefühl in ihrer Magengegend weitgehend zu ignorieren. Die Ahnung, längst nicht alles zu wissen, was ihnen bevor stand, half nicht gerade ihre zum Zerreißen gespannten Nerven zu beruhigen. Aber sie erwartete auch keine tröstenden Worte, der bittere Ernst ihrer Lage war ihr bewusst. Ohne zu auffällig den Kopf zu drehen, folgten ihre Augen den Veränderungen um sich herum. Der Wald vor ihr lichtete sich in eine ungewöhnlich angelegte Siedlung. Sie erblickte die mit Mühe und Kraft angelegten Behausungen, die scheinbar mit den starken Baumstämmen verankert waren. Die Architektur war gleichsam fremd wie faszinierend. Der kundige Blick einer Heilerin entdeckte Pflanzen, die vermutlich noch nie ein Mensch näher in Augenschein genommen hatte. Unter anderen Umständen hätte sie Andvari vermutlich mit unzähligen Fragen überhäuft, aber sie spürte an ihrer Seite nichts als Anspannung.
      Unter gesenkten Augenlidern entdeckte sie die Bewohner der Siedlung, die ihre Arbeiten niederlegten, um den Tross in begrüßten. Elfen jeden Alters so schien es, erhaschten einen Blick auf die Soldaten, deren Reihen sich wie eine silberne Schlange durch den Wald zogen. Einfache Bauern und Handwerker, wenn die Heilerin richtig lag. Und obwohl sie in Fesseln zwischen den Soldaten ging, die nun das Kinn hoben und sich stolz dem Volk präsentierten, erwärmte es das Herz der Gefangenen, als das fröhliche Lachen von Kindern erklang. Unzählige von ihnen liefen neben den marschierenden Kriegern her und spähten lachend und winkend durch die Lücken zwischen den glänzenden Rüstungen. Ein paar von ihnen wurden halbherzig tadelnd von ihren Müttern eingefangen, doch einzelne versuchten zwischen den Soldaten hindurch zu brechen. Verzögert wurde Viola bewusst, dass die Kinder ihre funkelnden Augen nicht auf Lysanthir, ihrem zukünftigen König warfen, sondern auf Andvari, der mit stoischer Miene nach vorn blickte.
      Bewusster hob die junge Frau den Blick und erspähte zwischen den Lücken in der sich stetig bewegenden Reihe die Erwachsenen, jene Arbeiter und Bauern, die nicht dem ersten Prinzen ihres Volkes Respekt erwiesen, sondern dem Bastardsohn, der wie ein Verbrecher geführt wurde. Aus dem Augenwinkel entdeckte sie auch Ehrfucht in Nualas Blick, Bewunderung für Andvari und sie hatte das quälende Bedürfnis mit ihr den Platz zu tauschen, damit die blonde Elfe ihren Platz an der Seite ihres Herrn einnehmen konnte. Obwohl sie weithaus größere Sorgen hatte, kam sie sich noch fremder und noch mehr fehl am Platz vor. Das einfache Volk und Nuala hatten ihren König bereits erwählt. Und der arrogante Pfau auf seinem Pferd merkte es bei all seiner Eitelkeit nicht einmal. Oder vermutlich war das der Grund warum Lysanthir seinen Halbbruder dermaßen verabscheute.
      Viola verschwand beinahe hinter Andvaris hoher Gestalt und war noch nie froher über ihre unscheinbare Größe gewesen. Bis auf ihr leuchtend, rotes Haar ging sie völlig in dem Meer aus glänzenden Rüstungen unter. Sichtlich unwohl drehte sie die Handgelenke in ihren Fesseln und bohrte schließlich die Fingernägel in ihre Handflächen.


      [The Crown Of Gilded Bones - Jennifer L. Armentrout]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Game of Thrones


      Der Zug des eitlen Gecks zog sich noch eine ganze Weile durch das Dorf, das schon bald von Bannern des Prinzen beinahe gesäumt war. Es war keine Rast geplant, sodass der Tross einem steten Strome gleich durch das kleine Dorf zog und die Menschen mehr erstaunt denn staunend zurückließ. Hatte niemand mit der Rückkehr des Prinzen gerechnet?
      Von den Bäumen herunter brannte das wenige Sonnenlicht regelrecht Löcher in die Kronen und Andvari war dankbar, dass sein Bruder zumindest die Weitsicht besessen hatte, ihm einen Mantel über den Körper zu legen, der die Fesseln einigermaßen verdeckte. Sicherlich würde man aus der Nähe diese sehr gut sehen können, aber zumindest nicht auf den ersten Blick. Schweigend zogen sie von dannen, während die MEnschen hinterher ihrem Tagewerk nachgingen, damit die hohen Herren in der Stadt in Reichtümern und Schönheit schwelgen konnten. Andvari tauschte einen Blick mit Nuala und in den Augen der beiden fand sich gleichsam Verständnis wie Erinnerung. Sie beide kamen aus diesen Verhältnissen und hatten die Schmerzen der harten Arbeit noch nicht vergessen.
      Als sie den kleinen Wald verließen (es dauerte nicht einmal eine Stunde der Wanderung) traten sie auf die große Ebene vor der Stadt. Hier stand das Gras in saftigem Grün und das Sonnenlicht wirkte beinahe zu idyllisch über diesen Feldern von Wildblumen und Kräutern, die hier wuchsen. Der weißhaarige Elf kam nicht umher, seinen Blick kurz zu Viola zu senken, für die dies offensichtlich viel sein musste. Zumal sie schlimmeres erwarten würde, wenn er nicht umgehend seinen Plan umsetzen konnte, sobald sie in der STadt waren.
      er ließ den Blick über die Gräser wandern und murmelte:
      "Hier wachsen wilder Thymian, Rosmarin, Wermut, Schafgarbe und Baldrian. Dort hinten", er wies mit den gefesselten Händen über einen kleinen Hügel zu ihrer Rechten, wo die Gräser nochmals höher standen. "wachsen Echtes Johanniskraut und weitere Kräuter zum Kochen udn Heilen. Die Akademie der Magischen Künste hat diesen Garten angelegt, um ihren Bedarf decken zu können. Mein Halbbruder Sylvar wacht über diese Pflanzen und hat den kleinen Garten zu einem regelrechten Meer ausgeweitet."
      "Sylvar", ätzte Nuala und blickte verärgert zur Seite. "Verdammter Bücherwurm. Hat nicht mal den Mut zu kämpfen, wenn es nötig ist."
      "Er hat Mut, nur auf andere Weise als wir", sagte Andvari und grinste.
      "Mut zum Entschlüssen von toten Sprachen und um deinem Vater in den Hintern zu kriechen."
      Andvari warf ihr einen missbilligenden Blick zu und sah anschließend wieder zur Stadt, die sich in nächster Nähe befand. Alsbald würden sie bereits durchs Tor schreiten und die Weiten der Prunkgasse sehen. Vielleicht sogar das Handwerkerviertel.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • “That's the point of it, [...]. Of life. To live, to love,
      knowing that it might all vanish tomorrow.
      It makes everything that much more precious.”

      Viola

      Sonnenstrahlen erwärmten ihr Gesicht, als der Tross sich langsam aus den umliegenden Wäldern schälten. Blinzelnd gegen das gleißende Licht blickte Viola in einen strahlend blauen Himmel. Die Heilerin hatte seit gefühlten Ewigkeiten keinen solch klaren Himmel mehr gesehen. In den Städten der Menschen weit hinter den Krieggrenzen herrschte ein stetiger Dunst über den hohen Steingebäuden von Kohleöfen und anderen Gewerken wie Schmieden und Gerbereien. Bis auf die prunkvollen Handelsstraßen und die Adelsviertel, wirkten die meisten Winkel der Städte eher unscheinbar. Von den Armenviertel die vor Dreck und Unraten fast überliefen, wollte sie gar nicht erst anfangen. Statt dem immerwährenden Geruch von Rauch und Tieren, erfüllte der Duft von Kräutern ihre Nase. Die Felder in ihrem Blick bargen unzählige Pflanzen von denen Viola einige aus der Ferne erkannte. Ganz zu schweigen von den vertrauten Gerüchen, die sich beinahe wie Balsam auf ihre dünnen Nerven legten. Wie gerne hätte sie die Hände ausgestreckt, um die zarten Blätter unter ihren Fingerspitzen zu fühlen.
      Je näher sie der weißen Stadt kamen, umso mehr schien sie der Mut zu verlassen. Denoch hielt Viola das Kinn oben. Ihr war schleierhaft, wie Andvari sie alle aus dieser Lage herausholen wollte, ohne das völliges Chaos um sie herumausbrach. Weglaufen wäre vergebens, ebenso wie sich den Weg freizukämpfen.
      Seit knapp einer Stunde hatte eisiges Schweigen in der Luft gelegen und je länger die Stille dauerte, umso mehr versank die junge Heilerin in ihrem eigenen dunklen Verstand. Türen in ihrem Kopf öffneten sich und Bilder geschaffen aus Albträumen strömten hinein, wie unwillkommende Gäste. Umso mehr überraschte es sie, die Stimme Andvaris zu hören. Ein kaum merkliches Zucken, überrascht nicht wirklich erschrocken, rüttelte kurz ihre schmalen Schultern. Viola klammerte sich an die gesprochenen Worte wie ein Blinder, der die Orientierung verloren hatte. Sie boten ihr die Ablenkung, die sie brauchte um sich nicht in ihrem eigenen Kopf verlieren.
      Sichtbar hoben sich ihre Schultern unter einen tiefen Atemzug, ehe sie das erste Mal seit sie das Dorf im Wald verlassen hatten, wie den Blick zu dem Elfen nieben sich warf. "Ich könnte Wochen damit verbringen, jede einzelne Pflanze zu studieren." Die Bewunderung in ihrer Stimme für die Vielfalt dieses Gartens verbarg sie erst gar nicht. Es war kein Vergleich zu dem schier winzigen Garten des Ordens, eingepfercht in erdrückende Mauern. Bei Nualas Worten seufzte sie beinahe schon. Tatsächlich. Noch ein Bruder dessen Namen sie sich wohl merken musste. Sie fragte erst gar nicht, ob sie sich auch vor diesem in Acht nehmen musste.
      Stattdessen wandte Viola noch einmal den Blick über die blühenden Felder, atmete die frische Luft ein und reckte schließlich das Gesicht mit einer vorsichtigen, neutralen Miene gen Sonne. Sie würde all die schönen Dinge in sich aufnehmen, so lange sie noch konnte.

      [House of Earth and Blood, The Crescent City 1 - Sarah J. Maas]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • "Unsere Stimmen standen drachengleich dort oben, wir lauschten ihnen zwischen Wolkentürmen nach
      Sie waren noch nicht zu diesem Abschiedslied verwoben, dass die verflochtenen Versprechen darin brach
      Lauschten dem Klang, der alles ohne Wort erklärte,
      Einen Sommer lang, der tausend Sommer währte"

      Andvari

      Andvari musste lächeln, als sie durch die bedufteten Felder der ewigen Kräuter wandelten. Er hatte früher bereits viele Abende und Tage auf den Feldern verbracht. Damals, als sie alle noch Kinder und unschuldig waren. Gespielt hatten sie gemeinsam, die drei Söhne des Königs und er, der Sohn einer einfachen Dienerin und Erzeugnis einer begierdeschwangeren Nacht. Waren als junge Prinzen über die Felder gerannt und hatten Träume gejagt. Lysanthir, der immer ein kleines Holzschwert schwang, Sylvar, der bereits immer kränklich und zart erschien und zuletzt Faolan, dessen grausame Ader damals noch unter einem unschuldigen Schild der Jugend verborgen wurde. Sie alle hatten sich so verändert.
      Andvari seufzte schließlich, als die großen Stadttore in Sicht kamen. Die Mauer wuchs mit jedem Schritt, den sie näher kamen an und schien weißer und weißer zu werden. Auf den hohen Zinnen befanden sich Soldaten, die weiße Rüstungen aus Perlstahl trugen. Ein Material, das es nur in den Minen von Ulys Dûl gab und nur mithilfe von Zwergenhänden abgebaut werden konnte. Das Schmieden von derlei Plattenstahl war nur dem Königshaus oder der Königsgarde vorbehalten, welche die komplette Stadt bewachte. Die regulären Soldaten erhielten meist Unterkünfte in den Wohnvierteln der Stadt und wurden nur in Kriegszeiten rekrutiert. In Friedenszeiten gingen sie allesamt herkömmlichen, bürgerlichen Berufen nach.
      "Wenn wir die Stadt betreten", begann Andvari leise zu sprechen. "Senkt nicht den Blick. Wendet Euch nicht ab, auch wenn Ihr Angst habt. Das Leben ist hier kostbar und wer dem Leben um sich herum keine Aufmerksamkeit schenkt, gilt als Feind der Kultur. Auch wenn es nicht Eure ist, öffnet Eure Augen dafür."
      Er wünschte, diesen Ratschlag hätte ihm vor einigen Jahren jemand gegeben. Damals, als er mit gesenktem Blick durch die Straßen geeilt war.
      Nuala nickte nur und besah sich der Tore, die jetzt mit einem gewaltigen Knarren geöffnet wurden, nachdem man das Banner des Prinzen in die Luft reckte. Es klang beinahe so, als würde man sich freuen, diesen Gewalttäter wieder in der Stadt zu haben. Und auch wenn Faolan das größere Monster der Drei war, so schien sich die Meute doch eher vor Lysanthir in Acht zu nehmen.
      Im Inneren der Mauer offenbarte sich eine prunkvolle Straße, die in ihrer Breite eine ganze Legion hätte beherbergen können. Weißer Kalkstein war zu Bodenbelägen gehämmert worden und bildeteten einen runden Abschluss der Straße, die sogleich in Bepflanzungen mündete. Von Überall her stachen Blumen und Pflanzen in den Weg und selbst in den städtischsten Vierteln der Stadt ragten große, grüne Baume aus ihrer Mitte.
      Die Häuser waren gemauert und mit Fachwerk gestützt. Die spitzen Dächer waren lediglich mit einer Art weißem Schiefer gedeckt, den die Zwerge zutage förderten und in den Fenstern hing hier und dort bunter Blumenschmuck. Das Mauerwerk der Häuser war so gesetzt worden, dass es die Natur nicht beiseite schon, sondern sich vielmehr mit ihr verschmolz. So konnte es durchaus passieren, dass eine Hauswand mitunter von einem gewaltigen Baumstamm unterbrochen wurde, ehe das Mauerwerk dahinter fortsetzte. Der Tross wurde von Schaulustigen empfangen. Die ganze Straße schien sich binnen Minuten von Elfen zu säumen, die neugierig auf die Neuankömmlinge sahen.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "[...]What about the nobodies and the nothings, the invisible girls?
      We learn to hold our heads as if we wear crowns. We learn to wring magic from the ordinary.
      That was how you survived when you weren’t chosen, when there was no royal blood in your veins.
      When the world owed you nothing. [...]"


      Viola

      Ein letztes Mal schloss Viola die Augen.
      Vor ihr ertönte ein ohrenbetäubendes Knarren und Knarzen von schwerem Holz. Sie hörte die Banner Lysanthirs im Wind flatternd, das dezente Scheppern von metallischen Rüstungen. Und darunter leises, gedämpftes Stimmengewirr erfüllt mit den fremden, elfischen Silben. Für sie klang die Sprache melodisch und voller Harmonie und glich bei all den Stimmen einem abstrakten Chor. Eine sanfte Windböe fegte ihr rotes Haar über ihre Schulter nach hinten, die Narben auf ihrem Haupt für aller Augen sichtbar. Sie lauschte den Worten von Andvari mit geschlossenen Augen, setzte wie in Trance einen Fuß vor den anderen. Als sich der Boden unter ihren Stiefeln veränderte, ein glatter und ebenmäßiger Stein, und die Stimmen in ihren Ohren anschwollen, schlug sie die Augen auf.
      Das Weiß der Stadt war so hell und rein, dass es im strahlenden Sonnenschein beinahe blendete. Viola blinzelte, behielt den Kopf aber oben, wie Andvari geraten hatte. Grüne Augen wagten einen Blick zu Seite in die fremden Gesichter, die den Weg der prunkvollen Straße säumten. Die Kleidung hier war anders, als jener die das Walddorf bewohnt hatten. Viola entdeckte die feineren Stoffe, hier und da sogar Schmuck, kunstvolle und feine Ornamente aus den funkelsten Edelmetallen. Andere Schmuckstücke funkelten so klar, als wären sie aus geschliffenem Glas.
      Von den neugierigen Gesichtern der Stadtbewohner wandte sie den Blick über die sonderbare Anordnung der Wohnhäuser. Da entdeckte sie einen turmartigen Ausbau, der gänzlich von dunkelgrünem Efeu umschlungen war. Aus einem anderen Dach ragte sogar eine blühende Baumkrone hervor, als wäre das Gebäude um den Baum herum errichtet worden. Auf den Ästen tummelten sich allerei Singvögel, deren klangvolle Melodien beinahe in dem gleichmäßigen Marsch des Trosses untergingen.
      Viola verbarg die Tatsache nicht, dass sie eine Gefangene war. Sie trug keinen Umhang wie Andvari oder Nuala. Es war für aller Augen sichtbar, dass die Menschenfrau mit den flammenden Haaren in ihrer Mitte nicht als Gast hier war. In die freudigen Stimmen mischte sich leises Wispern, das Summen einer Heerschar von wilden Bienen. Sie erblickte Männer und Frauen, die die Hälse reckten, um einen Blick auf die drei Personen inmitten der Krieger zu bekommen. Auf die Fremde, die vom Bastardsohn des König und der Kriegerin Nuala flankiert wurde. Der Drang sich vor den Blicken fort zu kauern, war sicherlich da. Aber Viola zwang sich nach vorn zu sehen.


      [Crooked Kingdom - Leigh Bardugo]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • I-want-to-break-free-Connection


      Der Tross setzte seinen Siegeszug durch die Allee der Stadt fort.
      Je tiefer sie in die Stadt selbst vordrangen umso mehr Menschen scharten sich zu beiden Seiten um einen Blick auf die Gefangenen zu werfen, die man ihnen vorher versprochen hatte. Enttäuschung erblickte Andvari in den Gesichtern der meisten, als er sie ansah. Vermtulich waren sie desillusioniert, dass es nur eine Gefangene und ein Bastard war, der ihnen vorgeführt wurde. Aber was wollte man nach einer verlorenen SChlacht auch machen.
      Sie passierten einen gewaltigen Marktplatz mit einigen hundert Ständen, der sich in der Mitte der Stadt befand. Dahinter erhob sich auf einem Hügel der Palastbereich.
      Eine Festung in der Festung. So zumindest beschrieben es die Alten in ihren Schriften. Man hatte den Palast in das Zentrum der Hauptstadt auf einem Herzfelsen gebaut. Die Mauern waren ebenso weiß gehauen wie die restlichen Mauern der Stadt, aber die Zinnen waren in blutroter Ochsenblutfarbe gestrichen. Als sie die Anhöhe erreichten erblickten sie unter dem Schloss einen kleinen Wassergraben, der mit einer schweren Zugbrücke aus Eichenholz überquert werden konnte.
      An den Winden standen jeweils vier Soldaten mit glänzender Rüstung, die bei bEdarf sogleich die Brücke hinauf zogen. Zu Andvaris Überraschung hob einer der Elfen die Hand unnauffällig und schlug sich zweimal auf das Herz.
      Da war der Ausweg!
      Schnell raste sein Blick wieder zu seinem Bruder, der den Tross jetzt anhalten ließ.
      Lysanthir blickte sich um und stieß viermal in sein Horn, das bis eben noch an seiner Seite gebaumelt hatte. Zwergenknochen, mit einer goldenen Ornamentverzierung am Mundstück. Ein seltenes Stück, das einen glockenhellen Ton erzeugte.
      Im Inneren des Schlosses hörte man Mechanismen knarzen und karren, ehe die Schlosstore mit lautem Getöse geöffnet wurden und ein zweiter Tross von Elfen am Ende sichtbar wurde.
      "Die Gefangenen zu mir!", rief Lysanthir eilig über die Schulter und wirkte dabei nicht halb so königlich wie er sich geben wollte.
      Andvari und die anderen wurden, nun doch grober als erwartet, nach vorne gestoßen und hinter Lysanthir aufgestellt, sodass Andvari das zarte Duftwasser seines Bruders riechen konnte.
      "Keine Mätzchen jetzt!", zwischte Lysanthir seinem Bruder zu und blickte erwartungsfroh auf den Tross, der sich näherte.
      An der Spitze des kleinen Trosses, der nur aus Palastwachen erster Güte bestand, ging ein großgewachsener Elf mit beinahe bodenlangen braunen Haaren. Erste graue Strähnen zogen sich durch die Frisur, die sie sein ebenmäßiges GEsicht umrahmte. Die Augen erstrahlten in gar mannigfaltiger Farben und die Krone auf seinem Kopf war mehr ein kleines Diadem, das seine Stirn schmückte. Die Hände hatte er vor dem Bauch gefaltet und schritt geisterhaft den Weg bis zu seinem Sohn ab, der sich sogleich in den Staub der Brücke warf.
      "Vater!", rief er. "Ich bringe Euch, wie befohlen, die Überlebenden der Schlacht von Erynn Vâr. Und eine wertvolle Gefangene aus dem Reich der Menschen. Eine Heilerin, welche Informationen über Heer und Hauptstadt des Feindes zu geben vermag."
      Andvari verzog das Gesicht und stellte sich ein wenig vor Viola. Aus einem Reflex heraus.
      Nuala tat es ihm erstaunlicherweise gleich.
      Oberon, Hoher König der Elfen, blickte seinen Sohn wortlos an und hob schließlich die rechte Hand. Aus der Menge seines Trosses, aus der Schar der blitzenden Rüstungen lösete sich ein weiterer Elf, der gegesätzlicher zu Oberon nicht hätte sein können.
      Obgleich jugendlichen Antlitzes, fiel sein Haar ungeordnet und wirr über seine Ohren. Auf der Stirn des Mannes prangte ein grünlich schimmerndes Mal in Form eines stilisierten Hirschgeweihs, das jeder Interpretation bar war. Der Elf ging gebückt auf einem schweren, knotigen Stock, an dessen Ende ein Stein von klarster Qualität prangte. Seine knorrigen Finger gruben sich in das Holz des Stabes, als er vortrat, ganz in weiße Seide gekleidet. Er bewegte sich vorsichtig und langsam, als er lächelnd in Andvaris Gesicht sah.
      Der weißhaarige Elf erwiderte das Lachen. Sylvar hatte schon einmal besser ausgesehen.
      Oberon nickte in Violas Richtung und beinahe hätte sich Lysanthir vor Zorn umgedreht, da humpelte Sylvar auch schon los, um Viola in Augenschein zu nehmen,
      "Habt keine Angst", wisperte Andvari. "Es ist gut.."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "I think sometimes we are reckless with
      our hearts the way we are with our lives.
      When we give them away, we give every piece."


      Viola

      Nie in ihrem bisher kurzen Leben hätte Viola daran geglaubt, dass sich ihr Schicksal mitten im Herzen des elfischen Königreiches entscheiden würde. Hinter den massiven Toren verbarg sich die Entscheidung über ihr sterbliches Leben. Und als erneut unwillkommene Hände nach ihr Griffen, um sie ihn Richtung Lysanthir zu zerren, blitzten ihre Augen kurz vor Widerwillen auf. Dennoch folgte sie dem Befehl des Elfenprinzen, ebenso wie es ihre Leidengenossen taten. Während sie ihre Position hinter dem arroganten Prinzen einnahm, streifte ihre Schulter kurz den Arm Andvaris. Die Geste wirkte nach Außen so beiläufig, als wäre sie der unwirschen Behandlung der Soldaten geschuldet, die sie vor sich her führten. Um sich nicht zu verraten, blickte sie weiterhin stur gerade aus. Viola wusste nicht, was sie nun erwartete und hatte Angst, die Wahrheit in den Augen des Elfen zu sehen.
      Der Anblick von Lysanthir, der sich unterwürfig in den Staub warf, spiegelte für sie nicht das Bild eines stolzen Prinzen wieder. Dennoch versuchte ihre Gefühle und Gedanken aus ihrem Gesicht und ihren Augen fern zuhalten. Eine mühevoll aufgesetzte Miene der Neutralität hatte ihr Gesicht erfasst. Die zierliche Frage wikte verloren zwischen den Elfen und schaffte es dennoch eine gewisse unbeugsame Würde auszustrahlen. Wenn sie sterben sollte, dann mit erhobenem Haupt und nicht auf Knien im Staub. Sie war so leid Angst zu haben und konnte sie dennoch nicht ganze vertreiben.
      Und dann sah sie ihn. Oberon, König der Elfen. Die Heilerin konnte nicht abstreiten, dass der König eine Aura verströmte, die von allem Umstehenden Respekt einforderte. Der Ausdruck auf seinem Gesicht vermochte sie nicht zu deuten. Sie unterdrückte den Impuls den Kopf zu senken und hielt sich leicht hinter Nuala und Andvari. Dennoch hatte sie einen guten Blick auf die Geschehnisse. Angespannt wartete sie darauf, dass der hohe König Oberon das Wort an seinen Erstgeborenen richtete. Doch es blieb still. Aus dem Tross der Palastwachen trat eine Gestalt und die Heilerin war erstaunt über die gegensätzliche Erscheidung des Elfen. Viola vermochte kaum ein Alter benennen, zumindest nicht nach seinem Äußeren in Menschenjahren. Das feingeschnittene, jugendliche Gesicht passte nicht so den hageren Händen, die einen Stab fest umklammerten. Noch mehr erstaunte sie das Lächeln auf dessen Lippen. Als Andvari leise sprach, drehte sie völlig von selbst den Blick in seine Richtung und ließ zu, dass sich die wenigen Silben beruhigend über sie legten. Viola nickte verstehend und dankbar. In all ihren verbliebenden Lebenjahres würde sie ihm niemals genug für seinen Beistand danken können. Und während sie in die bernsteinfarbenen Augen blickte, hoffte sie, dass er auch ohne Worte verstand, wie viel es ihr bedeutete.
      Zaghaft blickte sie nach vorn und dem Elf entgegen, der sich ihr gestützt auf seinem Stock näherte.
      [The Mortal Instruments - Cassandra Claire]
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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