[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Andvari, Nuala & Lhoris

      Mit einer beiläufigen Bewegung striff er sich die Reste der Handschellen ab und warf diese achtlos auf den Boden. Um die Schreierei dieses Halbtrolls macht er sich keine Sorgen. Das Fest draußen erschien ihm laut genug und keiner der Wachen machte die Anstalten, sich durch lautes Getöse im Gang bemerkbar zu machen. Offenbar waren sie alle mit dem Fest beschäftigt.
      Er beugte sich zu Girion hinab und lächelte.
      "Ich kann und ich werde...diese Stadt verlassen", sagte er und taxierte ihn. "Aber du...wirst nicht leben..."
      Und anschließend werde ich zurückkehren, eine Armee aufstellen und dieses ganze verfluchte Land niederbrennen! So zumindest dachte er sich die Rückkehr aus.
      Mit einem kurzen Blick zu Viola bemerkte der Elf den mitleidlosen Blick im GEsicht der Frau. Fraglich war für ihn noch immer ob sie Freund oder Feind war. Zuletzt blickte er Girion erneut in die Augen und rückte zur Seite, damit die Heilerin besser sehen konnte.
      Anschließend packte er die Haare des Hauptmannes grob in der Handfläche und riss seinen Kopf nach hinten, um die Kehle zu entblößen. Das Schwert schnitt wie Butter durch die zarte Haut und er hielt den Kopf des Mannes, der gerade sein Blut auf den Boden vergoß, in Richtung Violas, damit sie sehen konnte, was auch immer sie glaubte, sehen zu wollen.

      Just in dem Moment schlug die Tür auf und ein Schatten schoss in den Raum.
      Andvari erkannte Nuala direkt am Gang und lächelte, wähernd Lhoris ebenfalls gekleidet in einen schwarzen Umhang in den Raum trat. Seine haare und Ohren waren unter der Kapuze verborgen, aber sein Gesicht sprach Ruhe aus. Das Fest war noch immer in vollem Gange und die Geräusche drangen in den Raum.
      Er besah sich die Leichen, während Nuala ihr Schwert zog und es auf Viola richtete.
      "Wie es aussieht, brauchst du keine Hilfe!", bemerkte Lhoris lächelnd und wischte seine zwei Schwerter an seinem Umhang ab. Die Blutreste darauf sprachen Bände. Offenbar waren die beiden der Grund, weshalb keine weiteren Wachen hinzukamen.
      "Diese hier lebt noch", zischte Nuala und trat einen Schritt auf Viola zu.
      "Diese wirst du nicht anrühren", befahl Andvari und blickte nun seinerseits Viola an.
      "Du bist...frei...Gehe und lauf...", sagte er zu ihr und blickte ihren Leib unverhohlen an. "Verletzt?"

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    • Viola

      Ohne das gerringste Blinzeln blickte Viola dem grausigen Ende des Hauptmannes entgegen. Die Panik in seinen Augen schien etwas in ihr zu beruhigen und gleichzeitig fürchtete die Heilerin, was dieser Abend aus ihr machen würde. Grausamkeit war nie Teil ihrer Natur gewesen, aber in diesem Augenblick empfand sie nichts als Genugtuung. Ein ekelerregenes Gurgeln löste sich aus der Kehle des Todgeweihten, als die scharfe Klinge spiegelendleicht den Hals öffnete. Mit der Beobachtung einer Heilerin erkannte Viola den genauen Zeitpunkt, als die Halsschalgader durchtrennt wurde. Warmes Blut floss in Strömen auf den Boden und kroch in ihre Richtung. Ein pfeifendes Geräusch erklang, als Blut in die Lungen geriet, während ein letzter verzweifelter Atemzug den Brustkorb stocken ließ. Viola blickte in die toten Augen, die langsam Richtung Hinterkopf rollte bis kein Leben mehr darin war. Der Körper prallte wie ein nasser Sandsack auf dem Boden auf. Die Heilerin stieß nahm einen tiefen, bitternötigen Atemzug. Sie hatte nicht bemerkt, dass sie die Luft vor Anspannung angehalten hatte. Bevor sie einen Ton hervorbringen konnte, schlug die Tür des Arbeitszimmers mit einem lauten Krachen gegen die Wand.
      Vor Schreck zuckte Viola zusammen und presste den Rücken fester gegen die Bücher in ihrem Rücken, als würde sie am liebsten mit ihnen verschmelzen. Die Neuankommlige, eindeutig Elfen, denn Viola verstand nicht ein Wort, das gesprochen wurde. Die Frau, die das Schwert augenblicklich auf sie richtete, war einfach nur furchterregend. In ihren Augen erkannte die Rothaarige nur unverhohlenen Hasse. Der Gedanke selbst nach einer Waffe zugreifen, wurde genauso schnell wieder verworfen wie er kam. Sie hätte keine Chance. Der fremde Mann wirkte ruhig beinahe gelassen, aber das Blut an seinen Schwertern sprach für sich. Viola würde nicht am Boden liegend sterben. Mit ungelenken, mühevollen Bewegungen drückte sie sich an der Wand hoch, blieb jedoch dagegen gelehnt. Mit der Hand hielt sie ihr Kleid vorne zusammen, obwohl das Unterkleid darunter das Meiste verbarg. Verwirrt blickte sie zu Andvari und hätte beinahe gelacht, wenn es nicht so in der Seite schmerzen würde. Die ganze Situation war einfach nur verrückt.
      "Es ist nichts." Ein fast nicht merkliches, aber tapferes Lächeln hob zaghaft ihre Mundwinkel an. Ohne den Blick zu senken oder Angst in den Augen, sah sie zu Andvari auf. Andvari hatte recht, sie musste fliehen. Das Risiko war zu groß, dass man in Frage stellte, warum ausgerechnet sie noch lebte. Wer würde noch zu denselben Schlüssen wie Girion kommen? Mit einem Arm nun um ihre Seite geschlungen, reckte sie das Kinn in Richtung Tür. "Ich komme zurecht. Geht." Und gerade unterschrieb sie ihr eigenes Todesurteil, indem sie Andvari und seine Gefährten ziehen ließ ohne Alarm zu schlagen.
      Sie wusste nicht wie lange, sie sich noch auf den Beinen halten konnte. Das Atmen fiel ihr schwer und langsam holte das Geschehene mit ihr auf. Ihre Hände zitterten.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Elfen u. Co KG

      Andvari blickte Viola dankbar und gleichsam besorgt an.
      Sicherlich waren sie Feinde und sciherlich brauchte es nur eine Sekunde, ehe sie anfangen konnte, zu schreien. Aber etwas in ihm sagte ihm, dass die Zeit nicht gekommen war, eine Wehrlose zu töten.
      Er zweifelte ihre Unversehrtheit an, als sie sich mühevoll hinaufdrückte und ein schweres Lächeln versuchte. Wenn er noch etwas Magie in sich gehabt hätte, hätte er...
      Die weißen Haare fielen ihm ins Gesicht als er sich erhob und einen Entschluss fasste, der ihn alles kostete.
      "Wir sollten sie töten", murmelte Lhoris ruhig udn blickte Viola mit kalten Augen an. "Sie könnte uns verraten und die Flucht unmöglich machen..."
      "Sie wird uns nicht verraten."
      "Woher weißt du das?", zischte Nuala, die ihr Schwert noch immer nicht gesenkt hatte. Sie hielt es auf Viola fixiert und schlug die blonden Haare zurück. "Ich sage, wir töten sie und lassen sie bei Ihresgleichen."
      Andvari blickte sich um und sah seine Gefährtin kalt an.
      "Erhebst du das Schwert, verlierst du den Arm", zischte er und seine gelben Augen schienen beinahe zu leuchten.
      Nuala sah ihn kurz widerstandsvoll an, ehe sie das Schwert in die Scheide steckte. einen Moment lang hätte man meinen können, eine Träne in ihren Augen erkennen zu können, doch rasch wandte sie sich ab.
      "Ihre Einwände sind berechtigt. Diese Menschenfrau ist uns nicht gewogen und letztlich gibt es keine Garantie, dass sie uns nicht verrät. Es braucht nur ein Wort und wir sind des Todes, Andvari."
      Lhoris wirkte gefasst, doch sein Blick hinter dem pechschwarzen Haar verriet Entschlossenheit. Andvari schüttelte den Kopf. Es ging nicht anders, die beiden hatten nicht Unrecht. Er konnte nocht riskieren, dass die FLucht misslang. Er legte das Schwert über seine Schultern und hing seine Arme darüber, sodass er aussah wie ein Angeprangerter.
      "ICh sage, wir nehmen sie mit", sagte er schließlich und sah Viola an.
      "Was??", fragten die Elfen beide unisono.
      "Ich sage, wir nehmen sie mit. Wir nehmen sie als Geisel mit uns bis wir einen bestimmten Punkt erreicht haben. Dann lassen wir sie frei. Ich schulde der Frau mein Leben."
      Blutschuld war selbst für Elfen eine ernste Sache. Und auch wenn Nuala diese Frau nicht leiden konnte, nickte sie schließlich.
      Andvari sah zu Viola.
      "Machen fertig...Ihr kommt mit...", murmelte er. "Lassen Euch frei...sobald wir sicher..."

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    • Viola

      Es gab Entscheidungen, die das Leben nachhaltig veränderten.
      Ihre Entscheidung, dass Leben ihres Feines zu retten. Unter Befehl, ja, aber es wäre einfach gewesen, es dennoch nicht zu tun.
      Ihre Entscheidung, ausschließlich die Wahrheit zu sagen, wann immer sie die Nähe Andvaris gesucht hatte.
      Und ihre Entscheidung, seine Flucht über ihr eigenes Schicksal zu stellen.
      Viola hatte eine Wahl getroffen und war bereit die Konsequenzen dafür zu tragen. Bevor die Sonne am Horizont aufging, würde sie im Schlimmsten Fall bereits mit einem Strick um den Hals an einem Ast baumeln. Konzentriert atmete sie ein und aus und wagte es, ihren Körper ein wenig mehr aufrecht zu halten, um die Belastung ihrer Rippen zu testen. Leicht verzog sie das Gesicht dabei. Es würde gehen, zumindest für einen Moment. Die Ställe grenzten direkt an die Garnison an, wenn sie sich beeilte, konnte sie ein Pferd nehmen und verschwinden. Es würde leicht sein, an den Betrunkenen vorbei zu kommen. Auch wenn der Ritt die Hölle werden würde.
      Fremde Worte rauschten in ihren Ohren. Einzelne Worte ergaben Sinn, die wenigen, die sie von Andvari gelernt hatte. Aber nichts davon war wirklich hilfreich.
      Erst der harsche Tonfall des weißhaarigen Elfen ließ sie wieder aufsehen. Widerstrebend senkte die blonde Kriegerin ihre Waffe. Was ging da vor sich? Viola brauchte die Worte nicht zu verstehen, um zu wissen, dass Uneinigkeit herrschte. Für so etwas war keine Zeit. Warum waren die drei nicht längst verschwunden?
      Viola öffnete die Lippen um zu protestieren. Lüge, schrillte es in ihrem Kopf.
      Prüfend suchte ihre Blick die gefährlichen, gelben Augen. Es mochte befremdlich wirken, wie sie seinem Blick standhielt ohne Anstalten zu machen, die Augen zu senken. Und sie traf eine Wahl. Viola nickte verstehend.
      Mit geschickten Griffen einer Hand richtete sie die Schnürung, und raffte die Röcke mit einer Hand, damit sie ihr nicht in den Weg kamen und sie darauf trat. Viola würde ihre Habseligkeit zurücklassen, alles bis auf den Dolch in ihrem Stiefel. Als Heilerin würde sie irgendwo eine neue Anstellung finden, vielleicht sogar weit weg von Schauplatz der Kriegsschlachten. Trotz der Schmerzen hielt sie sich aufrecht.
      Irgendwo am Ende des Korridors stolperte ein Soldat zusammen mit einem Freudenmädchen die Treppe herauf.
      Bisher hatte keines der Turteltäbchen das Licht bemerkt, das vom Arbeitszimmer in den Flur fiel. Und auch nicht das Blut, das über die Schwelle floss.
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    • Elfen u Co. KG

      Andvari blickte sie an und nickte, ehe er das Schwert in seine Scheide schob und die beiden anderen anderen Elfen ansah. Sicherlich, in den kühlen Gesichtern seiner Kameraden fand er Abscheu und Argwohn, aber letztlich würden sie ihm folgen. Nuala schüttelte wortlos den Kopf und legte die Hand an das Heft ihres Schwertes.
      Geräusche offenbarten sich ihrer Ohren am Ende des Korridors. Ein Soldat. Allerdings hatte er die Rüstung schon zur Hälfte wieder abgelegt, da jegliche Kleidung bei dem geplanten Vorhaben ohnehin nur stören würde. Andvari grinste schief und blickte Nuala und Lhoris an, die beide verstanden.
      Geisterhaft hasteten die beiden Elfen lautlos durch den Korridor, um sich entlang der Wand zu platzieren, flach wie ein Brett. Ihre Waffen hielten sie dabei im Anschlag und selbst das Ziehen der Schwerter geschah völlig lautlos. Die perfekten Tötungsmaschinen, wenn man es aus Sicht eines Nichtkämpfers betrachtete. Noch ehe der Soldat dem Freudenmädchen einen leicht sabbernden Kuss aufdrücken konnte, glitten die Schwerter der beiden Elfen wie Butter durch die Hälse der Neuankömmlinge. Man mochte es als grausam erachten, aber die Tode traten ein, bevor die Leiber auf dem Boden aufschlugen. Zweimaliges Nicken und Andvari griff nach Violas Hand und versuchte, sie nicht zu grob hinter sich her zu ziehen.
      Doch Elfen bewegten sich schnell, sobald sie die Gelegenheit hatten.
      Geisterhaft schön glitten die beiden Elfenkameraden die Treppe nach unten hinab. Andvari sah sich vorsichtig um, ehe er nicht einmal mehr hierfür einen grund erkannte.
      Im Vorraum der Garnison hatten Nuala und Lhoris schlimmer gewütet als ein Sommersturm. Acht Leichen von Soldaten lagen in den Ecken und im Raum verteilt und bluteten ihre Leiber aus. Feine Schnitte entlang der Kehlen zeugten von Lhoris Kunst, während die zertrümmerten Hälse und enthaupteten Leiber eher auf Nuala hinwiesen.
      Andvari gab allen stumm ein Zeichen, zum seitlichen Hinterfenster zu gehen. Sollte es einen Übungsgarten geben, so bot dieser die beste Möglichkeit zur Flucht.

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    • Auf dem Korridor...

      Mit einem gekünstelten Kichern schmiegte sich die Dirne an ihren heutigen Gönner. Hätte sie vor ein paar Stunden geahnt, dass dieser Abend nicht mit einem vollen Geldbeutel enden würde, wäre sie sicherlich lieber im Freudenhaus geblieben. Sich gegenseitig stützend kamen sie kichernd und schwerfällig den Korridor entlang. Keiner sah in seinem benebelten Zustand die lautlosen Schatten, die förmlich mit der Dunkelheit verschmolzen. Mit vor Schreck geweiteten Augen blickte die Brünette auf den Hals des betrunkenen Ritters. Eine rote Linien, aus der langsam Blut quoll. Beinahe hätte sie aufgeschrien, doch der Schrei bekam die Gelegenheit ihre Kehle zu verlassen. Zwei tödliche Klingen glitten durch ihre Hälse.

      Viola

      Wie von selbst schlossen sich ihre kühlen Finger um die des Elfen. Hätte sie Zeit zum Nachdenken gehabt, wäre ihr in den Sinn gekommen, dass es das erste Mal war, das Andvari sie aus freien Stücken berührte. Mit ihrem Rock Fest in der anderen Hand, folgte sie ihm in den Korridor. Unter ihren Stiefel glänzte der Boden feucht von Blut und sie versuchte den Blick oben zu behalten. Nicht nach unten sehen, nicht stolpern. Ihr Tritt auf den Stufen war erstaunlich sicher, doch ihr Atem ging flach. Zu tiefe Atemzüge pressten die Muskeln ihrer Lungen zu sehr gegen die geschundenen Rippen. Aber da ließ sich nichts machen. Es würde von alleine heilen müssen. Hastig übersprang sie die letzten zwei Stufen der Treppe, um mit Andvari Schritt halten zu können. Die Erschütterung beim Aufprall sie kurz straucheln, aber sie blieb auf den Füßen stehen.
      Die kurze Pause gab ihr die Gelegenheit einen Blick durch den Raum zu werfen. Der Anblick war furchterregend. Viola war als Heilerin blutige und schreckliche Anblicke gewohnt, aber dennoch. Nach allem was sie heute schon mit angesehen hatte, wurde sie nun ein wenig blasser um die Nase. Wäre sie nicht bei Girion gewesen, diesem dreckigen Unhold, wäre sie hier bei den anderen gewesen. Der Heilerin wurde bewusst, dass Girions Misstrauen ihr scheinbar das Leben gerettet hatte. Zur ihrer großen Erleichterung erkannte sie Helena nicht unter den Toten. Hoffentlich ging es ihr gut.
      Viola folgte den Blicken zum Fenster und schüttelte den Kopf. Der Platz war zu einsehbar. Das Risiko zu groß jemandem über den Weg zu laufen. Fast zaghaft drückte sie die Finger des Elfen. Ihr Blick wanderte zu seiner Tür im hinteren Teil des Raumes. Er führte in die Küche der Garnison und von da aus direkt durch die Ställe. "Die Ställe. Da ist jetzt niemand mehr." Von den Ställen aus ließen sich entweder Pferde zur Flucht stehlen oder man gelangte über die angrenzenden Koppeln zur Standmauer. In der Nähe gab es ein kleines Versorgungstor, durch das Vorräte und Futter für die Tiere gebracht wurde.
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    • Elfen und Co KG

      Gerade als die ungleiche Fluchtgruppe zu den Fenstern hechten wollten, hielt Andvari inne, als er den leichten Druck an seiner Hand spürte. Es war recht erstaunlich, wie klein die Hand der jungen Heilerin im Vergleich zu seiner wirkte. Zudem wirkte seine Haut schon beinahe blass gegenüber ihrer.
      "Herr?", fragte Lhoris, der bereits zwei Schritte in Richtung der Fenster gemacht.
      Von draußen drangen die Geräusche des Festes herein und in der Sekunde, in der Viola ihren Hinweis gab, bemerkte der Elf, dass sie recht hatte. Sicherlich konnten sie durch die Fenster entkommen, würden aber auffallen, zumal er noch immer keinen Reiseumhang besaß, der seinen Körper und die Tätowierungen verbergen konnte.
      Andvari nickte Viola zu und gab ihre Botschaft an die beiden anderen Elfen weiter.
      "Ich vertraue diesem Inzuchtsgezücht nicht", bemerkte Nuala und blickte nach draußen.
      Auch sie musste anhand der vielen Feuer und tanzenden und singenden Menschenkreaturen eingestehen,d ass sie nicht hindurch kamen. Zumindest nicht ohne erhebliches Blutvergießen.
      "Wir gehen durch die Ställe!", bestimmte Andvari und blickte zu dem Durchgang in der Garnison. "Lhoris!"
      Der Elf nickte und riss sich die Kapuze über die pechschwarzen Haare. Alsdann zog er bedächtig eines seiner zwei Schwerter und glitt gleich einem Schneeläufer durch den Raum, ehe Andvari mit Viola folgte. Nuala bildete die Nachhut, während sie sich ebenfalls wieder bedeckte.
      Insgeheim hofften alle drei, dass es keine Falle war, in die sie hineinliefen.
      Doch nichts dergleichen geschah. Der hintere Teil des Raumes erschien unauffällig. Sie mussten lediglich leicht gebückt laufen, damit man sie von den Fesntern aus nicht sehen konnte. Als sie durch die hintere Tür brachen (Lhoris stemmte diese beinahe mühelos auf) drang beinahe sofort der Geruch von Pferdemist und Heu in den Raum. Jedoch erblickten die Elfen hier keinerlei Wachen, gleich der Voraussage der jungen Heilerin.
      "Drei Pferde. Nehmt das nötigste", flüsterte Andvari und während sich seine Gefährten daran machten, kleine Satteltaschen zu besorgen, warf er behelfsmäßig einen Sattel, der an der Wand befestigt war, auf einen braunen Wallach, der in der ersten Unterbringung stand.
      Das Pferd schnaubte verächtlich als er sich ihm näherte. Andvari legte seine Hand an die Seite des Tieres und streichelte sanft seinen Kieferknochen nach. Leise legte er seine Stirn an den Kopf des Pferdes und atmete im Gleichklang mit dem Pferd. Als es sich zu beruhigen schien, lächelte er sanft und zurrte den Sattel fest, ehe er wieder zu Viola sah und ihr seine Hand anbot.
      "Helfen", murmelte er.

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    • Viola

      Kenntnisse der elfischen Sprache waren auch gar nicht notwenig, um das Misstrauen in den feindseligen Augen zu erkennen. Ein Umstand, der für Viola wenig überraschend war. Keine in diesem Raum hatte auch nur den geringsten Grund ihren Worten glauben zu schenken. Ihr blieb nur die stille Hoffnung, dass Andvari sich ihrer Aufrichtigkeit bewusst war.
      Durch die Fenster neben der wuchtigen Einganstür flackernden die Schatten der tanzenden und singenden Menschen, wie ein Schattenspiel auf dem Glas. Gedämpft drangen Stimmen unter der Tür hindurch. Für einen kurzen Moment bildete sich Viola ein, die glockenhelle Stimme ihrer Freundin zu hören. Helenas Lachen würde sie für lange Zeit nicht mehr hören. Es war das Einzige, dass sie bereute. Seit sie ihn die Lehre gegangen waren, hatte sie nichts trennen können. Die junge Frau war für die letzten Jahre ihre Familie gewesen, eine Schwester durch Freundschaft nicht durch Blutsbande. Sie hoffte, sie eines Tages weiderzusehen.
      Zugegeben, es hatte es äußerst Beeindruckendes zu beobachten wie lautlos sich Lhoris, das musste sein Name sein, sich durch den Raum bewegte. Viola sah selbst mit ungeschultem Auge, wie präzise er sich bewegte. Dasselbe galt für die blonde Elfe. Allerdings wagte die Heilerin es hier tatsächlich nicht, die Kriegerin auch nur eine Sekunde zu lange anzusehen. Etwas sagte ihr, dass der winzigste Fehltritt ausreichen würde und selbst Andvari würde die Elfenkriegerin nicht zurück halten können. Wie spitze Nadeln spürte sie die Blicke in ihrem Nacken, als sie hinter ihnen aufschloss. Ein eiskalter Schauer rann ihre Wirbelsäule hinab.
      Der Geruch von Stall war ihr beinahe so vertraut wie der Geruch der unzähligen Kräuter in der Lehrküche des Ordens. Die Anwesenheit der Tiere hatte sie immer als beruhigend empfunden. Früher zu Anfang ihrer Lehre als Heillkundige, hatte sie sich oft in den Ställen versteckt, wenn die Welt über ihr einzustürzen drohte.
      Stützend lehnte sich Viola an den Holzbalken der Box, einen Arm um ihre Seite geschlungen. Es war ein eigenartiger Zufall, dass Andvari ihren Wallach auswählte. Genau genommen war der zottelige Braune nicht ihr Eigentum, aber er hatte sie über die letzten Monate sicher getragen. Das Tier scharrte unruhig mit den Hufen, als der Sattel eilig und recht unsanft auf seinem Rücken landete. Er wirkte beinahe empört, ließ sich aber besänftigen. Während Andvari den Sattel fest zurrte, trat Viola ebenfalls an das Tier heran, woraf der Wallach beinahe augenblicklich den Kopf gegen ihre Schulter rieb. "He.." Halbherzig schob sie die weiche Schnauze zur Seite.
      Noch während ihre Hand zwischen den zuckenden Ohren des Braunen lag, blickte sie auf. Die schmalen Schultern hob sich uner einem tiefen Atemzug. Und dann ergriff sie die Hand des Elfen, in der ihre eigene Zierliche komplett zu verschwinden schien. "Danke..." Gab sie ebenso leise zurück. Mit einem Nicken griff sie nach dem Sattelknauf. Es hatte am Anfang ein wenig Übrung gebraucht, bis sie ohne sich in den Röcken zu verheddern auf ein Pferd hatte steigen können. Aber man hatte sich schnell daran gewöhnt. Viola stählte sich innerlich gegen die kommende, ruckartige Bewegung und war dankbar um die Hilfe des Elfen. Denn als sie in den Stiegbügel trat und sich mit einem Ruck hochzog, spürte sie es augenblicklich in ihren geschundenen Muskeln. Etwas holppriger als gewohnt, hatte sie das Bein über den Rücken des Pferdes geschwungen und landete im Sattel. Ein scharfer Atemzug presste sich durch ihre angespannten Kiefer, als sie sich in leichter Schonhaltung über den Hals des Braunen beugte, bis ihre Stirn beinehe des kräftigen Hals berührte. Die Flüche die Ihre Lippen verließen, hätten selbst die Soldaten rot anlaufen lassen.
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    • Andvari

      Andvari nahm für sich anerkennend zur Kenntnis, dass die Heilerin offenbar mit Pferden umgehen konnte. Der Wallach wirkte zahm in ihrer Gegenwart und ließ sich ohne Widerstand weiter aufzäumen.
      "Wir sollen reiten", flüsterte Lhoris an der Tür und glitt regelrecht zu einem weißen Pferd gleich neben dem Wallach. Er lehnte sich ähnlich wie Andvari an das Pferd und flüsterte ein Paar Worte, um sich anschließend in einer fließenden Bewegung in den Sattel zu schwingen.
      Der Elf richtete seinen Umhang und legte ihn über die Schwerter, sodass man diese nicht mehr erkennen konnte.
      Nachdem Viola saß, blickte sich Andvari um.
      Sicherlich hatte er ihre Flüche mitbekommen und erstaunt die Augenbrauen hinaufgezogen. Seine Lebensschuld beinhaltete nur, diese Frau am Leben zu lassen, sofern sie die Stadt verließen. Dennoch musste sie Schmerzen leiden und einS chreien musste unterbunden werden.
      "Lhoris", zischte er. "Hast du Atlaskraut?"
      Der Angesprochene hielt inne und blikte erstaunt zu seinem Herren und anschließend zu Nuala, die nur verächtlich schnaubte, während sie sich auf ihr Pferd schwang und ebenfalls richtete, sodass man die Bewaffnung nicht sehen konnte.
      Lhoris ließ sein Pferd näher herantraben und reichte dem weißhaarigen Elfen einen grünlichen Beutel, aus dessen Innerem ein süßlicher Kräutergeruch stach. Atlaskraut wuchs an den Hängen des Weißen Berges und galt als wirksames Schmerzmittel unter den Elfen. Die Krieger nahmen es vor der Schlacht, damit Schnittwunden nicht so sehr schmerzten und der Geist wachsam blieb, sofern man verletzt wurde. Andvari erinnerte sich, vor der Schlacht von Erynn Vâr eine ganze Hand davon gegessen zu haben. Das Kraut war von tiefgrüner Färbung und ähnelte von den Blättertrieben einfachem Klee, wies jedoch einen silbernen Kranz um die Blätter auf.
      Er reichte Viola den Beutel und machte eine essende Geste mit der Hand.
      "Kauen", murmelte er und wandte sich sogleich nach einem Umhang um.
      Natürlich gab es in diesem behelfsmäßigen Stall nichts, was sich als Reiseumhang bezeichnen ließ und so riss er eine geräumige Pferdedecke von der Wand und warf sich diese um die Schultern.
      Sie stank besitalisch nach Urin und sonstigen Pferdeausscheidungen, aber was sollte man machen. Selbst ein General musste einstweilen durch Dung waten.
      Nicht minder elegant als seine Kameraden schwang er sich hinter Viola aufs Pferd und warf die Decke über seinen Kopf. Mit einem kurzen Nicken setzte sich der Tross der Elfen in Bewegung.
      Zuerst ritt Nuala aus dem Stall, anschließend Lhoris und zuletzt Andvari mit Viola, die hoffentlich keine Falle für sie vorbereitet hatte.

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    • Nebencharaktere:

      Lhoris.jpg
      Name
      Lhoris Farvalur

      Alter:
      Unbekannt

      Beruf:
      Krieger, 1. Offizier der 1. Legion der Königlichen Armee

      Sonstiges:
      Ältester Freund und Schwertbruder von Andvari
      Kampfmagier (Hitze)


      Status:
      verstorben (?)






      Nuala.jpg
      Name:
      Nuala Beylamin

      Alter:
      294

      Beruf:
      Kriegerin, Fischerin; Unteroffizier der Garde der Königswache

      Sonstiges:
      Freundin und Schwertgeschworene von Andvari
      Andvari rettete ihr Leben
      fühlt sich seither zu ihm hingezogen
      Kampfmagierin (Schattenschmelze)



      Status:
      am Leben


      Dateien
      • Lysanthir.jpg

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      • Oberon.jpg

        (81,72 kB, 129 mal heruntergeladen, zuletzt: )

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    • Viola

      Fragend blickte Viola auf den Beutel, aus dem der süßliche Geruch aufstieg. Der Duft war ihr gänzlich unbekannt und vielleicht hätte sie darüber nachdenken sollen, um man nicht am Ende doch versuchte sie zu vergiften. Mit bedächtigen Fingern nahm sie die wohlriechenden Kräuter entgegen und warf mit dem neugierigen Blick einer wissbegiergen Heilerin einen Blick auf die filigranen Blätter. So eine Pflanze hatte sie noch nie gesehen, nicht mit dieser außergwöhnlichen Färbung. Vielleicht würde sie noch Gelegenheit haben sich später danach zu erkundigen. Falls man überhaupt bereit war, sie darüber zu lehren. Viola vermutete bereits eine Art Schmerzmittel, aber die Wirkung war dennoch überraschend. Es waren nur ein paar wenige Blätter gewesen, die sie sich auf die Zunge gelegt hatte. Aber wer wusste schon wie ein Heilmittel der Elfen auf einen Menschen wirkte. Die betäubende Wirkung setzte schon nach wenigen kauenden Bewegungen ein. Ehrlich überrascht blickte sie erneut in den Beutel. Sorgsam verschnürt blickte sie zu dem schwarzhaarigen Elfen und zögerte.
      Bevor sie den Beutel an seinen Besitzer zurückgeben konnte, hatte sich Andvari hinter ihr den den Sattel geschwungen. Ihre Schultern strafften sich durch die plötzliche Nähe. Sie bemühte sich nicht zu steif im Sattel zu sitzen. Viola hatte beinahe den Beutel in ihrer Hand vergessen, da setzten sich die Pferde schon in Bewegung. Um die Hände frei zu haben, band sie das Kleinod an dem Gürtel ihres Kleides fest. Sie würde es später an Lhoris zurückgeben, sobald sie Halt machten. Aber auch der wohltuhende Geruch der Pflanzen konnte den bestialischen Gestank in ihrem Rücken nicht überdecken. Das hatte wirklich nichts mit warmen Stallgeruch gemein, es biss selbst in ihrer Nase.
      Als sie aus den Ställen ritten, hielt die Heilerin den Kopf gesenkt. Im Gegensatz den anderen, hatte sie keine Möglichkeit sich zu verbergen. Sie hoffte nur das kein bekanntes Gesicht sie entdecken würde. Das Atlaskraut entfallte seine volle Wirkung, so dass ihre Haltung ein wenig entspannter wurde. Der erwartete Schmerz blieb aus. Ein wenig entfernt von den Reitern erklang Musik, Gesänge stimmten in die Melodie hinein. Aber bisher schien niemand die Pferde zu bemerken oder man schenkte ihnen keine sonderliche Beachtung.
      Viola hätte beinahe vergessen, dass es eine kalte Winternacht war. Umso mehr war sie sich der Wärme bewusst, die über ihren Rücken strahlte. Es war surreal. Gleichmäßiger Atem traf ihren Nacken. Andvari hüllte sie mit seiner großen Gestalt beinahe völlig ein. So aufrecht wurde ihr das erste Mal bewusst mit welcher Größe er sie überragte. Ihre Hände hatten sich haltsuchend in der Mähne des Wallachs vergraben. Einen Blick wagte sie nach vorn, die Musik war nun gedämpft hinter ihn, das Licht der Feuer immer schwächer und das Tor bereits in Sichtweite.
      Plötzlich ertönte Unruhe von der Garnison. Ein Glocke wurde hektisch geläutet. Der Klang hallte durch alle Straßen. "Hinterhalt! Der Hauptmann ist ermordert worden! Riegelt die Stadt ab!" Stimmengewirr wurde vom kalten Wind herüber getragen. Über die Schulter blickte sie alarmiert den Elfen in ihrem Rücken an. Unter anderen Umständen wäre er viel zu nah, seine körperliche Präsenz zu viel. Aber Adrenalin rauschte durch ihre Adern. Ihre Hände griffen fester in die Mähne. Jetzt oder nie.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Andvari


      Die Welt war ein merkwürdiger Ort, dachte der Elfenprinz und versuchte, den beißenden Geruch in seiner Nase zu ignorieren, während seine Hände auf den Zügeln des Pferdes und halb um Violas Körper lagen, damit diese nicht vom Pferde stürzte.
      Seine beiden Kameraden ritten versetzt vor ihm und wirkten nicht den Hauch von beunruhigt, obgleich er wusste, dass Lhoris nervöse Blicke auf die Soldaten warf, die hier feierten, sangen und tanzten.
      In der Luft lag der Geruch von schwerem Wein und gebratenem Fleisch. Vielleicht auch der Geruch von Schweiß, wenn man genau hinroch. Jedoch schloss Andvari nicht aus, dass er es nicht selbst war, der so bestialisch stank.
      Ein Prinz in Scheiße und Pisse. Er musste unwillkürlich grinsen, als er an den Blick seines neunmal verfluchten Vaters dachte. Er würde ihm vermutlich die sieben Feuersbrünste anschüren, wenn er es erfuhr, aber was sollte es. Vielmehr beschäftigte ihn der Gedanke, was er mit der Heilerin machen sollte.
      Er war nicht weiter in seinen Gedanken gekommen, als plötzlich Unruhe hereinbrach. Ein Alarm wurde gegeben und eine Glocke rigoros geläutet. Die Elfen tauschten jeweils einen hastigen Blick miteinander und lächelnd nahm Andvari zur Kenntnis, dass die Heilerin sich bereits fester in die Mähne krallte. Sie hatte gute Reflexe.
      Andvari pfiff in einem langgezogenen melodiösen Ton und gab dem Ross die Sporen. Seine Fersen bohrten sich tief in das Rippenfell des Wallachs und wiehernd brach dieser beinahe sofort in den brausenden Gallopp auf.
      Lhoris und Nuala taten dies beinahe zeitgleich und gallopierten drei große Schlachtrösser durch die engen Gassen der Handelsstadt und rissen dabei den ein oder anderen Holzstand oder andere Hindernisse mit. Noch ehe der erste Pfeil flog, beugte sich Andvari tief über das Pferd und zwang Viola damit ebenso in die gleiche Haltung. Bei einer unachtsamen Bewegung riss es ihm die stinkende Decke vom Leibe und flatternd hinter ihnen zurück. Eine Weile lang schienen sie beinahe ungeachtet voran zu kommen, als ein erster Pfeil über ihre Köpfe hinweg flog.
      Weiterhin sah er Wachen am Tor, die sich bereitmachten, ihre Speere als Rammböcke einzusetzen. Es würde ein holpriger Ritt.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Für eine quälende Sekunde setzte ihr Herzschlag aus. Mit einem gewaltigen Satz preschte der der braune Wallach nach vorn, die Bewegung schüttelte ihren ganze Körper und sie verlagerte ihr Gewicht anders im Sattel, um besseren Halt zu finden. Viola konnte aber nicht vermeiden, dass sie einen überraschten Laut von sich gab. Aber bei dem Krach hätte sie eh niemand gehört. Die Heilerin mochte keine erfahrene Reiterin sein, aber sie hatte genug Körpergefühl um sich den Bewegungen des Tieres anzupassen. Und denen von Andvari. Ihre Nase berührte fast die wehende Mähne, das angestrengte Schnauben des Wallach laut in ihren Ohren.
      Vor ihr prallten die ersten Pfeile vom Kopfsteinpflaster ab, zerbrachen unter den trommelden Hufen der Pferde. Durch das Pfeifen des Windes hörte sie immer wieder das Sirren in der Luft, dass die tödlichen Geschosse ankündigte.
      "Haltet sie auf!" Die Stimme wurde vom Tor hergetragen, wo die Wachen sich eilten eine Barrikade zu errichten. Sie hatten nicht vor die Mörder ihrer Kameraden und ihres Hauptmannes einfach fliehen zu lassen. Speere wurden in Boden getrieben. Eine tödliche Hürde wenn die Pferde mit brachialer Wucht hineinranten. Sie hatte es oft genug auf den Überresten der Schlachtfelder gesehen. Eine Lücke in dem Wall abzupassen würde einiges an Geschick erfordern. Hinter den Speeren hatten sich zwei Bogenschützen positioniert die die Flüchtenden ins Visier nahmen. Die Pfeile waren bereits zum Schuss gespannt, als einer der Schützen den Bogen zögerlich senkte. Viola spürte, dass er sie ansah, über den Hals des Pferdes hinweg.
      "Wartet!" Die Wache vereengte die Augen konzentriert zu Schlitzen. Was er sah, waren die roten Haare die wild ihr Gesicht umrahmten und über ihre Schulter wehten. "Das ist Viola!" Bei dem Bogenschützen handelte es sich Helenas Verlobten. Er war also nicht unter den Feiernden. "Sie haben eine Heilerin als Geisel genommen!" Rief ein anderer. Unsicherheit machte sich in den Linien breit. Aber es würde niemand kommen, der ihnen einen Befehl geben würde. Das war eine Chance. Der Pfeilregen ließ für einen Augenblick nach.
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    • Elfen und Co KG

      Sie preschten weiter vor, während Andvari den herannahenen Pfeilen auswich. Es war nicht einfach, in den engen Gassen mit großen Pferden zu navigieren und die Tiere wurden mit jeder Minute, die sie über das Kopfsteinpflaster preschten, unruhiger. Lhoris wirkte besorgt und riss seine Schwerter aus den Scheiden. Gerade rechtzeitig, wie sich zeigte, denn ein weiterer Pfeil fand von links sein Ziel durch die Gasse. Mit einer grazilen und beinahe beiläufigen Bewegung wehrte er den Pfeil ab und verzichtete darauf, dem SChützen hinterher zu jagen. Sein Herr war wichtiger.
      Doch dann..
      Das Tor kam in Sichtweite und hinter den Speeren bauten sie Schützen auf. Gar nicht dumm, wenn man die Ausgangslage betrachtete. Doch etwas stimmte nicht. Lhoris bemerkte es als erster, ehe Andvari einen Hang danach bekam. Sie schossen nicht. Dieser eine Bogenschütze, der den Bogen kaum merklich senkte, wirkte verstört als er ihren Namen sah und der Elf blickte seine Reitbegleitung an,die er beinahe unter sich begraben hatte. Sie hatten nicht die Zeit, anzuhalten.
      "Fort mit Euch!", donnerte Andvari so laut er konnte und zog ebenfalls sein Schwert.
      Nur Sekunden tat es ihm Nuala gleich und ihre Schwerter leuchteten wie Sterne in einer unheilsschwangeren Nacht. Die Geschwindigkeit der Pferde war bereits zu hoch. Er musste darauf hoffen, dass sie früh genug springen konnten und zur Not die Pferde opfern. Es blieb nichts anderes.
      "Fort! Oder ich töte!", rief er dem Bogenschützen zu und drehte mit einer grazilen Bewegung das Schwert in seiner Hand.
      Mit der Linken griff er unter Violas Brust und zog ihren Oberkörper dicht vor seinen, ehe die kalte, scharfe Klinge an ihrem Hals weilte. Er atmete schwer, die Wunden schmerzten ihm. Am Ungleichgewicht seines Rückens bemerkte er, dass auch mindestens ein Pfeil ihn getroffen haben musste. Er betete zu allen Göttern dass es reichte.
      "Wir müssen springen, Herr!", rief Lhoris und wurde nicht langsamer.
      Eine kritische Situation.

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    • Viola

      Jede Sekunde die verstrich, war eine Sekunde zu viel. Vom Stadtkern Milans aus näherten sie die eiligen Schritte weiterer Wachen der Garde, die den langen Weg über die Hauptallee gemacht hatten. Von allen Seiten würde man die kleine Gruppe einkreisen. Viola zweifelte nicht daran, dass selbst die geschickten, kriegerischen Elfen nichts gegen einen solchen Aufmarsch ausrichten konnten.
      Die Gedanken wurden unterbrochen, als sich ein Arm schraubstockartig um ihren Körper schlang. Ohne das Atlaskraut hätte sie vermutlich geschrien, so spürte sie nur den unangenehmen Druck auf ihre angeschlagenen Rippen. Was hatte Andvari vor? Die Worte rangen alarmierend in ihren Ohren und eine eisige Kälte rann durch ihre Adern, als sich kalter Stahl an ihren Hals legte. Reflexartig hob Viola das Kinn und hielt erschrocken die Luft an. Von selbst schoss eine ihrer Hände nach oben und krallte sich um den Arm, der sie gegen die breite Brust des Elfen drückte. Es war erstaunlich, dass er ihre Haut am Hals nicht anritzte bei der todesmutigen Geschwindigkeit der Pferde. Der braune Wallach folgte von selbst seinen beiden gehuften Gefährten und steuerte ebenfalls direkt auf das Tor zu. Sie würden nicht anhalten können...
      Viola wagte es zu atmen und löste trotz des holprigen Ritts die zweite Hand aus der Mähne des Wallach. So hoffnungslos es auch war, sie hatte nur diesen einen Versuch. Zögerlich, ihr Gleichgewicht haltend, hob sie ihre freie Hand mit der Handfläche nach vorn in Richtung des Bogenschützen. Es war eine gerringe Chance, dass er ihre kleine Geste überhaupt bemerkte. Und sie bat jede Macht des Universium darum, dass er verstand. Helenas Verlobter zögerte sichtlich, während die Pferde immer näher kamen. Man sah förmlich wie seine Schultern geschlagen herunter sackten und er den Bogen bei Seite warf, ehe er den nächstgelegenen der Speere aus den Boden zog. Mit einer hektischen rudernden Bewegung seiner Hand, setzte sich auch langsam die anderen Wachen in Bewegung. "Lasst sie duch!" - "Was?!" Er drückte dem nächsten Soldaten den Speer gegen die Brust. "Ich sagte...durchlassen! Oder willst du riskieren, dass diese Wilden ihr die Kehle aufschlitzen? Vergiss nicht, dass du es ihr verdankst, dass du zurück zu deiner Familie kannst. Also, beweg dich endlich!" Der Bogenschütze blickte über die Schulter und sah noch, wie die drei Pferde samt Reiter duch das Tor preschten, nachdem man den Hufen förmlich aus dem Weg gesprungen war. "Hoffentlich weißt du was du tust...Wo bist du da nur hineingeraten." Flüsterte er nur, bewust, dass Viola sich freiwillig auf diesem Pferd befand. Wie sollte er das nur Helena erklären?
      Unter den trommelden Hufen wirbelte der Schnee in die Nacht hinauf, während die Reiter in der Dunkelheit verschwanden und ratlose Männer zurückließen. Wäre das Schwert und der Arm nicht gewesen, wäre die Heilerin erleichtert nach vorne gesackt.
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    • Elfen und Co KG

      Die Nervosität stand selbst Andvari auf das Gesicht geschrieben.
      Bleich wie eine getünchte Wand blickte er die Bogenschützen an und malte sich bereits aus, welche Kräfte von den Seiten auf sie eindringen konnten. Sie konnten unmöglich gewinnen. Sicherlich würden sie einige mitnehmen, aber niemals genug. Und während er schwer ein und ausatmete erinnerte er sich an die verletzten Rippen der jungen Frau. Es tat ihm ohnehin schon Leid, sie als Unterpfand nehmen zu müssen, aber was sollte er tun. Er war bei Barbaren gelandet.
      Doch dann nahm der Bogenschütze seinen Bogen herab und schuf eine Furt für sie.
      Einen Moment zweifelte Andvari an ihrem GLück und Lhoris' Blick nach zu urteilen, der sich schlagartig zu seinem legte, dachte dieser dasselbe. Nuala schwieg ausnahmsweise, doch auch ihr stand die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Sie war wie ein wildes Tier wenn man sie auf die Männer losließ, aber hier wirkte sie eher ängstlich.
      Während dieser eine Soldat seine Männer regelrecht beiseite schob, trieb Andvari sein Pferd an. Kaum zu glauben, dass dieser Wallach noch schneller konnte, aber durchaus: es war möglich. Muskelbepackt wie dieses Tier war, spannte es allen Rest an Kraft an und legte nochmals zu, während seine Gefährten kaum hinterher waren.
      "Du bist verletzt", rief Lhoris und deutete unheilsschwanger auf seinen Rücken.
      "Wir reiten!", sagte Andvari und biss die Zähne zusammen. Es schmerzte. Es schmerzte sehr. "Wir reiten ein paar Meilen, dann lassen wir die Frau frei!"
      Als sie durch das Tor in die Nacht hinaus galloppierten und der Schnee ihnen einen natürlichen Schutz bot, nahmen sie langsam das Tempo heraus. Sicherlich würden sie noch eine Weile galloppieren müssen, aber man musste nicht mit voller Geschwindigkeit vorgehen. In einer dreifaltigen Bewegungskette schob Andvari sein Schwert wieder in die Scheide und ließ seine Hand etwas tiefer auf die Höhe von Violas Bauch wandern. Nicht, um ihr ein Leid anzutun, aber der Ritt würde holprig und einen weiteren Verletzten konnte er sich nicht leisten.
      "Von der Straße ab", rief er und beinahe gleichzeitig schlugen Nuala und Lhoris wie er selbst nach links in das dichte Unterholz des kurzen Waldstückes, das sie bis zur Grenze der Bergkette begleitete. Dort würden sie zumindest Schutz und Obdach finden, sofern sie es brauchten. Der Schnee wirbelte mit jedem Schritt der Pferde auf und alsbald würden sie anhalten müssen. Andvari fror leicht bei den eisigen Winden, doch eine Möglichkeit einer Behausung hatten sie nicht.
      Die Sterne mussten ihnen den Weg weisen.

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    • Viola

      Der stetig fallende Schnee würde ihre Spuren zuverlässig verdecken und sollten ihnen dennoch Verfolger auf den Fersen sein, würden die sie keine verräterischen Hufabdrücke mehr finden. Niemand wäre so leichtsinnig mitten in der Nacht bei dieser Wetterlage in ein Schneegestöber zu reiten. Die Anspannung fiel von ihren Schultern ab. Die Klinge, die noch zuvor bedrohlich über ihrem Hals geschwebt hatte, war beinahe völlig vergessen. Das Tempo nahm langsam ab und doch war von Ruhe nichts zu spüren. Im gemäßigten Galopp ritt die kleine Gruppe immer tiefer in die Wälder. Die kargen Baumkronen boten zwar einen kläglichen Schutz gegen Wind und Eis, aber es war besser als auf offener Fläche zu reiten. Unter den schweren Hufen knirschte und knackte es im Unterholz.
      Die Hand auf ihrem Bauch war beinahe so eiskalt, wie die beißende Nachtluft. Ihre Hand umklammerte noch immer Andvaris Unterarm, spürte das Zucken und die Anspannung der Muskeln darunter. Der Atem in ihrem Nacken war schwer und zeugte von Erschöpfung. Zaghaft, kaum spürbar übte sie ein wenig Druck mit ihren Fingern auf die kühle, blasse Haut aus. Viola brauchte nicht über Schulter nach hinten zu sehen, um zu wissen, dass die Kräfte den Elfen verließen. Nach der sträflichen Vernachlässigung der letzen Tage war es ein Wunder, dass er nach dieser kräftezehrenden Flucht noch nicht von dem Wallach gekippt war. Seine Haltung hatte sich verändert, Viola spürte es in ihrem Rücken.
      "Halt an." In ihrer Stimme lag ein Zittern, allerdings von der anhaltenden Kälte, die sich in ihre Knochen fraß. "Du hast Schmerzen." Sie hatte den Pfeil im Rücken des Elfen noch nicht bemerkt, wie hätte sich auch in ihrer Position. Als sie keine Reaktion bekam, schloss sie kurz die Augen. Ratlos wohin sie sollten oder wo Andvari sie hinführte. Ohne einen Unterschlupf oder Schutz, ohne die Möglichkeit einer Rast, wusste sie nicht wie lange sich der Elf noch auf dem Pferd hielt.
      Im Nachhinein konnte Viola nicht sagen, ob ihre Entscheidung wirklich klug gewesen war. Aber der Gedanke kam ihr erst, als sie mit der freien Hand bereits nach einem der Zügel griff. Mit einem etwas ruppigen Zug griff sie in die Zügel und brachte den braunen Wallach mit einem Schnauben zum stehen. Erst jetzt wagte sie einen Blick über die Schulter und entdeckte im fahlen Licht der Sterne die ramponierte Feder eines Pfeils über seine Schulter aufragen.
      Etwas weniger selbstbewusst glitt ihr Blick zu den beiden anderen Elfen, die seit ein paar Meilen sehr schweigsam gewesen waren.
      "Wir müssen rasten." Brachte sie nur hervor. Sie wusste nicht mal ob die anderen ihre Worte verstanden. Viola blickte dabei Lhoris an, auch wenn er für sie nur Kälte in seinem Blick hielt, erschien er ihr zugänglicher als seine weibliche Begleitung.
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    • Elfen und Co KG

      Der Schnee war betäubend schön.
      Andvari erinnerte sich an seine Mutter, wenn er durch die kalten Auen dieser Lande ritt und die weißlichen Spuren an den Bäumen betrachtete. In der Luft lag der Geruch von Nässe und gleichsam Gleichgültigkeit, so als wisse die Natur, dass sie stets exstieren würde, komme was da wolle.
      Das schwere Knrischen der Hufe wurde sein Wiegenlied als er merkte, dass ihm die Augen zufielen und er den zarten Druck auf seinem Arm merkte. Doch ehe Viola ein Wort gesagt hatte sackte sein Kopf langsam auf ihren Scheitel und für eine Sekunde atmete er den Duft der jungen Frau ein. Sie roch nach Kräutern, vielleicht war dort ein Rest von Schweiß, aber durchweg konnte er sich nicht erinnern jemals etwas vergleichbares gerochen zu haben.
      Als Viola nach dem Zügel griff, spannte Nuala ihre Muskeln an und keifte in Lhoris Richtung, der umgehend sein Pferd anhielt. Er ward einen ärgerlichen Blick zu der HEilerin und anschließend zu Andvari.
      Ein kurzes Nicken und ein kurzer Blick Nuala sorgten für einen umgehenden Stopp des Trosses. Die junge Elfin sprang von ihrem Pferd und versorgte Lhoris' gleich mit, als dieser sich von seinem herabließ.
      Er blickte zu Viola.
      "Ihr habt gesagt, wir müssen rasten. Weshalb..."
      Lhoris sprach die Sprache der Menschen ohne jeglichen Akzent und beinahe perfekt. Seine Stimme war wie ein sanftes Flüstern im Wind, aber dennoch kraftvoll und bedächtig. Er warf die Kapuze zurück und entblößte das schwarze, seidenglatte Haar und die darunter liegenden, beinah schwarze Augen.
      Erst jetzt sah ebenfalls den gefiederten Pfeil, der seinem Herrn aus dem Rücken ragte. Die Spitze hatte die Brust durchschlagen und steckte knapp unter dem Schlüsselbein. Lhoris griff ohne zu Fragen nach seinem Herrn und zog ihn behutsam, doch kraftvoll vom Pferd, um ihm in sanftem Schnee zu betten.
      Ein kurzes, geflüstertes Wort und ein Feuer aus seiner Hand brannte einen kleinen Kreis im Schnee frei, sodass die Erde darunter sichtbar wurde.
      "Er nannte Euch Heilerin", murmelte Lhoris und sah Viola an. "Würdet Ihr ihm erneut helfen? Gegen Bezahlung versteht sich. Helft ihm, und Ihr seid frei!"
      Nuala betrachtete die Situation missbilligend, als sie auch das dritte Pferd zur Lichtung führte.

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    • Viola

      Beinahe sanft ruhte das Gewicht seines Kopfes an ihrem und dennoch fühlte es sich für die junge Heilerin wie eine tonnenschwere Last an. Selbst eingesperrt wir ein wildes Tier in einem Käfig war Andvari immer Herr seiner Sinne gewesen. Etwas in ihr regte sich beunruhigt. Das war nicht gut. Viola spürte die flachen Atemzüge an ihrem Scheitel und drückte noch einmal von Sorge geplagt, den Arm des Elfen um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber er driftete bereits davon.
      Überrascht blickte sie zu Lhoris hinab. Um ehrlich zu sein, hatte sie nicht erwartet, ihre eigene Sprache so klar aus seinem Mund zu hören. Violas brauchte nichts zu sagen. Der schwarzhaarige Elf hatte die Lage binnen weniger Wimpernschläge erfasst und zog Andvari mit umsichtiger Vorsicht vom Rücken des Wallachs. Mit steifen Gelenken von dem langen Ritt, glitt die junge Frau ebenfalls aus dem Sattel. Es war sicherlich nicht ideal unter freiem Himmel zu bleiben, aber sie konnten nicht wählerisch sein. Kurz presste sie nachdenklich, die vom kalten Wind spröden und Lippen auf einander. Es stand völlig außer Frage, dass sie ehrlich bekümmert und besorgt um Andvari war.
      Vorsichtig ließ sie sich im Schnee neben Lhoris und dem Verletzten nieder und ließ ihren Blick über Pfeilspitze, die blutig unter seinem Schlüsselbein hervorragte. Bitter nahm sie auch die eine oder andere entzündete Naht war. Diese Tölpel von Gefängniswärtern hatten ihre ganze Arbeit sabotiert. Mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen schüttetle Viola den Kopf.
      "Dafür würde ich nie einen Bezahlung verlangen." Wisperte sie. "Meine Leute haben ihm das angetan. Das Gerringste, was ich tun kann ist zu helfen." Bedächtig legte sie eine Hand auf den Schwung des Schlüsselbeines. "Wir müssen die Spitze kappen und den Schaft vorsichtig entfernen. Es wird schmerzen. Ich brauche etwas um die Wunde danach zu verbinden. Die Schulter muss stabilisiert werden. Wenn er sie zu sehr bewegt, könnte er mehr Schaden anrichten." Im Schlimmsten Fall würden die Muskeln so stark beschädigt, das seine Bewegung dauerhaft eingeschränkt war. Eine verschneite Lichtung ohne das richtige Werkzeug war keine gute Vorraussetzung.
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    • Elfen helfen

      Lhoris handelte schnell. Auch wenn er es merkwürdig fand, dass gerade eine menschliche Heilerin einen Elfen versorgte, so machte es doch wesentlich mehr Sinn als diesen hier sterben zu lassen. In dem Blick der jungen Frau erkannte er ehrliche Besorgnis um seinen Herrn. Die Frage war nur, wieso? Menschen hatten grundsätzlich mit Elfen nichts zu schaffen. Weshalb also riskierte diese Frau so viel für einen Klassenfeind, der ihr Land niederbrannte?
      Diese Fragen, so dachte er, konnte er sich auch später beantworten. Zunächst galt es, Andvari so gut es ging zu versorgen. Hinsichtlich des Verbandsmaterials rief er nach Nuala. Die blonde Elfe hatte sich die ganze Zeit über skeptisch zurückgehalten und blickte auch jetzt nicht wirklich freundlich drein, als Lhoris sie um ihren Mantel bat. Jedes Kleidungsstück war weniger Wert als dieser Elf. So zumindest war seine Überzeugung. Nuala schüttelte sich kurz vor Kälte, als sie den Mantel herunter nahm und mit ihrem Schwert drei, vier grosse Bahnen an Stoff herausschnitt. Es sollte als Verband durchaus ausreichen.
      Hinsichtlich des Pfeilschaftes nahm sich Lhoris selbst des Herrn an. Er zog ein Schwert aus der Scheide und richtete es gegen den Mondstrahl aus. Die Klinge leuchtete leicht bläulich im Widerschein und machte es unmöglich eine Bewegung vorher zu sehen. Er drehte Andvari mit zwei gezielten griffen auf die Seite, sodass die durchbohrte Seite oben lag. Ein schneller, gekonnten Hieb, der leider auch einen Schnitt am Arm des Elfenprinzens beibrachte und die Pfeilspitze glitt in den Schnee hinab. Anschliessen ging er neben Viola und vor seinem Herrn in die Knie und drücke von vorn gegen die Schulter.
      "Ich hoffe, das ist ausreichend, Heilerin ", murmelte er und Schweiss zeigte sich auf seiner Stirn. "Ich bitte Euch: dieser Elf muss leben. Er muss der nächste König werden sonst wir alle des Todes..."
      Es gehörte sich nicht ein derartiges Geheimnis zu verraten. Aber selbst nuala blickte mehr besorgt zu dem Körper des Anführers als sich um Regeln zu scheren.

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