[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

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    • Viola

      Mit Dankbarkeit in den grünen Augen beobachtete Viola, wie Lhoris mit einem gekonnten Hieb die Pfeilspitze vom Rest des Geschosses trennte. Mit den eigenen erkaltet Fingern hätte sie die Spitze sicherlich nicht sauber abbrechen können. Splitter in der Wunde wären eine fatale Gefahr gewesen. Die Kunst der Elfen würde für sie wohl ewig ein Geheimnis bleiben.
      Die Heilerin nahm einen tiefen, konzentrierten Atemzug ehe sie sich ebenfalls über den verletzten Elf beugte und um seine Schulter herum griff. Mit einem kurzen Nicken sah sie zu Lhoris auf. Es war klar zu sehen, wie sehr sich der Krieger sorgte. Und wie viel der Prinz, der Gedanke saß immer noch schwer in ihrem Hinterkopf, beiden Gefährten am Herzen lag. Bis in den Tod treu, da war sich Viola sicher. Die Stoffstreifen aus dem Mantel, hatte sie griff bereit neben sich gelegt. Die Heilerin bemühte sich, das ernorme Gewicht von Lhoris' Worten nicht auf sich wirken zu lassen. Statt dessen blickte sie in das Gesicht Andvaris. "Ich werde tun, was ich kann. Das verspreche ich."
      Obwohl Viola entsetzlich fror, waren ihre Hände ruhig. Die Finger schlossen sich entschlossen um den Schaft des Pfeiles. Noch ein Atemzug dann übte sie einen gleichmäßigen Zug aus und zerrte das Geschoss so vorsichtig wie sie konnte aus dem geschundenen Fleisch. Kein Zweifel das der Schwarzhaarige seinen Herrn halten würde, wenn der Schmerz einsetzte. Allerdings hoffte Viola, dass Andvari die Prozedur durch seine Bewusstlosigkeit gar nicht erst bemerkte. Mit einem ekelhaften, schmatzenden Geräusch bugsierte sie die letzten Zentimeter glatten Holzes aus der Wunde.
      Sofort presste sie ihre Hand gegen die offene Wunde, übte Druck auf die Blutung aus. Der Pfeil fiel lautlos, blutig in den Schnee, der sich augenblicklivh mit der warmen Flüssigkeit vollsog und schließlich dahin schmolz. Ohne ihre Habseligkeiten, musste sie mit dem arbeiten, was sie hatte. Aber oft war es auf den Feldern des Krieges nicht anders. Manchmal blieb es nur zu hoffen. Wenn der Pfeil die Lunge nicht punktiert hatte, würde er leben. Da Andavri atmete und sich seine Brust gleichmäßig, wenn auch träge hob, war Viola guter Dinge.
      Mit geschickten und routinierten Griffen schlang sie den Stoff um Schulter und Brustkorb. Sie bedeutete Lhoris nur kurz seine Hand fortzunehmen und Andvari leicht aufzurichten. Mit den behelfsmäßigen Verbänden, fixierte Viola den Oberarm am Körper, um die Bewegung einzuschränken. So lange der Arm ruhig blieb, war es beinahe unmöglich die verletzen Muskeln in Schulter und Rücken zu bewegen. Mit dem letzten festen Knoten, lehnte sie sich zurück und fuhr sich mit dem Handrücken über die Stirn.
      Ihr Blick viel auf den seicht blutenden Schnitt knapp über dem Ellbogen des Prinzen. Ohne Zögern riss sie einen Fetzen Stoff aus ihren Röcken und wickelte den tiefgrünen Stoff um den feinen Schnitt.
      Erst als Andvari wieder ruhig im Schnee lag, legte Viola zögerlich eine Hand, federleicht dabei, über die Wange des Elfen.
      "Er ist zu kalt." Ihr Blick hob sich zu Lhoris. "Ist ein Feuer zu riskant?"
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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    • Elfen helfen

      Lhoris galt als umsichtiger, ruhiger und doch recht gewaltiger Krieger im Lande der Elfen.
      Doch heute wurde nicht nur seine Geduld, sondern auch seine Loyalität mehrfach auf die Probe gestellt. Zunächst schleifte der Herr eine junge Frau mit sich, an der er scheinbar Gefallen gefunden hatte und jetzt rettete diese Menschenkind einem Elfenfürsten (nun vielleicht ja auch erst bald ) das Leben. Vermutlich erneut, wenn er die Blutschuldrede des Herrn richtig deutete.
      Sie drückte den Pfeil zurück und Andvaris Körper begann leicht im Schnee zu zucken. Blaues Blut rann aus der Wunde und färbte den schnee surreal himmelblau, während leichter Rauch von der Flüssigkeit aufstieg. Lhoris Hand fand seinen Weg zur Schulter seines Meisters und hielt sie gerade. Die Ohnmacht war den Götter sei dank tief und undurchdringlich wie ein Zwergenschild. Als Viola die Verbände schlang, mahm er seine Hand auf Kommando und anschließend wieder auf dieselbe Stelle. Ein Anheben war nur unter der Zuhilfenahme Nualas möglich, die merkwürdig agil und zärtlich vorging. Beinahe glaubte Lhoris zu sehen, wie sie die Brust des Elfen einen Moment lang zu lang anfasste.
      Ein warnender Blick erreichte sie und Nuala blickte ertappt zu Boden.
      "Menschenhände wissen nicht was sie tun", spie sie aus und Lhoris bedeutete ihr mit einem Zischen zu schweigen. Es wwar nicht die Zeit, zu streiten.
      Lhoris bewunderte die Schlinge, die sie mit den wenigen Stoffbahnen knüpfte und zog anerkennend die Brauen hoch. Als sie ihn auch noch so sanft berührte, zweifelte langsam auch der Krieger an etwas.
      "Ein Feuer ist gefährlich...Aber ich befürchte, es ist unumgänglich. Naula. Such Holz!"
      Während die Elfin ein paar Holzstöcke zusammen klaubte, die sich hier Gott sei Dank recht zahlreich unter der Schneekappe befanden, schmolz Lhoris weiter den Schnee mit bloßer Berührung. Darunter kam gräuliches Wintergras zum Vorschein, was den Herrn vielleciht etwas bequemer liegen ließ.
      Das nasse Holz wurde aufgeschichtet und Lhoris kniete sich davor. Der schwarzhaarige Elf streckte eine Hand aus und wirkte für einen Moment schlafend, ehe sich seine Stirn vor Anstrengung in Falten legte. Mit gleichem Moment wurde der Raum um ihn merklich wärmer. Das Holz begann zu dampfen und irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit des leisen Knisterns und Knackens begann es Funken zu schlagen und sachte zu glühen.
      Nuala flog herbei und blies Atem in die Glut, bis sich Flammen bildeten, die sie mit den restlichen getrockneten Holz anstacheln konnten.
      "Ihr seid talentiert und kundig", murmelte Lhoris, während er Zunder zugab. "Wo habt Ihr Eure Kunst gelernt? Und warum helft Ihr meinem Herrn so gut?"

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    • Viola

      Viola blieb an der Seite des Andvaris, während seine Gefährten ein Feuer gegen die Kälte entfachten. Die Elfen mochten zäh sein, aber auch der stärkste Kämpfer kam irgendwann an seine Grenzen. Welche Macht Lhoris auch nutzte, um die Flammen anzutreiben, schien ihn Kraft zu kosten. Sie erkannte die Zeichen der Anstrengung in seinem Gesicht. Und Nuala, die Elfin schien nur widerstrebend zuzulassen, dass sich Viola überhaupt dem Verletzten im Schnee näherte. Etwas sagte der Heilerin, dass dort mehr war, als es den Anschein hatte.
      Erst als Andvari im Schein des Feuers lag und sein Körper scheinbar zur Ruhe kam, zog sich Viola zurück und setze sich mit etwas Abstand an das Feuer. Nur kurz erlaubte sie sich einen Blick auf die drei Gefährten, nahm die besorgten aber auch zwiegespaltenen Blicke war. Ihr wurde, seltsam schmerzlich bewusst, dass sie nicht mehr war als ein Eindringling in diesem engen Kreis. Lhoris und Nuala hatten ihr Leben riskiert, um ihren verlorenen Kampfgefährten und Herrn zu befreien.
      Mit gesenktem Blick streckte sie die bereits tauben Finger dem wärmenden Feuer entgegen und hätte beinahe erleichtert aufgeseufzt. Für eine Reise durch den Schnee und das bei eisigkalter Nacht war sie nicht gekleidet. Aber es würde schon gehen. Viola war schon mit weniger ausgekommen. Vielleicht würde sie ein Dorf erreichen können, wenn sich ihre Wege trennten. Sie würde nicht zurück nach Milan gehe. Erst musste Gras über die Sache gewachsen sein. Sie fürchtete sich vor den Fragen. Und es war ausgerechnet Lhoris, der eine von ihnen stellte.
      Viola zuckte in sich zusammen und sah erschrocken auf. Die Schritte im Schnee hatte sie nicht einmal gehört. Mit einem tiefen Atemzug legte sie eine Hand auf ihr rasendes Herz. Sie nickte dankbar ob der anerkennenden Worte. Viola schwieg eine endlos lange Minute, es war als hätte sie ihre Stimme verloren während sie nach den richtigen Worten suchte. "Es gibt einen Orden. Die blaue Rose. Dort werden die besten Heilundigen ausgebildet. Ich hatte Glück, dass nach der Ermordung meiner Familie ein Kleriker des Ordens Mitleid mit mir hatte. Er hat mich aufgenommen und mich alles gelehrt." Ihre grünen Augen flackerten im Schein der Flammen. Es fiel ihr leichter zu sprechen, wenn sie seinem Blick dabei nicht standhalten musste.
      "Aus Schuld, Dankbarkeit, Naivität..." Erschöpft fuhr sie sich mit den Handballen über die Augen. "...Aber ich habe mich entschieden zu helfen, weil ich es wollte. Es schmerzt ihn so zusehen. Macht das Sinn?" Vorsichtig legte sie den Kopf zur Seite und sah Lhoris an. Viola trug ihr Herz auf der Zunge. Aber was würde es schon für einen Unterschied machen, Andvari und seine Gefährten würden sie eh fortschicken.
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    • Elfen helfen u Co KG

      Lhoris setzte sich ihr gegenüber an das Feuer und betrachtete den Tanz der Flammen.
      Sanft schlängelte sich der Rauch durch die kalte Nacht und selbst bei dem Elfen sah man die Dampfschwaden, die der heiße Atem auslöste, wenn er mit kalter Luft in Berührung kam. Lhoris warf seinen Mantel über die Schultern ab und schob ihn um das Feuer herum zu der HEilerin. Sie hatte es sich wahrlich verdient, obgleich er immer noch mit Argwohn die Menschenfrau mit den Feuerhaaren anstarrte.
      "Ein Orden...", wiederholte er. "Euer Meister hat Euch wahrlich gut gelehrt. Eure Kunst ist wahrhaftig ein Segen in dieser kalten Nacht. Und auch wenn ich es nicht gerne sage, bin ich Euch dennoch dankbar, dass Ihr meinen Herrn gerettet habt. Erneut, würde ich meinen."
      Lhoris verlor ein sanftes Lächeln und mit einem Mal erschien sein Gesicht um zehn Jahre jünger. Auf dem Kinn und den Fangen zeigte sich im Fackelschein des Feuers ein leichter Bartschatten und dunkle Ringe unter den Augen. Der Elf war einige Nächte hindurch gereist und zeigte nun auch Anzeichen voller Erschöpfung.
      Nuala setzte sich in einigem Abstand zum Feuer an einen Baum und beobachtete die Pferde nebst der Menschenfrau.
      Lhoris kicherte leicht während sie irhe letzte Antwort gab.
      "Ich denke, Vieles ergibt keinen Sinn, wenn man genauer darüber nachdenkt. Und so muss ich Eure Frage leider mit "Nein" beantworten. Wir sind Feinde, die Euer Land verheeren und Eure Männer töten. Und dennoch helft Ihr einem Bastardsohn des Königs, der Euch mit nichts als Eurer Freiheit entlohnen kann."
      Lhoris blickte liebevoll zu seinem Freund und Herrn. Wie viele Jahre waren sie bereits gemeinsam unterwegs und hatten sich den verschiedensten Gefahren gestellt? Als er an dem entblößten Leib des Herrn herabblickte erkannte er diverse Narben, deren Geschichten ihm nur allzu präsent waren.
      "Was habt Ihr vor, wenn Ihr frei seid? Ich denke, dass sich unsere Wege alsbald trennen müssen, wenn Ihr nochmals Anschluss in Eurer Gemeinschaft finden wollt..."

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    • Viola

      "Bitte hört auf euch zu bedanken." Der jungen Heilerin war es beinahe unheimlich, dass Lhoris scheinbar doch reichlich freundliche Worte für die übrig hatte. Die ganze Situation war so sonderbar, dass ihr fast lieber wäre, der Elf würde sie mit eisigem Schweigen strafen. So wie es seine Begleiterin tat, die es scheinbar vorzog, einen gebührenden Abstand zu waren. Zögerlich, aber schließlich doch erleichtert griff sie nach dem angebotenen Mantel. Der eisige Wind überzeugte sie davon, das großzügige Angebot anzunehmen. Viola versank regelrecht in dem schweren, wärmenden Stoff, der sich weicher anfühlte, als alles was sie je besessen hatte. Die Hände verschwanden ebenfalls unter dem Stoff, bis nur noch der rote Haarschopf hinaus schaute. "Mein Lehrmeister war ein gütiger Mann. Nicht viele hätten eine mittellose, traumatisierte Waise aufgenommen." Ein Hand kroch aus dem schweren Mantel hervor, während sie in einer vertrauen Geste die Narben in ihrem Gesicht berührte. Seufzend strich sie sich das Haar zurück, die Fingerspitzen wandereten gedankenverloren weiter zu dem langsam verblassenden Bluterguss auf ihrer Wange. Sie konnte es kaum noch spüren, wenn sie die Haut berührte. In ein paar Tagen würde nur noch die Erinnerung an diesen Tag übrig bleiben.
      Das leise Kichern war beinahe surreal. In einem anderen Leben hätten sie wie Reisegefährten gewirkt, die sich beiläufig über den Schein des Feuers unterhielten. Viola konnte nicht abstreiten, das auch Lhoris ein erhabene Schönheit besaß. Es war wunderlich, wie sich die Erinnerung und das Bild in ihrem Kopf, dass sie von dem elfischen Feinden hatte sich immer mehr von dem entfernte, was man sie gelehrt hatte. Was sie selbst am eigenen Leib erfahren hatte. "Nein, vermutlich habt ihr recht. Es ergibt keinen Sinn. Aber er hätte mich zurücklassen können. Mir wäre vermutlich nichts passiert, Ich bin keine Närrin, Lhoris. Mir ist bewusst, dass ihr mich als Pfand mitgenommen habt, falls man euch entdeckt. Aber er hatte die Wahl, genau wie ich." Trotzdem lag ein Lächeln auf ihren Lippen, schwach und zerbrechlich. Unter dem Mantel berührte ihr Handrücken, den grünen Beutel an ihrem Gürtel.
      "Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wohin ich gehen werden. Zurück nach Milan und meinem Tross kann ich nicht. Auch wenn ihr anders argumentiert. Die Männer sind nicht dumm. Sie werden bald ahnen, dass ich freiwillig hier bin." Mit einem Seufzen stand sie auf, gehüllt in den Mantel und löste den Beutel mit Atlaskraut von ihrem Gürtel. "Vermutlich werde ich mir irgendwo eine Ort suchen, der noch von den Schlachten unberührt ist. Ein kleines Dorf, ähnlich dem, in dem ich aufwuchs. Eine Heilerin wir überall einen Nutzen finden können. Ich habe fürs Erste genug vom Krieg, den Toten." Ihr Blick glitt zu Andvari. "Ich werde die Dinge, nie wieder wie zuvor betrachten können." Damit ging sie um das Feuer herum und reichte Lhoris den Beutel. Sie wusste nicht mit welchen Schmipftiraden und hässlichen Wörtern sie schon von der blonden Elfin belegt wurde. Diebin wollte sie nicht auch noch auf die Liste setzen.
      "Hier. Nehmt es zurück. Und mein Name ist Viola."
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    • Elfen u Co KG

      Lhoris nickte bei ihrer Erzählung stach mit einem Stecken ins Feuer, um die Glut zu wenden und Sauerstoff zuzuführen.
      "Das ist wahr", bestätigte er. "Offenbar ein gütiger Mann. Es ist nicht selbstverständlich, Waisenkinder aufzunehmen und wie die Eignen aufzuziehen..."
      Der Blick des Elfen veränderte sich zu einem wehmütigen Seufzen, das man beinahe hören konnte, obgleich es niemand aussprach. Nur wenige kannten den Grund dahinter und Andvari war einer der wenigen, die das Geheimnis von Lhoris' Herkunft kannten. Als sie über die gemeinsame Flucht sprach, musste Lhoris erneut lächeln und lehnte sich auf einen Arm zurück, um ein wenig den Rücken zu entlasten. Die Eisenrüstung um seinen Brustkorb knirschte dabei ekelhaft und mit jedem Atemzug rasselte das Geräusch übereinander lappender Platten durch den Wald.
      "Er hätte Euch nicht zurücklassen können", murmelte er beinahe gedankenverloren und sah Viola dann direkt an. "Andvari ist vielleicht ein Rohling, angesichts seines Äußeren, aber versessen auf den Ehrenkodex unseres Volkes. Andvari ist Euch aufgrund der Blutschuld zugetan und dieser Schutz ermöglicht es ihm nicht, Euch zurückzulassen in Situationen, die Euch Euer Leben kosten. So wirr es klingen mag, aber eine Blutschuld ist gewaltig in unseren Augen. Auch wenn Ihr keinen Dank wollt, so ist er Euch gewiss..."
      Lhoris sah erstaunt auf, als sie plötzlich aufstand und ihm den grünen Beutel wieder in die Hand drückte. Er wog ihn eine Sekunde in der Hand und befestigte ihn an seinem Gürtel.
      "Habt Dank. Mein Name ist Lhoris. Und das dort hinten ist Nuala", sagte er und blickte sie anschließend nickend an. "Euer Plan ist gut. Ich denke auch, dass es unklug wäre, direkt zu Eurem Tross zurückzukehren. Und ich würde Euch sehr ungern auf dem Schlachtfeld begegnen..."
      Zumal es ihn den Kopf kosten würde, wenn er ihr etwas antäte und Andvari es erfuhr.

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    • Viola

      Eine Blutschuld. Bedächtig lauschte sie den Worten des Elfen. Also verschonte er sie, weil sie sein Leben gerettet hatte. Vielleicht war sie am Ende doch naiver als sie gedacht hatte. Klarheit schimmerte in den tiefgrünen Augen. Es gab noch mehr hinter den Worten des schwarzhaarigen Elfen, aber sie war nicht in der Position zu fragen. Viola stand es nicht zu. Verstehend nickte sie und kehrte an ihren Platz auf der anderen Seite des Feuers zurück. Sie durfte nicht vergessen, was Lhoris noch Minuten zuvor gesagt hatte. Sie waren immer noch Feinde. Dieser gezwungene Waffenstillstand währte nicht ewig.
      Die Heilerin setzte sich nicht, sondern blickte er wachsam in Richtung Nuala und ließ dann Blick weiter über die Lichtung streifen. Ihre Gedanken schienen weit weg zu sein, als sie noch einmal das Wort an Lhrois richtete. "Es gibt schlimmere Schicksale, als den Tod." Damit zog sie den Mantel ein wenig enger um sich und entfernte sich mit knirschenden Schritten vom Feuer. Obwohl sie müde war und ruhen sollte, brauchte sie ein paar Minuten für sich. Viola achtete aber darauf in Sichtweite zu bleiben. Sie wollte nicht den Eindruck wecken, dass sie davon laufen wollte. Die Bewegung half den vom langen Ritt steifen Gliedern. Unter der kühlen Schönheit des Schnees ruhte die Natur und vielleicht gab es doch etwas Hilfreiches zu finden.
      Leicht ging sie in die Hocke und schob behutsam den Schnee bei Seite. Unter der weißen Decke verbargen sich junge, zarte Pflanze, geschützt vor Frost und Wind. Mit spitzen Fingern zupfte sie ein paar der Blätter ab und roch daran. Nicht das was sie suchte. Seufzend stand sie auf und setzte ihren Weg fort. Im Hintergrund lauschte sie dem stetigen Knistern des Feuers und dem Schnauben und Hufscharren der Pferde. Vor einer hochgewachsenen Eiche blieb sie stehen. Der Baum musste hunderte von Jahren alt sein. Mehrere Männer zusammen würden den gewaltigen Stamm nicht umgreifen können. Wie viel er wohl gesehen hatte in seinem langen Leben. Ein zartes Lächeln ruhte dabei auf ihren Lippen, als sie die Hand gegen die furchige Rinde legte. Ein paar Zentimeter von ihrer Hand entfernt entdeckte sie einen tiefen Riss in der Borke. Die Spuren eines lang vergessenen Blitzes, der die Rinde durchbrochen hatte. Und doch stand der Baum noch und reckte sich gen Himmel.
      "Was für Geschichten du erzählen könntest..."Flüsterte sie in die Nacht hinaus und ließ ihren Blick zu den Wurzeln gleiten, die sich durch das Erdreich an die Oberfläche gegraben hatten. Etwas funkelte in ihren Augen, als sie sich zu einer der Wurzeln beugte und in deren gewölbten Schatten frisches Moos entdeckte. Geschützt durch die rießige Eichen, wuchsen neben dem Moos auch andere Pflanzen unter den Wurzeln. Zarte Kamillepflänzchen, in ihrer Wirkung nicht so stark, wie eine ausgewachsene Pflanze, aber durchaus brauchbar. Das einzig brauchbare, dass sie vermutlich bei diesem Wetter finden würde. Sie zupfte ein paar der krautigen Stengel aus der Erde.
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    • Elfen helfen TM

      Lhoris betrachtete die junge Heilerin für einen Moment und nickte.
      "Da habt Ihr Recht...", flüsterte er und bemerkte aus einem Augenwinkel, wie sich Viola langsam vom Feuer entfernen wollte.
      Für eine Sekunde regte sich in seinem misstrauischen Verstand der Drang, aufzuspringen und sie als Gefangene derart zu beahndeln, wie es sich geziemen sollte. Doch dann fiel sein Blick wieder auf die korrekt angelegte Schlinge und er atmete aus.
      Nuala indes schickte sich an, sich aus ihrer Hocke zu erheben und die Hand zum Schwert zu führen.
      "He.."
      Lhoris brachte sie mit einer kurzen Geste zum Schweigen, während seine Augen ihr folgten. Nuala trat an das Feuer und wärmte kurz ihre Hände, ehe sie sich an Andvaris Seite niederließ.
      "Bist du ihr jetzt auch verfallen?", giftete sie und strich mit ihrer Hand zart über Andvaris Wangen. Sie sahen so eingefallen aus...Es war schrecklich, den Sohn des Königs derart verfallen zu sehen. Diese schrecklichen Narben...
      "Ich verfalle Niemandem, Nuala."
      "Und dennoch lässt du sie leben und den Prinzen behandeln!"
      "Er ist kein Prinz, das hat er selbst gesagt. Und sie hilft ihm nicht nur...Da ist mehr."
      "Mehr? Was soll da mehr sein?", fragte sie und spuckte auf den Boden aus. "Menschen haben keine Gefühlswelt die über das MAß eines Teelöffels reichte. Hast du ihre Lyrik gesehen?"
      Lhoris blickte sie von der Seite an und grinste spöttisch.
      "Du würdest Lyrik nicht einmal erkennen, wenn sie dir mit dem Gesäß voran ins Gesicht spränge."
      "Du!", Nuala gab einen Zischlaut von sich, der Lhoris zum Kichern brachte. "Was soll da mehr sein??"
      Der Elf schüttelte den kopf und blickte der jungen Frau hintehrer, die jetzt niederkniete, um offen Pflanzen zu pflücken? Was gab es in dieser Winterkälte, dass sich des Pflückens lohnte? Andvari hätte es ihnen sagen können, aber die Ratlosigkeit machte isch auch in dem Verstand des Offiziers breit.
      "Ich weiß es nicht...", murmelte er. "Ich glaube, Andvari hat etwas in ihr gesehen, was wir nicht sehen...Aber was es ist, weiß ich nicht.Nur habe ich noch nie einen Menschen gesehen, der derart zärtlich einen Elfen berührt..."
      Nuala gab einen spöttischen TOn von sich und blickte beleidigt in Andvaris schlafendes Gesicht.

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    • Viola

      Schützend formte sie die Hände um die zarten, grünen Triebe, die sie mit aller Vorsicht gepflückt hatte. Als sie das Gesicht zu ihren Händen neigte, erfüllte der beruhigende Duft ihre Nase und sie erinnerte sich an Zuhause. Ihre Mutter hatte immer Tee daraus zubereitet, wenn jemand aus der Familie krank gewesen war. Sie dachte an das kleine Bauernhäuschen umgeben von blühenden Feldern und dem scharrenden Geräusch der Hühner im Hof. Ein friedliches Leben bis der Krieg auch sie eingeholt hatte. Eine Weile harrte Viola unter der mächtigen Eiche aus und hielt sich vom Feuer fern. Erst als die Kälte beinahe nicht mehr erträglich war, verließ sie den Schutz der Eiche.
      So lange wie sie konnte, zögerte sie ihre Schritte hinaus. Gedämpfte Stimmen drangen durch den Schnee an ihre Ohren und sie bemerkte, das Nuala sich von ihrem Platz entfernt hatte. Ehrlich gesagt, war die blonde Elfe furchteinflößender als die beiden Männer. Zögernd biss sie sich auf die Unterlippe und änderte kurzer Hand die Richtung. Der Weg führte sie zu den Pferden, die in der Nähe den Schnee aufscharrten um an das kahle Gras zu gelangen. Irgendwo in den Satteltaschen musste sich doch etwas Brauchbares finden. Sorgsam öffnete sie die Taschen des Wallachs. Tatsächlich, endlich schien ihr das Glück gewogen zu sein. Andvari hatte im Stall ausgerechnet nach ihrem Sattel gegriffen. In einer kleinen, eingenähten Tasche fand sie einen kleinen ledernen Beutel in dem sich für den Notfall Phiolen, ein kleines Messer und Nähzeug verbarg. Das Nähzeug stopfte sie zurück in die Satteltasche. Die krautigen Triebe der Kamille verwahrte sie sicher in einer der Glasphiole, die sie fest verkorkte.
      Viola nutzte den Augenblick und tätschelte den Hals des Wallachs, und lehnte ihre Stirn gegen das warme Fell. Unter ihren Händen spürte sie die beruhigenden Kräftigen Atemzüge. Sie konnte sich nicht ewig zwischen den Pferden verstecken und so seufzte die leise, band das Gefundene an den Gürtel ihren Kleides und machte sich auf den Weg zurück. Im sicheren Abstand zu Nuala ließ sie sich etwas abseits am Feuer nieder. Nur in ihren Fingern hielt sie die Glasphiole, in der sich das Licht des Feuers spiegelte. Schweigend blickte sie von den Kräutern zu Andvari herüber, über den nun Nuala wachte. Sie würde nicht versuchen, sich zu nähern. Sie war nicht lebensmüde. Und so lange der verletzte Elf ruhig schlief, war sie einigermaßen beruhigt. Nur die Entzündung der Bauchwunde sorgte dafür, dass sie die Phiole mit den Fingern umklammerte. Sie hatte kein Fieber gespührt, so lange war er außer Gefahr. Viola hatte das Gefühl um Erlaubnis bitten zu müssen. "Lhoris?" Ihre Stimme barg eine gewisse Unsicherheit. "Ich würde mir gerne die alten Verletzungen ansehen."
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    • Die Elfen


      Nuala blickte die Heilerin mit unverhohlenem Hass an, während ihre Hand noch immer auf Andvaris Brust lag. Es machte auch nicht den Anschein, als dass die blonde Elfin ihre Hand dort fortnehmen würde, sofern man sie ihr nicht gewaltsam nahm.
      Das Feuer knisterte noch immer in der Dunkelheit, während Lhoris eine Augenbraue hob, um sich Violas Habseligkeiten anzusehen, die sie zum Feier mitbrachte.
      Es waren Kräuter. Wo auch immer sie diese gefunden hatten, es waren lediglich Kräuter und keinen Aufstand wert. Freilich hatte der Elf Viola auch während ihres Streifzuges nicht aus dem Auge gelassen und sanft beobachtete, wie sie die Pferde liebkoste. Oder mehr, nur das eine. Als sie sich abseits von ihnen und vor allem im Abstand zu Nuala setzte, blickte Lhoris die Elfin finster an.
      Es musste keine Feindseligkeit herrschen, solange sie seinen Herrn rettete.
      Nuala“, sprach er sie an. „Würdest du nach den Pferden sehen und ein wenig Ausschau halten, ehe wir weiterziehen?“
      „Ich möchte hier bleiben und dieses Weib…“
      „Nuala!“
      Lhoris Stimmlage und Blick ließen beinahe keinen Widerspruch mehr zu, sodass sich die Elfe mit einem missbilligendem Laut erhob und wütend in Richtung der Pferde stapfte.
      Lhoris sah indes Viola und wies auf ihre Hände.
      „Was habt Ihr da?“, fragte er – nun wieder in der menschlichen Sprache. „Andvari gehört ganz Euch.“
      Er wies mit der Hand auf den bleichen Körper des Elfen, den sie mit Umhängen und Decken warm hielten. Doch irgendwann würde es keinen Schutz mehr gegen die Kälte geben. Sie mussten weiter und noch vor Tagesanbruch über die Bergkette geritten sein.

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    • Viola

      Und so verspürte sie erneut ein schlechtes Gewissen, als die blonde Elfin von der Seite Andvaris verscheucht wurde. Es war nicht Violas Absicht, der Elfe, so feindseelig sie auch war, Kummer zu bereiten. Was sie nachvollziehen konnte, war der Wunsch über den Elf zu wachen. Mit einem gedehnten Seufzen erhob sie sich und klopfte den Schnee aus ihren Röcken. Kurz blickte sie der Elfin nach. Wenn das so weiterging, verlor sie ihren Kopf schneller als ihr lieb war.
      Bei Andvari angekommen sah sie erneut zu Lhoris, nachdem sie sich wieder in den Schnee kniete. Vorsichtig, die stechenden Blicke Nualas im Nacken spürend, zupfte sie die Decken bei Seite bis sie einen vernünftigen Blick auf die überraschend schnellverheilenden Einstiche der Speere werfen konnte. Innerlich entschuldige sie ich dafür, die kalte Luft in den schützenden Kokon aus Mantel und Decken zu lassen.
      "Kamille. Meine Mutter hat daraus früher einen Sud aufgesetzt, wenn wir krank waren. Es ist nicht viel, die Pflanzen sind zu jung. Aber es ist alles, was ich finden konnte." Ihr Blick glitt über die sauber gestickten Nähte. Helenas Naht über seine Brust war ebenso tadellos genäht, wie ihre eigene und schien in einem guten Zustand. Wenn auch leicht gerötet. Die Heilerin blickte nun wieder zu dem schwarzhaarigen Elf, der jede ihrer Bewegungen mit Argusaugen beobachtete. "Solange er noch schläft, sollten wir die Nähte entfernen." In zwei bis drei Tagen wäre es eh unvermeidbar gewesen, aber so konnte sie es wenigstens noch selbst tun. Prüfend sah sie zu Lhoris und zog das kleine, gebogene Messer aus ihrer Tasche. Sie erwartete bereits, das Nuala hinter ihr stand, als sie die lächerlich, kleine Klinge zog. Das Messer war nicht zum Kampf gedacht, es war ein Arbeitsinstrument.
      Mit geschickten, schnellen Schritten durchtrennte sie die Fäden auf Andvaris Brust und zupfte die dünnen Stränge aus der Haut. Die Einstiche der Nadel würden bald vrschwunden sein. Dasselbe wiederholte sie bei der größeren Bauchwunde. Der Anblick erinnerte sie daran, dass der Speerhieb auch hätte fatal enden können. Es gab keine Knochen, die hier schützend um das Innere lagen. Die Wundränder waren hier etwas dunkler gerötet und fühlten sich warm unter ihren Fingerspitzen, aber in besserem Zustand als Viola gedacht hatte. Sie steckte das Messer zurück und öffnete die Phiole. Der Geruch war schwach, ein Zeichen, dass sie zarten Pflänzchen kaum ihre vollw Wirkung entfalten könnente.
      Zwischen den Fingern zerrieb sie die krautigen Triebe und rieb den entstandenen Pflanzenbrei über die geröteten Narbe. "Es nicht viel und ich weiß nicht, ob es hilft. Aber mit etwas Glück unterstützt es die Heilung. Ich habe bisher nur Tee daraus gefertigt."
      Viola neigte sich ein wenig über Andavri. Flüchtig schob sie das rote Haar zurück, damit es ihr nicht im Weg war, aber ein paar Strähnen entkamen immer wieder über ihre Schulter. Selbst im Schlaf erkannte Viola die Anspannung in seinen Zügen. Sie senkte den Blick von seinem schlafenden Gesicht auf seine vernarbte Brust und zerdrückte die letzten Pflänzchen zwischen ihren Fingern. Mit den Fingerspitzen fuhr die das vernarbte, schorfige Gewebe nach. Darunter spürte sie einen kräftigen, gleichmäßigen Herzschlag.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Die Elfen




      Lhoris nickte und beobachtete jeden ihrer Handgriffe aufs Genaueste. Es war nicht Misstrauen, das seinen Blick band, sondern vielmehr die Fingerfertigkeit der jungen Frau, die so sicher im Umgang mit all diesen Kräutern und Pflanzen wirkte. Sein Gesicht verzog sich zu einem Lächeln, während er kurz nach Nuala sah. Diese stand noch immer bei den Pferden und wirkte beleidigt. Er konnte ihre Stimmung noch immer lesen, selbst nach all diesen Jahren, die sie bereits miteinander geteilt hatten.
      Er stocherte noch einmal in der Glut, während Andvaris Körper sich leicht zu regen begann, als die Schnüre aus seinem Leib gezogen wurden. Sein Meister gab keinen Laut von sich, aber zumindest ein dumpfes Atmen glaubte Lhoris hören zu können.
      „Kamille..“, murmelte er. „Es wächst in den Landen der Elfen nicht. Vieles wächst dort nicht mehr richtig…“
      Es schien mehr eine Unterhaltung für den Elfen ganz allein, doch war sie gut vernehmlich. Sein Kopf senkte sich kurz, übermannte ihn doch die Müdigkeit nach den vielen Tagen der Reise.
      „Es wird bereits genug sein, wenn Ihr es nur versucht“, sagte Lhoris, während Nuala wieder zu ihnen stieß.
      Etwas an ihr ließ den Elfen zu ihr hinaufblicken und die Wachsamkeit ihrer Augen erschreckte ihn ein wenig. In derselben Sekunde fuhr sein Kopf herum und suchte in der dunklen Winternacht nach Spuren von Eindringlingen.
      „Ich sah einen Spähtrupp der Menschen“, flüsterte Nuala und wies mit ihrem Kinn auf das westliche Ende des Waldes.
      Doch nichts zeichnete sich in der bleischwarzen Nacht des Tales ab. Kein Geräusch, kein Leib, der den Schneefall bremste und abfälschte. Lhoris blickte noch kurz in diese Richtung und nickte dann.
      „Geh hinaus und sieh nach, ob sie Kurs auf uns nehmen“, flüsterte er, während er zu Viola sah. „Ich bereue es, Euch zu drängen, Heilerin Viola. Aber bitte vollendet Euer Werk, wir müssen den Herrn aufwecken und reiten.“
      Nuala verschwand indes in den Schneewehen des aufgewirbelten Unterholzes und verschmolz geradezu mit der Dunkelheit der Nacht, ehe sie weiterzog und nur ein leises Rascheln der Blätter sie zu verraten wusste.
      Sacht fuhr eines der silberblauen Schwerter in seine Hand und der Blick des Elfen zu den Pferden, die ebenfalls zur Ruhe gebracht werden mussten.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Ein schmales, aber ehrliches Lächeln ruhte auf ihren Lippen. Lhoris Worte beruhigten sie ein wenig, seine Stimme ruhig und stetig. Vielleicht war es nicht viel, das Viola ohne ihre Habseligkeiten ausrichten konnte, aber vielleicht machte es am Ende einen Unterschied. Sie würde es wahrscheinlich nicht mehr selbst sehen können.
      Es war Nuala und obwohl die Worte für die Heilerin immern noch fremd und unverständlich waren, erkannte Viola das wachsame Funkeln in ihren Augen. Etwas ging vor sich, blieb ihr aber verborgen bis Lhoris sich erneut an sie wandte. Alarmiert zog Heilerin die Augenbrauen zusammen, aber sie zögerte nicht. Der Abschied stand kurz bevor. Ein Gedanke, der sich seltsam schmerzhaft in ihre Brust bohrte. Ohne Zweifel war man ihnen auf den Fersen, anders konnte sie sich die plötzliche Eile nicht erklären. Die Ungewissheit, ob man sie nun hier zurückließ, nagte an ihrem Verstand. Jedenfalls würde sie so gefunden werden und nicht jämmerlich erfrieren. Es konnte Stunden dauern, den Weg zur eingeschneiten Straße zurück zufinden. Aber Viola setzte eine tapfere Miene auf.
      Verstehend nickte Viola und ließ die nun leere Phiole wieder verschwinden, die Finger wischte sie notdürftig an ihren Rücken ab, bis sie wieder sauber waren. Umsichtig zupfte sie die Decke um Andvaris Schulter zurecht und hielt kurz inne, während Nuala im verschneiten Unterholz verschwand.
      Jedes Mal wenn Nuala sich entfernte, hatte sie das Gefühl etwas besser atmen zu können. Etwas aufrechter nun blickte sie noch einmal in das schlafende Gesicht des Elfen und bereute fast, dass sie ihn in seiner Ruhe stören mussten. Aber Lhoris Worte waren drängend in ihren Ohren gewesen.
      Für einen Augenblick schwebten ihre Finger zögernd in eisigen Nachtluft, ehe sie mit den Fingerspitzen sanft, einem gehauchten Atem gleich, das Gesicht Anvaris berührte. "Es wird Zeit..." Sprach sie leise und mit seltsamer Ruhe. "Wach auf..." Eine Bitte, in die Kälte zwischen ihnen gesprochen. Ihr Fingerspitzen folgten dem Schwung des Kieferknochen, als prägte sie sich ein ein letztes Mal sein Gesicht ein.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
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    • Dornröschen und die Elfen

      Eisige Kälte brannte sich in sein Gesicht, als der weißhaarige Elf die Augen von einem Kitzen auf der Wange aufschlug.
      Beinahe erschrocken blickte er in das schmale Gesicht einer Frau, deren Haare wie Feuer im Nachthimmel glühten. Durch den Widerschein der Flammen hinter ihm (und es waren Flammen, er roch das verbrannte Holz) wirkten sie wie ein lebendiges Inferno, dass ihre grünen AUgen nur noch mehr betonten.
      "Fea...noré...", flüsterte er benommen, ehe sich sein VErstand in das Jetzt zurückkämpfte.
      Lhoris ergriff die Hand seines Herrn und drückte diese kurz, ehe er sich unterwürfig an Violas Seite danieder warf und den Stirn in den schnee schlug.
      "Ich bitte um Vergebung, mein Herr. Ich bin zu spät gekommen und erfüllte meinen Schwur nicht ordnungsgemäß. Eine jede Strafe sei mir Recht, aber ich bitte Euch, steht auf und flieht..."
      "Steh auf, du alter Narr", keuchte Andvari und hustete ein wenig. Sein Körper schmerzte nicht mehr so sehr wie vorher und außer der Schlinge an seiner Körperseite fühlte er sich seltsam wohl. Er griff mit der Hand nach Violas Händen und drückte sie leicht.
      "Ihr habt...meinen Dank..."
      Seine Stimme war rau wie ein Reibeisen, aber dennoch stemmte er sich auf die Ellenbogen hoch, ehe er die kräftigen Arme seines Freundes spürte, der ihn kurzerhand auf die Beine zog. Ein unterdrücktes Stöhnen waren die einzigen Erinnerungen an die Schmerzen des Pfeils un der Speere, aber dennoch recht unvergesslich. Es herrschte Unruhe im Wald. Selbst hier vermochte der Elf es zu spüren. Die Tiere verhielten sich abnormal, während Nuala gänzlich fehlte. Er spürte sie in einiger Entfernung, also war sie vermutlich der Spähtrupp ihres Trosses.
      "Wie lange..."
      "Ein paar Stunden, Herr", antwortete Lhoris in der Menschensprache. "Diese Heilerin, Viola, rettete Euch erneut das Leben."
      Andvaris Blick hätte tiefer und stechender nicht sein können, aber dennoch wirkte er zunächst kalt. Schließlich, und es dauert beinaheeine Ewigkeit, brach er kurz in leises Gelächter aus, was auch ihn um Jahre jünger werden ließ. Das weiße Haar begann regelrecht im Mondlicht zu leuchten und die gelben Augen funkelten wie Bernsteine in der Nacht.
      "Erneut...gerettet...", murmelte er schließlich und behieltsein Schmunzeln, ehe Lhoris bereits mit zwei Pferden zu ihnen kam. Das eine war der Wallach, bereits gesattelt und fertig gemacht.
      Der dunkelhaarige Elf stellte sich neben dem Pferd auf und machte eine auffordernde Gestezu Viola.
      "Kommt! Es bringt nichts, wenn sie Euch bei uns finden. Wir lassen Euch hinter dem Bergkamm frei und werden Euch zu einem Dorf geleiten. Aber hier töten sie Euch!"
      "Sie kommen!"; riefNuala und brach aus dem Schatten des Unterholzes hervor, um sich auf ihr Pferd zu schwingen.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      Ein Welle der Erleichterung brach über Violas Haupt zusammen, als die Augenlider des Elfen zögerlich flatterten, wie die Flügel eines Schmetterlings. Wenige Sekunden und sie blickte in leuchtend, gelbe Augen, die sich noch von der Wirklichkeit abgewandt hatten. Ihre Fingerspitzen zuckten an seinem Gesicht, als er erschockener Ruck durch den Körper ging. Wen erblickten er wohl im Schein des Feuers? Verwirrung stand in den tiefgrünen Augen, als die Silben eines Namens, vermutete Viola, wispernd über seine Lippen kamen. Kurz kräuselte sich ihre Stirn unter der stummen Frage. Schon wollte sie ihre Hände zurück ziehen, aus Furcht nun doch eine Grenze zu viel überschritten zu haben, als eine Hand die ihren umfasste. Zart schlossen sich ihre Finger um seine Hand und sie atmete erleichtert auf. Sie sah das Erkenntnis in seinem nun wieder klaren Blick und ein warmes Lächeln erstrahlte auf ihrem Gesicht. Sie hatte keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen, die Heilerin wusste nur, das sie unendlich froh war.
      Lhoris' Ausbruch hatte kurzzeitig ihre Aufmerksamkeit von Andvari gelenkt. Sie verstand nicht, aber die Geste seiner unterwürfigen Haltung sprach Bände. Er bat um Vergebung. Das erhabene und unnahbare Bild des schwarzhaarigen Elfen bekam ein paar kleine Risse und Viola kam nicht umhin ihn um diese Loyalität zu bewundern.
      Zu Andvari gewandt schüttelte sie leicht den Kopf. "Ihr müsst alle aufhören, euch zu bedanken. Sonst steigt es mir noch zu Kopf." Schmunzelnd und mit dem leichten Gefühl, als hätte man ihr einen Felsen von der Brust genommen, blickte sie zu dem weißhaarigen Elfen herab. Die junge Frau nahm Abstand und die raue Hand des Elfen entglitt ihr. Sie wollte Lhoris nicht im Weg stehen und schickte sich an, selbst wieder auf die Füße zukommen. Das Herz rutschte ihr beinahe in die Stiefel, als die bernsteinfarbenen Augen sich mit Kälte füllten. Vielleicht hatte sie sich nun endgültig einen Fehltritt erlaubt und hatte sich zuviel Freiheiten herausgenommen. Sie zwang sich dazu, nicht zurück zu weichen. Was sie nicht erwartet hatte, war der Klang eines Lachens. Andvari wirkte jünger, freier. Der Anblick schockierte sie fast mehr, als der unterkühlte Blick zuvor. Es war das erste Mal, dass sie den weißhaarigen Elfen lachen hörte. Viola konnte kaum den Blick von ihm abwenden.
      Die Entscheidung nahm ihr Nuala ab, die Eile zurück auf die Lichtung lief. Es war also soweit. Der eisige Wind erfasste ihre Mähne roten Haares, während für den Bruchteil einer Sekunde ihr Schicksal in der Schwebe hing. Ein Gefühl der Zerrissenheit erfasste sie, als die Gefährten zu den Pferden eilten. Sie vergrub die Hände im Stoff ihrer Röcke. Die Zeit um sie herum schien sich zu verlangsamen, als erst Nuala auf ihr Pferd sprang. Und dann wurde Lhoris Stimme verzögert an ihr Ohr getragen. Die Heilerin warf einen Blick über die Schulter in die Richtung, aus der die blonde Elfe gekommen war. Dann rannte sie los, auf Lhrois und den braunen Wallach zu.
      Dank der anhaltenden Wirkung des Atlaskrautes schaffte sie es ohne Schwierigkeiten in den Sattel.
      “We all change, when you think about it.
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    • Der (vorrübergehend) Einarmige und die Elfen


      Das vertraute Gefühl unter seinem Hinterteil ließ Andvari sich sicher fühlen. Er steuerte das Pferd beinahe ausschließlich mit den Knien und die Kraft seiner Schenkel, während Viola vor ihm in den Sattel glitt. Er konnte sie dieses Mal nicht festhalten, aber seine linke Hand fand an die Zügel des Pferdes, während Lhoris auf das Seinige sprang.
      Dieses Mal war es ein tatsächlicher Sprung. Der dunkelhaarige Elf trat neben das Pferd und mit zwei, drei Schritten Anlauf sprang er leichtfüßig in den Sattel, während sie beinahe auf gleichsames Kommando ihren Pferden die Sporen gaben.
      Just in dem Moment, in dem Stimmen durch das Unterholz brachen und ein zarter Schein von Fackeln sichtbar wurden, waren sie bereits von er Lichtung verschwundne und hatten nichts als Spuren im Schnee hinterlassen. Die Luft kühlte sich ohne das Feuer merkbar ab und das fahle Licht des Mondes fiel nur noch sporadisch durch die Baumwipfel.
      "Durch den Wald!", rief Nuala hinter sich und behielt in guter Vorsicht ihre Hand am Heft ihres Schwertes. Man wusste ja nie, wofür man es brauchen konnte.
      Die beiden anderen Elfen folgten ihr, wobei die Pferde sich erstaunlich sicher in den Spuren des jeweiligen Vorreiters bewegten. Schweigend hielt Andvari die Zügel in den Händen, bis sie aus dem Wald hervorbrachen und eine gigantische Ebene sich vor ihnen ausbreitete. Meilenweit gab es keine Deckung, geschweige denn eine warme Unterkunft. Das karge Land vor ihnen musste die Ebene von Sûl sein, dachte Andvari, wenn er sich des grauen Grases und der vielen Steine, die wie Eichenköpfe aus dem Boden ragten, besah. Und das verhieß nichts Gutes.
      In ihrer Panik waren sie offenbar statt nach Norden gen Westen geritten. Und der Westen war das Gebiet eines Elfen, dem er nicht begegnen wollte. Zumindest nicht mit einem Menschen.
      "Lhoris!"
      Der Elf neben ihm nickte und blickte selbst grimmig. Beide Elfen verblieben in der Menschensprache. Viola sollte hören, wenn ihr Leben in gefahr war.
      "Ich weiß...", murmelte dieser, während sie ihren Ritt nicht unterbrachen. Sie mussten durchdie Ebene, komme was da wolle.
      "Lysanthirs Gebiet..."
      Andvari nickte und gab auchs einem Pferd erneut die Sporen.Sie mussten beten. beten und hoffen, dass dieser Wahnsinnige von Halbbruder nicht von ihrer Existenz erfuhr.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Viola

      In vertrauter Bewegung fanden ihre Hände die buschige Mähne des Wallachs. Es fühlte sich beinahe beruhigend an, die Bewegungen des Pferdes zu spüren und das Gefühl der drahtigen Haare zwischen ihren Fingern. Der Wind peitschte ihr auf offener Ebene ungehindert in das kühle Gesicht, so das es ihr beinahe die Tränen in die Augen trieb, ohne etwas dagegen tun zu können. Blinzelnd versuchte sie den Blick nach vorn behalten, gab es jedoch bald auf und senkte ein wenig das Haupt.
      Erst als das Tempo gedrosselt wurde, entglitt ihr ein mühevoller Atemzug. Obwohl sie sich mittlerweile daran gewöhnt hatte, bei rasender Geschwindkeit im Sattel zu sitzen, spürte sie dennoch wie die anhaltene Körperspannung ihre Muskeln ermüdete. Ohne die Aufregung und die Eile würde sie wahrscheinlich einfach im Sitzen einschlafen. Die mittlerweile ebenso vertraute Präsenz Andvaris in ihrem Rücken vermittelte ihr ein Gefühl von Sicherheit. Das gleichmäßige Heben und Senken seiner Atemzüge spürte sie deutlich zwischen ihren Schulterblättern.
      Viola streckte und beugte ihre vom Ritt eiskalten Finger in der Mähne, um den Blutfluss anzuregen. Ihre Fingerspitzen kribbelten. Was sie jedoch eher sorgte, waren die Worte der beiden Elfen.
      Beinahe augenblicklich trieben sie die Pferde erneut an, so dass Viola kaum Zeit blieb sich zu fangen. Etwas Unheilvolles schien über der ihr fremden Ebene zu liegen. Sie waren nie soweit vorgedrungen und etwas sagte ihr, das Gefahr lauerte. Auf die Gefahr hin, dass sie eine überaus dumme Frage stellte, drehte sie den Kopf ein wenig zu Seite um aus dem Augenwinkel einen Blick auf Andvari zu erhaschen. Seine grimmige Miene bestätigte nur, was sie bereits dachte. "Wer ist Lysanthir?"
      Viola war sich nicht einmal sicher, ob sie die Antwort wirklich wissen wollte. Langsam wurde ihr bewusst, dass sie nicht dort waren, wo sie eigentlich sein sollten. "Wo sind wir?" Ihr Blick glitt über die karge Ebene. Ein unwohler Schauer lief ihr über den Rücken. Wer Lysanthir auch war, niemand schien erpicht darauf ihm zu begegnen. Über ihnen schwebte eine Bedrohung, die Andvari und seine Gefährten zur Eile mahnte.
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    • Spitzohr-Connection


      Andvari blickte zu seiner Sattelgefährtin hinab und versuchte ein kleines Lächeln, was auf einem galloppierenden Pferd durchaus einiger Überwindung bedurfte. Seine noch nutzbare Hand legte sich zwischen ihre Schulterblätter, als er merkte, dass Viola sich im Sattel verkrampfte.
      "Eine verkrampfte...Haltung...", murmelte er. "Atmet...gegen meine Hand. Und entspannt...den Rücken."
      Es sollte helfen, den Rücken zu entspannen, um die Hüfte zu lockern, damit sie mit dieser mehr die Bewegungen des Pferdes ausstreichen konnte. Einem männlichen Elf waren diese Reitgeheimnisse schnell und deutlich vermittelt wenn man es mit dem GEschlechtsakt verglich. Doch diese Unverfrorenheit geziemte sich nicht bei einer Frau. Auch wenn sie dem Feind angehörte.
      Anschließend setzte sich der seltsame Tross in schnellere Bewegung und Lhoris wirkte mehr denn je wie eine Eule in Andvaris Augen. Sein Blick flog regelrecht über die Ebene und das karge Land darum herum, als suchte er Beute. Doch nicht die BEute war der Fokus der Elfen, waren sie doch binnen einer Sekunde vom Fliehenden zum Gejagten geworden. Wenn Lysanthir auch nur einen von ihnen zu Gesicht bekam, würde er...
      Andvari warf einen Blick auf Violas Nacken und wirkte besorgt, während die Pferde über die Ebene donnerten und bereits in weiter Ferne der Himmel heller zu werden begann. Ein Sonnenaufgang kündigte sich an.
      Nuala ritt neben Lhoris und warf ebenfalls starre Blicke nach vorne. Sie sah sich nicht ein einziges Mal um und behielt ihre Route im Auge. Ein gut trainierter Tross, fand Andvari.
      "Lysanthir...Bruder...", flüsterte er. "Wir sind in Vûl."
      Lhoris übermahm nickend.
      "Lysanthir ist der erste Sohn des Königs, Prinz und künftiger Regent des Elfenreiches. Man nennt ihn hierzulande Lysanthir, die Mondgeißel. In unserem Land ist er nur unter seinem Namen bekannt."
      Nuala sah bei dem Namen des Prinzen zurück und verzog das Gesicht, ehe sich ihre Hand unwillkürlich auf ihren Bauch legte. Wie konnte sie dieses Gesicht vergessen...
      Lhoris bemerkte die Geste und seufzte.
      "Wir haben alle so unsere Begegnungen mit ihm gemacht, fürchte ich. Und es ist nicht gut, wenn wir ihm in die Arme lau-"
      "Lhoris!"
      Nualas Schrei kam zu spät.
      Der Elf hatte nicht aufgepasst und die herannahende Gefahr nicht bemerkt, die sich auf den Kränzen des Tals ausbreitete. Eine Schar Elfen, vielleicht fünfzig Männer, erhob sich aus dem Nebel des herannahenden Morgens und ein grünes Banner mit einer silbernen Sichel wurde emporgereckt. Kräftig und unheilsschwanger stießen drei Hornstöße durch die Nacht. Sie waren von hellem Ton und gestoßen in ein Knochenhorn, das einen merkwürdigen Unterklang besaß. Es konnte daran liegen, dass es Zwergenknochen waren, die man für die Herstellung verwendete.
      "Ihr Teufel...", murmelte Andvari und machte sich nicht mehr die Mühe, die Sprache zu wechseln. Lysanthirs Tross war vielleciht ein paar hundert Meter von ihnen entfernt und dieser verdammte Bastard war noch immer so geschickt darin, seine Truppen zu tarnen, dass niemand sie hätte bemerken können.
      "Nuala, Lhoris. Keiner zieht die Waffe", bellte Andvari und legte seine Hand auf Violas Schulter, während er das Pferd drosselte. Seine Gefährten taten es ihm gleich. "Bleibt...ruhig..."

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    • Viola

      Unter gleichmäßigen Atemzügen entspannte sich langsam die vom langen Ritt geforderten Muskeln. Die Hand zwischen ihren Schulterblättern ein Anker und seltsam vertraut. Wärme drang durch den klammen Stoff, der bei diesem Wetter und der Kälte nur kläglich trocknete. Langsam lockerten sich ihre angepannte Haltung. Viola schloss die Augen und konzentrierte sich kurzzeitig allein auf das sanfte Gewicht zwischen ihren Schultern. Es war befremdlich, wie aus zischenden Drohungen, wenn sie ihn berührte, dieses zerbrechliche Verständnis entstanden war.
      Viola spürte die kräftigen Bewegungen des Wallachs unter sich und ließ sich von dem wiegenden Gang mit tragen. Der Ritt wurde erträglicher. Tief in ihrem Hinterkopf war sie sich fast schamvoll bewusst, dass jeder Schritt des Wallachs sie von Hüfte bis zu den Schultern aufwärts gegen Andvari presste. Unter anderen Umständen hätte sie sich die Zeit erlaubt, vor Verlegenheit im Boden zu versinken. Oder die Angst, die sich tief in ihren Hinterkopf gebohrt hatte, aufsteigen zu lassen. Die Nähe des Elfen hatte noch vor Tagen, es kam ihr wie Ewigkeiten vor, Furcht und Übelkeit in ihr geweckt hatte. Aber hatte er der Heilerin wirklich je einen Grund gegeben ihn zu fürchten? In manchen stillen Minuten seit der Flucht aus Milan, zweifelte die junge Frau an ihrem gesunden Menschenverstand.
      Ihr war nicht wohl bei dem Gedanken, wie Lhoris den Horiont nicht für eine Sekunde aus den Augen ließ, auch Nuala schien weniger glücklich über ihre Anwesenheit in diesem grauen Tal zu sein. Etwas musste vorgefallen sein. Aufmerksam lauschte die den beiden Männern.
      Lysanthir war also der Bruder des weißhaarigen Elfen. Halbbruder. Sie erinnerte sich an die Worte des gefolterten Elfen in Girions Arbeitszimmer. Bei dem Gedanken allein schauderte sie. Viola schickte stumm sämtliche Gebete, die sie je erlernt hatte an alle Götter von denen sie je gehört hatte. Hoffentlich kamen sie unentdeckt und in Frieden durch die Ebene.
      Nicht der Schrei der Elfin erschreckt Viola. Es war der unheilvolle Klang der Hörner, der ihr durch Mark und Bein ging. Unwillkürlich lehnte sich die Heilerin im Sattel zurück, spürte den Atem in ihrem Nacken. Der Blick ihrer grünen Augen glitt über die Elfenschar, die wie aus dem Nichts aufgetaucht war. Fremde Banner, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Die Mondsichel. Lysanthir. Mondgeißel, hatte Lhoris ihn genannt. Das Glück schien nicht länger auf ihrer Seite zu sein.
      Viola war ein Mensch auf überaus feindlichem Gebiet, der Gedanke kroch immer höher und schnürte ihr kurz den Atem ab. Ein nie enden wollender Strudel aus Gedanken drohte die Heilerin hinabzuziehen. Die Berührung auf ihrer Schulter ließ die junge Frau in sich zusammen fahren. Mühevoll presste sie den angehaltenen Atem aus ihren Lungen und wagte es nicht nach hinten zu sehen. Sie wollte nicht wissen, was im Blick Andvaris lag.
      “We all change, when you think about it.
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    • The Hateful Three

      Die Pferde begannen zu scheuen und sich aufzubäumen, als immer mehr Elfen in hellen, beinahe durchsichtig schimmernden Rüstungen aus dem aufkommenden Nebelschleier auftauchten. Der Nebel schien sich geisterhaft und schnell auszubreiten, als sei er nicht natürlichen Ursprungs.
      Andvari selbst riss die Zügel eines Pferdes hinauf, um es zum Halten zu animieren und blickte beinahe hasserfüllt auf die Truppen, die sie umringten. Die Soldaten trugen Speere, schimmernd wie Glas und mit metallischen SChneiden versehen. Ihre Helme wirkten wie die Augen von Wasserteufeln, die in den Wäldern von Elynor vorkamen. Der Elf beugte sich rasch ein Stück zu Viola hinab und flüsterte:
      "Nicht sprechen..."
      Noch ehe er eine Reaktion der jungen Frau erwarten konnte, schwang er sich elegant vom Pferd und kam schwer auf dem kargen, schlammigen Boden auf, dass der Schlamm aufspritzte und seine Beinkleider verdreckte. Aus dem Nebel heraus, wie aus einer Spiegeldimension gestaltet, schälte sich in unmittelbarer Nähe der Soldaten ein Pferd. Dieses war von schneeweißem Fell und die Augen des Tieres schimmerten rötlich in dem beginnenden Morgen. Auf dem Rücken des Pferdes saß hocherhoben ein Reiter von ebenso schimmernder Rüstung wie dessen Soldaten. Doch trotz der Gleichangesichtigkeit war unmittelbar festzustellen, dass dieser Reiter der Anführer dieses Trosses sein musste.
      Die langen, blonden Haare ragten bis zu seinem Rücken und die bleichen spitzen Ohren ragten wie Masten aus der Frisur heraus. Um das Kinn herum war verspielt ein kleiner Bart gewachsen, während darunter ein Halsband von schwarzem Metall und einem schimmernden Stein glühte.
      Die Rüstung entpuppte sich als schimmerblauer Stahl, der in eleganter Weise übereinander gelegt worden war, sodass jede Form der Bewegung möglich war. Ein Schneemantel war in diese eingearbeitet, sodass der Reiter selbst in diesen Breiten nicht fror. Der Elf blickte auf den Tross der Drei hinab, die jetzt allesamt von ihren Pferden stiegen.
      Nuala verneigte sich, während Lhloris lediglich an Ort und Stelle neben den Pferden stehen blieb, um für Violas Sicherheit zu sorgen.
      "Bruder", rief Andvari mit kräftiger Stimme und in elfischer Sprache. Ein Vorteil, dass sein Bruder sich niemals die menschliche Sprache angeeignet hatte.
      Lysanthir blickte mit grasgrünen Augen zu seinem Halbbruder und machte ein spöttisches Gesicht.
      "Schlecht siehst du aus", sagte er. "Bruder..."
      "Ich habe bessere Tage gehabt", gab Andvari zu und breitete den Arm aus. "Was soll dieser Empfang? Ich hatte gehofft, dass du mir zumindest einen Wein mitbringst!"
      "Wir hörten von einer verlorenen Schlacht und einem Elfen, der es überlebte. Ich wollte mich selbst davon überzeugen, welcher Unglücksrabe das Pech hatte, in die Fänge der Menschen zu geraten?"
      In diesem Moment fiel sein Blick auf Viola, die auf einem Pferd saß und die Augen des Prinzen weiteten sich. Ein Feind. Auf einem Pferd. Unter Elfen. Und einer davon war sein nutzloser Halbbruder.
      "Ist es das, was ich denke, zu sehen?", fragte er zögernd und wies mit einer Hand auf Viola.
      "Sie ist...eine Gefangene. Eine Geisel für unsere Sicherheit. Ich sagte ihr die Freiheit zu, wenn wir in sicheren Gefilden sind. Was wir offenbar geschafft haben, nicht wahr?"
      Andvari versuchte ein Lächeln, scheiterte aber an dem eisigen Blick seines Bruders, der sich an die Heilerin heftete.
      "Sag mir einen Grund", murmelte er. "Weshalb ich diese dort am Leben lassen sollte. Wer Elfenblut vergießt, wird in eigenem gebadet..."

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