[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Trotz Jarkus Vorwarnung konnte Elraya es sich nicht nehmen, einen Fluch auszustoßen, als sie sich umdrehte.
      "Ach du scheiße."
      Der Hüne von einem Mann kam geradewegs auf sie zugestampft und den anderen, den sie unter dem Fenster gesehen hatte, hatte er auch gleich mitgenommen.
      Aus der Nähe sah Valterri genauso furchteinflößend aus wie von Weitem. Eigentlich, so dachte Elraya sich ehrfürchtig, war ihr die weite Ansicht um einiges lieber. Seine Oberarme waren so groß wie ihr ganzer Kopf und in seinen ganzen Körperumfang hätte sie vier Mal reingepasst. Wenn sie nicht aufpasste, würde er sich noch versehentlich auf sie setzen.
      Der andere Mann war wiederum umgänglicher, wenngleich ihr die verkniffene Miene nicht gefiel, die er zur Schau brachte. Außerdem war er nur ein bisschen muskulöser als Jarku und lag damit weit außerhalb ihres Interessensbereichs. Sie mochte die Ernsthaftigkeit nicht, die zu jeder Zeit seine Gesichtsmuskeln prägte, als habe er in den letzten Jahren nicht ein Mal gelacht.
      Sie drehte sich wieder zu Jarku um, wunderte sich für einen Moment, weshalb er ihr zusätzlich zu der Verstärkung auch noch anbot, mit ihrem Bruder vereint zu werden, kam dann aber darauf, dass er das nur im bildlichen Sinne gemeint hatte und nickte schließlich. Eigentlich hätte sie an dieser Stelle einen frechen Kommentar von sich gegeben, aber die Art und Weise, wie Jarku von seiner ernsten Art wieder in die gelassene übersprang, erinnerte sie mit Nachdruck an seine Folter vom Vormittag, womit sie sich beim besten Willen nicht weiter beschäftigen wollte. Also ließ sie ihn lieber in Ruhe.
      Sie wandte sich Daikata zu und nahm sich seine kleine Rede zu Nutzen, um ihn einmal eingehend von oben bis unten betrachtete. Sie wusste ihn noch nicht wirklich einzuschätzen, aber zumindest schien er nicht so durchgeknallt wie Jarku zu sein - das ließ doch hoffen.
      "Fein. Damit bin ich einverstanden, solange der mich nicht wieder spritzt."
      Sie deutete anklagend auf Jarku, aber grinste dann. Daikata war ihr amüsant.
      "Wir machen das auf ganz altmodische Straßen-Art. Hiermit verspreche ich bei Bereks Eiern, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um diese Mission ohne Verluste abzuschließen! Für... hm... ah, zum Wohle von Saijah!"
      Dann spuckte sie in ihre Hand und streckte sie Daikata entgegen.

      Saijah bewohnte das Bett im Wohnzimmer hinter dem Sessel.
      Es gab in der kleinen Wohnung genau drei Zimmer, abzüglich der Küche, von denen zwei bereits belegt waren: In dem einen schliefen Mama Liera und Onkel Arin, in dem anderen hatte Onkel Szun seine Sachen verstaut, die für Saijah tabu waren. Übrig blieb das Wohnzimmer und davon die Ecke, in der ihr Bett hinter dem Sessel versteckt war.
      Die alte Wohnung hatte ihr besser gefallen. Immerhin konnte man da auf einen Markt hinausschauen und sogar die Mauer sehen, aber hier konnte man keins von beidem und ein Bett hatte Saijah auch nicht mehr wirklich; ihr Schlafplatz bestand aus einem Haufen Kissen und einer Tischdecke. Außerdem konnte sie in der Ecke alles hören, was die anderen trieben.
      Mama Liera hatte es einen temporären Umzug genannt, aber Saijah hatte Onkel Szun dabei belauscht, wie er etwas davon sagte, dass es zu wenig gesicherte Orte gäbe und man heutzutage noch nichtmal den eigenen Leuten vertrauen konnte. Sie hatte keine Ahnung, was er damit meinte, aber sie schloss daraus, dass sie wohl noch eine Weile dort bleiben würden. Sie hatte ihn einmal danach fragen wollen, aber in letzter Zeit war Onkel Szun oft betrunken und dann wurde er immer laut und sie konnte nichts mehr verstehen.
      Sie war aufgewacht, als Mama Liera und ihr Onkel nachhause gekommen waren und jetzt hörte sie sie im angrenzenden Zimmer kichern. Es stank dumpf nach Rauch, aber Saijah traute sich nicht das Fenster aufzumachen, solange Onkel Szun daneben stand. Heute war wieder einer seiner "Wachtage", wie er ihr erklärt hatte, an denen er immer an der Scheibe stand und für Stunden einfach nur nach draußen starrte. Sie wusste nicht, was dort draußen so interessant für ihn sein mochte, nachdem man nur ein paar Häuser weit sehen konnte, aber es musste wichtig sein, denn er nahm diese Aufgabe sehr ernst und verließ das Fenster nur alle paar Stunden, um was zu essen und sich zu erleichtern.
      Seine Wache hatte einen einschläfernden Effekt auf sie, wenngleich sie das Gelächter aus dem Nebenzimmer noch immer hören konnte. Sie vergrub den Kopf in den Kissen, zog sich die Decke über den Kopf und versuchte wieder zu schlafen.
    • "Die Straßen-Art?"
      Fragte Daikata, ehe er schon eine feucht klebrige Hand an seiner gepatscht bekam. Ekel kam in ihm hinauf, ebenso wie eine Gänsehaut, doch wenn das ein ortsansässiges Straßen-Siegel war, musste er es akzeptieren, auch wenn er seine Hand danach schnell mit dem sandigen Bodenbelag füllte und sich ihren Speichel ab rieb.
      Nun galt es aber alles hinter sich zu lassen und sich nur auf die Mission zu konzentrieren, welche Daikata wohl mehr bedeutete als allen anderen Anwesenden. Jarku erklärte den simplen Plan nochmals grob, welcher darin bestand mit Elraya bis zur Tür vorzurücken und wie vor wenigen Stunden anzuklopfen. Nach dem Einlass, würde er die Tür manipulieren, welche dann mit einem leichten Druck auffallen sollte um Zugang für Daikata zu gewähren, doch sollte Daikata die Tür nur aufstoßen wenn Jarku das Zeichen für Verstärkung geben würde. Valteri selbst war für die Wache am Eingang vor dem Haus selbst eingeteilt, für eventuell fliehende Personen die es entgegen Jarku's Erwartung schaffen sollten davon zu kommen.
      Wahrlich.. das war ein Plan aus dem Kopf Jarku's, wie sich Daikata und Valteri erneut dachten. Und dennoch. Daikata sah in Jarku's Augen seinen Tatendrang. Normal kümmerte er sich nur um seine Gifte und um das Wohlergehen von Aradan, doch nun kam er nicht umher feist diesem groben Plan entgegen zu grinsen.
      Kurz darauf verschwand Jarku auch schon mit Elraya im Schlepptau bis sie vor der Tür standen und klopften. Daikata verblieb derweilen um der nächsten Ecke um nicht gesehen zu werden. Wie von Jarku beschrieben öffnete sich nach wenigen hörbaren Schritten ein Sichtfach an der Tür mit grob fragenden Worten, dicht gefolgt von dem bekannten Geruch einer Kneipe.
      "Ja?! Wer bist.... oh... Du bists..."
      Direkt schloss sich das Sichtfach ehe die Tür auf sprang und einen viel zu pflichtbewussten Glatzkopf entblößte, welcher seinen Streitkolben wieder hinter der Tür verstaute.
      "Die Kurze ist noch hier. Willste sie wieder sehen?"
      Jarku lächelte und schüttelte den Kopf.
      "Ne. Ist nicht mehr nötig."
      Schnurstracks bohrte sich ein Dolch voller Gift, welches in diesem Fall wohl ziemlich überflüssig war, in das Kinn Jarku's Gegenüber. Es bohrte sich so tief hinein, dass eine klitze kleine Spitze oben wieder hinaus stach ehe Jarku den Dolch wieder hinaus zug und den Mann vor sich auf dem Boden sacken lies.
      "Einer weg. Bleiben noch zwei..."
      Jarku's Stimme hatte sich komplett gewandelt. In dem Moment als die Tür aufgefallen war, war er der emotionsloseste Mensch auf diesem Planeten, welcher nur sein Ziel vor Augen hatte.
      Unmittelbar nachdem der unbedeutende Mensch am Boden lag, zog Jarku Elraya so weit in das Zimmer hinein, dass er die Tür wieder hinter sich schließen konnte um promt ein Gift auf jedes Scharnier auftragen zu können. Sofort fing das Eisen an zu zischen und sichtlich Risse zu verursachen ehe eine Frau aus einem anderen Raum hervor torkelte.
      "Ey wer war an der Tür?!"
      Lallte sie ehe Jarku schon auf sie zu preschte und auf halben Weg einen wuchtig hohen Sprung mit angezogenen Beinen ansetzte. Ehe die Frau sich versah, landete Jarku mit seinen Schienbeinen auf ihrem Brustkorb, riss sie hinunter auf den Boden und verlor noch während dem Fallen ihr leben, hervorgerufen durch mehrfachen Stichen eines Dolches exakt in ihr Herz.
      Die dritte Person, welche noch am Tisch saß, sah Liera mitsamt diesem rothaarigen Kerls in den Raum fallen ehe er schon fummelnd nach seinem Schwert suchte. Doch dann war schon alles schwarz. Jarku warf kurz nach dem Auftreffen auf dem Boden ein Wurfmesser zur dritten Person und traf diese am Hinterkopf.
      Noch in seiner Wurfhaltung verbleibend horchte Jarku genau in diese Wohnung hinein. Außer Elraya vernahm er nichts weiteres. Alles verlief genaustens wie geplant, so gab es keinerlei laute Geräusche und auch keine unvorhergesehenen Überraschungen, was Jarku nun aufstehen ließ, seinen Dolch an der toten Frau abstreifend um es ohne Blut wieder in seinen Holster verschwinden zu lassen.
      Erst danach sah er auf und wandte sich Elraya zu. Ein Tier blickte in ihre Augen ehe er sich locker machte und wieder den unbeschwerten Jarku hervor kommen lies.
      "Also. Wo ich das Mädchen? Sollen wir suchen?"
      Dann hielt er sich beide Hände wie ein verstärkendes Rohr vor den Mund
      "Saijaaaahhh!!!"
    • Zusammen mit Jarku ging Elraya ein zweites Mal ins zweite Stockwerk und zu der Tür mit den tausend Schlössern, die erst entriegelt wurde, als Jarku erkannt worden war. Der hässliche Glatzkopf vom Tag stank noch immer fürchterlich, aber merkwürdigerweise wirkte er aufmerksamer als vorhin. Wahrscheinlich war er zur Nachtwache eingetragen oder sowas.
      Ehe Elraya es sich versehen konnte, hatte Jarku den Mann schon mit einem präzisen Dolchstoß niedergestreckt, schob sie in die Wohnung und präparierte die Tür. Wenigstens das musste sie ihm lassen: er arbeitete mit höchster Professionalität. Berek hätte wirklich Gefallen an ihm gefunden, dessen war sie sich spätestens dann sicher, als er auch die Frau mit einem beachtlichen Manöver umbrachte. Fast verspürte Elraya so etwas wie Neid, als sie sah, wie exakt er in das Herz der Frau einstach, trotz des Einflusses ihres gemeinsamen Falls, und sie musste das Gesicht verziehen. Wollte sie sich etwa von diesem Flacharsch in den Schatten stellen lassen? Sie war doch schließlich mitgekommen, um die Leute gemeinsam mit ihm umzubringen und jetzt erledigte er die Arbeit von zwei Personen binnen weniger Sekunden. Hielt er sich etwa für was besseres? Sie wollte auch jemanden umbringen!
      Aber schließlich war er schneller als sie und als auch der dritte Mann fiel, horchten beide nur noch nach weiteren Anzeichen in die Wohnung herein. Nichts. Nicht das kleinste Geräusch ertönte.
      Da grummelte Elraya missmutig, steckte ihren eigenen Dolch weg und durchstöberte die Taschen der Leichen. Sie fand Zigaretten, ein paar Silbermünzen, Drogen, alte Steckbriefe, ein angebissenes Stück Brot und ein altes Küchenmesser, bei dem der Griff lose war. Sonderlich gut waren die drei ja nicht ausgerüstet gewesen - dafür standen in der Wohnung selbst aber umso mehr Waffen herum.
      Sie richtete sich auf, als Jarku nach Saijah rief und sah sich selbst im Raum um. Kein Anzeichen von ihr. War sie überhaupt hier?
      "Saijah?"
      Keine Regung.
      "Verdammte scheiße, wenn sie sie mitgenommen und in der Stadt vergessen haben, bring ich sie nochmal um."
      Sie stapfte durch das Wohnzimmer zum anderen Raum, riss die Tür auf, entdeckte weitere Waffen und stieß einen beeindruckten Pfiff aus. Sie bediente sich an einer Armbrust die so aussah, als könnte sie gutes Geld einbringen und kam kurz darauf wieder hervor.
      "Saijah?! Hallo?!"
      Sie marschierte noch einmal durchs Wohnzimmer, als ihr eine Bewegung aus dem Augenwinkeln auffiel. Sie drehte sich herum, stapfte auf den Sessel zu und hatte kurz darauf das Versteck von Prias Nachwuchs gefunden.
      "Da bist du ja! Wir haben dich gerufen, hast du nicht gehört?"
      Saijah zuckte vor ihr zurück und starrte mit vor Schrecken weit aufgerissenen Augen zu ihr hoch. Ihr graues Auge wirkte irgendwie teilnahmslos, aber dafür stach ihr grünes Auge umso mehr in Elrayas eigene Augen. Sie runzelte die Stirn.
      "Kommst du? Wir machen einen Ausflug."
      "... Nein."
      "Nein?! Wieso nicht?!"
      Saijah starrte an ihr vorbei auf die Leiche der Frau im Türrahmen.
      "... Habt ihr sie umgebracht?"
      Elraya drehte sich nach der Leiche um.
      "Oh, äh, ja."
      Da verkroch Saijah sich noch tiefer in ihrer Ecke und schlang die Arme um die Beine.
      "Ich komm nicht raus. Ich will hierbleiben."
      "Hierbleiben?! Jetzt stell dich nicht so an, wir müssen gehen bevor uns jemand findet!"
      Saijah schüttelte wortlos den Kopf. Ihr gesundes Auge konnte sich nicht entscheiden, ob sie Elraya oder ihre tote Mutter ansehen sollte.
      Elraya drehte sich hilfesuchend nach Jarku um.

      Von der Straße näherten sich derweil drei weitere Gestalten, allesamt in dem gleichen, lässigen Gang, ohne sichtbare Waffen, aber dafür mit den typischen langen Mänteln, die Bereks Häscher fast immer trugen, um ihre Waffen zu verstecken. Sie hielten so zielsicher auf Valterri zu, dass schnell klar wurde, dass ihnen etwas aufgefallen sein musste.
      "He", rief ihm der eine entgegen, der linke, dem eine brennende Zigarette im Mundwinkel steckte. "Bist du nicht der Hüne von diesem Gelehrten? Was suchst du hier, hä? Das ist kein Viertel, in dem Leute wie du sich aufhalten sollten."
      Seine Hand verschwand unter dem blickdichten Mantel, ebenso wie die seiner Nachbarmänner. Sie teilten sich auf, sodass sich alle Valterri von je einer Seite näherten.
    • Als das Mädchen endlich gefunden und Jarku seinen Dolch restlos vom Blut befreit hatte, kam er auf Elraya zu und blickte ebenso auf ein ziemlich deutlich verängstigtes Kind. Das einzige was Jarku in diesem Moment fühlte war Mitleid. Nicht weil das Kind mitbekam was grade passierte, sondern dass sie tatsächlich ihre Aufpasser gemocht hatte. Kaum vorstellbar wie lange sie schon in dieser Gefangenschaft leben musste.
      Elraya hatte zumindest kein Glück das Mädchen zu beruhigen. Was blieb den Beiden also groß übrig als dass er auch sein Glück versuchen musste, also schritt er an Elraya vorbei, hockte sich einen guten Meter von Saijah entfernt hin und lächelte ihr entgegen.
      "Hab keine Angst. Wir sind hier um dir deine Fesseln abzunehmen und dich zu deiner richtigen Mutter zurück zu bringen. Bist du es nicht Leid in einer miefigen Ecke zu schlafen, ständig bewacht und nie mit anderen Kindern spielen könnend?"
      Er versuchte sich so gut er konnte vorzustellen wie sehr er diese Lage gehasst hätte, vergaß aber vollkommen dass sein Gesicht noch voller Blutspritzer war und eine Augenklappe bei Kindern ohnehin nie besonders freundlich wirkte.

      Vor dem Haus geschah indes etwas anderes, eher beunruhigendes. Ganze drei offensichtlich geschickte Leute umkreisten Valteri wie Aasgeier und warfen ihm unsinnige Aufforderungen an den Kopf die Ihn sofort in eine defensive Haltung drängte. Mit verschränkten Armen wandte er sich also vorerst dem Mann zu, welcher mit ihm sprach.
      "Der Hüne vom Gelehrten? Wir kennen uns nicht. Find es also unhöflich mir zu sagen wo ich stehen darf und nicht. Sehe keinen Grund euch zu sagen was mein Ziel ist. Was also wollt ihr von mir?"
      Dass sich die umkreisenden Personen grade selbst in einer Todeszone befanden, war ihnen wohl nicht klar, denn war Valteri mit seiner Reichweite der Axt und seiner Armlänge selbst umrundet noch im Vorteil. Ein plötzlich wilder Schwinger über den Boden und der aufkommende Sandstaub wäre einer Rauchbombe gleich gekommen.
      Vorsichtshalber packte er nun auch seine Axt einhändig und lies die wuchtige Schneide in den Boden fallen, welche sich durch das bloße Gewicht schon mehrere Zentimeter hinein schnitt.
    • Saijah sah von Elraya auf Jarku hinüber. Wenn sie bisher von Elraya verängstigt erschienen war, wurde sie jetzt von Jarkus Anblick regelrecht verstört. Er musste nichtmal den Mund aufmachen, da wurde Saijah bereits kalkweiß im Gesicht, drückte sich tiefer in die Ecke hinein, griff sich ihre Tischdecke und zog sie sich bis zum Kinn hoch, bis nur noch ihre riesigen, gruseligen Augen darüber erschienen. Dann schüttelte sie einfach nur den Kopf und sah schließlich so aus, als würde sie gleich anfangen zu weinen.
      Elraya war vom Sessel weggetreten, trat an das Fenster und sah hinaus.
      "Oh scheiße, Valterri hat Besuch. Wir sollten sehen, dass wir hier ungesehen rauskommen."
      Sie trat zurück und ging neben Jarku in die Hocke.
      "Komm schon, Saijah. ... Ich kauf dir was Süßes, wenn wir draußen sind?"
      Saijah starrte abwechselnd von Jarku zu Elraya, verkroch sich halb zwischen ihren Kissen und schüttelte erneut den Kopf.
      "Nein. Ich bleib' hier."
      "Scheiße, wir haben keine Zeit für sowas, komm schon!"
      Da zuckte Saijah zusammen und fing tatsächlich an zu weinen, machte aber noch immer keine Anstalten sich zu bewegen.
      "Verfluchte scheiße!!"
      Sie richtete sich wieder auf, um Valterri unten zu beobachten. Jetzt wurde sie nervös.

      Die drei Männer umzirkelten Valterri, schienen wohl etwas abzuwarten.
      "Wir wollen wissen, was du hier machst, Riese. Ist nicht dein Viertel, das letzte Mal, als ich es gecheckt habe. Wie wär's also, wenn du deine Holzfälleraxt nimmst und hier abzischst, bevor noch Blut fließen wird?"
      Seine Stimme verriet nicht die geringste Emotion, aber es war leicht zu erkennen, dass sie es, nachdem Valterri ihnen so offen seine Waffe präsentierte, nicht mehr ganz so eilig hatten ihn in eine Konfrontation zu verwickeln.
    • Valterri hatte besuch? Das war es wohl wert sich kurz zurück zu lehnen um einen kurzen Blick aus dem Fenster zu erhaschen.
      "Drei komische Kerle? Hm.. Berek scheint wohl wirklich nur wenig von uns zu wissen. Valterri kann es an guten Tagen ohne Hilfe mit zwei Läufern aufnehmen. Da sind so unvorbereitete Schnösel ganz sicher kein Problem. Los. Öffne mal kurz das Fenster."
      Wies er Elraya an als würde er eine alte Freundin um einen kleinen Gefallen bitten.
      Kurz nachdem diese dann einen kleinen Spalt des gut klemmenden Fensters geöffnet hatte, legte Jarku seine Finger zwischen die Lippen und pfiff in einem bestimmten Rhythmus hinunter ehe er sich wieder nach vorne lehnte um seine Aufmerksamkeit wieder dem Mädchen zu schenken, welcher er nur ein Kopfschütteln entgegnen konnte und sich flott an seinem Gürtel zu schaffen machte.
      "Weißt du, in deinem Alter..."
      Er griff immer wieder in andere kleine Taschen die sich alle am Gurt befanden und schien irgendetwas zusammen zu mischen
      "... sollten Kinder ihrer eigentlichen Mutter nach eifern und sich freuen mit anderen Kindern spielen zu dürfen."
      Dann war er fertig und hielt seine Hand zur Faust geballt vor Saijah
      "Sobald du aufwachst, wirst du deine echte Mutter wieder sehen. Versprochen"
      Dann öffnete er seine Faust, enthüllte ein gelbes Pulver das so fein war, dass es sich in jede kleine Spalte seiner Hand grub ehe Jarku fest die Luft aus seinen Lungen pustete um all den Staub in Saijah's Gesicht zu befördern.
      Es wirkte unglaublich schnell und so fiel das kleine Mädchen schon nach einem verwirrten Huster und kurzem Wedeln der Hände in einem tiefen Schlummer.
      Jarku nickte zufrieden und ergriff das Mädchen sofort um sie vor einem Sturz zu bewahren, auch wenn dieser nur auf einem ungleichmäßig verteilten Kissenhaufen geendet wäre. Kurz darauf lag sie auch schon auf seiner Schulter, zum Abtransport bereit.
      "Gut okay. Jetzt bist du gefragt. Ich trag die Kleine, du bringst uns in ein Versteck, dass Berek nicht kennt oder zumindest nicht vermutet. Ignorier Valterri dabei. Der kommt klar. Hier zählt nur das Mädchen. Los!"

      Draußen verlief es etwas rasanter. Valterri studierte jeden Schritt, der drei Personen, welche den derzeitigen Aggressor aus machten. Und erneut war es die fremde Person die ihm vorzuschreiben schien wo er sein durfte und wo nicht. Ein Konzept welches Valterri wohl auf kurz oder lang einfach nicht verstehen würde. Wie konnte man in südlichen Städten immer verlangen wo ein Mensch sein durfte? Klar waren heilige Orte nicht zu betreten oder die Gemächer des Oberhaupts aber weder sah er hier das ein oder das andere.
      Dann ertönte ein Pfeifen welches ihm nur all zu bekannt war. Er grinste finster und festigte seinen Griff an der Axt. Nun würde die kleine Gruppe von drei Leuten erfahren, dass sie keine Holzfälleraxt abwehren mussten, sondern einer gewaltigen, Doppelseitigen Streitaxt, welche oftmals selbst samt Stiel größer war als so manch Sterblicher.
      So fegte diese nun mit ein paar Funken, hervorgerufen durch steinigem Boden, aus welchem die Axt spontan geschwungen wurde, hervor und traf in dessem dreifachen Wirbel um die eigene Achse Valterri's den Kiefer einer der drei Leute mit der flachen Seite. Diese enorme Wucht, begleitet durch einem kriegerischem Brüllen eines Nordmanns, sorgte dafür dass die Person den kompletten Unterkiefer in weite Ferne fliegen sah ehe er unter Schock, vor Schmerzen schreiend, das abrupt fließende Blut zu stoppen versuchte, welches ihm aus dem Gesicht strömte.
      Anschließend stoppte Valterri seinen Wirbel, ergriff seine Axt nun schnaubend mit beiden Händen und sah der zuvor sprechenden Person eines Angriffs willig entgegen.
      Womit Valterri aber nicht gerechnet hatte war, dass die dritte Person doch tatsächlich versuchte mit einem kümmerlichen Schwert, welches zuvor unter einem Mantel zu ruhen schien, seinen Arm durchtrennen wollte. Diese Person befand sich in diesem Moment noch hinter ihm und nutzte den toten Winkel gut aus, was Valterri unter anderen Umständen sicher gelobt hätte, doch war dieses Vorhaben zum scheitern verurteilt. Eine scharfe Klinge und der richtige Winkel hätten Valterri sicher seinen Arm gekostet, doch in diesem Moment klirrte es nur laut auf als das Schwert seinen Unterarm traf.
      Ein genauer Blick verriet dass Valterri unter seinen Stoff bezogenen Gliedmaßen massiven Schutz aus Eisen trug.
      Der Person ergriff sofort eine Welle von Schock, Angst und Übelkeit. Vor allem als sich Valterri umdrehte.
      Der Nordmann packte den Angreifer an dessen Kopf, riss ihn hinauf in die Luft als würde er einen leichten Korb aus Weidenzweigen heben und sah dem Fremden kritisch sowie bestrafend in die Augen ehe Valterri diesen mit einem Satz ganze zwei Meter in die Luft warf und, mit einem einzigen schnellen vertikalen Hieb seiner Axt, den Mann in zwei Teile schnitt ehe die Axt mit deutlich spürbarer Wucht auf dem Boden aufkam, bevor die zwei Hälften des ehemaligen Häscher's auf dem Boden auf kamen.
    • Elraya beobachtete nervös, wie Jarku sich um das Mädchen kümmerte, ständig die drei Männer im Hinterkopf, die sich unten Valterri gegenüber stellten. Sie konnte sich ein Schnauben nicht verkneifen, auch wenn ihr bei der Nervosität nicht der Sinn nach streiten war.
      "Es geht nicht darum, ob er sie umbringt oder nicht, es geht darum, dass Berek von uns erfährt. Das würde ich gerne so weit hinauszögern wie nur irgendwie möglich."
      Sie tigerte ein wenig vor dem Fenster herum, starrte auf die Gestalten hinab und riss sich dann sogleich los, kaum als Jarku mit Saijah fertig war. Sie warf einen kritischen Blick auf das schlafende Kind und schnalzte mit der Zunge.
      "Dumme Göre."
      Dann übernahm sie die Führung und huschte nach draußen.
      Sie nahmen den Ausgang zum Innenhof, durchquerten ihn und traten in die Gassen des gegenüber liegenden Viertels hinaus, das weit entfernt von Valterris Auseinandersetzung lag. Elraya war noch immer ein gänzliches Nervenbündel, sie bewegte sich mit äußerster Vorsicht, sah sich vier Mal in alle Richtungen um und beobachtete sogar die Dächer. Sie führte Jarku und Daikata von einer dunklen Gasse in die nächste, hauptsache sie entgingen sämtlichen Laternen und nächtlichen Geräuschen, die in welcher Weise auch immer ertönten. Sie fand sich in dem Labyrinth an Straßen zurecht als wären es die Gängen eines Hauses und führte sie so am schnellsten Weg zum Starksplatz, wo das Drachenfest noch in vollen Gängen lief. Dort schaffte sie es, trotz der Menschen, die beiden Männer noch immer ungesehen zu einem Haus zu führen, an dessen Vorderseite ein Stand mit Drachenbräu aufgebaut war. Sie gingen hinten herum und zogen schließlich in die oberste Wohnung hinauf.
      Elraya war sogleich bei den Fenstern, überblickte den Platz und versuchte nach auffälligen Aktivitäten Ausschau zu halten. Die Wohnung war klein, nicht größer als die letzte, aber sämtliche Anzeichen darauf, dass die Besitzer hier umgebracht worden waren, waren beseitigt. Elraya hatte sich sogar die Mühe gemacht ein Bett herzurichten, das sie nun gerne selbst benutzt hätte. Aber die Nervosität hielt sie wach.
      "Ich gebe Pria Bescheid, dass wir hier sind. Und dann gehen wir Berek umbringen?"
      Sie umtigerte Jarku ruhelos.
    • "Und wie willst du das anstellen?"
      fragte Daikata, welcher Saijah behutsam in das Bett legte und ihr die Decke bis zum Hals hoch zog, da es in diesem leeren Haus doch etwas frisch war.
      Erst als er sich vergewissert hatte dass es Saijah an nichts mangelte, stand er von der Bettkante auf und wandte sich Elraya zu, sprach dabei leise als würde das kleine Mädchen nur schlafen statt im Koma zu liegen.
      "Soweit ich weiß ist diese Pria doch bei Berek, welcher von deinem Verrat weiß. Wie willst du also..."
      "Wir haben abgemacht uns zu treffen. Wir werden nur zum Treffpunkt gehen und auf Pria warten. Ihr Teil der Vereinbarung war es uns die Truhe wieder zu geben. Sollte sie diese nicht dabei haben, wird sie auch nicht vom Standort ihrer Tochter erfahren. Daher gehe ich mit."
      Erklärte Jarku Daikata, als auch Elraya.
      "Ich will hoffen dass sie Wort halten kann, andernfalls dürfte sie wohl Freiwild sein nachdem Berek lange auf seine drei Lakaien warten muss. Valterri wird sie ganz sicher nicht wieder nach Hause schicken also wird Berek wissen dass etwas mit Pria's Tochter im Gange ist. Also los, komm. Wenn wir jetzt los gehen, dürften wir noch rechtzeitig da sein. Du wartest hier Daikata. Pass auf die Kleine auf."
      Daikata musste verstört schmunzeln. Hatte Jarku ihm grade tatsächlich eine Anweisung gegeben? Als wäre es nicht offensichtlich dass er das Kind beschützen würde, kam es bisher noch nie vor so einen Ton bei Jarku zu hören. Bevor er aber irgendwie reagieren konnte, sah er Jarku und Elraya auch schon aufbrechen.

      Als beide wieder in der Gasse ankamen, sahen sie zu aller erst roten Matsch. Ganz klar Blut, welcher sich mit dem sandigen Boden vermischt hat. Erst nach dem zweiten Blick konnte man Valterri in einer schattigen Ecke auf ein paar Bausteinen sitzen sehen, direkt neben ihm fein säuberlich gestapelte Menschenteile um sie so platzsparend wie möglich vor neugierigen Blicken zu schützen.
      Jarku nickte nur und stand mit den Händen an den Hüften gestemmt da, den Leichenhaufen betrachtend.
      "Mir wirds auf ewig ein Rätsel bleiben wie solche Leute ernsthaft glauben eine Chance zu haben wenn sie mit dir um Leben und Tod kämpfen. Sag. Hast du zufällig schon diese edle Frau gesehen?"
      Valteri zuckte mit den Schultern, selbst mit der Frage überfordert wieso ihn immer alle zwielichtigen Personen herausfordern mussten obwohl er einem Jeden die Chance gab zu fliehen bevor er sich verteidigte. Zur letzten Frage hin schüttelte er nur den Kopf.
      "Noch nicht hier gewesen."
    • Etwa eine halbe Stunde lang blieben sie in der neuen Wohnung, während Daikata es für Saijah bequem machte, ehe Jarku sie endlich wieder nach draußen jagte. Elraya folgte ihm äußerst willig, brachte ihre Gedanken über seinen Einwand allerdings in Form eines theatralischen Stöhnens zum Ausdruck, dem sogleich die Erklärung folgte:
      "Wir sind schon so weit gekommen, jetzt will ich Berek auch was antun. Was ihm richtig weh tut. Dieses Rumgetue geht mir auf die Nerven."
      Aber sie beließ es bei dieser einen Nörgelei und dackelte Jarku dann sittsam hinterher.

      Am Treffpunkt stießen sie auf Valterri, der sich bereits sorgfältig um das Problem von vorhin gekümmert zu haben schien. Elraya sah mit großen Augen auf die menschlichen Überreste, näherte sich dann zögernd, stets auf der Hut vor dem Hünen, und hielt Ausschau nach verbliebenen Wertsachen. Alles nur menschliche Überreste. Sie schnalzte mit der Zunge.
      Eine weitere halbe Stunde lungerten sie herum und warteten, bis Elraya endlich auf die Veränderung der Hintergrundgeräusche reagierte, den Kopf wandte und kurz darauf auch schon ferne Schritte erklangen. Sie zückte ihr Messer, huschte in die Richtung der Schritte, duckte sich in den Schatten und verharrte dann regungslos. Erst als sie sich sicher war, dass es sich bei der ankommenden Frau um Pria handelte, steckte sie ihre Waffe wieder ein und entspannte sich.
      Pria trat in die Gasse hinein, kam den beiden Männern entgegen, murmelte ein Grußwort, zog den Beutel von ihren Schultern, den sie getragen hatte, und platzierte ihn dann vor sich auf dem Boden. Sie war müde, entsetzlich müde; das war allerdings nichts, was sie davon abgehalten hätte, in dieser Nacht den Unterschlupf zu verlassen.
      "Ich konnte die Truhe nicht rausholen, Berek hat sie an einen Söldner verspielt und die sind den ganzen Tag im Unterschlupf. Die ganze Zeit."
      Sie sah kurz zu Elraya.
      "Sie haben deinen Bruder, El."
      Elraya kniff die Augen zusammen.
      "Weiß ich doch."
      Manchmal hatte Pria das Bedürfnis sie zu schlagen.
      "Ich meine, dass er bei uns ist. Im Unterschlupf. Berek hat ihn holen lassen."
      "Oh."
      Und dann, nach einem Moment:
      "Oh!"
      Sie machte große Augen, wollte sich mit der Hand durch die Haare fahren, biss sich auf die Lippe, wippte kurz vor und zurück. Dann zog sie ihren Dolch hervor, spielte kurz damit, kratzte sich mit der Spitze über die Stirn, sah sich in der Gasse um. Pria hatte Elraya noch nie so nervös erlebt, das zeugte wohl davon, dass sie ihren Bruder mochte. Oder einfach nur Angst vor Berek hatte? Sie konnte es nicht einschätzen.
      "Jedenfalls konnte ich die Truhe deswegen nicht mitnehmen, die sind alle im Unterschlupf und hätten Fragen gestellt. Aber ich habe euch den Inhalt mitgebracht", sie deutete auf den Beutel, "reicht das nicht vorerst? Habt ihr meine Tochter in Sicherheit gebracht, geht es ihr gut?"
    • Sowohl Valterri als auch Jarku hörten auf vor sich hin zu träumen und richteten sich aus ihrem Energiesparmodus auf ehe beide schnell enttäuschend mitbekamen, dass der Deal wohl geplatzt war. Valterri lies sich keinerlei Emotion anmerken, doch war Jarku dazu nicht in der Lage. Er packte sich seufzend mit einer Hand ins Gesicht und rieb sich die geschlossenen Augen vor Frust. Währenddessen gab es aber einen kleinen Silberstreif zu hören, was beide zeitgleich zu Pria aufschauen lies.
      "Wie bitte? Du verarschst uns doch nicht grade oder? DAS ist alles was ihr aus der Truhe geholt habt?"
      Ein Gemisch aus Freude und Urteil zierte sein Gesicht ehe er an den ausgekippten Plunder ran trat.
    • Pria beobachtete teilnahmslos, wie Jarku sich an dem Beutel zu schaffen machte. Seine Frage stieß auf ihr steinernes Pokerface, durch das sie sich nichts anmerken ließ. Erst der missmutige Unterton in ihrer Stimme ließ erkennen, wie wenig sie von seiner Herablassung hielt.
      "Was hätten wir denn noch herausholen sollen? Etwa die Scharniere? Das Schloss?"
      Sie fischte nach einer Zigarette.
      "Die Truhe existiert noch, aber ich kann sie nicht holen, solange Berek dort herumlungert und das wird er machen, solange El nicht auftaucht um ihren Bruder zu befreien."
      Elraya sah auf und wurde ein Stück bleicher.
      "Ich geh' da nicht zurück."
      "Du musst ihn ja nur herauslocken."
      "Ne. Uh-uh. Mach ich nicht. Das ist's nicht wert."
      "Dein Bruder ist es nicht wert?"
      Da kniff Elraya die Augen zusammen.
      "Versuch nicht mich zu manipulieren, da blick ich genau durch."
      "Ich versuche nicht dich zu manipulieren sondern meine Tochter zu retten - wo ist sie denn jetzt endlich, Jarku?"
    • "Sie existiert noch.. Das ist ja sehr tröstlich. Alles was ich höre ist, dass uns Versprechen gegeben wurden die offenbar nicht eingehalten werden konnten. Warum also sollen wir dir sagen wo dein Mädchen ist??"
      Jarku war ganz klar verärgert und sogar für einen Kampf bereit.
      "Wer sagt uns dass du diesem Berek nicht alles erzählt hast und bereits ein Dutzend seiner Schergen auf den Dächern mit Armbrüsten auf uns lauert?!"
      Er trat auf Pria zu, welche grade erst eine Diskussion mit Elraya hinter sich hatte und schützte diese sogar zum Teil als er sich leicht vor sie stellte.
      "Hey. Jetzt konzentriere dich mal auf mich. Wir haben uns die Hand gegeben. Ein Ehrenwort. Ich habe meine Teil eingehalten. Unbekannte Menschen haben ihr Leben gegeben nur weil wir uns einig waren. Jetzt kommst du und sagst mir dass zwei Menschen permanent mit einem Spiel abgelenkt waren und aus diesem Grund kamst du nur dazu diesen Plunder zu schleppen? Gott mir wären hundert Methoden eingefallen alles miteinander zu verbinden!"
      Dann fiel Valterri's Hand auf Jarku's Rücken.
      "Ruhig Jarku. Ihre Augen. Sie spricht die Wahrheit."
      "NAHHH, lass mich gefälligst in Ruhe du Moralkompass! Die will uns in die Irre führen!! Schau sie dir doch an, die zückt einen dieser Peststengel und meint alles wäre in Ordnung und locker. Wie kannst du nur darauf reinfallen? Nicht mal Aradan würde auf so eine Finte reinfallen!"
      Unerwartet ertönte eine äußerst bekannte stimme, welche Jarku bleich werden lies.
      "Ist das so Jarku?"
      Es war Aradan der die Gasse betrat und alle Beteiligten kurz mit einem Blick musterte ehe er sich Pria zuwandte.
      "Sie ist in Sicherheit. Einer meiner fähigsten Männer bewacht sie. Geschieht etwas, werde ich es sofort wissen. Etwa so schnell wie ich weiß, dass du der Magie geneigt bist."
      Er stand genau vor Pria als er seine Hand hob und ihren Ohrschmuck anschnippte.
      "Geschickt."
    • Pria drehte sich kurz von Jarku weg, entzündete ihre Zigarette und wandte sich ihm dann wieder zu. Sie behielt ihr Pokerface genau noch zwei Sekunden aufrecht, dann schien etwas in ihrer Miene zu fallen, kaum als er sich weigerte, den Aufenthaltsort ihrer Tochter zu nennen. Sie schien mit einem Schlag um zehn Jahre zu altern und wo bislang noch die Teilnahmslosigkeit in ihrem Blick geweilt hatte, trat unmittelbar ein Feuer, das sich in Jarku hineinzubrennen versuchte. Das konnte auch ein Zug von ihrer Zigarette nicht eindämmen.
      "Wer sagt mir denn nicht, dass ihr meine Tochter nicht sonstwohin verschleppt habt?! Wer sagt mir, dass es ihr überhaupt gut geht?! Sie kennt euch nicht, ich musste sie Fremden übergeben, die noch nicht einmal eine Ahnung davon haben, mit wem sie sich überhaupt anlegen!"
      Pria war so knapp davor, auf ihren Katalysator zuzugreifen, dass sie sogar schon die Finger ihrer linken Hand gekrümmt hatte. Sie musste nur den Energiefluss erfassen, in sich aufnehmen und Jarku dann mit einem geballten Schlag purer Energie von dieser Welt befördern. Sie war so kurz davor es umzusetzen, es hätte nicht mehr als ein Schnippen benötigt, dann hätte sie sich vergessen. Nur ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
      Der Tropfen kam in Form von Aradan.
      Sein Auftauchen war so plötzlich, dass Pria zu ihm herumwirbelte und dabei ihre Zigarette fallen ließ. Sie lenkte ihre Aufmerksamkeit auf ihn um, ergriff den Energiefluss, ballte die Faust und zog daran. Es erfüllte sie schlagartig mit Leben und schier grenzenloser magischer Macht.
      Dann erinnerte sie sich an Jarkus Worte, an die Warnung, ihn nicht an Berek heranzulassen. Da starrte sie für einen Moment, ließ dann den Energiefluss los, öffnete die Hand und wich einen Schritt vor Aradan zurück. Sie wollte eine Zigarette, war aber für den Moment zu überrascht, um sich zu rühren.
      Aradan hatte das natürliche Gehabe eines Anführers, jemand wie Berek, der sein Gefolge durch die reine Ausstrahlung seiner Autorität lenken konnte. Er war hochgewachsen, hatte einen zielstrebigen Schritt und einen durchdringenden Blick, den er wohl gerne an Stelle seines Mundes sprechen ließ. Alles in allem wirkte er wie jemand, mit dem sich Pria nicht anlegen wollte.
      Daher war es ihr umso unangenehmer, als er so dicht an sie herantrat und auch noch ihren Katalysator entdeckte. Das kam nochmal um einiges überraschender und verleitete sie dazu einen weiteren Schritt rückwärts zu tun, allein um den Abstand wiederherzustellen. Sie kämpfte mit sich, ziemlich heftig sogar, ehe sie ihr Pokerface zurück auf ihr Gesicht gezwungen hatte und wieder einigermaßen gefasst wirkte. Ihr Blick verfolgte allerdings jede noch so kleine Bewegung, die von Aradan ausging, und sie hatte die Finger ihrer Hand wieder gekrümmt.
      "Du bist also Aradan? Der lebende Katalysator?"
      Irgendwie passte es zu ihm, obwohl es vielleicht auch nur die Haare sein konnten.
      "Ich habe nicht gelogen, dass die Kiste noch im Unterschlupf ist. Berek hat keine Ahnung von alledem, er sitzt den ganzen Tag nur drinnen und spielt. Er bewacht Els Bruder, ist kein einziges Mal nach draußen gegangen. Ich kann die Kiste erst bringen, wenn ich sie ungesehen beschaffen kann, vorher kann ich nunmal nichts daran ändern - aber ich will meine Tochter dennoch sehen. Ich habe es satt, dass andere für mich entscheiden, wann und wo und wie lange ich sie sehen kann. Sie ist kein Spielzeug, das herumgereicht wird, damit mir jeder Angst machen kann, dass sie es zerbrechen könnten. Ihr habt sie dort herausgeholt, also will ich sicherstellen, dass es ihr auch wirklich gut geht. Ist das etwa zu viel verlangt? Hast du selbst Kinder, Aradan?"
      Sie hielt sich auf Abstand, damit er nicht wieder seine Aufmerksamkeit auf ihre Katalysatoren lenken würde.

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    • Eine sichtbare Erleichterung ging durch die Runde als Aradan auftauchte. Jarku für seinen Teil war nur froh darüber endlich nicht mehr für andere sprechen zu müssen und setzte sich wieder auf sein kleines Mäuerchen um entspannt die Verantwortung auf Aradan zu übertragen, welcher auch schon in Windeseile mit der Frau interagierte und einen regelrechten Redeschwall über sich ergehen lassen musste.
      Aradan verzog dabei aber keine Mine, viel eher hörte er sich jedes einzelne Wort an ohne die Frau zu unterbrechen. Schon gespannt darauf wie er die Lage nun angehen würde, wäre Jarku sogar für einen Kampf bereit, sollte der Befehl fallen.
      Doch tat Aradan nichts in dieser Richtung. Ruhig wie immer erwiederte er nur
      "Aber natürlich darfst du deine Tochter sehen. Jarku. Führ uns hin."
      "Aye aye Captain."
      Doch etwas überrascht so ein gutes Druckmittel einfach aufzugeben, sprang er trotzdem wieder von seinem Mäuerchen, auf welches er sich grade erst gesetzt hatte und begann alle hin zu führen.
      Auf dem Weg blieb Aradan an Pria's Seite um nicht all zu laut sprechen zu müssen
      "Nein ich habe keine Kinder. Ich weiß nicht wie du dich fühlst aber du kannst dir sicher sein dass deine Tochter niemals ein Druckmittel war. Du wirst bald erfahren was dahinter steckt. Und.. Danke dass du deine echten Waffen nicht eingesetzt hast."

      Schnell erreichte die kleine Gruppe das Haus in welchem die kleine Saijah unter gebracht wurde und noch schneller betraten sie auch die Wohnung mit Daikata darin, welcher selbstverständlich erst die Tür öffnete als er Aradan's Stimme hörte. Er wies aber direkt mit einem Finger vor seinem Mund darauf hin, dass das Mädchen schlafen würde.
      "Wir mussten sie leider mit einer etwas stärkeren Naropulver ins Traumland schicken. Es sollte nur für ein paar Minuten halten um sie lautlos aus ihrem Gefängnis weg zu bringen, doch war die Kleine scheinbar so erschöpft, dass sie einfach weiter schläft. Gönnen wir ihr die Ruhe."
      Aradan nickte und legte Daikata dankend seine Hand auf die Schulter ehe sich auch er davon überzeugte dass es dem Mädchen gut geht, indem er kurz in den Raum hinein sah und tatsächlich ein leicht schnarchendes Mädchen im Bett auffand.
    • Pria war noch auf dem ganzen Weg der Argwohn anzusehen, mit dem sie Aradan gegenüber trat. Er hatte etwas gebieterisches an sich wie Berek, aber nicht den gleichen Kontrollzwang, er hatte die Ausstrahlung einer Autoritätsperson, schien diese Macht aber nur einzusetzen, wo es nötig war. Alles in allem hatte er die Mittel, um die sofortige Überhand zu gewinnen, aber er setzte sie nicht ein. Das stimmte Pria, die durch das Leben in der Stadt den stetigen Kampf um Machtpositionen als alltäglich empfand, äußerst misstrauisch. So sagte sie auf seine Bemerkung hin nichts weiter, nachdem sie unsicher darüber war, ob es sich nicht um eine Drohung handelte.

      Sie erreichten das zentrale Haus mit der kleinen Wohnung, in der vorher sicher mal jemand gewohnt hatte. Spätestens als sie durch die Eingangstür schritten, konnte Pria ihre Nervosität nicht verbergen und zwängte sich ungeduldig an Daikata vorbei, den sie vorher einem kritischen Blick unterwarf. Anscheinend schien sie allerdings der Auffassung, dass er keine weitere Gefahr für Saijah darstellte und huschte kurz darauf auf leisen Sohlen, entgegen seiner Warnung, in Saijahs Zimmer hinein.
      Wäre sie allein gewesen, hätte Pria sich vermutlich den winzigen Moment ihrer Schwäche erlaubt. Sie hätte wahrscheinlich gelacht oder auch geweint oder sie hätte Berek lauthals den Tod an den Hals gewünscht. Sie hätte wahrscheinlich irgendein Geräusch von sich gegeben und dann hätte sie vor Erleichterung laut geseufzt, so sehr ergriff sie der Anblick der schlafenden Saijah in dem viel zu großen Bett mit dem eigenen Kissen und sogar der eigenen Decke. Aber sie war nicht alleine und so glitzerten in ihren Augen lediglich die Tränen, als sie zum Bett schlich und sich vorsichtig auf der Bettkante niederließ. Sie beugte sich über Saijah, überprüfte ihren Puls - sie konnte es sich nicht verkneifen - und küsste sie schließlich auf die Stirn. Obwohl sie sich dabei gänzlich Mühe gab das Mädchen nicht aufzuwecken, regte sie sich dennoch und öffnete das gesunde Auge.
      "Mama Pria?"
      Da floss Prias Maske gänzlich dahin, verflüchtigte sich von ihrer teilnahmslosen Haltung und hinterließ nur noch das liebevolle Lächeln einer Mutter, das ihr ganz aus dem Herzen zu scheinen schien. Sie schloss Saijah für einen Moment in die Arme, drückte ihr weitere Küsse auf die Wange und die Stirn und ließ sie dann wieder los. Saijah rieb sich das Auge.
      "Wo sind wir?"
      "Schlaf weiter, alles ist gut."
      "... Okay."
      Dann schloss sie gehorsam wieder das Auge und nachdem Pria ihr die Decke ein Stück weiter nach oben gezogen und sie ordentlich damit zugedeckt hatte, war sie auch schon wieder eingeschlafen. Sie strich ihr ein paar Haare aus dem Gesicht, ärgerte sich über Lieras Nachlässigkeit, begutachtete das blinde Auge für einen Moment und wandte sich dann erst wieder von ihr ab. Als sie herauskam, war sie wieder die Alte, aber sie erlaubte sich doch eine Spur Freundlichkeit, als sie in die Runde blickte.
      "Danke, wirklich. Seid ihr euch sicher, dass die alte Kiste das einzige ist, was ihr haben wollt? Ich habe auch meine Kontakte in der Stadt, ich kann euch besorgen, was auch immer ihr haben wollt. Oder wollt ihr das Bordell besuchen?"
    • Alle anwesenden sahen Pria und Saijah mit einem Lächeln nach. Diese Freude einer Mutter die ihr Kind endlich wieder bei sich hatte war eine Bezahlung die mit keinem Gold dieser Welt aufzuwiegen war.
      "Hier. Nimm den Rest und geh dem Mädchen und ihrer Mutter was zu Essen holen."
      Aradan reichte Jarku das letzte bisschen Gold was Daikata an seinem Gürtel hatte. Ohne jede Frage trennte sich Daikata davon und ebenso lief auch Jarku schon los um die Besorgung zu machen.
      Als Pria dann wieder hinaus kam wandte sich Aradan wieder komplett ihr entgegen, schüttelte aber nur mit dem Kopf als sei eine weitere Bezahlung nicht nötig.
      "Ihr seid wieder vereint. Genau so sollte es sein. Dafür nehmen wir ganz sicher keine Entschädigung an. Jarku hätte dich ganz sicher auch hier her gebracht. Er ist nur etwas vorsichtiger was Menschen angeht."
      Dann wies Aradan höflich zu einem Tisch am Fenster hin, welcher wohl zuvor als Esstisch für eine größere Familie dienlich war. Erst als Pria saß, setzte sich auch Aradan, sowie Daikata mit an den Tisch. Nur Valteri blieb an einem anderen Fenster stehen um den Blick auf die Straße zu wahren.
      "Nein nein. Kein Bordell"
      Aradan musste doch etwas schmunzeln wenn er daran dachte wie er kurz zuvor Kiliak dort nach langer Suche gefunden hatte. So entspannt grinsend hatte er ihn tatsächlich noch nie erlebt gehabt.
      "Wir brauchen lediglich die Truhe. Gehe ich recht in der Annahme dass ihr den Inhalt schon auf dem Markt versetzt habt?"
    • Nachdem Pria sich nun eigenständig davon überzeugt hatte, dass es Saijah nicht nur gut, sondern regelrecht prächtig ging, hatte sie nun auch keine Hemmungen mehr davor, Aradans Anweisungen Folge zu leisten. Sie setzte sich mit ihm und Daikata an den Tisch, kippelte nach hinten, platzierte ihre Beine auf der Tischkante, sodass ihre Stiefel niemandem ins Gesicht hingen und wirkte dann gänzlich entspannt. Wäre ihre Tochter nicht im Nebenzimmer gewesen, hätte sie sogleich nach einer Zigarette gesucht. Im Hintergrund lehnte Elraya sich an die Wand, setzte eine gelangweilte Miene auf und puhlte mit ihrem Dolch den Dreck unter ihren Fingernägeln hervor.
      "Nichts auf der Welt geschieht ohne eine Gegenleistung, Aradan", ermahnte Pria ihn und nahm sich den Moment, an dem sie am Tisch saßen, um ihn zu mustern. Er sah aus wie jemand, der sich diesen Satz auch einmal zu Herzen genommen haben könnte. "Wir haben euch angegriffen, euch ausgeraubt, euren Spion umgebracht. Ich habe Berek sogar vorgeschlagen euch auf den Sklavenmarkt zu bringen und hätte es auch getan, wenn er nicht dagegen gewesen wäre. Er hat irgendein Interesse an euch Meloranern, das er mir nie erklärt hat." Sie machte eine ungenaue Geste mit der Hand. "Ihr hattet zwar mit Lodoz eure Rache, aber damit ist das Verhältnis noch lange nicht ausgeglichen. Nach den... Gesetzen der Straße, wenn man so will, muss ein Gleichgewicht hergestellt werden, sonst werden wir euch ausnutzen und ihr werdet auf euren Verlusten sitzen bleiben. Das hier ist kein Ort für irgendwelche moralischen Wohltaten, es geht hier genauso ums Überleben wie außerhalb der Mauern." Sie zeigte auf Aradan. "Ich werde euch also eure Truhe besorgen, wenn ihr sie so unbedingt haben wollt, und ich werde eure Waffen zurückholen, die sind schon auf dem Markt gelandet. Ich werde mich mit Berek anlegen, weil da kein Weg daran vorbei führen wird, und wenn ich das überlebe, will ich, dass ihr einen Preis dafür nennt, meine Tochter gerettet zu haben. Und wenn ich sterbe, wird El euch heil aus der Stadt bringen."
      Die rothaarige sah auf.
      "Hä?"
      Pria winkte ab.
      "Was hälst du davon, Aradan? Um die Schuld auszugleichen."
    • Daikata musste sich mit seiner Faust vor dem Mund ein kleines Lachen verkneifen als Pria die Behauptung in den Raum stellte, dass in dieser Welt nichts ohne eine Gegenleistung geschehen würde. Sie kannte Aradan tatsächlich überhaupt nicht. Ein gutes Zeichen.
      "Bitte verzeiht mir. Ich mache mich ganz sicher nicht Lustig. Es ist nur.." Er lehnte sich etwas vor um seine Arme auf den Tisch zu stützen "Wir haben uns an Lodoz nicht gerächt. Alles was wir wollten, waren Informationen. Ihm stand niemals wirklich der Tod bevor. Und unser Spion.. naja.. Der gehörte nicht wirklich zu uns. Er gehörte zu einem scheinbar globalen Netzwerk dass es sich zur Aufgabe gemacht hat unseren Aradan hier zu fangen oder zu töten, falls er sich ihnen nicht anschließt. Scheinbar wissen diese Leute mehr über Aradan als euer Berek."
      "Genug Daikata." sprach Aradan leise. Zur Zeit war alles innerhalb der Mauern schon kompliziert genug. Das musste man gewiss nicht ausweiten. "Alles was er sagen möchte ist, dass wir wissen wie es ist ein Leben voll Trauer zu führen. Alle von uns tragen eine eigene Last. Wir wissen wie es ist nach Hilfe zu suchen und keine zu bekommen. Aus diesem Grund bieten wir unsere an sobald wir sehen dass sie benötigt wird. Das machen wir aus unserer eigenen Überzeugung und nicht um etwas zu verlangen. Natürlich werden wir deine Dankbarkeit annehmen. Fühle dich aber nicht dazu verpflichtet. Und..." Da warnte Aradan's Blick schon die deutlich entspanntere Pria "Wenn du tatsächlich in der Lage bist unsere Waffen wieder zu besorgen.. Nutze deine Magie unter KEINEN Umständen solange du mein Schwert in den Händen hältst. Bestenfalls packst du es in ein Tuch ein."
      "Moment mal.. Magie?"
      Aradan nickte Daikata entgegen
      "Hab ich irgendwas verpasst?"
      "Ihre Ohringe sind geschliffene Kryss Kristalle. Artefakte aus Zeiten der Hochkultur"
      "WA? Und wann wolltet ihr uns das mitteilen?!"
      "Sie hätte euch in der Gasse schon angreifen können, hat es aber nicht getan. Ich habe in ihr keine Feindin gespürt." Aradan zuckte mit den Schultern da er für letzteres keine Erklärung hatte "Tut mir Leid. Ist so ein Ding zwischen uns Katalysatoren schätze ich. Hätte sie es wirken wollen, hätte ich es in der Umgebung gespürt."
      Daikata gab auf und wedelte es ab während er Pria zu nickte
      "Tja Aradan vertraut dir. Das heißt dann wohl dass auch ich dir vertraue. Ich geb dir mein Wort dass ich alles tun werde um deine Tochter zu schützen."
    • Die kleine Versammlung löste sich bald mit Prias verabschiedenden Worten auf. Sie reichte Aradan die Hand, ein Zeichen des guten Willens, wenn auch mehr für sich selbst, um sich davon abzuhalten, weiter über die merkwürdige Moral nachzudenken, die dieser Gruppe wohl innesaß. Sie bedankte sich außerdem bei Daikata, in der festen Überzeugung, dass er sein Wort halten würde. Sie fühlte sich noch immer merkwürdig, als sie zur Tür ging, aber sie versuchte ihr Misstrauen so gut es ging in den Hintergrund zu schieben.
      "Komm, El. Wir müssen Berek umbringen."

      Ihre erste Station war der Rüstmeister für die Schwerter, die sie zurückholen wollte. Er hatte sie noch nicht weiterverkauft, hatte sie verstaut um auf einen günstigen Moment zu warten und sie wies ihn an, ihr die Schwerter zu zeigen, nachdem Berek scheinlichst etwas überprüfen wollte. Als er ihr den Rücken zuwandte, rammte sie ihm ihr Messer in den Rücken, bediente sich ihrer Katalysatoren und ließ die Wachen im Raum in Flammen aufgehen. Als die Schreie nach einer Weile verklungen waren und der Rüstmeister am Boden röchelnd um seinen letzten Atem kämpfte, beugte sie sich zu ihm hinab, bediente sich an dem Gold in seinen Taschen und raunte ihm zu:
      "Berek schickt seine Grüße."
      Er starb mit einem ungläubigen Ausdruck im Gesicht.
      Auf dem Weg nach draußen hätten sie weitere Wachen, Männer des Rüstmeisters, fast überwältigt, nachdem Pria keinerlei Rüstung trug und sich nicht gänzlich so geschickt bewegte wie Elraya, aber sie schaffte es doch unversehrt aus der Sache heraus und stieg über die Leichen, die sie zurückließ, hinweg. Damit war der Köder ausgelegt.
      Sie übergab die Waffen Elraya, die sich damit aus dem Staub machte, und ging dann auf den Trainingsplatz, um auf Berek zu warten. Sicherlich würde es nicht lang dauern, ehe er zu hören bekam, dass eine seiner engsten Vertrauten angefangen hatte, einen Zweig des Schwarzmarkts regelrecht zu verbrennen und so wie sie ihn kannte, würde er auf die Möglichkeit, jemanden zu bestrafen, nicht verzichten wollen.
      Also stellte sie sich in die Mitte des Platzes, zündete eine Zigarette an, rauchte und wartete.
    • Es war schon ziemlich auffällig wie zielstrebig Pria jeder weiteren Planung entfloh und Elraya auch noch ihre Pläne offenbarte während jeder zuhören konnte. Sogar Valterri drehte sich in diesem Moment um und wollte Aradan erst mit einem fragenden Blick dazu animieren diese Frau aufzuhalten, doch sah er schon in dessen Blick dass er nichts tun würde. Pria gehörte nicht zur Gruppe also nahm er sich auch nicht hinaus ihre Pläne zu hinterfragen oder gar zu lenken. Alles was er nun tun konnte war ihren Plan zu adaptieren und zu planen.

      Auf dem Trainingsplatz erschien entgegen Pria's Erwartung nicht nur Berek. Viel mehr bot sich ein regelrechtes Schauspiel. Kaum dass Pria inmitten des Feldes stand, tauchten jede Menge Armbrustschützen auf, welche auf erhöhter Position der Balkone und freien Durchgängen Stellung nahmen um ihre geladenen Waffen auf Pria zu richten. Daraufhin traten im Erdgeschoss ebenso viele Schwertkämpfer auf die regelrecht aus jeder schattigen Pore des Ortes zu sprießen schienen. Doch betrat keiner dieser Personen den Platz selbst. Nicht mal Berek. Was hingegen das Feld betrat war die Stimme des erwarteten Berek's, dessen Standort nur äußerst schwer aus zu machen war.
      "Sollen heute wirklich zwei von Elraya's dreckiger Blutlinie sterben? Willst DU wirklich diesen Kampf? Überleg es dir gut. Innerhalb dieser Gemäuer ist deine ach so teure Tochter nach wie vor in Gefahr, auch wenn ich diesen Schädlingen erlaubt habe sie aus dem Drecksloch zu entführen."
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