Schließlich war Elraya mit ihrem Quengeln so weit gekommen, dass der Giftmann sich ihrer tatsächlich wieder annahm. Fast schon vorfreudig grinste sie zu ihm hoch, als er sich neben sie stellte und sich dann an ihren Fesseln zu schaffen machte. Allerdings nur an ihrem verletzten Arm.
"He, was machst du da?!"
Sie zuckte vor seiner Grobheit zurück, die das ununterbrochene Brennen in ihrem Arm nur verschlimmerte, und unternahm einen erneuten Versuch sich zu befreien. Da ging er auch schon wieder weg. Sie hörte es hinter sich plätschern.
"Was machst du da?! Warn mich wenigstens vor, wenn du mir wieder irgendwas spritzen willst!!"
Ihre Meinung darüber, sich doch wieder lieber vergiften zu lassen anstatt herumzugammeln, änderte sie schlagartig in Aussicht seines vorherigen Giftes. Entsprechend nervös wurde sie, als er wieder neben ihr auftauchte.
"Was ist das?!"
Anstatt einer Antwort, tröpfelte er ihr den Inhalt auf den Arm und vor Überraschung hätte Elraya beinahe aufgestöhnt. Der Schmerz zog langsam dahin, bis schließlich überhaupt nichts mehr davon übrig blieb, als die bloße Erinnerung.
Sie sah mit zusammengekniffenen Augen zu ihm auf. Man könnte meinen, dass sie mittlerweile diejenige war, die den Giftmann folterte und nicht andersrum. Könnte sie das zu ihrem Vorteil nutzen? Vermutlich nicht. Zum Schluss würde er sie auch noch knebeln.
"Siehst du, wie viel du schon durch mich weißt?! Ich war dir also doch hilfreich, gib' es zu! Das waren mindestens… drei hilfreiche Details soweit! Wie viel willst du denn noch wissen?!"
Da ging er zu ihrer Empörung schon wieder zu seinem Tisch zurück.
"Du verfluchter Dreckskerl! Du Bastard! Du hässliche Hure! Lass mich sofort gehen!!"
Sie zappelte auf und mit ihrem Stuhl.
"... Bitte?!"
Er kam nicht zurück. Schließlich fluchte sie vor sich hin und versuchte die Fesseln an ihrer Brust zu erreichen, um sie durchzubeißen. Sie versuchte es etwa zwei Minuten lang, dann gab sie es auf und wurde schließlich still.
Das Klappern seiner Schalen nervte sie. Es nervte sie nicht sehen zu können, was er tat. Es nervte sie, Lodoz' Leichnam aus dem Augenwinkeln zu sehen und ihr eigenes Blut zu riechen. Es nervte sie, wie ihr die Fesseln ins Fleisch schnitten. Es nervte sie, dass es bis auf die Tür keinen anderen Ausgang mehr gab, auch wenn sie frei gewesen wäre. Es nervte sie, so untätig zu sein. Es nervte sie, dass sie noch nichtmal mit ihrer Waffe spielen konnte.
Nach einer Weile fauchte sie:
"Hör auf mit diesem Lärm!!"
Aber er hörte nicht auf. Also versuchte sie ihn zu ignorieren.
Was waren die Chancen, dass sie lebend zurückkehrte? 50/50 schätzte sie mal: Entweder sie kam lebend zurück, oder eben nicht. Wenn sie starb, war eh alles egal. Aber was wenn sie lebte?
Sie würde Berek sagen müssen, dass sie Lodoz umgebracht hatte. Sie würde die Verantwortung auf sich nehmen müssen, die Meloraner angegriffen zu haben und sich dann auch noch von ihnen gefangen nehmen zu lassen. Berek würde aus ihr leichter herauskitzeln können, was sie ihnen erzählt hatte, als der Giftmann. Er würde ihr nichts mehr übrig lassen als Qualen.
Sie wollte nicht zu ihm zurück, aber sie konnte auch sonst nirgends hin. Berek war die Stadt, wenn auch nur der kriminelle Teil, in dem sie aber schließlich auch tätig war. Es gab kein Entkommen für sie.
Sie spielte eine Weile mit ihren Gedanken herum, untermalt von dem ständigen Klappern des Geschirrs, ehe sie schließlich zögernd das Wort wieder erhob.
"Giftmann? Ich hab' deinen Namen vergessen. Irgendwas mit J… Jork? Ne. J… Jarku? Jarku! Was für ein scheiß Name. Hört sich an wie ein Gewürz."
Sie rutschte ein bisschen herum, aber nur, damit die Fesseln nicht so schmerzten.
"Jarku, habt ihr echt vor, euch Berek vorzunehmen? Sogar, nachdem ihr wisst, dass er ein Magier ist? Halt, der Weißhaarige ist ja auch einer… oder sowas ähnliches. Kann der Weißhaarige es echt mit ihm aufnehmen? So wirklich?"
Sie druckste auf seine Antwort hin ein wenig herum und war sogar froh, ihn nicht sehen zu müssen.
"Würdest du… äh… hm."
Sie kratzte auf dem Holz herum.
"... Wenn ich dir sage wo er ist und wohin er überlicherweise geht und was für Zaubertricks er beherrscht und wo er seine Männer stationiert hat, wirst du mich dann aus der Stadt schmuggeln? Und wirst du auch seine Männer umbringen? Weil, wenn er schon fällt, muss gleich das ganze Netz mit abbrennen, sonst wird jemand anderes seinen Platz einnehmen und die Bestechungsgelder einstecken und dann fängt alles von vorne an. Würdest du das machen? Aber lass Pria in Ruhe! Versprich mir das, sie hat eine 8-jährige Tochter in Bereks Gewalt, das wär' irgendwie nicht fair."
Pria blickte selbst auf Khil hinab, die wie ein Häufchen Elend auf dem Boden lag. Eigentlich sah sie vielmehr wie eine Leiche aus und der Anblick ging ihr gänzlich gegen den Strich.
"Sie sieht nicht aus wie jemand, der überzeugend lügen kann. Sie hatte mit allem anderen recht, warum hat sie mit der Kiste gelogen und uns damit davonkommen lassen?"
Sie starrte zurück auf die Truhe und ergriff sie erneut, während sie Bereks Überlegung überdachte. Sie suchte die Kiste nach irgendwelchen Fallen ab, aber auch das war natürlich sinnlos. Sie sah nur auf, als er nach einer Zigarette verlangte, die sie selbst nicht mehr hatte. Sie musterte für einen Moment sein Gesicht, um nach Anzeichen zu suchen, dass das Fass gleich am Überlaufen war, aber er hatte sich mit Khil wohl ein wenig abgekühlt. Also widmete sie sich kurz wieder der Truhe, ehe sie wieder abließ.
"Du bist der Experte mit Waffen, wie viel werden sie wert sein?"
Sie ergriff das Langschwert und musterte die Klinge. Sie wirkte hochwertig auf ihr ungeübtes Auge, aber darin konnte sie sich auch täuschen.
"Lass uns die Sachen zum Markt bringen und gleich rausfinden, wo El und Lodoz stecken. Vielleicht existiert das Kryss ja wirklich und sie haben es nur irgendwo in Sicherheit verstaut - in einem Lagerhaus oder sowas. Du könntest deine Fühler nach sowas ausstrecken."
"He, was machst du da?!"
Sie zuckte vor seiner Grobheit zurück, die das ununterbrochene Brennen in ihrem Arm nur verschlimmerte, und unternahm einen erneuten Versuch sich zu befreien. Da ging er auch schon wieder weg. Sie hörte es hinter sich plätschern.
"Was machst du da?! Warn mich wenigstens vor, wenn du mir wieder irgendwas spritzen willst!!"
Ihre Meinung darüber, sich doch wieder lieber vergiften zu lassen anstatt herumzugammeln, änderte sie schlagartig in Aussicht seines vorherigen Giftes. Entsprechend nervös wurde sie, als er wieder neben ihr auftauchte.
"Was ist das?!"
Anstatt einer Antwort, tröpfelte er ihr den Inhalt auf den Arm und vor Überraschung hätte Elraya beinahe aufgestöhnt. Der Schmerz zog langsam dahin, bis schließlich überhaupt nichts mehr davon übrig blieb, als die bloße Erinnerung.
Sie sah mit zusammengekniffenen Augen zu ihm auf. Man könnte meinen, dass sie mittlerweile diejenige war, die den Giftmann folterte und nicht andersrum. Könnte sie das zu ihrem Vorteil nutzen? Vermutlich nicht. Zum Schluss würde er sie auch noch knebeln.
"Siehst du, wie viel du schon durch mich weißt?! Ich war dir also doch hilfreich, gib' es zu! Das waren mindestens… drei hilfreiche Details soweit! Wie viel willst du denn noch wissen?!"
Da ging er zu ihrer Empörung schon wieder zu seinem Tisch zurück.
"Du verfluchter Dreckskerl! Du Bastard! Du hässliche Hure! Lass mich sofort gehen!!"
Sie zappelte auf und mit ihrem Stuhl.
"... Bitte?!"
Er kam nicht zurück. Schließlich fluchte sie vor sich hin und versuchte die Fesseln an ihrer Brust zu erreichen, um sie durchzubeißen. Sie versuchte es etwa zwei Minuten lang, dann gab sie es auf und wurde schließlich still.
Das Klappern seiner Schalen nervte sie. Es nervte sie nicht sehen zu können, was er tat. Es nervte sie, Lodoz' Leichnam aus dem Augenwinkeln zu sehen und ihr eigenes Blut zu riechen. Es nervte sie, wie ihr die Fesseln ins Fleisch schnitten. Es nervte sie, dass es bis auf die Tür keinen anderen Ausgang mehr gab, auch wenn sie frei gewesen wäre. Es nervte sie, so untätig zu sein. Es nervte sie, dass sie noch nichtmal mit ihrer Waffe spielen konnte.
Nach einer Weile fauchte sie:
"Hör auf mit diesem Lärm!!"
Aber er hörte nicht auf. Also versuchte sie ihn zu ignorieren.
Was waren die Chancen, dass sie lebend zurückkehrte? 50/50 schätzte sie mal: Entweder sie kam lebend zurück, oder eben nicht. Wenn sie starb, war eh alles egal. Aber was wenn sie lebte?
Sie würde Berek sagen müssen, dass sie Lodoz umgebracht hatte. Sie würde die Verantwortung auf sich nehmen müssen, die Meloraner angegriffen zu haben und sich dann auch noch von ihnen gefangen nehmen zu lassen. Berek würde aus ihr leichter herauskitzeln können, was sie ihnen erzählt hatte, als der Giftmann. Er würde ihr nichts mehr übrig lassen als Qualen.
Sie wollte nicht zu ihm zurück, aber sie konnte auch sonst nirgends hin. Berek war die Stadt, wenn auch nur der kriminelle Teil, in dem sie aber schließlich auch tätig war. Es gab kein Entkommen für sie.
Sie spielte eine Weile mit ihren Gedanken herum, untermalt von dem ständigen Klappern des Geschirrs, ehe sie schließlich zögernd das Wort wieder erhob.
"Giftmann? Ich hab' deinen Namen vergessen. Irgendwas mit J… Jork? Ne. J… Jarku? Jarku! Was für ein scheiß Name. Hört sich an wie ein Gewürz."
Sie rutschte ein bisschen herum, aber nur, damit die Fesseln nicht so schmerzten.
"Jarku, habt ihr echt vor, euch Berek vorzunehmen? Sogar, nachdem ihr wisst, dass er ein Magier ist? Halt, der Weißhaarige ist ja auch einer… oder sowas ähnliches. Kann der Weißhaarige es echt mit ihm aufnehmen? So wirklich?"
Sie druckste auf seine Antwort hin ein wenig herum und war sogar froh, ihn nicht sehen zu müssen.
"Würdest du… äh… hm."
Sie kratzte auf dem Holz herum.
"... Wenn ich dir sage wo er ist und wohin er überlicherweise geht und was für Zaubertricks er beherrscht und wo er seine Männer stationiert hat, wirst du mich dann aus der Stadt schmuggeln? Und wirst du auch seine Männer umbringen? Weil, wenn er schon fällt, muss gleich das ganze Netz mit abbrennen, sonst wird jemand anderes seinen Platz einnehmen und die Bestechungsgelder einstecken und dann fängt alles von vorne an. Würdest du das machen? Aber lass Pria in Ruhe! Versprich mir das, sie hat eine 8-jährige Tochter in Bereks Gewalt, das wär' irgendwie nicht fair."
Pria blickte selbst auf Khil hinab, die wie ein Häufchen Elend auf dem Boden lag. Eigentlich sah sie vielmehr wie eine Leiche aus und der Anblick ging ihr gänzlich gegen den Strich.
"Sie sieht nicht aus wie jemand, der überzeugend lügen kann. Sie hatte mit allem anderen recht, warum hat sie mit der Kiste gelogen und uns damit davonkommen lassen?"
Sie starrte zurück auf die Truhe und ergriff sie erneut, während sie Bereks Überlegung überdachte. Sie suchte die Kiste nach irgendwelchen Fallen ab, aber auch das war natürlich sinnlos. Sie sah nur auf, als er nach einer Zigarette verlangte, die sie selbst nicht mehr hatte. Sie musterte für einen Moment sein Gesicht, um nach Anzeichen zu suchen, dass das Fass gleich am Überlaufen war, aber er hatte sich mit Khil wohl ein wenig abgekühlt. Also widmete sie sich kurz wieder der Truhe, ehe sie wieder abließ.
"Du bist der Experte mit Waffen, wie viel werden sie wert sein?"
Sie ergriff das Langschwert und musterte die Klinge. Sie wirkte hochwertig auf ihr ungeübtes Auge, aber darin konnte sie sich auch täuschen.
"Lass uns die Sachen zum Markt bringen und gleich rausfinden, wo El und Lodoz stecken. Vielleicht existiert das Kryss ja wirklich und sie haben es nur irgendwo in Sicherheit verstaut - in einem Lagerhaus oder sowas. Du könntest deine Fühler nach sowas ausstrecken."

