[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

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    • Aradans Bewegungen waren entgegen seiner Kampfhaltung vorhersehbarer. Er musste versuchen an Reneras Stab vorbei zu kommen, mit dem sie ihn wiederum auf Abstand halten musste, wenn sie seinen Fäusten entgehen wollte. Er musste herankommen und sie musste ihn wegschieben, das war das primäre Ziel beider.
      Aradan hatte dabei den Vorteil, dass er stärker war. Wenn er nur schnell genug war, könnte er sich hinter ihre Abwehrlinie bewegen und sie dann mit einem einzigen gezielten Schlag in Bedrängnis bringen. Im Gegenzug hatte Renera den Vorteil ihrer wirbelnden Waffe, von der er sich nicht treffen lassen wollte. Gegen eine Rüstung hätte dieser Stab wohl keinen Effekt gehabt, aber sie waren ohne Rüstung angetreten und damit hatten sich auch die Stärken und Schwächen mit verändert.
      Aradan entschloss sich gleich ihr Zögern zu nutzen und in die Offensive zu verfallen. Er sprang auf sie zu, entglitt in der selben Bewegung ihrem Konterschlag und bedrängte sie sogleich mit der verkürzten Distanz. Dieses Manöver zeigte ihr, dass er sich über seine Schwächen genauso bewusst war wie sie - damit konnte sie nicht darauf hoffen, einen Überraschungshieb zu landen. Das war umso besser.
      Er verfiel in eine Reihe tief gelegener Schläge, vor denen Renera auszuweichen versuchte. Sie gab die anfängliche Gipfelhaltung zum Verlust ihrer Standhaftigkeit auf, verfiel in die Wasserhaltung und versuchte damit, seinen Fäusten auszuweichen und ihn gleichzeitig mit dem Stab zu lenken. Allerdings war die Wasserhaltung für keine harten Angriffe geeignet, die sie hätte durchführen müssen, um ihn zu bedrängen und so ließ sie sich für den Moment weiter zurückdrängen, lauschte dem Rhythmus seiner Schritte und stimmte sich auf seinen Takt ein. Es war ein abrupter Rhythmus, der kaum Platz für Einschübe bot. Aber eben nur kaum.
      Als sie glaubte, dass der Zeitpunkt gekommen war, hob sie den Stab in einer weiten Geste an, um seinen nächsten Schlag vermeintlich zu unterbrechen, drehte sie dann allerdings weiter auf die andere Seite und schlug nach seinen Beinen. Sie riskierte seinen eintreffenden Schlag, den ihr Stab gar nicht hätte blocken können, um ihn auf ihre rechte Seite zu lenken. Wenn sie es nur schaffte, dass er einen Ausfallschritt machte, könnte sie die Führung wieder übernehmen indem sie nachrückte, erst seine Schulter und dann seine Hüfte malträtierte, um ihn zu einem Rückzug zu drängen. Blieb er doch weiter in ihrer unmittelbaren Reichweite, würde sie ihn eben weiter dazu bringen sich von ihr wegzubewegen und damit ständig seine Seite für ihre Angriffe entblößt zu halten.

      Die Aussicht auf die Durchführung ihres Plans belebte wieder die Geister der Gruppe und Elraya wirkte fast fröhlich, als sie aufstand und sich in ihrer krummen Haltung zum Ausgang quälte. Ihr Bruder zog ihr bald nach und erlöste den Raum endlich von seiner grimmigen Stimmung.
      Pria entpackte eine der goldenen Zigaretten, entzündete sie und beobachtete Berek hinter dem Qualm hervor. Sie kippelte wieder entspannt und auch Berek wirkte ein wenig gelöster als noch vorhin.
      "Also sowas wie ein Lehrling, wie? Wer bei uns in die Lehre gehen will, muss doch da oben nicht ganz frisch sein."
      Und genau so stellte es sich auch heraus.
      Khil wirkte auf Pria wie ein erwachsenes Kind, das noch nicht gänzlich die Weiten der Welt begriffen hatte. Sie hatte unheimlich neugierige Augen und einen Blick, mit dem sie wirkte, als wolle sie alles und jeden zu jeder Zeit hinterfragen. Dieses Bild stand im gänzlichen Gegensatz zu ihrer immerzu aufrechten Haltung, als hätte sie einen Stock im Arsch. Pria hätte ihr diesen Stock gerne herausgerissen.
      Pria wirkte dafür auf Khil wie eine heruntergekommene Adelige. Sie hatte ebenmäßige, fast hoheitliche Gesichtszüge, aber einen gelangweilten Blick, so als könnte sie nichts jemals beeindrucken. Die Art, wie sie auf ihrem Stuhl hing, wirkte fast provozierend: Tu doch etwas, damit ich meine Entspannung aufgebe - beeindrucke mich. Aber Khil fürchtete, dass sie sie nicht beeindrucken konnte.
      Sie setzte sich sittsam auf den von Berek angebotenen Stuhl und verschränkte die Hände im Schoß. Prias Augenbraue zuckte bei diesem Anblick, aber sie sagte nichts und nahm nur einen Zug von ihrer Zigarette.
      Und dann erzählte Khil.
      Sie erzählte alles, was sie in der Beobachtung ihrer letzten Tage herausgefunden hatte. Sie erzählte von Aradans Stress, den sie hinter seiner Maske zu erkennen glaubte, von seiner Bedrohung durch das Zwielicht, sie erzählte von Reneras offensichtlicher Abneigung gegenüber Männern, sie erzählte von Valterris Anhängigkeit zu Aradan, von Daikatas Rachedurst, von Jarkus Verbindung zu seinem Bruder, von der Schweigsamkeit der Zwillinge und von dem Spion Reshli, der sich wohl für die andere Seite entschieden hatte. Sie erzählte alles, von dem sie dachte, dass es eine Relevanz haben könnte.
      Pria lauschte ihr so gebannt, dass sie fast vergaß zu rauchen. In ihrem Kopf spielten sich bereits die unterschiedlichsten Szenarien ab, mit denen man jedes einzelne Mitglied ohne den Gebrauch von Gewalt zerstören könnte. Und als Khil geendet und Pria endlich einen tiefen Zug von ihrer Zigarette nahm sah sie, dass es in Berek genauso ratterte.
    • Dieser Kampf verlief schon deutlich schneller ab. Genau so hatte sich Aradan das vorgestellt. Es war bemerkenswert wie gut sich Renera trotz einer wohl ziemlich schmerzenden Wunde so bewegen und seinen Angriffe bisher ausweichen konnte. Es war immer etwas ganz besonderes mit Leuten zu trainieren die mithalten konnten, so kam es einfach immer zu einer wortlosen Konversation in Kombination mit Gefühlen. In diesem Fall war Aradan der Meinung immer mal wieder ein Lächeln bei Renera gesehen zu haben. Ihm war bewusst dass es nun einen Fehltritt entfernt war diesen Stab zu spüren. Sollte er etwas wilder Kämpfen? Dabei könnte er sie aber zu sehr verletzen. Nein. Präzision war gerade deutlich wichtiger als der Sieg. Und genau in diesem Moment sah Aradan eine Lücke. Dort hätte sie ihn nicht entfliehen können und auch der Stab wäre zur Verteidigung nicht schnell genug an der Seite gewesen. In dieser Erkenntnis legte Aradan die Kraft in sein Bein um die Distanz genug zu verringern. Direkt folgte sein Schlag an Renera's Seite, doch kaum bevor er seinen Schlag landen würde, bremste er diesen unbewusst wieder stark ab so dass sie den Schlag vermutlich grade mal als Berührung wahrgenommen hat. Es war als würde sich sein Körper selbst davor wehren ihr noch mehr Leid zuzufügen. Doch noch bevor er überhaupt darüber nachdenken konnte, was sein nächster Zug wäre, übernahm Renera geschickt. Das war ganz klar das Aus für einen Schmerzfreien Körper. Ihr gelang es genug Abstand aufzubauen dass er nicht mal mit einem ausgestreckten Seitentritt hätte treffen können.
      Direkt wechselte er in eine klare Abwehr über und wehrte die folgenden Hiebe des Stab's so lange ab wie er konnte. Dabei gelang es ihm leider nicht mehr die Führung zu erhaschen da die Schmerzen schnell zu groß wurden um noch eine kleine Öffnung sehen zu können.
      Nach gut und gerne 20-30 abgewehrten Hieben, welche er mit seine Armen und Beinen ausübte und sich anfühlten wie 2-300 Hiebe, sprang er einen großen Schritt zurück und lies sich anschließend auf den Rücken plumpsen und rieb sich die Unterarme
      "Okay ich glaub das wars. Mensch du triffst aber auch jedes mal exakt die selbe Stelle... Die Armee hat dich ganz klar nicht schlechter gemacht. Fantastische Abwehr"
      schnaufte er erledigt und blieb einfach liegen.


      Nach Khil's ausführlichen Informationen, gab es tatsächlich eine unglaublich große Vielzahl an Möglichkeiten wie man diese Truppe in eine Aufruhe verwickeln konnte. Ob der Einfall mit dem Marktplatz, dem Bordell oder die verruchte Raufbold Kneipe. Es schien beinahe zu leicht.
      Berek verfiel wohl genau so ins Grübeln wie Pria, bis er nach einer Weile auf sah und ihr zu nickte
      "Und? Was denkst du? Ich würde beinahe sagen dass wir die Kneipe und das Bordell nicht ausschließen sollten. Dieser Jarku ist dem Glücksspiel geneigt, also wäre eine ordentliche Rauferei in der Kneipe beinahe ein Selbstläufer. Die spielen da ständig mit Würfeln um ihre Rechnung nem anderen aufzuladen. Genau so sehe ich sein Bruder leicht für das weibliche Geschlecht zu gewinnen. Wenn die immerzu unterwegs sind, wird er sicher auf eine nette Frau anspringen die ihm Honig ums Maul schmiert. Damit könnten wir den auch für eine Weile aus dem Verkehr ziehen."
      Kurz sah er Khil an
      "Dieser Spion kann sich ohnehin nicht bewegen richtig?"
      Als er die Bestätigung bekam, sah er wieder zu Pria
      "Gut dann juckt es mich nicht wenn der drauf geht. Spione die nicht unter meinem Befehl stehen, kann ich ohnehin nicht gebrauchen. Nur wie kriegen wir diesen Valteri und Daikata aus dem Spiel? Ich kann mir nicht vorstellen dass man sie mit daher gekommenen Gerüchten aus der Deckung ziehen kann. Einfach zu behaupten dass einer der Leute in der Stadt ist, welcher mit Daikata's Rachedurst zu tun hat, wäre mir ein zu großes Risiko."
      Doch dann fielen ihm auch noch Renera und Aradan ein, was ihn seufzen und sich selbst auf einen Stuhl setzen lies.
      "Ach und die beiden aus Melora ja auch noch. Ne Menge Stress hm? Ich kenne keinen Ort in der Stadt wo so einer Stress abbauen kann. Vielleicht in einer Kaserne? Die haben doch alle Übungsplätze wo eh kaum einer trainiert. Könnte er sich zu so nem Ort hingezogen fühlen Khil?"
    • Eine gute halbe Stunde trainierten sie, ehe Aradan sie beide aus ihrer Erschöpfung erlöste und den Rückzug antrat. Renera hätte ihm dafür glatt danken können; ihr Arm pochte von der Anstrengung dumpf und der feine Schweißfilm, der sich ihr über die Haut gelegt hatte, juckte unter dem Verband. Sie würde ihn wechseln müssen, aber andererseits wollte sie sowieso einen Arzt aufsuchen, also konnte er das auch gleich erledigen.
      Das Training war ergiebiger gewesen, als sie mit Khil gewohnt war. Aradan hatte das richtige Gespür für das Gefecht und wenn sie beide mit ihren gewohnten Waffen angetreten wären, wäre er eine äußerst ernstzunehmende Bedrohung gewesen. Es war fast schon eine erfrischende Abwechslung zu ihren üblichen Gefechten, die sie schließlich meist mit ihren eigenen Schülern bestritt. Wahrscheinlich konnte sie von Aradan noch die ein oder andere Sache lernen, ohne sich dafür von ihm extra unterrichten zu lassen.
      Sie nahm den Stock in ihren gesunden Arm und schlenderte zu Aradan hinüber, der sich rücklings in den Sand fallen gelassen hatte. Der Anblick erinnerte sie an die gestrige Nacht, was sie zum Schmunzeln brachte, als sie sich über ihn beugte.
      "Und du warst ungefähr so standhaft wie ein Felsen. Ich dachte schon, dass du mich den ganzen Tag abwehren würdest, dann hätte ich aber alt ausgesehen."
      Sie verfiel in ein Lächeln, ehe ihr Blick über seinen Körper huschte.
      "Habe ich dir weh getan?"
      Aber Aradan ging es gut. Hätten sie nicht ein so intimes Gespräch wie am Vortag geführt, hätte sie geglaubt, dass es nichts auf der Welt geben könnte, das ihn jemals niederringen könnte. Im Vergleich zu dem, was er ihr erzählt hatte, wirkten ein paar blaue Flecke auf sie tatsächlich nicht mehr sehr besorgniserregend.
      "Deine Haare werden noch ganz staubig, wenn du hier weiter rumliegst. Was hälst du von einem Abstecher ins Badehaus? Und auf dem Rückweg holen wir uns auf dem Markt was zu essen."
      Es war ein befreiendes Gefühl, sich für den Moment nur darum zu kümmern, was sie mit ihrer freien Zeit anfangen sollten, anstatt ständig einen Blick auf seine Umgebung behalten zu müssen. Sie sollten es womöglich auskosten, solange sie noch konnten.
      Sie bot Aradan ihren gesunden Arm an.

      Pria nickte zustimmend auf Bereks Aussage und blies den Rauch an ihrem Körper entlang. Khil richtete ihren Blick darauf und beobachtete für den Moment, wie sich die Rauchschwaden um Prias Unterarme wickelten.
      "Kiliak bringen wir im Bordell unter, Jarku in der Kneipe. Da können wir sie den ganzen Abend festhalten, wenn nicht sogar länger. Gar kein Problem."
      Vielleicht konnte Pria sich von der Besitzerin des Bordells ja sogar eine Vergünstigung ausschreiben lassen, nachdem sie ihr schließlich solch willige Kundschaft bescherte. Und wenn nicht machte es zumindest einen guten Eindruck.
      "Den beiden Männern muss auch irgendwann mal langweilig sein. Daikata lässt sich vielleicht zum Alchemisten locken; wenn er ihn in ein paar seiner "besonderen" Tränke einweiht, lässt er sich vielleicht in eine Unterhaltung verstricken. Damit könnte er eine Stunde weg sein, wenn der Alchemist gut schwatzen kann. Und der Nordmann? Ich glaube das Bordell hat keine nordischen Frauen. Man könnte versuchen ihn zu vergiften, ein bisschen nur in das Essen und selbst so ein Riese wie er wird für drei Stunden wie ausgeknockt sein. Die Wachen beim Eisernen Keiler sind bestechlich, die Wirtin ist unglaublich dumm und wenn du einen deiner Jungen zum Aushelfen reinschickst, kann er ihm was ins Essen stecken."
      Sie zog ausgiebig an ihrer Zigarette. Berek seufzte und setzte sich auf seinen Stuhl, ein Geräusch, das sie die Augen zusammenkneifen ließ. Berek war kein sonderlicher Mensch für Gefühle und ein Geräusch wie dieses kam in etwa so häufig vor, wie Pria freiwillig im Unterschlupf schlief - also so gut wie gar nicht. Sie beobachtete ihn aus zusammengekniffenen Augen, rauchte und blies den Rauch in seine Richtung.
      Khil sah sich zu Berek um, wobei sie ihren ganzen Kopf zu ihm wandte. Pria schnaubte leise.
      "Das könnte er. Er könnte auch eine Kneipe aufsuchen, aber ich bezweifle, dass Aradan sich gerne in fragwürdigen Spelunken aufhält. Renera würde ganz sicher den Übungsplatz bevorzugen, vielleicht begleitet er sie ja dorthin."
      Der Gedanke an sie beide zusammen verursachte noch immer eine dunkle Wut in ihr, die unter ihrer Oberfläche brodelte. Hauptsächlich war es Wut auf sich selbst, dass sie es nicht eher erkannt hatte.
      Sie sah wieder Pria beim rauchen zu, dessen Blick sie ein zweites Mal streifte. Sie zog die goldene Zigarette zwischen ihren Lippen heraus - sie hatte äußerst gesunde, geschwungene Lippen, auf die Khil für einen Moment starrte - ehe sie ihr die Zigarette hinhielt.
      "Willst du?"
      "Ja."
      Sie griff danach, als Pria die Zigarette mit einem Schnipsen ihrer Finger um die eigene Achse drehte und das glühende Ende gegen Khils ausgestreckte Finger presste. Sie zuckte zusammen, zog die Hand schlagartig wieder zurück und verzog das Gesicht. Da grinste Pria, steckte sich die Zigarette wieder zwischen die Lippen und sah wieder auf Berek. Sie könnte Gefallen daran finden Khil zu ärgern, allerdings wollte sie in diesem Moment eher nach weiteren Anzeichen von Schwäche in Berek Ausschau halten.
      "Vielleicht findet El ja irgendwas hilfreiches raus. Irgendeine Angewohnheit oder sowas. Sie sind in einer Stadt voller Menschen, da werden sie sich doch wohl kaum den ganzen Tag auf ihren Zimmern verkriechen."
    • "Standhaft wie ein Felsen? Machst du Witze?"
      Aradan rieb sich anschließend noch die Kniescheiben ehe er die Hand von Renera annahm, sich aber nicht zu sehr auf ihre Kraft verließ um sich aufhelfen zu lassen, sie hatte schon mit ihrem eigenen Körper genug auszuhalten.
      Ein paar mal sprang er auf der Stelle um den groben Schmutz von sich zu bekommen. Seine Haare befreite er dann mit einem wilden wuseln vom Sand ehe er mit seinem Finger mahnend vor Renera wedelte.
      "Nix da. Bevor wir irgendetwas machen, werden wir deinen Arm fachgerecht untersuchen lassen. Ich weiß genau wie unangenehm so ein Verband sein kann wenn mann schwitzt."
      Dann sah er sich kurz um ob irgendwer die Zwei beobachten würde, als das nicht der Fall war, zog er Renera an ihrem Gürtel zu sich und sah an ihren wohl geformten Körper hinunter.
      "Danach ist sicher auch noch zeit für ein Badehaus"
      Er sagte es nicht offen, sprach aber umso mehr mit den Augen wie sehr er sich schon wieder nach ihrer Nähe verzehrte. Dank Renera würde er noch seine Disziplin im Leben vernachlässigen. Anniera würde ihn gewiss jetzt schon nicht mehr wieder erkennen.
      Das was beide nun aber ablenken dürfte, war ein aufkommender kleiner Rauch genau neben ihnen.
      "Hm? Was ist das denn?"
      Meinte Aradan und legte direkt einen Arm schützend um Renera.
      "Wir haben doch gar keinen Staub aufgewirbelt oder?"
      Dann spürte Aradan sofort wie ihm schwindelig wurde und augenblicklich schielt er von Verlangen und Fürsorge auf Achtsamkeit und Schutz um. Unmittelbar riss er Renera hoch und rannte vom Rauch weg, welcher sich beinahe gänzlich um beide gelegt hatte. Doch war es schon genug um nach einem schnellen Sprint dafür zu sorgen, dass Aradan stolperte und drohte mit Renera voraus auf dem Boden zu landen, was für ihn absolut unverzeihlich wäre, so nutzte er all seine Kraft um Renera mitten im Fall über sich zu drehen damit sie weich auf ihm landen würde. Dabei kam er so unglücklich auf seinem Rücken auf dass er schmerz verzehrt die Zähne zusammen biss.

      "Ohoho. Der ist ja tatsächlich nen ganz flotter. Hat wohl nicht übertrieben huh?"
      Es war Lodoz. Er ignorierte den Befehl von Berek zur hälfte. Er konnte sich einfach nicht nehmen lassen ausgelaugte und abgelenkte Ziele mit einem Rauchball zu bewerfen welcher mit stark lähmenden Giften versetzt war. Ein tiefer Zug von diesem Rauch und man wäre für eine halbe Stunde nicht in der Lage gewesen einen Schritt nach dem anderen zu machen.
      Direkt im Schlepptau hatte er Elraya, welche den Rauchball präzise geworfen hatte.
      "Na dann wollen wir doch mal sehen was Berek sagt wenn wir seine ach so gefürchteten Melora Menschen bezwingen. Nicht wahr Schwesterchen?"
      Da legte er seinen verdeckenden Umhang ab und zückte zwei Dolche, bereit für einen Kampf.
    • Renera half Aradan auf, ehe er ihren Vorschlag mit dem Badehaus verwarf und sie kurz darauf an sich zog. Sie hätte sich für einen Moment gern darüber lustig gemacht, dass er zwar so tat nicht ins Badehaus zu wollen, aber sein Körper ganz eindeutig das Gegenteil sprach, als sein Blick sie diesen Gedanken gleich wieder vergessen ließ. Sie grinste und legte ihm einladend die Arme um den Hals. Der Tag war wahrhaftig perfekt.
      "Da bin ich mir ganz sicher."
      Sie war schon dabei, sich zu einem Kuss zu ihm hinauf zu recken, als ein aufkommender Rauchball neben ihnen sie beide in der Bewegung verharren ließ. Renera runzelte kritisch die Stirn und verkniff sich sogar einen neckischen Kommentar über Aradans noch immer ausgeprägten Beschützerinstinkt. Da war tatsächlich etwas unnatürlich an der Rauchschwade und sie spürte, wie ihr eigener Überlebensinstinkt anschlug. Dann merkte sie auch schon, dass ihr schwindelig wurde.
      Aradan reagierte schneller als sie, wobei sie sich für einen Moment nicht sicher war, ob er schneller weglief oder sie schneller hochriss. Plötzlich hatte sie keinen Boden mehr unter den Füßen und krallte sich im nächsten Augenblick schon an ihn, während er eine halsbrecherische Flucht vor dem so unscheinbar wirkendem Rauch anschlug, der sich langsam über den Platz verteilte. Zum Glück war sowieso nicht viel los.
      Er strauchelte schon nach wenigen Schritten und Renera zuckte zusammen in der Erwartung, dass er sie beide zu Boden befördern würde, als er sich in einem erstaunlich geschicktem Manöver in der Luft drehte und sie mit seinem eigenen Körper abfederte. Hatte sie vor ihrem Training tatsächlich noch seine Geschicklichkeit angezweifelt? In Anbetracht seiner haarscharfen Drehung, die außerdem noch in der Luft passiert war, kam ihr das geradezu lächerlich vor.
      Sie kam schwer auf ihm auf und erhaschte einen Blick auf seinen malmenden Kiefer. Sie waren nicht mehr so jung wie damals, solche Manöver sollten sie für den Kampf vorbehalten. War es überhaupt ein Kampf? Renera wusste es noch immer nicht. Ihr Instinkt schlug sämtliche Alarmglocken und sie war unfähig einen Satz herauszubringen, ohne dadurch die Konzentration zu stören, mit der sie sich gerade auf dem Platz umsah. Kampf oder nicht? Was war los?

      Elraya zückte bereits ihren nächsten Rauchball. Sie krümmte sich noch immer vor Schmerzen, aber ein Angebot ihres Bruders darüber ein paar Leute zu töten und dabei noch Berek in absolute Rage zu versetzen, konnte sie selbst halbtot nicht ausschlagen. Sie grinste diebisch, allerdings warf sie ihm auch einen genervten Seitenblick zu.
      "Bist du etwa immernoch sauer deswegen?! Du bist so unglaublich nachtragend!"
      Allerdings lenkte sie das kleine Schauspiel vor sich ab. Die beiden Meloraner waren auf den Boden gefallen - besser hätte es wohl kaum kommen können. Sie holte weit aus, warf ein zweites Mal und zückte dann ihre Wurfmesser, während sie versuchte mit Lodoz Schritt zu halten.

      Der Rauchball war in etwa so groß wie ein Specht und im Himmel kaum sichtbar. Renera sah ihn auch nicht, sie hatte ihren Blick auf den Platz gerichtet, allerdings hörte sie auf ihren Instinkt, der sie zur Eile drängte. Sie rollte sich von Aradan herab, kam auf die Füße und riss ihn gleich mit sich - nun war keine Zeit für irgendeine Rücksicht. Er verstand ihr Drängen, ließ sich halb von ihr hochziehen und kämpfte sich halb selbst hoch.
      Die Kugel schlug neben seinen Füßen auf und der Rauch trat sofort aus. Sie hielten beide den Atem an, sprangen vor ihr weg und nahmen in die andere Richtung reißaus, als Renera ein Wurfmesser auf sich zufliegen sah. Sie erkannte es nur, weil es sich ein wenig drehte und für einen Moment das Licht reflektierte. Dennoch war die Geschwindigkeit tödlich schnell.
      Sie warf sich zur Seite und spürte, wie das Messer an ihrer Wange vorbeizischte. Hoffentlich war Aradan nicht hinter ihr gelaufen. Sie spürte den Schmerz nur kurz, als sie die beiden Gestalten entdeckte, eine groß und bullig, die andere kleiner und gedrungener. Sie kamen beide in einem wahnsinnigen Tempo auf sie zugeschossen, bei dem keine Zeit mehr für große Überlegungen blieb. Renera hechtete sich zu dem Kampfstab auf dem Boden und nahm die Felshaltung ein. Die Übungswaffe war wohl kaum für einen richtigen Kampf geeignet, aber sie hätte die beiden eh nicht verletzen können, ohne den Kampf augenblicklich zu verlieren.

      Elraya zischte verärgert, als ihr Wurfmesser daneben ging, allerdings gewann der Mann dafür ihre Aufmerksamkeit - wie hieß er noch gleich? Auch egal. Sie mochte sein weißes Haar, es wirkte so exotisch auf sie, und außerdem hatte er beachtliche Muskeln, mit denen er zwar rau, aber nicht so grobschlächtig wirkte wie Lodoz. Sie grinste wieder ein bisschen und wechselte auf ihren eigenen Dolch.
      "Der Mann gehört mir, Bruder!"
      Dann prallten die vier aufeinander.
      Elraya spürte den Schmerz an ihrer Seite schon gar nicht mehr, sie hatte nur Augen für ihren Gegenüber. Er wirkte noch immer verstört über diesen plötzlichen Überfall und das versuchte sie schonungslos auszunutzen, indem sie mit ihrem Dolch ganz unverblühmt auf seine Brust einstach und dann versuchte ihn an den Oberarmen zu erwischen. Wenn sie nur schnell genug war - und Elraya wurde immer von allen um ihr Tempo beneidet - konnte sie ihm ein paar oberflächliche Schnitte zufügen und dann würde er vor Blutverlust bald schon zu geschwächt sein, um sich noch wehren zu können. Perfekt.
    • Was passierte denn bitte in diesem Moment? Aradan wusste gar nicht wie ihm geschah als er sich auf dem Boden wieder fand und zugleich in dieser Eile an Renera orientierte, welche beide sofort in die nächste Sicherheit bringen wollte, doch ließ Renera ihn nicht nur plötzlich wieder los, sondern verteidigte sie sich auch noch gegen einen anfliegenden Dolch? Okay. Aradan war sich darüber im klaren nun keinen Gedanken mehr zu fassen. Von nun an galt es seine über alles geliebte zu schützen. Komme was da wolle. So wandte er sich sofort an das Zwielicht und dessen magische Ströme, was seine Augen sofort weiß färbte und ihn klar durch den Rauch blicken lies, der sich auch an dieser Stelle zu formen schien.
      Seine Entscheidung kam dabei keine Sekunde zu früh, denn sah er eine Frau schon auf ihn zu hechten, blutrünstig und mit einem im Sonnenlicht glänzenden Dolch, welcher auf seinem Brustkorb gerichtet war.
      Er sog genug Energie aus dem Zwielicht um seine Schmerzen vergessen zu lassen und den ersten paar wilden Stechattacken auszuweichen, doch wurde diese geschorene Frau einfach immer wilder mit ihren Angriffen. So blieb Aradan einfach nichts anderes übrig als in Kauf zu nehmen bald verletzt zu werden. Warum also nicht sofort? Das würde die Frau sicher überraschen. Also richtete er seine Hand genau ihrem Dolch entgegen, welcher diese genau in der Mitte durchbohrte, doch statt vor Schmerzen aufzuschreien, packte Aradan zu. Er hinderte die Angreiferin damit ihren Dolch zu einem nächsten Angriff ausholen zu lassen und sah ihr dabei finster und entschlossen entgegen ehe er diese mit seiner unverletzten Hand am Kragen packte und mit voller Kraft zu sich hinunter zog während er seinen Kopf ihren entgegen stieß um ihr eine heftige Kopfnuss zu verpassen. Dabei hatte er beinahe etwas übertrieben, da ihm selbst davon etwas duselig wurde. Für Schwäche war nun aber keine Zeit also verpasste er der Frau einen Tritt, was mehr zu einem weg schleudern wurde, da diese nach dem Kopfstoß von sich aus schon etwas Abstand zwischen den Beiden lies.
      Sofort als Aradan merkte nun etwas Zeit zu haben, stand er auf, so wie es sein wankender Körper, dem Rauch nach, zuließ und hielt seine Hand in Renera's Richtung. Er wusste genau wie schwer es ihm jetzt schon fiel nach dieser Dosis zu stehen, doch war er in dieser Lage ohnehin kaum noch eine effektive Hilfe, also nutzte er seine Fähigkeiten um den Rauch um Renera herum zu sich zu ziehen. Es verlangte all seine Konzentration doch riss er dabei all den Rauch in sich hinein ehe es ihn übermannte. Kaum hatte Renera wieder frische Luft vor sich, fiel er wie ein Klotz vollkommen paralysiert auf den Boden.


      Lodoz selbst hörte auf seine Schwester nach ihrem üblichen Gewäsch. Er hätte sich zwar am liebsten um beide Personen gekümmert, doch war es auch gar nicht mal übel Berek später aufzeigen zu können dass er nicht nur im Einzelkampf überlegen war, sondern auch noch Elraya gerettet UND die Meloraner Frau bezwungen hat. Sollte die verletzte Elraya also versuchen mit dem Kerl klar zu kommen.
      Und wer weiß. Vielleicht waren Frauen aus Melora ja nicht nur im Kampf ein Leckerbissen. Aber das hob er sich für später auf. Vorerst ging es darum diese Frau außer Kraft zu setzen, welche wohl schon ordentlich von dem Rauch eingeatmet haben dürfte, um sich nicht mehr so bewegen zu können wie sie es gewohnt war. Also rannte er irre lachend auf sie zu, verstummte und stoppte dann aber nur als er sah wie der Rauch vollkommen unnatürlich ihre Umgebung verließ. Was war denn nun los? Er spürte keinerlei Wind und doch verzog sich der Rauch so enorm zu ihrem Gunsten?
      Vollkommen egal. Dem übernatürlichem trotzend, sprang er Renera mit beiden Dolchen entgegen. Ihm war dabei vollkommen egal was sie für eine Waffe bei sich trug.
    • Elraya verfiel in einen wahnsinnigen Blutrausch. Sie liebte es ihre Opfer zu bedrängen und sie rasend zu machen, damit sie bloß ihre aufsteigende Panik erkennen konnte. Und natürlich liebte sie das Geld, das dabei heraussprang.
      Der Meloraner ließ sich allerdings nicht so leicht aus der Fassung bringen, wie sie gehofft hatte. Er hatte Schwierigkeiten mit der Heftigkeit ihrer Angriffe mitzuhalten, zumindest konnte sie sehen wie verbissen er sich bewegte, aber ihre Offensive trieb ihn nicht in die Panik. Das war enttäuschend und erweckte einen Frust in ihr, den sie mit noch schnelleren Hieben decken wollte. Und dann gelang ihr der Durchbruch schließlich doch und sie erwischte ihn sehr befriedigend mitten in seiner Hand.
      Allerdings blieb eine Reaktion aus. Elraya hatte auf den Schrei gewartet, schließlich hatte er seine Hand bis zum Griff ihres Dolches durchbohrt, aber er reagierte gar nicht darauf. Das warf sie für den Moment aus der Bahn.
      "?"
      Im nächsten Augenblick packte er schon ihren Dolch und hielt ihn fest. Elraya wollte damit schon ein neues Mal ausholen, aber er hielt ihre Waffe einfach fest, ohne die Miene zu verziehen. Was war er, ein Psychopath? Seine Emotionslosigkeit verstörte sie. Hatte sie etwa nicht gerade seine Hand durchstochen? Sollte er nicht eigentlich heulen vor Schmerz?
      Ihr Zögern ließ sie ihre Verteidigung aufgeben und sie war zu langsam, als er sie packte und zu sich zog. Er erschütterte ihr ganzes Gehirn mit einer gewaltigen Kopfnuss, die ihr für einen Moment die Sinne raubte und zu Boden torkeln ließ. Jetzt flammte auch wieder der Schmerz in ihrer Seite auf, dicht gefolgt von einem Tritt in ihren Magen, bei dem sie sich zusammenkrümmte und fluchte. Was war gerade passiert? Sie hatte doch eigentlich die Oberhand im Kampf gewonnen? Wieso hatte er sich nicht davon beeindrucken lassen?
      Sie rollte sich weg in der Erwartung einer weiteren Attacke, aber die blieb aus und so nahm sie sich einen Moment, um ihre Sinne wieder in den Griff zu kriegen. Eine aufkommende Übelkeit rang sie nieder, das Resultat seines wohl platzierten Tritts.

      Der Rauch lullte sie schneller ein, als Renera ihm ausweichen konnte und sie merkte schon, wie ihre Glieder schwer wurden und sich ihren Befehlen zu widersetzen versuchten. War es das also? Bezwungen von Rauch und nichtmal im Angesicht einer Kreatur? Renera hatte sich noch nie so genau mit ihrem Tod beschäftigt, aber nachdem sie ihn nun kommen sah, fühlte sie sich fast schon enttäuscht. Die ganzen Jahre des Trainings dafür, zusammenzubrechen ehe sie ihre Waffe anhob. Das hörte sich wie ein geschmackloser Witz an.
      Doch dann lichtete sich das Gefühl unvermittelt und der Rauch beschrieb eine Kurve um sie herum - geradewegs auf Aradan zu. Oh, Aradan. Nichtmal wenn sein eigenes Leben auf dem Spiel stand konnte er es sich verkneifen, ihrem eigenen Vorrang zu geben. Darüber würde sie noch ein ernstes Wort mit ihrem sprechen müssen; was sollte sie denn schließlich tun, wenn er nochmal starb? Ihm eine zweite Beerdigung geben? Von der ersten hatte sie schon mehr als genug. Wenn es nach ihr ginge, bräuchte es keine einzige Beerdigung mehr.
      Sie hob den Stab an, ihre Arme nun williger ihr zu gehorchen, ihr Gehirn wieder in seiner vollsten Konzentration. Sie würde dafür sorgen, dass Aradans Opfer nicht umsonst war und dass er lange genug lebte, um sich ihren Tadel über sich ergehen zu lassen.
      Der Mann kam mit einer Wucht auf sie zugedonnert, der sie in ihrer Felsenhaltung kaum standhalten konnte. Sie wechselte in einer fließenden Bewegung in die Federhaltung über, justierte ihre Waffe und wappnete sich für den eintreffenden Angriff. Der Mann trug je einen Dolch in jeder Hand, damit würde er einen ähnlichen Kampfstil benutzen wie sie selbst mit ihren Kurzschwertern - und außerdem ignorierte er den unnatürlichen Ablauf des Rauches vollkommen. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf sie gerichtet, damit ging die Möglichkeit verloren, ihn anderweitig abzulenken. Allerdings hatte sie in den wenigen Sekunden, in denen sie ihn analysiert hatte, schon genug erfahren, um auf eine solche Ablenkung verzichten zu können.
      Seine eintreffenden Schläge lenkte sie seitwärts ab. Sie fühlte sich durch das Training mit Aradan sicher genug mit dem Stab, um ihn unabhängig zu ihrem Körper zu bewegen. Mit dem einen Ende schlug sie seine eine Hand beiseite, während sie gleichzeitig seiner anderen Hand auswich, stets ihre vollste Konzentration auf beide Waffen gerichtet, so wie sie es von sich selbst kannte. Der Mann war unglaublich stark, aber er war nicht ganz so weitsichtig wie Aradan. Renera entdeckte viele Lücken in seiner Haltung, die sie mit genug Willenskraft hätte ausnutzen können, aber darauf legte sie es gar nicht an. Solange sie ihn glauben ließ, dass sie ihm überlegen war, musste sie ihn nicht verletzen.
      Sie wagte einen Hieb nach seinen Beinen. Wenn sie ihn zu Boden beförderte, musste er mindestens eine seiner Waffen aufgeben, um sich abzufangen. Dann konnte sie nachrücken, ihn vollständig entwaffnen und eine Antwort verlangen, wer er war und was er von ihnen wollte. Sobald er fiel, hätte sie gewonnen.

      Elraya kämpfte sich ächzend wieder auf die Beine. Der Schwindel ließ nach, genauso wie die Übelkelkeit, allerdings nicht ihr Schmerz. Sie hielt sich die Seite und fluchte.
      Der Meloraner war umgefallen wie ein gefällter Baum und lag stocksteif im Sand. Lodoz bedrängte die Frau, allerdings hatte er noch nicht geschafft sie zu verletzen. Was für ein Versager.
      Sie humpelte zu dem Mann am Boden, hielt misstrauischen Abstand, falls er sie hereinlegen wollte, und kniete sich dann erst zu ihm auf den Boden. Seine Augen verfolgten sie, aber sein Gesicht zuckte noch nichtmal. Sie starrte ihn böse an.
      "Elendiger Hurensohn. Denkst wohl du bist was besseres, hä? Dabei liegste jetzt im Dreck wie so ein armseliger Köter. Bist wohl doch nicht so toll, was?"
      Sie spuckte auf ihn. Ihre Spucke traf ihn am Hals und floss auf seinen Kragen hinab. Keine Reaktion. Wenigstens etwas funktionierte.
      Sie setzte sich auf ihn und begann seine Taschen zu durchstöbern. Sie fand schnell seinen Goldvorrat und steckte ihn selbst ein, ehe sie ihn anfing nach weiteren Wertsachen abzutasten. Ihre Suche brachte sie schnell auf andere Gedanken, als sie seine Muskeln unter seinem Hemd erfühlte und schließlich auch wie zufällig ihren Weg in seine Hose fand. Sie grinste ihn frech an und rutschte auf ihm ein wenig hin und her.
      "Bist ja doch gar nicht mal so schlecht. Vielleicht bring ich dich erst um, wenn ich mit dir fertig bin."
    • Aradan hatte keinerlei Kontrolle mehr über seine Gliedmaßen, dieser Rauch war etwas, dass er Daikata ganz sicher herstellen lassen würde, falls diese Konfrontation gut ausgehen würde. Aus dem Augenwinkel konnte er zumindest erkennen, dass der Rauch um Renera erfolgreich verschwunden war und sie sich gegen den Kerl wehren konnte. Doch kurz nach seinem prüfenden Blick, spürte er auch schon wie diese Frau ihn angespuckt hatte, was seinen Blick wieder zu ihr richtete. Ganz klar stammte sie hier aus der Stadt, wohl kaum vom Adel und dem Anschein nach auch keine professionelle Auftragsmörderin, geschweige denn Kopfgeldjägerin. Den ersten Hinweis bekam Aradan aber als die Frau seine Habseligkeiten durchsuchte und schnell seinen Geldbeutel an sich selbst übertrug. Diese Frau hatte etwas mächtig fieses an sich, beinahe wie ein wahnsinniger Hund dessen Ketten man gelöst hatte. Was sie dann aber tat, hätte er wohl niemals kommen sehen. Fing sie etwa an seinen Oberkörper zu streicheln? Und was war das für ein gieriger Blick? Wo ihre Hand aber dann hin wanderte, gefiel ihm ganz und gar nicht. Mit jedem Zentimeter in welchem sich ihre Hand näherte, strengte sich Aradan mehr und mehr an, was nach wenigen Sekunden aber nur dazu führte dass er wieder Kontrolle über wenige Muskeln in seinem Gesicht bekam. So brachte er wenigstens ein langsames und heraus gequältes zischen von sich.
      "Was... Wollt ihr?!!"

      Währenddessen ging der Kampf zwischen Renera und Lodoz weiter. Er konnte dabei immer spüren wie jeder seiner Schläge ihre Abwehr nach hinten drängte. Er war klar stärker als sie und würde einen Kampf über längere Zeit ganz klar durchhalten. Beinahe darüber enttäuscht wie hoch die beiden aus Melora angepriesen wurden, hämmerte er weiter auf die Verteidigung der Frau ein, doch plötzlich traf sie ihn beinahe aus dem nichts und sorgte dafür dass er seinen Halt verlor? Wie war denn das auf einmal möglich? Lodoz knurrte und packte im Fall nur seine Dolche umso fester. Hätte er einen davon nicht los gelassen, hätte er sich diesen wohl selber in die Seite gerammt, aber bevor er diesen einfach so los lassen würde, warf er ihn im letzten Moment auf das Bein von Renera zu. Auf der Seite aufkommend, rollte er sich schnell zur Seite weg um einen ihrer Konter zu entgehen, nutzte dabei den Schwung um wieder auf die Beine zu kommen und grinste finster in dem kurzen Augenblick.
      "Mhh.. Wenn ich mit dir fertig bin zeig ich dir was ich mit widerspenstigen Stuten wie dir mache"
      Dann griff er wieder an. Doch bevor auch der erste Hieb landen würde, spuckte Lodoz ihr in Richtung des Gesichts entgegen und zielte daraufhin auf ihren verletzten Arm.
    • Da kam endlich eine Reaktion hervor, als Elraya den Mann in seinem Schritt streichelte. Männer waren doch alle gleich, so unglaublich vorhersehbar, als wären sie aus ein und demselben Holz geschnitzt. Wobei, Lodoz hätte sich ihr wahrscheinlich niemals so ruhig hingegeben - also musste sie noch ein bisschen aushelfen.
      Sie grinste, als sie sich über ihn beugte und ihr Messer aus seiner Hand riss. Der Rauch schien allmählich nachzulassen, aber bei seiner Größe würde sie noch einige Minuten haben; genug, um sich an ihm auszutoben. Sie wischte das Blut des Messers achtlos an seiner Brust ab und hielt ihm die Spitze direkt vors Gesicht.
      "Was wir wollen? Bist du dumm oder was? Wir wollen dein Kryss natürlich. Du hast doch sicherlich etwas davon an deinem Körper versteckt, oder? Sagst du es mir freiwillig oder muss ich danach suchen gehen?"
      Sie verstärkte ihren Griff auf seinen Schritt und drehte gleichzeitig die Klinge vor seinen Augen. Sie hatte sich bereits ziemlich weit auf seinen Augapfel herabgesenkt.
      "Ich bring dich schon noch zum Singen, auf die eine oder andere Weise. Ich habe schon lang nicht mehr Augen ausgestochen, dabei ploppt es immer so schön. Mit welchem soll ich anfangen, deinem linken oder deinem rechten?"
      Sie ließ ihr Messer abwechselnd zwischen seinen Augen umherwandern und beobachtete dabei genüsslich seine Reaktion. Zum Glück hatte sich sein Gesicht schon aus der Starre gelöst, sonst wäre das noch gänzlich langweilig geworden.

      Renera landete ihren Hieb sauber und präzise, genau so, wie sie es geplant hatte, allerdings ließ der Mann seine Waffe nicht einfach so los, er warf sie stattdessen auf Renera zu und verhinderte damit, dass sie ihm nachrückte. Ein strategisch gerissener Zug, den sie nicht vorhergesehen hatte, rein aus purer Unmöglichkeit. Allerdings verfügte der Mann wohl über eine so hohe Präzision, dass der Dolch sie tatsächlich beinahe getroffen hätte, wenn sie sich in ihrer Federhaltung nicht auf die Seite fallen gelassen und ihm damit entgangen wäre. Sie hatte den Fehler begangen ihren Gegner zu unterschätzen, das durfte ihr nicht noch einmal passieren.
      Sie erhaschte einen Blick auf Aradan, während der Mann wieder auf die Beine kam und stellte bestürzt fest, dass die Frau angefangen hatte sich an ihm zu schaffen zu machen. Er lebte noch, zumindest glaubte sie das, allerdings konnte er sich noch immer nicht bewegen und die Frau fuchtelte mit ihrem Messer vor seinem Gesicht herum. Renera musste den Kampf schnell beenden, um ihm zur Hilfe zu kommen - egal wie.
      Sie wandte sich wieder dem Mann zu. Sein Kommentar in Verbindung mit dem wilden Blick auf seinem Gesicht, ließ sie zusammenzucken. Sie dachte augenblicklich an Aradan. Solange er noch lebte, würde sie ihr bestes geben, um ihn zu retten. Sie würde sich nicht kleinkriegen lassen.
      Der Mann sprang erneut auf sie zu, allerdings spuckte er, bevor er mit seinem Messer zustach. Renera duckte sich reflexartig; diesmal hatte sie ihren Gegner überschätzt. Jemand wie dieser Bulle würde auch vor den niederträchtigsten Angriffen keinen Halt machen, um zu bekommen was er wollte. Sie hatte ihn tatsächlich als wenigstens minderwertig ehrenhaft eingeschätzt und das musste sie nun mit ihrer Gesundheit büßen. Er traf ihren Arm, wo er durch den Verband schnitt und Daikatas Naht durchtrennte. Der Schmerz ergriff sie in einer explosionsartigen Welle, die mit einem Schlag sämtliche ihrer antrainierten Reflexe außer Kraft setzte. Sie schrie auf, zog den Arm an sich heran, verlor den Stab dadurch aus der anderen Hand und torkelte rückwärts. Die alte Wunde war aufgesprungen und brannte wie Feuer, die neue Wunde legte sich quer darüber wie ein X, ein Symbol aus reinsten Qualen, die Reneras Gehirn lahmlegten. Sie hätte einen Moment gebraucht um sich zu fangen, dann hätte sie die Kontrolle über ihren Körper zurückgewonnen, aber sie hatte keinen Moment. Der Mann rammte sie zu Boden und sie schlug schmerzhaft mit dem Hinterkopf auf, eine Ironie des Schicksals, wo sie doch in diesem Moment versuchte ihr Gehirn zum Laufen zu kriegen. Ihr Arm schmerzte so entsetzlich, egal, wie fest sie ihn an ihren Körper drückte. Blut floss ihr auf das Hemd und färbte es an der Stelle dunkelrot.
      Sie ergriff den Dolch, den der Mann vorhin geworfen hatte und hielt ihn in seine Richtung, während sie versuchte wieder auf die Beine zu kommen. Sie würde nicht aufgeben. Sie würde ihn umbringen, wenn es sein musste.
    • Woher um alles in der Welt wusste sie von dem Kryss? So langsam wurde diese Situation nicht nur immer ernster, sondern auch immer unangenehmer. Dabei rechnete er nicht mal die Hand zwischen seinen Beinen dazu, denn mehr noch als not geil zu sein, war diese Frau von oben bis unten durchgeknallt. So wie sie mit ihrem Messer vor seinem Auge spielte und was sie dabei von sich gab, glaubte er ihr direkt dass es sie nur noch heißer macht ihm Schmerzen zuzufügen.
      Am schlimmsten war jedoch der Fakt dass er nach wie vor Kampfgeräusche im Hintergrund vernehmen konnte. Warum halfen diese paar wenigen trainierenden nicht? Und wo trieb sich ausgerechnet jetzt der Waffenmeister rum? Waren diese nicht dazu verpflichtet für Ruhe zu sorgen?
      "Lass deine dreckigen Finger von mir! Ich gebe dir nur diese eine Chance oder du wirst es bitter bereuen"
      Jedes Wort kam unter starker Anstrengung hervor. Dieses lähmende Zeug hatte es ganz schön in sich. Aber so hätte sie wenigstens auch nie geschafft etwas zwischen seinen Beinen in Bewegung zu kriegen. Dieser Moment wäre Aradan auf jeden Fall nie wieder aus dem Kopf gegangen. Dass er mal gelähmt werden würde damit man sich an ihm verging, wäre nicht mal als schlechter Scherz in einer Geschichte als glaubwürdig erachtet worden und nach Renera konnte er ebenso nicht rufen, da es ihm schon so schwer genug fiel überhaupt den Mund zu bewegen, geschweige denn seine Stimmbänder zu nutzen.
      Aber zumindest wusste er, dass diese Frau dafür bezahlen wird. So oder so. Und je nachdem was Renera erleiden würde, hätte er sogar in Kauf genommen die Kontrolle an jemand anderes zu übergeben, wodurch der Ausgang des Kampfes nur leider höchst riskant war.


      Auf der anderen Seite lachte Lodoz wild als ihm Blut der Frau ins Gesicht gespritzte. Es fachte etwas Blutrünstiges in ihm an als er sich ein paar Spritzer von der Wange leckte. Dennoch hielt er sich erwartend zurück bis sich dieses Weibsbild wieder auf die Beine gestellt hatte und sogar ihre Waffe hob.
      "Ah. Du willst mehr hm? Bin schon gespannt wie eng und nass eine aus Melora ist. Hübsche Titten hast du zumindest auch wenn das im dunklen Zimmer schwer zu erkennen war. Wird Zeit für einen neuen Blick."
      Dann leckte er seinen Dolch ab und ging erneut auf Renera los. Sie war tatsächlich in der Lage seine Angriffe abzuwehren, was ihn nur um so rasender machte. War diese Frau doch allen ernstes unter solch einer Wunde in der Lage ihm die Stirn zu bieten? Das reichte Lodoz. Er ignorierte seine Abwehr komplett als er nun zu einem weiten Stoßtritt ansetzte, welcher Renera's Brustkorb galt. Wie erwartet schnitt sie ihm dabei über das Schienbein, doch interessierte es ihn in dieser Wut kein Stück und riss Renera damit zu Boden. Daraufhin nahm er ihr den Dolch ab, packte sie an den Haaren und schleifte sie auf dem sandigen Boden, in Richtung einer Kammer, wo vermutlich Trainingsutensilien gelagert wurden, hinter sich her.
      Auf dem Weg rief er noch Aradan rüber, welcher wohl selbst grade von Elraya untersucht wurde
      "Wolln doch mal sehen wann das Miststück anfängt zu betteln hm?"
      Dann lachte er und zog sie in den Schuppen hinein, wo er Renera gegen ein paar Sandsäcke schleuderte und sich schon im Schritt rieb.


      Das war ein dunkler Tag für Aradan. Als er hörte was dieser Dreckskerl sagte, verlor er beinahe all seine Sinne vor blinder Wut. Sofort entschied er sich dafür den Pakt mit Minerva einzugehen. Er würde sie morden lassen solange sie Renera verschont. Also schloss er sofort seine Augen um im Zwielicht zu erscheinen... doch... es funktionierte nicht?! Verflucht! Er hatte zu viel von diesem verdammten Zeug in sich aufgenommen, er konnte nicht mal mehr seine Fähigkeiten einsetzen. Seine motorischen Fähigkeiten kamen zwar mit seiner steigenden Wut immer etwas mehr zurück, doch war er gerade mal dazu in der Lage zu knurren und seine Fingerspitzen zu bewegen. Wenn das so weiter ging, wäre Renera nie wieder die Selbe! Verdammt Aradan mach was !! Er wurde so Wild dass sich schon seine ganze Sicht verdunkelte als fände eine Sonnenfinsternis statt.
      "Sofort los lassen..." raunte es plötzlich bedrohlich mit tiefer Stimme hinter Elraya.
      Erst dann bemerkte Aradan dass sich sein Blick nicht grundlos verfinsterte. Die Sonne verdunkelte sich tatsächlich, hervorgerufen von Valteri, welcher mit geschulterter Axt dort stand.. Verflucht beinahe wären ihm die Tränen vor Freude gekommen als er diesen Riesen sah. Und nicht nur das. Sogar Daikata stand neben ihm mit prall gefülltem Rucksack.
    • Elraya kicherte auf die Drohung des Mannes hin. Dachte er wirklich, er könne ihr in seiner Lage eine ernsthafte Gefahr sein? Lächerlich. Sie würde ihm die Augen ausstechen und dann würde sie sich ein wenig an ihm vergehen, während er sich vor Schmerzen die Luft aus der Lunge brüllte.
      Eine plötzliche Sonnenfinsternis gefolgt von einer kehligen Stimme ließ sie dann aber doch aufblicken - und geradewegs in das Angesicht des Teufels persönlich starren, der sich wohl Valterri nannte. Der Riese, der Lodoz bezwungen hatte. Der Riese, der einen Meteor überleben konnte. Er baute sich hinter ihr auf, die gewaltige Axt zum Angriff bereits geschultert.
      Das war nun doch eine Nummer zu groß für sie. Sie sprang bei seinem Anblick auf und trat eine hastige und überstürzte Flucht an. Wo war Lodoz geblieben? Egal. Sollten die ihn finden und sich an ihm rächen, solange sie in Sicherheit war. Vielleicht würde ihn ja jetzt endlich mal jemand umbringen.

      Renera stellte sich dem Mann ein erneutes Mal und konnte ihn auch einhändig noch im Zaum halten - zumindest solange ihr Wille nicht nachließ. Seine abstoßende Bemerkung ließ sie frösteln und sie spürte, wie sich ihr Kampfinstinkt immer weiter zurückzog. Jetzt ging es nur noch ums Überleben, das war kein geordneter Kampf mehr. Irgendwie musste sie lebend aus dieser Situation entfliehen.
      Sie hieb nach ihm und traf, aber ihre Attacke hielt ihn kein bisschen auf, so als hätte sie ihn gar nicht erst getroffen. Er beförderte sie erneut auf den Boden, ein heftiger Aufprall, unter dem ihr Arm erschütterte und sie ein erneutes Mal aufkeuchte. Langsam glaubte sie nichts mehr anderes als das Brennen in ihrem Arm zu spüren. Ihre Augen tränten und sie konnte für einen Augenblick nur sehr verschwommen sehen, da wurde ihr der Dolch entrissen und sie an den Haaren halb hochgerissen. Sie schrie auf und griff mit dem gesunden Arm nach oben. Sie wusste nicht auf was sie sich mehr konzentrieren sollte, auf ihren Arm, ihren stechenden Brustkorb oder ihre Haare - und letzten Endes nicht auch die Tatsache, dass der Mann sie wegschleifte. Sie stemmte sich gegen ihn auf und kratzte über seine Hand.
      Schließlich erreichten sie wohl ihr Ziel, als er sie mit Wucht gegen einen Sandsack schleuderte, wo Renera auf den Boden rutschte. Sie begann den Fehler ihn anzusehen, das von Blut gesprenkelte Gesicht, der wilde Ausdruck in seinen Augen, das irre Grinsen. Jetzt konnte sie nicht mehr leugnen was vor sich ging.
    • Daikata machte einen hastigen Schritt nach vorne als die Fremde von Aradan ab lies und hastig die Flucht antrat. Aufgehalten wurde er nur von Valteri, welcher Daikata ansah und mit dem Kopf schüttelte.
      "Nein. Sie hat die Warnung klug angenommen. Sie hat ihre Flucht verdient."
      Daikata rollte mit den Augen. Nun war es zu spät um eine Verfolgung zu starten.
      "Du hast sie nicht alle Valteri. Dein nordisches Ehrgefühl wird dir noch zum Verhängnis."
      Der Nordmann sah Daikata nur entschlossen entgegen und lies seine Axt vor sich zu Boden um seine Hände auf dem Knauf zu stützen. Egal was man ihm sagen würde, er hielt fest an seinen Prinzipien stand. Dann war aber der Blick auf Aradan wichtiger, so sahen beide zu ihm. Nur Daikata kniete sich schnell zu ihm ab und prüfte zu aller erst seinen Puls am Hals. Angeekelt, was er kurz darauf an seinen Fingern hatte, wischte er es Aradan vom Hals und sah ihn ernst an.
      "Was ist hier passiert? Warum hast du dich nicht gewehrt?"
      Aradan durchbohrte Daikata mit seinen Augen und brachte unter äußerster Anstrengung hervor
      "Gelähmt! SCHNELL!!"
      Daikata wusste nicht wie ihm geschah als er diesen Blick in Aradan sah, sogar Valteri verlor seine Standhaftigkeit und nahm seine Axt wieder bereitwillig in seine Hände, als wäre er Alarmiert dass noch eine Gefahr droht.
      Für diesen Moment kümmerte sich Daikata aber sofort darum Aradan abzutasten, ihn mit einer kleinen Nadel am Arm zu stechen und den Tropfen Blut auf eine kleine Schale zu führen.
      "Hm. Es dampft nicht und das Blut verstarrt nicht. War es etwa ein Gas? Irgendwas in der Luft?"
      Der Blick von Aradan verhärtete sich, was Daikata sofort verstand
      "Alles klar. Eine Sekunde!"
      Hastig riss Daikata seinen Rucksack auf und mischte unter Schweiß getrieben binnen Sekunden ein Mittel zusammen, welches er Aradan direkt in die Halsschlagader spritzte. Es schmerzte fürchterlich, doch spürte er sofort wie es sein gesamter Körper zu kribbeln begann. Was auch immer ihm gespritzt wurde, es kämpfte gegen die Paralyse äußerst erfolgreich an. Nur war Aradan's Kraft einfach nicht schnell genug zurück. Er wirkte bei jedem Versuch aufzustehen wie ein kränkliches Reh kurz nach dessen Geburt.
      "NAAHHH!! MEHR!! SPRITZ MIR MEHR!!"
      Daikata sah erneut enorm verblüfft drein, zuckte aber nur mit den Schultern.
      "Mehr? Es hat doch schon gewirkt. Du musst deinem Körper Zeit geben. Das Gift muss deinen Kreislauf verlassen. 10 Minuten. Mehr nicht."
      "Kreislauf?! ADRENALIN!!"
      Daikata lachte beinahe als würde er mit einem Verrückten sprechen.
      "Bist du irre? Adrena...."
      Da packte Aradan den Kragen Daikata's und zog ihn kurz vor sein Gesicht hinunter.
      "SOFORT!!!"
      Noch mit dem Blick auf Aradan, kramte Daikata hastig in seiner Tasche ehe er sich diesem Blick entziehen konnte, welchen er noch nie in seinem Leben bei irgendeiner Person gesehen hatte. Schnell fand er das verlangte Mittel und haute es direkt mit dessen langer Nadel in den Brustkorb von Aradan, noch bevor Valteri intervenieren konnte. Dieser hatte in all dem Chaos gehört wie etwas in einem Schuppen unweit von den dreien vor sich ging. Bei dieser Panik in Aradan's Augen, musste es einfach etwas mit Renera zu tun haben, doch war es nun zu spät. Aradan bekam sein Adrenalin, was schneller wirkte als es wohl allen beteiligten lieb war. Sein Herz raste wie verrückt, sorgte dafür dass seine Adern auf seinem Arm sichtbar wurden und auch dass seine Augen viele geplatzte Äderchen zeigten.

      Der Anführer ihrer Gruppe fing an schnell zu atmen wie ein wahnsinniger, ehe er seinen Körper wieder kontrollierte, sich auf den Bauch drehte und auf allen vieren seinen Ansturm begann. Den Weg bis zum Schuppen legte er in wahnwitziger Geschwindigkeit zurück und warf seinen gesamten Körper gegen die verschlossene Tür, welche diese in Stücke zerfetzte.
      In dieser Geschwindigkeit war es Aradan unmöglich selbst abzubremsen, was ihn in eine Ecke des Schuppens samt der Tür krachen lies. Lodoz blickte zusammen zuckend hinter sich, erblickte dabei wie eine eben noch verschlossene Tür nicht mehr existierte.
      "Was zum Teufel?!" knurrte er, da krachte Aradan auch schon aus dem Gerümpel, in welches er gekracht war, hervor.
      Er brüllte wütend bei seinem Ansturm und verpasste Lodoz einen solch enormen Schlag, dass ihm beinahe der Kiefer brach und nun Lodoz in einen Haufen Gerümpel stürzen lies.
      Es war geschafft. Renera war gerettet. Kein Grund weiter zu machen. Beruhige dich. Komm runter. Komm runter! Verflucht komm runter!! Aradan stand nur dort, mitten im Schuppen, beinahe wie ein Berserker, schnell hechelnd als hätte er einen unmenschlich langen Sprint hinter sich. Sein Herz sprang ihm beinahe aus seiner Brust, was seine Wut nur anfächerte. Keine einzige Sekunde blickte er zu Renera. Er wartete nur bis dieses dreckige Ziel wieder aufstehen würde, was dann auch passierte.
      Lodoz richtete sich wieder auf und war noch dabei seinen Dolch angriffsbereit hoch zu halten, doch da krachte Aradan schon mit voller Kraft in ihn hinein. Aradan schleuderte Lodoz mit voller Kraft durch dem aus Lehm gebauten Schuppen, was nun wieder Daikata und Valteri auf den Plan brachte. Beide rannten sofort los um aushelfen zu können, bei was auch immer da grade passierte. Daikata selbst war noch geistesgegenwärtig genug den Schuppen selbst zu betreten um sich umzusehen. Was auch immer hier drin war, musste es Wert sein so durchzudrehen.. und so war es auch. Renera lag verletzt in einer Ecke. Da wunderte ihn gar nichts mehr. Sofort sprang er zu ihr und sah ihren Arm an, kurz darauf sah er ihr ins Gesicht.
      "Es ist alles gut. Wir sind da. Dir wird nichts passieren."
      Natürlich waren es Floskeln aber auch Daikata war in dieser Situation dezent zu überfordert um alles richtig einschätzen zu können.

      Lodoz spuckte Blut aus als er durch die Wand befördert wurde und kurz darauf auf dem Boden auf kam. Was genau passierte hier nur? Nur Sekunde danach sah er diesen weißhaarigen Typen vor sich und fragte sich im ersten Moment was mit Elraya passiert sein musste. Diese aufkommende Sorge war sein Fehler. Denn galt es nun ein Trommelwirbel an Schlägen eines Irren aushalten zu müssen. Dieser Kerl schrie ihn an und legte so viel Kraft in seine Schläge, dass er schon schnell selbst blutige Knöchel aufwies. War dieser Aradan etwa gestört?! Lodoz schaffte die meisten Schläge mit seinen Armen abzuwehren aber es hörte einfach nicht auf. Erst als Lodoz der erste Schlag im Gesicht traf, verlor er beinahe schon sein Bewusstsein. Das war jenseits seiner Vorstellung. Dann folgte der zweite Treffer. Dann der Dritte. Aber erst der Vierte versetzte Lodoz ins Traumland.

      Erst nach gut und gerne 20 weiteren Schlägen traf Valteri ein um Aradan zu packen und von der Person hinunter zu ziehen, welche ganz sicher kein schmerzfreies Erwachen feiern dürfte, dem Anblick seines Blut verschmierten Gesichts zu urteilen. Blut lief ihm aus einer geschwollenen Nase. Die Augen selbst waren ebenfalls kaum noch zu erkennen, sowie der ein oder andere Zahn, welcher locker wirkte, zeichnete sein Gesicht.
      "Beruhige dich Aradan! Renera geht es gut!"
      Valteri vergewisserte sich mit einem kurzen Blick in Daikata's Richtung, welcher ihm einen hoch gehobenen Daumen zeigte.
      Aradan zappelte noch wild herum als Valteri ihn mit seinen Baumstämmen von Armen fixiert an dessen eigenen Armen vor sich an ihn presste. In diesem Moment konnte Valteri den enorm schnellen Puls von Aradan wahrnehmen und war heilfroh darüber dass es nur Aradan war, mit welchem er grade kämpfen musste. Er war sich sicher dass Minerva unter Adrenalin eine ganz andere Hausnummer gewesen wäre. Dennoch konnte sich Valteri ein erheiterndes Lächeln nicht verwehren. Einen so wahnsinnigen, bewussten Aradan hatte die Gruppe noch nie zu Gesicht bekommen. Dieser Mann musste seine bessere Hälfte so sehr lieben, dass er vor dem Tod selbst keinen Halt gemacht hätte.
    • Renera kauerte sich vor den Sandsäcken zusammen, als eine krachende Explosion die Schuppentür zerriss und Holzsplitter in alle Richtungen schoss. Der Mann ließ sich schlagartig davon ablenken, was Renera beinahe schon geistesgegenwärtig ausnutzte, um rücklings von ihm wegzukriechen und Schutz in der anderen Ecke zu suchen. Die Soldatin in ihr bemerkte die taktische Schwäche dieses Rückzugsorts, die Kampfmeisterin in ihr bemerkte die ungeschützte Fläche ihrer gesamten Vorderseite, aber die einfache Frau in ihr, die um ihr Leben bangte und um das, was der Mann mit ihr anstellen wollte, drückte die anderen beiden erbarmungslos nieder und bemerkte, dass die Ecke sich äußerst trostspendend anfühlte. Sie kauerte sich noch tiefer in sie hinein, weil ihr einfach gestrickter Verstand ihr sagte, dass der Mann sie vielleicht nicht bemerken würde, wenn sie sich nur klein genug machte.
      Aber der hatte sowieso keine Augen mehr für sie. Stattdessen musste er sich einem scheins tollwütig gewordenem Aradan stellen, der mit unmenschlicher Kraft aus dem Gerümpel schoss und ihn mit einem einzigen Schlag zu Boden beförderte. Aus seinem Blick loderte selbst der Wahnsinn und obwohl es ein anderer war als bei dem Mann, hätte Renera das kalte Entsetzen gepackt, wenn er sie mit diesem Blick angesehen hätte.
      Aber das tat er nicht. Seine Aufmerksamkeit galt einzig und allein seinem Ziel und da erkannte Renera, dass es der Beschützerinstinkt in ihm war, den er soeben in all seiner Blüte entfesselt hatte. Das, womit er sie immer wieder vor Belanglosigkeiten schützen wollte, war an die Oberfläche geholt und verzehnfacht worden. Es zeigte sich an der Rage, mit der er ein zweites Mal in den Mann hineinkrachte und sie beide durch die Wand des Schuppens brachen. Noch immer hielt er nicht inne, auch wenn sein Gegner mittlerweile nicht einmal mehr den Arm hätte heben können. Er prügelte weiter auf ihn ein, bis ihn nur noch Valterri aufhalten konnte, der seine Pflicht in dieser Hinsicht auch in diesem Moment keineswegs vernachlässigte.
      Das alles stammte aus seinem Beschützerinstinkt. Er hätte für Renera gemordet, das erkannte sie in diesem Moment und diese Erkenntnis rief ein weiteres, undefinierbares Gefühl in ihrem sich wirbelndem Kopf hervor, in dem nichts mehr seinen richtigen Platz hatte. Sie wollte den Mann nicht tot sehen, aber sie wollte ihn tot sehen. Sie wollte nicht, dass er verletzt wurde, aber sie wollte, dass er verletzt wurde. Sie wollte alles und nichts.
      Eine Gestalt schob sich aus dem Nichts vor ihr Blickfeld und Renera hätte fast aufgeschrien, so angespannt waren ihre Nerven. Sie konnte es gerade noch auf ein Zucken herunterringen, als sie erkannte, dass es nur Daikata war und nicht der Mann. Es war nur Daikata.
      In diesem einen Moment, in dem sie das begriff, brach alles plötzlich in ihr zusammen. Ihre rationalen Gedanken verflüchtigten sich, ihr Überlebensinstinkt, ihr Wille, ihre Kraft, alles verflüchtigte sich binnen eines Herzschlages und ließ sie zurück mit ihrer blanken Panik, mit ihrem Entsetzen, mit dem Schmerz diverser Körperteile und mit dem tiefsitzendem Grauen vor dem, was vorgefallen war und was hätte vorfallen können. Ihre Hände zitterten unkontrollierbar, vermochten kaum etwas zu greifen oder von irgendeinem anderen Nutzen zu sein als zu zucken und dabei den Schmerz in ihrem Arm zu erhöhen, dem unaushaltbarem Brennen, das die geplatzte Naht und die neue Wunde darüber darstellte. Sie presste den Arm mit aller Kraft gegen ihren Bauch und verfiel in eine vollkommene Starre, denn wenn sie losließ, wenn sie nur ein wenig locker lassen würde, dann würde ihr ganzer Arm erzittern und das würde die Schmerzen bis ins Unendliche steigern und dann würde sie noch mehr zittern und es würde noch mehr schmerzen und schließlich würde dieser Kreislauf kein Ende nehmen. Sie konnte es einfach nicht, jede Faser in ihrem Körper war zum zerbersten angespannt und so hart wie Stein.
      Aradan. Sie wandte den Kopf, um nach ihm zu suchen, aber Valterri versperrte ihr die Sicht. Also wandte sie sich wieder Daikata zu, den sie wahrscheinlich in ihrer Panik gebissen hätte, wenn er versucht hätte, ihren Arm aus seiner Starre zu befreien. Ihre Brust schmerzte bei jedem Atemzug, war das vorhin auch schon da gewesen?
      "Aradan? Was ist mit Aradan?"
    • Was für ein Chaos, dachte sich Daikata, welcher sich Mühe gab behutsam auf Renera zu wirken. Sie war vollkommen außer sich, was wohl auch verständlich war. Es bedurfte nicht sonderlich viel um zu verstehen warum dieser seltsame Kerl alleine mit Renera, die klaffende Verletzungen aufwies, alleine in einem solchen Verschlag war. Vor allem nicht nachdem er Aradan erlebt hatte.
      Ihm blieb in diesem Moment nur ganz vorsichtig vorzugehen, also hob er sehr langsam seine Arme und nickte Renera entgegen
      "Es ist alles wieder gut Renera. Die Frau ist geflohen und Aradan geht es auch gut. Meine größte Sorge gilt grade eher dir und deiner Wunde. Bitte lass mich dir helfen okay? Aradan würde wollen dass du deinen Arm nicht verlierst."
      Ebenso langsam lies er eine Hand in seine Tasche wandern und zeigte diese Renera auch um klar zu machen dass er tatsächlich nichts böses wollte. Heraus holte er ein fein gefaltetes, größeres Tuch aus Stoff, welches für Notfälle unter einem Verband gelegt werden konnte. Es würde sich zwar sehr schnell mit Blut füllen, doch war es allemal besser als das was Renera grade nutzte.
      "Bitte Renera, nimm das hier. Es ist sauber und wird deine Wunde nicht entzünden."

      Aradan selbst zappelte nach wie vor mit jeder Faser herum, wollte nichts anderes als sich von Valteri zu befreien um sich wieder Lodoz zu widmen, welcher wohl ohnehin schon künftig kaum noch wer erkennen konnte. Das Adrenalin hatte Aradan zu einem tollwütigen Wolf gemacht der einfach nur diesem Peiniger Schmerzen zufügen wollte, etwas anderes kam ihm einfach nicht in den Sinn, doch war aus Valteri's Griff einfach nicht hinaus zu kommen.
      "Beruhige dich. Renera braucht dich mehr als dieser Kerl."
      Das wirkte. Valteri spürte wie Aradan lockerer wurde, auch wenn sein Herzschlag weiterhin raste. Für den Nordmann war es Beweis genug dass Aradan wieder ein kleines Bisschen auf seinen Pfad zurück gekehrt war und lockerte den Griff, aus welchem Aradan sofort hinaus schlüpfte, den knapp halben Meter fiel bis er auf seine Füße auf kam und im selben Zug direkt zurück lief, in den Schuppen hinein und auf Renera hinab sehend. Er atmete wild aus seinem Mund ein und aus, als hätte er sonst nicht die Luft bekommen die sein Körper brauchte, doch konnte er sich nicht nehmen lassen sich zu Renera runter zu knien und immer wieder zwischen ihrem Arm und ihren Augen hin und her zu sehen, was unter seinem Zustand einige Male in kürzester Zeit geschah. Mit arg zitterndem Arm nahm er Daikata das Tuch ab, was gar nicht so leicht war. Und ohne jede Frage nahm er Renera's Hand und zog so ihren verletzten Arm so vorsichtig es in seinem Zustand möglich war, gerade um das Tuch auf die Wunde zu legen.
      Als es endlich korrekt auflag, zögerte Aradan nicht. Er wusste genau dass er unter Adrenalin keinerlei Ermüdung erleiden musste, welcher Zeitpunkt wäre nun also besser gewesen als Renera augenblicklich hoch zu heben und im Sturm zum ersten Arzt zu laufen.

      Daikata sah Aradan nur nach und stand auf. Richtete sich dann aber an Valteri.
      "Das hat mir beinahe schon etwas Angst gemacht. Du denkst sicher das Selbe wie ich oder mein großer?"
      Gemeint war der beinahe tot wirkende Lodoz, welcher auf dem Boden lag und stets von Valteri angestarrt wurde. Dieser nickte und holte schon ein Seil hervor um Lodoz zu fesseln, gefolgt von seiner Schulter als Sattel.
      "Aradan kümmert sich um Renera. Wir kümmern uns um Informationen."
      "Seh ich genau so. Kann mir nicht vorstellen dass Aradan oder Renera etwas dagegen haben wenn wir unser Verhör etwas schärfer gestalten. Wir sollten also Jarku dazu holen. Seine Gifte können bewirken dass sich dieser Mistkerl hier den Tod erbetteln wird."
      Im Anschluss gingen die Beiden dann auch los. Im Gasthaus würden sie Lodoz sicher nicht verhören, also kauften sie sich kurzerhand ein kleines Lager am Rand der Mauer. Rostige Waffen, leere Säcke und von Spinnweben umhüllte, baufällige Möbel füllten das Lager zur hälfte. Kein Wunder dass es so günstig war, aber es reichte für dessen Zwecke. Auch Jarku hatten sie schon dazu geholt und Lodoz auf einem Stuhl gefesselt, wartend dass dieser wieder aus seinem Koma erwacht um ihn die schlimmste Zeit zu bereiten die er in seinem Leben wohl je erfahren würde.

      Indes kam Aradan an einer Praxis an, welche mit einem genehmigten Symbol auf einem Schild für Ärzte an einer Tür aushing. Ob dieser geöffnet hatte oder nicht, war ihm vollkommen gleich. Erst lehnte er sich mit seinen Rücken gegen die Tür. Als diese aber nicht auf ging, trat er sie kurzerhand auf und brachte Renera hinein.
      Die Einrichtung sah tatsächlich ziemlich modern aus. Mehrere Stühle, damit die Patienten nicht vor der Tür warten mussten, darunter ein edler Schreibtisch mit dickem Buch, Tintenfass und Feder, wohl für den Empfang gedacht, welcher offenkundig lesen und schreiben konnte. Und im Zimmer dahinter war genau das was Aradan erhofft hatte. Eine Liege und mehrere prall gefüllte Regale mit allem was die Medizin zu bieten hatte, zumindest aus der Betrachtung von Aradan.
      Durch den ganzen Radau lies sich dann sogar ein Mann im Raum blicken. Er trug eine Robe die einem Klostermediziner glich und dazu ein Hut der mehr wie der eines Pestdoktor's aussah, nur ohne die spezielle Maske.
      "Sie braucht hilfe! Ich zahle was auch immer sie wollen!"
      Brüllte Aradan den Mann an, welcher aber schon seine Handschuhe überzog als er Renera's Arm gesehen hatte. Ein Mediziner durch und durch. Für diesen Mann kam gar nicht in Frage über Geld zu reden bevor der Patient nicht behandelt wurde.
      "Auf die Liege."
      Wies er an, was Aradan sofort ausführte. Schnell lag Renera auf der Liege und Aradan neben ihr, auf der Seite ihres gesunden Armes und hielt fest ihre Hand während er ihr in die Augen sah.
    • Renera konzentrierte sich mit all ihrer verfügbaren Aufmerksamkeit auf die sanften Worte von Daikata, mit denen er es tatsächlich schaffte, zumindest halbwegs, zu ihr durchzukommen. Zwar hätte sie ihn noch immer nicht an sich herangelassen, das war ein tief verankerter Abwehrmechanismus, den sie nicht so einfach ausschalten konnte, aber zumindest half er ihr dabei, langsam wieder zur Ruhe zu kommen. Und dann kam auch schon Aradan.
      Die Wildheit in seinem Blick war noch immer nicht erloschen, genauso wenig wie in seinem Körper, dessen Haltung noch immer so wirkte, als wolle er sich jeden Moment auf seine Beute stürzen und sie in Stücke reißen. Allerdings gab es dort keine Beute und als er sich zu Renera herunterkniete und sein Blick zwischen ihr und ihrer Verletzung hin und her huschte, glaubte sie, hinter diesem animalischen Verhalten noch immer einen Funken von Aradans normalem Selbst zu entdecken. Was für eine merkwürdige Situation, was für ein merkwürdiger Tag - dabei hatte doch eigentlich alles so gut angefangen. Jetzt kauerte sie in der Ecke eines zerstörten Schuppens, unfähig sich zu rühren, und ließ sich von einem hechelndem Aradan die Wunde versorgen, was ganz schön mühsam war, nachdem sie beide unkontrolliert zitterten. Aber er schaffte es dennoch und sie ließ sich anstandslos von ihm hochheben, presste ihre Stirn an seinen Hals und ließ sich von seinem Geruch beruhigen, dessen Vertrautheit ihr ein Anker in dieser merkwürdigen Lage war.
      Als sie das Arzthaus erreichten, hatte sie sich zumindest so weit beruhigt, um wieder einen einigermaßen klaren Gedanken fassen zu können, wenngleich ihre Hände noch immer zitterten und sie ihren Arm reflexartig wieder an ihren Bauch presste. Aradan übernahm die nötige Kommunikation mit dem Arzt, worum ihm Renera mehr als dankbar war, dann legte er sie auf der Liege ab und blieb an ihrer Seite, während der Arzt seine Instrumente vorbereitete. Er hob das Tuch von ihrem Arm, was ihr ein Ächzen entlockte, und besah sich die Wunde kritisch, während Renera ihren Blick auf Aradans blaue Augen gerichtet ließ. Er hielt ihre Hand unablässig fest, ein tröstendes Gefühl, bei dem sie es fast schade fand, dass sie diesen intimen Moment nicht alleine erleben durften. Allerdings widmete sich der Arzt vollkommen ihrer Verletzung und schenkte den beiden nur die nötigste Beachtung.
      Er entfernte die Reste des alten Verbandes, desinfizierte die Wunde, entfernte die restlichen Fäden, desinfizierte erneut und vernähte beide Schnitte, wobei der Punkt ihrer gemeinsamen Kreuzung besonders schwierig zu vernähen war. Er brauchte über eine Stunde des Nähens und des Desinfizierens, eine Stunde der reinen Tortur, bei der Renera sich wünschte sie wäre ohnmächtig, ehe er endlich den neuen Verband anlegte und die Behandlung für erfolgreich erklärte. Als sich Renera endlich vollständig entspannen konnte, fühlte sie sich völlig ausgelaugt und kraftlos und hörte daher nur mit einem Ohr mit.
      "Sie darf den Arm nicht beanspruchen, in keinster Weise, zumindest nicht für die nächsten zwei Wochen. Danach hat es mit dem Heilungsprozess sicherlich schon begonnen, aber bis alles zusammengewachsen ist, kann es nochmal einen Monat oder zwei dauern. In den nächsten zwei Wochen muss sie den Verband regelmäßig wechseln und die Naht mit Wasser sauber halten - mit frischem Wasser! Kriegen Sie das hin?"
      Er musterte Aradan kritisch.
      "Dann lassen Sie uns über die Bezahlung reden und Sie können heimgehen - außer, Sie haben selbst noch Beschwerden."

      Elraya kauerte sich an den Rand des Dachvorsprungs und beobachtete die Lage. Ihre Seite schmerzte mehr als vorher, aber darum kümmerte sie sich jetzt nicht. Sie musste herausfinden, was vor sich ging.
      Der Weißhaarige lief mit der anderen Meloranerin weg und war dann verschwunden. Eine Schande, er war ja eigentlich ganz süß. Sie könnte ihnen folgen, ja, das wäre wohl eine gute Idee. Zumindest einen Erfolg könnte sie aus diesem Disaster noch herausholen.
      Dann sah sie allerdings, wie die anderen beiden sich Lodoz schnappten. Ihr Bruder war schlaff wie ein Sack Kartoffeln und wirkte nicht, als würde er in näherer Zukunft aufwachen.
      "Scheiße. Scheißescheißescheißescheiße!"
      Sie richtete sich auf, schlich am Dachrand entlang und verfolgte, wie das Trio sich in Richtung Norden aufmachte. Wollten sie Lodoz etwa verhören? Ohh, das würde Berek nicht gefallen, das würde ihm ganz und gar nicht gefallen. Zum einen würde sie die Verantwortung auf sich nehmen müssen, dass sie die beiden Meloraner angegriffen hatten, wenn Lodoz nicht mit ihr zurückkam, und zum anderen wusste sie nicht, wie lange Lodoz in einem Verhör standhalten würde. Sie glaubte nicht, dass er so große Eier hatte, um kein einziges Geheimnis auszuplaudern. Wenn Berek das herausfand, würde er Elraya köpfen - er würde ihr die Haut vom Körper ziehen, er würde ihr die Fingernägel ausreißen, er würde ihr die Gliedmaßen abschneiden, er würde ihr Herz aufspießen, er würde sie bei lebendigem Leib verbrennen, er würde sie einfach vollkommen und vollständig vernichten! Bereks geballter Zorn war nichts, dem sich Elraya jemals in ihrem Leben freiwillig stellen wollte.
      "Scheiße!"
      Also musste sie Lodoz da rausholen. Das war ja wohl nicht so schwierig, oder? Einfach auf einen günstigen Moment warten, ihn befreien und dann erstmal in den Untergrund abtauchen - vielleicht durch die Kanalisation, das erschien ihr als sicherer Weg. Leider hatte sie die Karte der Kanalisation nicht im Kopf, aber sie wusste in etwa, wo sich das Versteck befand, als würde sie auch schon einen Weg dorthin finden. Blieb nur zu hoffen, dass er vorher nichts ausplauderte.
    • Akribisch nutzte Aradan seinen hyperaktiven Moment aus um Renera so gut es ging Sicherheit zu geben, sowie den Arzt immer wieder dabei zu beobachten was er tat, was Aradan nach der ersten halben Stunde als zufriedenstellend ansah.
      Vieles davon kannte er auch durch die verstorbene Ärztin, welche zuvor in seiner Truppe war und sah er auch vieles davon bei Daikata wieder, welcher das meiste selbst abgeschaut hatte. Doch was der Arzt noch obendrauf setzte, war eine Gott gelassene Ruhe die er mit jedem Stich ausübte, sowie eine unfassbare Präzision. Jeder Stich hatte exakt den selben Abstand zum anderen. Das war schon ziemlich bemerkenswert, wenn man bedachte dass er weder eine assistierende Hand hatte und absolut nicht vorbereitet war auf eine solche Verletzung.
      So wäre Aradan diesem Mann am liebsten in einer Umarmung entgegen gekommen als dieser mit der Behandlung durch war, doch nun wo Renera versorgt war, kam er direkt zum Angebot dass ihm gemacht wurde. Er nahm die Hand des Arztes und legte es auf seine Brust. Sofort sah der Arzt auf und verstand dieses nervöse Auftreten.
      "Adrenalin. Es lässt nicht nach. Ist das normal? Es brennt."
      Doch nickte der Arzt beruhigend und bereitete eine Spritze vor
      "Da hat ihnen Jemand zu viel verabreicht. 0,5 Milligramm sind bei mir die maximale Menge die ein Mann ihrer Statur bekommen würde. Ihr Herz würde sich anfühlen wie nach einem stattlichen Dauerlauf. Ihnen wurde wohl eine ganze Spritze verabreicht, welche 2 Milligramm beinhalten und eigentlich dafür gedacht sind Patienten wieder zurück zu holen dessen das Herz stehen geblieben ist."
      Er hielt die Spritze vor sein Gesicht und schnippte zwei mal dagegen
      "Das hier ist Propranolol. Grob gesagt hemmt es den Einfluss von Adrenalin und verhindert dass ihnen das Herz aus der Brust springt... anbei bemerkt wundert es mich dass sie noch aufrecht stehen. Bei 2 Milligramm Adrenalin wäre vermutlich sogar ein Pferd freiwillig gegen eine Wand gelaufen."
      Bereitwillig lies sich Aradan die Spritze verabreichen. Dann dauerte es keine 20 Sekunden bis er deutlich spürbar hinunter kam und sich dabei immer schwerer fühlte. So sehr dass er sich den ersten Hocker nehmen musste den er greifen konnte um sich darauf zu setzen und sich so nach vorn lehnte, dass seine Arme als Stütze auf seinen Beinen lagen. Dabei atmete er mehrere Male tief ein und aus als wäre er komplett erledigt.
      "Haben sie vielen Dank... Die Bezahlung..."
      Der Arzt bemerkte schon wie erledigt beide Personen waren, also unterbrach er direkt
      "Darüber reden wir, sobald ihr Zwei wieder auf den Beinen seid."


      Jarku hatte im gekauften Lager schon einen Tisch grob gesäubert um mehrere kleine Schälchen aus seinem Equipment Gürtel zu platzieren, welche er immerzu nutzte um verschiedene Gifte anzumischen. Sie boten so viel Platz um etwa eine kleine Phiole füllen zu können, in welchen er verschiedene Substanzen füllte, die allesamt schon von ihrer Farbe her alles andere als Gesund ausgesehen hatten. An der Zahl waren es 6 Schälchen, von welcher sogar eine scharf beim füllen zischte.
      "Na wollen wir mal hoffen dass wir nicht bis zu diesem kommen hm?"
      Er spielte schon jetzt mit Lodoz, welcher vor wenigen Augenblicken wach wurde und sich im ersten Moment versuchte zu befreien ehe er sich am vielen verschluckten Blut übergab und noch einiges aus der Lunge hinaus hustete, was ein widerliches matschiges Geräusch war, als wären seine Lungen und Magen mit einer Art Schleim gefüllt gewesen.
      Daikata stand dabei schweigend in der Ecke, lehnte sich gegen die Wand und betrachtete alles mit verschränkten Armen. Valteri sorgte als Wache vor dem Lager, was wohl effektiver war als die Tür mit einem dicken Balken zu versperren.
      "Uh. Ist das ein Zahn?"

      Meinte Jarku belustigt als er in dem erbrochenem tatsächlich einen Zahn sah.
      Lodoz spuckte noch mehr Blut, vermochte dabei kaum ein Wort ohne Schmerzen zu formen da seine Lippen geschwollen waren, ebenso wie seine Augen, von welches er nur eines nutzen konnte um halbwegs zu schauen.
      "Fick dich!" schwellte hinaus als hätte er ein halbes Glas Wasser im Mund als er sprach.
      Das brachte Jarku aber nur dazu mit dem Finger zu wedeln und den Mann zu tadeln.
      "tze tze tze. Hat dir deine Mutter etwas nie beigebracht höflich zu sein? Oh sieh mal. Was haben wir denn da?"
      Er löste den Verband von Lodoz arm und steckte direkt einen Finger in die grade heilende Wunde und drehte mehrfach darin herum. Doch war Lodoz ein harter Hund. Er knurrte vor Schmerzen und versuchte sich immer etwas zurück zu ziehen, was ihm der Stuhl kaum ermöglichte aber bis auf viele Flüche und angespannte Muskeln, schenkte er Jarku keinen Schmerzensschrei.
      "Hmmmm."
      "Na fein."

      Er erlöste Lodoz für diesen Moment und richtete sich wieder auf ehe er anfing 6 Wurfmesser aus seinem Gürtel zu ziehen. Sie waren äußerst fein und lagen perfekt übereinander. Man hätte meinen können dass diese eher etwas dickeres Papier in Form eines Messer's waren, doch wurden diese tatsächlich geschmiedet.
      Jarku fing an mit diesen zu Jonglieren während seine erste Frage das nun folgende Verhör startete. Ein Prozess der sich sehr lange hinziehen konnte, wobei das immer bei der Person lag die verhört wurde.
    • Deutlich angeschlagen von der Behandlung, war es Aradan und Renera erlaubt noch einen Moment zu bleiben, ehe es ihnen gut genug gehen würde, auf eigenen Beinen nachhause zu laufen. Aradan wirkte dabei fast schon so bleich wie Renera selbst, aber er hielt noch immer ihre Hand fest und so drückte sie seine leicht. Die Schmerzen in ihrem Arm sanken langsam auf ein fernes Pochen herunter, das sie erst recht daran erinnerte, wie erschöpft sie war.
      "Wie fühlst du dich?"
      Die Wildheit war mittlerweile vollständig aus seinen Augen gewichen und an ihrer Stelle stand nur noch der müde Aradan. Das würde wohl einen weiteren Tag Bettruhe für sie bedeuten.
      "Jemand hat dir Adrenalin gespritzt? Was war da gerade los mit dir?"

      Elraya beobachtete, wie das Trio Lodoz in ein Lagerhaus verfrachteten. Sie glaubte den Typen mit den Giften zu sehen, zumindest passte er auf die Beschreibung von Khil, und außerdem ging der Alchemist mit hinein, aber Valterri blieb draußen. So ein Dreck. Wie sollte sie da jemals reinkommen und Lodoz auch noch wieder da herausbringen? Das würde sie niemals schaffen, niemals! Sollte sie Berek holen? Nein, ganz sicher nicht. Pria? Eher noch, aber wahrscheinlich saß die noch immer mit Berek zusammen.
      "Scheißeeee..."
      Sie warf von ihrem erhöhten Aussichtspunkt einen Blick auf die unmittelbare Umgebung. Vielleicht hatte das Lager einen Hintereingang, aber bei so einem kleinen Gebäude war das eher unwahrscheinlich. Die Fenster konnte sie nicht erreichen, ohne Valterri zu begegnen. Der einzige Zugang war tatsächlich die Tür hinter ihm.
      Also gut, von vorne anfangen. Erstmal brauchte sie überhaupt einen Fluchtweg, ehe sie sich um die Befreiung kümmerte. Das war die Nummer Eins der wichtigsten Sachen, die man bei einem Einbruch beachten sollte - oder jedenfalls so ähnlich. Stets einen Fluchtweg parat haben.
      Sie blieb in ausreichender Entfernung zum Lager und kundschaftete die Gegend aus. Ihre Karten hatte sie natürlich Zuhause gelassen, also musste sie sich einen eigenen Überblick schaffen. Sie merkte sich das Netz der umliegenden Straßen, wo die Sackgassen lagen, welche Straßen zu voll waren um benutzt zu werden und wo die günstigsten Eingänge zur Kanalisation lagen. Sie fand sogar zwei davon, das war doch ein gutes Zeichen. Jetzt musste sie nur noch überlegen, wie sie Lodoz herausbekam.
      Sie kletterte zurück auf ihr treues Dach, beobachtete den starren Valterri und dachte für einen Moment nach. Was würde Berek jetzt tun? Das Haus in die Luft sprengen. Nein, so aggressiv war er nicht, er würde viel eher versuchen sie zu manipulieren oder sowas. Ein Ablenkungsmanöver, genau, sowas würde er in die Wege leiten. Wenn sie es nur schaffte Valterri von der Tür wegzubekommen, könnte sie eine ihrer Rauchgranaten reinwerfen, darauf hoffen, dass Lodoz schlau genug war die Luft anzuhalten und ihn dann da rausbugsieren. Das war doch machbar, oder nicht? Ein Ablenkungsmanöver.
      Wie lenkte man einen Riesen ab?
      Sie starrte ihn an. Valterri war absolut unbeweglich, eine finstere, übermenschliche Statue. Wie bekam man denn eine solche Statue dazu, sich zu bewegen? Sie hatte absolut keinen Plan. Für sowas war eigentlich immer Berek zuständig.
      Also versuchte sie einfach irgendetwas. Sie hatte schließlich die Gegend erkundet, sie wusste, wohin sie fliehen musste, falls es brenzlig wurde. Selbst mit ihrer stechenden Seite traute sie sich noch zu, schneller zu sein als dieses Monstrum da unten.
      Sie kletterte auf der anderen Seite ihres Hauses wieder in die Straße hinab und zog eine der Rauchgranaten aus ihrem Gürtel. Berek würde sauer sein, dass sie so viel von dem teuren Zeug verwendet hatte, aber das musste schließlich sein. Es war zum Wohle der ganzen Gruppe.
      Sie drehte sich um die eigene Achse, musterte die Gegend. Das Gebäude lag genau gegenüber von dem kleinen Lagerhaus und an beiden Seiten knöpfte eine Straße an die Straße des Lagerhauses an. Wenn sie Valterri anlockte und den Rauch warf, würde er womöglich über die andere Seite hinter den Rauch gelangen wollen oder er würde hindurch laufen und sich paralysieren lassen. So oder so erschien ihr das wie eine ganz gute Idee.
      Sie räusperte sich. Sie war längst keine so gute Schauspielerin wie Pria, aber für diesen Moment würde es wohl irgendwie reichen müssen. Sie holte tief Luft und dann kreischte sie, so laut sie konnte.
      "AHHHHHHH! HIIILFE! ICH WERDE ANGEGRIFFEEEEN! AHHHHH!"
      Dann warf sie die Rauchgranate. Der kleine Ball landete genau vor der Kreuzung zur Straße von Valterri und der Rauch waberte gut sichtbar hervor. Elraya schrie noch einmal, einfach, weil es ihr Spaß machte, kletterte dann wieder auf das Dach und kroch zum gegenüberliegenden Dachrand um zu beobachten. Wenn Valterri den Rauch sah, würde er womöglich denken, dass sie wieder da war, um eine Zivilistin anzugreifen, und dann würde er vielleicht versuchen, sie zu fassen. Dafür müsste er aber erst über die andere Straße das Gebäude umrunden, um hinter den Rauch zu gelangen, und in der Zeit konnte sie ihre letzte Granate im Lagerhaus zünden und Lodoz befreien. Entweder das, oder sie brachte ihren Bruder um.
    • Der Arzt war so frei sich vorerst um die Eingangstür zu kümmern und zugleich zwei antrabende Wachen abzuweisen indem er erklärte dass es sich um einen Notfall gehandelt hatte von welchem er erfahren hat, dummerweise aber vergessen hatte die Tür zu entriegeln. Es sei bereits jeder Schaden bezahlt und es gäbe keinen Grund für dessen Hilfe, was für die Wachen mehr als genug Grund war um sich wieder in einem schattigen Platz nieder zu lassen.

      Währenddessen richtete sich Aradan wieder etwas auf, tatsächlich leicht blass und dennoch rang er sich ein Lächeln hinaus. Wie hätte er nun so schwächelnd vor Renera ausgesehen, immerhin hatte sie deutlich größere Schmerzen und obendrein ein Erlebnis durch machen müssen, was sie wohl sicher nie wieder auch nur ansatzweise erleben wollte.
      Also rang er sich auf die Beine um wieder neben ihr stehen zu können.
      "Was soll ich sagen... Mir blieb nicht viel übrig um dir zu helfen. Dieses irre Biest von einer Frau war dabei nicht mal mein Problem. Es war dieser Rauch. Ich konnte mich einfach nicht bewegen und sah wie dich dieser Kerl in den Schuppen zog... Du kannst dir nicht vorstellen was für Bilder in mir abliefen. Dann tauchte Valteri und Daikta auf, welcher mir zum Glück helfen konnte. Die Betäubung lies zwar schnell nach aber mein Kreislauf war nicht schnell genug um meine Motorik in gang zu setzen. Also lies ich mir Adrenalin von ihm verabreichen. Ich gebe ihm keine Schuld für die Überdosis.. Ich habe die Beiden angebrüllt und Druck gemacht. Der Gedanke dass dieser Kerl sich an dich vergeht..."
      Er atmete kurz durch und sah etwas beschämt zur Seite
      "Ich.. Ehrlich gesagt.. Als die Beiden noch nicht da waren, habe ich sogar versucht mit Minerva zu tauschen nur um dir zu helfen aber allem Anschein nach kann ich nicht ins Zwielicht wenn ich nicht Herr all meiner Sinne bin."
      Dann seufzte er und sah Renera wieder mit ernstem Blick an
      "Hauptsache ist dass dir nicht passiert ist was ich mir ausgemalt hab."


      Die Fragestunde verlief bestens. Jarku hatte seinen Spaß und konnte sein Opfer bestens für neue Rezepturen missbrauchen was Aradan unter anderen Umständen niemals erlaubt hätte... geschweige denn irgendwer anderes aus der Gruppe. Vermutlich hätten sogar die Zwillinge ihm das Essen verwehrt.
      Beinahe wie ein kleiner verrückter Professor hockte Jarku auf einem Stuhl um genau vor dem klaffenden Arm von Lodoz halt zu haben. Es war die perfekte Pforte für einen schnellen Einlass in dessen Blutkreislauf. Das erste Gift hatte dieser taffe Kerl schon durchstanden, auch wenn er sich dabei fast schon sein Gebiss zersprengte, so heftig wie er sich anspannte.
      "NICHTS...Kriegt ihr aus mir raus!!"
      zischte er schnaubend mit pochenden Adern auf seiner Stirn. Dann bekam er eine leichte Ohrfeige.
      "Na na na. Nicht so voreilig. Wir haben noch einen langen Tag und eine lange Nacht vor uns."
      Diese unglaublich amüsierte Art von Jarku lies dann tatsächlich leicht den Angstschweiß über Lodoz Rücken laufen. Ihm kam es vor als hätte er einen gestörten Bruder von Berek vor sich, was schon was heißen sollte.
      "Weißt du.. Ihr habt ja sicher ne plausible Geschichte und ganz sicher auch einen Grund für euren bescheuerten Plan aber..."
      Dann kam Jarku ganz nah an Lodoz Gesicht und grinste
      "... Wer sich an unsere kleine Familie vergreift, muss ganz einfach bezahlen" er lachte als wäre es lächerlich plausibel ehe er einen weiteren Tropfen des ersten Giftes in seine Wunde träufeln lies.
      Dieses mal hielt Lodoz den Schmerz nicht mehr aus. Die ersten Geräusche kamen lautstark aus ihm heraus, doch weigerte er sich noch den Mund dabei zu öffnen. Erst als der Schmerz nach weiteren 5 Minuten abklang, hechelte er schwitzend.
      "Hey Jarku. Wie wäre es wenn du ihm mal ne Frage stellst?"
      "OH!! Hast recht. EEEEHM... Okay. Dann sag mal. Warum seid ihr Zwei auf die glorreiche Idee gekommen Aradan und Renera anzugreifen. Ach und bevor du schweigst.."
      Da träufelte er zwei weitere Tropfen in die Wunde, was dann auch für Lodoz zu fiel war. Er brüllte wild vor Schmerzen und zappelte wie Wild im Stuhl herum, welcher dabei beinahe zu zerbrechen drohte.
      Als er endlich wieder in der Lage war Luft zu schnappen, schloss er den Mund mit gepressten Lippen und legte den Kopf angespannt in den Nacken bis Jarku dieses verdammte Gift wieder in die Nähe seines Armes hielt.
      "FICK DICH !!! Wenn ich rede, bin ich Tod !!! Wenn ich das hier überstehe, bin ich Tod !!!"
      "Na schau. Warum also vor dem Tod so viel leiden? Eines meiner Gifte wird dich ohnehin irgendwann umbringen. Mach es dir doch also nicht so schwer."
      "GELD!! Verflucht nochmal! Wir haben gehört ihr seid reiche Adelige.. Gelehrte oder so n Scheiß!"
      "Hmmmm.... NAH, kauf ich dir nicht ab."
      Dann tropfte es weitere zwei mal, gefolgt von weiterem schmerzerfülltem Schreien.


      Valteri bekam das natürlich mit, auch wenn die Beiden die Fenster von innen mit Brettern zu genagelt hatten und ein Tuch an die Tür gepresst hatten um möglichst viel Lärm zurück zu halten. Jarku verstand etwas von seinen giften und somit eignete er sich auch perfekt für einen solchen Job. Valteri musste nur dafür sorgen dass niemand diesen Raum betrat, selbst wenn es eine Wache war die zufällig doch die Schreie hören würde. Oder gar Verstärkung des Mannes kommen würde. Ja vielleicht sogar diese Frau wieder auftauchte.
      Und kaum als er diesen Gedanke zu Ende geführt hatte, hörte er einen Hilferuf in der Ferne und sogar Rauch. Brannte es etwa? Aber warum wurde um Hilfe wegen eines Angriffs gerufen?
      Direkt zog Valteri eine, für seine Verhältnisse, kleine Axt aus seinem Hüftholster, welche bei normal großen Menschen eine vollkommen normal große Streitaxt war und lehnte seine Zweihandaxt gegen die Tür ehe er los stampfte um sich nach dem Schrei zu erkundigen. Doch kaum 5 Schritte in diese Richtung, blieb er stehen und hob seinen Kopf bedacht an. Nein. Da stimmte etwas nicht. Das musste eine Ablenkung sein. Und selbst wenn nicht, gab es Wachen die sich um diese Angelegenheiten kümmern mussten, also steckte er seine Axt wieder weg und ging zurück zur Tür, blickte dabei immer wieder um sich, nun klar in Alarmbereitschaft.
    • Renera zwang sich ein Lächeln ab. Es war wirklich niedlich zu sehen, dass Aradan selbst dann noch versuchte, sie in Schutz zu nehmen, wenn er nichtmal sich selbst schützen konnte. Allerdings hatte seine Erzählung auch einen bitteren Unterton, den sie nicht ignorieren konnte.
      "Du darfst dich nicht freiwillig auf Minerva einlassen - nichtmal in so einer Situation. Versprich mir das, Aradan. In so einer Stadt hätte sie sonst was anstellen können."
      Sie drückte seine Hand erneut.
      "Ich wäre schon klar gekommen. Das war einfach... Pech."
      Renera war nicht unbedingt gut im Lügen, deswegen ließ sie es gleich wieder bleiben. Sie wollte sich gar nicht mit dem Gedanken befassen, wie es hätte ausgehen können, nicht wenn sie glaubte, dass ihr Zittern sie wieder verraten würde. Also lieber gar nicht erst darüber nachdenken.
      "... Aber ich bin froh, dass du da warst. Dass du immer noch da bist." Sie lächelte ihn an, diesmal aufrichtiger. "Vielleicht sollten wir für heute lieber im Gasthaus bleiben. Ich glaube, ich habe keine Lust auf weitere Überraschungsangriffe."

      Aus dem Lagerhaus ertönte das Brüllen von einem Bär, das ganz eindeutig Lodoz zuzuschreiben war. Das Geräusch verursachte eine Gänsehaut auf Elrayas Rücken, die ihren Bruder noch nie schreien gehört hatte. Was zum Teufel stellten die mit ihm an?! Sie bekam ja schon fast Mitleid mit ihm.
      Der Riese sprang auf den Rauch an, aber dann, zu Elrayas vollsten Bestürzung, machte er auf halbem Weg wieder kehrt und stampfte zurück zur Tür, sich diesmal nach allen Richtungen umsehend. War sie etwa nicht überzeugend genug gewesen?! Sie glaubte, dass ihr Schrei schon ziemlich echt gewirkt hatte, aber bei sowas war eigentlich immer Pria am besten. So eine unglaubliche Scheiße. Sie konnte doch nicht zulassen, dass sie ihren Bruder dort drin folterten! Denk nach, Elraya!
      Sie kletterte wieder vom Dach und umrundete das Lagerhaus in einem weiten Bogen, um jederzeit außerhalb Valterris Sichtweite zu bleiben. Dann schlich sie sich auf leisen Sohlen heran und untersuchte die Rückwand. Das Haus war zwar alt und heruntergekommen, aber sie fand kein Loch, nichts, was sie hätte nutzen können. Die Fenster waren mit Brettern verstärkt. Einen Keller hatten solche Lagerhäuser nicht. Vielleicht gab es einen Luftschacht? Aber wozu gäbe es dann Fenster? Sie wollte sich durch die Haare raufen, strich an ihren Stoppeln entlang und verkniff sich einen laut ausgesprochenen Fluch. Das Dach, ihre letzte Möglichkeit.
      Sie machte sich an einen mühsamen Aufstieg, bei dem sie ständig darauf achten musste keinen Lärm zu machen, um auch niemanden zu alarmieren, ehe sie sich über die Dachkante zog und die Ziegeln überprüfte. Ein paar waren lose, aber das half ihr nichts. Das Haus hatte keinen Kamin, keinen Luftschacht, keinen Abzug. Wer entwarf solche dämlichen Lager?! Man sollte ihm Sand in die Lunge gießen.
      Unmittelbar unter dem Dach an der Seite fand sie Fenster, die zu hoch lagen, um vernagelt zu werden. Sie wagte einen kurzen Blick durch eines der Fenster und, nachdem sie unbemerkt blieb, lehnte sie sich vor, um den Innenraum auszuspähen.
      Lodoz saß an einen Stuhl gefesselt und vor ihm der Mann mit den Giften. Er hatte bereits eine ganze Palette aus Mixturen bereit gestellt und befüllte Lodoz damit, der bereits ziemlich lädiert wirkte und kaum so aussah, als würde er noch lange durchhalten. Der andere Mann stand direkt unter Elrayas Fenster.
      Der Rest des Raumes war ziemlich unordentlich mit gestapelten Möbeln an den Wänden, ein paar Kisten und altem Plunder. Es war gerade mal so viel Platz geschaffen worden, um den Tisch und den Stuhl in der Mitte aufzubauen, doch der Rest war so ziemlich voll. Auch unter Elrayas Fenster.
      Sie beobachtete die drei und wägte ab. Lodoz sah nicht so aus, als ob er lange die Luft anhalten könnte, geschweige denn gleichzeitig eine waghalsige Flucht antreten. Damit fiel ihre Rauchbombe aus. Vielleicht etwas aggressiveres? Sie ging ihren Gürtel an Spielzeugen durch, die sie regelmäßig von Berek zugesteckt bekam. Was davon eignete sich dazu, zwei von drei Personen in einem Raum zu erlegen und mit der dritten Person zu entkommen? Gift? Ja, schon. Wenn sie schnell genug war. Wobei, Schnelligkeit war für sie eigentlich nie ein Problem.
      Sie kauerte sich zurück auf das Dach, zückte zwei Wurfmesser und ihre Phiole und träufelte ein paar Tropfen auf die Klingen. Sie mussten ja nicht sterben, nur ein bisschen ohnmächtig werden. Vielleicht brauchte sie das Gift ein zweites Mal.
      Sie beugte sich wieder über den Rand, platzierte die Messer neben sich und zückte den Glasschneider. Dann wartete sie auf Lodoz' Geschrei und als er erneut schmerzerfüllt aufbrüllte, setzte sie den Glasschneider an und schnitt. Sie stoppte, wenn er stoppte, und fing wieder an, wenn er anfing. Schließlich hob sie das Glas vorsichtig nach außen heraus und platzierte es genauso neben sich, hauptsache, sie verursachte dabei keine Geräusche. Dann zog sie das Seil hervor, das sie um die Schulter geschlungen trug, befestigte es um ihre Hüfte und um den Dachrand, griff sich ihre beiden Wurfmesser und die letzte Rauchbombe. Jetzt musste sie schnell sein. So schnell wie noch nie zuvor in ihrem Leben.
      Sie kletterte auf die Höhe des Fensters hinab und platzierte sich. Sie ergriff die Rauchbombe, zielte damit an die Ecke zu Valterris Seite und warf sie schließlich. Elraya war gut im Werfen, denn Geschosse waren immer schnell und das war quasi ihr Markenzeichen. Die Rauchbombe flog haarscharf an der Kante vorbei und landete vorne auf der Straße neben Valterri. Der Rauch trat unmittelbar aus.
      Elraya zückte zur gleichen Zeit ihre Messer, zielte für eine knappe Sekunde und warf dann eins auf den Giftmann, ehe sie sich durch das Fenster beugte und auch eins auf den Mann unter ihr warf. Ihre Würfe waren schneller, als der Riese draußen Alarm schlagen konnte. Wenn sie jetzt auch noch getroffen hatte, würde sie hineinspringen, Lodoz befreien und ihm das Seil geben, damit er sich mit dessen Hilfe auf das Dach ziehen konnte und mit ihr in Richtung Kanalisation verschwinden konnte. Solange sie getroffen hatte - und solange der Riese draußen vom Rauch erfasst wurde.
    • Aradan stimmte zu. Es war nun tatsächlich das Beste den Tag mit Ruhe zu verbringen, also gingen beide ziemlich ausgelaugt in Richtung Gasthaus. Dem Arzt versicherte Aradan eine gute Bezahlung, sagte ihm auch dass sie im Gasthaus des eisernen Keilers unter gebracht waren um notfalls mit Wachen Gewalt an sein Geld zu kommen.
      Dort angekommen bot sich aber doch ein weiteres überraschendes Bild. im Raum von Aradan und Renera war alles umgeworfen, die Bettsachen zerpflügt und die Waffen waren weg.
      "Das kann doch wohl nicht wahr sein..."
      Meinte Aradan bestürzt und sah sich in der Ecke um wo er sein Schwert hinterlassen hatte.
      "Verflucht nochmal das war kein normales Schwert! Gott sogar das Essen wurde gestolen."
      Direkt ging er ins zweite Stockwerk um den Raum von Valteri zu prüfen. Genau das Gleiche. Alles verwüstet. Doch das erste was Aradan direkt im Blickfeld auffiel war der Spion, welcher noch in seiner Ecke gelegen hat.
      "Hey was ist hier passiert?!"
      Doch beim näheren rankommen rock Aradan schon Eisen in der Luft. Und nun auch woher es kam. Ihm wurde direkt ins Herz gestochen.. Ein schneller Tod.. wenigstens etwas. Doch dann packte ihn leichte Panik. Aradan rannte los in den nächsten Raum. Das erste gute Zeichen bisher, denn ging die Tür nicht direkt auf. Er hämmerte unaufhörlich dagegen, bis er das wohl erlösenste Geräusch auf diesem Planeten hörte... das entriegeln des Schlosses und dahinter eine komplett verschlafen und zerzauselte Chie im Nachthemd die sich noch das Auge rieb. Aradan konnte nicht anders als sie sofort zu umarmen. Er hätte sich nie verzeihen können wenn mit den Zwillingen das Gleiche passiert wäre wie mit dem Spion.
      "Gott sei Dank.... Tut mir Leid für den Lärm Chie. Geh wieder schlafen. Ich erkläre alles später"
      Gesagt getan. Chie schloss wieder die Tür, setzte den Riegel ein und hüpfte wieder aufs Bett zu ihrer Schwester, welche sich durch den Lärm kein Stück aus der Ruhe gebracht hatte.

      Dann wandte sich Aradan zu Renera, die immerzu hinter ihm war.
      "Okay.. Gehen wir das alles ganz in Ruhe durch. Wir sind hier in einer Stadt. Eine recht hohe Kriminalität ist da normal. Obendrein sind wir in Gewändern hier aufgetaucht die ganz klar nicht ins Bild passten. Da war uns die Aufmerksamkeit schon mal sicher. Aber eine weitere Sache beunruhigt mich viel mehr. Diese Frau auf dem Übungsplatz. Sie war sich so sicher gewonnen zu haben, dass sie mir erzählte was sie wollten. Erst hat sie mir mein Gold genommen, suchte aber ganz gezielt nach Kryss. Sie wusste dass wir Kryss haben! Verstehst du?"
      Sein Blick war ernst. Es war überdeutlich dass nur eine einzige Person davon gewusst hat, welche die Gruppe kurz zuvor verlassen hatte.
      Ohne auf eine Antwort zu warten, schritt er zurück in das Zimmer von Valteri und co. Dann war es klar. In keiner einzigen Ecke sah er die Truhe.
      "Das ist gar nicht gut Renera..."



      Lodoz war kurz davor sein Bewusstsein zu verlieren. Alles vor ihm wirkte als würde er durch milchiges Glas schauen. Seine Finger zitterten unaufhörlich und sein Puls war so unregelmäßig wie er nur sein konnte. Nichts wünschte er sich in diesem Moment mehr als einfach nur die Lichter aus gehen zu lassen, doch wusste sein Peiniger exakt was er tat. Immer wenn er grade dabei war abzudriften, hielt dieser Jarku ihm etwas unter die Nase, was ihn augenblicklich wieder hellwach machte. Ein absolut beißender, widerwärtiger Geruch mit einer Wirkung die er so noch nie erlebt hatte.
      Valteri war draußen permanent in Alarmbereitschaft, nun sogar mehr als zuvor, denn als der Rauch in der Ferne wieder verzogen war, war einfach alles still. Kein einziger Mucks mehr, als wäre es ein aufgegebener Plan gewesen. Was auch immer hier passierte, galt sicher dem Mann den sie grade befragten. So fing Valteri nun auch an ausschau auf den Dächern vor ihm zu halten.
      Im Lager selbst notierte sich Daikata alles was aus Lodoz raus kam in seinem Kopf und blieb an der Wand gelehnt. Bisher hatten sie die Namen von ihm und seiner Schwester erfahren die Aradan und Renera überfallen hatten. Damit würde sich jetzt schon gut arbeiten lassen. Sogar dass sie einen Auftraggeber haben, dessen Namen er aber unter keinen Umständen verraten kann, da sonst mehr Leute sterben werden als nur er. Dieser Satz hatte aber ganz klar schon einiges preis gegeben und zwar dass ein ziemlich großer Strippenzieher hinter allem steckte. Gott war denn alles immer das Gleiche in solchen Städten? Dachte sich Daikata genervt. All die Erfahrung die er aus seinem Stadtleben erfahren hatte, wiederholte sich immer und immer wieder. Irgendwer mit fragwürdiger Macht, schickt unter Druckmitteln andere für seine Zwecke los. In der Regel hatte so einer ganz viele kleine Vögelchen wie man es nannte. Bezahlte oder mit Druckmitteln beinahe versklavte Menschen die nichts anderes tun können als zu tun was gewollt wurde. Sie hielten immer ausschau und berichteten sofort alles ungewöhnliche. Beinahe als wäre eine Stadt ein enormes Spinnen Nest.
      Und dann passierte endlich etwas. Der Grund für Daikata's Wahl an der Wand zu lehnen bewies sich als guter Schachzug. So hatte er den einzigen Lichteinfall auf der anderen Seite des Lagers bestens im Augenwinkel. Er hätte sogar bemerkt wenn sich nur ein Vogel ans Fenster gesetzt hätte, immerhin wäre der Schatten deutlich größer eingefallen.
      Er wusste zwar nicht was da am Fenster über ihn passierte, doch ganz klar werkelte da kein Tier dran herum. Er erinnerte sich daran was Aradan sagte. Der Einsatz von lähmendem Rauch. Dann diese Frau namens Elraya die vom Übungsplatz geflohen war. Das musste sie sein. Und ein solcher Raum war perfekt für Rauchangriffe. Beinahe schon als wären sie in einer ausweglosen Falle. Alles was Daikata nun blieb war Ruhe zu bewahren und sich langsam und unbemerkt ein nasses Tuch vor Mund und Nase zu binden. Jarku gab er nicht bescheid da es die Frau womöglich abgeschreckt hätte und von da an noch mehr Zeit zum Planen gewonnen hätte.
      Akribisch wartete er auf ihren ersten Zug, welcher dann auch endlich kam. Doch entgegen seiner Erwartung, warf sie tatsächlich mit Messern in den Raum hinein?! Erst traf sie Jarku's Oberschenkel, welcher sofort verwundert an sich runter sah und diesen Reflexartig wieder hinaus zog, dann kam logischerweise einer direkt auf ihn selbst zu. Vorbereitet genug, stieß er sich grade noch rechtzeitig wuchtig von der Wand ab, rutschte auf dem Boden, wandte sich zum Fenster und warf ein Kugelrundes Fläschchen rauf. Dabei war es kaum wichtig die Frau zu treffen. Nur dass das Fläschchen platzte. Es beinhaltete selbst ein giftiges Gas, statt Rauch. Es hatte einen kleineren Wirkungsbereich und verteilte sich auch nicht so weit wie Rauch aber es bedurfte nur einen Tropfen an der Haut oder ein kleiner Atemzug um das nach saurer Kirsche riechende Gas wirken zu lassen. Es hätte bei Kontakt sofort angefangen sich in die Haut zu fressen und schwerste Verbrennungen zu verursachen, die ganz klare Narben zurück lassen würden wenn man es nicht augenblicklich behandeln würde. Es war unfassbar leicht diese Verbrennung zu neutralisieren, doch wussten nur wenige womit sie es überhaupt zu tun hatten, wodurch die Behandlung ziemlich schwer wurde.
      Beim einatmen war es ähnlich effektiv aber hinterließ keine Narben oder sonstiges. Es sorgte viel mehr dafür dass sich die Lungenflügel verengten als könnte man keinen einzigen Atemzug mehr machen. Meist führte so etwas flott zur Ohnmacht. Vor allem wenn man dadurch in Panik geriet.
      Draußen hatte Valteri schon mit diesem Rauch zu tun was wohl auch Aradan erwischt hatte. Es landete genau vor ihm und breitete sich rasch aus. Dank seinem Status hatte er aber schon damit gerechnet schnell handeln zu müssen, egal was gekommen wäre. Also hielt er in diesem Fall schnell die Luft an, hielt sich zusätzlich die Nase zu und preschte nach vorne aus dem Rauch raus und blickte auf das Lager. Durch diesem dichten Rauch konnte er allerdings noch nichts erkennen bis auf die ein oder andere Kante des Daches.
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