[2er RPG] The Curse of Time {TobiMcCloud & Codren}

    • Aradan strich Reneras Sorge bei Seite, aber noch im gleichen Satz veränderte sich sein Tonfall mitsamt seiner Ausdrucksweise, als würde er von einem auf den anderen Moment ein anderer Mensch werden. Renera glaubte sogar eine Veränderung in seinem Blick zu bemerken, während er sich weiter in seine Tagträume hineinsteigerte. Das war es dann wohl wieder mit dem ansprechbaren Aradan für heute. Renera wollte schon versuchen ihn in die Realität zurückzuholen, als Aradan sich plötzlich wie wahnsinnig geworden den Kopf gegen den Baum rammte. Renera zuckte bei der Wucht des Aufpralls selbst zusammen, als hätte es sie getroffen.
      "Aradan!"
      Aber er reagierte nicht. Ganz im Gegenteil, er krachte sogar ein weiteres Mal gegen den Baum, ehe er endlich einen halbwegs klaren Blick zurückgewann und daran herabsackte. Renera ließ keine Sekunde vergehen, ehe sie sich vor ihn kniete, bereit dazu einzugreifen, wenn er noch einmal verrückt werden sollte. Jetzt wirkte er allerdings wieder normal - auf der anderen Seite hatte er bis vor ein paar Sekunden auch noch normal gewirkt.
      "Wir probieren es, aber nicht jetzt. Meine Güte, Aradan."
      Sie begutachtete seine Platzwunde und schüttelte gleich den Kopf als er was sagen wollte.
      "Komm mir jetzt nicht mit "es ist nicht so schlimm", das sagst du ungefähr vier Mal am Tag. Wir werden jetzt nicht mehr über dieses Zeichen reden, bis es dir wirklich wieder besser geht. Sonst mach ich bei deinen Experimenten nicht mit, verstanden? Halt still."
      Sie legte ihm die Hand an die Wange, ehe sie behutsam die Blutstropfen auf seiner Stirn wegwischte. Dann begutachtete sie die Wunde kritisch und lehnte sich zurück.
      "Ich werde Daikata holen, damit er sich das ansieht. Und danach wirst du was essen und dich hinlegen. Wir werden heute sowieso nirgends mehr hingehen."
    • Sie tat es schon wieder. Sie widersetzte sich und glaubte nicht dass es ihm wieder gut ging. Aber warum? Es fühlte sich einfach nicht an wie er es gewohnt war. Egal wann er in der Gruppe beteuerte dass es ihm gut geht, wurde es akzeptiert, was ihm die Möglichkeit einspielte stark bleiben zu können. Aber wenn Renera in diesen Momenten eisern blieb und nicht akzeptierte was er sagte, fühlte er sich beinahe schwach. Natürlich hatte sie vollkommen Recht, ihm ging es nicht gut, Gott seit Jahren schon nicht mehr aber das konnte er sich auch einfach nicht erlauben. Wäre eine so bunte Truppe ohne eine führende Person, gäbe es diese schnell nicht mehr und sie würden mit Sicherheit schlimme Dinge erfahren. Jarku wäre ganz bestimmt schnell in der Gosse, hoch verschuldet dank seiner Sucht sich Glücksspielen hin zu geben. Kiliak wäre seinen Kopf los sobald er in einer Stadt dem ersten Würdenträger begegnen würde und diesen direkt anpöbelt. Daikata würde seinen Hass erliegen und die Zwillinge würden sicherlich aufgrund ihres Aussehens schnell wieder in Freudenhäusern landen...
      Aber nach all seinen Gedanken die nun schon wieder auf ihn ein regneten, war da auch ein kleiner Teil in ihm, welcher Renera's Art willkommen hieß. Es hatte nichts mit ihrer Vergangenheit zu tun. Es war einfach.. etwas anderes. Vielleicht ja sogar etwas gutes? Egal was es war, es würde vorerst auf die lange Liste an Dingen landen, die er noch austüfteln musste.

      Vorerst galt es Renera aufzuhalten.
      "Nein du brauchst ihn nicht holen. Er hat ohnehin kaum noch Arznei bei sich. Kiliak braucht die Schmerzmittel deutlich mehr als ich und auch wenn Valteri wirkt wie ein Felsen der jeden Sturm bezwingen kann, hat auch er sicherlich starke Schmerzen. Mal ganz zu schweigen von dir.."
      Er zeigte kurz auf Renera's Arm.
      "Könnte ich doch nur selbst Magie wirken... Ich wette in Jherl's Erinnerungen wimmelt es von mächtigen Heilzaubern. Keine Angst ich werde mich fürs Erste nicht mehr in seine Erinnerungen verlieren, praktisch wäre es aber dennoch"
      Er zwang sich ein leichtes Lächeln hinaus. Doch statt die Situation aufzulockern, was wohl sein Ziel war, konnte wohl jeder hinaus lesen dass er auch diesen Angriff der Läufer auf seine Kappe nahm. Wäre die Gruppe nicht gezwungen gewesen ihn zu verteidigen, hätte es ganz sicher andere Möglichkeiten gegeben den Angriff ohne Verletzungen zu bestehen.
    • Renera hatte schon damit gerechnet, dass Aradan ablehnen würde, aber zugegebenermaßen waren seine Argumente stichhaltig, Daikata konnte wahrscheinlich auch nicht mehr ausrichten, als Renera schon tat.
      Sie sah auf ihren bandagierten Arm hinab und winkte ab.
      "Es ist nicht so schlimm. Ich.... Ah."
      Sie erhielt einen Lichtblitz, der ihre ganze Miene erhellte. Auf einmal wurde ihr etwas klar und sie lächelte sanftmütig.
      "Deswegen sagst du immer es geht dir gut: Du willst nicht, dass sich alle Sorgen um dich machen, ist es nicht so? Wir sind wohl tatsächlich im selben Dorf aufgewachsen, nicht wahr?"
      Sie musterte ihn für einen Moment in einem anderen Licht. Was verschwieg er ihnen und womit erzählte er nur soweit die Wahrheit, dass sie nicht weiter nachfragen würden? Renera machte es ja selbst nicht anders. Bloß nicht zu viel erzählen, denn dann kamen Fragen und manche dieser Fragen wollten nicht beantwortet werden.
      Aradan brauchte nichts zu Essen, er brauchte eine Pause von allem und jedem.
      "Lass uns heute über was anderes reden. Wir werden nicht über das Zwielicht reden und nicht über Khil und nicht über unser Ziel und nicht über Kreaturen und einfach über nichts, das uns irgendwie aufregen könnte. Wie wäre das?"
      Sie musterte ihn für einen Moment, dann seufzte sie und setzte sich vollständig auf den Boden zu Aradan.
      "Du musst mir nicht erzählen, was dich bedrückt, aber du kannst es auch nicht ewig wegschließen. Du hast dir den Kopf blutig geschlagen, was muss denn noch passieren, bis du zulässt, dass dir jemand hilft? Bis du etwa wieder stirbst? Ich würde es gerne vermeiden, das ein drittes Mal mitzuerleben."
    • Es geschah genau das was er erst befürchtet hatte, wohl aus genau dem Grund den Renera ansprach.. sie hatten beinahe die gleiche Erziehung genossen. In Melora war es einfach etwas ganz normales sich abzuhärten und jeder Aufgabe gewachsen zu sein, egal ob man es nun war oder nicht. Die Devise war stets..
      "..Was dich nicht tötet macht dich stärker. Zeig Schwäche und du unterliegst den Starken"
      Aradan zitierte die Worte die Wilk und der Hauptmann ständig predigten. Es war aber ganz nett an vergangene Zeiten zu denken, oder zumindest jemanden an der Seite zu haben der aus der selben Zeit stammte.
      Warum also nicht. Zur Abwechslung mal einfach nichts zu tun und nicht permanent an seine Aufgaben zu denken, war eventuell wirklich mal einen Versuch wert.
      Nun also dort sitzend, blickte er ein Stück neben Renera sein noch im Gras liegendes Schwert an. Doch dann führte sie auch schon fort was ihr wohl so auf dem Herzen brannte, dass das Thema doch wieder mehr ins Ernste schwappte. Was wollte sie denn nun? Dass er über nichts nachdenken solle oder dass er doch nicht abschalten soll und ihr gefälligst alles erzählen soll was ihn bedrückt? Sie machte ihm überdeutlich klar dass er sich eigentlich keine Pause gönnen konnte. So fiel es ihm auch immer schwerer zu entspannen, was ihn beinahe dazu brachte direkt wieder ins Zwielicht zu gehen um noch mehr Antworten zu bekommen oder hinauszufinden wie er seinen Kopf schneller wieder in die Reihe bekommen könnte.
      Bevor er aber diesen Schritt gehen würde, seufzte er, strich kurz über die Stelle an seiner Stirn um die sich Renera gekümmert hatte und entschied sich ihr wenigstens etwas entgegen zu kommen indem er seinem Kopf ein wenig Luft machte und tatsächlich aussprach was ihn zumindest in diesem Moment störte.
      "Okay. Ich weiß du möchtest nur helfen. Aber könntest du dann nicht wenigstens die Extremsituationen beiseite schieben? Wenn ich schon versuchen soll für einen Moment an nichts schlimmes zu denken, ist es nicht grade förderlich über meinen Tod oder über die Sache mit meinem Kopf eben zu sprechen."
      Er rang sich ein Lächeln hinaus, welches deutlich machte, dass er versuchen wollte was Renera ihm vorschlug, sie es ihm aber selbst nicht grade leicht machte.
      Daraufhin schwiegen beide sofort einvernehmlich für ein paar Minuten und lauschten nur den Geräuschen der Natur. Aradan gab sein Bestes um über nichts nachzudenken, was nach einer Weile sogar zu funktionieren schien, bis dann aber doch hin und wieder auf kam was er noch alles erledigen musste, allem Voran zu erfahren ob seine Eltern noch lebten und wie es ihnen geht. Kurz gefolgt vom Wohlergehen der Truppe und dem Problem im Zwielicht.
      Es sorgte dafür dass er seinen Kopf nach hinten gegen den Baum legte und sich mit einer Hand die Augen rieb, gefolgt von beiden Händen die sein ganzes Gesicht rieben als würde er sich kräftig mit Wasser waschen.
      "Du kannst dir nicht vorstellen wie Müde ich bin Renera.. Manchmal wünschte ich dass ein Wesen auftaucht dass einfach allem ein Ende bereitet. Oder dass aus dem Nichts wer aus unserem Dorf auftaucht, die Last von mir nimmt und ich zur Abwechslung folgen kann... Eredik, Valia, Gedmir, Cetra, Hauptmann Salkiv, Wilk, oder von mir aus auch Ärztin Momo... Egal wer, ich würde ihnen Folgen."
      Dann folgte ein zynisches Schnauben
      "Ich würd sogar dem alten Quintus folgen. Kaum vorstellbar was er durch gemacht hat, so fertig wie er am Ende war und mich trotzdem noch ausgebildet hat, wenn auch nicht für lang. Oder dieser alte Svenkov. Ich sags dir, ich hätte schwören können dass er sich an dich ran machen will. Oder Tokiv. Mensch wie gerne ich Tokiv von einer Klippe geworfen hätte."
    • Renera lächelte bei dem Spruch, den Aradan zitierte. Wilk war stets mit Sprüchen vollgeladen gewesen, als hätte er sich zu jeder Bewegung drei verschiedene Sprüche ausgedacht, die er zu jeder Situation heraushauen konnte. Eigentlich hatte er genau das auch getan.
      Sie hatte Wilk oder dem Hauptmann für diese Sprüche nie Aufmerksamkeit geschenkt, aber ironischerweise entspannte sie die Erinnerung an diese Zeiten. Sie nickte Aradan entschuldigend zu, drehte sich auf dem Boden um, sodass sie in die gleiche Richtung blickten und schwieg. Daraufhin sagte auch Aradan nichts mehr und bald lauschten sie nur noch dem entfernten Zwitschern der Vögel, dem Rascheln des Grases und den leisen Unterhaltungen der Gruppe, die sich anhörten, als kämen sie von weither. Für den Moment waren ihre Sorgen wie weggeblasen, irgendwo bei Lytien, oder vielleicht sogar noch weiter bei Melora zurückgelassen. Für den Moment genoss sie die Natur, wie sie es früher stets getan hatte.
      Dann fiel ihr Khil wieder ein und weil sie sich noch immer in eine grenzenlose Sorge um sie hineingesteigert fühlte, führte bald ein Gedanke zum nächsten und sie dachte über den Läuferangriff nach und über die Angriffe in Erathis und Melora und schließlich dachte sie über ihre Mutter nach und das kurze Gefühl der Sorglosigkeit war wieder wie weggeblasen.
      Da erhob Aradan wieder das Wort und seine Geste, mit der er seine Müdigkeit erfolgreich unterstrich, sprach ihr aus der Seele. Sie fühlte sich genauso schlecht, wie seine dunklen Augenringe und die Müdigkeitsfalten um seine Augen implizierten. Sie versuchte die Stimmung mit einem Kichern aufzuheitern, aber es klang weit hergeholt und bitter.
      "Da kannst du genauso gut einem Baumgeist nachlaufen, wenigstens kannst du dir bei ihm sicher sein, was sein Ziel sein wird."
      Tokivs Namen zu hören, den Ursprung einer der ersten Stimmen, die in ihrem Kopf schrien, fühlte sich surreal an. Sie hatte schon lange nicht mehr über Tokiv nachgedacht - ganz zu schweigen von den anderen. Ob bis auf Reneras Familie irgendjemand überlebt hatte? Es war schon möglich, aber sie würden ihnen wahrscheinlich nie wieder begegnen. Da konnten sie auch genauso gut tot sein.
      Renera legte den Kopf in den Nacken, aber der Himmel wirkte irgendwie trostlos, selbst nachdem ein paar Vögel vorbeiflogen. Die Wolken waren zu dick, wahrscheinlich würde bald ein Sturm aufziehen.
      "Was würdest du tun, wenn nichts von alledem hier existieren würde, Aradan? Wenn du kein lebender Katalysator wärst, wenn du niemandem das Leben gerettet hättest, wenn es irgendjemand anderen gäbe, der für dich kämpfen würde? Wo würdest du sein und was würdest du tun?"
      Sie beobachtete zwei Sperlinge, die nebenher durch die Luft huschten und knapp über den Zelten hinwegflogen.
      "Ich glaube ich würde nach Tharynar gehen und meinen Kampfmeister machen. Dann würde ich mir einen dieser königlichen Soldaten nehmen - die mit den richtig glänzenden Rüstungen, die den ganzen Tag starr rumstehen - und würde ihn als meinen Leibwächter anstellen. Der würde dann auch für mich kämpfen und mir den Weg frei machen und all so ein Zeug. Ich würde mich richtig wichtig fühlen."
      Sie grinste in sich hinein. Das wäre mal eine Abwechslung, vor diesen lästigen Soldaten nicht fliehen zu müssen, sondern sich von ihnen beschützen zu lassen. Aber natürlich wollte sie nicht alleine in Tharynar herumstolzieren, sie bräuchte jemanden an ihrer Seite, mit dem sie die Bälle besuchen konnte und mit dem sie gemeinsam wichtig aussehen konnte. Alleinstehende Frauen sorgten bei so mächtigen Orten eher für lästiges Getratsche.
      "Und du?"
    • "Ruhe.."
      Antwortete leise und doch entschlossen, als hätte er die Vorstellung über ein alternatives Leben schon etliche Male durchdacht.
      "Ich würde ein Leben voller Ruhe führen. Weißt du in Liurasch kann man sich im Alter von 15 Jahren dazu entscheiden welchen Lebensweg man einschlagen möchte. Einer davon ist die Lehre. Man verschreibt sich Büchern, Weisheiten und dem Frieden. Anniera wählte diesen Pfad. Dann gibt es den Weg des Schutzes. Dieser sorgt, anders als in diesen Landen, tatsächlich nur dafür die anderen vor jeder Bedrohung zu schützen. Dort gab es nie eine andere Großmacht die an die Spitze wollte, weil es eine solche Spitze einfach nicht gab. Alle helfen sich gegenseitig aus und versuchen friedlich miteinander zu existieren und nicht des anderen Macht zu übernehmen. Dieser Lebensweg entstand sogar erst nachdem man dort erfahren hat wie der Großteil der Menschheit außerhalb dessen Grenzen lebte.
      Aber der Weg der Stille... Hätte ich die Wahl, würde ich mich diesem verpflichten. Wählt man diesen Weg, zieht man an einen großen Tempel auf einem Berg. Man erlernt eine Sprache, die nur mit dem Körper ausgedrückt werden kann, kein einziger Laut muss die Lippen verlassen. Dort lebt man nur mit den Geräuschen der Natur und sucht nach dem inneren Frieden. Manche in Liurasch behaupten dass dieser Weg nur von den aller wenigsten erfolgreich beschritten wurde, doch sollte man ihn meistern, kann man den vollen Umfang des wahren Friedens in sich aufnehmen."
      Daraufhin lachte Aradan tatsächlich mal als wäre ihm bewusst dass er klingen musste wie ein verträumter kleiner Junge.
      "Aber wer weiß. Vielleicht ist dieses Leben auch ziemlich langweilig. Vielleicht sehne ich mich nur nach Ruhe weil ich nicht weiß wie es sich anfühlt. Ich hab dir ja gezeigt wie es meist im Zwielicht für mich aussieht. Ich denke wenn es mal wirklich Still wäre.... würde ich mich vermutlich fürchten."

      Er blickte leicht zu Renera auf und fragte sich nach ihren Worten, wie sie wohl als eine Befehlshaberin aussehen würde.
      "Schon komisch. Ich kann mir einfach nicht vorstellen wie du wohl als strenge Befehlshaberin wärst. Aber der Gedanke wäre verlockend, nicht mehr kämpfen zu müssen. Wer weiß. Vielleicht wird diese Welt ja tatsächlich irgendwann Frieden erfahren. Möglicherweise war das Vorhaben von Jherl ja gar nicht mal so falsch. Wenn man eine Macht besitzt die so enorm ist, dass sich ihr keiner gewachsen fühlt, könnte man jeden Krieg beenden bevor er überhaupt anfangen würde. Stell es dir mal vor. Wärest du in der Lage eine Macht zu besitzen die dich einfach unbesiegbar gegenüber all deiner Feinde macht, würdest du sie ablehnen?"
    • Renera versuchte sich einen Ort vorzustellen, in dem man sich dazu entscheiden musste, was man für den Rest seines Lebens tun würde. Entweder man würde sich den Büchern verschreiben oder dem Kampf oder der Lehre, aber anscheinend nicht alles zusammen. Wie sollte man in einer solchen Welt zurechtkommen? Wie sollte man tatsächlich wissen, ob man den Rest seines Lebens in Bücher starren wollte, wenn man womöglich doch nach dem Schwert greifen sollte?
      Wie wäre Khil in so einer Welt nur ihrem Schicksal entkommen? Oh Khil.
      Renera verdrängte den ablenkenden Gedanken an die Gelehrte schnell wieder und konzentrierte sich stattdessen auf Aradan. Er schien mit dieser Vorstellung recht glücklich, mehr noch, er schien sich zu so etwas zu sehnen. Seinen Blick verließ eine gewisse Ernsthaftigkeit und trat stattdessen eine Träumerei, mit der er sich wohl in eine solche Welt hineinzuversetzen versuchte.
      "Das hört sich merkwürdig an. Zu viel von dem einen und zu wenig vom anderen."
      Es passte tatsächlich nicht, aber für die Leute in Liurasch war die Lebensweise der Isnijan wahrscheinlich ebenso merkwürdig.
      Mit Aradans nächster Frage musste sie unwillkürlich an den Angriff auf Melora denken und die Art und Weise, wie Wilk versuchte hatte auch den letzten Läufer daran zu hindern durchzukommen. Die Frage war einfach zu beantworten.
      "Ich würde sie annehmen, aber nur, solange meine Feinde auch existieren. Vielleicht so... fünf Minuten. Dann würde ich mich durch alle Kreaturen durchschlagen und hinterher muss dann nur jemand da sein, um aufzuräumen."
      Sie grinste, aber nur kurz.
      "Aber wenn ich so eine Macht zu lange besäße, dann hätte ich irgendwann keine Feinde mehr. Und dann würde ich vermutlich anfangen auch meine Freunde abzuschlachten. Es gibt Gründe, weshalb sich niemand solchen Mächten gewachsen fühlt und das ist sicherlich einer davon."
      Sie musterte Aradan von der Seite.
      "Solche Kräfte sind gefährlich. Ich glaube mir sind unsere traditionellen Methoden lieber. Aber das kannst du wahrscheinlich besser einschätzen als ich."
      Dann sah sie wieder in den Himmel empor.
      "Wenn ich eines Tages einen Leibwächter habe, werde ich dir auch einen geben. Und dann können unsere Leibwächter für uns kämpfen und wir lehnen uns zurück und lassen uns bedienen... von ein paar mehr Leibwächtern. Natürlich nur, wenn wir für so einen Luxus lang genug leben."
    • Die Gespräche zwischen den Beiden zogen sich noch eine Weile hin. Melora, Wünsche, Hoffnungen, die Palette war groß worüber die Beiden sich ausließen. Doch sollten die Beiden kaum eine Stunde für sich bekommen als Jarku die Ruhe unterbrach. Er kam durch ein dichtes Gestrüpp, was ihn schon frühzeitig heran stolpern hören lies. Scheinbar hatte er den leichteren Weg, wenige meter neben dem Gestrüpp, nicht bemerkt.
      "Ah, hier seid ihr. Es wird bald dunkel und die Zwillinge haben ihren schmackhaften Rehfleisch Eintopf gezaubert. Wenn ihr also noch etwas abbekommen wollt, bevor Valteri sich alles hinein schüttet, solltet ihr wieder kommen."

      Und so war es tatsächlich der richtige Zeitpunkt zurück zu kehren. Bald wäre es bei dieser mondlosen Nacht kaum noch möglich gewesen ohne häufigem Raten noch den Weg zurück zu finden.
      So verbrachten alle anwesenden noch einen angenehmen Abend mit dem tatsächlich wieder perfekt gelungenem Eintopf ihre wohl vorerst letzte Nacht im Freien, denn laut der zwar alten Karte, sollte bald eine Stadt auf sie warten. Bei guter Schrittgeschwindigkeit sogar in weniger als 6 Stunden von deren momentanen Lager.
      Daikata versicherte der Truppe aber dass sie diese Stadt bald antreffen, immerhin hatte er schon via einer Brieftaube Zimmer für Alle im hiesigen Gasthaus reservieren lassen als noch alle am Hafen waren. Zwar war Renera und Khiel zu dem Zeitpunkt noch nicht auf dem Plan gewesen, doch fehlte der Truppe nun ohnehin die Ärztin und Khil, wodurch die Rechnung wieder auf ging. Es blieb eigentlich nur zu hoffen dass der Gastwirt ein ehrlicher Mensch war und nicht vor Ort behaupten würde keine Reservierung empfangen zu haben.

      So begab sich die Truppe auch schon am nächsten Tag auf den Weg zur Stadt von Shegar. Den Gerüchten zur Folge galt sie als gut vor Wesen geschützte Stadt, da sie nicht nur gut verbautes Mauerwerk zum Schutz bot, sondern auch noch einen tief ausgetragenen Mauergraben um sich trug. Läufer waren zwar gefährlich, schnell und voller Mordlust, doch brauchten diese ebenso Luft wie Menschen um zu atmen, was im tief bewässerten Mauergraben kaum möglich war.
      Aradan sehnte sich schon endlich wieder in einem Bett schlafen zu können ohne mit halben Ohr wach zu bleiben für die eventuelle Gefahr eines Überfalls... Auch wenn es wohl in einer Stadt nie ganz Gefahrlos war. Fenster und Türen galt es dort wohl auch immer fest zu verschließen, sonst würde man einem jeden Banditen beinahe erlauben ihr Nachtwerk zu erledigen während man schlief.. oder versuchte zu schlafen.

      Es kam nach knappen 7 Stunden Marsch des nächsten Tages tatsächlich dazu wie es Daikata versichert hatte. Noch bevor man die Mauern erblicken konnte, kamen bereits erste Bauern, Schafe und Jäger der Truppe entgegen. Es wirkte beinahe als würde dieser Ort keine Monster kennen, so befreit und Sorglos wie sie ihrem Tagewerk nach gingen.
      Die Truppe selbst blieb jedoch bedacht, was wohl aber auch daran liegen durfte, dass beinahe jeder arge Wunden mit sich trug und kaum richtig entspannen konnte.
      Der Einlass selbst, als sie die zwei großen Torbögen erblickten, wurde ihnen von einer angeführten Wache, welche ganze 7 weitere im Rücken hatte, gewährt nachdem Daikata erklärte wer sie waren und dass sie bereits im Gasthaus des steinernen Keiler's für alle ein Zimmer reserviert hatten.
      Zwar kostete es "für die Bestätigung" nochmals etwas Gold, doch nahm diese Gebühr beinahe jede Wache. Es gehörte fast schon dazu, als würde man Wegzoll für Banditen zahlen müssen.

      Dennoch war die Truppe klar erleichtert als sie unter Menschen waren. Den Zwillingen ging es zwar als einzigen nicht so, doch waren sie auch die Ersten die von Aradan ihr Zimmer bekamen, nachdem sie den steinernen Keiler gefunden und ihre Zimmer auch bestätigt bekamen.
      Die Zwillinge huschten ziemlich schnell hinein und spielten indem sie auf ihrem großen Bett herum sprangen.
      Ebenso ging es Kiliak und Jarku, welche sich auch ein großes Zimmer teilten. Es wirkte beinahe so als wäre Kiliak im selben Moment eingeschlafen, als sein Körper mit dem Bett zu verschmelzen schien. Jarku selbst setzte sich aber erst einmal an einen Tisch und genoss es in vollen Zügen seine Anspannung abzulassen.
      Das nächste Zimmer teilten sich Daikata und Valteri, obwohl letzterer ganz sicher das ganze Bett für sich einnehmen würde. Doch war es genau anders rum. Valteri mochte keine weichen Betten. Er bevorzugte den Boden mit einer Decke, die er ohnehin dabei hatte. So bekam Daikata das große Bett komplett für sich alleine.
      Als nächstes kamen die vier Personen, welche sich auf der gesamten Reise nie auch nur ein mal gemeldet hatten und ebenso nie ihre tiefen Kapuzen hoben um ihre Gesichter zu zeigen. Für diese vier nahm sich Aradan eine ganze Weile, noch vor dem Gasthaus. Er sprach mit ihnen, gab allen etwas in die Hand und verabschiedete sich anschließend, bis er zu Renera ging und ihr ganz offensichtlich leicht verlegen etwas mitteilen musste, dafür aber die richtigen Worte suchte.
      Es war der Fakt dass das letzte Zimmer für Aradan und die Ärztin reserviert wurde. Zu diesem Zeitpunkt kümmerte sich die Ärztin noch regelmäßig um Aradan und hatte ohnehin schon beinahe an jedem seiner Körperteile herum Doktoren müssen, also war es ihm egal mit ihr ein Zimmer zu teilen. Doch jetzt musste er Renera erklären dass er und sie dieses Zimmer teilten. Also stand er gen Ende mit Renera alleine in diesem Raum, welches alles bot was man in diesem Königreich für Gold mieten konnte, ehe er das Wort erhob.
      "Dir ist es sicher aufgefallen.. Wir haben nur Doppelzimmer reserviert. Aber mach dir bitte keine Gedanken. Wenn du es vorziehst, werde ich bei Valteri und Daikata übernachten. So wie ich Valteri kenne, wird er ohnehin nicht in einem Bett schlafen."
    • Das Gespräch mit Aradan wirkte belebend. Sie unterhielten sich über alles, was ihnen keine Kopfschmerzen bereitete und gerieten dabei nichtmal in Erklärungsnot. Beide wussten, wie der andere sich fühlte und die Vorstellungen des einen waren häufig nicht weit entfernt von denen des anderen.
      Allerdings verdrängte es ihre Sorgen nur für wenige Stunden. Als sie zurück zum Lager kehrten und Daikata ihnen von der Stadt berichtete, die sie bald erreichten sollten, wuchsen Reneras Gedanken wieder in die Richtung ihrer Ängste. Sie war nicht wirklich erpicht darauf, sich in die Nähe von Soldaten zu begeben, aber in der Gruppe würde sie immerhin einigermaßen geschützt sein. Außerdem hatte dort vielleicht jemand Khil gesehen.
      Sie bestand darauf die Nachtwache zu übernehmen, aus dem unsinnigen Glauben, dass die Gelehrte womöglich tatsächlich zurückkehren würde, aber was sie davon hatte war eine ewig andauernde Nacht, geplagt von Zweifeln und Ängsten, die nicht von einem Gespräch mit Aradan gelindert wurden. Stattdessen war sie ihren Gedanken allein ausgeliefert und das war beinahe schlimmer als die tatsächliche Vorstellung dessen, was mit Khil alles geschehen mochte.

      Sie erreichten die schützenden Mauern zum frühen Nachmittag des nächsten Tages, wo sie sich erst dem eigentlichen Problem des Einlassens stellen mussten. Allerdings hatte Daikata auch hier vorgesorgt und während sie ihren Aufenthaltsgrund vortrugen, bezahlte er den restlichen Teil des Einlasses mit Goldmünzen. Schließlich wurden sie ohne Vorfälle durchgelassen und in den Trubel der Stadt eingesaugt.
      Hinter dem Tor wimmelte es von Menschenmassen. Die schützenden Mauern sorgten dafür, dass bis auf die Wachen keiner mit Waffen herumlaufen musste, unvorstellbar bei kleineren Dörfern wie Lytien oder gar Melora. Die Soldaten waren hier lediglich für die Ordnung innerhalb der Stadt zuständig, die allerdings von Dieben oder Kriminellen auf die Probe gestellt wurde. Die Gefahr der Kreaturen war hier auf ein Minimum beschränkt und an deren Stelle traten andere Probleme, die aus der eigentlich so sicheren Stadt dennoch einen gefährlichen Ort machten.
      Die Gruppe machte sich zum Gasthaus auf, wo bereits - wie angekündigt - die Zimmer auf sie warteten. Das Gebäude lag abgeschieden, entfernt von dem gewöhnlichen Trubel, der um den riesigen Marktplatz trieb, besaß aber dennoch eine gute Anbindung zur Ortsmitte, sodass man die Ruhe genießen und gleichzeitig seinen Geschäften innerhalb der Stadt nachgehen konnte. Es war nicht so voll, um von anderen Gästen gestört zu werden, aber auch nicht so leer, um sich Gedanken über den Ruf des Gasthauses machen zu müssen.
      Die Truppe wurde ausschließlich in Doppelzimmern untergebracht und so winkte Renera knapp ab, als Aradan ihr anbot, zu Valterri und Daikata umzuziehen.
      "Wir sollten uns hier alle gut ausruhen und lieber teile ich ein Zimmer mit dir, als mit Jarku - nichts für ungut."
      Das entsprach sogar der Wahrheit. Aradan hatte bereits mehrfach bewiesen, dass er vertrauenswürdig war und so machte sich Renera darüber auch keinen Kopf. Stattdessen setzte sie sich auf die Bettkante und drückte auf der Matratze herum.
      "Ich glaube ich habe seit einem halben Jahr nicht mehr in einem Bett geschlafen. Solche Zimmer sind heutzutage unbezahlbar - es lohnt sich ja richtig mit euch zu reisen."
      Sie grinste. Die Sicherheit der Mauern wirkte entspannend, auch wenn sie die Anwesenheit der Soldaten noch immer nervös machte.
      "Aber wir wollen doch nicht den Tag schon im Zimmer verbringen, oder? Ich geh mir den Marktplatz ansehen. Wirst du mitkommen?"
      Und weil sie sowieso kaum Gepäck dabei hatte, stand sie gleich wieder auf und marschierte wieder zur Tür hinaus.

      Der Marktplatz war riesig und dabei handelte es sich noch nicht einmal um den Markt in der Hauptstadt. Mehrere dutzend Stände fanden hier ihre Plätze neben Häusern, die einzig und allein für weitere Geschäfte errichtet worden waren und höchstens deren Obergeschosse zu Wohnzwecken verwendet wurden. Renera hatte bereits größere Märkte gesehen, war aber immer wieder überwältigt von der schieren Fülle an Angeboten, die dort auf sie warteten. Wenn sie ihr ganzes Gold nicht für diese sündhaft teuren Bücher ausgegeben hätte, würde sie sich dort bedienen.
    • Aradan nickte. Es ergab Sinn dass er das geringste Übel in dieser Truppe war. Zumal sie Jarku ohnehin nie sonderlich zugetan war und Valteri mit seinen Weisheiten tatsächlich ziemlich nerven konnte. Daikata war zwar noch eine recht angenehme Auswahl, doch hatte sie sich ja ohnehin schon entschlossen, also brachte es auch nichts sich weiterhin Gedanken darüber zu machen.
      Diesen Raum flüchtig mit Blicken in jede Ecke inspizierend, nickte auch Aradan die ganze Situation ab und versuchte sich so unbeschwert wie möglich zu geben, was dafür sorgte, dass er seinen Bogen und sein Schwert behutsam in eine dunkle Ecke abstellte, wo nicht jeder Dieb sofort ein Auge darauf erhaschen konnte. Die Truhe verblieb bei Valteri, Jarku und Daikata, da diese wohl am abschreckensten wirkten.
      Renera's Prüfung nach, war das Bett wohl auch ganz in Ordnung, was Aradan nun auch mit der selben Methode testete wie Sie es schon getan hatte.
      "Mhm. Mein letztes Mal war in Liurasch. Doch kann man die Betten dort nicht mit unseren vergleichen. Dünne Matratzen liegen direkt auf dem Boden mit einem ebenso dünnen Kissen. Es war sehr gewöhnungsbedürftig aber man möchte nicht meinen wie entspannt man sich nach einer Woche fühlt, wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat.
      ... Apropos."
      Renera erwähnte dass es sich lohnt mit der Truppe zu reisen, was ihn direkt darauf brachte, was er bisher vergessen hatte. Es war ein bereits mit seinem, geteilten Geldbeutel, welches er Renera auf ihrer Seite des Bettes warf.
      "In unserer Truppe teilen wir uns alles was wir besitzen. Es ist ein Geben und nehmen. Da du nun ein Teil unserer Gruppe bist, steht dir das unserer Ansicht nach ohnehin zu. Und bevor du jetzt irgendetwas dagegen sagen willst... Ich akzeptiere kein Nein in dieser Sache."
      Seine letzten Worte waren bewusst etwas schroffer, als würde er ein Kind maßregeln. Der Situation entsprechend war es aber beinahe wieder lustig.

      "Auf keinen Fall."
      Antwortete Aradan nach Renera's Befürchtung den Rest des Tages im Zimmer verbringen zu müssen.
      "Wenn wir mal wieder unter Menschen sind, die uns nicht beobachten wie entflohene Sträflinge, können wir das auch ruhig mal ausnutzen. Nimm aber nur das nötigste mit. Schwerter würden wohl nur für Aufmerksamkeit sorgen. Ich weiß ja wie es um dich steht wenn dir ein Mensch zu nahe kommt, da würden dir Schwerter eh nicht helfen. Bleib einfach in meiner Nähe und dir wird kein Leid geschehen. Auf dein Geld musst du aber trotzdem achten. Dir ist sicher klarer als mir wie geschickt die Hände von Kindern sind. In Städten wimmelt es von Langfingern, also Obacht.
      Noch während er mit Renera sprach, legte er seinen Mantel ab um der Hitze besser entkommen zu können, die der Tag mit sich brachte. Ärmellos wäre er ganz klar besser dran gewesen. Und so sah er zwar noch immer deutlich wohlhabender aus als die meisten in der Stadt, doch wenigstens machte ihn ein lockeres Outfit deutlich Menschlicher und nicht so Ehrfurcht erweckend wie eine komplette Gelehrten Tracht aus fernen Ländern.
      Im selben Zug als er seinen Mantel über einen Stuhl warf, fiel ihm auf dem Tisch etwas auf. Ein knapp 10 seitiger Haufen an Steckbriefen wie es schien. Darunter tatsächlich nette Sümmchen.
      "Schau mal. Steckbriefe. Vielleicht finden wir ja einen davon? Lebend bringt der ganz schön was und der dürfte ganz sicher auffallen mit seiner dicken Nase und der Narbe. "
      Aradan blätterte weiter bis der letzte Zettel kein Steckbrief darbot. Es war ein Ereignis der Stadt. Wunderlich war an dieser Sache nur, dass es tatsächlich bemalt UND beschrieben war.
      "Es scheint als würde sich die Menschheit machen. Wenn es nun schon für andere eingerichtet wird etwas zu lesen zu bekommen, bin ich zuversichtlich der Zukunft gegenüber geneigt. Dort steht dass heute das zehnte Drachenfeuer Fest stattfindet. Sogar ein Wettbewerb wird ausgeschrieben. Die Person die das meiste Drachenbräu verzehren mag, wird einen unglaublichen Preis gewinnen!."
      Aradan hob die Augenbrauen an und stemmte eine Hand an die Hüfte.
      "Drachenbräu.. Noch nie gehört. Sicher einfach nur mit Schnaps vermengtes Bier. Hört sich doch aber ganz lustig an. Dort könnten wir uns doch zeigen lassen nachdem wir den Markt besucht haben. Was meinst du? Ich meine..."
      In diesem Moment hob er beide Hände an als würde er sich entschuldigen wollen.
      "Ich meine.. Falls das überhaupt etwas für dich ist versteht sich."
    • Renera fing den Geldbeutel auf, den Aradan ihr zuwarf, kam aber gar nicht erst dazu, dieses Geschenk abzulehnen. Sie lächelte bei seinen Worten, sie waren erst seit ein paar Tagen miteinander unterwegs und trotzdem schien es so, als würde er sie besser kennen als so manch anderer nach ein paar Jahren. Es war etwas erfrischendes, was zur entspannten Stimmung beitrug, die im Raum herrschte.
      "Ich werde meinen Teil beitragen."
      Zumindest das konnte sie tun, um sich nicht schlecht zu fühlen. Eigentlich hätte sie, eine Fast-Kampfmeisterin vom Kaiserhof, diejenige sein müssen, die die Taschen der Gruppe füllte, aber alles war für den Wagen, diverse Zugtiere, Geleitschutz, Bücher, Arzneien und zuletzt Bestechungsgelder draufgegangen. Wenn sie wieder Zeit dazu finden würde, würde sie wieder ihre Unterrichtstätigkeit aufnehmen, um sich zumindest eine neue Lederrüstung anzulegen. Ihre jetzige war durch den Angriff der beiden Läufer ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden.
      Aradan lenkte ihre Aufmerksamkeit auf einen Stapel Steckbriefe, während sie selbst ihren Gürtel ablegte, die Schwerter unter dem Bett verstaute und den Geldbeutel an ihrer Hüfte verschwinden ließ. Sie kam nervös zu ihm hinüber, lugte ihm über die Schulter und sah zu, wie er die Briefe durchblätterte, aber ihrer war nicht dabei. Wie käme sie auch darauf, dass heutzutage noch ein Steckbrief von ihr existierte? Das hier waren Verbrecher, Verräter oder bestenfalls kürzlich desertierte, keiner würde acht Jahre lang nach ihr suchen. Sie musste aufhören so paranoid zu denken.
      Sie nahm sich einen der Steckbriefe, eine Frau mit kurzen Haaren, deren Mimik überdeutlich grimmig dargestellt worden war. Die Summe schrieb sie für 200 Goldmünzen aus, eine Summe, mit der man ein kleines Haus kaufen konnte. Die Zeichen implizierten, wie schon bei Aradans Brief, tot oder lebendig.
      "Versuch' dich lieber an der hier, wenn du schon jemanden einfangen willst. Aber ich glaube sie könnte in der Menge ganz schön untergehen."
      Sie legte das Papier wieder ab und sah auf den Flyer, den Aradan in der Hand hielt. Er las ihn ihr vor, aber sie konnte schon an den Bildern einigermaßen erkennen, worum es wohl gehen mochte.
      "Drachenbräu... Ist das nicht dieser scharfe Schnaps? 10 davon und du bist tot - oder zumindest für die nächsten vier Tage nicht ansprechbar. Hört sich doch gut an, da gibt's bestimmt was gutes zu essen."
      Sie schlenderte zur Tür, wo sie sich noch einmal umdrehte und Aradan kritisch musterte.
      "Ich hoffe, du kannst tanzen."

      Sie durchstöberten den Markt während der Nachmittagszeit, besorgten sich einen Imbiss bei einem der unzähligen Stände und folgten dann dem langsam größer werdendem Strom, der stetig in Richtung Norden lief. Je weiter sie kamen, desto mehr Schreiern begegneten sie und mehr Straßenkünstlern, die in rote Farben gekleidet waren und mit ihren Feuer-Kunststücken zum Fest einluden. Schließlich trug der Wind auch Musik zu ihnen, gefolgt von dem Geruch von Rauch und Essen.
      Das Drachenfeuerfest wurde auf dem Starksplatz abgehalten, einer runden Ebene zwischen den Häusern, die an den Rändern mit Ziersäulen geschmückt war. Zu diesem besonderen Ereignis waren auf jeder dieser Säulen Feuerschalen platziert worden, deren Feuer hoch in den Himmel züngelte und den ganzen Platz in ein stetig flackerndes Licht tauchte. Hier wimmelte es von Schaustellern, die sich in Gruppen zusammentaten oder einzeln umher sprangen und ihre unglaublichen Feuerspiele präsentierten. Eine große Bühne am anderen Ende des Platzes stellte wohl den Wettbewerbsplatz dar, während der Weg dorthin von weiteren Ständen und einer großen Menschenmasse erschwert wurde.
      Der Platz war durch das viele Feuer unheimlich aufgeheitzt und Renera schwitzte schon fast, wenn sie auch nur herumstand. Sie hatten den Platz gerade mal betreten, als auch schon ein rot gekleideter Narr auf sie zusprang, sich in der Luft einmal um die eigene Achse drehte und beim Aufkommen eine Flammenzunge in den Himmel schickte. Er grinste Renera und Aradan an, ehe er seine Fackel in die Luft warf, mit der anderen Hand auffing und weitersprang, um die nächsten Besucher zu beglücken. Renera sah sich nach Aradan um.
      "Du willst doch bei dem Wettbewerb mitmachen, oder etwa nicht? Ich glaube da vorne kann man sich anmelden."
      Sie zeigte in die Richtung und grinste.
      "Na los, ich werde vor der Bühne warten und dich heimtragen."
    • Es war schon faszinierend. Da war noch vor wenigen Momenten Aradan's größte Sorge, ob Renera damit klar kam mit ihm einen Raum zu teilen, da standen beide auch schon vor den Steckbriefen und diskutierten darüber welche Person mehr Sinn ergab.
      "Was? Warum? Die bringt uns nur 200 Goldmünzen. Wir zahlen den meisten Wachen schon 50 um überhaupt hinein zu dürfen."
      Da tat sich auf wie enorm Aradan oder wohl eher Daikata die Leute überzahlte. Es war also kein Wunder warum sie überall Einlass gewährt bekamen. Man musste sie für unglaublich wichtige Adelsleute in geheimen Auftrag halten, bei den Mengen an Gold die sie direkt angeboten hatte.
      "Sie schaut ziemlich grimmig aus. Ich vermute mal sie wird einen trickreichen Kampfstil beherrschen oder auch gar nicht kämpfen können und nur durch Trick's an ihren Ruf gekommen sein. Tod oder Lebendig bedeutet meiner Erfahrung nach nur, dass die Menschen die sie fangen wollen, noch einen Nutzen daraus ziehen möchten. So wie bei dem hier."
      Er hielt wieder den Steckbrief des benarbten Mannes hervor, welcher ganze 300 Goldmünzen einbrachte
      "Auch Tod oder Lebendig. Die wären also froh wenn dieses Problem nicht mehr existiert, würden es aber auch gerne sehen die Person noch lebendig zu bekommen um was auch immer mit denen anzustellen. Laut Daikata leben diese Leute dann im verborgenen und sollen bei der Ausbildung helfen oder ihre Talente anderweitig anbieten. Mit anderen Worten, werden sie wohl versklavt um ihre Schuld zu tilgen, welche natürlich von vorn herein niemals ab zu bezahlen gedacht war."
      Daraufhin warf er Schulter zuckend all die Zettel wieder auf den Tisch
      "Aber was weiß ich schon."
      Es interessierte ihn tatsächlich nicht besonders als er das Thema mit Renera zeitgleich beendet hatte, sah aber wieder auf als Renera das Gebräu zu kennen schien.
      "Scharf? Ein scharfer Schnaps? Wie kann ein Schnaps denn scharf sein?"

      Diese Vorstellung weckte sein Interesse. Er konnte sich tatsächlich nicht vorstellen wie ein alkoholisches Getränk scharf sein konnte, würde es also ganz sicher einmal testen wollen, jetzt, wo er versuchte seine Sorgen außerhalb der Mauern liegen zu lassen. Also war es das Beste sich dieser Idee hin zu geben und Renera einverstanden nach zu gehen.

      Auf dem Markt war es beinahe wie auf einem anderen Planeten. So viele laute Menschen, die das Leben außerhalb der Mauern scheinbar gar nicht kannten. Man hätte meinen können dass sich beim Kauf einer Wahre einander gehasst wurde, so wie diese sich gegenseitig überbietend angeschrien haben. Doch kein anderer reagierte böswillig darauf. Es schien einfach der normale Ton zu sein, den Aradan tatsächlich amüsant aufnahm. Diese Menschen mussten ganz sicher recht ausgelassen sein wenn sie all ihre Wut und Aggression beim Handeln lassen konnten.
      Aber auch Aradan kam nicht umher bei einem der unzähligen Händlern halt zu machen als Renera noch an einem Stand zuvor hängen geblieben war. Dieser bot einige Schmuckstücke an, welche angeblich die Willenskraft gegen Puppenspieler stärken würden. Aradan wusste dass dies nur ein billiger Tunt war, welcher es auf die Leichtgläubigkeit der Käufer abgesehen hatte. Was ihn aber viel mehr interessierte war seine Vergangenheit mit Renera. Denn weit hinten, an einer Wand, hingen lederne Taschen, welche man an einen Gürtel befestigen konnte. Beinahe hätte diese kleine Zeitreise ihm eine Träne der Freude abgerungen. Ihm kam es vor als wären nur wenige Tage vergangen als er Renera damals die kleine Gürteltasche kaufte. Warum sollte er es dieses mal also nicht tun?
      Es war zwar etwas schwierig sich zum Händler durch zu ringen, welcher schon mit 3 weiteren Käufern um einen fairen Preis kämpfte, doch nutzte Aradan.. zwar etwas unfair.. seine Fähigkeit um den drei Leuten leichte Kopfschmerzen zu bereiten um die Aufmerksamkeit des Händlers zu bekommen.
      Nach mehreren eilig prüfenden Blicken ob Renera schon an ihrem Stand fertig war, hatte Aradan es rechtzeitig geschafft ein kleines Geschenk zu kaufen, welches er unter seiner Kleidung verstaute und für die spätere Überraschung sorgen sollte.

      Als nun beide wieder aufgeschlossen hatten, kamen sie schon an einen Platz an wo Gaukler ihre Fähigkeiten zeigten. Sie spielten mit eingeübten Feuerreifen, hochprozentigem Schnaps um Feuerbälle zu spucken und zugegeben vieler anderer beeindruckenden Schauspiele. Aradan konnte sich bei den Feuergauklern aber nicht zurückhalten Renera mit seinem Ellbogen anzustupsen und verspielt grimmig zu flüstern
      "Die würden sich ganz schön umschauen wenn ihre Flammen plötzlich verschwinden oder ihren Weg in dessen Gesichter finden hm?"
      Ein direkt maßregelnder Konter Stoß landete daraufhin in Aradan's Seite. Er hatte sich zusammen zu reißen, mehr konnte das nicht bedeuten und es rang ihm tatsächlich ein Lachen ab. Nie hatte er vor die Gaukler auflaufen zu lassen, ein lustiger Gedanke war es dennoch.

      Als beide dann aber am Austragungsort des eigentlichen Wettbewerbs angekommen waren, sprang ihnen tatsächlich einer dieser Feuergaukler entgegen und präsentierte seien animierenden Tricks. Für Aradan war diese Überraschung samt Feuer kurz vor ihm etwas zu viel des Guten. Es zündete eine Erinnerung von Jherl, in welcher dieser beinahe von einem ähnlichen Feuer des Feindes erwischt worden wäre. Der Instinkt in Aradan führte seinen Körper unmittelbar. Seine komplette Haltung versteifte in eine konternde Haltung, welche dem Gaukler wohl direkt den Kopf abgetrennt hätte, wäre Aradan noch im Besitz seines Schwertes gewesen, doch ließ er dieses zum Glück des Gauklers im Gasthaus zurück.
      Aradan blickte verwirrt drein und fing an zu schwitzen. Doch war es unklar ob es wegen seines Flashback's war oder wegen der allgemein herrschenden Hitze.
      Aber noch bevor er sich wirklich fangen konnte, schüttelte er den Kopf bezüglich Renera's Frage. Er hatte nicht vor an einem Wettbewerb teilzunehmen, versicherte ihr aber dass es ihm gut ging. Sogar ziemlich überzeugend, mit einem Lächeln und einem sanften Klopfen auf ihrer Schulter, ehe er dafür Sorge trug einen Stehplatz für zwei Personen zu bekommen, welcher einen guten Blick auf den Wettkampf bot.
      Obendrein zahlte Aradan flott für zwei Drachenbräu, da er sich nicht entgehen lassen wollte ob ein Getränk tatsächlich scharf sein konnte. Ebenso wenig hätte er Renera durch gehen lassen dass sie nicht mit trinkt.
      "Glaub nicht ich werde hier alleine trinken. Wenn ich mich schon benebeln muss, dann wirst du das selbe tun."
      So hob Aradan promt seinen gebrachten Krug und nickte Renera zu.
      "Auf Melora und dessen Zukunft"
      Dann probierte er. Schnell den Krug abstellend, davon überrascht wie es wirklich in seinem Mund zu brennen begann.
      "Was zum?!"
      Er nahm einen weiteren Schluck, wodurch es in seinem Mund noch mehr anfing zu brennen, als hätte er ein Stück gezündete Kohle darin.
      "Das ist... Verdammt das ist doch verzaubert worden!"
      Für Aradan war es unmöglich zu glauben dass ein Getränk solche Wirkung haben konnte. Ein so von Magie umhüllter Mensch, hielt es doch tatsächlich für undenkbar dass ein Getränk scharf sein konnte.
    • Die Hitze schien auch Aradan zu ergreifen, dem mit einem Schlag der Schweiß auf die Stirn trat, nachdem sein Blick merkwürdig abweisend wurde und Renera wurde sogleich alarmiert, ob Aradan einen seiner Anfälle hatte. Er hatte sich schon den ganzen Tag gut geschlagen, hatte erneut weniger Aussetzer als am gestrigen Tag, doch das hieß nicht, dass es nicht zurückkommen konnte.
      Allerdings winkte er ab und nachdem sie ihn eingehend prüfte - langsam glaubte sie seine Anzeichen für einen Anfall erkennen zu können - entschied sie sich dazu, es dabei belassen zu lassen.
      "Wenn du wieder einen Anfall hast, werde ich dich zum Gasthaus bringen."
      Sie würde nicht verantworten, dass er innerhalb dieser ganzen Menschenmassen Amok lief.
      Aber Aradan schien es wieder gut zu gehen und so gingen sie gleich zu einem der Stände, um sich selbst Drachenbräu zu besorgen. Sie stießen unter dem Lärm und der unterschwelligen Musik des Platzes an und probierten von dem Getränk.
      Aradan stellte seinen Krug gleich wieder ab und Renera bekam einen Hustanfall. Es brannte tatsächlich im Mund, als habe man Feuer gegessen, und das Gefühl weitete sich sogar ein bisschen in den Hals aus, ehe sich der gewohnt warme Schauer des Alkohols in ihr ausbreitete. Sie fing sich räuspernd und starrte das Getränk an.
      "Das ist fürchterlich."
      Gelächter vom Nebentisch ließ sie aufschauen, als ein hochgewachsener Mann Mitte 40 sich zu ihnen rüberbeugte. Er stand inmitten von fünf anderen Personen, von denen die beiden nächsten ebenfalls grinsend zu den beiden rübersahen.
      "Verzaubert? Das ist nicht verzaubert, Kumpel! Das muss man in großen Schlucken trinken, nicht so daran nippen wie ihr zwei Weiber! Ha!"
      Der Mann lachte knapp und sein Nachbar gab ihm einen Stoß mit seinem Ellbogen.
      "Prost, Freunde! Auf weitere zehn Jahre des Drachen!"
      "Ha... Danke..."
      Der Mann drehte sich wieder weg und Renera folgte seinem Rat und nahm einen großen Schluck. Sie rechnete mit dem Schlimmsten und schon wie zuvor fing ihr Mund Feuer, aber tatsächlich verteilte es sich mehr und konzentrierte sich nicht mehr auf ihrer Zunge, sodass es gleich viel erträglicher wurde.
      "Das schmeckt gar nicht mal so schlecht."
      Sie nahm noch einen riesigen Schluck und genoss die Wärme, die ihre Kehle hinabfloss. Vor ihr tat Aradan dasselbe und schien auch besser mit der Schärfe klarzukommen. Sie wandte ihre Aufmerksamkeit ein wenig auf die Menschen um sie herum, als sie hinter Aradan deutete.
      "Schau mal, ich glaube da kommt der Drache."
      Von der anderen Seite des Platzes tauchte ein Gebilde um die Ecke auf, das von etwa 20 rot gekleideten Personen getragen wurde und aus einer Zusammenstellung von roten Platten bestand, die auf Holzstecken genagelt waren und zusammen gehalten das abstrakte Abbild eines langen Drachen zeigte, der den Eindruck erweckte, als würde er sich stetig nach vorne schlängeln. Schimmernde Schuppen an den Außenseiten reflektierten das Flackern der dutzenden Fackeln.
      Der Drache bahnte sich seinen Weg in einer großen Runde um den Platz, um später wieder zwischen den Häusern zu verschwinden, und wo er entlang ging, zog er die Menschenmassen an, die sich an ihn heranzudrängen versuchten, um die künstlichen Schuppen zu betrachten.
      "Er kommt hier lang! Lass uns ein Stück näher rangehen!"
      Renera fühlte sich bei seinem Anblick gleich zehn Jahre jünger. Sie schnappte sich ihren Krug und schob sich in die Massen hinein, um den Drachen bei seinem Weg zu beobachten.
    • Diese enorme Menschenmasse war einfach nichts für Aradan. Er hatte keine Ahnung wo er überhaupt hinsehen sollte ehe er und Renera schon von einer Gruppe angesprochen wurde, die ihn doch gar nicht kannte. Was wagten sich diese Typen eigentlich?
      Aber Regenra zeigte Aradan auf, dass es wohl vollkommen normal war. So ergriff er die Initiative und folgte direkt dem Aufruf der fremden Person um einen großen Schluck zu nehmen, welchen wohl auch Renera kurz darauf ansetzte.
      Aber was war das denn für eine Lüge?! Ein großer Schluck sollte es besser machen?? Die Schärfe breitete sich entgegen der Erwartung nun überall aus und zog sich spürbar bis hinunter in den Magen. Aber...
      "Wow.."
      Äußerte Aradan überrascht. Es brannte tatsächlich nicht so sehr wie vorher und bevor er Renera davon abhalten konnte zu übertrieben einen weiteren großen Schluck zu nehmen, tat er auch schon das Selbe um sich davon zu überzeugen dass ein großer Schluck tatsächlich keine so enorm brennenden Gefühle hinterließ. Unausgesprochen hielt er diesen Effekt wieder für eine magische Zutat, welche er wohl später in Erfahrung bringen musste, doch kam ihm die Wirkung dieses Getränks vorerst zuvor. Mit jeder Minute kam ihm sein Vorhaben gleichgültiger vor und sein Verlangen nach einem weiteren Schluck größer. So konnte sich Aradan auch kaum gegen den Willen Renera's beugen, welche sich dem Trubel um den offensichtlich erbauten Drachen unterworfen hatte.

      Aber es hatte wirklich etwas an sich. Von Renera an dem gut überschaubaren Platz gezerrt, sah er nicht schlecht dem Drachen entgegen. Es war beinahe so als könnte er sich nicht der Masse entgegen setzen und verfiel ganz den Anderen in ihrer Begeisterung.
      Das einzige was wohl noch unbemerkter von statten ging war der Fakt, dass sowohl Aradan als auch Renera ihr Getränk nebenbei schon geleert hatten und ebenso schnell von einer findigen Wirtin wieder nachgefüllt bekamen.

      Dieses verfluchte Getränk wirkte in diesem Moment der Erkenntnis schon viel zu stark. Üblich hätte Aradan einem weiteren Schunk abgelehnt, doch sorgte dieses Gebräu dafür, dass er unbedingt mehr wollte. Und seiner Meinung nach wirkte es genau so bei Renera, welche er unbedacht einfach an sich zog um grob darauf hinzuweisen dass die Wirtin ihr neu einschenken wollte.
      Doch dann war es schon soweit dass der Drache die Mitte des Platzes erreichte. Ein kräftiger Schreier fing daraufhin an die Meute zu ermutigen dem Drachen nach zu stellen. Es galt in dieser Stadt der Brauch, dass man die bösen Geister hinfort feiern musste. Den bösen Wesen außerhalb der Stadt vermitteln, dass sie keine Chance gegen glückliche Menschen hatten. So fingen die meisten Einheimischen auch schon an sich ihre Liebsten oder gar komplett Fremde zu schnappen um dem tanzend hüpfenden Drachen folge zu leisten.
    • Schnell wurde klar, weshalb man nur etwa zehn Krüge Drachenbräu hintereinander trinken konnte, bevor man umfallen würde: Es war schier unmöglich in kleinen Nippen zu trinken und wenn man stets einen gewaltigen Schluck nahm, um das Brennen zu mindern, merkte man nur allzu schnell, wie der Alkohol einem zu Kopf stieg.
      Begleitet von dem ersten leichten Schwindel und einer Leichtfertigkeit, mit der Renera wohl alles locker genommen hätte, mischten sie und Aradan sich in die Menge um den Drachen herum, um selbst einen Blick auf die blitzenden und blinkenden Schuppen zu erhaschen. Es war tatsächlich ein beeindruckender Anblick wie das Gebilde sich voran schlängelte, beinahe so, als lägen hinter den Schuppen wirklich versteckte Gliedmaßen, die sich anspannten und weiter voranbewegten. Das Flackern der vielen Feuer mit seinen rötlichen Schimmern gab dem ganzen schließlich den Rest und erweckte den vollständigen Eindruck eines monströsen, alles verschlingenden Drachen.
      Die Menge war begeistert und ebenso Renera. Sie wäre gern auf den Drachen gestiegen, um herauszufinden, ob er sich genauso reiten ließ wie ein Pferd, aber dafür war sie noch nicht betrunken genug. Über den Gedanken kicherte sie.
      Ein Zug an ihrem Arm ließ sie zur Seite und an Aradan stolpern, dem sie sich für einen Moment verdattert zuwandte, ehe sie erkannte, dass er sie auf die Wirtin hatte aufmerksam machen wollen, der sie bereitwillig ihren Krug entgegen hielt. Er war gleich wieder gefüllt und so prostete sie Aradan ein erneutes Mal zu, aber nachdem es zu laut für einen Spruch war, trank sie einfach ohne.
      Der Drache zog weiter zur Mitte des Platzes, wo er in zickzack Bewegungen überging, die wohl - laut Schreier - einen Tanz darstellen sollten. Der Drache, der eigentlich furchteinflößend und Grauen erweckend sein sollte, schien wohl der Anführer in diesem Spektakel zu sein, dessen Beispiel man Folge leisten sollte. Es war quasi unausweichlich seinem Tanzangebot zu entgehen, denn schnell versammelten sich sämtliche Besucher um ihn herum.
      Aradan und Renera wurden mitgezogen, ehe sie sich überhaupt dazu entschieden hatten ebenfalls zu tanzen. Renera nahm einen weiteren, riesigen Schluck - ihr Mund war fast taub von der Schärfe, aber dadurch spürte sie sie noch weniger und nahm noch größere Schlucke - ehe sie ihn im Vorbeigehen auf einem Tisch abstellte und Aradans Hand ergriff. Über die Schulter grinste sie ihm zu, für Worte war es viel zu laut.
      Sie erreichten einen Bereich, in dem die Masse sich allmählich teilte, um den Tänzern Platz zu schaffen. Aradan und Renera wurden am Rand ausgespuckt und Renera drehte sich zu ihm um, ehe sie seine Hand nach oben hielt. Das Drachenbräu stieg ihr zu Kopf und sie konnte ihr Lachen kaum im Zaum halten, ehe sie endlich halbwegs ernst herausbrachte:
      "Darf ich um einen Tanz bitten, der Herr?", und ihn zu sich zog.

      In dem engen Bereich um den Drachen war es kaum möglich, eine richtige Schrittreihenfolge zu beachten, denn niemand tanzte auf die klassische Weise, die Renera vom Hof kannte. Hier ging es hauptsächlich darum schnell zu sein, seinen Partner nicht zu verlieren - oder sich geschwind einen neuen zu suchen - und dabei nicht vom Drachen übertanzt zu werden. Geschwindigkeit war wichtig und ebenso, dass man sich den Tanzpaaren um einen herum anschloss, um in dem Gewühl nicht unterzugehen.
      Renera legte die eine Hand auf Aradans Schulter und zog ihn hinein in das ständige Treiben des Tanzes. Sie ging schnell zu dem lebendigen Rhythmus der Musik über, die mittlerweile lauter geworden war, und ließ sich von Aradan führen. Er war kein schlechter Tänzer, ganz im Gegenteil, seine Bewegungen schienen genau auf Renera abgestimmt zu sein, so als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan als gemeinsam zu tanzen. Sie passte sich seinen Schritten an, drehte sich weg von ihm, wirbelte wieder heran und bekam seine Hand zu fassen, die er ihr wie abgesprochen vorhielt. Dann drehte sie sich mit Schwung in seine Arme hinein, ließ sich von ihm auffangen, um dann wieder gemeinsam mit ihm weiterzutreiben, immer nur weiter voran und im Kreis, nach hinten, zur Seite drehen, umeinander herumwirbeln, um sich dann wieder wie selbstverständlich aneinander zu führen, immer weiter und niemals langsam werdend, die Menge um sie herum ließ es gar nicht anders zu.
      Sie umtanzten den Drachen zwei Mal, ehe das Drachenbräu vollständig Reneras Sinne benebelte und es nichts anderes mehr gab als das Feuer, die Hitze, den tanzenden Drachen und Aradan, dessen Hand sie immer wieder ein Stückchen weiterzog, unablässig und ohne zu zögern, immer rechtzeitig zur Stelle, um sie wieder an sich zu ziehen, ehe der Strom der Tanzenden sie forttreiben konnte. Sie lachte an seiner Seite, ließ den Alkohol übernehmen, dachte nicht mehr über ihren Tanz nach, ließ sich von dem stetigen Schlagen der Trommeln forttreiben, immer nur weitertanzen, egal wie, hauptsache sie konnte Aradan noch in der Menge ausmachen, hauptsache sie konnte seine Hand ergreifen und sich an ihn ziehen lassen, ehe seine kräftigen Arme sich um sie schlossen und weiterführten. Wenn sie schnell genug waren, wenn sie schnell genug von ihm wegwirbelte und sich genauso schnell wieder an ihn heran drehte, dann kühlte die Luft ihre schweißnasse Stirn und sie drückte die aufkommende Müdigkeit ein weiteres Mal weg, um sich wieder an Aradan zu schmiegen und sich mit ihm um den immerzu tanzenden Drachen zu drehen. Hauptsache schnell. Hauptsache sie konnte seine Hand ergreifen.
      Sie tanzten, bis sie schweißgebadet waren. Sie tanzten, bis das Flackern der Flammen sich auf ihren nassen Gesichtern widerspiegelten und die einzigen Orientierungspunkte um sie herum bildeten. Sie tanzten, bis sie bald nichts anderes mehr wahrnahmen als ihre erschöpften Körper, die sich ein weiteres Mal aneinander drückten, das Keuchen des jeweils anderen, das selbst bei der Musik und dem Lärm zu hören war, die Hitze, die sie beide und alles um sie herum ausstrahlten. Sie tanzten so lange, bis der Drache sich wieder in Bewegung setzte.
    • Aradan glaubte dass jeder Kampf mit einer Gruppe von Läufern nicht so rasend Schnell von statten ging wie dieses Fest. Noch immer halb mit dem Kopf im Markt, leerte er mit Renera auch schon ein Getränk dass ihm wie reinste Magie erschien. Doch bevor er dem überhaupt allem auf den Grund gehen konnte, zog Renera ihn auch schon mit in die Menge. Dabei verschüttete er sogar etwas aus seinem frisch aufgefülltem Krug, was ihn beinahe mehr schmerzte als ein Pfeil im Bein. Doch war dieser wilde Tanz gar nicht mal schlecht für die Stimmung. Als gäbe es kein Übel auf dieser Welt, tanzten alle ihre Freude in die Stadt hinein und lachten miteinander.
      Das Drachenbräu bewirkte bei Aradan nun aber auch eindeutig eine Unbeschwertheit, wie er sie schon ewig nicht mehr verspürt hatte. Sich regelrecht mit der Masse und Renera ziehen lassen, tanzte auch er ohne jeden Gedanken und überließ den Rhythmus seine Schritte.

      Wie viel Zeit dabei vergangen war, konnte er schon so kaum einschätzen, doch war es letztenendes durch den steigenden Pegel unmöglich geworden noch ein Zeitgefühl zu haben. Er wusste nur dass er mehr von dem Gebräu wollte und so lange mit der Meute und Renera um den Drachen tanzen würde, bis ihn seine Beine nicht mehr tragen würden.
      Wäre er nicht schon so benebelt gewesen, hätte es Aradan sicher selbst gewundert woher er noch diese Tanzschritte beherrschte, doch eines fiel ihm nach einer ganzen Weile dann doch auf. Und zwar dass immer mehr Platz zum Tanzen war. Scheinbar waren schon einige komplett dem Drachenbräu erlegen und mussten sich eine Pause gönnen. Manche taumelten sogar schon in den Gassen hinfort, wohl um sich in dessen Behausungen schlafen zu legen.
      Aber auch Renera und Aradan legten nun eine Pause ein, so verschwitzt und erledigt wie sie waren, war es wohl ein raffinierter Gedanke sich aus der noch tanzenden Menge zu schlängeln. Bevor Aradan das aber offen sagen würde, hob er Renera mit einem Satz einfach auf seine Arme hoch und trug sie bis zur nächsten Sitzbank, welche für das Fest in großer Menge zu finden und mit weichen Kissen belegt waren. Auf dem Weg dorthin drehte Aradan sich noch zwei mal geschmeidig, weiterhin mit Renera auf seinen Armen, um die eigene Achse und lächelte ihr dabei fröhlich entgegen ehe beide an der Bank angekommen waren, auf welcher Aradan Renera dann hinunter lies und sich kurz darauf ebenso auf die Bank fallen lies.
    • Der Bereich um den Drachen herum leerte sich wieder zunehmend, als der lange, eiserne Schweif, in Begleitung begeisterter Menschen, zwischen den Häuserreihen verschwand, um erneut seine Runde zu drehen und später wieder zu kommen. Viele der Tanzpaare zogen sich zurück oder wanderten zurück zu den Ständen, schlossen sich dem Wettbewerb an oder begutachteten die Spektakel, während Aradan und Renera immer weitertanzten. Sie tanzten in umso größeren Bögen, je mehr Platz sich ihnen bot, aber auch ihre Erschöpfung nahm stetig zu und bevor Renera auch nur vorschlagen konnte, dass sie sich ebenfalls zurückzogen, um später wieder mit dem Drachen zurückzukommen, war Aradan ihr schon einen Schritt voraus und hob sie unversehens auf seine Arme. Sie quiekte erschrocken auf, in dem kurzzeitigen Glauben das Gleichgewicht verloren zu haben, fand sich aber gleichzeitig auf seinen Armen wieder und lachte über ihre eigene Verwirrung. Wenn sie die Augen schloss konnte sie noch immer das rötliche Schimmern des Platzes sehen und den riesigen Drachenkopf, der sich an ihr vorbei drehte. Sie grinste breit, schlang die Arme um Aradans Hals und ließ sich mehr als bereitwillig vom Tanzbereich wegtragen, wobei sie sich zwei Mal regelrecht festkrallen musste, nachdem er sich mit ihr auf den Armen drehte und sie das Gefühl hatte, als würden sie gleich gemeinsam umfallen. Aber seine Arme hielten sie unnachgiebig fest und sein Grinsen erheiterte sie selbst durch den Schwindel hindurch.
      Er setzte sie auf einer Bank ab, wo sie sich erleichtert nach hinten lehnte und den Schweiß vom Gesicht wischte. Ihre Beine pochten dumpf, dabei konnten sie nicht länger als, was, drei Stunden getanzt haben. Sie war wohl aus der Übung gekommen.
      Aradan setzte sich neben sie und entlockte ihr ein weiteres Grinsen, ehe sie ihm den Arm um die Schulter legte und sich an ihn lehnte. Er war genauso außer Atem wie sie.
      "Wo has' du denn tansen gelernt?", schnurrte sie ihm zu, beugte sich noch ein wenig vor und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.
      "Das is' für den Tans, werter Herr."
      Sie kicherte.
    • Der Abend war eine so angenehme Abwechslung. Beinahe hätte sich Aradan gewünscht innerhalb solcher Mauern zu leben, wären da nicht so viele negativen Aspekte die ihn eher unglücklich machen würden.
      In diesem Moment kam Aradan überhaupt erst mal dazu diesen Rausch der tanzenden Meute Herr zu werden und den ein oder anderen klaren Gedanken zu fassen.
      "Das war.. Intensiv"
      Brachte er klar aber doch mit ordentlich nötiger Konzentration hervor und nickte dabei ehe Renera ihm auch schon ihren Arm umlegte und.. ihm auf die Wange küsste? Da hat aber jemand wirklich den Abend genossen, was Aradan sehr freute. Ihm ging es aber ohnehin nicht anders dabei.
      Wie Renera dann aber ihre Worte wählte, oder viel mehr, wie diese aus ihr raus kamen, brachte Aradan dann tatsächlich beherzt zum lachen.
      "Da ist aber Jemand keinen Alkohol gewohnt hm?"
      Er kam nicht umher ihr in die Wange zu zwicken, bis er merkte dass auch er nicht ganz von der Menge an Alkohol verschont blieb. Zwar war er deutlich ausschweifendere Gelage gewohnt, in welchen er sich regelrecht mit der Truppe so betrunken hatte, dass diese noch an Ort und Stelle eingeschlafen.. oder eher in Ohnmacht gefallen waren, doch hatte dieses Drachenbräu ganz klar ebenso seine Daseinsberechtigung. So konnte sich Aradan einfach nicht erwehren Renera nach dem Zwicken an der gleichen Stelle auch mit seinem Daumen zwei mal entlang zu streicheln.

      Aber dennoch. Er musste sich zusammen reißen. In einem solchen Moment musste man ganz einfach stark bleiben. Vor allem bei dem was Renera schon hinter sich hatte. Sie wäre ganz sicher froh darüber wenn sie am nächsten Tag wach wird ohne befürchten zu müssen etwas dummes getan zu haben was sie am ende auch noch bereut.
      Die Erinnerungen am Zaun kamen ihm dabei unweigerlich in den Kopf zurück in welchen sie zwar das Verlangen zeigte, es aber ihren Worten nach nicht konnte. Nochmal würde er sicher nicht so einen Fehler machen. Auch nicht wenn der Alkohol ihn mehr und mehr in diese Richtung drängte.
      "In Büchern. Hab selbst nicht gedacht dass so etwas reichen würde. Aber wir hatten ja auch einige Leute hier die es uns vor gemacht haben"
      Die ganze Wahrheit war es nicht. Zwar hatte er in den Büchern gelernt wie die Schrittfolgen mancher Tänze gingen, doch lernte er es viel mehr in den Nächten als er noch bis spät in die Nacht seine Bücher in der Bibliothek von Liurasch laß und öfter aus dem Fenster sah, welches einen klaren Blick zu einer Tanzschule für die Damen darbot. Sie wurden dafür trainiert an Veranstaltungen edle Tänze aufzuführen um das Volk zu begeistern. Für Aradan waren diese Abende immer von einer benebelnden Ruhe geprägt. Doch nie hätte er geglaubt daraus etwas für sich selbst gelernt zu haben, was dieser Abend wohl aber klar gezeigt hatte. Oder... So kam ihm kurz der Gedanke.. Konnte Jherl tanzen?`

      Es war wohl aber kaum die Zeit dafür nun wieder in Gedanken abzuschweifen. Dafür war der Abend zu angenehm und langsam auch endlich etwas frischer, was nach dem schweißtreibendem Tanz eine wahre Wohltat war. Nur war es keine gute Idee seine Augen zu lange zu schließen, denn dann fing es an sich leicht in ihm zu drehen. Vermutlich hatten beide sogar den selben Pegel erreicht, doch hatte Renera allem Anschein nach viel seltener die Gelegenheit gesellig etwas zu trinken.
    • Renera lehnte sich zufrieden zurück und streckte die Beine aus. Langsam hatte sie durst, vielleicht sollte sie sich noch einmal einen Krug besorgen. Oder vielleicht würde Aradan ihr einen holen? Das würde er bestimmt tun, wenn sie ihn freundlich genug danach fragte.
      Bei seiner Aussage wandte sie sich ihm allerdings wieder verwundert zu und vergaß ihr Bedürfnis.
      "Aus Büchern? Das reichd doch nich'. Da brauchs' du die Übung. Du bis' ja fasd genauso schlimm wie... äh..."
      Sie zog die Stirn grübelnd in Falten und sah sich um, als ob der Name ihr irgendwo ins Gesicht springen würde.
      "... Na du weiß' schon."
      Ihr Blick blieb an einer Schaustellerin hängen, die wegen des vielen Feuers eine äußerst freizügige Bekleidung trug und die Besucher mit aufreizenden Bewegungen beglückte, während sie ihr Feuer in die Luft spie. Renera starrte für einen Moment auf die schaukelnden Hüften, die sie an irgendetwas erinnerten, aber sie kam nicht darauf und so wandte sie sich wieder ab.
      "He." Sie rüttelte ihn an der Schulter. "Nich' einschlafen. Komm mid, wir geh'n noch was tringen bis der Drache zurückkommd."
      Sie stand geschwind auf, ergriff Aradans Hand und zog ihn nach oben, ehe sie ihn - anfangs etwas orientierungslos - zurück zu den Ständen führte und eine Gruppe von Bänken und Tischen ansteuerte, an denen sogar bedient wurde. Es war brechend voll, allerdings nicht für Renera, die sogleich den nächstbesten Tisch ansteuerte und sich mit viel Charme und einem reizvollen aufbegehren zwei Plätze frei machen ließ.
      "Beweg' dich du Läufer von einem Mann!"
      Der Mann, den sie mit ihren reizvollen Worten tatsächlich dazu bewegte zur Seite zu rücken, warf ihr einen finsteren Blick zu, als sie sich neben ihn setzte. Er sah auch kurz zu Aradan hinüber, schien sich dann allerdings dazu zu entscheiden die Sache dabei beruhen zu lassen und wandte sich wieder seinem Begleiter zu.
      Renera hatte ihnen beiden derweil schnell weitere Krüge Drachenbräu bestellt und prostete Aradan kurz darauf fröhlich zu.
      "Auf den Drachen!"
      Dann nahm sie einen riesigen Schluck.
    • Kaum hatte Aradan es geschafft sich wieder einigermaßen auf das hier und jetzt zu konzentrieren, drohten auch schon wieder zu viele ernste Gedanken über zu schwappen oder sein Pflichtbewusstsein zu übernehmen.
      Nur eine Person sorgte dafür, dass dieser Aradan weiterhin eine Pause machen sollte. Nämlich Renera. Sie zerrte ihn beinahe wieder zu den Ständen und sorgte mit beachtlicher Geschwindigkeit für zwei Plätze und ebenso schnell für neues Drachenbräu. Aradan hätte wohl einen Hut gezückt, hätte er einen besessen aber es war okay. Solange er sich beherrschen kann, wäre es okay noch ein Bräu zu trinken. Es kam nur leider viel zu schnell zu dem Punkt, an welchem der erste Krug auch schon wieder leer war. Und.. trank Renera langsamer? Oder hatte Aradan nur etwas zu schnell getrunken? Auf jeden Fall hatte Renera noch etwa die Hälfte in ihrem als Aradan schon nach geschenkt bekam.
      "Uff.. Ich.. Das Zeug schmeckt echt etwas zu gut oder?"
      Er sah in seinen Krug und musste grinsen als er wieder zu Renera auf sah.
      "Ich hab ne Idee. Wir haben das schon ein paar mal in der Truppe gemacht und es hat den Abend meist eine echt frische Note verpasst. Und zwar ein kleines Trickspiel unter uns. Was hältst du davon?"
      Er zeigte auf beide Krüge und lehnte sich etwas vor als würde es nur die Beiden etwas angehen.
      "Wir nehmen beide einen normalen Schluck und die erste Person die das brennende Gefühl nicht mehr aushält, schluckt runter und hat verloren. Dann hat der Gewinner eine Frage oder eine Tat frei, welche der Verlierer wahrheitsgemäß beantworten muss oder die Tat ohne zu Zänkern ausüben muss."