[2er RPG] Taranoke's Vermächtnis

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    • Abgesandte von Garlingen
      Vanya

      Nach stundenlanger Reise durch eintönige Sandebenen und erste Dünen und Hügel, mit der Last der erdrückenden Mittagshitze, die sich langsam bis in die Knochen brannte, trotz der Schutzkleidung, die sie trugen, wurden sie plötzlich von einer Reitergruppe die sich näherete überrascht. Zum Glück entdeckte ein Späher sie rechtzeitig, und Kal fragte nach Ortschaften auf der Karte, aber hier gab es nichts bekanntes. Ein Posten oder Lager von Umherziehenden vielleicht, oder Händler, aber die sahen nicht aus wie Händler. Und das bestätigte sich später auch, als sie nah genug heran waren. Kal und die Soldaten blieben beim Wagen und den Pferden, während Vanya sich etwas weiter weg begab und auf einer Düne Stellung bezog. Hier hatte sie alles gut im Blick, und sollte es zu einem Kampf kommen, konnte sich auch keiner all zu schnell entfernen, und hinter Dünen in Deckung begeben, da der Wagen und die Zehn Reiter nun alle in einer Senke standen. Sie hatte bereits den Bogen im Griff, hielt ihn aber nur bereit, noch nicht im Anschlag, und wartete ab, was dort unten geschehen würde. Kal schien mit dem Anführer zu reden, der aber offenbar nicht viel Interesse an irgendwelchen friedlichen Gesprächen zeigte. Worum es letztenendes ging, wusste sie nicht, da sie zu weit weg war, um das Gesprochene zu hören, aber die Bewegungen und der Aufschrei der Reiter zeigten ihre wahren Absichten. Entweder waren es Raubmörder oder Sklavenhändler. Vielleicht ein Söldnertrupp der nach Eindringlingen spähte und sich teuer dafür bezahlen ließ, und dabei ggf. noch Geld von denen kassierten, die sie fanden, aber dafür nicht verraten würden. Aber das hier war ernst. Auch bemerkte sie Kals Blick, konnte aber sein Gesicht nicht lesen. Er würde um den Frieden trauern müssen, den Vanya hatte nicht vor, hier die eigenen Leute zu vergraben. Oder einen Elfen bis in die Wälder zu schleifen.
      Vanya fluchte auf elfisch und legte rasch den Bogen an, spannte die Sehne und ließ ihr Mana in die Waffe fließen.
      "Möge der Wind euch leiten ..", flüsterte sie, auch wenn es kein Wind gab. Luft umgab sie immer, und auch dort gab es Strömungen, die ein Normalsterblicher sicher nicht bemerkte. Vanya schoss und einer der Zehn Reiter wurde plötzlich in die Brust getroffen, genau dort, wo er keinen Schutz hatte, der ausreichte, um einren Pfeil aus der Entfernung ausreichend abzufedern. Und der Pfeil der ihn trasf, schien silbrig weiß zu glitzern, und verschwand wie der Rauch einer ausgeblasenen Kerze, nachdem er zu Boden fiel.
      Zwei seiner Kameraden sahen zu ihm hinab, bemerkten den Windpfeil nicht mehr rechtzeitig und fragten sich, was geschehen war, als bereits ein zweiter zu Boden ging und ein Dritter am Arm getroffen wurde.
      Das war alles, was Vanya zunächst an Unterstützung beisteuern konnte, da sie jetzt mit den Lyxanern ins Gefecht gerieten, und zu nahe dran waren.
      Schwerter klirrten aneinander, aber jetzt waren die Chancen gut ausgeglichen. Dennoch konnte der Verletzte auch noch kämpfen, und er schien sich um die anderen herum an Kal versuchen zu wollen.
      "Hehehe, komm her, Elf. Ich werde dir eine Lektion erteilen. Skor nimmt auch Spione denen das ein oder andere Körperteil fehlt. Hauptsache er kann euch noch foltern."
      Insgeheim hoffte der Mann auch, das er mit ihm als Geisel den Schützen zur Aufgabe zwingen könnte. Zuerst ein wenig verletzen, dann mit der Klinge an die Kehle und zum Schützen sehen. Er sollte das Signal verstehen.
      Das Vanya aber bereits aus der Hocke sprang und in die Senke hinab lief, bemerkte er nicht. Ihre Pfeile würden sicher treffen, wenn sie nah genug heran wäre. Und vielleicht konnte sie verhindern, das Kal selbst kämpfen und jemanden erschlagen müsste.



      Camisse Anvilberge nahe Burg Anvil
      Mehyves Armee Haus Negrell und Haus Servic

      Auf den Karten geplant und abgesprochen, gab es mehrere Möglichkeiten, Burg Anvil zu erreichen. Die einfachste Methode wäre es gewesen, dem Fluss zu folgen, bis unter die Berge und dann direkt nach Norden auf die Burg zu, um sie von Süden her zu belagern. Der Weg wäre aber auch für Überfalltruppen zu Pferd und reichlich Hinterhalten perfekt ausgelegt. Unbekanntes Gebiet, welches die Zwerge aber kannten. Der Flusslauf wäre sicher noch ein Schutz gewesen, hätte zeitgleich aber auch eine Flucht in die Richtung verhindert. Servics Spione haben auch nicht sonderlich viel herausgefunden, was die SAche sicher noch erschweren könnte. Letztenendes entschied man sich die Burg vom Osten her durch die Berge anzumarschieren. Ein etwas erschwerter Weg, aber er bot weniger Angriffsflächen für Hinterhalte. Späher, die voraus ritten, konnten Gefahren vorab melden, und erkuundeten auch den Weg, der an einigen Stellen sehr gefährlich war.
      Ein Bereich mit einer Schlucht war es schließlich, der dem Vorstoß zum Verhängnis wurde. Ein großer Felsbrocken hatte sich vom oberen Hang des Berges gelöst, um den der Trupp zog, und den schmalen Pfad gebrochen. Es dauerte nur Sekunden, aber das was geschehen war, konnte viele Stunden Zeitverlust bedeuten. Das allein aber war bei Weitem noch nicht das Schlimmste. Einen Tag später zu belagern hätte den Zwergen nur Aufschub gewährt und der Angriff wäre so zeitgleich mit dem von Krend begonnen, nun aber wurde die Armee geteilt. Servic, der mit der ganzen Armee und den Belagerungswaffen sowie Perrot, der bei den Maschinen lief und selbst schon ganz verschwizt war, weil er seit einigen Kilometern jedesmal befürchten musste, das irgendwann ein Katapult den Hang hinabstürtzte, auf dem bereits beschritten Weg verblieb, befanden sich Oriel und Ariel genau auf der anderen Seite des Bruches. Auch sie starrten auf das Loch. Oriel fluchte lautstark.
      "Verdammter Mist, wie konnte das denn passieren? SERVIC! SCHICKT SOLDATEN DEN HANG HINAUF. HALTET AUSSCHAU NACH ZWERGEN!", rief sie noch herüber, ritt mit ihrem Pferde vorsichtig bis an den Abgrund und spähte hinab, untersuchte die Felswand. Keine Chance. Das waren sicher fünf oder sechs Meter Bruch. Selbst mit einem Pferd war ein gewagter Sprung eher ein Todesurteil. Vom Fußtruppen und schwerem Gerät ganz zu schweigen. Hier kam keiner mehr rüber. Außerdem kamen sie auch nicht zurück. Die einzigen Soldaten die den Negrell Schwestern blieben, waren die fünf Späher, die vorausgeritten waren. Ansonsten waren sie auf sich allein gestellt.
      Oriel vermutete also einen Hinterhalt, eine Falle der Zwerge. Vielleicht gab es dort oben Tunnel, oder eine Höhle. Vielleicht war es auch nur ein dummer Zufall.
      "Ausgerechnet jetzt.", knurrte sie. Ihre Fäuste ließen die Zügel ihres Pferdes knirschen, so kraftvoll ballte sie sie.
      Was sollten sie jetzt tun? Es würde Stunden dauern, die ganze Truppe wieder zum Fuße des Berge zu bringen, und einen zusätzlichen halben Tag diesen zu umrunden. Außerdem kamen sie dann wieder in Gebiet das für größere Überraschungsangriffe geeignet war. Nein, eine andere Lösung muss her. Außerdem wurde es schon dunkel. Sie mussten also so oder so erstmal lagern.
      Eine halbe Stunde verging, und mit einem Katapult hatte man noch ein Zelt und Ausrüstung, Wasser und Verpflegung zu dem Schwestern geschleudert. Kurz darauf brannte ein Feuer am provisorischen Lager am Felshang des Berges.
      Der Spähtrupp war ebenfalls zurück, weil sie am Warteort niemanden vorfanden, und nachsahen, wo sie blieben. Auch sie errichteten Zelte und entfachten Feuer. Immerhin hatten die Schwestern so noch etwas Verteidigung und Schutz.
      Während Orilen auf dem zähen Fleisch kaute, das man ihnen zugeworfen hatte, kam ihr eine Idee. Auch wenn das bedeutete, das ihr Angriff abgeschwächt sein würde.
      Sie ging nochmal zum Abgrund und ließ nach Perrot rufen. Dann ordnete sie an, das er bis morgen früh Zeit hatte, aus seinen Maschinen die dafür nötig waren, eine stabile Brücke zu bauen, die man über diesen Krater schieben konnte. Wenn er versagen würde, sollte Servic ihn in den Abgrund schleudern lassen.
      Zudem war ja bereits der Sommer angebrochen und das bedeutete, kürzere Nächte. Er hatte Zeit bis die Sonne über die Bergspitzen scheinen würde. Das waren noch etwa sieben Stunden. Sieben Stunden eine Brücke zu planen, und die Katapulte entsprechend zu zerlegen und neu zusammenzunageln und mit Seilen zu fixieren. Für einen sicheren Überweg musste sie mindestens acht Meter lang sein, besser zehn, um stabilen Halt an der Bruchkante und eine bessere Gewichtsverteilung zu gewährleisten. Außerdem musste sie gut drei bis vier Meter breit sein, um auch Wagen und die restlichen Maschinen darüber zu bekommen.
      Wer genau hingesehen hätte, hätte vermutlich das Zucken seiner Locke bemerkt, die sich bereits mit dem Abgrund anfreunden wollte ....
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    • Abgesandte aus Garlingen

      Die Soldaten prallten mit einem grausigen Klirren aufeinander, das über die Dünen hinweggetragen wurde. Die Deserteure hatten einen ganz klaren Vorteil durch ihre Pferde, denn ihre Schläge waren von der erhöhten Position aus kraftvoll und konnten schlecht parriert werden. Allerdings besaßen ihre Pferde keine Rüstung: Gleich schmissen zwei von ihnen ihre Reiter ab und suchten das Weite. Außerdem stellte sich Vanya's Position als äußerst wertvoll heraus, denn sie holte sich gleich weitere zwei mit ihren Pfeilen und sorgte dafür, dass ein dritter für den Moment sein Schwert beinahe fallen ließ. Aber er schien die Zähne zusammenzubeißen und die Wunde nicht zu beachten. Dennoch sahen sie sich nun einer einigermaßen gleichstarken Streitmacht gegenüber.
      Die Lyxaner hatten eine Armeeformation eingenommen, Schulter an Schulter in einer undurchdringbaren Linie, während die äußeren beiden die Seiten schützten. Sie hielten dem Angriff der Deserteure wie eine Wand stand, aber die Wand bröckelte auch. Einer von ihnen bekam einen Pferdehuf an die Brust, als das Tier sich vor ihm aufbäumte und dann erst das Weite suchen wollte und einem anderen wurde das Schwert in die Schulter getrieben, wodurch er schmerzerfüllt aufschrie. Doch sie arbeiteten gut zusammen: Sein Nachbar verwickelte gleich seinen Angreifer in ein Gefecht und der Soldat an der rechten Seite nutzte die Gelegenheit, um nach vorne zu stürmen und einem der Deserteure, der von seinem Pferd abgeworfen worden war, die Klinge in die Brust zu stoßen. Er war gerade rechtzeitig zurück, um einen weiteren Angriff zu parrieren und sein Schild hochzureißen.
      Kal beobachtete gebangt das Gefecht, während er sich selbst hinter der Reihe verschanzte. Er wäre ihnen gerne beiseite gekommen, besonders, nachdem er um ihre Leben fürchtete, aber die Schläge der Deserteure waren so voller Kraft und Rücksichtslosigkeit, dass er bezweifelte, dass er so lange stand halten würde wie einer der Soldaten. Zu seinem Entsetzen konnte er allerdings beobachten, wie der verwundete Deserteur die Ablenkung des einen Soldaten an der Seite nutzte, um die Reihe zu entgehen und Kal anzupirschen. Er hatte ein dreckiges Lächeln - sein Gesicht war wortwörtlich mit Schmutz und getrocknetem Blut überzogen. Der Mann musste schon lange abseits der Zivilisation herumgeirrt sein.
      "Das ist kein Leben für einen Soldaten wie Euch! Lasst Eure Waffe eine sinnvollere Pflicht erfüllen!"
      "Ich finde das ist ganz und gar sinnvoll!"
      Der Deserteur knurrte und schwang sein Schwert nach ihm. Kal, der den Hieb eigentlich parrieren wollte, sprang in letzter Sekunde doch noch zurück, nachdem er erkannte, dass der Soldat ihn auszutricksen versuchte. Anstatt nur zu schwingen, drehte er sein Handgelenk und stach mit einem Schritt nach vorne. Kal fing den Stich ab und drehte sich zur Seite, aber der Deserteur hatte keine Absicht ihn erholen zu lassen. Er rückte gleich nach, schwang von der anderen Seite, zielte auf Kal's Füße und schwang in letzter Sekunde auf seinen Kopf. Kal geriet ins Straucheln, als er den Schlag noch parrierte und da rammte ihn der Soldat mit seiner Schulter zu Boden. Der Elf verlor sein Schwert, als er aufprallte. Er griff danach, aber der Soldat kam ihm zuvor und stieg ihm auf das Handgelenk. Kal hatte kaum genügend Zeit den Schmerz zu realisieren, als der Soldat ihm die Schwertspitze an den Hals drückte.
      "Sag deinen Männern sie sollen sich ergeben, Elf!"


      Mehyve's Streitmacht in Camisse

      Der ganze Marsch kam zu einem endgültigen Halt. Servic fing an seine Offiziere anzuschreien, die sich in alle Himmelsrichtungen verteilten und Anweisungen gaben. Eine Gruppe der Kavallerie löste sich von der Armee und preschte den Hang, den sie gekommen waren, zurück. Sie sollten herausfinden, wo die nächste Kreuzung lag und ob sie von dort aus zur Burg gelangen konnten. Eine weitere Gruppe sollte mitreiten und den Pfad bis zur Kreuzung überprüfen, sodass sie in keinen Hinterhalt geraten würden. Außerdem verlangte eine Negrell-Schwester nach Hew, der sich um das Problem kümmern sollte. Er war selbst am Rande seiner Nerven und so wie es aussah, wirkte sich das auch auf sämtliche Soldaten aus, die nun unbeweglich in ihren Formationen verharrten. Es war nicht auszumalen, dass dieser Haufen in etwas länger als einem Tag eine Burg belagern sollte, ganz davon zu schweigen, dass diese Verzögerung Krend das Leben kosten konnte. Dieser Zwischenfall konnte bereits die vollständige Niederlage bedeuten.
      Hew half selbst dabei seine Maschinen heranzurollen, bevor er sie auseinandernehmen ließ. Glücklicherweise bestanden sie größtenteils aus brerandtschem Holz, nachdem er Aranis mit ihrer Stärke hatte überzeugen wollen und das schien nun sein Glück zu sein. Aber eine Brücke zu bauen war nochmal eine andere Sache und erst recht nicht die eines Kriegsmaschinisten.
      5 Stunden später hatte er ein Gebilde errichtet, das einigermaßen stabil wirkte. Von seinen Maschinen war etwa eine handvoll übrig geblieben. Er betrat die Brücke selbst, was sämtliche Soldaten im Umkreis mit angehaltenem Atem beobachteten, und ging auf die andere Seite. Sie hielt stand. Er kam wieder herüber, das Lager wurde sofort abgebrochen, die Truppen formiert und ausgerichtet. Dann setzten sie sich in Bewegung.
      Als die dritte Reihe an Soldaten die andere Seite erreicht hatte, ertönte ein unheilvolles Knacken, es knarrte laut, die Soldaten auf der Brücke gerieten in Panik, hechteten schnell zur anderen Seite und dann krachte das Gebilde in zwei, bevor die Holzplanken in den Abgrund fielen, mitsamt zwei Dutzend unglücklicher Soldaten. Servic war außer sich. Er packte den entsetzten Hew beim Hals und schleifte ihn zum Abgrund, was den Maschinisten dazu veranlagte laut aufzuschreien und um Vergebung zu betteln. Sie schrien sich gegenseitig an, Servic brüllend vor Wut, Hew mit vor Panik piepsiger Stimme, bevor er ihn endlich wieder losließ und Hew vom Abgrund wegkroch. Er winselte vor sich hin, als Servic ihm einen Tritt in den Bauch verpasste und er sich im Staub krümmte. Dann schrie Servic nach den Schwestern.
      "DER ELENDE VERSAGER HAT NICHT GENUG BRETTER VERWENDET, ABER ER HAT NOCH GENUG MASCHINEN, DIE ER EINSETZEN KANN! ER WIRD EINE NEUE BRÜCKE BAUEN, ANSONSTEN KÖNNTEN WIR DEN ANDEREN WEG NEHMEN UND EUCH BEI DER BURG TREFFEN!"
    • Abgesandte von Garlingen

      Der Kampf verlief sowohl gut als auch schlecht für die Lyxaner, da einige bereits Verletzungen erlitten hatten, und selbst Kal der Elf sich in der hinteren Reihe einem der Angreifer förmlich ergeben musste, wenn er nicht sterben wollte. Und dieser zwang ihn dazu, auch den Rest der Männer zur Aufgabe zu bewegen. Allerdings war ihm auch nicht ganz klar, wie es um seine eigene Lage stand. Inzwischen hatten die Deserteure erheblich Verluste eingesteckt, und gut die Hälfte war gefallen oder schwer verletzt und kampfunfähig.
      Auch Vanya näherte sich mit schnellem Tempi und hatte bereits den Bogen angelegt und auf den Mann bei Kal gezielt. Dieser sah auf und blickte in ihre Richtung, und sein Blick war zugleich fordernd, aber auch überrascht, das die Elfe schon so nah herangekommen war.
      Er kam nicht mehr dazu, noch irgendwas zu sagen, da erwischte ihn ein Windpfeil direkt im Hals. Aus seinem Munde kam ein kehliges Pfeifen, da der Pfeil selbst ja nur aus Luft bestand, und dessen Auflösung nach dem Treffer auch im Inneren statt fand, und zum Teil mit ausgeatmet wurde, während seine Stimme mit der zerstörten Kehle und den zerrissenen Stimmenbändern erstarb.
      Er sackte mit großen Augen auf die Knie, sah der Elfe direkt in die Augen, ehe er mit dem Gesicht nach vorn in den Sand fiel und liegen blieb.
      Die letzten vier bemerkten schnell, das sie unterlegen waren, sich diesesmal wohl geirrt und den falschen Fang versucht hatten. Ein Versuch, der zu viel eigenes Blut kostete, denn die Reisenden waren kampferprobte Soldaten, und keine einfachen Leute. Wäre bloß die Elfe nicht gewesen, dann sähe es bestimmt anders aus.
      Gemeinsam traten sie ein paar Schritt zurück, und die Lyxaner erkannten, das sie von ihrer Sache abließen, und man ließ sie entkommen. Sollen sie nur in die Wüste flüchten und ihr Wunden lecken.
      Sechs von ihnen hatten sie erwischt. Einer davon lebte noch, war aber nicht mehr zu retten, weshalb man ihm noch den Gnadenstoß ohne viel Leid gestattete.
      Das erste Blut war auf ihrer Reise mit Wüstensand vermischt worden. Würde es noch mehr Opfer brauchen, um das Ziel zu erreichen? Wie durch ein Wunder hatten alle überlebt, wenn auch ein paar Verletzungen dabei heraus kamen. Eine Grundversorgung der Schulterwunde war möglich, aber besser versorgen konnte man ihn erst bei der Festung am Turm. Selbstverständlich würde man den Toten hier noch alles abnehmen das zu gebrauchen und von Wert war. Insbesondere deren Wasservorräte und Gold.
      Vanya erreichte Kal und kniete sich neben ihm. "Seid ihr verletzt, Botschafter?", spähte bereits seinen Körper nach blutspuren ab, fand aber nur jene, die der Krieger noch verloren hatte.
      "Wer waren diese Leute? Räuber?"
      Sie half Kal aufzustehen, der sich den Sand abklopfte. Das Schwert, welches er verloren hatte, hob sie auf, entstaubte es kurz und reichte es ihm dann.
      Sie hörte ein kurzes Schnaufen, als einer der Soldaten dem schwer Verwundeten einen Verband fest an die Schulter zurrte. Irgendwie gab es dabei sogar etwas Gelächter. Langsam beruhigten sich alle wieder.



      Mehyves Streitmacht
      Oriel

      Mitten in der fast schlaflosen Nacht und schon am sanften Beginn des erleuchtenden Horizontes, wurden die Schwestern geweckt, als man ihnen sagte, Perrot hätte ein Wunder vollbracht. Natürlich war er äußerst sparsam gewesen, nicht zu viele Maschinen zu zerlegen und rechnete mit seinen Abeitern Gewicht und Haltbarkeit aus, um die Anzahl der Geräte für die Brücke zu verwenden. Zunächst schien auch alles glatt zu laufen. Die Schwestern hatten bereits das Lager abgebaut und machten sich auf, den restlichen Weg zur Burg zurückzulegen. Erst dort im Lager würden sie nochmals ruhen und sich stärken.
      Als die Hauptstreitmacht wieder begann sich zu bewegen, blieben Perrot und Servic noch drüben auf der anderen Seite, um alles genau im Blick zu haben. Servic wollte vermutlich noch die schweren Geräte abwarten. Kamen sie rüber, dann würde die Brücke auch ihn tragen. Doch dann geschah das Unglück. Ein knackendes Geräusch erweckte das Aufsehen aller, und dann brach die Brücke zusammen, und riss einige Soldaten mit sich.
      Irgendwo waren zu wenig Bretter vernagelt gewesen, so das die anderen das Gesicht nicht länger tragen konnten, und brachen.
      Nur eine kleine Gruppe Soldaten von Haus Negrell hatte es geschafft, die andere Seite zu erreichen, aber es gab auch zwei Dutzend Verluste für Negrell.
      Servic war außer sich vor Wut und schleifte Perrot umher, drohte mit dem Abgrund, behielt sich die Anordnung ihn herabzulassen aber noch offen, da er womöglich noch von Nutzen war. Aber eine kleine Strafe erreichte ihn doch, während er danach winselnd am Boden lag.
      Auch Oriel fluchte und stampfte wütend auf, als die Brücke brach. Ihrer und der stechende Blick von Ariel in Perrots Richtung, schienen den Maschinisten förmlich aufspießen zu wollen.
      Dieses Häufchen Elend das dort auf der anderen Seite kroch war fast schon eine Genugtuung, aber tatsächlich wurde er noch gebraucht. Die Drohung ihn nach Unten zu befördern war eher ein Druckmittel gewesen, keine Fehler zu machen und sich zu beeilen. Er würde noch eine andere Strafe erwarten, sofern er sein Versagen nicht wieder aufpolieren konnte.
      Oriel und Ariel berieten sich kurz, kamen dann zu einem Ergebnis.
      "Wir brauchen noch ein paar Belagerungswaffen, wenn wir den Feind eine Nacht lang beschäftigen wollen. Entsendet Reiter, die zum Tor zurückkehren, und dortige Arbeiter anweisen, Teile für Katapulte herzustellen und aiuf schnellstem Transportweg zur Burg schaffen. Dort bauen wir sie dann zusammen. Vielleicht noch eine Handvoll. Geht hr den anderen Weg. Stellt Wachposten ab, die auf den Transport warten, und kommt dann zur Burg. Wir nehmen den Weg durch die Berge."
      Oriel wollte verhindern, dass dasselbe nochmal passiert, und alle Geräte weg sind und nochmal ein paar Soldaten abstützen. Dann musste die Belagerung eben einen Tag, oder gar zwei verschoben werden.
      Ariel rief noch rüber, das ein Bote diesen Umstand Krend mitteilen sollte. Vielleicht konnte er die Stadt einen Tag später belagern, ehe er zum Sturmangriff auf eine voll besetzte Bastion überging.
      So oder so würde Mehyve sicher gewinnen, aber die Verluste könnten geringer werden, wenn sie den Plan noch so gut wie möglich retteten.
      Oriel ließ durchzählen. Insgesamt waren es mit dem Spähtrupp und ihnen beidenn 43. Eine Streitmacht aus 43 Mehyvern. Und sie kamen sicher zuerst bei der Burg an. Die Zwerge würden sich vermutlich selbst zu tode lachen, wenn sie denken würden, das war Mehaves gesamte Streitmacht. Sie mussten als unentdeckt bleiben, bis Servic eintreffen würde.


      Camisse - Burg Anvil
      Burgfürst Hodmac Eisenknie
      Burg Anvil.jpg

      Es war noch gar nicht so lange her, da hatten sie noch mit ernsthaftigkeit, Gelächter und einer ordentlichen Tracht Prügel der Burgfürstin über die Situation in Mehyve, und der Möglichkeit eines Angriffes auf Camisse, gesprochen, und wer hätte schon geglaubt, das ganz Mehyve in wenigen Wochen vereint durch die Tür in Camisse einmarschierte?
      Er musste sich wohl oder übel bei Grolf entschuldigen, der natürlich mit aufgeplusterter Brust seine Vorahnung nochmals bestätigte.
      Mit einer großen Truppe durfte er zum Tor reiten um es zu verteidigen, kam aber zu spät, und der Feind war zu mächtig gewesen. Hier würde nur noch eine Rückeroberung helfen. Aber auch die musste begraben werden, denn man war sich absolut sicher, das der Feind bald Burg Anvil angreifen würde. Und das tat er auch. Eine Armee war unlänngst auf dem Weg hierher, wenn auch wie vom Erdboden verschluckt.
      Grolf vermutete, das sie womöglich durch die Berge kommen würden. Dort sah man sie erst kurz vor ihrer Ankunft, und Hinterhalte waren schwer, und nur mit kleinen Gruppen durchführbar.
      Hodmac hatte die volle Alarmbereitschaft angeordnet, und die Burg sollte für eine Belagerung ausreichend vorversorgt und gesichert werden.
      Ein Bote war bereits unterwegs, um aus Silver Helm und Ursis Verstärkung zu holen. Jeder Zwerg war wichtig. Auch würde ein Bote zum Eisenfürst geschickt, der vom Durchbruch am Tor berichten sollte. Es würde Tage dauern, bis eine Antwort käme. Ob es dann noch eine Burg unter Zwergenflagge gab war unklar.
      Überall in und um Anvil herrschte reges Treiben. Ein Karren nach dem anderen holte man in die Festung, manche fuhren leer wieder hinaus, um später voll beladen wieder durchs Tor ins Innere zu fahren. Hodmac rannte durch den Innenhof, ein Berater folgte ihm mit einer langen Liste, dahinter noch ein paar Laufburschen.
      "Ähhh, also Bier haben wir genug. Wir können hier mehrere Monate durchhalten. Heute kommen noch Rinder und Schweinetransporte dazu. Gegen Abend haben wir ausreichend Nahrungsvorräte angelegt.", meinte der Berater und strich mit einer Feder einen Abschnitt durch.
      Hodmac grunzte. "Gut. Wie steht es mit dem Brunnen? Und mit dem Schacht?"
      "Der Winter hatte ausreichend Schmelzwasser gebracht. Der Brunnen ist gut gefüllt und der innere Bergfluss fließt noch immer mit starkem Strom. Es schmilzt immernoch Schnee auf dem Gipfeln. Was den Schacht angeht, die Arbeiter arbeiten fast ohne Pausen. Nur Essen und Schlafen scheinen ihre Hacken zum schweigen zu bringen. Sie kommen etwa fünf Meter am Tag voran."
      "Sehr gut. Schafft die Felsen zum Anvilmörser. Wenn der Feind hier aufmarschiert, soll ihm der Berg auf den Kopf fallen."
      "Meint ihr, dass das wirklich alles funktioniert? Mit kleineren Brocken haben wir das ja schon getestet, aber ..."
      "Natürlich funktioniert das. Wir haben reichlich Sprengstoff, den Besten aus Lyxaxu, bekommen, und wenn wir den zünden, dann wirft der Himmel seinen Hammer auf den Boden! Beim Camisser Goldbräu, wir werden über den Feind richten und auch zugleich den Henker spielen. Aber kein Mehyver wird in diese Burg einziehen, hast du das verstanden?"
      Der Berater nickte. Natürlich gab es noch mehr Verteidigungsmaßnahmen. Und die Bedingungen für Belagerer waren ohnehin schon nicht sonderlich vorteilhaft. Felsen vor den Mauern, steile Hänge seitlich, und eine lange Treppe, die mit zahlreichen Verteidigungsposten bestückt war, und mehrere Tore aufbot, die man durchbrechen musste, ehe man zum Haupttor der Burg kam.
      Außerdem musste der Angreifer dann auch noch erstmal nach oben kommen. Hodmac hatte nie gezählt, aber es waren sicher 500 Stufen bis zum ersten flachen Gelände. Die Mehyver wären sicher schon davon fix und fertig. Und sie mussten nach oben kämpfen, während die Zwerge mit besserem Winkel nach unten verteidigen konnten. Besonders gut für die eigenen Schützen.
      Die Fallen nicht vergessen.
      Die ersten Testschüsse mit dem Mörser zeugten davon, das flachegelände vor den ersten Stufen zu bombardieren. Dort, wo der Gegner am dichtesten stehen würde.
      Aber auch sonst hatte man in den Türmen Kanonen eingebaut. Ohne große Verluste würde man Anvil nicht einnehmen. Aber Hodmac hatte nicht vor, eingenommen zu werden.
      Schon gar nicht, als sie den Spionageversuch aufdeckten und die Pläne umgeändert hatten. Alte Fallen wurden abgerüstet, neue aufgestellt. Die waren sogar besser. Dank Mehyves Spionage hatten sie es nun schwerer die Burg zu erobern.
      Und Grolf war auch noch da. Er meinte, er hätte noch was zu erledigen, wäre aber rechtzeitig da, um noch kraftvoll sein Bier durchzuschüttel.
      Hodmac vertraute ihm, auch wenn er beim Tor schon zu spät war, würde er es sicher kein Zweitesmal passieren lassen.
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    • Abgesandte aus Garlingen

      Ein Pfeil richtete den Deserteur, der zu schnell gewesen war, um darauf reagieren zu können. Ein Pfeil von Vanya, gut erkennbar an den leichten Luftwirbeln, die davon aufstiegen. Der Krieger fiel in einer grotesken Pose vor Kal auf die Knie und starrte Vanya mit sterbenden Augen an, bevor er leblos zur Seite kippte und in den Sand fiel. Kal verzog die Miene, sagte aber nichts. An seiner Seite schlugen die Soldaten in ihrer Form die restlichen Deserteure zurück und entspannten sich dann. Kal ließ sich von Vanya aufhelfen und rieb sich das Handgelenk, sein Schwert schob er zurück in dessen Halterung.
      "Mir geht es gut, danke, Vanya. Es ist gut, dass du dabei ist."
      Er blickte auf die Leiche zu seinen Füßen und drehte sie mit dem Fuß auf dem Rücken. Auf der Uniform des Deserteurs war schwach Vultjag's Wappen zu erkennen.
      "Es sind Deserteure, daran besteht kein Zweifel. Das ist interessant. Ich denke nicht, dass es einem Mann wie Skor egal ist, dass seine Soldaten die Armee verlassen. Wie ist ihnen die Flucht gelungen und warum sind sie noch immer in Vultjag? Das ist eine Frage, dessen Antwort ich mich widmen muss. Sie könnte wichtig sein."
      Er wandte sich den Lyxanern zu und erkundigte sich nach den Verletzten. Sie hatten keinen Mann verloren, was eindeutig für die Kampfkraft der Soldaten sprach, aber der Sieg war dennoch zu knapp gewesen. Nächstes Mal könnte es bereits anders laufen.
      Einer der Soldaten, der eine Glatze trug und stämmig gebaut war, schnaubte verärgert.
      "Ich verstehe immer noch nicht, wieso wir nicht mit 20 Mann kommen konnten, dann hätten wir keinerlei Schwierigkeiten gehabt. Wir sind einfach zu wenige für sowas."
      "Ich wäre mit keinem Begleitschutz gekommen, wenn ich es könnte", ermahnte ihn Kal. "Wir sind auf einer Friedensmission. Was wird Vultjag wohl davon halten, wenn ich mit 20 Mann vor seinen Toren stehe?"
      Der Soldat schnaubte erneut, sagte aber nichts mehr. Kal hob die Stimme.
      "Wir werden die Leichen verbrennen und weiterziehen. Je schneller wir den Turm erreichen, desto besser ist es."
      Die Soldaten gehorchten ohne zu Murren und schichteten die Leichen auf, bevor sie sie in Brand setzten. Nur eine halbe Stunde später befanden sie sich wieder auf dem Weg und entfernten sich von der blutigen Düne. Kal ritt zu Vanya und neben ihr her.
      "Sie haben unsere Soldaten als Nicht-Garlinger entlarvt, als er Goldfield als Flittchen bezeichnete und keine Reaktion darauf bekam. Wir müssen aufpassen, dass die Tarnung aufrecht erhalten wird, denn wenn erstmal herauskommt, dass sie keine Garlinger sind, wird man uns als Spione bezeichnen und einkerkern wollen. Das könnte einen Krieg mit Lyxaxu heraufbeschwören, wenn sie erst einmal herausfindet, dass ihre Soldaten unrechtmäßig gefangen gehalten werden. Es ist größte Vorsicht geboten."
      Am Abend desselben Tages unterrichtete er die Soldaten darüber, dass sie sich mehr wie Garlinger zu verhalten hätten. Das bedeutete konkret, dass sie sich mehr für die Goldfield Hausherrinnen einsetzen sollten und auch alles weitere, was irgendwie mit Goldfield zu tun hatte. Glücklicherweise konnten die Südländer von Taranoke die Nordländer schlecht voneinander unterscheiden, sodass sie nicht auf Sachen wie Wortwahl oder Ausdrucksweise achten mussten. Allerdings wäre es wohl geboten, den Schein der Garlinger so gut es möglich war aufrecht zu erhalten.

      Zwei Tage später erkannten sie den Turm schemenhaft als winzige Nadel am Horizont. Mit jeder verstreichenden Stunde wurde diese Nadel größer und größer, bis sie schließlich die Form eines Turms annahm und noch weiter in den Himmel wuchs. Einen weiteren halben Tag dauerte es, bis sie sich soweit genähert hatten, dass auch sie von den Spähern des Turms erkannt werden konnten und kurz darauf näherte sich auch schon eine Patrouille aus 10 Reitern, die ihnen vom Turm entgegenkamen. Kal schlug das Herz schneller, nachdem die Reiter genauso aussahen wie die Deserteure vor zwei Tagen, doch er versuchte sich ganz auf die Unterschiede zu konzentrieren. Ihre Uniformen waren glänzend, ihre Tiere trugen eigene Rüstungen, sie trugen Speere bei sich und hatten die Visiere heruntergeklappt. Es war dennoch ein erschreckender Anblick, der die Lyxaner dazu veranlasste, sich um den Wagen aufzubauen. Kal verlangsamte sein Pferd und wartete schließlich, bis auch die Reiter vor ihm zum Stehen kamen.
      "Wer seid ihr und was wollt ihr?"
      "Seid gegrüßt. Ich bin Botschafter Kal auf der Durchreise zu Skor Vultjag mit meinem Gefolge. Wir werden vom Kriegsherrn erwartet."
      "Achja? Und was ist das?"
      Er deutete mit seinem Speer auf den Wagen.
      "Das ist das Geschenk, das wir ihm überbringen."
      Einer der Soldaten schien hinter seinem Helm zu kichern.
      "Für Destone seid ihr aber ganz schön vom Weg abgekommen. Das ist nichtmal ansatzweise die Richtung."
      "Ich würde den Pfad, den wir genommen haben, auch nicht als Weg bezeichnen. Die Sanddünen sind schwer zu unterscheiden, um sie als Orientierung zu nutzen."
      Diesmal lachte der Soldat, aber es klang nicht gerade freundlich. Er lachte Kal aus.
      "Man orientiert sich ja auch nicht an den Dünen, sondern an der Sonne. Haben euch die Wälder etwa das Gehirn weich gemacht?"
      Da stieß ihm ein anderer Soldat das stumpfe Ende seines Speers in die Seite und schien ihn zu mustern. Es war unter dem Helm nicht zu erkennen, was für eine Miene er aufgesetzt hatte.
      "Das ist ein Botschafter. Zeig' ein bisschen mehr Respekt."
      An Kal gewandte sagte er knapp:
      "Nach Destone geht es da lang." Und deutete mit seinem Speer.
      "Wir hatten gehofft, die Gastfreundschaft von Vultjag wahrzunehmen und unsere Vorräte in eurem Turm zu füllen. Wir stießen vor zwei Tagen auf Deserteure, die uns schwer zusetzten und jetzt brauchen wir alle eine Pause von der Sonne, um den restlichen Weg zu schaffen."
      Der Soldat schwieg einen Moment lang, während er Kal abzuschätzen schien. Anscheinend wägte er ab, was für einen Ärger er bekommen würde, wenn er einem Botschafter die Unterkunft verbot und so entschied er sich schließlich für das einzig richtige.
      "Wie ihr wollt. Hier entlang, der Stall ist hintenrum."


      Mehyve's Streitmacht

      Servic hob zum Abschied um, dann bellte er Befehle und die ganze Anordnung an Soldaten machte kehrt, um den Weg zurückzugehen, den sie bereits gekommen waren. Mit Perrot war er auch noch nicht fertig: In aller Ausführlichkeit belehrte er ihn darüber, was Aranis mit ungehorsamen Arbeitern machen würde und wieso gerade er, der ja schon an der Mauer versagt hatte, die höchste Strafe überhaupt erleiden würde. Hew machte sich so klein, wie es nur eben ging, und wurde dann endlich zu seinen Maschinen entlassen, die er auch höchst eilig aufsuchte. Einige Soldaten lachten ihn aus, andere sahen ihn mitfühlend an und wieder andere zeigten ihm ihre unverholene Wut. Sein Ruf hatte sich an diesem Tag sicherlich vergrößert, allerdings nicht im guten Sinne.
      Erneut wurden Boten ausgesandt, um die Materialien anzufordern und auf schnellstem Weg zu Krend zu gelangen. Nun durfte wirklich nichts mehr schief gehen. Sie mussten darauf vertrauen, dass die Negrell-Schwestern sich verdeckt hielten, bis der Rest der Streitmacht eintraf, sonst würden sie an diesem Tag auch noch starke Oberhäupter verlieren. Außerdem durfte Krend keinesfalls die Burg als erster erreichen. Nur die Götter konnten ahnen, ob er klug genug sein würde, sich über die Position der anderen Armee aufklären zu lassen.

      Natürlich bekam auch Aranis von der ganzen Sache mit. Die Boten, die noch am selben Abend eintrafen, um Nachschub zu besorgen, schilderten die Lage und die Erzählungen von der Armee, die bereits scheiterte bevor sie die Burg erreicht hatte, wurden auch zu Aranis getragen. Elosia beriet sich mit Dracul. Sollten sie an der Burg scheitern, würden sie Verstärkung kommen lassen müssen, damit sie zumindest die Camisser Mauer sichern konnten. Die Zwerge würden sicherlich versuchen, ihre Heimat zurückzuerobern.

      Zwei ganze Tage dauerte es, bis Servic wieder auf der Höhe war, die er bereits mit den Negrell-Schwestern erreicht hatte. Und von dort aus war es noch immer ein ganzer Tag, wenn nicht sogar länger, bis sie in die Nähe der Burg kommen würden. Es gab für ihn keine Möglichkeit mehr, die Schwestern zu erreichen und so blieb nur zu hoffen, dass sie sich bisher irgendwo versteckt halten konnten. Sie bezogen ihr Lager an einer Flusskurve, bei der sich der Fluss geradezu idyllisch am Berg entlang schlängelte und stellten die Wachen auf. Den Spähern war aufgetragen worden, sich möglichst verdeckt halten und feindliche Späher anzugreifen, wenn sie zu nahe an das Lager kämen, aber jeder wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Camisse mit seinen Spähern Mehyve entdeckte. Das war es also auch mit dem Vorteil der Berge. Und statt diese Wanderung zu unternehmen, hätten sie auch einen weiteren Tag im Lager bleiben und sich ausruhen können.
    • Turm der Wüste
      Wüstenturm.png

      Nach den Ereignissen mit den Desateuren verlief die restliche Reise relativ friedlich ab. Nur die eintönige, trockne und heiße Sandlandschaft schlug ihnen aufs Gemüt. Aber bald endlich kam ihr Ziel in Sicht und sie waren froh, das sie sich korrekt orientiert hatten und nicht noch weitere Kilometer durch die Wüste irren mussten.
      Tatsächlich fanden sie unterwegs auch die ein oder andere Stachelpflanze, die mehrere Meter hoch wuchsen, und reichlich Wasser enthielten. Das Wasser mussten sie aus tieferen Erdschichten haben, und dieses mit einem langen und weit verzweigtem Wurzelgeflecht aufnehmen. Regnen tat es hier kaum in der Wüste, und im Sommer noch seltener.
      Der Turm war gigantisch. Die einzelnen Segmente waren etwa um die 15 bis 20 Meter hoch, was den Turm ansich sicher über 100 m Höhe einbrachte. Zwerge sollten ihr vor Jahrhunderten mal errichtet haben, und auch die Mönche die einst Arana anbeteten hatten wohl ihre Hände im Spiel, und Vultjag hatt schließlich aus ihm eine Festung gemacht. Häuser aus Stein wie eine kleine Stadt, und auch andere Bauwerke die militärisch waren, aber auch reichlich Lagerhäuser und ein Handelsposten waren hier zu finden. Sogar ein Markplatz gab es hier, auch wenn dieser kaum genutzt und eher mit Wagen und anderem Unrat zugestellt war. Nur wenige Läden hatten hier offen und boten das ein oder andere an. Kleider, Nahrung, Haushalt, Waffen ... und das Wichtigste war Wasser. Der Wasserverkäufer war zudem bewacht von 15 Soldatenn, die darauf achteten, das keiner Unfug mit dem kostbarem Nass trieb, oder etwas stehlen wollte.
      Pferde und Wagen waren bald bei den Ställen untergebracht und die Soldaten machten sich auf, neue Vorräte zu kaufen, und das Wasser zu füllen. Die Verletzten begaben sich zu einem ansässigen Heiler, dessen Laden und Methoden aber äußerst fragwürdig aussahen.
      Letztenendes musste der Schwerverletzte aber das Angebot annehmen, wenn er keine dauerhaften Einschränkungen behalten wollte.
      Morgen früh sollte man ihn wieder abholen kommen.

      In einem Gasthaus, das ebenso staubig war wie die Wüste selbst, atmete Vanya seufzend aus. Sie klopfte sich die Schuhe ab und begab sich an einen Tisch, fern eines der Fenster, durch das die Sonne schien. Und diese wurde von Vorhängen aus Stofffetzen etwas davon abgehalten, hier eine Bruthitze zu erzeugen. Tatsächlich war es angenehm kühl im Raum. Zumindestens im Vergleich zu draußen. Wasserbecken, Schalen und ein paar vertrocknete Pflanzen sollten hier wohl für ein angenehmes Klima sorgen.
      Vanya und Kal saßen gemeinsam am Tisch und ein verschwitzter Wirt kam zu ihnen, und brachte zwei kleine Tonbecher mit Wasser.
      "Is für jeden Gast hier. Jeder bekommt ein Schluck Wasser umsonst. Was darf ich sonst bring?", sprach der Wirt, der etwas stark nach Schweiß und Küche roch.
      Es waren noch ein paar weitere Gäste hier. Kaum einer sprach, alle schonten ihre Kräfte. Oder es gab nichts zu berichten. Ein anderes Thema außer Sand gab es vermutlich auch nicht.
      "Wir sind auf einer beschwerlichen Reise, und sind eingeladen von Skor Vultjag persönlich. Bring uns gutes Essen, damit wir bis Destone durchhalten. Die Wüste bekommt uns Elfen nicht gut. Und Wasser. Wenn ihr habt, Tee. Und etwas Salz."
      Salz war auch ein wichtiger Nährstoff, da der Körper sein salziges Wasser rasch verlor. Gern nahm man beim Trinken daher auch immer eine Priese Salz dazu.
      Als sie wieder allein waren richtete Vanya sich an Kal. "Nun sind wir hier, am Turm. Ein beeindruckendes Bauwerk. Was genau erhoffen wir hier zu finden? Ich habe tatsächlich keine genaueren Informationen erhalten, und bisher versäumt zu Fragen. Aber esgeht wohl um alte Schätze zu Arana?"
      Einige Tagen würden sie wohl bleiben müssen. Immerhin galt es einen Zugang zu den unterirdisch vermuteten Gewölben zu finden. Und dort suchte man nach ... nach was?


      Camisser Berge nahe Anvil
      Oriel und Ariel Negrell

      Verfluchte Berge. Oriel fluchte fast die ganze Reise immer und immer wieder, spähte zu den Hängen und Felswäönden hinauf, suchte nach weitere Brocken, die ihnen den Weg vollständig abschneiden könnten. Das fehlte noch, wenn sie weder vor noch zurück könnten. Bis Servic auf die Idee käme, jemanden zurück bis zur Bruchstelle zu schicken, würden Tage vergehen. Oder er greift alleine an, und erntet den Ruhm bezichtig die Schwestern der Feigheit und des Verrates, weil sie nicht dabei waren. Soweit kommts noch.
      Gegen Mittag fanden die Späher dann eine Felsspalte, die einige Meter weit in den Berg führte. Am Ende klaffte ein Loch, der Zugang zu einer Höhle. Sie campierten für einige Stunden, stärkten sich und drei Soldaten sollten die Höhle erkunden.
      Sie fanden Hinweise auf Zwergenaktivitäten. Spuren, sogar Material wie Werkzeuge und Eimer. Offenbar ein alter Stollen. Oriel kam auf die Idee, diesen als sicheren Reiseweg zu nutzen.
      Als es weiter ging betraten alle die Höhle und folgten den Weg nach unten. Bald fanden sie sogar eine Lore, in der noch ein paar Erzklumpen lagen. Alte Fackeln und Öllampen an den Wänden zeugten davon, das schon viele Monate keiner mehr hier gewesen sein musste.
      Vor ihnen tat sich dann eine schwarze Finsternis auf. Ein großer Stollen, vielleicht vier Meter hoch und sieben Meter breit, schien sich endloch in die Tiefe zu erstrecken. Das Licht ihrer Fackeln vermochte niemals so tief zu reichen.
      Oriel kicherte. "Ich würde fast wetten, das dieser Stollen bis zur Burg führt. Wir sollten ihm folgen. Gulag? Du gehst zurück. Reite den Weg weiter entlang und halte dich verdeckt. Wenn du zu Servic gelangst, sage ihm, das wir möglicherweise schon in die Burg eindringen können. Er soll mit der Belagerung beginnen und Anvil stürmen. Wir infiltrieren die Zwerge dann von innen. Das wird eine hübsche Überraschung werden, hihihi."
      Zehn Zerrüttete Zahme Zebragestreifte Zauberhafte Zypern Ziegen Zogen Zum Zehnten Zehnten Zukunftsorientiert Zehnmal Zähneknirschend Zehn Zentner Zerstoßenen Zucker Zum Zoo Zurück
    • Abgesandte aus Garlingen

      Der Turm war von einer kleinen Stadt umgeben, deren Mittelpunkt er darstellte. Sie bot Platz für ein paar hundert Soldaten samt Spähern und möglichen Besuchern, die sich hier auf ihrer Durchreise stärkten. Der Turm selbst schien der Hauptpunkt zu sein, nachdem man die Abgesandten bei der nahegelegenen Herberge unterbrachte und ihnen nicht, so wie Kal eigentlich gehofft hatte, ein Gemach im Turm anbot. Das war ein Ärgernis, das Kal noch aus dem Weg räumen musste, wenn sie den Auftrag erfüllen wollten. Doch zuerst würde er sich und Vanya für einen Moment erholen lassen.
      Sie hatten sich in das einzige Gasthaus im Ort gesetzt, das zudem auch rege besucht war, und ließen sich dort verpflegen. Die Soldaten waren alle nach verschiedenen Teilen ausgeströmt, um bereits alles für die Abreise vorzubereiten. Wenn alles gut lief, konnten sie in zwei Tagen bereits wieder weiterziehen, wenn nicht mussten sie ihren Aufenthalt weiter hinauszögern.
      Er wandte sich Vanya zu, die sich gütigerweise um ihre Verpflegung gekümmert hatte. Die Reise ermüdete seine alten Knochen und er vermisste die Kühle des Waldes, mit der alles nur halb so schlimm hätte sein können. Dort hatten sie auch keinen Angriff von Deserteuren zu befürchten. Er nickte ihr zu.
      "Viel eher um die Schätze der Mönche, aber das wird wohl dasselbe sein. Ich rechne mit Büchern, Schriftrollen und Relikten, allesamt im Namen der Göttin. Der Gelehrte erzählte von einem unterirdischem Gang, der zu besagten Schatzkammern führt, doch er muss erst freigelegt werden. Ich bezweifle, dass Vultjag ihn schon gefunden hat, was bedeutet, dass er äußerst gut versteckt sein muss. Wir werden jede uns zur Verfügung stehende Hilfe in Anspruch nehmen müssen."
      Er sah sich ein wenig um Raum um, um zu sehen, ob ihnen jemand zuhörte. Aber die anderen Gäste waren sehr mit sich selbst beschäftigt.
      "Das erste Problem wird es sein, erst in den Turm hineinzugelangen. Ich hatte gehofft, dass man uns als Abgesandte eine Unterkunft dort anbieten würde, aber offenbar ist die Gastfreundschaft nicht so hoch, wie ich erwartet hatte. Ich werde Kontakt mit dem örtlichen Vorgesetzten aufnehmen müssen, denn hineinzuschleichen erscheint mir als eine durch und durch schlechte Idee. Ich werde ihn bitten, uns im Turm unterbringen zu lassen, damit wir nicht bei dem gemeinen Volk schlafen müssen und dann werde ich ihn bedrängen, dass er uns freien Zutritt zu den allgemeinen Räumen des Turms gewährt. Allerdings denke ich, dass das noch nicht ganz ausreichen wird."
      Er verstummte, als der Wirt zurückkam und ihnen ihre Becher auf den Tisch stellte. Kal nickte ihm dankend zu und trank von seinem Tee. Er war nicht halb so gut wie Zuhause.
      "Du wirst mich begleiten müssen, den anderen Soldaten wird kaum Zutritt erteilt werden. Ich brauche deine volle Unterstützung. Sobald ich den Vorgesetzten in ein Gespräch verwickelt habe, kannst du dich schon fortschleichen und anfangen nach dem Gang zu suchen. Wenn dich jemand aufzuhalten versucht, wirst du ihm sagen, dass du auf meinen Wunsch hin hinausgegangen bist und er sich bei seinem Vorgesetzten melden soll, falls er damit Probleme hat. Ich werde ihn dann schon abschütteln. Ich hoffe, dass ich mich dann bei der Suche anschließen kann, aber im Zweifel werde ich mich an ihn haften und dir damit Zeit verschaffen. Wir sollten ihn noch heute aufsuchen, solange er uns noch keine große Aufmerksamkeit geschenkt hat. Denkst du, du bekommst das hin?"


      Negrell-Schwestern

      Die Eroberung hatte sich schnell in einen Albtraum verwandelt, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Sie hatten bereits Verluste gemacht, wenn auch äußerst geringe, und auch die Zeit lief ihnen davon. Das kurze Zeitfenster, das Aranis ihnen gegeben hatte, hatte gerade einmal zum Erreichen der Burg gereicht, aber nun würden sie es zweifellos überschreiten. Ob Aranis damit so glücklich sein würde? Keiner wusste es.
      Die beiden Schwestern waren besonders schlecht drauf und die wenigen Soldaten, die sie nun hatten, hielten sich daher auf Abstand. Oriel verbrachte den ganzen Weg mit einem Fluch nach dem anderen auf den Lippen und Ariel ballte immer die Hände zur Faust und ließ sie in regelmäßigen Abständen wieder locker. Sie würde Perrot für sein Versagen eigenhändig umbringen und Servic würde gleich dazu kommen. Die beiden besaßen für ihre Unfähigkeit viel zu viel Macht.
      Sie campierten an einer Höhle, die die Späher entdeckt hatten, und die sich bald darauf als Stollen entpuppte, der verlassen zu sein schien. Oriel schlug gleich vor, dass sie ihn benutzen würden und Ariel nickte bekräftigend. Die Soldaten leisteten keine Widerworte, allerdings blickten sie allesamt etwas unwohl drein.
      Sie traten in die Finsternis der Höhle ein und Oriel schlug vor, dass sie von dort aus versuchen würden in die Burg zu gelangen. Ariel stimmte ihr begeistert zu und die beiden kicherten einen Moment, ehe sie sich zu den Soldaten umdrehte.
      "Was ist? Sichert den Stollen, auf geht's! Wir wollen in keine unangenehme Überraschungen laufen."
      Die Männer setzten sich schnell in Bewegung, nahmen sich die unbenutzten Fackeln von den Wänden, entzündeten sie und liefen zum Teil voraus, zum Teil blieben sie hinter den Schwestern, um ihnen von allen Seiten Schutz zu bieten. Dann setzte sich die ganze Truppe in Bewegung.
      Die Wände des Stollens waren mit Eisenbalken verstärkt und ungefähr in der Mitte befand sich das Gleis, auf dem die Lore gefahren war. Auf ihrem Weg liefen sie an einigen Erzhaufen vorbei, die lose in der Gegend herumlagen und wahrscheinlich darauf gewartet hatten, dass man sie abtransportieren würde. Der Gang verlief größtenteils geradeaus, hatte hier und da eine kleine Kurve, schien aber doch recht zielstrebig in den Berg zu führen. Mehrmals blieben sie stehen, um auf Geräusche zu lauschen, aber bis auf das ferne Blasen des Windes drang nichts zu ihnen durch.
      "Dumme Zwerge", höhnte Ariel, während sie einen Erzklumpen beiseite trat. "Denken an Kanonen auf ihren Mauern, aber nicht daran, dass sie ihre Stollen einbruchsicher machen."
      Sie schnalzte missbilligend mit der Zunge.
      "Wenn uns das gelingt, wird uns nichts mehr aufhalten sie ein für alle Mal aus den Bergen zu vertreiben. Dann ist Mehyve größer denn je und es ist allein unser Verdienst - Servic kann meinetwegen zurück zu seinen Briefen gehen und Perrot wird im Kerker für sein Versagen versauern. Obwohl dieser Raz nicht besser ist. Die sind beide so schleimig."
      Sie winkte einen Soldaten grob zu sich her, damit er ihr mehr Licht spendete. So liefen sie eine ganze Weile weiter, umgeben von eintönigem Fels und dem noch viel eintönigerem Gleis. Irgendwann kamen die Soldaten, die voraus gelaufen waren, zu ihnen zurück.
      "Vorne ist eine Sackgasse mit Geröll. Entweder ist der Stollen eingestürzt, oder er wurde absichtlich gesprengt, in jedem Fall gibt es kein Durchkommen."
      Ariel verzog die Miene.
      "Dann sucht nach einem zweiten Gang oder schaufelt das Geröll weg! Sind denn alle Soldaten heutzutage so dämlich?"
    • Negrell Schwestern

      Oriel lachte auf, als Ariel von Raz sprach, diesem merkwürdigen Kerl mit seiner Wunderwaffe, die für reichlich Gesprächsstoff gesorgt hatte.
      "Sorge dich nicht um diesen Narren. Sofern er seine Schade nicht wieder gut machen kann, wird er ohnehin sterben. Aber vielleicht sollten wir ihn mit Perrot zusammen nackt in einen Schweinestall sperren und ihnen auferlegen, eine Stunde lang um ihr Leben zu grunzen."
      Kurz darauf kam der Spähtruppe zurück und meldete, das der Stollen mit Geröll zugeschüttet war. Offenbar hatte man ihn wohl bewusst einstürzen lassen. Wäre er so zusammengefallen, hätten die Zwerge sehr schlampig arbeiten müssen. Und selbst wenn es geschehen wäre, hätten sie sich wieder durchgegraben, und den Schutt beiseite geschafft. Nein, hier hatte man wohl Vorsicht walten lassen.
      Ariel war zurecht mürrisch. Hier schien keiner mitdenken zu wollen. Unfähiges Pack. Man verließ sich zu sehr auf die Vorgesetzten, wenn sie da waren. Wie sollte man so Eindruck schinden?
      "Los, ihr habt meine Schwester gehört. Ihr da, sucht nach weiteren Durchgängen. Und ihr fang an zu schaufeln. Nehmt eure Helme, und Schilder. Und beeilte euch. Ein paar Meter Schutt wird es sicher sein, aber die Zwerge werden sich selbst auch nicht mehr Arbeit als nötig aufhalsen."
      Selbstverständlich würden die Schwestern hier keinen Finger krümmen. Sie würden höchstens eine Fackel halten und dabei genüsslich zusehen, wie die Soldaten im Dreck wühlten.
      Nach etwa 20 Minuten kamen die anderen zurück, teilten mit, das es nur noch Felswände und ein paar Kammern gab, wo man Erz lagerte oder das ein oder andere Werkzeug.
      "Habt ihr was davon mitgebracht? Sicher gibt es dort Schaufeln."
      "N-nein, verzeiht, daran haben wir nicht gedacht."
      "IDIOTEN!", brüllte Oriel, so das es im ganzen Tunnel schallte. Wütend scheuchte sie die Soldaten zurück zu den Kammern. Zwei weitere begleiteten sie, um Werkzeu zu holen.
      Wenig später kamen sie tatsächlich mit Hilfsmitteln zurück, darunter weitere Fackeln, zwei Öllampen und einem Leuchtstein.
      Jetzt, da alle am graben waren, ging es schneller voran. Dennoch brauchten sie vier Stunden um ein ausreichend großes Loch freizulegen, damit auch die Schwestern mühelos hindurch gehen konnten.
      Kühle Luft wehte ihnen entgegen.
      "Endlich. Ihr Narren habt ganz schön lange gebraucht. Aber wir sind durch. Hier weht ein Luftzug. Das bedeutet, das es eine Öffnung nach Draußen geben muss. Sucht sie. Vielleicht haben wir Glück, und sind schon nah beim Schloss."
      Oriels Hoffnungen wurden alsbald wieder begraben. Es gab tatsächlich einen Ausgang, aber der endete an einer tiefen Felsspalte. Eine Brücker gab es, aber die war gegenüber auf der anderen Seite. Sicher 7 Meter weit entfernt. Diese verfluchte Zwerge haben wohl mit allem gerechnet. Dahinter lag ein weiterer Zugang zu einem Stollen. Oriel sah sich um. Vom Winkel her konnten sie tatsächlich einen Teil der Burg erkennen, und ins Tal blicken. Man sah sogar den Fluss in der Ferne. Irgendwo dort war sicher Servic unterwegs. Oriel war sich nun sicher, das die Tunnel bis zur Burg führen würden. Nur die tiefel Felskanten waren noch ein Hindernis.
      Fluchend ordnete sie an, irgendwie einen Weg dort rüber zu finden. Vielleicht gab es noch Materiel was man dafür nutzen konnte. Seile um vielleicht die Brücke mit einer Schlinge zu fangen und herüberzuziehen. Irgendwas .....


      Servics Lager

      Nach einigen Stunden kam ein Späher zurück, der für Servic die Burg auskuntschaften sollte. Sein Pferd schnaubte, Schaum fiel aus dessen Mund und das Fell glänzte vom Schweiß. Er hatte es fast zu Tode geritten, um schnellstens herzukommen.
      Bei Servic verneigte er sich kurz und bewahrte Haltung so gut es ging, auch wenn sein Atem den Bereicht etwas abgehackt klingen ließ.
      "Melde gehorsamst, das die Burg schwerer befestigt ist als bisher berichtet wurde. Es gibt eine lange Treppe, die von Tor und Wachtpostenebenen unterbrochen wird. Drum herum gibt es viel Fels, Geröll und steile Hänge. Dort werden die Soldaten wohl nur mühselig voran kommen. So wie es aussieht, müssen wir die Toren und die Treppe erobern, und so zum Haupttor und den Mauern der Burg vorstoßen. Es gibt jedoch genug Platz für unser Kriegsgerät auf den einzelenen Torebenen. Ein Vorteil den wir nutzen können. Ansonsten sind die Zwerge eifrig damit beschäftigt Vorräte in die Burg zu schaffen. Sie rechnen bereits mit einer längeren Belagerung. Und kein Zeichen von Negrell."
      Mehr konnte er nicht berichtet. Weder war zur Verteidigung noch zur Anzahl der Soldaten.
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    • Negrell Schwestern

      Ariel schüttelte den Kopf, während die beiden darauf warteten, dass der Weg freigeräumt werden würde. Sie schnaubte verächtlich.
      "Heutzutage lassen sie auch die dümmsten Bauern Soldaten werden. So DÄMLICH kann doch wirklich keiner sein!"
      Ihre Stimme war im Schacht gut hörbar, allerdings reagierten die Soldaten nicht darauf - das einzig richtige, was sie an diesem Tag getan hatten.
      Einige Stunden und weitere Beschwerden der Schwestern später war der Durchgang endlich geschaffen und sie traten ins Freie hinaus - wo schon das nächste Problem auf sie wartete. Ariel fluchte laut und trat einen Stein in die Schlucht hinunter, der eine Weile lang fiel bevor er in der Ferne ins Wasser platschte. Das war eine ganz schöne Höhe, nicht auszudenken was passieren würde, wenn sie dort hinunterfielen. Allerdings waren sie der Burg nun so nahe, dass es sich auch nicht mehr lohnte umzudrehen. Sie wollten schließlich da sein wenn Servic angriff und das würden sie bestimmt nicht schaffen, wenn sie sich nach der ganzen Mühe doch wieder auf den richtigen Weg machen würden.
      Ariel drehte sich zu den Soldaten um.
      "Na los, überlegt euch, wie wir da rüberkommen! Müssen wir etwa alles selbst machen?!"
      Die Männer sahen betreten drein und sprudelten dann mit Vorschlägen los, wie sie die Kluft überwinden könnten. Es langweilte Ariel. Sie beschäftigte sich damit weitere Felsen runterzustoßen und auf das befriedigende Platschen zu warten. Schließlich entfernten sich die Soldaten wieder in dem Vorhaben, den Stollen ein weiteres Mal nach nützlichen Dingen zu durchforsten. Ariel fluchte.
      "Unnützes Pack."
      Sie kamen eine halbe Stunde später mit gefundenen Seilen zurück, die relativ stabil aussahen. Einer der Soldaten, der selbsternannte Hauptmann wie Ariel schätzte, erläuterte von der Möglichkeit, das Seil rüberzuwerfen, es zu befestigen und daran entlang zu klettern. Er äußerte auch noch die Überlegung, dass man versuchen könnte die Brücke heranzuziehen oder ein paar der stützenden Pfeiler im Stollen zu entfernen und sie zu einer eigenen Brücke zusammenzubinden. Bei letzterem Vorschlag fiel ihm Ariel gleich ins Wort, denn sie hatte definitiv genug von Brücken.
      "Wenn unser unfähiger Maschinist schon keine Brücke hinkriegt, dann ihr erst recht nicht. Wir versuchen sie heranzuziehen - das heißt ihr werdet es versuchen."
      "Jawohl, Herrin."
      Sie machten sich daran, die Seile an den paar Spitzhacken, die sie gefunden hatten, festzubinden und dann das Gebilde über die Schlucht zu werfen. Die Spitzhacken hakten sich beim Anziehen manchmal fest, aber nie hielten sie so lange, um die Brücke in Bewegung zu setzen. Also mussten sie es erneut versuchen. Und erneut. Ariel stöhnte laut auf, während fünf Soldaten versuchten die Brücke heranzuziehen.
      "Ein Übungskampf gefällig, Schwester? Zum Aufwärmen für die große Schlacht."
      Eine ganze Stunde später gelang es endlich einem Soldaten die Spitzhacke in einem solchen Winkel zu werfen, dass sie sich in der Brücke festhackte und gezogen werden konnte. Nun ergriffen alle fünf das Seil und zogen daran, woraufhin die Brücke sich äußerst langsam in Bewegung setzte. Sie schien schwer zu sein, aber das war auch gut so. Nach Perrot's Versagen war eine schwere Brücke wie ein Segen, denn sie versprach, dass sie mindestens ihr Eigengewicht halten konnte.
      Eine kurze Zeit später schabte sie über den eigenen Felsrand und konnte dort festgezogen werden. Die Soldaten waren allesamt am Schwitzen und setzten sich erleichtert auf den Boden, aber Ariel wollte ihnen gar nicht die Gelegenheit geben sich auszuruhen.
      "Du!" Sie zeigte auf den Hauptmann. "Rüber mit dir und sieh, ob die Brücke standhält. Dann die anderen."
      Er gehorchte, wenngleich er eine gequälte Miene aufsetzte. Er betrat die Brücke, die ein wenig erzitterte, und ging auf ihr hinüber. Sie schien stabil und auch die anderen fünf Soldaten, die ihm kurz darauf folgten, kamen unbeschadet rüber. Also gingen auch die Schwestern und ließen schließlich den Rest rüberkommen. Nach einem Tag wie diesem war dieser Erfolg wie etwas heiliges. Jetzt mussten sie nur noch den Weg in die Festung finden.
      "Ich schlage vor wir suchen nach dem Eingang und wenn wir ihn gefunden haben, schlagen wir erst unser Lager auf. Wir sollten am besten erst reingehen, wenn Servic angegriffen hat, und noch besser wenn es dunkel ist, damit uns niemand zu früh entdeckt."


      Mehyve's Streitmacht

      Servic empfing den Lagebericht des Boten mit zorniger Miene. Alles lief schief, wirklich alles. Er hatte keinen einzigen Kontakt zur Festung, wusste nichts von seinen Spionen in Camisse und jetzt bekam er nicht einmal Informationen über die Verteidigungssysteme. Es war ein scheußliches Gefühl so uninformiert zu sein, so wie irgendein dahergelaufener Offizier. Er war schließlich nicht irgendein Offizier, er war Anthein Servic, der Mann, der die wichtigsten Kontakte pflegte und die besten Spione ausbildete. Es sollte gegen die Naturgesetze sein, dass er keine Ahnung hatte, wie er diese Burg einnehmen sollte.
      "Geh mir aus den Augen du Nichtsnutz! Mach dich irgendwo nützlich!"
      Der Bote floh regelrecht, froh darüber, dass er nicht das Leid seiner Artgenossen teilen musste. Servic hätte gerne auch ihm den Kopf abgeschlagen, aber sein General hatte ihn darüber informiert, dass es bei einer bevorstehenden Belagerung nicht sinnvoll war, die eigene Anzahl zu dezimieren. Leider hatte er damit recht, aber er musste doch mit seinem mitgebrachtem Schwert etwas anfangen, wenn er schon nicht an der Schlacht teilnahm.
      Grübelnd und von eigenen Gedanken zerfressen schritt er in dem Lager auf und ab, während die Soldaten in seiner Nähe ihn beobachteten. Er konnte die Verteidigungssysteme nicht erahnen und er wusste auch nicht wo sich die Negrell Schwestern befanden. Vielleicht waren sie mittlerweile schon tot, aufgespürt von einer Patrouille und zahlenmäßig unterlegen. Oder sie waren gefangen genommen worden, wodurch sie sich in der Festung befanden und ihm hätten sagen können, wie die Mauern von innen aussahen. Nur leider konnte er keinen Kontakt zu ihnen aufnehmen.
      Dann konnte er sich auf nichts anderes als die Kriegsgeräte verlassen.
      "PERROT!!!"
      Der Maschinist kam angerast und verneigte sich so tief, dass er fast den Boden hätte küssen können. Das war auch gut so, denn Servic' Geduld mit ihm war äußerst dünn gespannt.
      "Ihr habt gerufen, Herr?"
      "Wir werden deine Maschinen benutzen um die Wachposten zu zerstören und uns den Platz vor der Burg zu sichern. Können sie das?"
      "J-Ja, Herr."
      Er wirkte äußerst unsicher und das machte Servic wütend.
      "Können sie das oder nicht?!"
      "I-Ich kann es ohne konkrete Informationen nicht einschätzen, Herr."
      "Dann lass dir von dem Späher sagen, wie die Wachposten und Tore aussehen, bei der Verderbnis von Aranis! Kommen die Geräte zumindest Treppen hoch?"
      "Man wird sie tragen müssen, Herr."
      "Dann nimm dir Soldaten, die sie tragen du Nichtsnutz. Und du", er zeigte auf seinen General der sich gleich anspannte, "sorgst dafür dass diese Soldaten Deckung erhalten. Eine eigene Verteidigungslinie um sie vor Schüssen zu schützen."
      Er nickte knapp.
      "Außerdem will ich, dass wir auf dem Weg das Geröll einsammeln, von dem dieser Späher gesprochen hat. Wir können es als Munition verwenden, dann können wir so lange schießen wie es uns beliebt. Und wieso schaffen es eigentlich Vorräte zur Burg zu gelangen?!"
      Perrot ergriff die Gelegenheit und hastete schnell davon, während der General antwortete.
      "Die Versorgung kommt von der anderen Seite der Burg, die wir nicht erreichen können."
      "Wir können ALLES erreichen! Welche Seite, etwa die von Krend?"
      "Wahrscheinlich. Vielleicht auch nicht."
      "Dann schick einen Boten los der ihm sagt, dass er diese verdammten Versorgungswägen stoppen soll! Schließlich haben wir eine Belagerung geplant!"
      Der General neigte nur den Kopf und brüllte dann seine Befehle. Servic begann wieder auf und ab zu laufen. Er brauchte Informationen von der Burg, um diesen Angriff erfolgreich durchzuführen. Er musste irgendwie in die Burg gelangen.

      Sie zogen am Morgengrauen weiter und als der erste Wachposten im Laufe des Tages näher kam, ertönte auch der glockenhelle Alarm.
    • Burg Anvil
      Beginn der Belagerung - Erster Torposten

      Die Glocken wurden geschlagen, und alle Zwerge hielten kurz inne, spähten zur Glocke, sahen sich um, und erblickten zum Teil den Aufmarsch Mehyves, sofern die Sicht nicht durch Unebenheeiten des Hanges oder durch Felsen blockiert war. Es gab durchaus befestigte Wege und Straßen, die natürlich auch der Feind nutzte, um hinaufzukommen. Auch gab es genug Geröllfläche, zum Teil mit Gras bewachsen, die man gut erklimmen konnte. Richtig Steil wurde es erst ab dem Torposten. Schließlich war die Burg am Fußes des Berges erbaut worden, und nur ein paar hundert Meter höher als die Talebene davor. Dennoch ein strategisch guter Ort. Seitlich war die Burg kaum angreifbar und das Gelände steil, uneben und voller zerklüfteter Felsen und Felsspalten, die zum Teil mit Holzstegen überbaut waren. Soldaten könnten dort hindurchhuschen, Pferde oder schweres Gerät hätte jedoch Probleme. Auch lange Leitern für einen Aufsteig an den Mauern wären schwer hindurch bringbar. Zur Vorsorge hatten die Zwerge dort auch Fallen installiert. Da die Brücken eh mal erneuert werden müssten, hatte Hodmac befohlen, Taue zu lösen, zu zerschneiden und Nägel zu ziehen. Notfalls das Holz anzubrechen. Das dürfte noch ein paar Kriegern das Leben schwer machen und für Umwege sorgen. Und das Gewusel zwischen den Felsen konnte man dann vorteilhaft mit Pfeilen von erhöhter Position und längerer Reichweite unter Feuer nehmen und so den Gegner in Schach halten.
      Von den Seiten erwartete Hodmac also weniger starke Attacken, weshalb auch fast nur Schützen auf den seitlichen Wehrmauern postiert waren.
      Viel gefährlicher war der Ansturm von vorne. Die Torposten würden natürlich am meisten abwehren müssen, bis die Mehyver das letzte Haupttor an den Burgmauern selbst erreichen würden. Eine schwere Aufgabe für die tapferen Camisser, die dafür ihr Leben geben würden.
      Hodmac war zur Mauer geeilt und spähte hinab ins Tal. "Verflucht großer Aufmarsch. Über Zehntausend sind es garantiert.", murrte er. Ein Späher mit Fernlinse meinte, das er Abzeichen von zwei Häusern erkannte. Negrell und Servic. Aber dann lachte er. Der Burgfürst wollte wissen, was los sei, und bekam als Antwort eine Handvoll kleinerer Katapulte zu hören. Und damit wollten sie Anvil sturmreif schießen? Lächerlich. Naja, immerhin könnten sie die Dinger irgendwie die Treppen rauftragen und vor jeder Torebene erneut aufstellen, und zumindestens Unterstützungsfeuer geben.
      "Wahh, die würden kaum angreifen, wenn die sich nicht sicher wären, hier auch reinzukommen. Lieber kein Risiko eingehen. Seid auf alles vorbereitet was die Teufel ausgeheckt haben könnten."

      Am ersten Torposten rannten die letzten Zwerge hinter das Tor, dessen schwere Holztore, mit schwerem Eisenbeschlag und einer über zwei Türen verteilten Goldverzierung, die einen Amboss glich, mit einem Rumms zufielen. Vor dem Tor herrschte nun eine mysteriöse Stille, die nach und nach durch das Marschieren der Truppen und dessen rumpelnden Geräuschen erfüllt wurde.
      Servic hatte man nicht sonderlich viel erzählen können, außer das viele Treppen und drei Zwischenposten mit Toren auf sie lauerten. Vor den Toren gab es jeweils ein paar hundert Meter Ebene, die man nutzen konnte. Mehr Vorteile boten sie nicht. Und die Treppen waren etwa 20 Meter breit. So konnten auch etwa 20 Mann nebeneinander mit Schilden diese erklimmen. Nur vor den Toren war es möglich auf breiter Fläche anzustürmen.
      Zuzm Glück hatten sie Langbögen, mit guter Reichweite dabei. Aber die Zwerge hatte trotzdem dank der Erhöhungen einen besseren Schussvorteil. Dazu rechnete man bereits weitere Kanonen und Mörser.
      Die Offiziere mussten die Soldaten gut antreiben, die mit mulmigen Gefühl die Treppen und den Hang erklommen.
      Natürlich hatte Servic auch angeordnet zu versuchen die Burg seitlich anzugreifen. Aber wie die Zwerge es vorraussahen, nur mit Fußtruppe, einigen Schützen. Leitern trugen sie fast keine, dafür viele Enterhaken und Seile mit Ketten am Haken, damit man die Versuche sich hochzuangeln nicht gleich mit einer Axt beendete.
      Alles im allem musste Servic hier alles alleine planwn, und selbstverständlich mit hohen Verlusten rechnen. Wäre die Burg erst eingenommen, war ein weiterer Vorstoß ins Land unter Garantie unmöglich. Sie könnten höchstens die Burg halten und verteidigen, damit die Camisser sie nicht zurückeroberten.
      Trotzdem verbrachten sie die ersten drei Stunden damit, das Belagerungslager zu errichten. So hatten die Verletzten auch einen Rückzugsort und Servic konnte bequemer und sicherer Planen und beobachten.
      Wo zum Teufel waren die Negrellschwestern bloß geblieben?

      Vor dem Tor wurden noch Wagen und Kisten gestapelt. Tatsächlich standen zwei Reihen schwergepanzerte Zwerge dahinter, die wohl eine offene Schlacht vor dem Tor bevorzugten. Sie wirkten bullig und breit, mit ihren Rüstungen und Schilden, waren zudem gut einen Kopf kleiner als der Durchschnitt, oder noch kleiner. Dennoch zähe Burschen, das wussten auch die Mehyver. Mit ihrer Schmiedekunst konnten sie auch Eisenrot gut in Schach halten. Das allein aber war Mehyves Vorteil, auch wenn die Haupttruppen einen deutlich geringeren Anteil davon besaßen, und wohl eher mit den Zwergen gleichauf lagen.
      Nach ersten Schätzungen waren es etwa 300 Zwerge vor dem Tor. Mit Schützen war da nicht viel zu machen, da sie mit den Barrikaden verschmolzen waren. Da half es nur direkt durchzubrechen.
      Ein Horn ertönte, und die ersten Kanonen feuerten. Vier an der Zahl im hohen Torhaus, und dann noch zwei Mörser aus den seitlichen Türmen. Auf den Zwischenmauern standen vierzig Schützen und feuerten Pfeile auf die Mehyver, die alle eifrig ihre Schilde hoben ....


      Negrell Schwestern

      Oriel war zuversichtlich, das sie den Zwergen so einen unerwarteten Hinterhalt bieten konnten. Man hatten weitere Zugänge gefunden, auch wenn diese bewacht waren, waren es nur spärliche zhen Camisser die die Hintertüren sicherten. Man erwartete wohl nicht mehr, das irgendwer hier einfallen würde. Selbst Oriel hatte das nicht getan, nach all dem, was unterwegs vorgefallen war. Die Haauptarmee war umgezogen und bot zu einen zusätzlichen Tag Zeit für Anvil sich zu Versorgen. Die Zwerge waren Clever gewesen. Das war Absicht mit dem Felsen. Und Perrot dieser Idiot hatte noch Belagerungsmaschinen verschwendet für nichts und noch Soldaten aus den eigenen Reihen getötet. Wehe ihm, wenn er sich jetzt wieder eine Schlappe erlaubt, dann war Schluss!
      Die Nacht hatten sie sicher überstanden. Es kam auch kein Zwerg um zu kontrollieren. Diese Narren. Und jetzt gegen früher Mittagszeit hatte Servic den Ansturm begonnen. Früh am Morgen begann sein Aufstieg und das Errichten des Lagers. Die Schwestern konnten einiges erkennen. Sie waren ein paar hundert Meter rechts neben der Burg in den Bergen, hatten zum Teil gute Sicht auch auf die Treppen und die Ebenen davor.
      "Macht euch bereit, Servic hat angegriffen. Wir warten ab, bis er die Posten überwunden hat und die Burg selbst angreift. Dann werden die letzten Wachen auch an die Wehrmauern gehen. Den Zeitpunkt nutzen wir dann aus, und dringen in die Burg ein. Vielleicht finden wir ihren Anführer und können sie zur Aufgabe überreden. Wenn nicht, töten wir alle."
      Oriel konnte es kaum abwarten Seite an Seite mit ihrer Schwester durch die Räumlichkeiten Anvils zu Schlachten .....
      Zehn Zerrüttete Zahme Zebragestreifte Zauberhafte Zypern Ziegen Zogen Zum Zehnten Zehnten Zukunftsorientiert Zehnmal Zähneknirschend Zehn Zentner Zerstoßenen Zucker Zum Zoo Zurück
    • Mehyve's Streitmacht

      Der erste Torposten bot bereits eine Verteidigungslinie, die sämtliches Geschick benötigen würde um durchbrochen zu werden. Die Hänge an den Seiten waren zu uneben, um sie mit schweren Geschützen zu betreten und obwohl Servic ein paar leichte Infanteristen aussandte, um den Feind auch von der Seite zu bedrängen, glaubte er doch nicht an deren Erfolg. Sie würden sich ganz auf das Tor konzentrieren müssen und das ganz ohne richtige Belagerungswaffen.
      Er sah mürrisch nach seinen Offizieren, die sich auf ihre Posten begeben hatten und Einheiten hinter sich formierten, während der General neben Servic stand und seine Befehle brüllte. Servic war auf das Kriegswissen des Mannes angewiesen und so würde er nicht an der Schlacht teilnehmen - im Hause Servic kämpften nur die niederen Adeligen und das Fußvolk, zumindest seit er an der Macht war. Allerdings wäre es durchaus nicht schlecht gewesen die Schwestern an seiner Seite zu wissen.
      Er erhaschte einen Blick auf den Kriegsmaschinisten mit seinen kümmerlichen Geräten, der sie bis nach vorne wuchten ließ, um möglichst schnell mit dem Aufstieg beginnen zu können, wenn sie den Angriff starteten. Was hätte er nur für mehr Geräte gegeben - oder sogar für die Faust. Ja, Aranis Faust würde sicherlich jedes Tor zerschlagen können, aber sie existierte nicht mehr. Sie war genauso weit entfernt wie ein Sieg mit geringen Verlusten.
      Sie würden auf ihre schiere Anzahl setzen müssen. Der Aufstieg zum Tor war nicht gerade breit und bis sie oben wären, würden sie schon Einheiten an den Beschuss verlieren, daher mussten sie schnell sein und das Tor im wahrsten Sinne des Wortes überrennen. Die Zwerge mochten einen Vorteil durch ihre Höhen haben, aber ihre Wachtürme boten nicht genügend Platz um eine ganze Kompanie aufhalten zu können, wenn sie erstmal das Tor erreicht hätten. Dabei hatten sie nur einen Versuch, denn wenn sie den Rückzug antreten müssten, würden sie dem Feind den Rücken zukehren und damit ihr Todesurteil unterschreiben. Entweder sie steckten ihre ganze Kraft hinein oder sie würden als Verlierer zu Aranis zurückkehren.
      Und Servic hatte ganz sicher nicht vor seine Göttin dieser Schmach auszusetzen. Er blickte finster drein, als ein Bote ihm davon berichtete, dass sich eine Einheit Camisser vor dem Tor postiert hatten und dann sah er sie auch selbst. Widerliche, gedrungene Kreaturen, die sich so aufstellten, als können sie dem Ansturm der Mehyver entgegen wirken. Als könnten sie sich der Macht von Aranis widersetzen.
      Servic drehte sich zu seinen Soldaten um. Er saß auf seinem Pferd, das das Banner von Servic hoch über seinen Kopf aufragen ließ und damit für alle sichtbar war.
      "HEUTE WERDEN WIR GESCHICHTE SCHREIBEN, SOLDATEN! WIR SIND DIE EROBERER MEHYVES, DIE ABGESANDTEN VON ARANIS - UNTER UNSERER FLAGGE WERDEN WIR CAMISSE NICHT NUR EINNEHMEN, WIR WERDEN ES VERNICHTEN! GANZ TARANOKE WIRD VOR DER MACHT ERZITTERN, DIE WIR HEUTE OFFENBAREN!"
      Die Antwort kam in Form eines Schlachtgebrülls, das zeitgleich mit dem feindlichen Horn erklang. Die Front bewegte sich sofort in eine defensive Formation, während sie dem Beschuss der Kanonen entgegen liefen und dabei die Treppen hinter sich brachten. Service sah zu, wie die erste Kanonenkugel die Frontlinie entzwei sprengte und ganze Körper unter sich begrub. Er wandte den Blick wieder ab.
      "UND DENKT DRAN: ICH WILL SIE ALLE LEBEND!"
      Sein Ruf ging in dem Tumult unter, aber er war sich sicher, dass die Offiziere ihre Anweisungen erhalten hatten. Ein letzter, verzweifelter Versuch den Angriff unter seine Kontrolle zu bringen.

      Vor dem Tor brachten die ersten Soldaten die Treppen hinter sich und rannten in die Barrikaden hinein, die ihren Ansturm erheblich behinderten. Die Zwerge reagierten, indem sie die ausgenutzte Verzögerung beanspruchten und in die Front hineinliefen, die Äxte hoch über die Köpfe gehoben und die Münder zu wildem Gebrüll aufgerissen. Sie stürmten in die Mehyver hinein, schafften es eine Bresche zu schlagen und die Front ins Chaos zu stürzen, ehe der zuständige Offizier sich beim ordnen der Männer die Seele aus dem Leib brüllte und sie dem Angriff endlich standhielten. Nun wandte sich das Blatt allmählich, als immer mehr Mehyver von hinten nachzogen und die Camisser durch ihre schiere Anzahl zurückgedrängt wurden. Außerdem schienen sie von dem Angriffsstil der Mehyver überrascht zu werden: Anstatt wie erwartet aggressiv auf seinen Feind loszugehen, kämpften die meisten Mehyver defensiv, hielten die Camisser mit ihren Schilden auf Abstand und zielten lediglich auf Arme und Beine. Wenn ein Camisser fiel, war meist ein Soldat zur Stelle, der sich auf ihn warf und ihn entwaffnete, bevor beide zwischen den Soldatenreihen verschwanden und nicht mehr auftauchten. Sie kamen dann bald hinter der Armee wieder heraus, wo der Soldat den Camisser zu dem größten Zelt schleifte, das Servic aufgebaut gelassen hatte. Dieser nahm sich die Zeit den Vorgang persönlich zu überwachen.
      "Sorg dafür, dass sie alles ausplaudern was irgendwie mit der Burg in Verbindung steht, und sei es nur die Augenfarbe des Burgherren."
      Der angesprochene Leutnant salutierte vor ihm und machte sich auf den Weg in das Zelt. Sie hatten zwar nicht genug Platz für sämtliche Camisser, doch Servic hatte befohlen jeden Gefangenen mindestens einmal zu foltern, bevor man sie töten und den Hang hinunter werfen würde, auch wenn das im Notfall im Freien geschehen musste. Wenn er sich schon nicht auf seine Spione verlassen konnte, musste er eben auf andere Methoden zurückgreifen.
    • Burg Anvil

      Der Angriff begann und die Mehyver stürmten vor, auch wenn sie erste Verluste durch den Beschuss hinnehmen mussten. Bergauf war das alles keine einfache Aufgabe, da auch die schwere Ausrüstung an den Kräften zehrte und dann folgte noch das Kämpfen ansich.
      Zunächst lief es gut für die Zwerge, da ihre Barrikaden und ihr Kampfeswille stark genug waren, den Mehyvern herbe Probleme zu bereiten. Nach und nach aber kam Ordnung in das Chaos und die Mehyver gingen offenbar eine ganz besondere Strategie durch, denn die Zwerge wurden nicht tötlich angegriffen, sondern eher nur verletzt und kampfunfähig gemacht. Einer nach dem anderen wurde überrumpelt und in die Reihen der Mehyver verschleppt, fest verschnürt und dann zu einem großen Zelt gebracht, wo man sogleich eifrig mit dem Verhör begann, das eigentlich eher eine Folter war, denn man wollte alle Informationen aus ihnen herauskitzeln die es geben könnte.
      Das die Zwerge aber nicht umsonst vorn an der Front standen, wusste Servic noch nicht. Egal wie hart die Folter auch war, die Zwerge schwiegen, denn sie galten bereits als tot. Sie alle waren freiwillig gestorben, als sie sich der ersten Schutzlinie angeschlossen hatten, und wussten, das sie überrannt werden. Ob ein Pfeil, ein Schwert oder ein Foltermeister ihr Fleisch zerstören würde, das war ihnen egal.
      Schon bald sollte Servic darüber informiert werden, das es keine Informationen gab.

      Die Zwerge in den Türmen und den kurzen Mauern kämpften verzweifelt. Nicht alle würde man lebend holen können, soviel stand fest. Aber das galt wohl eh nur für den Trupp der eben noch vor dem Tor stand, und jetzt abgeschleppt wurde.
      Rammböcke wurden herbeigeholt, um die lächerlichen Versuche Perrots Maschinen das Tor zu brechen zu unterstützen. Immerhin hatte er es irgendwie geschafft, mit einem Katapult eine der Turmkanonen zu erwischen, direkt durch die Luke. Ein Glückstreffer, der zahlreichen Mehyvern ein schweres Schicksal ersparte. Die andere Kanone feuerte noch zweimal, dann brach das Tor, und die Soldaten stürmten den ersten Verteidigungsposten. Wenige Camisser dahinter boten auch nur wenig Gegenwehr. Die Soldaten brachen Türen auf, stürmten Treppen hinauf und der Kampf endete wenige Minuten später mit einem ersten Sieg.
      Das Banner Servics und Mehyves wurde auf dem Torhaus in die Höhe gehalten und geschwenkt, was Jubel erntete und die Moral der Truppe weiter steigerte.
      Blieben noch zwei Posten und dann endlich die Burg.
      "Vorwärts zum zweiten Posten! Perrot, beeil dich gefälligst. Vergiss das Tor, dafür sind deine Maschinen nutzlos. Das machen die Rammbböcke. Versuch du hier auch die Kanonen zu erwischen.", blubberte ein Offizier und trieb die Soldaten weiter an, die nun ihr Spiel wiederholten. In defensiver Haltung ging es Stufe für Stufe hinauf, während die ersten Pfeile und Geschosse niederhagelten und weitere Verluste verursachten.
      Darunter auch ein Katapult, das von einer Kugel zerfetzt wurde. Ein Pfeil streifte Perrot an der Wange, blieb leicht hinter ihm im Holz seiner Maschine stecken. Er hatte überlebt, nur weil das Katapult neben ihm zerfetzt wurde und er sich vor Splittern ein Schritt zur Seite geduckt hatte.
      Der Tod hatte es offenbar auf ihn abgesehen. Jeder hier war scharf darauf, ihn in einer Blutlache verrecken zu sehen. Servic, Negrell, der Feind und am schlimmsten, Aranis vermutlich auch.
      Am unteren Tor inzwischen drängten sich die Soldaten durch. Die Offiziere mussten einige mit Peitschenhieben zur Ordnung zwingen. Nicht alle konnten zeitgleich das Tor und den Weg passieren, das musste ihnen klar werden, egal wieviel Kampfeslust in ihren Herzen brannte.

      Hodmac Eisenknie
      Er stand weiter vorn auf einem der höheren Turmbauten, um sehen zu können, was da unten vor sich ging. Mürrisch knurrte er, als der erste Torposten gefallen war. In Informant hatte zudem von dem Überrumpeln der Krieger berichtet, aber Hodmac nickte darauf nur und meinte, das sie es eh so gewollt hatten. Die Mehyver müssten sie schon töten, bevor sie die Gefängnisse auseinandernehmen würden. Kein guter Fang für den Feind.
      Nun aber dränge Mehyve zum zweiten Posten, und wenn der fiel, hatten sie den halben Weg hinauf geschafft. Die Hauptverteidigung der Burg konnte erst effektiv loslegen, wenn der Feind den dritten Posten durchbrochen und sich auf der Ebene vor der Burg postierte.
      Aber, eine Sache gab es noch, die sie jetzt ohnehin nutzen musssten. Und jetzt war auch der perfekte Zeitpunkt, wenn er die Massen an Krieger sah, wie sie vor dem ersten Tor die Engstelle passierten.
      "Beim Camissser Goldbräu, möge ihnen der Himmelshammer den Schädel plätten. MACHT DEN ANVILMÖRSER SCHUSSBEREIT!", brüllte er und die Offiziere rannten los um den Befehl umzusetzen. Es dauerte noch etwa fünf lange Minuten, in denen die Zwerge von hier oben zusehen konnten, wie das Tor vom zweiten Posten unter den Ramböcken litt und gefährlich nach innen bog, während zwanzig Zwerge mit Holzbalken dagegen hielten.
      Dann ertönte ein dumpfes Horn für drei Sekunden.
      Hodmac stellte sich vor seinen Leuten auf.
      "Männer, wir schreiben heute eine neue Geschichte für unseren Nachwuchs. Er soll wissen, wenn er guten Sprengstoff braucht, soll er in Lyxaxu einkaufen. Und wenn er ihn benutzt, dann immer mit unseren Nationalgetränk."
      Er hob einen großen Humpen über dem sogar eine Schaumkrone waberte.
      Es folgte eine Raunen und ein "HOOOOOHHH", und 50 weitere Krüge wurden gehoben.
      "TRINKT MÄNNER! ZUM WOHLE CAMISSES!" "HOOOOOOOOOOHHH"
      Die nächsten zehn Sekunden hörte man hier auf dem Turm nur das Gurgeln und Schlucken der Biertrinkenden Zwerge, die nahezu alle gleichzeitig fertig waren und wie einstudiert ihren Krüge auf den langen Holztisch krachen ließen und sich dann dem Abgrund zuwandten. Das Signal für den Mörsertruppe, die nun mit Fackeln vier Lunten entzündeten, die im rasanten Tempo abbrannten.
      Sie lieefen schneller als Gebiergsziegen beragabsprangen, und dann verschwanden die zischenden Geräusche kurz unter einem großen Eisenkesselartigem Gebilde, dem Anvilmörser.
      Das zweite Tor wurde durchbrochen und ein Jubeln war bis hier oben zu hören.
      Und dann geschah es.
      **KRAA-BAAA-KABOOOUUUUUMMMMMSSSSS**
      Ein heftiges Donnergrollen ertönte und lies den Boden des Berges erbeben. Selbst Servic persönlich spürte Vibrationen unter seinen Füßen, die die kamen nicht von den Truppen die sich hier tummelten.
      Von hier unten zur Burg gespäht sah man es, ein großes helles Licht das einer Feuerfackel glich, grfolgt von einem schwarzen Rauchpilz, der wie bei einer Breitseites eines Schiffes von der Quelle davonnquoll. Doch damit nicht genug. Als hätten die Zwerge Anvil in die Luft sprengen wollen, waren direkt über den Rauchwolken unzählige Punkte zu erkennen, die nun talwärts rauschten.
      "Was zum Teufel ist das?", fragte ein Offizier.
      Der Jubel der Soldaten verebbte, und alle folgten dem Geräusch und den Blicken einiger nach oben zum Himmel ..... von dem eine ganze Lawine Gestein und Geröll herabregnete. Manche Felsen in der Größe einer Kutsche.
      Eine Sekunde Stille wurde durchbrochen von panischen Schreien, dem Versuch, irgendwie diesen Ort zu verlassen, und dann rauschte das Unglück auf sie hinab.
      Es polterte, krachte und schepperte. Schreie ertönten, die unter dem Geröll erstickten, und binnen drei Sekunden waren fast dreitausend Opfer zu beklagen, die tötlich getroffen zu Boden gingen. Weitere hundert folgten von den Felsen, die noch weiterrollten und den ein oder anderen Mehyver unter sich zerquetschte.
      Und Servic? Der schien mehr Glück zu haben als Unglück. Das war aber vermutlich auch das letzte Glück was er dafür hergeben musste, denn zwei Felsen rollten noch ein Stück, direkt links und rechts bei ihm vorbei. Einen Offizier erwischte es, einen Fahnenhalter und zwei Pferde.

      Oben auf der Burgmauer tanzten und jubelten die Zwerge. Das hatte den Mehyvern einen ordentlichen Dämpfer verpasst. Der Schrecken würde sich tief in ihre Glieder fressen und ihre Moral dezimieren.
      Hodmac gab ein erneutes Zeichen und ein weiteres Horn ertönte. Drei Sekunden später kam irrgendwo talwärts ein Antwortbrummen.
      "Grolf du alter Haudegen, eine Prima Idee.", grinste Hodmac.

      Grolf Pfwendt
      Gut versteckt und etwas abseits gelagert, hatte Grolf noch ein Lager errichtet, wo er mit einer Reiterarmee darauf lauerte, das Hodmac seinen Mörser verwenden würde, ehe sie den Gegner überraschend von hinten in ihrem eigenem Belagerungslager belagern würden.
      Schon der erste Hornton hatte Grolfs Truppen zum Aufbruch signalisiert, und das Krachen und Poltern hörten sie bis hierher.
      Die Rauchwolke am Himmel zeugte ebenfalls von dem Abschuss. Nun aber war die Burg fast auf ihre übliche Verteidigung angewiesen.
      Grolf hatte zweitausend berittene Krieger auf Schlachtrössern und Gebirgsböcken, fast alle mit dicken Rüstungen, Hammern, Äxten und Schwertern. Kaum Lanzen, aber die waren unwichtig. Zweihundert berittene Schützen waren dabei, die den Feind aus hinteren Reihen angreifen würden. Ihre Hauptaufgabe war es, die Zelte in Brand zu stecken. Wenn sie das Lager der Mehyver anzünden würden, müssten sie viele Leute zum Löschen abstellen.
      "WAAAH, NIEDER MIT DEN HUNDEN! SCHLAGT IHNEN DIE KÖPFE EIN!", brüllte Grolf und stürmte auf seinem Bock voraus in die überraschten Mehyver, die gerade noch rechtzeitig ein paar chaotische Verteidigungslinien aufbauen konnten.
      Sie waren geschockt, und selbst die Offiziere schienen überfordert. Weiter vorn schien der Berg vom Himmel gefallen zu sein. Man hörte von vielen Opfern. Und die hinteren Reihen wurden jetzt hinterrücks von einer mächtigen Kavallerie im eigenem Lager angegriffen, hier, an der sichersten Stelle fern von der Front.
      Erneut krachte und schepperte es, Pfeile flogen und die ersten Zelte gingen in Flammen auf. Die Mehyver verloren gleich nochmal etwa siebenhundert Soldaten, die von den Reitern förmlich überrannt wurden, ehe sie sich im Gefecht wiederfanden, große Lücken rissen oder die schlechte Organisation nutzen, tiefer ins Lager vorzudringen.


      Negrell Schwestern

      Von ihrer Position aus konnten sie ja einen Teil der Burg und auch etwas die Truppen Mehyves beobachten, die auf den Ebenen, den Torposten und Treppen unterwegs waren.
      Das laute Rumms und das Beben hatte sie aufschrecken lassen. Zunächst dachte man, das über ihnen erneut ein Felsen zu Boden krachte, aber nur etwas Staub und Erde rieselte hinab. Eine Feuerwolke, Rauch und haufenweise Felsklumpen schossen aus der Burg in die Höhe und regenten talwärts hinab.
      "Was zum Henker ist das?", keifte Oriel, und spähte mit großen Augen hinab. Irgendwie wurde Servic wohl mit unzähligen Felsen bombardiert. Als hätte eine Truppe Magier ihre Verwüstungszauber verwendet.
      "Äh, w-wir wissen es auch nicht, Herrin.", stotterte ein Soldat.
      "Das weiß ich selbst, das ihr nichts wisst, unfähiges Pack. Nutzlose. Beten wir lieber, das Servic sich nicht in die Hosen macht, und noch kämpfen kann."
      Der Plan sollte beibehalten werden. Erst wenn Servic die Mauern angrift und die letzten Wachen von hier zur Abwehr aufbrechen, würden sie sich in die Burg schleichen.
      Von dem Chaos untem in Lager bekamen sie nichts mit.

      Das zweite Tor gerade erst durchbrochen und den Weg freigemacht, kam aus dem Dritten ein zusätzlicher Ausfall an Reitern. Fünfzehn an der Zahl stürmten die Treppe runter, mit langen Lanzen voraus. Hinter sich zogen sie jeweils einen kleinen Karren mit Felsen drauf. Auch an diesen waren Lanzen, Spere und Klingen befestigt.
      Mit dem Schwung und dem Gewicht würden sie in die Truppen stürmen, die die Treppen hinauf kamen.
      Das Dritte Tor schloss sich wieder.
      Ein Teil der Truppe wurde auch dort überrannt, platt gemacht oder aufgespießt. Viele retteten sich neben die Treppen auf den Hang. Kurz vor dem zweiten Tor brachten die Camisser ihre Wagen zu Fall, so das diese mit Ladung den Weg zusätzlich blockierten, um den Aufstieg weiter zu verlangsamen und mühseliger zu gestallten.
      Die Zwerge hatten vielleicht vierhundert Mann verloren, gut die Hälfte lebte noch und wurde gefoltert - ohne Erfolg.
      Aber Mehyve hatte schon ein paar Tausend Mann verlust zu verbuchen. In wenigen Momenten hatte Servic locker ein Viertel der Truppenstärke eingebüßt.
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    • Meyhve's Streitmacht

      Servic' besondere Strategie war nicht von Erfolg gekrönt - kein bisschen. Kein einziger der Camisser verlor auch nur ein Wort über sich selbst, seine Kameraden, die Burg oder Camisse selbst und nicht einmal der Leutnant, der sich von allen besonders die Mühe machte vor Servic zu glänzen, konnte ihnen ein Wort entringen. Der Hausherr drohte den Verstand zu verlieren. Sein letzter Versuch, aus diesem zum Scheitern verurteiltem Unternehmen etwas herauszuholen, war unwiderruflich zerstört. Mittlerweile hatten die Camisser in der Burg sicher bemerkt was vor sich ging und würden nun erst recht nichts von sich geben.
      Der erste Torposten wurde unter großem Jubel eingenommen, aber Servic zog eine düstere Miene. Es war zwar ein erster wichtiger Schritt zu ihrer Belagerung, aber letztenendes konnten sie sie nicht gebrauchen, denn die Schlitze zeigten lediglich nach außen und nicht innen. Im schlimmsten Fall würde es sie sogar noch am Rückzug hindern.
      Die Streitmacht passierte das Tor, formierte sich und zog mit derselben Taktik weiter. Perrot wurde vorangescheucht und nicht die Möglichkeit zu einer Pause gegeben, als er schon dabei helfen musste die Gerätschaften anzuheben und voranzutragen. Er war schon völlig am Ende, sowohl körperlich als auch geistig. Ein verirrter Pfeil, der ihn beinahe aus seinem Leid erlöste, ließ ihn aufkreischen und kurz darauf zu Boden stolpern, weg von seiner Mannschaft, die ins Stocken geriet. Der Offizier, der ihn schon vorangescheucht hatte, war auch jetzt wieder zur Stelle um ihn anzubrüllen, woraufhin Perrot sich wieder aufrappelte und seinen Posten erneut einnahm. Seine Wange brannte fürchterlich und seine Arme zitterten. Sollten die Camisser doch gewinnen, sollten sie sämtliche Mehyver in den Untergang schicken und Aranis von ihrem Thron stoßen, sollten sie doch ganz Mehyve erobern, Perrot würde all das willkommen heißen, Hauptsache er musste nicht mit dieser Schmach weiterleben, die ihm auferlegt worden war. Er wimmerte vor sich hin, als er zu den anderen Maschinen lief und beim Tragen half.

      Die Armee prallte mit dem nächsten Torposten zusammen und alles begann von neuem, nur ohne die zusätzlichen Camisser vor dem Tor. Perrot ließ seine Geräte wieder aufstellen und fing an zu schießen, die Soldaten am Tor nutzten ihre Rammböcke, der Rest feuerte Pfeile auf die Türme und versuchte Kanonen auszuweichen. Es lief beinahe so ab wie beim ersten Mal, bis das Horn erklang. Das Horn gefolgt von einem Geräusch, als würden 50 Männer gleichzeitig Bier trinken.
      "Was geht da vor?", blaffte Servic seinen General an, der selbst schon ins Schwitzen geraten war und sich heiser brüllte. Er versuchte nach dem Ursprung des Horns zu lauschen und zumindest schien es nicht von hinten zu kommen, was eine unangenehme Überraschung gewesen wäre.
      "Ich weiß es nicht, Herr", antwortete der General schließlich und befragte herumeilende Boten, die ihm auch keine Antwort geben konnten. Sie wandten ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Schlacht, beobachteten den Durchbruch zum Tor und hörten kurz darauf ein beängstigendes Grollen. Servic packte sogleich den Arm seines Generals, als selbst der Boden auf das Geräusch zu reagieren schien.
      "WAS GEHT DA VOR?!", fragte er noch einmal, dem Rande des Wahnsinns näher gebracht, aber eine Antwort erhielt er immer noch nicht. Sein General zeigte schließlich nach oben.
      Ein riesiges Licht gefolgt von einem schwarzen Rauchballen und unzähligen kleinen Punkten war zu sehen, die sich ihnen auf erschreckend schneller Weise näherten und dabei größer wurden. Servic' Augen traten ihm aus den Höhlen, als er der heranstürmenden Lawine entgegen blickte und endlich verstand, worauf er da blickte.
      "AUSEINANDER!!", kreischte er und sofort wurde der Befehl durch die ganze Armee getragen, was allerdings ein lächerlicher Versuch war, nachdem die Treppen und das Torhaus ihnen im Weg waren. Der General begriff es jetzt auch und zog den Hausherren an sich, um ihn unter seinem hochgehobenem Schild zu schützen, aber das war wohl eher ein Reflex, als eine tatsächlich überlegte Handlung. Die Gesteinsbrocken überschwemmten sie.

      Der ganze Platz auf dem sie standen wurde von dem heranprasselndem Geröll erschüttert und etliche Soldaten wurden entweder begraben oder einfach mitgerissen. Die Luft war erfüllt von dem Geschrei panischer Männer und dem Scheppern von Rüstungen, wenn sie entweder zermalmt wurden oder mit dem Gestein zusammenkrachten. Eine Wolke aus Staub erhob sich um sie alle herum und schien dieser Katastrophe noch den Rest zu geben. Es dauerte ganze dreißig Sekunden, bis auch der letzte Stein zum Stillstand kam, die Schreie verebbten und nur noch ein zersprengter Haufen Soldaten überblieb, von denen nicht wenige verletzt auf dem Boden lagen und jammerten. Servic und der General waren wie durch ein Wunder verschont geblieben und Servic' Rüstung sah noch ordentlich aus, während der General von dem Staub völlig weiß war. Er senkte sein Schild, rief sogleich zur Ordnung und rannte los, nachdem er sich vergewissert hatte, dass Servic keinen Schaden davongetragen hatte.
      Sie hatten Offiziere verloren, sie hatten Schützen verloren, sie hatten schwere Infanterie eingebußt und die letzten Pferde waren nun reißaus genommen. Perrot hatte eine weitere Gerätschaft verloren und saß neben einem halbgroßen Brocken, der ihn um wenige Zentimeter verfehlt hatte und weinte um die Gelegenheit aus seinem Elend befreit zu werden. Er hatte sich Arme und Beine aufgeschürft, sich die Hand verstaucht und blutete am Kopf. Seiner Mannschaft ging es nicht besser.
      Der General war vollends damit beschäftigt Ordnung in dieses Durcheinander zu bringen, sodass er das nächste Horn schlichtweg nicht beachtete, doch Servic hatte Zeit genug um es mit Grauen wahrzunehmen. Ein nächstes Horn? Wenn das schon das erste war, was würde jetzt noch auf sie zukommen?

      Diejenigen, die die Verwundeten zurück ins Lager bringen wollten, erhielten die Antwort. Eine eigene Streitmacht von Camisse, fernab der schützenden Burgmauern. Eine Streitmacht, mit der keiner gerechnet hatte und die genau dort zuschlug, wo die Armee am schwächsten war: Im Lazaret, bei Ärzten und Spähern, gewöhnlichen Arbeitern und ein paar Wachen, die dort nur zweckmäßig aufgestellt worden waren. Es waren nicht annähernd genug, um die anrollende Macht von Camisse aufzuhalten.
      Servic drehte sich um, als er die Schreie hörte, und sah, wie sich das Feuer ausbreitete. Vor ihnen lag der eroberte, nutzlose Torposten, hinter ihnen das brennende, vom Feind eroberte Lager und dazwischen war der Weg von Geröll gesäumt und bot kaum Platz, eine ganze Armee in Formation zu bringen. Wenn sie jetzt den Rückzug antraten, würde der Feind ihnen in den Rücken fallen und sie würden sich kaum rechtzeitig auf ihn ausrichten können.
      Das war es.
      "Wir geben auf", krächzte Servic und einer seiner Leibwächter musste herankommen, um ihn zu hören.
      "Herr?"
      "Wir kapitulieren. Schwenkt die weiße Fahne."
      "Wir äh... Wir haben keine weiße Fahne, Herr."
      "Was?"
      "Wir haben keine weiße Fahne. Mehyve hat noch nie kapituliert, Herr."
      "Dann schreiben wir heute Geschichte. Trägst du nicht ein weißes Unterhemd? Zieh dir die Rüstung aus, besorg' dir eine dieser Fahnenstangen und schwenk dein Unterhemd auf dem Tor. Sie sollen es von der Burg aus sehen."
      "Äh... Herr, kann das nicht jemand anderes-"
      "HAB' ICH ETWA GESTOTTERT?!"
      Der Soldat zuckte zusammen und salutierte, dann zog er mit ein paar Männern ab, die ihm bei der Rüstung helfen würden. Kurz darauf stieg er auf einen der Wachtürme, kletterte aus den Gucklöchern aufs Dach und schwenkte sein Unterhemd. Es sah reichlich dämlich aus, aber noch tiefer konnten die Mehyver an diesem Tag wohl sowieso nicht sinken.
      Der General kam kurz darauf mit hochrotem Kopf angerannt und versuchte seine Fassung zu bewahren.
      "Was soll das... Herr? Was tut er da? Wir kapitulieren doch nicht!"
      "Genau das tun wir."
      "Das können wir nicht tun!"
      "Und was schlägst du vor, Mister Ich-Weiß-Alles?! Etwa mit der Hälfte unserer Männer eine Burg angreifen, von der wir nach solchen Überraschungen noch weitere erwarten dürfen und bei der wir nichtmal Kriegsmaschinen haben?! Sollen die Soldaten sich freiwillig in den Kanonenbeschuss stellen?! Oder sollen wir zurück gehen und uns dem Angriff von zwei Seiten aussetzen, wo wir doch auf den Treppen nichtmal genug Platz zum kämpfen haben?! Was sollen wir deiner Meinung nach tun, du hohlköpfiger Idiot?!"
      Der General schluckte.
      "Nichts, Herr."
      "Falsch, wir kapitulieren! Vielleicht zeigt Camisse sich barmherzig genug und verkauft uns als Sklaven zurück nach Mehyve, oder er lässt uns alle hinrichten. Ich hoffe dann nur, dass Aranis dabei zusehen kann, damit diese dumme Ziege weiß, was für eine dämliche Idee das war."
      Das schien den General zu überwältigen.
      "Äh... Ja."
      Er salutierte, dann schnallte er sein Schwert ab und ließ es zu Boden fallen.
      "Es war mir eine Ehre, für Euch gekämpft zu haben."
      Servic seufzte.
      "Das war es auch für mich. Vielleicht hätte ich mich mehr mit Kriegsführung beschäftigen müssen, dann wäre das alles nicht passiert."
      Gemeinsam sahen sie dem einsamen Soldaten auf dem Wachturm zu, der sein Unterhemd schwenkte, während die Soldaten um sie herum zögernd ihre Waffen abschnallten und zu Boden legten. Keiner sprach mehr ein nötiges Wort.


      Negrell Schwestern

      Für den Moment blieben alle stehen, um der wahnsinnigen Lawine zuzusehen, die über Mehyves Armee hinweg schwappte. Ariel stieß einen Fluch aus und Oriel erkundigte sich bei einem Soldaten nach der Lage, der sich als genauso nutzlos erwies wie der Rest von ihnen. Das war ja wirklich nicht zu glauben.
      "Der kriegt doch echt nichts alleine hin. Wir hätten ihm nicht die Armee anvertrauen sollen, das ist ja fürchterlich."
      Sie spuckte aus und wurde sich nur allzu bewusst, in welchem gottverlassenem Tunnel sie hier steckten und sich in die Burg einzuschleichen bemühten. Wie gerne wäre sie jetzt bei der Armee gewesen und hätte ihren Einheiten einen Arschtritt verpasst, der bei Servic ganz eindeutig zu fehlen schien.
      Sie beobachteten weiter, beobachteten die Ratlosigkeit der überlebenden Soldaten, bis Ariel schließlich etwas sah, was ihr den Kiefer herunterklappen ließ.
      "Er gibt auf!", kreischte sie fast und zeigte auf den einsamen halbnackten Mann, der einen Wachturm erklommen hatte und sein weißes Unterhemd schwenkte. "Das gibt's doch nicht! Dieser Trottel kapituliert! Sie waren doch schon fast am Tor, was stimmt denn nicht mit ihm?!"
      Sie ließ ihren Wutanfall bei einigen Steinen aus, während sie beobachten konnten, wie die Mehyver ihre Waffen niederlegten. Viele von ihnen schienen abgelenkt von etwas zu sein, was sich hinter ihnen ereignete, aber es war ganz eindeutig zu weit weg um irgendeinen Erfolg zu haben.
      "Dieser Idiot! Dieser Versager! Dieser Nichtsnutz! Aranis höchstpersönlich soll ihn sich holen!"
      Sie beschimpfte ihn weiter, bis sie sich schließlich einigermaßen beruhigt hatte und einen klaren Gedanken fassen konnte.
      "Wir haben immer noch Krend. Wenn die Burg zu sehr mit seiner Kapitulation abgelenkt ist, können wir uns anfangen zu Krend durchzuschleichen und ihm da Unterstützung zu bieten. Vielleicht kann er wenigstens das Tor erobern und Chaos sähen, bis die Camisser ihn erreichen. Noch haben wir nichts verloren, wir benutzen Servic einfach als Ablenkungsmanöver."
    • Burg Anvil

      Die Negrellschwestern konnten es kaum glauben, was dieser jämmerlicher Servic dort unten getrieben hatte. Er hatte einfach so aufgegeben und ihnen hier oben den Weg abgesschnitten. Nicht mal die Chance den Burgherren hinterrücks zu ergreifen und die Camisser zur Aufgabe zu zwingen hatten sie erhalten.
      Das war alles Perrots Schuld, weil er so eine lächerliche Brücke gebaut hatte. Wären sie alle hier durch die Berge einmarschiert, hätten die Camisser keine Chance gehabt den Ansturm abzuwehren.
      Oriel fluchte eine halbe Stunde und brachte drei ihrer Soldaten um Leben, um sich abzureagieren. Keine gute Idee, aber die Schuld schob sie auf Servic,m der alles noch schlimmer gemacht hatte.
      Was konnte der überhaupt? Der konnte weder Informationen beschaffen die Wert besaßen, noch eine einfache Burg erobern. Was war an dieser Burg schon besonders? Nicht mal die Mauern waren besonders hoch, nur ihre Lage. Der war zu blöd um Bergauf zu laufen.
      Ein neuer Plan musste her. Wieviel Zeit blieb ihnen, bis die Camisser wieder ihren Betrieb aufnahmen und Leute in die Berge scheuchten? Dann würde man sie hier entdecken.
      "Verdammt. Wir haben keine Wahl. Wir dringen in die Burg ein und versuchen durch den Feind hindurch zu entkommen. Einen anderen Weg sehe ich nicht."
      Sie spähte zu den Zugängen. Es waren nur neu Zwerge zu sehen. Die sollten sie rasch bezwingen können. Das sollten die restlichen Soldaten erledigen. Ein schneller und effektiver Vorstoß. Wehe dem, der einen Zwerg entkommen ließ.
      Danach sollten sie sich ein Versteck in der Burg suchen und nach Möglichkeit bis zum Anbruch der Nacht abwarten.

      Mehyves Armee
      Auch die Soldaten Mehyves konnten es kaum glauben, aber Servic hatte die Kapitulation ausrufen lassen. Eine Schande für Mehyve. Sogar ein Offizier musste seine Unterwäsche als Fahne schwenken, weil keiner eine weiße Fahne dabei hatte. Sie hätten ja auch ein Zelt nehmen können. Aber das Lager stand zur Hälfte in Flammen und bot nicht mal einen Rückzugsort.
      Zu allem Überfluss machten auch die Gefangenen noch einen Aufstand, befreiten sich und rächten sich an ihren Peinigern.
      Überall war das totale Chaos ausgebrochen und keiner hatte mit dem Überfall auf ihr eigenes Lager gerechnet.
      Niemand wusste, wie sie das jetzt regeln sollten. Die Verteidigung brach an allen Ecken zusammen, die Offiziere flüchteten oder schauten sich panisch um, suchten nach irgendwem der irgendwas anordnete, während ihre eigenen Stimmen im Halse stecken blieben.
      Dann flüchtete der größte Teil der mehyvischen Armee, stürmte hinab ins Tal und überließ ihre Kameraden ihrem Schicksal.
      Etwa 500 Reiter verfolgten die Mehyver noch eine Weile und erledigten so viele wie möglich.
      Vor dem Tor, dort wo Servic kauerte, stieg ein mürrischer Zwerg von seinem Bock und lachte. Es war Grlof, der seinen Hammer bedrohlich schwenkte.
      "Sieh an sieh an, das ist wohl der Anführer der unbesiegbaren mehyvischen Armee. Nun, zumindestens kann ich behaupten, das Camisse es nicht schaffen würde, einen Zwerg in Unterwäsche auf einen Turm zu stellen. Äußerst amüsant."
      Er ließ Servic festnehmen und seine Leute ebenfalls. Es waren sicher noch vierhundert Mann, die sich jetzt in den Händen der Camisser befanden. Die Ausrüstung wurde vollständig konfisziert, und alle Mehyver bis auf 50 Mann durften in die Freiheit flüchten - in Unterwäsche. Das würde ein hübscher Anblick werden, wenn diese in ein paar Tagen bei Aranis aufmarschieren. Zuerst kämen die feigen Soldaten an, die geflohen waren, und zu guter Letzt die Unterwäschebrigade. Grolf und die anderen lachten lauthals, ehe sie nach Silver Helm aufbrachen. Die geheimen Wachposten oben in den Bergregionen hatten bereits über Signalfeuer den Aufmarsch der Armeen gemeldet, und auch in Silver Helm würde man den Feind bereits erwarten. Grolf würde rechtzeitig eintreffen um auch dort hinterrücks dem Feind im eigenem Lager zu überraschen.
      Sie würden Mehyve schon zeigen, weg in den Bergen der Boss ist. Und ganz Taranoke wird an der Macht Aranis zweifeln, wenn sie hier geschlagen abziehen muss. Das könnte auch den anderen Häusern gefallen. Und wenn die plötzlich aufmarschieren und alle in Mehyve einfallen, könnten sie ein paar Städte iun Schutt und Asche legen, oder gar einnehmen. Dann müsste Mehyve vor allen kapitulieren und Aranis hätte verloren und versagt.
      Armes Mädchen. Aber vielleicht würde man sie festnehmen können, und dann könnnten ein paar Gelehrte versuchen sie zu heilen. Diese Lichtleute wussten sicher was über Aranis, und könnten Abhilfe schaffen. Dann könnte Flora wieder auf der Seite der Sieger stehen und die goldene Mitte in neuem Licht erstrahlen lassen.

      Hodmac war erfreut. Die heutige Schlacht hatte viel gekostet, aber der Sieg war um so schmackhafter. Es gab kaum Schäden an der Burg. Lediglich die Torposten und Treppen hatten etwas abbekommen, und die Ebene vor dem ersten Tor. Nichts, was man nicht wieder reparieren konnte. Er würde ein großes Dankeschönbier nach Lyxaxu senden lassen. Ein Schreiben, in dem er den Sprengstoff lobt, den die Lyxaxer hergestellt haben. Feinstes Schießpulver das sonst für Kanonen, Pistolen oder Gewehre genutzt wurde, wenn sie mit ihren Schiffen auf hoher See fuhren und mit Piraten kämpften.
      Er stand vor dem Mörder, einer gewaltigen Gußform in Topfform, der aber einen Riss hatte. Die untere Hälfte war vollgestopft gewesen mit dem Pulver. Darüber hatten sie einfach die Felsen und das Geröll aus ihren Tunnelgrabungen eingefüllt, und alles mit Sand fest zugestopft. Als die Lunten das Pulver entzündeten, gab es den mächtigsten Rumms, den Hodmac - abgesehen von einer Ohrfeige seiner Frau - je erlebt hatte. Aber selbst das beste Material hatte dem nicht stand gehalten. Sie würden das Ding als Denkmal aufstellen, das an den Sieg gegen Mehyve erinnern sollte. Am besten unten im Tal zum Wegekreuz der Handelsstraße.
      Kurz darauf begab er sich in die Burg zu den Kerkern, wo man bereits Servic und einen kläglichen Rest an Gefangenen eingesperrt hatte. Die Zellen waren voll. Also mussten sie Servic im Schweinestall einkerkern.
      Lachend stand der Burgherr vor ihm und hob einen Bierkrug.
      "HAHAHA, Servic nehme ich an? Na das ist ja ein wundervoller Anblick, euch in Unterhosen im Dreck sitzen zu sehen. Aber, das ist genau das was ihr verdient, ihr Schweine. Schon einmal habt ihr Camisse betrogen, und unser Land mit einer List eingenommen. Aber diesesmal nicht. Und wisst ihr was? Wir werden das niemals vergessen. Wir werden die Erzlieferungen nach Mehyve stark reduzieren, und einen kleinen Restbestand zum dreifachen Preis anbieten. Den Rest müsst ihr leider selbst aus euren Bergen graben."
      Er trank einen Schluck Bier und seufzte herzhaft.
      Die Schweine quiekten und ein paar Färkel stürmten herbei, als Hodmac einen kleinen Beutel mit Kartoffelschalen schwungvoll in Richtung Servic ausleerte.
      "Hier, kannst mit deinen neuen Kameraden deine Niederlage feiern. Morgen werden wir anfangen euch zu verhören. Genieße die Nachtruhe in der Burg, haha."
      Servic war angekettet, konnte so bis zum Trog krabbeln, falls er Durst bekäme. Und wenn er Hunger hatte, gab es ja Küchenabfälle. Man musste nur schnell zugreifen, ehe die Schweine alles auffressen würden.
      Nur ein einziger Lichtblick schien in seinen Gedanken zu ruhen. Die Negrellschwestern. Von ihnen wurde noch nichts berichtet, und offenbar hatte man sie noch nicht entdeckt. Ob sie fliehen könnten? Oder würden sie sogar die Burg infiltrieren, den Burgherren als Geisel nehmen und die Sache doch noch zum Guten abwenden ... ein heimlicher Sieg über Umwege?
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    • Mehyves verbliebene Streitmacht

      Beide Schwestern waren außer sich, sehr zum Leid der Soldaten, die ihren Zorn zu spüren bekamen. Während Ariel sich noch darauf beschränkte ihrer Kreativität bei Flüchen freien Lauf zu lassen, griff Oriel bereits zu härteren Mitteln und erlegte drei der Soldaten. Nachdem schon so viele in der Schlacht gestorben waren, machte dieser kümmerliche Rest auch keinen Unterschied mehr. Die anderen versuchten ein einigermaßen neutrales Gesicht zu bewahren, wenngleich sie wahrscheinlich allesamt bereuten, jemals allein mit den Negrell Schwestern unterwegs gewesen zu sein. Da waren sie doch selbst schuld. Wär' die Brücke lieber mal früher eingestürzt.
      Oriel schlug schließlich die Flucht vor und das war wohl in Anbetracht ihrer Lage die beste Entscheidung. Sie konnten nicht umdrehen, sie konnten aber durchaus auf die Dunkelheit der Nacht vertrauen und sich auf dem Weg zurückschleichen, auf dem Servic gekommen war. Das war zumindest ein Plan.
      Die spärliche Truppe schlich sich zu dem ersten der Eingänge an, bei dem man bereits Stimmen aus der Ferne hören konnte. Der Stollen mündete hier in einen Steingang, in dem es einiges Werkzeug und Kisten mit Erzen gab, ehe am Ende eine enge Treppe nach oben führte. Dort hatten sich ein paar Camisser stationiert, die miteinander plauderten und reichlich wenig von ihrer Aufgabe als Wachen hielten. Anscheinend gab es Versager nicht nur auf der Seite Mehyves. Sie bedachte ihre eigenen Soldaten mit einem allzu vernichtendem Blick, vor dem sie sich duckten, und deutete dann auf die paar Wachen. Es dauerte einen Moment, bis die Dummköpfe begriffen hatten und dann stürmten sie voran. Die Camisser waren sichtlich überrascht und reagierten viel zu langsam - das war gut. Sie wurden schnell gefällt und die Soldaten sicherten die Treppe. Die beiden Schwestern zogen nach und gingen nach oben, wo sie bereits die Lagerstätte im Hof erwartete, bei der auf dieser Seite das Erz gestapelt war. Arbeiter liefen hier herum und einige wenige Wachen patrouillierten, der Rest befand sich wohl noch auf der Mauer. Das war gut, denn dann konnten sie sich einen sicheren Platz suchen.
      Die Schwestern schlüpften in einem unbeobachtetem Moment hervor und duckten sich hinter unverarbeiteten Eisenbrocken, von wo aus sie sich weiter in einen Saustall aus Erz und Steinen vorwühlten. Schließlich hatten sie einen Platz gefunden, bei dem sie einen Ausblick über den Hof hatten und dabei gleichzeitig beobachten konnten, wie Servic im Schweinestall angekettet wurde. Ariel machte ihre Schwester darauf aufmerksam, indem sie ihr an die Schulter stieß und verzog das Gesicht. Es bedeutete so viel wie: "Hat er verdient, der Bastard."
      So warteten sie, bis sie bei Einbruch der Nacht hervorkommen könnten.

      Servic selbst hatte sich schnell mit seinem Schicksal abgefunden und leistete keinen Widerstand, geschweige denn beschwerte er sich. Einen einzigen Vorteil hatte er aus dieser Sache: Er wusste durch seine Arbeit, wie man sich in einen tranceähnlichen Zustand versetzen konnte, um Verhöre über sich ergehen lassen zu können. Sie wollten ihn am morgigen Tag über Mehyve ausfragen? Das konnten sie gerne tun, er würde ihnen nicht ein Wort verraten. Es blieb nur zu hoffen, dass sein General ebenfalls standhalten würde. Bis dahin ließ er die Neckereien über sich ergehen und reagierte nicht, als Grolf schließlich ging und seine Wachen sich über ihn lustig machten. Es waren zwei von ihnen. Man mutete ihm wohl so wenig zu, dass man ihn in einen Schweinestall mit zwei Wachen ankettete - das war wohl die größte Erniedrigung von allen.

      Perrot war, mit einigen anderen Soldaten, in eine Zelle gesteckt worden, die für so viele Leute viel zu groß war. Einige von ihnen fluchten vor sich hin, andere unterhielten sich oder beklagten Wunden und fast alle starrten ihn mit düsteren Blicken an. Er versuchte zuversichtlich zu wirken, als er sich einen Platz an der Tür ergatterte und aufsprang, kaum als die Wache vor seiner Tür vorbei patroullierte.
      "Hey! Du! Hey! Lass mich hier raus, ich will reden! Ich werde euch alles erzählen! Ich habe Pläne, ich bin Maschinist! Ich war bei der Schlachtenplanung dabei, ich erzähle euch alles! Nur lasst mich hier raus!"
      Von hinten erhob sich ein wütender Sturm der Soldaten, als sie sich allesamt auf ihn warfen und Hew unter Körpern verschwand. Er kreischte auf und versuchte sich an den Gitterstäben seiner Zellentür hochzuziehen.
      "Helft mir! Hilfe! Ich sage euch Alleeeeeees!"
    • Burg Anvil

      Die Soldaten waren außer sich, als Perrot, der Feigling, der Versager, der Nutzloseste in der ganzen Armee, der noch alle mit seinen lächerlichen Katapulten aufgehalten hatte, plötzlich sehr redselig wurde, und dem Feind alles berichten wollte, was er wusste. Und er wusste sicher einiges. Was wenn er die Negrellschwestern verraten würde? Die saßen noch in den Bergen fest. Immerhin hatten sie noch eine Chance zu entkommen.
      Unter den Gefangenen waren sowohl Soldaten aus Haus Servic und Negrell. Und gerade die Negreller hatten den wütenden Mob auf Perrot angestachelt. Lieber würden sie ihn zu tode prügeln, als das er sich ausgibig beim Feind erklärte. Verdient hätte er es allemal.
      Leider hatten die Camisser da auch noch ein Wort mitzureden.
      Schon allein um den Ärger im Kerker zu beseitigen, stürmten gleich mehrere Wachen herbei, mit Speeren, Stangen und einer Fackel, mit der sie durch die Gitter die Soldaten nach und nach aufscheuchten und weiter nach hinten trieben.
      "Weg von den Gittern, ihr Halunken! Lasst ihn in Ruhe!", forderten sie die Mehyver auf.
      Eine Wache ging bei Perrot in die Hocke, blieb aber außer Reichweite, falls das ein Trick sein sollte. Allerdings war er dann wohl ein sehr guter Schauspieler. Er schniefte und Tränen rannen aus seinen Augen. Ein richtiger Jammerlappen.
      "Was willst du? Du sprichst davon, uns alles zu sagen? Na das ist ja ganz prächtig. Ich werde Hodmac bescheid sagen."
      Der Zwerg sah zu den Wachen und machte eine Kopfbewegung. "Los, holt ihn raus. Wir befragen ihn zuerst. Nicht das wir morgen nur noch eine Leiche kitzel dürfen, hehehe."
      Der Mann schloss die Tür auf und die Wachen zogen Perrot raus, der mehr stolperte als lief. Allerdings schien er auch äußerst erleichtert zu sein.
      Mit etwas Druck wurde er angetrieben dem Wachmann zu folgen. Mit einen Speer pieksten sie ihn immer wieder in den Rücken, nur um ihn daran zu erinnern, das er ja kein Unfug stiften sollte.
      Dann wurde er in einen Raum geführt. Die schwere Holztür knarrte poltern auf und man fand einen Tisch vor, hinter dem ein Stuhl stand. Auf dem Tisch lagen Federhalter, Tintenfässchen und Papier, sowie eine Kerze.
      Fackeln brannten an den Wänden. Es fand sich ein weiterer Stuhl in der Raummitte, auf einem runden Podest. Ketten hingen an der Decke und Riemen an den Ramlehnen, für den Halsbereich, Beine und Füße waren zu erkennen.
      "Schnallt ihn fest."
      Möglichst unsanft durfte Perrot platz nehmen und auf weiteres Vorgehen warten. Er konnte sich kaum bewegen und war fest angebunden.
      Dann öffnete sich erneut die Tür und Hodmac und drei weitere Camisser traten ein. Einer nahm sogleich auf dem Stuhl platz und bereitete sein Schreibzeug vor.
      "Das ist er? Was will er?", fragte Hodmac. Eigentlich wollte er erst morgen mit den Verhören beginnen.
      "Er will uns alles sagen. Ich glaube sein Name war Perrot. Hat er vorhin gejammert.", meinte der Wachhabene. Hodmac sah zu ihm und nickte. "Gut, beginnen wir mit dem Verhör. Brecht ihm zum warm werden erstmal den linken kleinen Finger. Und dann lasst ihn singen."
      Hodmac war gespannt, was er alles berichten wollte. Und sicher wollte er hier lebend wieder raus kommen. Das kam ganz auf diesen Perrot an und ob Hodmac zufrieden mit den Angaben wäre, ob sie von nutzen wären.
      Zwei weitere Zwerge betraten den Raum und brachten an einer Stangen über den Schultern tragend einen Kessel herrein. In diesem dampfte es. Heißes Wasser. Vielleicht wollten sie es auch benutzen. Unterm Kessel war noch eine Schale angebunden, in der glühende Kohlen lagen, und die Temperatur des Wassers etwas beibehielten.
      "Hier kommt das Fußbad ...", brummte einer der Zwerge.


      Negrell Schwestern
      Oriel

      Es vergingen Stunden, und der Sieg der Zwerge schien in mehr und mehr Feierlichkeiten überzuschwenken, mit jeder Stunde des Abends, die den Himmel dunkler werden ließ. Sie mussten dank der Sommerzeit etwas länger auf den Schutz der Nacht lauern, wurden aber zum Glück nicht entdeckt.
      Die letzten Aufräumarbeiten wurden für heute beendet und die meisten Zwerge verschwanden innerhalb der Mauern und Gebäude. Dennoch war die Burg gut ausgeleuchtet, und es gab nur wenige Stellen, wo man ungesehen durch Schatten huschen konnte. Ansonsten blieben noch Kisten, Wagen und anderes Gerümpel, das einem Deckung bot.
      "Am liebsten würde ich Serviv hier versauern lassen. Aber wir brauchen ihn noch. Wir holen ihn raus und flüchten dann. Er wird uns genau erzählen was vorgefallen ist, und dann ziehen wir uns zurück und suchen Aranis auf."
      Sie hatte nicht vor zu versuchen bis nach Silver Helm durchzukommen, um sich Krend anzuschließen. Und den Versuch den Burgherren zu erwischen wäre zu riskant. Der saß vermutlich eh mit seinen Untergebenen im Schankraum und genoss sein Siegestrunk.
      Ein anderesmal werden sie ihn erwischen. Oriel würde vorschlagen mit einer neuen Strategie Burg Anvil entgültig zu erobern. Die Camisser werden sicher keinen zweiten Ansturm erwarten. Sollte Krend erfolgreich sein, wäre das auch schon ein großer Sieg. Zudem könnte er Verstärkung schicken, wenn Negrell erneut angreift.
      Und da sie einiges über die Burg bereits wissen, sollte es kein Problem sein, einen stabilen Überweg an der Schlucht zu errichten. Eine zweite Elitetruppe könnte so ihren Weg nehmen und die Burg von hinten infiltrieren.
      Das Wichtigste jetzt aber war es Servic aus dem Saustall zu holen.
      Vorsichtig schlichen sie sich etwas aus ihrem Versteck vor. Nicht alle kamen mit, aber drei Soldaten sollten sich um die Ketten kümmern.
      Nur wenig Wachen hier unten. Zudem bot auch die Ummauerung Sichtschutz. Ein Tor zeigte einen Weg nach draußen. Dort liefen wohl die Schweine durch.
      Die Wachen standen etwas abseits, unterhielten sich, kicherten ab und zu. Die Schweine waren auch recht ruhig. Gelegentlich grunzte eine fette Sau Servic an und erhaschte die letzte Kartoffelschale. Servic blieb aber recht teilnahmslos sitzen.
      Sie schlichen weiter. Die Soldaten links um das Gehege herum, zu den Pfeilern, an denen die Ketten angebracht waren. Oriel und Ariel näherten sich geschmeidig und leise den Wachen. Sie würden schnell zuschlagen müssen - zeitgleich, wie sie es oft taten.
      Sobald es soweit wäre, würden die Soldaten die Ketten zerschlagen und Servic raus holen.
      Das gibt sicher etwas Lärm von den Tieren. Sie hofften, das es nur kurz wäre, und man auf die Wachen vertraute. Solange die kein Alarm schlugen, war es sicher nur Servic, der mit den Schweinen fröhlich quiekend im Matsch wühlte, durchzogen mit Stroh und Ausscheidungen.
      Als die Soldaten in Position waren, nickten sie den Schwestern zu. Diese grinsten sich kurz an, und traten dann mit eleganten Bewegungen vor die Wachen.
      "Hallo, Jungs. Die Schlacht ist vorbei, und wir sind zu eurem Vergnügen hier. Wollt ihr mehr sehen?", sprachen sie die Zwerge an. Erschrocken und zugleich überrumpelt und fast sprachlos, sahen sie die Damen an und wussten nicht recht, was sie davon halten sollten. Waren das auch Mehyver? Unwahrscheinlich. Vielleicht Gefangene Sklavenmädchen? Oder hatte man sie extra für die Wachen angeschafft?
      "Wie, äh... wer...ähm.. ja, natürlich wollen wir mehr sehen. *Räusper*"
      Oriel grinste. "Hihihi, na dann, wie wäre es dann ... DAMIT?"
      Plötzlich zogen beide Schwestern eines iheer Schwerter und stürmten vor. Noch ehe die Zwerge groß reagieren konnten, hatte man ihnen bereits die Kehlen durchschnitten, und sie aufgefangen, so das sie langsam zu Boden glitten, und kein Lärm verursachten.
      Zeitgleich hörte man das Schlagen von Schwertern auf die Ketten, die kurz darauf brachen. Die Schweine machten wie erwartet etwas laute Grunsgeräusche, flitzen im Gehege umher, aber bruhigten sich schnell wieder, als sie ihren Schrecken überwunden und festgestellt hatten, das ihnen keine Gefahr drohte.
      Kurz darauf war Servic, der alle Sinne wieder beisammen hatte, befreit und lief mit den restlichen Kettenstupfen an den Handgelenken zu den Schwestern. Angewiedert rümpften sie die Nase. Oriel musterte Servic. "Pfui Teufel, du stinkst ... und bist voller Scheisse. Selbst wenn wir es aus der Burg schaffen, werden wir mit Ungeziefer kämpfen müssen. Sobald wir am Fluss sind, wirst du dich säubern, oder wir lassrn dich zurück, verstanden? Und dann wirst du uns erklären, was genau passiert ist, du nutzloser Hund! Was hast du dir bloß dabei gedacht, einfach aufzugeben? Das zweite Tor, wir konnten es sehen, war doch schon fast gefallen!"
      Fast hätte sie Servic eine gescheuert, aber als sie die Hand schon anhob, dachte sie wieder an den stinkenden Dreck, und das sie ihn bloß nicht anfassen würde. Nicht mal mit ihren Schwertern. Die waren viel zu wertvoll.
      Jetzt mussten sie alle nur noch aus der Burg flüchten. Selbstverständlich würden die Soldaten notfalls zu Bauernopfer werden .....
      Zehn Zerrüttete Zahme Zebragestreifte Zauberhafte Zypern Ziegen Zogen Zum Zehnten Zehnten Zukunftsorientiert Zehnmal Zähneknirschend Zehn Zentner Zerstoßenen Zucker Zum Zoo Zurück
    • Burg Anvil

      Perrot wurde von seinem Grauen erlöst und mehr oder weniger in einen angrenzenden Raum geschleift, der ihm schon sehr wie eine Folterkammer aussah. Das rief eine neue Panik in ihm hervor, aber er zwang sich dazu ruhig zu bleiben, als sie ihn anketteten, denn sonst würde man noch denken er leiste Widerstand. Aber er wollte gar keinen leisten! Er wollte alles tun, damit sie ihn nicht zurück nach Mehyve schickten. Alles! Er schniefte mehrmals laut und wimmerte vor sich hin, ehe die Tür aufging und Hodmac mit seinem Gefolge hereinkam. Perrot hatte seinen Namen gehört, er war der Burgherr. Sogleich fing er wieder an zu heulen, als er hörte was der Zwerg sagte, und warf sich doch in seiner Panik gegen die Ketten.
      "Neinneinnein ich sage alles freiwillig!! Ich weiß alles!! I-I-Ich war im Palast selbst, ich kenn mich in Mehyven aus, ich kann euch von Aranis erzählen!! Ich war bei der Schlachtenplanung dabei, ich weiß von ihren Plänen!!"
      Er brach in pure Hysterie aus, als einer der Zwerge ihn erreichte und seinen kleinen Finger packte. Es gab ein knackendes Geräusch und Perrot kreischte auf, wand sich in seinen Fesseln und heulte nur noch stärker. Der Schnodder tropfte aus seiner Nase.
      "Sie haben ihre Armee aufgeteilt, Hausherr Krend kommt aus dem Norden, sie wollten gleichzeitig angreifen!! Er hat wahrscheinlich so 5.000 Soldaten, vielleicht auch mehr, sie haben den langen Weg durch die Berge genommen!! Und... und... die Negrell Schwestern sind noch irgendwo in den Bergen!! Sie haben sich von Servic getrennt weil es eine Lawine gab und dann wurde der Weg gespalten und wir konnten nicht mehr rüber und ich sollte eine Brücke bauen, aber ich kann keine Brücken bauen, ich verstehe nichts von Brücken, das ist nicht dasselbe wie eine Maschine aber trotzdem denkt jeder, dass ich Brücken bauen kann weil ich auch Maschinen baue, aber Brücken sind was ganz anderes!!"
      Sein hysterisches Weinen erstickte für einen Moment seinen Wortfluss, ehe er tief Luft holte und von neuem anfing zu plappern.
      "Sie haben sich getrennt, das war... das war... auf einem Hang, nach einer Kreuzung, es war schon relativ weit oben in den Bergen!! Servic ist mit der Armee zurück zum langen Weg untenrum gegangen, aber die Schwestern sind geblieben und müssen noch irgendwo da sein, weil meine Brücken nicht gehalten haben und sie nicht rüberkonnten, aber schließlich weiß ich auch nichts von Brücken!! Bitte schickt mich nicht zu Aranis zurück, ich tu alles, aber schickt mich nicht zurück!! Sie ist so furchtbar und so grausam und sie ist eine ganz fürchterliche Königin und sie wird mir die Haut vom Leib ziehen und mich aufhängen wenn ich zurückgehe und Servic wird mich umbringen und Negrell wird mich auch umbringen und Raz wird mich sicherlich umbringen und... und... die Magier!! Aranis hat fürchterliche Magier hinter sich, ein paar Dutzend und es werden noch mehr werden!! Sie werden angeführt von einer Elfe und ich wette, sie will mich auch tot sehen, jeder will mich tot sehen, schickt mich nicht zurück, ich will nicht zurück!! Ich - Ich kann euch Waffen bauen oder reparieren!! Ich kann rechnen, ihr braucht doch sicherlich jemanden zum rechnen, oder nicht?!! Und ich kann... ich kann... Ich kann einschätzen wie viele Truppen sie haben!! Und ich kenn den anderen Maschinisten, ich weiß was er bauen kann, ich kann ihre Strategien einschätzen!! Ich weiß, dass sie sich in Padmoor verschanzen, weil sie ganz Camisse einnehmen wollen und sie in Padmoor die Lieferwege abschneiden können und ihre Truppen sich dort sammeln können, aber ich weiß auch, dass Dracul nicht kämpfen wird, weil er am meisten Verluste erlitten hat, aber die anderen, die anderen könnten kommen und einen neuen Versuch starten die Burg einzunehmen und dann werden sie Raz dabei haben und er wird sicherlich die Faust nochmal bauen, Aranis Faust, mit der sie schon Padmoor eingenommen haben!! Und... und Servic!! Er hat Spione in Camisse und einen in der Burg, aber er hat sich furchtbar aufgeregt, dass er keinen Kontakt zu ihm hat!! Mir fällt sicherlich noch mehr ein... nur schickt mich nicht zurück nach Mehyve!!"
      Er verlor sich in weiterem Geplapper darüber was für grausame Dinge Aranis mit ihm anstellen würde, dass ihn jeder tot sehen wollte, dass er keine Ahnung von Brücken hatte, dass er rechnen konnte und auch alles andere machen würde, wenn sie ihn nur nicht zurück nach Mehyve schickten. Sein Hemd war schließlich durchweicht von seinen Tränen, die gar nicht aufzuhören schienen.


      Negrell Schwestern


      Servic aus dem Schweinestall zu befreien war zwar recht befriedigend, aber die Befreiung an sich das genaue Gegenteil. Er war halbnackt, mit Schlamm besudelt, stank nach Scheiße und sah auch noch so aus. Ariel machte ein provokantes Würgegeräusch und auch Oriel schien sich deutlich zurückhalten zu wollen ihm irgendwie nahe zu kommen. Er sah von oben bis unten aus wie ein vollkommener Versager - und sowas wollte sich einen Hausherren nennen? Ariel spuckte ihm vor die Füße.
      "Wir sollten dich eigentlich dort lassen wo du hingehörst, aber zum Schluss plauderst du noch Staatsgeheimnisse aus. Jetzt versuch nicht allzu sehr zu stinken und beweg deinen dürren Arsch, wir müssen zu den Toren kommen."
      Servic stand da wie ein trauriger Tropf, ließ die Schultern hängen, machte ein gequältes Gesicht, aber lief ihnen doch nach, als sie sich wieder in die Schatten der Lagerhallen begaben und sich dort sammelten. Einer der Soldaten erbarmte sich dazu Servic seinen Umhang um die Schultern zu legen, aber dafür fing er sich einen garstigen Blick von Ariel ein. Die beiden Schwestern sahen von ihrem Standpunkt aus zur Mauer hoch. Irgendwo in der Ferne hörte man die feiernden Zwerge.
      "Das Tor müsste dort vorne liegen, wenn wir das Kontrollhaus einnehmen, können wir es einen Spalt breit öffnen, unten durch kriechen und dann sind wir schon draußen. Dann halten wir uns am Hang bis wir unten sind und gehen auf schnellstem Weg nach Padmoor. Irgendwelche Einwände?"
      Sie starrte vor allem Servic an, der unter ihrem Blick auch noch zu schrumpfen schien. Was für ein stinkendes Weichei. Sie zeigte auf die Soldaten.
      "Ihr gebt uns Rückendeckung. Und sorgt dafür, dass sein Gestank uns nicht verrät."
      Die Schwestern huschten voran. Ohne ihr lästiges Gefolge waren sie sowieso viel schneller und mussten sich außerdem nicht darauf verlassen, dass die Versager irgendwas bewerkstelligen würden. Sie mieden das Licht der Laternen, nutzten Dächer, die in den Hof hervorragten und wichen Wachen aus. Zweimal mussten sie einen von ihnen beseitigen, was sie zeitgleich mit äußerster Präzision bewerkstelligten, bevor sie den Körper versteckten und weiterzogen. Leise Schritte - und außerdem der Geruch nach Scheiße - deuteten an, dass die anderen ihnen folgten. Nun mussten sie nur noch das Kontrollhaus einnehmen.
      Das Tor kam bald in Sicht und in einiger Entfernung dazu fanden sie auch den Turm, in dessen unterste Etage Fenster eingelassen waren, die verdächtig breit waren und den ganzen Platz vor dem Tor überblicken konnten. Das musste das Kontrollhaus sein. Ein paar Wachen gammelten davor rum, plauderten miteinander und trugen Krüge bei sich, was nicht wirklich den Anschein machte, als würden sie ihre Wache ernst nehmen. War denn überhaupt einer dieser Camisser dazu fähig, einen ordentlichen Soldaten abzugeben? Aber auf der anderen Seite hatten sie die ganze mehyvsche Armee zerstört, wenngleich das auch dem Versagen von Servic zuzuschreiben war. Es war schon echt peinlich, wenn Soldaten wie diese einen Hausherren besiegten.
      Die Schwestern sahen sich gegenseitig an, dann traten sie wie eine Person aus den Schatten hervor. Die Gespräche der Soldaten erstarben, als sie sie sahen, aber sie starrten ihnen eher mit geöffneten Mündern entgegen, während sie beobachteten, wie die beiden Frauen sich näherten. Ihre Bewegungen verliefen zur exakt selben Zeit, was den Anschein machte, als befände sich tatsächlich nur eine Person dort, die einen Spiegel bei sich trug. Einer der Soldaten riss die Augen weit auf.
      "Man, ich glaub das Zeug hier ist stärker als ich dachte."
      Er starrte verwundert in seinen Krug und sein Nachbar nickte, während er die Schwestern angaffte. Sie kamen vor den Soldaten zum stehen.
      "Ist euch langweilig, Jungs?", fragten sie im Einklang, was sich so anhörte, als würde nur eine von ihnen sprechen. Die Soldaten gafften.
      "Äh... Ja?"
      Da schossen sie plötzlich vor, zogen ihre Waffen und drehten sich in den Kreis der Camisser, wobei sie jedem ihre Klinge über den Hals zogen. Sie fällten die Soldaten um sich herum mit einem Streich und ließen sie zu Boden fallen. Da ertönte plötzlich ein Alarm.
      "So ein Mist! Kommt her, Beeilung!"
      Ihre eigenen Soldaten kamen angerannt, Servic in ihrer Mitte, und einer von ihnen brach die Tür zum Kontrollhaus auf und verschwand darin. Kurz darauf ertönten Rufe, gefolgt von einem lauten Knarren, als das Tor sich elendig langsam in Bewegung setzte.
      "Los, los, los!"
      Sie rannten über den Platz auf das Tor zu, das sich träge nach oben hin öffnete und nach und nach einen Spalt freisetzte. Ariel war die erste, die darunter hindurch schlitterte, dicht gefolgt von Oriel und einem viel langsamerem Servic, der in etwa so beweglich wie eine Schildkröte war. Sie fluchte, ergriff seine dreckige Hand und zog daran, ehe er sich herausrollte und dicht hinter ihm ein paar Soldaten nachkrochen. Oben auf der Mauer ertönten Schritte und weitere Rufe.
      "Schilder hoch!", rief sie den Soldaten zu, die sich in einer winzigen Formation aufstellten und ihre Schilder in Richtung Himmel rissen. Hinter dem Tor erklangen Kampfgeräusche von den Männern, die noch nicht durch das Tor gekommen waren. Das Tor selbst hatte mittlerweile aufgehört sich weiter nach oben zu bewegen.
      "An der Mauer entlang zum Hang, da können sie uns schlecht treffen!"
      Sie setzten sich in dieser winzigen Formation in Bewegung und preschten an die Mauer gedrängt entlang, während über ihnen bereits Pfeile hinwegschossen. Sicher würde man bald Verfolger nachschicken, sie würden in der Nacht verschwinden müssen, bevor sie eine Ahnung hatten, wohin sie gingen. Leider war der unzerstörte Torposten da keine große Hilfe.
      "Schneller, Servic!"
      Der stinkende Hausherr keuchte bereits, als sie den Hang erreichten, der ziemlich steil abfiel und dadurch kaum begehbar für Pferde war. Aber zu Fuß würden sie sich wohl hinabhangeln können, solange ein Fehltritt keine Lawine auslösen sollte. Ariel schickte die Soldaten erst hinunter, dicht gefolgt von Servic, der wohl die Zähne zusammenbiss und es vermied sich zu beschweren. Wenn er auch nur einen Ton sagen würde, würde sie ihm einen Tritt verpassen und es wie einen Unfall aussehen lassen. Verdient hätte er es.
    • Silver Helm
      Mehyves Streitmacht Haus Krend und Haus Mehyve

      Von den ganzen Problemen zur Reise nach Burg Anvil und der darauf folgenden Eroberung die glanzvoll scheiterte, hatte Krend nichts mitbekommen. Waren Boten unterwegs, so wurden sie abgefangen, sofern man ihn überhaupt informieren wollte. Seine Erfolge jedoch wurden von Boten zurück zum Tor und damit auch zur göttlichen Königin Aranis persönlich weitergeleitet. Mehrere Minen hatte er unterwegs erobert, und konnte die Zwerge mit etwas Nachdruck zwingen, weiter Erz zu schürfen, und es auf die Wagen von Mehyve zu verladen, die in gewissen Abständen hier eintreffen würden. Natürlich brächte ein Wagen immer kostenfreies Bier mit. Und wenn der Ertrag gut war, vielleicht noch ein zweiter Wagen.
      Mit wenigen Wachen die zurück gelassen wurden, zog die ganze Armee dann weiter, bis sie nach einigen Tagen endlich auf Silver Helm zumarschierte.
      Silver Helm lag am Fuße eines großen Berges, und beinhaltete eine höher gelegende Festungsanlage, gefolgt von tiefer liegenden Reihen Stadtgebäuden, Häusern, Lagerhallen und dergleichen, welche außen letztenendes von einer starken Mauer umgeben waren und zwei Toren, die Zugang gewährten. Ein Haupttor mittig und es gab noch eines weiter westlich, das für Transporte benutzt wurde, und direkt zum Stadtzentrum führte, wo der Handelsmarkt lag.
      Das Haupttor war für die Armee oder die Bevölkerung. Vor Silver Helm gab es Felder und ein paar Wiesen wo Bergziegen grasten. Diese waren jetzt natürlich auch in Sicherheit hinter den Mauern der Stadt. Ein paar einzelne Höfe der Bauern, Scheunen, Lagerhäuser und Ställe waren schnell eingenommen. Hier war niemand der Gegenwehr leistete. Krend nutzte die Gebäude, um sie mit seinem Lager zu verschmelzen.
      Tausende Zelte säumten bald die Aussicht der Camisser, wenn sie von den Mauern zu den Feldern und Höfen blickten. Dazwischen überall haufenweise in Rot gerüstete Soldaten der Mehyver.

      Sie waren an einem frühen Morgen angekommen und verbrachten viele Stunden damit, das Lager hochzuziehen, während die Soldaten den Nachtmarsch verdauten, den Krend ihnen aufgebrummt hatte. Jeder, der schon ein Zelt bekam, verschwand darin und erholte sich erstmal. Der Angriff würde erst morgen Mittag beginnen, weshalb genug Zeit war, Kräfte zu sammeln. Auch wurde gefeiert, gegessen und getrunken, jedoch nur wenig Alkohol, da die Soldaten klar im Kopf bleiben sollten.
      Nur einer bekam keine Erholung, und das war Alf Raz. Der hatte die Aufgabe, die kläglichen Belagerungswaffen aufzurüsten. Mit hunderten Sklaven, Bediensteten und Bauerbeitern machte er sich ans Werk, und nahm einen Hof auseinander. Die Scheine hatte lange Holzbalken und Latten, die sorgsam herausgenommen und auf seine Anweisungen neu zusammengenagelt wurden.
      In drei Gruppen ließ er im Akkord arbeiten, und konnte völlig erschöpft am nächsten Morgen Krend stolz drei größere Katapulte präsentieren. Er humpelte auf seinem Gehstock gestützt zwischen den Maschinen hindurch, wischte sich mit einem Tusch den Schweiß von der Stirn und Krand beäugte seine Geräte kritisch.
      "Nun gut, wir haben jetzt mehr Feuerkraft als zuvor und ich hoffe, das eure Geräte nicht so enttäuschend sind, wie das mit der Faust. Ich hörte einiges ...", meinte Krend und sah zu Raz hinab. Dieser krächzte und tupfte sich erneut die Stirn ab. "Keine Sorge, Mylord. Es war ein dummer Fehler. Vielleicht war es auch Sabotage. Aber ich weiß jetzt, woran es lag, und wenn ich nach dem allen hier neue Fäuste baue, dann werden sie noch besser sein."
      "WENN!", setzte Krend nach. Das bedeutete, sofern er hier nicht auch versagen würde, und Aranis vor die Füße geworfen wird.
      Er hoffte, das Perrot wenigstens irgendwie noch bei Anvil von Nutzen wäre. Oder versagt. Beides war recht, hauptsache er, Alf Raz, stünde am Ende glanzvoll vor seiner Mejestät und bekäme Lob und Anerkennung.
      Man hatte inzwischen genügend Felsen für die drei Katapulte besorgt, die größer waren als die Geschosse der restlichen Geräte.
      Raz sollte damit Brandmunition in den hinteren Teil der Stadt schleudern. Zusammen mit den Felsen. Die anderen Geräte sollten das schwere Torgatter bombardieren. Oder die Mauern drum herum.

      Gegen Mittag dann begann der Großangriff. Zuerst ließ Krend die Stadt bombardieren, etwa eine Stunde lang. Rauchsäulen stiegen empor und die Camisser waren eifrig mit Löscharbeiten beschäftigt. Auch das Haupttor hatte schon was abbekommen und die Mauern des Torhauses. Die Camisser hatten mit Katapulten und ein paar Kanonen geantwortet, aber die richteten kaum Schäden an.
      Letztenendes ließ er Silver Helm stürmen. Mit Leitern, Seilen und anderen Hilfsmitteln, stürmte die Infanterie los. Die Kavallerie sollte angreifen, wenn das Tor fällt, oder ein anderer Zugang möglich ist. Diese war links neben dem Lager in Stellung gegangen und wartete ab. Es könnte Stunden oder Tage dauern, bis die Mauer fallen würde.
      Camisse begrüßte den Ansturm mit einem Pfeilregen. Mehyve antwortete mit Langbögen. Hinter Schilden, rollpalisaden und anderen Schutzmaßnahmen rückte die Armee Meter für Meter näher an die Mauern.
      Krend saß auf seinem Pferd an seinem Gefechtsstand und beobachtete, wie seine Armee angeführt durch die Offiziere mit Leitern und Seilen die Mauern erklommen. Es dauerte fast zwei Stunden bis endlich so viele Verteidiger gefallen waren, das die ersten Gruppen Mehyver sich auf den Mauern breit machen und in schwere Kämpfe übergehen konnten.
      Jedoch gab es auch schlechte Nachrichten. Zwei kleine Katapulte waren Handlungsunfähig. Und von den Großen war auch eines inzwischen gebrochen und zerstört. Ein letzter Abschuss ließ den Felsen nur ein paar Meter in die Höhe schnellen, ehe der Arm brach und das Geschoss das eigene Katapult traf, welches ihn abfeuern sollte.
      Die zwei anderen hielten tapfer durch und feuerten nun mit kleineren Felsen Streugeschosse hinter die Stadtmauern. Das störte Krend nicht, wenn er alles verwüsten würde. Jeder Zwerg der als Gefangener überlebt, wird mit dem Wiederaufbau beschäftigt sein, und das sollte Aufstände vermeiden, und weiteren Ärger.
      Er war jedenfalls felsenfest entschlossen, Silver Helm seiner Göttin zu schenken.

      Am Nachmittag, etwa vier Stunden nach dem Ansturm, kam jedoch ein neues Problem hinzu. Krend hatte gerade Raz bei sich, der sich jammernd entschuldigte, das alle Kriegsmaschinen unbrauchbar wurden, und jetzt allein die Armee mit den Mauern fertig werden müsste, als ein Horn ertönte.
      Viele drehten sich vom Schlachlärm fort, spähten nach Süden. Jemand meldete, das eine große Anzahl Reiter sich näherten, auf Schlachtrössern und Bergböcken.
      Krend fluchte. Mit solch einer Gegenwehr hätte er hier nicht vermutet. Hatte etwa Brug Anvil Verstärkung geschickt? Eigentlich sollte Silver Helm doch seine Truppen zur Burg senden, damit die Verteidigung geschwächt wäre. Kamen sie etwa zurück? Oder ...
      "Schickt einen Späher nach Anvil. Ich will wissen was da los ist.", ordenete Krend an, und ein Soldate stürmte los.
      Dann befahl er einem Signalgeber, das die Kavallerie sich den Reitern entgegenstellen soll. Das Lager soll verteidigt werden. Immerhin war hier auch ein sicherer Rückzugsort für Verwundete. Seit Stunden brachten die Soldaten immer wieder Kameraden mit teils sehr schweren Verletzungen her. Die Lazarettzelte waren voll, die Heiler und Mediziner mit Blut besudelt, und durch Schreie mürbe geworden. Wer wieder kampffähig wurde, der wurde sofort wieder los geschickt, wer unfähig war, blieb in anderen Zelten liegen, wo man sich um sie kümmerte.
      Die, die hoffnungslos waren, erhielten einen Gnadenstoß und wurden dann etwas Abseits vom Lager zu einem großen Haufen getürmt. Dieser sollte später angezündet werden.
      Die Ausrüstung hatte man natürlich entfernt und einbehalten.
      Jetzt kämpfte auch Krend an zwei Fronten, von denen eine nicht geplant war. Er ließ Soldaten von der Infanterie abziehen. Ein Großteil hatte auch nach Stunden noch keinen Finger Krum gemacht, und nur zugesehen, wie Verletzte von der Front zurückgetragen wurden, als Vorgeschmack, was sie in den nächsten Stunden oder Tagen selbst erwarten könnte.
      Jetzt aber wurden zweitausend Mann abkommandiert, um der Kavallerie beizustehen, die von einer Übermacht Zwergenreitern bedroht war.
      Zehn Zerrüttete Zahme Zebragestreifte Zauberhafte Zypern Ziegen Zogen Zum Zehnten Zehnten Zukunftsorientiert Zehnmal Zähneknirschend Zehn Zentner Zerstoßenen Zucker Zum Zoo Zurück
    • Abgesandte von Garlingen

      Als die Abenddämmerung einbrach, trafen sich die beiden Elfen im Hausgang des Gasthauses, der zu dieser Uhrzeit recht ruhig war. Kal nickte Vanya zu; Er hatte sich in ein traditionelles Gewand gehüllt, das bis zum Boden ging und vorne geöffnet war, während eine goldene Schärpe seine Schultern zierten. Darunter trug er ein weißes Hemd und eine weiße Hose, auf deren Knöpfen kleine Edelsteine funkelten. Er hielt eigentlich nicht viel von der traditionellen Kleidung des Botschafters, die besonders zu ihrer Zeit eher als die Kleidung eines Missionars angesehen worden war, aber sie waren hier nicht im Norden von Taranoke, wo für die Menschen der Umgang mit Elfen allgemein vertraut war. Sie befanden sich in einem Land, das er den Barbaren gleichstellte und deshalb musste auch der erste Eindruck schon sitzen, auch wenn das bedeutete, dass er hochnäsiger wirken musste, als er eigentlich war.
      "Bist du bereit?"
      Er hielt ihr den Handrücken entgegen, auf den sie - als die jüngere - ihre eigene Hand legen konnte, ehe er die Führung übernahm und die Treppe hinunter schritt. Wenn sie sich schon keinen illegalen Zugang zum Turm verschaffen konnten, sollten sie doch zumindest versuchen die Soldaten an die Gepflogenheiten der Gesellschaft zu binden, die in seinem Fall lauteten, dass man den Wünschen eines Adeligen zu entsprechen hatte. Kal war nicht nur adelig, er sah in seinem Gewand aus wie der Elfenkönig aus längst vergessener Zeit selbst.
      Sie brachten den Weg zum Turm rasch hinter sich und ertrugen dabei die merkwürdigen Blicke, die ihnen von allen Seiten zugeworfen wurden. Allerdings hatte die Aufmachung auch den Vorteil, dass ihnen niemand den Weg versperrte und so kamen sie erst zum Halt, als sie den Eingang des Turms erreicht hatten. Die Wachen kreuzten ihre Speere vor ihnen und blickten grimmig drein.
      "Ich bin Kal, Botschafter Seiner Majestät Königin Norodiir und Gesandter aus Garlingen, im Auftrag der Hausherrin Codren Goldfield", donnerte Kal und reckte dabei das Kinn nach oben, sodass er die beiden Wachen durch die schiere Ausstrahlung seiner Autorität untergraben konnte.
      "Das ist meine Beraterin und Rechte Hand Vanya aus dem Hause Dorran der 3. Generation, Führerin unserer Soldaten und Gardistin."
      Er war nun nicht mehr der Elf, dem die alten Knochen von der Hitze schmerzten und der sich über schlechten Tee beschwerte, und er war auch nicht mehr der Elf, der sich in seinen Kopf zurückzog, um über die Gewalttätigkeit der Welt zu philosophieren. Er war nun der Elfenbotschafter, der das persönliche Vertrauen seiner Königin genoss und den Zorn seines Volkes mitsamt seiner Verbündeten heraufbeschwören würde, wenn man ihm nicht das zu Füßen legte, wonach er verlangte.
      "Ich ersuche noch heute eine Unterredung mit dem Turmherren. Man nahm uns in einen Empfang, der dem gewöhnlichen Volke gerecht wäre und ich kann daraus nur schließen, dass euer Herr nicht über die Ankunft unserer Persönlichkeiten informiert worden war, denn sonst hätte er sich sicherlich um den gebürtigen Aufenthalt der Gäste des Schlachtenfürsts Skor Vultjag gekümmert. Ich besitze die beispiellose Barmherzigkeit ihm eine letzte Möglichkeit zu geben, die Schmach seiner verpassten Gastfreundschaft zu ersparen und sich stattdessen unserer anzunehmen. Ich bin mir sicher, dass Schlachtenfürst Vultjag dann nur gutes von unserem Aufenthalt am Turm hören und diesen kleinen Fauxpas übersehen wird."
      Er musste nicht oft in die Rolle des Botschafters schlüpfen, aber es erleichterte ihn zu sehen, dass es noch immer wirkte, als die beiden Wachen sich gegenseitig einen Blick zuwarfen.
      "Äh... Wenn ihr nach Destone wollt, seid ihr aber ganz schön vom Weg abgekommen... äh... Herr."
      Der andere warf ihm einen Blick zu und Kal hob eine einzelne Braue.
      "... Aber äh... Wir können mal fragen. Herr Ildes sitzt gerade beim Abendessen, vielleicht wird er euch... einladen. Wartet hier."
      Kals Braue rutschte wieder an ihren Platz zurück, aber dafür bildete sich eine feine Zornesfalte auf seiner Stirn. Der Soldat rang mit sich.
      "Ich meine... Kommt mit rein. Ihr könnt im... im Gang warten."
      Er öffnete ihnen die Tür und beide Elfen folgten ihm in den Turm hinein. Er führte sie eine Treppe nach oben, die gerade breit genug für zwei Personen war, und ging dann einen ebenso schmalen Gang entlang, der aber einigermaßen ausgeschmückt war. Zumindest hingen ein paar Waffen an den Wänden und einen Teppich gab es auch. Sie gingen am Ende eine weitere Treppe nach oben und erst da bedeutete er ihnen, dass sie sich auf einen der Holzstühle setzen konnten, die lose an der Wand standen. Direkt vor ihnen erhob sich eine Tür, die fast genauso breit wie der Gang war.
      "Wartet hier."
      Er ging zu der Tür, klopfte und steckte seinen Kopf herein, während Kal Vanya einen kurzen Blick zuwarf. Er beugte sich zu ihr hinüber.
      "Meinst du, du schaffst es dich davonzustehlen, wenn ich ihn erst abgelenkt habe? Tu nichts unüberlegtes, ich möchte nicht, dass dir etwas passiert."
    • Abgesandte von Garlingen

      Der Turmherr, der auch gern Herr Ildes gerufen wurde, auch wenn er kaum Anstalten machte, wenn es nur Ildes wäre, war zumindestens nicht sehr erfreut darüber, beim Essen gestört zu werden. Er lag wie ein Sultan auf Kissen und Decken, Teppichen und Läufern, diein einer Vertiefung kreisförmig im Boden ausgebreitet lagen. Ein sehr gemütlicher Ort um - NICHTS - zu tun. Außer den Turm zu regieren und auf diesen aufzupassen. Sandstürme waren hier sein größer Feind. Den Rest erledigten die Soldaten, und er bekam höchstens mal ein paar Informationen dazu, gab Anweisungen und schaute sich auch mal eine Exekution an. Gelegentlich marschierte er durch die Festungsanlagen und begutachtete alles, zeigte Präsens und das er hier der Boss war.
      Zwei leicht bekleidete Damen fütterten ihn mit Trauben und gossen Säfte oder Wein nach, wenn er ausgetrunken hatte. Zwei Leibeigene wedelten mit großen Fächern, damit es angenehm kühl war.
      Im Bodenbereich gab es auch noch genügend Platz für Gäste. Er beauftragte die Wache die Besucher hereinzulassen.
      Mit etwas übertriebener wir sind doch Freunde Freundlichkeit, begrüßte er den Herrn und die Dame, breitete lachend die Arme aus und bot ihnen einen Sitzplatz an, während er selbst faul liegen blieb.
      "Verzeiht verzeiht, das ich es nicht mitbekommen habe, das solch hoher Besuch in mein bescheidenen Turm eingezogen ist. Ich hörte ihr wäred auf der Durchreise? Skor Vultjag Persönlich lässt euch empfangen? Selbstverständlich habt ihr hier das Beste zu erwarten, was ich an Gastfreundschaft aufbieten kann."
      Er schmatzte kurz Weintrauben, während Kal sich und Vanya nochmal vorstellte und eine Beschwerde äußerte.
      "Selbstverständlich werde ich die Zuständigen strafen lassen. Man soll euch alle Wünsche von den Lippen lecken und ihr dürft gern im Turm residieren, sofern ihr noch keine entsprechende Unterkunft habt, die euch genüge tut.", blubberte er weiter.
      Erst dann bot er ihnen auch Trinken und Essen an, scheuchte seine Diener, warum hier noch nichts aufgetischt wurde. Bevor Kal noch etwas sagen konte, räusperte sich Vanya und meinte. "Verehrter Herr Ildes, ich fürchte, Botschaftsgespräche sind nichts für mich, und zwei so edle Herren haben sicher einiges zu plaudern. Geschichten und Taten ihrer Reisen und so weiter. Ob es wohl möglich wäre, dieses imposante Bauwerk zu besichtigen, während ihr euch unterhaltet? Ich habe bereits gegessen und schaue gern später zu einem Kelch Wein wieder vorbei."
      Vanya war direkt in den Ansturm gegangen. Wie hätte sie sich hier auch davonstehlen können, sofern der Herr nicht alle Weinvorräte im Blut hätte?
      Wenn sie hier die direkte Erlaubnis bekäme, sich umzusehen, dann gab es auch nichts Verdächtiges, wenn sie herum schlich.
      Sie lächelte so freundlich sie konnte, und klimperte etwas mit den Augen.
      Herr Ildes ließ sich sofort Wein nachschenken, und trank den Kelch in einem Zug leer und ließ erneut nachschenken.
      "S-selbstverständlich, edle Dame."
      Man hatte ihn mit Honig gestreichelt, und er konnteja fast gar nicht anders. Und wenn sie erst Skor berichteten, wie gut er seine Gäste behandelte, die zu ihm persönlich eingeladen waren, so gab das sicher Wohlwollen seinen Herrn.
      "Meide aber jene Türen, die bewacht werden. Und betrete keine Türen mit rotem Beschlag. Tust du es trotzdem, und wirst erwischt, erwarten auch dich harte Strafen! Ansonsten steht es euch frei die Aussicht auch von der Turmspitze zu genießen."
      Von der man sicher reichlich Sand sah.
      Vanya verbeugte sich und ließ Kal mit ihm alleine, während sie den Raum verließ, die Tür sanft schloss und der Wache draußen noch mitteilte, das nun alles Inordnung wäre, sie sich umsehen darf und er zurück zu seinem Posten gehen kann. Später würden sie alleine aus dem Turm finden.
      "Wie ihr meint, Herrin.", knurrte die Wache, kniff die Augen zusammen und stiefelte die Treppen hinab.
      Vanya seufzte und atmete aus. Das war geschaft. Sie waren im Turm, wurden vom Turmherrn fürstlich empfangen und sie durfte sich sogar umsehenn - mit Erlaubnis vom Turmherrn persönlich. Und die Wache unten wusste auch bescheid.
      Nun gut. Es gab also weitere Wachposten im Turm. Es gab Räume die verschlossen oder verboten waren. Das war ihr egal. Hier oben würde es vermutlich eh nicht viel zu finden geben. Was sie interessierete war der Kellerbereich des Turms. Dort musste sie hingelangen.
      Dennoch entschied sie sich erstmal im oberen Bereich eine Besichtigung durchzuführen. Aufmerksam beobachtete sie auch die Wände. Vielleicht gab es geheime Nischen.
      Zehn Zerrüttete Zahme Zebragestreifte Zauberhafte Zypern Ziegen Zogen Zum Zehnten Zehnten Zukunftsorientiert Zehnmal Zähneknirschend Zehn Zentner Zerstoßenen Zucker Zum Zoo Zurück
    • Abgesandte von Garlingen

      Turmherr Ildes entpuppte sich als... eigener König. Er schien alles aus dem Luxus herauszuholen, der ihm von Vultjag vergönnt war und dabei störte es ihn wohl auch nicht, dass er verschwenderischer war als sein eigener Landherr. Kal musste sich zusammenreißen, um nicht die Stirn in Anbetracht der vielen Diener zu runzeln, die ihren Herren umschwirrten, als benötige er zu jeder Sekunde eine helfende Hand. Dabei sah er nicht so aus, als würde er sich bewegen - er sah nicht einmal so aus, als habe er sich überhaupt jemals bewegt. Es würde Kal nicht wundern, wenn die Decke unter ihm schon mit seiner Haut verbunden wäre.
      Vanya - die glückliche - ergriff sogleich die Gelegenheit eines kurzen Schweigens um sich von den beiden zu verabschieden und ließ damit Kal alleine, der es sich auf einem Sitzkissen gemütlich zu machen versuchte und der Höflichkeit entsprechend nach einer Pflaume griff. Wie viel es wohl gekostet haben mochte, sie von Lyxaxu hier her liefern zu lassen? Wie viel es wohl, allgemein, kosten mochte, die vielen Diener zu unterhalten? Oder waren es Sklaven? Aber auch Sklaven benötigten Verpflegung und Unterkunft, also würde es wohl aufs selbe drauf aus kommen.
      Ihm entging nicht der Blick, den Ildes auf Vanya auf ihrem Weg nach draußen richtete und nun konnte er doch nicht verhindern, dass sich die einzelne Falte wieder auf seiner Stirn bildete, die er schon den Wachen vor der Tür präsentiert hatte. Kein König dieses Landes - nicht einmal Aranis - war ihm so gänzlich unsympathisch wie dieser Turmherr. Er versuchte ihn gleich in eine Unterhaltung zu verstricken, um ihn von seinen unseriösen Gedanken abzubringen.
      "Ein beachtliches Bauwerk dieser Turm, Herr Ildes. Ich bin mir sicher Schlachtenfürst Vultjag hat richtig gewählt, als er Euch zum Turmherrn ernannte. Ihr scheint die richtige Verwendung für die örtlichen Ressourcen gefunden zu haben."
      Leuten wie Ildes musste man zu verstehen geben, dass man ihre Taten zu schätzen wusste, auch wenn das in diesem Fall Taten wie herumliegen und saufen waren. Er ließ es zu, dass sich eine der Frauen ihm näherte und ein Glas Wein einschenkte, von dem er nippte. Zumindest der Wein war hier einigermaßen genießbar, ganz anders als der Tee.

      Der Turm war in den meisten Stockwerken gleich aufgebaut: Drei Zimmer an der Seite, ein Gang dazwischen und die Treppe auf der anderen Seite, die in Kreisform verlief. Dabei waren nicht alle Türen geschlossen und so erhielt man einen Einblick in Quartiere, Gemeinschaftsräume und Versammlungsräume, von denen die meisten mit unterschiedlichen Möbeln eingerichtet waren. Ein ungeschultes Auge mochte denken, dass die Räume willkürlich genutzt waren und man einfach alle Soldaten unterbringen wollte, doch wenn man sich Zeit ließ um über den Aufbau des Turms nachzudenken, konnte man womöglich das Muster erkennen, das die Architekten eingebaut hatten: Jedes Stockwerk spiegelte einen bestimmten Farbton wieder und jeder Farbton besaß wiederum besondere Eigenschaften. In den Stockwerken, in dem die Wand eine dunkelblaue Tönung hatte, die von einer polierten Rüstung gut wiedergespiegelt wurde, gab es besonders viele Versammlungsräume, während in den Stockwerken, in dem sie eine dunkelgrüne Tönung hatte, es lediglich zwei Türen gab, vor denen Wachen positioniert standen. Sie sahen nicht wirklich aus, als ob sie ihre Posten als seriös empfanden, aber immerhin streckten sie ihre Rücken durch, wenn sie Vanya sahen, und beobachteten sie kurz darauf grimmig. Dann gab es noch die Farbe Orange, die nur in manchen Stockwerken auftauchte und dann nur in Verbindung mit einer anderen Farbe existierte und schließlich gab es auch das letzte, farblose Stockwerk, das auf die Turmspitze hinauf führte, von der man nichts anderes sehen konnte als Sand zu allen Seiten. Die wahrscheinlich wichtigste Frage war die, ob Ildes dieses Muster auch schon entdeckt hatte.