spellbound. (earinor & akira)

    • "Das habe ich auch gar nicht als Kritik angesehen, ich bin nicht mehr so weinerlich und eingeschnappt wie damals. Ich glaube, wenn du mich damals irgendwie kritisiert hättest, dann hätte ich Rotz und Wasser geheult. Natürlich nicht vor dir, aber immerhin ... ich verstehe allerdings, wie du das meinst." Er spielte es wohl zu sehr herunter, zumindest für Caelans allgemeinen Geschmack. Rikiya konnte nicht behaupten, dass er ihm da nicht zumindest ein wenig zustimmen würde. Egal, er machte sich doch sonst keine wirkliche Sorgen darüber, wie es in seinem Leben aussah, wenn jemand - ohne Argwohn und mit Liebe - all diese Probleme aufzeigte. "Das bezweifle ich, aber es gibt zumindest eine, die ich wirklich als solche ansehen würde. Du hast mir etwas wiedergebracht, dass ich verloren habe und von dem ich nicht mehr geglaubt habe, ihn jemals wiederzusehen. Wenn auch auf Umwegen.", bedankte er sich, auf selbigem Umweg, bei diesem Mann den er so sehr liebte wie keinen Zweiten. Kein anderer Mensch konnte ihm in Ronans Augen jemals das Wasser reichen und Rikiya war auch Niemand, der den Anblick Caelans verschmähte. "Liegt dir was auf dem Herzen? Du wirkst bedrückt.", flüsterte er in angenehmen Tönen, als würde er hinter den durchsichtigen Schleier sehen, den Caelan sich aufgebaut hatte.

      "Jetzt hörst du dich an wie Ronan.", belächelte er die Situation, die eigentlich weniger als angenehm war. Hatte Caelan sich jedes Mal so gefühlt, wenn er wieder unerklärlicherweise einen Moment brauchte um sich nicht wieder selbst zu verteufeln? Rikiya konnte nicht behaupten, er wäre gerade sonderlich neidisch auf diesen Mann. Aber so wie Caelan damals trotzdem zu ihm gehalten hatte, so würde er nun auch zu ihm halten - Pech und Schwefel waren immerhin meist zusammen an einem Ort und selten alleine aufzufinden. "Weil ich nie wirklich hungrig war, aber ich kann nicht behaupten, dass ich jetzt nicht hungrig bin." So, als hätten sie wirklich vor viel zu langer Zeit diese erbärmlichen Plätze getauscht und sich einen Namen daraus gemacht, einander so sehr zu ähneln, dass es schmerzte. Rikiya war, im wahrsten Sinne des Wortes, wohl wie eine Motte nachdem sie das Raupenstadium irgendwie überwunden hatte. "Na gut, na gut. Ich besorge uns etwas zu essen, also zeig dich von deiner besten Seite, ja?", lachte er und stapfte zu dem Eingang des Zeltes, ehe er die schweren Stiefel wieder anlegte. Einen Kuss hatte er sich nicht gestohlen, aber er wäre auch nicht all zu lange fort. "Und stell keinen Schabernack an.", warnte er Caelan lachend, als er das Zelt verließ - er war gar nicht all zu lange fort, aber bis auf zwei Schalen Eintopf sah die Ausbeute ein wenig mager aus.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Nein bist du bestimmt nicht, aber du hast schon immer alles in dich hinein gefressen, ob du es nun gut verstecken konntest oder nicht. Du musst vor mir wirklich nicht so tun als wäre irgendetwas an deiner Situation einfach." Vielleicht sah er es zu eng, aber das glaubte er eigentlich nicht. Die Wölfe verloren diesen Krieg, Tag um Tag starben mehr von ihnen und ihr Lebensraum wurde kleiner und kleiner. Natürlich lastete das auf Ronans Schultern, ob er nun König war oder nicht. Es gab keinen Grund vor Caelan so zu tun als wäre alles in Ordnung und einfach. Ronans nächste Worte ließen Caelan inne halten. "Wenn überhaupt habe ich versucht einen Fehler wiedergutzumachen...", erwiderte er nach einer Weile und er glaubte auch nicht, dass Ronan diese Geschichte gefallen würde. Wollte er sie hören, so würde Caelan sie ihm erzählen, aber nichts daran war schön oder heldenhaft. Caelen drehte sich zu Ronan, sah ihn kurz an und versuchte zu lächeln als er den Kopf schüttelte. "Ach ich denke nur nach...", murmelte er. Die Hälfte der Zeit die sie getrennt waren hatte Caelan genau das Gegenteil von dem gemacht, was er hätte tun sollen.

      "Mhm... aber Ronan hatte nichts falsch gemacht, ich schon.", erklärte er den Unterschied. Ronan hatte sich so oft gefühlt als wäre er an irgendetwas schuld, oder nicht gut genug, als würde die Welt in hassen, wenn das einfach nicht gestimmt hatte. Caelan auf der anderen Seite hatte sehr viel Blut an seinen Händen. Ronan stand auf um ihnen etwas zu Essen zu besorgen. Caelan nickte mit einem leichten Lächeln und sah Ronan in einem Lichtkegel verschwinden. Caelan seufzte als er alleine war, in diesem Zelt, in dieser Siedlung. Alles was er jemals geglaubt hatte schien falsch, alles und er wusste nicht, wie er damit umgehen sollte, oder gar konnte. Er nahm sich noch einen Moment bevor er seinen Kopf noch einmal ins Wasser tunkte, bevor er sich die Haare auswusch und sich einmal ordentlich abschrubbte. Als er aus der Wanne stieg fand er ein Tuch, das er wohl benutzen konnte um sich abzutrocknen und anschließend legte er zumindest Teile der Kleidung wieder an. Er brauchte wirklich nicht alles davon und die äußeren Schichten rochen hoffentlich nicht zu schlimm. Während Ronan weg war, sah er sich noch einmal in dem Zelt um. Ronan hatte bei seinem Bett ein paar Gegenstände die Caelan zumindest kurz betrachtete, er wollte sich aber auch nicht zu viel herausnehmen. Wie sollte er nur hier leben und so tun als wäre nichts geschehen? Caelan wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er Schritte hörte und Ronan wieder herein kam, mit zwei Schüsseln in der Hand wovon er eine in Caelans Hand drückte. "Danke.", lächelte er.
    • In ihn hineingefressen? Caelan traf den Nagel eigentlich auf den Kopf - wenn es etwas gab, worin Rikiya schon als Ronan nie gut gewesen war, dann wohl, mit harscheren Tönen umzugehen und nicht immer alles persönlich zu nehmen. Lieber ließ er es zu, selbst verletzt zu werden und den vermaledeiten Mund nicht einen Moment aufzureißen, als dass er irgendwo die Energie fand, sich zu wehren. Das passierte erst nach einer langen, einsamen Weile im weißen Nichts des thrianischen Winters und doch wollte er Caelan darauf keine Antwort geben, als würde dieses empfindliche Thematik ihm wieder eine Tür aufschließen, deren Schloss er vor Jahrzehnten bewusst verrosten ließ. Caelan hier zu haben war vielleicht falsch, oder aber er war in Wahrheit einfach nur nicht gewillt, sich seinen eigenen Sünden zu stellen und suchte viel lieber nach die des blonden Hünen, der in seinen Träumen immer so viel lebendiger gewirkt hatte, als er es gerade tat. Was erwartete er denn noch alles von Caelan? Er war zu harsch mit ihm, dem geschundenen Mann aus einem abgeschlossenem Kapitel ihrer beider Leben und doch wollte er nicht mehr als die verwischte Tinte von dem Blatt zu löschen, als würde er dann Platz finden um ihre Geschichte fortzusetzen.

      Gedanken waren ihm nicht viele durch den Kopf gezuckt als er mit ihrem Essen von draußen zurückkam, aber er wollte diese müden, trägen und allem voran lastigen Konversationen nicht weiter befeuern, auch, wenn sie ihm hier und da Spaß machten, insofern sie beide sich nicht daran die Zähne ausbissen, wer nun Schuld war. Er fand den senilen Mann dort, wo er ihn eigentlich erwartet hatte - neugierig durch das große Zelt streifend, in der modrigen und miefigen Kleidung, aus der er ihn gerade erst gepellt hatte. "Nichts zu danken ... Du hättest mich fragen können.", lachte er leicht, da stellte er seine eigene Schüssel beiseite und machte sich an eine der alten Truhen zu schaffen - es würde Caelan nicht aufs Maß passen, da war er sich sicher, aber Nayantai und er waren ungefähr gleich gebaut und in derselben Größe. "Passen dir die?", fragte er, als er ihm ein Bündel Sommerkleidung von vergangen Jahren gegen die Brust hielt, die vermutlich nicht in der richtigen Farbe war, aber wen kümmerte das schon? Nayantai wusste vermutlich nicht einmal mehr, dass er sie besaß. "Soll ich dir helfen? Dann kann ich dir zeigen, wie man sie richtig bindet." Nicht, dass er von Caelan erwartete, das sowieso zu wissen - irgendwie hatte er ein leichtes deja vú, wenn auch in die falsche Richtung.
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    • Was machte Caelan hier eigentlich? Wie konnten sie beide so tun als wären andere an Caelans Entscheidungen Schuld und nicht er selbst? Sie hatten schon darüber diskutiert und Ronan hatte ihm gesagt, dass er die Schuld bei anderen suchen wollte und selbst wenn nicht, dass er ihm vergeben würde. Waren das nicht nut die unsinnigen Gefühle eines Jungen der schon lange gestorben war? Caelan war nicht mehr derselbe aufbrausende junge Mann in den Ronan sich verliebt hatte. Er war genau genommen eher das Gegenteil. Caelan fragte sich wie viele Dinge hier Ronan an seine Familie erinnerten, an die die er verloren hatte. Wenn er schon Caelans Mantel bis hier her geschleppt hatte, dann hatte er bestimmt auch etwas von seiner Frau und seinen Kindern. War es überhaupt möglich, dass dies nicht zwischen ihnen stand? Es war nicht so als wäre Ronan nicht immer noch alles was er sich jemals gewünscht hatte, als wäre es nicht echt wenn er ihn küsste, oder sich in seine Arme flüchtete, aber ganz so einfach war das alles nun auch wieder nicht.

      "Fragen?", Caelan war kur verwirrt und sah zu wie Ronan sich an einer Truhe zu schaffen machte und ein Bündel Stoff herauszog. "Ah... naja du warst nicht da." Und Caelan wollte nicht nackt vor ihm stehen. Ronan hielt die Kleidung für Caelans Körper, er konnte nun wirklich nicht beurteilen ob diese sitzen würden. "Ah, äh... okay.", antwortete er. Das Essen war also erst einmal hinten angestellt und Caelan legte die Kleidung, die er gerade erst angelegt hatte, wieder ab, wenn auch etwas zögerlich, aber gleichzeitig hastig, weil er nicht zögerlich wirken wollte. Dann schlüpfte er in die Kleidung die Ronan ihm hinhielt. Er vermisste seine ganz normale Kleidung wenn er ehrlich war, aber er musste sich wohl daran gewöhnen. Jetzt wo sie so nebeneinander standen stellte Caelan fest, dass er am Ende doch größer war als Ronan. Die Größe musste sein Sohl wohl von seiner Mutter geerbt haben.
    • Wenn er daran zurückdachte, dann war er in gefühlt jeder Lebenslage neidisch auf diesen Mann gewesen. Das Lächeln, die Zuversicht, das Selbstvertrauen - er wollte sich in Caelan ertränken, als wäre das irgendwie möglich und er konnte nicht glauben, dass er nach so langer Zeit nicht mehr hörte, als sich selbst und sein Röcheln, als seine Lunge durch die kalte thrianische Luft rasselte wie das Spielzeug eines Kindes. Nie waren sie gleich gewesen, nicht weil sie es nicht sein wollten - sie waren schon immer von Grund auf verschieden gewesen und Rikiya war es leid gewesen, sich damals einzureden, er würde etwas besseres werden, wenn man ihn nur umhegte, sich um ihn sorgte und ihm das gab, wonach er suchte, ohne, dass er dafür jemals einen Finger krümmen musste. Geflohen war er, ohne ein Wort und versucht hatte er es nie, Caelan darüber zu informieren, was wirklich mit ihm geschehen war - er hatte nicht mehr als die Schuld, die er seit seiner Jugend auf sich lud und nun wollte er wohl, dass Caelan ihm all das wieder abnahm, weil es so einfach war. Nichts von alledem hatte er verdient. "Davor oder danach, aber ich verstehe, dass du auch nicht ewig in der Wanne hocken wolltest." Seine Haut würde sich noch lösen, weichte er sich zu lange darin auf.

      Bedacht sah er weg, als Caelan sich ihm entblößte und dann in die Kleidung stieg, die ihm nicht wie angegossen aber doch einigermaßen passen sollte - er behielt wohl recht, Nayantai war ungefähr gleich groß wie Caelan und zumindest damals auch ähnlich gebaut. Schmunzelnd legte er Hand an, um die zwei Schichten mit den richtigen Knoten zu befestigen und kaum war auch diese Hürde überwältigt, so grinste er krumm. "Du siehst nicht so zufrieden aus, alles in Ordnung?", hinterfragte er erneut, als wäre ihm etwas aufgefallen. War er zu hastig und übereifrig? Rikiya war gut darin, sich selbst zu vergessen und andere zu priorisieren, so, wie es ein König sein sollte - nur, dass das eine angeborene Macke Ronans war. "Tut mir leid, ich wollte dich nicht vom essen abhalten. Komm, setz dich.", bot er Caelan schließlich an. Den Wink mit dem Zaunpfahl als er seinen Kopf in Richtung seines Bettes, oder der Form eines Bettes, deutete war wohl unmissverständlich. "Außer du sitzt lieber am Tisch?" Was wollte Caelan eigentlich? Er schien sich wieder mit den Dingen zufrieden zu geben, die Ronan wollte.
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    • "Oh uh... ich habe dich schon um zu viel gebeten.", erwiderte Caelan der Ronan wirklich nicht noch mehr Umstände machen wollte. Ein Bad, etwas zu trinken, etwas zu essen, einen sicheren Ort. Das reichte nun wirklich, er musste ihm nicht auch noch alles andere geben, Caelan war alt genug um irgendwie auf sich selbst aufzupassen. Dann hätte er seine Kleidung eben gewaschen, wenn er Gelegenheit bekommen hätte, aber im Moment war er eigentlich gar nicht sicher, ob er dieses Zelt in nächster Zeit verlassen sollte, oder durfte. Ronan hielt ihn sicher nicht gefangen und doch hatte er unter seinem Volk keinen Platz. Wie würde das auch aussehen wenn er aus und in das Zelt des Königs spazierte wie es ihm passte? Aber Ronan wollte ihn wohl auch nicht irgendwo anders haben. Caelan wüde sich schon ein kleines, mikriges Zelt aufstellen können, dort am Rande der Siedlung verweilen und einfach allen aus dem Weg gehen.

      Caelan sah Ronan dabei zu wie er ihm die Kleidung fest machte, war allerdings von der Frage überrumpelt. "Ich... ähm... mach dir keine Sorgen." Das war keine Erklärung auch keine Verneinung. Caelan hatte einfach zu viel was ihm im Kopf herumschwirrte. Das hin und her zwischen ihnen, das Verlangen, die Pflicht, Caelan wusste nicht recht wie er das alles unter einen Hut bringen sollte und noch wenige wusste er, wie er damit umgehen sollte, dass sein ganzes Leben eine Lüge gewesen war. Caelen nickte als Ronan ihm deutete ihm zu folgen und sich zu setzen. "Nein, das passt schon.", murmelte Caelan und setzte sich auf Ronans Bett. Wirklich hungrig war er nicht, aber er begann trotzdem zu essen, nur um zu versuchen ein Husten zu unterdrücken. "Das ist... ganz schön scharf...", äußerte er heiser, ohne sich beschweren zu wollen.
    • “Wenn es zu viel wäre dann hätte ich dir das schon gesagt.”, erwiderte er Caelan. Ehrlich gesagt waren ihm solche Dinge nicht zu viel - er war kein Nesthäkchen mehr, um das man sich Tagein und Tagaus kümmern musste; er wusste, was er wollte, oder wie viel davon und er konnte eigentlich auch sagen, dass er nicht komplett verrückt war, nur weil er die Nähe zu Caelan suchte. “Du zierst dich so. Machst du dir wirklich noch immer Gedanken darüber ob du dir das alles erlauben kannst, ob dir das zusteht? So kenne ich dich sonst nicht.” Es schien gar unmöglich Caelan aus seiner Reserve zu locke und Rikiya musste sich eingestehen, dass er sich ein wenig so fühlte, als wäre er derjenige der gerade den Verstand verlor und nicht andersrum. Was machte er nur mit diesem Mann? Was hatte ihm damals geholfen? Er wollte dieses bodenlose Fass nicht schon wieder aufmachen, einfach, weil ihm klar war, dass sie beide sich keinen Gefallen damit taten, sich ewig und drei Tage am gleichen Szenario die ohnehin müden Zähne auszubeißen. Was für ein Idiot er doch war.

      Wirklich glauben konnte er diesem Mann nicht - nicht, weil er ihm gegenüber misstrauisch war oder ihre Herkunft und ihre Taten voraussetzten, dass sie einander nicht trauen konnten, nein. Es war so offensichtlich, dass Caelan etwas auf der Brust lag und es war noch offensichtlicher, dass er nicht damit umzugehen wusste. Rikiya griff nach seiner Hand und drückte sie leicht. “Ich mache mir nie nicht um dich Sorgen.”, gestand er ihm, als er Caelans Blick suchte und ihn warm anlächelte. Munterte ihn das auf? Hoffentlich tat es das, aber selbst wenn nicht, dann wollte er nicht einfach nur still herumsitzen. Gerade noch verlor er sich in diesen Gedanken, in seinen Fantasien wie er Caelan aus diesem Sumpf befreite, als wäre er wirklich in einem Märchen gefangen und dann, alsbald er darin schwelgte, hörte er das Husten. Oh. “Ah, ich … thrianisches Essen ist ziemlich scharf. Ich vergesse das immer. Willst du Wasser? Milch? Weniger scharfen Eintopf? Sag nur, was dir lieber ist - und bevor du es auch nur in Erwägung ziehst: Nein, es ist nicht umständlich und nein, du fällst keinem zur Last.”, bereitete er Caelan darauf vor, dass er seinen Kopf nicht so leicht aus dieser Schlinge ziehen konnte. “Tut mir leid, ich hatte das ganz vergessen. Irgendwann fällt dir das einfach nicht mehr auf.”
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    • "Hättest du nicht.", lächelte Caelan, aber er wusste Ronans Worte zu schätzen. Ronan hatte seine eigenen Probleme schon immer herunter gespielt. Genau genommen hatte Caelan das auch, weil er immer das Gefühl hatte, dass es Ronan viel schwerer im Leben hatte und Caelan sich nur wegen Kleinigkeiten beschwerte. Caelan blickte auf zu Ronan und seufzte leise. "Tut mir Leid.", murmelte er. Er wollte nicht schwierig sein und er wollte Ronan nicht die Freude an ihrem Wiedersehen verderben. Er hatte ihm gesagt er würde versuchen zumindest für heute alles hinter sich zu lassen, aber das war nicht so einfach. "Damals habe ich mir auch nichts zu Schulden kommen lassen, außer vielleicht einen Unfall, bei dem du verletzt wurdest." Und selbst das war ein Unfall gewesen, nicht mehr und nicht weniger. "Es tut mir Leid, ich versuche das alles erst einmal zu vergessen.", entschuldigte er sich noch einmal und versuchte dabei zumindest entschlossen zu klingen. Selbst dieses Bett, war es wirklich okay in diesem zu sitzen? Der Grund warum Ronan es jetzt überhaupt teilen konnte, war dass er seine Frau verloren hatte und Caelan hatte seinen Anteil daran. Trat er damit ihr Andenken nicht mit Füßen?

      Caelan sah zu seiner eigenen Hand die nun in Ronans lag. Er sah ihn an und lächelte leicht zurück. Er wusste seine Fürsorge zu schätzen und war froh nicht alleine zu sein, dennoch fühlte er sich gleichzeitig so, als würden all die Toten mit noch mehr Kraft als sonst an ihm zerren und verlangen, dass er zu ihnen stieß um seine gerechte Strafe anzunehmen. Er kannte Ronans Familie nicht und doch schrie alles in diesem Zelt nach ihnen. "Nein, nein, ist schon in Ordnung. Ich war nur nich darauf vorbereitet.", entgenete er immer noch ein wenig heiser und räsuperte sich alsbald. Er würde das schon essen können und sich an die Schärfe gewöhnen. Etwas Selbstgeißelung kam ihm gerade auch sehr recht. "Hah... kein Problem. Es wundert mich, dass du hier nicht verhungert bist. Erst die Kälte, dann die Schärfe, du hast dich wirklich verändert. Stärker siehst du auch aus, nicht dass du es nicht gewesen wärst, aber du warst nie sonderlich trainiert, das war meine Aufgabe..." Caelan lachte leise, seine müden Augen lagen für einen Moment auf Ronan, bevor er sich wieder der Schüssel zuwandte.
    • “Das würde ich nie, aber nicht nur, weil ich dich liebe.” Oder geliebt hatte. Rikiya wusste ganz genau, dass er nie jemandem zur Last fallen oder die Suppe versalzen wollte. Mehr als in einer scheinheiligen Welt zu leben wünschten sich die Meisten nicht und doch war ihm klar, dass er sich das nicht auch noch erlauben konnte. Sie verloren Kämpfe öfter, als dass sie sie je gewonnen hatten, dennoch fühlte er sich gerade so, als kämpfte er gegen einen einzigen Mann, der unbewaffnet und mit müden Augen noch dort stand, das Schlachtfeld nicht verlassen konnte - oder wollte - und sich umso mehr Sorgen machte, sie würden sich doch noch gegenseitig an sie Gurgel fassen. “Du musst sich nicht entschuldigen. Natürlich verbiete ich es dir nicht, wenn du dich dadurch besser fühlst, aber nur meinetwegen ist das nichts, das du dir antun musst.”, erklärte er murmelnd, gefolgt von einem tiefen, traurigen und besorgtem Seufzer. Caelan machte ihm Angst. Nicht, weil er nicht mehr der Alte war oder ihn teilweise so komisch, mit zusammengekniffenen und verblitzten Augen anstarrte, sondern weil sein Herz für ihn blutete. Ihn und diese krummen Ideen, die sich in seinem Hirn und seiner Brust festsetzten. “Bist du dir sicher? Ich habe immer ein offenes Ohr für dich.” Bis die Hölle zufror.

      Rikiya konnte sich nicht ausmalen wie wenig er dieses Leben genießen würde, wäre er wirklich darin bestätigt worden, dass dieser Mann nicht mehr existierte - Caelan hatte es nicht verdient, einfach so sein Ende zu finden. “Du sagst das nicht nur, weil du nicht willst, dass ich mir die Mühe mache, oder?”, harkte er beiläufig nach und griff nach seiner eigenen Schüssel, einen Schluck Eintopf herunterzuwürgen. Essen war ihm wirklich noch nie lieb, angetrunken oder nicht. Kaum zwang er sich dazu, ergriff Caelan das Wort - sie flossen aus ihm heraus, wie aus einer Quelle und versiegten genau so schnell. Dabei waren Rikiyas Augen weit aufgerissen, als hörte er gerade unsägliches. Stattdessen schmunzelte er, bis es in ein Lachen überging, herzhaft und einladend wie er nun einmal sein konnte. Den Blick erhaschte er nur bedingt, bevor er den Kopf schüttelte. “Ich bin ziemlich anpassungsfähig, was all das anbelangt, aber nach gewachsen bin ich dir wirklich nicht. Ich wette, du könntest mich noch immer mit Leichtigkeit durch die Gegend tragen.”, lachte er und zwinkerte Caelan dabei zu, ehe er sich auch seinem Essen widmete. Wie fade, er konnte es schon nicht mehr schmecken. Kurzerhand legte er den Kopf an die Seite und betete ihn an Caelans Schulter. Rikiya hatte all das so sehr vermisst.
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    • "Ich weiß, ich weiß...", murmelte Caelan, der es irgendwie nicht akzeptieren, oder verstehen konnte, wie man ihm alles so einfach verzeihen konnte und wie man ihn immer noch beschützen wollte. Hätte Ronan Ina oder Rain getötet, wäre er dann ebenso verständnisvoll? Würde er das einfach verstehen können? Vielmehr glaubte er, er hätte Ronan laufen lassen, aber hätte ihn nie wieder sehen wollen. Selbst lieben konnte er ihn scheinbar nicht so sehr wie Ronan es verdient hatte. Verdammt. "Ich... ich weiß." Aber Ronan sprach nicht für die Toten, zumindest nicht für alle. Wölfe und Schafe gleichermaßen standen Schlange um Caelan in die Hölle zu ziehen, um ihn bei lebendigem Leib zu fressen, bis ans Ende der Zeit. Caelan war sicher, dass dies sein Schicksal war, aber nicht Ronans. Oh er wollte die Ewigkeit bei ihm verbringen, aber wie konnte er? "Nein, ich... du wolltest unser Wiedersehen feiern und ich ruiniere das. Tut mir Leid. Ich habe dich so lange gesucht, glaube nicht, ich wäre nicht froh dich zu sehen, bitte." Caelan klang beinahe ein wenig verzweifelt, als würde Ronan ihn vor die Tür setzen, wenn er sich nicht entsprechend verhielt.

      "Nein, es ist wirklich in Ordnung. Wenn überhaupt, dann will ich einfach nicht, dass du schon wieder irgendwoanders hingehst und ich hier alleine sitzen muss." Caelan wollte nicht alleine sein. Rain war immer noch nicht gänzlich in Sicherheit, aber scheinbar sicher genug und damit verlor Caelan seinen Grund sich zusammenzureißen, stark zu sein und alles dafür zu tun ihn zu finden. Die Welt brach schon seit geraumer Zeit immer und immer wieder über ihn herein, in Myriad, in der eisigen Kälte, auf dem Weg hierher, aber jetzt gerade brach seine Welt noch mehr zusammen und die Mauern die ihn bisher vor der Flut beschützt hatten, waren fort. "Ich muss vielleicht ein wenig an mir arbeiten, ich war so lange ans Bett gefesselt...", murmelte er und auch wenn er nicht viel gegessen hatte, stellte er die Schüssel beiseite. Caelans Herz schlug wie wild, diesmal wohl nicht wegen Ronan, viel mehr war er es der ihn beruhigte, Caelan legte seinen Kopf sanft gegen Ronans und griff nach dessen Hand die er bestimmt ein wenig zu fest drückte.
    • Nicht einmal jetzt wollte er sich wirklich ausmalen, wieso Caelan so sehr an diesem verruchten Stolz hing, der ihn mit jedweder Missetat in seinem Leben verband. Rikiya konnte kaum glauben, dass er so über ihn urteilte und doch konnte er nicht behaupten, er war sonderlich von dieser Art von Verhalten angetan - nicht, weil er Caelan die Reue nicht erlaubte, die er an den Tag legte und auch nicht, weil er nicht glaubte, dass sie beide so nicht kompatibel wären. Es war idiotisch, wirklich, dass sie beide glaubten, sie würden nicht mehr zueinander passen und noch dümmer war, dass sie keinerlei Ahnung hatten, ob das wirklich die Wahrheit war. "Du lässt dich ziemlich einfach breitschlagen.", gestand er eben heraus, als würde es etwas daran ändern, dass sie beide aneinander klebten, als hätten sie nie eine Pause einlegen müssen und als würde es keinen Sinn machen, wenn sie sich wieder trennten. Rikiya wünschte sich noch immer, er würde diese eingekochte Suppe an Emotionen, die ihm immer wieder aufstieß, einfach herunterwürgen können um die Realität auch als solche anzuerkennen. Konnte ihn Caelan nicht kneifen, ihm aufzeigen, was er eigentlich falsch machte und ihn wachrütteln, irgendwo in seinem Bett in Alster, in dem er sich immer verkroch wenn er die Welt nicht sehen wollte? "Ruinieren? Du wolltest anstoßen, ich bin einfach nur übereifrig. Du hast ein Recht auf all die Emotionen, die du fühlst - Trauer, Wut, Schmerz. Aber die sollten dir die Freude und Liebe nicht absprechen. Du ruinierst gar nichts, egal wie du reagierst.", erwiderte er.

      Schließlich zwang er sich dazu, den Eintopf auszutrinken und die Schüssel beiseite zu stellen, damit er nicht mehr an ihr klammerte oder an die Brühe denken musste, der er nichts mehr abgewann. Ronan wollte seinen Augen, Ohren und Händen heute nur mehr eines zu Gemüte führen - Caelan. Mehr als das brauchte es gerade wirklich nicht und weniger als das konnte er sich nicht leisten. "Wir können auch zusammen irgendwoanders hingehen, vielleicht würde uns beiden ein Spaziergang ganz gut tun.", schlug er lächelnd vor, wohlwissend, dass sie beide müde und erschöpft waren. Körperlich? Rikiya sicher, Caelan vermutlich, aber geistig war das hier alles mehr Aufwand als es jemals sein musste, so viel stand fest - jemanden zu lieben, der zuerst tot, dann lebendig und jetzt vielleicht wieder tot wäre war nun einmal nicht gerade Balsam für unruhige Seelen. "Egal wie oder wo, ich bin immer für dich da - das verspreche ich dir dieses Mal wirklich. Selbst, wenn du das nicht mehr wollen würdest.", nuschelte Rikiya und ließ den überproportionierten Welpen tun und lassen, was er nicht wollte. Seine Hand war schlimmeres gewohnt, der Druck war beinahe schon angenehm, besah er sich diesem als solchen. Rikiya konnte nicht anders, als Caelans Hand im Gegenzug zu drücken und sich darüber zu freuen. "Weißt du, ich habe das hier vermisst ... vielleicht nicht dich, wie du dich damit plagst, dass du in einem Bett herumliegst, aber die Zweisamkeit und dich selbst." Seine Stimme klang dünn und doch bedacht. Schlussendlich wollte er nicht mehr, als nie wieder loszulassen. "Willst du dich zu mir legen, damit ich dich ein bisschen besser halten kann?", schlug er vor, als wäre nichts dabei, den großen Mann in die Arme zu schließen.
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    • Caelan hatte sich immer schon schnell von Ronan überzeugen lassen. Damals wie auch jetzt glaubte er, dass er besser daran tat das Denken anderen Leuten zu überlassen. Auch wenn Ronan manchmal zu emotional und träumerisch war, Caelan wollte an seine Träume glauben, an eine Zukunft die er sich selbst nicht ausmalen konnte. Er konnte sich nicht recht vorstellen wie er weitermachen sollte, hier von allen Orten auf dieser Welt, an dem nur Menschen lebten denen allen er so viel genommen hatte. Er fragte sich ob er sich besser fühlen würde, würde man ihn tatsächlich dafür bestrafen, statt alles hinter sich zu lassen als wäre nichts geschehen. Er fragte sich, ob es einfacher wäre, wäre Ronan wütend auf ihn, würde ihn zum Teufel schicken, ihm vielleicht zumindest eine Ohrfeige für seine Dummheit geben. Stattdessen nötigte Caelan ihn dazu ihn auch noch zu trösten, als wäre Caelan derjenige der die Hälfte seiner Familie an diesen Krieg verloren hatte. Er sah Ronan an. "Und du? Schluckst du nicht gerade zu viel herunter?", fragte er ihn gerade heraus.

      Ein Spaziergang war vermutlich das Letzte das Caelan wollte. Etwas frische Luft täte ihm bestimmt gut, aber er fühlte sich gerade nicht dazu in der Lage irgendjemandem da draußen gegenüberzutreten, noch glaubte er, dass sie beide bereit dazu waren einander vor anderen zu verleugnen. "Nein. Hier ist gut.", erwiderte er deshalb. "Natürlich will ich das noch, wieso sollte ich nicht.", murmelte Caelan ein wenig verletzt von der Annahme. Er legte seine Hand auf Ronans Wange und zog ihn näher. Seine Stirn mit den immer noch feuchten Haaren drückte er gegen die seines tot geglaubten Geliebten und er schloss die Augen. Wie verrückt und unglaublich diese Situation doch war und Caelan fragte sich immer noch, ob er dies alles nicht nur in seinem Fieber erträumte und selbst wenn nicht, dann fürchtete er, dass er nichts weiter als Unheil über ihn brachte. Der Kloß in seinem Hals und der Druck in seiner Brust ließen nicht ab. "Ich habe dich auch vermisst... jeden Tag den ich hier draußen war, jedes Mal wenn ich in die Sterne gesehen habe, jedes Mal wenn ich nicht weiter wusste...", erwiderte er mit zitternder Stimme. Er nickte und ließ sich von Ronan in das Bett ziehen, dorthin wo er ihn haben wollte und flüchtete sich alsbald in dessen Arme.
    • Diesen Mann sein ein und alles, sein fehlendes Puzzlestück und seine missratene Hoffnung zu nennen wäre wohl eher etwas, das er sich erlauben konnte, lehnte er sich ein gutes Stück zu weit aus dem Fenster. Nicht, dass er das nicht wollte - er glaubte nicht, er könnte die innere Landschaft Caelans jemals zufriedenstellend auf Papier bringen, weder hier noch in Alster, nicht im letzten, nicht in diesem und auch nicht im nächsten Leben. Argwöhnisch war der Tumult im Inneren dieses Mannes der so oft und so sehr zu versuchen schien, sich nicht einfach ausreden zu lassen, dass er seine Schuld herunterschlucken und seine Sünden beiläufig versenken könnte, weil er sich im Endeffekt den Menschen aufopferte, denen er vor gar nicht all zu langer Zeit geschadet hatte. Rikiya maßte sich vielleicht zu viel an, sprach er ihn einfach so frei und gab vor, das rabiate Biest in seinen Armen - der Schafbock mit den abgebrochenen Hörnern und dem Wolfsblut in der verfilzten Wolle - war nicht mehr als ein Kuscheltier, das wirklich nie einer Person etwas zu leide täte. "Zu viel? Nein, ich glaube eigentlich, es geht. Ich weiß, dass du das nicht hören willst, dass ich dir einfach so alles durchgehen lasse, aber meine Meinung wird nichts auf dieser Welt ändern.", gestand er Caelan, ohne mit der Wimper zu zucken. Wieso zeit vergeuden, die sie ohnehin hatten?

      Dass seine Idee eines Spaziergangs keine Früchte trug war so offensichtlich wie die Annahme, er hatte noch Gefühle für einen Mann, den er nie aus seinem Kopf bekommen konnte - auch, wenn er gedanklich nicht mehr an Caelan klebte, sich in eine Frau verliebte und seine Kinder von ganzem Herzen bei sich wusste, wo konnte er sich selbst vielleicht nicht verzeihen. War es denn ein Fiebertraum, den er hier auslebte oder vielleicht war er sich noch immer nicht im Reinen mit sich selbst? "Das dachte ich mir fast.", neckte er Caelan mit einem Lächeln. "Wer weiß - du siehst gerade so aus, als würdest du innerlich zerreißen, wenn ich dich loslasse." Ehrlich gesagt war das aber auch nicht schwer mitzubekommen - entweder, Caelan war einfach schlecht darin, es zu verstecken oder er machte sich die Mühe nicht, weil Ronan ihn in jeder Lebenslage akzeptierte, schon immer und immer wieder. Ihm das gleiche Maß an Respekt entgegenzubringen war wirklich nicht schwer. Jetzt flüchtete er sich mit ihm in sein Bett, weg von all den krummen Gedanken und forschenden Blicken - er breitete seine Arme aus, um Caelan darin zu empfangen und zog ihn an sich, als wäre er ein Stück Treibholz im offenen Meer an das er sich klammern musste, um zu überleben. "Jedes Mal, wenn ich an meine Vergangenheit gedacht habe und immer dann, wenn ich nicht mehr weiter wusste, wenn ich dachte, es wäre besser wenn ich einfach nicht mehr wäre ... uns ging es gar nicht so unähnlich." Sie waren beide wohl zwei Seiten einer einzigen Münze, die sich für keine Seite entscheiden konnte als sie fiel. "Nie wieder will ich das.", gestand er, verschluckte seine Gefühle wie bittere Medizin und strich dem Riesen über den Rücken, kaum setzte er ihn in seiner Umarmung fest.
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    • "Ich weiß nicht, ob ich dasselbe für dich getan hätte...", murmelte er beschämt. Seine unzähmbare Wut hatte ihn doch erst in diese Misere geritten, wäre er wirklich in der Lage Ronan zu verzeihen, hätte er Rain etwas angetan? Oder hätte er ihn hier und auf der Stelle niedergestreckt? Er liebte ihn immer noch, von ganzem Herzen, er hatte ihn nie vergessen und war nie über ihn hinweggekommen und niemals wieder hatte er jemanden so sehr geliebt wie er Ronan geliebt hatte. Gerade fühlte es sich aber so an als wäre es nicht genug, als könne er Ronan nicht so sehr lieben wie er es verdient hatte und wie er Caelan liebte. "Du bist zu gut zu mir." Alles was er Ronan noch geben konnte war seine Gesellschaft und seine Liebe, die er offenbar immer noch wollte, aber selbst das erwies sich als schwierig, konnte er doch nichts im Gegenzug annehmen. Immer noch fragte er sich, wieso sie beide dieses Schicksal verdient hatten, wieso das Schicksal sie auseinander riss, nur um sie nach all diesen Jahren so wieder zusammenzuführen.

      "Ich..." Caelan schluckte, er war leicht durchschaubar und Ronan kannte ihn noch immer gut. Es war nicht so, als wollte er ihm nicht sagen was ihn plagte, vielmehr war es so, dass Caelan nicht die richtigen Worte fand. Worte die Ronan nicht verletzten und ihn auch nicht dazu brachten Caelan noch sanfter und mitfühlender zu behandeln. Caelans klammerte sich an den anderen Mann und drückte ihn fest an sich. Er hatte sich so oft so alleine gefühlt, mehr noch seit Ina gestorben war, aber jedes Mal wenn er etwas zu genießen schien, jedes Mal, wenn er etwas auch für sich selbst tat, oder tun wollte, da sagte ihm sein Kopf nein, er hätte es nicht verdient. All die Toten zerrten an ihm, fragten ihn wie er sich etwas Glück erlauben konnte, nachdem er ihnen ihre Zukunft geraubt hatte ohne mit der Wimper zu zucken. Es spielte keine Rolle ob es war was Ronan wollte, ob Ronan etwas Glück und eine Umarmung verdiente, solange Caelan sich ebenso wohl fühlte. War es unfair, dass seine Liebe zu Ronan neu erblühte wie eine Rose, nur um zu verwelken und zu Staub zu zerfallen sobald Caelan danach zu greifen versuchte? "Es tut mir alles... so sehr Leid...", war alles was er nur immer und immer wiederholen konnte, auch wenn Ronan es bereits leid war es zu hören. Es gab keinen Grund seine Tränen zu verstecken als er sich ein wenig löste. Caelan griff nach Ronans Hand, nahm sie in beide Hände und drückte sie sanft an seine Brust. Immer noch fehlten ihm die Worte, er wusste nicht, wo er anfangen sollte. "Nach allem was passiert ist... hast du alles verdient was du möchtest. Ich möchte dir alles von mir schenken, dich lieben, dir alles geben und mehr..." Caelan atmete zitternd ein. "... aber es... du... du machst auch mich glücklich, du bist alles was ich solange wollte, solange gesucht habe und... wenn du mich tröstest, wenn du mich hältst und mich umarmst, ich..." Caelan drückte Ronans Hand ein wenig fester. "... wie vielen Familien, wie vielen Geliebten habe ich diese Chance, dieses Gefühl genommen? Wie kann ich hier mit dir liegen und mir das Recht herausnehmen glücklich zu sein? Es fühlt sich an als zerrten mich die Toten bereits in den Abgrund, als würden sie mich dafür verfluchen zu haben, was sie niemals wieder haben konnten, oder niemals hatten. Eine Zukunft. Ein Zuhause. Eine Familie. Und es tut mir Leid, weil du all das verdient hast, weil ich auch dir diese Dinge genommen habe." Caelan atmete fest aus, dann zitternd wieder ein. "Und selbst jetzt gewähre ich dir keinen Moment der Ruhe, keinen Moment des Glücks." Ronan hatte ihn bereits durchschaut, wusste, dass ihn etwas innerlich zerriss und Caelan sah keinen Ausweg, keinen richtigen Weg und auch Ina war nicht hier um ihm zu sagen was er tun sollte.
    • "Meinst du? Der Caelan den ich kannte würde wohl alles dafür geben, mir alles im Leben recht zu machen. Nicht, dass der Caelan, den ich jetzt vor mir habe, schlechter wäre. Ganz im Gegenteil - du solltest dir solche Flausen nicht erst einreden." Sein eigener Kopf und dieselben Gedanken, die sie beide peinigen würden, ließen sie sich auf diese Art des Denkens ein, würde ihnen nur Unheil bescheren. Wut, Trauer, Hass - bündelte man all das, so würde einem schon bald klar werden, wie verworren sein Leben eigentlich sein konnte und wie sehr man sich von Emotionen leiten ließ, die sich nicht eigens legten. Rikiya wollte nicht, dass er sich dabei erwischte, wie er Caelan seine eigene, innere Welt und all die Gefühle absprach, die ihrer Leben nun einmal wie altes Glas an die Küste ihres Geistes schwemmte - er wollte dennoch auch nicht, dass er sich einbilden musste, über ihm würde der Galgen warten und der Strick würde sich um seinen Hals legen, sobald er sich auch nur eine Sekunde lang auf irgendwelchen vorgelebten Schabernack einließ. "Und du schmeichelst mir zu sehr. Jemand, der dich einst geliebt hat, könnte und würde dich gar nicht erst wieder hergeben wollen.", erwiderte Rikiya ihm grinsend. Caelan würde dort bleiben, wo er jetzt auch war - an seiner Seite, egal, ob ihm derartige Entscheidungen schmeckten oder nicht; so könnte Ronan sicherstellen, dass es ihm gut ging, dass er nicht den Kopf für seine Dummheiten verlor und, allem voran, dass er sich selbst am Riemen zu reißen wusste, wenn es darauf ankam.

      Mit dem Ruck hätte er rechnen sollen und doch kam er so unerwartet, als Caelan ihn an sich zog wie einen Polster, in dem er kläglich seine verzogene Misere vergießen wollte, als sie ihm aus den Augen tropfte wie heißes Pech, das nicht erst auf seinen Wangen erkalten durfte, wo es Spuren hinterließ. Ronan fühlte sich gebraucht und geliebt, anerkannt und erhört, aber gleichermaßen so, als hätte er gerade ein Regenfass umgetreten, das bis oben hin gefüllt war. Seine Hände rieben leichtgläubig über den strammen Rücken des neu eingekleideten Mannes, hinterließen unsichtbare Muster und Rillen in seinen Gewändern, langsam abebbend. "Ich weiß, dass es dir leid tut. Ich weiß, dass du das so nie wolltest." Ihm die Vergebung, die er nicht akzeptieren wollte, aufzuhalsen, schien also die falsche Entscheidung, die Rikiya sich nun einmal nicht vorwegnehmen konnte - ein König konnte die Trauer seines Volkes weder annullieren, noch sich selbst aufhalsen, eben so wenig wie ihre Wut, die kochen und brodeln musste. Ein König wollte der alte Mann aber weder in dieser Situation, noch jemals wieder einer anderen sein - er wollte mehr, als das Sprachrohr eines fremden Willen zu sein. Caelan riss ihn erneut aus seinen Gedanken, als er das pochende Herz unter seinen Händen spürte, das so sehr gegen seine Rippen hämmerte, Ronan glaubte, er würde den blutenden Klumpen in seinen eigenen Fingern halten, ihn umklammern, spüren, wie Feuer und Flamme sein Liebhaber noch immer war. Er lauschte den aufrichtigen Worten eines gebrochenen und verwirrten Mannes, einer geschundenen Seele, die sich dem Ruß und der Asche in seinem Gefieder entledigte, nur, um anzubieten, ihn sich erneut überzukippen und den seinen mit sich zu nehmen - niemals wäre er es leid, Caelan anzuhören und seinen Ideen Gehör zu schenken und doch war es nicht in seinem Ermessen, ihn auf die Folter zu spannen. Rikiya drückte Caelans Hände, so fest er konnte, glaubte nicht daran, dass ihnen nicht Gutes im Leben blieb und schenkte ihm ein Lächeln, durchtränkt von nichts weiterem als Freud und Leide, zwei Emotionen, die sich selten die Hand geben konnten. "Allein, dass du lebst, macht mich glücklich - dich hier zu wissen, an meiner Seite, dass du deine Meinung einfach so änderst, dass du meine Hände einfach so hältst und dich mir offenbarst, all das wäre, als würde ich träumen. Als wäre nichts davon real. Wenn du mir etwas genommen hast, dann nie wissentlich." Kein Weg war in Stein gemeißelt, kein Pfad vorherbestimmt - Rikiya riss die Hände des bebenden Mannes an sich, um einen Kuss auf beider Handrücken zu platzieren. "Dich bluten zu sehen schmerzt mehr, als alles andere in meinem Leben. Ich kann dir deine Trauer nicht absprechen, aber ich kann mir einen Teil davon selbst aufladen und dir dabei helfen, sie zu tragen. Würdest du mir das erlauben?"
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    • Würde Ronan Caelan wirklich für nichts eintauschen? Seine Familie, die Sicherheit seines Volkes, sein Land? Caelan stellte solche hypothetischen Fragen besser nicht, aber er wusste nicht, ob er Ronan verzeihen könnte, wäre Rain etwas passiert. Er machte es sich zu einfach, tat als wäre Caelan immer noch der Junge von damals und nicht der Mann, der durchaus wesentlich an diesem Krieg beteiligt gewesen war. Wollte er es nicht wahrhaben, oder verzieh er es ihm wirklich? Die Taten eines gesichtslosen Mannes waren wohl einfacher zu verziehen, als wäre er dabei gewesen. Darragh tat seinen Teil zu alledem, aber Caelan konnte nicht alle Verantwortung auf ihn abwälzen, genauso wenig konnte er seinen eigenen Vater für alles was Caelan getan hatte verantwortlich machen. Abgesehen davon gehörte es sich nicht schlecht über die Toten zu sprechen. "Du tust so, als wärst nur du verliebt gewesen.", murmelte Caelan. Natürlich wollte er Ronan, jetzt wo er ihn endlich wieder hatte, auch nicht wieder gehen lassen. Es wirkte vielleicht so, weil es zu viele andere Umstände gab die auch wichtig erschienen, aber ginge es nur nach Caelan, würde er nicht groß darüber nachdenken.

      Würde Caelan jemals aufhören können sich zu entschuldigen? Wohl nicht. Er konnte sich nicht vorstellen, wie er hier bleiben und leben konnte, während er für Ronan so tun musste, als akzeptierte er seine Vergebung. Vielleicht sollte er das, aber er konnte es nicht. Er zwang sich Ronan in die Augen zu sehen als er alles los wurde, das war er ihm zumindest schuldig. Auch wandte er seinen Blick nicht ab, als Ronan ihm seine Antwort verkündete. Ach wie seltsam sich alles doch anfühlte, hier zu liegen umringt von Decken und Fellen, in einem Zelt, dessen Decke an dieser Ecke tief über ihnen hing. Das knistern des Feuers als einziger Begleiter. Es fühlte sich so vertraut und fremd zugleich an. "Wie könnte ich nicht?", fragte er Ronan. Wie konnte er nicht akzeptieren, dass sein ganzen Leben eine Lüge gewesen war? Es reichte, Ronan hier, lebendig zu sehen. Er hasste die Wölfe, weil er dachte, sie hätten ihn getötet, jetzt wo er wusste, dass es nicht so war, wie könnte er noch daran festhalten? "Ich will dir nicht noch mehr aufladen, als es das Schicksal schon getan hat. Du hättest niemals hierher fliehen müssen sollen, du hättest einen besseren Vater verdient und wir beide hätten es verdient zusammen zu sein." Die Welt war nicht fair, zu niemandem und sie waren nicht die Einzigen mit einem verfluchten Schicksal, ohne es selbst verschuldet zu haben. Die Wellen die all das geschlagen hatte waren unglaublich groß. Caelan rückte näher, drückte seine Stirn gegen Ronans und legte seine Hand auf dessen Wange. "Ich wünschte ich könnte die Zeit zurückdrehen, aber das kann ich nicht, ", flüsterte er und schloss seine Augen. Caelan hatte es nicht verdient hier zu sein, hatte es nicht verdient mit Ronan wieder vereint zu werden, aber Ronan verdiente es, wenn es wirklich das war, das er wollte. "Ich möchte an deiner Seite bleiben, solange du mich lässt. Ich weiß, du verlangst nichts von mir, aber ich verspreche dennoch, dass ich alles tun werde, um dieses Platzes auch würdig zu sein. Ich werde dich nicht noch einmal gehen lassen, dich nicht noch einmal mit deinen Problemen alleine lassen... Ich folge dir, egal wohin." Es fühlte sich so gut an Ronan wieder in seinen Armen zu haben und seine Stimme zu hören, die ein bisschen tiefer geworden war. "Es tut mir Leid, dass ich so viel Jammere.", spielte er es hinunter. Genug davon, zumindest für heute. Er hatte Ronan heute schon genug abverlangt. "Ich bin glücklich, dass es dir gut geht und dass wir uns wiedergefunden haben..."
    • Zugvögel, die sich für einen einzigen Partner in ihrem Leben entschieden, mussten wohl ein elendes Schicksal haben - zogen sie weiter, so war die Wahrscheinlichkeit groß, sich aus den Augen zu verlieren, sich für Monate nicht zu sehen und an der Trauer zu Grunde zu gehen. Verweilten sie gemeinsam an einem Ort für den sie nicht gemacht waren, so war klar, dass sie zusammen leiden würden - zusammen froren, ihr durchnässtes Gefieder putzten und auf den Frühling oder aber den Tod warteten. Ronan fühlte sich so, als wäre er davongezogen, in die luftigen, warmen Höhen der Welt und hätte Caelan beim ersten Schulterblick noch hinter sich erhascht, nur um durch eine aufziehende Schneeböe von ihm für immer getrennt zu werden. Wieso war es also, dass der Herzschmerz ihn nicht hinrichtete sondern aufblühen ließ, als wäre der Abstand das, was er nie wollte aber schon immer gebraucht hatte? Und wieso war es der bloße Anblick eines geliebten Mannes, der ihn nach all den Jahren wieder dahinschmelzen ließ, als wäre sein Herz nicht aus dem Eis, aus dem seine neue Heimat bestand? Wie ein weinerliches Kind kam er sich vor, ohne Tugenden und nur mit Flausen im Kopf, kaum überlegte er sich, was es war das sein Herz höher schlagen ließ. "Ich weiß, dass es nicht nur ich war. Aber ich will auch nicht, dass ich dir diese Liebe aufhalse und dich damit erdrücke." Zu viel war geschehen und obwohl Caelan sich sicher schien, ihn noch zu lieben, so wie damals, so wollte Rikiya nicht, dass er die Entscheidung dieses Mannes mit selbstsüchtigen Absichten trübte, weil er sich einbildete, sie beiden waren noch immer dasselbe Herz und dieselbe Seele.

      Amüsiert und doch wehmütig musste Rikiya seufzen, als Caelan ihn darauf hin verwieß, wie sehr sie beide doch gelitten hatten und wie unwahrscheinlich es doch war, dass diese Gefühle sich jemals änderten. Sie konnten ihre Vergangenheit nicht einfach in einem Bach ertränken oder glauben, die Worte über Hoffnung und Zuversicht, die sie einander zuspielten wie abgegriffene Karten, entsprangen dem Brunnen der Wahrheit. Geschundene Seelen, das waren sie beide und doch waren es die vielen Löchern an ihren Ecken und Enden, die sich ihr Füllmaterial schon immer in den Fäden suchten, die an denselben Ecken und Kanten des jeweils anderen abstanden, als würden sie einander Herr wenn sie sich gut genug benahmen. "Trotzdem kannst du dir nicht den Ballast eines ganzen Krieges auf die Schultern legen, ohne mit mir zu teilen.", entgegnete er Caelan, wohlwissend, dass er für sie beide gerade wiederum über Caelans Kopf hinweg entscheiden wollte. Keiner würde mit all diesen Dummheiten gewinnen, noch weniger würde einer von ihnen sich freudig dem anderen ergeben, handelten sie nicht davor schon alles aus. "Und doch können wir nichts davon wieder ungeschehen machen. Ich würde es uns wünschen, könnten wir die Zeit zurückdrehen - ich müsste dich nicht alleine lassen, du würdest dich nicht für eine Seite entscheiden müssen, oder diesen Krieg erst erleben, oder Blut vergießen und danach mit den Konsequenzen leben. Es tut mir leid. All das Leid wollte ich dir nie aufhalsen.", entschuldigte er sich wiederum. Rikiya war schlecht darin, einfach innezuhalten und nicht konstant zu lächeln, schlecht darin, loszulassen und sich nicht zu bemühen, eine Lösung zu finden und noch viel schlechter darin, sich an Caelan zu lehnen und das Gefühl der fremden Stirn auf seiner einfach zu genießen. Ausprobieren wollte er es dennoch. "Ich will nichts mehr, als dich hier bei mir zu wissen, aber ich kann dich auch schlecht dazu zwingen. Willst du das denn? Mit mir für immer und ewig auf das Ende warten?" Entweder das des Krieges oder ihres Lebens, egal was es war, Rikiya würde beides willkommen heißen, so lange es bedeutete, er hatte noch ein-zwei Jahre mit dem Mann, den er so sehr liebte. Sachte schmiegte er sich an Caelan, streichelte ihm über den Rücken und verlor sich in den tiefblauen Augen desjenigen, den er wohl noch nie mehr liebte als gerade eben. "Dass muss es nicht - ich weiß wenigstens, dass du es ernst meinst. Aber das hätte ich ohnehin.", belächelte er die Situation. "Und ich erst ... als Rain meinte, du wärst gestorben, wollte ich das gar nicht erst hören. Ich bin so froh, dass das nicht wahr war - lieber wäre ich mit dir gegangen, als jemals alleine in diesem elenden Leben zu verweilen."
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    • "Das tust du nicht, ich...", Calean seufzte. Er wusste nicht wie er es besser erklären konnte. "Niemals könnte ich behaupten ich hätte irgendwann aufgehört dich zu lieben, habe ich doch dein Schwert bis ans Ende der Welt und zurück getragen. Ich machte mir solche Sorgen, nachdem ich aus dem Meer gefischt wurde, man es mir verständlicherweise weggenommen hatte und ich wusste, niemand würde sich darum scheren, als würde der Rost dich zerfressen und nicht einfach nur ein altes Ding. Bitte glaube nicht, dass ich dich nicht damals wie heute liebe." Alles was er getan hatte, hatte er für Ronan getan, aber das sprach er nicht aus. Die Last war immer noch seine und nicht die in dessen Namen er gemordet hatte, fälschlicherweise. "Ich weiß nicht wie sehr wir uns beide verändert haben, wie gut wir noch zueinander passen, aber ich möchte keine Zeit verschwenden und dort anknüpfen wo wir aufgehört haben, wenn du das möchtest. Ich mache mir nur Sorgen. Alles wäre so einfach, wenn wir die einzigen zwei Menschen auf der Welt wären, aber wir beide haben Vergangenheit und Verantwortung." Ronan mehr noch als Caelan. Der Fürst von Fhaergus hatte sein Land bereits verloren, alles was er noch hatte war sein Sohn.

      Caelans Herz schlug schneller als Ronan sich an ihn schmiegte wie er es früher getan hatte, wie eine Katze die nach Wärme suchte. Er legt wiederum seine Arme um Ronan die schienen als wären sie kürzer geworden, dabei war es wohl vielmehr so, dass Ronan nicht mehr so dünn und zierlich war wie früher. Trotz all den vergangenen Jahren fügten sich Caelans Arme dennoch um Ronans Hüfte und an seinen Rücken als wären sie dafür gemacht, als wären sie zwei Stücke eines Ganzen. Caelan gab erneut nach und brummte lediglich eine Zustimmung. Vielleicht konnte er damit leben so zu tun als wäre er hier drinnen noch jung und Ronan wäre es auch und sobald die Sonne aufging und der König der Wölfe seinen Aufgaben nachgehen musste, dann war er eben das und Caelan war vorerst was auch immer Ronan seinen Leuten erzählen wollte. "Ich weiß. Du wolltest mich nur beschützen..." Wer wusste schon was geschehen wäre hätte Ronan stattdessen den Weg nach Fhaergus eingeschlagen? "Wenn du und Rain mich hier haben möchtet?", antwortete er. Er wollte gerne bei Ronan sein, natürlich und ebenso in der Nähe seines Sohnes. "Vielleicht sollte ich mich nicht hier verstecken und stattdessen zumindest in Erfahrung bringen was in Fhaergus vor sich geht... aber das hat Zeit, bis ich mit Rain darüber sprechen kann." Vorerst konnte er sowieso nur darauf warten, dass er zurückkam, von welchem Vorhaben auch immer. Caelan drückte Ronan sanft an sich. Er wollte ihn nicht mehr loslassen. "Du bleibst besser am Leben, selbst wenn mir etwas zustößt..." So einfach würde er es nicht haben.

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    • "Du?", hinterfragte er knapp. Würde Caelan sich dazu durchringen wollen, ihm etwas zu erzählen, dann würde Rikiya ihm sein Gehör schenken, ohne auch nur einmal daran zu zweifeln - und würde er es für sich behalten wollen, so wäre Ronan auch der Letzte, der ihn dazu zwang, seinem Leid und seiner Missgunst über die Welt kundzutun. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie beide aufeinander trafen war schwindend gering gewesen und doch war Rikiya es, der sich mehr freute, als er je sollte, dass er sich wieder an demjenigen laben konnte, den er schon aus seinem Leben schieden ließ. "Der Rost würde dir aber dennoch nicht die Erinnerungen nehmen, die du an mich hast, gleich wenig, wie er mich wirklich davongestohlen hätte. Allein, dass du dieses Schwert mit dir herumgetragen hast, als wäre es ein lebender Teil von mir, zeigt mir, wie sehr du mich liebst - als dein Mantel immer kleiner und ramponierter wurde und keine Nadel der Welt ihn richten konnte, habe ich ihn endlich abgelegt, weil ich nicht wollte, dass ich auch noch das letzte Stück von dir verliere, das ich hatte. Wir waren uns nie unähnlich." War das ein verworrenes Liebesgeständnis? Sie beide trugen Narben voneinander, die niemals verblassen würden und doch hielten sie sich an läppischen Gegenständen fest, an denen sich der Zahn der Zeit zerrte. Rikiya war müde und gleichzeitig hellwach - als würde Caelan ihm die Energie schenken, die ihm fehlte. "Wenn wir die letzten zwei Menschen wären, dann würde ich dich auch nicht missen wollen, aber wohlan würde es dieses Leben einfacher gestalten. Ach, Caelan, wenn es so etwas einfaches ist, wie dort weiterzumachen, an der Stelle an der wir unterbrochen wurden, dann musst du dich dafür nicht verstellen. In jedem Leben würde ich ja sagen." In diesem Leben gab es ebenfalls kein Nein.

      Noch immer war Caelan wohlig warm wie flackernde Kohle und noch immer war er es, der Ronan Wärme und Trost spendete, die er anderweitig gar nicht erst kannte. Natürlich hatte er mehr als einmal geliebt und doch war Caelan es, der noch immer sein Pendant darstellte - die andere Seite einer Münze, der Schlüssel zu einem Schlüsselloch. Diese Art von Aufmerksamkeit nicht zu genießen war verwerflich, sich nicht an ihn zu lehnen wäre verschwenderisch und sein Gesicht nicht in seiner Halsbeuge vergraben zu wollen fast schon spöttisch - aber lieber sah er ihm in die Augen und ließ seine Hände trunken über jedes Stück seiner Kleidung wandern. "Ich hätte dich nie beschützen können, wäre ich nicht davongerannt. Sich gegen Darragh aufzuhalsen wäre Selbstmord gewesen." Etwas, das er Caelan ersparen wollte und sich selbst nicht anvertraute, weil er doch wusste, dass Hochmut immer vor dem Fall käme. "Ich natürlich, Rain müsstest du wohlan selbst fragen, aber ich glaube nicht, dass er dir das nicht erlauben würde." Nie könnte er sich wirklich vorstellen, dass jemand wie Rain auf seinen Vater weiterhin verzichten wollen würde. Caelan konnte in diesem Zustand keinerlei Fliege etwas zuleide tun und Rikiya glaubte nicht, dass Vergebung so unmöglich war, konnte Rain aber keineswegs die Erlebnisse in seinem Leben absprechen. "Mhm, ich bin sowieso nicht dafür, dass du dich versteckst. Hier musst du gar nichts verstecken und wir brauchen keine dumme Geheimniskrämerei mehr, weil unser Land uns sagt, wen wir lieben dürfen und wen nicht." Die Hoffnung starb zuletzt, gleich wie es die zwei alten, dummen Zugvögel taten, die in diesem klapprigen Nest Zuflucht vor der Realität fanden. "Muss ich denn? Dort, wo du hingehst, will ich ab jetzt auch sein. Dich alleine zu lassen, schon wieder wohlangemerkt, wäre nicht richtig.", murmelte er recht verlegen, bevor er die seinen Lippen auf die Caelans legte. Er wollte nun einmal wirklich nicht so sein, aber ehrlich gesagt glaubte er nicht, sie würden je einen richtigen Nenner finden, wenn sie nur diskutierten.
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    • Ein Schwert und ein Mantel, wie albern und sentimental sie doch waren. Wenn Adrestia ein anderer Ort gewesen wäre, wenn sie hier unter den Wölfen aufgewachsen wären, dann hätten sie sich vielleicht nie voneinander trennen müssen. Sie hätten sich nicht verstecken müssen und Ronans Vater hätte ihm nicht mit seinem Geheimnis drohen können. Caelan fragte sich ob er Rain all dies hätte erzählen sollen, wie viele andere Dinge auch. Er fragte sich ob die Tatsache, dass er sich in einen Wolf, einen Mann verliebt hat schiwerig für ihn war und wie sehr er geglaubt hätte, dass sein Vater ihn dafür hassen würde? Caelan wäre es lieber gewesen es wäre einfacher für ihn gewesen seinem Herzen zu folgen. Die Sache mit dem Wolf hätte er womöglich wirklich nicht verstehen können, aber alles andere war ihm nun wirklich egal. Zumindest bedeutete das, dass seine Ehe mit Ina wohl auch ausgehen hatte wie eine und dass er sein Geheimnis all die Jahre bewahren konnte. "Erinnerungen verblassen... es gab Zeiten da habe ich mich kaum noch an dein Gesicht erinnern können." Es war auch jetzt nicht mehr dasselbe, aber das spielte keine Rolle und seine verdammten Augen, die nicht mehr so Recht funktionieren wollten, machten es einfacher die Lüclen mit Ronans altem Ich zu füllen. "Hm. Genaugenommen mussten wir uns an der Stelle wo wir unterbrochen wurden auch verstecken..."

      Caelan ließ seine Hand sanft über Ronans Rücken und durch die langen Haare wandern. Sie waren so viel länger als er sie kannte, das schien einfach der Mode der Wölfe zu entsprechen und im Vergleich zu anderen die Caelan gesehen hatte, trug Ronan seine noch recht kurz. Caelan war der Meinung, dass sie beide es vielleicht zusammen geschafft hätten, aber er wollte nicht darauf herumreiten. Was geschehen war war bereits geschehen und niemand konnte daran noch etwas ändern. "Ich weiß...", murmelte er deshalb, wusste aber selbst auch nur zu gut zu was dieser Mann einmal in der Lage gewesen war. "Ich werde ihm so einiges erklären müssen." Rain wusste beinahe nichts über Caelan. Er würde ihm von Ronan erzählen müssen, von seiner Ehe mit Ina, von ihren Entscheidungen und deren Gründe. Er würde sich entschuldigen müssen und er war nicht sicher, ob Rain alles davon gutheißen würde, allem voran die Tatsache, dass Caelans und Inas Ehe nicht mit der Liebe gefüllt gewesen war, die er ihr gerne geboten hätte. "Das meine ich nicht. Ich meine, dass ich mich immer noch für Fhaergus verantwortlich fühle, aber von hier aus kann ich nichts ausrichten. Ich denke nicht, dass es meinem Volk unter der Herrschaft eines anderen, unter unserem König, gut geht." Zumindest sollte er sich versichern ob seine Vermutung richtig war. Bevor Caelan Ronan sagen konnte, dass er am Leben bleiben musste, egal ob es ihm gefiel oder nicht, hinderte Ronan ihn daran. Caelan erwiderte den Kuss sanft. Es war still, bis auf das Knistern des Feuers und das Rascheln ihrer Kleidung. Caelan lief ein angenehmer Schauer über den Rücken. Ebenso wie den Kuss eriwderte er auch Ronans sanfte Berührungen.