spellbound. (earinor & akira)

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    • Khojin schaute auf Rain herab, als wäre sie gerade dabei, eine Assel zu begutachten, die es sich unter einem Stein gemütlich gemacht hatte - zu dumm nur, dass sie eben jenen gerade anhob. “Was von ihnen übrig ist, ja.”, gestand sie Rain starr. Alsbald kämpfte Rikiya sich mit Müh und Not aus seiner liegenden Position, saß auf und verzog das Gesicht erneut, ehe er wankelmütig aufstand - er hielt sich am erstbesten Stück, das er halten konnte, fest, was wiederum die Unterlage war, auf die man ihn zuvor gebettet hatte. “Mhm. Hier, ich hab dir ein Souvenir mitgebracht!”, verkündete sie, da grub sie auch schon einen blutbeschmierten Fetzen aus dem Inneren ihrer Bekleidung. Wusch man ihn womöglich ein wenig ab, dann war klar, dass es sich dabei um einen Bruchteil eines Stoffstücks handelte, womöglich eines langen Mantels oder einer missbräuchlich verwendeten Fahne. An ihr hing ein einzelner Orden, den Ersten und Besten den Khojin sich im Getümmel des Gefechts von dem General schnappen konnte. Was brachten einem die Blechdinger überhaupt? Sie sahen langweilig aus, aber vielleicht fand Rain eine besser Verbindung dafür als sie es konnte.

      Rikiya begutachtete das Stück Vergangenheit nicht, ganz im Gegenteil, er wandte seine Augen ab. Die Gefahr schien dementsprechend vorerst gebannt, was wiederum verlauten ließ, dass es Zeit war, durchzuatmen. “Ich gehe nach drüben.”, teilte er Rain und Khojin mit, aber der Heiler, der eigentlich noch ein anderes Wort mit ihm sprechen wollte, schien auch keinen Fuß in die Tür zu bringen, die hier draußen mehr fehlten, als warmes Wasser. Mei grummelte, als sie Rikiya ihre Hilfe aufzwang, weil er beinahe umfiel. “Kommt nach, wenn ihr wollt.”, schlug sie den beiden Kriegsphilosophen vor. “Ansonsten wird das anstrengend.”, gestand Mei, offensichtlich weniger erfreut über das Los, das sie sich selbst soeben aufgezwängt hatte. Rikiya war ein Sturkopf, gleich, wie seine Kinder - nichts und Niemand schien ihn gerade von seiner Unternehmung abzuhalten und wenn er sich den Weg durch den Schnee krallen musste, dann war das eben so.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rikiya kämpfte sich schon wieder auf die Beine. "Du solltest dich ausruhen.", protestierte Rain, wurde aber von Khojin abgelenkt, als diese ihm ein blutiges Stück Stoff in die Hand drückte. "Ah... danke?", erwiderte er, auch wenn er nicht sicher war, ob er das Ding überhaupt haben wollte. Es schien ein Orden daran zu hängen mit dem er auch nicht wirklich etwas anfangen konnte, außer zu bestätigen, dass sie den General wohl erwischt haben mussten, wenn das hier seiner war. So sehr Rain sich auch freute, dass sie die Schlacht gewonnen hatten, er war nicht gerade erfreut darüber, dass im Gegenzug andere Menschen sterben mussten, oder dass Rikiya verletzt war. Nicht, dass seine Landleute besser mit dem Krieg umgingen, sein Vater hatte auch allerlei Dinge mit nach Hause gebracht und teils haben sie auch Menschen nach Myriad gebracht wie es schien. "Bist du verletzt?", wollte er schließlich von Khojin wissen. Es war unmöglich zu erkennen ob all das Blut wirklich nicht auch teils ihr eigenes war.

      Rikiya war inzwischen dabei zu gehen. "Du solltest dich ausruhen!", widersprach Rain, aber er würde wohl nicht auf ihn hören. Mei half ihrem König mit einem laut vernehmbaren Grummeln, das ihn auch nicht dazu bewegte von seinem Plan abzulassen. Sie sagte ihnen sie sollten einfach mitkommen und Rain seufzte leise, ehe er zu Khojin aufsah. Auch einige der anderen folgten dem Geschehen und Rain vernahm ein bisschen Getuschel, das wohl der Tatsache galt, dass auch Khojin sich jetzt scheinbar genug an Rain gewöhnt hatte, um ihm ein Geschenk zu bringen. "Wir müssen immer noch alle hier weg bringen, nicht wahr? Jetzt wo sie wissen wo sie suchen müssen." Das Lager war bestimmt nicht vom einen auf den anderen Tag abgebrochen und doch hatte Rain es scheinbar eilig. "Ich... es tut mir Leid, dass ich mich so eingemischt habe..." Rain neigte hastig seinen Kopf, dann drehte er sich um, um den Mantel zu holen den er schon den ganzen Tag mit sich herumschleppte und nun auch Rikiya hinterher trug.
    • Um sich auszuruhen, dafür war es jetzt auch wieder zu spät. Rikiya wollte von Niemandem hören, was er zu tun und zu lassen hatte, selbst dann nicht, wenn er derjenige war, der im Unrecht war. Wie lange stand er das noch durch? Sein Körper würde sich irgendwann in Fetzen auflösen, so wie er es jetzt eigentlich tun wollte, ganz anders, als sein Geist sein wollte, so schien es immerhin. Wahrscheinlich reagierte er über und es gab nichts, wovon er sich wirklich fürchten musste - er würde leben, eine halbe Ewigkeit lang und danach noch länger, ganz anders als diejenigen, die sein Blut und seinen Namen teilten. Sie alle zu überdauern schien unwahrscheinlich, noch merkwürdiger war es deswegen wohl, dass er sich gerade uneins war, ob er seinen Körper weiter auf die Folter spannen konnte, wenn jeder Atemzug ein dumpfes Klopfen seines Herzes nachahmte. "Ausruhen kann ich mich dann, wenn ich tot bin.", entgegnete er sowohl Rain als auch Mei, die Letztere verzog das Gesicht mit Argwohn und glaubte nicht, dass sie auch nur irgendetwas damit bewirken würde, wenn sie Rikiya sein unverantwortungsvolles Verhalten aufzeigte. Dieser Mann, dieser König, war noch immer Niemand den sie retten konnte. Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich nie.

      "Ich?", fragte Khojin mit heiterem Lachen nach. Rain war schon komisch, nicht wahr? Immer wieder schien er um Dinge besorgt, die gar nicht wichtig waren und wenn es nicht darum ging, dann viel eher darum, dass Khojin glaubte, er vermisste Nayantai und wusste nicht, wo und wie er sich an jemanden klammern konnte, der ihm das Gefühl gab, gesehen und gehört zu werden. Trotz alledem. "Keine Ahnung, ist auch jetzt nicht wichtig. Du flickst das nachher schon.", schlug sie ihm als gleich vor - Khojin fühlte sich nicht so, als ob sie großartig irgendetwas brauchte, außer vielleicht einem eiskalten Bad, gefolgt von kochend heißem Wasser, damit auch das Schafsblut von unter ihren Fingernägeln, das durch die alten Handschuhe gesickert war, verschwand. "Hört einer von euch beiden Rain überhaupt zu?", keifte Mei. Rikiya schüttelte den Kopf. "Ich höre ihn klar und deutlich, aber ich glaube nicht, dass ich unbedingt eine große Hilfe bin, wenn ich nicht einmal alleine herumhinken kann." Irgendwer müsste ihn wohl als Letztes oder als Erstes an den neuen Ort schleppen, aber darüber schien Rikiya weniger besorgt, nicht, als wäre es ihm egal, sondern als hätte er es verlernt, wie man sich beeilte. "Wieso tut dir das leid? Ohne dich wären wir schon längst einen Kopf kürzer.", gab der König noch zu, bevor er mitsamt Mei in sein Zelt stolperte, wo er sich endlich auf seinem Bett niederließ und wieder hinlegte. All das hier abzubauen war irrsinnig, verrückt und aufwendig. Nicht, dass sie ihre nomadische Ader verloren hatten, nein, viel eher hatten sie nicht einmal daran gedacht, dieses verdammte Lager auch nur ein paar Stücke weiter zu verlegen.
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    • Rikiya war uneinsichtig, das hatte er wohl an seine Kinder weitergegeben und Khojin nahm all dies auf die leichte Schulter, als wäre dieser Kampf gerade etwas Gutes gewesen. Sieg hin oder her, niemand schien den Krieg allzu ernst zu nehmen, aber vielleicht war es Rain der verrückt war und sich zu sehr sorgte und dennoch, auch wenn die Armeen Adrestias oft unabhängig voneinander agierten hieß das nicht, dass sie keine Informationen austauschten. Dieser Ort war nicht sicher, auch wenn er glaubte eine ganze Siedlung zu verlegen würde ebenfalls genug Staub aufwirbeln, oder Schnee in diesem Fall. Er blickte zu Khojin auf die nur die Schultern über ihr eigenes Wohlbefinden zuckte. "Du solltest sichergehen bevor sich etwas entzündet. Dein Bruder hat deswegen ein Auge verloren.", ermahnte er sie vielleicht etwas zu schroff, als wäre er ihr Vater und nicht Rikiya, der mehr damit beschäftigt war aus dem Zelt zu seinem eigenen zu flüchten.

      Mei war die Einzige die wieder für ihn Partei ergriff. "Ich denke ein Befehl zu evakuieren muss vom König kommen und nicht von mir.", erwiderte Rain ihm. Er hatte kein Recht das Kommando hier an sich zu reißen und noch weniger Recht hatte er Rikiya zu sagen was er zu tun hatte, aber hierzubleiben war keine Option. "Adrestia ist gespalten, aber das heißt nicht, dass niemand sonst diesen Ort kennt. Wenn sie erfahren, dass Myriads Armee geschlagen wurde, dann werden mehr kommen um sich den Ruhm zu sichern. Wir können diesen Ort nicht verteidigen ohne Mauern, oder Fels, oder sonst irgendetwas Nützliches." Rikiya schien nicht zuhören zu wollen, er hatte damit zu tun sich zu seinem Bett zu schleppen, aber Khojin war ihnen gefolgt und vielleicht hörte sie Rain ja zu. "Ich war niemals in der Position Befehle zu geben, du hast hier das sagen." Hierarchien waren nicht so die Stärke der Thrianer und doch gab es sie. Rain konnte sich nicht prügeln damit ihm jemand zuhörte, er konnte nur solange auf seine Meinung bestehen bis man ihm zuhörte. "Ich weiß ihr vertragt euch nicht gerade mit euren Verwandten im Süden, aber ihre Anführerin konnte mich aus irgendeinem Grund leiden. Wir sollten in ihre Richtung flüchten. Wenn wir den Kampf in ihr Gebiet verschleppen werden sie sich früher oder später einmischen müssen und eventuell kann ich ihr noch mehr anbieten. Wissen über Wezette und die Wälder dort, die Siedlungen..." Das wollte er eigentlich nicht unbedingt, er hatte nichts gegen Wezette einzuwenden und ihr Fürst war Rains Freund, aber wenn ihnen nichts anderes übrig blieb musste es eben sein. "Vielleicht, also..." Rain stoppte sich selbst. Vielleicht sprach er besser erst einmal nicht weiter. Er wandte sich aber an Khojin. "Gab es viele Verluste? Wie viele Kämpfer und Pferde sind übrig? Vielleicht können wir noch ein paar Waffen vom Schlachtfeld sammeln bevor es zu gefährlich wird."
    • Khojin meinte, Rain erinnerte sie ein wenig an eine kleine Ziege - laut und nervtötend, gleichzeitig hatte er wohl auch nicht Unrecht. Ihren Bruder kannte sie ohnehin zu gut und das von dem Schaf geschilderte Verhalten hörte sich nicht uneins zu dem an, das sie von ihm kannte. Nur die Tatsache, dass Nayantai einfältig und dumm war, störte sie gerade mehr, als alles andere. Sie kniff Rain in die Seite, ohne bestimmten Grund. “Mhm. Je mehr du mir von ihm erzählst, desto mehr kommt er mir vor wie ein hirnverbrannter Idiot.”, gestand sie Rain, als ob sie das nicht ohnehin schon wissen konnte. Oft fragte Khojin sich ohnehin, welche der Versionen ihres Bruders sie kannte und welche es war, die Rain attraktiv genug fand um sich gleich an diesen Tölpel zu binden. Verstehen würde Khojin es wohl nie, nicht heute und definitiv nicht morgen. Übermorgen schien noch immer ein schlechter Tag dafür zu sein, oder irrte sie sich? Zugegeben, womöglich - wahrscheinlich machte sie sich gerade Sorgen um Dinge, die eigentlich auch gar nicht relevant waren, oder der Rede wert. Sich gedanklich also nur wegen ihres Bruders daran zu stören, dass sie von Rain ermahnt wurde, machte nichts besser. Rein gar nichts. Jedwede Wunde, die sie haben könnte, wäre ihr vermutlich schon aufgefallen.

      Rikiya bewegte sich unterdessen kaum. Wäre er alleine, so hätte er es vielleicht in Erwägung gezogen seinem Frust kundzutun, nur blieb ihm eben noch im Hinterkopf hängen, dass er unlängst kein kleines Kind mehr war, dass sich über verschüttete Milch aufregen musste. Und damit hast du nicht Unrecht.”, greinte er dennoch, seine Stimme von dem ersten Kissen nachdem er griff gedämpft. Was würde er nur ohne Rain tun? Auf bessere Zeiten und intelligentere Wölfe hoffen? Einfältig waren sie allesamt und als Rain dann auch noch das verruchte Wort erhob, stieg Rikiya Galle vom Magen in den Hals - in den Süden? Dorthin? Wie verrückt war diese Idee denn überhaupt? “Du willst zu den Kannibalen gehen?”, bemerkte Khojin knapp, die sich einen Lappen und ein wenig Wasser aus der bereits erkalteten Teekanne geschnappt hatte, um die groben Rest trockenen Blutes von dich zu weisen. Du hast ihn doch gehört.”, grummelte Mei und Rikiya war auf einmal nicht mehr nach herumliegen zumute. Aufsetzen konnte er sich nicht dennoch nicht, sein Körper entsagte ihm weitere, derartige Anstrengungen. Was für ein Witz. “Vielleicht ist die Idee gar nicht so dumm.”, gab Rikiya zu, zum Entsetzen der beiden Wölfinnen, deren entsetzten Blicke mehr als tausend Worte sprachen. Gut, dass Rain Khojin in Schach hielt und sie auch noch mit Fragen bombadierte. “Ugh. Vermutlich, fünfzehn Pferde? Wir haben nur Verletzte, keine Toten.” Ein Wunder, wenn sie ehrlich waren. “Kämpfer … mh, so viele wie du willst? Wir wollten das Schlachtfeld nachher ohnehin anzünden.” Um die Körper loszuwerden. “Ein paar Waffen mitgehen lassen ist da weniger das Problem.”
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    • "Er hat mich beschützt. Es ist meine Schuld, wenn dann bin ich der Idiot.", verteidigte Rain seinen Liebsten. Es war aber auch nicht wichtig, wichtig war, dass sich alle erholen konnten, dass keiner starb und dass sie sich trotzdem in Sicherheit brachten. Rain wusste nicht wieso Khojin glaubte ihn zwicken zu müssen. Die Wölfe waren wie Kinder und Rain wunderte es auf einmal wenig, dass ihre Chancen so schlecht standen. Khojin kümmerte sich mehr darum ihren Bruder zu beleidigen und Rikiya flüchtete in sein Zelt, statt sich mit seinen Beratern zusammenzusetzen und zu überlegen, was ihre nächsten Schritte sein sollten. Der Kampf war gewonnen, aber den Krieg verloren sie immer noch und diese eine Schlacht sagte nicht viel über ihr Glück aus. Vielleicht hatte Rain zu wenig Erfahrung mit der thrianischen Kultur, vielleicht war eine Siedlung wie diese doch irgendwie zu verteidigen, aber das bezweifelte er und kam eine Armee erst einmal nahe genug an sie heran, dann wurde die Verteidigung nur unmöglich und an Angriff war sowieso nicht mehr zu denken. Besser sie flohen jetzt, statt dann wenn ihnen nichts anderes mehr übrig blieb.

      Rain blickte zu Khojin auf, die wohl genauso wenig Begeisterung für Rains Vorschlag empfand wie die beiden anderen im Raum. "Sie haben Glück, dass ihr Gebiet an Wezette grenzt und nicht etwa an Alster und dass Adrestia ihr Auge gerade auf das Meer im Norden geworfen hat, aber irgendwann wird sie das auch nicht mehr beschützen.", erklärte Rain, auch wenn sie inzwischen wohl zusehen konnten, wie andere Stämme abgeschlachtet wurden, bis sie an der Reihe waren. War Mei nun immer noch auf Rains Seite, oder war das zu viel? Rikiya wies die Idee zumindest nicht völlig von der Hand. Fünfzehn Pferde? Das waren nicht gerade viele und das bedeutete, dass der Großteil zu Fuß flüchten musste, umso mehr mussten sie sich beeilen. Sie konnten sich wohl mehr Ressourcen auf Wezette besorgen, auch wenn das auf ihre Position schließen lassen würde. Andererseits würde wohl niemand Wezette zur Hilfe eilen, zumindest nicht allzu bald... Wie viele Kämpfer brauchte er wohl um... das doppelte mindestens und danach so viele wie möglich. "Woran denkst du?", wollte Mei von ihm wissen, "Nun sag schon." Rain seufzte und zuckte leicht mit den Schultern. "Ich habe nur über einen Weg nachgedacht, wie wir das Blatt in diesem Krieg wenden könnten..." Aber die Idee würde den Wölfen wohl nicht gefallen und außerdem konnte Rain auch nur ein paar Züge vorraus denken und sich nicht alles bis zum Ende durchdenken. Er konnte nicht versprechen, dass seine Idee am Ende zu einem Sieg führen würde und nur weil er einmal richtig gelegen hatte, hieß das noch lange nicht, dass er nicht einfach nur Glück gehabt hatte. "Wie auch immer, ich denke wirklich wir sollten die Siedlung abbrechen und verlegen. Überall ist es sicherer als hier. Vielleicht... Vielleicht kann Khojin mich zu dem Stamm im Süden bringen und ich rede mir ihrer Anführerin."
    • "Das hätte er doch sowieso - er liebt dich. Liebe macht blind, vor allem ihn.", erklärte Khojin gelassen. Sie kannte ihren Bruder, konnte ihn lesen wie ein offenes Buch, selbst dann, wenn er nicht hier war, anhand von Rains Worten, Ausreden und einfältigen Ideen alleine. Wenn es um Nayantai ging, so wollte Khojin behaupten, sie kannte ihn auswendig, besser als jede andere Person, jeder andere Wolf, der die eisige Luft dieser Landschaft atmete, die gefrorenen Hügel auf denen sie als Kinder herumturnten erblickte und die Gestrüppe, die sie im kindlichen Leichtsinn zerrissen hatten, heute noch als Opfer kindlicher Idiotien erkannte. Im Endeffekt fiel ihr ein, dass sie gar nichts über den Mann wusste, der das Gesicht ihres Bruders schleichend über sein eigenes stülpte, dem kein einziger Schabernack oder verschmitztes Lächeln mehr über die Lippen kam - Rain kannte ihn besser, als wäre es nie wichtig gewesen, dass sie zuerst an seiner Seite war, er ihr hinterher watschelte wie ein verlorenes Küken und auf sie hörte, als hätte sie schlichtweg den Respekt seinerseits verdient. Khojin musste sich eingestehen, dass das wahrscheinlich die Wahrheit war. Verrückt, wenn sich nichts verändern würde, oder?

      "Irgendwann?" Khojin konnte sich kein Lachen abverlangen, aber ein Prusten. Rain war einer der wenigen Personen, die sie als verwirrend empfand. Seine Thesen waren nicht unbedingt falsch, das wollte sie gar nicht behaupten, aber die Wahrscheinlichkeit, dass all das hier und jetzt eintrat schien eher in einem Größenverhältnis zu stehen, dessen wirkliches Ausmaß sie nicht abschätzen wollte, so zumindest ihr eigener Gedanke. "Ich denke eher, dass sie die übriggebliebenen Schafe mit Haut und Haar fressen würden, damit ihnen das letzte Stück Essen nicht ausgeht." Sich mit den Kannibalen auf eine Seite zu werfen würde ohnehin für Missmut im Rest des Landes sorgen - keiner von ihnen war gewillt, Zeit mit denjenigen zu verbringen, die sie aus einer imaginären Thronfolge verbannt und aus ihrem Blutrecht enterbt hatten. Nur, weil ein Schaf genau das vorschlug, bedeutete es noch immer nicht, dass es für sie allesamt ein Zuckerschlecken wäre, sich einfach darauf einzulassen, zumal sie ohnehin ein zerrütteter Haufen ohne wirkliche Ahnung waren, was die richtige Kriegstreiberei belangte. Mei war die Argwohn in Rikiyas Stimme, die Skepsis in Khojins Blick gewohnt, aber dass sie beide die Augen aufrissen, als Rain ihnen Dinge vorschlug, die sich so anfühlten, als kämen sie aus dem hintersten Stübchen ihrer irrelevanten Träume, wirkte eher so als gäbe es keinerlei Ratschläge auf dieser Welt, um den dummen Jungen, nein, dem einfältigen Schaf, von seinem Vorhaben abzubringen, dass so irrsinnig schien, wie es wenige der Ideen waren, die heutzutage Rikiyas Gehör fanden. "Vielleicht kann Khojin das, wenn du sie nett fragst.", erwiderte die Kronprinzessin selbst. "Und wenn es für den alten Greis von König in Ordnung ist.", schlug sie unterdessen zugleich vor. Rikiya winkte ab. "Mich dagegen aufzuspielen würde nur von Inkompetenz zeugen. Lasst euch von mir nicht aufhalten ... die Siedlung müssen wir so oder so verlegen. Zumal ich auch wieder nicht so alt und senil bin, dass man mir alles sagen muss, Khojin." Aus seinem Bett aufkommen musste er dafür zwar noch irgendwie, aber das schien ungleich die größere Hürde als alles andere - sein Wort war Gesetz und seine Untertanen hielten sich wohl besser daran. "Gibt es noch irgendwelche Einwände." "Nein.", erwiderte Mei. "Du solltest dich aber dennoch Ausruhen. Dass wir die Siedlung verlegen kann ich ihnen auch noch immer unterbreiten."
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    • Khojin verstand nicht was sie sagte, aber es war auch nicht weiter wichtig. Rain hatte nicht auf Nayantai und dessen Instinkt gehört, er wollte noch etwas an diesem verdammten Bach bleiben und deshalb wurden sie gefunden und überrascht. Nicht, dass Nayantai ihm das jemals vorgeworfen hätte, aber das musste er auch nicht. Sie beide waren nicht mehr quit, Rain schuldete Nayantai so Vieles. Er hatte ihn in Fhaergus gerettet und dann vor den Soldaten beschützt und ganz nebenbei hatte er ihn durch Adrestia und halb Thria gezerrt. Rain war auf dieser Reise absolut keine Hilfe gewesen. Kein Stück. Und danach konnte er ganz offensichtlich auch nichts tun um Nayantai zu helfen. Wie kam er also darauf, dass er dem Rest seines Volkes helfen konnte? Wieso glaubte er alles besser zu wissen? Gleichzeitig aber konnte es ganz bestimmt keine Lösung sein hier zu bleiben. Dieser Ort war nicht mehr sicher und zumindest da musste ihm wohl jeder zustimmen. Die Frage war nur wie viel Zeit sie hatten und wie schnell man diese Siedlung überhaupt verlegen konnte.

      Rain blickte Khojin entgeistert an als sie ihn einfach auslachte. "Denkst du wirklich sie könnten sich gegen die Armee verteidigen die den Rest von euch beinahe ausgerottet hat?", wollte Rain von ihr wissen. Er hatte gedacht sie hätte ein wenig mehr Selbstbewusstsein und würde sich in Kampfkraft nicht so weit hinter ihre verhassten Verwandten stellen. "Wenn ihr echte Argumente dagegen habt, dann könnt ihr sie mir gerne mitteilen. Ich weiß, dass ich mit euren Gepflogenheiten und internen Streitereien nicht vertraut bin, aber ich weiß, dass eine Flucht gen Westen nicht nur meinetwegen nicht möglich ist. Der Norden ist eingenommen und im Osten liegt Adrestia, viele Optionen gibt es also nicht." Ihn auszulachen war kein Argument und er konnte auch nichts daraus lernen oder einsehen. "Bringst du mich also zu ihnen?", fragte er Khojin nun direkt. Rikiya schien auch keinen besseren Plan zu haben, aber Rain pflichtete Mei bei. "Sie hat recht, du solltest dich ausruhen und im Bett bleiben solange es geht."
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      Besorgnis erregte Rain’s Verhalten in einer Person wie Khojin unterdessen keineswegs. Sein sonst frommes, beinahe kindisches Verhalten schien wie vom Erdboden verschluckt, ersetzt durch Rückgrat, das sich das Schaf aus den Trümmern seiner mickrigen Existenz zu bauen schien. Eines musste sie ihm lassen - ein derartiges Durchhaltevermögen besäße sie an seiner Stelle nicht, darüber hinaus war der ihm angewachsene Sturschädel keineswegs eine wohlwollende Tugend in der Mitte der zwei mächtigsten Personen Thria’s. “Kein Wunder, dass Nayantai sich gerade dich ausgesucht hat.”, bekannte Khojin sich mit einem ermüdetem Seufzen. Ihr kleiner Bruder war nie ein leichter Mensch gewesen, seine Liebhaber jedoch allemal ein und dieselben - keiner von ihnen konnte lange in seiner Haut bleiben, oft genug Respekt zollen oder sich in der Form wohlfühlen, in die die thrianische Gesellschaft sie an Nayantai’s Seite drängen wollte. Spätestens als Khojin sie verspottete, war ihr angenähtes Mundwerk wieder lose, der Schmerz lag ihnen auf der verbrühten Zunge und die Trauer meißelte sich in die getrübten Augen aus verkalktem Stein, als hätte man sie verflucht. Bedauerlicherweise war Rain wohl keiner von ihnen, ließ sich nicht ersticken wie eine Flamme im schmelzendem Schnee, sondern kämpfte sich - selbst gegen Khojin - wieder in luftige Höhen, die ihm unter normalen Umständen den keuchenden Atem raubten. Wie lange wohl, bis er zappelte?

      Dummerweise war es noch immer ihr Bruder, der ihn liebte wie die Sonne den Mond, die Wolken den Regen und der Wind die Vögel - selbst, wenn er sich daneben benahm, so konnte sie ihm schlecht die Haut vom Fleisch und Gewebe reißen, nur um ihm selbstgefällig die Leviten zu lesen. Khojin fand Rain’s Verhalten ohnehin belustigend - auch, wenn er hohe Töne spuckte. “Du kennst sie schlecht. Wenn ein thrianisches Volk, dann diese Verrückten.”, gestand sie, obgleich der Missgunst die aus ihren Worten triefte. Es schien wohl eher weniger, als ob sie unbedingt Gefallen daran fand, sich aus Rain einen Freund anstatt eines Feindes zu schlagen. “Na gut, bevor du den alten Mann noch auf die wunden Knie zwingst bringe ich dich dorthin. Wie lange brauchst du? Kannst du allein reiten?” Rikiya hustete unterdessen, wandte sich dabei ab und schüttelte lediglich den alten, sturen Kopf. Khojin konnte sich ihres Vaters mickriges Leid nicht mitansehen, fand sich gefangen zwischen Pflichtgefühl und Eigenempfindung, bevor er sich wohl endlich um ein Wort zu ringen wusste. “Ist schon gut, ich höre euch … passt zumindest auf euch auf. Und Khojin, sei ein wenig netter zu ihm.”, presste Rikiya aus zusammengebissenen Zähnen hervor. Mei schien lediglich ein Seufzen für ihren übervorsichtigen und kränklichen König überzuhaben. “Ja, ja. Ich bin kein kleines Kind. Also, Rain? Von mir aus können wir auch gleich alles stehen und liegen lassen.”
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      "Ihr solltet Adrestia mittlerweile besser kennen.", erklärte Rain knapp. Ihre Verwandten waren gut darin sich zu inszenieren, aber von dem Bisschen das Rain gesehen hatte, konnte man nicht behaupten sie wären in irgendeiner Art von Überzahl. Wezette schickte ihre Armee wo der König sie haben wollte und führten keine ihrer eigenen Feldzüge durch und das Meer war interessanter als Eis und Schnee. Rikiya und Khojin waren überzeugt von ihrer Kampfkraft, Rain war es nicht. Wezette hatte Angst weil sie die Wälder heimsuchten und auch wenn Rain nicht gerne daran zurückdachte, so war es doch klar, dass Vieles dort zur Abschreckung galt. Wie auch immer, wenn Rain ein bisschen Zeit schinden konnte, wenn Rikiya und sein Volk ein bisschen sicherer würden, vielleicht gab es dann doch eine Möglichkeit das Blatt zu wenden und das wäre doch wohl auch in dem Sinne aller Thrianer. Bevor er irgendjemandem mitteilen konnte was sein Plan eigentlich war, wollte er allerdings noch einmal gründlich darüber nachdenken. Vielleicht konnte er Khojin überzeugen, wenn ja, dann würde der Rest bestimmt auch zustimmen.

      Rain sah zu ihr auf, wandte seinen Blick aber schnell wieder an. "Ich weiß nicht wie man reitet...", gab er zu und hätte es vielleicht in den letzten Wochen lernen sollen. Wenn er Fhaergus zurück erobern wollte, dann sollte er wohl zumindest wissen wie man auf einem Pferd saß. Rain verkniff sich ein Seufzen. Rikiya schien nicht sehr angetan von dieser Entwicklung, aber zumindest schien er darauf zu vertrauen, dass Khojins Kraft und Rains Mundwerk die beiden wieder zurück brachte, egal wie schlecht die Wogen zwischen ihm und seinen Verwandten war. Nayantai wäre wohl gegen diesen Plan. Rain nickte Khojin zu. "Außer Proviant und warmer Kleidung brauche ich nichts." Er wollte ebenfalls keine Zeit verlieren. Sein Blick wandte sich dennoch noch einmal zu Rikiya und auch Mei. "Wir sehen uns dann in ein paar Wochen wieder."
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      Khojin war es doch sonst auch gewesen, die jedes Schaf auslachte, das sich glaubte, gegen sie behaupten zu können - zu dumm, dass es dieses Schaf zwar nicht körperlich mit ihr aufnehmen konnte, dafür jedoch geistig überlegen und nicht vom Hass zweier Generationen zerfressen war. “Hochmut kommt vor dem Fall.”, pflichtete sie Rains Aussage bei - als hätte er sie nicht auch angesprochen, weil sie sich unmöglich benahm. Vielleicht hatte er auch Recht - es schickte sich keineswegs, die eigenen Feinde zu unterschätzen und doch glaubten viele der hochgewachsenen, jungen Wölfe das Blut im Gegenwind, das ihnen gegen die empfindliche Spürnase stach, war nicht das ihrer Freunde sondern der eigenen, missratenen Feinde. Rikiya räusperte sich zumindest wohlwollend, als würde er die Diskussion nicht ausarten lassen wollen; er hatte wohl die Schnauze voll. Unterdessen sah Mei besorgt auf die beiden herüber und Khojin, der nichts anderes über blieb, ließ endlich locker. “Das Reiten habe ich mehr als nur einem Wolf im Schnelldurchlauf beigebracht. Wie schwer kann das schon sein?”, keifte sie in die Leere, geradlinig auf den Zelteingang marschierend wie ein Soldat, der soeben dazu gerufen worden war, einen bestimmten Posten einzunehmen. Vielleicht war es auch so. Was bedeutete es im Endeffekt schon, nur auf den Fingern zu sitzen und zu streiten wie eine Meute wildgewordener Altsemester?

      “Willst du dir die Beine in den Bauch stehen? Na komm, Rikiya wird nicht vom Fleisch fallen während du unterwegs bist - Mei passt auf ihn auf.” Nicht, dass sie sonderlich geschickt darin wäre, den Greis auf Trab zu halten. Wenn Rikiya Zeit für sich brauchte, so bestand er aus Luft, wenn auch nicht außerhalb der gewohnten Reichweite. Ihr Vater war wirklich ein komischer Kauz. “Du packst sich warm ein, ich kümmere mich um den Rest - und wehe, du jammerst einmal.”, verkündete sie Rain als sie aus dem Zelt verschwand. Kaum fiel der Stoff um den Eingang war es Rikiya, der den Kopf schüttelte. “Tut mir leid, Rain. Khojin ist nicht immer so … pass auf dich auf, ja?”, verlangte der König von ihm, die Müdigkeit in sein fahles Gesicht geschrieben. Mei konnte sich dieses Trauerspiel nicht länger ansehen - unbeholfen kniff sie Rikiya, der den Wink mit dem Zaunpfahl schließlich doch verstand. Komm einfach in einem Stück zurück, mehr will ich nicht.”, erklärte Mei Rain als Schlusssatz, in der Hoffnung, es würde den plötzlichen Aufbruch weniger nach einer sich auftuenden Ewigkeit klingen lassen und mehr nach einer kurzen Reise, die keine Gefahren barg.
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      Sie hatten keine Zeit zu verlieren, das Reiten zu lernen musste wohl erst einmal warten. Außerdem war Rain nicht sicher, ob er es nicht lieber von Nayantai lernte... auf der anderen Seite wäre er vielleicht viel zu vorsichtig. Rain nickte, Khojin hatte Recht, es gab keinen Grund sich nicht sofort auf den Weg zu machen. "Ich werde nicht jammern." Khojin kannte Rain schlecht, er jammerte selten, der Einzige der ihn wohl jammern hören hatte war Nayantai, weil sie sich gegenseitig erzählt hatten wie schlecht es ihnen ging. Khojin brauchte sich jedenfalls keine Sorgen zu machen. Rains blickte zurück zu Rikiya. "Hm? Sie hilft mir, also das ist mehr als ich erwartet habe. Tut mir Leid, ich wollte dich nicht so vor anderen in Frage stellen..." Er hätte wohl besser vorher über seine Worte nachgedacht und auch als er und Mei einfach das Ruder in die Hand genommen hatten, hatten sie wohl kein Recht dazu gehabt. "Khojin passt schon auf mich auf.", versicherte er Rikiya noch einmal, der wohl besser wusste, dass man sich mit ihr nicht anlegen sollte. Rain packte jedenfalls schnell ein paar Dinge, Schal, Handschuhe, etwas zu schreiben. Seinen dicken Mantel trug er bereits. Er nahm sich noch eine Decke mit die er sorgfältig einrollte, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass Khojin wusste wie schlecht er mit Kälte umgehen konnte.

      Rain wartete beim Zelteingang auf Khojin, die ihn auf ihr Pferd zog. Sie waren schnell unterwegs und je schneller sie wären, desto besser. Rikiya würde die anderen schon aus seinem Territorium herausführen müssen, bevor Rain und Khojin zurückkehrten, es blieb also zu hoffen, dass sie erfolgreich waren. Rain hätte Khojin gerne unter anderen Umständen besser kennengelernt, aber er war zumindest froh darüber, dass sie ihn unterstützte, obwohl sie ja erst so wütend auf Nayantai gewesen war. Sie sprachen nicht viel und Rain jammerte kein bisschen, er machte alles mit was Khojin wollte, er vertraute darauf, dass sie besser wusste, wie man die Tundra durchquerte. Erst am Dritten Tag brachte Rain heraus, was er sie schon fragen wollte, seit sie aufgebrochen waren. "Khojin?", fragte er über seine Schulter. "Wenn wir die Sicherheit deines Volkes hiermit zumindest für eine Weile garantieren können... Wie verrückt wäre es vorzuschlagen, dass du und ein paar andere Krieger mir nach Fhaergus folgen?", fragte er und fügte noch an: "Fhaergus ist meine Heimat. Ich denke wenn wir es zurückerobern könnten, dann hätte eure Armee einen sichereren Stützpunkt. Wie eine Festung der Schafe, auch wenn wir sowas in Fhaergus nicht haben. Die Berge würden uns schützen, vielleicht könnte ich mit anderen Fürsten verhandeln, oder ihr könntet den Krieg von dort aus führen. Angriff... statt Verteidigung. Stoppe mich einfach wenn ich verrückt klinge." Er wusste nicht wie er die Frage stellen sollte, ohne egoistisch zu klingen. Es war immerhin sein Land, dass er damit womöglich zurückbekommen könnten und die Wölfe hätten zumindest nicht sofort etwas davon und keine Garantie, dass Rain sein Wort auch halten würde.

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      Die Reise hatte Khojin sich eigentlich nicht derart vorgestellt - Rain’s Mundwerk war weder lose, noch unverblümt, nicht so, wie sie es eingeschätzt hatte. Die Verwirrung zeichnete sich war nicht auf ihren Zügen ab, dafür aber die Müdigkeit, die sie durch die Welt trieb, von der sie glaubte, ihr nie Einhalt gebieten zu können - ob sich Nayantai auf seiner endlosen Reise mit dem Häufchen Elend in ihren Armen auch so gefühlt hatte? Sich all das auszumalen maßte sie sich nicht an. Umso mehr wunderte es sie, dass Rain zwischendurch kein vernünftiges Wort mit ihr wechselte - dass die Wogen der ungeglätteten Winde, das Zwitschern der verstreuten Vögeln und die Laute der fernab verlorenen Tiere, nebst dem Schnauben und den Hufen ihres Pferdes, die einzige Geräuschkulisse bildeten. Harsche Worte waren es wohl nicht, die Rain die Kehle verschnürten, als wäre es Reiseproviant, an dem man sich besser nicht auf einmal verging - Khojin fand es dennoch befremdlich, wie still er sein konnte, wenn er es nur wollte. Womöglich hatte ihr Bruder sich gerade deshalb noch nicht an ihm satt gesehen und das entnervte, beinahe enttäuschte Seufzen über die simplen, einfältigen Idiotien ihres Bruders verwunderte sie mit einem Mal nicht mehr.

      Erst am dritten Tag wechselte Khojin wieder Worte mit Rain, als hätten sie sich die letzten Tage gar nicht erst gesehen. Ihre Welt in der endlosen Tundra war kleiner als gedacht und doch, so sehr sie die Ruhe hin und wieder zu schätzen wusste, so hätte das Unbehagen über die Situation sie vermutlich spätestens heute selbst aus den Reserven gelockt. “Ja?”, grummelte sie. Ihr Blick war gen Himmel gerichtet, die eigenen Augen tief in die graublauen Wolken verankert, ihm nichts abgewinnend und doch überzeugt eine Wahrheit zu finden. “Verrückter als all die Sachen, die meine Brüder und ich je angestellt haben. Nur denke ich, dass du vermutlich einen Plan hast, wenn du mich schon so fragst.” Nie zeugten solche Schnappsideen von Willenskraft, oder gar einer eigens gefällten Entscheidung. War Rain selbstgefällig? Einen Vorteil musste er sich zumindest aus der Sache herausschlagen. Nicht, dass Khojin ihm es verübelte - sie selbst wusste doch genau so gut, dass sie nicht loslassen konnte und um Rain war es wohl auch geschehen. “Ich … du bist genau so verrückt wie mein Bruder. Kein Wunder, dass er dich liebt und mein Vater sich einen Narren an dir gefressen hat.”, sie prustete, klang beinahe schon amüsiert. “Na gut, eines muss ich dir lassen: Du hast Köpfchen. Ich kann keinen dazu zwingen, deinen Idealen zu folgen, aber ich lege meine Hand für dich ins Feuer, damit du zumindest Rang und Namen an deiner Seite hast. Wie viele brauchst du? Mehr als ein dutzend?” Hirngespinste solcher Art sollte man im Pech und Schwefel ertränken, aus welchem sie gekrochen kamen und doch war sie sich nicht sicher, ob Rain’s Idee nicht doch Sinn und Zweck erfüllte.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
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      "Ja, in der Theorie. Ich weiß aber nicht genau wie die Situation dort aussieht.", erklärte Rain. Natürlich hatte er einen Plan, er war nur nicht sicher, wie man ihn richtig umsetzte. Er selbst kannte sein eigenes Land kaum, abseits von Büchern und Karten. Dass Khojin ihn nicht sofort auslachte überraschte ihn aber. "Einfach so?", fragte er Khojin. "Du vertraust, dass ich euch nicht nur in den Tod führe? Oder in einen Kampf der nicht eurer ist?" Das war einfacher als gedacht, es schien fast einfacher Khojin zu überzeugen, als es mit Rikiya zu versuchen. Er wusste, es musste sich etwas ändern, aber er schien ein wenig zu vorsichtig, ein Plan dem Rain viel abgewinnen konnte, aber auf kurz oder lang würden sie verlieren. Sie brauchten einen Vorteil und der würde ihnen nicht einfach zufliegen. Fhaergus war womöglich der Schlüssel um das Blatt zu wenden, auch wen Rain nur eine vage Idee hatte.

      "Hm... zehn bis zwanzig sollten reichen.", antwortete er Khojin. "Fhaergus ist sehr klein, im Vergleich zu den anderen Fürstentümern jedenfalls. Wir brauchten nie viele Soldaten um uns zu verteidigen... es ist meine Schuld, dass es so weit gekommen ist." Das interessierte Khojin bestimmt nicht. Rain schüttelte die Gedanken beiseite. "Wir haben hohe Berge und enge Pässe. Selbst wenn sich eine große Armee gegen uns stellen würde, es können nur eine handvoll auf einmal durch die Pässe kommen und Belagerungsmaschinen helfen dabei auch nicht, einmal davon abgesehen, dass Adrestia nicht gerade in diese investiert hat." Wozu auch, wenn man Zeltsiedlungen bekämpfte. "Vor vielen vielen Jahren, mein Ur-Ur- Urgroßvater kämpfte eine beinahe aussichtslose Schlacht, bis er die Berge selbst gegen seine Feinde gerichtet hat. Lawinen. Mh... ich kenne das Wort dafür in eurer Sprache nicht. Ihr habt nicht viele Berge, zumindest keine so großen, jedenfalls, wenn ein bisschen Schnee von einem Berg herunterrutscht, dann bildet sich schnell eine gigantische Masse an Schnee. Eine Lawine kann eine ganze Armee unter sich begraben. Wenn wir Fhaergus so einnehmen könnten, dann könnten wir eure Kämpfer dort stationieren. Mein Volk ist sehr loyal, ich bin mir sicher sie würden mir folgen, auch wenn ich Wölfe mit mir bringe. Speziell dann, wenn sie uns geholfen haben. Wir haben Eisen, Silber und Gold. Wir haben Holz und wir haben Wälder in denen wir jagen können. Genug für eine gewisse Zeit lang... Von Fhaergus erreicht man Wezette, Alster und Lavern, drei mögliche Angriffspunkte." Mit Wezette konnte Rain vielleicht verhandeln, aber das tat jetzt nichts zur Sache. "Ich habe gründlich darüber nachgedacht. Auch wenn die Chancen auf Erfolg vielleicht nicht so hoch sind, es ist allemal besser als auf euren Untergang zu warten, oder auf ein Wunder zu hoffen."
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      “Dann hast du zumindest mehr als ich je hatte.”, erwiderte Khojin, die Rain um einigeres wohlgesonnener schien, jetzt, wo sie wahrlich alleine waren. Es vermochte die Einsamkeit zu sein und wenn nicht sie, dann ein blühendes Interesse an beinahe kindlichen Fantasien, die kaum ein besonnener Kriegsherr unterstützen sollte. “Wirkt es egoistisch, wenn ich behaupte, dass mein Voll nur auf den Tod wartet und du mir gerade das anbietest, wonach ich schon so lange suche? Verrückt wäre ich doch, mich nicht auf deine Verrücktheit einzulassen.”, ermahnte Khojin ihn. Sie glaubte selbst nicht daran, dass ein Schaf den Krieg für die Wölfe entscheiden konnte, gleichzeitig würde sie es wohl nie wissen, probierte sie es nicht zuvor aus. Wagemut und Wankelmut, Unvernunft und Kindlichkeit, fanden selbst in einer Situation wie dieser noch einen recht gemütlichen Platz in ihrem Herzen, flackerte sehnsüchtigst gen Wahrheit und zerfraß sich schlussendlich an dem, dem es nicht standhalten konnte. Khojin wollte nicht hinter dem Rücken ihres Volkes mit ihrem Leben feilschen, glaubte nicht, dass Rains Einfältigkeit ein verlorenes Volk aus der Vergessenheit empor stemmen würde und doch mochte sie meinen, es würde sie keineswegs umbringen, ihr eigenes Leben für derartige Dummheiten niederzulegen. “Dachtest du, ich verbiete dir den Mund? Sei nicht so.”

      Schroff war Nayantai wohl mit Rain hin und wieder umgegangen, Khojin hingegen sah es für weniger nötig, ihn gerade jetzt auch noch aus der Ruhe zu bringen. Wahr war, dass sie alle beide kein Blatt vor den Mund nehmen sollten, obwohl sie mit beiden Beinen besser fest am Boden verwurzelt waren. “Was machen wir mit den Soldaten in Fhaergus? Hören die überhaupt auf dich wenn du mit einer Meute von wilden Wölfen ankommst?”, scherzte sie als sie ihr Pferd durch die Steppe trieb und sich fragen musste, wie viel länger sich diese Reise noch ziehen würde. Ruhe hatten sie vorerst, auch, wenn das nicht bedeutete dass diese für immer währen würde. “Heißt also, im Notfall sperren wir uns in Fhaergus ein indem wir einen Steinschlag auslösen? Verstehe ich dich richtig? Du bist verrückt.” Genau deswegen schien es wohl so, als wäre Rain der Teil der in dieser Familie noch fehlte. Khojin wusste nicht, ob sie sich darüber freuen oder ihre Blutlinie verteufeln sollte - ihr war lediglich klar, dass es wohl um einiges schlimmer sein konnte. Muhan, beispielsweise. “Das hört sich doch vielversprechend an. Ich glaube nicht, dass wir an diesem Punkt sowieso noch viele Möglichkeiten haben, diesen Krieg auszuharren - wenn also nicht in der Defensive, dann in der Offensive. Ich glaube, ein paar Lawinen sind das geringste Problem, wenn du deinen Leuten gut beipflichten kannst, dass Wölfe nicht beißen.”
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      "Ich bin nur überrascht, dass du mir so einfach vertraust.", erklärte Rain. Er vertraute sich selbst kaum und trotzdem glaubte er, es war einen Versuch wert. Er hatte gelernt so zu tun als wüsste er was er tat, als wäre er sich stets sicher bei seinen Entscheidungen, wenn sein vater nicht da war um diese zu treffen, er wusste jetzt einfach dasselbe tun. Was Nayantai wohl davon halten würde? "Ich dachte du würdest mir sagen, dass ihr für sowas keine Zeit und Energie habt." Auch wenn Rain keineswegs nur seinetwegen und seines Volkes wegen zurück nach Fhaergus wollte. Er konnte aber auch nicht behaupten, dass er diesen Weg nur für das Wohlergehen der Wölfe vorschlug.

      "Die meisten Soldaten sind vom König nach Norden geschickt worden und eure Späher haben nichts von meinem Vater berichtet..." Rain seufzte. Er war sich sicher sein Vater, und seine Armee, waren tot. Er war immer noch nicht sicher, was überhaupt vorgefallen war und ob Nayantai etwas damit zu tun hatte, oder nicht. Zumindest hatte man in Fhaergus nach ihm gesucht. "Es sind nicht viele Soldaten in Fhaergus übrig und denen die es sind wurden bestimmt andere Arbeiten zugeteilt. Unsere Nachbarn im Osten haben uns angegriffen und besetzt. Aber um meine Leute braucht ihr euch keine Sorgen zu machen. Lieber ich und ein paar Wölfe, als jemand Fremdes." Hoffentlich, Rain war immerhin nicht sein Vater. Ihm würden sie folgen, aber er würde auch nicht mit einer Meute Wölfe aufkreuzen. "Schneeschlag.", berichtigte Rain, "Wir müssten die Soldaten die Fhaergus besetzen loswerden. Wenn wir sie in eine Falle locken können, dann können wir gewinnen, selbst mit nur einer Handvoll Soldaten. Es gibt frei Pässe die nach Fhaergus führen, eventuell müssten wir den Pass nach Alster versperren, aber der Weg nach Wezette sollte sicher bleiben." Zumindest hoffte Rain das. "Ich denke wir hätten beide etwas davon und würden beide unsere Position verbessern. Ich denke nicht, dass Fhaergus sich lieber Lavern anschließen möchte... Ich bin zwar nicht mein Vater, aber wenn er... tot ist... dann bin ich sein rechtmäßiger Erbe."
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      “Ich denke, du hast dir ein wenig Respekt verdient. Solltest du mich wirklich hintergehen, dann reicht mir ohnehin ein Handgriff.”, erwiderte Khojin. Ihr Gesichtsausdruck war unverändert, ihre Schultern dafür nicht weniger angespannt. Hier draußen gab es wohl wirklich nichts außer sie, Rain und das große, weite Nichts, das ihnen weder Schutz noch Zuflucht bot, sich unterdessen aber in ein- und derselben Symbiose mit ihren Feinden befand. Khojin glaubte nicht daran, dass Rain einer von ihnen war - auch, wenn er ein Schaf war; auch, wenn er nun einmal einer ihrer Feinde sein sollte, so ließ sie sich, anders als mancher Mann, wohl nicht von Rain’s Niedlichkeit und Unbeholfenheit betören, sondern von seinen verrückten Ideen ködern. “Energie? Vermutlich hast du recht, wir haben definitiv wenig davon. Aber Zeit? Mit dem Tod kann ich mich auch gleich messen, wenn er ohnehin jedesmal über meine Heimat prangert, wenn eine verwirrte Schafherde auftaucht. Dazu muss ich mir nicht die Beine in den Bauch stehen und jammern.” Ihr Standpunkt war damit hoffentlich klar - sie schien sich nicht gerade anderweitig dazu überreden lassen zu wollen und selbst wenn, so hatte Rain wohl das Anrecht darauf, ihre aktuelle Sicht der Dinge zu bewundern.

      “Euer König ist auch nicht unbedingt kompetent, oder? Das ist unserer zwar auch nicht, aber wenn wir die beiden den Krieg einfach alleine austragen lassen würden, dann wär er vielleicht schon vorbei.” Rikiya würde es schon schaffen einem Möchtegern-Kriegsherren den Gar auszumachen und sich dabei nicht in Grund und Boden schämen zu müssen, wenn er dann doch einmal Probleme hatte. Egal wie, sie mussten sich wohl oder übel damit anfreunden, dass der Krieg kein Thema war, das sich von heute auf morgen beenden ließ. Rain fachte altes Feuer neu auf und Khojin wollte solche Angelegenheiten nicht nur krumm belächeln. “Mein Bruder würde das wohl nicht so gerne hören.”, ermahnte Khojin ihn, schien dabei allerdings gelassen genug, dass sie sich selbst ein Schmunzeln abverlangte. Wieso Rain nicht gleich ihn gefragt hatte erschien ihr auch einigermaßen einleuchtend. Ah, die Liebe - es gab Themen, die waren nun einmal leichter als so manch andere. “Und wenn wir dafür eine Handvoll Kannibalen nehmen, die sich nicht nur gegen Bauern behaupten? Ich meine, ich schätze zumindest, dass Yayoi ihre Meute im Griff hat.” Damit wären auch die Bürger in Fhaergus sicher, die sich auf die Schauermärchen aus der benachbarten Provinz einließen - Khojin war all das aber immer noch recht egal. Kopf hoch. Selbst, wenn dein alter Herr nicht mehr lebt, dann wäre er stolz auf sich - wie dem auch sei, dein Plan hört sich gut an. Aber immer mit der Ruhe, ja?”
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      Khojin hatte so ziemlich mit allem Recht was sie sagte und vielleicht war ein wenig Hoffnung genau das was sie brauchte. Er war trotzdem verwundert, dass sie solch einen Plan von einem Schaf annahm, aber er wollte ihre Meinung auch gar nicht erst ändern. "Unser König ist nicht mit Rikiya zu vergleichen.", erwiderte Rain prompt als das Thema zur Sprache kam. Jetzt wo er hintergangen wurde, jetzt wo er nicht mehr in Adrestia war, konnte er es ja sagen. "Ich glaube nicht, dass er hier überhaupt ein Ziel verfolgt. Ich glaube nicht, dass irgendjemand in Adrestia überhaupt noch weiß, wozu man diesen Krieg überhaupt führt und unser Volk leidet darunter auch. Es gibt keine Gewinner." Es war unfair Rikiya mit Rains König zu vergleichen. Ihm fehlten die Mittel um sich zu verteidigen, aber er tat sein Bests mit dem was er hatte.

      Nayantai wollte bestimmt nicht, dass sich Rain in Gefahr begab und dasselbe galt bestimmt auch für seine Schwester. Er hätte es niemals erlaubt, dass Rain zurück zu Yayoi ritt um mit ihr zu sprechen, geschweigedenn zurück nach Fhaergus. "Nayantai hat so viel auf sich genommen um mich aus Fhaergus heraus zu bekommen... aber ich denke, dass ist eine gute Chance für euch und mein Volk." Im besten Fall gab es nur Gewinner. "Können wir ihr so weit vertrauen? Ich weiß noch nicht einmal ob sie an meinem jetzigen Vorschlag interessiert ist. Viel mehr als Wissen und Versprechungen kann ich ihr nicht anbieten..." Aber sie mochte Rain aus irgendeinem Grund, einem Grund der ihm nicht ganz geheuer war. "Hm. Mein Vater war noch nie stolz auf mich, er ist nicht wie Rikiya.", erwiderte er und zuckte mit den Schultern. "Ich weiß. Zuerst ereldigen wir was vor uns liegt. Danke, für deine Hilfe."
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      Unterdessen konnte Khojin nicht einmal selbst dazu zwingen, sich der Wahrheit anzunehmen, die vermutlich in den Schneemassen versunken war. Der Wahrheit entsprach wohl nur so viel, das auch wirklich außerhalb des Gesehen und Geschehenen existierte. Bewahrheiten würde sich kaum etwas an dieser Welt, die auch gut ohne sie auskam. "Ich weiß nicht, wie gut euer König vorbereitet ist, aber glaub mir, wenn ich sage, dass mein Vater nicht gerade derjenige ist, der schon immer wusste, was er tut.", erklärte sie ihre Ausgangssituation. Nayantai war vermutlich besser auf seine Rolle als zukünftiger König Thrias vorbereitet, als je ein anderer - ihre Mutter hatte das Amt der Königin auch nur inne gehabt, weil sie die Einzige war, die in Frage kam. Wenn es nun nach Khojin ging, dann würde sie nach dem krieg wohl doch lieber die Welt sehen, die sie seit Jahren nur von der Seite bewundern konnte. Wer wusste, ob ihr das Leben nach dem Tod überhaupt noch zustand. Jetzt fantasierte sie auch schon wie der Rest ihrer Familie - na toll. "Also dient ein hirnloses Volk einem hirnlosen König und keiner weiß mehr, wieso eigentlich? Und anstatt all das zu hinterfragen behaltet man die eigentliche Norm einfach bei?" Ein verzweifeltes Prusten entkam Khojin - die Situation war wohl aussichtslos.

      Je weiter sich die Massen des Schnees durch die Wahrscheinlichkeit der Welt drückten, desto schwerer wurde die Last auf ihren Schultern - sie glaubte nicht daran, dass es noch irgendwelche Einwände gegen die Handlungen derjenigen geben würde, die ihren Hintern ohnehin fest auf ihrem Thron platziert hatten. Nein, ihr Vater und der König der Schafe wären es, die entweder dem Volk, dem sie dienten, das Leben raubten oder ihnen endlich klar machen würden, dass sie Zeit, Energie und Blut, Schweiß, Tränen und unschuldige Leben in einem Konflikt verloren, der zu lange andauerte, als dass es einen Grund dafür geben könnte, der auch nur einer lebenden Person plausibel erschien. "Also trittst du das Geschenk des Lebens, für das er seines wohlauf geopfert hat, mit Füßen - in der Hoffnung, ihm etwas zurückzugeben? Und was, wenn es nicht funktioniert?" Es schien nicht so, als wolle Khojin vollends mit dem Strom schwimmen - sie stellte sich quer und ließ sich treiben, wie eine abgesägte Stimme der Vernunft oder des Unmuts. "Thrianische Politik entscheidet sich vermutlich von adrestianischer - wir sind ein Volk, unter einer Flagge, wenn auch gleich voneinander abgeschottet. Es ist nicht so, als müssten wir aneinander zweifeln. Ich bezweifle, dass wir den Kannibalen nicht vertrauen können." Es schien beinahe so, als wollte sie keinen Saat des Misstrauens in Rain pflegen. "Nur, weil er es nicht sagt, bedeutet das nicht, dass es nicht stimmt - das weißt du vermutlich gut genug, als dass ich es dir erklären müsste." Und doch wollte sie Rain seine Gefühle nicht absprechen. "Wieso bedankst du dich bei mir? Ich sollte mich bei dir bedanken, dass du versuchst, ein totes Tier aus dem Sumpf zu ziehen."
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      "Ich glaube nicht, dass unser König viel in die Kriegsstrategien involviert ist. Obwohl ed vermutlich für alle Beteiligten besser wäre, es würde sich vollends heraushalten.", erklärte Rain. Er hatte ihn nie getroffen, aber er hörte genug von seinem Vater, seinem Großvater und auch anderen mit denen Rain in Kontakt stand. "Als ich Nayantai erklärt habe, warum der Krieg aus Adrestias Sicht angefangen wurde, konnte er damit nichts anfangen. So oder so spielt der Grund schon lange keine Rolle mehr und das Land das euch noch bleibt, ist für uns kaum zu bewirtschaften, es macht also keinen Sinn sich weiter darum zu bekriegen. Mittlerweile sind aber so viele gestorben, auf beiden Seiten, dass es kaum jemanden gibt der sich nicht in irgendeiner Form Rache wünscht." Und daher wäre es nicht so einfach aufzuhören. Irgendjemand hatte immer noch eine Rechnung offen, auch wenn Rain sicher war, dass Mütter es leid waren ihre Söhne zu verlieren.

      "Wir haben beide keine Zukunft hier und ich kanb nicht wie er einfach weiter fliehen." Es wäre zu kalt für Rain. "Und du stellst mich nobler dar, als ich bin. Ich kann nicht behaupten, dass ich all das nur für Nayantai tue." Wie er es auch drehte ubd wendete, Fhaergus war seine Heimat, sein Volk lebte dort und er wollte alles gerade rücken. Gleichzeitig wollte er dass Nayantai und seine Familie, sein Volk überleben konnten. Natürlich hatte er auch davon etwas." Ihr nennt sie Kannibalen, ist das nicht Grund genug ihnen zu Misstrauen? Nayantai hat ganz anders von ihnen gesprochen." Sie würden schon sehen was passieren würde, aber Nayantai wollte eigentlich einen Bogen um diese ganze Gegend machen. "Nicht alle Schafe sind so schwach wie ich. Mein Vater hatte sich bestimmt einen stärkeren Sohn gewünscht. Wir haben nichts gemeinsam und abgesehen davon würde er mich wohl eher enterben dafür, dass ich mit Wölfen zusammenarbeite, dafür dass ich unser Land verloren habe und dafür, dass ich einen Mann geheiratet habe. Du kannst dich mit deinem Vater glücklich schätzen." Die meisten Wölfe schienen eine ganz enge Bindung zu ihrer Familie zu haben. Adrestia war ein wenig anders..." Ohne das Tier würde ich selbst sterben. ", schmunzelte er.