spellbound. (earinor & akira)

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    • "Ich hätte wohl auch noch nie gehört, dass er sich mit den anderen Schafen in unserem Land herumgetrieben hätte, oder sich aktiv an den Kämpfen beteiligt haben soll, aber das muss man wohl auch nicht, wenn man sich als Gewinner zählt." Khojin schien nicht die Erfreuteste zu sein, würde Rain ihr Gesicht deuten können, das ihm beim aktuelle Reitwind und dem Blick gen Horizont verschleiert bleib. Die Hoffnung, es gäbe am Ende des Tunnels noch genug Licht für sie alle, wollte nun einmal doch keiner aufgeben. "Ich glaube nicht, dass ich etwas damit anfangen könnte, wenn du es mir erklären würdest. Die Grausamkeit, die Unverständnis und den nicht bestehenden Versuch auch nur einmal einen gemeinsamen Weg einzuschlagen sagt mehr über Schafe aus, als so manch ein Wolf es wahrhaben will. Natürlich sind wir nicht alle von Rache besessen oder von Hass zerfressen, aber es ist genau so wie du sagst - kaum einer wünscht sich weniger als Rache, ihre eigene Form von Gerechtigkeit, auch, wenn sie dabei nur Krug um Krug an Öl in einen lodernden Brand gießen und falsche Weltbilder bestärken. Keiner von uns ist an diesem Punkt der Unschuld rein." Tat es denn so weh, in der Welt der Wahrheit mit dem Auge auf das lodernde Flackerwerk am anderen Ende der Welt zu leben?

      Sich an die Hoffnung zu klammern, dass jemand anderes, jemand fremdes, ihre Probleme aus der Welt schaffen würde, war, wie einem Tier dabei zuzusehen, wie es qualvoll an dem Rauch eines Brandes erstickte. Rain war sich dessen mehr bewusst, als Khojin es je sein würde. "Mhm, ich verstehe dich." Davonzurennen, bis die eigenen Beine das Gewicht nicht mehr tragen konnten war auf lange Zeit hin einfach nichts, das der gediegenste Wolf bewerkstelligen würde - Rain hingegen noch weniger. "Tue ich das?", hinterfragte sie, klang dabei beinahe schelmisch und verdeckte ihr Amüsement noch gerade so unter ihrer etwas müden Stimme. Die Tage und Nächte die sie hier draußen verbracht hatten und noch verbringen würden waren weder angenehm noch sonderlich leicht - aber sie würden überleben, insofern ihr Vater kein kompletter Schwachmat war. "Hm, ich denke, die Tatsache, dass sie aus der Erbfolge gestrichen sind reicht aus, um die gesamte Nation Thrias nicht zu ihrem Gunsten zu stimmen. Ich schätze, es könnte schlimmer sein." Immerhin versanken sie die messerscharfen Zähne nur in den leblosen Körpern der Schafe, die sie heimsuchten - war es dort, an der Grenze, hinter dem triefenden Blutwald, nicht ein- und derselbe Tanz, den sie hier unten hatten und doch spielte er sich auf komplett andere Art und Weise aus? "Kann dein Vater sich nicht einfach darüber freuen, dass du lebst und nicht vom ersten Windstoß davongefegt wurdest? Außerdem glaube ich nicht, dass du nutzlos bist - er sollte dich für deinen Tatendrang und Wissensdurst rühmen, aber stattdessen willst du mir erzählen er hält an Kinkerlitzchen fest?", Khojin schien die Situation nicht zu belächeln, aber Caelans angenommenes Verhalten und seine Grundeinstellung in den Dreck zu ziehen; dort, wo sie hingehörte. Nicht, dass sie Rain unbedingt besser leiden konnte, aber sie glaubte dennoch, dass es einfach fairer wäre, jedermann gleich zu behandeln und sie nicht anhand dessen zu beurteilen, was sie nicht konnten. "Dann eignet sich eine Symbiose wohl gut ... apropos, willst du die Zügel nicht zumindest mal in die Hand nehmen?"
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    • "Der König nimmt normalerweise nicht an Schlachten teil, er ist zu wichtig. Bei den Fürsten kommt es darauf an, meist aber begleitet zumindest ein Sohn die Armee.", erklärte Rain. In seinem Fall war sein Vater stets an der Front. "Aber er hat auch Berater und Taktiker die seine Wünsche in die Tat umsetzen." Sie wechselten häufig, meistens kamen direkt danach neue Forderungen die Fhaergus und auch Wezette schwer erfüllen konnten. "Wenn wir zusammen arbeiten, wenn ihr helft Adrestia von diesem Krieg zu befreien, vielleicht gelingt ein Neuanfang dann, auch wenn ihr für euch selbst kämpft." Jetzt dachte Rain schon daran seinen eigenen König zu stürzen. Und wie sollte er das anstellen mit einer Handvoll Krieger? Er brauchte mehr, wenn er andere von seinen Ideen überzeugen wollte, aber wo sollte er eine Armee herbekommen?

      "Was haben sie getan um so ausgestoßen zu werden?", wollte Rain wissen. Khojin schien kein großes Interesse daran zu haben mehr von Adrestias Geschichte zu lernen, aber Rain war immer interessiert neues zu lernen und je mehr Informationen er hatte, desto besser. "Ich dachte wenn einer meinen Vater versteht, dann du. Du warst doch wütend auf Nayantai, als er mit mir zurückkam?" Vielleicht lenkte Rain auch nur ab, er wollte nicht über seinen Vater sprechen. Als Khojin ihm die Zügel anbot zögerte Rain. "Das letzte Mal als ich es versucht habe, haben Nayantai und ich unser Pferd verloren..." Irgendwann musste er es lernen, aber vielleicht nicht gerade jetzt.
    • “Zu wichtig? Wofür? Glaubst du mein Vater sitzt die ganze Zeit nur herum weil er zu wichtig ist? Ich verstehe Schafe nicht.” Der Wert Mannes war weder sein Ruhm noch sein Reichtum - kein Gold und keine unnütz angehäuften Schätze in einer irdischen Welt waren es wert, jenen zu bestimmen. Tugenden zählten, ähnlich wie es Taten waren, die die Antworten der Welt zu Tage förderte. “Grauenhafte Wünsche, die dieser Kobold hat.” Sein gesamtes Volk hatte wohl auch nichts besseres zu tun als ihn in solchen Annahmen zu unterstützen. Allein der Gedanke daran reichte, damit sie ihr Gesicht wiederum verzog und die anfängliche Übelkeit in ihrem Rachen wieder herunterwürgte. Kotzen wollte Khojin nun einmal weniger. “Wenn nicht, dann haben wir noch immer andere Optionen. Mach dir um uns keine Sorgen - Wölfe überdauern seit Ewigkeiten in dieser Welt. Insofern man uns nicht vollends ausrottet sind wir wie Unkraut.” Es schien der Wahrheit zu entsprechen; die Wahrscheinlichkeit, Adrestia bekäme die Chance sie nun auch noch ethnisch aus ihren Geschichtsbüchern zu streichen, stand gar nicht erst im Raum. Sagte das nicht schon genug über jenes Blatt aus, das sich stetig im Wind wandte, als wäre es im ewigen Wandel.

      “Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass mein Großvater einer von ihnen gewesen sein soll - auf Rikiyas Seite. Er meinte aber, dass er wohl kein Interesse an einem derartigen Lebensstil gehegt hat und zum Nomaden wurde. Ich schätze aber, weil sie auch vor dem Krieg, Generationen davor, Schafe aus Wezette und ihre eigenen Mit-Wölfe gefressen haben.”, nuschelte sie Rain als einleuchtende Erläuterung - die Zähne ihres Vaters waren spitz, vielleicht sogar scharf, aber sie schienen wirklich stumpfer als so manch andere. Naja, so lange ihr Vater nicht eine Vorliebe entwickelte konnte es ihnen wohl wirklich herzlich egal sein, gleich wie Adrestia ihr egal war. “Wieso das denn? Ich war wütend auf Nayantai, weil ich dachte, er sei tot - ob er sich nun liebt oder nicht ist mir recht egal. Solltest du das alles hier nur spielen, dann mache ich dich wirklich einen Kopf kürzer, verstanden?”, drückte sie Rain noch in den Rücken, als sie ihm die Zügel erneut anbot. Wovor zierte er sich denn so? “Ich lasse nicht los, keine Sorge. Außer es ist dir zu peinlich, wenn deine Schwägerin dir so etwas zeigt?”
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    • "Es würde euch doch auch vorübergehend ins Chaos stürzen, würde er sterben, oder? Unser König has außerdem noch keinen Erben. Ich verstehe euch auch, mein Vater hat immer gesagt, er würde niemanden in einen Kampf schicken, während er sich selbst in Fhaergus versteckt." Mit Rain hätte sich das geändert. Auch jetzt, selbst wenn er versuchte Fhaergus einzunehmen, an der Front konnte er nicht kämpfen. Er sah nur zu wie andere sich in Gefahr brachten..."Ich glaube nicht, dass euch die Schafe in deine und Nayantais Heimat folgen können, aber Rikiya meinte auch nicht alle Thrianer können das." Sie würden dort überdauern, aber dennoch würde Rain nicht nur seinetwegen lieber versuchen das Blatt zu wenden.

      Khojin erzählte Rain etwas als wäre es ein Geheimnis. Vielleicht war es das und nicht dss Einzige das Rikiya hatte. Diese Geschichte war wohl auch etwas geflunkert, oder zumindest nicht vollends erzählt, aber Rain konnte Rikiyas Geheimnis auf keinen Fall for Khojin auspacken. "Wezette hat wohl den besten Grund für diesen Krieg..." Der Rest der Wölfe schien genug zu Essen zu finden, hatten auch früher ein paar Wälder, slso warum sollte man anfangen Menschen zu essen? Widerlich... Rain würde dort kein Fleisch anrühren. "Wirklich?", fragte er, "Du hast nichts dagegen, dass ich ein schwaches, krankes, Schaf bin? Nayantai war schon einmal verheiratet, nicht wahr? Ich habe mich nie getraut weiter nachzufragen..." Es war eine Frau gewesen, so viel wusste Rain und wohl eine etwas engagierte Ehe, Freiheit der Wölfe hin oder her, manchmal waren sie nicht besser. Viel mehr wusste Rain aber nicht. "Huh? Es ist mir nicht peinlich, ich will nur unsere Reise nicht verzögern..."
    • “Vermutlich. So gut ich glaube, das alles im Griff zu haben, würde es für Probleme sorgen, wenn er einfach sterben würde. Abgesehen davon, dass die Thronfolge in Thria nicht so ordentlich geregelt ist.” Eigentlich wäre Khojin gar nicht an der Reihe zu regieren und Nayantai auf den Thron zu setzen war wahrlich keine profitable Idee. Ein labiler König der sich mit dem Nächsten messen konnte, beide zerfressen von Hass und angetan von der Wagemut, die sie einander nur aberkennen konnten. Khojin war es leid, auch nur einen weiteren Gedanken daran verschwenden zu müssen. “Nein, die Temperaturen dort unten machen selbst unseren Vater krank, vermutlich auch, weil es hier oben ein wenig warm ist. Im Westen ist es eiskalt und der Boden besteht nur aus zusammengeschobenen Eisplatten - wir sind nicht direkt dort aufgewachsen, aber unsere Siedlung war am Übergang. Ein wenig Erde hatten wir also noch.” Der Rest davon war Yaoshen, zumindest nannte es Shuren’s Familie schon immer so - bei dem Gedanken an die widerliche Schlange drehte sie lediglich die Augen über. Noch ein Mensch der ihr gestohlen bleiben konnte.

      Grund für den Krieg? Khojin behielt ihr amüsiertes Prusten für sich und starrte Rains Rücken an. Sicher war das auch eine Art, die Welt zu sehen. “Meinst du? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wie wahr die Geschichte sein soll. Vielleicht ist das alles nur Humbug, der die Flammen des Kriegs weiter entfachen soll.” Wunderte es irgendjemanden noch, dass solche Erwägungen im Raum standen? Wer wusste schon, an welchen Ort wer zuerst angegriffen wurde - vorschnelle Gegenwehr schien auch nicht unwahrscheinlich. “Ja? Wieso soll mir so etwas ausmachen? Du wirst vermutlich alles versucht haben um dich auszuprobieren, dir jetzt einzureden oder zu diskutieren, dass du es nicht hart genug versucht hast ist Zeitverschwendung, die du sicher schonmal erduldet hast … und ja, Tei. Aber das erzählt er dir am besten selbst.”, gestand sie Rain, der gerade jetzt interessierter denn je schien. Khojin nahm die Zügel fest in die Hand und erstickte die Konversation im Keim, kaum trieb sie das Pferd mehr an. “Na gut, dann halt dich fest.”
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    • Die Wölfe waren allesamt ein komisches Pack, oder vielleicht waren es nur die im Westen, die vom Krieg verschont blieben. Keine Fesseln, nicht einmal Nachts. Dieser Junge war um einiges jünger als Caelan, er konnte sein Vater sein, aber einem schlafenden Mann die Kehle durchzuschneiden war einfach, auch wenn Caelan so etwas aus Prinzip nicht tun würde. Sie alle glaubten ihm, wenn er sagte ihr Prinz war in seiner Heimat, wie seltsam. Caelan hätte wohl gelacht und sie als Verrückt abgetan, aber der Prinz schien wohl sehr beliebt zu sein. Ob der König der Wölfe ihm ebenfalls zuhören würde? Als Vater hoffte er einfach, dass auch nur die kleinste Chance genug war, um ihn zu überzeugen. Caelan wusste selbst, dass sein eigener Sohn vermutlich bereits tot war, immerhin waren es nicht die Wölfe gewesen die ihn und seine Männer angegriffen hatten. Fhaergus wäre ihr nächstes Ziel gewesen, er musste dorthin zurück, so schnell wie möglich.

      Die Reise zog sich und Caelan war mehr als ungeduldig. Wenigstens wurde es wärmer und seine Lunge brannte nicht jedes Mal wenn er nach Luft schnappte. Seine Augen erholten sich allerdings nicht, auch wenn er das für sich behielt. Wenn die Sonne hoch am Himmel stand und vom weißen Schnee reflektiert wurde, bekam er Kopfschmerzen und wenn es dunkel war, konnte er kaum seine eigene Hand vor Augen sehen. Verdammt. Muhan war nicht sehr gesprächig, Caelan evenfalls nicht, aber Oyu konnte ihren Mund kaum in Zaum halten. So verging wenigstens die Zeit. Es war allerdings unerfreulich als Oyu ihm erklärte, dass Muhan nicht genau wusste, wo ihr König im Moment zu finden war. Noch unerfreulicher war es, als sie ein paar Raben folgten und eine Menge tote Schafe entdeckten die sie dann zu dem Rest einer Zeltstadt führten, die nicht mehr da war. Zumindest hatten sie einen Anhaltspunkt und eine Spur. Caelan fand es war Zeitverschwendung, aber er hatte nicht viel das er ausrichten konnte. Muhan meinte sie wären nah dran, aber Oyu schien verwirrt über die Richtung die sie einschlugen. Für Caelan machte der Süden Sinn, Adrestias Armee befand sich schließlich hauptsächlich im Norden für dieses Jahr.

      Der Schnee wurde auch langsam weniger, nicht nur der Ritt gen Osten sorgte für höhere Temperaturen, auch der Sommer kündigte sich langsam an. Es machte es der Adrestianischen Armee einfacher zu agieren. Caelan auch, aber selbst ihm wurden die ganzen Felle und Decken zu viel, sehr zu Oyus Erleichterung, die schon beinahe zu schwitzen anfing. Und sie wollte mit nach Adrestia? Es fühlte sich erneut wie eine halbe Ewigkeit an, bis sie schließlich doch fanden wonach sie gesucht hatten. Eine große Zeltstadt, nicht sehr verschieden zu denen die Caelan bereits gesehen und angegriffen hatte, nur dieses Mal war es anders. Muhan hielt an, Oyu teilte Caelan mit, dass er aufstehen und mitkommen sollte. Fesseln wurden ihm immer noch nicht angelegt, die Blicke der Wölfe entgingen ihm trotz seinen Einschrenkungen jedoch nicht, als er Muhan folgte, der gezielt auf eines der Zelte in der Mitte zumarschierte. Es war wohl an der Zeit einen Wolf anzubetteln...
    • Ruhe war nicht gerade Rikiyas Lieblingsthema - nicht nur, dass er selten lange stillsitzen wollte, es erinnerte ihn zusätzlich an seine Jugend, die er damit verbrachte, nichts weiter zu tun als herumzuliegen und sich ausschweifend über die Welt zu beschweren, in deren Mitte er keinen Gefallen an ihrer Schönheit finden konnte. Immer wieder plagten ihn Gedanken der Vergangenheit und Fragen, deren Auflösung mit höchster Wahrscheinlichkeit keinen zufrieden stimmen konnten. Wieder und wieder hatte er sich eingeredet dass er früher oder später in diesem Leben auch an seine Grenzen stoßen würde und die wandernde Siedlung, die von einem Punkt Thrias an den Nächsten kroch, würde sie auf lange Sicht hinweg nicht vor jenem Unheil bewahren, das sich im hinter ihnen auftat. War es wichtig, dass sie sich in Sicherheit wiegen konnten oder entsprach es doch eher der gelebten Wahrheit, dass das gemeinsame Tor zur Hölle sich erst dann auftat, wenn sie die Schwelle überschritten? Sorgen zerfraßen ihn oftmals unerwartet, doch in unruhigen Träumen fand er die Einsamkeit seines Lebens widerlicher als sonst, als würde seine Vergangenheit ihn ausgerechnet deshalb fragesuchend anstarren, während er noch immer am Ufer jenes Sees stand, an dessen anderem Ende sich die Wahrheit befand, die er nicht wage, in den richtigen Blickwinkel und somit seinen Augen zu richten.

      Die Zelte ragten aus dem Boden hervor, als hätten sie eines Jahrzehnts, viele Monde zuvor, schon diesen Ort eingenommen - den Wegerand des Lebens, dem sie alle zusahen wie einem plätscherndem Bach. Darauf zu warten, dass sich die winzige Menschentraube vom Ufer der Wahrheit die Blöße gab, sich wiederum in die Hände des Lügners flüchtete, den sie ihren Vater nannten, Rikiya glaubte nicht daran. Eher wollte er sich einreden, dass Nayantai seine Reise in einem Stück bewerkstelligte und zu sich fand und dass Khojin und Rain den Temperaturen und der Einsamkeit gewachsen waren, dass auch sie einen Moment hatten, in welchem die Stille der Welt abseits eines Schlachtfelds und außerhalb einer Siedlung Balsam war, den man ihnen auf die Seele schmierte, als wäre es eine letzte Genugtuung.

      Die Hoffnung war es auch, die zuletzt starb - die Münder seines Volkes bewegten sich ohne ihren König, Mei war es, die an seiner Seite von alten, halbherzigen Geschichten grummelte und zurechtwies, wenn er zu viel seines Gewichts auf eine Seite verlagerte, oder die heilende Wunde eher belastete, als er sollte. Rikiya konnte nicht stillsitzen, glaubte nicht, dass das Kribbeln in seinen Fingern und seiner Lunge besser würde, wenn er die Kälte des sich langsam erwärmenden Landes auch noch in seine Knochen einziehen ließ, wie ein verwirrter Wanderer in ein augenscheinlich verlassenes Zelt, fern abseits jedweder Siedlung. Gerade, als er glaubte, sich besser zu fühlen, waren es ein Husten und ein Fieberschub, der ihm zu schaffen machte und die Welt verschwimmen ließ - er ebbte ab, bevor er den König in die Knie zwang. Zufrieden war er dabei nicht, dennoch schien es wohl offensichtlich, dass es keiner wäre, der sich in solch einer Situation behaupten musste. Angeschlagen, heilend, hatte er es sich schlussendlich doch aufgetragen, nach dem Rechten zu sehen - seine Berater erlaubten sich nicht, ihm auch noch das zu nehmen, weil sie glaubten, dem König nachzustehen und seine Entscheidungen nicht hinterfragen zu dürfen.

      Der Zelteingang öffnete sich auch hier und Rikiya, der gerade dabei war, sich eine Tasse Tee aufzusetzen, sah nicht einmal auf als er eine Karte auf dem niederen Tisch überflog. "Onkel, ich habe Besuch gebracht.", erklärte ihm die Männerstimme, deren Gesicht sich durch den Zelteingang wurmte und Rikiya hellhörig werden ließ. Der westliche Dialekt, huh? "Habe ich dir noch schon so oft gesagt, dass du mich nicht Onkel nennen sollst?" Das galt nicht nur für Muhan - Rikiya fühlte sich alt, noch mehr so, als er aufsah. Ewigkeiten hatte er den schelmisch grinsenden Mann nicht mehr gesehen und jedes mal, wenn er es tat, fühlte er sich schlecht. "Hab etwas Respekt vor eurem König, Prinz Muhan.", keifte einer der Männer des Kriegsrats, der neben dem König stand und über Rikiyas schlaffe Schultern spähte, um auf einen Punkt auf der Karte zu deuten. "Ach, seid doch nicht so. Darf ich euch euren Besuch vorbeibringen?" Oyu war es unterdessen, die ihren Kopf auch zwischen dem Vorhang hervorsteckte um einen Blick auf das prunkvolle Innere des Kriegszelts zu erhaschen, das sie von außen hin schon fragwürdig fand. "Ich denke nicht, dass der König gerade eine Audienz entgegen nehmen kann.", sprach eine Frau im Bunde, eher schroff wirkend, als sie Oyu's kindliches Gesicht erhaschte. "Außerdem hat er für den Schabernack von Kindern keine Zeit." Muhan sah herab, bevor er Oyu bemerkte und schien zu seufzen. Er schüttelte den Kopf und öffnete den Zelteingang schließlich, um den Wölfen zumindest einen Umriss von Caelan zu präsentieren - nicht, dass es wichtig war. "Ich bringe euch den Gefangenen. Shuren hat euch doch einen Brief geschickt? Die Kleine ist seine Übersetzerin.", erwiderte er nickend und Oyu fand es wohl an der Zeit, sich auch einzumischen. "Erstens heiße ich Oyu und zweitens heißt er Caelan!", echauffierte sie sich und Muhan, der nicht gerade an dem Geplänkel interessiert war, staunte nicht schlecht, als der desinteressierte, müde König in seine Richtung starrte, als hätte man einen Bluthund auf eine frische Fährte angesetzt. Rikiya sprang nicht auf, aber die abrupte Bewegung, in der er sich von seinem Sitzplatz hochbemühte, hinterließ einen stechenden Schmerz. Unzufrieden schnaubte er. "Meinetwegen, aber nicht im Kriegsrat. Ihr könnt ihn zum Königszelt bringen und dort warten lassen und euch dann etwas ausruhen. Ich kümmere mich alleine um ihn. Auf Oyus Dienste bin ich nicht angewiesen." Muhan nickte lediglich und Oyu war es, die Caelan knapp schilderte, was der König so schroff von sich gab - sie machten einen Umweg zum Königszelt und deponierten den alten Mann dort auf einem der Kissen in der Mitte bei der Feuerstelle des großen Zeltes, bevor sie selbst das Weite suchten. Rikiya ließ nicht unbedingt lange auf sich warten, schien jedoch mehr daran interessiert, Wasser für eine Tasse Tee aufzustellen, während er vermied, Caelan in sein Gesicht zu starren, als wäre es wirklich der Mann, der ihn noch in tausend Jahren heimsuchte. Sein eigenes Herz hämmerte in seiner Brust, seine Finger zitterten ein wenig und den Haufen Müll, so hatte man die Dinge die Caelan gehörten genannt als man ihn übergab, warf mehr Fragen als Antworten auf. Rikiya deponierte ihn neben sich, auf der anderen Seite der Feuerstelle.

      Unangenehm war die Stille, die im Zelt vorherrschte, als der König sich mit getrockneten Teeblättern und zwei noch leeren Tassen dort niederließ, seine Augen auf das Feuer und den Kessel gerichtet. "Ihr seid also im Westen angespült worden und habt den weiten Weg zurück nach hier oben eingeschlagen? Natürlich mehr oder minder unfreiwillig, schätze ich.", sprach der König schlussendlich, seine Worte unsicher und seine Körpersprache nicht die eines Mannes in bester Verfassung. "Und dann noch vor den König der eigenen Feinde gesetzt werden, womöglich nicht der schönste Moment in einem Leben ... Caelan, ja? Ich bin Rikiya."
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    • Caelan sah keinen Grund sich nicht angemessen zu verhalten, folgte einfach Muhan und wartete dann vor dem Zelteingang, während die Wölfe miteinander sprachen. Oyu gab ihm eine kurze Zusammenfassung des ebenfalls kurzen Gespräches und erneut folgte er Muhan durch die Siedlung zu einem anderen Zelt, in das sie ihn hinein führten. Er konnte nicht behapten jemals in einem solchen gewesen zu sein, normalerweise brannten sie sie nieder, statt sich anzusehen wo die Wölfe denn überhaupt lebten. Es war geräumiger als es von außen aussah und hatte eigentlich alles, was man brauchte. Caelan war aber auch nicht zimperlich und legte nicht viel Wert auf Luxus. Ein Bett war mehr als er in Thria normalerweise hatte, auch wenn aus nur aus Fellen bestand. Die anderen Lords hatten doch auch große Zelte mit Tischen und Stühlen, aber Caelans Trupp war zu viel unterwegs um so viel mit sich herumzuschleppen und er brauchte auch nichts davon.

      Ihm wurde gesagt er solle sich auf den Boden an einen kleinen Tisch setzen und das tat er auch ohne Wiederrede. Muhan und Oyu verließen das Zelt daraufhin wieder und erneut war Caelan überrascht, dass er weder angebunden, noch wirklich bewacht wurde. Umgeben von Wölfen würde er allerdings kaum weit kommen. Er wartete also, bis der König der Wölfe sich zu ihm bemühte, was weniger lange war als er gedacht hatte. Der kurze Lichtwechsel zwischen dem dunklen Zeltinnerem und der Sonne die von draußen hereinblitze als der Stoff zur Seite bewegt wurde sorgte erneut für einen kurzen Schmerz, den Caelan sich allerdings nicht anmerken ließ. Der König selbst nur eine schattenhafte Figur, bis Caelans Augen sich erholten. Viel zu sehen gab es ohnehin nicht, er war ein Wolf und sah wie einer aus. "Ich wäre lieber bereits auf dem Weg nach Hause.", entgegnete er. Dieser König hatte keinen Akzent und wusste sogar wie man Caelans Namen aussprach? "Hat man euch nicht gesagt weswegen ich hier bin?" Caelan vergaß sich beinahe, entschied aber es wäre wohl besser bliebe er einigermaßen höflich und diplomatisch. Nicht gerade eine seiner Stärken. "Bevor ich zurück ins Wolfsland bin sah ich euren Sohn. Lebendig. Zumindest nannte man ihn Prinz der Wölfe. Zuletzt war er bei meinem Sohn."
    • Rikiya fielen ein paar seiner weißen Strähnen in das verdutzte Gesicht, als er nun schließlich doch einen Blick auf Caelan erhaschen wollte - ihm fiel die Narbe auf, die in dem alten Gesicht ruhten, das wohl mehr als ein paar Schlachten sah. In ihm brodelte es, wollte er sich doch über all die Dinge erkundigen, die Rain ihm bereits erzählt hatte, über Darragh und Allard, über den Krieg und die Tatsache, dass der Tod seiner Mutter und sein eigenes Verschwinden der perfekte Katalyst für Darragh's Idioten gewesen waren, aber auch wieso Caelan es wagte, sich mit den hirnrissigen Ideen des alten Verrückten anzufreunden, nachdem Ronan ihm mehr als nur einmal davon berichtet hatte, dass man sich mit seinem alten Mann nicht auf einen Haufen packen sollte. Wahrscheinlich war er auch einfach ein Idiot gewesen, dem man nicht besser erklären konnte, wie man sich in dieser Welt aus Zorn und Hass zu verhalten hatte. "Und Ihr glaubt, dass es noch einen Weg in dieses verruchte Land gibt? Für Euch?", erkundigte er sich, gleichermaßen erstaunt über das fehlende Blatt vor Caelans Mund und die Zuversicht, dass ein Wolf ihn einfach gehen lassen würde. Der Teekessel pfiff Rikiya aus seinem Element, als er sich und Caelan einen Tee einschenkte und die zweite Tasse über die Tischplatte schob, um sie dem Wolf anzubieten.

      "Nein, aber Ihr scheint zu glauben, dass es euch aus dieser Situation retten würde.", bemerkte er schmunzelnd. Für ihn war Caelan also wirklich ein Schaf - Beute, die ihm zustand, wenn auch gleich nicht im traditionellen Sinne des Wortes. Wie lange es ihn wohl kosten würde, besser auch ihm etwas auffiel, das ihm sauer aufstieß? Rikiya hoffte, einerseits, dass es passieren würde und andererseits glaubte er, dass es eher von Vorteil wäre, dieses elende Kapitel abzuschließen und nie wieder daran denken zu müssen. "Mein Sohn also? Was macht Euch so sicher, dass er wirklich derjenige war, der er vorgab, zu sein?" Lügner und Trüger gab es in jedem Land, auch, wenn Rikiya bereits wusste, dass Caelan von keinen Unwahrheiten sprach. Belustigend war es dennoch allemal und Rikiya wusste, dass er gerade Schach mit jemandem spielte, der ohnehin keine Figuren mehr auf dem Feld hatte - nicht, weil er zu dumm war, sondern weil ihm die eigene Armee unlängst nicht mehr gehörte. "Also habt Ihr eine Person, von der Ihr glaubt, sie sei mein Sohn, bei Eurem Sohn zurückgelassen? Und nun wollt Ihr ihn gegen Eure eigene Freiheit tauschen? Oder nur die Information darüber? Wann wart Ihr das letzte Mal in Eurer Heimat, hm?"
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    • Caelan sah zu wie der Wolf ihnen Tee einschenkte, wobei er eigentlich keine große Lust darauf hatte. Wenigstens war es einfacher mit ihm zu sprechen, als mit diesem anderen Wolf, der für niemanden etwas übrig zu haben schien. Naja, er hatte ihn am Ende doch gehen lassen, also sollte Caelan sich wohl glücklich schätzen, auch wenn er seine Spielchen ertragen musste. "Ich habe es zumindest einfacher als ihr.", erklärte Caelan. Warum sollte ihn jemand aufhalten wenn er durch Wezette reiste? Er sah aus wie ein Schaf, man würde ihn wohl kaum erkennen, speziell dann nicht, wenn man dachte er wäre tot. Er fragte sich was die offizielle Fassung war. Wenn er Glück hatte, hatte man Rain nur gesagt er wäre in der Schlacht gefallen und was auch immer der König von da an erreichen wollte, sah vielleicht einfacher aus, wenn es Rain war der den Titel des Lords von Fhaergus inne hatte. Er wurde schon immer unterschätzt.

      "Mich retten? Es kümmert mich nicht was mit mir geschieht, ich möchte nur sicherstellen, dass es meinem Sohn gut geht. Zufälligerweise würde das auch bedeuten nach Eurem zu sehen und ich dachte, daran hättet Ihr vielleicht Interesse.", erklärte er knapp als ginge es nicht gerade um die wichtigste Person in Caelans Leben. Ob der König der Wölfe dasselbe für seinen eigenen Sohn empfand konnte er nicht sagen. "Ich kann euch zeigen, wo er aufgegabelt wurde. Er saß in dem schicksten Zelt." Dass Caelan derjenige war der ihn überhaupt erst eingefangen hatte, behielt er lieber für sich. "Er hatte außerdem eine Narbe an seiner Hand. Als hätte man ihm eine Klinge hindurch gejagt." Und die hatte er schon damals gehabt, viel mehr konnte Caelan über ihn nicht sagen. "Ich will nach meinem Sohn sehen, nicht meine Freiheit. Ich bin nicht einfach ins Meer gefallen und wurde gen Westen gespült, man hat mich hintergangen. Mein Sohn ist in Gefahr und Eurer ist es somit auch. Wenn es auch nur eine kleine Chance gibt, dass er noch am Leben ist, dann muss ich alles dafür tun ihn zu finden. Als Vater könnt ihr das doch bestimmt verstehen? Es gibt keinen Grund, warum ihr mich gehen lassen solltet, ginge es nur um mein eigen Fleisch und Blut. Also, hier ist mein Vorschlag, Ihr lasst mich nach Fhaergus gehen, Ihr lasst mich nach meinem Sohn suchen und ich gebe Euch all die Informationen die ich auf dem Weg über Euren finde. Ich bringe ihn sogar hierhin zurück wenn er noch dort ist."
    • Rikiya nahm einen Schluck und fragte sich, ob der alte Mann vor ihm Tomaten auf den Augen hatte, oder ob es anderweitig etwas gab, das sich an ihm verändert hatte, außer der Zahn der Zeit, der an ihm schon ein Leben lang zehrte. Ermüdend war dieses Thema und das Pochen seines Herzen in der schweren Brust, dessen knochiges Gefängnis keine Sinnflut der Gefühle aufhalten würde, quollen sie erst aus ihm heraus, wie das Wasser aus einem freigelegten Brunnen. "Oh, meint Ihr das? Ich denke eher, dass man sehr interessiert daran wäre, Euch an Ort und Stelle zu richten, wenn man euch sieht - die Narbe in Eurem Gesicht ist wunderbar auffällig." Und selbst jene Zeit, die alle Wunden heilen sollte, schaffte nicht einmal die Kerben aus Caelans Jugend von ihm zu nehmen - wie Pech klebte der Geist eines toten Mannes an ihm, eines Mannes, der sich nicht freiwillig neu erfunden hatte und sich doch in Schuhen wiederfand, die er nie tragen wollte, so lange er lebte. "Worauf hofft Ihr? Dass Euer Land Euch willkommen heißt, nur, weil Ihr einst ein Mann wart, der es regiert hatte?" Die Erde beugte sich keinem, ihre Kinder - das Volk eines Fürsten - mussten es nicht, wenn sie sich gegen die vorherrschende Macht wehrten, und doch, wer hatte heutzutage noch Kraft für solche Dinge?

      "An einem toten Mann?", belächelte Rikiya nur, als man über Nayantai sprach. Nichts, das Caelan ihm versprach musste der Wahrheit entsprechen und doch, auch wenn man ihn schon des Gegenteils bestärkt hätte, so konnte er die Hypothese nicht sein lassen. "Ihr reibt gerne Salz in die Wunden Eurer Feinde, nicht wahr, Fürst Caelan? Also kann ich wohl davon ausgehen, dass Ihr eigentlich daran schuld seid, dass mein Sohn erst verschleppt wurde, hm?" Noch immer hatte er ein nettes, warmes Lächeln auf den Lippen - Rikiya wollte doch nicht, dass es seinem Gast so vorkam, als hätte er ihn getroffen - wahrlich, gerade war er sich nicht sicher, wie sehr er Caelan für all die sich häufenden Dummheiten den Schädel abreißen möchte. Ach, was für ein feiger Mann er doch sein konnte und welch aberwitzigen Ziele er verfolgen musste, um sich erst auf solche Dinge einzulassen. "Derartige Narben hat nicht nur ein Wolf." Ein Seufzen folgte auf einen Schluck Tee, als ihm die Lungen brannten. Wieso denn ausgerechnet jetzt wieder? War er noch immer fiebrig? "Hm, wie wäre es mit einem Nein?", schlug er Caelan vor und lachte dabei für einen kurzen Moment - gehässig, so wie er es verdient hatte. "Ich kann Euch weder vertrauen, noch will ich das - aber ich kann Euch glauben, was ich auch tue. Ihr werdet in Eurer Heimat Niemanden finden, den Ihr sucht - weder Euren, noch meinen Sohn. Mein Sohn war so gnädig, sie beide hierher zu bringen, damit sie den Intrigen Adrestia's nicht zum Opfer fallen. Wenn Ihr also die Güte besitzen würdet, Euch ein paar Wochen zu gedulden, dann wird Euer Sohn von der Grenze zu Wezette zurück sein. Komisch, dass Ihr Euch überhaupt jetzt für Ihn interessiert - wie sagte Rain noch gleich? Ihr habt Euch nie für Ihn interessiert, weil Ihr immer geglaubt habt, er sei zu schwach? Schämt Ihr Euch nicht für Euer erbärmliches Verhalten?"
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    • "Dann setze ich eben eine Kapuze auf.", erwiderte Caelan mit zusammengebissenen Zähnen. Als könne er sich nicht gegen ein paar halbgare Soldaten wären, die nicht damit rechneten, dass abseits der Wolfslande irgendetwas passierte. Natürlich wusste Caelan, dass es nicht einfach werden würde, den König der Wölfe davon zu überzeugen, einen Kriegsgefangenen einfach gehen zu lassen, aber es war nun einmal auch so, dass Caelan absolut nichts wert war, so wie die Dinge nun standen. "Ich rede nicht von meinem Land, ich rede von meiner Familie. Ich mag nicht in der Lage sein mein Fürstentum zurückzuerobern, aber ich kann ein oder zwei junge Männer über die Berge führen." Er hatte mehr erwartet. Verdammt, wäre Caelan an dieses Königs Stelle, er würde einen Wolf laufen lassen, wenn es hieß, dass er seinen Sohn dadurch vielleicht wiedersehen konnte. Egal wie wenig er ihnen vertraute und egal was sie ihm genommen hatten. Es spielte ohnehin keine Rolle mehr.

      "Er lebt.", erwiderte Caelan mit einer Sicherheit, die er sich eigentlich gar nicht leisten konnte. Er hatte gelebt, wenn auch nur gerade so. Rain hatte ihm bestimmt wieder auf die Beine geholfen, aber die Frage was danach geschah blieb immer noch offen. "Wie sonst kann ich Euch beweisen, dass es Euer Sohn war? Unsere Völker liegen seit Jahren im Krieg, wenn wir jetzt anfangen und gegenseitig unsere Verbrechen vorzuwerfen, dann sitzen wir noch in einer Woche hier. Ihr wisst genauso gut wie ich, dass ich an diesem Krieg beteiligt war. Wenn ihr mich deshalb hinrichten wollt, dann tut es eben. Ich bin die Spielchen von euch Wölfen satt. Kommt zum Punkt." All dieses Gerede und die Tatsache, dass sich diese Wölfe immer noch für etwas Besseres hielten. Jetzt da sie einen Adrestianer gefangen hatten, nicht einmal durch ihre eigene Kraft, kamen sie sich auf einmal so wichtig vor. "Und er hatte langes schwarzes Haar, war in etwa so groß wie ich, was wollt Ihr von mir? Ihr seht alle mehr oder minder gleich aus." Caelan konnte auch nur mit den Informationen arbeiten die er hatte. "Nein?", fragte Caelan nach. Am liebsten wäre er über den Tisch gesprungen um diesem Mann ins Gesicht zu schlagen. "Ist euch Euer eigener Sohn so wenig wert, dass Ihr meine Worte nicht einmal in Erwägung zieht?" Was hatte Caelan auch anderes erwartet? Die folgenden Worte des Wolfes prasselten auf ihn ein und er konnte sie nicht so recht verarbeiten. Nun war er an der Reihe diesem Mann nicht zu glauben, aber was sagte er da, Rain? Er kannte seinen Namen? "Was?", fragte er, er hatte keine Worte. Trotzdem runzelte er die Stirn und biss seine Zähne zusammen. Dieser Mann, genauso wie der andere Wolf, wollten ihn wohl unbedingt provozieren. "Ihr wisst nichts über mich, oder meinen Sohn!", knurrte er. Von einem Wolf musste er sich so etwas nicht anhören! Schon gar nicht von einem der erst Caelan gebraucht hatte, um seinen eigenen Sohn zu retten. Ohne ihn würde er immer noch in einem Kerker vor sich hin vegetieren. All die Fragen die er hatte, wie warum Rain dann irgendwo in der Nähe von Wezette sein sollte, wurden unter einer Decke von Wut begraben.
    • "Etwas besseres fällt Euch nicht ein?", entgegnete Rikiya obgleich der mangelnden Tarnung, die in Erwägung gezogen wurde. Am besten, Caelan versuchte es gar nicht erst, in dieses Land einzufallen und nach den Trümmern einer halbherzig gelebten Existenz zu suchen, zumal Rain sich ohnehin in den Ländereien dieser Welt aufhielt, die so manch Adrestianer als nicht irdisch sahen. So, als wären Wölfe nicht ein und dieselben Menschen, die tagein und -aus mit Problemen zu kämpfen hatten, die sich durchaus vermeiden lassen würden, wenn sie alle an einem Strang zogen - stattdessen scherten sie sich einen Dreck um einander und wollten nur in Richtungen expandieren, die ihnen keineswegs ein längeres Leben bescheren würden. Wenn der adrestianische König seinem Gefolge sagte, sie sollen für ihn sterben, weil ihnen die Männer ausgingen, welche Art von Geist würde die leeren, mit Blut benetzten Steppen bewohnen, die einst dem freien Wolfsvolk gehörte? "Gleich, wie Ihr in der Lage seid, meine Familie und mein Volk auszurotten oder zu verschleppen, hm? Glaubt Ihr wirklich, nur weil Ihr meinen Sohn von einem Kerker in Euer Haus schleppt, dass Euch Vergebung für Eure Missetaten gebührt?" Was für ein einfältiger Mann Caelan von Fhaergus doch war - Rikiya konnte ihn nur belächeln, den Mann, dessen Antlitz er jahrelang misste und nun, wo er ihn vor sich hatte, fühlte er sich, als ob es beinahe besser gewesen wäre, die Vergangenheit in dieser zu lassen.

      "Die Spielchen von uns Wölfen?", das harsche Lachen, das Rikiya entkam war nichts, das er von sich selbst gewohnt war - es hallte durch das Zelt und traf seine eigenen Ohren erst wieder, als ihm die Tränen kamen, nicht aber aus Mitleid. "Lasst mich überlegen, wer hat Thria zuerst angegriffen? Seine eigenen Halbwölfe hinrichten lassen, weil sie das Blut ihrer Eltern teilten? Wer war es noch gleich, der auch gerade meinte, wie schön das Zelt meines Sohnes war, aus dem er ihn wohl oder übel mitgenommen hat, während er den Rest der Siedlung niederbrennen ließ? Und ihr Schafe glaubt wirklich, dass ihr es verdient habt, zu leben? Euch so weit aus dem Fenster zu lehnen, in der Präsenz eines feindlichen Königs? Oh, wie jämmerlich ihr doch alle seid." Beleidigungen kannte Rikiya zu Genüge - zehntausende und mehr, die Caelan nicht allein betrafen, aber die wie eine Genugtuung schienen, wenn man bedachte, wie schmerzhaft das Erlebte sein konnte. "Eine Narbe, die jeder Zehnte hat und schwarzes Haar, das in Thria vorherrscht? Meine Güte, ihr Schafe hasst es wohl auch, wenn einer nicht aussieht wie ihr." Rikiya verdrehte die Augen, hatte genug von der Lappalie und belächelte Caelan und seine dummen Versuche lediglich. Ach, wie lange konnte er diesem Mann wohl auf der Nase herumtanzen? Ehrlich gesagt hatte er das verdient, nachdem was ihm die Vögelchen über sein Zusammenleben mit Darragh gezwitschert hatten. "Oh, nein, aber ich brauche die Hilfe eines dreckigen Schafs nicht, vor allem, wenn ich weiß, dass es nur hohe Töne spuckt. Wenn ich deinen Respekt nicht verdient habe, dann sehe ich nicht ein, wieso ich vor dir kauern sollte." Widerlich, nicht wahr? Aber ein Blatt hatte Caelan noch nie vor den Mund genommen - gerade eben ritt er sich dadurch noch tiefer ins Abseits. "Oh, auch dann nicht wenn dein Sohn mir von dir erzählt hat? Nichts, obwohl ich mit ihm geredet habe, als ich ihn zu unserer Siedlung gebracht habe? Ich glaube ich weiß mehr über deinen Sohn, als du jemals wirst, wenn du dich weiter so anstellst."

      Immer noch lachte er Caelan spöttisch aus - der entnervte Gesichtsausdruck stand ihm doch, aber noch hielt er sich zurück. "Ich weiß, wie Rain sich dir gegenüber fühlt, dass er ohne warme Kleidung keine Chance hier draußen hat, dass er eine tote Mutter hat und einen Vater, der sich eigentlich einen Dreck um ihn schert. Ich weiß auch, dass er wissbegierig ist, dass er ein begabter Taktiker ist und hanebüchene Ideen hat, die jemandem wie mir in tausend Jahren nicht einfallen würden. Dass du jeden Winter nach Hause kommst und dich trotzdem nicht mit ihm beschäftigst, dass er glaubt, dass du tot bist. Hm, ich weiß auch, wen dein Sohn liebt, aber derartige Dinge würdest du ihn nicht einmal fragen." Wollte er es darauf ankommen lassen? Rikiya nahm eines der beiden Schwerter von Caelan, die man ihm mitgegeben hatte. "Wieso trägst du dieses Ding eigentlich mit dir herum?", hinterfragte er, als er das Schwert aus der Scheide zog - das diebische Glänzen in seinen Augen funkelte beinahe, als er seine eigene Klinge erblickte, die Caelan nun wirklich durch die Weltgeschichte schleppte wie ein Irrer. Er richtete die Klinge auf Caelan, hielt sie unter sein Kinn und belächelte ihn. "Anstatt dich um dein eigen Fleisch und Blut zu kümmern schleppst du eine Klinge durch die Gegend, die unmöglich dir gehören kann. Rain meinte doch, dass du den Krieg mit angezettelt hast ... ist dir dieses hässliche, unbedeutende Stück Blech mehr wert, als dein Sohn?"
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    • "Ist nicht Euer Problem.", erwiderte Caelan. Wieso diskutierten sie überhaupt über etwas, das nicht passieren würde, wenn es nach dem König der Wölfe ging? "Ich bitte bestimmt nicht um Vergebung von einem Wolf.", knurrte Caelan. Was interessierte ihn was der sogenannte König der Wölfe von ihm hielt? Ja, auch Caelan war dem Krieg überdrüssig geworden, auch er fand es war an der Zeit alte Wunden ruhen zu lassen, so dachte er schon seit Jahren und dennoch, er tat seine Pflicht. Er hatte den Prinz nicht aus dem Kerker geholt, weil er sich davon etwas erhofft hätte. Im Gegenteil, er hatte ihn dort gesehen und konnte es nicht ertragen, das war alles. Eine Kurzschlusshandlung die, wenn man es auf ihn zurück verfolgen konnte, nur für noch mehr Probleme gesorgt hatte und sein Schicksal entgültig besiegelt hatte. Er hätte sich nicht in Sicherheit wiegen lassen sollen, er hätte in Fhaergus bleiben und sich auf seinen eigenen Krieg vorbereiten sollen, aber am Ende dachte er, ein Komplott würde ohne Darraghs Zustimmung niemals Früchte tragen. Er hatte keine Möglichkeit zu wissen was genau in Adrestia vor sich ging.

      "Ja eure Spielchen. Eure seltsame Faszination wenn ihr einmal ein Schaf vor euch habt und die Tatsache, dass ihr dann auf einmal große Töne spuckt und uns verspottet, weil ihr einmal die Oberhand habt. Auf dem Schlachtfeld gelingt euch das schließlich nicht. Nur zu dann, was interessiert es mich, was ein König mit kaum einem Volk übrig über mich sagt? Ihr seit jämmerlich wenn alles was Ihr tun könnt ist, mich auszulachen, während eure eigenen Leute haufenweise sterben. Ich denke, alles was gesagt werden musste, ist gesagt. Ihr sagt mein Sohn ist in Sicherheit, mir bleibt nichts anderes übrig als Euch zu glauben. Dann tötet mich, werft meinen Kopf zurück nach Adrestia wenn es Euch beliebt, es wird nur niemanden interessieren." Caelan war es leid nicht auf normale Art und Weise mit diesen Wölfen sprechen zu können. Er legte seine Karten auf den Tisch, auch wenn es schlechte waren, mehr gab es doch dann nicht zu besprechen. "Kauern? Ich bat Euch um einen Gefallen, das ist alles. Aber wenn Ihr die Wahrheit sagt, dann hat sich das ja erübrigt." Caelan wusste sehr wohl, dass der Zorn den dieser König verspürte gerechtfertigt war und dass es wohl auch rechtens war, wenn er sich allein gegen Caelan richtete, weil dieser nunmal hier war. Er konnte nur hoffen, dass sich derselbe Zorn nicht auch auf seinen Sohn ausweitete, sofern dieser Mann die Wahrheit sagte. Caelan entging nicht, dass der König alle Höflichkeiten nun auch außen vor ließ. Es störte Caelan eigentlich weniger, wenn er für den Krieg und alle toten Wölfe verantwortlich gemacht wurde, es störte ihn noch weniger, sollte er hingerichtet werden. Der einzige Grund, warum er noch immer krampfhaft versuchte am Leben zu bleiben war sein Sohn. Er wollte ihn nur sicher wissen, konnte sich aber nicht zusammenreimen wie das hier draußen möglich sein sollte. Nicht nur der Krieg suchte diese Gegend heim, sondern auch all die Dinge von denen ihnen gesagt wurde, sie würden Rain töten. Nun sagte dieser Mann, er war wohlauf?

      Der König hörte nicht auf über Caelans Sohn zu sprechen und die Wut kochte in ihm hoch. Caelan schlug mit der Hand auf den Tisch als er sich erhob, sodass der Tee aus seiner Tasse überschwappte und auf dem Holz landete. Obgleich es so klang, als ob der König der Wölfe gefallen an seinem Sohn gefunden hatte, so wollte er sich diese Dinge nicht von ihm anhören. Er fand es auch etwas unangebracht und unheimlich, malte er sich doch die schlimmsten Dinge aus, die man mit Rain hier vorhaben könnte. Abseits davon, was dachte dieser König wer er war? Rains Ersatzvater? Es war nicht so als hätte Caelan irgendwelche nennenswerten Argumente, außerdem musste er sich diesem Mann bestimmt nicht erklären. Viel lieber hätte er ihm den Kopf abgerissen, hätte er nicht gefürchtet, dass es sein Sohn war, der die Konsequenzen ausbaden müsste. Der König schien unbeeindruckt und schnappte sich stattdessen eines von Caelans Schwerter. Diese Wölfe waren alle gleich, sie folgten sogar demselben Skript. Die Klinge lag erneut an seiner Haut, als wäre sie auf einmal dazu bestimmt. Der König der Wölfe war jedoch ein alter, verletzter Hund, der bellte und bellte und bellte, weil er nichts weiter tun konnte, während er wieder und wieder getreten wurde. Auch wenn Caelans Augen kaum noch richtig funktionieren und es auch so aussah, als würde sich das nicht mehr bessern, konnte er die schonende Haltung und die langsamen Bewegungen erkennen, die auf eine heilende Wunde schließen ließen. Caelan war herzlich unbeeindruckt und griff die Klinge die auf seinen Körper zielte einfach, riss sie dem Wolf aus der Hand und warf sie anschließend auf den Boden. "Wenn du schon nach einer Klinge greifst, dann benutze sie auch. Bist du fertig mit deinen Spielchen? Ich habe das hier schon mit deinem Freund aus dem Westen durchgespielt. Hat für uns beide nicht gut geendet.", grummelte er, keineswegs laut, eher bedrohlich, aber auch müde. Er musste das wirklich nicht wiederholen. Es spielte keine Rolle was er sagte oder tat, sein Leben lag ohnehin nicht mehr in seiner Hand. Als würde Inas Geist immer auf seiner Schulter ruhen und ihn ermahnen, die Situation wenn nicht seinetwegen, um Rains Willen nicht ausarten zu lassen, atmete er tief aus und schluckte seinen Ärger herunter. Er war verrückt, oder etwas nicht? Manchmal war es als könne er ihre Stimme hören, als wäre sie direkt neben ihm. Er setzte sich wieder als die imaginäre Hand ihn in die Knie zwang. "Alles was ich will ist, dass mein Sohn in Sicherheit ist, ob du mir nun glaubst oder nicht."
    • Das Schwert traf den Boden und Caelan maß sich an, sich als moralischen Kompass seiner eigenen, verworrenen Scheinwelt zu sehen. Wenn er diesen Man nicht besser kannte, so hätte Rikiya geglaubt, er wäre vollends verrückt geworden - womöglich hatten die Wiegen des Krieges und das unausstehliche Ende einer irdischen Existenz nicht viel zu bieten, wenn es darum ging, den eigenen moralischen Kompass zu unterbieten, den Schafe ohnehin als zweitrangig ansahen, wie sie es mit den Wölfen taten. "In deiner Welt gibt es keine Vergebung, ob du sie dir nun erbittest oder nicht." Der alte Wolf rieb sich die Schläfen und lachte ihn aus, das klägliche Schaf das jammerte und sich doch wieder raffte, als hätte es verstanden, worum es eigentlich ging - den Tee hatte er für nichts und wieder nichts stellenweise auf dem Tisch vergossen und Rikiya seufzte, als er nach einem Tuch griff, um die Misere zu beseitigen, die Caelan ihm bescherte. Ach, was machte er hier eigentlich? Seinen Hass über Gott und die Welt an Caelan auslassen, weil er die erste Person aus seinem letzten Leben war, die ihm unterkam? "Willst du dich gerade wirklich darüber aufspielen, dass ihr Schafe eine schwächere Nation von Nomaden ausrottet, die vor euch dieses Land bewohnt haben? Die euch euer grässliches Adrestia überhaupt erst geschenkt haben? Willst du dieses Fass wirklich mit mir aufmachen?", spottete er ihm gehässig entgegen, als man sein Volk verurteile, für eben jene Dinge, die allein aus Selbstschutz geschahen. Unbekümmert sah er zu seiner alten Klinge herüber bevor er sich überlegte, was er mit diesem Stück Vergangenheit anstellen wollte - es zerbrechen und nie wieder finden klang einleuchtend.

      "Oh, habe ich einen wunden Punkt getroffen? Wenn du dich mehr um dein einziges Kind gekümmert hättest, dann wären wir gar nicht erst in der Situation. Aber gut zu wissen, dass du viel lieber deinen eigenen Kopf und deine eigenen Gefühle an die vorderste Stelle heften möchtest. Glaubst du denn, dass Rain dich sehen will? Ich kann ihm die Entscheidung nicht abnehmen, aber er sollte in seinem Leben noch selbst entscheiden dürfen." Er gähnte, enttäuscht von der gesamten Situation und doch schien es nicht so, als würde seine gesunde, gute Laune wirklich abebben. Rikiya's Empfinden nach war er wiederum selbst empört, dennoch umspielte Freundlichkeit von außen hin die müden, erschöpften Züge eines alten Mannes, der sich nicht halten wollte, oder gar konnte. "Drohst du mir? Nur zu, wenn du dich nicht am Riemen reißen kannst, dann lass deine Gefühle Überhand nehmen. Es wäre ja nicht so, als wärt ihr Schafe nicht allesamt ein- und dieselben Heuchler. Abgesehen davon, glaubst du wirklich ich schneide dir die Kehle durch? Das hat doch keinen Mehrwert. Du redest die ganze Zeit davon, dass ich dich umbringen sollte, vermutlich damit ich meine Rache habe - foltern sollte ich dich und all die Schafe, die mir unterkommen, aber so ein Mensch bin ich nicht. War es denn eine Genugtuung, deinen Frust und Hass an Unschuldigen auszulassen? Siedlungen niederzubrennen und Leben auszurotten? Was hast du im Endeffekt erreicht, hm, Caelan?", spottete er das Schaf mit hohen Tönen - keiner von ihnen beiden hatte ein Leben erreicht, das sonderlich schön war und doch war es nun einmal so, dass Rikiya sich am längeren Ast sah. "Ja, ja. Ich glaube dir bedingt, aber wie bereits gesagt - wieso sollte mein Orchester deine Musik spielen?" Enttäuschend war diese Situation, nicht mehr, aber vorbei noch lange nicht. Rikiya trank seine Tasse leer und starrte das missgünstige Schaf danach nur an, unzufrieden wie er war. "Und? Wie fühlt es sich an? Rain meinte, ihr wurdet von Lavern angegriffen - soweit ich weiß führt der Weg durch Alster, und Rain meinte Darragh von Alster sei sein Patenonkel. Hast du in deinem Leben irgendetwas erreicht außer die falschen Entscheidungen zu treffen? Ich würde mit dir wetten, dass dein kleiner Exkurs in den Westen Thrias auch nicht zufällig war, aber was weiß ich schon - wir Wölfe spielen doch nur Spielchen mit euch, nicht wahr?"
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    • Caelan war nicht sicher was dieser Wolf von ihm wollte, abgesehen davon endlich ein Schaf bei sich zu haben, das er für alles hier verantwortlich machen konnte. Erstens wusste dieser Wolf nicht mit wem er es zu tun hatte und zweitens hatte Caelan nicht die Macht diesen krieg zu beenden. Er hätte es getan, hätte er gekonnt. Ronan zu finden hatte er schon lange aufgegeben und diejenigen die ihn verschleppt hatten waren bestimmt schon lange tot, oder zumindest nicht weiter wichtig. Ja, Caelan hatte den Krieg mitzuverschulden, aber er arbeitete nicht daran ihn am Leben zu halten. Sein Volk und auch andere Adrestianer wären besser dran, hätte der Krieg gar nicht erst begonnen, geschweigedenn mehrere Jahrzehnte lang weiter geführt worden. Nicht, dass dieser Wolf irgendetwas davon verstand. Caelan bat nicht um Vergebung, das hieß aber nicht, dass er nicht einige Entscheidungen in seinem Leben bereute. Er und Ina hatten oft darüber gesprochen und es war als ermahnte sie ihn auch jetzt dazu, diese Schuld die der Wolf irgendjemandem geben wollte, einfach auf sich zu nehmen. "Nein.", antwortete er lediglich. Es war nicht wirklich nachgeben, nur eine Diskussion darüber, wem welches Land zustand, war wirklich aussichtlos.

      Einzig und allein die Tatsache, dass dieser Kerl über seinen Sohn sprach, als kannte er ihn, oder Caelan, als wüsste er irgendetwas über ihrer beider Leben und als ginge es ihn irgendetwas an, machte ihn wütend. "Und du hast ja so hervorragend auf deinen-" Caelan stoppte sich selbst. Es stand ihm nicht zu so über den Sohn eines anderen zu sprechen, der bestimmt nicht gewollt hatte, dass sein Sohn verschlept und gefoltert wurde. Caelan erinnerte sich vage daran wie wütend, trotzig und voller Energie er einmal gewesen war. Davon war wirklich nichts mehr übrig geblieben. Zumindest hatte er die Kraft gehabt seinen Sohn hierher zu bringen, sofern dieser Mann die Wahrheit sagte. Das war wohl Rains verdienst. Hätte er die Möglichkeit gehabt sich mit anderen mehr auszutauschen, hätte er bestimmt viele Freunde gefunden, er kam ganz nach seiner Mutter. "Ich bestehe nicht darauf ihn zu sehen." Ob Rain ihn wirklich so sehr hasste wie dieser Wolf behauptete? Ach, wieso hörte er eigentlich auf die Worte einer Bestie die sich seinen Sohn unter den Nagel reißen wollte? Was war das hier? Eine andere Art von Rache? Du nahmst mir meinen Sohn, jetzt nehme ich dir deinen? "Du hältst mir eine Klinge an den Hals und fragst mich ob ich dir drohe?", fragte Caelan durch zusammengebissene Zähne. Darragh hätte gesagt er wäre zahm geworden. Wahr er wohl, Darragh hatte Caelans und Inas Ehe zwar unterstützt, aber sie war der Grund, warum Caelan solche Dummheiten überhaupt einging, wie einen Wolf aus dem königlichen Kerker zu befreien, weil er Mitleid mit ihm hatte. Und wieso sprach dieser Wolf über ihn als kannte er ihn? Wie viel hatte Rain ihm erzählt? Nun, er war schon immer viel zu ehrlich gewesen. Die Geschichte über den Beginn des Krieges war kein großes Geheimnis, auch wenn Ronan offiziell nichts weiter als ein Freund gewesen war. Eine recht extreme Reaktion, die sich hinter Darraghs eigenem Ärger verschleiern ließ.

      "Ich weiß nicht welche Antwort du dir von mit erhoffst. Dann töte oder foltere mich eben nicht. Es kümmert mich wenig." Was konnte er schon ausrichten? Seine Armee war größtenteils ausgelöscht, Fhaergus verloren. Zumindest Rain war sicher, aber auch nur solange wie Adrestia ihn nicht fand. Dass sein Schickal and das der Wölfe gebunden sein würde, was für eine Ironie. "Wenn ich dir etwas für die Sicherheit meines Sohnes anbieten kann, dann tue ich das." Was konnte er auch mehr tun? Im Notall benahm er sich, was ihm nicht gerade leicht fiel, und wenn sein Sohn in Reichweite war, konnte er sich immer noch mit ihm hier herauskämpfen. Es klang mehr und mehr so als wäre Rain nur ein Druckmittel, oder eine Geisel. Da hatte sich dieser Mann aber wirklich den falschen Fürsten ausgesucht. Caelan hatte nichts außer ein altes, stumpfes Schwert, dass nie dazu gedacht war benutzt zu werden. "Bist du damit fertig dich daran zu ergötzen, dass wir Schafe uns nun auch gegenseitig bekriegen?" Was wusste dieser Wolf schon von adrestianischer Politik? Lavern war ohnehin nur ein Mittel zum Zweck, ihr Fürst war ein Taugenichts und bekam bestimmt einen Befehl von jemand anderem. Vielleicht konnte Darragh sich einfach nur nicht wiedersetzen, wenn der Befel vom König selbst kam. Caelan hatte ihm genügend Gründe geliefert und er wollte auch niemals mehr als seine eigenen Männer mit einigen von Alster gen Westen zu schicken. Das alles artete viel mehr aus als er gedacht hatte, auch wenn es ihm damals egal war. Sein Vater hatte am Ende immer Recht behalten und Caelan hätte sein Erbe niemals antreten sollen. Er wusste doch von jeher, dass er dafür nicht gemacht war. Abgesehen davon waren nicht alle seine Entscheidungen falsch gewesen. Ina zu heiraten, das war richtig und gut gewesen, auch wenn seine Familie es ihr immer schwer gemacht hatte und auch das Schicksal, oder die Götter ihn zu bestrafen suchten als es sie Jahre an Kraft kostete ein Kind zu bekommen. Caelan liebte die Beiden mehr als alles andere auf der Welt, aber das ging diesen Wolf wirklich nichts an. Er konnte nicht mehr tun, als die Tirade des Wolfes zu etragen und seine Wut und seine Trauer herunterzuschlucken und sich zu fragen was Ina ihm raten würde.
    • Versiegelt blieb jenes Fass also eben doch, an dessen Kork Caelan sich die Zähne heute nicht ausbeißen wollte. Zustehen würde es ihm, für all die Dinge, die in seinem Leben schiefgelaufen waren, zu bezahlen und sich danach zu fragen, ob er einen anderen Weg hätte wählen sollen und zustehen würde es ihm, würde die Welt um ihn herum einfach wie ein Kartenhaus zerfallen. Dennoch glaubte Rikiya nicht, dass die Bestrafungen der Hirngespinste, besser gesehen als Götter, wirklich auch nur eine Kerbe in Caelans Gewissen hinterlegen konnten. Ach, wie unfair die Welt war. "Hm? Hervorragend auf meinen Sohn aufgepasst? Ja, zweiundzwanzig Jahre lang, die Hälfte davon alleine, weil dein Volk mir meine Frau und meine anderen Kinder genommen hat - es gab nur mich, meinen Sohn und meine Tochter und dann maßt du dir an, über mich zu urteilen, ohne genug Rückgrat es mir selbst ins Gesicht zu sagen.", keifte Rikiya, der ohnehin bemerkt hatte, dass Caelan sich nicht sicher war, was er sich erlauben konnte und wann ihm die Knie schlottern sollten. Nein, so leicht würde er seinen Hals nun wirklich nicht aus der Schlinge ziehen können, aber Rikiya war es leid, diesen Schabernack durchzumachen. "Das kann er selbst entscheiden." Rain war sein Schwiegersohn, nicht sein Handlanger oder Diener - Rikiya enthielt es Caelan dennoch vor, als würde er wissen, dass ihm vermutlich noch ein Zacken aus der Fürstenkrone brach, wenn er es ansprach. "Habe ich gehässiger, böser Wolf denn bedrohlich auf dich gewirkt? Wenn ich dir drohen wollte, dann hätte ich deinen Sohn als Geisel und nicht als freien Mann in meinem Land und du wärst in Ketten gelegt, weggesperrt für die Ewigkeit. Außerdem muss ich das nicht - wir wissen beide, dass du so oder so nach meiner Pfeife tanzen musst, wenn dir dein Leben nicht so egal ist, wie du es mir gerade weiß machen willst." Hatte dieser Mann keinen Respekt vor sich selbst?

      Ein leeres Gefäß war es, das der Mann, den Ronan einst liebte, geworden war - von der Person, die diesen Krieg angezettelt hatte, war nicht mehr viel übrig, wenn überhaupt noch ein Bruchteil. Ein Fremder trug das Gesicht seines Geliebten, kläffte Sätze fernab der Wahrheit schnappend in die lauwarme Luft und erhoffte sich, dass der ach so böse, große Wolf ihn anfiel, weil ihn die Blutlust überkam. "Tue ich das nicht sowieso schon? Weil ich meine, Rain besser zu kennen als sein eigener Vater und dir nichts einfällt, um mich des Besseren zu belehren? Wenn ihr euch ähnelt, dann in eurer Sturheit, aber sonst auch nicht wirklich." Bis auf das Aussehen, das ihnen beiden hier draußen noch zum Verhängnis werden würde, wenn sie den restlichen Wölfen nicht irgendwann unterbreiteten, dass sie einen sonderbaren Mitstreiter hatten. Rikiya wusste noch immer nicht, wie er all das bewerkstelligen sollte. "Du wirfst dein Leben und deine Visionen einfach so aus dem Fenster, nur, damit du die Chance bekommst, deinen Sohn in Sicherheit zu wissen, nachdem er dir so lange egal war? Gehst du mit geschlossenen Augen durch die Welt?", seufzte der König der Wölfe schließlich und erhob sich von seinem Tisch um eines der wenigen "Felle" von der Wand zu nehmen, die keine natürliche Farbe besaßen. Obwohl der Mantel mit dem Wappen Fhaergus nur aus Fetzen bestand, war er noch immer ungewohnt schwer - Rain hatte ihn nicht gewollt, also war es wohl doch besser, ihn an seinen rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben, auch, wenn es nichts gab, das man mit einem Stück Vergangenheit noch anstellen konnte. "Wenn du wirklich alles machst, dann lass Adrestia hinter dir und stirb für dieses Land. Wolltest du nicht schon immer frei sein? Oder hast du dich so sehr in deiner eigenen Wahrheit verrannt, dass du nicht mehr weißt, wer du bist und wofür du stehst?", hinterfragte Rikiya Caelan's Motivation, als er sich wieder auf seinen Hintern und damit eines der Kissen fallen ließ. Ein sonderbarer Mann, geformt von seinem Umfeld wie Gestein von den Gezeiten über Äonen hinweg. "Nein, das werde ich niemals sein. Zumindest nicht, bis ihr euch gegenseitig ausrottet, oder Alster von der Karte radiert.", lachte der König ganz offen, als er Caelan den Mantel über die Tischplatte streckte - verfranzt, zerfleddert, verfärbt und alt, hatte er schon unlängst seinen Dienst getan. "Willst du mir nicht erzählen, wieso du diesen dummen Krieg angezettelt hast, aus dem du offensichtlich nichts gewinnst? Hast du wirklich geglaubt, die mörderische Meute in deinen Nachbarländern würde dich auf ewig unterstützen? Oder dass du das, was du suchst, auch findest? Du trägst ein Schwert durch die Gegend, das jemandem gehört, den du auf solche Art und Weise nie findest und dieser Mantelfetzen wäre dir auch nie entgegengeflattert, wenn du jede Siedlung einfach niederbrennst."
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    • "Du urteilst auch über mich, ohne mich zu kennen.", antwortete Caelan einfach. Wenn er ihm vorwarf nicht richtig auf seinen Sohn aufgepasst zu haben, dann konnte er das nur zurückgeben. Wenn überhaupt, dann sollte er Caelan dafür danken, dass er diesen Wolf befreit hatte und dafür das Leben seines eigenen Sohnes in Gefahr gebracht hatte. Hätte er ihn doch dort gelassen... Er brauchte aber keinen Dank von einem Wolf, ale forderte er ihn auch nicht ein. Er hatte diesen Jungen auch nicht wegen des Königs der Wölfe befreit, sondern weil er es nicht hätte ertragen können, hätte er ihn dort gelassen. Er hatte ein Gewissen. "Du würdest meinen Sohn für die Taten seines Vaters bestrafen? Warum sollte es mich kümmern, ob du mich wegsperrst? Meine Heimat ist verloren, du sagst mir mein Sohn hasst mich, wo soll ich denn hin, deiner Meinung nach?" Er glaubte den Worten dieses Mannes nur bedingt. Ja, er hatte nie viel Zeit mit Rain verbracht, aber nur um ihn zu schützen. Nun, wenn eine Meute Wölfe um ihn herumtanzen konnte, dann war das wohl falsch gewesen und dennoch konnte er weder die Warnungen seines Vaters, noch die seines Onkels vergessen, auch wenn sie schon lange tot waren. Caelan hatte zu viele Kinder verloren, um Rains Leben aus seinen eigenen egoistischen Gründen aufs Spiel zu setzen. Caelan war müde, wenn sein Sohn nichts mit ihm zu tun haben wollte, dann war es eben so. Er vermisste Ina ohnehin viel zu sehr...

      "Warum sollte ich mich dir gegenüber rechtfertigen? Wenn irgendjemand auf deine Anschuldigungen eine Antwort verdient hat, dann Rain, nicht du. Ich muss mich dir nicht erklären und entschuldigen muss ich mich bei dir auch nicht." Und er würde es auch gar nicht erst verstehen. Das war eine Sache zwischen Rain und Caelan, die er klären würde, wenn sein Sohn es wünschte und nicht gegenüber einem Fremden. "Er war mir niemals egal, auch wenn du mir das augenscheinlich nicht glauben willst. Ich habe mein Bestes gegeben ihn zu beschützen. Meine Familie war mir schon immer am Wichtigsten, dazu zählt auch mein Volk. Ich bin ein einzelner totgeglaubter Mann, dessen Männer größtenteils wohl nicht so viel Glück gehabt haben wie ich. Ich kann mein Land nicht alleine verteidigen, aber ich kann meinen Sohn beschützen." War das egoistisch? Sollte er nicht zumindest versuchen die Sicherheit seines Volkes zu garantieren? Am Ende war er es, der sie in diese Lage gebracht hatte, auf die eine, oder andere Weise, aber was konnte er schon ausrichten? Zumal dieser Wolf ihn ohnehin nicht gehen lassen wollte. Caelans Blick folgte dem Wolf der aufstand um etwas zu holen. Ein Fell, oder eher ein Mantel der an der Wand gehangen hatte, warum auch immer. Seine nächsten Worte machten für Caelan nicht viel Sinn. "Du willst dass ich für dich und deine Leute kämpfe?", fragte er verwirrt. Er war nur ein Mann, ein Mann dem diese Wölfe wohl kein Schwert in die Hand geben sollten, erst Recht nicht, wenn ihr König glaubte, Caelan wäre sein Sohn egal. Freiheit? Wie kam der Wolf darauf und abgesehen davon, Freiheit war etwas, von dem Caelan schon lange, lange Zeit aufgehört hatte zu träumen. Der König überreichte ihm das Stück Stoff, das ganz eindeutig die Farben seines Landes trug. Sogar der goldene Bär war für Caelans Augen immer noch erkennbar. Er war zu alt um Rain zu gehören. In Adrestia jedenfalls brach kein Krieg aus, nur weil Fhaergus gefallen war. Es würde niemanden groß interessieren, außer ein paar wenige Freunde die Caelan behalten hatte, die allerdings selbst keine Fürsten waren. Hoffentlich tat Cameron nichts Dummes. Caelan blickte immer noch auf den Mantel, bis er dann doch wieder zu dem König aufsah. "Ich habe nur jemanden unterstützt seinen Sohn zu finden, der zufälligerweise auch mein Freund war.", erklärte Caelan. Wie viel hatte Rain diesem Mann erzählt? Nicht, dass er die ganze Wahrheit kannte, weswegen Caelan sich auch an die offizielle Fassung hielt. Er wusste die Wölfe hatten nichts gegen eine Verbindung zwischen zwei Männern, oder auch zwei Frauen, Ronan hatte ihm davon erzählt, aber das musste er diesem König nicht auf die Nase binden. Abgesehen davon war diese Lüge schon in Fleisch und Blut übergegangen, bis hinein in die Geschichtsbücher. "Willst du, dass ich mir Entschuldigungen ausdenke? Du glaubst mir ohnehin nicht, noch kann ich rechtfertigen, was ich mitzuverantworten habe." Die Stimme des Wolfes hatte sich geändert, war viel ruhiger, als wollte er nur eine Geschichte an einem lagerfeuer austauschen. Caelan seufzte. "Dass die Wölfe einen der unseren entführt haben, muss ich dir wohl nicht erklären. Ich bat den damaligen König lediglich darum mit einigen Männern auf die Suche gehen zu dürfen, aber ich kann nicht behaupten, dass ich dazu aufgelegt war mit den Wölfen zu sprechen. Ich war jung, kaum ein Mann und wütend. Also falls du wissen möchtest, warum dieser Krieg nach jahrzehnten noch andauert, dann weil ich einen guten Freund gesucht habe und alles aus dem Ruder gelaufen ist. Das soll keine Entschuldigung sein. Ich habe euch gehasst und viele andere taten das auch, aus verschiedenen Gründen. Vermutlich hasse ich euch noch immer. Ich stellte sicher, dass ich nicht ausversehen meinen Freund nieder brenne, aber ich habe auch schon vor langer Zeit aufgegeben ihn zu finden." Caelan bickte erneut auf den Mantel. "Warte. Wieso hast du einen Mantel mit meinem Wappen?" Es musste eigentlich auch Caelans Mantel sein. Sein Vater hatte dieses Land niemals betreten und ein Mantel wie dieser war seinem Haus vorbehalten, da war er sich sicher, auch wenn seine Augen nicht richtig funktionierten. Wie gesagt war er zu alt um Rain zu gehören.
    • “Ich kenne dich besser als du glaubst.”, entgegnete Rikiya ihm. Hörte er sich dabei gekränkt an? Vermutlich ein bisschen, weil es nicht weiter wichtig war, diese Charade bis ans Ende seiner Tage durchzuspielen - sein Herz lag in Knoten und Ketten, sein Verstand war ermüdet und das unsittliche Geplänkel über Caelans allgemeinen Gemütszustand machte Rikiya fast verrückt. Einfältigkeit begleitete ihn wie einen senilen Greis und die Fragen, die aus seinem Mund kamen, waren mal mehr und mal weniger interessant - Rikiya konnte zum Teil nicht glauben, was er hörte. “Rain für deine Taten zu bestrafen wäre hirnrissig, zumal ich nicht sehe, womit er so etwas je verdient hätte. Dich wegzusperren wäre eine Verschwendung von Ressourcen und dich Adrestia wiederzugeben wäre idiotisch. Bleib in Thria - du kannst für das Land, das du hasst sterben und bei deinem Sohn bleiben.”, schlug er Caelan vor, als täte er ihm einen Gefallen. Tat er das denn? Frei wäre er hier für immer, umgeben von der Eiseskälte die Fhaergus kannte, inmitten anderer Personen, die seinen ehemaligen Lebensstil teilten - vielleicht war es aber auch ein Stück Ronan, das gerade aus Rikiya sprach und nicht loslassen wollte, was er nach halber Ewigkeit wieder in greifbarer Nähe fand. Wie ein Schatz, den er selbst in der Mitte des Raumes nicht erhascht hatte. “Weil du es meinem Volk schuldig bist - das seid ihr alle, die Blut vergossen habt, ohne euch je zu überlegen, was ihr anstellt, oder wem ihr es antut. Mein Sohn war wohl auch nicht der Einzige den ihr Schafe verschleppt habt.” Der Gedanke allein war widerwärtig; kein Wunder, dass Nayantai die Zeit vor Fhaergus mit keinem besprechen zu wollen schien.

      Fhaergus gab es in solcher Form wohl nicht mehr - ob Allard sich in seinem Grab drehte, Caelan und Darragh verteufelte, genau so wie es Ronan tat? Darauf herumzusitzen, sich keineswegs zu rühren und sich in den eigenen Fehlern und dem überhäufendem Selbstmitleid festzufahren schien dennoch eher so, als hätten sie allesamt einen Dachschaden davon mitgenommen. “Kannst du das? Ich denke, dein Sohn kann sich mittlerweile selbst beschützen - meinst du nicht, du musst ihn irgendwann loslassen? Er ist kein kleines Kind mehr, du kannst ihm nicht ewig Geschenke in die Wiege legen und glauben, man kann es mit Zuneigung gleichsetzen.” Zu spät, das war alles, was Caelan war. So spät, dass es wohl auch nicht lange dauern sollte, bis sie die Vergangenheit vollends einholte und heimsuchte; Rikiya half ihnen nur auf die Sprünge. Ein Lachen überkam ihn, herzhaft und warm, als Caelan so verwirrt über seine Vorstellung klang und bezweifelte, dass er richtig gehört hatte. Wie niedlich. “Ja, damit du wenigstens einmal in deinem Leben auf mich hörst. Das hast du bis jetzt doch sowieso nicht.” Darragh als Rains Patenonkel zu akzeptieren war mit Verrat gleichzusetzen, aber es schien so, als dachte sich der ehemalige Fürst von Fhaergus nichts dabei. Wie hatte er nur so lange überlebt? Warum wollte Darragh ihn ausgerechnet jetzt nicht mehr? Es stimmte, dass Fhaergus und Alster einander in gewisser Weise brauchten und doch wären derartige Intrigen nie passiert, wäre es nicht Darragh, den man auf den Thron von Alster gesetzt hatte. “Ah, ist das so? Und hat er dir je bei deiner Suche geholfen?” Nein, nicht in hundert Jahren - Darragh war ein begabter Schauspieler, keine mitfühlende Vaterfigur und Ronan auch nicht Caelans Freund, in eben jenem Sinne. Rikiya ließ von dem Mantel ab, den Caelan nun wohl alleine halten musste, verblasst und schwer war er, wie die eigentliche Geschichte, die sich ereignet hatte. Dennoch, was erkannte man schon im Sand der Zeit wenn man sich nicht mehr sicher war, wie er einst ausgesehen hatte, bevor ihn der Wind verstreute. “Nein, hohle Entschuldigungen und Erklärungen kannst du dir sparen. Es geht nun wirklich nicht darum, mich und meinen Hass zu schüren - eigentlich sollte es mir egal sein.”, grummelte Rikiya, der sich bereits bewusste geworden war, dass es nichts mehr gab, das er für sich oder Caelan in der Vergangenheit tun konnte. Sich für das, was war, zu entschuldigen schien kontraproduktiv, im wahrsten Sinne des Wortes - vor allem, wenn die Entschuldigung an den Haaren herbeigezogen war. Wie gut Caelan wohl lügen konnte? Oder war es einfach so, dass Rikiya keine Wahrheiten mehr von diesem Mann erwartete? “So so, ein guter Freund also? Meinst du, dass dieser gute Freund sich darüber freuen würde, was du getan hast? Dass du nicht jeden Stein umgedreht hast? Dass du Darragh einfach aus der Hand gefressen hast, wie ein kopfloses Huhn und ihm jeden erdenklichen Dreck glaubst, den er dir vermutlich aufgetischt hat?” Wie sonst auch - Rikiya glaubte nicht, dass Caelan einer Person, die er nicht kannte, oder zumindest glaubte, nicht zu kennen, einfach so reinen Tisch machen würde. “Wieso? Hm, ein guter Freund hat ihn mir geschenkt, vor … vielleicht sind es schon dreißig Jahre. Ich habe ihn geliebt, weil er mich so lange an das erinnert hat, was ich verloren habe. Er hat mich warmgehalten, als es eiskalt war und wenn ich mich einsam gefühlt habe, dann hat er für eine lange Zeit noch nach diesem guten Freund gerochen, aber heute ist es nur mehr ein Fetzen Vergangenheit, der mich an ein Leben erinnert, das nicht mehr existiert.” Rikiya belächelte seine eigene Aussage lediglich. Wie schön sie es doch beide umschrieben. “Also, lass mich dich nochmal fragen - welcher Idiot schleppt die Waffe eines guten Freundes für dreißig Jahre durch ein fremdes Land?”
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Nur weil Rain diesem Wolf allerlei Geschichten erzählt hatte, hieß das noch lange nicht, dass er irgendetwas über Caelan wusste. Nein, er würde sich nicht gegen diese Aussagen verteidigen, das war es nicht wert, das wusste er irgendwo. Sein Vorschlag war dennoch verrückt. "Wieso würdest du wollen, dass ausgerechnet ich inmitten von euch allen lebe?", fragte er den König, der so darauf versessen war Caelan für alles die Schuld zu geben. Vielleicht hatte er sogar Recht, umso seltsamer war sein Vorschlag, der fast schon aufrichtig und einladend klang. Caelan verstand nicht, warum sein Feind ihm soetwas anbieten sollte. Würde Caelan es überhaupt über sich bringen gegen Adrestia zu kämpfen? Seine Männer waren nicht unter den Soldaten die auf die Wölfe zumascheirten und dennoch schien es wie verrat. Er wollte eigentlich gar nicht mehr kämpfen. "Das waren weder ich, noch Darragh, nicht dass du mir glauben würdest.", grummelte Caelan. Er hatte den Prinz gefangen, weil er wichtig erschien und an Darragh vorbeigeschleust, weil er ihn getötet hätte. Er konnte nicht wissen was Antoine und iher sogenannter König trieben, aber das war jetzt auch egal.

      "Ich wollte ihn nur berschützen. Das will ich immer noch." So intelligent, liebenswürdig und fleißig Rain auch war, er war immer noch krank und zerbrechlich. Daran würde sich nichts ändern und es war niemandes Schuld, außer vielleicht Caelans, dafür dass er den Zorn der Götter auf sich selbst gerichtet hatte. Der König wählte seine Worte zunehmend seltsamer, nicht als wären sie sich gerade zum ersten Mal begegnet. "Ja hat er.", grummelte Caelan weiter. Er fühlte sich beinahe als würde Ronan mit ihm sprechen, der nie ein gutes Wort für seinen Vater übrig gehabt hatte. "Ich... was...?" Nun wurde es schon ein wenig unheimlich, als redete Caelan mit einem Geist und plötzlich schien es auch nicht mehr so abwegig, dass er vielleicht wirklich längst tot war, oder eigentlich nur halluzinierte. Caelan wünschte in diesem Moment seine Augen würden besser funktionieren, aber als er aufblickte um den Worten des Wolfes zu folgen, konnte er sein Gesicht immer noch nicht richtig erkennen. Seine Haare waren dunkel und lang, wenn auch durchzogen von grauen und weißen Strähnen und sonst? Ein alter Wolf eben, dennoch wusste er von Ronans eigener Herkunft. Caelan griff über den Tisch und packte wie aus dem Nichts den Arm des sogenannten Königs. Er rollte seinen Ärmel nach oben. Sogar von hier konnte er die vernarbte Haut sehen und auch fühlen. Vielleicht nahm er sich zu viel heraus, als er die Kleidung des Mannes auch ein wenig von seiner Schulter riss, nur um sicherzugehen, dass die Brandnarbe auch so weit reichte wie er es in Erinnerung hatte. Entgeistert blickte er von der vernarbten Haut in das Gesicht des Mannes vor ihm, der einfach ein Geist sein musste. "... Ronan...?"