spellbound. (earinor & akira)

    • Nayantai konnte Rain nicht sagen, was er zu tun oder zu lassen hatte, aber umgekehrt funktionierte es nun einmal auch nicht. Sie beide hatten einander und brauchten sonst Niemanden, so viel stand fest - stattdessen konnten sie sich aneinander klammern und nach Hilfe fragen, wenn sie etwas benötigten; das einzige Probleme, das sich in solchen Situationen nun einmal auftat, war die Tatsache, dass sie in keiner Gesellschaft existieren konnten, die lediglich zwei Mitglieder hatte. "Das musste du doch nicht. Die Zeiten sind vorbei, ja, und vielleicht waren sie auch die Schlimmsten in deinem Leben, das kann ich nicht für dich beurteilen, aber mehr oder minder ist es nichts, wofür du dich verteufeln musst. Wirklich. Aber ... ich denke, du willst eben, dass ich nicht so ende, wie du es getan hast, oder?", schlussfolgerte er. Rain war nicht mehr als vorsichtig und wünschte keinem sein eigenes Schicksal herbei. Nayantai konnte ihn für solche Dinge nicht verurteilen, geschweige denn glaubte er, dass Rain ihn hassen würde, wenn er derartige Mutmaßungen aufstellte. Es war nicht schwer, eins und eins zusammenzuzählen, dafür war es allerdings umso schlimmer, sich selbst aus einem Trott zu befreien, in welchem man sich gefangen sah. Welche dummen Einbildungen würden darauf wohl noch folgen? Fester drückte der Welpe seinen Körper an den des Lammes. "Mh, erzähl es mir, es würde mich freuen."

      Worüber Rain und Rikiya geredet hatten - wann war das passiert? Als er sich auf seinem Baum verkrochen und sein Leben für nichtig erklärt hatte? Die Emotionen in seinem Inneren brannten lichterloh und der Schmerz, den er verspürte, machte nichts davon besser. Für einen Moment überlegte er, ob er Rain sein eigentliches Leid nicht offenlegen wollte, doch im nächsten Augenblick verschwanden sämtliche Gedanken daran. "Uns wird keiner aus Thria davonschicken. Und seien wir uns ehrlich, Rain. Wenn es keinen Ort gibt, der uns akzeptiert, dann sollten wir uns darum kümmern, dass er anfängt, zu existieren. Immer nur davonzurennen ist ... nun, es ist eine Möglichkeit, aber auf Dauer erfüllt sie uns sicher nicht." Damit hatte er Recht, und das würde er auch behalten, aber gleichermaßen waren sie beide nicht dazu ausgelegt, einander die Stirn zu bieten. Manchmal erhaschte Nayantai sich wohl dabei, es mit Absicht tun zu wollen, um sich mit ihm zu messen. Stattdessen kuschelte er sich dennoch lieber an das sanfte Wesen, das über sein eigenes Leid sprach und lauschte jeder einzelnen Minute, die er ihm darbot. Der Wahrheit entsprach all das, und Nayantai fühlte sich noch schlimmer - es war nicht so, als hätte er grundsätzlich etwas Falsches getan, nein, sondern eher so, als würde er gerade eben daran arbeiten, sich und Rain aus verdrehten Puzzlestücken zusammenzusetzen, sofern er nur könnte. Sie beide passten zueinander; das würden sie immer tun, aber das hieß nicht, dass sie nicht beide ihren eigenen Ballast durch die Gegend schleppten. "Ich ... nein, red' weiter. Ich höre dir gerne zu, und ich will keine Komplimente angeln, aber wenn ich ehrlich bin, dann erfüllt es mich irgendwie, wenn ich für dich da sein kann. Das klingt absurd, aber es reicht einfach, in deiner Nähe zu sein." Seine Mundwinkel waren leicht angehoben, kaum bemerkbar, aber sein Ausdruck war sichtlich anders. "Ich wollte dir nicht das Gefühl vermitteln, dass ich aufgegeben habe ... das will ich gar nicht. Und dir gegenüber wäre es auch nicht fair." Sachte schüttelte er den Kopf. Er drückte Rains Hand, retournierte die liebevolle Geste und gab ihm einen kurzen Kuss auf den Kopf. "Wo willst du denn anfangen?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain schüttelte den Kopf. Nayantai verstand nicht ganz was Rain meinte und vielleicht würde er es erst verstehen wenn er diese Phase selbst hinter sich hatte. Rain wollte sich niemals wieder so fühlen wie damals, aber das hatte er beinahe nur ein paar Tage zuvor, bevor sie in der Siedlung angekommen waren. Das Leben würde für sie beide wohl niemals einfach sein. Vielleicht war es das mal, aber nicht mehr und trotzdem konnten sie ihre Hoffnung nicht einfach aufgeben. "Das stimmt, aber das ist nicht der ganze Grund... ich will nicht daran erinnert werden und ich will nicht selbst anfangen die Hoffnung zu verlieren. Ich weiß, dass das egoistisch ist.", erklärte er dem Wolf. Er blickte auf ihrer beider Hände, auf die dünnen Finger die definitiv mehr Fleisch vertragen konnten. Sie beide mussten mehr essen, auch wenn Rain wusste, dass sein Körper niemals so stark werden konnte wie Nayantais. "Interessiert es dich wirklich? Ich habe darüber nachgedacht, dass du gesagt hast, dass du nicht ewig davon laufen willst. Ich weiß wo die Armee des Königs sein wird und ich habe deinem Vater ein paar Vorschläge gemacht, um die königliche Armee auszubremsen, statt uns einfach nur zu verstecken. Vielleicht hat er bereits Späher geschickt, die meine Annahmen bestätigen sollen."

      Rain nahm ernst was Nayantai sagte und dachte und auch Rikiyas Meinung nahm er sehr ernst. Wenn sie kämpfen wollten, dann so, dass sie möglichst wenig Verluste erleiden würden. Es war vielleicht nicht ehrenhaft aus dem Hinterhalt anzugreifen, aber wen interessierte das in einem Krieg schon? "Hey, du klingst ja als würde es dir doch besser gehen.", stellte Rain dann doch fest und lächelte leicht. "Wenn alle so dächten wie dein Vater, dann wäre diese Welt ein besserer Ort. Ich werde mich aber bemühen mich nützlich zu machen, vielleicht akzeptiert sogar Khojin mich dann irgendwann, aber ich tue das eigentlich nicht aus Eigennutz. Es ist an der Zeit, dass Thria auch ein paar Siege davon trägt." Rain lehnte sich etwas mehr an Nayantai. E hatte ihm gerade sein herz ausgeschüttet, aber das war zwischen ihenen ja mehr oder weniger normal. Nayantai sprach vieles nur nicht aus, weil er sich selbst darüber nicht im Klaren war. "Du musst auch nicht mehr für mich tun als da zu sein...", stellte Rain noch einmal klar, aber abgesehen davon würde er immer Hilfe brauchen, da brauchte sich Nayantai keine Sorgen machen. "Solange das so ist bin ich zufrieden." Rain blickte wieder auf das Buch. "Du könntest mir doch erst mal alle eure Buchstaben aufschreiben, dann lerne ich es vermutlich recht schnell."
    • Ließ er sich gerade auf Rain oder, ließ Rain sich gerade auf ihn? Nayantai wusste es gar nicht. Er lehnte sich lediglich an das schmale Wesen und glotzte wie benommen über seine Schulter, während die Buchstaben seiner Kindheit vor ihm davontänzelten. Auf manchen Seiten war sicher herrenloses Gekritzel verewigt und auf anderen fand sich die Grundlage ihres Konfliktes mit den Schafen wieder - inszeniert von einem dreijährigen Kind, das nur aus den rauen Worten der Erwachsenen filtern konnte, um was es wirklich ging. Das Leben als Wolf war ein zweischneidiges Schwert. "Ich sagte doch, du darfst egoistisch sein. Das ist jetzt auch nichts anderes.", erklärte Nayantai. Nie wäre es das, wusste er doch, dass er sich damit lediglich selbst verletzen würde. Sie alle mussten lernen, mehr Egoismus zu zeigen, beide von ihnen, aber gleichzeitig behielten sie wohl doch lieber ihre Offenheit und frohe Natur, die oft genug unter anderen Laken ihrer Existenz versteckt wurde - Menschen waren wie Zwiebeln, das galt für Wölfe als auch Schafe, doch musste er darüber nicht unbedingt einen Vortrag halten. "Du willst dich mit ihnen anlegen? Ernsthaft?" Nayantai konnte sich kein Lachen abverlangen, aber ein einigermaßen verkorkstes Schmunzeln. Wenn er doch nur die Kraft hätte, die er sonst immer aufwandte, dann ... dann was? Würde er das Ende der Welt mit seinen bloßen Händen herbeibeschwören?

      "Sehe ich denn so aus, als würde es mir noch immer schlecht gehen?", lallte er. Nayantai war sich nicht sicher, ob er seine Rolle als armer, verletzter Mann manchmal nur spielte, aber genau genommen war das schwer genug. Gerade jetzt hatte er eigentlich die Schnauze voll davon und kuschelte sich an Rain - er zog ihn sogar auf seinen Schoss, weil ihm der Höhenunterschied keine Ruhe ließ und machte es sich dann mit dem Rücken zur Wand gemütlich. Derartige Kräfte konnte er noch aufwenden. "Wenn alle so denken, wie Rikiya? Das ist ein komischer Vergleich. Also, ich kenne meinen Vater nicht anders, aber bist du dir sicher, dass du willst, dass alle so denken wie er? Dann wäre diese Welt vielleicht ein bisschen eintönig. Eine Scheibe können wir uns trotzdem von ihm abschneiden." Metaphorisch, nicht praktisch - das wäre dann doch ein klein wenig zu viel des Guten. Allerdings glaubte er auch, dass Rain durchaus die Wahrheit sprach. "Oder gleich den Krieg gewinnt. Das kriegen wir schon hin, so lange wir nicht zu übermütig sind." Die Hoffnung starb immerhin noch zuletzt und Nayantai hatte eigentlich Spaß daran, mit Rain über Eventualitäten zu philosophieren. "Das bin ich sowieso." Was war das für eine Aufforderung? "Und ich erst." Dann griff er nach dem Buch, oder eher nach den Seiten, die Rain in Händen hielt und blätterte vorsichtig bis ans Ende - das hatte er sich fast gedacht. Die Seiten waren zwar mit Farbe bekritzelt, aber sie reichten - das hieß allerdings auch ... "Ich schätze, wir brauchen etwas zu schreiben. Willst du dich an den Tisch setzen?"
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    • "Ich will aber nicht egoistisch sein.", erklärte Rain, ließ es aber gut sein. Nayantai schien es ein wenig besser zu gehen, vielleicht weil Rain sich ihm geöffnet hatte und ihm erzählt hatte, wie hoffnungslos er sich selbst vor nicht allzu langer Zeit gefühlt hatte. Komischerweise hatte er sich während sie in Gefahr schwebten nie so gefühlt, im gegenteil, er hatte in diesen Momenten erst recht kämpfen wollen, auch wenn es schwer gewesen war. Alleine die medizin für Nayantai zu besorgen hätte er fast nicht geschafft. Er wünschte sich eines Tages einfach nur so einen Spaziergang durch einen Wald zu machen, ohne sich beeilen zu müssen und ohne dass Nayantais Leben dabei auf dem Spiel stand. "Anlegen? Naja... zumindest möchte ich sie ausbremsen. Wenn wir ihre Vorräte und Lagerhäuser zerstören, dann können sie nicht so weit vordringen. Ich denke Rikiya gefiel der Plan besser alles zu verbrennen, statt sie zu bestehlen, was bedeutet, je nachdem wie viele Soldaten dein Vater aufbringen kann, werden wir so viele Lager auf einmal angreifen wie möglich, vornehmlich die im Norden. Sofern dein Vater mit diesem Plan immer noch einverstanden ist. Sie werden beschäftigt sein die Lager wieder aufzubauen, sie neu zu füllen und besser zu verstärken, das dürfte uns zumindest ein wenig Zeit verschaffen.", erklärte Rain den Plan den Rikiya und er geschmiedet hatten.

      "Du sieht ein wenig besser aus, das gebe ich zu.", antwortete Rain schließlich als er auf Nayantais Schoß gezogen wurde. Was es nun genau war, das Nayantais Laune gehoben hatte wusste Rain nicht, aber er beschwerte sich auch nicht darüber. "Zumindest ist es Rikiya gleich ob Schaf oder Wolf. Das kann man nicht von Vielen behaupten." Als Nayantai vom Krieg gewinnen sprach wandte Rain sich ein wenig um und sah ihn verwundert an. "Hm... ich glaube nicht, dass es reicht ein paar Lager zu zerstören um das zu bewerkstelligen." Bei Weitem nicht. Die Wölfe müssten Gebiete einnehmen und halten können und dafür waren sie nicht ausgerüstet. Vielleicht konnten sie ein paar Gebiete in Wezette gut machen, aber irgendwann würden die anderen Gebiete dem Land schon unter die Arme greifen, einfach nur aus Prinzip und Stolz. Das Buch wurde aus Rains Händen gepflückt und er sah zu wie Nayantai darin blätterte. "Dein Vater hat mir gestern etwas zu Schreiben da gelassen.", berichtete Rain und deutete auf einen kleinen Tisch auf dem noch ein Stück angespitzte Kohle lag. "Wir können sitzen wo du willst."
    • "Das will wirklich keiner von uns, aber manchmal ist es besser so.", gestand Nayantai. Eigentlich hatte er nicht die geringste Lust darauf, sich auf sich selbst zu konzentrieren, und doch blieben ihm immer weniger Optionen, je mehr er sich den Kopf darüber zerriss. Was würde er auch verlieren, wenn er grob darüber nachdachte? Nicht ein einziges Mal würde er sich selbst mehr hassen, als alles andere - und kein einziges Mal würde er daran glauben wollen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er im Unrecht war, größer wäre, als die Offensichtlichkeit, dass er absolut keine Hoffnung mehr zu haben brauchte. "Mein Vater will all das niederbrennen? So kenne ich ihn gar nicht. Normalerweise ist er ... naja, ruhig und ziemlich behutsam, und eigentlich glaube ich kaum, dass er ... nein, eigentlich schätze ich ihn schon so ein!", lachte Nayantai plötzlich. Stille Wasser waren tief, wieso also würde er seinem Vater einen derartigen Gedankengang also nicht zutrauen? Freude breitete sich in ihm aus, einfach und allein, weil er sich unlängst nicht mehr dessen bewusst war, ob er wirklich noch am Leben war, oder gerade alles besser ablief, als er geglaubt hatte. "Hast du ihn auf die Idee gebracht, oder ist ihm das selbst eingefallen? Die Seite von ihm kenne ich gar nicht.", erwiderte er. Es entsprach der Wahrheit. Rikiya war kein Mysterium, für Niemanden, aber gleichermaßen war er nun einmal doch sein Vater.

      "Findest du mich hübscher?" War er weniger abgemagert, so war er vielleicht attraktiver - Nayantai würde die Wahrheit nicht in seinem Stolz kränken, auch dann nicht, wenn er sich das alles noch einmal gut durch den Kopf gehen ließ. "Es muss wohl irgendwen geben, der nicht den Normen entspricht.", lachte Nayantai. Rikiya war jemand, der zwischen den Reihen tanzte und, wenn auch gleich er sich gut als König schlug, durchaus mehr war, als das. Einen Vater wie diesen konnten sich viele nur wünschen, und Nayantai war unsagbar froh, ihn seinen eigenen nennen zu dürfen - dennoch änderte das nun einmal nichts an der Tatsache, dass sie mehr zu erreichen hatten, als einen einzigen Wolf von ihrer Ehe zu überzeugen. "Nein, das meine ich auch nicht. Aber wenn wir dabei ein paar Schafe abfackeln, dann haben wir schon fast gewonnen.", gestand er. Der Gedanke allein war morbide und beinahe unmöglich zu verwirklichen, und doch versuchte er, seine Version auch durchsickern zu lassen. Ginge es gänzlich nach ihm, dann hätten sie diesen Krieg schon für sich erklärt, aber dafür war er nun einmal zu schwach und durchaus zerstört. Nayantai schmunzelte erneut. "Gut, dann lass uns zum Tisch gehen. Apropos, du solltest deine Suppe essen.", ermahnte er den Eintopf-Verweigerer und hob sie beide aus dem Bett, in dem sie es sich gemütlich gemacht hatten.
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    • "Naja ich weiß, dass ihr den Krieg bisher definitiv nicht so geführt habt...", murmelte Rain und blickte zu Nayantai auf. "Ich weiß wo ihre Lager und Versorgungsrouten sind, ich habe deinem Vater vorgeschlagen, diese zu stören indem wir sie überfallen, oder zerstören. Er meinte ihr braucht die Ressourcen nicht, also könnte man es auch gleich niederbrennen. Wenn wir möglichst viele gleichzeitig treffen, dann hat Adrestia auch nicht die Möglichkeit sie noch rechtzeitig zu verstärken und alles wieder aufzubauen braucht Zeit. Sie können dann auch nicht so weit vordringen. Selbst wenn sie andere Versorgungstrategien anpeilen und zum Beispiel die Vorräte der Armee gleich mit der gesamten Armee bewegen, sie wären dann zumindest langsamer und ihr habt keine Straßen, mit Wägen voran zu kommen ist also nicht immer so leicht, wenn man nicht schon eine Route gefunden hat." So zumindest Rains Annahmen und Pläne, aber Rikiya schien ebenfalls davon überzeugt. Vielleicht war es auch einfach nur an der Zeit etwas Neues zu probieren, nachdem sich einfach nur zu verteidigen und in aussichtslose Schlachten zu werfen nicht so gut funktioniert hat. Die Späher wussten nun wo sie zu suchen hatten und wenn Rain Recht behielt, dann glaubten ihm hoffentlich auch andere, nicht nur der König der Wölfe.

      "Hübscher? Das meinte ich nicht, abgesehen davon hast du in Fhaergus zum Ende hin schon ein wenig gesünder ausgesehen. Du musst wieder vernünftig essen und dich bewegen.", lächelte Rain. Er selbst hatte vermutlich auch schon besser ausgesehen. "Nayantai...? Habe ich eigentlich Narben auf meinem Rücken?", wollte er plötzlich wissen. Er wusste eigentlich gar nicht wie das alles verheilt war, aber es reichte wohl, dass die Wunde verschlossen war und er keine Probleme hatte. Nicht mit seinem Rücken zumindest. Die Narbe auf seinem Knöchel war groß und hässlich, diese konnte er im Gegensatz zu denen von den Peitschenhieben sehen. Er war nicht sicher ob er sich darüber freute. Es waren keine Narben die er in einem Kampf davongetragen hatte, also wie stolz konnte er schon darauf sein? "Nayantai! Wir wollen die Lager anzünden, nicht die Soldaten... aber ich weiß, dass im Krieg immer Menschen sterben. Ich hoffe nur dass wir eure Verluste gering halten können, aber wenn alles gut läuft, dann werden eure Soldaten nicht einmal in einen Kampf verwickelt." Nayantai sprach mit soclher Leichtigkeit vom Töten, aber Rain verstand das und nicht jeder wuchs so behütet auf wie er selbst. Für einen kurzen Moment wurde ihm übel, als er an die drei Soldaten dachte, gegen die Nayantai sich verteidigen musste. "Ja du hast recht.", kommentierte er zu der Suppe und wurde schon hochgehoben, nur um vor einem kleinen Tisch am Boden abgesetzt zu werden. Stühle gab es hier keine, aber bis auf die Tatsache, dass der Boden kalt war störte Rain das nicht wirklich.
    • Manch einer würde glauben, Nayantai hatte nicht mehr alle Tassen im Schrank - Nayantai hingegen wusste, dass er nicht einmal mehr einen Schrank dafür besaß und sich aus unterschiedlichsten Gründen noch verrückt machen würde, wenn all das länger andauerte, als er es sich erwartete. Mit einem durchaus lautem Knall würde er irgendwann noch zu Boden segeln, wenn er sein Leben lang so weitermachte, wie bisher - aber bis dahin war Nayantai eigentlich vieles relativ egal. "Heißt, wir nutzen das Wissen, das du hast, aus, damit wir an die Dinge herankommen, die wir sonst nicht einmal finden würden. Und dementsprechend erzwingen wir uns einen Sieg, weil wir einfach die Ressourcen kappen, die sie brauchen, um hier draußen zu überleben? Dass ihr beide so brutal sein könnt, hätte ich eigentlich nicht erwartet, aber eure Denkweise gefällt mir. Damit verlieren wir sicher an weniger Mann, wenn überhaupt an irgendwelchen. Naja, das ist zwar eher ein Wunschszenario, aber eigentlich ..." Ein nachdenkliches Brummen verließ seine Lippen. Was eigentlich? Wenn sie sich gut anstellten, dann würden sie keinen Späher einbüßen müssen, darüber war er sich bewusst, aber gleichermaßen glaubte er nicht, dass ihnen all das Glück so hold sein würde, wenn Fortuna sie bis zu diesem Zeitpunkt grundsätzlich im Stich ließ. Ob sie Rain mochte?

      "Ich weiß! Aber das habe ich dich auch nie gefragt ... findest du mich eigentlich attraktiv?", palaverte er plötzlich. Zum einen war er sich seiner eigenen Misere bewusst, zum Anderen fiel ihm soeben ein, dass er sich mehr als nur das Rückgrat ausriss, wenn Rain ihm plötzlich sagen würde, es war nicht so, wie er sich all das vorstellte - Nayantai war dennoch neugierig, auch, wenn er glaubte, die nichtssagende Antwort zu kennen. Verblüfft sah er dennoch aus. "Auf deinem Rücken? Ich glaube schon, aber sie sind nicht schlimm. Wenn ich ehrlich bin, dann glaube ich fast, sie vergehen bald wieder. Das braucht alles etwas Zeit.", informierte er das Lamm. Ja, mehr auch nicht, und wenn er darüber nachdachte, dann konnte er auch nicht mehr tun, als sich erneut darüber zu echauffieren, wie ungerecht die Welt war. Ob Rain sich freuen würde, wenn er Grayson als eine Kriegstrophäe anschleppte? Nein, dafür war er zu weich und freundlich - Nayantai würde es ihm heimzahlen, alleine, wenn auch gleich er für seine Rache durchaus mehr auf den Rippen benötigte. "Wenn sie dabei ein paar Flammen fangen, dann kann ich auch nichts dafür!", rief er aus und tätschelte Rains Kopf, nachdem er sich gesetzt hatte. "Außerdem haben sie uns auch zu Hauf verbrannt, am lebendigen Leibe. Aber egal, das war auch nicht der Kern meiner Aussage." Weniger brutal zu sein, das sollte er sich vornehmen. Seine Hände griffen nach dem Stück Kohle und Nayantai fing behutsam an, alle Buchstaben im Alphabet aufzuschreiben, die für Rain Sinn ergaben. In Adrestianisch musste er sich selbst Abhilfe schaffen. "Also, das ist -", fing Nayantai an und zeigte auf den Buchstaben, während er die Kohle zu Rain schob. Sie hatten einen langen Nachmittag vor sich.
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    • "Findest du die Strategie brutal?", fragte Rain ein wenig verunsichert. Eigentlich fand er, dass dabei alle ohne große Verluste wegkamen. Dass die Armee ein wenig hungern würde war klar, aber sie würden vermutlich nicht verhungern. Zu jagen würden sie auch noch schaffen. Seine Hoffnung war viel eher, dass die Soldaten unzufrieden wurden, wenn sie ein oder zwei Wochen rationieren mussten, oder vielleicht sogar länger und die Kornspeicher in Adrestia wurden deshalb auch nicht voller, zumal der Krieg im Sommer und nicht im Winter stattfand und die Bauernhöfe nicht voll besetzt waren. Myriad würde das irgendwann in die Knie zwingen und die anderen Fürsten würden dem König nicht immer höhere und höhere Abgaben geben wollen. Irgendwann würde auch ihr Volk hungern und keiner wollte das, nicht einmal Darragh der für den krieg lebte. Er wusste trotzdem wie man sein land vernünftig im griff behielt. "Eigentlich was...?", wollte Rain außerdem wissen. Was ging in Nayantais Kopf vor? Er wollte doch mehr als nur ein paar Lagerhäuser niederzubrennen, das sah Rain ihm irgendwie an. Es würde ihren Krieg nicht sofort gewinnen, aber vielleicht in einigen Jahren?

      Die folgende Frage überraschte Rain allerdings und seine Wangen färbten sich rot. Er wusste nicht, wieso ihm diese Frage peinlich war, aber er fühlte sich auch nicht in der Lage sie einfach zu beantworten. Eigentlich hatte er auch nie darüber nachgedacht, oder Nayantai mit irgendjemand anderem verglichen. "Ich ähm...", stammelte er. "Also ich... ich denke... ich wäre immer gerne so groß gewesen wie du...?" Das war eine dumme Antwort, aber Rain konnte nichts anderes dazu sagen. Er mochte, dass Nayantai groß und stark war, auch wenn er im Moment ein wenig abgemagert war, genauso wie Rain. Umgekehrt hatte Rain schon Komplimente erhalten, auch wenn er nicht verstand wieso. "Stören dich die Narben?", wollte er aber wissen, ohne Nayantai ansehen zu können, während er die Frage stellte. Viel lieber wollte er sich auf etwas anderes konzentrieren, zum Beispiel die Buchstaben die Nayantai aufzeichnete und im zu erklären versuchte. Rain schrieb einfach das adrestianische Equivalent daneben, das würde ihm dann schon reichen die Worte zu entziffern.

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    • "Weißt du, wie viele Köpfe ich eingetreten habe? Nein. Brutal ist etwas anderes.", erwiderte er. Eine unorthodoxe Methode war es sicher, aber Nayantai dachte sich nicht viel dabei - er wollte das auch gar nicht. Zum einen tat er sich damit nur selbst weh und zum Anderen war seine Vergangenheit nichts mehr erwähnenswertes; sie war etwas, das er ohnehin nicht mehr ändern konnte, so sehr er auch wollte. Rain hatte Ansätze, die eher einer hinterlistigen Schlange glichen, mit welcher er seinen Sonnenschein eigentlich nicht vergleichen wollte - und doch wusste Nayantai, dass Rain, wenn auch weltfremd, nicht immer nur naiv war. Hatte er sich in Adrestia jemanden angelacht, der imstande wäre, einen Krieg zu beenden, der schon viel zu lange andauerte? Womöglich. Jede Sekunde davon genoss er, und jeden Augenblick, an welchem er darüber in Gedanken schwelgte, machte ihn umso stolzer - keiner von ihnen war nutzlos. "Eigentlich fände ich es vermutlich sogar gut, wenn wir Adrestia teilweise ... anzünden und ausräuchern. Also, mh, eher das Schloss in Myriad, wenn wir jemals dorthin kommen." Dass er mit diesem Gemäuer keine guten Erinnerungen verband war aber auch nichts Neues. Eine Feuerweihe würde das Trauma und den Schmerz zwar nicht versiegen lassen, aber vielleicht machte es gewisse Aspekte ein klein wenig besser.

      Seine Hände waren zittrig und seine Buchstaben ähnelten eher Gekrakel - Nayantai hatte sich nie Zeit genommen, alles formschön zu präsentieren und noch weniger hatte er sich angestrengt, wenn es darum ging, in gutes Exempel zu statuieren. Dass Rain diesen Müll lesen sollte war nicht unbedingt von Vorteil, aber Rikiya würde ihm dafür ohnehin die Leviten lesen. "Du wärst gerne ... ähm. Rain. Das weiß ich, aber ... das ist nicht unbedingt die Antwort, die ich haben wollte.", bemerkte er mit einem Schmunzeln. Seine rußigen Hände legte er schließlich an Rains eigene und strich über sie - jetzt waren sie beide dreckig, und gleichzeitig verbrachten sie etwas Zeit miteinander. "Also magst du es, dass ich so groß bin? Oder würde ich dir besser gefallen, wenn du groß und ich klein wäre, damit du mich auch durch die Gegend tragen kannst?", neckte er das Schaf. Nayantai wusste nicht, was ihn gerade einnahm, aber seine Augen lagen schon längst nicht mehr auf den adrestianischen Buchstaben, die Rain nebst den seinen auf das Papier kritzelte. Mehr, als etwas Zweisamkeit wollte er selbst doch auch nicht. "Deine oder meine?", nuschelte er. "Deine nicht, nein. Meine eigenen? Teilweise ... was ist mit dir? Stören dich die Narben?"
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    • Rain schüttelte den Kopf. Er konnte Nayantais Meinung nicht teilen. "Wenn ihr anfangt Dörfer und Städte niederzubrennen, dann seit ihr auch nicht besser als die Schafe." Wohin gehörte Rain eigentlich? Er wollte sich nicht mehr wirklich mit Adrestia identifizieren und wenn er ehrlich war, dann war er auch nie wirklich Teil der Gesellschaft dort gewesen. Er war aber auch kein Wolf und er würde niemals einer sein. Er befand sich irgendwo dazwischen, ohne wirklich einen Ort zu haben an den er gehörte, außer vielleicht an Nayantais Seite. Der Süden wäre vielleicht wirklich die bessere Option gewesen, dort hätte sie keiner gekannt, aber es hätte Rain für Rikiya auch Leid getan. Er freute sich so sehr seinen Sohn wiederzuhaben und das wollte er ihm nicht nehmen. Die beiden hatten gestern ein wenig Zeit miteinander verbracht, aber vielleicht täte es ihnen auch ganz gut einen ganzen Tag zusammen zu verbringen. Nayantai würde es nicht zugeben, aber er liebte seinen Vater doch genauso sehr wie er ihn. Rain fühlte sich beinahe schlecht ihnen dauernd auf die Nerven zu fallen und er fühlte sich schlecht, dass Rikiya eigentlich nie seine Ruhe vor ihnen hatte, wenn er nach Hause kam.

      "Ich weiß...", murmelte Rain leise und starrte lieber auf das Blatt Papier vor ihm. "Nein es ist mir lieber, dass du größer bist als ich... denke ich...", erwiderte er und wusste nicht, was er sonst noch dazu sagen sollte. Wie maß man Attraktivität überhaupt? Rain hatte nie über das Aussehen anderer nachgedacht wenn er ehrlich war. nur darüber, dass er gerne mehr wie sein eigener Vater gewesen wäre - groß und stark. "Deine Narben stören mich nicht, es tut mir nur Leid, was dir passiert ist...", antwortete Rain vorsichtig. Er wusste nicht, woe dieses Gespräch noch hinführen würde und er deutete lieber auf das Blatt Papier und das Buch. "Deine Schrift sieht ganz anders aus.", stellte er fest, aber er würde schon schaffen sie zu entziffern und danach war wohl Rikiyas Handschrift an der Reihe. "Jedenfalls da steht... ", begann er zu versuchen das Buch zu entziffern. Die Bilder auf der Seite halfen ein wenig.
    • Einen Moment lang musste Nayantai sich zum Nachdenken überwinden. Sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben funktionierte im Krieg mehr schlecht als recht, und doch wollte er die Schafe nicht einfach so davonkommen lassen, wie es ihnen gerade nach Lust und Laune beliebte. Mit einem Gähnen unterstrich er seine Entscheidung halbwegs, obwohl er selbst auch wusste, dass es für Rain wohl mehr als nur nichtssagend war. "Hm, und wenn wir anfangen, gleich Schafe anzuzünden? Das macht uns zwar nicht besser, aber wir packen das Problem zumindest irgendwo an. Wobei ich schätze, dass viele der Schafe auch nichts dafür können.", murmelte er. Die Menschlichkeit im Krieg zu sehen war alles, nur keine leichte Aufgabe, und Nayantai war nun einmal jemand, der sich keinen Epos in seinem Kopf ausmalen musste, um zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen. Mit Leichtigkeit könnte er diesen Krieg gewinnen, bildete er sich ein, wenn er zumindest ein kleines bisschen Rückenwind hatte. Was brauchte er auch sonst? "Wenn wir nach Myriad kommen könnten, ohne uns vorher durch ganz Adrestia schlagen zu müssen, damit wir den König loswerden und die Armee wie ein kopfloses Huhn dastehen lassen, dann hätten wir es sicher auch leichter.", jammerte er. Und dann? Wohin würde der Rest des Tages noch führen?

      "Also weißt du es nicht." Nein. Das war nicht der Kern von Rains Aussage, aber gleichermaßen war Nayantai es, der ihre Handflächen aneinander drückte. Die dünnen Finger Rains schmiegten sich an die seinen, die viel länger und durchaus gröber waren. Unbeschämt schloss der Wolf seine Hand um die filigranen Finger und rieb leicht gegen sie, damit die Kälte aus ihnen entfleuchte. Rain hatte es wirklich nicht leicht, zumal er sich irgendwann auch selbst warmhalten müsste und Nayantai nicht mehr tun konnte, als ihm verzwickt entgegen zu starren. Was, wenn sie ihn doch in den Tod schickten? Hoffentlich fand Rain jemanden, der ihn warmhielt. "Muss es nicht, das ist schon Schnee von gestern. Außerdem habe ich für jede eine Geschichte, wenn auch gleich nicht jede davon freudig ist.", murmelte er und drückte sich gegen Rains Rücken. Viel gesunde, schöne Haut war nicht mehr über - sein gesamter Körper glich einem einzigen Schlachtfeld und Nayantai hatte die Ehre, sich den Besitzer zu schimpfen. Wie gut diese Narben noch verheilen würden, war ein andauerndes Mysterium. "Ich schreibe ziemlich hässlich." Darüber lachte er dann doch lieber. Seine Finger wanderten und er zeigte auf eine kleine Stockfigur auf einem ziemlich komisch gezeichnetem Pferd; darüber befand sich eine weitaus bessere Zeichnung, die nicht von Kinderhänden stammte. "Zeichnen konnte ich auch noch nie. Und da steht: Alle." Nayantai deutete auf ein Wort, dann das Nächste. "Pferde. Fressen. Gras."
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    • "Nayantai ich... ich weiß du bist wütend, aber es ist immer noch mein Volk und du hast Recht, viele von ihnen wollen diesen Krieg genauso wenig wie ihr...", murmelte Rain, der nicht darüber sprechen wollte Adrestianer anzuzünden, oder ihnen etwas anderes anzutun. Vermutlich würden ihm die Wölfe das übel nehmen, aber so war es nun mal. "Ich weiß, dass im Krieg Menschen sterben müssen, aber wenn es nicht nötig ist, würde ich es gerne vermeiden." Auf beiden Seiten. Adrestia würde keine Rücksicht nehmen, das wusste er, aber selbst wenn sie die Soldaten in den Lagerhäusern töten würden, was würden ein paar Dutzend Mann weniger schon bringen, außer, dass Adrestia wütend wurde? Sie wären leicht ersetzt, immerhin war die adrestianische Streitkraft um einiges größer als die thrianische. "Also den König zu töten würde den Krieg nicht beenden. Alster und Olette sind im Moment die treibenden Kräfte, aber auch Stenz und Lavern. Abgesehen davon halte ich es für ziemlich unmöglich sich in den Palast zu schleichen und für eine Belagerung seit ihr nicht ausgerüstet. Ihr bräuchtet die entsprechenden Geräte und auch dafür müsstet ihr euch um die anderen Fürstentümer kümmern, damit sie euch nicht in den Rücken fallen. Bis nach Myriad zu kommen wäre schon schwer genug."

      Rain blickte auf ihrer beider schmutzige Finger während er seine Gedanken schweifen ließ. Nayantai war ein Träumer. Der König war ein Idiot, er führte den krieg nicht wirklich an und ohne ihn, würde nur jemand anderes folgen, der vermutlich dasselbe fortsetzen würde. Der junge König hatte zwar keine Nachfolger, aber irgendjemand würde sich schon finden und wenn Darragh selbst auf den Thron stieg. Dahingegen einen Wolf auf den Thron zu setzen und zu versuchen die Gebiete so zu vereinen würde nicht funktionieren. Vielleicht wenn es Rikiya war und er seine Identität preisgab. Rain sah wieder auf das Buch. "Schon okay.", lächelte er ob der Handschrift des Wolfes. Nachdem Nayantai ihm den Satz vorgelesen hatte, schrieb Rain ihn noch selbst ab, dann schrieb er ihn noch einmal mit dem thrianischen Wortlaut, aber adrestianischer Schrift und dann noch einmal gänzlich auf adrestianisch, weil er sich dachte, dass er es so schneller lernen würde.
    • "Das war kein ernstgemeinter Vorschlag, wirklich. Das würde mir nichts bringen, vor allem wenn ich mich dazu entscheide, irgendwelche Schafe anzuzünden, die es eigentlich gar nicht besser wissen können. Die sterben doch sowieso nur alle, weil sie von einem feigen Kind angeführt werden." Ihn zu verteufeln brachte dennoch genau so wenig - Nayantai hatte diesem sogenannten Kind keinerlei Macht entgegenbringen können und war er ehrlich, dann war dieser Tölpel vermutlich in seinem und Rains Alter, also erwachsen genug. Dementsprechend bedeutete das auch, dass er die gleichen Fehler machen konnte, wie ein Erwachsener und ebenso widerwärtig war, wie jede erdenkliche Brut vor ihm. "Es sind schon genug Leute durch diesen dämlichen Krieg gestorben, so langsam reicht es sowieso.", murrte er. Die Schafe interessierten ihn vielleicht nur bedingt, aber die Siedlung die er einst seine Heimat nannte war wie leergefegt - Nayantai fand es beinahe schon widerlich, wenn er sich an seine verlorenen Jahre erinnerte und die Menschentraube, die diesen Ort eigentlich ihre Heimat nennen sollte. Entrüstet seufzte er und wandte sich dem Buch wieder zu - oder zumindest hatte er das vorgehabt. "Hm, das hört sich alles so viel komplizierter an, als es sein muss. Glaubst du, Wezette lässt sich auf uns ein, wenn wir ihnen Yayoi vom Hals halten? So als Friedensangebot?", schlug er vor. Dann könnten sie zumindest zurück nach Fhaergus.

      Nayantai war dennoch nicht sehr im Bilde über die momentanen Auswirkungen des Krieges - kein einziges Mal hatte er nun wirklich erfragt, was wo wem gehörte und woran die Wölfe nun waren. Ob es half, wenn er sich noch großartig überlegte, wie er sich ein bisschen nützlicher machen konnte? Nein. Worte führten nicht immer zu Taten und Letztere sollte er mittlerweile endlich umzusetzen wissen. Seine Augen glitten über das Papier, für welches er sich in den letzten Minuten immer mehr interessierte - Rain kritzelte die Sätze in vielen verschiedenen Sprachen einfach hin, nur, damit Nayantai kurz nach seiner eigenen, halb ausgetrunkenen Suppenschüssel lugte und gegen den heißen Eintopf blies, bevor er den Schalenrand an seine Lippen legte. Komisch war es doch, so die Temperatur zu messen, aber gleichermaßen schien sie nun durchaus in trinkbarem Zustand zu sein. Nayantai nahm einen Schluck, stellte die Schüssel neben Rain und deutete auf einen der Buchstaben. "Das solltest du mehr so schreiben." Er suchte sich ein Beispiel aus Rikiyas Handschrift. "Ansonsten sieht es mehr aus wie das." Nur, um Rain den falschen Buchstaben zu präsentieren. "Ich kann dir die Berichte aber auch vorlesen, das weißt du?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Wäre es einfach den Krieg zu beenden, dann hätte Rain das schon getan, aber das war es nicht. Nicht nur der König befahl diesen Krieg, alle Fürstentümer in Adrestia waren daran beteiligt und man müsste sie alle auseinandernehmen, um irgendetwas zu bewirken. Der König wurde von der Hälfte bestimmt nur benutzt und es gab bestimmt auch einige Leute die den Thron gerne nach ihm besteigen wollten. Keiner von ihnen wäre so vernünftig und würde den Krieg beenden, vielleicht würde es für Thria sogar schlimmer werden. "Ich wünschte es wäre möglich das alles zu beenden...", seufzte Rain, aber dafür brauchten sie wohl einen starken Anführer, dem die Herkunft aller Beteiligten egal war. "Wezette? Ich meine... ich kenne Wezettes Fürsten und vielleicht würde er mit mir sprechen, aber er würde sich Thria nicht anschließen. Er kann es sich nicht leisten den König zu verärgern. Wenn er euch irgendwie helfen soll, dann müsstet ihr schon glaubhaft machen, dass ihr den Krieg beenden könnt und auf der Seite der Sieger steht. Abgesehen davon wäre er aber wohl der Einzige, der zu so etwas bereit wäre. Fhaergus wäre es unter Umständen gewesen, aber das Fürstentum gehört nicht mehr mir, also spielt das eigentlich keine Rolle.", erläuterte er dem Wolf. Eigentlich wusste Rain gar nicht, wie er so plötzlich auf die Idee gekommen war.

      Rain blickte wieder auf das Buch und die Buchstaben die sie aufgezeichnet hatten. Rains Schrift war wohl auch nicht perfekt. Was Adrestianisch betrifft, so hatte er sich extra Mühe gegeben und wenn er das tat, dann war seine Schrift auch sehr schön. Wenn er allerdings viel zu tun hatte, konnte kaum jemand lesen was er eigentlich schrieb und Eraqus musste ihn immer wieder ermahnen, weil er schwer damit zu den Bittstellern zurück konnte, wenn er nicht wusste, was da überhaupt stand. "Ich weiß, dass du das kannst, aber du wirst nicht immer hier sein, um mir alles vorzulesen.", erklärte Rain. Es war besser er lernte es selbst und den nächsten Satz konnte er mit ein paar Mal hin und her schauen und seinem Spickzettel auch schon ganz alleine lesen. Die Schrift in dem Buch war deutlich, bei den Berichten würde das wohl schwieriger werden, aber auch das würde Rain schaffen.
    • Nayantai wusste nicht, was in diesem oder im nächsten Leben einfach sein sollte - nichts davon war auch nur annähernd verständlich, und blieb er sich selbst treu, dann durfte er sich leider auch eingestehen, dass das Ende des Krieges vielleicht gar nicht mit seinem Blut besiegelt werden konnte. Dass noch mehr Menschen und weitere Generationen darunter litten, wollte er unterbinden, aber gerade jetzt, in einem Zelt in der stürmischen, schneeverschmierten Tundra, irgendwo im nirgendwo, war es schon eine Untat, nur daran zu denken. "Das dauert vermutlich noch ... zu lange, wenn ich ehrlich bin.", seufzte er. Einen genauen Ablauf der Situation kannte er nicht, und noch weniger als das war ihm klar, wie er auf solche Gedanken kommen konnte. Rain hatte seine eigenen Ideen vom Leben, gleich, wie Nayantai sie hatte, und doch harmonierten sie relativ gut miteinander. Was brachte es denn, wenn er sich verhielt wie ein hirnloser Idiot, der mit dem Kopf durch die feindlichen Reihen wollte? Nichts. Sie sollten sich gewitzter und erhabener benehmen, als sie es ohnehin schon taten. "Also keine gute Idee? Naja, Wezette hat sicher eigene Probleme, aber ich schätze nicht, dass wir den Krieg gewinnen werden, wenn wir keine Schlammschlacht daraus machen. Mit unfairen Mitteln spielen nicht nur Schafe." Notfalls kaperte Yayoi sich das gesamte Herrschaftsgebiet noch, aber das brachte sie auch wenig weiter.

      Reden wollten die Adrestianer nicht mit ihnen, und die Wenigen, die es wohl noch tun würden, besaßen keinerlei Macht - nicht einen einzigen Funken in ihrem Körper, der sich auch nur irgendwie verwenden ließ, um diesen Krieg zu stoppen. Rain hätte ihm Einhalt gebieten können, irgendwie, aber mittlerweile war auch er Niemand mehr - seinen Namen hatte er noch, aber seinen Titel und sein Land hatte er verloren. Nayantai verteufelte sich selbst dafür, nicht besser auf ihn aufgepasst zu haben und sich nur um sich selbst zu sorgen, wenn es eigentlich um mehr gegangen war; und doch hatte er in Fhaergus nicht eine einzige Sekunde zu viel über den Krieg nachgedacht. Beschämend war es, sich im nachhinein selbst ermahnen zu müssen, weil er kein Problem damit gehabt hätte, für den Rest seines Lebens den zahmen Hund eines Schafes zu spielen, insofern man ihn behalten mochte; auch, wenn es Rain war, wurde Nayantai bei eben jenem Gedanken flau im Magen. "Wo du Recht hast ... Wie findest du die thrianische Schrift eigentlich? Und wie wäre es, wenn du versuchst, meinen Namen zu schreiben?", bot er an. Dass konnte nur gut gehen.
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    • "Wezette ist sehr arm. Den Krieg zu beenden würde ihnen helfen, aber sie wollen bestimmt keinen Krieg mit dem Rest des Königreichs anfangen. Sie würden ihn nicht gewinnen können.", erklärte Rain dem Wolf. Mehr als Unmengen an Holz besaß Wezette nicht mehr und ihre Grenzen hielten sie wohl auch nur, weil Yayoi gar nicht versuchte Land einzunehmen. "Unfaire Mittel hm...?" Rain versank in seinen Gedanken ohne es wirklich vorgehabt zu haben, es schossen ihm nur unzählige Dinge in den Kopf, ohne dass er die Gedanken bewusst forcierte. Es stimmte, dass die Wölfe trickreich sein mussten, wenn sie diesen Krieg gewinnen wollten, aber Rain war sich einfach nicht sicher, ob sie überhaupt genug waren. "Alles was ich über Taktik weiß hilft euch nur nicht viel, denn ihr habt keine Festungen und auch keinen natürlichen Kessel wie Fhaergus..." Auf offenen Flächen traf eine Armee auf die Andere und typischerweise gewann die Größere und die königliche Armee war viel größer, wenn auch nicht unbedingt genauso kampferprobt. Den Krieg in Thria zu entscheiden war schier unmöglich, oder es braucht eben jemanden, der sich hier auskannte und nicht ein Schaf, das eigentlich von nichts einer Ahnung hatte und dem Rikiya viel zu sehr vertraute.

      Rain passte nicht mehr so genau auf, aber er versuchte sich wieder auf seine eigentliche Beschäftigung zu konzentrieren. "Eure Schrift? Hm... also ich denke sie ist sehr... lebhaft?", versuchte Rain seine Gefühle zu erklären. "Ich meine es ist alles sehr... geschwungen würde ich sagen. Unsere Schrift ist viel eintöniger." Rain beugte sich nach vorne und mit ein paar Blicken zu seinem Spickzettel versuchte er Nayantais Namen zu schreiben. Jeden einzelnen Buchstaben malte er langsam und sorgfältig, ehe er die Kohle wieder beiseite legte. Rain wurde hier am Boden allerdings auch ein wenig kalt und er drückte sich an Nayantai. "Mit der Tabelle lerne ich sicher schnell eure Schrift zu lesen, wenn dir die Berichte also lieber sind als ein Kinderbuch, dann kannst du sie mir gerne vorlesen. Ich bin ohnehin nicht sicher, ob ich die Schrift deines Vaters entziffern könnte."
    • "Thria ist noch ärmer als Wezette, wenn wir danach gehen. Wir haben nicht mal irgendwelche Währungen, wir tauschen einfach nur alles durch die Gegend." Das System war erprobt und beständig; sie waren immer noch Nomaden die vom Land lebten, in welchem sie geboren waren und die es verehrten, als wäre es selbst von den Händen eines Gottes geformt - und dementsprechend stritt sich auch keiner um Ressourcen. Anders als es in Adrestia zu sein schien, hatten sie alle die gleichen Ideen: Thria gehörte ihnen, allen von ihnen, und wer nach einem verlangte und anderes anbot, der konnte auch dafür tauschen, insofern gegenseitiges Interesse bestand. "Ja. Feuer ist nicht unbedingt unfair, aber wie wäre es, wenn wir unsere Pfeile anzünden? Oder vielleicht Giftmischen? Wobei ich keine Ahnung habe, ob das nicht zu aufwendig ist.", erklärte der Wolf. Vermutlich würde sich schon jemand finden lassen, der wusste, wie er oder sie seine Finger an die nötigen Kräuter oder Brennmaterialen bekam; Nayantai war es nicht und Rain war ebenfalls Niemand, der sich mit Flora und Fauna an diesem gottverlassenem Ort auskannte. "Dann müssen wir ihnen entweder in ihren eigenen Gebieten auflauern, oder wir suchen uns einfach einen passenden Platz." Hatten sie genug Mann für solche Aktionen? Eher unwahrscheinlich.

      "Lebhaft? Weil sie sich in alle Windrichtungen verteilt?", lachte Nayantai plötzlich. Das war wohl wahr - thrianisch war verschnörkelt und komisch, lebhaft und absolut verwirrend, auch, wenn Rain es relativ gut meisterte, auf seinem Papierchen zu kritzeln. Ein Schmunzeln verlangte es dem großen, bösen Wolf ab, aber nicht nur das, konnte er sich doch auch nicht helfen, als er nach Rains Hand griff und ihm die Kohle davonstahl. "Und weißt du, was das Gemeine daran ist? Nayantai schreibt man nicht so." Dementsprechend war thrianische auch eine Sprache, in der es ein paar Fallen gab - ungeniert wie er war, kritzelte er seinen Namen an die Seite; ein Buchstabe ersetzte den Anderen, und ein Suppenlöffel bald die Kohle. "Rikiya schreibt sauber, mach dir darüber jetzt nicht so viele Gedanken. Wir können es ja gemeinsam lesen, dann lernst du erst recht dabei. Und jetzt iss was, hm?" Die Suppe würde sonst noch eiskalt werden - was wiederum schade wäre. Ungeniert drückte er den Löffel gegen Rains Lippen, als würde er ein nein nicht akzeptieren wollen - und dabei vergaß er etwas beinahe extrem wichtiges. "Vorher meintest du noch, du willst nicht den ganzen Tag im Bett liegen, und jetzt kuscheln wir schon wieder."
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    • "Naja, ihr habt trotzdem Ressourcen. Geld ist auch nur Tauschware, nur mit einem extra Schritt. Du tauschst deine Ware gegen Geld und dann das Geld gegen etwas das du brauchst. Nur, dass du das Geld einfacher aufheben und transportieren kannst, bis zu dem Zeitpunkt an dem du dann wirklich etwas brauchst. Wezettes Problem ist aber, dass ihr Holz ihre größte Einnahmequelle war, aber niemand braucht es mehr, seit Alster die östlichen Teile Thrias eingenommen hat. Sie verkaufen es billiger, oder benutzen es selbst.", erklärte Rain Nayantai. Ob er all das überhaupt wissen wollte? Rain war nicht sicher, ob es ihm wichtig war. Gleichzeitig dachte er aber daran, dass der Krieg nicht nur für Thria beendet werden sollte, die Menschen in Wezette und Rains bester Freund litten auch und so viele mehr. Rain fing an geistesabwesend Kreise auf das Papier zu malen. "Feuer...? Nein Schnee...", murmelte er, holte sich aber selbst zurück in die Realität. "Ich meine... Ich denke ein gut gezielter Pfeil ist genug, er muss nicht auch noch in Gift getränkt sein und Eisenrüstungen brennen leider nicht sehr gut, aber..." Rain drehte sein Blatt Papier um und malte eine Skizze der Siedlung, mit dem nahegelegenen Fluss. "Wenn ihr Stroh zu entbehren habt... wir könnten nicht nur Gräben graben, Stroh, das wir entzünden, wenn die Armee uns näher gekommen ist. Ein Brand würde die Truppen voneinander trennen und einen Angriff, beziehungsweise die Flucht einfacher machen. Das wurde eigentlich im Süden eingesetzt, aber es würde hier bestimmt auch funktionieren. Wie genau die Zusammensetzung von Stroh, Holz und Brennmittel, zum Beispiel Öl, sein müsste, müssten wir testen.", schlug Rain vor als müsse er alle von Nayantais Fantasien irgendwie umsetzen. "Rikiya und ich haben schon darüber gesprochen, ob wir einen Rückzugsort hätten. Für den Moment, zur Verteidgung, reicht der Ort hier."

      Rain lächelte als Nayantai seine Beschreibung amüsant fand. "Ich denke ja. Es gibt viele Kurven und Punkte.", erklärte er als ihm die Kohle weggenommen wurde. Er blickte auf das Papier um zu sehen wie man Nayantais Namen wirklich schrieb. "Oh tut mir Leid.", entschuldigte er sich wegen seines Fehlers, dann nickte er. Kurz blickte er zu den Berichten, die durchaus interessant für ihn waren, aber zuerst sollte er scheinbar etwas essen. Rain wollte Nayantai sagen, dass er nichts dagegen hatte nur im Bett zu liegen, sofern Nayantai sich nicht vor der Welt versteckte und aufgab. Es war in Ordnung sich auszuruhen, aber nicht für immer. Als er jedoch seinen Mund aufmachte, stopfte Nayantai den Löffel in Rains Mund. Er hatte nichts dagegen ewtas zu essen, aber als der Eintopf seine Zunge berührte, brannte auf einmal alles. Rain hustete und er flüchtete vor dem Löffel. Es war selten für ihn aber er begann zu schwitzen. Wasser oder Brot war keines in der Nähe. "Scharf...", hustete er heiser.
    • "Ist das nicht umständlich? Du musst Ressourcen dafür verschwenden, damit du Münzen produzierst, die einen fiktiven Wert haben und gleichzeitig musst du auch noch darauf aufpassen, dass sie dir nicht verloren gehen. Mit einer toten Ente ist das einfacher.", erwiderte er. Verlegte man das Vieh, dann wurde man relativ schnell wieder darauf aufmerksam, sollte es anfangen, zu stinken - und man hatte eigentlich auch einen Überblick darüber, was man hatte, und mit wem man es eigentlich gut tauschen konnte. Ihr Leben war unterschiedlich gewesen, das sah Nayantai ein, aber gleichzeitig wollte er einfach nicht mehr, als Rain zu verstehen. Wovor hatte er denn Angst? Er hatte Adrestia mit zwei Augen gesehen und jetzt, da er nur mehr eines hatte, sollte er es wohl auch noch benutzen, um die Welt zu sehen. "Wie wäre es, wenn wir sie mit Eisklumpen bewerfen? Die tun sicher auch weh, wenn sie dich an der falschen Stelle treffen. Trotz Rüstung. Oder wir lösen eine Lawine aus, wenn wir einen Hügel aufschütten können." Ihr Territorium war, obgleich der flachen Struktur, vielleicht doch etwas vielseitiger als es ein adrestianisches Schlachtfeld sein konnte - oder, als es die Schafe erwarten würden. Nayantai brannte nicht mehr für den Krieg, hatte er ihm doch zu viel gestohlen, aber er fühlte sich zumindest beruhigt, wenn er darüber nachdachte, dass all das bald ein Ende haben würde und er nachts wieder schlafen konnte, ohne an die nächste Schlacht zu denken. Wie viele Schlachten ihnen wohl noch bevorstanden? "Das können wir später gleich ausprobieren.", schlug er freudig vor.

      Mehr, als eine Zukunft für sich selbst zu finden hatte er gar nicht vor - Rain war hier, was dementsprechend hieß, dass sie nun beide im gleichen Boot saßen und sich besser aufeinander verließen, so dumm es auch klang. Das alleine würde dennoch nicht reichen; sie brauchten das Vertrauen aller Wölfe in Thria - Nayantai wusste, wen er fragen konnte, auch, wenn er nicht glaubte, dass es nötig war, noch mehr von ihnen in den Krieg einzuziehen. "Einen Rückzugsort? Er hat von unserer Heimat gefaselt, oder? Wir können zwar weiter in den Westen ausweichen, wenn wir müssen, aber es wird dort nur kälter. Das ist nichts für dich." Dementsprechend mussten sie sich etwas einfallen lassen. Ob die Kälte ihn dahinraffen würde? Nein, eher das Husten, das aus ihr resultierte und die ungeraden Wogen eines Lebens, das er schon längst nicht mehr gewohnt war. Nayantai wollte gerade noch sagen, Rain konnte es nicht wissen - die Schreibweise seines Namens war nicht phonetisch - als ihm wieder einfiel, wieso er derjenige war, der ihm Essen holen sollte. "Ah, verflucht! Stimmt! Tut mir leid!", rief er und sprang auf. Da half auch kein Wasser, oder sonst irgendetwas, und Rain musste den unangenehmen Brand wohl aussitzen. Was hatte er sich dabei nur gedacht? Ein leicht nervöses Lachen verließ seinen Mund, bevor er Rain seinen Ärmel offerierte. "Reicht das? Wenn du etwas trinkst, dann wird es nur noch schlimmer ... tut mir leid."
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    • Rain hustete immer noch und versuchte den Geschmack aus seinem Mund zu bekommen. War das der Grund warum Nayantai in Fhaergus mit dem Essen immer unzufrieden gewesen war? Nein, das lag an etwas anderem. Oder hatte jemand das Essen einfach nur viel zu sehr gewürzt? Rain sollte es jemandem sagen, damit sich nicht noch jemand eine Schüssel davon holte. Es klang aber durchaus so als wusste Nayantai, das sein Mittagessen viel zu scharf für Rain war. Rain schleckte den Stoff von Nayantais Ärmel ab, aber das half nicht viel. Es wurde aber von selbst besser und schließlich drehte er sich ein wenig mehr zu Nayantai, nur um sich spielerisch auf ihn zu stürzen und ihn auf den Rücken zu drücken. Er biss ihn in den Hals während er auf ihm lag und ihn dann angrinste. "Du sprichst von Gift und dann das! Sehr verdächtig!", lachte Rain, auch wenn er immer noch heiser war. Es war nicht wirklich etwas passiert, ausnahmsweise einmal. Sie konnten darüber lachen, auch wenn Rain Schmerzen gehabt hatte. "Ihr esst immer so scharf?!", fragte er dann nachdem er das geschlussvolgert hatte und seufzte leise. Hatte immer jemand extra für ihn gekocht? Hier und bei Yayoi?

      Rain setzte sich ein wenig auf, aber ging nicht von Nayantai herunter. "Was das Geld betrifft... Farmer können ihre Ernte verkaufen. Sie hält aber nicht ewig. Sie wollen aber trotzdem alles verkaufen, brauchen aber erst im Winter, oder im Frühjahr etwas anderes. Da können sie das Geld aufheben. Ihr schuldet euch wohl eher etwas, aber in Adrestia vertraut man sich nicht unbedingt überall so sehr.", lächelte er und verzichtete darauf Nayantai zu sagen, dass er wohl gedanken lesen konnte. Ja Lawinen und Schnee, die würde es hier aber nicht geben, in Fhaergus aber schon und genau deshalb gab es in Fhaergus keine Festungen... aber das spielte keine Rolle und unausgegorene Ideen und Fantasien wollte er weder mit Nayantai, noch mit Rikiya teilen. Er wollte die Berichte lesen. "Rikiya meinte außerdem nicht den Westen. Ich weiß, dass wir da nicht hin können, aber im Osten von Thria gibt es auch andere gute Plätze an die wir fliehen könnten."