spellbound. (earinor & akira)

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    • Für einen alten, aufmüpfigen Schafsbock war sein Gesprächspartner nicht nur ein gewitzter Gegner, sondern auch ein amüsanter, vielleicht etwas vernarrter Clown. Nicht ein einziges Mal hatte Shuren die Möglichkeit, einen derartig wunden Punkt zu treffen, der durchaus Sinn machte, und gleichzeitig war er es wohl leid, sich überhaupt sagen zu lassen, wie dumm er nicht war - wenn das alles aus dem Mund eines intriganten, verruchten Schweines quoll, was wollte Shuren schon damit? "Wir haben den ersten Tropfen vergossen? Ihr habt doch angefangen, mit unsinnigen Forderungen und Behauptungen - wenn ihr einfach mit euch reden lassen würdet, dann hätten wir dieses unnötige Blutvergießen auch gar nicht! Und abgesehen davon ist unser König wenigstens stolz genug, um euch auf dem Schlachtfeld gegenüberzustehen. Ihr kämpft alle wie blinde, vernarrte Kleinkinder für einen König, der sich kein einziges Mal gezeigt hat.", echauffierte Shuren sich entzückt. Er lachte, ja, mehr konnte er auch nicht tun, als er Oyu in diesem Zwist einfing, der sie eigentlich nichts anging. So wie viele andere war sie ein Mittel zum Zweck - und jenes Mittel war es, das sich wohler in der Nähe des Feindes fühlte, hinter welchem sie sich zeitweise zu verstecken drohte. Ob Shuren einen wunden Punkt erwischte, wenn er Caelan darauf ansprach? Nein, das war doch nicht der Grund, wieso sie sich hier überhaupt versammelten.

      "Geholfen? Oh, definitiv. Aber du triffst den Nagel doch auf den Kopf - ich liebe einen Mann, und wenn ich sterbe, dann erklimmt jemand anderes meinen Posten. Einfach so. Wir sind ersetzbar, so wie du, oder Oyu.", sprach er angetan von der Idee. Seine Mundwinkel zuckten, als sein Blick auf den Frechdachs fiel - Wölfe waren grausame, hungrige Wesen und vielleicht hatte Klein-Yayoi doch auch recht ... sie konnten sich allesamt an etwas bereichern, wenn sie nur über die menschlichen Grenzen hinausdachten. Noch immer ließ sich der Winzling nicht beirren und übersetzte, beiderlei, und Shuren konnte nur hoffen, dass es akkurat war. Grausame Schafssprachen, aber ... sie waren brauchbar. "Ich höre dir gern zu, du altes Plappermaul. Es ist nur, dass ich mich nicht sonderlich für einen Prinzen interessiere, der mir eine Hürde zum Thron darstellt - das ist nichts Neues. Die Prinzipien unseres Volkes, unsere Traditionen, sind anders als eure ... allerdings glaube ich, dass du nicht verstehst, worauf du dich einlässt. Du lebst noch, weil ich dich leben lassen will - ich muss mir deine aufmüpfige Art nur bieten lassen, weil ich es dir erlaube. Mein Volk könnte mir egal sein, ja, aber euch könnte man schneller loswerden, wenn wir so unfair kämpfen würden wie ihr. Plündern wir eure Dörfer, brennen sie nieder, nehmen Gefangene, zerreißen Familien? Nein. Kehr vor deiner eigenen Haustür, für dich selbst sieht es doch auch nicht rosig aus. Ich kann hier unten in Freiheit leben - ihr erreicht mich und mein Volk nie, selbst du schlotterst teilweise wie Espenlaub." Ein selbstgefälliges, gehässiges Lachen drang von seinen Lippen als er das angekettete Bündel Elend besah. Shuren tapste von seinem Ton, näherte sich Caelan und Oyu, und grinste zufrieden. Sie beide waren nicht mehr als ein paar Flecken Dreck auf seinem wunderschönen Gewand, das diesem riesigem, übellaunigem Maultier auch nicht dabei helfen würde, irgendetwas zu kaschieren. "Yaoshen mag Thrias letzte Festung sein, ja, aber es ist meine Festung, und wenn euch die Fallen nicht zerstückeln, wenn ihr die Grenze übertretet, dann mache ich es eben. Ihr seid alle nur Witzfiguren die für einen verrückten König im Kreis laufen - und der ist vermutlich so strohdumm, dass er keine fünf Minuten mit mir überleben würde. Also, wenn du nichts mehr brauchst, geh mir aus den Augen, oder dein kleines Mitbringsel bezahlt den Preis. Am besten nehme ich eines deiner Schwerter, dann macht es sowieso keinen Unterschied."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Caelan hielt nicht viel von seinem König, aber er hielt etwas von der Sinnhaftigkeit dieses Krieges. Er wusste wofür sie kämpften, auch wenn es viele vergessen hatten und auch wenn ihr jetziger König sich nicht mehr dafür interessierte. Dieser Bengel war zu jung um irgendetwas zu verstehen. "Was macht dich dann anders als unseren König? Du sitzt hier und laberst, aber du tust nichts und siehst zu wie dein König, den du so preist, verliert. Es muss schön sein, wenn man den ganzen Tag auf seinem Hintern sitzen und Scheiße erzählen kann.", entgegnete Caelan der sich fragte ob Shuren überhaupt merkte wie verdammt dumm und arrogant er war. Den Kronprinzen wollte er sterben sehen, während er sich hier in dieser Eiseskälte verkroch. Caelan war einer der wenigen denen es noch um ein anderes Ziel als Land ging, aber was interessierten sich die Fürsten Adrestias für ein Scheißloch wie dieses? Niemand konnte hier leben. Man konnte nichts anbauen und es war eintönig und kalt. Der Rest von Thria war wenigstens brauchbar, aber dieser Ort war gänzlich nutzlos. Die Wölfe konnten ihn behalten.

      Egal ob Oyu sich gerade noch mehr fürchtete und ob sie einen aufmunternden Blick von Caelan erwartete, er verzog keine Miene und blickte Shuren lediglich weiter an als er ihr zu drohen schien. Es war besser für sie, wenn Caelan obdessen Gleichgültigkeit ausstralte. Er würde sie nicht als Druckmittel missbrauchen können, wenn er den Eindruck hatte, es wäre Caelan egal. Nun musste Caelan aber tatsächlich lauthals lachen. "Der einzige Grund warum ihr unsere Dörfer nicht nieder brennt ist der, dass ihr es nicht einmal in die Nähe unserer Grenze schafft. Und bin ich nicht dein Gefangener? Du sagst mir ich soll vor meiner eigenen Haustür kehren? Du verkörperst all das was du an uns hasst, es ist beinahe komisch. Ihr könnt dieses Drecksloch behalten. Wenn alle anderen Wölfe tot sind und dein König dir nicht selbst den Kopf abgeschlagen hat, dann bist du eben der König von einem winzigen Fleck Eis, mit einer Handvoll feigen Wölfen unter dir. Dann kannst du dich darüber freuen, dass du deinen Thron selbst nie verlassen hast und genauso bist wie mein König, mit dem kleinen Unterschied, dass ihm alles bis auf ein winziger Fleck in einer Eiswüste gehört und dir nicht." Das Lachen konnte sich der Junge aus seinem Gesicht wischen, auch als er unverfroren näher kam. Was denn? Wollte er beweisen, dass er kein Feigling war und sich an den Feind heran wagte? Würde er sich besser fühlen, wenn er auch einmal ein Schaf niedergestreckt hätte? Na schön für ihn, sein Schicksal würde sich dadurch aber trotzdem nicht ändern. Caelan interessierte sich wirklich nicht für seine Einbildungen und seinen Größenwahn, er war daran gewohnt, auch wenn er seinen Mund vor dem König wohl nie so aufgerissen hätte. Eigentlich hätte er das auch hier nicht tun sollen, aber sein Hitzkopf ging mit ihm durch, das hatte sich alle die Jahre über nie geändert. Ein toller Vater war er. Kurz darauf begann Shuren aber noch tiefer zu bohren. Jetzt wo er vor ihm stand konnte man auch sehen, dass er gut zwei Köpfe kleiner war als Caelan. Der Blonde biss die Zähne zusammen. Er hatte seine Sachen also noch? Ronans Schwert war das Einzige, das er noch von ihm hatte und nachdem Fhaergus vermutlich für ihn verloren war, hatte er auch nichts mehr das ihn an Ina erinnern konnte, außer den Glücksbringer den sie ihm geschenkt hatte und Rain. Den Blick den er Oyu zugeworfen hatte hatte er auch nicht übersehen. Er hätte an Rain denken sollen, aber in diesem Moment tat er das nicht. Stattdessen verlor er die Fassung. Die Ketten hielten ihn nicht davon ab Shuren seine Faust ins Gesicht zu rammen, so dass es ihn von den Füßen fegte und das war auch alles was er tat. Er setzte nicht nach oder warf sich auf ihn, stattdessen wartete er nur darau, dass die Wachen ihre Arbeit taten.
    • Gerade noch war es so schön ruhig in seinem Eigenheim gewesen - für den Moment hätte er so schön Luft geholt und sich entspannt, aber gleich darauf musste alles zerbröseln, als wäre es aus trockenem Eis, das durch all die frisch erzeugte Hitze nichts mehr aushielt. Shuren war es leid, daran denken zu müssen, dass er sich von seiner besten Seite geben sollte, und er war es leid, daran zu glauben, dass andere Menschen auf dieser Welt existieren, die sich ihres eigenen Wertes bewusst waren. Der Wolf lächelte noch immer. "Was mich anders macht? Hm. Ich foltere keine Wölfe in meinem Keller, ich vergehe mich nicht an fremden Ländern weil ich ein größenwahnsinniger Bastard bin und mein eigener Kopf steckt mir nicht in meinem Arsch, nur, weil ich glaube, die mächtigste Nation auf dem Kontinent zu besitzen.", bemerkte er grinsend. Nein, all das würde er sich genau nicht gefallen lassen - er war kein Tier, und schon gar nicht das Kind dieses Mannes, der zirka so viele Manieren besaß, wie ein Ochse. Womöglich hatte ein Ochse sogar noch bessere Manieren als jener. Seine Augen rasteten schließlich auf der alten, groß gewachsenen Witzfigur. Ob er seine Beine brauchte? Kaum zu glauben, aber vermutlich doch. "Und?", warf er ihm vor die Füße. Nicht, dass es ihn interessierte - sie alle würden sterben, auch, wenn Shuren lieber unsterblich wäre, so war ihm durchaus klar, wie egal es eigentlich wäre; nichts und niemand interessierte sich für Yaoshen - das war ihm relativ recht.

      "Mein König wird mir keine Schmerzen zufügen - du bist barbarisch, wenn du glaubst, dass ein hochangesehener Mann seine Kraft für solch einen winzigen, für dich insignifikanten Ort aufwendet. Aber jetzt weiß ich zumindest, wie du deinen eigenen Herrscher siehst. Ihr seid witzig, das muss man euch Schafen lassen. Hast du denn Angst, dass dein König dir etwas antut, wenn ich dich gehen lasse? Oder hat er es schon?", harkte er gehässig nach. Lange musste er jedoch nicht darauf warten, dass sein ruckelndes Schiff unterging - Shuren machte keine Anstalten, den raschelnden Händen auszuweichen - die Hand segelte auf ihn nieder und ließ ihn zu Boden fallen, der Aufprall auf dem ewigen Eis eher unschön. Für eine Sekunde sah er Sterne, die im nächsten Moment auch schon wieder in einen anderen Blickwinkel entschwunden waren - wie lachhaft. Das scheppern der mageren Rüstungen seiner eigenen Wachen war just, im gleichen Augenblick, zu hören, aber Shuren hob lediglich die Hand und deutete sie davon. Oyu hingegen klammerte sich an Caelans Arm. "Wieso tust du das!?", fragte sie verzweifelte, und auch, als sie ihn losließ, um Shuren auf die Beine zu helfen, ließ sich jener nicht beirren und stand von selbst auf. Das verzogene, empörte Gesicht des Mädchens war durchaus amüsant - und Shuren grinste in Caelans Richtung. Nun gut. Dann spielten sie eben so. Der Wolf wischte sich das bisschen Blut aus seinem Gesicht, das ihm tatsächlich aus der Nase träufelte. "Oyu.", erwähnte er knapp. Sie schluckte. Shuren deutete ihr zu - sie hatte bei einem derartigen Vieh nichts verloren, und Caelan hatte seine Drohung wohl nicht ernstgenommen. Zögerlich machte sie doch ein paar Schritte zu ihrem König, den sie nicht als solchen ansah. "Du darfst seine Fehler ausbaden, ja?" Dem Mädchen stockte er Atem - Shuren deutete in seine Richtung, damit Oyu ihm auch erzählte, was er gerade ausgefressen hatte. "Wer nicht hört, der fühlt. Und ihn selbst zu foltern bringt wenig. Am besten schicke ich dich weg, das tut ihm bestimmt weh." Shuren verpasste Oyu lediglich einen dumpfen, seichten Schlag mit seinem Fächer, der sie nur kurz zucken und dann erleichtert aufatmen ließ. Eine der Wachen torkelte schließlich wieder zur Tür herein, mit einem kleinen Tisch, auf welchem drei Tassen Tee standen und Caelans Schwert lag. Vorsichtig stellte er es am Boden vor Shuren ab, welcher sich setzte - die Wache drückte Caelan nieder, damit er es ebenfalls tat, und Oyu ließ sich freiwillig in die Hocke gehen, ehe sie die verschiedenen Farben des Tees erspähte. "Trinkt.", ersetzte sie nach einer kurzen Gestikulierung Shurens, der seinen eigenen Tee in einem Zug ausgetrunken hatte. Oyu legte ihre Tasse ebenfalls an die Lippen und sah zu Caelan - es konnte nur schlimmer werden, nicht?
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    • Diese Witzfigur von einem Herrscher hat den Schlag ins Gesicht verdient. Er wusste nichts über Adrestia, oder von Mitgefühl und Empathie. Dem Krieg wich er aus und spuckte hohe Töne, als wäre er der Sieger, nur weil er sich versteckte. Der thrianische König musste ein Vollidiot sein, wenn er diesen Wicht am Leben ließ, nachdem dieser dabei zusah wie der Rest seines Volkes, inklusive des Sohnes des Königs, starb. Was für ein Narr. Zu behaupten er wäre besser als der König von Adrestia war ein Witz. Sie beide versteckten sich, die beide haben noch nie einen Kampf austragen müssen und sie beide gaben nichts auf das Leben anderer. Caelan hatte keine Angst vor ihm, noch hatte er Angst vor seinem eigenen König. Er hätte den Kronprinzen nicht aus dem Kerker geholt wenn es so wäre. Der Verrat an seiner selbst kam früher als erwartet, das war Caelans Fehler gewesen. Er hatte Angst, aber nicht vor seinem König, oder dem König der Wölfe, sondern um seinen Sohn. Vermutlich war er tot, wenn es bereits Frühling war, aber hier draußen fiel es Caelan schwer zu sagen wie viele Monde vergangen waren.

      Caelan blieb ruhig stehen, selbst dann als Oyu an ihm zerrte. Er würdigte sie keines Blickes, dann war sie auch schon davon und half ihrem Herrscher auf die Beine. Die Wachen kamen nicht, Shuren schickte sie wieder fort und Caelan fragte sich langsam was all das hier sollte. Wollte er ihm mit Oyu Angst machen, dann hätte Shuren vielleicht nicht groß herumposaunen sollen, dass er niemanden foltern würde. Wenn sie hier raus kam, umso besser für sie. "Denkst du das Leben eines dummen Wolfes interessiert mich?", fragte er ihn gelassen, aber mehr, dass Oyu einen leichten Klaps auf den Kopf bekam geschah nicht. Stattdessen kam ein anderer Wolf herein und stellte etwas vor Shuren ab, nur um Caelan kurz darauf eine Hand auf seine Schulter legte, um ihn nach unten zu drücken. Er landete nicht unbedingt in der angenehmsten Sitzposition und der Boden war eiskalt. Er verzog trotzdem keine Miene und warf einen Blick auf die dampfenden Tassen. Oyu hob ihre sofort an, ebenso wie Shuren, während Caelan der Situation mehr als misstrauisch gegenüber stand. Sein Blick fiel außerdem auf das Schwert, Ronans Schwert, und er hoffte, dass das Salzwasser es nicht zerfressen hatte.
    • Mit einem Mal hatte er sich die Tasse in den Rachen gekippt und stellte sie wiederum ab. Der Tee schmeckte weder besonders, noch hatte er ihn gebraucht - aber zumindest schien Oyu seinen drohenden Worten Folge zu leisten, nachdem der Riese sich nicht davon überzeugen zu lassen schien. Shuren war derjenige, der mit einem leichten Schnaufen feststellen musste, dass seine Worte keinerlei Macht hatten, nicht über diejenigen, die ihm nicht gehorchen, aber recht sollte es ihm ohnehin sein - wenn das hier so weiterging, dann würde er zumindest noch etwas vernünftigeren Spaß haben, als er anfangs dachte. Ob Caelan winseln würde, wenn er mit ihm fertig war? Das verstohlene Lächeln, das sich auf seinem Gesicht abzeichnete, war wohl ein Zeichen davon, dass es ihm gefallen würde - sein Vater hatte bitterlich an seinem Leben festgehalten, und doch war es seinem Sohn im Endeffekt egal gewesen. Auch sein vermaledeiter, rechtschaffener Bruder hatte nichts erreicht und war verblasst, wie eine Schneerose im Frühling. Ungefragt tippte er die Tasse Caelans mit seinem Fächer an. "Trink.", wiederholte er erneut. Vergiftet war nichts, aber widerlich würde er allemal schmecken, so viel war wohl klar.

      Oyu röchelte - der Tee war heiß und einigermaßen ekelhaft gewesen, aber noch viel schlimmer als das war es, dass sie nun neben Shuren saß, der sich eher dafür interessierte, dass Caelan aus seiner Tasse trank, als irgendetwas anderes. Was war hier überhaupt los? Je länger all das vor sich herging, desto weniger Sinn machte es und Oyu war diejenige, die sich zu fragen hatte, was genau dieser scheinheilige Adelige von ihnen beiden - oder nur Caelan - wollte. Ob er Rache verüben wollte? Wenn ja, für was? Eine Antwort erhielt sie, in Form von zweierlei Händen, die den Fächer auf die Tischplatte legte und nach dem Schwert griffen, das so nah an Caelan lag, dass es beinahe gefährlich war, sie danach auszustrecken. Mit Leichtigkeit entfernte der ältere Wolf das feine Stoffband, dass die Scheide an das Schwert band und ließ es unachtsam auf den Tisch fallen - mit einem Ruck befreite er die scharfe Klinge aus ihrem ewigen Gefängnis. Shuren musste zugeben, dass sie gut in seiner Hand lag, auch, wenn das blau des Handgriffes nicht seine Farbe war - die Klinge glitzerte beinahe in diesem eisigen Palast und schaffte es sogar, ihn zu beeindrucken. Caelan hatte wohl gut darauf aufgepasst - ob sie ihm etwas bedeutete? So wie er es angesehen hatte wohl schon. Mit einem Mal streckte er seinen Arm aus; die Spitze des Schwertes lag an Caelans Kehle, und mit der Seite drückte er sein Kinn leicht gen Decke. "Hübsch. Aber das ist nicht dein Schwert, oder?"
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    • Oyu schien nicht besonders angetan von dem Tee und Caelan traute ihm noch weniger als Oyu seltsame Geräusche von sich gab, als sie fertig war. Etwas Wärme konnte nicht schaden, speziell dann nicht, wenn Caelan nicht unter einem Berg aus Decken lag, kein Feuer in der Nähe war und er zu allem Überfluss auch noch auf dem eisigen Boden sitzen musste und trotzdem machte er keine Anstallten die Tasse auch wirklich aufzunehmen. "Ich bin nicht durstig.", grummelte er in die Richtung des... was war er überhaupt? Caelan kannte sich mit Thrianischen Hierarchien nicht aus, aber es schien so, als bekleide Shuren einen ähnlichen Rang wie Caelan, nur dass er sich von seinem König scheinbar nicht viel sagen ließ. Naja, auch da waren sie sich scheinbar ein bisschen ähnlich, nur dass Caelan seinen Gegner unterschätzt hatte und das obwohl er schon damit gerechnet hatte. Mitten im Winter nach Thria geschickt zu werden war unnatürlich, aber er hatte sich selbst Überschätzt und geglaubt er käme zur Überraschung aller einfach wieder nach Hause. Stattdessen war er nun hier, an einem Ort an dem er fast ununterbrochen fror und das obwohl er die Kälte sonst so liebte.

      Caelan ballte seine Fäuste unter dem Tisch, als Shuren plötzlich nach dem Schwert griff. Zumindest behandelte er es gut genug, löste das Band, das das Schwert in jedem von Caelans Kämpfen fest in der Scheide gehalten hatte und zog die Klinge heraus. Caelan war beinahe erleichtert zu sehen, dass das Meerwasser es nicht rosten ließ und dass sich scheinbar irgendjemand darum gekümmert hatte es zumindest trocken zu bekommen. Caelan zuckte ein wenig zurück als das Schwert plötzlich auf ihn zuraste. Die Klinge war immer noch scharf und es war wohl das erste Mal seit fast fünfundreißig Jahren, dass es Blut kostete. Erneut war es Caelans Blut, wenngleich es dieses Mal nur ein kleiner Tropfen war. Er erinnerte sich daran, dass Ronan geschworen hatte nie wieder zu kämpfen, weil er seinen Freund verletzt hatte und all die Jahre über blieb das Schwert unberührt. Die Ironie der Situation entging Caelan keineswegs. "Wieso interessiert dich das?", fragte er knurrend, während er seine Augen zusammen kniff, um der weißblauen Helligkeit der Decke zu entfliehen.
    • Die Klinge war leicht, beinahe überraschend so, aber es interessierte ihn wenig - Shuren hatte keinen Grund dazu, zuzustechen und seinem Gegenüber die Kehle aufzuschlitzen, auch, als er den Tee ablehnte und mit einem einigermaßen grimmigen Ausdruck auf seinem Gesicht dazu gezwungen war, sich einen anderen Ort zu suchen, als die Tischplatte, die nun in die Ferne rückte. "Manieren hast du auch nicht sonderlich viele.", zeigte der Jüngere auf. Wenn er dieses blonde, komische Etwas ansah, dann fiel ihm auch erst auf, wie alt dieser Typ war - er könnte vermutlich sein Vater sein, und Shuren tat gut daran, sich aus solchen Gedanken zu entziehen. Die Alten wussten doch neunzig Prozent der Zeit sowieso nicht, was sie wirklich wollten. Zufrieden sah er zu Oyu herüber, die ihren Kopf in ihren Händen vergraben hatte, vermutlich um nicht sehen zu müssen, was genau gerade vor sich ging, sondern lediglich zuzuhören und die feinen Drohungen, die sie einander bald and den Kopf werfen würden. "Komm, nimm einen Schluck. Er wird dich nicht umbringen, und außerdem ... du willst doch gesund werden und weg von hier, oder?", offerierte Shuren. Wenn er diesen widerlichen Tee als eine Art Heilmittel verkaufen konnte, dann war das auch in Ordnung. Mehr als einen Schluck brauchte es doch sowieso nicht.

      Das Blut, das sich um die kalte Klinge wand, war warm, vielleicht sogar heiß, träufelte jedoch erst in abgekühltem Zustand auf die dunkle Tischplatte, die alle Spuren verwischte, aber nicht in sich aufsog. Sein Augenmerk lag dennoch nicht darauf, sondern auf die Tatsache, dass das Schaf ihn wohl lieber an der Nase herumführte. Wollte er ihm seinen Unmut zeigen? Nein, das stand ihm nicht gut, und stattdessen ließ er die Klinge wieder sinken, zog sie über den Tisch und begutachtete sie ein klein wenig besser. Wunderschön war sie nicht, das erkannte auch sein ungeschultes Auge, aber Muhan war wohl eher darin begabt, ihm zu sagen, was er über das Schwert wissen wollte; woher die wenigen Kratzer kamen, und wozu es gut wäre. "Weil du es mit dir herumschleppst, es aber offensichtlich nicht das ist, mit dem du uns alle tötest. Ob es emotionalen Wert für dich hat?", neckte Shuren zufrieden. Wenn er die Klinge zerbrach, was dann? Würde Caelan ihm den Kopf abreißen? Geschlagen hatte er ihn schon, und eine Art von Bestrafung wäre eigentlich das Richtige für ihn, aber Shuren wollte nun einmal nicht so sein. "Hm. Oder vielleicht ist es nur ein Mitbringsel? Dann müssen wir das hier auch gar nicht aufheben, eigentlich ... nein, nein."
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    • "Warum sollte ich mich gegenüber eines dreckigen Wolfes benehmen?", fragte Caelan trotzig, die Klinge an seiner Kehle schien ihn nicht einzuschüchtern. Shuren wirkte tatsächlich nicht wie jemand der Caelan den Kopf abhacken würde, schon gar nicht in seinem Thronsaal. Vielleicht würde sich das ändern, wenn er die schiefe und blau anlaufende Nase erst einmal in einem Spiegel betrachtete. Caelan wiederum war sich sicher, dass er Shuren töten konnte, wenn er wollte, aber das würde ihm nichts nützen. Man würde ihn vermutlich töten, egal was er über den Kronprinzen zu wissen behauptete. Vermutlich sollte er vor dem Mann kuschen und sich ihm zu Füßen werfen, damit er ihm wohl gesonnen war, aber das stand Caelan einfach nicht, das hatte es noch nie und wie es schien konnte er selbst für seinen Sohn seinen Stolz nicht herunter schlucken. "Eine Reise gen Osten überlebe ich auch so.", grummelte Caelan überzeugt und je mehr Shuren ihm den Tee andrehen wollte, desto weniger traute Caelan der ominösen Flüssigkeit. Hätte er gekonnt, hätte er Oyu einen Blick zugeworfen, um zu prüfen ob ihr nach dem Gesöff irgendetwas fehlte, aber selbst wenn nicht, hieß das nicht, dass sie die selbe Flüssigkeit vorgesetzt bekommen hatten.

      Die Klinge verließ Caelans Kehle und er senkte den Kopf wieder. Die blauen Augen lagen kurz auf Oyu, die zumindest noch zu sprechen vermochte, dann wieder auf Shuren. Er hob beide Hände damit er sich mit dem Ärmel seiner Kleidung das wenige Blut vom Hals wischen konnte. Die Ketten klirrten dabei. "Es schadet nicht ein Ersatzschwert dabei zu haben. Das andere ist besser.", log er grummelnd. Oyu übersetzte immer noch fleißig, aber sie sah keinen von beiden an. Shuren war ziemlich gut darin genau an genau den richtigen Stellen herumzustochern und mit einem Mal schlug Caelan seine Hände auf den kleinen Tisch. Wäre das hier ein normaler Tisch gewesen und wäre Caelan auf einem Sessel gesessen, dann wäre er vermutlich aufgesprungen. Aus seiner jetzigen Position richtete er sich nur auf während er Shuren anfunkelte. "Ich habe keine Lust auf ein Teekränzchen! Wieso sagst du mir nicht einfach was du willst?!", bellte er und spürte kurz darauf erneut eine Hand auf seiner Schulter, die ihn wieder nach unten in eine sitzende Position drückte. Der Tee aus seiner Tasse war dank der Erschütterung übergeschwappt und der Tisch nun nass.
    • Selbst darüber konnte er nur herzhaft lachen. Wenn eine jede Person, die ihm über den Weg lief, so einfältig war, wie Caelan es sein wollte, dann glaubte Shuren nicht, dass auch nur einer von ihnen lange zu leben hatte - eigentlich waren sie alle nur seiner selbst Untertan und nicht mehr. Wie nervig war es denn, dass sie nun auch noch daran festhielten, dass sie alles mit ihm machen konnten, was sie wollten? Oyu mit diesem Schwert zumindest einen Stoß in den Magen zu verpassen wäre nichts, das Shuren nicht tun könnte - es war ihm egal - aber die Reaktion, die Caelan nur wegen eines kleinen, missbrauchten Messerchens an den Tag legte war widerlich amüsant. Sie war auch erwartbar. Mit einem schiefen Grinsen sah er zu dem Dorftrottel auf, der sich in seinem Haus wohl doch etwas zu wohl fühlte - Manieren hatte er nicht. "Dreckig? Oh, bitte. Wir waschen uns alle gründlich.", entgegnete er gelassen. Das taten sie, auch, wenn das wohl eher nicht war, worauf Caelan hinauswollte. Shuren störte es wenig, oder eher interessierte es ihn genau null, während er dort sitzen blieb, wo er nun einmal war. "Tust du das? Ich lasse dich gerne an die Grenze bringen. Entweder, du stapfst in eine Falle und zerreißt dir dabei die Beine, du rennst in einen Wachposten der dich erschießt, oder dich erwischt sonst eine meiner guten, alten Fallen. Deine Entscheidung." Jetzt wurde es umso lustiger.

      Mit einem Mal ließ er die Klinge auf den noch scheppernden Tisch fallen, warf sie in den Tee, der sich auf dem Tisch ausbreitete und sah zu demjenigen, der absolut keine Ahnung davon zu haben schien, was gerade passierte. Mehr oder minder hatte er die Nuss geknackt, die sich als so hart und unbeugsam erproben wollte - fehlte doch nur noch eines. "Du hast das Ding doch gar nie benutzt. Es ist toter Ballast. Wieso lässt du nicht einfach los?", versuchte er, nachzubohren. Gehörte es wirklich jemandem, der dem dämlichen Schaf nahestand, dann hatte Shuren sich gerade seinen felsenfesten Zugang erraten, aber war dem nicht so, dann verspielte er sich gerade eine Chance, die er so wohl nie wieder bekommen würde. Er belächelte den entnervten Schafsbock lediglich - er war einfacher als so manch anderer, der bereits mit ihm an diesem Tisch saß. "Was ich will? Oh, nichts. Ich rede gerne mit Leuten, und das, was ich über dich herausgefunden habe, weil du dich nicht im Griff hast, ist mir schon gut genug. Also. Willst du Oyu selbst wehtun oder mir dabei zusehen? Das Schwert liegt auf dem Tisch uuuund ..." Shuren lehnte sich nach hinten und sah zu dem Mädchen, das zwar zusammenzuckte, aber noch immer übersetzte. "Jemand muss deine Fehler ausbaden. Das habe ich dir gesagt. Und dir tut ein kleiner Stich nicht weh."
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    • "Mit den Fallen wird mir dein verdammter Tee auch nicht helfen.", entgegnete Caelan dem sich Shurens Logik nicht ganz erschloss. "Ich versuche lieber mein Glück da draußen, als mir weiter dein Geschwätz anzuhören." Das war die Wahrheit. Dieser Wolf wusste wie er Caelan aus der Fassung bringen konnte, auch wenn ihm nicht ganz klar war wieso er das tat. Er stellte keine Fragen über die adrestianische Armee, er stellte keine Fragen über ihre Pläne und er wollte nicht wissen wie viele diesen Sommer auf dem Weg hierher waren und was ihre Ziele waren. Er interessierte sich wahrlich nicht für diesen Krieg und mit solchen Untertanen konnte der König der Wölfe auch gleich aufgeben. Caelan bezweifelte mehr und mehr, dass Shuren seinem König berichten lassen würde und er bezweifelte, dass er hier weg kam wenn er einfach nur hier sitzen blieb und sich von diesem Wicht beleidigen ließ. Caelan fühlte sich zumindest wieder gut genug um etwas zu wagen und je mehr Zeit er hier verlor, desto geringer wurden die Chancen, dass er seinen Sohn lebend finden würde. Er kannte die eisigen Weiten Fhaergus und Thria, er kannte die Wölfe und ihre Spielchen, er würde es schon irgendwie nach Hause schaffen.

      Shuren warf die Klinge die er eben noch gehalten hatte achtlos auf den Tisch und Caelan stellten sich alle Haare auf. "Was geht's dich an?", knurrte er nur und selbst jetzt übersetzte Oyu noch. "Ich dachte du folterst niemanden. Ich dachte ihr Wölfe seit so zivilisiert, dass ihr euresgleichen nichts antun würdet. Leere Worte nichts weiter und du hast bestimmt auch nicht vor deinem König von meinen Informationen zu berichten. Sag mir eines, wieso sollte ich noch weiter mit dir sprechen?", fragte Caelan knurrend. Das Schwert lag auf dem Tisch ja, aber was hielt Caelan davon ab Shuren das Ding in die Kehle zu rammen? Der Fürst von Fhaergus war nicht in Höchstform, das musste er sich eingestehen, aber diese Wölfe hier hatten alle noch nie eine einzige Schlacht geschlagen. Er würde es mit ein paar Grünschnäbeln schon aufnehmen können. Fünf Soldaten, Speere, vermutlich irgendwelche Messer und alle von ihnen bis auf einen standen viel zu weit weg, um etwas zu unternehmen. Er wusste nicht ob was er vor hatte eine gute Idee war, aber er würde Oyu nichts antun, nur weil ein ekelhafter Wolf das von ihm verlangte. Stattdessen machte er Anstallten sich wieder aufzurichten. Vorhersehbar legte sich die Hand des wölfischen Soldaten auf seine Schulter. Caelan griff danach, trat mit seinem Stiefel gegen den Griff des Schwertes um es aus der Schusslinie zu nehmen und mit einem kräftigen Ruck warf er den Wolf über seine Schulter, auf den Tisch und ebenso auf Shuren und eventuell Oyu. Es wäre einfacher gewesen das Schwert zu nehmen und sich damit zu verteidigen, aber es war Ronans und es war nicht da um benutzt zu werden. Stattdessen stand Caelan so schnell wie möglich auf. Die zwei Soldaten die an der Tür gestanden hatten waren schon auf dem Weg zu ihm. Der erste holte mit seinem Speer aus, Caelan fing die Klinge mit der Kette die um seine Hände lag ab und drehte dem Soldaten den Speer aus den Händen, sodass er durch die Luft flog. Unter dem Speer des anderen duckte er sich weg, nur um dem Mann seine Schulter in den Magen zu rammen und ihn von den Füßen zu mähen. Erst jetzt landete der Speer des ersten klappernd auf dem Boden. Caelan trat ihn in eine Ecke des Raumes, drehte sich und schleuderte dem Soldaten so das Ende der Kette, die von seinen Händen baumelte ins Gesicht. Bewusstlos fiel er zu Boden. Der andere bekam einen Tritt in sein Gesicht, blieben nur noch drei. Geschickt fädelte er seinen Schuh unter den Speer des zweiten Soldaten, der lose in dessen Hand lag. Caelan ließ ihn nach oben fliegen und fing ihn auf, nur um ihn im nächsten Moment auf Shuren zu werfen, der ihm zu Nahe an Oyu gewesen war. Er hatte sich unter dem Soldaten hervor gekämpft den Caelan auf ihn geworfen hatte und das Blitzen in seiner Hand war ihm nicht entgangen, obwohl er zugeben musste, dass er nicht so gut sah wie er sollte. Der Speer traf ihn in die Schulter und schleuderte ihn zurück auf den Boden, das sollte für den Moment genügen, aber es war ein schlechter Wurf gewesen, der die Brust Shurens verfehlt hatte. "Oyu! Verschwinde hier!", bellte er in die Richtung des Mädchens. Hier bleiben konnte sie kaum, es war bereits zu gefährlich und Caelan hatte sie schon zuvor gewarnt. Wie dem auch sei, sie war ein schlaues Mädchen, sie würde sich alleine durchschlagen und untertauchen können. Wenn sie sich in Richtung des Königs aufmachte und ihm von seinem Sohn erzählte, umso besser, aber in erster Linie wollte er sie aus der Schusslinie nehmen und der Weg zur Tür war nun frei. Caelan stürmte indes in ihre Richtung nachdem sie sich nicht bewegte und zog sie unsanft auf die Beine und fort von dem Soldaten, der wohl die diesselbe Idee wie Shuren gehabt hatte. Caelan zerrte sie hinter sich wo sie erst einmal sicher war. "Lauf jetzt Mädchen und dreh dich nicht um.", knurrte er und gab ihr einen leichten Schubs. Einer der Soldaten die beim Thron gestanden hatten war auf dem Weg zu Shuren, der andere wollte seinen Kollegen unterstützen und versuchte Caelan in die Zange zu nehmen. Ein weiteres Knurren verließ seine Kehle. Die schwarzen Schatten die sein Sichtfeld einschränkten erinnerten ihn daran, dass er definitiv nicht in Höchstform war und das Atmen fiel ihm ob der eisigen Kälte auch nicht so einfach wie es sollte. Von Anfang an hatte er nicht geglaubt einfach aus diesem Palast spazieren zu können, er wollte nur Oyu etwas Zeit verschaffen und das würde er wohl noch ein paar Minuten können.
    • Welche Reaktion er auch aus Caelan herauskitzeln wollte - er hatte sich gerade erlaubt, eine davon bewundern zu dürfen. Ob er es erwartet hatte oder nicht, das konnte er nicht genau sagen, aber gleichzeitig ... vielleicht war das auch, was passieren musste, damit Shuren einen Moment in seinem Leben damit verbrachte, zu verstehen, was eigentlich los war. Alles zerfiel, wie ein Haus aus Stroh, das dem thrianischen Winter nicht standhalten konnte; einen Moment später, als er blinzelte, war er nicht mehr Herr der Konversation, sondern das Opfer seines eigenen Soldaten, den er grummelnd von sich schieben musste; der Tisch war definitiv dahin und Caelan hatte sich wieder einmal mehr erlaubt, etwas zu tun, für das er eigentlich keinerlei Berechtigung hatte. Amüsiert war der Wolf nicht gerade. Schlimmer wurde es nur, als er sich wieder aufsetzen wollte, etwas aus seinem Mantel hervorholen wollte und augenblicklich an den Boden gepinnt war; zuerst wusste er nicht einmal, wie ihm geschah, außer, dass er ein ungemütliches und unerwartetes Knacken hörte. Lange dauerte es auf jeden Fall nicht, bis sich der heiße, rote Schmerz in seiner Schulter ausbreitete und dieses verdammte, idiotische Teil sich so anfühlte, als wäre es ein Stück von ihm geworden. Verfluchter Speer. Unnütze Soldaten. Oyu sah ihn lediglich starr an, bevor Shuren ihr einen entnervten Blick schenken konnte - aber da forcierte der Blondschopf sie auch schon auf ihre zwei Beine und zog sie davon. Das hatten sie doch geplant!

      Oyu wusste nicht wohin mit ihr - sie wusste, dass Caelan es nur gut meinte, aber so, wie er sich jetzt anstellte, hatte er sich mehr als nur eine Chance verspielt. Ob Shuren es nur gut mit ihm meinte, das konnte sie auch nicht sagen, aber sie konnte Caelan nicht an den Kopf werfen, was für eine dumme Idee das eigentlich war! Bevor sie es wusste, war sie auch schon aus dem Raum geschlüpft und wollte sich einen Ausweg suchen, durch die engen, beklemmend wirkenden Gänge des Palastes, während sie sich die Spritzer Blut aus dem Gesicht wischte, die sie abbekommen hatte - wenn sie sich unauffällig verhielt, dann könnte sie vermutlich wirklich Hilfe holen - hoffentlich war es nicht schon zu spät ...
      Shuren schnaubte lediglich, als seine Wache versuchte, ihn zu beruhigen - er zupfte sich den Speer selbst aus der Schulter und drückte sie dem dummen Knaben in die Hand. Seine Kleidung war zerfetzt, mit Blut benetzt und seine Schulter entweder angebrochen, oder definitiv gebrochen. Der Wolf biss sich dennoch keine Sekunde lang auf die Unterlippe, oder beklagte sich darüber, dass er durchlöchert war. "Was ist eigentlich dein Problem?", keifte er Caelan und seinen Bediensteten gleichermaßen an. Was hatte er sich hier eigentlich in seinen Palast geholt? Ein paar blinde Frösche und ein verrücktes Monster, wie es schien - Shuren griff nach seinem Fächer. "Lass ihn in Ruhe.", zischte der entnervte Prinz, der seinem Soldaten nur dabei zusah, wie er die einfachste Aufgabe verfehlte und dann auch noch zu Boden stolperte. Er fächerte sich selbst etwas Luft zu. Die Wunde sollte er zumindest versorgen - aber der Knirps, dem er die Kehle durchschneiden wollte, fehlte irgendwie. Gerade war er ohnehin zu aufgeregt - er riss an seinem Fächer herum, in der Hoffnung, man hatte ihn nicht ruiniert, während dieser dumme Soldat den Tisch zerbrochen hatte, und warf eine spitze Klinge in Caelans Richtung. Schachmatt war das noch lange nicht, aber es reichte ihm, wenn sie traf. Oder eher, wenn mehrere trafen, denn an diesem Punkt hatte Shuren seinen Fächer komplett zerfetzt, damit er die Messer nach Caelan schmeißen konnte. Dann kam dieser Typ eben auf den Seziertisch, auch egal! "Was gafft ihr so? Macht eure Arbeit!", knurrte der Wolf, als er seine Lakaien auf Caelan hetzte, die erneut versuchten, zumindest nach den Ketten zu greifen, in welche er gelegt war.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Oyus Schritte entfernten sich und die Soldaten, sowie Shuren schienen ihre Aufmerksamkeit auf Caelan zu legen und nicht auf das Mädchen. Shuren fing an irgendetwas herum zu brüllen das Caelan nicht verstand, als hätte er den Verstand verloren. Nein, den Krieg hatte er tatsächlich noch nie gesehen so viel stand fast, keiner hier. Seine Soldaten waren überfordert und Shuren selbst fühlte wohl zum ersten Mal wie es sich anfühlte wenn jemand nicht nach seiner Pfeife tanzte. So 'nett' er auch gewesen war als er Caelan erlaubte in einem wärmeren Zimmer zu bleiben und ihm Medizin und Essen gab, Caelan ließ sich nicht dazu zwingen nach seiner Pfeife zu tanzen. Bei Rain musste er sich trotzdem entschuldigen. Es schien nicht als würde es sein Alter Herr nach Hause schaffen, um ihm zu helfen. Stattdessen hatte er einem kleinen Wolfsmädchen geholfen das er kaum kannte. Er war verrückt geworden. Gleichermaßen hatte er bisher keinen einzigen Wolf hier getötet, obwohl er es bei Shuren schon versucht hatte. Er hätte es besser geschafft, denn er sah das Messer nicht, das auf ihn zuflog und in seiner Seite stecken blieb.

      Die Soldaten versuchten Caelan einzukreisen, aber Shuren war tatsächlich der Einzige der etwas bewirkte. Caelan knurrte und warf dem einem Soldaten die Kette die er zu erwischen versuchte regelrecht in die Hand. Sobald der Mann sie fest genug gegriffen hatte zog Caelan ihn damit an sich heran und warf die Kette in einen Bogen um ihn, bis er sie sich selbst wieder schnappen konnte. Die Kette drückte sich in den Hals des zappelnden Mannes der Caelan als Schutzschild vor Shurens Messern diente. Trotzdem landete ein weiteres in seinem Oberschenkel und er verlor beinahe die Balance. Der Mann hörte auf zu Zappeln und Caelan hatte die anderen zwei Soldaten ohnehin schon in seinem Rücken, er konnte sich also nicht weiter verstecken. Stattdessen stieß er den Soldaten von sich in Richtung Shuren, dem die Messer hoffentlich ausgegangen waren. Damit hatte er die Hände für die anderen beiden frei die nun versuchten ihn gemeinsam zu attackieren. Die Kette war kein schlechtes Werkzeug um die Speere abzuwehren und doch wurde Caelan merklich langsamer. Die Wochen die er auf See, im Kerker und in dem kleinen Zimmer hauptsächlich liegend verbracht hatte machten sich bemerkbar. Trotzdem schaffte er es einem der Soldaten den Speer zu entwenden und ihm mit dem hölzernen Ende so fest über den Schädel zu ziehen, dass das Holz splitterte. Der Zweite nutzte seine Chance, er war weniger schreckhaft als Caelan von einem Grünschnabel erwartet hatte, und sein Speer sauste so knapp an dem Soldaten vorbei, dass er Caelans geborgte Kleidung und die Haut darunter aufriss. Keuchend warf sich Caelan ihm entgegen und griff nach dem Speer. Mit einem festen Schulterstoß stieß er den Mann zu Boden und riss ihm damit auch den Speer aus der Hand, dessen stumpfes Ende er dem Mann gegen den Kop stieß. Das war der Letzte und Caelan drehte sich schwer keuchend zu Shuren um, dem das Blut aus der Schulter rann und dessen Kleidung und den Boden unter ihm benetzte. Einen Schritt versuchte Caelan zu machen, aber das vorhin getroffene Bein, in dem das kleine Messer immer noch steckte, gab nach und er landete auf einem Knie. Den Speer den er noch in den zusammengebundenen Händen hielt benutzte er als Stütze. Er war außer Atem und die kalte Luft, die sein Körper so enthusiastisch zu erhaschen versuchte, zerfraß seine Lunge. Ein kratzender, trockener Husten entwich seiner Kehle. Oyu war hoffentlich bereits über alle Berge.
    • Das Massaker - Shuren konnte es nicht anders bezeichnen - war eintönig und ging definitiv nicht so aus, wie er es gerne hätte. Natürlich passierte es auf ein Art, die durchaus zu erwarten war, und er selbst konnte sich nicht darüber beklagen, dass seine Messer nicht trafen - zumindest nicht alle - aber gerade noch verkrampften sich seine Finger in dem zurückgebliebenem Stoff seines Fächers, der durchaus ruiniert war. Shuren knirschte mit seinen Zähnen, hatte die Schnauze voll davon, glauben zu müssen, dass er ein einziges Bündel elender Energie war, das sich nicht einmal selbst retten konnte, und konnte sich ehrlich gesagt auch keineswegs irgendetwas davon abschneiden, dass Caelan mit seinen Hunden den Boden aufwischte. Es war traurig, mehr auch nicht, und das sollte es auch bleiben - Caelan sollte Spaß daran haben, ein übermächtiges Schaf zu sein, das zu seinem Abendessen einen Kelch Wolfsblut genoss, insofern er wollte, aber nicht hier, oder gar jetzt. Wenn jemand die Zügel in der Hand hatte, dann er - und seine Augen richteten sich auf jenes Bündelchen, das auf dem Boden angekommen war und endlich nicht mehr weiter mochte. Von wegen, er würde es von hier bis nach Adrestia schaffen - verrecken würde er, wenn er sich auch nur eine Sekunde lang selbst davon im Glauben ließ, und Shuren wäre derjenige, der sich zufrieden die Hände rieb.

      Bevor er jedoch lachen konnte, besah er sich der Pfütze, die sich mittlerweile auf dem eisigen Boden gebildet hatte - das sollte jemand wegwischen, und die Kleidung sollte auch jemand flicken. Sich selbst würde er schon früher oder später in Angriff nehmen, pochte die Wunde doch gerade nur mehr unangenehm und verhieß ihm, was für ein Trottel er nicht wäre, wenn er Caelan das Blut nicht auch noch ins Gesicht schmieren würde. Mit einem Ruck schmiss er das Stück Stoff davon und kam Caelan näher - den musste er auch noch flicken. "Hm? Wie war das noch?", neckte er ihn und lachte dabei - er griff weder nach dem Blonden, noch nach dem Speer, oder eher hatte er letzteres vor, bevor er innehielt; die Tür zu seinem Thronsaal wurde unzeremoniös aufgestoßen und ein brünetter, verschlafener Wolf reckte seinen Kopf zur Tür herein - er zerrte Oyu zurück herein, an beiden Händen, während sie zappelte wie ein Fisch, der gerade aus dem Wasser gefischt wurde. "Muhan!", verkündete Shuren zufrieden, als die imposante Tür ins Schloss fiel. Schon bald hing er seinem Liebhaber um den Hals, der lediglich das Chaos beobachtete, und die Wunde in Shurens Schulter, der er jedoch keinerlei Worte schenkte. "Alles in Ordnung? Die Wachen schreien draußen herum und ... naja. Was ist hier eigentlich los?", fragte er verschlafen und drückte Oyus Handgelenke in Shurens Hand, der sie nur zögerlich hielt. Grimmig sah sie ihn an, ehe ihr Blick auf Caelan fiel, der einigermaßen zerstört wirkte. Das war alles ihre Schuld. "Nichts wichtiges ... Kannst du ihn wegbringen? Nach unten? Er ist mir etwas zu aufmüpfig." Ausgerechnet jetzt zerrte Oyu an Shurens Händen und riss sich los, bevor sie sich schützend vor Caelan stellte. "Nein!", keifte sie. Muhan schüttelte nur den Kopf und schob sie beiseite. "Lass das, Kleine.", gähnte er, bevor er nach Caelans Händen und der Kette griff; er war jedoch nicht dumm genug, um sich auf das gleiche Spiel wie die Soldaten einzulassen, die gegen Caelan verloren hatten. Muhan zog Caelan auf die Beine und hielt die Kette kurz, bevor er sich nach unten beugte und das Messer aus seinem Bein zog, dann das Andere aus seiner Schulter. "Komm, Großer.", seufzte er nur und zog ihn an den Ketten davon. Shuren hingegen sah zu Oyu. "Geh mir aus den Augen." Das tat sie auch, indem sie Caelan und Muhan hinterherrannte. Muhan hingegen schnappte auch nach ihr, viel eher ihrem Kragen, und trug sie davon - dann würde er sie eben beide wegsperren, wenn Shuren das wollte.
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    • Caelan war nicht sicher ob er sich noch bewegen konnte, selbst wenn er wollte. Das Atmen fiel ihm schwer und dicke Dampfwolken stiegen um seinen Mund herum auf wann immer er ausatmete. Das Adrenalin verließ seinen Körper, während es Shurens noch am Laufen zu halten schien, denn der schien sich der Wunde an seiner Schulter kaum bewusst. Er hätte den Speer nicht heraus ziehen sollen, nicht bevor er nicht wo war, wo man ihn verarzten konnte, aber was kümmerte Caelan das schon? Er hustete noch einmal, es fühlte sich an als würde sich seine Lunge nach außen stülpen und bald aus seinem Mund fallen. Er konnte nicht viel tun als Shuren auf ihn zukam und seine Hand nach einem der Speere ausstreckte. Wo war eigentlich Ronans Schwert? Spielte das noch eine Rolle? Caelan glaubte nicht, dass er noch sehr lange leben würde, nachdem was er angerichtet hatte. Rain... nun hatte er als Vater gänzlich versagt. Es war seine Aufgabe ihn zu beschützen und stattdessen ließ er sein Leben auf eine gänzlich unnötige Weise. Ina würde es ihm vermutlich verzeihen, auch wenn sie ihn dafür schelten würde, die dumm er nicht war, dass er sich überhaupt in diese Situation gebracht hatte.

      Shuren wurde unterbrochen als sich die Tür öffnete. Mehr Soldaten? Nein, nur einer, erkannte caelan als er seinen Müden Kopf hob. Und... Oyu? Shuren rannte in Richtung Tür und fiel dem Wolf um den Hals. Caelan verstand kein Wort und Oyu war bestimmt zu aufgeregt um noch zu übersetzen. Plötzlich lief das Mädchen auf Caelan zu, stellte sich vor ihn und sagte den Beiden, dass sie lassen sollten was auch immer sie vor hatten. Jetzt ließ er sich schon von einem kleinen Wolfsmädchen beschützen. "Oyu... ich sagte doch du sollst hier verschwinden...", krächzte er erschöpft. Damit war wirklich alles umsonst, andererseits glaubte er nicht, dass er einen der Wölfe getötet hatte. Ob ihm das half? Vermutlich nicht. Der andere Wolf der circa Caelans Größe hatte, schob sie fort und griff nach den Ketten. Caelan versuchte gar nicht erst sich zu wehren, das hatte keinen Sinn mehr. Er ließ sich auf die Beine ziehen und ließ dabei den Speer auf den er sich gestützt hatte fallen. Als der Wolf das kleine Messer aus seinem Bein zog, keuchte Caelan auf und verlor kurz den Halt auf eben jenem Bein. Halb zog der Wolf ihn wieder nach oben, halb schaffte er es selbst. Anschließend folgte er dem Wolf - wohn auch immer - ohne großes Aufheben. Oyu rannte ihnen hinterher, nur damit der Kerl sie unsanft packte und mitnahm.
    • Shuren hatte wohl auch alle Hände voll zu tun mit diesen beiden Rabauken - eine lief davon, der Andere machte sich über die Wachen her, die mehr als nur unbegabt darin waren, ihren einzigen Herren zu verteidigen, der explizit meinte, es nicht selbst zu können. Muhan war beinahe beschämt, wenn er daran dachte, dass er verschlafen hatte und eigentlich selbst auf Shuren aufpassen sollte, gleichermaßen musste er sich aber eingestehen, dass sie wohl besseres Personal brauchten, wenn er wirklich der Einzige von ihnen war, der ein wildgewordenes Schaf aufhalten konnte. Ungefragt brachte er beide nach unten, nicht aber in einen eisernen Kerker, sondern in einen dunkleren Holzkeller, der vermutlich gemütlicher war, als ein paar Stangen aus festem Eis und die dauerhafte, beklemmende Kälte. Shuren meinte doch nach unten, nicht in den Kerker, und wenn er sich vertan hatte, dann tat es ihm fast leid - Muhan war zu müde, um seine Gedanken kritisch in die Mangel zu nehmen und zu analysieren, aber gleichzeitig war es ihm auch recht, wenn er sich nicht weiter mit diesen beiden Idioten befassen musste. Sein Liebhaber konnte sich selbst helfen, das wusste er, aber gleichzeitig war ihm auch klar, dass er lieber etwas Aufmerksamkeit hätte - und Muhan hatte Fragen.

      Ein kurzer Stint in den langen Gang herunter war alles, was er brauchte, bevor er eine Zellentür öffnete - er schob Caelan vorsichtig herein, bevor er Oyu vor ihn setzte und die Türe hinter ihnen schloss. Muhan versperrte die Pforte, aber er fand die Zelle eigentlich nicht schlecht; sie war geräumig, überall lagen Kissen, das Bett, oder eher der Fellhaufen sollte auch kein Hindernis darstellen, und auch, wenn die beiden kein Sonnenlicht hatten, so war der Kerzenschein hier unten angenehm. Oyu riss an den Metallstäben. "Lass mich raus, du Grobian!", keifte sie. "Immer mit der Ruhe. Ich mache euch noch ein Feuer an, und dann entspannt ihr beiden euch erstmal. Irgendwer bringt euch nachher schon Essen vorbei - aber ihr müsst zugeben, das hier ist besser als die kalte Zelle dort unten!", erläuterte Muhan. Hier gab es haufenweise Räume, die Türen waren allesamt geschlossen, und ihnen gegenüber stand noch eine leere Zelle, mit der sie beide nichts anzufangen wussten. Am Ende des Ganges war tatsächlich ein Kamin, den Muhan entfachte, bevor er die Treppe nach oben trabte und die Tür nach unten endlich schloss. Oyu seufzte, dann sah sie zu Caelan. "Habe ich versucht, aber der Fiesling hat mich erwischt!", knurrte sie - Oyu schubste Caelan gen sein neues Bett. "Los, lass mich deine Wunden sehen. Tu nicht so stark."
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    • Nun ging es wieder nach unten und Caelan hatte das wohl verdient. Er hatte auch nicht erwartet wieder in sein Bett zu können, er wartete wohl eher auf seine Hinrichtung. Das Schaf trat selbst in seine Zelle und drehte sich dann um, nur um zu sehen, dass Oyu gleich hinten nach geschoben wurde. Sie hatte definitiv mehr Energie als Caelan und er legte ihr vorsichtig die gefesselte Hand auf die Schulter um ihr zu bedeuten, dass sie sich ihre Energie lieber sparen sollte. Der Wolf war ruhig, trotz Oyus Geschreie und er ging sogar hinüber zu einer Art Kamin, den er befeuerte, dann verschwand er auch schon wieder die Treppe hinauf und verschloss auch diese Tür. Caelan sah ihm halbherzig nach, bis er in dem fahlen Licht verschwunden war und blickte dann zu Oyu, die anfing Caelan zu schubsen. Besonders stark war der Schubser nicht, aber er machte trotzdem zwei Schritte nach hinten, ehe er sich auf seinen Hintern fallen ließ und seufzte. "Ich hab dir doch gesagt du solltest dich von mir fern halten...", murmelte er müde. Er wollte sie nicht in seinen Kampf mit hinein ziehen.

      Oyu kam näher, versuchte Caelan zu helfen, aber er schob ihre kleinen Hände von sich und hob seine eigenen. "Ich wäre lieber die Ketten los.", erklärte er ihr. Dann konnte er sich auch selbst um den Rest kümmern. Er hatte wohl Glück, dass das Messer das in seiner Seite gesteckt hatte nichts Lebenswichtiges getroffen hatte. Ein bisschen höher und es hätte vielleicht seine Lunge erwischt, hätte Shuren nur richtig gezielt. Er sollte trotzdem dafür sorgen, dass es nicht mehr blutete und der Stoff seiner geborgten Kleidung sich damit voll sog. Aber warum eigentlich? Caelan ließ seinen Kopf zurück fallen und blickte an die Decke. Für Oyu konnte er kaum noch etwas tun und er würde auch nicht zurück in den Osten können. Hätte er diesem Wolf die Schuhe küssen sollen? Hätte er ihn anflehen sollen ihn nach seinem Sohn suchen zu lassen? Seit er ein Teenager war hatte er kaum etwas in seinem Leben gelernt, war es nicht so? Er seufzte.
    • Dem Greis ging die Puste und die Lust aus - und Oyu war diejenige, die mit einem Seufzen auf ihn herabsah, als Caelan sich endlich nach hinten fallen ließ. Was für eine Dumpfbacke! "Ja, hast du - und? Als ob mich das schon jemals interessiert hat!", murrte das Mädchen. Das Schaf hatte Ideen, aber auch Oyu war nicht unbescholten und versuchte gleich, sich durch die Gitterstäbe durchzuzwängen - wäre sie ein, zwei Jahre jünger, dann hätte sie bessere Chancen, aber gerade jetzt bewegte sich nichts, weder nach vor, noch zurück. Ohne großartig weiter einen Gedanken daran zu verschwenden, forcierte sie sich wieder heraus und sah zu dem alten Mann, der noch immer niedergeschlagen auf seinem Plätzchen lag; ausruhen sollte er sich, ja. "Außerdem spielt Shuren mit unfairen Mitteln. Zuerst nimmt er dir alles weg, was du hast, dann hetzt er mich auf dich, und dann ist er verblüfft, dass du mich leiden kannst und ein paar Soldaten zerlegst, weil er ein mieser Lurch ist!", beschimpfte sie ihren eigenen König. Beißen hätte sie ihn sollen, nicht schlottern wie Espenlaub - vielleicht hätte sie ihm auch besser seine eigenen Messer in den Hals rammen sollen, oder dafür sorgen sollen, dass dieser Grobian sie gar nicht erst nach unten zerrte, damit sie im Auftrag von Caelan dort oben für wohlverdientes Chaos sorgen konnte.

      Als sie sich also wieder an ihn heranbahnte und ihm helfen wollte, schob er sie wieder beiseite - Oyu hatte die Schnauze voll davon, hörte ihn aber klar und deutlich, weswegen sie sich dieses dumme Gewirr an eisernen Klötzen ansah. Der Knoten lag vielleicht etwas schlecht, aber mehr als das war es nicht - es waren keine ordentlichen Handschellen mit einem Schloss, das sie nur mit einem Schlüssel knacken konnten. Es war primitiv - so wie der Rest von Thria. Das Balg machte sich drauf und dran, Caelan aus seiner misslichen Lage zu befreien und kaum hatte sie es geschafft, ließ sie die schweren Ketten auf den Boden rasseln und stemmte ihre Fäuste in die Hüfte. "Sag doch früher was!", protzte sie stolz und warf sich zu Caelan auf den Fellhaufen. Der Tee hatte eigentlich nicht viel getan, war er doch einfach nur eine ekelhafte Mischung aus ein paar widerlichen Kräutern gewesen, die sie sich durchaus kaum selbst eingeschenkt hätte, wenn sie in jener Hinsicht überhaupt etwas zu entscheiden hatte. Ob diesem Kotzbrocken das Gesöff geschmeckt hatte? Wahrscheinlich. "Und? An was denkst du gerade? Scheint ziemlich leer da oben zu sein."
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    • "Wenn du dich schon an jemanden heften möchtest, dann am Besten an den Stärksten und das bin definitiv nicht ich hier.", erklärte er ihr entschuldigend. Jetzt war sie hier mit ihm eingesperrt und Shuren wusste wo Caelans Prioritäten lagen. Wenn ihn niemand aufhielt, dann würde Oyu wohl das Meiste seiner Wut abbekommen. Er wollte ja nicht einmal etwas Caelan und er war sich immer noch nicht im klaren, was er hatte bezwecken wollen. Inzwischen versuchte Oyu sich vergeblichst durch das Gitter zu zwängen, aber das schien nicht viel zu bringen, abgesehen davon gab es dann immer noch eine weitere Tür die sie öffnen müsste. Sie war nicht mehr als ein Kind, das merkte man immer und immer wieder. Sie schien sich auch ihrer derzeitigen Lage nicht wirklich bewusst. "Ich bin euer Feind. Ich habe nicht erwatet mit offenen Armen empfangen zu werden. Ich hatte nur gehofft ihm liegt etwas an eurem Kronprinzen..." Das war allem Anschein nach nicht so und von seinem König hielt er auch nichts. Wer solche Verbündete hatte brauchte eigentlich keine Feinde mehr.

      Caelan ließ Oyu an der Kette herum fummeln bis sie es geschafft hatte diese von Caelans Handgelenken zu lösen. Sie fiel zu Boden und würde bestimmt noch eine adequate Waffe abgeben, wenn Caelan glauben würde, dass er noch irgendetwas ausrichten konnte. Die Felle unter ihm bewegten sich leicht als Oyu sich zu ihm setzte. Caelan sollte sich tatsächlich um diese blutenden Wunden kümmern, aber er konnte sich nicht dazu aufraffen. Seine Handgelenke schmerzten ebenfalls leicht und er rieb sie geistesabwesend. "Daran, dass ich in meinem Leben nichts gelernt habe und daran, dass ich bis zum Schluss ein miserabler Vater bin.", murmelte Caelan und schloss seine Augen. Er hatte Ina noch nie so sehr vermisst wie in diesem Moment. "Mein Sohn hätte mich gebraucht... stattdessen lasse ich mich von einem Wolf provozieren. Hätte ich einfach nichts gesagt, dann hätte ich vielleicht die Chance gehabt ihn zu suchen... Nicht, dass ich mit meinen Suchen bisher sehr erfolgreich gewesen wäre." Caelan kniff die Augen und biss die Zähne zusammen. "Ich bin ein miserabler Freund, ein schlechter Ehemann und ein furchtbarer Vater. Ich bin nicht einmal ein guter Soldat und auch kein gerechter Fürst. Ich bin ein Verräter, mehr nicht. Ich habe meine Freunde, meine Familie und mein Volk verraten. Alle die mir ihr Leben je anvertraut haben...inklusive dir." Ein langer Seufzer entwich ihm. "Tut mir Leid. Das Geplapper eines alten, sterbenden Hundes musst du dir wirklich nicht anhören."
    • Da schwafelte er auch schon wieder von Gott und der Welt. Caelan tat ihr fast leid, meist aber auch nur, weil sie durchaus wusste, dass es wenig brachte, ihn aufzumuntern. Thria war verloren und jeder Funke Freiheit, den das große, böse Schaf wohl einst gehabt hatte, war auch nicht mehr als ein Schandfleck auf seiner längst vergilbten Weste. Ihm helfen konnte sie nicht, nicht wirklich zumindest, aber sie konnte es zumindest versuchen, irgendwie, auch wenn sie sich dabei nur selbst in Gefahr brachte. All das hatte er, laut Oyu zumindest, nicht verdient - Shuren war eine hinterhältige Schlange, so viel stand fest. "Ich will mich an die Person heften, die ich ausstehen kann. Und das bist definitiv nur du. Du musst nicht der Stärkste sein, du darfst dich einfach nicht provozieren lassen - nicht von so einem Typen.", erklärte sie. Dass sie dabei im Recht war, das musste ihr keiner sagen - sie wusste es selbst, auch, wenn sie sich gerade an feines Fell schmiegte und am liebsten die Augen schließen würde, um ein klein wenig zu schlafen und die bisherigen Geschehnisse zu verarbeiten. "Dem König liegt sicher etwas an seinem Sohn.", versuchte Oyu zu argumentieren - es half wohl wenig, wenn sie versuchte, diesen alten Mann aufzumuntern und das auch noch mit so schwachen Argumenten, die ihnen beiden gerade herzlich wenig brachten. Wer sollte dem König solche Neuigkeiten schon überbringen?

      "Hast du jetzt vor aufzugeben oder so?" Es schien so. Mit einem Mal setzte sie sich wieder auf, kniete vor dem Kopf des Blonden und legte ihn auf ihren Schoss, bevor sie anfing, ihm sein Oberteil zumindest an der eingerissenen Stelle herunterzuziehen. Wenn er es selbst nicht machte, dann zumindest sie! Die Stelle war schnell freigelegt und Oyu riss auch schon an ihrem eigenen Ärmel, den sie vollkommen von ihrer Kleidung entfernte - sie zupfte ihn entlang der Naht auf, damit er groß genug war, um ihn an Caelans Körper zu binden, und das tat sie im nächsten Augenblick auch, damit sie die Blutung an seiner Schulter stillen konnte. An sein Bein oder seine Seite kam sie so zwar nicht, aber es reichte, wenn sie sich den anderen Ärmel abriss, den sie Caelan auch sogleich in die Hand steckte. "Halt das an deine Seite.", verlangte sie, als sie seinen melancholischen Worten lauschte und ihm etwas Dreck aus dem Gesicht wischte, das mitgenommen und schwitzig aussah. Eiskalt war es trotzdem; Schafe waren wohl kältere Wesen. "Miserabel? Du kümmerst dich sogar um mich, und ich bin nicht dein Kind - sondern irgendein dahergelaufenes Balg. Caelan, du machst dir Vorwürfe, die gar nicht stimmen - du hast mich nicht verraten, und schon gar Niemanden, den du liebst.", murrte Oyu. Sie schnippte Caelan gegen die Stirn. "Du stirbst nicht.", versicherte sie ihm. Die Kette würde sie hier rausbefördern, wenn Shuren es nicht selbst täte - auch, wenn dieser Ort eine ganz andere Ausstrahlung besaß, als der eigentliche Kerker. "Wieso lässt du dich von Shuren so auf die Palme bringen?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Habe ich aber und du warst von Anfang an in der Schusslinie. Ich beschütze eben was mir etwas bedeutet...", murmelte er Kleinlaut. Ob es nun Rain war, oder Oyu, nur leider besaß er die Weitsicht nicht an Rain zu denken, wenn Oyu in Gefahr war. Wieso bedeutete diese Kleine ihm überhaupt etwas? Caelan schnalzte mit der Zunge. Sie war ein Wolf und naiv war sie auch. Nur weil sie nett zu ihm war, musste er sie ja nicht gleich adoptieren, das war doch bescheuert. Noch bescheuerte war es sie seinem Sohn vorzuziehen. Oder war es das nicht, weil sie hier war, lebendig und sein Sohn war es womöglich gar nicht mehr? Um Ronans Schwert war es Caelan gar nicht so sehr gegangen, auch wenn es ihm ebenfalls etwas bedeutete, aber nicht genug, um alles andere hinzuwerfen. Es war nur ein Gegenstand, das wusste er selbst. "Davon ausgehend, dass ihr Wölfe keine Monster seid, glaube ich dass ein Vater jede noch so kleine Gelegenheit ergreifen würde um seinen Sohn zu retten. Und ich lüge nicht, es hat sich nur nun einmal so gefügt, dass ich den Kronprinzen in der Obhut meines Sohnes gelassen habe. Den einen zu finden hilft also auch dabei den anderen ausfindig zu machen, oder zumindest etwas über deren Verbleib zu erfahren...", erzählte er Oyu. Aber es spielte keine Rolle. Der König würde es nicht erfahren.

      Caelan öffnete seine Augen erneut und ein fragender, vielleicht auch etwas verwirrter Blick zierte sein Gesicht. Er fühlte die warmen Hände des Kindes an seinen Wangen und sah sich schließlich gezwungen zu ihr aufzusehen. "Was machst du?", fragte er sie ein wenig schroff und hörte anschließend das reißen von Stoff. "Ich bin zu schwach um mich nach Hause zu kämpfen. Was soll ich also sonst tun?" Caelan zuckte als die dürren Finger an der kaputten Kleidung zogen und er tat es noch einmal als er Druck an seiner Wunde verspürte. Noch mehr Stoff landete in seiner Hand und in seinem Gesicht und Caelan kämpfte sich selbst wieder auf und floh aus Oyus Griff und ihren schnippenden Fingern. Er war der Erwachsene hier. "Ich meinte doch nicht, dass ich jetzt gerade sterbe.", grummelte er und hielt sich den Stoff auf die Wunde an seiner Seite. "Du erfrierst hier unten noch, wenn du so weiter machst." Nun fing Caelan an sich auch noch aus dem zweiten Ärmel zu kämpfen, damit der Rest der Kleidung herunter rutschte und er sich der Wunde an seiner Seite wirklich besehen konnte. Er riss sich selbst etwas Stoff von seiner Kleidung, damit er den zusammengeknüllten an seiner Seite fest binden konnte, mit genügend Druck um sein Blut in seinem Körper zu behalten. "Ich habe euren Prinzen aus unserem Kerker befreit und damit mein Land und meinen Sohn in große Gefahr gebracht. Ich habe mich nie richtig von meiner Frau verabschiedet, noch habe ich meinem Sohn beigestanden als sie gestorben ist. Meinen Freund wollte ich finden und zurück nach Hause bringen, nachdem ich ihm versprochen habe ihn zu beschützen und auch das habe ich nicht geschafft." Caelan zog den Verband vielleicht ein wenig enger als er musste und keuchte, als er sich daran machte noch etwas mehr Stoff für sein Bein von seiner Kleidung zu reißen. "Statt meine Klappe zu halten und eurem, was auch immer er ist, nicht ins Gesicht zu schlagen, habe ich ihm einen Grund gegeben dich zu verletzen und weil ich nicht weiter denken, als ich einen Stein werfen kann, habe ich mir damit auch jegliche Chance verbaut meinen Sohn zu retten." Ungeniert entblößte Caelan seine Beine, damit er sich auch um die letzte Wunde kümmern konnte, die er verband als hätte er es schon tausende Male gemacht, das stimmte vermutlich auch. "Er ist ein arrogantes Kind, meinem König nicht unähnlich und ich habe gesehen was Menschen wie er anrichten können. Er will nichts von mir, er will keine Informationen über den Krieg. Er will Menschen leiden sehen, sie benutzen wie Spielzeug und er wirft sie weg, wenn er genug hat. Hätte ich dir wehtun sollen, statt zu versuchen dich hier raus zu bekommen?"