spellbound. (earinor & akira)

    • "Das könnte ich nicht." Nayantai hatte, anders als Rain, schon so viel in seinem Leben gesehen und gespürt. Während das Lamm dieses Gemäuer nicht verlassen konnte, ein Gefangener seines eigenen Lebens war, so hielt den Wolf oftmals nichts auf - könnte er, würde er dort draußen durch den Schnee tollen und Zuflucht in dieser missratenen Welt suchen. Nayantai würde sich seine bereits verheilten Wunden lecken, würde sich einen Ort suchen, an dem er sein konnte, wer auch immer er wollte - und erst, wenn all das nichts mehr brachte, dann würde er wohl für sich selbst zu realisieren haben, dass auch er kein unbeschriebenes Blatt war und sein Kummer und seine Sorgen nicht vom Winde verweht werden konnten. "Ja, Dayan ... ist vor ein paar Jahren gestorben. Die Narben erinnern mich an ihn und daran, dass er wirklich gelebt hat. Aber auch daran, dass ich schlussendlich nichts tun konnte, um ihn zu beschützen." Nayantai hatte sich bereits zu viel vorgeworfen, wusste er doch, dass es schließlich nicht wichtig war, was er nun hätte tun können, um Dayan vor sich selbst zu beschützen oder vor der Welt, die sie beide in ihre Einzelteile zerrissen hatte. Die Antwort, die keiner hören wollte, war in Stein gemeißelt. "Er hatte ziemlich spitze Zähne!", erklärte er Rain und bleckte dabei seine eigenen - sie waren nicht ansatzweise so spitz, wie die seines Vaters oder Dayans, aber vermutlich spitz genug, um Rain wehzutun, wenn er wollte. "Oft genug!"

      "Wölfe sind eben etwas rabiater als Schafe, aber das heißt noch lange nicht, dass wir uns nicht auch benehmen können!" Vermutlich waren es auch einfach nur die Jüngeren von ihnen, die sich oft genug in den Haaren lagen. Hätte er solche Dinge vor Shurens Vater, oder seinem älteren Bruder getan, wäre es vermutlich gar nicht erst dazu gekommen, dass er sich mit jemandem wie ihm angefreundet hätte - hingegen schien es relativ einfach, sich den anderen Prinzen zu nähern und sie auszuquetschen, wollte man etwas konkretes wissen. Jagdausflüge wurden, oftmals, für ganz andere Dinge genutzt, als sie eigentlich gedacht waren - aber wollte er Rain das wirklich auf die Nase binden? Immerhin befanden sie sich noch immer inmitten eines Krieges und doch, Nayantai konnte nicht sagen, dass seine Jugend miserabel gewesen war. "Das habe ich nicht vor! Aber du kannst mir nicht sagen, dass es dich stört, wenn ich kein Hemd trage!", lachte der Wolf. Sie beide verstanden sich, so gut, dass Nayantai sich eigentlich gar nicht mehr vor Rain und seinem Status einschüchtern lassen wollte. Womöglich reichte es, ihm weiterhin schöne Augen zu machen? Aber das musste er gar nicht, das tat er freiwillig. "Küssen und ... naja, andere Dinge auch!" Wieso verhielt er sich so, als hätte er noch nie in seinem verdammten Leben mit einer Person geschlafen, oder zumindest versucht, sie in sein Bett zu kriegen? Weil Rain so verdammt unschuldig war und oftmals gar nicht verstehen zu schien, was er eigentlich von ihm wollte? Vermutlich. Der Wolf nahm den Schwamm entgegen, begann, sich damit zu waschen und versenkte seinen Schopf voller langer Haare im Wasser, nur, um wieder nach oben zu kommen und sich das Wasser abzuschütteln, als wäre er ein Hund. Erst, als das Meiste davon überall im Raum verteilt war, sah er Rain an. "Oh ... willst du ... nicht eventuell ... auch gleich deine Haare waschen?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Das tut mir Leid...", erwiderte Rain der sich auf einmal schlecht fühlte, dass er diese alten Geschichten ausgegraben hatte. Er wollte Nayantai nicht daran erinnern, wen er verloren hatte, allerdings schien es ihn gar nicht zu sehr zu kränken. Seinen jüngeren Bruder zu verlieren musste schlimm sein, Rain hatte keine Geschwister, aber er hatte Familie, also war er in dieser Hinsicht wohl nicht völlig planlos. Er war nicht sicher ob Nayantai schon damit abgeschlossen hatte, oder ob man das jemals konnte. Als Rains Mutter gestorben war, wusste Rain, dass er nichts daran hätte ändern können und auch seinem Vater konnte er da draußen nicht helfen, Nayantai konnte seine Familie aber beschützen, hoffentlich machte er sich nicht zu viele Vorwürfe. "Ist das häufig bei Wölfen? Die spitzen Zähne?", wollte Rain wissen, vielleicht war das ein besseres Thema. Nayantais Zähne konnten wohl nicht so eine Wunde verursachen und Rains auch nicht. Weil Nayantai ihm so provokativ seine zeigte, machte Rain dasselbe und streckte ihm dann kurz die Zunge heraus.

      "Das glaube ich dir, du benimmst dich doch auch.", lächelte Rain. Nayantai hätte schon vieles anstellen können, das hatte er aber nicht. Er hatte Rain nicht den Hals umgedreht, er hatte nicht Hand an irgendjemand anderen gelegt, er hatte nicht einmal versucht zu entkommen und nach Hause zu laufen. Wohl weil er Angst hatte in erster Linie, aber selbst wenn er hier mit Rain allein wäre, so hätte er ihm wohl nichts getan. Rain kicherte. "Ich habe nichts dagegen, wenn wir alleine sind ist es in Ordnung.", erklärte er mit einem Schmunzeln. Vielleicht war es wirklich irgendwann möglich, er würde sich mit dem Wolf nach draußen schleichen und dann legte er sich in die Wiese... wie sich das wohl anfühlte? Was die 'anderen Dinge' betraf wollte Rain nicht nachfragen, weil er sich nicht blamieren wollte und weil er nicht so klingen wollte, als hätte er etwas dagegen. "Ich habe heute Morgen schon ein Bad genommen.", lächelte der Blonde.
    • "Muss es nicht. Ich will nicht behaupten, dass ich ihn jemals wirklich vergessen könnte, oder dass es in Ordnung ist, dass er schlussendlich tot ist, aber ... weißt du, ich glaube fast, dass Dayan nicht wollen würde, dass ich zu viel Zeit damit verbringe, mich darüber zu grämen." Nicht, dass Nayantai es definitiv sagen konnte, was sein Bruder schlussendlich wollen würde - er wusste ein paar Dinge, aber noch lange nicht alle von ihnen und in Wahrheit war er einfach nicht dazu imstande, herauszufinden, was ihn so sehr plagte, dass er noch immer am liebsten vergaß. Vermutlich war er es in Ordnung, sich darüber zu grämen, zu weinen und sich selbst zu fragen, wieso er so unfähig war und nicht einmal imstande, seine eigenen Brüder oder seine Mutter zu beschützen, aber dafür gab es keine Antwort. Dayan, Enkhtuya und Khenbish waren tot, so wie es Khasar und Tei waren - nicht, dass Nayantai etwas daran ändern konnte, aber er fühlte sich so, als würde er das Unglück förmlich anziehen, das man ihm in die Wiege gelegt hatte. "Mh, nein. Eigentlich eher selten. Mein Vater hat spitze Zähne, weil sein Vater dieselben hatte - ich kenne den Vater meines Vaters allerdings nur flüchtig und seine Mutter gar nicht, er meinte, sie sei schon lange tot. Die Eltern meiner Mutter und meine Mutter haben keine spitzen Zähne, meine Schwester auch nicht." Wie es Khojin wohl erging? Ob sie glaubte, alle ihre Brüder verloren zu haben?

      Nayantai streckte Rain ebenfalls die Zunge entgegen, einfach damit er auf ganz andere Gedanken kam - vermutlich war das auch, was er brauchte, nachdem er so sehr in seinem Kopf nach einer Geschichte herumgegraben hatte. "Momentan noch, bis ich dich entführe und nach Thria verschleppe!", scherzte er, zufrieden über die gerade getroffene Aussage - nicht, dass er vorhatte, Rain wirklich zu gefährden, oder sich seiner Entscheidungen zu widersetzen. "Also ist es dir auch egal, wenn ich nackt bin?", fragte er, konnte aber erneut nicht mehr, als darüber zu lachen. Rain tat so vieles für ihn, das er eigentlich nicht tun müsste - er verhalf ihm dazu, wieder zu alten Kräften zu kommen, ließ ihn seine Wunden lecken und versorgte ihn, spendete ihm eine Schulter, auf der er sich ausweinen konnte und einen warmen Ort an dem er ruhen und rasten konnte, aber auch einen Sinn in seinem ohnehin längst verlorenen Leben. "Und? Noch ein Bad kann auch dir nicht schaden, außerdem bist du jetzt ohnehin schon nass!", bemerkte der Wolf, der sich so fühlte, als hätte er nicht gerade unendlich viel Wasser auf dem Boden vor der Wanne verteilt, sondern auch auf Rain. "Mh, weil du Geschichten hören wolltest. Bei uns Wölfen ist es relativ üblich, dass sich alle Prinzen der verschiedenen Stämme auf einen Jagdausflug begeben. Ich glaube, ich habe auf diesen Ausflügen noch nie irgendetwas erlegt, aber die Dinge, die wir teilweise anstellen, sind einfach nur ... dumm? Stell dir einfach ein paar junge Wölfe vor, vielleicht 17 oder 18 Jahre alt, die ohne Aufsicht nichts besseres zu tun haben, als einander in den See zu werfen und den Großteil der Kleidung zu klauen, um sie irgendwo auf einen Baum zu hängen."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Dann ist es gut, dass du es nicht tust. Ich vermisse meine Mutter auch und meine Großeltern, aber es bringt nichts ständig traurig deswegen zu sein. Deswegen bin ich auch froh, dass du da bist, weil du mich auf andere Gedanken bringst. Das Anwesen war sehr leer bevor du gekommen bist.", erklärte Rain mit einem schwachen Lächeln und schließlich wanderte seine Hand zu Nayantais Unterarm und drückte diesen, als müsse er feststellen, dass er wirklich da war. "Hm, ich kenne kein Schaf und habe glaube ich auch von keinem gelesen, dass so scharfe Zähne gehabt hätte...", überlegte Rain und tippte sich anschließend an den Kopf. "Aber die blonden Haare sind bei uns schon lange in der Familie. Mein Vater ist blond, mein Großvater ist blond, mein Großonkel ist blond, mein Urgroßvater ist blond... ich glaube es gibt kaum jemanden in meinem Stammbaum der nicht blond ist, bis auf die die zugeheiratet haben.", kicherte Rain und sah Nayantai an. "Ah! Und die blauen Augen! Natürlich gibt es auch andere Schafe mit blauen Augen oder blonden Haaren, aber zu uns gehört das schon fast zu uns, wie unser Name!" Und mit Rain starb der Name vielleicht aus, er wollte das eigentlich nicht, aber wenn er daran dachte irgendeine Frau zu heiraten drehte sich ihm der Magen um. Wieso war das bei Nayantai anders? Vielleicht er ihn kannte und... naja... liebte.

      "In Thria gibt es aber gar kein Gras in das wir uns legen könnten!", protestierte Rain, lachte aber dabei. Irgendwie... würde er gern entführt werden, auch wenn er nicht glaubte, dass Nayantai weit mit ihm kommen würde, der Gedanke mit ihm von hier zu verschwinden gefiel ihm immer mehr, andererseits wollte er sein Volk immer noch nicht im Stich lassen, aber machte er das nicht ohnehin indem er sich keine Frau suchte und keine Kinder zeugte? "Du bist doch auch jetzt nackt! Und es stört mich nicht.", stellte Rain fest, starrte ihn aber bestimmt nicht überall an, mehr als seinen Oberkörper hatte Rain eigentlich noch nicht wirklich betrachtet, er fand, das gehörte sich auch erst gar nicht, außerdem würde er nur wieder rot werden. "Ich lasse meine Haare lieber trocken, dann ist mir nachher nicht so kalt.", erklärte Rain, der sich mit seinen Händen vor dem Wasser geschützt hatte. Natürlich war er trotzdem ein wenig nass, aber er wollte seinen Kopf nicht völlig eintunken, der Rest seines Körpers war einfacher zu trocknen, er wollte aber nicht, dass ihm zu kalt wurde, wenn er nachher eventuell doch nicht so viel anhatte wie sonst... "Jetzt wasch dich schon, bevor das Wasser kalt wird, oder soll ich das übernehmen?", fragte Rain, dann lauschte er erst einmal einer weiteren Geschichte. Rain konnte sich nicht viel vorstellen, zumindest entsprach vermutlich nichts davon der Realität. Alles was er glaubte zu wissen stammte aus irgendwelchen Büchern, aber er konnte sich Nayantai vorstellen, wie er allerlei Dummheiten machte. "Ihr seid schlimm!", kommentierte er, er der selbst nie etwas in der Art getan hatte und nun vermutlich viel zu alt für sowas war.
    • "Schaffst du es dann überhaupt, dich nicht einsam zu fühlen, wenn ich wieder gehe? Ich kann auch versuchen, hierzubleiben, wenn es dir dadurch besser geht", fing der Wolf erneut an, auch wenn sie dieses Thema schon längst beendet hatten. Schlussendlich konnte er nicht hierbleiben und egal was er versuchen würde, es wäre wohl oder übel nicht unbedingt seine Entscheidung, ob er nun bei Rain bleiben konnte oder wieder zu verschwinden hatte. So sehr er das Lamm liebte, so ehrlich musste er zu sich selbst sein und sich eingestehen, dass es keinen Grund für ihn gab, sich zu zwingen, an Ort und Stelle zu verbleiben oder zu versuchen, von Leuten akzeptiert zu werden, die nur das Schlechteste in ihm sahen. Verwundert glitt sein Blick zu Rains Hand, nur, damit er für sich selbst bestätigen konnte, dass er gerade wirklich gedrückt wurde. "Ich glaube, dass ihr Schafe die spitzen Zähne auch gar nicht brauchen würdet." Aufmerksam lauschte er dem blonden Schaf, demjenigen, der so anders als die meisten Menschen waren, die er kannte. Waren Schafe immer schon solche sonderbaren Wesen gewesen? Erst, als Rain ausgeredet hatte, lachte Nayantai ebenfalls etwas. "Blonde Haare und blaue Augen, huh? Bei uns Wölfen sind braune oder schwarze Augen ziemlich üblich, gleich wie dunkles Haar - es gibt auch Ausnahmen, aber nicht unbedingt viele von ihnen."

      "Nicht immer, aber manchmal!" Eigentlich tat es das nur in den Gebieten, die die Schafe vermutlich schon für sich beansprucht hatten, weil das Klima noch einigermaßen auszuhalten war, aber irgendwann hörte es auch dort auf. In Wahrheit gab es keinen ordentlichen Rückzugsort für sie, vor allem nicht für diejenigen, die empfindlich auf die eisigen Temperaturen reagierten, weil sie diese schon lange nicht mehr gespürt hatten, oder ihr Körper einfach zu erschöpft war, um ihnen standzuhalten. "Na eben!" Wieso führten sie diese Konversation überhaupt? Irgendwie brachte es ihn fast in Verlegenheit und dafür war Nayantai sich sicher, dass Rain der einzige Grund sein konnte, weswegen ihm eben das passierte. Wann war er ohnehin das letzte Mal glücklich gewesen, bevor er sich an Rains Seite wiederfand? Vor einer halben Ewigkeit, vermutlich. "Wenn du meinst, dann zwinge ich dich zu nichts." In Rains Nähe gab es auch gar keinen Zwang, sich um irgendein astronomisches Ziel zu bemühen - es war alles in Ordnung, so lange sie sich beide umeinander kümmerten und es schließlich, am Ende des Tages, nicht darauf ankam, was genau es war, das sie so sehr plagte. "Nein, ich kann das!", warf Nayantai dem Lamm entgegen, grinste dabei und begann, sich zu waschen, in der Hoffnung, auch die letzten Spuren von Dreck von seinem Körper zu bekommen, nur um morgen wieder all den Dreck aufzusammeln, den er finden konnte. "Schlimm? Warum denn? Das sind doch nur Späße!"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Wenn ich weiß, dass du wieder kommst, dann ist es halb so wild. Außerdem ist der Sommer generell etwas lebhafter hier, ich wünschte nur, das Anwesen wäre näher an der Stadt.", lächelte Rain. Die Tage wurden länger im Sommer, auch wenn der Schnee etwas war, das Rain sehr mochte und fand, das alles hübscher damit aussah, der Sommer in Fhaergus war ebenso schön. Die Wiese, die Blumen, vor Allem die die Rains Mutter im Garten vor seinem Fenster gepflanzt hatte und deren Duft manchmal bis zu ihm ins Fenster hinein wehte, wenn er es denn kurz öffnen durfte. Lieber wäre es ihm wenn das Anwesen den Hügel runter gestanden hätte, bei der Stadt, oder in der Stadt. Dann hätte er zumindest vom Fenster aus den Leuten zusehen können, hätte Kinder beim Spielen gesehen und Menschen ihrem Tag nachgehen. Rain hätte seine Gärten auch gerne für die Öffentlichkeit geöffnet, aber es traute sich sowieso niemand hier her und der Weg war zu Fuß auch etwas weit. Rain glaubte kaum, dass sein Volk ihm jemals so viel Vertrauen schenkte wie seinem Vater, der zusammen mit seiner Mutter jedes Jahr das Dorf besucht hatte, um nach dem Rechten zu sähen, öfter, als sie jünger waren. Den jungen Lord hatten sie nicht mitnehmen können, egal wie neugierig alle waren und so kannte ihn kaum jemand, sie würden ihm nie vertrauen. "Die Schafe gibt es generell in allen Farben und Formen, blond, braun, schwarz, rot, egal welche Haarfarbe und bei der Augenfarbe gilt dasselbe."

      "Wirklich? Ich dachte dort liegt immer Schnee!", fragte Rain, das sagten zumindest die Geschichten, aber vielleicht musste man nur den richtigen Ort kennen. Und naja, ein Teil von Alster war auch einmal Thria gewesen und dort lag auch nicht immer Schnee. Ob Nayantai wusste, wie viel von seinem Land schon erobert wurde? Vielleicht sollte er es ihm einmal sagen, nicht dass er plötzlich in die Arme des Feindes lief, wenn er nach Hause wollte. Während Nayantai anfing sich zu waschen suchte auch Rain sich noch ein Tuch mit dem er seinen Körper abrubbeln konnte. Es sprach nichts dagegen sich zu waschen, er ließ eben nur wie er gesagt hatte seine Haare aus. Er beeilte sich ein bisschen damit, weil er nicht wollte, dass die Luft zu sehr abkühlte, bis er aus der Wanne stieg. "Ich weiß, trotzdem!", kicherte Rain. Kinder und auch Jugendliche waren am Ende nicht mehr als genau das, war man nicht gerade Rain, so hatte man wohl auch als Schaf irgendwelche Dummheiten angestellt, wie jemandem die Kleider zu verstecken. Als Rain damit fertig war sich zu waschen stieg er schon einmal aus der Wanne und wickelte sich in ein Handtuch, womit er sich schnell fest abrubbelte. Anschließend zog er seine Hose wieder an und auch das Hemd. Dann machte er sich auf die Suche nach den Knöpfen die auf den Boden gefallen waren.
    • "Bist du dir sicher? Ich kann dir zwar versprechen, dass ich wiederkomme, aber ... das können wir beide nicht genau sagen, weißt du?" Nayantai hatte recht, die Fähigkeit, genau zu sagen, ob er nun leben oder sterben würde, die hatte er nicht. Rain wollte er auch gar nicht enttäuschen, nur weil er es nicht schaffte, sich selbst wieder nach Fhaergus zu schleppen - und einen Waffenstillstand konnte er, selbst über den Winter, nicht einberufen, weil es den Schafen vermutlich lediglich darum ging, sie alle zu töten, koste es, was es wolle. Wie kam er auch über die Grenzen? Wie war er überhaupt in das Schloss des Königs gekommen? Konnte er denselben Weg einschlagen, oder war all das nur ein verwerflicher Gedanke? "Komme ich überhaupt von Fhaergus aus nach Thria?" Nayantai wusste, dass das vermutlich nicht der Fall war und er um einiges weiter zu gehen hatte, als er sich momentan zutraute. Und was machte er erst, wenn sein Körper doch nicht so wollte, wenn er es von ihm verlangte? Momentan klang er wie ein weinerliches Kind, das nicht wusste, was er zu tun hatte, oder wie er sich selbst half, aber all das musste er herausfinden, bevor er aufbrach und diese, ihm zuvor noch unbekannte Welt, hinter sich ließ. "Ihr seid sonderbar", entkam es ihm. Unter den Wölfen gab es Ausnahmen, aber die Meisten von ihnen trugen entweder Schafsblut inne oder aber sie hatten einfach Unglück.

      "Nein! Nicht überall. Ich bin eigentlich am Eismeer geboren worden, dort liegt immer Schnee und es ist sogar für manche Wölfe eiskalt, wie meinem Vater - aber manche Gebiete, die näher an der Grenze zu euch sind, sind eigentlich gar nicht so verschneit und kalt." Nicht, dass Nayantai wusste, wie viel von seiner Heimat ihm schon gestohlen wurde, aber darüber konnte er sich auch Gedanken machen, wenn er herauszufinden hatte, wie er all das wiederbekam und seine Heimat nicht einfach aufgab - all das wäre seine Aufgabe, schlug man ihm nicht den Kopf ab und nun schien es beinahe so, als bekäme er kalte Füße. Nun, da er sich gewaschen hatte und sein Haar auch nass war, wrang er es aus, um nicht zu viel Nässe in Rains Bett zu verschleppen und das Lamm eventuell krank zu machen, das war wirklich das Letzte, das er wollte. "Na und? Die haben es doch verdient! Vor allem Muhan!", lachte der Wolf, der sich wenige Zeit nach Rain auch aus der Badewanne begab, sich abtrocknete und sich wiederum anzog - er wollte nichts lieber, als endlich aus dieser Kleidung zu schlüpfen, sich das Nötigste anzuziehen und sich mit Rain in ein Bett zu legen, der ihn allerdings auf ganz andere Gedanken brachte. Muhan und er hätten in solchen Situationen nur Flausen im Kopf gehabt, allerdings war Rain nicht Muhan und sollte das auch gar nicht sein. "Lass mich dir helfen", gab er noch von sich, bevor er anfing, ebenfalls nach den winzigen Knöpfen zu suchen - vielleicht hätte er seine Haare zusammenbinden sollen, aber ... jetzt war es auch schon egal, oder?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Es reicht wenn du es versprichst und es vor hast. Wenn es nicht klappt, wenn es zu gefährlich ist, dann werfe ich dir das nicht vor. Hauptsache, du vergisst nicht, dass ich noch da bin und bis ich nicht weiß, dass du da draußen gestorben bist, werde auch ich am Leben bleiben und auf dich warten.", erklärte Rain mit einem Lächeln. Es würde vielleicht nicht Monate, oder Jahre dauern bis Nayantai ihn wieder sehen konnte, sondern vielleicht sogar Jahrzehnte, das wusste Rain. Aber er hatte einen Grund so lange durch zu halten und das würde er, für Nayantai. Er konnte es nicht ertragen, dass Nayantai wer weiß was auf sich nahm um nach Fhaergus zu kommen, nur um ein leeres Anwesen anzufinden, oder gar jemand ganz anderen. "Von Fhaergus aus kommst du im Westen nach Wezette und im Norden nach Alster. Ich rate dir aber nicht durch Alster zu gehen, die sind besonders scharf darauf jeden Wolf zu töten, der ihnen unterkommt. Du musst also nach Westen und das ganze Land von Wezette durchqueren, bis du nach Thria kommst. Die Grenzen dort sind nicht stark gesichert. Ich kann es dir auf einer Karte zeigen, bevor du aufbrichst. Aber wenn du immer Westwärts gehst bis du einen anderen Wolf triffst, solltest du nach Hause finden. Geh einfach nur nicht zu früh nach Norden, erst wenn du sicher bist, dass du schon lange in Thria bist.", erklärte Rain. Vermutlich war es besser sich das alles noch anzusehen. Konnte Rain ihm überhaupt solch strategisch wichtigen Dinge anvertrauen? Immerhin lagen ihre Völker im Krieg...

      "Bis zum Eismeer werde ich es wohl nicht schaffen, mir ist schon hier kalt.", schmunzelte Rain. Er wusste in etwa wie die Landmasse aussah die Nayantai beschrieb, immerhin gab es Karten von Thria, die wohl von der Zeit vor dem Krieg stammten. Ob sie sehr akkurat waren, konnte er aber nicht sagen. Auch auf seinen Karten war Thria verzeichnet. "Er ist wohl sehr frech.", schmunzelte Rain und zählte gerade die Knöpfe die er schon hatte, dann ging er zu Nayantai hinüber um zu sehen wie viele er gefunden hatte. "Ich glaube... das müssten alle sein. Ich muss ganz schön viel aufräumen, wenn du bei mir bist!", lachte er. Erst die Federn die in seinem ganzen Zimmer verstreut gewesen waren und jetzt die Knöpfe, die sie morgen irgendwann wieder an das Hemd nähen mussten. "Brauchst du noch etwas aus deinem Zimmer? Etwas bequemeres zum Anziehen vielleicht?", fragte er lächelnd. "Wir könnten uns dann einfach in meinem Zimmer treffen.
    • "Und du glaubst mir einfach so, wenn ich es dir verspreche? Was, wenn ich dich anlüge?", wollte der Wolf wissen, der eigentlich keinerlei Grund dazu besaß - nur keine Ahnung, wie lange es dauern würde, bis er Rain wiedersehen konnte. Im Endeffekt löste sich kein Krieg von allein und im nächsten Winter wieder nach Fhaergus zurückzukehren war lediglich eine Wunschvorstellung. In Wahrheit konnte wohl keiner von ihnen beiden genau sagen, wann oder warum sie sie sich überhaupt wiedersahen, einfach deswegen, weil es absurd wirkte, sich auf ein Datum festzulegen oder aber herausfinden zu wollen, wie all das überhaupt funktionieren sollte. Rains Vater wäre, würde er auch wieder in dieses Anwesen zurückkehren, ihnen beiden auch ein Dorn im Auge. "Heißt also, nicht nach Norden, nur nach Westen. Ich glaube, das schaffe ich ... hast du vielleicht eine Karte, die ich mir zumindest ansehen kann? Du musst sie mir nicht mitgeben, aber ich will mir zumindest ansehen, wie weit ich gehen muss." Bis er wieder Zuhause ankam, würde auch eine lange Reise überleben - und vielleicht würde eben jene auch seinen Körper und seinen Geist stärken, zumindest hoffte der Wolf inständig darauf. Egal, was er versuchte, nur durch die wenigen Wochen Arbeit, die er schließlich hier verrichtete, würde es auch nicht besser werden.

      "Wir müssen auch nicht zum Eismeer - ich glaube nicht, dass ich dich erfrieren lassen will. Deswegen gehen wir einfach in den Süden!" Nayantai wusste, dass dieser Gedanke mittlerweile töricht war, weswegen er - aufgrund seiner eigenen Aussage - kurz lachen musste. In Wahrheit half es weder ihm noch Rain, darüber zu philosophieren, was es schlussendlich war, das sie bewegte oder beleben konnte. Beide von ihnen wussten nur zu gut, dass es dumm genug war, sich auf solche Späße einzulassen, aber sie taten es doch durchgehend, nicht? "Muhan? Frech ist eine Untertreibung. Er mag zwar auch ein Prinz sein, aber er verhält sich absolut nicht so. Wenn es darum geht, irgendwelche Dinge zu tun, die in seinem eigenen Interesse sind, dann handelt er nach Bauchgefühl und seitdem ich denken kann, trifft Shuren die wichtigen Entscheidungen für ihn, weil er meint, ihre beiden Stämme wohnen ohnehin so nah bei einander, da macht es keinen Sinn, zwei aus ihnen zu machen. Er ist ziemlich faul", gestand Nayantai mit einem kurzen Lachen. Wann hatte sich Muhan auch schon jemals um irgendetwas bemüht, wofür er den Finger rühren musste? Naja, er war verrückt genug gewesen, um sich mit ihm anzufreunden und ihn, beinahe als Einziger, nach Khasar's Tod zu trösten - und der Rest war nur noch komplizierter. "Stört es dich denn, dass ich etwas Leben mitbringe?", fragte der Wolf. Nun, hier war es trist und trostlos und weiterhin herumzusitzen und nichts zu tun, wollte er das denn? "Ich hole mir meine Schlafsachen und ... ja, das hört sich gut an!" Nayantai stand von dort auf, wo er kniete - er würde Rains Hemd morgen nähen, wenn er Zeit dazu fand. "Also sehen wir uns gleich?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Warum solltest du das tun?", fragte Rain, der sich nicht vorstellen konnte, dass Nayantai absichtlich log. Vielleicht schaffte er es nicht zurück, aber das nahm Rain ihm nicht üblich. Er würde zurück kommen, wenn er konnte und das reichte Rain. "Wir können uns morgen eine Karte ansehen, das ist kein Problem, ich zeige dir, wie du gehen musst.", lächelte Rain und fragte sich, ob die Wölfe keine Karten von Adrestia hatten. Sie waren wohl nicht sehr bewandert in Adrestia und waren nicht in das Reich vorgedrungen. Den Süden zu erreichen wäre noch schwieriger als Thria. Um in den Süden zu gelangen müsste man Lavern und Olette durchqueren und diese Länder waren ein wenig organisierter als Wezette, zudem machten sie sich einen Sport daraus Wölfe zu jagen und Rain konnten die Fürsten auch nicht besonders gut leiden. Das klang eigentlich noch viel schwieriger als nach Thria zu gelangen. Rain lauschte der Geschichte über Muhan und Shuren und kicherte ein wenig, Rain konnte sich nicht vorstellen seine Arbeit einfach abzugeben. "Nein, das stört mich nicht, im Gegenteil.", kicherte Rain.

      Nachdem Nayantai und Rain getrennte Wege gingen, beeilte er sich in sein Zimmer. Sein Hemd war ja nicht mehr wirklich ganz. In seinem Zimmer war es wie immer etwas wärmer als auf den Gängen draußen und Rain beeilte sich zu seinem Schrank um sich etwas Neues zu finden. Sara hatte ihm vor ein paar Tagen neue Kleidung gebracht, die sie genäht hatte und bei der sie sich etwas von Nayantais Kleidung abgeschaut hatte und Rain überlegte es Nayantai zu zeigen. Es war wirklich angenehm war, zumindest fror er damit nicht auf den Gängen, er hatte das aber nur kurz getestet. Er nahm es aus dem Schrank und legte es zu einem erneuten Test an, nachdem er sein Hemd ausgezogen hatte. Innen war es gefüttert und angenehm weich und außen sah es immer noch edel aus, auch wenn Rain vielleicht ein wenig dick darin aussah, er war sich nicht ganz sicher. Es hatte zwei Knopfpaare, eines links und eines rechts und im Gegensatz zu seinem Hemd waren die Knöpfe größer, so dass sie vielleicht nicht einmal Nayantai nervten. Dadurch, dass der Stoff überschlagen wurde, wurde die wärme besser im Inneren gehalten. Rain liebte es! Vielleicht konnte er damit wirklich einmal nach draußen gehen. Wie ein Kind drehte er sich damit einmal im Kreis und schloss dann die Tür des Schrankes um sich zu betrachten. Sah er Pummelig aus? Selbst wenn er darunter nichts an hatte vielleicht ein bisschen und wie immer ging er etwas in seiner Kleidung unter... schön weich war es trotzdem!
    • "Nicht, dass ich einen Grund dazu hätte - ich lasse dir nur alle Möglichkeiten offen, mehr nicht", gestand ihm der Wolf. Nayantai wusste, dass es vermutlich eine dumme Idee war, sich so dermaßen an Rain zu heften und zu glauben, er würde auch als Klette noch etwas in seinem Leben erreichen, aber vermutlich war das gar nicht so. Hier war er lediglich ein Gast, dem alles geschenkt wurde, solange er wissen würde, wie er sich benahm - und Nayantai glaubte, sich zumindest für eine Weile unter Kontrolle haben zu können, zumindest so lange, bis alle Geduld in seinem Körper ausgeschöpft war. "Mh, morgen hört sich gut an", heute fühlte er sich nur so verdammt müde, es war beinahe schon ein Witz, dass er noch andere Dinge im Hinterkopf hatte, damit er die Nacht mit Rain verbringen konnte. Würde er sich endlich trauen, über seinen eigenen Schatten zu springen, oder würde er wieder irgendwo aufhören, bevor er dem Blonden überhaupt gegeben hatte, was er ihm die ganze Zeit schon versprach? "Tut es nicht? Warum?", wollte er beinahe sofort wissen, lachte dann aber und entschloss sich, nach etwas zu suchen, das er anziehen konnte - das bequemer war als das, was er jetzt, in diesem Moment, trug und damit er nichts mehr zu hinterfragen hatte, das ihm irgendwie die Nerven rauben würde.

      In seinem Zimmer angekommen hatte Nayantai nichts besseres zu tun, als sich eher unsanft die bisher getragene Kleidung vom Leibe zu rupfen und sie dann, wenigstens einigermaßen ordentlich, über einen der Sessel zu legen, damit er sie morgen auch noch tragen konnte, wenn ihm danach war. Erst danach warf er einen Blick in den Kleiderschrank und fing wiederum an, die verschiedenen Stoffe abzutasten, als suche er nach etwas, das zumindest der Wolfskleidung glich, die er hier unmöglicherweise im Bett tragen konnte. Nicht, weil es unbequem war, sondern weil die Kleidung - obwohl Sara sie zusammengeflickt hatte, wo sie konnte - alt war und viel zu warm für das Klima, das momentan in Fhaergus vorherrschte. Als er schließlich etwas gefunden hatte, das die Schafe wohl durchaus als Schlafkleidung beschreiben konnten, zog er sich diese an und machte keinen sonderlichen Hehl daraus, dass er sich wieder zurück zu Rains Gemächern begeben sollte - ein Ort, an dem er eigentlich auch gerne die letzten Tage verbracht hatte. Leises aber dennoch bestimmtes Klopfen an der hölzernen Tür waren es, die verlauten ließen, dass er endlich dort angekommen war, wo Rain ihn haben wollte. "Darf ich reinkommen, oder muss ich vor der Tür übernachten?", bemerkte er, amüsiert darüber, dass die Möglichkeit überhaupt existierte. Rain würde ihn nicht aussperren, oder?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain fragte sich gerade erneut ob er in der Kleidung pummelig aussah, was für ihn ja eigentlich ganz unpassend war, als es an der Tür klopfte. So lustig er den Gedanken auch fand zu viel Fleisch an den Knochen zu haben, so konnte er Nayantai nicht vor der Tür stehen lassen und... er hatte sich ja eigentlich noch gar nicht angezogen! "J-ja, aber...!", stotterte er in Richtung Tür und wollte sich schon die neue Kleidung vom Leib reißen, nur um zu realisieren, dass er den Wolf vielleicht doch nicht vor der Tür stehen lassen sollte, falls jemand vorbei kam. Barfuß machte Rain sich also auf zur Tür, zum Glück war sein Zimmer von Teppichen und Fellen bedeckt, so dass ihm nicht zu kalt wurde, wäre es nicht so teuer, hätte er das wohl noch an anderen Orten verlangt. Es gab noch mehr Teppiche, einfache Läufer im Speisezimmer oder am Eingang, aber Rains Zimmer war ein wenig anders. Zuerst aber machte er einfach die Tür auf, sah einmal nach links und rechts, streckte dabei nur seinen Kopf heraus und als er keinen sah, packte er Nayantais Handgelenk und zog ihn schnell herein. Hinter ihm schloss er die Tür. Ab und zu patrouillierten dann ja doch auch Wachen auf den Gängen, oder Bedienstete liefen vorbei, auch wenn er um die Uhrzeit meistens allen schon gesagt hatte sie sollten nicht so viel herum laufen und lieber schlafen gehen.

      Jetzt wo Nayantai hier war lächelte Rain ihn an, die Hand an das neue Kleidungsstück geklammert, als könnte es ihm vom Leib fallen, das war natürlich Unsinn, aber er kam sich trotzdem nackt vor. Wenn man weit genug nach unten sah, dann sah man wohl seine nackten Füße und Knöchel und erkannte, dass er zumindest keine lange Hose trug wie sonst. Rain konnte sich sogar einigermaßen gut darin bewegen, etwas schwer war das Kleidungsstück vielleicht, wie es so auf seinen Schultern hing. "Ich... war noch nicht ganz fertig und wollte... das nur kurz noch einmal anprobieren. Es ist... ziemlich warm und weich! Selbst wenn ich nichts darunter...", lächelte Rain etwas verlegen und fragte sich, ob Nayantai die entfernte Ähnlichkeit zu seiner eigenen Kleidung erkannte, stoppte aber mitten im Satz als er merkte was er da zu gab. Naja... Nayantai hatte aber vorhin gesagt... und er würde nachher ohnehin... Rain schüttelte den Kopf und blickte verlegen zur Seite. "Gefällt es dir?", versuchte er etwas abzulenken und drehte sich zögerlich einmal im Kreis.
    • Könnte er die Zeit zurückdrehen, würde er sich dann wieder entscheiden, hierher zu kommen, nur um einem kleinen Lamm die Einsamkeit zu stehlen? Gab es Gründe weswegen er, von ihnen allen, einfach nur die Art von Person war, die nicht wusste, ob er sich großartig mit dem Rest der Welt verstand, oder ob es überhaupt noch Aufgaben für ihn gab, oder bildete er sich all das nur ein? Nayantai wusste, zumindest für sich selbst, dass es nicht weiter schlimm war, wenn er einfach darüber nachdachte, was er alles tun konnte, damit er sich weniger einsam in einem fremden Land fühlte - was er tun konnte, damit all das hier aufhörte, ihm so viele Schmerzen zu bereiten und dann, im Endeffekt, war die einzige Antwort, die er hatte, Rain. Egal, was ihm fehlte, es fühlte sich so an, als könnte er sich Rain anvertrauen, als wäre es egal, was er tat oder wie er es tat - das Schaf würde sich schon um seine Probleme kümmern, würde ihm zeigen, dass es nicht viel Sinn machte, sich weiterhin zu grämen und schlussendlich würden sie irgendwann einsehen müssen, dass es nicht weiter schlimm war, wenn sie einander nie wieder sehen konnten, weil der Tod sie trennte. "Aber?", fragte der Wolf verwirrt - hatte Rain ihn nicht in sein Zimmer eingeladen?

      Rain schliff ihn schlussendlich doch in sein Zimmer und eigentlich hatte Nayantai vorgehabt, die Tür hinter sich zu versperren, damit er daran feilen konnte, ob er es denn schaffte, sich hier einsperren zu lassen, obwohl er wusste, dass er immer gehen konnte, wann auch immer wollte. "Nichts darunter anhabe?", ergänzte der Wolf die Worte des Schafes grinsend, als er ihn von weiter weg betrachtete, nur, damit er ihm schlussendlich näherkam. Nayantai mochte es nicht, Abstand zu Rain zu haben, vor allem dann nicht, wenn er ihm ohnehin schon so nah war und es keinerlei Gründe gab, von alledem hier davonzulaufen. Es gab keine Gründe, sich zu hassen oder zu grämen, zu hoffen, das Leben wäre ein anderes, wenn er an einem anderen Ort geblieben wäre, wenn man ihn nicht gefangen genommen und weggesperrt hätte - aber so, wie es jetzt war, war es auch schön. Seine Hand wanderte auf des Blonden Schulter, auf der sie blieb, damit er sich nach seiner kleinen Drehung nicht weiter rühren konnte. Etwas skeptisch betrachtete er die Imitation, die Sara erschaffen hatte und lächelte. "Ja, es passt dir - und dir ist hoffentlich auch warm!" Rain sah zumindest nicht so aus, als wäre ihm kalt, auch wenn er - augenscheinlich - keine lange Hose trug. Nayantai konnte es nicht lassen, beugte sich zu ihm nach unten und schwatzte dem Blonden einen flüchtigen Kuss auf. "Also", seine Hand wanderte zu den Knöpfen, schob sich zwischen sie und öffnete einen von ihnen. "Willst du das hier anbehalten, oder nicht?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "N-naja, ich hab ein bisschen was an! Ich wollte mir eigentlich etwas anderes anziehen...", erklärte Rain mit geröteten Wangen, der sich viel zu lange mit seinem neuen Kleidungsstück beschäftigt hatte, statt sich umzuziehen und in eine warme Hose und irgendein Hemd zu schlüpfen, in dem er schlafen konnte, obwohl schlafen scheinbar ohnehin nicht auf dem Plan des Wolfes stand, zumindest nicht gleich. Der Blonde fragte sich, was Nayantai die letzte Woche getan hatte, wenn Rain sich mit gebührend Abstand verabschiedet hatte, um schlafen zu gehen. Vielleicht hatte er ja noch ein wenig in seinem Buch gelesen? Wobei Rain eher interessierte, was in seinem Kopf vorgegangen war, der gar nicht so viel anders funktioniere, als der eines Schafes, vielleicht hatte in die Arbeit aber bisher auch müde genug gemacht, dass er selbst einfach ins Bett gefallen war, um sich auszuruhen. Die Wunde an seiner Seite war zwar auch schon gut verheilt, aber es fühlte sich bestimmt noch seltsam an und brauchte womöglich auch noch einen Teil seiner Energie.

      "Es sieht deiner Kleidung nicht mehr so ähnlich, aber... es ist sehr warm, ja. N-normalerweise friere ich selbst in meiner Schlafkleidung wenn ich nicht gerade unter meiner Decke liege. Aber das weißt du ja!" Höchstens seinen Füßen und Beinen wurde gerade ein wenig kalt, aber das war in Ordnung und der Stoff war ziemlich angenehm, darin schlafen war aber vermutlich nicht so angenehm und er besaß ja aus gutem Grund eine dicke Decke, mehrere sogar und genügend Polster unter denen er sich auch vergraben konnte. Manchmal wollte er am Liebsten den ganzen Tag in seinem warmen Bett bleiben, meistens aber dann doch nicht, immerhin verbrachte er auch genügend Zeit krank darin und der Gedanke war nicht unbedingt schön. Rain sah auf als Nayantai näher kam, der so viel größer war als er. Immer noch fragte er sich, wieso er keine Angst vor ihm hatte und auch keine gehabt hatte, als er ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Damals hatte er jedoch irgendwie kleiner gewirkt. Sein Haare war jetzt auch nicht mehr so zerzaust, sondern flossen wie Wasser seinen Körper hinunter, seine Lippen waren nicht mehr so bleich und sein Blick war nicht mehr nur auf den Boden gerichtet, im Gegenteil, er schien viel eher immer auf Rain zu kleben. "N-nein... damit wäre es wohl, ein wenig zu warm...", erwiderte er nach dem kurzen Kuss, dann kicherte er ein wenig. "Dass ich das mal sagen würde..."
    • "Und eigentlich sieht das nicht so aus", meinte Nayantai, der Rain gerade irgendwie die Worte im Mund umgedreht hatte, anstatt sie zu glauben. Was war nun auch die Wahrheit, wenn nicht die Tatsache, dass er sich hier gerade auf etwas einließ, das für ihn keinen höheren oder größeren Sinn hatte, geschweige denn wirklich von Wert war? Der Wolf wusste, dass es dumm genug war, sich einzubilden, dass er all das hier einfach bewältigen könnte, wenn er sich darauf einließ und nicht mehr darüber nachdachte, dass es eigentlich verwerflich war, an der Seite eines Schafes sein Leben zu leben - seine Artgenossen würde ihn auslachen und danach einen Verräter schimpfen, aber auch das war ihm egal. Rain war nun einmal derjenige, der ihn förmlich verhext hatte. Nayantai fühlte sich so, wie schon lange nicht mehr und auch, wenn es vielleicht der Wahrheit entsprang, dass er sich dazu verpflichtet fühlte, Rain seinen Körper anzubieten, wusste er mittlerweile, dass all das hier gar nicht so gemeint war, sondern dass das - was auch immer das war - aus eigenen, freien Stücken geschah, einfach, weil ihm danach war und weil es sich vermutlich wundervoll anfühlen könnte, würde er sich einfach darauf einlassen. War es eine dumme Idee, er selbst zu sein, oder war es einfach nur eine Entscheidung, der er nicht gewachsen war?

      "Ja, es wundert mich, dass du mich nicht doch bei dir haben wolltest!", scherzte der Wolf, der genau wusste, dass Rain sich viel zu gerne an ihn schmiegte, viel zu gerne bei ihm war und die traute Zweisamkeit nicht nur genoss, sondern auch wusste, dass er von Nayantai alles bekommen konnte, das er haben wollte, so lange er sich einfach nur darauf einließ, oder aber danach verlange. "Wenn sie dich warmhält, dann kann sie aussehen, wie sie will", auch, wenn er es etwas schade fand, dass Rain nun einmal nicht mehr die Gewänder der Wölfe trug, aber diese - so alt, zerfleddert und eigentlich blutdurchsogen wie sie waren - hatten auf einem unschuldigen, unbeschriebenem Blatt Papier wie Rain nichts verloren. Es waren lediglich schlechte Erinnerungen, die sich mittlerweile auch schon an die Fersen eines Kleidungsstückes geheftet hatten. "Siehst du etwas, das dir gefällt?", wollte der Wolf wissen, dessen Lippen nunmehr ein breites Grinsen zierte. Nayantai wusste, dass Rain ihn ansah - und er wusste, dass er dasselbe tat, weil er sich nicht zu helfen wusste und es ohnehin keine Ausweichmöglichkeiten gab, jetzt, wo seine Pranken schon auf dem Schaf lagen. "Soll ich dir dann dabei helfen, sie wieder auszuziehen?" Es war lediglich ein Angebot, keine Aufforderung. Ein leichtes Lachen drang über seine Lippen, als er ohnehin schon einen der Knöpfe wieder öffnete. "Nun, du hast vermutlich auch nicht erwartet, mit einem Wolf hier zu stehen."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Huh?", entgegnete Rain verlegen und blickte zur Seite. Was sollte er auch groß sagen, irgendwie hatte er die Zeit vergessen und jetzt dachte Nayantai sonst was von ihm, vielleicht sogar, dass das Absicht gewesen war. Rain war begeistert gewesen als Sara ihm den Mantel gegeben hatte, aber er hätte ihn Nayantai am Liebsten gleich gezeigt. Der war zu dem Zeitpunkt aber gerade draußen gewesen und hatte wohl mit dem Feuerholz geholfen, von dem sie jetzt schon mehr als genug haben mussten. Also hatte das Kleidungsstück einige Tage unbeachtet im Schrank verbracht, statt dass Rain es getragen hätte, weil er es nicht schmutzig machen wollte. Das wiederum war eigentlich ein unsinniger Gedanke, wenn ihm damit doch warm war, allerdings fragte er sich schon, ob ihm nicht sogar zu warm wurde, wenn er sich damit in das Arbeitszimmer setzte. War das überhaupt möglich? Und wenn ja, dann war das immerhin mal etwas anderes.

      "Ich... wie gesagt, ich wollte dich nicht anstecken!", erklärte Rain noch einmal, auch wenn es neben Nayantai immer sehr bequem war und Rain sich endlich mal ausruhen konnte. Nun lächelte Rain den Wolf wieder an. "Damit kann ich mich vielleicht wirklich gefahrlos in eine Wiese legen.", lachte er, immerhin war das ihr Plan, das wollten sie tun und sich dabei sogar die Sterne ansehen. Aber vielleicht versuchten sie es für den Anfang erst einmal am Tag, wenn die Sonne schien und es einigermaßen warm war, natürlich nur wenn der Schnee einmal geschmolzen war, aber damit konnte sich das Wetter ruhig noch Zeit lassen, Rain wollte sich noch nicht verabschieden. "Du siehst viel besser aus als noch vor ein paar Wochen!", antwortete Rain auf die Frage des Wolfes. "Und ich mag deine Haare." Rain streckte seine Hand nach einer Strähne aus und ließ sie durch seine Finger fließen, so langes, schweres und dunkles Haar war dann doch unüblich unter den Schafen, selbst wenn eines schwarze Haare hatte, dann war es trotzdem irgendwie anders. Rain sah von seinen Fingern wieder auf zu Nayantai, seine Wangen immer noch gerötet und er war sich unsicher, ob seine Beine ihn weiter tragen wollten, wenn der Wolf ihn weiterhin so ansah wie er es tat. Ein weitere Knopf wurde geöffnet und mit diesen schien Nayantai nicht so sehr auf Kriegsfuß zu stehen, die Knöpfe die vom Hemd geschleudert wurden, lagen samt Hemd irgendwo hinten im Schrank, wo es vorher niemand finden sollte. "Mhm... wenn du dafür sorgst, dass mir nicht zu kalt wird...?", erwiderte Rain und biss sich auf die Zunge, was sagte er denn da? "Nein, das habe ich wohl nicht, ich habe nicht erwartet mit irgendjemandem so hier zu stehen..."
    • "Ich zieh' dich nur auf", warf der Wolf prompt ein. Dass Rain irgendwelche Absichten hatte, davon ging er schon lang nicht mehr aus. Auch, wenn er sich selbst oftmals nicht erklären konnte - oder wollte - ob das Lamm sich manchmal selbst hinterfragte, so wusste er, dass es unnötig war, sich viel zu viele Fragen über unwichtige Themen zu stellen. Rain hatte keine Absichten, sondern war durchzogen von Naivität und Gutgläubigkeit, die sich in jeder seiner Fasern wieder zu spiegeln schien - und es war wohl auch nur die Wahrheit, würde er behaupten, dass es ihn beinahe schon amüsierte, Rain verlegen zu sehen. In Wahrheit wusste Nayantai nicht viel, sondern nur die Dinge, die er glauben und sogar wissen wollte - und schlussendlich war auch das egal, einfach deshalb, weil es weder einen Grund für ihn gab, so vieles davon einfach hinzunehmen, einfach zu akzeptieren und was, wenn nicht betrübend, war diese Wahrheit? Sie beide würden früher oder später getrennte Wege gehen und sie würden, egal ob sie wollten oder nicht, einzusehen haben, dass nichts für die Ewigkeit war, die sie sich so sehr wünschten. Was waren sie, wenn nicht Heuchler, die viel zu wenig von ihrem eigenen Leben wussten? Und wieso, ja warum, streckten sie ihre müden Finger nach einem Ziel aus, das nicht greifbar war?

      "Ich weiß ... wer weiß, was Schafskrankheiten mit mir anstellen würden", seufzte er. So genau wusste er gar nicht, ob er das wissen wollte - oder ob er diese Antwort überhaupt erhalten konnte, bevor er selbst den Löffel abgab. Hatte er Angst oder fühlte es sich nur so an, als würde ein kalter Schauer über seinen Rücken jagen? Nayantai wollte es nicht wissen - immerhin hatte er noch ein paar Wochen seines Lebens vor sich, danach stand alles offen. "Meinst du, dass du so viel brauchst?", harkte er nach. Wussten sie beide überhaupt ansatzweise, was Rain brauchen könnte, wollte, oder sollte? Gab es denn etwas, das er verstehen konnte? "Tue ich das?", lachte der Wolf plötzlich. Nun, seine Wunden waren verheilt und das Mosaik aus vielen, verschiedenen Farben verschwand endlich - zog sich zurück und gab weitere, ältere Narben frei, die unter all der Farbe vermutlich weniger präsent wirkten, als sie waren. Nayantai's Schmerzen waren ebenfalls zurückgegangen und wenn er ehrlich war, dann erholte er sich vermutlich langsam von all dem Leid, das ihm widerfahren war - zumindest körperlich. "Meine Haare? Wieso das?" Nicht, dass es ihn störte und dennoch war es, wieso auch immer, nicht gerade etwas, das er von Rain erwartet hatte. Mochte er seine Haare weil sie so anders waren als die seinen, oder gab es keine tiefsinnigeren Gründe? Noch ein Knopf war es, den der Wolf schlussendlich öffnete. "Mehr nicht?" Das war tatsächlich leichter gesagt, als getan - und dennoch vergriff er sich an noch einem Knopf. "Dann ändert sich das heute." Was redete er da eigentlich für einen Stuss?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Das machst du gerne, hm?", fragte Rain leicht verlegen und ließ seinen Blick erneut zur Seite wandern. Rain hatte solche Interaktionen nie gehabt, niemanden der ihn aufzog, oder der gar mit ihm flirtete, Rain war sich nicht einmal sicher ob Nayantai das tat und wenn, ob es Absicht war, oder ob Rain in all das viel zu sehr hinein interpretierte. Sollte er sich nun freuen, darauf einsteigen? Er wusste nicht wie er damit umzugehen hatte, er war immer darauf bedacht gewesen bestimmte Protokolle einzuhalten, höflich zu sein und andere mit ihren Titeln anzusprechen, aber das hier war anders und Nayantai wusste wohl, dass Rain so etwas nicht gewohnt war. Nachdem sie sich aber schon geküsst hatten und scheinbar voneinander nicht genug kriegen konnte, wieso machten Rain ein paar simple Worte so nervös?

      Rain lächelte den Wolf an, er hatte wieder ein wenig Farbe im Gesicht und die dunklen Ringe unter den Augen verschwanden, Rain hätte sich schlecht gefühlt, wäre Nayantai nun durch ihn erneut krank geworden und wäre er wegen ihm wieder ans Bett gefesselt gewesen, es war besser so. "Ich denke, wenn ich mich darunter noch dick anziehe dann... kann mir draußen auch nicht so kalt sein. Ich weiß nur nicht... ob da nicht noch mehr ist das... naja... mir irgendwie schadet.", erklärte er, er wusste immerhin gar nichts von der Welt da draußen, nur, dass er nicht nach draußen gehen durfte. "Weil sie so dunkel und lang sind und ganz anders als die Haare eines Schafes!", erklärte Rain mit einem leichten Lachen und immer noch geröteten Wangen, während er Nayantai nicht davon abhielt einen Knopf nach dem anderen zu öffnen. Die kalte Luft die dadurch Zugang zu seiner nackten Brust bekam brannte leicht auf seiner Haut, aber ihm war nicht wirklich kalt, weil er überall sonst noch aufgewärmt wurde und Nayantais Hand ohnehin in seiner Nähe war und die übliche Wärme ausstrahlte. "Nayantai... du bist zu groß...", murmelte Rain plötzlich und sah auf zu dem Wolf, der um einiges Größer war als er selbst, der Hände hatte, die sich mit Leichtigkeit um Rains Hals hätten legen können, aber das würden sie nicht. "So... kann ich dich nicht küssen... ich würde aber gerne... wenn du nichts dagegen hast..."
    • "Ich mag deine Reaktionen!" Nayantai war, vor allem in der Sprache der Schafe, nicht nur unbeholfen sondern meist auch ein wenig direkter, als er sein sollte - und worauf sollte er auch warten? Rain und er hatten weder Zeit, Wurzeln zu schlagen, noch hatte er Lust darauf, dem Schaf etwas vorzuenthalten. So viel Zeit hatten sie nicht - nicht miteinander und auch nicht füreinander, das wussten sie beide. Natürlich lag es dadurch nur nahe, dass sie sich etwas ausmalen mussten, sollten - irgendetwas, das sie beide auf den richtigen Nenner brachte und ihnen aufzeigte, dass es sinnlos wäre, sich weiterhin voreinander zu verstecken. "Und ... weil es mir Spaß macht", ein kleiner Teil seines kindlichen Ichs war nach all den Jahren also noch nicht gestorben - es fühlte sich beinahe peinlich an. Der Kronprinz der Wölfe, der sonst so viel wusste, der lediglich dafür vorgesehen war, um sein Volk vor dem Untergang zu bewahren, stand nun auf beiden Beinen vor einem Schaf, das nicht auf ihn herabsah, oder gar meinte, er sei weniger wert als es selbst. Fühlte es sich nicht komisch an, sich nicht mit jemandem anzufeinden, mit dem man eigentlich auf Kriegsfuß zu stehen hatte? Rain und er sahen über diese Differenzen hinweg, wenn auch gleich es gar komisch wirkte, all das nach so vielen Jahren zu tun.

      Das Lamm wusste nichts, hatte keinen blassen Schimmer von den Geschehnissen auf einem Schlachtfeld und auch nicht davon, welches Leid ihm vermutlich schon widerfahren war, aber Nayantai störte es nicht - all das sorgte lediglich dafür, dass es - für ihn - unmöglich war, Rain mit denjenigen zu assoziieren, die dafür sorgten, dass der heilige Boden Thria's mit Blut verseucht und von Heuchlern überrannt wurde. Und dennoch, sie beide sollten sich zumindest nicht aufeinander einlassen, nicht auf diese Art und Weise. "Wer weiß, vielleicht solltest du zumindest versuchen, einen Fuß vor die Tür zu setzen, wenn es wärmer wird ... wenn ich gehen muss und du dich verabschiedest", aber auch das wäre wohl noch zu kalt für das empfindliche Lamm, dem er womöglich die Augen aus dem Schädel hätte reißen können, wenn es ihn den interessieren würde. Hatte Rain ihn schlussendlich gezähmt oder waren es die vielen, kalten Tage in einem dreckigen Kerker gewesen, einem Loch aus Verzweiflung, in dem er keinen wissen wollte, weder sich selbst noch seine Feinde. "So anders? Und das ist nichts schlechtes?" Nayantai konnte ein leises Lachen seiner selbst nicht zurückhalten, wollte das auch gar nicht erst und fragte, sich, ob es denn richtig war, all das hier mit Rain zu teilen und ihn tun und machen zu lassen, was er nicht lassen konnte. "Zu groß? Und, wie soll ich das ändern?", fragte er, wohlwissend, dass es wohl einfach wäre, in die Knie zu gehen oder sich zu beugen. "Natürlich nicht, lass mich dir helfen", beschloss er mit einem Schmunzeln, bevor er seine warmen Hände von Rains Kleidung nahm, nur um eine davon auf Rains Rücken und den anderen Arm zwischen seine Kniekehlen zu legen, damit er ihn hochheben konnte. "Besser?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Dann soll es mich nicht stören.", lächelte Rain, der einfach nur froh darüber war, dass Nayantai Freude an etwas fand. Sein Lächeln und Lachen wurde häufiger und vielleicht auch ein Stück ehrlicher als noch am Anfang. Rain konnte sich noch gut an die misstrauischen Augen erinnern, an den abwärtenden Blick der Rain verscheuchen sollte, es aber nicht getan hatte, schon alleine aus dem Grund, weil der Wolf dann doch von Anfang an nett war, ihm nichts getan hatte und ihm sofort gefolgt war, selbst als Rain den Strick los gelassen hatte. Dass er einen Freund gebraucht hatte, jemanden der auf seiner Seite war, das war nur all zu offensichtlich gewesen und Rain hätte es selbst bei einer wilden Bestie nicht übers Herz gebracht ihn einfach zurück in den Schnee, oder in ein dunkles Loch zu werfen und schon gar nicht ihn zu töten.

      "Ah... es wird immer noch kalt sein, wenn du gehst...", murmelte Rain, sein Blick glitt erneut zur Seite, dieses Mal, weil er dem Wolf sagen musste, dass er ihn nicht einmal zur Tür hinaus begleiten konnte. Es war besser langsam anzufangen, im Sommer, wenn es wärmer war und nicht bei knapp über null Grad, die es dem Schnee nicht länger erlaubten Fhaergus unter Kontrolle zu haben. Rain wusste tatsächlich nichts von da draußen, weder hatte er jemals einen der Berge bestiegen die in seinem zukünftigen Land hoch empr ragten, noch hatte er die kleine Stadt am Fuß des Hügels besucht. Er hatte nicht einmal noch die Grenze zu Thria gesehen, nicht einmal die zu den Fürstentümern seiner Nachbarn und er hatte noch nie ein Schwert in der Hand gehabt. Vielleicht war das gut, vielleicht war das der Grund, warum er sich überhaupt mit Nayantai unterhalten konnte, oder war er nur naiv? "Warum sollte das schlecht sein?", wollte Rain wissen, dm es manchmal gar nicht mehr wirklich auffiel, in welcher Sprache sie sich unterhielten. Der Akzent von Nayantai war unüberhörbar und so klang Rain vermutlich auch, wenn er in der Sprache der Wölfe sprach, aber er musste nicht mehr jedes Wort zehn Mal umdrehen, bevor er es verstehen, oder benutzen konnte. In Gedanken versunken entfloh ein überraschter Laut Rains Lippen als er auf einmal hochgehoben wurde. In Nayantais Armen liegend blickte er ihn an. "Du hättest auch einfach... zu mir runter kommen können...", murmelte er mit roten Wangen und war sich auf einmal nicht mehr so sicher, ob er über seinen Schatten springen und den Wolf küssen konnte. Wenigstens waren seine weichen Knie kein Problem mehr, sein Herz jedoch schlug schneller, jetzt wo er schon angekündigt hatte, dass er Nayantai einen Kuss stehlen wollte... er hatte das die letzten Tage einfach vermisst, mehr als er selbst merkte. Zögernd lehnte er sich ein wenig nach vorne, während er sich an Nayantais Schultern festhielt und drückte schließlich seine Lippen sanft gegen Nayantais. Ein Schauer durchfuhr seinen Körper sobald er ihn berührte.