spellbound. (earinor & akira)

    • "Eben", lachte der Wolf als einfache Antwort - Rain war keinen deut besser als er. Sie beide hatten wohl herausgefunden, dass es Spaß machte, neckten sie einander und sie beide wussten genau so gut, dass eben das in Ordnung war - fühlte man sich so, als hätte man zu viel von sich verloren, griff man eben nach den dünnen Halmen, die einem entgegenstanden und stopfte das Loch mit brüchigem Heu, bis es nichts mehr zu stopfen gäbe. "Dann kann ich dir immerhin ziemlich gut Dinge vorgaukeln", gestand er dem Lamm, das seine Lobeshymnen gerade aus der Luft griff. Nayantai war nicht mehr als ein gebrochener Mann, der sich alles andere als leicht dabei tat, weiterhin zu glauben, dass die Welt es wirklich gut mit ihm meinte und ihn noch auf seinen zwei eigenen Beinen stehen lassen wollte. Zu viel hatte er gesehen, hatte er erlebt und zu viele Kerben waren in seinem heilende Haut geschlagen worden, die mittlerweile eher so stumpf wirkte, wie sie konnte. "Oh, glaub mir, dann würdest du nicht hier in meinen Armen liegen - dann würde ich mich nicht zügeln, sondern einfach tun, was ich will." Was genau der Wolf jedoch wollte, das wusste er - ehrlich gesagt - selbst nicht ganz. Wollte er, dass Rain im weiterhin aus der Hand fraß, oder wollte er sich erst recht von ihm abwenden und darauf hoffen, dass er ihn für immer und ewig in Ruhe lassen würde, wenn er ihn das nächste Mal einfach so berührte?

      "Ich kann mir schlecht keine Sorgen um dich machen!" Das entsprach nun einmal der Wahrheit. All das, was zwischen ihnen passiert war, war seine Schuld - er hatte sich nicht im Griff, hatte das Lamm verängstigt und hatte auch noch behauptet, dass dieser wohl zu nichts gut war, außer seinen Artgenossen Arbeit aufzubrummen. Wieso beschäftigte er sich noch immer damit? Hatte Rain nicht gesagt, er wollte vergessen? "Aber du hast jeden Grund dazu, mich zu hassen ... und warum auch immer tust du genau das nicht", brummte Nayantai. Es störte ihn nicht, dass er beinahe schon umgeht und gepflegt wurde, als wäre er ein federloser Vogel, dessen letztes Kapitel angebrochen war, doch allein daran zu denken schien, als wäre es einfach nur eine Heuchelei. Leider lebte er noch, atmete noch und verkehrte nun mit einem Lamm, dem er sanft über den entblößten strich. Dunkle Iriden ruhten auf den tiefblauen des Fürsten, wollten jedwede Reaktion aus seinem Gesicht ablesen - am liebsten wäre es ihm, er könnte den ganzen Tag nur das tun - neben Rain zu liegen, seinen Tag zu verschwenden und sich so fühlen, als wäre er wieder in einem Stück. "Du bist wirklich ziemlich unerfahren ... aber sagen wir einfach, ich will dich nicht enttäuschen oder dir Schmerzen zufügen, die sich vermeiden lassen", nuschelte der Wolf, der dem Welpen lieber sanft über die zarte Haut strich, die sich unter seinen rauen Händen so unvertraut anfühlte. Was hatte Nayantai denn schon, wenn nicht sich selbst, eine gesunde Portion Einbildung und die Ambition, sich Rain gerade nicht hinzugeben, sondern lediglich auf dessen Berührungen zu achten? Nichts. Rain könnte mit ihm tun, was er wollte, wann auch immer er es wollte - das stand fest, doch würde er es wohl nicht wagen, auch, wenn der Wolf sich lieber seine eigene Hand in sein Gesicht drückte um sich zu verstecken und sein Körper zuckte, wenn das Lamm ihn biss und anschließend küsste. Unangenehm war es nicht, das stand fest - und trotzdem riss er sich zusammen, damit keine unsittlichen Laute seinen Mund verließen. "G-gerne ... aber, es fühl sich gerade ... so gut an", beichtete er dem Lamm, das noch dafür sorgen würde, dass er seinen Verstand verlor, wenn er das Zwicken weiterhin an seiner Haut spürte und jedes Mal ein klein wenig zusammenzuckte. "Rain", entfleuchte es ihm, bevor er die Hand, hinter der er sich versteckte, noch flüchtig zum Kinn des Lammes wanderte, um seinen Kopf von dort aus leicht anzuheben und ihm wieder in die Augen zu sehen. "Du kannst mich auch gern auf die Lippen küssen."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ich glaube du bist stärker als du denkst...", murmelte Rain, aber womöglich lag er damit auch falsch. Der Wolf war nun mal ein Wolf und wäre er so stark wie früher, würde er sich dann einem schwachen Lamm hingeben? Würde er es tun lassen, was Rain gerade tat und würde er sich dem Lamm so nähern, weil er sich so alleine fühlte? Trotzdem, Nayantai hatte all die Zeit in dem Kerker überlebt, all die Narben zeugten davon und von dem Krieg in dem er zuvor gekämpft hatte und er war immer noch am Leben, wollte leben, auch wenn er womöglich gerade ein wenig strauchelte und genug von all dem Schmerz und Leid hatte. Wie viel konnte ein einzelner Mensch auch ertragen? Nayantai hatte vermutlich schon genug für zehn Leben erlebt, so wie die Meisten Wölfe die das Glück, oder Pech hatten, noch am Leben zu sein und eine weitere Schlacht überlebt zu haben. Nayantai war stark, weil er immer noch an seinem Leben fest hielt, trotz dem was ihm zugestoßen war. Und er war stark weil er sich einem angehenden Fürsten näherte und von Anfang an eingefordert hatte, was er wollte, auch wenn es zu beginn nur eine Umarmung war, die Rain etwas überrumpelt hatte, die er aber trotzdem nicht ausschlagen konnte. Nicht nur das... "Du... hast dir einen Kuss gestohlen, ohne Angst zu haben, dass ich dich dann von mir stoße... das hätte... ich mich nie getraut...", erläuterte Rain ein Beispiel und lächelte sanft. Stärke musste nicht immer großartige Taten nach sich ziehen, Selbstbewusstsein musste nicht heißen, dass man sich in Gefahr stürzte, es konnten auch so kleine Dinge sein, die Rain sich im Gegensatz zum Beispiel niemals getraut hätte. Die Situation jetzt war angenehm, aber auch nur ein Produkt dessen, was bereits passiert war, als der Wolf Rains Shirt gestern von ihm gestriffen hatte und ihm gezeigt hatte, wie schön ein bisschen Zärtlichkeit sein konnte.

      Rain kicherte erneut ein wenig, ja jeder sorgte sich um ihn, er würde die Menschen denen er wichtig war, wohl nie davon überzeugen können, dass sie das nicht mussten. "Ich will dich nicht hassen... und ich kann es auch gar nicht.", erklärte er, "Ich weiß auch nicht wieso... aber es ist mir auch egal." Rain lächelte zuversichtlich, ehe er doch wieder ein wenig rot wurde, weil Nayantai noch einmal darauf hinwies, dass Rain tatsächlich nichts wusste, auch wenn er nur Teile des Satzes verstanden hatte. "Enttäuschen...? Ich habe keine Erwartungen, die du enttäuschen könntest...", erwiderte Rain, war aber keinesfalls darauf aus Nayantai zu etwas zu bewegen, das er nicht wollte, nein, aber er wollte auch nicht, dass der Wolf dachte, er könne Rain auf irgendeine Art und Weise enttäuschen, Rain hielt das nämlich für unmöglich. Im Moment genügte ihm die große Hand auf seinem Rücken aber völlig, deren raue und warme Haut über die seine strich und ihm eine Gänsehaut verpasste, die ausnahmsweise nicht von der Kälte kam. Unter den Decken heizte es sich langsam angenehm auf, Rain glaubte aber immer noch eisig genug zu sein, damit der Wolf nicht gleich reiß aus nehmen wollte, er hoffte es zumindest, denn er wollte weiter mit ihm kuscheln. Der Wolf wollte scheinbar auch nicht weg und Rain wurde erneut ein wenig rot, als der Wolf die leichten Bisse und Küsse lobte. Als würde Rain selbst verwöhnt werden breitete sich ein angenehmes Kribbeln in ihm aus und schließlich hob er den Kopf, so wie Nayantai es wohl wollte, als er Rains Kinn nach oben drückte. "Kann... oder soll...?", fragte Rain rein rhetorisch, denn er schloss die geringe Distanz zwischen ihnen bereits, blickte in das Gesicht des Wolfes vor sich, der wohl mindestens so rot im Gesicht war wie Rain selbst und vermutlich auch nicht minder nervös. Er schloss seine Augen erst, als er den Atem des Wolfes bereits gegen seine Lippen stoßen fühlte, wartete noch einen Moment, genoss das Kribbeln in seinem Körper, das immer stärker wurde, die Wärme, die sich von innen heraus ausbreitete und küsste ihn schließlich sanft, als er seine Nervosität überwunden hatte.
    • "Vielleicht hast du Recht, wer weiß das schon", grummelte Nayantai dann doch etwas unzufrieden. Eigentlich wusste er gar nicht so wirklich, warum ausgerechnet er es war, der überlebt hatte - ja, warum eigentlich? Hatte er es nur getan, weil man es gut mit ihm gemeint hatte, weil die Götter nicht auch noch einen weiteren, leidenden Wolf zur Hölle fahren lassen wollten, oder weil er sich einfach so in dem letzten Funken Hoffnung, den er noch aufbringen konnte, verbissen hatte, dass es gar unmöglich schien, ihm diesen zu entreißen? Tiefe Narben zogen sich durch seine Haut, zeigten ihm auf, dass er nicht mehr war, als das Produkt einer Sünde und bewies ihm, wenn auch nur in Träumen, die er bist jetzt grundsätzlich vermeiden konnte, dass er für die Schafe nicht mehr sein konnte als das, was sie von ihm glaubten - ein Sklave, den man am besten anleinte, der einen Maulkorb benötigte, damit er nicht plötzlich über Unschuldige herfiel und jemand, der sein Leben besser in dunklen Katakomben fristen sollte, als im gleisenden Licht der Sonne, an der Seite eines unbefleckten Lammes, das nicht einmal wusste, was nun genau richtig oder falsch war. "Nun, jetzt gehörst du doch sowieso mir und ich dir - da kann ich mir doch nehmen, was ich will, oder?", lachte er stattdessen, damit er seinen eigenen Unmut einfach vergessen konnte. Nayantai wusste so vieles nicht, wusste nicht, wie er sich überhaupt dazu durchringen konnte, hier zu sein oder warum er so leichtfertig darin war, all sein Leid und seine daraus resultierenden Narben zu vergessen oder Rain an sich heranzulassen. Wieso tat er das?

      Hier, so wie er jetzt an der Seite des Lammes lag, fühlte er sich fast schon glücklich - beinahe schon vollkommen. Was auch immer es war, das er begehrte, bekäme er vermutlich - war nicht von seinen müden Augen abgelesen, aber dafür funkelten sie mit einer gewissen Neugier - Rain hatte ihn wohl doch angesteckt. "Selbst, wenn du nicht du wärst, glaube ich auch nicht, dass ich dich hassen könnte, wenn ich ganz ehrlich bin", seufzte der Wolf. Ja, es war nun einmal so, dass er Rain voll und ganz verfallen war, auch, wenn er das des Öfteren einfach gar nicht zugeben wollte. So, als gehörten sie zusammen - war es nicht genau das? Nayantai konnte sich herausreden, so viel und so oft er wollte, aber im Endeffekt war genau das die Wahrheit, die er anerkennen sollte. "Also ist es dir egal, wer oder was ich bin, so lange ich ich bin und ich kann dich auch nicht enttäuschen, nur, weil ich so bin wie ich nun einmal bin, huh? Du bist ein verblendeter Welpe", gestand der Wolf ihm schließlich. War er denn mehr? So sah er zumindest nicht aus - und Nayantai glaubte auch gar nicht erst, dass Rain nicht derjenige war, der er vorgab zu sein, es schien viel zu abstrakt und abwegig, ihm ein zweites, noch ungesehenes Gesicht zuzuschreiben. "Beides", nuschelte er, bevor das Lamm sich den geforderten Kuss auch schon stahl - Nayantai kam nicht umher, zu grinsen. Der Wolf glaubte oftmals, dass er eigentlich gänzlich fehl am Platz war, dass er nicht hier sein sollte und dass er sich schon gar nicht mit Rain herumplagen durfte, aber was sollte er dann tun? Einfach darauf warten, dass sein Ende ihn irgendwann einholte? Kaum löste das Schaf sich von ihm, küsste der Wolf es zurück - ja, warum tat er das denn? Eine der blonden Haarsträhnen, die sowieso nie so wollten wie der Wolf es von ihnen verlangte, schob er aus Rains Gesicht und hinter dessen Ohr - es fühlte sich mehr als nur schön an. "Was du kannst, was du sollst und was du schlussendlich willst und tust, obliegt dir."
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    • Hatte Rain erneut etwas falsches gesagt? Über den Wolf zu urteilen und zu versuchen ihn einzuschätzen, oder zu beschreiben kam scheinbar nie gut an, Rain sollte endlich daraus lernen und seinen Mund halten. Er verzichtete darauf sich abermals zu entschuldigen und tat, was er sich soeben vorgenommen hatte und sagte lieber nichts mehr. Trotzdem konnte der Wolf sagen was er wollte, für Rain war er stark und auch selbstbewusst, wenn es um die ein oder andere Sache ging. Er nahm sich bereits was er wollte, wann er es wollte, zumindest wirkte es so, ein Kuss, eine Umarmung, all das konnte er einfordern und hatte es auch schon getan. Rain nickte also lächelnd, auch wenn der Wolf sich vielleicht nicht wirklich alles nehmen konnte, er fragte aber Rains Ansicht nach ohnehin nur nach dem, was Rain ihm auch geben wollte und Rain bat den Wolf nur um das, was dieser Rain auch wirklich schenken wollte. Vielleicht kamen sie deshalb so gut miteinander aus, weil sie sich respektierten und nichts forderten, das sie nicht bekommen konnten.

      "Wenn ich nicht ich wäre?", fragte Rain etwas verwirrt, "Dass du mich nicht hasst liegt also gar nicht an mir?" Er schmunzelte ein wenig, war aber trotzdem nicht sicher was der Wolf meinte. Hatte er den Hass auf alle Schafe aufgeben müssen, aufgrund seiner Erfahrungen in den Fängen von Rains König? Wie lange er wohl dort war... Wochen? Monate? Erneut hatte Rain Zweifel, ob er sich dem Wolf überhaupt so nähern sollte, ob er nicht zuvor mehr Zeit brauchte um sich zu erholen, oder half das alles hier tatsächlich? "Es ist mir tatsächlich egal wer, oder was du bist, oder woher du kommst. Mir ist wichtig, wie du bist und ich mag dich so wie du dich mir gegenüber zeigst. Andere Meinungen interessieren mich nicht.", erklärte er lächelnd, aber dennoch bestimmt. Er wusste nicht, ob das das Verhalten eines Welpen war, oder das eines Lammes, es war ihm egal, er wollte gegenüber Nayantai gar nicht anders fühlen. Er wollte nicht aufhören ihn küssen zu wollen, so wie er es jetzt tat und Nayantai wollte auch gar nicht mehr von ihm ablassen, wie es schien. Der Wolf zog Rain fast sofort wieder zu sich zurück, als dieser sich löste, küsste ihn zurück und wischte eine Strähne hinter Rains Ohr, die bestimmt in wenigen Minuten wieder nach vorne rutschen wollte. "Hm... ich tue gern was du von mir möchtest...", nuschelte er, er wusste so oft gar nicht was er wollte, oder was Nayantai wollte, oder was überhaupt möglich war. Ihm zu sagen er solle weiter machen ihn zu beißen, oder er solle ihn küssen machte ihm nichts aus, es war ihm sogar sehr willkommen.
    • Wie oft hatte er seine Miene schon verzogen, nur, weil er glaubte, ihm passte etwas nicht? Wie sehr hatte er schon versucht, sich selbst aus seiner eigenen Misere zu retten und war kläglich daran gescheitert, weil es so viel für ihn auf dieser Welt gab, nur das nicht? War es denn wirklich in Ordnung, würde er wieder versuchen, seine eigene Person zu sein? Oder war es Absicht, dass er sich so fühlte, als wäre er ein Gefangener, von dessen Körper noch immer schwere, eiserne Ketten baumelten, die ihn immer öfter und immer leichter auf den Boden zogen, der fast schon einladend aussah? Würde er erst auf kalten Steinen liegen, so glaubte er, würden seine glühenden Wunden nicht mehr so brennen - dann wäre er für eine Sekunde von seiner Misere befreit und konnte auch endlich atmen, konnte für sich selbst sehen, dass er noch lebte, aber ... sein Körper schmerzte nur mehr, seine offenen Wunden verheilten und die Narben, die blieben, würden auch irgendwann aufhören, zu schmerzen. Was war es denn, dass er brauchte, damit die Wundheilung schneller wäre? Mehr Zeit, oder doch mehr Geduld? Oder suchte er doch lieber nach den Fehlern in seiner Theorie und in seinen Philosophien, bis er stolz behaupten konnte, er würde kein Wolf mehr sein, sondern nur mehr das Ebenbild eines verruchten Tieres?

      "Das würde ich nicht sagen, ich meinte es ... anders", gab der Wolf zu, der sich wohl nicht gut genug ausgedrückt hatte. Ja, er liebte Rain vermutlich so oder so und ja, er würde sich so oder so in etwas verrennen, von dem keiner begeistert wäre, fände er es erst heraus, aber das war ihm - zumindest im Moment - egal. "Ich hasse Schafe, aber ... selbst wenn du nach dort draußen könntest, glaube ich nicht, dass ich dich wirklich hassen könnte, wenn ich dich kennen lernen könnte", erläuterte er. Nayantai wusste, dass es trivial war, über solche Dinge zu sprechen, dass es nicht der Wahrheit entsprach, wenn er weiterhin nur versuchte, Ausflüchte vor der Realität und seinen Schmerzen zu finden. "Mh, du bist viel zu gütig zu mir", murmelte er noch, als seine Pranke wieder über den schmalen Rücken des zierlichen Welpen strich, versuchte, sich selbst wieder in seiner Haut wohl zu fühlen. Nayantai wollte das hier, nicht? Das war eben auch das, was er schon die ganze Zeit versuchte - er sehnte sich nach Rain, sehnte sich nach Berührungen und nach körperlicher Nähe zu jemandem wie ihm - Nayantai wollte nicht länger einsam sein, oh nein. "Wenn das so ist, wieso versuchst du dann nicht, mich noch fester zu beißen?", harkte er nach, hatte ein schelmisches Grinsen auf den Lippen - und stahl sich gar noch einen Kuss.
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    • Rain fand es schön in Nayantais Armen, an ihn gekuschelt und mit der großen Hand auf seinem Rücken, die stetig über diesen Strich und Rain eine Gänsehaut verpasste. Er fühlte sich wohl, wohler als die meiste Zeit in dem schwachen und schmerzenden Körper den er sein eigen nannte. Er fror nicht, zitterte nicht, seine Glieder schmerzten nicht aufgrund der Kälte, obwohl sie vorher tiefer in ihn gefahren war als je zuvor. Trotzdem spürte er ein kratzen in seinem Hals und einen Druck in seiner Lunge, sowie den Drang zu husten, obwohl die kalte Luft seinen Körper längst verlassen haben musste. Er wollte nicht, wollte mit dem Lärm nicht durch die ruhige Luft zwischen ihnen schneiden, wollte dem Wolf keine Sorgen machen und die Stimmung zerstören. Er ließ es nicht dazu kommen, zwang seinen Körper dazu nicht zu tun, was er sowieso ständig tat und wollte nicht zulassen, dass ihm noch mehr verwehrt wurde, als ohnehin schon. "Wenn ich derselbe wäre... wenn ich nach draußen könnte...", murmelte Rain, der es bezweifelte, er glaubte er käme mehr nach seinem Vater, wenn dieser ihn mit nach draußen und mit in eine Schlacht hätte nehmen können. "Nicht alle Schafe sind schlecht... aber ich verstehe.", gab er noch zu verstehen, wollte aber den Krieg als Thema nicht wieder aufbringen. Die meisten Schafe hatten nichts dabei mitzureden, waren Soldaten und taten nur ihre Pflicht und um ehrlich zu sein konnte nicht einmal ein einzelner Fürst aussteigen. Sie hatten dabei auch wenig zu entscheiden, ähnlich wie die Wölfe die den Krieg sicher auch nicht wollten.

      Rain versuchte die Bedeutung Nayantais Worte zu erraten, aber er konnte sich schon denken, dass er viel zu sanft, viel zu freundlich war und er wusste es ja auch selbst, aber es wirkte fast, als würde der Wolf selbst denken, dass er das gar nicht verdiente. "Wenn ich alleine und verletzt in Thria wäre, dann würde ich mir auch jemanden wünschen, der mich freundlich behandelt...", murmelte er als Erklärung. War das ein valider Grund? Er war zu weich, hatte ihm viel zu schnell vertraut und doch bereute er es nicht, zumindest noch nicht.
      Er sah Nayantai an, nachdem dieser sich noch einen Kuss gestohlen hatte. "Bist du... sicher?", fragte er, aber war sich ziemlich sicher, dass es so war. "Wenn du davon auch blaue Flecken bekommst, dann musst du dein Hemd in Zukunft anlassen.", ermahnte er ihn, während er seine Lippen jedoch schon zurück auf Nayantais Brust wandern ließ, da er Angst hatte am Hals könnte er ihm zu sehr weh tun. Er war sich unsicher, wollte noch nie jemanden verletzen, aber das zählte wohl nicht, wenn der Wolf es so von Rain wollte. Bevor er zubiss küsste er die Stelle, als müsste er Nayantai darauf vorbereiten, dann biss er zu, legte mehr Kraft hinein als zuvor, verblieb sogar einige Momente so, ehe er wieder von Nayantai abließ und einen Kuss auf die eben noch malträtierte Stelle hauchte. Anschließend blickte er auf, als erwarte er eine Beurteilung oder Bestätigung.
    • Bei Rain zu sein war etwas, das er sich vor wenigen Wochen nicht einmal ausgemalt hätte. Töricht war es zu glauben, er könnte sich mit einem Schaf verstehen, aber noch schlimmer war es eigentlich, dass er es schlussendlich auch tat und in seinen Armen lag, vergaß, was er eigentlich tun sollte und die Welt so akzeptierte, wie sie schlussendlich war - kein Ort, an dem ein armer, kleiner Welpe sein sollte. Nayantai mochte sich vielleicht selbst dafür hassen, dass er Rain einfach in seine Arme einlud und seine eigenen Schmerzen, die sonst so vorherrschend waren, zunehmend ignorierte, nur, damit er für eine Sekunde zur Ruhe käme, durchatmen konnte und all das Leid und den Schmerz vergessen konnte, der ihm im letzten Jahr widerfahren war. Aber war es überhaupt ein Jahr gewesen? Wie lange hatte er nur in diesem widerlichen, modrigen Keller gehockt? Und wieso interessierte ihn das ausgerechnet jetzt? "Ich glaube nicht, dass du dich stark ändern würdest", gestand der Wolf. Auch, wenn er dabei falsch liegen konnte und Rain vermutlich nicht anders als ein herkömmliches Schaf wäre, das sich Dinge einreden ließ, wollte Nayantai sich - genau genommen - gar nicht damit beschäftigen. Was brachte es ihm auch, wenn er an fiktiven Szenarien bastelte, die nie sein würden? "Ich glaube auch nicht, dass Schafe wie du oder Sara mir etwas tun würden."

      Wie es wohl erst wäre, wenn sich die beiden nicht hier wären, sondern auf dem Schlachtfeld und wie es wohl erst wäre, wenn er derjenige war, der im Schnee lag und Rain es wäre, der ihn fragte, was seine letzten Worte waren? Das Szenario war undenkbar, ehrlich gesagt gab der Wolf auch auf, es verstehen zu wollen und konzentrierte sich lieber darauf, was für ihn beinahe schon wichtiger als alles andere erschien: Das Lamm. "Es hätte sicher auch freundliche Wölfe gegeben, die dich nicht sofort umgebracht hätten, aber ... ich wäre da wohl der Falsche dafür gewesen", nuschelte er etwas betrübt als Antwort. Ja, wenn es denn so gewesen wäre, dass er Rain auf dem Schlachtfeld begegnen konnte, vielleicht hätte er Tei niemals heiraten sollen, vielleicht wäre er niemals entführt worden - womöglich wäre er noch immer irgendwo in Thria, würde faul in einem Fleck Gras liegen und Muhan Dinge andichten, über die er sich wieder beschwerte. Ach ja, Muhan lebte vermutlich auch noch ... glaubte er zumindest. Seine Gedanken an alte Liebeleien zu verschwenden, das schickte sich erst recht jetzt nicht. "Oh, buhu. Dann muss ich mich ja anziehen wie ein vornehmes Schaf", lachte der Wolf, der schon bald das Zwicken der Schafszähne auf seiner Haut spürte. Wiederum fühlte er sich so, als würde sein ganzer Körper kribbeln - es war angenehm, wenn auch ein mittlerweile gutes Gefühl. Seine Hand wanderte zu dem Hinterkopf Rains, über den er strich. "Mach weiter."
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    • Ob Rain anders wäre, wenn er einen anderen Körper hätte? Auch wenn Nayantai sich das nicht vorstellen konnte, die Tatsache, dass sein Vater Rain meist nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte, lag doch genau daran und wenn es dieses Hindernis nicht gäbe, dann wäre er bestimmt anders erzogen worden. Man hätte ihm ein Schwert in die Hand gedrückt und ihm von klein auf beigebracht, wie man es benutzte, damit er eines Tages auch ein paar verhasste Wölfe töten konnte. Vielleicht wäre er nicht ganz an die Front geschickt worden, oder erst in seinem jetzigen Alter, wenn er in diesem Szenario keinen Bruder gehabt hätte und immer noch der einzige Erbe war, aber er glaubte, dass sein Vater der Falsche für solche Sonderbehandlungen war. Wie sollte Rain auch eines Tages sein Heer führen, wenn er selbst nicht kämpfte? Das war doch auch in er Realität in der er lebte ein Problem. Wer würde ihm schon vertrauen? Außerdem hätte er dann bestimmt bereits eine Frau und womöglich ein Kind. So wie es jetzt war hatte Nayantai allerdings recht, Rain würde ihm nichts tun und es gab auch genügend andere Schafe, wie Sara, die es nicht wagen würden und ohnehin auch gar niemanden verletzen wollten. Rain brummte also bestätigend.

      Rain wollte nicht behaupten, dass die schreckliche Zeit die Nayantai erlebt hatte gut war, aber anders hätten sie sich niemals kennen gelernt und anders hätte der Wolf Rain vielleicht schon längst getötet. Rain ärgerte sich über seine eigenen Gedanken, auch wenn es wahr war, aber er sollte sich auch gar nicht mehr mit dem König und dessen Machenschaften beschäftigen. Nayantai war jetzt hier und er war, so wie er nun eben jetzt war, Rain mochte ihn so und war froh ihn kennen gelernt zu haben, auch wenn ihre Bekanntschaft bald ein Ende finden würde. "Wie jedes Schaf...", korrigierte Rain leicht schmunzelnd aber trotzdem noch nervös. Der sanfte Druck auf Rains Kopf und die zwei kleinen Worte die der Wolf von sich gab, ließen ein Kribbeln in Rains Magen entstehen, das sich langsam ausbreitete. Es machte ihn ein wenig unruhig, er wusste nicht, was er mit seinem restlichen Körper anstellen sollte, ob er sich noch fester an den großen Körper drücken sollte, oder lieber Abstand hielt. Seine Hände beließ er wo sie waren, eine auf Nayantais Brust, die nur ein paar Zentimeter wanderte, als Rain sich eine neue Stelle suchte, an der er Nayantais Wunsch erfüllen konnte, die andere lag einfach nur zwischen ihnen, ohne etwas zu tun. Jedoch schob Rain seinen Arm nun doch über Nayantais Seite und legte seine Hand auf dessen Schulterblatt, um sich enger an den Wolf ziehen zu können, während er seine Zähne in dessen Haut vergrub. Wieder verblieb er eine Weile, ehe er seine Zunge zaghaft über die entstandenen Furchen wandern ließ, die er soeben erschaffen hatte. Dann folgte ein Kuss, noch einer etwas weiter rechts und noch einer ein Stück weiter, ehe er wieder zubiss. So machte er weiter, während er ab und zu nach oben lugte um einen Blick auf Nayantai zu erhaschen. Unsicherheit hatte Rain immer im Griff, auch jetzt, er wollte nichts falsch machen und nicht zu viel. Er selbst war glücklich, zufrieden und wollte eigentlich nur noch wissen, dass Nayantai dasselbe fühlte. "Ist es... gut so...?"
    • Wer Nayantai wohl gewesen wäre, wenn nicht er? Was hätte er denn getan, wenn die Wölfe all das Leid nicht ertragen mussten, sich mit ihren Zähnen in ihrem kläglichen und jämmerlichem Leben verbissen? Würde er es denn in Erwägung ziehen können, zu leben oder musste er sich damit abfinden, dass auch er nicht mehr war, als ein verschwendetes Leben, dessen Existenz lediglich möglich war, weil er sich zu sehr an sie klammerte? War es nicht er, der sich hier etwas vormachte und nach den dünnen Strohhalmen griff, die ihn zusammen hielten, nachdem er schon in all seine Einzelteile zersprungen war? Nayantai könnte noch so viele Scherben einsammeln und aufklauben, konnte noch so viele von ihnen benutzen, damit er sich wieder vollkommen fühlte - seine Familie hatten sie ihm so oder so geraubt, gleich wie seine Existenz. Etwas anderes, außer den Krieg - kannte er das überhaupt? Sein Leben war miserabel, war bereits viel zu lang gewesen und er selbst war es, der seine Zeit damit vergeudet hatte, zu glauben, die Krone würde ihm eines Tages gehören - er würde sein Volk vor dem sicheren Tod zu bewahren wissen und nicht eins mit Mutter Natur werden, damit er zumindest diejenigen, die bereits gefallen waren, noch huldigen konnte. Was für ein König er wohl wäre? Gar keiner, dann würde er auch diese Bürde nicht tragen müssen - dann gäbe es Khenbish, der vermutlich besser für den Thron geeignet wäre, oder zumindest Dayan, dem er eigentlich hätte gehören sollen - aber jetzt war er es, von dem vermutlich ohnehin alle glaubten, er sei tot.

      Die Illusion einer heilen Welt aufrechtzuerhalten war schier unmöglich, gleich, wie es absolut unmöglich war nicht zu glauben, dass das Kribbeln, das seinen ganzen Körper durchfuhr, etwas schlechtes sein musste. Nayantai wusste, dass er nicht mehr viel hatte, das er sein eigen nennen konnte und das Rain nicht mehr war als ein Geschenk war, das er nicht verdient hatte - seine Tage waren von dem Zeitpunkt an gezählt gewesen, an dem sich die erschwärzten Hände eines nach Macht hungernden Königs an ihm vergangen hatte, an dem er das Blut seiner Artgenossen auf die Lippen geträufelt bekam und man ihm den Mund aufriss, ehe man ihm schon wieder drohte, ihn zuzunähen. "Und wie jeder Wolf", ergänzte er. War es nicht eine Verleumdung, würde er behaupten, er befände sich nicht in einem Zustand der Ekstase, wenn er die Zähne des Lammes auf und in seiner Haut spürte und den sanften Kuss, der jedweden Schmerz davontragen sollte? Seine Pranke strich dem Schaf, das er jede Sekunde reißen könnte, über den Rücken, noch immer, weil er nicht so wirklich wusste, wohin damit. Durch zusammengebissene Zähne sog er die Luft ein, als er den viel zu kurzen, plötzlichen Schmerz verspürte, den ein Biss Rains hinterließ - seine Finger krallten sich mit etwas Anspannung, kurzerhand in den Rücken des Lammes, bevor er wieder los ließ. "J-ja ... ist es", gab er zu verstehen. Nayantai, der wohl nun wirklich keine Person für solche Plänkeleien war, drehte den Spieß jedoch kurzerhand um, griff wieder nach der Hand des Lammes und biss ihm, ohne jegliche Erklärung - aber mit einem Lächeln auf den Lippen - in sein Handgelenk.
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    • "Außer du...", erwiderte Rain schmunzelnd, der den Wolf nur heute eine ganze Zeit lang mit seinem Hemd auf dem Körper erlebt hatte, obwohl er sich schon vorstellen konnte, dass die Wölfe in Thria immer etwas an hatten, dort war es schließlich auch kälter als in einem steinernen Haus mit Kaminen die alles warm hielten. Ein warmer Körper war den Wölfen wohl geschenkt, damit sie es einfacher hatten zu überleben, wenn sonst schon nichts Wärme spendete. Also Nomaden zogen sie ständig weiter und während eines Marsches gab es wohl kaum ein Feuer an dem man sich wärmen konnte. Wäre Rain in einem Zelt mit einem Feuer und einem Haufen Decken, dann konnte er vielleicht überleben, aber sobald die Zelte abgebaut wurden und eine Wanderung anstand, spätestens da würde er wohl erfrieren. Rain konnte sich das außerdem gar nicht vorstellen, auch wenn er aus diesem Haus raus wollte, so wollte er es niemals gänzlich verlassen. Hier war seine Heimat, es war sicher und warm. Nach einer Erkundung der Welt da draußen, würde er sich bestimmt freuen, nach Hause zurück zu kehren und in seinem eigenen Bett zu schlafen, statt niemals einen Fleck zu besitzen, der sein zu Hause war und blieb. Den Wölfen war der Krieg vielleicht deshalb so wichtig, weil alles von Thria gleichermaßen ihr zu Hause war und große Teile gehörten ihnen nun nicht mehr.

      Rain hörte das Zischen von Luft, das sich einen Weg in Nayantais Lunge suchte, ob Rain zu fest gebissen hatte? Die Finger des Wolfes krallten sich in Rains Rücken und Rain sog selbst etwas überrascht etwas Luft ein, konnte aber nicht behaupten, dass sich das Gefühl auf seiner Haut nicht gut anfühlte. All das war so neu für ihn, dass er jedes noch so kleine Gefühl in sich aufnahm und nicht vergessen wollte, selbst wenn sein Körper unter dem Druck zuckte und seine Nerven ihm mitteilten, dass die Finger, die sich in seinen Rücken drückten schmerzten. Es war kein Gefühl, das er nicht haben wollte, nicht, das er nicht weiterhin fühlen und erleben wollte, vielleicht gerade weil er es nicht kannte. Nicht einmal sein Vater hatte sich jemals getraut ihn zu packen, nun schien sein Körper all diese neuen Eindrücke förmlich zu brauchen. Wenn er sonst schon nichts Neues erleben konnte, dann doch zumindest das, was auch immer es war. Rain biss also selbst noch einmal zu, fühlte aber nur kurz danach selbst Zähne die sich in seine Haut drückten, zuckte zusammen und biss dadurch noch ein wenig fester, ehe er etwas besorgt locker ließ und zu dem lächelnden Wolf aufsah. Rain sah sich bereits damit konfrontiert, dass er den Ärmel seines Hemdes ständig nach unten zupfen musste, damit auch ja niemand sah, dass der Wolf seine Spuren an ihrem angehenden Fürsten hinterließ, trotzdem hielt Rain Nayantai nicht auf und war höchstens überrascht und viel zu rot im Gesicht. "Entschuldige...", wisperte er.
    • "Bin ich überhaupt noch ein schlimmes, thrianisches Biest?", harkte Nayantai nach. Nein, eigentlich war er auch gar nicht mehr als der Schatten eben jenes Biestes gewesen - er war er und das war, zumindest größtenteils, auch gut so. Nayantai konnte sich selbst vorwerfen, was auch immer er wollte, denn in Rains Augen wäre vermutlich so jede Sünde, die dem Wolfsblut entspringen könnte, nicht der Rede wert. In seinen blauen, bodenlosen Augen war er vermutlich nicht mehr als ein armes, erschöpftes und krankes Tier, das sich einen Ausweg aus seinem Leid gesucht hatte - das keine Heimat mehr hatte, in die es zurückkehren konnte. Hatte Rain das vorhin ernst gemeint? Hatte er denn geglaubt, Nayantai in der Hitze des Gefechts sagen zu können, was er wollte - dass er den Wolf wirklich hier, bei sich behalten konnte und ihm das auch vermitteln durfte? Zweifel war es, der bereits jetzt in seinem Inneren keimte, der wusste, dass die flüchtigen Momente, die sie miteinander teilten, gleich wie das Gefühl der Ekstase war - so schnell, wie es aufgekommen war, würde es wieder verfliegen, war so kurzlebig wie das Feuer in Rains Kamin, kaum traf kalter Wind in höheren Mengen auf die lodernde, unbeschützte Flamme. "Bin ich nicht dein Schoßhund?", amüsierte sich der Wolf, der es unterließ, das Ausgesprochene zu untermalen - der wusste, dass Rain es auch nicht wissen müsste, wenn er es denn nicht verstand. Viel lieber ließ er das Lamm im Unwissen darüber, dass er wohl von sich selbst nur mehr abwegig dachte.

      Wie war es denn, wenn die Schmetterlinge im Bauch es waren, die nicht stillsitzen konnten? Ja, war es denn angenehm, würde er weiterhin hier herumliegen und versuchen, nicht darauf zu hören, was sein Körper und sein Geist von ihm wollte? Nayantai glaubte beinahe schon, er war an eben jenem Punkt angekommen, an dem sich alles zu vermischen schien - an dem es egal war, was der Wolf dachte, oder fühlte, so lange es etwas war, das er eigentlich auch wollte - und Rain besaß er doch ohnehin schon, wieso also nahm er sich nicht den letzten Rest auch noch? "Du musst dich nicht entschuldigen!", rief er überrascht aus, als er realisierte, dass Rain die Gestik, die er ihm darbot, gar nicht anders hätte aufnehmen können, als er es gerade tat. Er schüttelte sanft seinen Kopf. "Du hast nichts falsch gemacht, das war mein Fehler ... ich ... wollte dir auch etwas Gutes tun", lachte er nervös und küsste das gebissene Handgelenk sogleich, als wollte er damit symbolisieren, dass er auch keinen Groll gegen das Lamm hegte, das lediglich das getan hatte, um was er der ungestüme Wolf gebeten hatte. Unsicher war er selbst oft genug, deswegen schien es auch kein Wunder, dass er sich Rain einfach unterwarf - wenn auch nur in diesem Moment - und ihm Anweisungen, ja, beinahe schon Befehle zu geben schien. "Sieh mich an", forderte er, als er den Kopf des Lammes wieder am Kinn etwas anhob, damit er ihm - von unter hinauf - in die Augen starren konnte. "Lass dich nicht verwirren", gab er Rain zu verstehen und küsste ihn wiederum auf die Lippen. Sie beide gehörten einander, aber der Wolf selbst schloss lieber beide Arme um das Lamm und drückte es schließlich an sich und ließ sich - mit ihm in den Armen - auf die Seite rollen. "Hab dich." Kicherte er gerade? Oh, definitiv.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Warst du das je?", fragte Rain seinerseits und blickte in die dunklen und fremdartigen Augen. Natürlich war der Wolf anders, natürlich war da ein gewisses Feuer, das Rain nicht besaß, aber es gab wohl auch Schafe mit diesem Blick. Nayantai war keine Bestie, vielleicht war er das auch früher nie gewesen, aber das war auch egal. Er war er und Rain mochte ihn so wie er war, seit er hier angekommen war. Ob er überhaupt wollte, dass Nayantai zu seinem früheren Selbst zurück fand? Oder würde das alles nur ruinieren, so wie es jetzt war, fand Rain es schön, es sollte sich nicht ändern, zumindest nicht, solange der Wolf in Fhaergus verweilte. "Du bist mein... was?", fragte Rain nach, der das letzte, lange Wort gar nicht verstanden hatte und es gab dieses Mal zu viele Optionen, zu viele Bedeutungen die passen konnten. Nayantai fand es offenbar amüsant, aber auch dieses Detail half bei der Analyse wenig. "Du gehörst mir nicht mehr als ich dir gehöre, richtig? Das wolltest du doch?", fragte Rain mit einem leichten Lächeln auf den Lippen und küsste Nayantai auf die Brust.

      Immer noch etwas verwirrt blickte der blonde Junge den Wolf an, hatte er Nayantai etwa in Verlegenheit gebracht? Er realisierte seinen Fehler, sah ein was er falsch verstanden hatte und schüttelte etwas beschämt den Kopf. Hatte er gerade alles ruiniert? Bevor er dies erfragen konnte, wurde sein Kopf schon wieder angehoben und die dunklen Augen hefteten sich an die seinen. Auch hier konnte er nichts erwidern, höchstens den Kuss, den Nayantai ihm auf die Lippen drückte und der das Kribbeln in Rains Magen nur noch mehr verstärkte. Auf einmal drehte sich alles, nur Nayantai blieb der einzige Fixpunkt, bis Rain sich auf der Seite liegend, immer noch in seinen Armen wieder fand. "Du... hast mich? Und jetzt?", fragte Rain mit einem leichten Lächeln und konnte seinen Blick gar nicht mehr von Nayantai lösen und das nicht nur, weil er ohnehin so nahe bei ihm war. "All das ist so neu für mich...", knüpfte er an vorhin an und seufzte leise. Er wünschte er wüsste was richtig war, wie er sich zu verhalten hatte und woher er wissen konnte, was Nayantai wollte, was ihm gefiel. Er hatte nie etwas dergleichen getan, er hatte nicht einmal etwas Verbotenes in erwägung gezogen und nun lag er hier, mit einem Mann, einem Wolf und liebkoste ihn. War das das Kribbeln? Das Gefühl etwas verbotenes zu tun und womöglich erwischt zu werden, war er dahinter her, oder war da doch mehr? Er konnte aber nicht leugnen, dass er die Flecken auf seinem Körper mochte und dass er auch gegen einen auf seinem Handgelenk nichts hätte, den er verstecken müsste und zusah, ob es nicht doch jemand bemerkte. Aber am Wichtigsten war ihm immer noch Nayantais Gesellschaft, egal wie sie ausfiel, er wollte nicht wieder alleine sein, nicht solange er es vermeiden konnte. Rain wartete keine Antwort ab und lehnte sich nach vorne, holte sich selbst einen sanften Kuss ab, der aus seiner Sicht ruhig einige Zeit andauern durfte.
    • "Wer weiß - willst du es denn herausfinden?", erkundigte Nayantai sich. Wusste denn einer von ihnen beiden, was auf sie zu käme, streckten sie erst die müden Knochen nach seiner vergessenen Vergangenheit aus, die unter Schutt und Asche begraben war? Sollten sie sich nicht lieber von ihr abwenden und nach etwas suchen, das die beiden in der Zukunft entdecken? Was war es, das der Wolf so sehr verdrängte und das sie beide so sehr in den Bann zog? Vermutlich sollte er wirklich nicht weiter darauf eingehen, sondern hoffen, er würde schlussendlich vergessen, was diese Welt ihn nicht vergessen lassen wollte - hoffen, dass all das, was er in sich aufgesogen hatte und noch immer in sich trug, irgendwann einfach unter den Teppich gekehrt wurde. Ob er sich schließlich wieder in den dunklen Fängen des Königs wiederfinden würde und dessen Spiel spielen würde, oder aber sein eigenes, darüber ließ sich streiten - Nayantai wusste jedoch, dass er eigentlich gar nichts davon machen wollte, sondern sich eher danach sehnte, wieder Ruhe zu finden. Ruhe, die er sonst eigentlich gar nicht haben durfte, weil es im Prinzip doch irgendwo egal war, wer oder was er war, so lange er den Lämmern dienlich sein konnte. "Nicht so wichtig ... ich gehöre immerhin dir", lachte er, kehrte das Thema unter den imaginären Tisch. Ein Wort, das über die zarten Lippen fallen sollte, würde genügen um ihn davon zu überzeugen, Rain jedweden Wunsch von seinen Augen abzulesen. "Mehr als das will ich gar nicht."

      Wenn er Rain jetzt schon sein Herz geschenkt hatte, würde der Rest der Wölfe es dann akzeptieren, würde er sagen, er hätte es aus freien Stücken getan, oder würden sie ihn alle einen Verräter schimpfen und behaupten, er tat es nur, weil er nicht wusste, wo ihm sonst der Kopf stand? Einem Lamm hatte er sich selbst dargeboten, weil er glaubte, er würde sterben müssen, täte er es nicht - er hatte den Verstand verloren, war nicht mehr als ein Heuchler, der versuchte, sich aus seiner Misere herauszureden - es gab nichts, das er nicht hätte tun können. Nayantai wusste nicht ganz, ob er die Miene wieder verziehen sollte, ob er versuchen sollte, einen Ausweg zu finden, oder ob es in Ordnung war, sich seines schwachen Herzens einfach hinzugeben. Gab es denn etwas anderes, das er tun konnte? Nein, nicht wirklich. "Und jetzt lasse ich dich nie wieder los!", verkündete er stolz, als er sich an das Lamm kuschelte. Kleidung war, auch wenn sie diese im Moment gar nicht erst trugen, immer wieder störend. Hier und jetzt war es ihm jedoch egal, wie viel von seiner sonst so wunden Haut gegen die des Lammes gedrückt wurde, egal wie sehr die vorangegangenen Bisse Rains kribbelten und wieder komisch es sich anfühlte, jetzt, da all das nicht mit Schmerz verbunden war. "Mach dir keine Sorgen, ich bin ja nicht umsonst da", meine der Wolf noch, bevor er sein Gesicht in der Schulter des Lammes vergraben wollte, aber von einem Kuss überrascht wurde. "Du wirst frech." War das schlecht? Nein, eher nicht - immerhin vergrub er sein Gesicht auch schon wieder prompt in der Schulter des Lammes, nur um kurz darauf in sie zu beißen.
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    • "Hm... ich glaube ich würde nichts entdecken, das einem wilden Tier gleicht...", gab Rain zu und lächelte leicht, konnte er sich da so sicher sein? "D-du... du hattest in Thria bestimt Familie um die du dich sorgst und du... hast bestimmt schon einmal jemanden... geliebt. Ein wildes Tier könnte das nicht, richtig? Mein Vater... kämpft auch jeden Sommer, seit ich denken kann, aber deswegen.... deswegen ist er trotzdem kein wildes Tier. Er liebte meine Mutter und..." Liebte er auch Rain? Rain wollte es glauben, aber er war sich da nicht so sicher, weswegen er auch nicht weiter sprach. Liebe... was war Liebe überhaupt, verstand Rain überhaupt was das bedeutete? Noch nicht, vermutlich, er glaubte nicht, dass er Nayantai liebte, aber was war das hier dann? Hatte er sich nur in jemand fremden, gefährlichen verschaut, weil er eben das war, fremd und gefährlich? Oder steckte mehr dahinter? "Es reicht dir, mir zu gehören...?", fragte Rain weiter und schüttelte leicht den Kopf. "Vergiss nicht, dass du mir höchstens dein Herz schenken kannst, du bleibst du selbst... wenn überhaupt, dann gehören wir uns gegenseitig, aber ich will dich nicht besitzen." Nicht so wie der König Nayantai besitzen wollte, weswegen Rain die Wortwahl auch nicht gefiel. Nayantai war im Grunde frei, höchstens hier gefangen durch das Wetter und Rain hielt ihn an abzuwarten, weil der eisige Wind in den Bergen gefährlich sein konnte, vor Allem, wenn man seit langer Zeit keine richtige Mahlzeit zu sich genommen hatte.

      Rain kicherte leicht als Nayantai erklärte, was es bedeutete, dass er Rain nun festhielt. "Nie wieder?", fragte er an Nayantais Körper gedrückt. Er hörte das gerne und wurde noch ein Stück röter im Gesicht, als Nayantai ihm im Prinzip mitteilte, dass er ja im Prinzip da war, um Rain alles zu zeigen, was es da zu zeigen gab, bei dem was sie miteinander taten. Ob Nayantai Rains Unwissenheit und sein Zögern irgendwann auf die Nerven gingen? Auch wenn er es ohnehin mindestens so langsam angehen wollte wie Rain, er war bestimmt anderes gewohnt, wilde Wölfe und Wölfinnen, die gleich wussten, mit welchem Druck sie ihre Zähne einsetzen konnten und sollten. Rain fragte sich außerdem, ob Schafe sich überhaupt ähnlich in solchen Situationen verhielten, oder ob der Wolf Rain etwas beibrachte, das nur die Wölfe taten. Es spielte jedoch vermutlich keine Rolle. "Frech? Ah-", fragte Rain, dem kurz darauf ein überraschter Laut entwich als er die Zähne des Wolfes an seiner Schulter fühlte und selbst als er wieder locker ließ, spürte er noch ein Ziehen an der Stelle. Sollte er sich dafür entschuldigen? Wieder war er verwirrt, obwohl der Wolf ihm doch vorhin gesagt hatte, er sollte das nicht mit sich machen lassen.
    • "Absolut gar nichts?" Sollte er sich darüber freuen, oder doch eher grämen? Rain sah in ihm nicht mehr, als einen stinknormalen Menschen, der es vermutlich gar nicht verdient hatte, nur den Krieg und das Leid seines Volkes zu kennen, wenn es so viel mehr gab, das er haben konnte. Ja, was hatte er dann verdient? "Mh, ich hatte einen Vater, eine Mutter, eine Schwester und zwei Brüder. Das bedeutet aber nicht, dass wilde Tiere nicht auch lieben können - vielleicht sind dein Vater und ich uns nicht ganz unähnlich", entgegnete er dem Lamm. Nayantai kannte ihn nicht, den Fremden, der ihn hier abgesetzt und vor einem größeren Leid bewahrt hatte. Rain's Vater war es doch gewesen, der nur mehr verschwommen, in der erschwärzten Welt, von tänzelten Flocken verdeckt wurde - derjenige, dem er zu verdanken hatte, dass er nicht mehr die Trophäe eines Mannes war, der glaubte, er führte einen fairen, gerechten Krieg. "Wenn ich dir schon mein Herz schenke, dann kann ich dir auch den Rest davon schenken ... also mich. Dann gehöre ich wirklich dir." Ab diesem Zeitpunkt wäre er nichts mehr, außer ein Stück verrottendes Fleisch, dem man nicht mehr als Flausen in den Kopf gesetzt hatte - er wäre nicht mehr als verloren, als allein auf dieser Welt und mehr wäre er auch nie. Nayantai würde sich selbst verlieren. "Das meinte ich auch nicht. Wenn ich dir gehöre, dann gehörst du - im Umkehrschluss - mir. Dann gehören wir einander."

      Das Kichern Rain's war wie Musik für seine Ohren - es war ihm wohlgesonnen, war freundlich und der Wolf konnte nicht anders, als sich hier wohl zu fühlen. Das Lamm hatte doch Recht behalten - dem Wolf würde hier nichts passieren, nicht so lange er hier war und nicht so lange Nayantai es war, der ihn in seinen Armen hielt. "Niemals mehr. Das verspreche ich dir", antwortete er dem Lamm und drückte es etwas mehr an sich wenn es denn wollen würde, könnte es sich ohne Probleme aus der Umarmung kämpfen, aber dafür bestand kein Bedarf, wie es schien. Viel lieber war Rain auch hier, in den Armen einer wilden Bestie, die ihn biss und eines Tages noch zerfleischen würde. "Ja, frech ... aber du weißt vermutlich nicht, was das bedeutet, hm?", harkte er nach und wollte Rain eigentlich die Zunge herausstrecken, leckte aber stattdessen über die Stelle, an der er nun seine Bissspuren hinterlassen hatte und - hoffentlich - noch einen hübschen, violetten Fleck der eigentlich nur davon zeugte, dass er Rain sein eigen nennen durfte. "Was stellst du nur mit mir an?", flüsterte er dem Lamm schlussendlich sein Ohr, bevor er auch - ziemlich sanft - in sein Ohrläppchen biss. Was machte er hier eigentlich, außer sich und sein Volk zu blamieren? "Das werde ich vermutlich nie wissen", gestand er und lehnte sich wieder etwas zurück, drückte seine eigene Stirn an die Rains und sah ihm lediglich in die blauen Augen, die ihm anfangs wohl nicht ganz geheuer gewesen waren - und jetzt brachten sie ihn lediglich dazu, an das Meer zu denken.
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    • "Nichts das mich stört...", murmelte Rain sanft, hatte er Nayantai erneut verärgert? "Manchmal muss man kämpfen und sich wehren, das ist, was du mir beibringen wolltest, nicht wahr? Und das ist in Ordnung, ich glaube du unterscheidest zwischen denen die du tötest, so wie mein Vater. Ich glaube nicht, dass du ein wehrloses Kind, oder ein schwaches Lamm wie mich töten würdest. Du hast vielleicht sie Stärke eines echten Wolfes, aber ich glaube nicht, dass du jeden angreifen würdest, nur weil du hungerst... hättest du mich nicht sonst angefallen, als du hier angekommen bist?" Rain machte sich vielleicht etwas vor, auch was seinen Vater betraf, aber dass aus Nayantai in der Zeit seiner Gefangenschaft ein völlig anderer Mensch geworden sein sollte, das glaubte Rain nicht. Natürlich hatte er sich verändert, aber niemand konnte und wollte alles von sich ablegen und Rain glaubte, dass Nayantai das auch nicht getan hatte. Der Wolf hatte außerdem bestimmt schon einmal sein Herz verschenkt, das würde eine wilde Bestie nicht tun. "Dann ist es gut. Ich gehöre dir. Vergiss das nie.", lächelte Rain während er sich abr auch fragte, ob er soetwas so leichtfertig sagen sollte. War es nicht trotzdem so, dass sie einander verlieren würden? Dass sich ihre Wege trennen würden? Wie konnten sie einander gehören, wenn man sich nie wieder sah und wie sollte man es vor Allem überleben, wenn der Andere sein Herz mitnahm? Waren das alles nur leere Worte?

      "Was wenn wir hunger bekommen? Auch dann nicht?", kicherte Rain nun, "Oder frisst du mich dann?" Ewig hier zu liegen klang nicht schlecht und Rain bezweifelte, dass er heute endlich dazu kam zu arbeiten. Morgen würde er für Nayantai eine andere Beschäftigung finden müssen, die am Besten irgendwo draußen stattfand. Vielleicht konnte er sich ja um die Pferde kümmern, obwohl... hatten Wölfe denn überhaupt Pferde? "M-mh", ertönte es außerdem als Bestätigung, nein er wusste wirklich nicht was das thrianische Wort bedeutete, aber er hatte das Gefühl, es war etwas schlechtes, zumindest hatte Nayantai geklungen als hätte er Rain ermahnt. Trotzdem oder deswegen spürte er die Zunge des Wolfes an der immer noch pochenden Stelle an seiner Schulter. Rain bekam eine Gänsehaut und biss sich selbst auf die Lippe, um seinem Körper dieses Mal zu verbieten ein unbedachtes Geräusch zu machen. Ein Schauer durchfuhr ihn trotzdem, als er Nayantais geflüsterte Worte hörte und seinen Atem an seiner Wange fühlte. Der sanfte Biss ließ ihn zucken und mit roten Wangen erwiderte er Nayantais Blick. Zögernd ließ Rain seine Hand auf Nayantais Hinterkopf wandern und fing an ihn ein wenig zu kraulen. "Was es auch ist... du tust dasselbe mit mir...", wisperte Rain ehrlich und schloss schließlich die Augen, während er sich auf Nayantai konzentrierte, seine Wärme fühlte und dem tiefen Atem zuhörte. Wieso machte ihn allein das glücklich? Waren sie verzaubert, verflucht? Egal was es war, das der Wolf wollte, Rain wollte ihm alles geben, alles, das er sich wünschte. Was konnte dies also anderes sein als Magie? Und wenn es so war, störte es Rain, oder wollte er lieber weiter in seinen Gefühlen ertrinken, bis alles was ihn umgab nur noch Nayantai war? "Nayantai...", murmelte er den Namen des Wolfes... er sprach ihn einfach gerne aus,
    • "Huh", bemerkte der Wolf etwas verwirrt. War es denn überhaupt möglich, nichts an ihm zu finden, das ein einfaches Lamm nicht dazu verleitete, in Panik zu verfallen? Nun, er würde Rain nicht vermutlich als ein einfaches Lamm beschreiben und er würde auch gar nicht erst behaupten, dass besagtes Lamm jemals wirklich vor ihm Angst haben konnte oder wollte. Viel eher sorgte es sich um ihn, einen geschlagenen und getretenen Wolf, dessen einzige Bestimmung es wohl war, ihm zu gefallen. "Du ... du redest schon wieder so viel. Aber, ich glaube, ich verstehe dich ... fast. Bist du dir sicher, dass ich dich nicht benutze, damit ich in Ruhe meine Wunden lecken kann? Wobei, nein, du hast recht. Wenn ich wollte, dann wärst du tot", seufze er und schüttelte den Kopf leicht. Nayantai war es egal, welches Schaf er wie umbrachte, so lange es starb, nicht? Es war doch gar nicht wichtig, wie oder was - so lange er es schaffte, sich selbst von seiner eigenen Moral loszusagen und mit seinem Gewissen zu vereinbaren, dass es vollkommen in Ordnung war, er selbst zu sein. "Als ob ich so etwas vergessen könnte", murrte der Wolf schließlich als Antwort. Ach, was wäre auch, wenn er nichts weiter tat, als Rain etwas vorzuspielen? Würde das Lamm ihm dann nicht alsbald auf die Schliche kommen? Vermutlich, denn so dumm schätzte Nayantai ihn auch wieder nicht ein, als dass er sich belügen und betrügen ließ.

      "Ich habe mir sagen lassen, Menschenfleisch schmeckt nicht sonderlich gut - also müsste ich dich wohl oder übel in den Speisesaal tragen, wenn du wirklich Hunger hast", gestand er Rain. Nun, woher sollte er auch wissen, ob Rain denn überhaupt gut schmeckte? Es wäre schon komisch genug, würde er erst versuchen, sich selbst durch das Fleisch eines anderen Wolfes zu kämpfen und zu ergründen, wieso einige seiner Artgenossen dann doch solchen widerlichen Dingen verfielen. War es die Not, die sie erfinderisch gemacht hatte? Was auch immer es war, derartig abwegige Gedanken wollte er eigentlich auch gar nicht hegen. "Also sind wir beide kein Stück besser, hm?", lachte er zufrieden. Seine Hände, die er um das Lamm gelegt hatte, blieben dort wo sie waren, aber auch sein Kopf bewegte sich kein Stück. Rain lediglich anzusehen, das genügte ihm - mehr wollte er in diesem Moment gar nicht. "Wir beide sind wohl dazu verdammt, einander zu mögen, bis die Hölle zufriert." Dann wäre es wohl auch schon egal, wer von ihnen welche vermeidlichen Sünden begangen hatte - sie alle waren gleich zu richten. Sein Name ertönte, aber das kümmerte ihn nicht - gerne lauschte er Rain und noch viel lieber schloss er die Augen und dachte daran, dass er noch immer er war - und dass Rain ihn auch nicht als etwas anderes sah. "Ja, Rain?"
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    • "Tut mir Leid.", entgegnete das Lamm, er plapperte so oft viel zu viel wie es schien, kein Wunder wenn Nayantai dabei nur die Hälfte verstand. Vielleicht war es aber genau das, das ihnen half die Sprache des jeweils anderen besser zu lernen und zu verstehen, auch wenn die Sprache der Wölfe, wenn Nayantai erst einmal fort war, für Rain kaum noch einen Nutzen haben würde. "Hm... wenn du mich nur dafür benutzen wolltest, dann würden wir hier nicht liegen, aber... mh... vielleicht benutzen wir uns auch gegenseitig, weil kein anderer da ist. Stört dich das?" Rain war schon oft durch den Kopf geschossen, dass der Wolf sich womöglich nur erholen wollte und dafür tat, was der König von ihm verlangt hatte, weil er dachte, auch Rain wollte dasselbe. Jedes Mal wenn er daran dachte wurde ihm ein wenig übel, aber Rain wollte ihn auch nicht danach fragen. Deshalb bestand er so darauf, dass er dem Wolf genauso gehörte,wie umgekehrt, er wollte ja gar nichts von ihm, dass er nicht geben wollte, aber war Nayantai das wahrhaftig klar?

      "Zum Glück hab ich im Moment keinen hunger...",lächelte Rain, der sich große Teile des Satzes zusammen dichtete und alles davon als Scherz abtat und nicht mehr. Es gab zwar Geschichten von menschenfressenden Wölfen und die Berichte in Wezette über entführte Bauern häuften sich und dienten als nur noch mehr Brandmittel für dieses Gerücht, aber Nayantai sah nicht danach aus, als stimme auch nur die Hälfte von den ganzen Gerüchten die über die Wölfe gesponnen wurden. Menschen zu fressen schien nichts zu sein, das die Wölfe nötig hatten, oder tun wollten, auch wenn Nayantai seine Zähne schon oft genug in Rains Haut vergraben hatte. "Mhm... wir sind beide schlimm.", erklärte Rain und seufzte leise, ehe er doch schmunzelte. "Ich... ich hab immer getan was... was man von mir erwartet hat und jetzt..." Der Wolf verdarb ihn, ganz bestimmt, aber Rain war es der bereitwillig zuließ. "Nichts, ich... ich mag einfach deinen Namen."
    • "Ist in Ordnung, keine Sorge", lachte der Wolf schließlich, der es vermutlich etwas zu verlockend fand, wenn Rain sich verhielt, als wäre er aus Zucker und als wäre alles, das das Lamm von sich geben konnte, nicht mehr als das. Jedes Wort, das Nayantai aufschnappen konnte, war ein weiteres Wort, das er wohl kaum brauchen würde, wenn er sich auf dem Schlachtfeld wiederfand. Was war er, wenn nicht ein Verräter seines eigenen Volkes und ein Tunichtgut, der sich lieber sein Bett mit ein paar gierigen, hungrigen Schafen teilte, die jedes Stück von ihm besitzen wollten und sich darum streiten wollten, wer was besitzen durfte? "Nicht ... wirklich, aber ich würde auch nicht davon ausgehen, dass wir uns gegenseitig benutzen. Ich glaube eher, dass es gut ist, das ich hier bin", murmelte er. Ja, Nayantai wusste, dass seine Zeit mit Rain keine lange sein würde, das Zuhause noch so viel mehr Arbeit auf sich warten ließ, aber all das schien urplötzlich, als wäre es in den Hintergrund gerückt, als müsste er nichts tun, außer einem Lamm zu gefallen. War es so, weil er dem König gehört hatte? Oder einfach nur, weil er glaubte, dass das war, was richtig war? Von den Regeln der Schafe hatte er keine Ahnung, er wusste lediglich, dass er sie alle in falschem, fahlem Licht getränkt sah.

      "Du hast doch ohnehin genug Kekse!", kicherte der Wolf, der gar nicht erst zugeben wollte, dass er - vielleicht und eventuell - doch noch eines dieser grauenhaften Dinger haben wollte, damit er es in Milch ertränken und in seinen Mund stecken konnte. Sie als ekelhaft zu bezeichnen, das überspannte zwar den Bogen, aber er war guter Dinge, dass er sich früher oder später an den Geschmack gewöhnen würde, wenn er wirklich noch eine Weile hier ausharren musste. Ob Rain überhaupt genau verstanden hatte, was der Wolf gemeint hatte? Vermutlich würde er doch ohnehin mitbekommen haben, dass nicht alle seiner Art Kannibalen waren, aber genug von ihnen trieben sich an der Grenze herum, die nichts anderes hatten, seitdem der Krieg ausgebrochen war. Nayantai kuschelte sich etwas enger an Rain heran, als wollte er gerade absolut nicht darüber nachdenken. "Und jetzt lässt du dich einfach von einem Wolf anfassen und ablenken", ergänzte der Wolf, der genau wusste, das sie beide schon viel zu weit in den Brunnen gefallen, als je wieder lebendig aus diesem herausklettern zu können. Ehrlich gesagt war das, zumindest momentan, auch gar nicht mehr seine Intention - wenn er am Boden des Brunnens starb, so war auch das egal. "Du magst ihn?" Irgendwie war er verwirrt - aber das lag auch vermutlich daran, dass Rain so anders war, als jedes andere Schaf.
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    • Immer wenn Rain Nayantais Lachen hörte, das er auf jeden Fall für ehrlich hielt, musste er selbst lächeln. Nayantais Brust vibrierte dabei und seine Züge lockerten sich endlich einmal auf, im Gegensatz zu seinem sonst so grimmigen und müden Blick. Es war kein Wunder, dass er müde aussah, er musste sich immer noch erholen und Lachen war doch bekanntlich die beste Medizin, oder etwa nicht? "Hm, ja? Ich meine... du... du gibst mir Dinge die ich... irgendwie brauche, obwohl ich sie vorher nicht gekannt habe, aber gleichzeitig will ich nur, dass es dir gut geht. Es tut mir Leid, wenn ich dabei manchmal etwas zu aufdringlich werde und glaube ich wüsste alles besser. Ich schätze jemanden der mir großartig widerspricht hatte ich auch schon lange nicht mehr... Wenn du dich nicht benutzt fühlst, dann bin ich aber jedenfalls sehr froh darüber.", erklärte er mir einem leichten Lächeln und drückte sich enger an den Wolf, er mochte das Gefühl der warmen Haut auf seiner eigenen und die starken Arme um seinen zierlichen Körper. Das war nicht gerade das Bild eines Fürsten, das man sich vorstellte, er sollte sich nicht in jemandes Armen geborgen fühlen, sondern selbst eine andere Person, eine Frau, in seine starken Arme schließen, aber das war nicht er und er würde es niemals sein. Wieso fühlte es sich auch so gut an gehalten zu werden, wenn es doch nicht war, was er wollen sollte?

      "Kekse? Ja! Aber die gibt es normalerweise erst nach einer richtigen Mahlzeit!", lachte Rain und schob noch eine gekicherte Mahnung hinten nach. "Das gilt auch für dich!" Kuchen und Kekse, davon sollte sich keiner ernähren und Rain wusste selbst, dass es ihm nicht besser gehen würde, wenn er nicht ab und zu etwas Vernünftiges zu sich nahm, auch wenn ihm oft einfach der Appetit dazu fehlte. Der Wolf kuschelte sich ebenfalls noch etwas mehr an Rain und der Blonde legte auch seinen Arm etwas fester um den großen Körper vor sich. Mit roten Wangen fragte er sich erneut, warum er sich eigentlich so gut fühlte, wenn er in der Nähe des wilden Wolfes war. "Hm... ja.", bestätigte Rain. "Und das bereue ich nicht." Er drückte dem Wolf einen sanften Kuss auf die Lippen, etwas zögerlich, aber doch. Am Liebsten wollte er erneut gar nicht aufstehen, obwohl es genug Pflichten gab, denen er nachgehen sollte. Viel lieber vergrub er nun aber sein Gesicht bei Nayantais Hals. Nayantai war im Moment alles was er brauchte und auch alles was er überhaupt wahrnehmen wollte. Die Kälte hatte sich bereits vollständig aus seinem Körper verzogen und das obwohl er mit entblößter Brust da lag. Auch das war eine Freiheit, war sie auch noch so gering, die er normalerweise nicht genießen konnte. "Hm ja... Nayantai... klingt schön.", erklärte er lächelnd und nuschelte dabei gegen Nayantais Haut. "Hast du eigentlich einen Spitznamen? Also... wie erkläre ich das? Dein Name nur... kleiner?"