spellbound. (earinor & akira)

    • Konnte er das denn tun? Nein, es ging nicht mehr darum, was er konnte, sondern was er schlussendlich schon getan hatte - Rain verletzt, sich selbst den Dolch in die Brust gerammt und sich dazu entschiedenen, ihnen beiden bittere Medizin zu verabreichen. Aufspringen wollte er, davonlaufen, so, wie er es schon einmal getan hatte - wieso hockte er auch noch über dem Lamm und setzte sein Verlangen nicht in die Tat um? Wovor fürchtete er - ein großer, starker, böser Wolf? Vor den Konsequenzen, die ein kleines, schwaches und liebenswertes Lamm ihm aufbrummen konnte, weil er es aufgescheucht hatte? Nayantai würde wieder in einem Kerker landen, allein und verlassen, würde wieder anfangen, die Wassertropfen zu zählen, die in einer Lache aufschlugen - war es nicht das, woraus sein Leben bestanden hatte? "Ich will von dir, dass du aufhörst, dich hier zu verkriechen!", rief der Wolf, dessen Wut bereits abklang - er wusste selbst nicht, was er tun sollte, geschweige denn, wieso er eigentlich so wütend geworden war. War es Angst? Oder hatte er wirklich den Verstand verloren, nachdem er mehr Schmerz und Leid erfahren hatte, als ein Mensch jemals sollte? Brannte all das deswegen so sehr in seinem verkohlten Herzen? Zu glauben, es war Liebe, das es höher schlagen ließ, war reine Einbildung gewesen - Rain war ein Fremder, war Niemand, den er kannte und doch hatte er versucht, ein Loch mit ihm auszufüllen, das gar nicht gestopft werden konnte. Wie jämmerlich er doch war.

      "Was ich eigentlich tun sollte?" Rain hatte recht - er sollte eigentlich irgendwo in Thria sein, sollte versuchen, ein guter Kronprinz zu sein und die Illusion zu wahren, dass dieser verlorene Krieg so gut wie gewonnen war, wenn sie noch ein paar Jahre länger versuchten, nicht zu sterben - wenn er die klaffenden Wunden ignorierte, bis er seinen müden Körper nicht mehr schleppen konnte und irgendwo, so wie der Rest von ihnen - hungrig und einsam im Dreck verendete. "Ja, vielleicht will ich eine Rechtfertigung dafür, wieso ich nicht in mein miserables Leben zurückkehren will. Vielleicht willst du eine Rechtfertigung, damit du es dir schön reden kannst, wieso du nie nach draußen gehen wirst - wir haben beide verloren, egal was wir versuchen", seine Augen fielen wiederum auf das Lamm herab, von dem er seine Hände nach, von dem er sich entfernte, damit er sich am Ende des Bettes hinsetzen konnte und auf es starren konnte, auf die jämmerliche Gestalt, die sich nur selbst zu helfen wusste. "Wer weiß, vielleicht wäre es mir sogar besser gegangen, wenn ich einfach akzeptiert hätte, dass ich in den Kerker des Königs gehöre - aber das hat nichts damit zu tun, keine Sekunde lang." Sie beide waren Jammerlappen, waren maßlos verwirrt und waren - im wahrsten Sinne des Wortes - nicht diejenigen, die sie sein sollten. Woran glaubte Nayantai? Daran, dass er sich ewig gegen Traditionen auflehnen konnte, dass er einfach ein Lamm mit sich nach Hause schleppen konnte. Nun saß er da, zog seine Beine an sich heran und wandte selbst seinen Blick ab - viel mehr konnte er nicht falsch machen. "Es tut mir leid, dass ich jemals geglaubt habe ... dass ich irgendetwas will. Dass ich dich einfach in meine Träume miteinbeziehe, ohne, dass ich vorher daran denke, was du wirklich willst." In seinem Herz war ein Knoten, fest und schwer, der es eben jenem unmöglich machte, vernünftig zu schlagen. Wonach sehnte er sich? Wovon träumte er? "Aber ... ich kann dich nicht alleine hier lassen. Und wenn ich einmal meinen Fuß in den Schnee vor dem Tor setze, dann ... komme ich nicht mehr wieder. Selbst, wenn ich es mir wünschen würde."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Wieso?", fragte Rain, der es nun war, in dem etwas Wut, oder eher mehr Frustration aufkochte. Wieso wollte der Wolf ihm etwas aufzwingen, das er schon lange nicht mehr wollte, von dem er wusste, dass es niemals geschehen würde? "Geh nach Thria, oder in den Süden, oder sonst wohin und suche dir jemanden, der tatsächlich jemand ist, den du lieben kannst. Jemand der mit dir reisen kann, mit dir herum laufen kann, mit dir Überleben kann... ich... bin das nicht...", nuschelte er. Vielleicht hätte er den Wolf nie so nahe an sich heran lassen sollen, während in ihm so riesige Wunden klaffen und er nach jedem Strohhalm griff, um sich zu retten, der in diesem Fall Rain war. Mehr als da zu sein, vermochte er für Nayantai nicht zu tun und bald würde er auch das nicht mehr sein. Er durfte nicht der Grund sein, warum der Wolf sich selbst aufgab und gar nicht mehr daran denken wollte, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu Überleben. Rain wollte den Wolf nicht mehr in seiner Nähe haben, fing an zu zittern und hätte beinahe seine Hände ausgestreckte, um ihn von sich zu stoßen, aber er tat es nicht.

      Rain redete sich gar nichts schön. Krank und Schwach zu sein, war nichts, was er sich einreden wollte, es war eine Tatsache, die nicht zu leugnen war, selbst Nayantai musste das sehen. Wenn er jetzt versuchen würde, sich gegen Nayantai zu wehren, dann würde das nur darin resultieren, dass er sich selbst verletzte und womöglich erneut atemlos und keuchend nach Luft schnappte, während ihm irgendjemand helfen musste, nicht zu ersticken. Nayantai löste sich selbst von Rain, nahm seine Hände von ihm und zog sich zurück, während Rain sich endlich fühlte, als könne er ein wenig entspannen. Er rollte sich wieder ein wenig zur Seite, legte eine Hand auf seine Brust und schloss die Augen, während er versuchte sein Herz zu beruhigen, das seinen kleinen Körper kaum am Leben halten konnte. Er wollte nicht mehr aufstehen, wollte gar nichts mehr tun, eigentlich wollte er auch gar nicht mehr mit Nayantai sprechen. Sie drehten sich im Kreis und diese Diskussion führte zu nichts, nun badete der Wolf in Selbstmitleid und Rain hatte keine Kraft ihn aus dem Sumpf seiner Gedanken zu ziehen, während er selbst gerade am ertrinken war und die Hand des Wolfes immer noch an seiner Wange spürte. Nein, er wollte jetzt nicht weinen, nicht vor dem Wolf, überhaupt nicht eigentlich, nur weil ein wildes Tier nach ihm geschnappt hatte, so wie es auch zu erwarten gewesen war. "Ich will, dass du mich alleine lässt und es ist besser, du setzt nie wieder einen Fuß nach Fhaergus, wenn du die Berge erst einmal hinter dir gelassen hast. Du kannst... fast alles haben das ich besitze... wieso suchst du dir die ein Sache aus, die ich dir nicht geben kann?" Sollte er den Wolf trösten? Ihm gut zureden? Nein, er würde nur wieder von seinen unrealistischen Träumen anfangen, von denen er nicht einmal jetzt abließ. Vielleicht brauchte er das, um zu überleben, aber Rain glaubte eher, es schadete ihm nur. Rain rieb einmal mit dem Ärmel über seine Wange, als könnte das das brennende Gefühl verbannen, oder das Gefühl in seiner Brust, die sich zusammen zog und dafür sorgte, dass er einfach nur alleine sein wollte.
    • "Bist du es nicht selbst leid, hier zu sein? Oder magst du es, wenn alle dir immer nur sagen, was du zu tun und zu lassen hast? Lebst du lieber ein Leben in Fesseln, als in Freiheit? Ist es um so vieles bequemer?" Die Antwort, die er darauf erhalten würde, konnte der Wolf sich denken. Sie beide hatten einander doch nichts mehr zu sagen und er hatte damit angefangen - hatte dem Lamm bereits gesagt, was er davon hielt, wenn er sich weiterhin hier einpferchte, sich vor der Welt versteckte und nicht ein einziges Mal auch nur versuchte, für sich selbst zu sorgen, oder in sich zu gehen und zu ergründen, was es genau war. "Sobald der Schnee geschmolzen ist, gehe ich nach Thria. Wenn sie mir den Schädel nicht schon vorher vom Hals reißen, dann werde ich das tun, was du von mir willst - jedes einzelne Schaf töten, das mir in den Weg kommt, bis ich endlich aufhören kann, zu atmen. Ich brauche dafür keinen an meiner Seite", brummte der Wolf. Hirnlos konnte er weitermorden, gab man ihm erst eine Waffe und einen Feind, den es aus dem Weg zu schaffen galt. Das war seine Definition von Freiheit, seine bloße Existenz - es gab keinen Platz für Liebe, nur für literweise Blut, das man tagtäglich vergießen konnte, wenn man versuchte, sich gegen die Schafe zu behaupten. Rain hatte womöglich recht - er sollte einen Wolf lieben, jemanden, der mit ihm sterben sollte - kein erhabenes Schaf, das den Krieg nicht kannte.

      Nayantai lauschte, ließ die Gedanken kreisen - sterben hätte er sollen, in einer dunklen Zelle sollte er sitzen, nicht hier in einem weichen Bett, in der Nähe eines Lammes, das es eigentlich nur gut mit ihm gemeint hatte und ihm seinen kleinen Finger anbot. Anstatt abzuwarten hatte er, wie erwartet, nach seiner ganzen Hand geschnappt und wurde dafür bestraft - das durfte er sich selbst zuschreiben, keinem anderen. Rain war es, den er trösten sollte, den er in seine Arme nehmen sollte, aber der letzte Funken Stolz, der inmitten seiner Brust aufkeimte und das letzte bisschen Anstand, machten es unmöglich - so unmöglich, wie es der Befehl des Lammes tat. "Gut", knurrte der Wolf, drückte sich schlussendlich vom Bett des Lammes hoch und - ehe er sich umentscheiden konnte und auf der Bettkante sitzen blieb, stand er auf. "Dann werde ich dich alleine lassen - verkümmer von mir aus an der Einsamkeit, die du dir so sehr wünscht. Es war falsch von mir zu glauben, mit einem Schaf könnte ich träumen, oder ich könnte neben dir her leben - ich hätte mich dir gleich gar nicht annähern sollen", feixte Nayantai, der wohl oder übel sein bestes gab, nicht wieder seiner Wut zu verfallen. Die Alten hatten Recht behalten - Schafe waren nichts mehr als törichte, verblendete Wesen die sich nahmen, was sie wollten und für Rain war auch er nicht mehr als ein Spielzeug. "Weil mich deine materiellen Besitztümer nicht interessieren - was mich interessiert ... hat, warst du. Warst nicht du es, der meinte, du sagst mir, wenn du etwas nicht willst und meintest du nicht, du würdest dir jeden Tag die Sterne ansehen wollen, wenn du endlich nach draußen gehst? Was willst du hier drinnen auch? Aber weißt du, das musst du mir nicht beantworten." Ich weiß jetzt, dass ich mich wenigstens glücklich schätzen kann, dass du lieber mit mir spielst als mich gleich zu töten.
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    • Ja, er war es leid hier zu sein, ja er wollte selbst entscheiden können, wohin er ging, ja er wollte frei sein, aber das konnte er nicht, wieso musste Nayantai ihn das immer und immer wieder fragen und es Rain schmerzlich zurück ins Gedächtnis rufen und warum interessierte es ihn überhaupt? War der Wolf nicht derjenige der nun egoistisch war, für den Rain auch nicht gut genug war, den er zu etwas machen wollte, der er niemals sein konnte, so wie sein Vater, so wie sein Großvater, seine Mutter sogar...? Wieso wollten alle Rain sagen was er tun sollte, wollten ihm sagen, was er nicht konnte und waren nicht zufrieden damit, wenn er nicht war, was man von ihm erwartete? Er dachte der Wolf fühlte tatsächlich etwas für ihn, dachte e hätte endlich jemanden gefunden, der Rain so akzeptierte wie er war, der mit seiner Schwäche umgehen konnte, aber nein, auch Nayantai erwartete mehr und wollte Rain zu etwas machen, das er nicht sein konnte. "Es tut mir Leid...", murmelte er erneut, so leise jedoch, dass es kaum zu hören war, tonlos und beinahe schon schluchzend, weil er niemanden zufrieden stellen konnte und weil er niemandem wahrlich helfen konnte. Er war zu nichts gut und selbst zum Sterben war er zu feige.

      Rain wandte seinen Blick ab, als der Wolf sich erhob. Eine Träne lief ihm über die Wange, die der Wolf nicht sehen sollte, obwohl er doch bereits wusste, dass Rain nichts weiter war als ein Kind, das nichts kannte und keine Ahnung von wahrhaftigem Schmerz hatte, so wie ihn der Wolf erlebt hatte. Die Worte des Wolfes, die die Rain verstand, schnitten wie Messer, ließen Rains Brust sich noch enger zusammen ziehen, so dass er erneut fürchten musste, wieder nach Luft schnappen zu müssen. Es tat weh zu hören, was der Wolf von sich gab, es tat weh die Stimme zu hören, die nichts positives mehr in sich trug und ihn vielmehr zu verachten schien, für das was Rain war. Es tat weh zu hören, dass der Wolf das Interesse an dem kleinen Lamm, an seiner Beute verloren hatte, es tat viel mehr weh als es sollte. War die kurze schöne Zeit die sie zusammen hatten den Schmerz wert? "Das hab ich doch...", widersprach Rain kleinlaut, aber widerrum so leise, dass es kaum zu hören war. Er hatte em Wolf so oft gesagt, dass er ihn nicht in den Süden begleiten konnte, er hatte ihm vorhin gesagt, er solle ihn los lassen und er hatte gesagt, dass er nicht nach draußen wollte, weil er Angst hatte. Den Tränen die seine Wange hinunter kullerten, ließ Rain freien Lauf, weil er nicht wollte, dass der Wolf etwas davon bemerkte, weil er nicht noch einmal beweisen wollte, dass er nicht war, was Nayantai haben wollte. Es musste ihn eigentlich gar nicht interessieren und doch wollte er, dass Nayantai nicht schlecht von ihm dachte, aber... das war wohl sein Schicksal, während Nayantais Schicksal wohl war in Thria sein Leben zu lassen und noch ein paar Schafe mit in den Tod zu reißen, auch wenn er das eine kleine Lamm nicht töten konnte. Rain konnte rein gar nichts an Nayantais Schicksal ändern, konnte ihm nicht sagen was er tun sollte, weil es so und so nicht passte und er konnte ihn nicht beschützen, er konnte es ihm nicht einmal recht machen. Was sollte er also noch tun, als über sich ergehen zu lassen, wonach der Wolf sich fühlte?
    • Warum? Mehr als das konnte er sich nicht fragen. Würde er jetzt gehen, jetzt die Tür aufreißen und sie hinter sich zuschlagen, dann war das nicht mehr, als würde er wieder vor seinem Schicksal davonrennen. Rain würde ihm nicht hinterherlaufen, würde winselnd vor ihm sitzen und ihm die halbe Welt versprechen, wenn er es erst einmal soweit gebracht hatte, dass er sich wieder in seinem eigenen Zimmer verschanzte. Wohin wollte er? Zu der Tür? Oder doch lieber zurück in das Bett des Lammes? Was genau war es, nach dem der Wolf sich sehnen wollte? Fehlte Nayantai wirklich nicht mehr als jemand, den er lieben konnte, den er mit sich mitreißen konnte und der verstand, was es bedeutete, ein Wolf zu sein? "Was ... ?", brummte der Wolf sogleich, als er die viel zu leisen Worte vernahm, aber nicht verstand. Nayantai schüttelte den Kopf, hätte ihn sich im Moment selbst gerne von den Schultern gepflückt - es war Zeit, auch die letzten Reste seines Stolzes herunterzuschlucken, es war Zeit, einfach aufzugeben und sich nicht wieder irgendetwas einzureden. "Es tut mir leid", brachte er über die aufgesprungenen Lippen und, ohne dass er irgendetwas anderes von sich gab, setzte er sich zurück auf die Bettkante, ließ seine Griffel aber bei sich und starrte auf den Boden. Davonrennen war keine Option mehr.

      Wieso ging er nicht, ließ Rain nicht alleine und schloss mit dem ab, was er gerade eben noch gesagt hatte? Weil er weich war, weil er nichts konnte, außer Sklave seiner eigenen Gefühle zu sein und weil seine Wut auf Angst basierte, dem Lamm doch zu missfallen - weil er derjenige es war, der schon immer Angst vor Rain gehabt hatte, auch, wenn er sie nicht haben sollte. Es brachte nichts, sich weiter mit ihm zu streiten, ihn mit unnötigen Fragen zu löchern und seine eigene Trauer zu unterdrücken - aber der Wolf weinte nicht, legte seine dreckigen Hände aber auch nicht an das reine Lamm. Seine Ohre lauschten, hörten die Schluchzer und das Schniefen, vermittelten ihm, dass er es übertrieben hatte. Rain war kein Wolf, war kein Kindheitsfreund, mit dem er umspringen konnte, wie er wollte. "Es tut mir leid", nuschelte Nayantai erneut und starrte weiterhin zu seinen Beinen herab, auf seine Füße - auf den Boden darunter. Lediglich einen Handgriff würde es benötigen, dann könnte er sich seines neu gefundenen Ballasts entledigen, wäre Rain los und hätte sich seine Freiheit gesichert - aber diese Freiheit wollte er gar nicht. "Rain", flüsterte der Wolf beinahe schon wortlos und verkrampfte seine Hände in seiner Hose, damit er das Schaf nicht unabsichtlich anrührte. "Was willst du, jetzt, in diesem Augenblick?" Sollte er gehen? Sollte er bleiben?
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    • Rain zuckte erneut zusammen, als der Wolf brummte und seine tiefe Stimme durchs ganze Zimmer getragen wurde. Er wagte es nicht zu wiederholen was er gesagt hatte und zog seine Beine an. Erneut schreckte er etwas auf, als nicht die Tür aufging, sondern sich die Matratze erneut bewegte und Nayantai sich wieder hingesetzt hatte. Wollte er nicht eben noch nichts mehr mit Rain zu tun haben, oder hatte er einfach nur Angst bekommen, dass Rain ihn einsperren lassen würde, wenn er jetzt nicht vor ihm auf dem Boden kroch und ihn um Verzeihung bat. Er entschuldigte sich tatsächlich und Rain wollte die Entschuldigung eigentlich gar nicht hören, weil er weder wusste wofür er sich nun eigentlich entschuldigte, noch ob diese Entschuldigung überhaupt ernst gemeint war, oder es nur darum ging seinen Hals zu retten. "Muss...es nicht... ich werde dich nicht... wegsperren...", murmelte Rain mit zitternder Stimme, um das klar zu stellen, er konnte auch mit jemandem streiten, ohne ihn gleich in einen Kerker zu werfen, den er ohnehin nicht besaß.

      Wieso konnte Rains Köper nicht einmal jetzt so funktionieren wie er sollte und aufhören zu weinen. Er konnte nicht mehr verstecken, dass er es tat und der Wolf hatte es bestimmt schon gemerkt. Rain wollte nicht vor Nayantai weinen, vor Allem nicht wegen unsinnigen Sachen wie Schnee, oder Einsamkeit die kaum mit der des Wolfes vergleichbar war. Der Wolf hatte so viel mehr Grund zu weinen und doch drängte Rain sich damit jedes Mal in den Vordergrund, kein Wunder also, dass Nayantai enttäuscht von ihm war. Wieso interessierte es ihn aber, was ein einfacher, geschundener Wolf von ihm dachte? Eigentlich war es völlig egal und trotzdem wollte Rain alles dafür tun Nayantais Meinung über ihn zu ändern. "Ich... ich will... ich will dich nicht... enttäuschen...", schluchzte Rain und hob seinen Kopf ein wenig und sah zu dem Fenster, als hielt es Antworten für ihn bereit. Von Jetzt auf Gleich stand er auf und ging auf eben jenes Fenster zu. Er hatte Angst ja, aber womöglich hatte Nayantai recht damit, dass jeder bisher falsch gelegen hatte. Er hatte keine Tür parat, mit der er beweisen konnte, dass er sich mehr traute, als jedermann ihm zutraute, also musste das Fenster herhalten. Auch wenn er Nayantai trotzdem nicht begleiten konnte, wollte er ihm beweisen, dass er nicht nur ein Feigling war, der nicht einmal versuchen wollte, etwas zu ändern, also riss er das Fenster auf, als er dort angekommen war, ließ den kalten Wind, der draußen wehte in sein Zimmer und seine Lunge, als er die Luft ein sog und fast im selben Moment anfangen musste zu husten, weil die kalte Luft in seiner Lunge brannte wie Feuer und doch blieb er bei dem geöffneten Fenster stehen und stützte sich mit seinen Händen an dem Fensterbrett ab.
    • "Das setze ich auch gar nicht voraus - wenn du mich wegsperrst, dann beiße ich dich vorher", knurrte der Wolf. Nayantai konnte solche Dinge nicht sagen, konnte nicht erwarten, dass Rain sich ihm und seinem Willen beugte, wenn er doch eigentlich genau das Gegenteil davon tagein, tagaus gespürt hatte. Gespielt hatte man mit ihm, nicht mehr - und mehr würde man auch gar nicht mit ihm tuen. Was er war, war einfach ein Heuchler - und was er sein würde, war schon lange nicht mehr als das. Hier konnte er sich stark fühlen, weil er sich auf ein kleines, schwaches Lamm stürzen konnte, obwohl er wusste, das auch das nicht wirklich der Wahrheit entsprach - das schwache Lamm war ihm hilflos ausgeliefert. "Aber es tut mir trotzdem leid", seufzte Nayantai. Leid war er es, sich zu verkriechen und zu verstecken und leid war er es, nicht mehr als ein Spielzeug zu sein, das seinen eigentlichen Zweck gar nicht erfüllen konnte, weil man ihn in einem Eck verstauben ließ. Ja, wollte er denn nach der Pfeife eines Lammes tanzen und ihm so viel mehr geben, als er selbst hatte? Konnte er denn nicht einfach sein Leben in vollen Zügen genießen? "Ich hätte den Mund halten sollen", gab er nur von sich und lehnte sich zurück, stützte sich auf seinen Händen ab, nur, um dann zu erkennen, dass Rain aufstand.

      Wohin ging er? Dorthin, wo ihn der Wind hintragen wollte, oder sehnte er sich doch danach, dem Wolf zu zeigen, dass sein Platz vor dieser Tür war und nicht im Bett eines adeligen Schafes, dem der Geduldsfaden ohnehin schon gerissen war? Was suchte er, nach was verlangte er und noch viel wichtiger, was war es, das er wollte? "Mich? Enttäuschen? Du kannst mich gar nicht enttäuschen ... nur zur Weißglut bringen, wenn du dir selbst nichts zutraust." Rain war wie ein kleiner Welpe, der vermutlich mehr als einen Stoß in die richtige Richtung benötigte, selbst, wenn sein Herz auf dem rechten Fleck war. Müde waren sie beide oft genug, doch Träume würden nie Realität werden, wenn man sich nicht dazu durchringen konnte, sie zu manifestieren. Nayantai drehte sich um, als er das Fenster hörte und sah zu Rain, der dort stand und die eiskalte Winterluft nicht nur in diesem Raum akzeptierte, sondern auch in seinem schwachen Körper - so hatte Nayantai das nicht gemeint. Beinahe schon augenblicklich sprang der Wolf auf, blieb neben dem Lamm stehen und schüttelte den Kopf. "Rain ... so bringst du dich wirklich nur um. Du musst mir nichts beweisen", keifte er und streckte die Hand nach der hustenden Gestalt aus.
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    • Was war es denn, das Nayantai leid tat? Was von dem was er gesagt, oder getan hatte? Oder sagte er das nur, um das Lamm zu beschwichtigen, das sein Leben in seinen kleinen, schwachen Händen hielt und es theoretisch einfach beenden konnte, wann immer er wollte. Und doch wollte Rain Nayantai gehen lassen, wollte ihm helfen wieder zu Kräften zu kommen, damit er die Reise überstand, dessen Ziel Nayantai selbst wählen konnte, aber auch das schien nicht genug. Nein, er musste das Lamm in seine Ziele miteinbeziehen, wollte Rains Leben, obwohl es schon Fhaergus gehörte. Was wollte er noch alles von ihm und wieso überhaupt? Wäre er nicht derjenige der irgendwann genug davon haben würde, das schwache Lamm durch die Gegen zu schleppen, das seinen eigenen Körper nicht tragen konnte? Wäre er es nicht, der ihn irgendwann einfach in einem Gebüsch liegen ließ und sich nur noch um sich selbst kümmern wollte? Der Wolf war derjenige der nur leere Worte von sich gab, die keinen Fünkchen Wahrheit enthielten.

      "Nichts... zutrauen...?", fragte Rain zwischen seinem Husten und drehte sich mit dem Rücken zum Fenster, damit er Nayantai ansehen konnte. Die Hand die nach ihm ausgestreckt wurde, schlug er beiseite. "Woher... woher willst du wissen... was ich kann und ... was nicht?", rief er gegen den Wind an, während seine Lunge krampfte und brannte, bei dem Versuch die kalte Luft aus seinem Körper zu verbannen, die der Wind von draußen hinein blies. Rains Haare flatterten wild vor seinem Gesicht herum und das Feuer im Kamin hielt dem nächsten Windstoß nicht stand und ging aus. Rain hielt sich weiterhin an dem Fensterbrett fest und schnappte nach Luft, nur um sie wieder aus seinen Lungen zu pressen, während seine Finger bereits eiskalt wurden. "In Fhaergus... Bergen... ist es immer...so kalt, auch im... Sommer!", erklärte er beinahe schon wütend, weil Nayantai sich all das so viel einfacher vorstellte, als es eigentlich war. "Spätestens dort... liegt meine... Grenze...", murmelte er etwas leiser und hörte auf seinen zitternden Körper aufrecht halten zu wollen. Er plumpste vor dem Fenster zu Boden, wenigstens war er hier vom Wind geschützt und doch reichte die kurze Zeit aus, um ihn schlottern zu lassen, als hätte er den ganzen Tag im Schnee verbracht. Der Husten wollte dennoch nicht vergehen und Rain zog seine Beine an, vergrub sein Gesicht bei seinen Knien und konnte nichts weiter tun, als erneut Sklave seines eigenen Körpers zu sein. "Du... willst nicht... nach Thria, weil dort... der Tod auf dich...wartet und ich will nicht von dir... nach draußen in... meinen gezerrt werden... ich... kenne meinen Körper besser... als du..." Der nächste Hustenanfall schüttelte ihn, brannte in seiner Lunge und kratzte in seinem Hals, er würde es noch Tage bereuen, das getan zu haben...
    • Pfeile - ach so viele Pfeile, die sich nicht dafür interessierten, dass ihnen noch so viel Fleisch im Wege stand. Nayantai war ein Hindernis, das sich ab irgendeinem Punkt ohnehin nur mehr schleppend bewegen konnte, sich irgendwann gar nicht mehr rühren würde, so lange man weiter spitze Pfeile in seinem Körper versank - dafür brauchte man auch kein Gift. Warmes Blut würde aus seinem Körper tropfen, an ihm herunter triefen und ihm seine Sünden wiederum aufzeigen. Ein Wolf hatte diese Welt nicht verdient, gleich wenig, wie er die Berührung eines Lammes verdient hatte - Rain schlug seine Hand davon und hatte alles Recht der Welt dazu, ihn nicht mehr besitzen zu wollen. Seinen Mund hätte er halten sollen, vielleicht half es auch, wenn er ihn zunähte und endlich wieder davonlief - das war das Einzige, das der Wolf konnte, der nicht eine Sekunde länger glaubte, er habe Rückgrat. "Ich weiß gar nichts", entgegnete er dem Lamm murrend, wollte sich kleinmachen und wollte ihm aufzeigen, dass er es war, der sich ihm ergeben musste. Rain mochte zwar selbst nicht kämpfen, aber auch in seinen Augen waren die wilden Wölfe vermutlich nicht mehr als ein paar hirnloser Jammerlappen, die es nicht geschafft hatten, irgendetwas aus ihrem Leben zu machen.

      Die Pranken des Wolfes, die nicht mehr konnten, als jemandem Leid zuzufügen, nutzte er dann doch, um das Fenster zu schließen - um dafür zu sorgen, dass nicht noch mehr Kälte in den Raum eindrang. Dann, ja dann, ließ er sich müde auf seine Knie sinken, gegenüber von Rain und starrte ihn an, lauschte seinen wütenden Worten. "Du hast recht ... es tut mir leid", zischte der Wolf dem Lamm entgegen, ballte seine Hände, die auf seinen Oberschenkel lagen, zu Fäusten und biss die Zähne zusammen. Rain mit sich mitzunehmen, das würde er nie schaffen - spätestens in den Bergen wäre er wieder allein, auch, wenn er im Sommer über sie kletterte und seinen Weg in das Tal fand. "Ich hätte dich nicht hinterfragen sollen, oder anzweifeln sollen ... du weißt noch immer, was am besten für die ist", sein Blick fiel auf die Hand, die Rain vorhin von sich geschlagen hatte - auf den dumpfen, seichten Schmerz, der noch immer von ihr ausging. "Es ... es tut mir leid", waren seine Worte, als auch er seinen Blick von dem abriss, was gerade geschah. Nichts mehr hören, oder gar spüren, wollte der Wolf. Rein gar nichts - er hatte genug. "Ich habe Angst ... du hast Angst und ... wir können sie einander nicht nehmen, es tut mir leid, Rain." Sollte das Lamm ihm doch ein Halsband anlegen und ihn auf seine weichen Knie zwingen - der Wolf würde sich alles gefallen lassen, was er sich gefallen lassen musste.
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    • Was wollte Rain eigentlich? Wollte er Nayantai überhaupt noch in seiner Nähe haben? Das Zittern in seinem Körper hörte nicht auf, selbst als das Fenster geschlossen war und Nayantai sich ihm gegenüber setzte. Erneut schüttelte ihn ein Husten, während er sein Gesicht auf seine Knie drückte. Seine Lunge fühlte sich an, als könnte sie jeden Moment zerreißen, bei jedem weiteren versuch die kalte Luft aus Rains Körper zu verbannen. Seine Finger waren kalt wie Eis und er glaubte nicht, auch nur einen weiteren Funken Wärme in seinem Körper zu haben. Er brauchte Nayantais Wärme, seine Umarmung... nein die wollte er gar nicht. Er wollte nicht in seine Nähe, oder? Hatte er nun doch Angst vor ihm, weil er seine Hände an das kleine Lamm gelegt hatte und auch sein Schluchzen und Flehen den Wolf nicht dazu bewegt hatten, von ihm abzulassen? Erst war Nayantai wütend gewesen, jetzt kroch er wieder vor ihm auf den Boden und entschuldigte sich. Was sollte Rain nur mit ihm anfangen? Sollte er ihn einfach alleine lassen, bis der Winter endlich vorbei war? Was brauchte es, damit er Rain mehr als nur eine Ohrfeige verpasste, deren Geste und Bedeutung ihn mehr verletzt hatten, als die Tat an sich. Rain brauchte Nayantai nicht, er brauchte nur etwas Wärme...

      Rain hob seinen Blick, sah an Nayantai vorbei zu dem eingelassenen Kamin, dessen Feuer nicht mehr brannte. Im Bruchteil einer Sekunde blieb Rain die Luft weg und all seine Haare stellten sich auf, bevor er im nächsten Moment schon, von seiner irrationalen Angst getrieben, zu der Feuerstelle stürzte. Das Feuer hatte immer gebrannt, immer, seit Rain sich erinnern konnte. Er hatte Angst, Angst er müsse sterben, so wie die Flamme aus seinem Kamin, auch wenn sie zwischendurch sicher ab und an aus war, damit jemand die Asche aus dem Kamin fegen konnte und doch, hatte Rain das nie gesehen. Er fühlte sich, als hinge sein Leben an dieser Flamme, er war so besessen davon, dass er Nachts aufwachte, aufstand und neues Holz nachlegte, weil er Angst hatte, das Feuer könnte ausgehen, während er schlief. Es war dumm, tief in seinem Inneren wusste er, dass dieses Feuer es nicht war, das ihn von der Welt der Toten trennte und dennoch griff er nach dem Zünder als hinge sein Leben davon ab. Das Feuer hatte immer gebrannt, dementsprechend wusste er gar nicht, wie man es wieder entfachte und saß nun am Rande einer Panikattacke, die ihm nur noch mehr die Luft nehmen würde, vor dem dunklen Kamin. "Nayantai...ich..." Wen sollte er sonst um Hilfe bitten? Nayantai war der Einzige der da war und Rain... eigentlich hatte er sich das selbst zuzuschreiben, vielleicht war es besser, das Feuer blieb aus und er wurde ebenfalls bald ausgepustet, wie die Flamme einer Kerze.
    • Ein Funken, mehr war es nicht - mehr war er noch nie gewesen. Er ließ sich von den Winterwinden treiben, lebte sein Leben in der Freiheit, nach der sich so viele sehnten, die sie nicht hatten - so lange er seine Aufgaben erfüllte, konnte er tun und lassen, was auch immer er wollte, war ein freier Mann, der sich an keinerlei Regeln binden lassen musste. Nayantai konnte leben, ungestört, auf einem fremden Fleck Erde, irgendwo, wo es keinen interessiert, wer er war und wie er seine Tage verbrachte - und doch rückte er immer mehr in den Mittelpunkt, mit jedem Jahr das verging und mit jedem Mal, das er vertrocknetes Gras sah, das vom Wind gewogen wurde. Nostalgie war ein bitterer Geschmack, der immer wieder seinen Hals empor kroch - gleich wie Blut, das hin und wieder in seinem Mund landete, das gar nicht ihm gehörte und doch keinen deut anders schmeckte. Jeder Atemzug, den er hier und jetzt gerade tätigte, fühlte sich an, als würde er durch seine Lungen reißen, als würde es immer schwerer werden, Luft durch seine ohnehin nicht rasselnden Lungen zu lassen. Wer war er, wenn nicht ein verlorener Wolf, ein armes, geschundenes Tier, das im Inbegriff war, die klaffenden Wunden zu lecken, die nie wieder verheilen würden?

      Rain war auch nur ein Windstoß, der an ihm vorbeizog - Rain war Niemand, der an ihn gebunden war und Rain würde auch nie jemand sein, der wahrhaft zu ihm gehörte. Einsamkeit war es, die er verdiente und als die schwache Gestalt wiederum all seine Kraft aufbrachte, nur, damit er zu dem elendigen Kamin kriechen konnte um sich um sein heißgeliebtes Feuer zu kümmern, war es Nayantai irgendwo egal. Er könnte aufstehen, könnte das winselnde Lamm treten und ihm sagen, dass er nicht weiter als erbärmlich sei - dass er keine Existenzberechtigung hatte, weder hier, noch bei den Wölfen und dass sein Vater nichts weiter, als verblendet war. Der Wolf könnte so viel tun, könnte seine Hände wieder an das schwache Lamm legen, ihm den Hals umdrehen, könnte ihm ein besseres Leben - fernab von dieser Welt - gewähren - Nayantai könnte so vieles und tat doch nichts davon. Ehrlich gesagt konnte er nichts davon. Bevor er stillschweigend, alleine am Boden, in seinem Selbstmitleid versinken konnte, stand er auf, als sein eigener Name in seinen Ohren rang und er zu der jämmerlichen Gestalt sah.

      Besser wäre es, er würde stillschweigend an ihm vorbeigehen und ihn erfrieren lassen - seinen Körper tun lassen, was dieser schon immer gewollt hatte - und doch konnte Nayantai sich nicht dazu bringen. "Du brauchst Hilfe", stellte er fest und ging zu Rain, zum Kamin, der beinahe schon die Lebensquelle des Lammes war. Nayantai hatte keine Ahnung von den Herangehensweisen der Schafe, hatte keine andere Möglichkeit, als mit seinen Augen nach etwas zu suchen, das ihm bekannt vorkam. Der Wolf grummelte und sah zu dem Zünder, den das Lamm in seinen Händen hielt. "Darf ich?", fragte er, wartete jedoch nicht auf eine Antwort und nahm Rain das Stück Metall aus der Hand, damit dieser nicht noch auf dumme Ideen käme. Nach weiterer Inspektion des Kamins fand der Wolf einen schwarzen Stein auf diesem und riss ihn ebenfalls an sich, bevor er sich wiederum zu dem Kamin kniete und mit dem Feuerstein ein paar Mal auf das Stück Eisen schlug, das schlussendlich ein paar Funken versprühte, bis sie schlussendlich auf ein Stück verkohltes Holz übergingen. Nayantai legte sowohl Stein als auch Eisen beiseite und wedelte sanft mit seiner Hand über die brennende Stelle, damit das Holz wirklich Feuer fing. Als auch das geschafft war und die winzige Flamme wirklich anfing, größer zu werden, legte er sowohl den Feuerstein als auch den Anzünder wieder auf den Kamin. "Brauchst du noch irgendwas?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain war erbärmlich, das wusste er selbst. Er zitterte, hatte Angst und war eiskalt, er klammerte sich an die Flamme in seinem Kamin, als wäre sie mehr als nur eine einfache Wärmequelle, die den Raum erwärmte. Auch wenn Rain die Wärme gerade bitter nötig hatte, mehr als Rain eben diese zu schenken, konnte das Feuer nicht, es war nicht repräsentable für sein Leben, oder etwas anderes das ihn anging. Wenn er sich wirklich aufwärmen wollte, dann würde er jetzt einfach in ein anderes Zimmer gehen, eines, das nicht von der Kälte heimgesucht wurde und dessen Kamin schon eine lange Weile dafür sorgte, dass der Raum angenehm warm war. Stattdessen aber klammerte er sich an diese eine Flamme, die er nicht einmal entfachen konnte, während ihm die Luft weg blieb und er erneut von einem Husten geschüttelt wurde, während Nayantai auf ihn zu kam.

      Wollte Rain seine Hilfe? Wollte er beweisen, dass er wirklich gar nichts alleine schaffte, dass er nicht dafür gemacht war, mit ihm irgendwohin zu reisen? Eigentlich nicht und doch konnte er nichts tun, als sich alles aus der Hand nehmen zu lassen und dabei zuzusehen, wie der Wolf das Feuer im Kamin anzündete und ihn auch noch fragte, ob er noch etwas brauchte? War Nayantai immer noch wütend? War er enttäuscht? Was würde es brauchen, damit Rain erneut seine Hand auf seiner Wange spürte, weil er so unerträglich war und nur Schwachsinn von sich gab?. "Es... tut mir Leid...", murmelte er zum wiederholten Male und neigte den Kopf leicht, um zu sehen wo genau Nayantai sich befand und was er gerade tat. Er wollte ihm sein Gesicht eigentlich gar nicht zeigen, wusste nicht was er tun, oder fühlen sollte und auch nicht, was Nayantai eigentlich wollte. Wie war es überhaupt zu diesem dummen Streit gekommen? Was hatte Rain falsch gemacht? Er wollte nicht mit Nayantai streiten. War das nun wirklich alles gewesen, das sie miteinander verband? War diese kurze Zeit gemeinsam vorbei? Was Rain brauchte war Wärme und während das Feuer sein bestes tat, schob Rain seine Hand langsam zu Nayantai hinüber um die eiskalten Finger auf die seinen zu legen, mehr wollte er gar nicht. "Es tut mir Leid, ich... hätte nicht... es... du hast Angst...", murmelte er leise, zitternd und beschäftigt damit, das Husten das aus seiner Lunge hervor brechen wollte zurück zu halten. "... und ich... ich mache meine Probleme... zu deinen, statt... es tut mir Leid." Rechtfertigte er gerade für Nayantai was eben passiert war? Dass er ihn auf die Matratze gepresst hatte, die Finger immer noch in seiner Schulter zu spüren waren und er sich so vor Rain verhalten hatte? Rechtfertigte er die Ohrfeige, die er erhalten hatte, das Knurren, das Brummen...? Ja vermutlich, denn Nayantai hatte alles Recht wütend und verängstigt zu sein und sich nicht immer unter Kontroller zu haben. Rain war derjenige, der sich gerade grundlos sehr dumm verhalten hatte.
    • Nayantai durfte leben, das war klar - aber er sollte sich nicht so anstellen, wie er es eben getan hatte. Wer war er? Nicht er selbst, das hatte er erkannt - doch die Person, die so bereitwillig seine Hände an das Lamm gelegt hatte und mit dem Gedanken gespielt hatte, ihm einfach die Luft und das Leben zu stehlen - wollte er das denn sein? Der Konflikt, der in seinem Inneren brodelte wie kochendes Wasser, sollte endlich gelöst werden. Wie ein Stein würden ihm all diese beschwerlichen Dinge vom Herzen fallen und die Wahrheit würde endlich zum Vorschein kommen, hatte er sie doch schon so lange begraben und liebend gerne vergessen, weil er nichts mehr von ihr - oder sich selbst - hören wollte. Mehr, als das Spielzeug, der Sklave und das Objekt der Begierde eines Königs war er nicht gewesen - und die Narben, die tiefen, endlosen, noch blutenden Kerben in seiner bleichen Haut, waren nicht die Einzigen, die er von diesem verlorenen Kampf mit sich herum trug. Sein Kopf - all seine Gedanken und seine Verhaltensweisen - musste er wiederum neu strukturieren, musste verstehen, dass es nicht nur physische Narben waren, sondern auch psychische, die ihn vermutlich sein Leben lang begleiten würden - es waren angelernte Verhaltensmuster, die er wieder zu vergessen hatte. Rain erhob höchstens seine Stimme gegen ihn, nicht aber die Peitsche, um ihn zurechtzuweisen.

      Womit kämpfte er, wenn nicht mit sich selbst? Diesen Kampf auszutragen, den es wohl oder übel zu gewinnen galt, war nicht einfach. Innerlich zerriss man sich selbst, starrte dem erschwärzten Blut nach, das aus seinem eigenen Körper floss, als wäre man ein niemals versiegender Brunnen - seine Tage waren gezählt, gleich, wie es die des Lammes waren. "Wieso?", fragte der Wolf lediglich, dessen dunklen Iriden wieder die auf des Lammes trafen, das ihn gerade eben noch nicht mehr bei sich haben wollte. Schwach war Rain, so schwach, dass er in diesem Haus leben und sterben musste, wenn er wirklich existieren wollte - genau so, wie er es behauptet hatte. Seine Hand sollte er wegziehen, oder die des Lammes doch wegschlagen - aber Rain war eiskalt, so, wie der Schnee dort draußen. Nayantai konnte sich nicht dazu bringen, ihn wieder von sich zu stoßen und schluckte den Rest seines unerbittlichen Ärgers herunter - das hier war weder der richtige Ort, noch der richtige Zeitpunkt dafür - und er nahm die Hände Rain's in die seinen, damit er die seinen auf den Fremden reiben konnte, damit der Eiszapfen, der vor ihm saß, nicht vollkommen erstarrte. "Es ... es ist in Ordnung. Rain, es ist alles in Ordnung", sprach der Wolf, der sich bemühte, das Lamm zu wärmen. Stattdessen setzte er sich hinter es, legte seine Arme um ihn und griff wieder nach den eiskalten Händen, damit er sie wärmen konnte. "Ich ... sollte nicht so stur sein und dir vertrauen. Du weißt, was für dich am besten ist - ich hätte gar nicht erst damit anfangen sollen", murmelte er. Nayantai wusste selbst gut genug, dass es nicht gut war, wenn er nicht Herr über sich selbst war - dass er nicht wusste, wie er damit umgehen sollte, wusste er jedoch auch. "Es tut mir leid", gestand er, verblieb aber in seiner Position, damit er nicht doch noch etwas Falsches machte. "Willst du in dein Bett? Mit einer Decke wird dir sicher schneller wärmer."
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    • Der Wolf wollte wissen, wieso Rain sich auf einmal entschuldigte und wieso er seine Nähe erneut suchte, auch wenn ihm die Hand vorerst gereicht hatte. Er wehrte sich dennoch nicht, als der Wolf sich hinter ihn setzte und die Arme um ihn legte, die Wärme die Nayantai ausstrahlte versuchte sich in Rains Körper auszubreiten und das war mehr als angenehm. "Weil... ich... ich hätte... ich hätte dir einfach zuhören sollen... wirklich... zuhören...", erklärte Rain, der seinen Kopf zur Seite drehte und in seine Schulter hustete, es dauerte etwa eine halbe Minute, bis der Husten wieder verstummte und Rain seinen Kopf hängen ließ. "Entschuldige...", murmelte er, dieses Mal, weil das Husten durch die Luft und ihr Gespräch geschnitten hatte und auch, weil er selbst daran Schuld war. Rain war hin und her gerissen, sein Körper zitterte, aber nicht nur weil ihm kalt war, sondern weil er sich fürchtete, vor Nayantai, auch wenn er es nicht wollte, andererseits sehnte er sich nach seiner warmen Umarmung, danach, nicht ständig zu frieren, denn er konnte alle Decken der Welt über sich werfen und trotzdem wäre ihm niemals so warm, wie in Nayantais Armen. Von Nayantai etwas verlangen, wollte er aber ohnehin nicht.

      "Du... musst dich nicht um mich kümmern.", sagte er schließlich, Nayantai sollte tun, was für ihn selbst am Besten war. Rain hatte immer schon bezweifelt, dass er gut für ihn war, auch wenn es sich für den Moment vielleicht so anfühlte. War dieser Streit jetzt nicht der Beweis dafür gewesen, dass sie einander nur etwas vor machten? Nüchtern betrachtet war Nayantai bestimmt auch nicht gut für Rain, nicht auf Dauer, abgesehen von dem, was vorhin passiert war. Nayantai würde wieder verschwinden und Rain wusste nicht, ob er das ertragen konnte, kämen sie sich noch näher. Vielleicht war es besser so, dass sie jetzt auseinander gingen, in diesem Anwesen nebeneinander her lebten und darauf warteten, dass der Schnee schmolz. "Das war... dumm von mir...", murmelte Rain und meinte damit das geöffnete Fenster, das jetzt dafür sorgte, dass er sich immer noch fühlte, als müsse er gleich erfrieren. Das heiße Feuer schien nur seine Haut z wärmen, während die Kälte tief in seinen Knochen verblieb und das Stechen in seiner Lunge auch nicht aufhören wollte. "Und allein mein Fehler. Wenn du lieber... gehst, dann... ich werde nicht erfrieren. Versprochen."
    • "Du musst dich wirklich nicht entschuldigen", gab der Wolf zurück, der weiterhin das Lamm in den Händen hielt und dem flackernden Feuer dabei zusah, wie es stätig größer wurde und die Holzscheite wieder weiter zerfraß, damit er einem sterbendem Lamm die Wärme nie und nimmer ausgehen sollte. Hier war es vermutlich zu kalt, viel zu kalt, als dass Rain wieder warm werden würde, auch, wenn er den Wolf hatte, hatte sich die Kälte schon in seinen Knochen fest gefressen. "Du kannst mir auch später zuhören, aber ...", ja, was aber? Nayantai hatte so viele Worte die in seinem Kopf herumschwirrten, so viele Dinge, die er Rain eigentlich sagen wollte und doch kam nichts davon auch nur ansatzweise über seine Lippen. "Aber ... ich hätte nicht darauf beharren sollen, dass du etwas tust, vor dem du dich fürchtest", murmelte Nayantai, der wiederum nicht ganz wusste, was er genau tun sollte. Wäre es in Ordnung, wenn er Rain hochhob, oder sollten sie beide hier, auf dem angenehm kühlen Boden, sitzen bleiben? Selbst die Kälte, die das Schaf im Moment ausstrahlte, brannte unangenehm in seinem Körper, zumindest an den Flecken, an denen sie sich berührten und kein Fetzen Stoff im Weg war. "Das war ... nicht in Ordnung, ich hätte dir nicht wehtun sollen." Wirklich geholfen hatte es ohnehin nicht - und er hatte genau damit alles nur noch schlimmer gemacht, sich zu sehr in ein triviales Thema gesteigert.

      "Und dich vielleicht alleine erfrieren lassen? Kommt nicht in Frage", murrte der Wolf unzufrieden, der nach einem Ausweg aus der Misere suchte, in der sie beiden sich befanden. Nayantai wusste nicht so recht, was er tun sollte - einfach versuchen, Rain aus dem Weg zu gehen, jetzt von ihm abzulassen, so gut es ging? Oder wollte er sich noch tiefer in diese Situation reiten und dafür sorgen, dass sein Herz schlussendlich doch irgendwo in Fhaergus liegen blieb, damit er eventuell nie wieder dazu käme, es an jemanden zu verschenken, weil das Objekt seiner Begierde einer Erkältung zum Opfer fiel? "Wir sind beide schuld. Ich hätte dich nicht dazu anstacheln sollen und du hättest dich nicht selbst dazu zwingen dürfen", murrte er und stand schlussendlich auf, wanderte vor das Lamm, weil er sich nicht dazu überwinden konnte, Rains Hände los zu lassen - weil all die Wut, die er heruntergeschluckt hatte, wieder verging und er realisieren musste, dass er gerade nicht aus einem Käfig floh, sondern lediglich die Gitterstäbe verbog. "Ich gehe nirgendwohin, vor allem nicht ohne dich aber ... es ist hier sicher zu kalt. Willst du ... irgendwohin, wo es warm ist?" Theoretisch könnte er Rain doch in sein Zimmer tragen, oder? Obwohl er die Hitze hasste, hatte er das Feuer im Kamin nicht einmal ausbrennen lassen - also sollte es dort wärmer sein, nicht?
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    • Am Liebsten hätte Rain sich nach vorne gebeugt, zum Feuer und sein Gesicht in die Flammen gesteckt, nur damit er endlich wieder etwas warme Luft in die Lungen bekam, die nicht bis zu ihm kommen wollte. Natürlich würde er nicht noch etwas Dummes tun und er wusste auch, dass es eine ganz schlechte Idee gewesen wäre, aber der Wolf war das auch und trotzdem ließ er sich wieder von ihm halten. "Und ich... sollte nicht ständig von Thria sprechen... es tut mir Leid.", murmelte Rain die Entschuldigung erwidernd, sie wollten einander beide zu etwas drängen, das sie eigentlich gar nicht wollten un vor dem sie Angst hatten, sie hatten beide Fehler gemacht. "Es... das... hat kaum... weh getan...", nuschelte er außerdem, die Ohrfeige hatte er tatsächlich kaum gespürt und jetzt merkte er gar nichts mehr davon, auch sonst war die Kälte die ihn im Griff hatte eher das, was er gerade am ganzen Körper spürte. "... ich hab... mich nur erschreckt... ich... mh..." Hätte er sich wehren sollen? Hätte er versuchen sollen sich zu befreien, oder zurück zu schlagen? Nayantai erwartete das doch scheinbar von ihm, aber er... er wusste das jeder Kampf aussichtslos war, wieso sollte er ihn dann führen?

      Rain blickte auf, als Nayantai sich plötzlich von ihm löste und lieber vor ihn trat, damit er ihn ansehen konnte. Die Wärme die ihm auf einmal im Rücken fehlte, zeigte sich durch ein erneutes, leichtes Zittern, das der junge Fürst zu verbergen versuchte, während er auch schon den nächsten Husten herunter schluckte, so gut er konnte. Ein anderer Raum, ein beheizter Raum wäre vermutlich nicht schlecht, andererseits wollte er niemanden sehen und niemandem zufällig begegnen, nicht einmal bewegen wollte er sich und doch nickte er. "Mhm... das wäre wohl... das Beste...", erklärte er und zwang sich auf seine zwei wackeligen Beine, damit sie irgendwohin konnten, wo es warm war und wo Rain sich auch tatsächlich aufwärmen konnte.
    • "Es ist in Ordnung, wirklich", wiederholte Nayantai. Er wusste, dass Rain sich der Welt da draußen nicht stellen musste, wenn er das nicht wollte - wenn er sein Leben lieber in seinem Käfig fristete, aus dem es kein Entkommen gab, dann sollte es so sein - dann stand es ihm frei, zu tun, was auch immer er wollte. Nayantai hingegen hatte nicht einmal den Hauch einer Chance, nicht wieder nach Thria zu gehen. So lange der Krieg wütete, so lange die Wölfe starben, weil kein Schaf der Welt sie haben wollte, so lange konnte er hier nicht verweilen, ohne, dass man auch Rain dafür ankreiden würde, dass er einen Wolf vor seinem sicheren Tod bewahrt hatte und mit den verfluchten Bestien sympathisierte. "Trotzdem - ich hätte das nicht tun sollen, ich sollte mich eigentlich zu beherrschen wissen", grummelte der Wolf dem Lamm als Antwort. Es tat ihm leid, dass es überhaupt so weit gekommen war - dass er Rain so nah an sich heran gelassen hatte, nur, damit er das Schaf schlussendlich wieder enttäuschen musste, weil er ihm doch nicht aus den zierlichen Händen fressen wollte, sondern lieber von der Freiheit träumte, die man ihm nicht schenken wollte. Thria war aber nicht die Freiheit, nach der er sich sehnte - das wusste er, oder zumindest glaubte er, genau das zu wissen. "Du musst dich nicht rechtfertigen."

      Nayantai sah zu dem zittrigen Lamm, das sich auf die schlotternden Beine kämpfte, nur weil der Wolf, der Frost und herben Wind gewohnt war, der ihm oft genug in sein Gesicht gepeitscht hatte und ihn so fühlen ließ, als wäre sein Ende ohnehin schon nach. Rain konnte sich von dem eiskalten Wetter dort draußen nichts abschneiden, war lieber in der Nähe des Wolfes und genoss wohl dessen Wärme, als dass er das Wetter vor seiner Tür genoss. "Dann halt dich fest", meinte er lediglich zu Rain, als er ihn wieder hochhob, damit er ihn in seinen Armen tragen konnte - war das nicht genau das, was er nicht wollte? Er hätte jedweden Grund, von dem Lamm für immer abzulassen und dennoch griff er - mit dem Lamm bereits in den Armen - noch nach einer Decke auf dessen Bett und warf sie irgendwie über ihn. Leichter hatte er sich eben das ohnehin vorgestellt, aber auch das war irgendwo egal, so lange er sich die Zeit nahm, das Zimmer zu verlassen und Rain den Gang entlang, in sein eigenes zu tragen. Kaum dort angekommen, drückte er die Türklinke mit seinem Ellbogen herunter, platzierte das Lamm auf seinem Bett und ging anschließend noch einmal zurück, damit er die Tür hinter ihnen schließen konnte. Ungestört wären sie hier vermutlich lange genug, damit sich Rain aufwärmen konnte. "Brauchst du noch irgendwas?", fragte er erneut, als er sich zu dem Lamm auf die Bettkante setzte.
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    • "Mh... dann ist es auch von meiner Seite in Ordnung...", murmelte Rain und starrte in das Feuer vor sich, er wusste nicht recht was er tun, oder denken sollte, der Wolf hatte ihm womöglich sein wahres Ich gezeigt und auch wenn Rain tatsächlich erst einmal nichts von ihm wissen hatte wollen, hatte sich das in den wenigen Minuten eben wieder geändert. Er wollte nicht alleine sein und er wollte den Wolf nicht alleine lassen, mit dem, was ihn beschäftigte, wenn er lieber Gesellschaft hatte. "Können wir... das alles einfach... vergessen?", fragte er schließlich, ohne es zu wagen in die Augen des Wolfes zu blicken, wie er sich verhalten hatte, war ihm peinlich und das Gefühl würde wohl auch noch eine Weile andauern. So schwach und ängstlich wollte er nie sein, aber das war nun einmal er, es zu zeigen war aber noch einmal eine andere Sache und die Situation war eine gewesen, in der er sich noch nie befunden hatte. Er wünschte sich, er hätte nicht so jämmerlich vor Nayantai gelegen und hätte ihn nicht angebettelt ihn los zu lassen, er schämte sich dafür, Angst vor ihm gehabt zu haben und so frustriert gewesen zu sein, dass er das Fenster einfach aufgerissen hatte, ohne darüber nachzudenken. Das Ergebnis musste er jetzt ausbaden und er hatte es irgendwie verdient.

      Rain lächelte beinahe schon, als der Wolf ihn schließlich hoch hob, als wäre zwischen ihnen vorhin nichts vorgefallen. Er legte seine Arme um den Wolf, auch wenn er das gar nicht mehr hatte tun wollen und holte sich all die Wärme ab, die Nayantai gerade zu bieten hatte. Die Decke half ebenfalls, den kurzen Weg zu Nayantais Zimmer über, hörte Rain dennoch nicht auf zu zittern, obwohl er nicht sicher war, ob nur die Kälte dafür sorgte. Nayantais Zimmer war tatsächlich warm, auch wenn Rain davon noch nicht viel merkte. Auf dem Bett angekommen, musste er auf Nayantai wieder verzichten und schnappte sich stattdessen alle Decken die in seinem Bett zu finden waren, um sich darunter einzugraben. Er hauchte seinen Atem in seine Hände, um diese endlich aufzutauen und sah schließlich zu Nayantai, der neben ihm Platz nahm. "Mh... nein... danke. Du musst nicht hier bleiben...", murmelte Rain, hustete ein paar Mal und sah den Wolf entschuldigend an. "Ich hoffe... ich werde nicht wieder... krank... ich wollte dich doch nicht wieder... ganz alleine hier lassen..." Als wäre es schon passiert, wollte Rain sich dafür jetzt schon entschuldigen, auch wenn das Fieber ihn womöglich verschonte, auch wenn er es nicht glaubte.
    • Vergessen war etwas, nach dem der Wolf sich schon viel zu lange sehnte. Er wollte nicht mehr er sein, sollte nicht, dass er zu jemandem wurde, der er nicht sein konnte und doch wusste er nicht, was er noch alles vergessen musste, damit er jemand werden konnte, der er nicht war - der so weit entfernt von dem war, was er sein konnte, dass es fasst schon lachhaft war, zu glauben, er könnte noch jemand werden, der nicht von seiner eigenen Angst und seiner stillgelegten Verantwortung zerfressen wurde. Nayantai war, ihm wahrsten Sinne des Wortes, seine eigene Marionette - verhedderte sich in seinen eigenen Seilen, wollte nicht mehr, als dass er frei wäre, bevor ihm die Schnüre noch den Hals und die Luft abschnürten, aber das passierte nicht. Er war, wenn er ehrlich war, noch immer in dem Käfig, aus dem er glaubte, entflohen zu sein - konnte sich noch immer nicht kontrollieren, war - unter dem Schafspelz, den er sich augenscheinlich über gezogen hatte - durchaus eine Bestie, vor der die Lämmer nicht zu Unrecht Angst hatten. "Wenn du willst, dann tue ich einfach so, als wäre das alles nie passiert", lachte der Wolf, wenn auch gleich das nicht bedeutete, dass er zufrieden war. Sollte er für sein Fehlverhalten denn nicht büßen? Oder war Rain genau das egal?

      "Ich muss nicht, aber ich kann - du willst mich doch nicht aus meinem eigenen Zimmer werfen, oder?", fragte der Wolf, neckte Rain beinahe schon wieder, weil er wohl auch gar nichts anderes konnte. Sie beide hatten erst darüber philosophiert, dass sie einander gehörten, wieso also versuchen, all diese unnötige Distanz aufzubauen? Vermutlich, weil es so unmöglich wäre, sich später noch voneinander loszureißen - womöglich war es sogar gut, dass Nayantai den Verstand verlor, dass er Rain Angst einjagte - dass er nicht mehr war, als ein sterbendes Tier, das sich nicht helfen lassen wollte. "Und wenn du krank wirst, dann lasse ich dich trotzdem nicht allein", murmelte der Wolf, der dort, an der Bettkante, sitzen blieb - auch, wenn er etwas zur Seite rückte, damit er zu dem zugedeckten Rain sehen konnte, der unter all den Decken noch ertrinken würde. "Weißt du, irgendwie glaube ich gar nicht, dass ich dich alleine lassen könnte, selbst, wenn du mich von dir stößt." Was würde er auch tun, wenn er in diesem Gemäuer alleine war? Alles auf den Kopf stellen, damit er eine Beschäftigung fand? Das klang weniger glaubhaft, als es war.
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    • Rain hatte Angst, Angst zu sterben, wenn er auch nur einen Fuß nach draußen setzen würde, Angst davor, was passieren würde und trotzdem, jetzt im Nachhinein, dachte er, dass Nayantai Recht gehabt hatte. Wollte er sich weiter hier einsperren lassen? Was hatte das für einen Sinn, wenn er ohnehin eher früher als später sterben würde? Trotzdem, er hatte es sich doch selbst bewiesen, dass das alles nur ein Traum war, die paar Minuten vor dem eisigen Wind ließen ihn unter all den Decken immer noch zittern und husten, er sollte sich nichts vormachen, nur weil ein Wolf seine Situation nicht ganz verstand. Was ihm jetzt noch übrig blieb war zu hoffen, dass er diese Dummheit überleben würde und wenn er ganz viel Glück hatte, dann fesselte ein Fieber ihn nicht wieder ans Bett. Wieso, war eine Frage die er sich sehr oft stellte, hatte er etwas getan, womit er diesen Körper verdient hatte? Vielleicht in einem früheren Leben? Hatten die Wölfe etwas verbrochen, ihre Götter erzürnt, so wie Rain oder womöglich sein Vater, mit irgendetwas, das ein normaler Mensch gar nicht nachvollziehen konnte? Es brachte wohl nichts sich darüber Gedanken zu machen, denn sie waren alle in ihrer jetzigen Lage und mussten einfach damit umgehen."Hm... in Ordnung.", lächelte Rain nur und lugte unter seinem Deckenhaufen hervor. Er bezweifelte, dass Nayantai auch nur seine Hand hier herein stecken wollte, auch wenn Rains kalter Körper die Luft kaum aufwärmen konnte.

      "Ich... nein... natürlich nicht. Ich... habe dich gerne bei mir...", lächelte Rain, trotz dem was passiert war. Aber das war wohl nicht die richtige Reaktion gewesen, Nayantai hatte nur einen Scherz gemacht und keine ehrliche Antwort erwartet, oder? Rain war... unverbesserlich und merkte so etwas immer erst zu spät. Bis auf Nayantai sprach auch niemand so mit ihm und zog Rain auf. "Wenn ich wieder krank werde... dann wollte ich dich auch wieder bei mir... ich... weiß, dass du da warst...", murmelte Rain und formte sich immer mehr zu einer Kugel um die Wärme die er noch hatte wenigstens in seinem Körper zu halten. Stimmte was der Wolf sagte denn, oder veralberte er Rain wieder? Eben noch hatten sie so heftig gestritten und jetzt wollten sie ihre Zeit wieder miteinander verbringen, ohne auch nur eine Minute Pause eingelegt zu haben... Rain wusste nicht, woher das alles kam. "Wieso...?", fragte Rain leise, aber schüttelte den Kopf. "Spielt keine Rolle..."