spellbound. (earinor & akira)

    • Eigentlich sollte er sich durch die Haare raufen und sich selbst verteufeln, dass er seinem Vater nicht öfter dabei zugehört hatte, wie er in der Sprache der Schafe vor sich hin philosophiert hatte und seinen Kindern etwas vermitteln wollte, das im Endeffekt unwichtig gewesen war. Jetzt saß er an einem Tisch, mit einem Schaf, in einer befremdlichen Umgebung und die Worte, die sie voneinander verstanden, waren trivial - nicht der Rede wert, während die Dinge, die sie verstehen sollten, über ihren Köpfen vorbeizogen und einen der beiden dazu brachten, manchmal zu seufzen und sich darüber zu grämen, was die vernommene Wahrheit war und was lediglich der Einbildung eines jeden entsprach. Wer wusste, vielleicht hatten sie einander auch schon falsche Wort beigebracht, würden es aber nicht bemerken, bis sie auf ein etwaiges Thema zurückkamen. Nayantai brummte. "Ich meine, ich kann dich hier keine probieren lassen aber ... wenn du in den Süden willst, bin ich mir sicher, dass wir einen Umweg durch Thria machen können", seufzte er und beschäftigte sich lieber mit seinem Stück Brot, das ungefähr denselben Geschmack hatte wie gestern - nichts. Beinahe wirkte es so, als würde es den Wolf selbst stören, als dieser nach der Gabel griff und sich ein Stück Wurst von einem anderen Teller stahl, das er - eher schlecht als recht - auf den Rest seines Brotes legte.

      Gewohnt war er es keineswegs, aber es war eine willkommene Abwechslung, sich mit jemanden das Essen zu teilen und nicht dort zu sitzen, sich irgendwelche Pampe in den Rachen zu schaufeln und diese zu schlucken - oder neben jemandem auf dem Boden zu hocken und dieser Person wortwörtlich aus der Hand zu fressen. "Mm-mh, ich sollte dankbarer sein, dass ich überhaupt etwas bekomme", denn nicht selten kam es vor, dass er seine Zeit damit verbrachte, sich vor lauter Schmerz oder Hunger am kalten Boden zu krümmen und sich zu fragen, womit er es verdient hatte, so behandelt zu werden. "Zerbrich dir den Kopf über etwas anderes, wie zum Beispiel", sein Blick schweifte ab, er sah zu Rain, der ein Glas Milch vor sich stehen hatte und etwas, das Nayantai vermutlich nicht identifizieren wollte, wenn es so süß war, wie das Stück Torte - und doch griff er nach einem der Kekse und sah diesen verwirrt an. Der Wolf murrte. "Dass ich dir - was auch immer das ist - wegesse", erklärte der Wolf, der sich den Keks in den Mund stopfte und seine Entscheidung irgendwie zu bereuen schien, auch, wenn er das nicht offen zeigte, ein paar Mal kaute und dann schluckte. Wieso mussten diese Sachen auch so verdammt süß sein!?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain lächelte und schüttelte den Kopf. Der Wolf sprach schon wieder vom Süden und dann noch von einem Umweg durch Thria? Den Gedanken weiter zu spinnen machte Spaß, aber Rain würde niemals nach Thria, oder überhaupt aus Fhaergus heraus reisen können. Und wenn er schon auf dem Weg in den Süden war, um sein Leben und sein Verantwortung in Fahergus zurück zu lassen, dann brauchte er auch keine Pflanzen mehr, die er in seinem Land kultivieren konnte. Aber auch wenn er immer schon davon gelaufen war und dieses Land am Liebsten nie übernehmen würde, so konnte er nicht einfach sein Volk im Stich lassen, um mit einem Wolf, den er auch in zwei Monaten nicht viel besser kennen würde, zu verschwinden und ein neues Leben anzufangen. Ein Leben, das wie der Wolf gesagt hatte, anstrengend sein würde, ein Leben ohne ein Adeliger zu sein, als einfacher Bürger und das obwohl Rain bis auf Lesen und Schreiben nicht sehr viel beherrschte und seine Hände in seinem Leben kaum Arbeit verrichtet hatten.

      "Etwas anderes...?", fragte Rain und sah interessiert dabei zu, wie der Wolf einen Keks von dem großen Teller stahl und ihn sich selbst in den Mund steckte. Er musste lachen, über den Wolf der die Stimmung erfolgreich aufgelockert hatte und etwas zu lang an dem weichen Keks herum kaute, bevor er ihn endlich runter schluckte. "Das sind Kekse.", erklärte er und schob den Teller näher an Nayantai heran. Außerdem schenkte er ihm ebenfalls ein Glas Milch ein, mit dem die Kekse auch gleich viel besser schmeckten und schob auch das über den Tisch zu ihm hinüber. "Milch.", erklärte er auch dieses Wort und hierbei war er sich auch ziemlich sicher, dass der Wolf ebenfalls ein Wort dafür hatte. "Wenn sie dir schmecken, dann bedien dich ruhig!"
    • Zurück nach Hause - vielleicht auch zurück an das Meer, dort, wo seine Familie gar nicht war. Nayantai wollte nicht mehr, als Adrestia hinter sich zu lassen und sein Volk aus seinem Land zu verbannen, würde dafür das tun, was richtig war und sich die Hände weiterhin mit Blut beschmieren, bevor sie ihm entweder abfielen oder er jedes einzelne Schaf in seine Schranken gewiesen hatte. Wie lange er dafür wohl brauchen würde? Der Rest seines Lebens war nicht undenkbar, sondern noch eine relativ angenehme, undefinierte Zeitspanne, die er schließlich damit vergeuden konnte, weiterhin die Schafe zu terrorisieren, die ihm Stück für Stück alles nahmen, das er jemals besessen hatte. Was machte er hier noch? Die Zeit heilte doch alle Wunden, aber allem Anschein nach hatte er den seinen noch nicht genug gegeben - verlangten sie doch nach mehr, als dem, was er ihnen bieten konnte. Hier saß er, an einem viel zu großen Tisch, zerbrach sich den Kopf darüber, was er tun sollte und welche Erinnerungen auf ihn warteten, während er sich gleichzeitig nichts anmerken lassen wollte.

      "Mhm, etwas anderes", murrte er, der den Keks eigentlich nicht hätte essen sollen, oder zumindest doch das Gesicht verziehen hätte sollen, weil er sich jetzt mit einem ganz anderem Problem konfrontiert sah, welches Rain war, der glaubte, sie schmeckten ihm. Mehr als süß war es nicht, zumindest konnte der Wolf den Rest gar nicht herausschmecken und wurde sofort mit mehr als genug davon überhäuft, obwohl er auch stillschweigend sein fades Brot hätte essen können. Diese Suppe hatte er sich selbst eingebrockt. "Kekse ... und Milch. Und du tauchst die ... Kekse einfach in die Milch?", fragte er und sah zögerlich zu ihnen, bevor er sich noch einen nahm und ihn etwas befremdlich in das Glas eintauchte, zumindest für eine kurze Weile, und sich das mit Milch durchtränkte Gebäck in den Mund stopfte, bevor er es schließlich aß. Die Milch machte den penetranten, süßen Geschmack zumindest etwas besser - wenn er also etwas wollte, das auch nach etwas schmeckte, dann musste er ein paar Kekse essen. "Ich will dir aber nichts wegessen ..."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Der Wolf sah aus als als würden ihm die Kekse im Gegensatz zu allem anderen doch schmecken, zumindest nahm er sich noch einen und imitierte Rains Verhalten. Er nickte lächelnd, als der Wolf noch einmal fragend wiederholte, was Rain bisher mit den Keksen getan hatte und sah ihm dabei zu, wie er dasselbe tat und sich den Keks anschließend in den Mund steckte. "Mach dir keine Sorgen, es gibt genug davon. Und sollten sie uns ausgehen, dann freut sich Petra, die Köchin, bestimmt darüber etwas zu tun zu bekommen. Jedoch, wenn du zu Kräften kommen willst, dann solltest du dich nicht nur von Keksen ernähren und ich auch nicht. Aber zum Frühstück erlaube ich es uns... und zwischendurch, wenn du magst." Rain unterstrich seine Aussage, in dem er seine Hand ausstreckte und Nayantai in den dürren Oberarm zwickte, der früher bestimmt aus mehr Muskeln bestanden hatte. Vielleicht würde ihn auch die Trainingshalle interessieren, aber dazu war noch Zeit, wenn Nayantais Wunden erst einmal verheilt waren. Vielleicht fand er dort sogar eine Waffe, die ihm gefiel, Rain wollte ihn nicht mit leeren Händen fort schicken.

      Rain aß selbst noch zwei Kekse, dann hatte er auch schon wieder genug und kaute nun nur noch an einem Stück Weißbrot, das er eigentlich gar nicht wollte, sich aber dachte, es würde ihm gut tun, wenn er noch etwas anderes in den Magen bekäme. Er lehnte sich zurück und wartete eigentlich nur noch darauf, dass Nayantai auch satt war, bevor sie sich wirklich endlich daran machen konnten, Nayantai in seinen heiß geliebten Schnee zu befördern. Rain wollte sich auf dem Weg noch etwas zu Lesen besorgen, damit ihm nicht langweilig wurde. Im oberen Stockwerk zu arbeiten kam ihm nicht in den Sinn, er wollte den Wolf da draußen lieber im Auge behalten und vielleicht konnte er in der Zwischenzeit etwas über diese Zeichen an seiner Seite heraus finden, deren genaue Form ihm schon wieder entglitt. Er hätte sie gleich aufzeichnen sollen.
    • Vielleicht hätte er einfach aufhören sollen und fragen sollen, ob er nicht doch irgendeine Suppe hinunterwürgen konnte, oder aber weiter lustlos an seinem Brot herumzukauen und wenigstens zu versuchen, seinem Körper das zu geben, was er brauchte: Nahrung. Dennoch wollte er das Schaf nicht enttäuschen und entschied sich, das Geheimnis zwischen ihm, den Keksen und dem Glas Milch zu behalten, in den er noch einen tunkte, den er alsbald herunterwürgte. "Sich nur von diesen Dingern zu ernähern erscheint mit auch ... kontraproduktiv. Ich meine, sie sind ziemlich süß", gestand er dem Lamm. Wenn er es sich erlauben durfte, dann würde er es vermutlich auch weiterhin tun müssen, damit man ihm nicht auf die Schliche kam, was - wenn er ehrlich war - keine gute Idee war. "Ah!", sagte der Wolf überrascht, als man ihm in den Oberarm kniff - sein leicht säuerlicher Gesichtsausdruck galt Rain, den er - mit einem Keks zwischen den Lippen - anstarrte, wie ein Hund, dem man gerade eben sein Essen verweigert hatte. Ohne großartig auf sich warten zu lassen, kniff er Rain in die Wange. "Spielverderber", nuschelte er in seinen Keks hinein, den er alsbald auch schon auf aß und mit der Milch in seinem Glas herunterspülte. Was waren sie? Kinder, die es nicht erwarten konnten, von dem Tisch zu weichen und einander necken zu können.

      Er wusste, dass seine Narben und Wunden pulsierten, dass sein ganzer Körper sich in Aufruhr befand und sein Kopf dabei auch noch in eine ganz andere Richtung lenkte - er war ausgeruht, zum ersten Mal seit langem und auch darauf bedacht, seine Energie zu benutzen und nicht zu vergeuden. Nachdem er sich also den Rest seines Frühstücks - oder eher gesagt den Rest des Brotes - in den Mund gesteckt und gegessen hatte, klopfte er sich etwaigen Dreck von seiner Kleidung und stand auf. "Du meintest, ich kann nach draußen ... dafür brauche ich aber die Kleidung aus deinem Zimmer", murmelte der Wolf, der es nicht wagte, wirklich nach der Hand des Fürsten zu suchen, sondern nur beschämt dort stand, weil ihm der Gedanken an etwas Hitze nicht gefallen hatte. Vom Süden wollte er träumen, aber die Temperaturen wollte er nicht über sich ergehen lassen - was war bloß falsch mit ihm? "Willst du hier warten?" Wieso zierte er sich in der Nähe dieses Lammes auch, als wäre es die erste Person, die er jemals geliebt hatte? Verflucht nochmal.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain zuckte ein wenig zusammen als er plötzlich in die Wange gekniffen wurde. Gut, dass sonst niemand hier war, ansonsten hätte diese Handlung vermutlich schwerwiegende Folgen gehabt, obwohl es Rain gar nichts ausmachte und er sich im Gegenteil darüber freute, einfach 'normal' behandelt zu werden. Er rieb sich über die Stelle, als der Wolf wieder los ließ und versuchte gar nicht das unbekannte Wort zu wiederholen, dass der Wolf vor sich hin genuschelt hatte. Er lächelte nur entschuldigend und sah dem Wolf zu, wie er auch noch den Rest seiner Milch trank. Wenigstens schien er etwas gefunden zu haben, das dem Wolf schmeckte, auch wenn er vermutlich auch etwas anderes essen sollte, trotzdem war es erfreulich, dass beide irgendwie etwas in ihre Mägen bekommen hatten, die sonst nicht so viel Aufmerksamkeit zu bekommen schienen.

      "Du brauchst deine Kleidung doch? Hättest du das gleich gesagt, dann hätten wir sie mitnehmen können.", schmunzelte Rain, hatte aber im Grunde nichts dagegen. Er stand von seinem Stuhl auf und schüttelte den Kopf. "Wenn du alleine zu meinem Zimmer findest, dann würde ich gerne etwas für mich holen. Ein Buch, um genau zu sein. Wir treffen uns dann bei der großen Treppe vor dem Eingang. Hm... die Stufen." Rain kannte das Wort der Wölfe dafür nicht, wenn sie überhaupt eins hatte und es wäre ein Problem, wenn sie sich an zwei verschiedenen Orten treffen wollte, also machte er mit seinen Fingern eine Bewegung die dem Stufensteigen gleich kommen sollte. "Weißt du, was ich meine?", fragte er etwas hilflos, sonst würde er ihn halt einfach wieder bei seinem Zimmer abholen.
    • Hätte er das nicht tun sollen? Hätte er das Lamm einfach davonkommen lassen sollen, damit sie zumindest einmal nicht quitt gewesen wären? Nein, seinen Schabernack ließ sich der Wolf nicht nehmen, vor allem dann nicht, wenn er Rain auch noch die Zunge herausstrecken konnte, jetzt, da er seine Mahlzeit beendet hatte und nicht mehr herumsitzen musste. "Na ja, theoretisch nicht, aber dann friere ich schneller, als ich möchte ... ich glaube nicht, dass Fhaergus so warm sein wird", gestand er dem Lamm, streckte sich erneut, als ob er vorhin noch nicht alle Müdigkeit aus seinem Körper hatte verbannen können. Wie es draußen wohl war? Der Schnee fiel noch immer in dicken Flocken vom Himmel, bildete - zusammen mit den dicken Wolken und der weißgrauen Nebelwand - ein Bild, das dem Wolf nicht gänzlich unvertraut war. Wie weit er wohl gehen konnte? Vermutlich so weit, bis Rain ihn aus den Augen verlieren würde, weswegen er sich eher so fühlte, wie ein Hund, den man irgendwo anband. "Ich schätze, ich finde alleine hin ... nur ein Buch?", harkte er nach und sah dann wiederum zu dem Lamm. Ob er denn überhaupt mehr brauchte? So lange würde er nicht nach draußen gehen und vermutlich wollte sich Rain einfach nur nicht langweilen, wenn er den Wolf zum ersten Mal seit langem loswurde. "Mh, ich ... glaube, ich weiß, was du meinst. Aber wir haben kein Wort dafür", gab er zurück und erinnerte sich schemenhaft an die Treppe, die er hinauf gewandert war, als er hier angekommen war.

      Nayantai nickte, ohne, dass er auf eine Bestätigung wartete und verabschiedete sich - zumindest für diesen Moment - mit einem Fingerwink von dem Lamm, bevor er sich auch schon seinen Weg aus dem Speisesaal bahnte. Wie war das noch gleich? Seine Beine trugen ihn in die Richtung, aus der sie gekommen waren, vorbei an seinem eigenen Gemach und zurück zu dem, in dem er die letzten zwei Nächte verbracht hatte, weil er es allem Anschein nach nicht schaffte, alleine in einem trockenen Stück Gras zu erwachen. Kaum spähte er in das leere Zimmer und fand seine Kleidung nicht sofort wieder, schritt er zu der Kommode, in der er recht bald fündig wurde - dem nervigen Hemd entledigte er sich alsbald, war kurz davor, es sich vom Leibe zu reißen, nahm sich aber die wenigen Minuten, um es doch aufzuknöpfen und um in die aufwendige Montur zu schlüpfen, die ihm - wie erwartet - nicht mehr ganz passte. Nayantai murrte, zurrte sie fester um seinen Torso und entschied, dass das vorerst reichen musste. Seine Augen durchsuchten den Raum nach einem Buch und seine Pranken waren es, die nach einem griffen, das sich auf dem kleinen Tisch in der Mitte von Rains Zimmer befand. Nachdem er alles hatte - und nicht schmelzen wollte - verließ er den Raum wieder und eilte zu den Treppen.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain wurde vermutlich noch nie die Zunge heraus gestreckt und selbiges hatte er auch nie getan, einfach weil ihm so etwas verboten wurde. Als Kind hatte er nicht viele Freiheiten gehabt und jetzt hatte er diese auch nicht unbedingt, aber konnte sich zumindest ein wenig von dem nehmen, was er wollte und ließ seine Vertrauten ihm dabei nicht herein reden. Freiheit war etwas, das der Wolf wohl besser kannte als Rain, auch wenn er einige Zeit in Gefangenschaft verbracht hatte und sein Land von Rains König tyrannisiert wurde, so glaubte er trotzdem, dass der junge Wolf mit gewissen Freiheiten aufgewachsen war, die Rain immer verwehrt bleiben würden. Zumindest konnte er nach draußen, mit seinen Freunden herum tollen und sich auf dem Boden wälzen, das konnte Rain sich jetzt immer noch nicht erlauben, er konnte sich höchstens mit dem Wolf im Bett... was dachte er da eigentlich?

      Nachdem Nayantai den Raum verlassen hatte, verließ auch Rain ihn relativ zügig und schlug eine andere Richtung ein. Er nutzte die kurze Zeit um sich in die Bibliothek aufzumachen, auch wenn er nicht viel Zeit hatte nach einem bestimmten Buch zu suchen, das diese Runen auf Nayantais Seite beinhaltete, so hatte er zumindest eine Idee, welches Buch ihm helfen konnte und eben dieses schnappte er sich, nachdem er für ein paar Minuten in das Regal gestarrt und alle Einbände gescannt hatte. Mit dem Buch unter dem Arm lief er Sara über den Weg, die er gleich dazu einspannte, ihm noch ein paar andere Bücher heraus zu suchen und ihm nachher vorbei zu bringen. Nachdem sie erfragt hatte was Rain vor hatte, bestand sie darauf ihm aber zuerst einen Tee und eine Decke zu besorgen. Anschließend fand sich Rain auch schon an der großen Treppe ein, sah Nayantai schon dort warten und machte sich mit einem kurzen 'Hey' bemerkbar, bevor er auch schon die Stufen nach unten stapfte. "Nayantai? Ich weiß, dass du vermutlich gerne... oder, naja ich vermute du würdest gerne in den Wald, oder ein wenig in die Berge, aber... versprich mit, dass du innerhalb der Mauern bleibst, ja? Verstehst du mich? Geh nicht ganz nach draußen." Wachen standen am Eingang des Anwesens, die ihn sowieso nicht einfach durch das Tor marschieren lasen würden, aber die Mauer die das Anwesen umgab war nicht hoch genug, als dass Nayantai nicht einfach darüber klettern konnte, wenn er es wirklich wollte. Sie war mehr nur eine kleine Abgrenzung als ein wirkliches Hindernis, das jemanden draußen, oder drinnen halten sollte. Jedoch konnte er ihn nicht einfach in die Wildnis rennen lassen, selbst wenn er glaubte, dass er zurück kam. Das würde er nicht vernünftig erklären können. "Siehst du die Fensterbank da unten?", fragte er außerdem, während sie noch auf der Treppe waren. Links und rechts neben der großen Holztür fand sich jeweils ein großes Fenster mit einer hölzernen Bank direkt davor, auf der ein paar Polster lagen, Rain deutete in die Richtung. "Ich werde mich da hinsetzen und etwas lesen."
    • Was sich der Wolf alles im Antlitz eines Schafes erlaubte musste vermutlich komisch auf jeden anderen wirken, der glaubte, dass er nicht mehr als ein Wilder war, der Rain den Kopf verdrehte und sich ihm aufzwang, bis das Lamm sein Leben schlussendlich lassen würde und man ihn dafür verantwortlich machen durfte. Wieso hatte er sich eigentlich auch so beeilt? War er wirklich schon so erpicht darauf, den Schnee wieder zu spüren, dass es ihm egal war, dass er keine Handschuhe hatte und auch kein wirkliches Ziel, das es dort draußen zu verfolgen galt? Würde er noch ein Stück weniger Selbstbeherrschung besitzen, als er es ohnehin schon tat, so glaubte er, hätte er gar nicht erst auf den Adeligen gewartet, sondern wäre nach draußen gestürmt und vermutlich davon gerannt, bis er realisiert hätte, dass es eine gänzlich dumme Idee war. Rain machte sich knapp und leise bemerkbar, hatte aber sofort die volle Aufmerksamkeit des Wolfes, der ihn interessiert anstarrte und seinen Worten lauschte. "Mh, ja, ich renne dir nicht davon, keine Sorge", gab er etwas genervt wieder, obwohl er genau damit gerechnet hatte. Schnee würde er so oder so zwischen seine Finger bekommen, ob er nun weit rannte oder nicht, aber er würde dabei wohl beobachtet werden, mehr als nur von einem Paar Augen.

      Etwas verwirrt starrte der Wolf auf das Buch in seinen Händen und dann auf das, welches das Schaf hielt. Etwas beschämt war er doch, dass er missverstanden hatte und reichte Rain sein eigenes Buch, während er den Blick abwendete und sich am Hinterkopf kratzte. "Ich hab' dich wohl vorhin falsch verstanden", verkündete er und ließ allerdings nicht wirklich lange auf sich warten, wollte losrennen, aber da ertönte auch schon die Stimme des zierlichen Lammes erneut, der noch immer nicht fertig war, ihm irgendetwas zu sagen. "Ja, tue ich - was ist damit?", wollte er wissen und legte den Kopf schief. Eine Erklärung erhielt er gleich darauf - also würde Rain sich dort hinsetzen und ihm dabei zusehen, wie er sich selbst in die Kälte stürzte, die das Schaf nicht mochte - wie es aussah, blieb ihm nichts anderes übrig, als für beide von ihnen Spaß zu haben. "Mhm, wenn du mich brauchst ... ich bin ... da!", sagte er und deutete auf das Fenster, bevor er die Treppe hinunterstürmte. Was war heute bloß in ihn gefahren? Er wusste es nicht, aber wenn die beiden alleine gewesen wären, dann hätte er Rain vermutlich hochgehoben und wenigstens nach unten getragen, so schnell er konnte - wäre das nicht auch schön? Vermutlich so schön wie es war, als er seine Pratzen an der großen Tür hatte, die er ohne Rücksicht aufriss, bevor ihm der kalte Wind in sein Gesicht peitschte und er sie hinter sich schloss - es war wirklich so kalt wie in Thria.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ah... kein Problem. Trotzdem danke.", lächelte Rain als er ein Buch in die Hand gedrückt bekam und der Wolf so ungeduldig war, dass er Rain etwas patzige Antworten gab. Es störte ihn nicht wirklich und schließlich entließ er den Wolf in zumindest einen Teil der Freiheit und machte sich einfach weiter daran die Treppe nach unten zu steigen, während der Wolf schon die Tür aufriss. Für einen Moment verlor Rain den Wolf aus den Augen, machte sich aber nicht allzu große Sorgen und stapfte zu der Fensterbank hinüber, auf die er sich setzen wollte. Zuerst sah er nach draußen, sah Nayantai im Schnee stehen und hoffte, dass es so war, wie er es sich vorgestellt hatte. Die vielen dicken Schneeflocken verhedderten sich bereits in seinem Haar. Rain hingegen legte sich ein paar Polster zurecht und setzte sich schließlich hin, auch wenn das Fenster neben ihm und der Raum an sich recht kalt waren. Das Buch lag vorerst nur auf seinem Schoß, während er den Kopf hinten an das Holz lehnte und Nayantai einfach dabei zusah, wie er draußen Spaß hatte.

      Nach ein paar Minuten kam Sara schon vorbei, zwang Rain sich zu erheben, damit sie ihm eine dicke Decke unter das ohnehin mit Stoff überzogene Holz zu legen. Dann durfte er sich wieder hinsetzen, bekam noch eine dicke Decke über sich gelegt, so wie ein erhitztes Kissen mit irgendwelchen Kräutern darin auf den Schoß gelegt, damit ihm warm wurde. Sie trug noch ein kleines Tischchen heran, auf dem kurz darauf der heiße Tee serviert wurde. "Mach dir nicht so viele Sorgen...", lächelte Rain, griff für einen Moment nach Saras Handgelenk, damit diese sich kurz beruhigte. Sie sah ihn trotzdem besorgt an, lächelte dann aber ein wenig und zog ihre Hand anschließend zurück. "Ich suche jetzt nach den Büchern und ich habe ein paar Handschuhe heraus gesucht die passen könnten, sonst... könnte ich auch welche nähen?"
      "Nein schon gut, wenn du Zeit hast bring sie mir."
      "Und die Kleidung die ich nähen wollte..."
      "Es hat keine Eile."
      "Sonst noch etwas?"
      "Nein, danke. Mir geht's gut." Rain lächelte sie weiter an, während sie einen Knicks machte und hastig wieder verschwand. Manchmal fragte Rain sich, ob er ihr zu viel zumutete, aber andererseits ließ sie es sich auch nicht nehmen, all diese Dinge selbst zu erledigen, statt jemand anderen darum zu bitten. Rain nahm einen Schluck von seinem Tee, zog die Decke etwas enger um sich und schlug endlich das Buch auf. Abwechselnd blätterte er durch die Seiten, während er dann wieder ein paar Minuten aufsah um zu sehen, was Nayantai machte.
    • Vermutlich hätte er nicht so hastig oder gar gierig reagieren sollen, sondern sich Zeit lassen dürfen und für einen Moment überlegen sollen, was genau es war, das er wollte - jetzt war es allerdings zu spät dafür, fand er sich doch im endlosen Schnee wieder, der ihn zwar wieder mit der Außenwelt verband, allerdings durch eine schwere Mauer abgegrenzt worden war. Irgendwo, so glaubte der Wolf, sollte er eigentlich gar nicht hier sein und sich einfach so von Rain Dinge befehlen lassen, aber andererseits störte es ihn nicht, sah er doch lieber für den Moment den Schneeflocken zu, wie sie unverwandt durch den immer gleichen Himmel tänzelten und schlussendlich zu Boden fielen. Unter seinen Schuhen knarzte der Schnee, während sich die dicken Flocken in seinen Haaren verfingen und sein warmer Atem als Rauchwolken emporstieg. Nayantai wusste, dass er all das hier so lange schon nicht mehr genießen konnte, dass sein Weg im Schnee hierher ein beschwerlicher gewesen war, und dass er nichts lieber täte, als ... Ohne großartig zu überlegen, ließ er sich wie ein Brett nach vorne in den immer tiefer werdenden Schnee fallen, drückte sich, nachdem er ihn berührt hatte, allerdings gleich wieder nach oben und stand wieder auf.

      Sonderbar musste es sein, wenn man einen Wolf dabei beobachtete, der einfach kurzerhand durch den Schnee tollte, nur, um sich sporadisch immer wieder fallen zu lassen und den Moment, der gerade ihm allein gehörte, mehr als nur genoss. Rain hingegen saß dort, am Fenster, und Nayantai wusste nicht, was er mit ihm anstellen konnte, außer ihm kurz zu zu winken und sich dann wieder darauf zu konzentrieren, dass die Kälte seinen Körper noch nicht genug zerfressen hatte, als dass er wieder nach drinnen wollte. Was konnte er auch anstellen? Plötzlich kam ihm eine dumme Idee - etwas, das er seit Ewigkeiten nicht mehr getan hatte. Nayantai wusste allerdings auch nicht, ob sein Körper sein eigenes Gewicht halten würde, versuchte es aber dennoch, griff in den noch weichen Schnee und verlagerte sein Gewicht, versuchte, einen Handstand zu machen, und fiel bei dem Versuch einfach um. Trotzdem war er noch nicht fertig damit, sich auszutoben, lachte und versuchte es immer und immer wieder, bis er es - irgendwann - doch geschafft hatte und seine Haare erneut in den Schnee unter sich tauchte. Egal, das war nicht wichtig - was wichtig war, war, dass er es schaffte auf seinen Händen zu balancieren und vermutlich auch noch genug Ausdauer hatte, um etwas in dieser Position zu verbleiben. Rain musste vermutlich denken, er hatte eine Schraube locker.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain lächelte den Wolf vom Fenster aus an, als dieser ihn für einen Moment ansah, widmete sich aber lieber seinem Buch, weil er dem Wolf nicht das Gefühl geben wollte, dass er ihn beobachtete, oder dass er ihm nicht vertraute. In Wahrheit machte es ihm einfach Spaß, ihn zu sehen, wie er sich wie ein Kind verhielt, durch den Schnee tollte und sich vielleicht sogar ein wenig zu sehr hineinsteigerte. Nicht nur einmal hatte Rain Sorge, dass die Naht an Nayantais Seite wieder aufplatzte, wenn er sich so in den Schnee fallen ließ, oder dass er krank wurde, wenn er so völlig durchnässt da draußen blieb. Aber ein Wolf wusste wohl am Besten, ob die Kälte ihm etwas anhaben konnte, oder nicht und Nayantai hatte viel zu viel Spaß, als dass Rain ihn aufgehalten hätte. Er hatte tatsächlich für sie beide Spaß, weil Rain sich einfach freute Nayantai so glücklich und unbeschwert zu sehen, dabei war es gar nicht wichtig, dass er selbst nicht da nach draußen konnte.

      Rain beschäftigte sich also weniger mit dem Buch als er vorgehabt hatte, sah nur auf die Seiten, wenn er Angst hatte Nayantai könnte entdecken, dass er ihn beobachtete, aber abgesehen davon fand er sowieso nicht was er suchte, hatte alle Seiten durchgeblättert und nichts gefunden, das so aussah wie die Zeichen auf Nayantais Seite in seiner Erinnerung. Sara kam irgendwann mit noch ein paar mehr Büchern, die Rain auch durchsuchte, solange Rain draußen herum tollte. Der Tee war bald leer und gedankenverloren naschte Rain noch ein paar mehr Kekse, die Sara ihm ebenfalls gebracht hatte. Vielleicht war es ja gar nicht wichtig zu ergründen, was es mit diesen Runen auf sich hatte, offenbar ging es dem Wolf gerade ganz gut und schlafende Hunde sollte man bekanntlich nicht wecken... Rain hatte das Gefühl, dass er die Wahrheit vielleicht gar nicht so genau wissen wollte.
    • Irgendwann gab der Wolf auf, ließ sich in den Schnee fallen und blieb dort liegen, zumindest eine ganze Weile lang, starrte auf den unkenntlichen Himmel, der hinter einer weichen Wolkendecke verschwunden war. Was, wenn seine Götter all das hier wollten und von oben herab auf ihn niederlachten? War es der kalte Schnee, der sich früher oder später in seine Kleidung festsetzen würde, an seine warme Haut herankriechen würde, vor dem er Angst haben sollte, oder war es die Welt selbst, die ihm Sorgen bereitete? Nach was verlangte er? Wonach schrie sein Kopf und was blendete seine Augen, das sein Körper nicht wahrnehmen wollte? Kleine Rauchwolken stiegen von seinem Mund empor, während der Frost sich in ihn hinein fraß und sich eine rote angelaufene Hand im Schnee vergrub, ihn zusammendrückte und ein Oval formte - es gab hier Niemanden, den er mit diesem Ding bewerfen konnte und er konnte ihn schlecht an das Fenster werfen, hinter dem sich Rain versteckte. Ein unauffälliger Blick nach hinten, als er sich endlich wieder aufrichtete und den Schnee abklopfte, verriet ihm, dass der Adelige auch ohne den hitzköpfigen Wolf auskam, der wohl lieber Räder geschlagen hätte, als nur etwas durch die Gegend zu rennen.

      So lange war er gar nicht herum gerannt, oder hatte sich angestrengt - natürlich war er eine ganze Weile schon hier draußen, umgeben von seiner geliebten Kälte und seinem Schnee, aber was dann? Langsam aber sicher ging Nayantai die Luft aus und er ließ sich zurück in den Schnee fallen, blieb dort sitzen und starrte die hohe Mauer an, die sich vor ihm auftürmte, aber nicht unüberwindbar wäre. In Thria gab es solche Konstrukte nicht, gleich wenig, wie es Steinhäuser gab - aber hier, im Garten des Lammes, existierte eine Abgrenzung zu der Welt da draußen und so lange er hier war, so glaubte er, konnte ihm absolut nichts etwas anhaben. All das Blut war außerhalb dieser Mauern, dieser eigenen Welt, vergossen worden und all der Schmerz sollte auch wieder dorthin verschwinden. Aber an Rains Seite, wovor sollte er Angst haben? Wieder fing er an, irgendwas aus dem Schnee zu formen, der sich unter seinen kälter werdenden Fingern verbog - danach fing er an, im Schnee nach einem Stock zu suchen, den er in zwei Brach und dem beinahe schon winzigem Konstrukt zwei Arme zu schenken. Irgendwie belustigte es ihn tatsächlich, einen Schneemann zu bauen, auch, wenn er für die Augen und den Mund nach Steinen suchen müsste, die - wenn überhaupt - unter all dem Schnee waren. Wollte er sich das wirklich antun?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Immer mal wieder lugte Rain nach draußen, beobachtete den Wolf wie er einfach in dem eisig kalten Schnee lag, der Rain wohl binnen Sekunden umgebracht hätte. Es konnte nicht nur an der speziellen Kleidung der Wölfe liegen, die Wölfe selbst waren es, die so resistent gegen die Kälte geworden waren. Was wollte der König mit einem Land, das selbst für ein gesundes Schaf viel zu kalt war? Nichts, eigentlich, denn nicht einmal das Land das er schon erobert hatte nahm er sich selbst, sondern schenkte es einem Fürsten, damit dieser zufrieden war und noch mehr Soldaten nach Thria schickte. Eine Entscheidung des Königs die in Rains Augen ungewohnt kalkuliert war und die den Krieg andauern ließ, der nur darauf aus war die Wölfe zu vernichten. Warum? Warum war dem König dies eigentlich so wichtig? Rain fragte sich, ob er das heraus finden konnte, wenn er nur wusste was genau er mit Nayantai gemacht hatte, warum die Wunde an seiner Seite umringt war von seltsamen Zeichen, die Rain immer noch nicht zuordnen konnte. Vielleicht sollte er einen Priester danach fragen...

      Rain schnappte sich ein anderes Buch von dem Stapel, durchsuchte es flüchtig, dann ein weiteres und ein weiteres. Zwischendurch blickte er immer mal wieder aus dem Fenster, sah sich den Wolf an, der eine Weile lang auf die Mauer starrte und hoffentlich nicht auf dumme Gedanken kann. Als er das nächste Mal nach draußen sah, fand sich ein kleines Männchen im Schnee, mit zwei dürren Ärmchen, aber sonst nichts. Rain fand es sollte einen Schal bekommen, aber... Nayantai würde sich wohl nicht ewig mit dem Ding beschäftigen, das nun wie ein kleiner Soldat vor Rains Haus stand und aufpasste. Er stellte sich eine ganze Armee davon vor und die Augen seiner Wachen, wenn sie es entdecken würden. Eine Invasion von Schneemännern, dann bekamen sie endlich etwas zu tun. Ob sie gegen die kalten Figuren ankommen würden? Es war lange her, dass Rain so kindliche Gedanken hatte und völlig in einer Fantasie versank, während er aus dem Fenster sah.
    • Die Kälte war eine nötige Abwechslung für den Wolf, der die Wärme, die die immer kalten Schafe verbreiten wollten, nicht länger spüren konnte - lieber war es ihm, er blutete selbst in den unbefleckten Schnee und verlor das Gefühl in seinen Gliedmaßen, während er zurück nach Hause taumelte, während er nicht mehr als einen Tunnelblick und einen gesenkten Kopf hatte, weil jede Berührung schmerzte und jeder Pfeil, der sich noch in seinem Rücken vergraben hatte, darin steckengeblieben war. Schreien hätte er können, aber er blieb ruhig, bis auf das ein oder andere Gelächter, während er dem einsamen Schneemann einen kleinen Freund baute, dem er ebenfalls zwei dünne Arme gab, nachdem er noch einen Stock gefunden hatte. Gesichtslose Fremde, mehr waren die zwei Figuren, die augenscheinlich die Stockhand des Anderen hielten, nicht - und doch wollte er sie nicht so zurücklassen. Nach Steinen wurde er auch dann nicht fündig, als er seine Hände tief im Schnee vergrub und den gefrorenen Boden unter seinen tauben Fingerspitzen fühlte, weswegen er nach einem weiteren Stock suchte, den er in kleinere Stücke zerriss, damit er den winzigen Gestalten beide einen Mund und zwei Augen geben konnte.

      Keiner von ihnen war einsam - sie teilten sich ihr eiskaltes Leid in dieser Welt, die sie dahinraffen würde, sobald die Temperaturen wieder anstiegen und doch war es nicht schlecht, wenn sie zumindest für diese Zeit einander hatten, gleich wie der Wolf sein Schaf hatte, das ihn immer wieder einen Blick zuwerfen zu schien. Gedankenverloren griff er nach dem Schnee, drückte ihn in seiner Faust zusammen und entschied sich dann, als er die Hand in seinem Ärmel versteckte, dass er lange genug an der frischen Luft gewesen war. Nayantai schritt auf die schwere Eingangstür zu, klopfe sich die Flocken vom Leib und trat danach so schnell ein, wie er konnte, um die kalte Luft wieder auszusperren und selbst dort stehen zu bleiben, wo er war, nur, damit er Rain einen fragenden Blick zuwerfen konnte. Vielleicht wäre ein warmes Bad gerade jetzt angenehm. "Rain", sagte der Wolf beinahe schon belustigt, der wohl eher einem nassen Hund glich, als einer wilden Bestie.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain sah dabei zu wie der Wolf einen zweiten Schneemann baute, den er zu dem anderen Stellte, wie er nach Material für seine Skulpturen suchte und ihnen zwei Gesichter zauberte und einander die kleinen Stockärmchen berühren ließ. Rain gefiel das Ergebnis und die Freude die der Wolf dabei hatte ein wenig Schnee zu formen und kreativ zu sein. Der Wolf musste die Kälte und den Schnee tatsächlich sehr vermisst haben, freute er sich jetzt doch so ungemein darüber. Er hatte wohl Glück ausgerechnet in Fhaergus zu landen, woe die Kälte zumindest im Winter der Thrias zu gleichen schien, wo es Schnee gab und alles weiß war. Rain hoffte, dass es Nayantais Heimweh ein wenig linderte und ihn nicht im Gegenteil dazu veranlasste hier noch unglücklicher zu werden, so lange er hier ausharren musste.

      Schließlich entschied sich der Wolf wohl doch wieder nach drinnen zu kommen, hatte genug von der Kälte und kam zur Tür zurück. Rain legte sein Buch zur Seite, schlug die Decke zurück und stand mit einer frischen und heißen Tasse Tee auf. Er wusste nicht, ob der Wolf die Kälte vielleicht lieber mit hier herein nahm, oder ob er sich doch aufwärmen wollte, weswegen Rain ihn einfach bei der Tür begrüßte, schon seinen Namen hörte und ihm den Tee anbot. "Willst du dich ein wenig aufwärmen?", fragte er und streckte eine Hand vorsichtig nach der Kleidung des Wolfes aus, die nicht nur kalt, sondern auch feucht war, nicht einmal alle Schneeflocken waren noch geschmolzen, die sich auf Nayantais Kleidung und seinen Haaren befand. "Und dich umziehen vielleicht? Ich weiß nicht, ob Wölfe sich erkälten können..."
    • Fhaergus war so anders als die Hauptstadt eines verlorenen Königs, der sich selbst nicht einmal erkennen würde, stünde er sich gegenüber. Der Wolf wusste sich nicht zu helfen, hatte er doch genug kalte Luft inhaliert, die ihm viel zu schnell den Atem geraubt hatte, so anders, als es war, wenn er Zuhause war - außer Form war er, so redete er sich das zumindest ein, ansonsten hätte er auch mehr aus seinen missglückten Versuchen, einen Handstand zu machen, holen können und vielleicht sogar länger sein Gewicht verlagern können. Ob es die vielen Wunden, deren Schmerz nun kaum bemerkbar spürbar war, waren? Oder lag es wirklich daran, dass er das Jahr, das er in Gefangenschaft verbracht hatte, nicht dazu nutzen konnte um das zu tun, wonach ihm der Sinn stand? Was wusste er schon? Vermutlich hatte man ihn einfach fest verschnürt und herumliegen lassen, bis der grimmige Blick von seinen Zügen gewichen war und der König glaubte, der wilde Wolf war ein verängstigter Hund und würde ihm nicht in die Hand beißen, sobald er ihn berührte.

      Die Wärme, die ihm entgegen schlug und ihn einhüllte empfand er dennoch als schlimmer, wollte sich eigentlich augenblicklich umdrehen und doch nochmals in den Schnee stürzen, aber ein Lamm kam seinen sonst so flinken Beinen zuvor. Mit einer Tasse Tee. Seine Hand wanderte behutsam zu der Tasse, die ihm hingehalten wurde, die in Relation zu seiner Hand komisch klein aussah - er musste ein Lachen herunterschlucken. "Ja, danke", sprach er und griff danach, blies auf das warme Gebräu und nippte kurz daran, bevor er sich sicher war, er würde sich die Zunge nicht verbrennen, wenn er sich den Tee in den Rachen kippte. Nun hatte er gar keine freie Hand mehr, weswegen er kurz wanderte und die Tasse wieder dort abstellte, woher Rain sie gebracht hat. "Umziehen? Ich ... ja, aber du musst mitkommen. Ich muss dir was zeigen", flehte er gerade ein Schaf an? Ja, ja das tat er.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Der Wolf nahm Rain die Tasse ab, ging sicher, dass er sich nicht verbrühte und trank davon. Rain folgte ihm mit seinem Blick, als Nayantai zu der Fensterbank ging und die Tasse dort abstellte, wo Rain sie her genommen hatte. Anschließend erntete der Wolf einen fragenden Blick und ein anschließendes Lächeln. "Ich soll... mir was zeigen...?", fragte er etwas verwirrt. Wieso sollte Rain denn dabei sein, wenn der Wolf sich etwas trockenes anzog und was konnte er ihm schon zeigen, jetzt wo er wieder hier drinnen war? Rain würde es wohl nur heraus finden, wenn er zustimmte. "Okay. Ich komme mit.", bestätigte er lächelnd und würde dem Wolf wohl zurück in eines der Zimmer folgen, je nachdem ob Nayantai die Kleidung von vorhin in Rains Zimmer gelassen hatte und nichts frisches wollte.

      "Willst du ein heißes Bad nehmen?", fragte er außerdem, da es immer eine Weile dauerte, bis alles bereit war. Wenn der Wolf sich also im warmen Wasser aufwärmen wollte, nachdem er im Schnee gespielt hatte, dann sagte er es besser gleich, damit er nicht so lange warten musste. Die Bücher die Rain nicht wirklich weiter gebracht hatten, ließ er einfach hier unten liegen, vielleicht würde er später noch einen Blick hinein werfen, aber erst einmal war er selbst ein wenig neugierig, was Nayantai eigentlich wollte. "Du sahst übrigens so aus, als hättest du Spaß gehabt. Wer ist nun der Welpe von uns beiden?", schmunzelte Rain, nachdem er sich noch einmal den Wolf ansah, der überall mit Schnee bedeckt war, der nun auf den Boden tropfte und deutlich zeigte, welchen Weg der Wolf seit er zur Tür hinein gekommen war, gegangen ist.
    • "Du musst dir auf alle Fälle etwas ansehen", sprach der Wolf überzeugt, als hätte er etwas entdeckt, das er nicht so offen herzeigen konnte, wie er es sonst immer tat. Seine freie Hand wanderte zu dem Band, das sich um seinen Torso legte und fing an, es zu öffnen, weil er damit schneller aus der durchtränkten Kleidung entkommen würde. Vorerst waren es dennoch andere Dinge, denen sich der Wolf widmen musste und ehrlich gesagt war er sich nicht sicher, ob er den Schnee überhaupt soweit ins Haus zerren durfte. "Danke ...", murmelte er nur und machte sich auf den Weg zu der Treppe, die er vorhin noch in Windeseile nach unten gerannt war, damit er diesem Gebäude endlich entkam und sich die kalte Luft einverleiben konnte. Schwere Schritte waren es also, die ihn eine Treppe hinauf trugen, bevor er sich gezwungen sah, stehen zu bleiben und wieder zu Rain zu sehen. "... Wenn ich keine Umstände bereite dann ja, eigentlich gerne", bemerkte er beschämt und kratzte sich am Hinterkopf, während der Schneeball in seiner Hand anfing, langsam zu schmelzen.

      Seine Kleidung hatte er in Rain's Zimmer liegen gelassen - dorthin sollte er sich auch bewegen, wenn er sich zumindest umziehen wollte, damit ihm wärmer wurde, bevor er sich dann doch wieder ausziehen würde, damit er sich waschen konnte und sich dann wieder anziehen konnte. Irgendwie schien heute alles besonders umständlich zu sein, aber so lange er aufgrund der Wärme nicht zerging, war alles egal. Nayantai stieg die Stufen weiter hinauf, wartete auch dieses Mal wieder nicht auf Rain, bis er zirka in der Mitte stehenblieb und nach unten blickte und verwundert zu dem Lamm sah. "Welpe? Noch immer du", bemerkte er und streckte dem Adeligen erneut die Zunge heraus. So, wie er sich im Moment benahm, müsste er sich eigentlich eingestehen, dass er der Welpe war. "Wobei, das sind wir beide."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain wusste nicht was er sich eigentlich ansehen sollte und warum der Wolf so erpicht darauf war, aber er war auch neugierig und hatte jedenfalls nichts dagegen. Er folgte dem Wolf also die Treppe nach oben, die ihn nach einer Woche Bettlägerigkeit etwas mehr anstrengte als sie sollte, weswegen der Wolf auch einen kleinen Vorsprung aufbaute. Rain war immer noch dabei sich zu erholen, wobei er noch nie so viel Energie wie der Wolf besessen hatte. Wenn er dies als Kind heraus gefordert hatte, dann wurde er dafür meistens bestraft, von seinem eigenen Körper, der sich entschied, nicht mehr atmen zu wollen, oder das Herz so schnell schlagen ließ, dass Rain schwarz vor Augen wurde. So schlimm war es jetzt zum Glück nicht, dem Wolf hinterher zu rennen wollte er aber nicht riskieren, stapfte lieber gemütlich hinter ihm her und schüttelte den Kopf, als er erneut seine Zunge zu sehen bekam. Er fühlte sich eigentlich nicht wie ein Welpe, sondern eher wie ein altes Schaf, das selbst für die Schlachtbank nichts mehr taugte.

      Der Weg zu Rains Zimmer war schnell zurück gelegt und Rain folgte dem Wolf hinein, schloss hinter sich die Tür, aber würde es nicht mehr wagen den Schlüssel zu drehen, der nicht mehr auf dem Boden lag. Jemand hatte aufgeräumt und auch das Tablett von gestern mitgenommen. Rain betätigte eine der Schnüre bei seinem Bett, damit Nayantai schnell ein warmes Bad genießen konnte, ihm selbst tat eines vielleicht auch gut, aber das würde er wohl auf den Abend verlegen. Während Nayantai sich wusch, konnte er selbst vielleicht noch einmal zurück in die Bibliothek. Aber zuerst... "Also, was wolltest du mir zeigen?", fragte Rain schmunzeln, es schien wichtig, aber musste unter vier Augen geschehen? Wirklich sehr mysteriös...