spellbound. (earinor & akira)

    • "Mhm", den Wolf freute es auch - das bedeutete, er könnte eventuell nach draußen gehen, wie ein Kind im Schnee herumtollen und versuchen, jede einzelne Schneeflocke zu fangen, die er eventuell von einem Baum schütteln konnte. Es würde schön sein, wäre er erst wieder dort draußen und konnte sich austoben, das aufholen, das er im Kerker missen musste - die altbekannte Kälte würde sich wieder in ihm festsetzen, würde vermutlich noch mehr Erinnerungen in ihm wachrütteln, als die, die ohnehin schon lose in seinem Kopf umherschwirrten. Was wollte er da draußen tun? Darauf hoffen, dass ihm etwas einfiel, das ihn motivierte, nicht den ganzen Tag faul herumzuliegen und ein einziges Buch zu lesen, das er entziffern musste, weil der Autor nicht mehr als ein unwissendes Schaf war? Ehrlich gesagt wusste es der Wolf nicht, konzentrierte sich aber im Moment auch lieber auf Rain, anstatt darauf, was ihm später bespaßen sollte - wenn der Schnee selbst nicht genug war, dann konnte er noch immer versuchen, einen Schneemann zu bauen, oder sich in den Schneemassen zu vergraben, die sich vor den schweren Türen eines dunklen Steinhauses aufbauten.

      Konnten sie einander helfen, eine Stütze sein, oder waren sie dazu verdammt, nebeneinander her zu existieren, bis sich ihre Wege wieder trennten und die Erinnerungen an Momente wie diese nicht mehr sein würden, als eben das? Hatte er Verlustängste, weil er sowieso nichts mehr hatte, oder hing er wirklich an dem Schaf, das nicht mehr tat, als nett zu ihm zu sein? Nayantai glaubte nicht, dass er sich viel auf die Beziehung einbilden sollte, die er hier hatte, aber das Gefühl, dass es mehr als nichts war, war durchaus präsent - würde Rain ihm nur dabei helfen wollen, seine Wunden zu lecken, dann würde er ihn nicht so nahe an sich heranlassen - und würde er wirklich alle Schafe hassen, dann hätte er den Fürsten schon längst in der Luft zerrissen. "Wachst du oft auf?", wollte er wissen, hatte er doch kaum bis gar nichts von Rains Eskapaden in der letzten Nacht mitbekommen. Sein Schlaf war noch nie sonderlich tief gewesen, ob sich auch das geändert hatte, seitdem er hier war? Oder entschied er sich einfach unterbewusst dazu, das Lamm zu ignorieren? "Wenn es nicht meine Schuld ist, dann beruhigt mich das zumindest ... etwas." Woran konnte es sonst liegen? Daran, dass seine Tage gezählt waren und dass das Schaf sich lediglich an den dünnen Faden klammerte, der drohte, zu reißen? Oder ging es Rain gleich wie ihm?

      Nayantai schüttelte den Kopf - wenn Rain darüber reden wollte, dann würde er es tun - selbst dann, wenn der Wolf nicht verstand. "Auf mir? Ich ... es stört mich nicht, also ja, gerne", bemerkte er verwundert und glaubte, dass seine eigenen Wangen gerade eben um ein paar Grad wärmer geworden waren. Der Prinz der Wölfe verkehrte mit einem adeligen Lamm, dessen beider Tage gezählt waren ... und dann war es auch noch er, der sich peinlich berührt fühlte, weil man ihn als Kissen missbrauchte, obwohl es doch auch ausgerechnet er war, der seine Pranken nicht von Rain lassen konnte. "Hast du zumindest etwas geträumt?" Wieso löcherte er Rain auch nur mit Fragen? Eher sah er so aus, als wollte er den Moment genießen und keinem verzweifelten Hund dabei beobachten, wie er sich wieder mehr auf die Situation einbildete, als es eigentlich zu sehen gab. Ob er aufhören sollte, das Lamm zu streicheln? Nein. Das würde er sich nicht nehmen lassen.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Ob ich...? Mhm... ja.", antwortete das Lamm ehrlich, fragte sich, warum der Wolf das wissen wollte. Vielleicht suchte er auch nur eine Bestätigung, dass es wirklich nicht an ihm gelegen hatte, dass Rain schlecht geschlafen hatte. Das tat es nicht und das Erwachen heute war angenehmer gewesen, als die meisten frühen Morgenstunden die Rain in seinem Leben erlebt hatte. Oft schlug er die Augen auf, nur um zu merken, dass er keine Luft bekam, zu Husten und sich im Bett zu krümmen, damit das Gefühl aufhörte, oder er wachte auf, nur um zu merken, dass ihm eiskalt war und er mal weider Fieber bekommen hatte. An anderen Tagen war es einfach nur sein gesamter Körper der schmerzte, seine Finger und Zehen die eiskalt waren und steif, so steif, dass er Angst hatte, sie irgendwann gar nicht mehr bewegen zu können. Heute jedoch war es die Wärme des Wolfes gewesen, die sanfte Berührung auf seinem Kopf und das sanfte Zupfen an seinem Haar, wenn der Wolf einen Knoten löste, während er mit den Fingern hindurch fuhr. Nicht das Geräusch von Rains Lunge, die klang als wollte sie bald aufgeben war was er gehört hatte, sondern ein kräftiges Herz, auch wenn es nicht sein eigenes gewesen war.

      Rain war froh, dass es ihm erlaubt wurde weiter auf der breiten Brust zu liegen, dem beruhigenden Herzschlag zuzuhören und noch ein wenig zu entspannen. Die Fragen störten ihn dabei weniger als gedacht, er hatte eigentlich nichts zu verbergen und womöglich tat es gut, sich dem Wolf auch ein wenig zu öffnen, nachdem Nayantai selbst schon sein Herz vor Rain ausgebreitet hatte. Rains Probleme waren zwar nicht zu vergleichen, mit dem was Nayantai durchgemacht hatte, aber er hatte auch sein Kreuz zu tragen.
      "Ich habe eigentlich nur einen Traum... ein dunkles Meer, in dem ich langsam ertrinke... ich weiß nicht wo oben und wo unten ist und ich... bin allein...", Rain seufzte ein wenig, brachte das alles nüchterner über die Lippen, als er gedacht hatte, wirkte nicht so, als beunruhigte es ihn, obwohl es so war. "Ich wache auf weil... so stelle ich mir den Tod vor und ich... ich will noch nicht sterben. ich will nicht alleine sein... ich will nicht einfach... verschwinden. Ich habe Angst, dass wenn ich mich zu lange dort aufhalte, ich tatsächlich nicht mehr aufwache..." Wieso erzählte Rain das eigentlich gerade? Der Wolf hatte nicht danach gefragt und doch, als er den Gedanken ausgesprochen hatte, sprudelte auch der Rest einfach so hinterher. Rain schüttelte leicht den Kopf, drückte sich weiterhin an den Wolf. "Ich hatte gehofft ich träume vom Süden... vielleicht das nächste Mal..."
    • Was er wohl für Rain übrig haben sollte, wenn sie beide sich unter anderen Umständen begegnet wären? Vielleicht wäre das schwache Lamm in einem anderen Leben ein ganz normaler Fürst gewesen, der seine Beschwerden nicht teilte, der mit seinem Vater in die Schlacht zog und sich der Schafe entledigte, damit Adrestia ein großes Land sein konnte, das sich nicht weiterhin mit Thria um Kleinigkeiten streiten musste, die ohnehin keinen interessierten. Wie viele Pfeile und Schwerter es wohl wären, die der Blonde schon in den widerspenstigen Körpern der Wölfe versenkte hatte, nur, damit sie zu Boden gingen, sich dort krümmen würden und dann langsam ausbluteten? Zu viele von ihnen hätte das Lamm auf dem Gewissen und zu wenige Schafe wären es, die der Wolf unter ihm im Gegenzug umgebracht hätte. Was interessierten ihn Eventualitäten und Wahrscheinlichkeiten überhaupt? Sie beide lagen hier, brauchte nicht mehr als einander und verstanden sich blendend - ein anderes Szenario in sich aufzunehmen fühlte sich falsch an, beinahe so, als würde Nayantai es nicht wagen, seine brodelnden Gefühle am Schopf zu packen und ihnen in die unkenntlichen Augen zu sehen, damit er realisierte, was für ein Krieg es war, der in seinem Inneren herrschte. Ein Schaf zu lieben - auch, wenn er kein Problem damit hatte, sich das Bett mit einem Mann zu teilen - würde das nicht bedeuten, er gab einen Teil von sich selbst auf, nur, damit er die Zweisamkeit genießen konnte?

      "Ein ... Meer?", harkte der Wolf nach - das Meer war in seinen Träumen auch präsent, aber selten bekam er es zu Gesicht. Wenn er es tat, dann wurde er unter die Oberfläche gezogen und von den Geistern in seinem Kopf ertränkt, die sich nichts mehr wünschten, als den Tod eines schlechten Verlierers, der sie alle verraten hatte, weil er mit einem Schaf und nun einem Lamm verkehrte. "Aber hier ... und jetzt bist du nicht allein. Auch wenn ich nicht weiß, ob dich das überhaupt glücklich stimmt - immerhin bin ich auch nur ein Wolf", murrte der Wolf wiederum, dessen Hand nach unten wanderte und dem Lamm über den Nacken und dann den bekleideten Rücken strich. Wie konnte Rain auch in solcher Kleidung schlafen? Nayantai wollte sie tagsüber schon nicht tragen, aber vermutlich würde Rain selbst dann kalt werden, wenn er sich - ohne sein Hemd - an den Wolf pressen würde. "In deinen Träumen ... kann ich dir nicht helfen aber, wenn es dich aufmuntert, ich war auch nicht im Süden - ich war irgendwo in Thria", dort, wo die Flammen seinen Körper nicht verschlucken wollten und keine Made die Güte dazu besaß, sich von ihm und seinem verdorbenem Fleisch zu ernähren. Vermutlich vermittelte ihm sein Verstand, dass es noch nicht Zeit war, diese Welt hinter sich zu lassen. "Wir sollten beide davon träumen. Zusammen."
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    • Rain hatte oft das Gefühl er konnte das Wasser in seinen Lungen fühlen, die die Luft verdrängten, wie nichts weiter in Rain hinein passte, als das dunkle Wasser und wenn er es los werden wollte, dann mischte es sich nur mit der Flüssigkeit, die ihn ohnehin schon umgab, die ihn zu verschlucken versuchte, die kalt war, überall an seinem Körper brannte, außen wie innen. Jedwedes Geräusch wurde verschluckt, keine Stimme wurde über das Wasser hinweg getragen und das waren meistens die Momente, in denen Rain aufwachte, nach Luft schnappte und merkte, dass er noch lebte. Aber war das überhaupt ein Leben? Eingesperrt, versteckt von der Welt und alleine? Wieso klammerte er sich an ein Leben, das nichts für ihn bereit hielt? Was hatte er davon Fhaergus eines Tages zu führen? Oder lebte er gar nur noch, weil er dem Wolf hatte begegnen sollen, weil er ihm hatte helfen sollen? War das sein Schicksal? Hatte er deshalb so viel länger gelebt, als prognostiziert wurde?

      "Ein Meer... endlos viel Wasser...", murmelte Rain, der nicht sicher war, ob Nayantai gerade nach der Bedeutung des Wortes gefragt hatte, er war sich aber auch nicht sicher, ob er ihm je das Wort Wasser näher gebracht hatte. Dann jedoch sah er auf, schielte nach oben in das Gesicht des Wolfes. Er hatte recht, jetzt war Rain nicht alleine. "Ich bin glücklich.", gab Rain zu verstehen, klang schon fast als würde er widersprechen, als ob der Wolf das Gegenteil behaupten wollte. "Wolf hin oder her..." Rain stieß die Luft aus seinen Lungen, als die Hand des Wolfes über seinen Nacken strich, ihm einen Schauer durch den Körper jagte und eine Gänsehaut zurück ließ, nur um auch an seinem Rücken ein warmes Kribbeln zu hinterlassen, überall da, wo die Finger des Wolfes ihn berührten. "Du hast mir schon geholfen... als ich krank war hast du mich aus dem Meer gefischt... und heute Morgen war ich gar nicht dort... es war... schön... so aufzuwachen.", murmelte er, hätte das alles womöglich nicht sagen sollen und doch war es einfach nur die Wahrheit. Seine Wangen färbten sich ein wenig rot, während er den Kopf wieder senkte, um dem Blick des Wolfes nicht aus versehen zu begegnen, er wollte nicht, dass er ihn mit so roten Wangen sah, deren Herkunft er sich nicht wirklich erklären konnte.

      "Thria...ich hoffe es war ein schöner Traum." Von der Heimat zu träumen, wenn man nicht dort hin zurück konnte und sich fühlte, als hätte man sie im Stich gelassen, war nicht immer gut. Aber vielleicht träumte Nayantai auch von einem leben das er hatte, oder das er wieder haben könnte. Mit seiner Familie und ohne Schafe, ohne Krieg und Tod. "Du hast recht... wir sollten zusammen... vom Süden träumen. Vielleicht wenn wir das nächste Mal einfach beide einschlafen... und sich keiner herum wälzen muss..."
    • Nicht immer schwammen sie auf der selben Wellenlänge, aber man konnte einander den ein oder anderen Fehler verzeihen, selbst dann, wenn es nur um Trivialitäten ging - rein theoretisch sollten sie sich nicht verständigen können und streng genommen sollten sie auch nicht aneinander kleben, so wie sie es jetzt taten. Rain konnte mit ihm anstellen, was er wollte, musste dafür eigentlich eine Worte benutzen oder dafür sorgen, dass der Wolf all das hier genau so wollte, wie er es tat - wenn man, natürlich nur rein theoretisch, von dieser Situation ausging, dann war der Wolf nicht mehr wie ein Stück Fleisch an dem man sich bedienen konnte, so wie es einem beliebte. Das Lamm war anders, so sehr, dass Nayantai gar nicht glauben wollte, dass Rain überhaupt eines war. Zu sanft, zu freundlich - keine Narben hatte er, den rauen Wind der Welt kannte er nicht und Schmerzen, die sich durch sein Fleisch fressen sollten, die waren dem Lamm vermutlich ein Fremdwort. Lag es daran, dass er so freundlich war? Oder glaubte er, dass er den mickrigen Rest seines Lebens damit verbringen musste, jedem zu gefallen, der ihm über den Weg lief? "So weit das Auge reicht, hm? So tief, dass man darin ertrinken könnte - und manchmal glaube ich, dass es eine willkommene Abwechselung zu dem Feuer ist, das ich in meinen Träumen sehen kann", seufzte er. Flammen, unbändig und tödlich, waren ein fester Bestandteil seiner gepeinigten Existenz, sorgten dafür, dass Nayantai sich immer wieder dort wiederfand, wo er nicht sein wollte - an dem Ort, das das letzte Stück von Thria war, an das er sich erinnern konnte. Ob die Flammen ihm noch mehr geraubt hatten? "Glücklich, huh."

      Den ganzen Tag konnte er damit verschwenden, Rain zuzusehen wie er dort auf ihm lag und mit sanfter Stimme von Dingen sprach, von denen der Wolf keine Ahnung hatte, in einer Sprache, die sonst wie Gift für seine Ohren war. Rain war ... ein Engel, wenn man es genau nahm, der eine viel zu kleine Jacke mit einem viel zu großen, frierenden Wolf teilte, der nicht wusste, ob es die Kälte oder die Wärme war, die ihn regelmäßig durchzuckte. Mit Blut befleckt war er, waren seine Klauen, die er dazu benutzte, um ein erschöpftes Schaf weiterhin in der Zwischenwelt festzuhalten, in der es sein wollte - so weit entfernt von ihm und doch so nah. Oft war es schwer genug, diese Sprache zu verstehen, aber hin und wieder verplapperte sich Rain einfach und vieles von dem Gesagtem wollte sich nicht so richtig entziffern lassen, als wäre es auf dem Weg zu seinen Ohren verschluckt worden. "Du bist noch immer nicht wach, aber das stört mich nicht", gestand er dem Lamm, dem er weiterhin über den schmalen Rücken strich, der - so wie der Rest des Körpers - keine Narben oder ähnliches aufzuweisen hatte. Wenn Rain das Haus nicht verließ, so dachte sich der Wolf, dann gab es auch keinen Grund für ihn, sich zu verletzen - dann schützten ihn die Wände in diesem Gemäuer vor Schmerzen. "Er war angenehm. Ich habe eigentlich die meiste Zeit damit verbracht, auf den Himmel zu starren und schreienden Kindern zuzuhören." Wie viele von ihnen noch lebten? Würde er schwarzmalen, dann lag es nicht fern, dass es kein Einziger von ihnen war, aber er glaubte an sie - an die, die noch zu jung waren, um ihr Leben zu lassen, so, wie es seine Brüder getan hatten. "Warum nicht ... heute Abend?" Oder jetzt?
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    • Rain ließ eine Hand neben sein Gesicht auf Nayantais Brust wandern, ließ die Finger gedankenverloren über die helle Haut streichen, die seiner eigenen der Farbe nach fast glich. die weiße Hand auf der beinahe so bleichen Brust des Wolfes konnte fast zur selben Person gehören, eine der wenigen Gemeinsamkeiten die sie zumindest im Moment hatten. "Feuer?", murmelte er in der Sprache der Wölfe, "Selbst unsere Träume... sind entgegengesetzt zueinander. Feuer - Wasser, ein Wolf - ein Schaf und doch... fühlt es sich an, als würde ich dich länger als nur ein paar Tage kennen...", stellte Rain fest und fragte sich, ob sie nicht doch mehr gemeinsam hatten, als sie glaubten. Rain glaubte eigentlich nicht an Schicksal, aber es fühlte sich fast so an, weil er sich mit jemandem, der sein Feind sein sollte, auf Anhieb so gut verstanden hatte...

      "Nicht wach, hmmm?", fragte Rain verschlafen, während sich das Geräusch noch während er es aussprach in ein Gähnen wandelte. Er war müde, erschöpft, war es gestern schon gewesen und doch hatte er nicht geschlafen, konnte es nicht. Vielleicht lag es daran, dass Nayantai gestern so viel von sich Preis gegeben hatte, dass Rain erst einmal alles ordnen musste, oder es lag daran, dass er mal wieder mit dem Wolf eingeschlafen war, ohne Gelegenheit dazu zu haben sich umzuziehen. Ob der Wolf es glaubte oder nicht, Rain hatte auch bequemere Kleidung, die er nachts tragen konnte, damit er besser zur Ruhe fand. Jetzt allerdings hatte er das Gefühl, dass er sich tatsächlich ausruhte und dass er hier weder einschlafen konnte, ohne in das endlose Meer zu plumpsen und unterzugehen wie ein Stein. "Du... bist immer so warm, sind das... alle Wölfe? Überlebt ihr so... in Thria?", fragte Rain etwas, das ihm einfach so in den Sinn gekommen war, vermutlich machte es gar keinen Sinn und vielleicht hatten Schafe ebenso warme Körper, woher sollte Rain das auch wissen? Er kannte nur den einen Körper, den des Wolfes und er war gut so wie er war. "Ich... fände es schön... wenn du heute Abend wieder bei mir... bleibst... Vielleicht können wir... im Süden auch... zusammen... in den Himmel sehen... Aber solange es... ein guter Traum ist... Träume ich auch gerne mit dir von... von Thria..."
    • Nayantai vermisste die Welt, die sich außerhalb dieser Strukturen befand - das Reich der wilden Wölfe, der Thrianer, die nicht mehr konnten, als sich gegen diejenigen aufzuschaukeln, die ihnen wirklich an die Kehle wollten. Andererseits fand er sich bereits jetzt so geborgen in Rains Armen, dass es unglaublich schwer werden würde, sich loszusagen - er war, wider Erwarten, kein Eisklotz der nur darauf aus war, die Lebensenergie des Fürsten zu stehlen, wenn er denn noch eine in sich trug. Sein Herz sollte er bereits verschenkt haben, aber stattdessen war es in seiner Brust gestorben, in dem Moment, in dem die Person, die Nayantai gewesen war, ihr Leben gelassen hatte - dennoch schlug es wieder, als wäre sein Brustkorb doch kein passendes Grab für ein Stück Fleisch. "Ich wäre auch viel lieber bei dir gewesen, als in einem modrigen, kaltem Kerker ohne Licht", murmelte er. Dort unten gab es nicht viel, außer die immer nassen Steine, die ihr Gefängnis bildeten und das Blut, das von ihnen und von verschiedenen Körpern tropfte. Geschundene Wölfe und einen Tyrann, der glaubte, er durfte über die walten, die er hatte verschleppen lassen. "Wer weiß, vielleicht soll ich hier sein ... vielleicht wollte Tyasis es so", und dabei war er es gewesen, der gesagt hatte, er glaubte nicht länger an die Götter oder gar daran, dass sie ihn als ihren Sohn erachteten.

      Womöglich sollten sie sich beide fallen lassen, in das Meer aus Rains Träumen, damit sie zusammen untergehen konnten und keiner von ihnen allein wäre, wenn sie schlussendlich vom Tod heimgesucht wurden, gegen den sie beide sich so sehr auflehnen wollten. Kannten sie sich dafür gut genug? War das wirklich, was der Wolf wollte oder war er nur ein gebrochener Mann, der sich einredete, dass es ihm besser ginge, wenn er sich erst wieder einem Schaf hingab, das ihn für nicht mehr als Spielzeug hielt? Wenn dem wirklich so wäre, dann hätte er seine Hände nicht durchgehend an Rain, würde ihm nicht antworten und würde sich nicht für jede Sekunde seiner bestehenden Existenz entschuldigen wollen, das wusste er. "Du bist wirklich nicht wach", lachte Nayantai, der wusste, wie es sein konnte, verrannte man sich erst an einem besseren Ort und lauschte doch lieber der realen Welt, weil man noch nicht ganz abdriften wollte, sondern den Rest seiner Zeit hier verbringen wollte. "Warm? Ja. Jeder von uns ... deswegen glaube ich nicht, dass ich für wärmere Temperaturen gemacht bin." Nayantai war vieles nicht immer klar, aber er wusste, dass so mancher Sommer, der nicht so lau war wie erwartet, schon dafür gesorgt hatte, dass ein Wolf sich echauffiert hatte, sich die Kleidung vom Leibe reißen wollte, weil er diese Art von Temperatur nicht gewohnt war. "Oh, es war ein guter Traum ... vielleicht solltest du jetzt davon träumen, hm? Ruh dich aus, ich renne dir nicht davon." Sein Blick wanderte auf die Hand an seiner Brust, bevor er diese mit seiner freien Hand an sich drückte und nicht mehr loslassen wollte, als bräuchte er selbst die Bestätigung, dass er hier gut aufgehoben war, dass Rain nicht verschwinden würde, wenn er wieder einschlief.
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    • Rain hätte den Wolf auch lieber bei sich gewusst und ihn schon vor... wie lange war er eigentlich eingesperrt? Wie auch immer, er hätte ihn gerne schon früher kennen gelernt, obwohl vielleicht nur die heutige Konstellation dazu führen konnte, dass sie einander so nahe kommen ließen. Wenn Nayantai hier vor zwei, oder drei Jahren aufgetaucht wäre, dann hätte seine Mutter es nie auch nur zugelassen, dass Rain mit dem Wolf sprach, schon gar nicht unter vier Augen. Nun fühlte er sich allerdings schlecht, weil er in gewisser Weise froh darüber war, dass sie jetzt nicht hier war... Rain wäre auch nicht so alleine gewesen, aber er hatte sich auch damals schon verloren und fehl am Platz gefühlt, nicht so jedoch, wenn er in den Armen des Wolfes lag. Es fühlte sich so an, als würde er genau hier hin passen und als wäre es seine Aufgabe, dem Wolf zu helfen und ihn anschließend wieder in die Freiheit zu entlassen. Und der Wolf selbst, hätte er keine Zeit in Gefangenschaft verbracht, womöglich hätte er Rain tatsächlich einfach umgebracht, ihm den Hals umgedreht, weil er es gewesen wäre, der ihn einfangen ließ und hier gefangen hielt... nein, es wäre nicht möglich gewesen sich an einem früheren Zeitpunkt zu verstehen, nur jetzt und hier, genau in diesem Augenblick... es war... seltsam.

      "Hmm... der Süden...ist ja dann gar nichts für dich...", murmelte Rain, der wiederum selbst nicht für die Kälte Thrias gemacht war... vielleicht, dachte er, konnte er im Süden sogar nach draußen, konnte dort überleben, wo es angeblich so warm war, dass selbst Schafe am Liebsten unbekleidet herum liefen, vielleicht war er nur am falschen Ort geboren... jedoch, selbst im Sommer würde er spätestens in den kalten Bergen sterben, die es zu überwinden galt. Wenn es nach dem ging was er fühlte, dann starb er sogar, sobald er auch nur einen Fuß über die Türschwelle nach draußen setzte, schließlich war es das, was ihm seit seiner Geburt eingebläut wurde.
      "Ich...es... tut mir Leid, dass... dass ich so müde bin...", murmelte Rain blickte auf die Hand, die die seine erneut umklammerte, bevor ihm schon die Augen wieder zu fielen. "Ich muss nicht...muss nicht..." Was wollte er noch gleich sagen? Die Worte die er eben noch aussprechen wollte, verliefen wie Sand, entschwanden einfach, ohne dass er den Satz zu Ende sprechen konnte, viel zu schnell sank er doch in einen Schlaf, sobald ihm die Erlaubnis dazu erteilt worden war.
    • Die Hände gegen Rain zu erheben fühlte sich falsch an, als wolle der Wolf sich zu etwas zwingen, das nicht seinen Ideologien entsprach - würde er derjenige sein, der sich dem Fürsten aufzwang, dann wäre diese Beziehung, die ohnehin schon einen ganz anderen Verlauf angenommen hatte, nie zustande gekommen. Über das Schlachtfeld würde er kriechen, geblendet von dem Blut seiner Freunde und Feinde, bis man schließlich auch ihn erlegen würde, seinen Kopf von seinen Schultern riss - aber das hatte man nicht getan, zumindest nicht beim ersten Mal. Warum also sollte man es beim zweiten Mal tun? Nayantai wusste es nicht, konnte sich aber auch nicht vorstellen, dass es einen wichtigeren Faktor gab, außer, dass der König etwas besitzen wollen würde, das nicht ihm gehörte - etwas, von dem es bald nicht mehr viel geben würde, weil er all das Leben, das die karge Landschaft der Tundra inne hatte, nicht viel wert für ihn war, bis auf die wenigen Köpfe, die er in seinem Kerker wusste, mit denen er sich vergnügte - tagein, tagaus. Wirklich ausmalen konnte er sich nicht, was genau hinter verschlossenen Türen stattfand, aber er hatte eine ungefähre Ahnung - der König war kein Heiliger, aber schien sich selbst für einen Gott zu halten.

      "Es würde mich aber nicht stören ... dann muss ich eben weniger Kleidung tragen", entgegnete er dem Lamm, wusste, dass er das vielleicht nicht hätte sagen sollen - das letzte Mal, als er deutlich weniger am Leibe trug, war er im Kerker des Königs gewesen, oder zumindest in dessem Bett. Vor Rain hatte er sich auch schon entblößt, aber die Anlässe dafür hätten unterschiedlicher nicht sein können. Was sollte er im Süden auch erst tun? Seinen Oberkörper nie wieder bedecken? Dann würde er spätestens durch die Sonnenstrahlen verbrennen. "Wieso entschuldigst du dich? Schlaf ruhig", gähnte der Wolf, der Rain dabei zusah, wie er langsam aufzugeben schien und sich nicht mehr dagegen wehrte, dass sein Körper etwas anderes wollte, als sein Geist, kaum blieb jedwede Antwort aus und der angestrengte Atem flachte ab. Aufstehen konnte er so nicht, auch, wenn er sich davonschleichen sollte und wieder in seine Gemächer zurück sollte - viel lieber saß er hier, sah Rain an und dann ... und dann schlief der Wolf selbst wieder ein, beinahe so, als könnte er durchaus eine weitere Nase Schlaf vertragen.
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    • Rain hörte noch die Stimme des Wolfes, aber er konnte seinen Worten keinen Sinn entnehmen, vermutlich nicht einmal, wenn er die Sprache der Schafe gesprochen hätte. Das pumpende Geräusch das Nayantais Herz verursachte wurde lauter und nahm alles ein was Rain wahrnahm. Er ließ die Augen geschlossen, war gar nicht sicher, ober noch wach war, oder schon träumte, aber er war nicht alleine, das wusste er, konnte er doch das Herz des Wolfes schlagen hören und seine Wärme spüren. Wieso hatte er sich nicht schon früher darauf konzentriert, dann wäre es ihm bestimmt leichter gefallen zu schlafen. Stattdessen hatte er versucht nicht zu ersticken, keinen Laut von sich zu geben, wenn seine Lunge etwas heraus husten wollte, was eigentlich gar nicht da war. Nicht so gerade, nicht hier, nicht in den Armen des Wolfes.

      Rain wusste nicht, wie lange er noch geschlafen hatte, aber als er wieder aufwachte, fühlte er sich einerseits ausgeruhter, aber andererseits wollte er nun erst recht nicht aus dem Bett. Rain regte sich langsam, wischte sich mit einer Hand den Schlaf aus den Augen und etwas Speichel aus dem Mundwinkel, der hoffentlich nicht auch noch auf Nayantai gelandet war. Rain wusste nicht, ob er jemals so tief geschlafen hatte. Ob es nun die Erschöpfung nach einer Krankheit, einem anstrengenden Arbeitstag, einem emotionalen Abend und einer ruhelosen Nacht war, oder die Umarmung des Wolfes, Rain war scheinbar nicht der Einzige gewesen, der noch einmal eingeschlafen war. Immer noch etwas müde blinzelte er in das Gesicht des Wolfes, erst dann zum Fenster. Es schneite. Das war zwar nicht ungewöhnlich, aber trotzdem blieb Rains Blick eine Zeit lang an den tanzenden Schneeflocken hängen, die ihn daran hinderten festzustellen, wie spät es eigentlich war.
    • Vögel. Viel zu viele von ihnen. Sie kreischten über seinem Kopf, wollten ihn dazu bewegen, seine Augen endlich zu öffnen - Nayantai wollte nicht, wollte den erneuten Schlaf genießen, in den er sich gestürzt hatte, aber er konnte ihnen nicht entkommen. Seine Augen öffneten sich - Krähen waren es, die in aufgebrachten Scharen über seinen Kopf hinweg zogen, weil das Gewitter immer lauter wurde, weil dieser Traum noch immer kein Ende gefunden hatte - sollte es ihn stören? Murrend richtete sich der schlafende Wolf auf und sah, was vor ihm lag - das trockene Gras, die wenigen Bäume und nicht viel mehr als die endlosen Weiten Thria's. Wieso musste man ihn auch nur so unsanft aus seinem imaginären Schlaf wecken? Waren es die Vögel, die nach ihrem Ende verlangten, oder war es der Wolf, der glaubte, er würde in sich zusammenfallen, wenn er einen Schritt ging und den Traum verschwimmen ließ? Nayantai wusste es nicht, drückte sich auf seine Beine und fing an, das Fleckchen hinter sich zu lassen und zurück, zu der Siedlung zu gehen - dort, wo alles normal schien.

      Wie lange hatte er geschlafen? Das konnte er sich wohl selbst nicht beantworten, aber er blinzelte - seine er Meinung nach vermutlich viel zu oft. Welches Jahr hatten sie? War er wirklich einfach irgendwann eingeschlafen? Hatte er wieder von seiner Heimat geträumt, die er verloren hatte? Der Wolf gähnte herzhaft, wischte sich mit seiner freien Hand über die müden Augen und streckte sich, bevor er merkte, dass man noch immer auf ihm lag. "Mh, wie geht es dir?", fragte er, als sein Blick gen Fenster wanderte - der Himmel war grau geworden und weiße Schneeflocken tänzelten von ihm, zeigten dem Wolf auf, dass er eigentlich mehr als genug geschlafen hatte und dass er ausgeruht war - mehr als nur das, eigentlich. "Ich hoffe, du hast dich ausgeruht." Länger hier herumliegen wollte er nicht, doch wollte er dem Lamm alle Zeit lassen, das es brauchen könnte, bevor er sich selbst wieder aus dem Bett kämpfte.
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    • Rain drehte seinen Kopf zu Nayantai, als er seine Stimme vernahm und schenkte ihm ein Lächeln. "Ja. Ich glaube, ich habe jetzt wirklich mehr als genug geschlafen...", lächelte er und richtete sich langsam auf, bis er neben dem Wolf im Bett kniete und noch einmal mit dem Ärmel seines Hemdes über seine Augen rieb. "Ich glaube, vielleicht zu viel... ich fühle mich ganz komisch." Rain hob seine Arme hoch und die Luft, streckte sich einmal fest, zog die Knochen seiner Arme und seines Rückens auseinander, damit das seltsame Gefühl in seinem Körper verschwand, das ihn sich fühlen ließ, als würde sein Körper noch halb schlafen, während sein Geist schon wach war. "Ich hoffe dir war nicht langweilig." Eine Entschuldigung war womöglich angebracht, Rain war auf Nayantais Brust eingeschlafen und an der selben Stelle wieder aufgewacht, das bedeutete wohl, dass der Wolf sich die ganze Zeit über nicht bewegen konnte. Er hatte zwar auch geschlafen, aber Rain wusste nicht wie lange. Wenn er so darüber nachdachte... was hatte er eigentlich alles im Halbschlaf vor sich hingemurmelt? Er konnte sich gar nicht erinnern, aber Tatsache war, dass er sich gerade ziemlich gut fühlte, fast schon motiviert.

      Sein Blick glitt wieder zum Fenster, hinaus in die weiße Landschaft. Das Schneegestöber verdeckte beinahe schon die Sicht auf den nahe gelegenen Wald und von der Stadt war sowieso nichts mehr zu sehen. "Es schneit.", verkündete er, als könnte Nayantai das nicht selbst sehen, aber zumindest lernte er das Wort der Schafe dafür. "Willst... willst du raus? Ist das Wetter in Thria auch so? Schneit es dort so stark?", fragte Rain, lächelte dabei, eigentlich freute er sich selbst darauf, Nayantai dabei zu zusehen wie er nach draußen lief, im Schnee herum stapfte und... naja einfach machte, was er da draußen so machen wollte. Auch wenn Rain ihn nicht begleiten konnte, er sah ihm gerne dabei zu, wenn es ihm denn Spaß machte, einige Zeit im Schnee zu verbringen.
    • Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, die hinter ihm lag - eine Ewigkeit, die er hier in diesem Bett zugebracht hatte, weil die Müdigkeit auch den großen, bösen Wolf nicht mehr gehen lassen wollte, sondern ihn fest umklammerte. Nayantai wusste, dass er eigentlich so viel mehr aus seinem Tag machen konnte, selbst wenn die fahlen, grauen Wolken den Schnee auf sie herabfallen ließ. Er lag nur hier, weil Rain schlafen wollte, weil es angenehm war, jemanden an seiner Seite zu wissen, der die Ruhe in seinem eigenen Zimmer satt geworden war und sich deswegen lieber einen Wolf holte, als noch länger verzweifelt wach zu bleiben und darauf zu hoffen, dass auch er irgendwann dieser Welt entgleiten würde, sich an einem anderen Ort wiederfand, der seine wildesten Vorstellungen übertreffen konnte. "Das haben wir beide", entgegnete der Wolf, der sich eigentlich schon längst rühren wollte - der wusste, dass er sich wie gefesselt fühlte, aber kein Wort zustande brachte, weil er Rain nicht verunsichern wollte. "Langweilig? Nein ... ich habe ... auch geschlafen", gähnte er und - nachdem Rain endlich von ihm abgelassen hatte, setzte er sich auf und streckte sich erneut, hörte seine Knochen, wusste, dass er sich nicht mehr in seinen Träumen befand, sondern so gut wie frei war.

      Was es wohl war, das der Schnee ihm nicht offenbaren wollte? Fhaergus war anders, auch, wenn das Wetter dem seiner Heimat glich - in Thria war es eiskalt, ohne jedweden Grund, während dieser Ort in einem Kessel aus Bergen zu sein schien, der unerbittlich war. Wieso brachte man ihn hierher? Wollte der König sichergehen, dass er entweder auf dem Weg hierher starb oder ihm zumindest nie wieder ein Dorn im Auge war, wenn er überlebte? Nayantai schüttelte die schlechten Gedanken ab. "Es ... schneit? Schnee?", harkte er nach und drehte sich schließlich ganz zum Fenster, das er nicht aus den Augen lassen wollte. Anziehen musste er sich, in Kleidung passen, die ihm selbst vermutlich etwas zu groß war, weil er noch immer nicht mehr war, als ein hungriges Tier, das einen Großteil seiner Zeit damit zugebracht hatte, vor sich hinzusiechen. "Mhm, ja - ich würde gerne nach draußen gehen", murmelte der Wolf. "Und ja, wenn nicht sogar schlimmer. Es schneit oft so stark, dass man die Hand vor Augen nicht sieht." So, dass es unmöglich war, das Lager oder gar das eigene Zelt zu verlassen und die wärmende Kleidung, die sie am Leibe trugen, das Einzige war, das die Wölfe hatten, das sie am Leben erhielt. "Ich müsste mich aber ... umziehen un-" Bevor der Wolf jedoch dazu kam, knurrte sein Magen - verwunderlich war es nicht wirklich und doch sah er etwas verwirrt aus. "Um. Und das."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Auch Rains Rücken knackste einmal, renkte sich wieder ein nachdem er nun wer weiß wie lange in der selben Position verharrt hatte. Es tat Rain fast leid, dass er den Wolf so lange aufgehalten hatte, das wollte er nicht, aber er hatte vorhin nicht wirklich darüber nachgedacht, was er gesagt oder getan hatte. Er sollte sich eigentlich besser unter Kontrolle haben, sollte sich endlich mal seines Titels entsprechend verhalten und wenn er schon die Nähe des Wolfes suchte, zumindest nicht egoistisch sein und den Wolf so belagern. Er sollte besser aufpassen, mehr Rücksicht nehmen, auf den Wolf der es scheinbar gewohnt war, demjenigen zu gefallen, der ihn gerade besaß, obwohl Rain das gar nicht wollte. Er wollte ihn weder besitzen, noch wollte er irgendeine falsche Freundlichkeit von ihm, trotzdem war er nicht ganz sicher, ob der Wolf sich nicht die ganze Zeit über schon gezwungen dazu fühlte, was er tat, jetzt wo er einen Teil seiner Geschichte gehört hatte. Vielleicht sollte er ihn besser einfach in Ruhe lassen.

      "Schnee. Ja. Schnee.", murmelte er, sah noch einmal zum Fenster und stand schließlich auf, nachdem sein Körper sich so anfühlte, als würde er ihn nicht gleich zurück ins Bett plumpsen lassen. Sein Lächeln hatte ein wenig an Kraft eingebüßt, obwohl es ihn schmunzeln ließ, dass nun der Magen des Wolfes knurrte, zum Glück konnte er sich nun aber auch abwenden. Neben dem Bett fand sich eine Vorrichtung, ein paar Schnüre um genau zu sein, die eine direkte Verbindung unter anderem zu der Küche hatten und dort unten mitteilten, dass der junge Fürst hunger hatte, ohne dass er im Haus jemanden suchen musste, dem er einen Befehl erteilen konnte. Das Essen wurde also nach der Betätigung bereits vorbereiteten, während Rain aufstand und zu seinem Schrank schritt. Dort zupfte er sich selbst frische Kleidung heraus, die nicht so zerknittert wie das war, das er jetzt trug. Auch die Kleidung des Wolfes fand er und brachte sie ihm zum Bett, damit er sie sich überziehen konnte, wenn er es denn wollte. Passende Kleidung der Schafe hatte Rain hier nicht parat, er bezweifelte, dass der Wolf in Rains eigene Kleidung passen würde.
      "Dann lass uns zuerst etwas essen und dann nach draußen gehen.", verkündete er, während er sich wieder auf die Bettkante setzte und sein Hemd aufknöpfte, den Rücken zu dem Wolf gewandt. Aus irgendeinem Grund war es ihm immer noch peinlich, sich vor dem Wolf zu zeigen, aber er hielt es für albern, ihn draußen warten zu lassen, zumal der Wolf selbst ständig ohne Hemd herum lief. Es war ja im Grunde auch nichts dabei, da gab es nichts was Rain verstecken müsste, aber scheinbar wollte er nicht, dass der Wolf sah was für einen dünnen und schwachen Körper er unter der dicken Kleidung tatsächlich hatte. "Wenn du willst, kannst du dir aber auch etwas frisches aus deinem Zimmer holen, falls dir deine Kleidung für jetzt zu warm ist."
    • Weiterhin die Nase zu rümpfen und zu versuchen, das Essen der Schafe abzulehnen, war spätestens jetzt unangebracht - es war keine unkenntliche Pampe mehr, die jeden Tag schlimmer aussah und schmeckte, sondern tatsächlich etwas, das normalerweise auch in seinem Magen bleiben sollte, wenn er es denn aufessen würde. Nayantai wusste, dass er Rain schlecht sagen konnte, dass ihm das Essen der Schafe zu fade war, dass er sich etwas anderes wünschte, oder dass er selbst etwas kochen wollen würde, zumal er die Gebräuche der Schafe - zumindest in jener Hinsicht - nicht wirklich verstand. Besser wäre es, er aß einfach das, was man ihm vorsetzte, ohne dass er sich darüber beschwerte und versuchte, die nächsten Monate noch so auszuharren, wie er es bis jetzt getan hatte. Irgendwie, so bildete er es sich zumindest ein, belustigte er sich selbst gerade, war nicht besser als ein wählerisches Kind, das sich die Dinge suchte, die es haben wollte und alles andere schlicht ablehnte. Womöglich wollte er auch nicht mehr als das, was er jetzt hatte - aber was, außer ein Lamm besaß er überhaupt? Nein, nicht einmal Rain war es, der ihm gehörte - und das wollte er auch nicht, würde sich nicht besser fühlen als der Heuchler, der einen König mimte und auf einem hohen Thron saß, mit einer Krone, die nicht nur ihn verblendete. "Viel Schnee ... wenig Schnee ... ach, Fhaergus hat vermutlich genau so viel Schnee wie Thria."

      Sein Rücken schmerzte - seine Seite brannte - und seine Gliedmaßen fühlten sich so an, als würden sie bei nächster Gelegenheit abfallen, während jede einzelne Wunde und Narbe an seinem Körper es war, die irgendein Signal an seinen Kopf sendete, der ihm schlussendlich eben jenen pulsierenden, unangenehmen Schmerz vermittelte. Er griff sich über die Schulter, den Rücken hinab - die heilende Wunde war weder heiß noch kalt, gleich wenig wie die Naht an seiner Seite, die er zögerlich berührte - es war seine Einbildung, die ihm einen Scherz spielen wollte. Ein neugieriges Paar Augen wanderte zu den Schnüren an denen der Adelige zog. "Was ist das?", fragte der Wolf verwirrt, konnte sich nicht an derartige Dinge erinnern - wieso sollte er auch? Die Dunkelheit war es, an die er sich erinnern konnte - gleich wie die Schmerzen, die nicht vergehen wollten. Wie viele Nächte er wohl damit verbracht hatte, sich am kalten Boden zu krümmen und zu hoffen, der Schmerz würde vergehen? Vermutlich unzählige. Nayantai klopfte sich auf die Brust, als bekäme er keine Luft, und atmete tief ein, danach aus - er hatte besseres zu tun als sich selbst zu bemitleiden. "Das ... wäre keine schlechte Idee ... und danke für die Kleidung", murmelte der Wolf, der nach ihr griff. Stoff, den er schon ewig nicht mehr in einem Stück getragen hatte - der ihn nicht beschützt hatte, weil er nicht darauf ausgelegt war. Ein flaues Gefühl breitete sich seinem Magen aus, kaum besah er sich des Stoffes - es gehörte ihm, nicht? "Mh, ich glaube, das wäre sogar besser", beichtete er dem Lamm und legte die Kleidung wieder beiseite, stand auf und ging zur Tür. Vielleicht fühlte es sich auch einfach nur falsch an, die Kleidung zu tragen, die eigentlich für ihn selbst war, wenn sie ihm nicht mehr ganz passte und er sich wiederum damit konfrontiert sah, wer er nicht mehr war.
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    • "In Fhaergus gibt es so viel Schnee, dass die Pässe nur schwer passierbar sind. Ich glaube das ist genug.", erklärte Rain lächelnd und blickte dann noch einmal zu den Schnüren neben dem Bett. Wie sollte er das nur erklären? "Hm... damit kann ich Nachrichten senden. In die Küche zum Beispiel, weil ich hunger habe und etwas zu Essen gekocht werden soll. In der Küche ist eine kleine Glocke... mh ich glaube das hast du jetzt nicht wirklich verstanden. Also ich kann reden, Befehle geben, ohne jemandem gegenüber zu stehen. War das verständlich?", fragte Rain, wusste sich nicht besser zu helfen und wie er die Vorrichtung erklären sollte. Es wäre vermutlich einfacher es dem Wolf zu zeigen, aber auch das würde er am Ende vielleicht nicht verstehen. Er bezweifelte, dass der Wolf so etwas kannte, wenn man in Zelten lebte, dann brauchte man so etwas vermutlich nicht und könnte es auch nirgends anbringen.

      Rain sah nicht was der Wolf hinter ihm trieb, erst als er aufstand und um das Bett herum zur Tür schritt, sah Rain auf und nickte. "Gut,... warte dann einfach dort. Ich hole dich ab und dann essen wir etwas.", lächelte Rain und blickte noch einmal zum Fenster. Der Wolf würde schon selbst wissen, wie viel er er brauchte, damit er sich da draußen wohl fühlte, Rain musste nicht danach fragen, ob er nicht doch lieber etwas wärmeres anzog, zumindest mitnahm. Er ließ das alles bleiben, wartete bis die Tür sich hinter Nayantai wieder geschlossen hatte und zog sich dann selbst erst einmal um. Nayantais Kleidung räumte er wieder in den Schrank, anschließend machte er sich auch schon auf den kurzen Weg zu Nayantais Zimmer hinüber, damit er ihn anschließend zum Speisesaal führen konnte, an den er sich vielleicht noch erinnern konnte. Das Frühstück war bestimmt schon vorbereitet... oder war es schon Mittag? Rain hatte keine Ahnung wie spät es war... er war es auch nicht gewohnt so lange zu schlafen.

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    • Schnee gab es zwischen hier und Thria vermutlich nicht durchgehend, aber je länger er hier blieb und sich all das durch den Kopf gehen ließ, desto eher wurde ihm klar, dass Rain und er sich nicht so sehr unterscheiden würden, wie sie es taten, wenn sein Gegenüber sich nicht in den Ketten einer Krankheit gefangen sah, die ihn früher oder später dahinraffen würde, wenn er weiterhin auch nur versuchte, zu leben. Ob es denn so sein sollte? War es Schicksal? Eine Bestrafung für die Dinge, die das Lamm in seinem letzten Leben getan hatte? Nichts davon hatte ihn zu interessieren - er wollte es auch gar nicht wissen, als er durch die Tür verschwand und den langen Gang entlang schlenderte, nur, damit er sich eventuell wieder entsinnen konnte, wo sein Zimmer war, das man ihm freiwillig gegeben hatte, damit er nicht hier draußen schlafen musste. Würde man das überhaupt erlauben? Ob Rain einen Kerker hatte, das wusste er nicht, aber darauf aus, es herauszufinden, war er auch nicht wirklich.

      Was machte ein Wolf nur in einem verstaubten Zimmer, das für ihn selbst nichts simulieren konnte? Es war kein Zelt, sondern ein Gefängnis aus Stein, in dem er sich schon viel zu lange aufhielt - aber seine Beine würden ihn nicht weit tragen, genau so wenig wie er die beißende Kälte lange aushalten würde, wenn er jetzt nach draußen gehen würde. Ein Jahr im Kerker des Königs war so, als wäre er eine völlig andere Person geworden, die nicht mehr wusste, wessen Kopf auf ihren Schultern saß. Die Pranken des Wolfes waren es, die sich der Kleidung im Schrank besahen, die sich komisch anfühlte, deren Stoff so dünn war und doch unangenehm war, dass er nicht wusste, ob er sich in eben jenen zwängen wollte. Blieb ihm etwas anderes übrig? Murrend griff Nayantai nach der Kleidung, streifte die Alte ab und zwängte sich in die Neue, die nach so vielen Dingen roch, die er allesamt nicht kannte. Wie war das noch gleich? Die Knöpfe ... innerlich verteufelte er die Schafe vermutlich, schaffte es aber dennoch, zumindest ein paar der Knöpfe zu schließen, bevor er aufgab und die Tür öffnete - nur, um Rain vor sich stehen zu haben. "Ich habe noch immer keine Ahnung wofür diese Knöpfe gut sein sollen", jammerte er.
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    • Rain wollte gerade an die Tür klopfen, als der Wolf diese von selbst aufmachte und ihm gegenüber stand. Der junge Adelige ließ seine Hand wieder sinken, lächelte und sah das halb zugeknöpfte Hemd, sowie den unzufrieden aussehenden Wolf vor sich, der vor sich hin jammerte. "Die... Knöpfe?", fragte Rain lächelnd und griff nach dem Wolf um noch zwei mehr zu schließen. Wenn der Wolf beim Essen nicht ordentlich aussah, dann würde man Rain bestimmt vorwerfen, was er dem Wolf im Edeffekt vorwerfen sollte. Es war nur von Vorteil, wenn der Wolf auch bei allen anderen hier einen halbwegs guten Eindruck hinterließ, Wolf hin oder her. "Na sie halten alles zusammen. Du brauchst gar nicht jammern, ich habe immer noch nicht verstanden wie man deine Kleidung zusammen schnürt, damit auch alles hält." Rain grinste beinahe schon, klopfte dem Wolf sanft auf die Brust, als das Hemd einigermaßen gut an ihm aussah und deutete dann ihm zu folgen.

      Den Speisesaal kannte Nayantai ja schon, sie hatten schon einmal hier gegessen und sich ein wenig unterhalten. Heute jedoch war es draußen noch hell und der Wolf konnte wohl etwas mehr von dem Raum sehen, wenn es ihn denn interessierte, zum Beispiel ein paar der protzigen Gemälde die hier hingen und zum Teil auch Rain zeigten. Manche zeigten auch die Landschaft in Fhaergus zu allen möglichen Jahreszeiten. Essen stand schon bereit, auch wenn es ein wenig lächerlich aussah, dass sie nur einen winzigen Teil des riesigen Tisches nutzten. Rain setzte sich und musste feststellen, dass sein neu gefundener Appetit ihn ein wenig deprimierte. Die Winter in Fhaergus waren langweilig, auch was das Essen betraf. Er hatte gar keine Lust auf Brot und Käse, Fleisch zum Frühstück wollte er auch nicht und viel mehr gab es um diese Jahreszeit aber nicht, einen Kuchen würde er so früh am Morgen auch nicht runter bekommen. Er hätte gerne etwas Obst gehabt, einen Apfel, oder Weintrauben, aber auf die musste er verzichten, bis der Schnee schmolz, dann jedoch war Nayantai weg, ebenso wie Rains Appetit... vermutlich. Er seufzte innerlich und begnügte sich erst einmal mit einem Glas Milch und ein paar Keksen.
      "Sag mal... gibt es... Obst...? In Thria meine ich... mh wie erkläre ich dir das Wort. Hier in Fhaergus ist es im Winter sehr kalt, also das was gerade hier auf dem Tisch steht, ist so ziemlich alles was wir im Moment haben. Ich frage mich nur... vielleicht gäbe es Pflanzen In Thria die es sich zu importieren lohnt..."
    • "Diese verfluchten Knöpfe, ja", brummte der Wolf, der sich wiederum von Rain dabei helfen lassen musste, nur, weil er sich anziehen wollte. Gab es denn nichts, das er auch alleine zustande brachte? So wie es aussah nicht wirklich - weder schaffte er es, zu einer angemessen Zeit aus dem Bett zu steigen, noch seine Pranken von einem Schaf zu lassen, oder gar sich um sich selbst zu kümmern und genug Mut zu haben, um diesen Ort hinter sich zu lassen. "Meine Kleidung ist aber nicht voll mit winzigen Knöpfen", beschwerte Nayantai sich, als Rain schlussendlich dafür sorgte, dass er zumindest so aussah, als hätte er eine Ahnung davon, wie man die Kleidung der verteufelten Schafe trug. Würde er nicht so aussehen, wie er es jetzt tat, dann war er sich sicher, dass ihm dieses Stück Stoff nicht passen würde und er damit zu kämpfen hätte, es überhaupt anzuziehen, ohne es zu zerreißen - vielleicht war es also doch nicht so schlecht, dass er zuerst im Kerker des Königs gelandet war, ansonsten hätte er sich vermutlich auch nicht so verhalten, wie er es jetzt tat - hätte Rain angefallen und zerfleischt, wäre nicht darauf bedacht, dass es Leute gab, die sich all diese wirren Dinge über Wölfe erzählten, sondern nur darauf, seine Freiheit weiterhin zu genießen.

      Schnellen Schrittes folgte der Wolf Rain - zurück in den Speisesaal, an den er sich gar nicht erst erinnern konnte. War er so müde gewesen? Oder waren es einfach die unkenntlichen Konturen, die ihn unsicher machten? Was auch immer es sein mochte, es sollte ihn nicht weiter belasten - viel lieber nahm er wieder dort, am Eck, Platz und ließ seine Augen über das schweifen, was der Wolf sein potentielles Frühstück nennen konnte. Irgendwie war er sich nicht sicher warum, aber er fühlte sich noch immer so falsch am Platz, auch, wenn sein Magen knurrte, während seine Augen sich abwandten und das beobachten, das dieser Raum noch zu bieten hatte - viel zu viel. Prunkvolle Gemälde, die er nicht benennen konnte, mit Gold überzogene Kerzenständer, die ihm ein Fremdwort waren - dieser Ort war mehr als nur sonderbar. "Obst? ... Uh ... Pflanzen. Mh. Meinst du Früchte? Ja, aber nicht viele ... warum fragst du?" Die letzten Worte des Schafes hatte er einfach nicht verstanden, als hätte dieser wieder vergessen, dass der Wolf, der neben ihm saß, nicht mehr als ein Kind war, das eine Sprache erst erlernen musste. Nayantai selbst hingegen war es, der nach einem Stück Brot griff und sich etwas davon abriss, bevor er es in seinen Mund steckte - ein einfaches Stück Brot konnte nicht so fade schmecken, oder? "Vielleicht schmecke ich auch einfach gar nichts mehr", brummte der Wolf, der sich über den Rest des Brotstücks hermachte, das er noch in seinen Händen hielt.
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    • "Früchte?", wiederholte Rain und zuckte mit den Schultern. Es war schwer einander etwas verständlich zu machen, was sie einander nicht zeigen konnten, aber der Wolf würde ihn schon richtig verstanden haben. "Ich glaube schon. Ich frage weil wir keine haben, im Winter, mit so viel Schnee.", erklärte er erneut und tunkte einen der Kekse in sein Glas Milch, bevor er den Keks verputzte. Er ernährte sich wohl nicht sonderlich gesund, aber wenn es gar nichts gesundes hier gab, dann brauchte sich auch keiner beschweren. Wenigstens aß er etwas. "Ich frage mich nur, ob eure Pflanzen auch hier wachsen können. Aber vermutlich würden sie im Sommer dann verwelken, weil es zu warm für sie wird." Rain wusste er überlegte schon wieder laut und der Wolf konnte ihm vermutlich nicht folgen, also schüttelte er nur den Kopf und lächelte ihn an. "Nicht so wichtig." Anschließend stützte er seinen Kopf auf seine Hand und tunkte den nächsten Keks ein, den er förmlich zu ertränken versuchte, bevor er ihn in den Mund nahm. Er aß Kekse zum Frühstück, mit einem Wolf und dann saß er nicht einmal aufrecht, seine Eltern wären enttäuscht... aber das war wohl nichts neues.

      Rain schielte zu seinem Gast hinüber, der sich unzufrieden etwas Brot in den Mund schob und darauf herum kaute. "Es tut mir Leid, dass dir hier nichts zu schmecken scheint.", entschuldigte er sich, hob seinen Kopf doch etwas an. "Wenn ich nur wüsste, was du gerne isst, ich würde es dir machen lassen. Hm... vielleicht bekomme ich dich irgendwie in die Küche, oder du kannst zumindest unsere Gewürze kosten. Vielleicht ist ja etwas dabei, das du magst..." Wie sollte man auch beschreiben, was einem fehlte, wenn man nicht einmal die Sprache des anderen kannte? Rain hatte gehofft, dass Fleisch den Wolf zufrieden stellen würde, da die Wölfe vermutlich selbst oft jagten, vielleicht war ihm auch eher nach Fisch? Aber was wusste er schon von ihm, es schmerzte ihn, dass Nayantai hier so unglücklich war und trotzdem nicht weg konnte.