spellbound. (earinor & akira)

    • Rain wollte ihn gar nicht einsperren, das hatte der Wolf verstanden und ehrlich gesagt - wieso bildete er sich das auch ein? Sein Kopf hatte zu viele Dinge, die er wohl noch eine Weile als "schlecht" identifizieren würde, redete er sich sein Leid nicht von der Brust, in der ein aufgebrachtes Herz schlug, das all die Folter nicht mehr aushielt. Sein Herz und sein Gehirn hatten keine Narben von denen er wusste, zumindest keine offensichtlichen - dafür wussten sie, welcher Schmerz ihm widerfahren war und was genau ihn in die Knie zwang, weil sie glaubten, es würde ihm gut tun, wenn er einfach anfing, abzuschalten und seinem verrottenden Körper von innen heraus bei seinem Verfall beobachtete. Nayantai wusste, dass die Übelkeit, mit der er sich herumschlug, einfach nur deswegen existierte, weil er immer wieder an den König denken musste, der in seinem Kopf weder etwas verloren hatte, noch ein Teil von ihm sein sollte - das Geschehene definierte den kränklichen Wolf, dennoch hieß es noch lange nicht, dass er sich seiner eigenen Angst ergeben musste, die Ketten akzeptieren musste, die er sich selbst auferlegt hatte - würde es nicht Überwindung kosten, sich zu wehren, wäre der Wolf ein freier Mann.

      Sein Blick klebte förmlich an dem Fenster, als wolle er bedeuten, dass er diesen Raum verlassen wollte, aber nicht etwa, weil er vor Rain fliehen wollte, sondern weil die Erinnerungen, die er bis jetzt in Adrestia gesammelt hatte, ihn ermüdeten und sein Herz schmerzhaft zusammenzogen. Hier zu sitzen, tief Luft zu holen und zu versuchen, wieder mit sich im Einklang zu sein - wie lange würde eine geschundene Seele dafür brauchen, vor allem, wenn sie sich lieber kopfüber in ein neues Dilemma stürzte, als zu versuchen, all die alten Wunden zu flicken. Das Meeresrauschen war nicht hier, das war die Realität in der er litt, jetzt, wo er seinen Albträumen entkommen war. Ob das die Strafe dafür war? "J-ja, das Fenster ...", murmelte der Wolf, der dennoch nicht von Rain abließ, aber beschämt zur Seite sah. Zu viel verlangte er dem Lamm ab, das gerade erst wieder genesen war, das ihm verdeutlichte, dass die Welt dort draußen nicht die seine war. "Bitte", flehte der Wolf, der schließlich die Hände des Lammes zögerlich losließ, als würde er sich verbrennen, sobald er es wirklich tat. Freiheit fühlte sich nicht an, als würde etwas konstant auf seine Brust drücken und als würde ihm die Wahrheit aus dem Rachen empor klettern, sobald er den Mund öffnete.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain nickte, während Nayantai sich langsam von ihm löste und seine Finger zögerlich von Rains Händen glitten. Es gab keinen Grund seinem Blick so auszuweichen, aber Rain sagte erneut nichts dazu und ließ den Wolf lieber machen, was sich für ihn richtig anfühlte. Er wartete noch einen Moment, bevor er sich aufrichtete und zum Fenster marschierte, von dem er sich nicht erinnerte, wann er es zuletzt offen gesehen hatte. Klar lüftete Sara manchmal, aber nicht, solange Rain im Zimmer war. Das letzte Mal vor einem offenen Fenster stand er für nicht einmal eine Minute in seinem Arbeitszimmer, als Nayantai es einfach wieder geschlossen hatte, weil auch er sich um den kranken Adeligen sorgte. Nur sein Vater war mit ihm im kalten Einfang gestanden und hatte ihm wirre Erklärungen zu Nayantai an den Kopf geworfen, ohne darüber nachzudenken, dass sein Sohn die Kälte nicht vertrug.

      Rain zögerte also fast ein wenig, bevor er das Fenster tatsächlich öffnete und die kalte Luft in sein Zimmer ließ. Instinktiv hatte er schon zuvor die Luft angehalten, sich darauf vorbereitet, dass ihm ein Schwall kalter Luft entgegen stieß. Er mochte den Geruch von frischem Schnee eigentlich, auch wenn er ihn selten genießen durfte, ebenso war die kühle Luft manchmal sehr angenehm, auch wenn ihm viel zu schnell kalt wurde. Der kalte Luftstoß brach weniger schlimm über ihn herein als er erwartet hatte und er holte für einen kurzen Moment durch die Nase Luft, bevor er sich lieber von dem Fenster abwandte und zum Wolf hinüber sah. Vermutlich hätte er sich zuerst warm anziehen sollen, vermutlich hätte er sich jetzt schon zum Feuer begeben sollen, aber viel lieber wollte er abwarten, was Nayantai tun würde, ob er noch etwas brauchte, ob Rain wieder zu ihm kommen sollte...
    • Ein Schwall kalter Winterluft war es, der sich seinen Weg in den Raum bahnte, sobald Rain es wagte, das Fenster zu öffnen - etwas, das der Wolf schon lange nicht mehr auf seiner zerstörten Haut genossen hatte, ihm dabei half, wieder in die Realität zurückzufinden. Sein Atem flachte ab und die Kälte, die immer weiter in den Raum strömte, war angenehm, auch aus der Distanz - dafür hätte Rain aber das Fenster nicht öffnen sollen, denn viel eher war es dem Wolf darum gegangen, seinen Speichel nicht weiterhin in seine Arme zu wischen, weil er ihn nicht mehr zu schlucken vermochte. Wenn ihn seine Beine nicht tragen wollten, so glaubte er, würde er einfach zum Fenster kriechen - und doch war es vermutlich die kühle Luft, die ihn irgendwie motivierte, wie auf schlottrigen Stelzen zum Fenster zu Humpeln, als würde der ganze Schmerz, den er sonst unterdrückte, auf ihn fallen - dass er gekrümmt ging konnte man nicht abstreiten, aber es war kein langer Weg zum Ziel.

      Der Wolf lehnte sich aus dem Fenster, klammerte seine Hände an den Rahmen und stand dort, ließ die Kälte über sich hereinfallen, bevor es ihn würgte und er sich schlussendlich übergab. Einige, undeutbare Geräusche später spuckte er nochmals aus dem Fenster, während der letzte Rest des Drucks aus seinem Körper entwich und lediglich einen ekelhaften, bitteren Nachgeschmack in seinem Rachen hinterließ, den er auch dann nicht loswurde, als er es versuchte. Nayantai verblieb noch einen Moment dort, am Fenster, als wolle er die eiskalte Luft auf seiner warmen Haut genießen und nicht daran denken, dass er sein Mittagessen gerade an den Schnee vor dem Anwesen verschenkt hatte - oder an die Dinge, die erst dazu geführt hatten. Kaum glaubte er, er hatte alles, was er brauchte, zog er sich zurück und legte seine Hand erneut an das Fenster, damit er es wieder schließen konnte. "Ich ... ich glaube, es ... geht mir jetzt ... besser."
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    • Rain stand zumindest neben dem Fenster, so dass die kalte Luft ihn nicht zu sehr erwischte, während er zusah, wie der Wolf sich langsam erhob und auf zitternden Beinen zum Fenster schlurfte. Die kalte Luft erinnerte ihn an sein zu Hause, das wusste Rain und abgesehen davon war er es bestimmt leid die abgestandene, modrige Luft eines Kellers zu atmen, oder aber auch die mit trockener Hitze durchzogene Luft in Rains Zimmer. Er war es ja selbst Leid diese Luft zu atmen, wusste jedoch auch, dass wenn ihn jemand so sehen könnte, derjenige Rain vom Fenster zerren würde, es schließen würde und ihn anschließend erst um Entschuldigung bat, dass man ihn, als Adeligen, so bevormundet hatte. Nicht so der Wolf, der mit seinen ganz eigenen Problemen beschäftigt war, während Rain es nicht wagte ihn alleine zu lassen, nur um zu dem Schrank hinüber zu gehen und sich etwas über zu ziehen, genau so wenig, wie er nicht näher an das Feuer heran trat, weil er nicht wollte, dass der Wolf aufschreckte und aus seiner Ruhe gebracht wurde.

      Rain verschränkte lediglich die Arme und zog sein Hemd über seinen Mund während er atmete, um die Kälte von seinem Inneren fern zu halten. Den Wolf behielt er im Auge, während er für einen Moment glaubte, er könnte, so wie er am Fenster stand, jederzeit nach draußen fallen. Er ließ ihm jedoch seine Privatsphäre als er sich übergab. Unter anderen Umständen hätte er ihm vielleicht über den Rücken gestrichen, oder ihm die viel zu langen Haare aus dem Gesicht gehalten, aber Rain wusste nicht, ob Nayantai seine Nähe jetzt überhaupt wollte. Dafür stand er mit einem Glas Wasser vor ihm, sobald der Wolf sich wieder zu ihm umdrehte und lächelte ihn an.
    • Erleichterung zog sich durch seinen Körper - das Fenster und seine Verbindung zur Welt schloss sich, aber er konnte sich noch auf seinen Beinen halten und wusste, dass die kalte Luft seine Lunge nicht erstarren lassen würde. Befreiend war es durchaus, seinen Ballast loszuwerden, auch, wenn er sich eigentlich nur davor versteckt hatte - geflüchtet war, bis er ihn wiederum überkommen war, davon gerannt wie ein ängstlicher, geschlagener Welpe - war er denn mehr? Nayantai grummelte, wurde den befremdlichen Geschmack nicht los und wusste nicht, ob sein schmerzender Körper ihn foltern wollte, oder lediglich glaubte, er würde ihm damit zeigen, dass er maßlos über sein Ziel hinausgeschossen war, wenn er denn überhaupt eines besessen hatte. Sein sonst so grimmiger Blick war verschwunden, noch immer sah er aufgelöst und ängstlich aus - zerstört. "Rain ... es tut mir leid", murmelte der Wolf, dessen Blick wieder auf den des Lammes traf, das ihm bereits ein Glas Wasser präsentierte, als würde es genau wissen, woran er dachte und was genau es war, das ihn plagte. "Danke ...", gab er von sich und wendete beschämt den Blick ab, gen Boden, als er nach dem Glas griff und sich das Wasser einverleibte, beinahe so, als würde er in den nächsten Sekunden verdursten, täte er es nicht.

      Schmerzen durchzuckten seinen Körper, gingen von seinem Rücken und seiner Seite aus und fraßen sich in ihn hinein, aber auch das Bein mit der Narbe, die er Rain vor zwei Wochen gezeigt hatte, fühlte sich so an, als würde es sein Gewicht nicht unbedingt tragen wollen. Unbedacht kippte er etwas nach vor, schloss die Arme um das Lamm, das nun wohl oder übel mit seinem Gewicht auskommen musste, dass er nicht auf den armen Fürsten verlagern sollte. "Mir tut alles weh", gab er zu, wusste, dass es nicht schlimm war, wenn er sich seine Schmerzen eingestand, dass es normal war, irgendwann einfach aufzugeben und dass er die Schmach, die er in den letzten Jahren durchgemacht hatte, nicht länger über sich ergehen lassen musste. Bei Rain war er sicher, musste sich vor nichts fürchten, selbst dann, wenn er sich - mit dem leeren Glas in der Hand - an den Adeligen drückte. "Mh, was wolltest du vorher wissen?" Nayantai wusste nicht, ob er jetzt imstande war, zu reden, aber wenn er es schon geschafft hatte, die Angst vorläufig aus sich zu verbannen, warum bändigte er sie nicht sofort?
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    • "Wieso entschuldigst du dich?", fragte Rain und langsam dämmerte es ihm, warum der Wolf Rain so oft dasselbe fragte. Sie entschuldigten sich wohl beide häufig für nichts, für etwas, bei dem dem jeweils anderen nicht einmal in den Sinn gekommen wäre, dass es störend war, oder gar wert eine Entschuldigung auszusprechen. Ebenso wenig war ein Danke nötig, aber das wollte Rain dem Wolf nicht nehmen, lächelte einfach nur und reichte dem Wolf das Glas Wasser, das er in einem Zug austrank. Es schien ihm zumindest so weit besser zu gehen, dass er sich auf den Beinen halten konnte, dass er wieder sprechen konnte. Die kühle Luft schien ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben und Rain bereute es nicht die paar Minuten in der Kälte ausgeharrt zu haben. Er hörte das wohlbekannte Rasseln in seiner Lunge als halle es durch seinen Körper, aber er war es gewohnt und es war nicht schlimmer als sonst, es sollte den Wolf also nicht beunruhigen und solange er seinen Kopf nicht auf Rains Brust legte, würde er es auch gar nicht merken.

      Dass die Beine des Wolfes ihn noch tragen wollte, war allerdings etwas zu früh gesagt, denn der Wolf lehnte sich bald schon an das dürre Lamm, das nun seinerseits versuchte aufrecht stehen zu bleiben. Der Wolf gab sich nicht viel mühe noch viel von seinem eigenen Gewicht zu tragen, aber Rain freute sich, dass der Wolf die Nähe zu Rain wieder suchte und der Adelige legte sanft seine Arme um Rain, nachdem er die erste Überraschung überwunden hatte. "Du bist schwer...", schmunzelte Rain und wusste, dass der Wolf noch lange nicht sein gesamtes Gewicht auf Rain verlagerte, sonst wäre der dürre, blonde Junger vermutlich schon unter ihm zusammen geknickt. "Komm...", murmelte er, machte mit dem Wolf zwei Schritte nach hinten und ließ sich schließlich mit ihm ins Bett plumpsen. Der eigentlich weiche Aufprall drückte die Luft aus Rains Lungen, die seit dem sie die kalte Luft aufgenommen hatten gereizt waren, aber Rain wollte dem Wolf jetzt keine Angst machen und so schluckte er das Husten beinahe schon wieder herunter. Als der Wolf nun doch anbot Rains Frage zu beantworten, zogen sich seine Augenbrauen jedoch zusammen, was der Wolf zum Glück nicht sehen konnte. Er hatte die seltsamen Runen um Nayantais Wunde nicht vergessen, aber... "Nicht so wichtig."
    • Bei Sinnen zu sein fühlte sich wirr an, wenn nicht gar nicht gar verwirrend - all die unschönen Erinnerungen und Wahrheiten waren es, dich sich in seinem Kopf darum stritten, wer von ihnen als erstes Unbehagen im abgemagerten Gerippe auslöste, das einst ein Wolf gewesen war, der stolz auf dem Schlachtfeld herumposaunt hatte, dass er jedem Schaf, das ihm zu nahe kam, den undankbaren Schädel vom Hals zupfen würde, wenn er es musste. Das Problem, das sich vor ihm auftürmte war jedoch, dass es Nayantai egal gewesen war, ob er musste oder ob er sollte, weil er es ohnehin mit jedem getan hatte, der ihm unter die Augen getreten war und glaubte, einfach so wieder gehen zu können. Nur zwei Personen waren es, die er nicht zerreißen konnte - der König und Rain, was vermutlich auch das einzige Merkmal war, das sich die beiden teilten. "Wieso nicht? Bin ich nicht anstrengend?", harkte er mit einem schwachen Lachen nach, als hätte er schon aufgegeben, wollte nicht länger eine leere Hülle befüllen, der er nicht mehr gewachsen war, sondern jemand sein, der er wirklich sein wollte. Unsichtbares Blut war es, das von seinem Körper träufelte, mit dem Schmerz einherging, der sich merklich durch ihn zog und wieder dabei war, ihn zu verblenden und ihm die Wahrheit aus den aufgeschürften Händen zu stehlen - sollte er sich selbst dazu zwingen, sich zu erinnern, oder vorerst loslassen und auf eine bessere Gelegenheit warten?

      "Bin ich das?", harkte er nach, gab aber kein einziges Widerwort von sich, als er seinen schweren Körper zu Rains Bett schleppte, auf dem er sich niederließ, damit keiner von beiden mit fremdem Gewicht auf den schmerzenden Knochen klar kommen musste. Kälte war es, die sie soeben in diesen Raum eingeladen hatten, die sich nicht nur in ihren Herzen festgesetzt hatte - Nayantai wusste sehr wohl, dass er das Wetter dort draußen misste, aber auch, dass er sich schrecklich einsam - mit seinen Gedanken allein gelassen - wenn er sich wieder auf den Heimweg machte, dorthin, wo er nach sich selbst suchen musste. Behutsam ließ er das leere Glas auf dem Nachttisch nieder, bevor seine Blick zu seinen Fingern wanderte, die er auf seinem Schoss ineinander verschränkt hatte. "Bist du dir sicher? Es ist nicht so als ... als würde es mich stören", nuschelte er und ließ seinen Kopf auf die Schulter des Lammes fallen, das überhaupt nichts für seine Misere konnte - das nicht gewusst hatte, dass kleine Gesten reichten, um Nayantai den Verstand zu rauben. "Ich kann ... auch über etwas anderes reden ... wenn du das möchtest." Vielleicht hatte der König recht gehabt, vielleicht hätte man ihm einfach den Mund vernähen sollen.
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    • "Anstrengend? Nein. Es macht mir nichts aus für dich da zu sein und dir zu helfen, wenn ich kann und darf.", entgegnete Rain ehrlich, denn es war so. Es gab tatsächlich keinen Grund sich zu entschuldigen, er fand es weder lästig, noch zu belastend, wenn Nayantai weinte, oder sich wie eben verängstigt in eine Ecke kauerte. Wer wäre er denn, wenn er sich auch noch beschwerte, während Nayantai das Trauma das er erlebt hatte noch einmal durchlebte? Nein, wenn er ihm helfen konnte solange er hier war und noch nicht auf dem Weg nach Thria, auf dem er ganz alleine wandeln würde, dann wollte er das tun. Nayantai sollte die Gelegenheit nutzen dürfen, jemanden zu haben, an den er sich festkrallen konnte, auch wenn es nur Rain war und nicht seine Familie und Freunde. Wenn Rain dafür auch her halten konnte, dann tat er das gerne.

      "Es... ich... ich glaube ich habe für heute genug angerichtet...", murmelte Rain sah kurz zu dem schwarzen Schopf Haare auf seiner Schulter und legte schließlich seinen eigenen blonden Kopf dazu. Er schloss die Augen, auf einmal war er irgendwie müde, außerdem hielt er es für eine schlechte Idee, nach dem König zu fragen, wenn Nayantai sich gerade erst wieder gefangen hatte, andererseits war jetzt vielleicht die beste Gelegenheit, jetzt, wo er sich beruhigt hatte und vielleicht akzeptieren konnte, was ihm passiert war und hier niemals vorkommen würde. "Wenn es dir hilft, über dieses, oder jenes zu sprechen, dann höre ich dir gerne zu, Nayantai." Rain drückte seinen Kopf wie als Bestätigung ein wenig fester gegen den des Wolfes. "Aber ich will dich nicht zu etwas zwingen, das dir Schmerzen bereitet. Es tut mir Leid, dass ich so unbedacht gefragt habe und auch das mit der Tür. Ich... ich wollte dich nicht einsperren, viel eher wollte ich alles andere da draußen lassen."
    • Zugeben konnte es der Wolf nicht, würde es vermutlich auch nie können, doch Rains Nähe und die Wärme, die das Lamm ausstrahlte, war nicht nur anziehend für ihn, sondern sorgte dafür, dass er sich geborgen fühlte - gut aufgehoben, vielleicht sogar verstanden und geliebt. Nayantai wusste, dass das kein Dauerzustand sein würde und dass er in Thria ebenfalls jemanden hatte, der sein Leiden verstehen würde - dort, wo sich kein Schaf hintrauen sollte, im eisigen Gefängnis, fernab von dem Rest der Stämme. Käme er erst Zuhause an, so glaubte er, hatte er dennoch keine Zeit, diese Reise anzutreten oder gar die Möglichkeit, sie zu überleben. Sein Körper würde ihn verraten, so wie er es im Moment tat, weil er sich nicht mehr zusammenzureißen wusste, weil ihm einleuchtete, dass er nicht mehr als sein eigener Gefangener war und die Wände des steinernen Haufens, in dem er sich gerade aufhielt, ihn lediglich vor seinem Untergang beschützen sollten. "Glaubst du wirklich, dass du dich mit mir herumschlagen willst? So etwas ist weder zum ersten, noch zum letzten Mal passiert", gestand er Rain, wusste aber genau so gut, dass die Antwort keine andere wäre - dass er selbst nicht für sein Trauma verantwortlich war, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Sterben hätte er sollen, in den Fängen eines machthungrigen Schafes, damit er sich selbst nicht weiter verletzen konnte.

      "Angerichtet? Du ... hast nichts getan?", warf er Rain an den Kopf. Nayantai wusste selbst, dass er sich gerne von Dingen benebeln ließ, dass der unsichtbare Schleier viel zu oft auf seinen Augen lag und ihm die Sicht raubte, oder ihm die Ohren zufielen und er die Schreie der Vergangenheit ausblendete, die sich an ihn wandten, weil er sie nicht weiter unterdrücken konnte - weil er sich nicht mehr zu helfen wusste, stur blieb. Kaum spürte er Rains Kopf auf dem seinen fühlte er sich so, als wären die letzten Minuten gar nicht passiert - als wäre der Druck, welcher auf ihm gelastet hatte, wie weggefegt und als hätte er sich mit etwas Hilfe aus dem Sumpf gezogen, in dem er zu verschwinden drohte. "Also auch dann, wann es etwas ist, dass du im Prinzip nicht hören willst ...", nuschelte er. Ja, selbst wenn er Rain gestehen würde, dass er so viel mehr als seine Besitztümer verloren hatte, würde dieser entweder nicht verstehen, oder nicht glauben können, was der Wolf ihm erzählte - der König der Schafe sollte kein Tyrann sein, sondern jemand, der das tat, was sein Volk brauchte - aber tat er das wirklich? "Rain, du musst dir keine Vorwürfe machen - ich hätte es dir auch sagen können, aber ich habe gar nicht daran gedacht. Du ... du bist wirklich nicht schuld."
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    • "Wie gesagt... es macht mir nichts aus.", antwortete Rain erneut und lächelte ein wenig, hatte der Wolf doch so wenig Vertrauen in ihn? Er hatte nicht vor bei der kleinsten Schwierigkeit davon zu laufen, auch wenn er nicht wusste, warum er so dachte, es fühlte sich einfach richtig an, dem Wolf zu helfen, ihm nahe zu sein und ihn zu beschützen. Vielleicht war er auf gewisse Weise selbstsüchtig und hatte nur endlich jemanden gefunden, der irgendwie schwächer war als er selbst und deswegen klammerte er sich an ihn, um sich selbst stärker zu fühlen, aber was das wirklich was dahinter steckte? Rain wusste es nicht und solange er den Wolf mit seinen taten und Worten nicht verletzte, sollte es auch egal sein, was sein wahres Motiv war, das nicht einmal er zu ergründen vermochte. Ebenso ging es vielleicht dem Wolf, der Rain als einzigen an sich ziehen konnte, ohne fürchten zu müssen, dass ihm etwas passierte und genau das war es, das der Wolf womöglich brauchte. Rain hatte nicht vor mehr in die Situation hinein zu interpretieren, als dass sie einander einfach auf eine gewisse Art und Weise glücklich machen konnten, das musste als Tatsache reichen.

      Dass Rain jedoch nicht Schuld an Nayantais Zusammenbruch war, fühlte sich wie eine Lüge an, die der Wolf Rain erzählte, damit er sich keine weiteren Gedanken darüber machte. Es blieb nur zu hoffen, dass das eben für Nayantai zumindest ein wenig befreiend war und Rain wusste nun, dass er keine Tür mehr versperren würde und natürlich konnte Nayantai auch das Fenster in seinem eigenen Zimmer so lange offen lassen, wie er wollte. "Was ich nicht hören will...?", fragte Rain nach, glaubte die Worte der Wölfe verstanden zu haben, aber er wusste nicht was Nayantai meinte. "Weil es zu grausam ist...? Oder weil... hm... die Tatsache, dass ich dir Glauben schenke, sollte Beweis genug dafür sein, dass ich keine allzu hohe Meinung von dem König, oder seinem Krieg habe.", gab er etwas säuerlich zu verstehen, auch wenn er diese Worte eigentlich niemals hätte in den Mund nehmen dürfen. Allein dafür hätte man ihn köpfen lassen können und für jemanden wie Rain, der immer schon wie etwas exotisches angesehen wurde, von allen die ihm begegneten, da wollte er sich gar nicht ausmalen, was der König mit ihm anstellen würde, wenn er sich Nayantai ansah. Sein einziges Glück wäre wohl, dass er bestimmt nicht so lange überlebt hätte, vermutlich nicht einmal eine Woche. Rain schüttelte den Kopf, es sollte gerade nicht um ihn gehen. "Du kannst über alles reden, wenn du willst."
    • "Ich will mich dir trotzdem nicht aufzwingen", mehr als nur falsch fühlte es sich an, sich einem Schaf zu ergeben, sich alles vom Leibe zu reißen, das er noch hatte, den Anstand herunterzuschlucken, damit er sich dazu überwinden konnte und nicht sofort glaubte, er hätte jedwede Regeln missachtet, die man ihm einst eingetrichtert hatte. Unnatürlich war es für sie beide nicht, würden sie nichts füreinander übrig haben und glauben, derjenige, den man vor Sekunden noch als etwas wie einen Freund bezeichnet hatte, war nicht mehr als ein Lügner, ein Heuchler, der sich eigentlich nur einen eigenen Vorteil aus einer Beziehung wie dieser erhoffte. Wäre dem so, so hatte Nayantai keine Ahnung davon, was es war, das Rain in ihm sah, wenn er seine Hände nicht an ein aufgebrachtes Stück Fleisch legen wollte, dass sich vor wenigen Minuten nicht einmal dagegen gewehrt hätte, hätte man ihm ein Messer in die Schulter gesteckt, ihn getreten oder hätte ihn behandelt wie Spielzeug, mit dem man nicht mehr tun konnte, als sich zu vergnügen. "Außerdem will ich dich nicht verletzen", wisperte er schon beinahe, als würde er Angst davor haben, seine Ängste in die Welt herauszuposaunen, damit auch Rain wusste, wer oder was es war, der Nayantai so sehr plagte.

      Zweisamkeit war es, die die beiden wiederum miteinander teilten und viel mehr war es auch gar nicht, die sie verband. Eingestehen mussten sie es sich, früher oder später, dass sie beide einsam und allein waren und dass es unter ihnen kein Netz gab, das sie auffing, fielen sie erst in den dunklen Brunnen aus eigenen Gedanken hinein. Rain schien es in seinem Fall zu sein, der ihn zumindest an einem Arm aus dem tosenden Wasser ziehen wollte, sich dabei mehr Mühe gab, als er vielleicht gar musste. "Ich will einfach nicht, dass du schlecht von mir denkst ... oder dass du mich ... abstoßend findest", gestand er und schluckte den Kloß in seiner Kehle erneut herunter, der sich immer wieder zu bilden schien, während einzig und allein der Gedanke an die Dinge, die ihm widerfahren waren, dazu führten, dass er glaubte, er würde sich wieder verkrampfen. Nein, es war alles in Ordnung - hier, bei Rain, würde ihm nichts passieren. Nayantai war sicher, hatte sich noch nie sicherer gefühlt. "Du ... du glaubst mir?" Den Kontext der restlichen Worte konnte er nur erraten, aber auch der letzte Rest des Unbehagens hatte sich aus seinem Körper geschlichen, kaum glaubte er, Rain wieder einwandfrei zu hören. "A-Aber ich bin ein Wolf. Dein Feind, das weißt du?" Ja, warum fragte er auch so dumm? Rain hatte bereits gesagt, dass es nichts geben sollte, das er bereute und Nayantai hatte es ihm gleich getan, dennoch verhielten sie sich beide so, als hätten sie einander nicht nur nicht zugehört, sondern saßen das erste Mal nebeneinander. "Und du willst dir wirklich alles davon anhören?" Warum schenkte ihm ein Lamm auch sein Gehör?
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    • "Mir...was?", Rain seufzte einmal tief und ging in sich, konnte aber keine Übersetzung finden, die Nayantai irgendwann einmal fallen gelassen hätte. "Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis wir uns wirklich verstehen... manchmal vergesse ich es fast schon, so normal fühlt es sich an, wenn wir miteinander sprechen." Rain schüttelte den Kopf, das hatte Nayantai nun sowieso nicht verstanden, wieso plapperte er auch immer vor sich hin. "Wie auch immer, ich habe dich eingeladen hier bei mir zu sein und mit mir zu sprechen, du musst dich also nicht zurück halten." Rain meinte es so wie er es sagte, aber glaubte, er würde sich noch öfter wiederholen müssen. Wenn man eingesperrt war, alleine und ohne jemanden dem man vertrauen konnte, so wirkte ein Schaf wie Rain vermutlich unwirklich und zu gut, als dass man ihm wirklich einfach so vertrauen konnte. Vielleicht lag Nayantais zögern daran, oder daran, dass er Rain für zu schwach hielt, als dass er ihm alles tatsächlich erzählen könnte, ohne ihn zu ängstigen. "Mich verletzen? Wie meinst du das?", fragte er nach, war sich nicht sicher, was der Wolf meinte, aber er brauchte sich keine Sorgen zu machen. Rain wusste zwar, dass er sich bereits viel zu nahe an den Wolf heran gewagt hatte, um nicht verletzt zu sein, wenn er in ein oder zwei Monaten wieder verschwand, aber das war ohnehin schon unvermeidlich.

      "Nayantai...", seufzte Rain leise wispernd und öffnete seine Augen wieder, blinzelte ein wenig und sah die Decke über sich an, als wäre sie besser als die Dunkelheit hinter seinen Lidern. "Was dir passiert ist, ist nicht deine Schuld.", gab er bestimmt von sich, denn es war die Wahrheit und Nayantai brauchte sich für nichts schämen, wenn sich jemand schämen musste, dann derjenige, der ihm all das angetan hatte. Dann schmunzelte Rain ein wenig, und kniff Nayantai spielerisch in die Wange, weil etwas anderes gerade nicht in Reichweite war. "Und ja, ich weiß, dass du ein Wolf bist. Und ich bin ein Schaf, ebenfalls dein Feind, wenn du das auch weißt, dann brauchst du mich ja nicht danach zu fragen und solltest wissen, dass es mir egal ist. Wir sind beide vor Allem Menschen." Rain nahm seine Hand wieder von Nayantais Wange und wurde erneut ein wenig ernster, schloss die Augen wieder. "Fragst du mich, ob ich alles hören möchte, weil du dir nicht sicher bist, obwohl ich dir die Frage schon beantwortet habe, oder weil du dich in Wahrheit doch davor drücken willst es zu tun?"
    • "Dir ... dir ... zu nahe treten? Dich stören", versuchte der Wolf zu verstehen zu geben. Würden sie beide nicht eine Sprachbarriere zwischen sich wissen, so dachte er, wäre ihm alles egal - könnte er Rain wenigstens verstehen, dann hätte er nichts dagegen, in einem nassen Feld zu liegen, von Maden zerfressen und mit Krähen, die ihm langsam aber sicher die Augen aus dem Schädel pickten, weil sie sich selbst noch an seinem toten Körper vergehen konnten. "Oft hoffe ich einfach, dass du mich verstehst, ohne dass ich es dir erklären muss ... und dann landen wir wieder in einer Sackgasse", eine fremde Sprache zu erlernen war etwas, das sie beide nicht sonderlich beschäftigt hatte, zumindest bis jetzt noch nicht. Während man glaubte, dass jeder einzelne Satz, der aus dem Mund des Wolfes purzelte, ein gemeiner Zauber sein konnte, würde man zumindest wissen, wovon Rain sprach, wenn man sie belauschte. In Fhaergus gab es keine Wölfe, Niemanden, der ihn trösten konnte, außer ein Lamm, das sich nicht vor ihm fürchtete, sondern viel eher wissen wollte, wieso und weshalb es ihm so miserabel ging, dass er nicht mehr furchteinflössend war, sondern die Angst sich durch seinen eigenen Körper zog. "Ich ... vorhin, als ich so reagiert habe. Ich will dich nicht glauben lassen, dass du mich nie wieder berühren darfst", der Wolf schluckte. Was, wenn Rain das auch gar nicht erst so aufgefasst hatte? Machte er sich hiermit zum Affen? Unsicher war er, voreilig und übereifrig auch - Nayantai wusste nicht, wie er sich selbst helfen konnte.

      Rain anzusehen, dazu konnte er sich nicht durchringen - nicht im Moment. Sein Blick war noch immer wie an seinen Fingern festgeklebt, als er seinen Namen vernahm und sich so fühlte, als hätte er etwas falsches gesagt, das Rain missfiel. Aber Rain war nicht der König, nicht von Habgier zerfressen und nicht der Meinung, er müsste einem armen Wolf einen weiteren Peitschenschlag verpassen. "Ich weiß, aber ich will einfach nicht ... dass du ... ... dass du glaubst, dass ... dass ich abstoßend bin", murmelte der Wolf, dessen Finger sich wieder ineinander verkrampften, rot wurden und schmerzten, weil sie zuvor schon auf ähnliche Weise missbraucht worden waren. Dachte Nayantai an den König, dann fühlte er sich schlecht, fühlte sich allein und verraten, verloren und verzweifelt - schmerzerfüllt waren die Gedanken an ihn. Fast hätte die saure Stimmung überhand genommen, aber Rain schien genau so wenig Lust darauf zu haben, wie der Wolf es tat und neckte ihn lieber - ob das Karma war? "Au", warf er dem Schaf gespielt beleidigt vor, lachte aber - wieso kniff man ihm auch in die Wange? "Du bist ein komisches Schaf, ich bin ein komischer Wolf. Problem gelöst", ließ er anschließend verlauten, während er eine seiner Hände nahm, um sich über die gekniffene Stelle zu reiben und Rain selbst in seine Seite zu kneifen, weil er das nicht auf sich sitzen lassen wollte. "Wir sind quitt", prahlte er danach beinahe schon stolz, musste sich jedoch eingestehen, dass er unverdienter weise vom Thema ablenkte. "I-Ich ... es ist nur ... ich will es dir erzählen ... a-aber ... ich habe Angst", gab er zu, als sich seine Miene verfinsterte. Nayantai wusste nicht, wo ihm der Kopf stand, aber er wusste, dass ... "Aber ich ... sollte es nicht länger in ... i-in mich hineinfressen."
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    • Rain schüttelte leicht den Kopf, er verstand immer noch nicht ganz was der Wolf sagte, aber es war nicht wichtig. "Mach dir keine Gedanken.", murmelte er, es gab nichts weswegen der Wolf sich grämen musste. Vielleicht sollte Rain das alles stören, vielleicht sollte er das Interesse an dem Wolf verlieren, wenn dieser mehr Arbeit bedeutete, oder nichts anderes tun konnte, als stotternd von seinem Leid zu erzählen, aber so fühlte Rain sich nun einmal nicht. All das störte ihn nicht, viel lieber wollte er dem Wolf helfen und war dann eher noch derjenige, der sich ihm aufzwang und nicht umgekehrt. Womöglich wäre der Wolf vorhin lieber alleine gewesen, auch wenn er es jetzt nicht sein wollte, so schien es zumindest. "Dich nicht berühren...?", wiederholte Rain die Worte die er verstanden hatte und schüttelte abermals leicht den Kopf. "Ich... mh... hätte ich das sollen? Dich umarmen? Ich... war nicht sicher was du brauchst, aber ich werde dich nicht berühren, wenn du es nicht willst und umgekehrt... wenn du meine Nähe möchtest, dann habe ich nichts dagegen." Rain wählte seine Worte mit mehr bedacht, versuchte nicht so kompliziert zu sprechen, sondern so, dass der Wolf ihn auch leichter verstehen konnte, manchmal vergaß er wirklich, dass sie einander eigentlich kaum verstehen konnten und trotzdem schafften sie es eine Unterhaltung zu führen.

      "Ich werde nicht schlechter von dir denken. Ich sehe dich so vor mir, wie du jetzt bist, was du früher warst, oder was du erlebt hast, macht dich zwar zu dem, der du bist, aber es ist Vergangenheit. Ich mag dich, so wie du jetzt bist und eine Geschichte wird das nicht verändern, sondern erklärt nur, warum du heute so wie du es tust vor mir stehst.", erklärte Rain, der keinen Wert darauf zu legen schien, wie viele Schafe der Wolf getötet hatte, oder was ihm in seiner Zeit der Gefangenschaft widerfahren war. Auch wenn seine Erfahrungen ihn geprägt hatten, er war, jetzt im Moment, weder ein blutrünstiges Monster, noch war er ein Stück Dreck unter dem Stiefel des Königs.
      Ein leichtes Lachen verließ Rains Rippen als die Stimmung ein wenig auflockerte und er in die Seite gekniffen wurde. "Quitt, ja.", wiederholte er die korrekte Nutzung des Wortes, war ebenfalls ein bisschen stolz, dass der Wolf es sich gemerkt hatte. Jedoch blieb die gute Laune nur von kurzer Dauer und Rain hob seine Hand, präsentierte sie dem Wolf. "Willst du meine Hand halten?", fragte er ihn und dachte noch über das nach, was der Wolf gerade gesagt hatte. Hineinfressen... er konnte das Wort auseinander nehmen und die einzelnen Bedeutungen verstehen, er glaubte zu wissen was Nayantai gesagt hatte. "Ich höre dir zu, wenn du bereit bist."
    • Befand man sich erst in seiner misslichen Lage, dann gab es selbst aus dieser keinen Ausweg mehr - egal wie sehr er versuchen würde, sich selbst aus dem Sumpf der Erinnerungen zu befreien, es bedurfte einer helfenden Hand, die in diesem Fall niemand anderem als einem Lamm gehörte, das er eigentlich zu seinen Feinden zählen sollte. Wenn er schon wusste, dass er danach greifen konnte, wieso tat er es nicht? Vielleicht waren es auch die letzten Reste seiner ehemaligen Selbst die ihm zuriefen, die noch irgendwo in Ketten lagen und sich dagegen wehren wollten, zerschlagen zu werden - ausgelöscht, in ein Eck geschoben, wie benutztes Spielzeug, das langweilig geworden war. "Ah, nein ... du ... du kannst mit mir tun, was du möchtest", gab der Wolf zögerlich und gleichzeitig beschämt von sich - irgendwie hörte es sich nicht richtig an, diese Worte so von seinen Lippen prasseln zu lassen. "Aber ich bin gerne in deiner Nähe", gestand er ihm. Nayantai wusste, dass er auf eigenen Beinen zu stehen hatte, dass er nicht am Boden herumkriechen durfte, sondern sich auf so viel mehr konzentrieren sollte, als Rain. Wie ein rettendes Brett war er, an das sich ein ertrinkender Wolf klammerte, der nicht mehr wusste, wo ihm der Kopf stand oder ob er überhaupt noch einen besaß. Das Beste wäre wohl, sich einreden zu lassen, Rain wäre ihm wohlgesinnt, er brauchte sich nicht vor ihm zu fürchten und hatte auch anderweitig keine Probleme damit, sich ihm einfach zu ergeben, wenn es denn dazu kommen sollte - aber warum dachte er auch daran?

      Einzelne Wortfetzen zu verstehen war kein Problem, allerdings war es schwer sich einen Kontext aus einem endlos wirkenden Satz zu reimen, von dem man nicht einmal wirklich die Hälfte verstand, so sehr man sich auch anstrengen wollte. Einzig und allein, Rain würde nicht schlechter von ihm denken - war das alles, was das Lamm dem Welpen vermitteln wollte? Wenn nicht, dann waren es die Worte, die ausgesprochen wurden und Nayantai irgendwo sagten, dass es egal war, selbst, wenn er sein bestes geben würde um Rain zu verstehen. Entgeistert seufzte er, wusste, dass er weitaus genug Fortschritte gemacht hatte und doch frustrierte es den Wolf. All die Auflockerung, die zwischen den beiden gerade noch geherrscht hatte, weil sie es wohl leid waren, Trauer und Angst zu sehen, verzog sich, wie die Sonne hinter Gewitterwolken. "Ja, will ich", brummte der Wolf knapp und griff nach der Hand Rains, die ihm angeboten wurde - Nayantai hätte vermutlich seine eigenen Hände halten sollen, versuchen sollen, sich um sich selbst zu kümmern und Rain nicht in seinen Sumpf aus Schmerz hineinzuziehen. Dazu war es mittlerweile zu spät. Nayantai schnaubte, verbannte die Luft aus seiner Lunge und fing an, zu überlegen, zu sortieren, was er wusste und die Ecken und Enden der Momente, die nur als zeitlose Fetzen existierten, abzurunden - er wusste selbst nicht alles, aber genug, damit er nicht darüber reden wollte.

      "Ehrlich gesagt weiß ich auch gar nicht, wo ich anfangen soll", gestand er dem Lamm. Zwiespältig war nicht nur das Verhältnis, das der Wolf zu dieser Welt und seiner kontinuierlichen Existenz hatte, sondern auch die Wahrnehmungen seiner Erinnerungen - verdiente er all das? War es ihm erlaubt, hier zu sein und neben Rain zu sitzen, ihm sein Herz auszuschütten und zu hoffen, dass er all die schlechten Gedanken herunterschlucken konnte. "Dein ... König. Nein, warte. Der König der Schafe", das wusste Rain bereits - war sich im klaren darüber, dass der Mann es war, den die Schafe Adrestias so anbeteten, der nichts für die Wölfe übrig hatte, außer die Gier nach ihrem Land. "Ich ... mh. Bevor ... bevor ich im Kerker war", schemenhaft glaubte er sich, an irgendetwas erinnern zu können, an Umrisse eines Ortes, der dem eines solchen Zimmers nicht ganz unähnlich war. Prunkvoller war es gewesen, erfüllt von weichen Stoffen und unnötigen Details. Allerdings wollte er sich gar nicht in diese Situation versetzen, sondern starrte säuerlich auf den Boden zu seinen Füßen. "Ich bin mir ... ziemlich sicher ... dass ... dass ich im B-Bett ... des Königs war", seine Stimme war plötzlich leise, heiser - die Hand, die des Lammes hielt, drückte fester zu, während die Andere in seinen Nacken wanderte und sich unbehaglich über diesen strich, als würde er unterbewusst nach etwas suchen.

      "Danach ... hat er ... mich weggesperrt und ... und mich immer wieder zu ... zu sich geholt. ... W-Wenn ich etwas ... nicht tun wollte, dann ... hat er ... mich auspeitschen l-lassen. ... O-oder etwas ... in mein ... mein Essen mischen ... lassen, damit ... ich mich nicht wehre ... weil mein Körper mir ... nicht mehr gehorcht."
      Selbst darüber zu reden plagte ihn, daran zu denken war allerdings nochmals schlimmer - er sah sich wieder mit all dem konfrontiert, das er eigentlich verdrängen wollte und vergessen hatte, um sich selbst zu schützen und nicht länger miserable zu sein. "Die Wunde ...", murmelte er, wollte sich zu zwingen, nach unten zu sehen, zu den blauen Flecken, die den Bereich zierten und zu der groben Naht, die dafür sorgte, dass er nicht in seine restlichen Einzelteile zerfiel. "Ist ... auch von ihm", Nayantai wurde immer leiser, immer unsicherer und wusste, dass er - verhältnismäßig - seit langem nicht mehr so ausgesehen hatte, eigentlich gar nicht mehr wusste, was für eine Farbe seine Haut haben hätte sollen. "Aber ... ich ... ich kann sie mir ... einfach nicht ansehen."
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain wurde den Gedanken nicht los, dass der Wolf sich zu fest an ihn klammerte und noch zu sehr verletzt davon war, was ihm zugestoßen war, dass er glaubte, er müsse sich entweder so an Rain schmeißen, was nicht der Wahrheit entsprach, oder dass er Rain in einem zu guten Licht sah, der ihm schließlich geholfen hatte und kein grausamer Tyrann war, so wie der König. Er glaubte der Wolf sah mehr in ihm, als da eigentlich war, einfach weil er ihm ein warmes Bett geschenkt hatte und ihm die Fesseln abnehmen ließ, dass er verblendet davon war, dass Rain einfach nur freundlich gewesen war. Rain war nicht sicher, ob er dabei war seinen Zustand auszunutzen und seine eigene Position und wenn er es tat, war er dann besser als der König? Vermutlich nicht. "Ich... solange du es willst...", murmelte er, wollte den Wolf zu nichts zwingen, aber ihn auch nicht täuschen, oder zulassen, dass er etwas tat, das er bereuen würde, wenn er erst einmal wieder zu sich selbst zurück gefunden hatte. Aber wie sollte er dem Wolf das erklären? Würde er ihn von sich stoßen, um ihn zu beschützen, dann wäre er ebenso verletzt.

      Rain drückte die Hand des Wolfes mit sanfter Bestimmtheit, als Nayantai das Angebot annahm und hielt sie einfach fest. Er wollte ihm zeigen, dass er für ihn da war, wenn er denn tatsächlich darüber sprechen wollte, was ihm passiert war. Rain befürchtete nur, dass er nicht einmal die Hälfte von dem verstehen würde, was Nayantai ihm mitteilen wollte, aber vielleicht war es auch gar nicht so wichtig ob er es tat, oder nicht, sondern nur, dass Nayantai sich damit auseinander setzte, der nun doch anfing zu sprechen und dessen Stimme immer leiser wurde, der sich schon wieder zurück zog und immer kleiner machte, als wäre er immer noch in Gefahr. Rain erwiderte den festeren Druck um seine Hand, aber unterbrach den Wolf vorerst nicht, ließ ihn seine Gedanken ordnen und sagen, was es zu sagen gab.

      Rain biss die Zähne zusammen als er hörte was Nayantai sagte, auch wenn er nicht alles davon verstand, was er jedoch verstand machte ihn erneut wütend, während er den Wolf gleichzeitig bemitleidete und wünschte, er hätte ihm helfen können, obwohl er das gar nicht gekonnt hätte, selbst wenn er von all dem früher gewusst hätte. Im Bett des Königs sagte er... wenn Nayantai nur wüsste was das bedeutete, während Rain sich Gedanken darüber machte, dass das alles nicht sein durfte, da war der König derjenige der heuchelte und sich einen Wolf, einen Mann einfach so nahm, ohne darüber nachzudenken, der ihn... Rain schluckte seinen Ärger hinunter, der viel zu präsent war, obwohl es sich doch nur um einen Wolf handelte, der ihm alles mögliche erzählen konnte. Er wusste gar nicht wieso er nun wütend war, wenn es jemand sein sollte, dann ja wohl Nayantai, der aber viel eher damit beschäftigt war, das von sich zusammen zu halten, was noch übrig war. Rain legte auch seine zweite Hand um die des Wolfes, strich mit dem Daumen sanft über seinen Handrücken und wollte ihm bedeuten, dass er nicht alleine war. Die Wunde... Rain hatte noch immer keine Erklärung dafür und vielleicht war es bereits genug, das der Wolf gerade zurück in sein Gedächtnis ließ. "Willst du sie denn ansehen...?", fragte Rain den Wolf, hätte ihn gerne wieder in den Arm genommen, aber aufgrund dessen was er gerade gehört hatte, tat er es lieber nicht.
    • Besser fühlte er sich nur minimal, als er geglaubt hatte, sich zumindest etwas von seiner Brust reden zu können, das auch die Ohren eines Lammes erreichen würde und ihm irgendwo vermittelte, was es war, das dafür gesorgt hatte, dass er sich so sehr in sich zurückgezogen hatte - die Angst davor, dass Rain ihn doch als Lügner bezeichnen würde, ihm nicht länger aus der Hand fressen würde, weil ihn doch das Gefühl beschlichen hatte, er wurde nur benutzt. Dennoch benutzte der Fürst keine Worte, sondern lauschte den Worten des Wolfes stillschweigend, welcher wieder in den Sumpf fiel, aus dem sie ihn beide erst mühsam gekämpft hatten - Nayantai schüttelte den Kopf, wollte das nicht mehr und hoffte, dass all der Schmerz, der wieder durch seinen Körper jagte, nur temporär wäre - dass all die Wunden, die langsam verheilten, ihn alsbald kein unangenehmes Pochen mehr spüren ließen. Ungewohnt war es, den dumpfen Schmerz wieder zu spüren und noch ungewohnter war es, wenn er versuchte, ihn zu ignorieren und beiseite zu schieben, jedoch enttäuscht wurde und wusste, dass er ausharren musste, dass er von Rain ablassen sollte ... und es nicht tat. Er seufzte.

      "I-Ich glaube nicht ... dass ich mehr sagen kann", winselte der Wolf heiser, riss sich zusammen und spürte, wie warme Tränen es waren, die sich erneut ihren Weg über sein Gesicht bahnten, die ihn daran erinnerten, dass er noch Schmerz verspüren konnte, den er vor Jahren abgelehnt hatte. Jetzt, wo das, was auf ihm lastete, wiederum sein System verlassen hatte, fühlte er sich leer - erschöpft. "M-manchmal", gestand der Wolf dem Lamm, der froh darüber war, dass er nicht alleine war - dass Rain nicht schlecht von ihm dachte, während er nun da saß, weinte und glaubte, dass er es vermutlich gar nicht erst verdient hatte, die Freiheit zu kosten, die ihm hier zuteil wurde. Im Kerker, bei seinen Brüdern und Schwester, umgeben von modrigem Geruch und von Krankheiten, die wohl selbst einen Wolf dahinrafften, weil sich keiner um sie kümmerte. "Es ... es ist so als ... als ... könnte ich es nicht. Mein ... Kopf ... will das ... nicht." Wie oft Rain es wohl noch schaffte, ihn dazu zu bringen, mehr als nur wenige Tränen zu weinen? Dass es gut tat, das wusste er, aber gleichzeitig fühlte er sich hilflos und verloren.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Nun bewegte sich Rain doch, löste seine Hände von Nayantais und schloss stattdessen seine Arme fest um ihn und drückte den Kopf des Wolfes an seine Brust. "Ich glaube für heute ist es genug...", murmelte er, hielt den Wolf fest und streichelte ihm behutsam über den Kopf, der sich heute genug angestrengt hatte, der genug von dem zurück in Nayantais Bewusstsein fließen hat lassen. Es gab keinen Grund sich zu beeilen und mehr auf sich zu nehmen, als der Wolf im Moment ertragen konnte, er war sicher hier und er hatte Zeit zu heilen, äußerlich und innerlich. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass der Schnee ihn hier einsperrte, ihn dazu zwang ein wenig zu rasten, bevor er die beschwerliche Reise nach Thria antrat, die Rain ihm nicht verweigern wollte, auch wenn er sich in Wahrheit wirklich lieber in Richtung Süden entführen lassen wollte, um dieses Land hinter sich zu lassen. Aber das war nur ein Traum, keiner von ihnen sollte ihr eigenes Volk einfach im Stich lassen, selbst wenn Rain nach draußen gehen und überleben könnte, sie wären beide nicht glücklich, das dachte das Lamm zumindest.

      "Lass dir Zeit mit all dem... du musst nicht alles an einem Tag schaffen... vielleicht kannst du dich morgen ansehen, oder übermorgen... oder in einer Woche...", murmelte das Schaf, das ohnehin nicht wusste, ob es so gut war, wenn der Wolf sah, was um die Naht herum zu sehen war. Vielleicht erinnerte es ihn an etwas, für das er noch nicht bereit war und es würde ihn nur noch mehr verletzen, statt ihm zu helfen. Sein Körper würde es zulassen, wenn er so weit war und bis dahin, brauchte er sich nicht zu zwingen. Viel eher sollte es ihm jetzt erlaubt sein zu weinen und heraus zu lassen, was ihn quälte und traurig zu sein darüber, dass er so viel erleiden musste. Rain war selbst zum weinen zumute, obwohl es ihn gar nicht betraf, aber er erlaubte sich nicht dem Wolf seinen Moment der Trauer irgendwie streitig zu machen und drückte ihn lieber fester an sich.
    • Vermutlich zwang er sich zu zu viel an einem Tag, wollte, dass er mehr schaffte, als sein Kopf verarbeiten konnte, weil er glaubte, genug Zeit gehabt zu haben, all seine Probleme und Ängste zu überwältigen, aber im Endeffekt nichts geschafft hatte - Nayantai hatte sich zurückgezogen, in sich selbst gekehrt und war nicht wieder bereit gewesen, aus der Schale herauszuklettern, die er immer fester um sich gezogen hatte. Spätestens jetzt bröselte sie allerdings, fiel zu Boden und blieb dort liegen, weil auch der Wolf nicht mehr die Kraft besaß, die verlorenen Teile einzusammeln und seinen Kokon intakt zu halten. "Mhm", murrte der Wolf, der sich beinahe schon an das Lamm schmiegte und seinen Tränen freien Lauf ließ - es war kein Kummer, sondern Angst, Angst die er nicht haben musste - und es war Wut, die sich so lange in ihm angestaut hatte, dass er weder wusste wie noch wo er sie auslassen konnte. Rannte er einfach weiterhin davon, dann würde er vermutlich dafür bezahlen - spätestens dann, wenn er sich wie versteinert auf einem Schlachtfeld wiederfand und wiederum dabei zusah, wie sich die Leichen vor ihm auftürmten. Was, wenn er in Thria nicht willkommen war? Sollte er hierher zurückkehren und sich tatsächlich sein Lamm holen, es verschleppen und weit weg von hier - im warmen Süden - nach einer neuen Existenz suchen?

      Sich Zeit zu lassen - das war einfacher gesagt als getan, gleich wie es einfacher war, sich an die Ärmel des Adeligen zu klammern und seine Klauen in diesen zu versenken, als zu versuchen, sich selbst zu umarmen und seinen Schmerz in sich einzuschließen. Nayantai schluchzte, fühlte sich zum ersten Mal seit langem nicht miserabel - es war ein sonderbares Gefühl, das dennoch nicht mehr bedeuten konnte, als dass er schlussendlich den Bezug zu dieser verkorksten Realität wiedergefunden hatte, den er vor Jahren einfach so verloren hatte. Ein Wolf war er, nicht mehr, der in den Armen eines Schafes lag - keiner von ihnen verschwendete Gedanken daran, dass sie so gesehen werden konnten, dass ein Schlüssel auf dem Boden lag, der eigentlich dazu gedacht war, die Welt auszusperren und nicht, um den Wolf einzusperren. "Rain ...", murmelte er, sagte sonst nicht viel, weil er von seinen eigenen Gefühlen übermannt worden war - erneut, ohne, dass er es wollte. Wie lange wollte er sich selbst noch verschließen, wegsperren und sich gut zureden? "Danke."
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    • Rain hielt den Wolf weiter fest, fühlte das unrythmische Heben und Senken seiner Brust unter sich, hörte sein Schluchzen und würde am Ende wohl wieder mit feuchtem Hemd da sitzen. Es störte ihn nicht, überhaupt nicht, auch wenn er selbst blinzeln musste, um eine lästige Träne los zu werden, die hier nichts zu suchen hatte. Je fester der Wolf sich an ihn klammerte, an das Einzige, das er hier zu haben schien, desto fester drückte Rain ihn und wollte ihn erst los lassen, wenn er sich wieder beruhigt hatte. Der Wolf, auch wenn er sich nicht so fühlte, war in Rains Augen unglaublich stark, immerhin hatte er all das für unbestimmte Zeit ausgehalten und war noch am Leben, noch bei Sinnen, wenn auch angeschlagen und verletzt. Es wäre immerhin auch nicht normal, wenn er das nicht wäre, wenn er einfach weiter machen könnte wie bisher. Wie viele Wölfe wohl noch ähnliches durchmachten, statt auf dem Schlachtfeld gestorben zu sein, wie es vielleicht besser gewesen wäre? Wie viele warteten auf den Tod, statt noch weiter leiden zu müssen und wie viele warteten auf ihren Prinz, der sie endlich in den Sieg führen sollte? War das denn möglich... ein Sieg der Wölfe und wollte Rain das? Hass war es der die Schafe teilweise antrieb und zumindest ihren König und dafür ernteten sie ebenso Hass, Hass der Wölfe. Was würde passieren, wenn eine Seite gewann, würde die andere ausgelöscht werden? Alle? Gab es überhaupt ein Szenario, das gut für alle enden konnte, oder hatte der König nur ihrer aller Untergang herbei geführt? Rain wollte an diesem Krieg nicht teilhaben, wollte auch seinen Wolf nicht zurück dort hin lassen, wo er vermutlich nur sein Leben lassen würde und doch konnte er ihn hier nicht einsperren.

      Rain fragte sich, wie es eigentlich dazu gekommen war, dass ausgerechnet er, als schwaches, einsames und sterbendes Lamm einen Wolf in den Armen hielt und davon ausging, dass er ihn nicht reißen würde, wie es seine Natur war. Naiv war er, ja, ob es etwas Schlechtes war, würde sich noch zeigen, im Moment war er froh, dass der Wolf sich ihm anvertraute, ihm vertraute. "Mhm...nicht der Rede wert.", murmelte Rain und strich dem Wolf sanft durch sein Haar. "Wenn ich in deiner Lage wäre, dann würde ich mir auch jemanden wünschen, der mir zuhört... also..." Leise seufzte er, lies seinen Kopf selbst ein wenig sinken und wollte über all das eigentlich gar nicht nachdenken. Es war unfair, was Nayantai widerfahren war. "Ich werde dich beschützen. Das verspreche ich..."