spellbound. (earinor & akira)

    • Müsste der Wolf irgendwann zugeben, der Arzt eines Schafes hätte ihn vor dem Tod bewahrt, der ohnehin schon an seiner Türschwelle stand, dann würde er vermutlich saure Blicke und Unverständnis ernten, beinahe so, als wollte ihm der Rest des Packs sein Leben nicht gönnen, sondern hatte eher darauf gehofft, Nayantai würde sich eingestehen, dass er die Hilfe der Schafe nicht brauchte und lieber stolz und stur sein, damit er eben daran sterben konnte. Wie viele Wölfe es wohl gab, die ausgerechnet deswegen ihr Leben ließen? Vermutlich viel zu viele, die sich einbildeten, Schafe wären von Grund auf böse und würden mit einer bloßen Berührung dafür sorgen können, dass der Rest ihres Lebens voller Schmerzen und Unglück war. Beide Völker waren fast schon durchgehend von abergläubischen Gedanken geplagt und nicht weniger von ihnen waren es, die ihr Schicksal nicht den Göttern überlassen wollten. "Wie neu? Das werde ich vermutlich nicht mehr, aber dein Enthusiasmus tut gut", meinte Nayantai noch, aber mehr Trivialitäten als eben diese gäbe es gar nicht. Wenn ein Wolf eine weitere Narbe trug, dann war es eigentlich nicht sonderlich wichtig - jede Narbe mochte eine Geschichte mit sich bringen und doch war wohl eben diese eine, die ihm noch länger in Erinnerung bleiben würde, als er es eigentlich auch wollte.

      So lange es auch gedauert hatte, hier zu landen, so schnell befand er sich auch schon im Inneren des Raumes und hörte, wie sich der Schlüssel im Schloss der Tür drehte - ein Geräusch, das Unbehagen in dem Wolf verursachte, der wie versteinert an dem Fleck stehen blieb, an dem er sich befand. Rain würde ihm nichts antun, hatte keinen Grund dazu und doch konnte all das, was bis jetzt passiert war, lediglich eine Farce gewesen sein, eine Rolle, die ihm vorgespielt worden war, damit er sich dem Lamm annäherte und anschließend ohne Widerworte ergab. Sollte das Schaf mehr wollen, als der Wolf ihm gab, so dachte er, würde es sich allerdings anders anhören, als sich diese Konversation tat - er schluckte einmal. Zweimal. Ohne Grund fühlte sich das dünne Hemd so an, als würde es ihm Schutz vor neugierigen Augen bieten, die seine Naht vorhin gemustert hatten - aber Rain würde ihm nichts antun. "J-Ja ...", stammerte der Wolf und entledigte sich des Stück Stoffs, den er vor wenigen Sekunden noch als lästig bezeichnet hatte. Beinahe schon peinlichst genau achtete er darauf, nicht an sich selbst herunter zu sehen, stattdessen näherte er sich Rain, mit dem Hemd irgendwo, am Boden vergessen. "Mhm, was willst du wissen? Ich hoffe, ich kann es dir beantworten." Ehrlich gesagt wusste er aber auch gar nicht, ob er die Frage verstehen wollen würde.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Rain beobachtete wie der Körper des Wolfes sich versteifte, wie er auf einmal sichtlich nervös wirkte und Rain konnte nicht ganz nachvollziehen warum. Ob der Besuch bei dem Arzt ihn dermaßen aus der Fassung gebracht hatte? Nein, eben noch hatte er ihm ganz normal geantwortet und alleine war er mit Rain auch schon öfter gewesen, ohne dabei irgendwie nervös zu sein. Auch das Hemd landete nicht so schnell auf dem Boden, wie Rain erwartet hätte und er legte sein Besteck wieder zur Seite, um den Wolf einmal eingehend zu mustern, der auf ihn zugestapft kam. "Alles in Ordnung?", fragte er ihn etwas besorgt. Hatte er ihn allein mit der Frage schon so beunruhigt? Trotzdem warf Rain einen Blick auf die vernähte Stelle, oder eher darum herum, ohne jedoch aufzustehen. Man konnte es ihm wohl ohnehin nicht verübeln in die Richtung zu sehen, die groben Fäden in Nayantais Körper waren ein Blickfang und er konnte auch nicht behaupten, sich trotz der Aussage des Arztes keine Sorgen darum zu machen.

      Die Stelle um die Wunder herum war immer noch rot, teils sogar blau und es fanden sich zahlreiche Schnitte, dessen Zufälligkeit nicht gegeben war. Das jedoch viel Rain auf die Distanz nicht auf, hätte genauer hinsehen müssen, was er nicht wollte, weil er den Wolf nicht beunruhigen, oder schlicht und einfach anstarren wollte. Er wandte seinen Blick lieber wieder zu dessen Gesicht und lächelte, wollte ihm das Gefühl geben, dass hier alles in Ordnung war, das war es auch. Trotzdem war er neugierig, wollte wissen was Nayntai widerfahren war, um ihm womöglich helfen zu können und ein wenig Eigennutz war auch dabei. Er wollte hauptsächlich sicher gehen, dass sein Vater nicht für diese schwere Wunder verantwortlich gewesen war, obwohl er die Antwort vielleicht gar nicht wissen wollte. "Wie ist das passiert?", fragte er deshalb, beinahe schon zu beiläufig und deutete erneut an die Stelle an der sich die genähte Wunde befand.
    • Aus der eigenen Haut fahren zu wollen war nicht nur ein unangenehmes Gefühl, es hatte bereits den kompletten Körper des Wolfes eingenommen, das sich mit jedem Schritt, den er von der Tür wegtrat und näher an Rain herankam, mehr um ihn klammerte und ihm vermittelte, dass er das hier nicht tun sollte, dass er nicht mehr als der Gefangener eines adeligen Schafes war und gefälligst das zu tun hatte, was man von ihm verlangte. Was genau es jedoch war, das man von ihm wollte, das hatte Rain noch nicht ausgesprochen und insgeheim hoffte er, dass er das auch noch nicht würde. "Mhm, alles in Ordnung", gab er von sich, als er sich erneut an den Nacken fasste und sich so fühlte, als würde das Unbehagen sich in seiner Magengrube sammeln - ihn immer weiter nach unten ziehen, bis er irgendwann auf dem Grund auflief. Wohin mit sich selbst, damit er dieser Situation entkam? Nirgendwo, weil er es nicht schaffte, seinen versteinerten Körper auch noch einen Meter weiter zu bewegen. Angst war es, die ihn plötzlich umklammerte - Angst vor Rain, weil sein Kopf ihm schon länger zuschrie und weil er all die Worte schon genau so lange ignorierte. Sein Mund war trocken, ein kalter Schauer jagte seinen Rücken herunter und er war sich nicht mehr so sicher, ob er das hier auch wollte.

      Wenn es noch Blut war, das durch seine Adern floss, dann war es spätestens jetzt gefroren und machte nicht mehr, als ihm Schmerzen zu bereiten. Die Worte des Schafes fühlten sich langgezogen an, obwohl er sie definitiv normal aussprach und Nayantai glaubte, dass seine Sicht ohnehin schwummrig war. Er schüttelte den Kopf, atmete tief ein, dann aus - es war tatsächlich auffällig, verhielt er sich so. Dann schnaufte er, unzufrieden. "Wie ist was passiert?", wollte er wissen, ließ seinen Blick nach unten wandern, auf die Stelle, die Rain meinte und zog den Kopf instinktiv wieder hoch, schloss die Augen, als würde sein eigener Körper sich dagegen sträuben, dass er einen Blick auf die Naht warf, die nur entstanden war, weil man ihm ein ... ein ... Was? Nayantai schüttelte seinen Kopf nochmals. Irgendwie war ihm übel geworden, allein bei dem Gedanken daran, sich mit der Frage Rains befassen zu müssen - was, im Umkehrschluss, vermutlich hieß, dass es ohnehin nichts Gutes war. "Ich ... was meinst du?"
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    • Der Wolf sagte zwar, dass alles in Ordnung wäre, aber Rain glaubte ihm nicht. Er bewegte sich anders, sprach anders und alles in Allem hatte Rain ihn so noch nicht erlebt. Wenn er zuvor nicht reden wollte, dann war er wütend geworden, oder hatte zumindest den grimmigen Blick aufgesetzt, mit dem er Rain schon begrüßt hatte, als er ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Das Verhalten hatte sich schon vor Rains Frage geändert, aber er glaubte es bereits zu weit getrieben zu haben, vermutlich sollte er keine alten Wunden aufreißen, deren physische Gegenstücke noch nicht einmal verheilt waren und noch rot an Nayantais Körper prangten der sich so steif und langsam auf Rain zubewegte. Rain konnte sich nicht ausmalen was in Nayantai vor ging, oder was er erlebt hatte. Es war nur zu offensichtlich, dass es vieles gab, das er lieber vergessen wollte und dass die Folter des Königs und vielleicht auch die grobe Behandlung seines eigenen Vaters dazu zählte, das war offensichtlich.

      Die pampige Antwort des Wolfes klang gezwungen, seine Augen schienen sich selbst zurück zu ziehen, sobald er an sich herunter sah, als würde er geblendet. Vielleicht wäre es besser gewesen, den Verband noch oben zu lassen, einfach nur, damit der Wolf sich das nicht ansehen musste. Rain glaubte, hätte er so eine grobe Naht an seinem Körper, die ihn gerade noch so zusammen hielt, dann würde ihm vermutlich übel werden und er hätte Angst, betrachtete er wie sein Zustand war, aber einem Wolf konnte das kaum etwas anhaben. Nayantai hatte Angst, aber wovor genau? So neugierig Rain auch war, er wusste, dass er nicht weiter bohren sollte, aber zumindest wollte er sehen, ob das, was den Arzt so beunruhigt hatte, gefährlich für den Wolf war. Rain erhob sich also langsam von seinem Sessel, er konnte noch nicht satt sein, aber der Hunger war verflogen. "Schon gut, du musst mir nicht antworten. Vergiss, dass ich gefragt habe.", lächelte er und trat trotzdem einen Schritt auf den Wolf zu. "Kann ich mir die Wunde einmal ansehen?"
    • Nayantai wollte sich die Haare ausreißen, wollte sich in einem Eck verstecken und jammern, darum betteln, dass man ihn in Ruhe ließe - aber warum eigentlich? Rain hatte ihm nichts getan, hatte ihm noch nie etwas angetan und doch verfolgten seine aufgerissenen Augen die zierliche Gestalt aufmerksam, tat sich schwer, nicht bei jeder noch so kleinen Bewegung seines Gegenübers zusammenzuzucken - hatte der Schmerz und das Adrenalin ihn so verblendet, dass er glaubte, er musste keine Angst vor dem Lamm haben, das nach ihm greifen würde, so wie es ihm beliebte? Was war es, das ihn an dieser Situation so störte? Die versperrte Tür, der Fluchtweg, den man ihm abgeschnitten hatte und der Hintergrundgedanke, dass all das nichts Gutes bedeuten konnte? In der Lage, sich zusammenzureißen, befand er sich schon lange nicht mehr - als hätte er in einen giftigen Apfel gebissen und nur ein Stück davon geschluckt und würde jetzt dafür bezahlen, dass er eben das gewagt hatte. Ihm war schlecht, so verdammt übel und er wusste nicht wieso. Es war eine verdammte Tür, die er notfalls eintreten konnte und verdammt nochmal, es war Rain, der absolut keine Ahnung davon hatte, was gerade in dem Wolf vorging, der sich für seine Wunde interessierte und nicht für den Körper, dem diese gehörte.

      Gänsehaut machte sich über seinem Körper breit - das Gift, das er unwissend durch Worte geschluckt hatte, hatte sich schon vor viel zu langer Zeit in ihm festgesetzt und die Möglichkeit es abzubauen, die hatte es nicht gegeben. Dafür sträubte sein eigener Körper sich jetzt gegen die Existenz seiner selbst, wollte, dass er endlich verstand, dass er es war, der für sich selbst wie Gift war und auch, dass er es nicht wert war, sich gegen all die Dinge aufzulehnen, die er schon längst heruntergeschluckt haben sollte. Rain rührte sich, kam ihm näher - und instinktiv machte der angespannte Wolf einen Schritt zurück, als wäre eine Berührung des Lammes wie ein Peitschenschlag, wie heißes Eisen, das sich in seine Haut brennen konnte. "I-I-Ich", stotterte er, schüttelte erneut den Kopf und brummte, wusste nicht, was er anstellen sollte, wie er seine Angst davor überwinden sollte und ballte seine Hände zu Fäusten, versuchte, zu atmen und sich nichts von sich selbst einreden zu lassen. "Sieh' sie dir ruhig an", murmelte der Wolf, der sich vermutlich noch selbst in sein Gesicht schlagen würde, damit er auf andere Gedanken kam.
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    • Rain hielt inne, als der Wolf sogar einen Schritt von ihm weg machte und wusste nicht, was mit ihm los war. Womöglich war ihm gerade eingefallen, wie die Wunde verursacht wurde, wie irgendjemand ihn in dem dunklen Keller wieder und wieder verletzt hatte, ein Schaf, so wie Rain eines war. Aber war das zwischen ihnen jemals ein Problem gewesen? Nayantai wusste, dass Rain ebenso ein Schaf war, nannte ihn Lamm, behandelte ihn wie einen Freund, also warum sollte sich das nun geändert haben? Warum sollte ein großer und starker Wolf Angst haben, vor einem mickrigen Lamm, das sich selbst oft kaum auf den Beinen halten konnte. Nayantai lenkte zwar ein, aber Rain war nicht sicher ob er es ernst meinte, machte dann aber doch den letzten Schritt auf ihn zu, hielt aber trotzdem noch ein wenig Abstand zwischen ihnen und sah sich die Stelle an, an der der Wolf so verletzt wurde.

      Zahlreiche Schnitte fanden sich um die zugenähte Wunde herum, dünne Striche die schon beinahe wieder völlig abgeheilt waren, jedoch bestimmt Narben hinterlassen würde. Anders als all die Schnitte auf seinem Rücken, oder die alten Narben auf seiner Brust, waren diese kaum zufällig, schienen sich wie ein Muster um die Wunde zu legen, beinahe als stünde dort etwas in einer Sprache die weder der der Schafe glich, noch der Sprache die sich in dem Buch fand, das Rain Nayantai geschenkt hatte und das dieser als die Schrift der Wölfe identifiziert hatte. Wenn Rain hätte raten müssen, dann hätte er gesagt, dass diese Zeichen, oder was es war, noch den alten Schriften in den Religionsbüchern der Schafe am Nächsten kamen, jedoch nicht ganz. So oder so sah das alles beabsichtigt aus und zu frisch, als dass es ein Ritual der Wölfe hätte sein können, es sei denn, Nayantai verursachte sich das selbst, um womöglich eine Infektion einzudämmen, aber hätte er dafür überhaupt Gelegenheit gehabt? Rain beugte sich etwas nach unten, wollte sich das alles genauer ansehen, sich merken, wie die Zeichen aussahen, damit er später nachschlagen konnte, was sie bedeuteten, während er den Wolf lieber im Dunklen darüber ließ. Womöglich kannte er die Antwort, aber ganz offensichtlich wollte er nicht mit Rain darüber sprechen. Rain würde die Zeichen später aufzeichnen, wenn der Wolf sich zurück in sein Zimmer begab, sah noch einmal genau hin, damit er sich so viel wie möglich davon einprägen konnte, fast hätte er seine Hand danach ausgestreckt, ließ sie jedoch wieder sinken. Anschließend richtete er sich auf, setzte sein Lächeln auf das typischerweise dafür bestimmt war, alle in seiner Umgebung davon zu überzeugen, dass mit ihm alles in Ordnung war, diesmal nutzte er es, um den Wolf in dem Glauben zu lassen, dass es an seiner Seite absolut gar nichts zu sehen gab. "Die Wunde scheint tatsächlich gut zu verheilen.", nickte er, als wäre das das Einzige gewesen, was er überprüfen wollte, als vertraue er seinem eigenen Arzt nicht, was Nayantai hätte als Lüge enttarnen können, würde er Rain besser kennen. Es war alles in Ordnung, zumindest jetzt war es das und Rain wollte, dass der Wolf das auch wusste, also streckte er seine Hand nach den Fingern der Bestie aus, die der Wolf selbst so oft schon in die seine genommen hatte und mit der geschlossenen Tür fühlte es sich doch gleich viel einfacher an.
    • Jeder Schritt, der in die Richtung des Wolfes gemacht wurde, ließ ihn instinktiv zucken und ließ ihn wissen, dass er eigentlich einen Schritt zurück machen sollte - dass er nicht auf seinen müden Beinen stehen musste und dass er gar nicht hier sein sollte, sich aber dennoch entschied, sich selbst zu foltern und seinem eigenen Kopf zu widersprechen, seinem Verstand. Wenn er weiterhin versuchte, sich zu verkriechen und die Wahrheit vergessen zu wollen, dann war er nicht besser als ein einfaches Schaf - wieso aber reagierte sein Körper so, als hätte ihn eine Krankheit befallen, die ihn in seine Einzelteile zerbröseln würde, ließ er sich von Rain berühren? Nayantai wusste es nicht und doch pochte sein Herz stetig in seiner Brust, raste, damit es ihm vermitteln konnte, dass der Angstschweiß, der sich langsam auf seiner Stirn bildete, keine Einbildung war. Der Wolf lebte, atmete und hatte vor einem winzigen Lamm Angst, weil dessen König es sich mehr als nur einmal erlaubt hatte, seine dreckigen Finger an ihn zu legen und ihm zu vermitteln, dass er derjenige war, der nicht mehr wert war, als ein Stück Dreck an einem Wegesrand. Je näher man ihm kam, desto schwieriger fühlte es sich an, die Nähe aufrechtzuerhalten und nicht zusammenzuzucken, nicht wegrennen zu wollen - und dennoch schaffte er es, sich mit zusammengekniffenen Augen zusammenzureißen und Rain wenigstens nah genug an ihn heranzulassen, so dass dieser sich die Naht ansehen konnte.

      "M-meinst du?", fragte er noch nach, als er die Augen aufriss und erleichtert aufatmete, als er glaubte, Rain würde wieder etwas Abstand zwischen ihnen beiden aufbauen. So sehr einer von ihnen die Zweisamkeit auch genoss, so sehr belastete es den Anderen - Nayantai würde vermutlich anders reagieren, befand er sich nicht allein mit Rain hinter verschlossenen Türen, würde er sich nicht durchgehend einreden, man würde ihm etwas antun und doch war es lediglich das Geräusch eines Schlüssel, der sich im Schloss drehte, so dass in seinem Kopf alles schrillte, während Übelkeit ihn überkam und seine Augen sich von der Realität abwenden wollten, selbst nachdem sie viel zu viel gesehen hatten. War die Wahrheit, dass er seinen Schmerz herunterschlucken wollte, damit er sich nicht damit befassen musste? Dennoch, als Rain seine Hand berührte, zog er diese weg und machte noch einen Schritt zurück, noch einen und ... stieß er gerade an der Wand an? Der Wolf sah zu Rain, auf und dann an sich selbst herunter. "E-Es ... es tut ... es tut mir l-leid."
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    • Als Rains Hand Nayantais gefunden hatte, zog der Wolf sie ruckartig wieder aus Rains Fingern und taumelte zurück. Rain wusste es besser, als ihm hinterher zu laufen, blieb einfach stehen und hob nun beide Hände an, um dem Wolf zu zeigen, dass er keine Gefahr darstellte, wie auch? Selbst wenn Rain gerade ein Messer in der Hand gehabt hätte, der Wolf hätte es ihm binnen Sekunden aus der Hand nehmen können und hätte dabei vermutlich Rains Arm gebrochen wie einen trockenen Ast. Noch nie in Rains Leben hatte irgendjemand Angst vor ihm gehabt, er sah nicht sonderlich bedrohlich aus, wurde nie laut und verlangte als Adeliger auch keine unmöglichen Sachen, das Einzige was man ihm vorwerfen konnte, war dass er kränklich war, oft hustete und viele sich nicht an dem anstecken wollten, was er womöglich mit sich herum schleppte, aber das war bestimmt nicht, was Nayantai gerade belastete.

      "Ist in Ordnung.", antwortete Rain auf die gestotterte Entschuldigung, der es gar nicht bedurfte, fast direkt nachdem Nayantai seinen Satz heraus gebracht hatte. Rain machte selbst ein paar Schritte zurück, lehnte sich an die Wand hinter sich und die Hände an seinem Rücken verschränkt. "Mir tut es Leid.", fing er an, immerhin war er es, der etwas gesagt, oder getan hatte, das den Wolf so reagieren ließ, "Ich...hm...willst du reden? Oder lieber gehen? Ich halte dich nicht auf, wenn du zurück in dein Zimmer willst." Ohne zu wissen wo das Problem lag, oder wie man dem Wolf in seiner jetzigen Lage helfen konnte, konnte Rain nicht viel mehr tun, als ihn einfach nach einer Lösung zu fragen. Unter anderen Umständen hätte er ihn einfach wieder in den Arm genommen, so wie der Wolf es meist wollte, seit er hier war, weswegen die Reaktion für Rain auch nun mehr als nur verwirrend war. Es tat ihm leid, was auch immer er getan hatte, vermutlich hätte er nicht von dem König anfangen sollen und vermutlich sollte er sich auch nicht weiter mit diesen seltsamen Zeichen an Nayantais Körper beschäftigen, die ihn eigentlich nichts angingen. Er glaubte nicht an Zauberei, oder Flüche, somit glaubte er auch kaum, dass diese Verletzungen mehr waren als Verletzungen, auf der anderen Seite war Rain neugierig, wollte deren Bedeutung und Geschichte ergründen, ginge das aber auf Nayantais Kosten, so wollte er es lieber vergessen.
    • Angst war es, die sich durch Mark und Bein fraß. Erstarren ließ sie ihn, als er wusste, dass er keinen Ort mehr hatte, an den er gehen konnte, weil die Tür verschlossen war - weil sein trübes Sichtfeld nicht ausreichte, um so weit zu sehen und weil er seinen Blick auch gar nicht erst in diese Richtung gewendet hatte. Wie lange es wohl gedauert hatte, bis sein Körper so reagiert hatte, sich nicht mehr gegen den Besitzer der Peitsche gesträubt, sondern ihm sich einfach ergeben hatte? Zu lange, so dass sich sein Körper vor jedem Schritt hinter verschlossenen Türen fürchtete, jede Berührung wie Gift für ihn war und jeder falsche Gedanke ein weiterer Schritt in den Abgrund, in den er schon längst gefallen war. Rain wollte er noch Angst einflößen, dabei war er derjenige, der sich genug vor ihm fürchtete, als dass er ihn je hätte berühren sollen - mit seinen dreckigen, blutverschmierten Fingern die nicht mehr tun konnten, außer unschuldigen Schafen das Leben zu stehlen, während sein Verstand ihn schon längst hintergangen hatte, die Schrauben in seinem Kopf lockerte und der Wolf langsam in den Wahnsinn abrutschte. "I-ich ... nein ... d-dir ... ach", gab der Wolf von sich, war außer Atem und aufgekratzt. Zum ersten Mal, seitdem er hier war und sich in Rains Steinhaus eingenistet hatte, hatte er wahrhafte Angst, die ihn erstarren ließ. Nayantai schluckte.

      Sich übergeben, seine Gedanken sortieren - ein taktischer Rückzug, das hörte sich nicht sonderlich falsch an, aber so wie er sich kannte, könnte er sich zu einem dieser zwei Dinge nicht überwältigen. Nayantai versuchte, nochmals Luft in seine Lunge zu quetschen, indem er ausatmete und einatmete, dabei allerdings merkte, dass es ihm absolut nicht gelang, sich hier und jetzt wieder zusammenzusetzen. Frustriert war auch ein Wort, mit dem man ihn beschreiben konnte: Frustriert über seine eigene Unfähigkeit, über seine Existenz und darüber, den König am Leben gelassen zu haben. "Ve-vergiss' e-es", stammerte der Wolf noch, dessen schlotternden Beine ihn unmöglich weit tragen konnten, sondern ihn einfach nur dort festhielten, wo sie ihn hin getragen hatten - mit dem Rücken zu einer kühlen Wand, an der er sich heruntersinken ließ. Untypisch für Nayantai, dass er einfach aufgab und sich sein ganzer Körper dagegen sträubte, auch nur irgendetwas mit ihm zu tun, war es nicht - Rain mochte ihn noch nie so gesehen haben, dafür war er auch noch nicht lange genug hier. Was machte er nur mit sich und der gewonnen Ruhe? Sich selbst in sein Gesicht schlagen, fest genug, damit er vermutlich einen roten Fleck an seiner Wange hinterlassen würde. Er raunte, biss sich in den Daumen. "Ich ... i--", konnte er darüber überhaupt reden? Nochmals schluckte er den Kloß in seinem Hals mit der Übelkeit herunter, die dafür sorgte, dass übermäßig viel Speichel sich in seinem Mund ansammelte. "W-willst ... willst du d-das wirkl... wirklich h-hören?"
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    • Der Wolf konnte scheinbar keine klaren Worte mehr folgen, vermutlich konnte er nicht einmal mehr seine Gedanken sortieren und Rain konnte nur zusehen, nichts tun. Er sah zu wie der Wolf zitterte, schluckte, sich zu überlegen schien, wie er denn nun auf all dies reagieren sollte, was er tun sollte. Rain hatte ihm womöglich nicht die richtigen Optionen vorgelegt, oder zu viele, vielleicht hätte er einfach entscheiden sollen, was für Nayantai das Richtige war, aber so war er nicht, er hatte ja auch gar keine Ahnung, keine Erfahrung auf dessen Grundlage er so etwas entscheiden konnte. Er kannte weder Nayantai, noch die Wölfe, oder den Krieg und auch keine Schmerzen die der Wolf auf diese Weise erlitten hatte. Er konnte nur zusehen, wie der Wolf nach Luft rang und sich langsam auf den Boden sinken ließ. Rain tat dasselbe, ließ sich an seiner eigenen Wand zu Boden und saß dem Wolf mit einer ganzen Raumlänge zwischen ihnen gegenüber.

      "Du musst nicht darüber sprechen.", sagte Rain ruhig von der anderen Seite des Zimmers, zog seine Knie an und legte seinen Kopf auf diese. "Wir können auch einfach hier sitzen und nichts sagen, aber wenn du es mir erzählen willst, dann höre ich dir zu." Rain wollte den Wolf auf keinen Fall dazu zwingen ihm etwas zu offenbaren, das zu schmerzlich für ihn auszusprechen war, womöglich war es sogar zu schwer überhaupt daran zu denken. Ob es nun gut war, so zu tun als wäre nie passiert, was ganz offensichtliche Spuren an Nayantai hinterlassen hatte, konnte er nicht sagen, genau so wenig wusste er, ob es denn überhaupt helfen würde, wenn der Wolf all das aussprach, was ihm angetan wurde. Nayantai musste wohl selbst ergründen, was für ihn am Besten war, Rain würde alles tun was er konnte, um ihm zu helfen, auch wenn er sich fragte warum eigentlich.
    • Nayantai wollte sich durch die Haare raufen, sich selbst die Fragen stellen, die aus Rain's Mund gekommen waren, aber allein daran zu denken, half ihm nicht weiter - er fühlte sich so schwach wie schon lange nicht mehr, so unsagbar hilflos und verloren, als würde er auf offener See driften und kein Stück Land sehen, so dass ihm nichts anderes übrig blieb, außer sich von den Wassermassen begraben zu lassen, wenn sie früher oder später über ihn hereinbrachen. Er glaubte, sich in tosendem Gewässer zu befinden, das auch keine Rücksicht darauf nahm, ob er nun schwimmen konnte oder auf den Grund sank, wie ein Stein - vielleicht war er wirklich nur Dreck, der es nicht anders verdient hatte. Der Wolf schüttelte den Kopf, schlug sich mit dem Handballen auf die Stirn und wollte, dass sich all diese Gedanken endlich einen anderen Ort suchten, ihn alleine ließen. "I-ich ... wei-weiß auch g-gar ... nicht o-o-ob ich ... d-das k-kann", stotterte er. Tränen flossen nicht, die Übelkeit lag ihm selbst wie ein Stein im Magen und seine Wahrnehmung fühlte sich schwummriger als sonst an, dafür rangen Rain's Worte fast schon an seine Ohren, waren so laut, dass er sie nicht überhören konnte - obwohl er auf der anderen Seite des Raumes saß und keinerlei Anstalten machte, dem Wolf näher zu kommen. Seine Furcht konnte er nicht einfach herunterschlucken, aber vielleicht konnte er sie dazu zwingen, für ihn zu reden.

      Wann gab es schon einen Tag, an dem er sich selbst zu nichts zwang? Er zitterte am ganzen Leib, biss sich immer wieder auf seinen Daumen oder in seine Hand, als würde es ihn beruhigen - was es offensichtlich nicht tat - bis er wiederum damit anfing, sich gegen den eigenen Kopf zu schlagen. Nayantai wusste, dass er schon so oft einfach nur gehandelt hatte, weil sein Bauchgefühl es ihm gesagt hatte, aber im Moment sagte sowohl sein Bauch als auch sein Kopf, er würde sich übergeben, zwang er sich dazu, daran zu denken. "VERFLUCHT NOCHMAL", entkam es dem Wolf, der sein Gesicht bereits in seinen Händen vergruben hatte und der sich nicht länger selbst dabei zusehen wollte, wie er verkümmerte, der glaubte, wäre er laut, weil er es sein konnte, dann konnte er sich dazu zwingen, alles andere auszuschalten. Dennoch, viel eher fühlte er die geisterhaften Hände, die sich um seinen Körper schlangen, von denen er schwören könnte, er sah sie, zuckte nochmals zusammen und zog seine Beine an sich heran, als könnte er sich so beschützen. "I-ich habe ... A-Angst", entkam es dem Wolf, der seine Augen auch schon prompt mit seinen eigenen Händen verdreckte, der die Welt nicht sehen wollte, weil sie ihm so viel mehr schenkte als das, wonach er gefragt hatte.

      "A-Angst vor S-Schafen. T-Todesangst." Rain würde vermutlich nicht alles verstehen, das der Wolf brauchte, damit er sich nicht weiter so fühlte, als wäre er nicht mehr als ein Häufchen Elend, das er im Moment so passend darstellte. "U-Und A-Angst vor ... ver-verschlossenen R-Räumen." Die Katze war ohnehin aus dem Sack, wieso also sich noch bemühen, wenn er die bittere Pille einfach schlucken konnte und seine Angst für ihn tanzen lassen konnte, wie eine billige Marionette, die er war? "V-Vor Feuer ... u-und da-davor nicht m-mehr a-als ... S-Spielzeug zu ... sein", gestand er dem Lamm, dabei waren diese Dinge noch einfach, legte er nur sein blutendes Herz offen, verdammte sich selbst dazu, leiden zu müssen, wenn jemand Falsches hörte, was der stolze, große Wolf von sich gab. "V-Vor deinem ... K-König", nuschelte er und ließ eine seiner Hände zu der Naht wandern, über die er fuhr, nur für den Moment, damit Rain vielleicht verstand, weswegen Nayantai sich so zierte. "Ich gla-glaube nicht ... d-dass ich mich ... ansehen k-kann", sagte er noch, vergrub seinen Kopf zwischen seinen Beinen und seinen Händen, damit er diese Welt nicht länger ansehen musste, sich geborgen fühlte, wenn auch nur für den Moment, der nicht für immer halten würde. "D-Dein ... dein K-König, er ... er ..." Alsbald würde ihn der Brechreiz einholen und die Wahrheit, die durchaus noch dort war, wo der Wolf sie nicht wissen wollte - ob er sich jedoch dazu durchringen konnte, mehr zu sagen, das wusste er selbst nicht, war sein Körper doch verkrampft und angespannt, sowie das Blut in seinen Adern gefroren.
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    • Es tat Rain beinahe schon weh Nayantai so zu sehen, wie er zitterte, kaum ein Wort zustande brauchte, wie er selbst versuchte sich irgendwie zu beruhigen, sich klein machte, um sich zu schützen, obwohl es gar nichts mehr gab, das ihn verletzen konnte. Hier würde ihm kein Leid widerfahren und Rain, der sich nun fast schon beleidigt fühlte, als er die Worte 'dein König' vernahm, würde nicht zulassen, dass Nayantai wieder verschleppt wurde. Wenn er diesen Ort verließ, dann freiwillig und nicht in Ketten. Wie konnte ein einziger Mann, der Mann der sich Rains König schimpfte und dem er die Treue zu schwören hatte, einem Menschen so etwas antun? Wenn selbst ein einst stolzer Wolf so in die Knie gezwungen wurde, wollte Rain vielleicht gar nicht wissen, was in seinem Kerker vorgefallen ist. Der König war nichts weiter als ein gieriger Mann, der einen Krieg führte, aus falschen Ideologien heraus, der Wölfe und Schafe zum Tode verdammte und sich alles unter den Nagel zu reißen versuchte, das er konnte. Die Treue hatte Rain ihm nie geschworen, hatte es auch nicht vor, wenn er Fhaergus eines Tages regierte und dennoch konnte er sich selbst nicht aus dessen Klauen befreien, weil er ein Feigling war und sein eigenes Volk nicht dem aussetzen wollte, was den Wölfen passierte. Fhaergus war klein, es konnte sich nicht gegen den König behaupten, der die Söhne des kleinen Landes jedes Jahr wieder in den Tod schickte, aber er konnte einem Wolf in die Freiheit helfen, der es nicht länger verdient hatte zu leiden.

      "Ich stehe jetzt auf.", warnte er den Wolf vor, tat auch was er gesagt hatte und richtete sich langsam, beinahe schon vorsichtig auf. Mit genügend Abstand zu Nayantai schritt Rain zur Tür zurück, verstand jetzt, dass es mehr als einen Auslöser gab für seinen Zusammenbruch und es tat ihm aufrichtig leid. Eine Entschuldigung an dieser Stelle würde nichts nützen, Nayantai verstand wohl, dass Rain ihm nichts tun wollte, auch wenn es gerade nicht so evident für ihn war, weil die Angst ihn blendete. Rain hätte sogar das Fenster aufgerissen, wenn er nicht befürchtet hätte, das nächste Mal wenn er krank wurde, nicht mehr aufzuwachen und den Wolf alleine zu lassen, der ohne ihn nichts weiter tun konnte, als zu versuchen zu fliehen. Rain schloss die Tür auf und zog den Schlüssel ab, mit diesem in der Hand bewegte er sich langsam auf Nayantai zu und ging etwa zwei Meter vor ihm in die Knie und schob ihm das kleine Stück Metall über den Boden zu, das ihn nicht länger quälen sollte. "Das ist vorbei.", sagte Rain, nicht etwa beruhigend, oder sanft, sondern bestimmt, als wäre es eine offensichtliche Tatsache, an der es nichts zu rütteln gab, "Ich werde nicht zulassen, dass der König dich wieder in seine Finger bekommt und ich werde nicht zulassen, dass dir irgendjemand etwas antut. Ich verspreche dir, dass du Fhaergus als freier Mann verlässt und ich schwöre dir dich gehen zu lassen, sobald es taut."
    • Ein Wolf sollte stolz sein, sich gegen alles zu behaupten wissen und nicht an seine eigenen Schwächen glauben, sondern sie ignorieren - Nayantai hingegen saß dort, zitternd und zusammengekauert am Boden, übermannt von all den Emotionen und Gedanken, die er in den letzten Jahren nicht an sich heran gelassen hatte, weil er lieber vergessen hatte - stark musste er sein, aber für wen? Für sich selbst? Oder für die Wölfe, die man noch nicht in einem Kerker zusammengepfercht hatte, benutzt hatte wie Spielzeug, das austauschbar war? War alles nur Einbildung, eine Lüge, so wie der Rest des Lebens, an den er sich nicht erinnern konnte? Gähnende Leere herrschte in seinem Inneren, zu viel davon waren jedoch nur Flecken, die ihm das Sichtfeld vernebelten und ihm ansatzweise sagen konnten, was genau er vergessen und verdrängt hatte, was wieder nach oben wollte und mit ihm um Anerkennung rang, die er den Gedanken nicht schenken wollte. Im Boden versinken wollte er, sich in Luft auflösen und jedwede Form die er angenommen hatte, verlieren - wenn er eine Bestie wäre, formlos und unerkannt, ohne Reue oder jedwede Emotionen, oder gar einen Verstand, dann glaubte er, wäre es gar nicht so schwer, sich nicht mit derartigen Dingen zu beschäftigen, sie nicht in sich hineinzufressen.

      Rains Stimme war leise, wurde von den restlichen Geräuschen, die gar nicht da waren, schließlich ausgeblendet und drangen an sein Ohr, als wäre er so weit entfernt wie das Meer von Fhaergus. Seine Sinne spielten dem Wolf einen schlechten Streich aus dem er sich nicht freikämpfen konnte, aber das Geräusch der Tür, das Rütteln im Schloss, war, als legte man einen Schalter um, der zumindest etwas Anspannung aus dem Körper des Wolfes entweichen ließ. Beinahe schon klirrend war das Geräusch, als der Schlüssel auf dem Boden landete und der Wolf seinen Kopf verwirrt in eben jene Richtung zog. "R-Rain ...?", murmelte der Wolf, der seinen Kopf schüttelte und sich nicht kleiner machen konnte, als er ohnehin schon war. Dennoch löste sich der Druck in seinem Magen nicht, die Übelkeit hatte sich in ihm festgesetzt, hatte ihn im Griff. Nayantai dachte nicht einmal daran, nach dem Schlüssel zu greifen, stattdessen vergrub er sein Gesicht wieder in seinen Händen und wollte sich vor dem Lamm verstecken. "E-Es tut mir l-leid." Wiederum hatte er nicht verstanden, konnte sich nicht entspannen, aber er wusste nicht warum - weil er seine Angst reden ließ? Weil er sich selbst nicht mehr im Griff hatte? "D-Dein König ... e-er ...", seine Hände wanderten zu seinen eigenen Schultern, seine Arme schlangen sich um ihn, als könnte er sich dadurch beschützen. Sein Kopf dröhnte, er fühlte sich übel, aber er konnte sich nicht bewegen, wusste nicht, wohin mit sich selbst. "I-Ich ... mh ... e-er hat ... m-mich ...", er schüttelte den Kopf, wollte nicht daran denken, aber warum zwang er sich dazu?
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Du musst dich nicht entschuldigen...", sprach Rain sanft, wollte schon eine Hand nach dem Wolf ausstrecken, aber tat es nicht, weil er Angst hatte, ihn nur noch mehr zu verstören. Der Wolf war nicht mehr als ein kleines, zusammen gekauertes Stück Elend, dessen Zeit in Gefangenschaft ihn seines Stolzes und Mutes beraubt hatten und Rain wusste nicht, was er für ihn tun konnte. Vermutlich wäre er lieber in Gesellschaft seiner Familie, oder Freunde gewesen, stattdessen war er nur in einem anderen, steinernen Gefängnis gelandet, bei einem Lamm das durchaus gemeint haben könnte, was es vorhin zu seinen Bediensteten gesagt hatte. Rain konnte verstehen, wenn Nayantai sich auch vor ihm fürchtete, der nur mit dem Finger schnippen musste, damit der Wolf in ein weiteres, dunkles Loch gestoßen wurde, aber das wollte er nicht. Er wollte Nayantai helfen, er wollte ihn beschützen und der Gedanke, dass unzählige weitere Wölfe womöglich gerade etwas ähnliches durchmachten, machte ihn wütend. Wütend auf den König, der sich nicht wie einer verhielt, der den Wölfen ihr Land nahm und seine eigenen Landsleute ebenfalls wie Dreck behandelte. Rain wollte ein Ende dieses verdammten Krieges, obwohl er viel weniger darüber wusste als der Wolf, oder sein eigener Vater. Selbst er als einfaches Lamm wusste, dass nichts ehrenhaftes dabei war.

      Rain ließ den Wolf sprechen, sagte nichts und sah ihn einfach nur an, blieb vor ihm hocken und war am Ende immer noch kleiner als der große Wolf, der zusammengekauert an der Wand saß. Es ging keine Gefahr von Rain aus. Gerne hätte er die Hand des Wolfes genommen, oder ihm sanft über die Schulter gestreichelt, zumindest hätte er ihn gerne mit seinen Worten beruhigt, aber stattdessen saß er ihm einfach nur gegenüber, ließ ihm Zeit zu formulieren, was ihn plagte und hörte dem zu, was der Wolf erzählen wollte. Er musste es nicht, aber vielleicht half es ihm, es laut auszusprechen. Rain hätte dem Wolf gerne gesagt, dass er statt Angst zu haben, lieber wütend sein sollte, so wie Rain wütend wurde, das für ihn eine ungewohnte Reaktion war. Er hatte vielleicht nicht das Recht das Leid des Wolfes in seine eigenen Gefühle aufzunehmen, wütend, oder besorgt zu sein, aber er war es so sehr, dass er sich fragte, wie er die Forderungen des Königs erfüllen sollte, ohne sich zu übergeben. Nayantai zu helfen wurde von Minute zu Minute ein wichtigeres Ziel für Rain und ihm wurde bewusst wie wichtig ihm der Wolf war, obwohl er ihn eigentlich nicht kannte. Was konnte er nur tun, um ihm zu helfen?
    • Nicht mehr als ein Stück Elend - nein. Nayantai grämte sich schon viel zu lange und verschwand nun unter den Massen, unter dem Trauma, das sich in ihm festgesetzt hatte, für das es lediglich eines einzigen Geräusches bedurfte, so dass er sich wieder wie am falschen Ort fühlte. Auch, wenn er es nicht gerne zugab, litt er, hatte Schmerzen, die nie wieder vergehen würden und wunderte sich dennoch, wieso er den Kopf noch auf seinen Schultern wusste, weswegen er noch immer vor sich hin stammern konnte und warum er sich noch nicht übergeben hatte. Falsch fühlte es sich an, seine Nackenhaare stellten sich auf, seine verschwommene Sicht wurde klarer, als ein kalter Schauer wiederum seinen Rücken herunterjagte und er nicht wusste, ob er eigentlich noch etwas spürte, oder ob die roten Finger, deren Spitzen vor lauter Druck bereits weiß waren, schon taub waren - seine Seele war es, jedweder Schmerz den er je verspürt hatte, hatte er in sich aufgesogen und ignoriert, hatte damit gelebt und hatte sich selbst mehr als nur einmal leiden sehen. All das, der ganze Ballast, brach auf ihn herein, machte ihn krank und vermittelte ihm - genau in diesem Moment - dass der Stress, der ihn davon abgehalten hatte, seinen Schmerz zu verarbeiten, letztendlich von ihm gewichen war.

      Sein Körper bebte nicht mehr, aber die Übelkeit blieb - der Speichel, den er immer wieder herunterschluckte, fühlte sich so an, als würde er nur dazu beitragen. Glasige Augen waren es, die endlich zu Rain sahen und auf ihm liegen blieben, als wäre er so viel mehr als nur ein Schaf, dessen Worte irrelevant waren, weil es nur einen Fingerwink benötigte, um jemanden die Drecksarbeit erledigen zu lassen, damit seine Weste weiterhin unbefleckt blieb. "... er ... er ist ... d-daran ... schuld", gab der Wolf von sich, der nicht mehr wusste, wo ihm der Kopf stand. Weinen konnte er nicht, sich übergeben konnte er auch nicht und sich bewegen schon gar nicht, war wie erstarrt in dieser Position, während er glaubte, die Luft zum Atmen ginge ihn aus, als stünde sein Ende nah. "U-Und ... u-und ... er hat ... s-seine ...", wiederum schüttelte der Wolf den Kopf, war plötzlich sichtlich aufgebracht und griff sich an den Kopf, zog an seinen eigenen Haaren, als würde eben das dafür sorgen können, die Gedanken aus seinem Kopf zu verbannen, die er nicht haben sollte. "M-Meine ... W-Wunden ...", stammerte Nayantai, wusste aber, dass Rain die, die er am Körper trug bereits gesehen hatte - es ging ihm viel eher um die Löcher, die der König in seiner Seele hinterlassen hatte, die ihn plagten.
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    • Rain konnte dem Wolf nur zuhören, begegnete für einen kurzen Moment Nayantais Blick, der wohl versuchte sich selbst zu beruhigen, aber das schien nicht so zu funktionieren, wie er wollte. Rain streckte schließlich jedoch trotzdem seine Hand aus, berührte den Wolf jedoch nicht damit, sondern präsentierte ihm nur seine leere Handfläche. "Gib mir deine Hand.", verlangte er ruhig, lächelte und legte den Kopf ein wenig schief. Er erinnerte sich an Zeiten als er ein Kind war, in denen er nicht hören wollte, durch die Gänge gelaufen war und am Ende keuchend und hustend am Boden gelegen hatte. Wie er keine Luft mehr bekommen hatte, Angst hatte, er müsse sterben und wusste, dass die Panik alles nur noch verschlimmerte. Seine Mutter hatte ihm die Hand ausgestreckt und ihm gesagt, er solle sie nehmen, es half ihm sich selbst dazu aufraffen zu müssen, sich auf die Hand vor sich zu konzentrieren, die er so gerne hatte halten wollen, statt auf die Tatsache, dass er glaubte zu ersticken. Vielleicht würde es dem Wolf ebenfalls helfen aus seinem gedanklichen Gefängnis auszubrechen und zu merken, dass er nicht mehr alleine war, dass er hier sicher war. Was der König ihm angetan hatte, musste vielleicht irgendwann raus, aber er musste dabei nicht alleine sein. Rain war hier, würde die ganze Nacht hier mit Nayantai sitzen bleiben, wenn er es denn wollte.

      Rain tat es leid, dass er Nayantai überhaupt nach dem Kerker gefragt hatte, dass er die Tür geschlossen hatte, obwohl er sich schlicht und einfach nichts dabei gedacht hatte. Was gab es wohl noch alles, das Nayantai an all die Schmerzen erinnerte, die er erdulden musste und wie vieles gab es, das er einfach vergessen hatte, das aber jederzeit an die Oberfläche treten konnte? Rain hätte die Zeit zurück gedreht, wenn er gekonnt hätte, nur um Nayantai zu helfen, niemals auch nur in die Lage zu kommen, den König persönlich kennen zu lernen. Die Wahrheit war, dass Nayantai wohl den König besser kannte, als viele andere, die ihn entweder noch nie zu Gesicht bekommen hatten, oder die nicht wussten, was für ein Mensch er wirklich war. Rain hatte nie eine besonders hohe Meinung von seinem König gehabt, erlaubte sich aber eigentlich nicht, solche Gedanken überhaupt zu haben, jedoch hatte er niemals damit gerechnet, was für ein Monster tatsächlich auf dem Thron saß. Auch wenn Nayantai noch keinen einzigen Satz zustande gebracht hatte, es reichte um Rain klar zu machen, dass sie alle von einem Tyrannen regiert wurden.
    • Nayantai war sich selbst gar nicht sicher, ob er hier überhaupt noch sitzen konnte, ob er sich nicht auf seine Beine stellen konnte und versuchen, vor seiner Angst davonzurennen, indem er diesen Raum hinter sich ließ, vor der Wahrheit weiterhin flüchtete, nur, damit er sich in einer dunklen Sackgasse wiederfand, aus der es kein Entkommen mehr gab, sich von seinen Gedanken aufgefressen sah und sich eingestehen musste, dass er sich nicht weiterhin vor dieser Welt verstecken konnte, die für so viel mehr als nur sein Leid verantwortlich war. Ersticken würde er an seinen eigenen Gedanken, sich selbst als Toter in einem Brunnen wissen, bevor er die Wahrheit wieder an die Oberfläche ließ. Ein Wolf? Dass er nicht lachte. Wenn er ein Wolf gewesen war, dann befand sich dessen verwesende, von Maden zerfressene Leiche im Bett des Königs wieder, in das er augenscheinlich gehörte. Schmerz war es, der ihn auf Trab gehalten hatte, der ihn dazu antrieb, sich selbst über den steinerner Boden kriechen zu lassen, wenn er es brauchte, aber hier war er sicher, weit entfernt von dem, was ihn eigentlich plagte. Rastlos, so fühlte sich der Prinz - als ob er in seine Einzelteile zerfallen würde, wenn er sich weiterhin dazu verleiten ließ, in seine Vergangenheit zu spähen.

      Wenn er weiterhin jammern wollte, warum war er dann hier? Auch, wenn er nicht in den Kerker eines Tyranns gehörte, der nicht wusste, wie er seine Hände bei sich behielt, sondern lieber Spiele mit seinen Gefangenen spielte, gehörte er genau so wenig nach Fhaergus - seine Heimat war an einem ganz anderen Ort, aber die Hoffnung, nach Thria zu finden, die war schwindend gering. Ersticken würde er, an seinen eigenen Worten, die er nicht in einem vernünftigen Satz verpacken konnte. Seine Augen wanderten zu der Hand die man nach ihm ausgestreckt hatte - er sollte nach ihr greifen? Glaubte Rain wirklich, dass ihm das helfen würde? "Er ... er ..." Überwindung kostete es ohnehin schon genug, das Schaf anzustarren - und doch rang er sich dazu durch, nach dessen Hand zu greifen und sie zu drücken, vermutlich viel zu fest, während der Rest seines Körpers sich anfühlte, als hätte er ihn auf einem Bett aus Nägeln niedergelegt. Sterben hätte er sollen und doch saß er her und fühlte sich so, als würde er Rain den Arm abreißen, wusste nicht, was seine Gedanken von ihm wollten, oder wohin er sie noch werfen sollte. "Rain ..." Nayantai versuchte noch einmal, sich zu beruhigen, mehr Luft in seinen verkrampften Körper zu lassen, sich aus seiner Misere zu retten - es half, aber warum?
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    • Nayantai griff doch nach Rains Hand, packte sie sogar so fest, dass Rain Angst hatte, er würde ihm seine Finger brechen, aber er sagte nichts, rutschte höchstens noch ein wenig nach vorne, damit er seine Hand nicht so umständlich ausstrecken musste. Er blieb einfach so sitzen, sah den Wolf an, der sich zumindest nicht mehr ganz so sehr versteckte und der nur mehr eine Hand hatte, die an seinen Haaren zerren konnte, oder sich um seinen Körper schlang. Es gab keinen Grund sich vor Rain zu verstecken, oder vor der Welt. Nichts würde ihm hier geschehen und Rain würde nicht über ihn urteilen, oder als schwach befinden, Rain gab auf so etwas nichts und wenn der Wolf weinen musste, damit es ihm nachher besser ging, dann sollte er das dürfen. Rain wollte nur nicht sehen, wie er sich selbst verletzte, oder gar nicht mehr aus dem tiefen Loch heraus fand, in das er zu stürzen drohte. Rain streckte nun noch seine zweite Hand aus, lächelte den Wolf zustimmend an. "Die zweite Hand auch."

      Rain wollte Nayantai dazu bringen, die feste Umklammerung um seinen eigenen Körper ein wenig zu lösen, wie sollte er sich frei fühlen, wenn er sich selbst so in die Ecke drängte und sich keine Möglichkeit gab zu atmen? Es gab keinen Grund seinen Körper schützen zu wollen und es gab keinen Grund sich alleine zu fühlen. Rain war hier und wenn es nach ihm ging, dann konnte der Wolf seine Hand so fest drücken bis sie blau wurde, es war Rain egal. Atmen musste er, vielleicht war es nicht gut sich nicht mit dem auseinander zu setzen, was ihm zugestoßen war, aber er musste sich nicht dorthin zurück denken. Er war nun in Fhaergus, zwar immer noch in Adrestia, aber ein ganzes Stück näher an Thria als zuvor, er konnte den Schnee zumindest wieder sehen. Er konnte sogar in den Garten, wenn er es wollte. Natürlich war er noch nicht ganz frei, aber er würde es sein, Rain war nur nicht sicher, ob Nayantai das auch realisieren konnte, ob er ihm glaubte. Rain hatte nicht vor ihn zu enttäuschen.
    • Geistiger und körperlicher Schmerz, der einherging. Narben würden an beiden Stellen bleiben, aber die Erinnerungen, die er so krankhaft aussperrte, wieso sollte er sie behalten wollen? Allein, sich zu erinnern, fühlte sich so an als würde er aufgeben, aber das tat er nicht, nein, das hatte er auch nicht vor, er lebte ... atmete. Nayantai bekam wieder Luft, obwohl sein Körper sich krankhaft darauf fokussiert hatte, ihm eben jene zu nehmen. Was sollte man ihm noch nehmen? Er hatte alles verloren, so viel mehr als nur sein Hab und Gut oder die Person, die er lieben musste - er fühlte sich so, als würde er es endlich schaffen, mit sich selbst abzuschließen, aber was dann? Hätte er seine Angst und sein Leid endlich überwunden, oder konnte er sich dazu durchringen, zumindest nicht mehr so zu reagieren? Eine zweite, zittrige Hand griff nach der des Lammes, das sich die Zeit nahm, sich ihm anzunähern, darauf zu warten, dass der Wolf sich wieder dazu imstande fühlte, einigermaßen normal zu funktionieren, sich nicht mehr selbst das verräterische Gesicht vom Leibe zu reißen, sondern zu akzeptieren, dass er nun einmal war, wer er war und dass das, was er erlebt hatte, zu dem gemacht hatte, der nun vor Rain saß. Wollte er das? Sollte er das? Verdiente er das?

      Wenn er sich nach Rain ausstrecken wollte, ihm seine Hände gab, konnte er so nicht sitzen bleiben, streckte seine Beine aus, ließ die Anspannung endlich einigermaßen los und lockerte auch den festen Griff, den er um die zierlichen Hände hatte, die vermutlich unter all dem Druck einbrechen würden wie ein Spiegel, auf den der Wolf nicht zum ersten Mal einschlug. Nayantai wusste, dass in ihm noch genug Tumult herrschte, dem er nicht entkommen konnte, aber er versuchte, all das unter den Teppich zu kehren, damit er sich in seiner Haut wohler fühlen konnte. Plötzlich fühlte er sich schuldig, hatte sich dem Lamm aufgezwungen und wollte seine Finger wieder zurückziehen, seine Hände wieder an seinen Körper drücken, aber nein - dafür war keine Zeit, wenn er sich selbst von den Ketten befreien wollte, die ihm auf erlagen. Verschwinden konnte er nicht mehr, zu nah war er schon an das Lamm herangetreten, das ihm helfen wollte, das ihm zeigen wollte, dass es keine Intentionen hatte, die ihm schaden würden - und Nayantai war noch immer übel, so viel mehr, als er aushalten sollte. Konnte er das Fenster aufreißen? Vermutlich nicht. "Mh, Rain ... ich ... du ...", nein, er brauchte vermutlich noch eine Weile um sich wieder zu sammeln, aber wie lange wollte er eigentlich noch damit verschwenden!?
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    • Rain legte den Kopf schief, wusste nicht, worauf der Wolf hinaus wollte, aber war froh, dass er nach seiner Hand gegriffen hatte und damit auch die Anspannung in seinem Körper etwas nach ließ. Rain lächelte weiterhin, bewegte sich nur vorsichtig um sich selbst in eine bequemere Position zu manövrieren und warf keinen einzigen Blick auf seine Hände, bei denen der Druck des Griffes nachließ, der sie festgehalten hatte. Nayantais Atmung beruhigte sich ebenfalls, er entspannte, zumindest ein wenig, auch wenn er vielleicht zu früh angefangen hatte zu sprechen und nicht wusste, was er sagen sollte. Rain konnte warten, drückte die Hände des Wolfes ebenfalls mit bestimmtem Druck, er würde nirgendwo hingehen und er musste auch gar nicht irgendwo anders sein. "Lass dir Zeit.", lächelte er, sagte nun auch endlich wieder etwas, jetzt wo er das Gefühl hatte, dass seine Stimme den Wolf nicht beunruhigte.

      Rain folgte auch dem Blick des Wolfes über seine eigene Schulter, auch wenn es nur für einen kurzen Moment war. "Das Fenster?", fragte er, lächelte weiterhin und überlegte für einen Moment. Er konnte sich zum Feuer setzen, vorher noch Nayantais Kleidung überziehen, die da immer noch in seinem Schrank lag, der Wolf konnte etwas frische Luft bestimmt vertragen und Rain wollte ihm die Möglichkeit geben. Er nickte also, bewegte sich aber nicht weiter, wollte lieber zuerst sehen, ob der Wolf das Fenster wirklich öffnen wollte, ob er Rains Hände los lassen wollte, oder lieber nicht, womöglich wollte er auch, dass Rain es einfach für ihn öffnete. "Wir können es ein paar Minuten aufmachen, wenn du willst. Soll ich es aufmachen gehen...?"