[2er RPG] Cold, Lonely and Freezing

    • Trotz aller guter Worte konnte Victor nicht einfach locker lassen. Er war nicht mehr der Mann, der er einst war. Ausgelassen, humorvoll und immer für einen Spaß zu haben. Victor war angespannt und hatte einen sehr derben und trockenen Humor entwickelt mit dem die meisten - vor allem Frauen- nicht anfangen konnten.
      Er nuschelte noch eine Entschuldigung, atmete noch einmal tief durch und widmete sich dem Einkauf. Ein wenig Obst, ein wenig Gemüse, Nudeln, Reis...Er hatte von allem ein wenig mitgenommen und für zwei Personen musste der Einkauf sogar eine Woche rein...Für sie beide, die kaum über den Tag verteilt etwas zu sich nahmen und das größte der Gefühle eine Pizza war, durfte das sogar zwei Wochen lang heben.
      Als dann alles draußen war und Naira alles in ihrem Tempo einräumen konnte, faltete Victor derweil die Tüten zusammen und sah ihr zu. War es falsch ihr einen Begrüßungskuss zu geben? Sie hatte nichts gesagt, hatte sich nicht von ihm abgewandt. Victor ermahnte sich nicht noch länger darüber nachzudenken und den Teufel ständig an die Wand zu malen. Um sich abzulenken kümmerte er sich darum einen Großteil von den Sachen in den Kühlschrank zu verfrachten von denen er sicher war, dass sie dort rein gehörten.
      "Frei zu haben ist seltsam...", fing er irgendwann nachdenklich an, "Es...reißt mich immer irgendwie runter...Macht mich unruhig...Deswegen wirke ich wohl so angespannt...Aber ich lerne das schon noch.", er fuhr sich durch die Haare, bevor er zu Spike sah, dem er an diesem Morgen bereits zu seinem Fressen verholfen hatte. Dem Hund schenkte er ein Tätscheln : "Solltest du dein Bein nicht lieber noch ein wenig schonen...Zumindest so gut es geht?"
    • Naira O’Connor

      Sie seufzte innerlich, beließ das Thema und was sich bewusst, dass die nächsten Tage anstrengend sein würden, bis eine gewisse Norm eintritt. Naira war sich auch dessen bewusst, dass es sicherlich für Victor nicht einfach war,sie redete sich ein, er brauche einfach nur ein wenig mehr Zeit, die würde sie ihm auch geben.
      „Das ist mein erstes richtiges frei dieses Jahr.. ich habe sonst die ganzen Wochen geschuftet.. aber ich bin froh.. dass es nicht nur mir so geht.. wenn man nämlich frei hat, dann muss man sich um andere Sachen kümmern, als nur die Arbeit.. und ich glaube, dass habe ich noch immer nicht gelernt.“. Sie sah kurz zu ihm, ehe sie sich weiter dem Einkauf widmete. Das alles, was sie für die Ente brauchte ließ die Frau draußen den Rest räumte sie mit ihrem Partner gemeinsam in die Schränke. Er sprach wieder ihr Bein an, sie war kurz davor etwas pampig zu werden, biss sich aber auf die Zunge und ermahnte sich, sie wollte doch damit aufhören. „Ich belaste es gar nicht, ich stehe gerade die ganze Zeit auf dem gesunden Bein“, antwortete sie und sah zu dem Rothaarigen von der Seite hoch. Sie lächelte sogar ganz zart. „Aber ja, ich setze mich gleich auf die Couch und kann ja dort erst einmal das Bein schonen, während ich das Gemüse schnibbel“. Das war der Kompromiss, den sie einging.. sie würde das Bein schönen, aber dafür weiter machen, ohne sich zu sehr anzustrengen. Naira nahm auch die Sachen, die sie dafür bräuchte und trug sie in den Wohnzimmer, wo sie sich auf die Couch setzte und für einen Moment entspannte. Allein das stehen war anstrengend, aber sie würde das durchziehen, aufgeben war einfach nicht ihr Ding.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor meinte es ja keinesfalls böse. Er wollte lediglich, dass Naira sich nicht überanstrengte und vor allem wollte er sehen, dass sie eines Tages wieder normalen gehen konnte. Dummerweise bezweifelte er es, je länger er darüber nachdachte. Eine Wunde die so tief ist und eigentlich ihr Leben hätte kosten dürfen, auf die man nicht achtete, konnte sehr gefährlich werden. Ein bleibender Schaden, wenn man es so wollte. Auch wenn Naira ihn anlächelte, konnte er es vorerst nicht erwidern, sondern ging zurück zu seinem typischen: Ich muss nicht immer vor mich hin grinsen, wenn es mir gut ging. Wobei eine gute Laune war bei einem Mann wie Victor eher ein Fingerzeig darauf, dass es wirklich sehr gut lief.
      Seufzend sah er ihr noch nach, wie sie in das Wohnzimmer verschwand und blieb erst einmal in der Küche um sich einen Kaffee zu machen. Naira machte er gleich einen mit. Sie waren nun zusammen...Von einem Tag auf den anderen entschieden sie sich dazu die unsichtbaren Grenzen und Linien zu ziehen, die sie beide zu einem Lebenspartner machten. Gemeinsame Unternehmungen...Loyalität...Diese Einverständnis war nicht jedem klar. Victor nahm sie auch nur war, weil er sich erinnern konnte, wie es damals war, wenn er es nicht getan hatte. Ein schlechter Mensch war er nicht, nur sehr dumm, wenn man betrachtete wie unglaublich anstrengend er sich verhalten hatte.

      Als der Kaffee fertig war brachte er ihr einen mit und stellte ihn auf den Kaffeetisch ab, lehnte sich zurück und versuchte noch einmal das Entspannen anzugehen. Sein Körper war von alleine so voller Anspannung, dass es ihm erst auffiel wie viel er davon in sich trug, wenn er versuchte loszulassen.
      "Schon seltsam...Frei zu haben...so viele Gedanken, bei denen man dachte man braucht sie nicht...", brummelte Victor und rutschte dabei noch ein Stück tiefer auf dem Sofa. Er beobachtete sie beim Gemüse schneiden.
      "Soll ich irgendwie helfen oder so?", Victor versuchte hilfsbereit und aufmerksam zu sein, egal wie viel Kraft ihn das normalerweise kostete.
    • Naira O’Connor

      Es gab eine Menge, die Naira zu schälen und zu schneiden hatte. Die Ente musste gefühlt werden, die Beilagen mussten ebenfalls vorbereitet werden, aber dennoch war sie nicht in Stress. Sie hatte viel Zeit und es hetzte sie auch keiner, immerhin waren alle anwesenden schon da und konnten dann essen, wenn das Essen auch fertig sein würde. Der Hund würde bis dahin sein Essen kriegen und viel anderes hatten die drei ja auch nicht vor.
      Die Frau hörte ihren Partner in der Küche was machen, aber er war alt genug und brauchte mit Sicherheit keinen,der auf ihn aufpassen musste. Sie sah nur kurz auf, als Victor das Zimmer betrat und ihr einen Kaffee hinstellte. Sofort wurde es ihr warm ums Herz und ein Lächeln bildete sich auf ihren Lippen, das hätte sie nun tatsächlich nicht erwartet. „Danke sehr“, bedankte sich Naira, sah zu dem Mann für einen Moment, widmete sich aber dann dem Schälen und Schneiden. „So viel, worauf man achten muss.. sonst blendet man es eher aus“. Sie sah noch einmal zu Victor, wollte seine Frage über die Hilfe schon fast ablehnen, aber sie ermahnte sich selbst. Die Dunkelhaarige wollte sich doch ändern.. sie wollte endlich die Hilfe annehmen, die man ihr anbot. „Du kannst gerne die Kartoffel schälen, ich schneide in der Zeit weiter“, sprach sie und hielt dem Mann den Schäler hin, er würde ihn brauchen. „Dann kann ich gleich mit der Ente anfangen.. würdest du Spike nachher dafür rausnehmen? Ihr müsstet nur eine Runde drehen, dann muss ich mich die Treppe nicht abquälen“.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • So ein Glück hielt selten lange an. Victor spielte den aufmerksamen und wollte hilfsbereit sein, doch innerhalb schlummerte noch dieses Monster, das im nächsten Moment sich nur noch um den Alkohol kümmern wollte, sich verscharen wollte, um nicht gefunden zu werden. Victor lehnte sich zurück und nahm vorsichtig einen Schluck, während die Gedanken rasten. Naira dagegen hielt sich gut. SIe akzeptierte seine Hilfe auf jegliche Art. Beim Kochen, Einkaufen...Sogar Spike überließ sie ihm, damit dieser seine Runde drehen konnte ohne in der Wohnung einzugehen. Man sah dem Hund an, dass er sich nicht wohl fühlte so viele Tage hintereinander nur eingesperrt zu sein und nicht mehr den routinemäßigen Lauf nach draußen zu haben. Dabei ging es dem Hund nicht unbedingt um das Vertreten der Blase. Er musste rennen und tollen, um überhaupt ausgelastet zu sein.
      Spike hatte sich aus der Küche wieder zu Naira begeben und legte sich zwischen Sofa und Kaffeetisch. Mit spitzen Ohren lauschte er ihrem Gespräch, hoffend wohl darauf, dass sie nicht noch einmal so laut stritten.
      Victor rieb sich das Kinn, kratzte durch den Bart: "Kann ich alles machen...", war alles was er zu den ihm zugeteilten Arbeiten noch sagen wollte. Er würde es erledigen. Ohne Widerworte,e gal wie viel Arbeit es für ihn war.
      Nach einem Schluck Kaffee beugte er sich vor, schnappte sich das Messer und das Gemüse, dass man ihm rüber geschoben hatte und fing an deses zu schneiden: "Aber erwarte nichts großartiges. Die Male, die ich gekocht habe, kann ich an meinen Händen abzählen...", warnte sich Victor und strengte sich trotzdem an, die Würfel der Zwiebel zumindestens ansatzweise ähnlich groß zu machen, wie die von Naira.
    • Naira O’Connor

      Die Stimmung schien noch immer angespannt zu sein, aber vielleicht redete sich Naira nur was ein und machte sich viel zu viele Sorgen, jedenfalls hielt sie an genau dieser Vorstellung... es würde alles seinen Lauf nehmen, war ihr Gedanke. Der Tag gestern saß noch allen in den Köpfen, selbst die Frau selbst konnte sich noch nicht davon lösen.. Bilder wollten immer wieder ihr ins Gedächtnis gerufen werden, ihr Kopf wollte eine Abneigung gegenüber Victor schaffen, aber bisher klappte es wunderbar die Gedanken in Schach zu halten. Sie einfach auszublenden und sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.
      „Es muss nicht perfekt sein, außerdem kann man beim Schälen und Schneiden nichts falsch machen.. meine Großmutter sagte früher immer, wenn ich ihr geholfen habe, dass es so gut sein wird, wie ich es machen werde..“. Naira zuckte mit den Schultern, um es deutlich zu machen, ihr war es wirklich unwichtig, wie Victor das Gemüse schnitt. Ihr ging es viel mehr darüber, dass er es überhaupt tat. Aber so lief doch eine Beziehung ab, oder nicht? Jeder half dem anderen.. man gab sich gegenseitig Halt, quasi eine Vorstufe zu einer...Ehe. Da seufzte Naira innerlich und blickte kurz zu Victor. Nein, definitiv keine Ehe, er sah nicht nach einem Mann aus, der sich gerne für den Rest seines Lebens band, in guten wie in schlechten Zeiten. Aber vielleicht war Naira auch nicht die Frau, die eine gute Ehefrau wäre, allein ihr Charakter.. wenn es mit Victor nicht klappen würde, dann würde sie sicherlich keinen anderen Mann finden, der ihren Charakter akzeptierte.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Die Zwiebel war ein bösartiges Gemüse. Sobald das Messer durch das Fleisch schnitt und der Saft triefte, schossen Victor kaum Sekunden danach die Tränen in die Augen und die Nase fing wieder an zu laufen. Als ob es sie es zuvor nicht hatte tun wollen, aber nun eingeschüchtert war durch den beißenden Geruch der Zwiebel. Er schniefte leise und fuhr sich mit dem Handgelenk über die Augen. Solange Naira zufrieden war mit dem was er da zusammen bekommen konnte, konnte er sich auch zufrieden geben damit. Er hoffte es zu mindestens, dabei musste er nur an ihre Worte glauben.

      Als er dann fertig war und alles säuberlich - so gut er es hinbekam - zu kleinen Haufen geschoben hatte, stand er auf und ging sich die Hände waschen. Zufrieden war er sicherlich damit, jetzt musste man es nur noch verkochen, doch Spike zeigte sich unruhig und nahm den Weg zur Türe, wo er darauf fleißig wartete von Victor nach draußen gebracht zu werden.
      "Ich hätte ihn zum Einkaufen mitnehmen sollen...Dann hätte er mir noch eine Tüte abgenommen.", sagte Victor und rieb sich die Hände an einem Handtuch ab, dass er im nächsten Moment zurück auf der Theke ließ. er trat noch einmal ans Sofa und sah sich die Restarbeit an, die Naira gemütlich erledigte.
      "Brauchst du noch etwas? Sonst geh ich kurz mit dem Vierbeiner raus und bin dann gleich wieder da, um weiter zu helfen."
    • Naira O’Connor

      Sie fand es wirklich süß, dass Victor der Zwiebel unterlegen war, wie so gut wie jeder andere Mensch auf diesem Planeten. Naira kannte es gut, sie weinte jedes Mal, wenn sie die Zwiebel schneiden müsste, aber es war nur ein kleiner Kampf, diesen durfte man auch verlieren, wie sie es empfand.
      Ein sanftes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen, sah aber wieder auf das Gemüse und schnitt ihres weiter. Aus dem Augenwinkel erkannte sie, dass sich der Rotschopf erhob, er verschwand und der Hund ihm sofort hinterher. Spike wollte raus, man sah es ihm deutlich an, es war auch seine Zeit.

      „Er hätte sicherlich nicht nur eine Tüte tragen können“, entgegnete die Dunkelhaarige und erblickte wieder ihren.. Freund.. ein Schmunzeln war in ihrem Gesicht zu sehen. So langsam gewöhnte sich die Frau an den Humor des Mannes, so schlimm war es doch gar nicht. Man müsste sich nur aneinander gewöhnen und anpassen, damit würde sicherlich alles klappen. Victor wollte mit dem Hund raus, war eine gute Idee, bevor der Hund noch viel mehr betteln würde. „Nimm ihn ruhig raus, ich habe gleich alles soweit“, antwortete sie ihm. Es war noch immer merkwürdig, zu Victor aufzuschauen und zu wissen, dass sie jetzt irgendwie ein Paar waren. Das war sicherlich schon länger ein Wunsch der Frau gewesen, aber es nun aussprechen zu können.. „Passt nur auf euch auf“.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor fühlte sich unruhig und angespannt. Als er sich nach unten durch das Treppenhaus begab, konnte er aber aufatmen und einmal den Kopf durch die frische Luft ein wenig zu klären. In seiner Jackentasche umfasste er die kleine Schatulle mit dem Geschenk für Naira. Er war möglicherweise ein wenig übereilig mit allem was ihn und sie anging.
      Spike war raus gerannt und schnüffelte sich durch die unglaubliche Masse an weißem Schnee auf der Straße. Er ging seiner eigenen Nase nach und ließ Victor in Ruhe, der in seinen dünnen Schuhen wieder merken musste, wie falsch diese Schuhe waren für einen Ort wie Alaska. Schnaufend richtete er den Kragen seines Mantels auf und sah sich um nach Spike, der ihm im Abstand von 5 oder 6 Metern folgte oder überholte um seine Kontrolle weiter zu führen.
      Nach 15 Minuten, als Victor komplett durchgefroren wieder war, pfiff er Spike nach, so dass dieser mit aufgestellten Ohren wieder zu ihm rannte und wieder mit nach Hause zu kommen.
      In der Wohnung schüttelten sich beide Männer erst einmal in der Wohnung. Victor trat den Schnee von den Schuhen und schmiss die Jacke wieder auf den Haken, bevor er in das Wohnzimmer kam, um Naira weiterhin dort zu finden.
      "Unbeschadet wieder zurück gebracht.", sagte er und verwies dabei auf Spike, der nun zufriedener wirkte und sich zu Naira gesellte.
    • Naira O’Connor

      Ein Seufzen verließ ihre Lippen, als die Tür ins Schloss fiel und die Frau alleine blieb. Spike bekam endlich seinen Auslauf, er durfte eine große Runde drehen, mit seinem Frauchen war es bisher nicht möglich gewesen. Diese blieb sitzen und schälte das Gemüse zu Ende, bevor sie sich versuchte zu erheben und alles in die Küche zu bringen. Sie legte alles in die Spülmaschine, was möglich war und ließ das ganze Gemüse draußen in einer Schüssel, bevor sie wieder zurück lief. Die Frau hatte noch einen Augenblick, bis sie höre anfangen müssen die Ente vorzubereiten, dafür wartete sie gerne, bis ihr Partner zurück kam um ihr die Sachen runter zu holen. Sie hielt sich an ihr Wort, ihn zu Hilfe zu ziehen, immerhin änderte sich auch einiges damit, dass er ihr Freund war. Freund...
      Naira nahm auf dem Sofa noch einmal Platz und griff zu ihrer Tasse mit dem warmen Kaffee. Ein Moment der Ruhe war drin, dann wurde die Tür wieder geöffnet und der Hund lief rein. Er war nass und kalt, stürzte sich aber in das Wohnzimmer, um Naira hallo zu sagen. Sie kraulte den Hund kurz hinter dem Ohr, ein Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. „Ihr seid ja beide unbeschadet zurück!“, entgegnete sie zu dem Rothaarigen und deutete auf den Platz neben sich. „Komm wärm dich etwas auf, dann kannst du mir etwas helfen“. Sie hatte vor sich an ihm zu schmiegen, um ihm ein wenig ihrer Körperwärme zu geben. Das tat doch eine Freundin, oder nicht..?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Er musste ein wenig lächeln über den Kommentar, dass sie gemeinsam zurück waren, denn sie hatte recht. Sie waren nun beide unbeschadet zurück und sie zeigte ihm damit auch ein wenig, dass sie auf ihn acht geben wollte. Nicht nur auf ihren Hund. Das kleine Handzeichen sich neben sie zu setzen, ließ ihn gehorchen sofern er auch die Schuhe von den Füßen bekam. Dann setzte er sich zu ihr und genoß allein schon die Nähe zu ihr.
      Aber die Wohnung war warm genug, so dass Victor sich schnell aufwärmen konnte und schon bald auch wieder aufstand. All das Gemüse war geschnitten und eigentlich blieb wohl nur noch der langwierigste Teil, nämlich die Ente...Sie musste gestopft werden und das alles in den Ofen kommen. Pünktlich zur Weihnachtsuhrzeit, wenn alle am Abendtisch sitzen sollen.
      Victor schob sich auf dem Sofa ein wenig vor. Eine Beziehung war für ihn selten gut ausgegangen oder glimpflich. An einem bestimmten Punkt hatte er sie meist immer zerstört. Diesmal wollte er sich anstrengend, dass es klappte: "Okay...Wir sollten den rest noch erledigen, dann können wir wieder zurück zum Nichts tun...Bis jetzt hat uns auch keiner ausgerufen und...es scheint so, als ob selbst Thomas ruhige Weihnachten feiern möchte.."
    • Naira O'Connor

      Er setzte sich tatsächlich zu ihr, da konnte Naira ihre Tasse wegstellen und Victor zu sich in den Arm nehmen. Es war sehr warm in der Wohnung, aber vor allem der Mann war sicherlich durchgefroren und musste sich aufwärmen, dafür gab es als beste Möglichkeit seine Freundin, die ihre Arme um sie legte. Es dauerte jedoch nur einen etwas längeren Augenblick, da erhob er sich wieder, um weiter zu machen. Eigentlich hatte er recht, wie Naira fand.. Sie konnten alles erledigen und letztendlich dann nichts tun, aber viel lieber würde die Frau zuerst nichts tun und weiter auf dem Sofa kuscheln, aber was muss das muss. "Ich denke, du hast Recht..",sprach die Frau und hielt ihm ihre Hand hin, damit er ihr beim Aufstehen helfen konnte. Sie wollte das Bein einfach nicht zu sehr belasten und solange er in der Nähe war, konnte sie es auch ausnutzen.
      Sie lief in die Küche, schnappte sich einen der Hocker und stellte ihn an die Arbeitsfläche, bevor sie sich umsah. "Kannst du mir bitte einiges runter holen?",fragte sie ihren Freund und schenkte ihm ein sanftes Lächeln, bevor sie anfing aufzuzählen, was sie alles brauchte. Währenddessen deutete Naira auch natürlich daraufhin, wo sich die Sachen befanden und überlegte einen Moment, ob sie noch etwas bräuchte, aber sie hatte eigentlich alles aufgezählt. "Dann kannst du gerne noch einen Kaffee kochen". Ein wenig unsicher war sie schon, wie sie sich verhalten sollte, vor allem was sie alles tun sollte, aber noch immer wollte sie einfach nur nach ihrem Instinkt gehen und hoffen, dass es das Richtige war.
      Sie schnappte sich die Ente und wusch sie schon einmal gründlich an der Spüle.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor war aufgestanden und hatte sich der gegebenen Aufgabe zugewandt. Die Sachen, die sie brauchten, holte er alle für Naira runter und breitete sie auf der Arbeitstheke aus, so dass sie locker an diese heran kommen konnte.
      Dann kümmerte sich Victor um einen weiteren heißen Kaffee, der wieder seine glieder aufwärmen sollte, damit er sich bewegen konnte. Zwar war die kleine Umarmung, die ihm Naira geschenkt hatte, fast schon ausreichend, um es ihm wärmer zu gestalten, aber der Körper reagierte nicht immer auf emotionale Wärme.

      Während das Wasser kochte und der Kaffee sich von alleine fertig machte, ging Victor wieder in das Wohnzimmer, um alles rüber zu holen, das sich dort angestaut hatte. Mit allen Zutaten drüben konnte er sie nach und nach auch Naira geben, die anscheinend aus dem Kopf wusste, wie man die Ente anrichten musste, damit sie auch gut war. Victor ging zumindest davon aus, dass sie es wusste.
      Nachdem der Kaffee fertig war, reichte er ihr ebenfalls einen. Langsam fühlte es sich gut an mit ihr zusammen zu sein. Das war das was ihm gefehlt hatte. Einfach nur die Zustimmung, dass sie nun zusammen waren. Das beruhigte seinen Kopf und gab ihm die Zuversicht, dass alles schon werden würde...Wenigstens in den 5 Minuten, die sie gemeinsam verbrachten. Aber alles verging, nicht wahr?
      Victor stellte sich mit dem Kaffee neben Naira während sie die Ente befüllte und sah ihr dabei zu. Kurz kam er darauf den Ofen vorzuheizen und folgte dem Gedanken, bevor er sich wieder neben sie begab.
      Weihnachten kam schneller als erwartet und nach Jahren war das wieder ein Weihnachten dass er mit jemandem gemeinsam verbrachte.
    • Naira O’Connor

      Nach Stunden der Vorbereitung war es endlich soweit.. die Ente brauchte nur noch knappe zehn Minuten und der Tisch war gedeckt, während Naira sich im Schlafzimmer die Haare richtete. Sie hatte sie mühsam geglättet, um die lange, schwarze Pracht offen zu halten, wenigstens für den einen Abend. Sonderlich schick hatte sie sich nicht gemacht, das tat die Frau eher selten, sie wollte lieber mit ihrer Natürlichkeit überzeugen, als mit irgendwelchem Make Up, welches sie älter wirken lies, anstatt jünger. Sie trug einen langen Pullover mit einem weihnachtlichen Muster drauf und eine normale leggins darunter, was anderes brauchte sie nicht.
      Der Timer auf ihrem Telefon meldete sich, da verließ die Frau das Schlafzimmer und begab sich in die Küche, um den Ofen zu öffnen und nach der Ente zu schauen. Das Kochen mit Victor hatte sogar Spaß gemacht, er war ihr gut zur Hand gegangen und hatte nicht wirklich gemeckert. Es war schön ihn bei sich zu haben.. auch wenn der Abend vorher eine reine Katastrophe gewesen ist, man sah ihr im Gesicht nur noch wenig an, aber die innerlichen Wunden blieben noch.
      „Victor?“,fragte Naira, nachdem sie die Ente angespieckst hatte, um sie zu überprüfen. „Kannst du die Ente rausholen bitte?“. Sie wagte es nicht,sie selbst rauszuholen, sie würde damit den ganzen Abend ruinieren. Nach gestern hatte sich einiges geändert, einiges hatte ein Umdenken in ihr geschafft, mal sehen wie lange.
      Auch Spike hatte es sich neben dem Tisch bequem gemacht, wartete auf die Ente, während sein Frauchen den Wein öffnete, den sie jedes Jahr zu Weihnachten und zu der Ente trank. „Trinkst du eigentlich Wein?“,fragte sie ihren Partner beiläufig. Wein war für sie nicht die Art Alkohol, mit der man sich die Birne vollaufen lassen konnte.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Das gemeinsame Kochen hatte Zeit gefressen, die der rothaarige Detective wohlkaum sinnvoll eingesetzt hätte. Er wäre durch die Wohnung gelaufen, hätte sich hingelegt oder wäre wieder versucht gewesen sich an die Fallakte zu setzen. Das Böse schlief nie...Nur ausnahmsweise an diesem Weihnachten, spielte das Schicksal irgendwie in seine Hände. Er konnte ausruhen und sich einer richtigen Freundin widmen, die er schon lange nicht hatte. Thomas blieb still, es schien auch so, als sei ihr Handy nicht ein einziges Mal angegangen, um die obszönen Nachrichten ihres Mörders zu bekommen. Hin und wieder erwischte sich Victor natürlich dabei in Gedanken zu schwelgen und den Fall weiter zu bearbeiten. Nicht nur sie lenkte ihn von den wummernden Kopfschmerzen ab, die er hatte, sondern auch die Arbeit. Deswegen schlief er kaum...Sie schienen ihn einzuholen in seinen Träumen, wenn er es wagte sich hinzulegen.
      Während Naira im Schlafzimmer meinte sich fertig machen zu wollen, saß Victor auf dem Sofa und balgte ein wenig mit Spike, dessen Anwesenheit er immer mehr akzeptierte. Sich fertig zu machen für den Abend kam ihm zwar in den Kopf, bewegen tat er sich trotzdem nicht. Das Hemd, dass er heute Morgen angezogen hatte sollte reichen und die dunkle Jeans ebenso. Er hatte schließlich nie zu viel wert gelegt auf einen variablen Kleiderschrank, der ihm mehr anbot als das. Er besaß nicht einmal eine Jogginghose für zu Hause...
      Als Naira rauskam fiel ihm sofort auf, dass sie ihre Haare offen trug und sie waren seidig und glatt...Hübsch und verführerisch war sie, doch unglaublich unpraktisch die Haare offen zu lassen, wenn man mit dem Ofen hantierte. Victor ließ es sich also nicht zweimal sagen, dass er ihr helfen sollte, die Ente aus dem Ofen zu hieven. Sie war nicht groß, aber ausreichen für sie drei und bestimmt für ein morgiges Frühstück. Mit Ofenhandschuhen brachte er die Ente rüber auf den Tisch. Derweil war es schummrig und schön geworden in der Wohnung. Der Weihnachtsbaum gab seinen wunderbaren Geruch ab und es fühlte sich wirklich an wie Weihnachten...Und was wäre Weihnachten ohne Alkohol. Dabei ahtte er noch vor 12 Stunden geschworen er wollte es lassen und unter Kontrolle bekommen. Die Frage, ob er Wein trank war in der Hinsicht irrelevant. Er trank alles was ihn ins Koma befördern konnte, aber an diesem Abend wollte er es nicht. Er wollte ansprechbar sein, denn er wollte ihr etwas schenken...Dafür sollte er am nächsten Morgen sich auch noch daran erinnern.
      "Ich...ja, schenk mir ein Glas ein. Aber nicht mehr. Muss mich zurückhalten.", sagte er und legte die Ofenhandschuhe zusammen und brachte sie in die Küche zurück. Es war alles fertig...Sie hatten in weiser Voraussicht den Tisch bereits gedeckt. Ein wenig unruhig blickte Victor in der Küche um sich, bevor er dann wieder an den Esstisch kam. Er sah Naira zu beim Auffüllen der beiden Gläser. Der Gedanke es sei zu wenig für ihn was in ein Glas normalerweise kam, schoss hoch und er unterdrückte ihn zu sagen oder gar zu murren.
      "Setz dich...Und...danke fürs Kochen.", sprach er ruhig, nachdem er sich an die Ente stellte und sie anschnitt, um die Portionen zu verteilen.
    • Naira O’Connor

      Sie nickte auf Victors Entscheidung hin ein Glas mit ihr zu trinken, sie konnte sich auch kaum vorstellen, dass es eine Wirkung bei ihm hatte. Er trank doch normalerweise deutlich stärkeres, Wein sollte also eher ein Witz dagegen sein, dennoch befüllte Naira die Gläser nicht allzu voll. Es war ein sehr teurer Wein, den sie sich fürs Weihnachten gegönnt hatte.. normalerweise trank sie die Flasche alleine an einem Abend leer, während Spike mit seinen Geschenken beschäftigt war, aber heute hatten die beiden tatsächlich einen Gast da, dies ließ die Frau nicht mehr so verbittert und verlassen erscheinen.
      Nachdem Naira beide Gläser auf ihren Platz stellte und die Flasche außer Sichtweite ihres Partners gestellt hatte setzte sie sich hin. Spike wartete schon brav vor seiner Schüssel, den musste man nicht rufen, er wusste genau, was es gleich gab. „Gib ihm aber bitte ein Stück ohne Haut“, bat die Dunkelhaarige ihren Freund und lächelte ihm sanft zu. Der Hund verstand nicht ganz, aber er befürchtete weniger zu kriegen, als er sonst bekam.. „Du brauchst dich nicht zu bedanken, die Hälfte hast du schließlich erledigt..“. Es stimmte, und sicherlich, ohne Victor hätte sie es selbst vermutlich nicht geschafft, vor allem mit dem Bein nicht. Es wären die dritten Weihnachten in folge, in denen sie alleine mit ihrem Hund gewesen wäre, aber es war ja jetzt anders.
      Naira wartete, bis ihr Partner allem etwas verteilte und sie griff zu ihrem Glas Wein,bum es zwischen die Finger zu nehmen. „Frohe Weihnachten, Victor“, sprach sie und prostete ihm zu, bevor sie ihre Lippen in dem getränkt tunkte. Die Ente war wirklich gut geworden, der Rest natürlich auch.. und sie saßen zu zweit am Tisch, mit dem Hund an der Seite und aßen im Stillen. Ganz leise lief aus dem Radio in der Küche Musik, zum Glück keine Weihnachtslieder, die konnte die Frau nicht abhaben.. es war fast schon perfekt.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Es war wie zum Verlieben. Die Atmosphäre hatte zwar noch diese Dicke und Schwere vom letzten Abend, aber irgendwie war es auch wiederum erleichternd und ... ernüchternd. Victor verteilte brav wie gewünscht das Essen auf die Teller und reichte auch Spike seine Weihnachtsportion ohne Haut. Dann setzte er sich an seinen Platz, um von dort zu Naira zu sehen. Dann empfand er es zu weit weg und ohne groß nach zu denken schnappte er sich seinen Stuhl und rückte auf die Seite des Tisches neben Naira, um mit ihr zu sitzen und das Essen zu genießen. Ob es nun schmeckte war egal und auch ob sie miteinander sprachen in den nächsten 20 Minuten war ihm egal. Sie waren gemeinsam hier und feierten Weihnachten. Durch das leise Gedudel aus dem Radio wirkte es noch heimischer. Ja, sogar gemütlich für einen wie Victor, der sonst nichts als halbwegs angenehm empfinden wollte.
      "Frohe Weihnachten.", er hob erst als er sich umgesetzt hatte das Weinglas an und sah sich die rote Flüssigkeit an. Sein Zögern aus dem Glas zu trinken hatte weniger damit zu tun, dass er es vielleicht nicht mögen konnte. Es hatte mehr damit zu tun, dass er möglicherweise mehr wollte. Schließlich nippte er ein wenig und fing an zu essen daraufhin. Der bittere Geschmack des Weins erschien ihm immer noch zu süß gegenüber einem Scotch.
      Die ersten Minuten aßen sie im Stillen.
      "Ist nicht unsere Welt, wie...Gemeinsam einen Feiertag zu zelebrieren...", Victor seufzte leise in sich hinein, bevor er sich einen Streifen Fleisch in den Mund schob und zu Naira saß. Trotz der Schweren Last, lächelte er ihr sogar ein wenig entgegen. Dieses seltene Lächeln, dass er sonst niemandem zeigte.
      "Es ist voreilig...Aber ich hoffe es wird nicht das letzte Weihnachten sein...", um sich der unwohlen Situation zu entziehen, griff Victor, wie sonst auch immer, zum Glas und nahm einen Schluck. Gefühle auszusprechen, zu kommunizieren was einen ausmachte...Das war nicht einfach, aber so einen Streit wie gestern wollte er nicht noch einmal...Die Schmerzen in der Schulter spürte er immer noch unterbewusst.
      "Wenn du...noch einmal die Wahl hast...wärst du noch einmal Polizistin geworden oder...etwas anderes?"
      Victor war nach einer Unterhaltung. Sie mussten sich schließlich kennenlernen. Nicht nur physisch...da kannten sie sich gut genug aus. Er wollte in ihren Kopf....Denjenigen verdrängen, der sich sonst dort eingenistet hatte und ihr ihre Paranoia geschenkt hatte.
    • Naira O’Connor

      Es überraschte die Frau, dass Victor sich tatsächlich umsetzte und sich zu ihr setzte, aber sie lächelte letztendlich warm und freute sich innerlich sehr, dass er an ihrer Seite war. Für ihn rutschte sie sogar ein wenig zur Seite, damit er den nötigen Platz hatte, damit beide in Ruhe essen konnten. Es war ein magischer Moment, draußen war alles weiß und voller Schnee, drinnen hielt die Heizung alle warm und das Essen war wirklich gut geworden.
      In Ruhe aßen beide nebeneinander und genoßen den Moment, bis Victor wieder das Wort erhob. Naira sah zu ihm auf und griff zu dem Glas mit dem Wein, um ihre Lippen drinnen zu tunken, während ihre Augen den Rothaarigen musterten. „Ja, es ist nicht normal.. sehr ungewohnt, zu dem Trubel, der sonst so unseren Alltag gestaltet“.
      Sie hing einen Moment lang an seinem Lächeln fest, es war viel zu selten, dass sie ihn Lächeln sah, aber es wurde ihr sofort warm ums Herz und in der ganzen Brust. Naira musste selbst Lächeln.. „Es wird definitiv nicht unser letztes Weihnachten“. Sie widmete sich weiter ihrem Essen, während ihre Gedanken für einen Moment abschweiften. Beide waren die kompletten Gegenteile, Naira so optimistisch und voller Energie, Victor eher der Pessimist.. der über alles unzufrieden war, nur scheinbar jetzt nicht. Das fühlte sich wirklich gut an..
      Wieder einmal überrascht war die Dunkelhaarige, als Victor sie etwas persönlicheres fragte. Er fing tatsächlich ein Gespräch an, er hatte scheinbar seine Lektion auch gelernt. Für einen Moment ließ sie das Besteck liegen und griff zu dem Wein, bevor sie sich ein wenig zurücklehnte. „Ein gewisser Teil von mir schreit jetzt definitiv ja.. ich habe damals viel Mädchenzeug gemacht.. Balett zum Beispiel.. ich wollte immer Tänzerin werden, in den großen Aufführungen mitspielen, aber mein Dad hatte nur zwei Töchter also musste er einer alles das beibringen, was Jungs machen“. Ein sanftes Lächeln war auf ihren Lippen zu sehen, die Erinnerungen waren angenehm.. „Irgendwann hat es aber angefangen mir zu gefallen.. welche Zwölfjährige kann von sich behaupten, schießen zu können? Also folgten auch diverse Kampfkünste und letztendlich gab es nur einen Beruf, in welchem mir all das was bringen würde.. so landete ich dann mit Nachdruck meines Vaters bei der Polizei.. aber ich denke, auch wenn ein Teil von mir innerlich noch ein Mädchen geblieben ist, was anderes hätte mich nicht so glücklich gemacht..“.
      Naira blickte zu ihrem Partner und lehnte sich ein wenig seitlich, um ihn ansehen zu können. „Was ist mir Dir? Hattest du etwa als kleiner Junge schon immer Polizist werden wollen?“. Es wurde ihr wieder warm bei der Vorstellung, wie Victor wohl als kleiner Junge sein musste. Aber sie ließ ihn sprechen und hörte ihm zu, bis für sie der richtige Moment gekommen war, um ihm das Geschenk zu geben, was sie für ihn hatte.

      „Ich komm gleich“, sprach die Frau und tupfte sich mit ihrer Serviette den Mund ab, bevor sie sich erhob und mit ihrer Krücke in das Schlafzimmer lief. Der Karton war gut in ihrem Schrank aufbewahrt worden, hatte auf die Gelegenheit gewartet.. ohne der Krücke, aber samt des Kartons kam sie langsam zurück. „Okay, ich sagte ausdrücklich, dass Geschenke und Weihnachten nicht so meins sind.. deshalb gibt es morgen früh auch keine für dich unter dem Baum, aber Spike und ich haben uns trotzdem etwas überlegt, was du gut gebrauchen könnest“. Mit dem Karton in der Hand setzte sich Naira wieder hin und atmete tief durch, das war anstrengend. „Das ist was nützliches, somit kein Geschenk, aber es wird dich davor bewahren demnächst wieder so nervig zu sein“.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ein wenig musste er über ihren Kindheitstraum schmunzeln. Ballett hätte er ihr nicht zu getraut. Meistens hatte man dadurch eine sichtbare gute Haltung, doch die bekam man automatisch durch die Ausbildung und das Training bei der Polizei...Vielleicht nicht jedermann, aber die meisten und Victor hatte sie zu denjenigen hinzugezählt. Dies war wohl nicht gänzlich richtig.
      "Ja...Eltern drücken einem gerne etwas auf, wie...", es war mehr eine rhetorische Frage, die er in sich hinein raunte, bevor er das Glas um die eigene Achse drehte und die verbleibenden Schlücke unterbewusst einteilte, um über den ganzen Abend etwas zu haben. Dabei kam ihm die Idee Traubensaft zu kaufen, um wenigstens das Gefühl zu haben, dass man etwas trank...oder Apfelsaft, etwas dass ihm den Verstand verdrehte und vorgab zu sein, was es nicht war.
      Als sie ihn dann ebenfalls fragte zuckte er nur mit den Schultern: "Ich...denke schon. Irgendwo tief im Inneren?...Ich war ein ziemlicher Draufgänger und...zwischen Soldat und Polizist gab es nichts anderes was in den Augen eines Jungen...wirklich cooler wäre."
      Er nahm noch einmal einen kleinen vorsichtigen Schluck und sie unterhielten sich noch eine Weile. Er fragte nach ihrer Familie, weil sie ihre Schwester erwähnte und wollte über ihre Mutter reden. Danach sprang Naira auf, so gut es nun einmal ging mit ihrem Bein und verschwand ins Schlafzimmer, um kurz darauf mit einer großen Kiste wieder zu kommen. Victor warnte sich nicht mürrisch zu werden und er hatte bereits Befürchtungen, dass er sich mit dem Gespräch einen Abend voller Fotoalben angelacht hätte...Stattdessen sagte sie ihm es sei ein Geschenk. Überraschten hoben sich seine Augenbrauen. Ja, sie hatten gesagt sie geben nichts und ihre Ausrede war wenigstens noch gut.
      "Etwas mit Funktion?...Bin ich denn schon so alt?", fragte er neckend. Denn ab einem gewissen Alter besaßen Menschen nun einmal mehr als genug und dann wurde nur noch danach geschenkt was die Menschen wirklich brauchen und haben wollen, um zu zeigen, dass man sich um sie kümmerte. Davor war es meist nur irgend ein Firlefanz.

      Victor musste zugeben, dass er doch ein wenig aufgeregt war, denn er wollte sein Geschenk auspacken, weil er so selten welche bekam, die wirklich von Herzen gemeint waren und das unterstellte er nun einfach einmal Naira. Sie meinte es gut und nett.
      In der Kiste befand sich eine dicke und teure Winterjacke, die ein wenig länger war und sogar in Victors Farbschema passte, denn sie war schwarz. Diese Jacke sollte wohl seinen Herbstmantel ersetzen mit dem er sich bereits erkälten durfte.
      "Danke...Das...wäre wirklich nicht notwendig gewesen...", er wusste nicht recht mit welchen Worten er ihr erklären konnte, dass all die Monate in denen sie sich versuchten gegenseitig aufzubauen nicht notwendig gewesen wären...Bevor Victor zu emotional wurde, nahm er die neue Jacke mit und zog sie sich auf dem Weg in den Flur an, um zu prüfen ob sie passte und das tat sie.
      "Du hast ein gutes Auge...Sie passt perfekt.", rief er aus dem Flur, wo er sie dann zurück ließ und stattdessen mit dem alten Mantel wieder kam. Aus dessen Tasche holte er die flache lange Schachtel, die fein säuberlich für ihn in rot glänzendes Papier eingewickelt worden war. Weiße, grüne und rote Bänder zierten das Geschenk ringsherum. Er schob es ihr über den Tisch hinweg und kratzte sich instinktiv am Hinterkopf: "Du bist nicht die einzige, die die Abmachung gebrochen hat...ich...Na ja...", diesmal fielen dem Detective die Worte. Er hoffte sehr, dass es ihr gefallen wird.
    • Naira O’Connor

      Ein breites Lächeln war auf ihren Lippen zu sehen, als Victor den Karton annahm und ihn öffnete. Das Glas mit dem Wein war in ihrer rechten Hand, auf die andere lehnte sie ihren Kopf und beobachtete ihren Freund. Er freute sich, jedenfalls meinte es die Frau sehen zu können, eine der wenigen Emotionen die sie von dem Mann zu sehen bekam. Die Jacke hatte ein halbes Vermögen gekostet, jedenfalls gefühlt, aber sie sollte den Dickkopf davor bewahren, draußen zu frieren und wieder krank zu werden. „Du bist echt nervig, wenn du krank bist“, stellte Naira fest und grinste breit. „Jetzt kannst du nicht mehr meckern, dass es dir kalt ist“. Sie empfand das Geschenk als eine sehr gute Wahl. Besser, als irgendwelche anderen Gegenstände, die sich die Menschen schenkten.
      Victor bestätigte ihr, dass sie passte und innerlich lobte sich die Frau selbst. Ja, das war riskant, aber sehr breit war Victor nicht und somit gab es theoretisch kein Problem die richtige Größe zu treffen. Der Rothaarige kam wieder und die Frau wollte eigentlich alles abräumen uns sich mit ihm auf die Couch werfen, der Grinch wäre ein guter Film, der im Fernsehen sicherlich zu sehen war, aber der Mann hatte ganz andere Pläne. Er schob ihr ein sauber verpacktes Geschenk über den Tisch zu, dazu fehlten ihm noch die Worte. Unsicher blickte Naira erst zu dem Geschenk, dann zu Victor und schließlich wieder runter zu dem Geschenk. Er hatte ihr etwas besorgt, warum überraschte es die Frau so sehr?
      Sie stellte das Glas zur Seite und griff zu dem Geschenk, welches sie langsam öffnete. Noch einmal blickte sie hoch zu ihrem Partner, um sicher zu gehen, dass es kein Scherz war, aber es war tatsächlich keiner. Naira blickte wieder zu dem Päckchen und nahm das Papier schließlich ab, um das Kästchen zu begutachten. Sie wusste sofort, woher es kam und sorgte sich kurz darum, was sie darin finden würde. Gegen ihre Sorge öffnete sie das Kästchen und begutachtete die Kette, die sie darin fand. Jetzt fehlten ihr die Worte.. die war wunderschön und für einen Moment war sie sich unsicher, ob sie es überhaupt verdient hatte. Trotzdem lächelte sie breit.
      „Danke“, sagte die Dunkelhaarige beiläufig und nahm die Kette raus, um sie in der Hand zu begutachten. „Machst du sie mir um, bitte?“. Jetzt blickte sie wieder zu ihm, während ihre Augen vor Glück glänzten.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
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