[2er RPG] Cold, Lonely and Freezing

    • Victor wurde ein wenig leiser, bis er gänzlich verstummte, als er Naira in der Jacke sah und mit dem Gewehr auf dem Rücken. Das sah...heiß aus. Eine starke Frau war schon immer sein Fall gewesen und nun, auch wenn man ihr noch immer die Schwächeanfälle der letzten Tage ansehen konnte, sah sie nach der Frau aus, die Victor so sehr mochte, dass selbst sein Herz ein wenig zu schnell für seine Verhältnisse schlug.
      Sie übernahm das Ruder ohne zu warten, teilte die Gruppen ein und nannte den Plan, den sie zurecht gelegt hatte. Victor konnte nur abnicken, denn besser hätte er es auch nicht sagen können. Vor allem was Thomas angeht.
      "Ach...", er tippte sich aber noch an die Stirn und sah wieder auf. Das Licht in dem Raum war grauenvoll. Neben den weiterhin nervenden Kopfschmerzen, schmerzten nun auch seine Augen durch dieses grelle, kalte Neonlicht hier unten.
      "Seid nicht zu laut. Er wird auch so bestimmt wissen wo wir uns alle aufhalten. Er wird niemanden brauchen, der den halben Wald zusammen ruft nach dem Mädchen. Wir gehen direkt davon aus, dass sie gefesselt und geknebelt sein wird. Wenn nicht sogar schlimmeres." Abschließend nickte er noch einmal und sah noch zu Naira und dann zu Alex.
      "Dann wollen wir mal los was..."
      Victor zog die Jacke zurecht und wartete darauf, dass sich die Gruppe auflöste und zu den Dienstfahrzeugen aufmachte. Naira, Alex und Victor würden natürlich in ihrem SUV voraus fahren. Hinter ihnen die Karawane an Polizeiautos, die in Richtung des Waldes fuhren. Bevor sie aber losging, nahm Victor Naira zurück und sah das Namenstag auf der Jacke an: "Du bist bereit dafür?"
      Er erkannte mit bloßem Auge, dass es sich hier bei um eine Männerjacke handelte, die ihr zu groß war. Aber darum ging es nicht. Er wollte hauptsächlich sicher sein, dass es ihr gut ging und sie mental darauf vorbereitet war.
    • Naira O’Connor

      Sie nickte kurz, nachdem ihr Partner doch noch einmal das Wort ergriff und wartete selbst, bis die Leute sich aufteilten. Sie waren alle alt genug und konnten es selbst machen, hoffte die Dunkelhaarige zumindest. Zur Not war eine Aufteilung schnell gemacht und eigentlich kein Problem, sie hatte ja auch noch Victor zur Hand. Die Frau war auch froh, dass sie den Rotschopf bei sich hatte, er war ihre mentale Stütze.
      Ihr Blick ging nach oben zu ihm, als er sie kurz aufhielt. Sie verspürte Angst und Panik, am liebsten hätte sie sich unter einer Decke auf ihrem Bett vergraben, ganz weit weg von all den Problemen, aber Naira durfte jetzt nicht wegrennen, sie musste ihr Bestes geben. „Ich habe scheiße viel Angst“,gab sie ehrlich zu und schmunzelte, sie hatte ja schon wieder geflucht. „In meinem Kopf laufen schon verschiedene Bilder von dem, was er ihr schon alles angetan hat, aber wir müssen da durch und ich werde das ganz sicher durchziehen.. nicht umsonst trage ich die hier.. und ich möchte diejenige sein, die ihm die Kugel gibt, wenn er sich wehrt.. ich hoffe doch sehr, er wird es tun“. Aus dem Schmunzeln wurde ein leichtes Grinsen, so ganz ernst war es nicht gemeint. Viel lieber würde sie den Mann hinter Gittern sehen.
      Bevor es dann für die beiden weiter ging packte Naira ihrer Jacke, um sie anzuheben und griff in eine der Hosentaschen. „Ich hab da noch was für dich“,murmelte sie, bevor sie Victors Hand ergriff und ihm zwei eingepackte Tabletten hinlegte. „Nimm die lieber, bevor wir wegen deinem Schniefen noch draufgehen“. Die Frau zwinkerte ihm kurz zu und behielt ihre Hand noch einen Moment auf seiner, dann zog sie diese auch zurück. „Ich wusste jetzt nicht, ob du Jagderfahrungen hast, deshalb habe ich mir das Gewehr geschnappt, aber ich gebe es auch nicht mehr her“. Ihre Laune war am Höhepunkt angekommen und für sie konnte es auch schon los gehen! Sie war bereit alles zu geben.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Die Gruppen waren schnell und professionell von den anderen beiden übernommen worden. Die übrig gebliebenen sammelten sich um Naira, um mit ihr und den anderen zwei Leitern, wenn man es so nennen wollte, los zu ziehen.
      Victor sah naira aufmerksam an. Es war selten, dass sie einem ihre Angst offenbarte oder gar darüber sprach, was im Inneren von ihr vor sich ging, doch er dankte ihr dafür, denn das machte es für ihn umso einfacher zu verstehen wie er handeln musste, um alles in Ordnung zu halten.
      "Angst ist gut...das hat denke ich jeder von uns...", Victor seufzte schwer und rieb sich daraufhin die Nase. Wenn sie hier fertig wären, würde er sich hinlegen und einen langen Mittagsschlaf anfordern. Dann war es ihm auch egal, ob man ihn suspendierte dafür oder nicht. Er brauchte dringend Ruhe. Als wäre das ein Zeichen griff Naira nach seiner Hand, wo er bereits protestieren wollte dagegen, denn in der Öffentlichkeit so miteinander aufzutreten, war ihm doch noch viel zu schnell, doch im Gegensatz zu seinen Gedanken, drückte sie ihm zwei Tabletten in die Hand. Verdutzt sah er auf diese und dann wieder zu ihr.
      "Aber...", protestieren funktionierte da nicht. Stattdessen schüttelte ergebend den Kopf und bedankte sich mit einer knappen Geste. Er wehrte sich wirklich nicht, sondern nahm eine der Tabletten raus und schluckte sie direkt ohne Wasser. Die anderen steckte er jedoch weg. Eine sollte schließlich reichen, er war ja nicht richtig krank oder so...
      "Schon gut, behalte dein Jagdgewehr. In Brooklyn kann man höchstens auf Tauben schießen und selbst das ist nicht erlaubt...", Victor winkte ab und checkte noch einmal alles, bevor er aufbrach zum Parkplatz, wo sich alle anderen versammelten und die Autos bereits warm liefen.
      Alex kam ihnen direkt hinterher und nahm tatsächlich noch das ein und andere Magazin mit. Er selbst war mit Weste und Dienstwaffe ausgerüstet.
    • Naira O’Connor

      Die Dunkelhaarige hätte kein Anzeichen des Protest geduldet, Aspirin brauchte Victor jetzt nämlich dringender, als alles andere. Nun vielleicht wären da noch Ruhe und Schlaf, die für ihn wichtig wären, aber gerade war keine Zeit dafür. Sie mussten das Mädchen da rausholen.
      Naira lief ebenfalls zu dem Parkplatz, auf dem schon alle versammelt waren. Am liebsten hätte sie ihren Wagen selbst gefahren, aber sie wagte es nicht einmal, nach den Schlüsseln zu fragen. Es würde viel zu viel Wut in dem Rothaarigen auslösen können und eine weitere Standpauke wollte sich die Frau nun wirklich nicht anhören müssen. Dafür war die eigentliche Mission viel wichtiger und deshalb riskierte sie es auch nicht, sondern überprüfte noch einmal alle Taschen. Ein Messer, ihre Waffe, das Jagdgewehr und Munition, das sollte auch hoffentlich reichen, um den Mistkerl zu kriegen. „Wenn es keine weiteren Fragen gibt, würden wir dann los fahren.. Ihr habt alle die Anweisungen gehört und ich hoffe, ihr werdet sie befolgen.. ich will keinen verlieren, das ist auch nicht nötig!“. Kurz sah sich die Dunkelhaarige um und betrachtete alle, bevor sie nickte und zu der hinteren Beifahrertür griff. Ihr Hund war ihr gefolgt und sprang hinten auf die Sitze, bevor sein Frauchen vorne einstieg und wartete. Ihre Hände waren am zittern, aber wer hatte in diesem Moment keine Sorge um das Mädchen? Er konnte ihr alles angetan haben..
      Kurzerhand kurbelte sie das Fenster runter und zündete sich eine Zigarette an, die sie hoffentlich auch wieder beruhigen konnte. Es war ihr Wagen und sie konnte tun und alles was sie wollte. Die tödliche Droge ließ sie wenigstens ein paar klare Gedanken fassen, während sie drauf wartete, dass der Rotschopf los fuhr. Draußen vor dem Revier wartete Ramirez, bis das alle weg waren. Sie sah zu der Dunkelhaarige und nickte ihr kurz zu, wenn die es nicht schaffen würden, dann keiner.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Sie lebten irgendwie miteinander und konnten sich trotz der kleinen und großen Auseinandersetzungen leiden. Victor kam sogar mit Blumen bei ihr an. Er, der damals nur Mädchen bei sich hatte, wenn es mal notwendig wurde und zum Spaß diente. Jetzt aber, stand er aber neben einer Frau, die ihn von den Beinen warf und zu Boden zwang und das einzig und allein durch ihre Anwesenheit. Er wollte sie nicht loswerden, nicht vermissen und sicherlich nicht verlieren. Für einen Moment musste Victor dabei an Alex denken. Eigentlich war es nicht fair ihm gegenüber Naira völligst für sich zu beanschlagen, aber was Naira über ihn erzählt hatte, waren Gründe, für die man ihn sogar über die Kante werfen sollte. Stalking...Victor folgte dem anderen mit seinen Blick, als sie vorausgingen.
      Statt weiter darüber nachzudenken, wie und was und warum, wollte er sich doch lieber auf die Arbeit konzentrieren. Sie würden ihn eher brauchen. Das Mädchen brauchte sie und sie durften nun nicht Privates und Geschäftliches miteinander vermischen.
      Im Wagen war es wie zuvor kalt, nur eine Restwärme war geblieben von dem Motorstart am frühen Morgen. Das würde wohl wieder brauchen. Er warf einen letzten Blick zu den Kollegen, die sich ebenfalls in die Autos begaben, wenn sie fertig waren.

      Geschlossen fuhr die Karawane an zwei PKWs und einem größeren Transporter des Anchorage Police Departements durch ganz Anchorage hindurch, um zu der Jagdhütte im Wald zu kommen. Sie war tief im Wald versteckt und weg von jeglicher Zivilisation, wie man es so schön sagen konnte. Mit den Autos konnten sie grade einmal bis zu einem Parkplatz im Wald fahren. Dort blieb Victor stehen und parkte den Wagen quer auf dem Platz. Hinter ihm stellen sich auch die anderen Fahrzeuge quer, so dass niemand mehr den Parkplatz verlassen oder befahren konnte bis die Polizei fort war.

      Victor stieg aus dem Fahrzeug und richtete sofort den Kragen seiner Dienstjacke auf. Sie war warm und gefüttert. Trotzdem schauderte es ihm vor den Schneemassen, die auf den Wipfeln lagen. Die anderen kamen damit natürlich besser zurecht.
      Er wandte sich an Naira, die ruhig das Kommando übernehmen konnte für die anderen. Sie sollten sich ja lediglich aufteilen und ihren Job erledigen. Mehr wollte er gar nicht von ihnen. Das wichtigere wonach er sehen wollte, war Naira, die sich zwar gut auf den Beinen hielt, aber es ihn immer noch nicht gänzlich in Ruhe ließ, was sie sich hier nun zumuten musste.
    • Naira O'Connor

      DIe ganze Fahrt über saß Naira nur auf ihrem Platz da und starrte aus dem Fenster. Sie sammelte ein wenig Kräfte, ordnete ihre Gedanken und versuchte ihre Aufregung ein wenig zu dämpfen. Es gab sicherlich keinen, der jetzt nicht aufgeregt war und sich keine Sorgen um das Mädchen machte, aber die Frau kämpfe sehr mit sich. Das Autofahren hätte ihr sicherlich geholfen, ein wenig runter zu kommen, aber sie wollte ja diese Diskussion jetzt nicht austragen. Ein anderen Mal vielleicht..
      Mit jedem Meter weniger zum Ziel schlug ihr Herz um einiges schneller, es raste sogar, als Victor auf den Parkplatz vor dem Wald fuhr und dort parkte. Man könnte meinen, die Dunkelhaarige wäre daran gewöhnt, immerhin brachte ihr Partner ihr Herz sehr häufig zum rasen, aber dieses Mal fühlte es sich anders an. Das Herzrasen an sich war ein komplett anderes..
      Tief holte die Frau Luft, bevor sie aus dem Wagen stieg und ihren Hund rausließ. Die Leute sammelten sich alle um die drei Herrschaften und den Hund herum, sie warteten auf das Okay von Naira. Diese drehte sich zunächst um und betrachtete den Wald, wie ruhig und gelassen, aber gleichzeitig sehr mysteriös wirkte. Es passte nicht zu der Situation, aber die Natur konnte ja nicht ahnen, was sich gleich in ihr abspielen würde. "Ihr habt die Aufteilung untereinander gemacht..",sprach die Frau und drehte sich zu den Leuten um. "Ich will hier keinen verlieren.. und keinen zurücklassen.. Passt auf euch gegenseitig auf und seid bitte auf alles vorbereitet.. wir hören uns!". Mit einem anschließenden Nicken entließ die Frau zumindest einen großen Teil der Leute, die sich auf in den Wald machten. Es blieben Victor, Alex, sie selbst und die restlichen sechs Leute zurück, zusammen mit dem Hund. "Dann wollen wir es mal versuchen..",murmelte die Dunkelhaarige, bevor sie zu Alex sah und ihre Hand ausstreckte. Sie brauchte die Kappe, auch wenn sie nicht an den Erfolg ihres Hunden glaubte. Er war einfach noch nicht bereit dazu..
      Spike, der seinen eigenen Schwanz gejagt hatte, bemerkte,dass es wohl um ihn ging und setzte sich brav in den Schnee. Er erwartete natürlich Leckerlis, aber die mussten noch warten..
      Nachdem Naira die Kappe gekriegt hat lief sie auf ihren Hund zu und ging zunächst vor ihm in die Hocke. Es brachte nichts, das Bein zog viel zu sehr, somit ließ sie sich auf die Knie in den Schnee fallen. Mit den Händen in ihren Handschuhen griff sie in die Verpackung und nahm das rote Gewand aus der Plastiktüte. "Wir haben das geübt..",hauchte sie ihrem Hund zu, der sein Frauchen anstarrte. Er war neugierig, was jetzt kommen würde..
      "Du kriegst das hin.. Ich denke an dich..",hauchte die Dunkelhaarige wieder und hielt ihrem Hund das Gewand hin, aber dieser legte nur den Kopf schief. Er hatte keine Ahnung, was sie von ihm wollte, da seufzte sie wieder. Naira erhob ihren rechten Zeigefinger und bekam somit die volle Konzentration ihres Hundes. Er starrte den Finger an und sah auch abwechselnd zu seinem Frauchen. "Such..",flüsterte diese klar und deutlich, wenn auch nur für den Hund richtig hörbar und hielt ihm das Stück Stoff hin. Der Hund verstand und schnupperte daran, bevor er ein Laut von sich gab und in eine klare Richtung des Waldes lief. Die Frau konnte gerade noch so von den Knien aufstehen und das Stück Stoff in die Tüte zurückstecken, bevor sie ihrem Hund folgte. Dieser wartete am Wald auf die Leute und gab noch ein Laut von sich, dass sie ihm folgen sollten. Noch war die Hütte weit entfernt, aber der Hund lief klar in diese Richtung.
      "na hoffentlich gibt es keine Überraschungen..".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Naira entließ mit festen Worten den Trupp in den Wald. Sie teilten sich direkt auf, liefen in ihre vorgesehenen Richtungen und man hörte bereits das Knistern und Rauschen der Walkie Talkies, dass sich Leute eingeklinkt hatten. Victor sah ihnen nur nach, bevor er wieder seine Waffe kontrollierte und ob diese auch fest saß. Er brauchte keine Überraschung, wenn es um den Kampf mit einem Mörder ging. Außerdem hatte er Probleme damit seine Aufmerksamkeit nicht immer auf Naira zu lenken, die sich kurz darauf konzentriert vor den Hund auf die Knie fallen ließ. Sie warteten gespannt darauf, ob der Vierbeiner anschlug.
      Victor grummelte unzufrieden, als er es wohl beim ersten Mal nicht verstand, fieberte aber ebenso mit wie sein Frauchen, ob er es denn schaffen wird. Erst beim zweiten Mal nahm er eine Witterung auf. Sofort hörte man die Bereitschaft der anderen loszuziehen. Einer von ihnen hievte eine schwere schwarze Tasche hoch, die klimperte. Sie hatten wohl nachgedacht, um auf alles vorbereitet zu sein. Nicht, dass da Dynamit oder andere Sprengladungen drin stecken sollten. Aber etwas wie ein Bolzenschneider oder eine Brechstange wären bereits hilfreich. Zwei der Männer flankierten den schwer bepackten, um ihm Sicherheit zu bieten. Jedes Glied der Truppe musste sicher wieder nach Hause zu ihrer Familie kommen. Victor nickte und sah dann rüber zu Alex, der ebenso mit einer Tasche ausgestattet war, sich darin aber lediglich Beweismittel befanden. Der Blondschopf kontrollierte seine Weste unter der Jacke. Victor wandte den Blick ab und starrte zu Boden. Erinnerungen schossen in ihm hoch an seinen Ex-Partner, der so eine Weste damals nicht getragen hatte...Er wollte es einfach nicht. Sie dachten alle es würde keine Gefahr von anderen ausgehen.
      Victor kämpfte einen Moment und schüttelte den Kopf, um die Gedanken loszuwerden. Spike rannte voraus und zeigte ihnen einen Weg tief in den Wald hinein. Schon bald schlossen die Baumkronen das Licht von ihnen weg und es wurde dunkler. Man hörte kein Vogelzwitschern, kein Rascheln. Der ganze Schnee schluckte jeglichen Ton.
      Nur ihre Schritte knirschten leise, als sie voraus liefen und nach der Hütte ausschau hielten. Niemals hätten sie gedacht, dass hoch in den Wipfeln Wildkameras versteckt wurden, um ihre Position zu lokalisieren und zu verfolgen. Sie alle lagen ihm auf dem silbernen Tablett. Keiner hätte etwas dagegen tun können.
      Victor warf einen kontrollierenden Blick zu Naira, die voraus lief. Sie mussten sich zwar an ihr Tempo anpassen, aber das war wohl das mindeste in dem Augenblick. Er hätte ihr gern gesagt, dass sie vorsichtig sein sollte, doch sie mussten still sein, versuchen niemandes Aufmerksamkeit großartig zu gewinnen. Vor allem nicht die der Wildtiere, die sich im Wald befanden.

      Der Funkverkehr rauschte wieder und eine Frauenstimme meldete sich. Victor hatte ihren Namen vergessen. Sie war die Leiterin, die Naira auserkoren hatte für eine Truppe.
      "Bei uns ist alles soweit in Ordnung. Wir suchen systematisch Meter für Meter ab. Aber hier sind weder Schritte zu sehen, noch etwas ähnliches. Wir machen weiter."
      Victor meldete sich zurück: "Verstanden."
    • Nairs O'Connor

      Es war eine merkwürdige Stimmung, die sich im Wald anstaute. Alle waren aufgeregt, alle waren angespannt und alle hatten Angst, selbst der Hund, der nach der Witterung suchte. Er machte seine Arbeit sogar ziemlich gut, die Dunkelhaarige war wirklich begeistert, auch wenn sie sich unsicher war, ob er wirklich der Witterung nach ging und nicht einfach am laufen war. Sie konnte es schlecht einschätzen, weil sie es bisher nur zwei Mal geübt hatten, aber am Ende würden sie es alle sehen..
      Die erste Gruppe meldete sich schnell, Victor kümmerte sich darum, dennoch sah die Frau kurz zu ihm rüber, um alles mitzukriegen. Es war wohl bei dem Tempo nicht schwer, mehrere Sachen gleichzeitig machen zu können, auch wenn es Naira äußerst unangenehm war, dass sie so langsam war, im Gegensatz zu den anderen. Sie nickte ihrem Partner kurz zu, sah auch wieder nach vorn um ihrem Hund zu folgen. Es passierte eine Zeit lang gar nicht, bis Spike ein Laut von sich gab und auf eine Stelle schnell zulief. Zunächst wollte die Frau nach ihrem Hund rufen, doch sie ermahnte sich selbst, ruhig zu sein und erhöhte einfach ihr Tempo ein wenig. Spike blieb an einem umgefallenen Baumstamm stehen und gab noch einmal ein Laut von sich, während er auf sein Frauchen wartete. Die anderen folgten ihr und schon schnell wurde klar, was da los war: Blut.. Überall Blut.
      "Er hat Tierblut verstreut, um Spike von der Fährte zu locken..",zischte die Dunkelhaarige und schüttelte den Kopf. So etwas machte sie einfach nur fertig und müde. Kurz griff die Frau zu dem Wookie Tookie. "Er hat mindestens ein Tier verletzt oder erledigt.. Vielleicht läuft noch etwas rum..". "Verstanden..",kam es von beiden Anführern wieder zurück. Es würde wahrscheinlich anstrengender werden, als gedacht. "Wir müssen die Augen aufhalten..",sprach die Frau klar und sah sich um. Es war noch kein Tier zu finden. "Hat einer einen Kompass mit?". Es würde jetzt noch fehlen, wenn sie in die falsche Richtung laufen würden. Es sah aber alles drumherum immer gleich aus, deshalb würde es die Frau nicht wundern, wenn sie sich verlaufen würden.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Spike rannte, als würde er den Weg kennen und genau wissen wohin sie wollten. Spurenhund waren schon immer eine Faszination an sich gewesen. Die ganze K9-Truppe wenn man so wollte. Ausgebildete Hunde, die auf jeden kleinsten Befehl und Nieser ihres Partners hörten und sogar CPR bei einem ausführen konnte. Zumindest war Victor auf ein solches Video vor einiger Zeit gestoßen. Ein Polizist hat einen Herzstillstand vorgetäuscht und sich auf den Boden gelegt. Sein treuer Begleiter rannte sofort auf ihn zu, kontrollierte die Atmung mit der Schnauze am Mund des Partners und platzierte dann seine Pfoten auf dessen Brust, um im rhythmischen Tonus die Wiederbelebung einzuleiten. Victor fand das eine Leistung für sich und war immer noch hin und weg bei dem Gedanken. So war er auch ein wenig stolz auf Spike, der zwar nicht sein Hund war, aber bereits mit ihm gelebt hat und dadurch seinen Charakter ein wenig kennen gelernt hatte. Er war ein kluger Hund und genau so stellte er sich auch an.
      Als er etwas fand gab er Bellen von sich und führte die 9 Mann zu einem umgefallenen Baumstamm. Doch was sie dort fanden war keine Spur von dem kleinen Mädchen. Stattdessen war eine riesige Blutlache zu sehen, die nicht natürlich aussah. Naira schlussfolgerte richtig daraus, dass ihr Killer sie wohl auf eine falsche Fährte locken wollte. Sie gab die neue Information sofort an die Kollegen im Umkreis weiter, die mit ruhiger Stimme annahmen. Noch geschah nichts. Sie waren sicher auf ihrem Weg zu der Hütte.
      Die Frage nachdem Kompass konnte tatsächlich nur Alex positiv beantworten. Victor hatte nicht einmal daran gedacht dergleichen mitnehmen zu müssen. Daran sah man auch gut und gerne, dass er überhaupt nichts mit Wäldern zu tun hatte. Er seufzte: "Häuserschluchten sind mir lieber...", doch er sprach es mehr zu sich selbst, als Bestätigung, dass das Leben in Alaska eine Umstellung für ihn war.
      Alex schloss zu Naira auf und reichte ihr den speziellen Kompass, der in jeder Lage den Kurs halten sollte. Es war das beste, was man auf dem Markt zur Zeit hätte bekommen können. Victor kam mit den anderen etwas näher, um sich die Blutlache anzusehen. Woher Naira wohl erkannt hatte, dass es sich hierbei um das Blut eines Tiers handele, konnte er nicht recht identifizieren, aber er schob es auf die Jagderfahrung, denn die anderen Officers ließen es unkommentiert so stehen. Man sah ihnen lediglich ihr Unbehagen an, als sie die Menge sahen. Es war wie eine dunkel rote Pfütze.

      Der Funkverkehr rauschte wieder hörbar. Diesmal sprach jemand im Flüsterton: "Achtung. Team im Ost ist auf ein verletztes Tier gestoßen. Es ist ein Eber. Er lebt noch."
      Victor runzelte skeptisch die Stirn und sah sich das Walkie Talkie an, dann warf er Naira einen Blick zu. Wie kam das Tier dorthin. Wieder sah man keine Spuren. Der Schnee war unberührt. Um den Baumstamm herum erkannte man die Blutspur, aber es führt keine davon weg:
      "Wie lautet der Befehl? Wir könnten es einfangen. Aber es ist sehr unruhig und wir sollten Verletzungen durch so ein Tier vermeiden...", wieder rauschte der Verkehr. Victor konnte dabei nicht behilflich sein. Naira sollte wissen was man am besten tat, wenn es um so eine Situation ging. Er schätzte, dass es nicht selten zu so einem ungewöhnlichen Treffen von Mensch und Tier kam. Andererseits war das ja eher eine geskriptete Version eines krankhaften Psychopathen, der etwas im Schilde führte, dass Victor noch nicht verstand.
    • Naira O’Connor

      Es war wohl eine schwierige Situation für alle Anwesenden, doch Naira konnte mit Sicherheit sagen, dass das Tierblut war. Das Blut unterschied sich nicht wirklich viel zu dem vom Mensch, aber so eine Lache entstand sicherlich nicht in so einer kurzen Zeit aus einem Menschen, ohne andere Zeichen. Drumherum war alles sauber gewesen, also musste der Täter das Blut gesammelt und hier ausgebreitet haben, eine andere Erklärung gab es nicht. Es war viel zu frisch..
      Der Funk rauschte wieder und Naira hörte den aufmerksam zu, was die anderen ihr mitteilten. Das passende Tier zu der Blutlache war somit schnell gefunden, damit war es fast wirklich komplett sicher, dass es Tierblut war. Kurz überlegte die Frau, was wirklich klug in diesem Moment sein würde, dann griff sie zu dem Funk: „Du hast Jagderfahrung.. ich überlasse dir die freie Hand.. ihr könnt das Tier gerne von den Schmerzen befreien.. die anderen Tiere werden ganz dankbar für ein wenig Futter sein“. Einen Moment wartete die Frau, aber zunächst kam keine Rückmeldung. „Verstanden“,kam es kurz bevor sie wieder eingreifen wollte. Scheinbar dauerte es ein wenig, bis die Nachrichten von einem zum anderen Funk gebracht wurden, waren sie schon wirklich so tief im Wald?
      „Wir können weiter“,gab die Frau dann als Anweisung und deutete mit ihrem Kopf in die Richtung, in die der Hund sie vorher geführt hatte. „Alex du hast den Kompass“. Er lief zwar nicht voran, korrigierte aber den Kurs ein wenig, als die Truppe in die falsche Richtung lief. Kaum drei oder vier Minuten später blieb die Dunkelhaarige stehen, weil ihr Hund nicht ganz in Ordnung war. Er zog sein Frauchen ein wenig nach hinten und wollte sie nicht weiter laufen lassen. „Spike!“,murmelte die Frau und sah zu dem Hund runter. Etwas wartete auf die Herrschaften.
      Kaum sah Naira in Richtung des Hundes erblickte sie am Baum das, was ihr Hund ihr zeigen wollte. Ein fast lebloser Körper hing vom dicken Ast herunter und Blut tropfte runter. Es war ein Wolf, ein schneeweißer der zum Opfer gefallen war. „Das glaube ich nicht..“,murmelte sie und fasste sich ans Herz. Wenn man in Alaska aufwuchs waren die Tiere ein wichtiger Bestandteil dessen.. so etwas könnte man doch nicht einmal einem Tier antun.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Jackson hatte sich gemeldet wegen der Sichtung eines verletzten Wildtieres. Sie musste handeln. Naira überließ ihr direkt jegliche Zügel und die Möglichkeit selbst zu entscheiden. An ihrer Stelle hätte Victor wohl nur schwer schlucken können und dann hoffen, dass ein Jäger urplötzlich aus dem nächsten Dickicht kommt und sich um das Tier kümmern wird. Er selbst hatte mit so einem Wildfang nichts zu tun gehabt. Nie. Ein kleiner Fuchs oder ein streunender Hund, der wildgeworden versucht anderen Menschen kläffend zu sagen, dass er in Ruhe gelassen werden wollte, waren nun einmal andere Dinge als ein rund 100 Kilo schweres Wildschwein.
      Er war auch glücklich darüber das Naira diese Anfrage übernommen hatte. Dann gingen sie strauchelnd durch den Schnee weiter. Alex machte sich immer darauf gefasst zu sagen, wenn sie in die falsche Richtung einrbachen, doch vorerst war er derjenige der einen Marker setzte für die Blutlache und Fotos im großen Bogen darum machte.
      "Für alle Fälle...", kommentierte er und holte dann auf, auch wenn er in einem Moment fast über die eigenen Füße gestolpert wäre.

      Sie gingen weiter und folgten Spike, der jedoch, je weiter sie gingen immer unsicherer wurde und irgendwann gänzlich stehen blieb. In diesem Moment erblickten sie alle den Grund für sein Verhalten. Ein großer weißer Wolf wurde kopfüber an einen Ast gehängt und zum ausbluten hängen gelassen.
      Von hinten hörte Victor Würggeräusche und wie jemand nach Luft schnappen musste. Er drehte sich für einen Moment zu dem Kollegen, der dem Blick wohl nicht draufhalten konnte. Doch er winkte jede Hilfe ab und wollte einfach nur wieder durchatmen können.
      Victor starrte das arme Tier eine Weile an und bemerkte dann, wie sich dessen Brustkorb noch immer sanft hob und senkte, doch mit solchen Abständen, dass man das hätte leicht übersehen können.
      "Ach du scheiße...das Ding lebt noch.", brach es aus ihm heraus und er nahm die ersten Schritte auf das Tier zu, wohl wissend, dass es böse enden konnte, wenn er ihm zu nahe kam und er dann ausbrach, um zuzuschnappen.
      Doch bevor er zu nahe kam, hob er einen Arm und winkte von den Kollegen welche hinzu: "Wir sollten ihn abhängen und..."
      Im selben Moment meldete sich der Funk wieder. Diesmal war es McCain auf der anderen Seite. Die Chacne, dass auch sein Team ein erlegtes Tier gefunden hatte, war groß...Und wenn ja, wie konnte Thomas wissen, dass sie sich aufteilen...oder gab es einfach mehrere Tieropfer und er hat auf gut Glück an jeden erdenklichen Winkel einen gelegt?
      Victor wurde ein wenig übel bei dem Gedanken, was nicht gerade förderlich war für die Kopfschmerzen.
    • Naira O'Connor

      'Du musst tief Luft holen und erst beim Ausatmen abdrücken, verstanden?'. Ich spürte eine Gänsehaut auf meinem ganzen Körper, während im Innern mein ganzer Körper zitterte. Es war kalt, meine Finger fühlten sich taub an und wenn ich ehrlich war wollte ich es nicht tun. Dad sagte, wir tun das um dem Wald etwas gutes zu tun, aber was hat das Töten eines Tieres damit zu tun?
      'Luft holen!'. Ich atmete tief ein. 'Fokussieren!'. Ich fokussierte das Ziel vor mir. 'Ausatmen!'. Ich atmete langsam aus. 'Abdrücken!'. Ich zögerte einen Moment, es war nicht notwendig, egal was mein Vater sagte, doch mein Finger bewegte sich. Ein Laut war zu hören, das Tier stürzte um und ich hockte wie eingefroren da. Ich war nicht in der Lage mich zu bewegen, ich wusste nicht, was ich tun sollte.
      ' Du muss es zu Ende bringen!'. Ich drehte meinen Kopf zu ihm um, er sah nicht zufrieden aus. Ein zögerndes Nicken war alles, was ich als Reaktion raus bringen konnte, bevor ich mich erhob und zu dem Tier sah. Es war still um uns herum, selbst die Vögel schienen die Luft anzuhalten. 'Na los!'. Mit zittrigen Beinen bewegte ich mich auf das Tier zu, es kämpfte um sein Leben, es wollte definitiv nicht verlieren und schon gar nicht aufgeben. Ich zog das Messer aus der Scheide, beobachtete das Tier, es bemerkte mich. Der Augenblick, als sich unsere Augen trafen fühlte sich wie ein magischer Moment an. Es wollte nicht sterben, aber es erkannte, dass es zu spät war. Wie von Geisterhand fiel ich vor dem Tier auf die Knie und es hob seinen Kopf an. Es zeigte mir, dass es bereit war. Bereit, durch meine Hand zu sterben.

      Für einen Moment schloss Naira die Augen und atmete tief durch. Ihre Hände zitterten ein wenig, aber es war vollkommen in Ordnung. Sie musste was tun und das wusste sie auch gut, aber ihre Beine streikten. Das Gerät rauschte schon wieder und der Frau fiel ein, dass McCain auf ihre Antwort wartete. "Sichert die Stelle, wir haben hier auch schon ein Tier..",antwortete sie, bevor sie den Mut zusammenfasste und sich näher an das Tier traute. Es hatten nicht alle eine Jagderfahrung, die meisten waren auch eher abgeschreckt von dem Tier und wussten sich nicht wirklich zu helfen. Die Aufgabe würde somit auf niemanden anderen, als auf Naira fallen, das Tier zu erledigen.. "Spike bleib!", befahl sie ihrem Hund, er sollte dem Tier nicht zu nahe kommen.
      Mit ruhigen Schritten lief sie auf den Baum zu, an dem das Seil befestigt war. Mit einem schnellen Griff war das Seil gekappt und das Tier landete im Schnee auf dem Boden. Es versuchte sich zu erheben, noch wegzulaufen, aber der Wolf sah schnell ein, dass es nicht mehr möglich war. Er gab es auf und ließ sich wieder in den Schnee fallen. Naira dagegen zog ihre Handschuhe aus und steckte sie sich in ihre Jackentaschen. Mit einer großen Zurückhaltung lief sie auf das Tier zu und versuchte Augenkontakt aufzunehmen, um nicht verletzt zu werden. Anders als viele dachten, konnten verletzte Wölfe noch immer gefährlich werden, Sicherheit war somit immer an erster Stelle. "Es wird alles gut..", hauchte die Frau leise und bewegte sich noch immer langsam auf das Tier zu. Ihr verletztes Bein schmerzte und machte es fast unmöglich, aber sie biss die Zähne zusammen und gab alles, so schnell würde die Frau definitiv nicht aufgeben.
      Der Wolf blickte zu ihr, als sich ihre Augen trafen durchfuhr sie wieder ein Schauer, ganz wie vor siebzehn Jahren. Der Wolf war bereit durch ihre Hand zu sterben, er hatte keine andere Wahl. Naira ließ sich vor ihm auf die Knie fallen, verzerrte aber kurz das Gesicht, aufgrund der Schmerzen im Bein. Der Wolf hob seinen Kopf an und lehnte sich zu der Frau rüber. Ihre Finger berührten das weiche Fell am Kopf, ohne zu zögern strich sie über den kompletten Kopf. Der Wolf war auch nur ein Tier,doch auch ein Tier hatte seine Gefühle. "Ich mache es schnell..",hauchte die Frau und der Wolf hob seinen Kopf wieder, er deutete ihr an, ihm das Leben zu nehmen und das tat die Frau auch. Ein schneller Schnitt durch die Kehle reichte aus, damit das Tier seinen letzten Atemzug holen konnte und sich ergab.
      Einen Moment betrachtete die Dunkelhaarige das Tier, sie überlegte sich das weitere Vorgehen. "Wir müssen einen Gang zulegen..".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor hätte es viel lieber gesehen, wenn die Kollegen das übernahmen und sich darum kümmerten, doch keiner von ihnen hatte wohl Ahnung was sie mit dem Tier machen sollten. Genau so viel Erfahrung wie er, wie es schien. Er grummelte leise, wollte es bereits selbst übernehmen, da nahm es auch schon Naira in die Hand. Sie ließ Spike an Ort und Stelle sitzen und ging selbst voran, um an den hängenden Wolf zu kommen, der sich allen Anschein nach bereits vor Stunden ausgepowert hatte. Weder schlug er um sich oder biss nach ihr, als sie so nah kam, dass sie das Seil kappen konnte. Victor wurde unruhig und nahm seine Pistole zur Hand, er entsicherte sie leise und legte die zweite Hand an. Doch er zielte noch nicht, wollte das Tier nicht noch mehr aufregen, solange Naira in dessen Nähe war. Statt es sein zu lassen und es aus der Ferne von den Schmerzen zu befreien, hockte sich Naira hin und kam dem Wolf gefährlich nahe.
      Victor wollte bereits zu ihr, ging die ersten zwei Schritte und beobachtete den fast schon magischen Moment, wie der Wolf den Kopf zu ihr anhob und auf die Berührung hin die Augen schloss. Als könnten sie miteinander kommunizieren. Victor konnte den Blick nicht lassen von den beiden und war selbst noch dann überfordert, als das Schauspiel vorbei war und sich der Schnee zu Nairas Füßen blutrot färbte von der aufgeschlitzten Kehle des Tieres.
      Auch Alex war wohl in seinen Staunen kaum vom Fleck gekommen und musste angestoßen werden auch diese Stelle sowohl auf der Karte, als auch in der Gegenwart zu markieren mit einem Fähnchen.

      Victor kam darauf hin zu Naira und versuchte in ihrem Gesicht herauslesen zu können, wie ihr es ungefähr ging.
      "Du solltest dein Bein nicht zu sehr beanspruchen. Wenn du eine Pause brauchst, machen wir die.", meinte er nachdrücklich und hätte es auch jedem anderen befohlen. Sie konnten nicht ohne Naira tiefer gehen und zurücklassen ging auf garkeinen Fall. Nachdem er das nun miterleben durfte, hatte er größeren Respekt vor der Frau da vor ihm. Egal was sie in ihrem Kopf durchmachte, es musste schwer genug sein. Victor sah ein letztes Mal zu dem Kadaver des Wolfes hin und schüttelte den Kopf.
    • Naira O‘Connor

      Die Frau konnte ihre Augen nicht von dem Wolf lassen, selbst nicht,als sich das Blut unter ihren Füßen sammelte. Er war tot, gestorben unter ihrer Hand. Thomas hatte es beabsichtigt, das war alles nur sein Plan und da musste die Dunkelhaarige einfach durch.
      Sie erhob sich langsam und klopfte sich den Schnee von den Beinen ab. Ihr Hund lief auf sie zu und setzte sich an ihr Bein, um zu seinem Frauchen nach oben zu sehen. Er hatte sich Sorgen gemacht und wollte Naira beschützen, aber sie hatte es alleine geschafft.
      Eine Gänsehaut durchfuhr sie, als ihr Partner sich zu ihr gesellte. In dem Moment ließen ihre Augen den Wolf wieder los und sahen nach oben zu dem Rothaarigen. Ein sanftes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen, Spike war wohl nicht der einzige,der sich um sie sorgte, aber schnell war ihr Blick wieder kalt und fokussiert. „Es ist alles in Ordnung, wirklich.. wir können und sollten weiter laufen“, entgegnete die Frau und hob ihre Hand, um sie symbolisch auf seinen Oberarm zu legen. „Wirklich“.
      Sie drehte sich von dem Wolf weg und blickte zu Alex. „Wo lang?“,fragte sie. Er hatte den Kompass und die Möglichkeit die Leute anzuführen. Einen Moment lang sah er perplex zu der Dunkelhaarigen, er hatte sich noch nicht gefasst, der Wolf hatte seine Aufmerksamkeit zu sehr auf sich gezogen gehabt, wie allen anderen. Er nickte aber kurz darauf und griff zu einer der Taschen, um nach den Kompass zu greifen. Mit zittrigen Händen versuchte er die Richtung zu suchen.
      Naira drehte sich in der Zeit zu dem Rest und sah sich alle genauer an. „Na los! Lass uns weiter gehen!“. Sie war voller Kraft und vieler Energie, um voran zu kommen. Auch das Bein schmerzte nicht mehr.
      Das Funkgerät rauschte wieder und McCain meldete sich: „Wir haben das Tier erledigt“.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Einverstanden oder gar überzeugt gab sich Victor auf keinen Fall. Er sah ihr nur unzufrieden hinterher. Naira spielte entweder wieder zu stark oder konnte wirklich mit den Schmerzen umgehen, die ihr Bein verursachen musste. Ein Niesen brach Victors Gedankengang und er legte den Kopf wieder in den Nacken, um weitere Unfälle zu vermeiden. Mit einem Schniefen war es wieder geregelt. Derweil hatte es Alex geschafft den Kompass aus seiner Tasche zu fischen und es mit der Karte abzugleichen. Gleich darauf der Kommentar von McCain. Das Wildschwein war erledigt. Sie haben den Ort markiert und die Positionen durchgegeben, so dass Alex alles zusammen tragen konnte. Was er auch tat. Er war ein fleißiger kleiner Kerl, wenn es Victor sich so überlegte.

      Nachdem sich die Gruppe aufgerafft hatte, gingen sie wieder los.
      Keine 10 Minuten später, entdeckten sie auch bereits die Hütte. Sie lag still und verlassen inmitten von riesigen Tannen und anderen Bäumen. Es sah idyllisch aus, vor allem mit den ganzen Massen an Schnee, war es sogar ein sehr beruhigender Anblick. Doch der Schein mochte trügen. Victor sah sich um und erkannte an einem der Bäume ein schwarzes Band, dass einen ebenso schwarzen Kasten trug. Damit entdeckte er nur eine der hundert weiteren Kameras, die ihr Täter in dem ganzen Areal versteckte um sie zu filmen.
      Kurz darauf ein Anruf. Nairas Handy klingelte. Der Funk war still. Victor ließ die Kamera nicht aus dem Blick, nachdem er sicherheitshalber zu Naira gesehen hatte. "Geh' ran. Wenn er das ist. Dann haben wir unsere Bestätigung. Es ist sein Spiel, nicht wahr?", Victor knurrte unzufrieden und heftete seinen Blick wieder an die Kamera an die er näher heranrückte und schließlich die Waffe aus dem Holster zog, lud und mit einem präzisen Schuss gegen den Kasten Schoss. Ein kurzes Aufblitzen und es stieg Rauch aus dem Kasten. Zwar hatten sie damit nichts bewirkt, aber sie mussten ein Zeichen dafür setzen, dass sie nicht mit sich spielen ließen.
    • Naira O’Connor

      Ich spürte meine Finger nicht mehr, obwohl die Handschuhe sie warm halten sollten. Meine Füße fühlten sich wie Eisblöcke an, ich wollte am liebsten wieder nach Hause..die Hütte hielt mich definitiv nicht warm. „Mir ist kalt..“. Ich kreuzte die Arme vor der Brust, um ein wenig mehr Wärme zu bekommen, während mein Vater dich undrehte und zu mir sah. Er war nicht erfreut, vielleicht hätte ich einfach den Mund halten sollen? Er würde wieder laut werden.. doch zu meinem Entsetzen holte er nur tief Luft und seufzte leise. „Wahre Jäger fürchten sich nicht vor der Kälte“, ertönte seine tiefe Stimme, während er seine Munition weiter zählte. „Du bist aber Polizist.. und kein Jäger“,entgegnete ich und kuschelte mich noch ein wenig mehr in die Jacke. Ich fror wie verrückt..
      „Ich jage aus Leidenschaft.. man kann beides machen und ich werde dir zeigen, wie schön es sein kann“.
      „Tiere zu töten soll schön sein?“.
      Er sah mich wieder skeptisch an und schüttelte den Kopf. Wieder einmal bekam ich ein Gefühl, als würde ich fehl am Platz sein. Ein Sohn würde ihm viel mehr bringen.. vielleicht würde er dann auch liebevoller sein..?
      „Es ist ein Kreislauf.. das habe ich dir doch schon erklärt..“



      Die Erinnerung zerbrach, als ihr Telefon klingelte. Naira war viel zu sehr auf die Hütte fokussiert gewesen, als das sie den Rest bemerkt haben könnte. So langsam verstand sie das Spiel, oder auch diesen Teil des Spiels,dafür musste die Frau einfach tief in die Erinnerungskiste greifen.
      Die Dunkelhaarige war ein wenig überfordert, griff dennoch zu dem Telefon und sah zu ihrem Partner. Er wusste genau, wer sie da anrief, aber er gab ihr das okay um dran zu gehen. Nairas Hände zitterten, die zuckte zusammen, als es den Knall gab und entschloss sich letztendlich dazu, dranzugehen.
      „Hallo?“.
      Es war still am anderen Ende der Leitung, bis auf ein Atmen war nicht zu hören.
      „Ich bin enttäuscht, meine Liebe“, meldete sich seine Stimme. Sie jagte einen Schauer über den Rücken der Dunkelhaarigen, sofort wurde sie wieder in die Hütte mitten im Nirgendwo katapultiert. Für einen Moment schloss sie die Augen, ihr Herz schlug wie verrückt und wenn sie ehrlich war, wollte sie sich am liebsten vergraben.
      „Wo ist das Mädchen?“, fragte die Frau.
      -„In Sicherheit.“
      „Was hast du mit ihr vor?“.
      -„Hängt davon ab, wie gut du kooperierst.“
      Naira öffnete ihre Augen wieder und fokussierte die Hütte, es war kein Schatten zu sehen. „Was willst du?“.
      Er lachte am anderen Ende der Leitung, in diesem Moment hielt die Dunkelhaarige die Luft an. „Endlich eine sinnvolle Frage!“. Es herrschte wieder eine Stille und Naira war kurz dran, etwas zu sagen, aber er sprach wieder: „Woran erinnert dich diese Hütte?“.
      „An eine Hütte“,murmelte die Frau und schüttelte den Kopf.
      -„Ich sagte dir doch, dass das Leben des Mädchens von deiner Kooperation abhängt“. Er sprach deutlicher und ein wenig aggressiver. Die Frau seufzte deutlich und schloss noch einmal für einen Moment die Augen. „An meinen Vater“, sprach sie dann und sah wieder zu der Hütte. Es bewegte sich noch immer nichts, war da jemand überhaupt drinnen? Vielleicht verarschte Thomas einfach alle.
      „Weiter.“ Er klang schon genervt, immerhin war es nicht das, was er wirklich hören wollte. So langsam verstand Naira es auch..
      Kurz biss sich die Frau auf die Lippen und schüttelte sanft den Kopf. Es standen so viele Leute neben und hinter ihr, sie konnte es nicht wirklich aussprechen. Nicht jetzt..
      „Weiter!“, zischte es am anderen Ende der Leitung. „Es war der erste Ausflug mit meinem Vater in die Wälder“, sprach Naira weiter und wusste genau, dass es nicht ausreichte. Einen Moment schwieg sie, der Druck war groß, sie wollte das Mädchen gesund und munter nach Hause bringen. Sie seufzte wieder, schluckte schwer und schloss die Augen. „Er hat mir das Jagen beibringen wollen.. aber ich war zu unfähig, weil ich eine Frau bin. Es war das erste mal, dass ich seine Aggressivität in vollen Zügen zu spüren bekam. Hier im Wald konnte keiner hören, wie laut ich weinen konnte“.
      Es war noch einen Moment lang still, bevor ein Lachen ertönte. Es erfüllte den ganzen Wald, obwohl es nur aus ihrem Telefon kam. Er wollte sie brechen, es war sein Spiel. „Du bist goldig..“, brachte er noch heraus und legte dann auf. Nairas Augen wurden groß, er hatte ihr nicht gesagt wo das Mädchen war. „Wo ist sie?!“,rief die Frau noch ins Telefon, aber sie bekam keine Antwort. Eine SMS kam an.
      Sieh in der Hütte nach..

      „Sie ist darin“, ertönte Nairas Stimme und sie erblickte zu dem Rest.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Sie alle standen wie fest gefroren auf dem Platz vor der Hütte und versuchten zu lauschen. Das Telefonat war nicht lang, nicht für Außenstehende. Sie hörten aber auch nicht was vor sich ging und erwarteten die Aufklärung von Nairas Seite aus. Victor, der es ebenfalls zu gerne gewusst hätte und nicht hören konnte wer genau dran war oder was sie redeten, wartete auf das Ende und dass sie auflegte. Er hielt sich nur zurück, hielt den Blick fest auf die Hütte, um keine Bewegung darin zu verpassen. Aber es blieb still alles bis zum Ende. Naira legte auf. Das was sie als Antwort auf den anderen Gesprächspartner gab, ließ Victor nachdenklich werden. Ihr Vater hatte sie ebenfalls missbraucht? Dummerweise war er darauf gepolt zu glauben, dass es sich bei diesen Worten um eine Vergewaltigung ging. Denn meistens war dies tatsächlich der Fall in Brooklyn gewesen. Es fraß sich schneller fest, als eine gewalttätige Rauferei mit seinem Kind.
      Victor versuchte sie nicht mitleidig anzusehen. Stattdessen kontrollierte er noch einmal seine Waffe, als sie die Bestätigung gab sie müssten nun hinein in die Hütte. Er legte den Kopf an die Schulter und drückte den Knopf für den Funk.
      "Hier ist Detective Parker. Wir sind an der Jagdhütte angekommen und wurden von unserem Verdächtigen kontaktiert. Wir haben Gründe zu glauben, dass sich das Mädchen in der Hütte befindet. Wir werden also reingehen. Bleibt auf Standby, macht eure Gegenden sicher. Wir halten euch auf dem Laufenden."
      Seine Anweisungen waren kurz und knapp. Zurück kam nur noch ein "Verstanden." zurück. Victor sah in die Gesichter ihrer Gruppe und nickte bereit, als er bei Alex ankam. Sie alle nahmen ihre Waffen zur Hand und kontrollierten ihre Westen.
      Victor trat an Naira heran. Er hatte seit heute Morgen ein waches Auge auf sie und legte nun eine Hand auf ihre Schulter, bevor sie gemeinsam zur Hütte aufbrechen konnten.
      "Was auch immer passiert. Tu nichts unüberlegtes. Erinner dich daran, dass du dir helfen lassen kannst."
      Er wollte damit keineswegs die Geschichte mit ihrem Vater breittreten. Allerhöchstens wollte er sie darauf hinweisen, dass sie sich nicht zu übernehmen hatte. Über ihren Vater konnten sie später immer noch reden.
      Dann drehte er sich wieder zu den anderen und hob den Arm: "Wir gehen rein! Seit aufmerksam!"
    • Naira O’Connor

      Es fühlte sich an, als würde Naira nackt dastehen. Nackt in der Kälte des Waldes, den ganzen Blicken ihrer Kollegen ausgesetzt. Sie sah es genau, als sie zu ihnen nach hinten geblickt hatte: Mitleid und Verwunderung. Man sagte doch oft, dass perfekte Menschen etwas zu verbergen hatten und das hatte ihr Vater in der tat, wenn nicht noch ein wenig mehr und das alles wollte Thomas scheinbar aufdecken. Ganz klar war es ihr nicht, ob er der Dunkelhaarigen nur zu bedenken geben wollte, oder er sie bloßstellen wollte, aber eines war klar: er biss sich in ihre Vergangenheit fest.
      Seine Hand auf ihrer Schulter ließ sie zusammenzucken, wenn auch nur innerlich. Naira war darauf gar nicht gefasst gewesen, dass Victor zu ihr treten würde, aber irgendwie halfen ihr seine Worte ganz und gar nicht. Sie ging noch immer in der Vergangenheit fest, seine Worte raubten ihr schon fast den Boden unter den Füßen weg, aber Naira wäre nicht sie selbst, wenn sie in diesem Moment nicht eine Mauer um sich selbst ziehen konnte. Es war das Beste in diesem Moment, einfach alles zu verdrängen und sich anzupassen, was anderes wäre unbrauchbar.
      Ihr Hund setzte sich zu ihr und wartete auf ihre Befehle, er witterte, wie schlecht es ihr ging, aber darauf hatte die Dunkelhaarige auch keine Lust. „Hinten ist auch noch eine Tür!“, gab die Frau an und sah zu dem vorbereiteten Rest. Sie griff selbst zu ihrer Waffe, ließ den Rest aber vor, da sie mit ihrem verletzten Bein sicherlich nicht an erster Stelle stehen würde. Alex nahm sich zwei Leute, um die Tür hinten zu sichern, auch wenn keiner glaubte, dass Thomas noch in der Hütte war. Er war ihnen immer einen Schritt voraus.
      Es ging alles recht schnell zur Sache, sie stürmten alle die Hütte, mit Victor an der Spitze und brachen ein, um ein kleines Mädchen in mitten des Zimmers zu finden. Sie lag schlafend da, ohne dicker Jacke oder Schuhe, in der Kälte schon fast tödlich. „Besorg einen Krankenwagen“,gab die Dunkelhaarige zu ihrem Partner an und lief zu dem Mädchen, nachdem sich alle sicher waren, dass die Hütte sauber war. Es waren Kameras in der Ecke auf die Mitte positioniert, überwachten jeden Schritt.
      Naira fiel bei dem Mädchen in die Knie und zog die Jacke aus, um das Mädchen darin zu umhüllen. Sie war ausgekühlt, ihre Haut schon langsam blau, aber sie hatten sie gefunden. Voller Glück umarmte Naira das Mädchen um die Jacke, um sie zu wärmen, ihr selbst war es noch warm genug, vor allem mit der Schutzweste. „und informiere Ramirez!“. Sie blickte zu ihrem Partner und nickte ihm zu. Von einem auf den anderen Moment hatte sie alles vorherige verdrängt und plötzlich war es ihr auch nicht mehr so fürchterlich kalt.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."

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    • Victor wusste nicht, dass er mit seinen Worten die Lage verschlechterte, aber er konnte genau so wenig wissen, was er stattdessen hätte sagen sollen. Alles was ihm einfiel, wäre fehl am Platz gewesen und Worte waren nicht unbedingt sein Metier. Mit einer Geste führte er die kleine Gruppe an. Er lief freiwillig an der Spitze und setzte sich somit der Gefahr aus angeschossen zu werden. Aber lieber er, als noch einmal Naira zu sehen, wie sie am Boden lag. Ihm würde es sogar ganz gut tun, er wollte diesen Schmerz spüren, wenn er ehrlich war. Es würde ihn beruhigen. Viel mehr, als die Tatsache, dass sie das Mädchen fanden.
      Sie war nicht versteckt. Als man die Tür aufbrach, lag sie direkt vor ihnen auf dem Boden. Sie trug keine Winterfeste Kleidung und sie zitterte auch nicht mehr. Als er zu ihr kam, war sie eiskalt und ihr Puls so niedrig, dass man ihn kaum spürte.
      Er meldete sich per Funk bei den anderen: "Entwarnung. Wir haben das Mädchen gefunden."
      Ein erleichtertes Seufzen war in der Bestätigung der anderen beiden Leiter zu hören, als sie antworteten. Man konnte es ihnen nicht verdenken, denn das Leben eines kleinen Schulmädchens stand auf dem Spiel.
      Victor nickte nur halb anwesend als Naira von ihm forderte einen Krankenwagen anzurufen, als auch Ramirez bescheid zu geben. Er war bereits dran. Mit einem knappen Anruf war der Krankenwagen bestellt und auch der Anruf bei Ramirez war schnell vorbei.
      Skeptisch sah Victor zu Naira und dem Mädchen in ihren Armen, dann schweifte sein Blick auf die Kamera an der Decke. Noch einmal eine Kugel zu verschwenden wäre sinnlos gewesen. Er starrte nur zurück in die schwarze Linse.
      Alex stieß kurz darauf zu ihnen hinzu. Die hintere Tür war offen gewesen, aber man fand niemanden. Und auch sonst war die Hütte auf beiden Etagen leer gewesen. Das ganze Haus nun abgesichert.
      Diesmal war es Victor der unruhig wurde und ein paar mal im Haus herumtigerte. Er suchte nach einem Ausweg, einem Hinweis, aber das Haus war kalt und verlassen gewesen. Es sah nicht einmal so aus, als würde man hier ein halberfrorenes Kind finden können.
      Nach zwei Minuten kam er auf Naira zu und streckte die Hand aus: "Gib mir dein Handy...", er wartete noch kurz ab, hätte es sich selbst genommen, wenn man es ihm nicht freiwillig gegeben hätte, "Ich ruf das Arschloch jetzt an...Ich habe keine Lust mehr auf diese Scheiß Psychospielchen, die er veranstaltet. Da war es in Brooklyn angenehmer. Wenn sie töten wollten, haben sie es getan.", knurrte Victor. Es musste eine Art geben, wie er Thomas dazu bringen konnte durchzuklingeln.
    • Naira O'Connor

      Weiterhin blieb die Frau auf dem kalten Boden der Hütte sitzen und hielt das Mädchen in dem Arm, um sie mit der Jacke und dazu noch ihrer eigener Körperwärme zu erwärmen. Es musste langsam stattfinden, dafür eignete sich diese Methode wahrscheinlich auch recht gut, besser als eine Wärmedecke. Sie beobachtete alles um sich herum und wartete darauf, was passieren würde. Victor kümmerte sich um den Rest, er lief durch die Gegend checkte die Winkel der kleinen Hütte ab, dieses mal übernahm er diese Aufgaben. Vielleicht war es nach der Aktion vor dem Stürmen der Hütte auch besser so, Naira selbst konnte nicht sagen wie viel Kraft sie noch hatte, auch wenn sie nach Außen hin noch immer die Starke spielte. Sie hatte sich diese Rolle schon früh angeeignet.
      "Guck dich bitte nach Spuren um, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist..",sprach sie sanft, aber bestimmt zu dem Blonden, der sich zu ihr gesellt hatte. Er nickte kurz und sah zu der Frau runter. Kurz öffnete Alex seinen Mund, wollte etwas sagen, doch schnell verkniff er es sich wieder und wandt sich ab, um nach Spuren zu suchen. Thomas hatte ganz sicher nichts hinterlassen.

      "Dad?", fragte ich leise in der Dunkelheit, aber bekam keine Antwort zurück. Der große Mann neben mir schlief vermutlich tief und fest, sein Brustkorb bewege sich sehr regelmäßig. Ich spürte meine Füße und meine Hände nicht mehr, es war so verdammt kalt in dieser Hütte, aber es sollte der letzte Tag sein, so hatte es jedenfalls am Anfang geheißen. Nur vier Tage..
      Ich öffnete den Reißverschluss des Schlafsacks und erhob mich langsam, aber fast geräuschlos. Dad würde wieder wütend werden, wenn er mich rausschleichen sehen würde, doch ich konnte nicht weiter auf dem harten Boden liegen. Mit ruhigen und bedachten Schritten nahm ich die Treppe runter und sah mich um. Es war wirklich dunkel in der Hütte, ich brauchte einen Moment um mich daran zu gewöhnen und etwas zu erkennen, draußen war auch nicht wirklich etwas los. An der östlichen Seite war Draußen ein Licht zu sehen. Ich trat an das Fenster heran und erkannte in der Weite einen Körper, der sich bewegte. Es war ein Mann, aber was tat er da? Beobachtete er mich etwa...?

      Die Frau sah hoch, als ihr Partner sie ansprach. Er forderte das Telefon und wenn Naira ehrlich war, sie fand die Idee schwachsinnig, aber es war jetzt keine Zeit dafür zu diskutieren. Sie griff in eine der Jackentaschen und suchte nach ihrem Handy, bevor sie es dem Rotschopf reichte. Sollte er doch da anrufen, sollte er doch mit Thomas sprechen und seiner Wut den freien Lauf zu lassen, wenn es ihm dadurch besser gehen würde..
      Eine der Kameras bewegte sich und fokussierte die Szene noch mehr. Natürlich hörte Thomas mit und belustigte sich an der ganzen Situation. Er zögerte einen Moment, das war definitiv nicht sein Plan gewesen, aber ein wenig Abwechslung im Spiel konnte lustig sein. Geschickt griff er zu seinem Telefon und wählte ihre Nummer, die einzige in seiner Kontaktliste. Er beobachtete den Rothaarigen durch den Bildschirm, die Kamera war auf ihn gerichtet, sein Grinsen war groß. "Wer sagt denn, dass ich nur töten möchte?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
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