[2er RPG] Killer Instinct

    • "Nichts. Absolut nichts."
      John starrte für ein paar Minuten stumm vor sich hin. Er leerte seinen Geist, um sich zu beruhigen, aber das ließ ihn nur den Hunger spüren, den er zu unterdrücken versuchte. Für Vincent!
      Als er sicher war, dass er sich beruhigt hatte, stand er auf und räumte den Tisch ab. Er hatte solange eisern geschwiegen, dass Vincent fertig hatte essen können.
      Er hatte seine Kontrolle zurück, aber nur oberflächlich. Er wusste das, also versuchte er weiterhin, sich zu beruhigen und Vincent aus dem Weg zu gehen, um ihn nicht unnötig zu verletzen. Das tat er schon genug.
      Den Abwasch machte er per Hand, um sich abzulenken, seine Hände zu beschäftigen und Abstand wahren zu können. Leider war der Abwasche für zwei Leute nicht sonderlich viel. Aber jede Minute half.
      "Tut mir leid. Normalerweise habe ich mich besser im Griff. Aber das weißt du ja."
      John ging zu Vincent und betrachtete ihn einen Augenblick. Es war seltsam, dass ihn das beruhigte. Er ging vor dem Polizisten in die Knie, legte ihm eine Hand aufs Knie.
      "Meine Impulskontrolle ist nicht die beste. Ich will dir nicht aus Versehen wehtun. Tut mir leid."


    • Vincent sah John noch eine Weile lang an, bevor er sich still wieder dem Essen zuwandte. Das Klappern des Bestecks auf seinem Teller war lange das einzige Geräusch, bis er fertig war und John das Geschirr wegräumte. Er wusste immer noch nicht, was er davon halten sollte, was John ihm da gerade gesagt hatte und er fragte sich, ob er es zurücknehmen würde, wenn er konnte.
      Vincent fragte nicht, ob er John beim Abwach helfen konnte, er war sicher, dass John gerade keine Gesellschaft in der Küche wollte, obwohl auch Vincent etwas Ablenkung und Abstand gebrauchen konnte. Stattdessen dachte er immer weiter über eben Geschehenes nach.
      Als John sein Schweigen endlich brach, schreckte Vincent aus seinen Gedanken hoch und sah ihn an. Sein Blick war fast ein wenig durchdringend, aber Vincent hielt Augenkontakt, auch als John sich vor ihn kniete. Wieso entschuldigte sich John bei ihm? Nach allem was er getan hatte, kam die Entschuldigung alles andere als ehrlich rüber, aber Vincent konnte es einfach nicht so aufnehmen. Er versuchte John zu verstehen, wie er sich fühlte und was in ihm vorging. Er war schon einmal in seinem Kopf und hatte ihn damals gefunden, aber jetzt war er ein Anderer, das dachte Vincent zumindest.
      Er legte seine Hand auf Johns und seufzte lächelnd, er wusste nicht, wieso er John noch nie böse sein konnte, was Vincent selbst betraf, aber er verstand jetzt auch, warum er diese junge Frau so schnell nach seiner Flucht getötet hatte... er hatte sich nicht einmal viel Zeit mit ihr genommen.
      "Ich denke ich verstehe es jetzt. Aber du weißt, dass es mir lieber ist, du lässt es an mir aus..." In Wahrheit war es sogar noch ein Schlimmeres Gefühl als nichts tun zu können, wenn Vincent zu einer Art Grund für John wurde. Wenn alles was ihn herausfordern, oder stören konnte, an einer unschuldigen Person hängen blieb. Er konnte Johns Gedanken nicht lesen, aber er interpretierte sein Verhalten so.
    • John schloss die Augen und legte seinen Kopf in Vincents Schoß.
      "Ich weiß. Aber das würdest du nicht überleben. Ich bin nicht bereit, das Bisschen Emotionen, das ich deinetwegen empfinden kann, so schnell aufzugeben. Bindungen haben mir nie etwas bedeutet, aber du... du bedeutest mir etwas und ich weiß nicht einmal warum. Was ist an dir so anders, dass du zu meiner Andersartigkeit passt?"
      Philosophische Fragen, das konnte John. Wenn man so viel laß wie er, war das wohl eine Begleiterscheinung.
      "Du weißt gar nicht, wie sehr ich dich brauche. Da ist so viel in mir drin, von dem ich bisher nichts wusste. Dunweckst das alles in mir. Es ist verwirrend. Ich kann das alles nicht zuordnen. Ich habe die anderen Kinder immer beneidet. Jetzt frage ich mich, wie ihr das alles verarbeiten könnt. Ich habe darüber gelesen, aber... ich verstehe es nicht."


    • Vincent legte eine Hand auf Johns Kopf und strich mit den Fingern durch sein gefärbtes, blondes Haar. Der Anblick war irgendwie immer noch seltsam, seine blauen Augen stachen nun viel weniger heraus. Er hörte John zu, aber es war seltsam. Dieser Mann empfand so etwas wie Zuneigung für Vincent, aber er wusste nicht, wie er damit umgehen, oder wie er das zeigen sollte. Stattdessen hatte er Vincent fast umgebracht und nun ging es ihm auch nicht gerade gut, aber trotzdem... empfand auch Vincent etwas für den Killer. Es war unlogisch und dumm, aber er hatte es in Wahrheit schon viel eher begriffen als John, wobei ihre Empfindungen wohl kaum zu vergleichen waren.
      "John, ich...", Vincent seufzte tief und hörte für einen Moment auf durch Johns Haar zu streichen. "Wo soll das alles enden?", fragte er, vor Allem sich selbst. In Wahrheit, konnte das nur in eine riesigen Katastrophe enden, wenn es nicht schon eine war. Vincent brauchte sich nur seiner Situation bewusst werden. Selbst unter normalen Umständen, wenn John kein Killer wäre... es gab so viel, was er nicht verstand, er war ahnungsloser als ein Kind was das anbelangte. Der Polizist wusste immer noch keine Antwort auf das alles, er konnte sich nicht überwinden John zu sagen, was er fühlte, es wäre gelogen, würde er behaupten er würde sich über das hier freuen. Ja, irgendwas in ihm war gerade glücklich, aber er konnte nicht verdrängen was John getan hatte und tun würde. Außerdem brachte er es nicht übers Herz, John zu sagen was hier absolut falsch lief, es nützte nichts ihm mitzuteilen, dass er sich nicht wie ein 'normaler' Mensch benahm, es würde ihn nur verletzten, oder wütend machen. Vincent begann wieder durch sein Haar zu streichen, John öffnete sich Vincent gerade, wie er es vermutlich bei noch keinem getan hatte und er wollte ihm das nicht nehmen.
      "Niemand versteht Gefühle John... manchmal ist es leicht, manchmal ist es schwer. Manchmal weiß man was man fühlt, manchmal nicht, erst scheint alles klar, dann wieder überhaupt nicht. Und vor Allem kann man niemals alles verarbeiten, glaub mir und damit meine ich nicht dich, oder was damals im Keller passiert ist. Ich meine Erinnerungen, die an einem Gefühl sitzen und dich jederzeit überrumpeln können... es ist...es ist nichts, was man einfach so vergisst oder wegsteckt, oder bei dem alles mit der Zeit klar wird. Es ist normal, wenn du ein Gefühl nicht verstehst, dass du zum ersten Mal erlebst."

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    • "Ich will es auch gar nicht verstehen. Ich will verstehen, warum jetzt. Warum bei dir. Ich will den Auslöser finden. Etwas so komplexes kann nicht von irgendwo kommen, es muss eine genaue Quelle geben. Die idt es, die ich verstehen will. Vielleicht... vielleicht kann ich dann ja dafür sorgen, dass ich normale Emotionen empfinde. Und vielleicht kann ich von dort ausgehend einen Weg finden, diesen Hunger zu stoppen. Es macht mir nichts aus, zu töten. Aber es macht mir etwas aus zu wissen, dass es das sollte. Und zu wissen, dass du mich dafür hasst."
      Noch, fügte John in Gedanken hinzu. Das alles hier war verwirrend. Er konnte die Gwfähle nicht zuordnen, die seinen Verstand vernebelten und ihn Dinge tun ließen, die er früher nie getan hätte. Er erkannte die Gefahr darin. Es erhöhte seine Fehlerquote bis zu einem kritischen Niveau, was zu seiner erneuten Festnahme führen könnte. Wahlweise auch zu seinem Tod, je nachdem wie zittrig die Hand am Abzug des Polizisten war, der ihn erwischte.
      Einen langen Augenblick saß John einfach nur da und genoss die Berührungen seines Polizisten. Minuten vergingen. Er versuchte, seine Situation rational zu erfassen, aber all diese Empfindungen waren ihm im Weg. Schließlich hob er den Kopf und blickte in die wunderschönen, erschöpften Augen des Mannes, der dafür verantwortlich war. Etwas in ihm flammte auf, ihm wurde ganz warm und seine Haut kribbelte seltsam. Ohne darüber nachzudenken stand John auf und setzte sich auf den Schoß den Polizisten. Sein Blick ruhte auf dessen Lippen.
      "Ich habe mich immer gefragt, wie es sich anfühlt, jemanden zu lieben. Ich habe mich gefragt, ob es wirklich nur eine Reaktion auf einen chemischen Prozess ist, den die Menschen mit ihrem verdrehten Bewusstsein romantisieren. Oder ob es mehr ist, ob es zu diesen unerklärlichen Dingen in der Existenz dieses Planeten zählt. Demnach wäre es gleichzustellen mit der Frage, ob es Geister gibt", murmelte John, "glaubst du an Geister, Vincent?"
      Seine Lippen legten sich auf Vincents. Es war ein weicher, sanfter, liebevoller Kuss. John war sich nicht sicher, was er tat. Aber dieser Kuss war anders. Es Gefühl darin, echte, unverfälschte Emotion.





      Am anderen Ende der Stadt schob sich Special Agent Marcus Williams einen Kaugummi in den Mund. Er beobachtete die Menge, die sich vor dem örtlichen Police Department gesammelt hatte, um den Worten des Chiefs zu lauschen. Der würde ihnen allerdings nichts Neues sagen können. Man konnte nichts verkünden, wenn man schon alles gesagt hatte. Die Informationslage war schwach, was den Puppenspieler anging. Den Diamond-Killer sollten sie eigenlich mit Leichtigkeit finden können. Und doch war er wie vom Erdboden verschluckt.
      "Was denkst du?", fragte sein großer, blinder Partner neben ihm.
      "Er ist noch in der Stadt. Und er hat nicht vor zu gehen. Aber die Polizei von Portland wird ihn nicht finden. Keinen von beiden."
      "Also nehmen wir das jetzt in die Hand? Der Director hat gesagt, wir sollen uns zurückhalten."
      "Der Director hat gesagt, wir sollen der Polizei nicht auffallen. Das ist was anderes."


    • Vincent hätte nie gedacht, dass John seine Taten in Frage stellte und aufhören würde wenn er könnte. Aber da war Vincent wohl etwas unfair gewesen. Es entschuldigte Johns Taten nicht, aber er konnte ihn wieder und wieder besser verstehen. Und er verstand auch Johns Verlangen danach wissen zu wollen, woher dieses Gefühl kam, denn Vincent fühlte etwas ähnliches. Er fühlte nicht zum ersten Mal und Liebe war wohl oft auch zerstörerisch, aber was hatte John damals in dem Keller in ihm ausgelöst?
      Vermutlich litt er an einer Art Stockholm Syndrom oder hatte sonst irgendeinen psychischen Knacks abbekommen, aber darum ging es auch gar nicht. Wichtig war, dass John recht hatte, Vincent hasste den Killer dafür, was er tat und teilweise auch dafür was er war, andererseits kam er nicht von ihm los und ihn so bei sich zu haben, löste ein warmes, wohliges Gefühl in ihm aus.
      Vincent sah in Johns blaue Augen, als dieser sich auf seinen Schoß setzte und stellte erneut fest, dass sie mit dem blonden Haar nicht mehr so hervor strahlten, dennoch hatten sie nicht von ihrer beruhigenden Tiefe verloren. Der Ermittler lächelte sanft, er wusste selbst nicht warum und als John ihn küsste, erwiderte er den Kuss. Es fühlte sich warm und gut an, Vincent vergaß in diesem Moment die zahlreichen Verbrechen die John begangen hatte. Er glaubte nicht an Geister und es war ihm egal, woher Gefühle wie Liebe kamen, aber er würde die rhetorische Frage ohnehin unkommentiert lassen. Als sich ihre Lippen nach einer scheinbaren Ewigkeit wieder voneinander lösten, musste Vincent erst einmal kurz nach Luft schnappen. Er lächelte John an, doch schnell setzte sein rationales Denken wieder ein und machte ihm schmerzlich Bewusst, dass dies weitaus weniger normal war, als er gerne glauben wollte. In solchen Momenten mit John wirkte es beinahe, als wären sie Beide ein normales Paar, das zusammen lebte, kochte und einander von ihrem Tag erzählten, aber so war es nicht.
      Sein Lächeln verschwand und er lehnte sich wieder zurück um mehr Abstand zu John zu bekommen. Er wusste gar nicht wo er anfangen sollte und neben dem Gefühl, dass John ein Killer war lag auch Sorge um ihn. Vincent merkte wie in seinem Inneren der Wunsch aufkam John zu beschützen, er wollte nicht, dass er wegen ihm einen Fehler beging und erwischt würde. Er wollte nicht dass er zurück hinter Gitter kam, oder womöglich sogar starb. Das Gefühl drehte sich gar nicht darum, dass er wollte dass John aufhörte zu morden, er wollte einfach nur nicht, dass er geschnappt wurde. Gestern noch hatte er John angegriffen um genau das zu erreichen und heute küsste er ihn und wünschte sich ihn beschützen zu können. Er wollte, dass John für seine Taten die gerechte Strafe erhielt, aber er wollte ihn nicht verlieren. Die einzige Lösung die ihm bisher dazu eingefallen war, war sich selbst anzubieten, aber wie John sagte, das würde er nicht lange überleben. Doch es war das einzige Szenario, das er sich vorstellen konnte. John konnte seine 'Hunger' - wie er es nannte - stillen und Vincent bekam die Strafe für seine Dummheit und Inkompetenz. Damit hätte er leben können, aber selbst wenn John von heute auf morgen nie wieder jemanden ermorden würde... das machte nicht wett, was er schon getan hatte. Vincent wusste, dass das alles mehr als unlogisch war und er auch in dem für ihn akzeptablen Szenario, mehr so richtete, dass es ihm besser ging, als dass es in irgendeiner Weise in Ordnung war, aber wie so oft, wusste er einfach nicht was er denken oder tun sollte. Das war genau der Grund gewesen, warum er sich zurück in den Keller gewünscht hatte. Dort hatte es nur John und ihn gegeben, Vincent brauchte sich über nichts Gedanken machen, John war derjenige, der entschied was getan wurde. Aber das hier war anders, er hatte viel mehr Freiheiten und Möglichkeiten als damals.
      "Du quälst mich John... und dich ebenso.", stellte Vincent schließlich laut fest und wusste nicht was schlimmer war, die körperliche Folter damals im Keller oder was auch immer das hier war. Es zerriss Vincent förmlich und er erkannte nicht mal den Tod als Ausweg. John würde das nicht zulassen.
      "Du hättest mich damals sterben lassen und dein Werk weiterführen sollen. Wenn du so weiter machst, dann landest du früher oder später in einem Sarg... und damit meine ich eher früher. Und egal wie es weiter geht, oder was passiert, es wird mich in den Wahnsinn treiben, auch den letzten Funken in mir, der noch irgendwie normal ist."
    • "Normalität ist ein banales Konstrukt dessen, was wir Gesellschaft nennen", murmelte John und lehnte seinen Kopf gegen Vincents Schlüsselbein.
      Er wusste genau, wo der Schnitt endete, den er dem Polizisten zugefügt hatte. Er schob seine Hand unter das Shirt und strich mit dem Zeigefinger über das sterile Pflaster, dass er über die Verletzung geklebt hatte. Er übte kaum Druck aus, spürte aber trotzdem ganz genau die gerade Linie über dem Sternum, spürte, wie dieser Knochen den Rippenkäfig zusammenhielt, den er, John, schon einmal gebrochen hatte. Er wusste ganz genau, an welchen Stellen sich der Knochen verdickt hatte, um den Schaden zu beheben und zu verhindern, dass es noch einmal passierte. John schob auch noch seine andere Gand unter das Kleidungsstück und strich über Vincents Brustkorb, fand die Narben der kleinen Einschnitte sofort - sie waren kaum mehr als eine kleine Unebenheit in der Haut, praktisch unsichtbar. Hier übte er mehr Druck aus, bis er die Verdickung des Knochens unter der Haus spüren konnte. Er hatte Vincent so viel angetan, wusste noch genau wie er am Ende hätte aussehen sollen. Sein bisher größtes Meisterwerk. Aber dann hatte Vincents Körper versagt...
      Tränen lösten sich aus Johns Augen und landrten auf Vincents Hose. Der Serienmörder konnte nichts dagegen tun. Er wusste nicht einmal, woher diese Tränen kamen. Er war ein emotionales Wrack, ohne es zu wissen.


    • "Aber ich lebe in dieser Gesellschaft seit ich denken kann... und so verliere ich meinen Platz in der Welt... wenn ich das nicht schon habe.", gab Vincent als Antwort und seufzte leise. Vincents Muskeln zuckten als John seine Finger auf das Pflaster legte, auch wenn es nicht weh tat, er versuchte sich wieder etwas zu entspannen. Auch Johns zweite Hand suchte sich ihren Weg unter sein Shirt und Vincent wusste genau, welche Stellen John mit seinen Fingerspitzen abtastete. Es war als konnte Vincent den Schnitt fühlen, gefolgt von dem Schlag und dem knackenden Geräusch, als John seine Rippen gezielt gebrochen hatte. Sein Herz schlug schneller, aber es war nicht unbedingt ein schlechtes Gefühl, das diese Reaktion auslöste.
      Er sah zu John hinunter, als er etwas feuchtes fühlte und legte vorsichtig seine Hand unter das Kinn des Killers um es anzuheben. Er sah ihm ins Gesicht, noch nie hatte Vincent ihn so gesehen und er hätte auch nie erwartet, das John jemals so aussah. Seine Wangen waren nass, die Augen feucht und gerötet. "Weinst du...?", fragte er ungläubig, auch wenn es ziemlich offensichtlich war und Vincent wusste nicht, was das zu bedeutet hat. Wie so vieles in seinem jetzigen Leben.
    • "Du kannst in meine Welt kommen. Da gibt es keine Definition von normal. Nur mich..."
      John lehnte sich vor und küsste den Polizisten erneut.
      "Keine Angst, keinen Schmerz, keinen Wahnsinn. Einfach nur ich. Da kannst du vergessen, wie Simon dich ausgenutzt hat. Wie die Medien auf dir rumgeritten sind. Du kannst die Schmerzen vergessen, die ich dir bereitet habe. Du kannst das alles durch etwas anderes ersetzen, etwas besseres. Ich werde nicht urteilen. In meiner Welt ist alles in Ordnung."
      Er lächelte und strich Vincent sanft über die Wange.
      "Dann wäre ich dort auch nicht mehr so allein..."
      Ein sanfter Kuss auf die Stirn folgte, dann schlang er die Arme um Vincents Kopf, als sei er ein Kind, das er trösten wolle.
      "Dann wären wir beide nicht mehr so allein."


    • Der Vorschlag klang durchaus verlockend, aber Vincent bekam ein ungutes Gefühl. Was John da von sich gab wurde zu viel, Vincent wusste nicht, ob der Killer selbst glaubte was er da sagte, oder ob er überhaupt darüber nachdachte, aber es war im Gegenteil zu seiner Behauptung nicht in Ordnung. In Johns Umarmung musste er nur daran denken, was das letzte Mal passiert war, als Vincent sich genau das von John gewünscht hatte, als er ihm in einem Anflug größter Schwäche vertraut hatte. John hatte ihm die Luft abgeschnürt, ihn in ein Auto verfrachtet und entführt. Er hatte Vincent hier her gebracht und nur eine Woche später, hatte er wieder gemordet. John urteilte vielleicht nicht, aber bei allem Verständnis, das er irgendwie für diesen Mann entwickelt hatte, Vincent verurteilte ihn sehrwohl. Und bei diesen utopischen Fantasien, den Worten, den Berührungen und Johns Stimmlage, stellte Vincent seine Glaubwürdigkeit auf einmal in Frage. Wieso vertraute er diesem Mann überhaupt? Er hatte Vincent wohl nie direkt angelogen, aber er hatte ihn mit Sicherheit manipuliert.
      "John, hör auf.", verlangte der junge Polizist und drückte den Körper des Killers von sich, um sich aus der Umarmung zu befreien. Kurz dachte er daran, diese Schwäche die John zeigte auszunutzen, aber er war sich nicht einmal mehr sicher, ob das nicht alles Teil eines perfiden Plans des Killers war. Er hatte ihm schon fast geglaubt und bevor er doch nachgeben würde, wollte er der Unterhaltung lieber entfliehen. Er hatte schon einmal versucht sein Leben dadurch zu schützen, dem Killer zu geben was er wollte. Gut, er hatte es geschafft, denn immerhin war er noch am Leben, aber er hatte sich und die Realität völlig vergessen und bisher nicht wiedergefunden. Würde er diesen Mann noch einmal in seinen Kopf lassen, dann war es für Vincent wohl endgültig vorbei.
    • Etwas stach John in die Brust, als er die Aussage des Polizisten hörte, aber er gehorchte. Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und rutschte von seinem Schoß neben ihn auf die Couch. Wie ein kleines Kind zog John die Beine an und schlang die Arme darum.
      "Ich weiß, was du denkst. Du denkst, das alles sei nur gespielt und ich würde dich manipulieren. Mit letzterem hast du wahrscheinlich Recht, denn jeder Mensch manipuliert seine Umgebung und für jemanden wie mich ist es normal. Jemand wie ich... Psychopathie ist eindeutig nachweisbar und doch streiten sich die sogenannten Experten immer noch darum, ob es eine anerkannte Diagnose ist. Eine Krankheit. Nur weil meine Hirnchemie anders ist als die der meisten."
      John schüttelte den Kopf. Psychologen waren ihm scjin immer ein Gräul gewesen. Er hatte der Untersuchung im Gefängnis nur zugestimmt, weil ihm langweilig gewesen war und weil did Medien die Klappe nicht halten konnten. All diese Diskussionen. Irgendjemand hatte doch tatsächlich behauptet, John sei von einem Dämon besessen.
      "Du traust mir nicht. Ich kann das verstehen. Ich bin ja bloß das Monster. Wie kann man einem Monster schon vertrauen."
      Er stand auf und ging ins Badezimmer. All diese Gefühle raubten ihm den Verstand. Er musste sie in den Griff bekommen, die Kontrolle zurückerlangen und wieder zu sich selbst finden.
      Er spritzte sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht und starrte sein Spiegelbild an. Weder sein Vater, noch seine Mutter hatten die Augen, die er hatte. Es war ein genetischer Sprung gewesen, er hatte die Augen seines Großvaters mütterlicherseits geerbt. Mit dem dunklen Haar seines Vaters und der südländischen Bräune seiner Mutter stachen sie besonders hervor. Alle hatten erwartet, dass das kristallklare Blau zum tiefen dunkelbraun seiner Eltern werden würde, aber sie haben sich nie verändert. Es waren schon immer die Augen eines Raubtieres gewesen.
      In diesem Augenblicl erkannte John, was er zu tun hatte. Die Emotionen verschwanden so schnell, wie sie aufgetaucht waren. Zurück blieb das Monster, das seit jeher in ihm gewohnt hatte. Während andere Kinder Angst vor dem Monster unter dem Bett oder im Schrank gehabt hatten, hatte John diesen Monstern Angst eingejagt. Jetzt würde er zu dem Monster in den Köpfen der Kinder werden. In denen der Erwachsenen war er es ja schon.


    • John sah aus wie ein Kind, das schmollte, bis er schließlich ins Bad ging. Vincent konnte nicht anders als zu seufzen. John, John, John, immer ging es nur um ihn, aber das ein diagnostizierter Psychopath keine Empathie für andere empfand, oder auch nur daran dachte, dass sich die Welt nicht nur um ihn drehte, sollte Vincent wohl nicht überraschen. Trotzdem nervte es ihn schon fast, dieser Mann war seit über zwei Jahren das einzige Gesprächsthema in Vincents Umgebung. Es war ja kein Geheimnis gewesen, das er an dem Fall gearbeitet hatte und die Taten des Killers wurden in den Nachrichten so aufgebauscht, dass Vincent ständig Fragen zu dem Thema beantworten musste. Abgesehen davon, hatte er sich ja auch den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigt, es war immerhin sein Job gewesen.
      Und nach dem Vorfall, wurde das Thema natürlich nicht weniger diskutiert, obwohl zumindest seine Familie darauf verzichtet hatte, mit ihm darüber zu sprechen. Aber Journalisten haben Schlange gestanden, dann hatte ihm Simon ewig damit in den Ohren gelegen, dann war es wieder Vincents Job gewesen und jetzt wo er hier war, hatte John neben dem Puppenspieler auch kein anderes Thema parat.
      Und das Selbstmitleid, das John jetzt hier auspackte wollte Vincent gar nicht erst kommentieren. Trotzdem stand er auf und ging in Richtung Badezimmer, blieb aber davor stehen und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand neben der Tür.
      "John... du hast mich zwei Mal entführt und deinetwegen wäre ich fast gestorben." Vincent wurde bewusst wie peinlich das Ganze eigentlich war, aber das war allein sein Problem. "Du kannst nicht von mir erwarten, dass ich dich behandle wie einen alten Freund und dass ich trotz allem mit dir Reden kann als wären wir alte Freunde, solltest du mir eigentlich gut schreiben und als positiv auslegen, statt in Selbstmitleid zu versinken. Wenn ich dir vertrauen soll, dann musst du mir zeigen, dass ich das kann und dass du was du sagst ernst meinst. Das letzte Mal als ich dir vertraut habe, bin ich hier gelandet." Er hätte noch mehr anführen können, aber er wollte John seine Taten nicht vorwerfen, die er niemals als 'falsch' betrachten würde und es würde das Gespräch auch in keine produktive Richtung lenken. Er wusste eigentlich gar nicht warum er das wollte, aber wenn er darüber nachdachte war er nicht besser, John in solch einem Moment einfach wegzustoßen. Er konnte John aber auch nicht einfach immer geben, was er wollte.
    • John richtete sich auf und atmete tief durch.
      "Und was soll ich deiner Meinung nach tun, um mir dein Vertrauen zu sichern?"
      Er drehte sich zu dem anderen Mann um. Mit zwei großen Schritten war er draußen, direkt neben ihm. Für einen Augenblick musterte er Vincent, als würde er gleich wie ein raubtier losschlagen und seine Beute erlegen.
      "Ich verletze dich nicht ohne Grund, ich kümmere mich um deine Verletzungen, ich habe das Betäubungsmittel weggelassen, ich lasse dich mit Messern spielen."
      Er griff nach Vincents Kinn und drehte dessen Gesicht zu sich.
      "Das letzte Mal wolltest du, dass ich etwas tue. Du wolltest, dass ich meinen Plan in die Tat umsetzte, sagtest ich könne dich behalten. Du wolltest nicht mehr zwischen der Polizei und mir hin- und hergerissen werden und ich gab dir das. Ich habe dir deinen Wunsch erfüllt. Du musst dir über nichts Gedanken machen, solange du hier bist. Du darfar sogar weiter an deinem Fall arbeiten. Und wenn du rauskriegst, wer der Puppenspieler ist, dann schenke ich ihn dir."
      Er stämmte seine Stirn gegen Vincents, ohne seinen Griff um dessen Kinn zu lösen oder den Blickkontakt zu unterbrechen.
      "Du willst, dass ich aufhöre zu töten...", sagte er nach einem Augenblick des Schweigens.
      Er ließ Vincent los.
      "Na schön. Ich werde nicht mehr töten."


    • Vincent sah John an, als dieser regelrecht aus dem Bad stürmte, blieb aber weiter an die Wand gelehnt stehen. Er wollte nicht jedes Mal zusammenzucken wenn John sich bewegte, aber auch wenn er schon viel aushalten musste, war er nicht unbedingt scharf darauf irgendwas in seinen Körper gerammt zu bekommen.
      Johns Griff war grob, seine Stimmung hatte sich in so wenigen Momenten komplett geändert und das nur, weil er etwas gehört hatte, was er nicht hören wollte. Er war tatsächlich wie ein Kind, schlimmer noch. Auch wenn er mit dem Recht hatte was er sagte, aber Vincent war zum dem Zeitpunkt nicht er selbst gewesen, noch weniger als eh schon, er hatte zu dem Zeitpunkt einfach nur einen Ausweg aus der ganzen Situation gesucht und ihn darauf festzunageln, empfand er mehr als unfair. Er hielt Johns Blick stand, hatte nicht vor Angst zu haben, oder zurück zu weichen, immer Nachzugeben brachte nichts und es freute John nur. Das wollte er ihm nicht gönnen.
      Mit immer noch verschränken Armen stand Vincent auch noch da, als John ihn los ließ und sah ihn noch einige Momente an, bevor er etwas sagte. "Kein Töten, kein Foltern, kein Entführen, Verstümmeln oder sonstige Verbrechen, das gilt auch für den Puppenspieler. Ich will kein makaberes Geschenk von dir, wenn ich weiß wer er ist, gibst du die Informationen an die Polizei und er wird festgenommen. Ich weiß wie die Fakten liegen müssen, damit sie zuhören.", bestätigte Vincent Johns Schlussfolgerung, aber bezweifelte, dass er sich daran halten konnte. Aber wenn Vincent derjenige war, der Johns Launen abbekam, dann war das immer noch besser, als jemand anderes starb.
      Er musterte John und bezweifelte nicht, dass der Killer damit kämpfte sich unter Kontrolle zu halten, er hatte John bisher nicht so erlebt wie in letzter Zeit, nicht einmal als er aus dem Gefängnis raus war, nach dieser langen Durststrecke. Er fragte sich wie John die ganze Zeit so ruhig bleiben konnte, während er jetzt so aufgewühlt und wütend erschien.
      Und Vincent fragte sich was es war, was ihn an diesen Mann kettete. Er hatte nicht nur das Monster in ihm erlebt, aber es war ein wesentlicher Teil von ihm und der Polizist wusste nicht, ob John ohne diesen Teil überhaupt er selbst sein konnte. Er glaubte auch nicht, dass er nur an dem Teil hing, der ihn da unten und auch jetzt versorgt und gepflegt hatte. Aber er wusste auch, dass er sich diese Fragen gar nicht erst stellen sollte.

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    • John nickte. Er würde nichts von dem tun, was Vincent eben genannt hatte. Er wusste, was das von ihm verlangte, aber er würde sich benehmen, so gut er konnte.
      "Dann wäre das ja geklärt. Es wird ziemlich ruhig hier werden, so viel sei gesagt."
      Er hatte es ein Jahr im Knast geschafft, ohne unangenehm aufzufallen. Er hätte nicht gedacht, dass es solange funktionieren würde. Er hatte schon vorher gewisse Taktiken entwickelt, wenn er mal unter dem Radar hatte fliegen müssen. Die hatte er in seiner aufgezwungenen Abstinenz angewendet und es hatte funktioniert. Jetzt allerdings war die Versuchung größer, es würde schwieriger werden als noch in seiner Zelle.





      Natasha wurde vier Tage nach ihrem Verschwinden gefunden. Marcus Williams stand in der Lagerhalle und betrachtete das makabere Kunstwerk. Im Gegensatz zu den Polizisten, die an diesem Fall arbeiten würden, wusste er, worauf er achten musste. Er nahm seine Umgebung vollständig in sich auf und speicherte alle Details ordentlich ab. Dann verließ er das Gebäude und verschwand mit seinem Partner, bevor die Polizei eintraf, um den Tatort zu sichern.


    • Vincent war kurz darauf in sein Zimmer verschwunden, er hatte für diesen Tag genug von John gehabt und legte sich schlafen.
      Die folgenden Tage schwiegen sie sich größtenteils an, obwohl John nun das Haus höchstens zum Einkaufen verließ. Vincent nutzte die Zeit um sich von seinen Wunden zu erholen, die langsam aber sicher zuheilten und momentan grübelte er über der Liste des Puppenspielers. Die nächste Leiche müsste eigentlich schon längst gefunden worden sein, in den Nachrichten war davon aber bisher nichts zu hören gewesen. Vincent legte die Liste auf den Couchtisch und ging in die Küche um sich einen Kaffee einzuschenken, den John direkt nach dem Aufstehen aufgesetzt hatte. Er trank gleich in der Küche und nahm sich zusammen um John anzusprechen.
      "Kannst du mir die neuesten Zeitungen besorgen, oder zumindest nachsehen gehen, ob das nächste Opfer des Puppenspielers schon gefunden wurde?", fragte er ihn, nachdem er selbst das Haus nicht verlassen durfte und es auch keinen Internetanschluss gab. Höchstens in Johns Schlafzimmer, aber Vincent war noch nie drin gewesen. Es fühlte sich komisch an wie ruhig John war, von der Wut von vor einigen Tag war nichts mehr zu sehen, obwohl Vincent sicher war, dass irgendetwas in dem Killer brodeln musste. Vincent hatte es deshalb vermieden ihn zu provozieren. Er sprach nicht über seine Situation, bedankte sich wenn John ihm etwas zu Essen machte, oder seine Wunden versorgte und blieb sonst den Rest des Tages weitesgehend still. Er wusste nicht was gruseliger war, die Ruhe jetzt oder der John den er bisher gekannt hatte.
    • Es war eine Art von Meditation, die John nutzte, um im Gleichgewicht zu bleiben. Unbemerkt von Vincent trainierte er, bis seine Muskeln brannten, jeden Abend. Er sprach kaum noch, er konzentrierte sich auf die kleinsten Details. In seinem Kopf war die Hölle los. Doch nichts davon drang nach außen.
      Auf Vincents Bitte hin nickte er bloß. Er würde sich die aktuellen Akten beschaffen und sie dem Polizisten aushändigen. Das Ganze konnte er am nächsten Tag erledigen. Kurz überkam ihn der Drang, seiner Lieblingsreporterin einen Besuch abzustatten, als er sie auf dem Cover eines Klatschmagazins sah. Aber er schluckte es runter, bezahlte und kehrte zurück ins Penthouse.
      "Die aktuelle Ermittlungsakte, heute morgen um sieben nach neun zuletzt bearbeitet", sagte er, als er sie Vincent in die Hand drückte.
      Natürlich hatte er hineingesehen. Der Puppenspieler war fleißig und hielt sich an seinen Zeitplan. Neben der Akte hatte John auch noch die Tageszeitung, die aktuelle Wochenzeitung und den FBI-Bericht zu Vincents Verschwinden und dem Fall des Diamond Killers beigelegt. Aber er wusste, dass das nicht reichen würde.

      In dieser Nacht, Vincent schlief tief und fest, packte John seine Sachen und verschwand. Er hinterließ keine Nachricht, bloß das WLAN-Passwort und die Schlüssel zum Penthouse. Sein Werkzeug, seine Kleidung, sein Medikamentenvorat, alles weg. Verbandsmatrial für drei Tage war noch da, aber Vincent konnte jetzt gehen, wohin er wollte.


    • Als Vincent am nächsten Morgen sein Zimmer verließ, sah er sofort den Schlüssel auf der Küchentheke. Mehr als verwirrt nahm er ihn in die Hand und versuchte damit die Tür aufzusperren, zu seiner Überraschung war sie gar nicht verschlossen. Er ging wieder in das Penthouse und sah sich um. Alles war weg, als wäre John nie da gewesen. Seine Kleidung, sein Werkzeug, einfach alles. Er hatte ihm Verbandsmaterial für drei Tage da gelassen, aber wieso? Vincent konnte einfach in ein Krankenhaus gehen.
      Er hatte ihm auch das WLAN Passwort da gelassen, aber Vincent konnte jetzt genauso gut zu sich nach Hause gehen. Oder konnte er das wirklich? Wenn er nun zur Polizei gehen würde, dann hatte er Unmengen an Fragen zu beantworten, auf die er einfach keine Antwort wusste. Er konnte nicht erklären was alles geschehen war und vermutlich war er seinen Job los. Er würde nicht nach dem Puppenspieler suchen können und auch nicht nach John.
      Vincent ließ sich aufs Sofa fallen und wusste einfach nicht was er tun, oder davon halten sollte. Er fühlte sich von John im Stich gelassen, auch wenn das ein dummes Gefühl war. Aber Vincent fühlte sich, als wäre sein altes Leben ohnehin schon vorbei und nun saß er da, hatte alle Möglichkeiten, aber wusste nicht was er tun sollte.
      Ob es John zu viel geworden war? Ob er nicht länger durchhalten konnte? Auf dem Weg war um jemanden zu töten? Hatte er vielleicht einfach das Interesse an Vincent verloren? Aber dann hätte er ihn auch einfach umbringen können...
      Was wollte John damit bezwecken? Wollte er überhaupt etwas damit bezwecken? War es vielleicht etwas in der FBI Akte? Vincent hatte sie nur flüchtig durchgeblättert und sich mehr um den Puppenspieler gekümmert.
      Aber so verrückt es auch klang, Vincent beschloss 3 Tage in dem Penthouse zu warten. Er hatte genug Essen da, auch Verbandszeug und wenn bis dahin nichts passiert war, dann konnte er immer noch zur nächsten Polizeistation gehen. Vorerst schlug er die FBI Akte über sein Verschwinden und über den Diamond Killer auf. Er wollte nicht glauben, dass sein Verhalten John dazu veranlasst hatte zu gehen und er wurde ein schlechtes Gewissen nicht los. Er fühlte sich wie immer dumm deswegen, aber er konnte nichts gegen seine Gefühle ausrichten.
    • John brachte erst etwas Abstand zwischen sich und Vincent. Er verwischte all seine Spuren, richtete sich ein. Dann beschaffte er sich ein Pre-paid Telefon und fuhr aus der Stadt, ehe er John auf dem alten Klapphandy anrief, dass er um Penthouse neben dem Schlüssel gelassen hatte.
      "Hallo, mein Hübscher", begann er seine Erklärung, "solange ich da bin, lenke ich dich ab und solange du im Penthouse festhängst, kannst du den Puppenspieler nicht fassen. Du brauchst die Ressourcen der Polizei, das kann ich dir nicht bieten. Genieße deine Freiheit. Ich verspreche dir, auch weiterhin nicht zu töten, aber das ist ab jetzt an Bedingungen geknüpft: wenn ich anrufe, nimmst du ab. Du jagst erst den Puppenspieler, dann mich. Und ich möchte, dass du immer ein Messer bei dir trägst. Sieh in meinem Schlafzimmer nach. Auf der Kommode findest du ein schwarzes Kästchen. Das ist mein Geschenk an dich. Mach damit, was du willst, aber trage es immer bei dir. Ich rufe wieder an. Bis dann, mein Hübscher."
      Er legte auf, zerbrach das Telefon in der Mitte und warf die SIM-Karte in den Fluss.


    • Vincent schreckte hoch, als er etwas klingeln hörte und hechte fast in Richtung Küche. Er nahm das Handy und hob ab, es war John - wenig überraschend. Er hörte ihm zu und wollte etwas erwidern, aber bevor er das konnte, legte John schon wieder auf. Was sollte das? Wieso machte John das auf einmal? Wütend ging Vincent ins Schlafzimmer, wie John es gesagt hatte und hatte das Messer schnell gefunden. Eine weitere kryptische Nachricht seinerseits, mit der Vincent nicht viel anfing. Er steckte das Messer ein und ging zurück ins Wohnzimmer. Er überlegte was er jetzt tun sollte. Sollte er der Polizei alles erzählen? Oder sollte er eine Geschichte erfinden? Er wäre von John ausgesetzt worden und wusste nicht wo er die letzten Tage war? Sollte er ihnen das Penthouse präsentieren, aber die Akten vernichten? Was würden die Leute denken, wenn sie sahen, dass hier kein dunkles Kellerzimmer war, in dem John fest gesessen hatte. Jedes Zimmer hier, außer das Badezimmer, hatte ein Fenster. Er wollte Johns Apartment nicht preis geben, hier fanden sich vielleicht doch noch Hinweise auf seinen Aufenthalt und wenn John wirklich nicht morden würde, musste Vincent nach jedem Strohhalm greifen. Zusätzlich, würde ihn der neue Polizeichef bestimmt nicht an Johns Fall arbeiten lassen, wenn Vincent überhaupt irgendetwas tun konnte. Jetzt war auch noch das FBI in der Stadt, was die Dinge natürlich verkomplizierte.

      Nach längerem Überlegen ließ Vincent das Penthouse so wie es war und fuhr aus der Stadt. Außerhalb, ließ er sich in einem billigen Motel ein Taxi bestellen, dass ihn wiederum zurück in die Stadt, vor das Polizeihauptquartier brachte. Dort marschierte er schnurstracks hinein und wurde auch schnell erkannt und gebührlich empfangen.

      Er saß geschlagene 12 Stunden in einem kleinen Verhörzimmer. Er wollte keinen Anwalt und sagte einfach aus, er wäre entführt worden und dass John ihn vor einigen Stunden außerhalb der Stadt ausgesetzt hatte. Er wäre der Straße gefolgt, hatte das Motel gefunden, hatte sich ein Taxi rufen lassen und wäre direkt hier her gefahren. Niemand konnte ihm zurzeit etwas anderes beweisen und zumindest diejenigen die ihn befragten, sahen ihn wohl auch als Opfer. Trotzdem fragten sie lange nach dem Warum, aber Vincent hätte ihnen nicht einmal eine Antwort geben können, wenn er gewollt hätte.
      Nachdem sie ihn endlich gehen ließen, fuhr er nach Hause und legte sich ins Bett. Am nächsten Tag ging er wie verlangt ins Krankenhaus, dort wurde aber lediglich festgestellt, dass die Wunden gut versorgt wurden. Er bekam Schmerzmittel und Antibiotika verschrieben, die Vincent nicht nehmen wollte und er bekam eine Kopie des Berichts, der an die Polizei geschickt wurde. Vincent gab auch die Betäubung an, aber ein großes Blutbild und alle möglichen Tests standen sowieso am Plan.

      Das kostete ihn wieder fast einen ganzen Tag, aber bevor er nach Hause ging, ging er zurück ins Präsidium zu seinem Schreibtisch. Er ignorierte die Blicke seiner Kollegen, nur Lucy konnte er nicht ignorieren. Sie fiel ihm direkt um den Hals, was ein schmerzerfülltes Keuchen zur Folge hatte.
      "Vorsicht Lucy... das tut weh.", murmelte er und die junge Polizistin ließ ihn sofort los. "Oh tut mir Leid! Wie auch immer... Ich habe hundertmal gesagt, dass es eine schlechte Idee ist, dich wieder mit John einzulassen! Es war klar das so etwas passieren würde! Wir werden sofort Beschwerde einreichen! Dafür bist du hier, oder?" Wie immer war sie aufgeregt und laut, aber Vincent nahm es ihr nicht übel - im Gegenteil. Sie war in Wahrheit das nächste in seinem Leben, das an einen Freund heran reichte.
      "Nein, vergiss es einfach. Und ich will nur...", wie sollte er das jetzt eigentlich beantworten. "Der Puppenspielerfall, vermutlich arbeitete jetzt jemand anderes daran, aber es war meiner und ich möchte das zu Ende führen."
      "Was? Du bist gerade erst zurück, abgesehen davon... darfst du überhaupt arbeiten?"
      "Niemand hat mir gesagt, dass ich es nicht dürfte..." Vincent trat an ihr vorbei und setzte sich an seinen Schreibtisch um sein Passwort einzugeben. "Und siehe da, ich komme noch an alle Akten heran, das reicht mir als Erlaubnis."
      "Vinny... du weißt, dass die von der IT immer viel zu überlastet sind... außerdem solltest du dir vielleicht ein paar Tage frei nehmen."
      "Nein... ich brauche die Beschäftigung, abgesehen davon hört der Killer nicht einfach auf zu morden, nur weil ich einen schlechten Tag hatte."
      "Eher viele schlechte Tage...na gut, du solltest trotzdem mit dem neuen Polizeichef sprechen und dir eine Erlaubnis holen."
      Vincent winkte ab und drcukte sich die Neuesten Akten aus, es wurde heute Morgen schon wieder eine Leiche gefunden und wenn er Glück hatte, konnte er sich den Tatort noch ansehen, bevor dort aufgeräumt wurde.
      "Keine Zeit Lucy, war schön dich zu sehen und... danke, aber es geht mir gut." Damit nahm Vincent die Akten aus dem Drucker und verschwand schnell aus dem Gebäude.

      Tatsächlich fand er den Tatort noch vor und mit etwas Finesse, schaffte er es sogar ihn sich näher ansehen zu dürfen. Erfreut stellte er fest, dass hier der erste Vokal des Namens war und er machte noch ein gutes Foto des Tatorts, bevor er wieder verschwand. Kollegen und Journalisten vermeidend, ging er zu sich nach Hause um den Buchstaben mit den restlichen in Verbindung zu setzen. Damit wäre er nun einige Zeit beschäftigt, während er den Verdächtigenkreis eingrenzte und auf Johns nächsten Anruf wartete.
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