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Die nächsten Minuten waren mit Abstand am Schlimmsten für Noland. Er war als einziger dazu verdammt, tatenlos im Raum zu stehen. Während Jasper sein Bestes tat, die Aura zu lösen, war August der einzige Anker für Ember und umgekehrt. Näherte er sich, um den Arkana zu untersuchen, würde Ember das zweifelsohne mitbekommen und wieder wegschrecken. Also konnte Noland nur stehen und warten. Und die Minuten zählen. Und die Sekunden zählen. Am Ende wusste er gar nicht, wie lang genau er festgewachsen i…
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Noland war die einzige Person im Raum, die den vollen Umfang der Lage objektiv beurteilen konnte. Er war nicht derart nah mit Ember verbandelt wie August, der vor ihr saß und ihre Hand an seiner Wange ergriff. Er war auch nicht in der Lage, das Problem zu lösen so wie Jasper, der die Augen geschlossen hatte und Dinge hörte, die sonst keiner mitbekam. Nein, Noland war nur ein stummer Beobachter und das war eine seiner Paraderollen. So war er es, der in Jasper direkt die Reaktion darauf sah, als A…
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Ember starrte noch immer das Mädchen an, das auf dem Sessel saß und seine Beine schwingen ließ, die in eine weiße Leggins gesteckt worden waren. Ganz langsam runzelte Ember die Stirn als sie überlegte, ob es auch das Outfit gewesen war, das Emily am Tag des Unfalls getragen hatte. Ein rosa Kleidchen und flache weiße Schuhe, die mit Glitzersteinchen besetzt worden waren... "Warum hast du aufgehört, mein Grab zu besuchen? Papa findet das nicht so gut, glaube ich. Er weint noch immer, wenn er mich …
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Kassandra war zurückgeblieben. Sie hatte weit genug Abstand gesucht, damit man nicht den Eindruck bekam, dass sie nur darauf wartete, dass Zoras sie zu sich rief. Stattdessen war sie spurlos aus dem Lager verschwunden und hatte sich die nächstbeste Anhöhe gesucht, von der aus sie über die Ebene blickte und das Heer aus abertausenden Köpfen begutachtete. Noch immer war ihre Miene völlig ausdrucksloser Natur, nur ihre Hand war geballt um den kleinen Anhänger, der in ihrer Faust verschwand. Fast sc…
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Im Gegensatz zu Zoras war Kassandra während keiner Sekunde dem Schlaf verfallen. Sie konnte nicht eine Sekunde von dem Mann in ihren Armen ablassen, wollte nicht eine einzige Sekunde der Zeit verlieren. So gab sie sich damit zufrieden, permanent über irgendeinen Teil seines Körpers zu streicheln. Seinen Arm, seine Brust, manchmal auch sein Haar. Alles, sie greifen konnte, schien heilig zu sein. Und so verlor sie erneut jegliches Zeitgefühl, verloren in seinem gleichmäßigen Atemzug und dem Herzsc…
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Noland hatte, wie August es sich gewünscht hatte, nach seinem Neffen gesehen. Wie erhofft hatte sich der Junge unter seine Decke gewühlt und schlief den Schlaf der Gerechten. Genau das, was man ihm am meisten gewünscht hätte. Danach war auch der alte Rogue zu Bett gegangen und hatte den Tag für abgeschlossen erachtet. Wie falsch er damit lag fand er erst heraus, als ihn eine eiskalte Welle aus dem Schlaf riss. Es war lange her, dass nackte Angst ihn aus dem Schlaf riss und dazu nötigte, sich has…
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Mit einem gewissen Funkeln in den Augen verfolgte Ember, wie August an seinem eigenen Handy herumfingerte und ihr das Display entgegen hielt. Tatsächlich leuteten sie in dem Telefonbuch lediglich drei Buchstaben an und was für manchen vielleicht als herabstufend aufzufassen gewesen wäre, sah die Ermittlerin gänzlich anders. Sie war bedeutungsschwanger. Trug viel zu viel unausgesprochene Bedeutung mit sich als dass sie sich jemals über diese Bezeichnung beschwert hätte. "Wow. Was für ein Upgrade …
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Kassandra besaß kein Zeitgefühl. Das hatte sie schon mehrfach zur Schau gestellt. Aber üblicherweise besaß sie einen Sinn für den Raum, in dem sie sich befand. Die Atmosphäre um sie herum, die Stimmung. Nicht so in diesem Augenblick als sich alles außerhalb dieses Zeltes zu verlieren schien. Es hatte eine andere Anmutung als sonst, wenn sie sich gegenseitig die Kleider vom Leibe streiften, um die Hände oder die Lippen auf die Haut des jeweils Anderen legen zu können. Sie zelebrierten es wie ein …
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Endgültigkeit. Das war das Einzige, das Kassandra wahrlich noch von Zoras fordern konnte. Es würde sie in den Ruin treiben wenn sie nicht bezeugen konnte, dass er wirklich sein Leben ausgehaucht hatte. Gab er ihr vorher ihre Essenz zurück, gab es rein gar nichts, was sie davon abhalten würde, den König und seine gesamten Verbündeten dem Erdboden gleichzumachen. Sie würde den ganzen Palast in Schutt und Asche legen wenn dies bedeutete, dass sie Zoras einfach entführen und mit ihm von der Bildfläc…
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So unmöglich es auch wirken mochte: Auch Sylea hoffte, betete gar darum, dass es doch eine versteckte Möglichkeit gab mit der man Ascan von ihr trennen konnte. Es musste auf dieser weiten Welt doch das Wissen geben, wie man Seelen vollständig trennte. Wer sagte, dass der Gott wirklich die Wahrheit sprach? Dass er nicht unter Einfluss von Etwas stand oder einfach nur Lust darauf hatte, Lügen zu verbreiten? Immerhin stellte Dagda ihnen ja immer noch nicht nach - seine Worte waren als nicht alle fü…
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Breche. Oh, wie sehr ich darum bitten möge, so brich den Widerstand. Lass die Logik und das Pflichtgefühl zerschellen wie zerspringendes Glas. Sprich die einzigartige unsichtbare Fessel, die ein ganzes Land in den Abgrund schicken vermag. Liebe mich. Breche. Unter ihren Fingern spürte Kassandra die Wucht, mit der ihre Worte Zoras traf. Er verfiel in eine völlige Starre, den Blick immer noch auf sie gerichtet während seine Atmung nicht mehr so gleichmäßig war wie zuvor. Er prozessierte die Worte,…
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Natürlich hatte August versucht, einen Weg aus dem Dilemma zu finden. Deswegen war er so anders, nachdem sie ihn nach ihrer Trennung getroffen hatte. Was wusste Ember denn schon, was der Arkana in der Zwischenzeit bereits alles ausprobiert hatte? Es gab nichts daran zu leugnen, dass sie keinen Schimmer davpn hatte, was er eigentlich in seiner Zeit tat, in der er sie nicht mit ihr vertrödelte. Wie ignorant konnte ein einziger Mensch denn bitte sein? Als er schließlich ihr unterstellte, dass sie s…
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Für Ember war klar, dass Sterben eine nicht besonders angenehme Sache war. Sie war oft genug anwesend gewesen als es geschah, als jemand aus dem Leben schied. Allein der Anblick, wie sich damals Emily aus ihren Armen verabschiedet hatte, wie sie um jeden einzelnen Atemzug kämpfte, war nur schmerzlich zu verkraften gewesen. Genauso hart war es, als August einfach nur vor ihr umfiel. Sie wusste zu dem Zeitpunkt genau, wie es ablief. Und konnte doch nichts anderes tun als hinter ihm zusammenzubrech…
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Ember hatte es sich in einem der Sessel vor dem Kamin gemütlich gemacht. Daran zu denken, den Tee zu trinken, war noch nicht, als beschäftigte sie ihre Finger mit etwas anderem. Der Teelöffel war zu ihrem neuen Opfer geworden und wanderte permanent durch ihre Finger. Seit dem Augenblick, in dem sie aus dem Trainingsraum gekommen war, hatte die Erschöpfung des Tages zugeschlagen und ihre Fänge um ihren Körper gelegt. Ein bisschen musste sie sich jedoch noch antreiben. Ruhen konnte sie noch, wenn …
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Im Laufe ihres langen Lebens hatte Kassandra unendlich viele Verluste eingefahren. Zahllose Menschen, die ihr etwas bedeutet hatte, waren um sie herum gestorben wie die Fliegen. Man sollte meinen, dass es rein gar nichts mehr gab, das sie nicht bereits kannte. Und nun stand Zoras vor ihr, der morgige Tag würde der Letzte sein, und brachte ihr noch etwas Neues bei. In ihrer gesamten Existenz war es nicht ein einziges Mal vorgekommen, dass sich ein geliebter Mensch eigenmächtig an einem festgesetz…
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Kassandra war ein göttliches Wesen mit schier unendlicher Lebensspanne. Dass sie kein Gefühl für Zeit hatte, durfte sie bereits bei mehreren Ereignissen zur Schau stellen. Um genau dem entgegenzuwirken hatte sie damit begonnen, Strichliste zu führen kaum war das ungefähre Datum klar geworden, an dem sich die Schlacht austragen sollte. So strich sie von Tag zu Tag eine weitere Markierung weg bis irgendwann nur noch so wenige da standen, dass ihr regelrecht Angst und Bange wurde. Während ihrer res…
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Auch Kassandra verfiel in ein Schweigen als sich Soldaten langsam aber sicher in Hörweite begaben. Sie gab sich einfach damit zufrieden, in Zoras' Armen zu liegen, den Kopf an seiner Brust gelehnt und dem Herzschlag lauschend. Niemand würde es wagen, sie ihm abzunehmen, dafür sorgten allein schon seine barschen Anweisungen, die er den Stäblern gab. Je näher sie dem Zelt kamen, umso deutlicher spürte sie jedoch, wie seine Arme zu vibrieren begannen. Sie wog nicht viel, aber die vergangenen Stunde…
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Wäre Embers Aufmerksamkeit nicht vollumfänglich auf Perley gerichtet gewesen, so wäre ihr vermutlich entgangen, dass er seine Worte nicht ganz wahrheitsgemäß sprach. Wo genau die Lüge fußte, wusste sie natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht, aber dass er gerade etwas sagte, das er nicht ganz so meinte, entging einem geschulten Ermittler selten. "Ich freue mich dann, wenn ich das Gelernte auch in die Tat umsetzen kann. Wie Sie vielleicht wissen, mangelt es mir nur vermehrt an Zeit. Ich habe keine Ze…
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Kassandra war bei ihrer letzten Strophe angekommen, da war Zoras bereits von seinem Pferd gesprungen. Er war nur noch knapp von ihr entfernt und als sie sich sicher war, dass sein Blick in ihrer Richtung ausgerichtet war, endete sie ihr Lied. Während sie so zusah wie er die letzten Meter zu ihr überbrückte konnte sie nicht anders als ein warmes Gefühl in der Brust zu spüren. Ein schwaches Lächeln, das sich zurück in ihr Gesicht kämpfte als sie den unfairen Vorteil ausnutzte, besser in der Nacht …
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Jedes einzelne Wort, das Perley sprach, war kein Balsam für Embers Seele. Vielmehr rieb er wie mit feinem Schleifpapier über ihre angerissene Seele und versuchte sie damit in eine neue Form zu bringen. Sie hatte gedacht, durch den Vorfall damals wäre ein nicht unerhebliches Stück von ihr abgebrochen. Das war es auch ohne Zweifel, aber die Bruchstellen, die zurückgeblieben waren, hatten nicht an Schärfe verloren. Tunlichst hatte sie darauf geachtet, dass die Zeit sie nicht glätteten und nun musst…