Schatten der Gefallenen Sterne

    • Schatten der Gefallenen Sterne

      @Sakura10
      @Rambow




      Die Nacht über dem Zauberwald lag stumm und tonlos da, gequetscht unter einem Himmel, der viel zu dunkel schien, um echt zu sein. Es war diese Art von Kälte, die sich nicht langsam über die Haut legte, sondern augenblicklich in die Knochen biss, scharf wie zerbrochenes Glas und bitter wie altes Eisen. Ein Windzug pfiff durch die kronenlosen Wipfel der Uralten, doch er trug kein Rauschen von Blättern mit sich, sondern nur das trockene, hohle Knacken von gefrorenem Holz.
      Ich saß auf einem ausladenden, moosbewachsenen Ast einer mächtigen Fichte, die Beine gelassen über den Abgrund baumelnd. Meine Hand lag fest um das verwitterte, dunkle Holz meines Hirtenstabs geschlossen. Das Biegungsende des Stabs war vom Alter und unzähligen Zaubern gezeichnet, die Rinde an manchen Stellen tief eingeritzt und von schimmernden Rillen durchzogen. Ich ließ die Fingerspitzen über das Holz gleiten, spürte das vertraute, dumpfe Pulsieren der Magie, die tief in seinem Inneren schlummerte – und doch war da heutzutage immer dieses feine, giftige Schaudern, das mich begleitete.

      Es war nicht mehr die reine, spielerische Kälte früherer Tage. Kein einfacher Winterzauber, der Schneeflocken auf Kinderhasen zauberte oder Eisblumen an Fensterscheiben malte. Seit diesem verdammten Tag, an dem der Himmel aufgeplatzt war, hatte sich alles verändert.
      Ich hob den Blick und sah hinauf. Der Himmel war von tiefblauen, violetten und rußschwarzen Schlieren durchzogen. Wie eine Narbe zog sich die Spur des Meteoritensturms über das Firmament. Damals war das Licht nicht einfach nur gefallen; es hatte die Luft verbrannt. Ich erinnerte mich noch genau an den Moment, als die glühenden Brocken durch die Erdatmosphäre gebrochen waren. Sie hatten keinen warmen Sternenstaub gebracht, sondern etwas Altes, Verderbtes, das tief aus den lichten Abgründen des Kosmos stammte.

      Als ich damals versucht hatte, den Einschlag aufzuhalten, hatte die Fremdartigkeit dieser kosmischen Energie nach meiner Magie gegriffen. Mein einst makellos weißes, silbrig leuchtendes Eis war vor meinen Augen umgeschlagen. Es hatte sich dunkel gefärbt, tiefblau, fast pechschwarz an den Kanten, durchsetzt mit scharfen Schatten. Seitdem trug ich diese Veränderung wie einen Fluch unter der Haut. Wenn ich mich zu sehr anstrengte oder die Kälte tief aus meiner Brust hervorholte, zeichneten sich feine, bläulich schimmernde Frostadern unter meiner blassen Haut ab. Meine eigenen Kräfte forderten ihren Tribut, tranken von meiner Lebensenergie und hinterließen ein nie endendes, melancholisches Brennen in meinen Adern.

      Ein leises Knistern riss mich aus meinen Gedanken. Ich blickte hinab auf den Waldboden direkt unter meinem Baum. Wohin auch immer meine Sohlen den Boden berührten oder wo das Holz meines Stabs auflag, kroch ein rauer, krebstartiger Teppich aus schwarzem Frost über die Erde. Er erstarrte das Moos, ließ die Gräser knistern und mit einem leisen Klirren zerbrechen.
      Ein spöttisches Schmunzeln stieg auf meinen Lippen auf, doch es erreichte meine Augen nicht. Schattenfrost. So würde man es wohl nennen, wenn es da draußen noch jemanden gäbe, der Namen für Dinge wie mich hatte. Für die Welt da draußen war ich ohnehin längst ein Mythos, ein Gespenst, eine Schauergeschichte, die man sich am Kaminfeuer erzählte, um die Kinder vor dem tiefen Wald zu warnen. Der Einsame. Der Gefallene.

      Plötzlich erbebte die Erde.

      Es war kein normales Erdbeben. Es war ein tiefes, strukturelles Erschüttern, das tief aus dem Gestein drang, als würde die Welt selbst vor Schmerz aufkeuchen. Die Fichte unter mir schwankte dramatisch, und der Schnee, der auf den oberen Ästen gelegen hatte, stürzte in dichten Kaskaden herab. Ich stieß mich mit einer fließenden, fast gewichtslosen Bewegung vom Ast ab, spürte den Auftrieb des eisigen Winds, der sich blitzschnell um meinen Körper legte, und glitt lautlos ein Stück höher auf eine benachbarte Felsnase.

      Aus der Ferne, tief aus der Richtung, wo einer der größten Meteoritenkrater das Land aufgerissen hatte, drang ein Geräusch durch den Forst. Ein schreckliches, schabendes Schreien. Es klang wie Knochen, die auf Schleifsteinen aneinandergerieben wurden, gepaart mit einem unnatürlichen, metallischen Fauchen.
      Die Schattenkreaturen.

      Sie waren mit den gefallenen Sternen gekommen. Gestalten aus Ruß, Verzweiflung und knöchernen Strukturen, die alles verschlangen, was ihnen an Leben begegnete. Seit Wochen jagte ich sie. Oder besser gesagt: Wir umkreisten uns wie Wölfe im Nebel. Ich suchte nach Antworten in den Kratern, und diese Biester bewachten die Trümmer ihrer eigenen, zerstörten Existenz.

      Doch heute Nacht war etwas anders. Die Luft schwirrte von einer fremden, unberührten Energie. Es war keine kosmische Fäulnis und auch nicht der verbrannte Gestank der Krater.
      Ich schloss für einen Augenblick die Augen, verengte die Pupillen unter den geschlossenen Lidern und atmete tief durch die Nase ein. Die Kälte zog durch meine Lungen. Und da war es: Ein feiner, beinahe süßlicher Duft von reinem Schnee, von klarem, unberührtem Gletschereis und einer Magie, die so makellos und hell war, dass sie mir fast in den Augen brannte, obwohl ich sie nur spürte.

      Eine andere Eismagie.

      Mein Herz schlug einen harten, unregelmäßigen Takt gegen meine Rippen. Seit Jahrhunderten hatte ich geglaubt, der Einzige zu sein. Der einzige Geist, das einzige Wesen, das die Kälte nicht nur ertrug, sondern sie formte, sie atmete, sie gebot. Wer auch immer dort draußen durch den Wald streifte, besaß eine Macht, die das direkte Gegenstück zu meinem rußigen Schattenfrost darstellte.

      Mit einer geschmeidigen Drehung schwang ich meinen Hirtenstab durch die Luft. Die kühlen Luftströmungen gehorchten meinem stummen Befehl sofort. Sie griffen unter den Saum meines tiefblauen, abgewetzten Kapuzenmantels, hoben mich an und ließen mich schwerelos durch die Baumkronen gleiten. Der Wind war mein einziger Gefährte, eisig und treu, während er mich geräuschlos über die dunklen Wipfel trug.
      Ich steuerte auf eine kleine, von alten Hinkelsteinen umgebene Lichtung zu. Von oben konnte ich sehen, wie die silbrigen Strahlen des Vollmonds durch die Wolkenlücken brachen und den tiefen Schnee erhellten. Und dort unten, inmitten der schimmenden Stille, sah ich sie.
      Sie wirkte wie eine Erscheinung aus einer längst vergessenen Sage. Ihr langes, platinblondes Haar fing das Mondlicht auf wie flüssiges Silber, und ihr gewandtes Kleid aus gefrorenem Licht schimmerte bei jeder Bewegung. Sie war nicht allein gekommen; eine Spur aus reinem, weißem Frost zog sich hinter ihren Schritten her – so anders als meine eigene, zerstörerische Fährte. Doch was mich am meisten faszinierte, war die Macht, die von ihr ausging. Sie war die Quelle der reinen Magie. Eine Herrscherin über den Winter, unberührt von der Verderbnis, die mich gezeichnet hatte.

      Ich ließ mich tiefer sinken, landete völlig lautlos auf einem niedrigen Felsvorsprung am Rande der Lichtung und zog die schwere Kapuze tiefer in mein Gesicht. Das dichte Tuch warf tiefen Schatten über meine Züge, nur das stechende, leuchtende Saphirblau meiner Augen schimmerte in der Dunkelheit hervor.
      Ich beobachtete sie. Ich sah die Anspannung in ihrer Haltung, das vorsichtige, aber bestimmte Heben ihrer Hände, wenn sie die Umgebung sondierte. Sie spürte die Anomalie im Wald genau wie ich. Sie war hier, um zu untersuchen, was die Meteoriten angerichtet hatten. Und sie hatte keine Ahnung, wie gefährlich dieser Ort in diesem Moment wirklich war.
      Denn die Dunkelheit um uns herum schweig nicht mehr.

      Ein tiefes, vibrierendes Thud... Thud... Thud... erschütterte den Boden. Das Geräusch kam näher, rasend schnell. Es war das Stampfen von schweren, ungeheuren Gliedmaßen. Das Unterholz zerbarst mit lautem Knacken, Fichtenstämme wurden wie Streichhölzer zur Seite geschleudert. Der Gestank von geschmolzenem Stein und Verwesung schoss über die Lichtung.

      Aus den tiefsten Schatten des Dickichts brach es hervor.

      Es war eine der mächtigsten Skelettmonstrositäten, die ich je gesehen hatte – eine Albtraumgestalt, die die schemenhafte Form eines riesigen, schreckenerregenden Pferdes besaß. Doch dieses Wesen bestand nicht aus Fleisch und Blut. Sein Rosskörper war ein Gerüst aus pechschwarzen, verbrannten Knochen, durch deren Hohlräume ein glühendes, kosmisches Feuer brannte. Der Schädel war langgezogen, mit leeren, augenlosen Höhlen, aus denen kalte Schattennebel quollen. Seine Hufe waren massive Blöcke aus geschmolzenem Gestein, die bei jedem Aufprall tief in den gefrorenen Boden schmetterten und kochenden Dampf aufsteigen ließen.

      Die Kreatur bäumte sich mit einem ohrenbetäubenden, schrill kreischenden Screeech auf, das das Trommelfell zerriss und die Vögel in meilenweiter Entfernung in Panik versetzte. Die Knochen ihres Halses knackten bedrohlich, als sie den wuchtigen Schädel senkte und die magische Präsenz der platinblonden Frau auf der Lichtung erfasste. Die reine Magie, die von ihr ausging, war für diese Schattenkreatur wie ein brennendes Leuchtfeuer – ein Ziel, das es zu vernichten galt.
      Das Schattenpferd senkte den Kopf, schnaufte eine Wolke aus schwarzem Aschendunst aus und setzte zum tödlichen Ansturm an. Die gewaltigen Knochenhufe pfügte den Schnee um, als das Ungeheuer mit rasender Geschwindigkeit direkt auf sie zustürmte, bereit, alles unter seiner eisernen, verbrannten Masse zu zermalmen.
      Zeit verlangsamte sich für mich.

      Ich sah das Verderben auf sie zustürzen. Ich sah die gewaltige Masse des Knochenrosses, die tödliche Wucht dieses Aufpralls. Und in diesem Bruchteil einer Sekunde entschied mein Instinkt vor meinem Verstand.

      Nicht heute. Nicht diese Magie.

      Ich stieß mich vom Felsen ab. Ich flog nicht bloß – ich schnellte wie ein schwarzer Pfeil durch die Luft, getrieben von einem eisigen Windstoß, der die Schneemassen um mich herum aufwirbelte. Im Flug wirbelte ich meinen Hirtenstab herum. Meine Finger schlossen sich so fest um das Holz, dass meine Knöchel weiß hervortraten. Die Magie in meiner Brust explodierte mit einem wilden, schmerzhaften Brennen. Meine Adern färbten sich tiefblau, glühten unter der Haut auf, als ich den Schattenfrost tief aus meinem Inneren emporriss.

      „Aus dem Weg!“, dachte ich nicht einmal, die Stimme blieb mir im Hals stecken, doch meine Handlung war eindeutig.

      Ich landete mit einem hart klingenden Aufprall exakt in der Bahn zwischen der Frau und dem heranstürmenden Schattenungeheuer. Im selben Augenblick, in dem meine Stiefel den Schneeboden berührten, rammte ich das untere Ende meines Hirtenstabs mit ganzer Kraft in die gefrorene Erde.

      WUUUSCH!

      Eine Welle aus pechschwarzem, kristallinem Frost schoss in einer Wucht aus dem Holz hervor. Der Boden riss auf. Aus der Erde zackten meterhohe, rasmesserscharfe Stacheln aus dunklem Eis empor, die sich wie eine undurchdringliche, schimmernde Barrikade direkt vor der Schnauze des Schattenpferdes aufbäumten.

      Das Ungeheuer knallte mit voller Wucht gegen den Schutzwall aus Schattenfrost. Das Geräusch von splitterndem Eis und berstenden Knochen dröhnte durch die Nacht. Die Kreatur wurde durch den abrupten Stopp zurückgeworfen, wiegelte wütend ab und stieß ein rasendes Brüllen aus, während dunkle Eiskristalle wie ein Hagelschauer über die Lichtung regneten.
      Der kalte Nebel der Explosion hüllte die Lichtung in ein undurchsichtiges, blau-schwarzes Dämmerlicht.

      Ich stand da, den Rücken zu der Frau gewandt, den Hirtenstab fest in beiden Händen vor mich gehalten. Mein Atem ging schwer und weiß, dampfend in der Nachtluft. Unter meinen Füßen breitete sich die schwarze Frostspur weiter aus, und die tiefblauen Adern auf meinen Händen verblassten nur langsam wieder.
      Ganz langsam drehte ich den Kopf zur Seite. Unter dem tiefen Schatten meiner Kapuze blickten meine leuchtenden, blauen Augen über die Schulter hinab zu ihr. Die Luft zwischen uns war geladen mit einer elektrisierenden, fast schmerzhaften Spannung – das Aufeinandertreffen von hellem Licht und dunklem Frost.

      Ich senkte die Spitze meines Stabs nur ein ganz kleines Stück, spannte die Muskeln an, bereit für die nächste Attacke der Bestie, und durchbrach die drückende Stille der Nacht mit einer tiefen, rauen Stimme:

      „Steh nicht einfach nur da... Sie zu das du weg kommst.“
    • Ich sah plötzlich oder, spürte diese Angst in mir als ich plötzlich etwas hinter mir war. Ich Blickte ihn an er war mir fremd. Und es war so als ob er, mich beschützen wollte vor was genau?.
      „wer bist du? und was zu Hölle ich dachte ich wäre die einzige die, diese Magie von Eis hatte.“ sagte ich mit einer Mischung aus Erstaunen und doch recht Neugierig. Als ich diese Bestie hörte. Wurde in mir eine Wut entfacht. „Ich weiß ja nicht wer oder was du bist aber ich bin hier in diesem Wald die Hüterin und egal was du sagst ich werde den Wald beschützen. Das ist meine Pflicht und kein Fremder kann mich nicht abbringen.“ Sagte ich. Und ging vor und streckte meine Hand aus und die Bestie griff an. Doch bevor es uns erreichen könnte. Schoss ein Eis Mauer hoch. Und das Tier prallte erneut gegen das Eis. Und Elsa beschwor einen Eissturm und konzentrierte sich auf das Tier. „ Ich werde es nicht zulassen, dass du hier durchkommst“ sprach ich. Und der Sturm wird immer stärker und auch Kälter.


      Ich spüre es. Ich werde es schaffen. Dieses Ding zu erledigen. Sie schloss das Tier langsam ein in ein Eisgefängnis. Als ich spürte dass es fertig war konzentrierte ich mich wieder und der Sturm legte sich. Sie drehte sich zu dem Fremden. Und blickte ihn an.
    • Der Nebel aus aufgewirbeltem Schattenfrost und zersplitterten Eiskristallen hing wie eine zähe, gläserne Wand zwischen uns. Ich spürte ihren Blick im Rücken. Ich spürte diese Mischung aus Erstaunen, Angst und dieser unerschütterlichen, sturen Entschlossenheit, die wie ein helles Feuer in ihrer Seele brannte. Ihre Worte hallten durch die kalte Nachtluft – die Worte einer Königin, einer Beschützerin, die fest daran glaubte, dass der Wald ihr allein gehörte und dass ihre reine Magie ausreichen würde, um jedes Übel dieser Welt in die Schranken zu weisen.
      „Ich bin hier in diesem Wald die Hüterin...“
      Ein spöttisches, bittersüßes Lächeln stieg unter dem Schatten meiner Kapuze auf. Wie oft hatte ich in meinen Jahrhunderten der Einsamkeit geglaubt, die Kontrolle über etwas zu haben? Wie oft hatte ich gedacht, die Welt zu verstehen, nur um zu lernen, dass die Dunkelheit da draußen keine Regeln kannte? Sie wusste nicht, womit wir es hier zu tun hatten. Sie verstand nicht, dass diese Dinge nicht einfach nur Tiere oder einfache Fabelwesen waren.
      Ich sah aus dem Augenwinkel, wie sie vorntrat, wie sie die Arme hob und die Macht ihres reinen, unberührten Eissturms entfesselte. Es war ein faszinierendes, fast wunderschönes Schauspiel: Der Wind heulte auf, feine, schneeweiße Kristalle wirbelten durch die Luft und hüllten die schreckliche Gestalt des Schattenpferdes ein. Die Kälte, die sie erschuf, war blitzsauber, erhaben und mächtig. Der Sturm wurde stärker, beißender, kälter. Mit einer beeindruckenden Entschlossenheit zwang sie die Eismassen um die knöcherne Bestie herum zusammen, baute ein massives Gefängnis aus schimmerndem, kochend weißem Gletschereis auf, das den Monstrum den Raum zum Atmen nahm.
      Sie glaubte wirklich, sie hätte es geschafft. Sie schloss die Augen, ließ den Sturm abflauen und wandte sich mit diesem Stolz zu mir um, der nur jemandem zu eigen war, der noch nie gegen das verdorbene Nichts gekämpft hatte.
      Doch sie irrte sich.
      „Naives, stures Mädchen...“, schoss es mir durch den Kopf, während mein Blick an der eisigen Hülle hängen blieb, in der das Schattenross gefangen lag.
      Noch bevor der letzte Schnee ihres Sturms den Boden berührte, geschah es.
      Das Eisgefängnis fing nicht an zu reißen – es fing an zu verrotten.
      Ein tiefes, bösartiges Grollen vibrierte im Inneren der Eisschicht. Die pechschwarze, kosmische Verderbnis, die in den Adern dieser Kreatur brannte, fraß sich wie Säure durch ihr reines Eis. Es war keine Kreatur aus diesem Wald. Es war eine Schöpfung aus Schatten, Pech und Schwefel, genährt von purer Magie aus den Abgründen des Alls, geformt aus reinem Hass, Urangst und einer Macht, die nicht von dieser Erde stammte.
      CRACK!
      Mit einem Geräusch, das wie der Einschlag eines Blitzes durch die Nacht fuhr, barst das Eisgefängnis in eine Million pechschwarzer und blutroter Splitter. Das Schattenpferd brach nicht nur aus – der Druck der Explosion schleuderte gigantische Eisbrocken wie Katapultgeschosse über die Lichtung. Die Hitze seines inneren, verbrannten Feuers schmolz das Eis in Bruchteilen von Sekunden zu kochendem Aschedampf. Und es war nicht mehr allein. Aus dem Dickicht hinter ihm schälten sich zwei weitere, schemenhafte Silhouetten heraus. Eine ganze Meute dieser knöchernen Albtraumrosse drängte auf die Lichtung, die augenlosen Schädel gierig auf die platinblonde Frau gerichtet.
      Das erste Wesen setzte zum finalen, tödlichen Sprung an. Es war zu nah an ihr. Sein verbrannter Schädel war nur noch Zentimeter von ihr entfernt, die gewaltigen Knochenhufe bereit, alles zu zermalmen. She hätte keine Zeit mehr gehabt, einen neuen Schutzwall zu errichten.
      Mein Instinkt übernahm vollständig.
      Ich wartete nicht ab. Ich wirbelte herum und stieß eine heftige, gebieterische Handbewegung in ihre Richtung. Die kühlen Windströmungen des Zauberwalds gehorchten meinem lautlosen Schrei blitzschnell. Wie eine unsichtbare, aber kraftvolle Woge von eisiger Luft griffen die Stürme nach ihr, umfassten ihren Körper und rissen sie mit einer abrupten, unsanften Bewegung meterweit zurück aus der tödlichen Reichweite der herabstürzenden Knochenhufe. Es war keine sanfte Berührung – der Wind beförderte sie kompromisslos nach hinten, weg von der Gefahrenzone, direkt hinter den Schutz der alten Hinkelsteine.
      Im selben Augenblick riss ich meine Arme nach hinten. Die dunkle Magie in meiner Brust brüllte auf wie ein eingesperrtes Raubtier. Meine Adern glühten in einem aggressiven, leuchtenden Saphirblau unter meiner blassen Haut auf.
      WUUUSCH!
      Aus meinem Rücken, gebrochen aus dem tiefsten Schattenfrost meiner Aura, entfalteten sich zwei gewaltige, schimmernde Flügel aus pechschwarzem, kristallinem Eis. Sie spannen sich meterweit über die Lichtung, rasiermesserscharf und von einer düsteren Eleganz. Mit einem einzigen, kraftvollen Schlag dieser Eisflügel stieß ich mich vom Boden ab und schoss wie ein Schattendämon in den Nachthimmel empor.
      Die Luft über der Lichtung gefrier augenblicklich zu feinsten Eisnadeln.
      „Zurück mit euch in die Hölle, aus der ihr gefallen seid!“, knurrte ich leise zwischen meinen Zähnen hervor.
      Ich schwang meine Flügel nach vorne. Ein ohrenbetäubendes Zischen erfüllte die Nacht, als eine tödliche Salve aus Tausenden rasiermesserscharfen Eis-Federn von meinen Flügeln abstürzte. Sie schossen wie ein tödlicher Pfeilhagel auf die Schattenkreaturen nieder. Jede einzelne Feder aus meinem Schattenfrost bohrte sich tief in das knöcherne Gewebe, zerschmetterte die verbrannten Rippen der Biester und ließ ihr kosmisches Feuer zischend erlöschen.
      Doch ich gab ihnen keine Zeit zur Erholung.
      Noch während ich in der Luft schwebte, packte ich meinen Hirtenstab mit beiden Händen. Ich holte aus und rammte die Spitze der Waffe mitten im Flug virtuell in Richtung der Erde. Ein Strahl aus tiefblauer, rußiger Energie schoss aus der Krümmung des Stabs herab und schlug im Zentrum der Meute ein.
      Der Boden explodierte.
      Riesige, mehrstufige Eisstacheln – dick wie Baumstämme und mehrere Meter lang – zackten mit brutaler Gewalt aus der Erde empor. Sie durchbohrten die Leiber der Schattenpferde, spießten die knöchernen Unterleiber auf und wuchsen wie ein tödlicher, schwarzer Kristallwald in die Höhe. Das pechschwarze Blut der Kreaturen verdampfte zischend an meinem dunklen Eis.
      Die schreckliche Wucht meines Angriffs war zu viel für die Wesen. Das Leitmuster der Meute zerbrach. Ein marzialischer, markerschütternder Schrei erklang von den Kreaturen – ein Schrei so voller Schmerz und Furcht, dass er die Knochen im eigenen Körper vibrieren ließ und die Bäume des Zauberwalds zum Erbeben brachte.
      Die überlebenden Schattenrosse wendeten, stolperten über ihre eigenen, zersplitterten Gliedmaßen und wichen voller Panik zurück. Mit hohlem Poltern und schabenden Geräuschen flohen sie zurück in die tiefste Dunkelheit des Dickichts, wo die Krater der Meteoriten rauchten.
      Stille kehrte zurück. Eine drückende, eiskalte Stille.
      Die schwarzen Eissäulen steckten wie Mahnmale im zerfurchten Waldboden. Der Rauch von Schwefel und verbranntem Gestein zog langsam über die Lichtung.
      Mit einem leisen Flirren lösten sich meine Eisflügel hinter meinem Rücken auf und zerfielen in einen Schauer aus glitzerndem, schwarzem Staub. Ich glitt langsam und vollkommen geräuschlos aus der Luft herab. Meine Stiefel setzten sanft auf dem gefrorenen Schnee auf, direkt am Rande der Lichtung, wo die Schatten der Bäume am dichtesten waren.
      Unter meinen Füßen breitete sich die vertraute, dunkle Frostspur aus. Das blaue Glühen auf meinen Händen und Armen verblasste langsam wieder, hinterließ aber das altbekannte, erschöpfende Brennen in meinen Adern. Mein Atem ging ruhig, aber schwer, dichte weiße Dampfwolken ausstoßend.
      Ich blieb im Halbschatten eines mächtigen Felsens stehen. Die schwere Kapuze meines Mantels war mir tief ins Gesicht gezogen, sodass meine Züge im Dunkeln verborgen blieben. Nur das unheimliche, stechende Saphirblau meiner Augen schimmerte aus der Finsternis hervor, als ich den Kopf langsam senkte und mein Blick fest auf die Frau gerichtet blieb, die hinter den Steinen stand.
      Ich spannte die Finger um das verwitterte Holz meines Hirtenstabs nach und sah sie schweigend aus dem Schatten heraus an, während der Wind leise durch den verwüsteten Wald pfiff.
    • Ich könnte es nicht glauben oder verstehen. Was es immer auch war wer er war er hat mich gerettet. Seine Flügel waren wunderschön. Doch spürte ich Gefahr. Von ihm. Langsam trat ich vor. „Was war das gerade wie hast du es geschafft mich zu beschützen und dieses Ding zu Töten?“ Fragte ich ihn. Und kommt näher. „Ich muss sagen, dass ich dieses Ding unterschätzt hab. Dankeschön, dass du mich gerettet hast.“ meinte Elsa nur. Und sah ihn an. „Ich bin Elas.“ Stellte ich Mich vor. Und reichte ihm die Hand. Blickte ihn an. „Deine Flügel sind wunderschön.“ Sagte ich ernsthaft. Und war gespannt wer diese Fremde ist.

      Und immer noch fragte ich mich selbst was es für seltsame Wesen waren, warum ich meine Magie nicht ausrichten konnte. Und warum könnte er es?.

      Elsa war sehr gekränkt sie war doch die Beschützerin von diesem Wald doch zeigt es Elsa nicht. Das wäre ja noch schöner.

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    • Die Nacht hing wie entzwei gerissen über der zerstörten Lichtung. Der beißende Gestank von Verwesung und verbranntem Schwefel mischte sich mit dem reinen, klaren Duft ihres Winters, während der Rauch der erloschenen Schattenfeuer langsam in den Sternenhimmel stieg.
      Ich sah, wie sie hinter den Hinkelsteinen hervortrat. Ich hörte die Unsicherheit in ihren Schritten, den leisen Zweifel, der in ihrer Stimme schwang, als sie versuchte, die Fassung zu wahren. Sie war verunsichert – zutiefst verunsichert. Ihre Worte hallten zu mir herüber, voller Fragen über die Magie, über die Rettung, über die ungeheure Wucht der Kreaturen, die sie so stolz unterschätzt hatte. Und doch lag da diese unerschütterliche Königswürde in ihrer Haltung, eine kühle Maske der Entschlossenheit, die verbergen sollte, wie sehr dieser Fehlschlag an ihrem Stolz kratzte.
      Als sie ihren Namen nannte und mir die Hand entgegenstreckte, um sich vorzustellen, verharrte ich für einen Herzschlag im Schatten. Sie lobte meine Flügel. Sie nannte sie wunderschön – ahnungslos darüber, welch schrecklichen Tribut diese dunkle Manifestation aus meinem Inneren forderte.
      Ich antwortete nicht sofort. Die Stille zwischen uns war dicker als der Eisnebel, der den Boden bedeckte.
      Langsam stieß ich mich lautlos vom Felsen ab und schwebte in einer geschmeidigen, gewichtslosen Bewegung höher in die kühle Nachtluft. Ich flog langsam näher an sie heran, den Hirtenstab fest in der Hand verschränkt, den Körper angespannt und jede Faser meines Seins kampfbereit. Ich wusste nicht, wer oder was sie wirklich war. Ich wusste nicht, ob ihre reine Magie auf die Dunkelheit in meinen Adern reagieren würde wie Öl auf ein offenes Feuer.
      Mit einer lautlosen Drehung senkte ich meine Flughöhe. Ich kam dem gefrorenen Waldboden langsam näher und landete gut einen Steinwurf von ihr entfernt im tiefen Schnee.
      Als meine nackten Füße den gefrorenen Boden berührten, gab es kein Knirschen, kein Geräusch, nicht einmal die leiseste Erschütterung. Ich schritt langsam auf sie zu, doch ich hinterließ keine Fußspuren im Schnee – meine nackten Sohlen berührten die weiße Decke kaum, während ich mich wie ein Schatten übers Land bewegte. Ich begann, sie mit langsamen, bedachten Schritten zu umrunden. Wie ein Raubtier, das eine völlig neue Spezies studierte, hielt ich den Abstand wachsam ein.
      Mein Gesicht blieb vollkommen im tiefen Schatten meiner Kapuze verborgen. Nur meine Augen leuchteten wie zwei kalte, saphirblaue Sterne aus der Finsternis heraus. Die Ränder meiner Kleidung waren nicht fest; der Stoff meines abgewetzten Mantels waberte sanft an den Säumen, ging nahtlos in einen kühlen Eisnebel über, der von feinen, rußigen Fäden der Finsternis durchzogen war. Meine Aura hüllte die unmittelbare Umgebung in eine drückende Kälte – sie war nicht direkt bedrohlich oder feindselig, aber sie war unleugbar dunkel, fremdartig und tief von den Abgründen des Kosmos gezeichnet.
      Ihre ausgestreckte Hand blieb in der Luft hängen. Ich ging nicht auf ihren Handschlag ein. Ich sah auf ihre zierliche, von hellem Frost umspielte Hand hinab und spürte die gewaltige Magie, die in ihren Adern pulsierte – so rein, so unberührt von dem Gift, das mich seit dem Meteoritensturm zerfraß. Eine Berührung hätte womöglich eine magische Entladung provoziert, die die gesamte Lichtung zerrissen hätte.
      Ich blieb ein paar Schritte vor ihr stehen, den Kopf leicht geneigt, während der feine Eisnebel um meine nackten Knöchel wirbelte.
      „Meinen Namen nenne ich dir nicht“, sagte ich schließlich. Meine Stimme klang tief, raubrauh und von einer leisen Melancholie durchzogen, die wie das Brechen von Dünneis auf einem verlassenen See hallte. „Doch wisse, dass ich helfen will...“
      Ich machte einen halben Schritt zur Seite, ließ meine Augen nicht von ihr und fixierte die Lichtung hinter ihr.
      „Wer bist du...? Was bist du...?“, raunte ich leise und ließ die Frage im Wind verhallen. „Du bist wie ich... und doch... anders.“
      Ich hob langsam den Hirtenstab und deutete mit der gebogenen Holzspitze auf die riesigen, schwarzen Eissäulen, die ich aus dem Boden gestampft hatte.
      „Diese Kreaturen... sie bestehen nicht aus dem Fleisch dieser Welt. Sie sind Schatten, Pech, Schwefel und die verbrannte Reste der Steine, die vom Himmel geflogen sind. Normale Kälte kratzt nur an ihrer Oberfläche. Sie ernähren sich von reinem Licht, von reiner Magie. Je mehr du ihnen entgegensetzt, desto gieriger werden sie. Dein Sturm hat sie nicht getötet – er hat sie nur gefüttert, bis das Eis von ihrer eigenen Fäulnis zersprengt wurde.“
      Ich trat wieder ein Stück näher, gerade nah genug, dass sie das schwache, frostige Glimmen der bläulichen Adern auf meinem Handrücken erkennen konnte, wo meine eigene Magie die Haut gezeichnet hatte.
      „Mein Eis... mein Eis brennt anders. Es ist mit derselben Dunkelheit gezeichnet, die diese Dinger erschaffen hat. Deshalb konnte ich sie verletzen. Deshalb weichen sie zurück.“
      Ich senkte den Stab wieder und wandte den Kopf leicht in die Richtung, aus der das ferne Donnern der königlichen Wachen durch den Wald zu hören war. Die Hörner von Arendelle bliesen in der Ferne. Sie war die Hüterin dieses Walds, das hatte sie gesagt. Doch die Bedrohung, die über diesen Nachthimmel hereingebrochen war, scherte sich nicht um Grenzen oder Kronen.
      Ich blickte sie aus den Schatten meiner Kapuze erneut fest an.
      „Du hast Mut, Elsa. Und deine Macht ist gewaltig. Aber wenn du glaubst, dass du diese Invasion alleine mit schneeweißen Barrikaden aufhalten kannst, wirst du diesen Wald unter den Trümmern der Sterne begraben sehen. Sie kommen zurück. Und das, was eben hier war... war nur die Vorhut.“
    • Ich hörte zu. Ich senkte meine Hand langsam. Und blickte ihn an. „Dann hilft uns sag uns was ich tun kann damit ich den Wald beschützen kann und mein Königreich Arendelle retten kann.“ Sagte ich bittend. Und blickte ihn voller Hoffnung an. „Was meine Magie betrifft. Ich habe sie bekommen als ich geboren wurde. Woher es kommt kann ich nicht sagen weil ich es nicht weiß. Und ich es auch nicht unbedingt wissen möchte.“ erkläre ich ihm. Und sie seufzte leicht. „Dann verrate mir eins. Warum willst du deinen Namen nicht sagen etwa aus Angst? Oder was ist der Grund?“ Meinte sie fragend. Und hörten die Wachen auch. „Ich muss bald zurück. Zum Schloss wenn du willst kannst du mitkommen. Dir wird nicht passieren. Das schwöre ich als Königin.“ bietet sie ihm an.
    • Der ferne Schall der Hörner schlug in regelmäßigen, dröhnenden Stoßwellen durch die Stille der Nacht. Die Garde von Arendelle rüstete auf, bewegte sich schwach leuchtend mit Fackeln durch die dichten Baumreihen und kam Sekunde für Sekunde näher.
      Ich stand unbewegt da, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, und sah schweigend zu, wie sie ihre Hand langsam senkte. Ihre Worte lagen schwer in der winterlichen Luft – geprägt von dem verzehrenden Wunsch, ihr Reich zu beschützen, von einer tiefen, fast naiven Hoffnung und von diesem unerschütterlichen Pflichtgefühl, das mir seit jeher wie ein Zentnergewicht auf dem Herzen lag.
      Als sie von ihrer Magie sprach, davon, dass sie diese seit ihrer Geburt trug und die Ursprünge gar nicht genauer wissen wollte, verzog sich mein Mund unter dem Stoff meines Mantels zu einem bitteren Lächeln. Sie wollte nicht fragen. Sie begnügte sich mit dem Ist-Zustand, sicher gebettet in der Rolle der Hüterin und Königin.
      Und dann stellte sie die Frage nach meinem Namen. Sie spekulierte über Angst. Sie schlug den Bogen zu ihrem Versprechen, mir Immunität zu gewähren, und lud mich ein, sie in ihr Schloss zu begleiten – mit diesem majestätischen Schwur einer Herrscherin, die glaubte, ein Wort von ihr könne das Schicksal oder die Welt da draußen kontrollieren.
      Ein leises, freudloses Auflachen entkam meiner Kehle, kaum mehr als ein kühles Hauchen, das als kleine weiße Dampfwolke vor meiner Kapuze aufstieg.
      Ein Schloss. Schwüre. Königinnen.
      Adlige. Ich mochte sie nicht. Ich hatte sie in all den Jahrhunderten meiner Existenz nie wirklich ausstehen können. Sie waren so furchtbar pflichtgebunden, so steif und erdrückend ernst, stets eingesperrt in ihre eigenen goldenen Käfige aus Regeln, Ehre und Traditionen. Sie lebten in einer Welt aus Versprechungen und politischen Schachzügen. Doch die Realität da draußen – die wilde, unbarmherzige Natur und die Schatten aus dem All – scherte sich nicht um Kronen oder Versprechen. Und wenn die Not am größten war, neigten Herrscher nun einmal dazu, jemanden ohne zu zögern zu hintergehen oder zu opfern, sobald sie ihren eigenen Vorteil oder das Wohl ihres Volkes darin sahen. Das war der Lauf der Dinge. Das war der Grund, warum ich ein Einzelgänger war und es immer bleiben würde.
      Ich trat nicht auf ihr Angebot ein. Ich machte keinen einzigen Schritt in ihre Richtung.
      „Geh du in dein Schloss...“, sagte ich schließlich mit ruhiger, rauer Stimme, die schneidend durch das ferne Dröhnen der Wachen drang.
      Ich machte eine kleine, beiläufige Handbewegung mit meinem Hirtenstab, deutete in die Richtung der Lichter, die langsam zwischen den Stämmen des Zauberwalds auftauchten, und richtete meine leuchtenden, saphirblauen Augen ein letztes Mal starr auf sie.
      „Ich suche die Kreaturen und sorge dafür, dass sie deine Bevölkerung nicht dezimieren...“, fuhr ich fort, und die Worte klangen weniger wie ein Versprechen, sondern wie die nüchterne Feststellung eines Jägers, der eine Arbeit zu erledigen hatte.
      Ich wartete nicht auf ihre Reaktion. Ich wartete nicht darauf, ob sie protestieren, mich aufhalten oder mir weitere Schwüre hinterherschleudern würde.
      Ich spannte die Muskeln an. Die Kälte in meiner Brust erblühte augenblicklich in einem scharfen, vertrauten Schmerz. Meine dunkle Magie durchströmte meine Adern, ließ die blauen Linien auf meiner Haut für einen kurzen Moment aufglühen und rief den Wind herbei. Eine heftige Böe fuhr durch die Lichtung, wirbelte den gefrorenen Schnee um meine nackten Füße auf und hüllte mich in einen Schleier aus feinsten, eisigen Partikeln.
      Ohne ein weiteres Wort und ohne ihr auch nur einen einzigen weiteren Blick zu würdigen, stieß ich mich kraftvoll vom Boden ab.
      Der eisige Aufwind griff unter den Saum meines zerfetzten Mantels. Ich erhob mich geschmeidig in die Luft, durchbrach die Nebeldecke über den Hinkelsteinen und schoss steil empor in den klaren, mondbeschienenen Nachthimmel. Die Kälte da oben empfing mich wie eine alte Bekannte, strich mir durch das weiß schimmernde Haar und wusch den miefenden Gestank von Schwefel und Pech aus meinen Kleidern.
      Unter mir schrumpfte die Lichtung rasch zusammen. Ich sah die Eissäulen aus Schattenfrost wie riesige, schwarze Nadeln im Schnee stecken. Ich sah die kleinen, flackernden Fackellichter der Garde von Arendelle, die sich wie eine Ameisenstraße durch das Unterholz pflügte, um ihre Königin zu suchen. Und mittendrin stand ihre winzige Silhouettengestalt in ihrem schimmernden Kleid aus Eis – eine Einsame auf ihrem Posten, gefangen in ihrer Pflicht.
      Ich wandte den Kopf ab und sah nach vorne, hinüber zu den dunklen Bergkämmen am Horizont, wo der größte Meteorit eingeschlagen war.
      Keine Schlösser. Keine Kronen.
      Die Schatten da draußen warteten nicht auf königliche Dekrete. Und ich hatte ein paar Monster zu jagen. Mit einem flinken Schwenk meines Stabs ließ ich mich vom Wind tragen und verschwand als dunkler, lautloser Schemen in der Tiefe der Nacht.
    • Elsa wollte gerade Protestieren. Doch er hat auch irgendwie recht. Gehabt. Auch ohne meine Frage zu beantworten. Ob ich helfen kann. Wie ich helfen kann und doch spüre Elsa diesen Drang ihm hinter zu laufen. Weil es ihre Aufgabe war diese Drohung zu beenden. Und doch fruchtete sie sich tief in sich vor ihm könnte ihn nicht einmal einschätzen. Ob sie ihm wirklich vertrauen konnte. Doch andererseits hat er sie freiwillig beschützt. Ohne vorher meinen Namen zu kennen. Ob es vielleicht nur an Meiner Magie lag?. Oder war es nur aus eigennützigen Gründen? Fragte sie sich tief, in ihrem Unterbewusstsein.
      Und doch tief in Ihrem Inneren war da ein Neuer Impuls. Sie wartete auf ihre Wachen. Und als sie da waren meinte sie. „Ich werde die Nacht hier draußen verbringen, alleine. Bitte respektiere meinen Wunsch.“ meinte ich und ging dann in die Richtung wo er hingeflogen ist ich will antworten. Auf meine Frage. Und ich will herausfinden ob er wirklich eine Gefahr ist.
      Ich konzentrierte mich und rannte los. Hinter ihr weit weg von Arendelle weit weg von meinem Schloss ihrem Wachen. Ihr sicheres zuhause was mehr und mehr kleiner wurde. Rannte sie weiter in den Wald. In die Richtung wo er lang war.
    • Neu

      Der Wind heulte kalt über die verlassene Lichtung und trug den beißenden Geruch von Schwefel und verbranntem Gestein fort, während ich mich auf den Weg machte. Mein Flug führte mich tief hinein in das unwegsame, von den Meteoriten verwüstete Bergland weit jenseits des Zauberwalds. Die Dunkelheit hier oben war von einer bedrückenden Schwere, durchzogen von den schwelenden Rissen im Gestein, wo die gefallenen Sterne tief in den Erdboden eingeschlagen waren.
      Ich schwebte auf einer eisigen Windböe, den Hirtenstab fest in der Hand, und ließ meinen Blick über die zerklüfteten Felsen gleiten. Die Kreaturen waren nicht weit. Ich konnte ihr unheimliches, vibrierendes Echo im Gestein spüren – ein dumpfes Grollen, das tief aus den unterirdischen Höhlen und Schluchten heraufdrang. Sie sammelten sich. Der Rückzug vor meinem Angriff auf der Lichtung war kein Fliehen gewesen, sondern ein Sammeln. Die Vorhut hatte ihre Lektion gelernt, und nun warteten sie im Schatten auf die nächste Gelegenheit.
      Dass mir jemand folgte, ahnte ich in diesem Moment noch nicht. Für mich gab es nur das Ziel, die Spuren dieser kosmischen Fäulnis zu verfolgen, bevor sie sich unaufhaltsam über die Königreiche ausbreiteten. Meine nackten Füße berührten lautlos den kalten Felsboden, als ich kurz auf einem vorspringenden Grat landete, um die Lage zu sondieren. Die Nacht war schwarz wie Tinte, und die Sterne am Firmament schienen von einer unheimlichen, violetten Aura umgeben zu sein – jene Narben des Himmels, die das Unheil gebracht hatten.
      Ich lehnte mich gegen den hölzernen Stab, während der feine Schattenfrost an den Rändern meiner Kleidung im eisigen Wind waberte. Jeder Atemzug schmeckte nach klarem, scharfem Frost, vermischt mit dem Aschegeruch der Zerstörung. Hier draußen gab es keine Kronen, keine Pflichten und keine höfischen Masken. Es gab nur die Kälte, die Finsternis und den ewigen Kampf gegen das, was nicht in diese Welt gehörte.
      Plötzlich durchbrach ein leises, aber untrügliches Geräusch die Stille der Schlucht.
      Es war kein Brüllen der Kreaturen. Es war das Knirschen von feinem, gefrorenem Schnee und das hastige, aber entschlossene Atmen eines Menschen, der sich durch das tückische Gelände kämpfte.
      Ich wandte den Kopf abrupt herum und verengte die Augen. Aus dem dichten, nebelverhangenen Pfad, der steil aus dem unteren Wald heraufführte, schälte sich eine Gestalt. Die silberne Robe aus gefrorenem Licht, das platinblonde Haar, das im fahlen Mondlicht schimmerte – sie war es.
      Ein ungläubiges, fast fassungsloses Knurren entkam meiner Kehle. Sie war mir tatsächlich gefolgt. Ganz alleine, fort von ihren Wachen, fort von der Sicherheit ihres geliebten Schlosses, war sie den steilen, gefährlichen Pfad in diese verlassene Region hinaufgeklettert, nur um Antworten zu finden und die Spur des Fremden nicht zu verlieren.
      Ich stieß mich mit einer raschen Bewegung vom Fels ab und glitt lautlos durch die Luft, bis ich wenige Meter vor ihr auf einem erhöhten Felsvorsprung landete. Der Wind zerrte an meiner schweren Kapuze, während ich sie aus den tiefen Schatten meiner Verkleidung anblickte. Mein saphirblaues Leuchten in den Augen musterte sie mit einer Mischung aus Respekt und blankem Unverständnis.
      „Bist du eigentlich komplett wahnsinnig?“, rief ich ihr entgegen, wobei meine raue Stimme schneidend durch die Schlucht hallte.
      Ich trat einen Schritt vor, ließ die Kälte meiner Aura als warnendes Wellenmuster um meine nackten Knöchel wabern und verschränkte die Arme vor der Brust, während ich den Hirtenstab an den Fels lehnte.
      „Du lässt deine Wachen unten im Wald zurück, kehrst deinem sicheren Schloss den Rücken und läufst völlig allein in ein Gebiet, das von jenen Monstern überrannt wird, die du eben kaum bändigen konntest? Hast du eigentlich einen Todeswunsch, Königin?“
      Meine Worte klangen scharf, doch dahinter verbarg sich eine tiefe, fast ungläubige Anspannung. Niemand tat so etwas. Die Menschen, denen ich in meinem langen Dasein begegnet war, versteckten sich in ihren Festungen, wenn die Gefahr nahte. Sie schickten Soldaten, sie beteten um Rettung oder sie flohen in Panik. Aber sie liefen nicht freiwillig einem geheimnisvollen, misstrauischen Einzelgänger hinterher, nur um ihren Stolz und ihre Fragen zu befriedigen.
      „Ich habe dir gesagt, du sollst in dein Schloss gehen“, fuhr ich fort, und ein unruhiges Zucken lag in meiner Stimme, während meine Augen über ihren Körper wanderten, um sicherzustellen, dass sie nicht bereits verletzt war. „Das hier ist kein Märchenwald mehr. Die Dinger, die dort unten lauern, spielen nicht nach den Regeln deines Königreichs. Sie jagen alles, was Magie atmet. Und du... du leuchtest wie eine verdammte Fackel in der Finsternis!“
      Ich trat noch etwas näher an den Rand des Felsens, strich mir eine strömende, schneeweiße Haarlocke aus dem Gesicht und fixierte sie mit einem brennenden Blick. Die Kälte um uns herum intensivierte sich, spiegelte das unruhige Chaos in meinen Gedanken wider.
      „Du suchst nach Antworten? Du willst wissen, warum ich dir nicht vertraue und warum ich meinen Namen nicht nenne?“ Ich lachte bitter auf, ein kurzes, hohles Geräusch. „Weil ich mein Leben lang gelernt habe, dass Verbündete in den entscheidenden Momenten immer nur eins tun: Sie wenden sich ab, sobald sie merken, dass das, was sie beschützen wollen, bedroht wird. Und du bist eine Herrscherin. Deine Pflicht gilt deinem Volk, nicht einem Vagabunden aus dem Schattenfrost.“
      Trotz meiner harten Worte und der strengen Haltung spürte ich dieses seltsame, schmerzhafte Ziehen in meiner Brust. Da war etwas in ihrer Entschlossenheit, das mich an mich selbst erinnerte – an jene Jahrhunderte vor dem Sturm, in denen ich auch nur nach meinem Platz in der Welt gesucht hatte, ohne zu wissen, wohin mich der Wind treiben würde.
      Ich holte tief Luft, ballte die Hände zu Fäusten, bis das schwache blaue Glühen meiner Adern unter der Haut aufschimmerte, und sah sie aus der Tiefe meiner Kapuze an.
      „Also gut. Du wolltest es so“, sagte ich leise, die Stimme nun gefährlich ruhig. „Wenn du unbedingt wissen willst, was hinter diesen Kratern steckt, dann bleib mir dicht auf den Fersen. Aber ich beschütze dich nicht noch einmal vor den Fehlern deines eigenen Leichtsinn.“
    • Neu

      Elsa hörte zwar den scharfen Ton. Doch wie konnte sie ihm erklären warum er etwas in ihr Ausgelöst hat. „Zuerst ich …“ begann Elsa und seufzte. Kurz. Wie sollte sie da nur ruhig bleiben? Dieser verdammt Typ regt sie einfach nur auf!
      „Halt doch mal die Luft an.“ meinte sie. „Fassen wir zusammen. Diese Dinger was auch immer sie sind, haben mich zuerst angegriffen, und dann taucht ein Fremder auf, der die gleiche Magie besetzt und auch noch eine Frau Beschützt wo er zum einen nicht einmal weiß wer sie ist. Also komm mir bitte nicht mit Nummern wie : Du tust das aus Nähest Liebe. Weil das mein Lieber ist eher mein Ding. Ob du es nicht kapieren willst oder ob du es einfach nicht verstehst. Für mich gehört jede Fremde ob Magieanwender, zu meinem Königreich. Und wer hier in mein Königreich kommt erhält automatisch auch meine Hilfe, weil wen ich richtig aufgepasst habe. Greift diese Komische Etwas Magie an und da du auch Magie anwenden bist, bist du dann nicht auch in Gefahr? Oder wie soll ich das jetzt verstehen?“ fragte sie ihn. „ Und tatsächlich will ich wissen wer du bist und warum du plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht bist. Seitdem du hier bist spüre ich eine Art Magische Anziehung zu dir und das macht mir Angst. Nicht, weil ich glaube, dass du ein Feind bist sondern weil, ich glaube, endlich jemanden gefunden zu haben der mich versteht. Auch wenn er mich zutiefst Aufregt.“ Meinte sie und sah ihn an. „Und wie ich dicht an dir dran bleibe und ob du glaubst oder nicht ich brauche kein Schütz“ Meinte sie entschlossen. Und sie spürt deutlich das etwas hier ist. Und geht voran. Und meine „Aber vielleicht kannst mir eines Tages vertrauen. Weil solange du hier bist schwöre ich dir das ich an deine Seite bin egal ob du es gut findest oder nicht das liegt einfach in meiner Natur!“ Erklärt sie. Und war bereit was auch immer hinter diesem Kratern war sie wurde es diese Mal schaffen und wenn nicht dann hat sie es wenigstens versucht auch wenn diese Fremde vielleicht Recht hat das ihre Magie nicht ausrichten kann. Kann sie dennoch eine Hilfe sein. Da war sie sich sicher. „Ach bevor wir weiter gehen. Auch wenn ich vielleicht stur bin bin ich immer noch eine Königin und ich kümmere mich einfach um meine Familie und Freunde und Bekanntschaften. Ob du es jetzt gutheißen tust oder nicht heute Nacht und solange du hier bist hast du meine Aufmerksamkeit“ Sagte sie. Und geht dann weiter voran. Und spüre es tief in sich da war was.
      Und war bereit was da auch immer sein wird.