Where Suns Meet [Asuna & Codren]

    • Where Suns Meet [Asuna & Codren]

      Die unendliche Wüste wurde unterbrochen von einer einzelnen Karawane, die sich ihren Weg über die Dünen bahnte. Nicht mehr als 20 Menschen waren es, um im Sand keine zu großen Spuren für die Kreaturen zu hinterlassen, und mit ihnen zogen 16 Kamele, bepackt mit wertvollem Gut und Ausrüstung, zu vier Zügen aneinander geleint. Es war eine kleine Truppe, gemessen an den weiten Ausmaßen der Wüste. Doch es war eine Truppe, die das Überleben in der Wüste sicherte.

      Momo hieß der tragende Händler dieser Karawane und war ein gedrungener Mann mit einem nervösen Blick, der lieber einmal zu oft über die Schulter blickte. Sein Haar war dünn und an einigen Stellen kahl, seine Schultern waren oft hochgezogen, sodass sein Rücken bereits einen kleinen Buckel bildete. Er war schon viele Jahre als Händler tätig, aber wo er in der Stadt selbstbewusst und intelligent auftrat, war er in der unbarmherzigen Wüste wie ein altes und ängstliches Kind. Das hier war nicht seine erste Karawane und es würde auch nicht die letzte sein, doch trotzdem setzte ihm die Wüste sichtlich zu. Er schien nicht dazu gemacht, einen Fuß hinter schützende Sandmauern zu setzen.
      Demgegenüber stand Wael, der Hauptmann ihrer wachtragenden Soldaten und der Verantwortliche für ihre Sicherheit. Er war wie eine Bastion in der Wüste, ein unbrechbarer Stein, der sich gegen Sand, Sonne, Sturm und Kreatur zu helfen wusste. Er war groß und kräftig, seine Beine wie geschaffen zum Laufen und seine Arme wie geschaffen zum Kämpfen, ein Vorbild für all jene, die sich hinter schützende Mauern wagten. Sein Blick war scharf und konnte selbst die kleinste Bewegung am Horizont ausmachen, eine Fähigkeit, die unsagbar wertvoll war. Entsprechend hoch ließ er sich den Dienst als Begleitschutz auch auszahlen.
      Und dann gab es noch Begleiter wie Rihmun, die nicht besonders ängstlich und nicht besonders mutig waren, Rihmun und etwa auch Azhar. Sie waren einfach nur da, um das Gefolge zusammen zu halten.

      Rihmun war nicht das erste Mal mit einer Karawane unterwegs, doch es war sein erstes Mal mit dem Händler Momo und dem Soldaten Wael. Er hatte seine Dienste angeboten, nachdem er gehört hatte, dass eine weitere Karawane losziehen würde und Momo war erst überrascht, dann misstrauisch gewesen, dass Rihmun ihn nicht zuerst nach dem Lohn gefragt hatte. Normalerweise ließ man sich königlich auszahlen, um die Gefahren der Wüste aufzunehmen und eine Reise wie diese anzutreten, doch Rihmun hatte zuerst nach der Anstellung, dann nach dem Geld gefragt. Und nachdem er ein bisschen gefeilscht hatte, damit Momo ihn vor lauter Misstrauen nicht doch stehen ließ, hatte der Händler ihn schließlich mitgenommen. Abgesehen von einer Überfahrt, erhielt er nun also auch ein anständiges Sümmchen, dafür, dass er erste Anzeichen der Sand-Krankheit früh genug entdeckte, dass er Hautausschläge behandelte, schlaflose Nächte milderte und im Falle eines Konflikts dafür sorgte, dass alle Beteiligten den nächsten Sonnenuntergang miterleben würden. Sollten sie ohne Begegnungen durch die Wüste kommen, nun, dann war es eine Arbeit wie auch in der Stadt. Und wenn nicht, dann hatten sie schließlich einen Priester dabei, den Rihmun darum bitten konnte, bei den Göttern ein gutes Wort für ihn einzulegen. Vielleicht sogar ein fantastisches Wort.
      Besagter Priester interessierte Rihmun, aber er konnte den Grund dafür nicht ganz deuten. Er war ihm bereits aufgefallen, als Momo die Truppe zusammengestellt und alle miteinander vorgestellt hatte, dieser kleinere Mann mit den lockigen Haaren und den lachenden Augen. Er war hübsch, hatte Rihmun befunden, der die Schönheit eines Menschen durchaus zu schätzen wusste. Anders hübsch als der raue Wael oder der kompakte Momo. Auf eine Weise hübsch, die Rihmun faszinierte, denn Azhar hatte irgendetwas eigenartiges an sich. Vielleicht lag es an der Art, wie er mit den Menschen sprach oder seine priesterlichen Gewänder trug, aber irgendetwas an ihm erregte Rihmuns Aufmerksamkeit. Vielleicht würde er es noch herausfinden, bevor die Reise zu Ende war. Genug Zeit dafür blieb ihm jedenfalls noch.

      Im Moment hatte Rihmun jedoch andere Gedanken als der Priester in der Karawane.
      “Trink das”, orderte er und drückte dem Soldaten eine Lehmschale mit einer zähen Flüssigkeit in die Hand. Karim, von Waels Gefolge, war vor zwei Tagen mit einem Husten aufgewacht, der nicht wieder abgeklungen war. Kleine Erkältungen waren nicht unüblich in der offenen Wüste, wo es nachts nur den Schutz der Zelte gab und kein Feuer, das sie zusätzlich warmhalten konnte, doch normalerweise verschwanden die Symptome über den Tag wieder, wenn die Beschwerden heraus geschwitzt wurden. Dass es bei Karim anhielt, beunruhigte Rihmun, doch das zeigte er niemandem. Stattdessen lächelte er ruhig, als gäbe es nichts zu befürchten. “Ich habe ein wenig Zimt hinein gestreut, damit es nicht so streng schmeckt.”
      Karim verzog das Gesicht. “Dann ist es genauso schlimm wie das Zeug von gestern?”
      “Manchen Leuten schmeckt es sehr gut, sogar den Kindern. Ich werde dir nicht sagen können, was dein Mund davon hält.”
      Karim sah ihn finster an, dann unterdrückte er ein Husten und kippte das Zeug hinab. Sein Gesicht verwandelte sich in eine Grimasse, sein Adamsapfel hüpfte beim Schlucken, dann würgte er und erschauderte. Und dann setzte das Husten wieder ein.
      Rihmuns Lächeln verblasste und er sah zu, wie Karim sich krümmte und hustete, so trocken wie der Sand, als hätte die Wüste ihn innerlich ausgezehrt. Er hustete und hustete und Rihmun wartete, mit einem Ohr dem Husten lauschend, mit dem anderen dem Lager. Es war noch früh am Morgen, kurz vor ihrem Aufbruch. Der Navigator würde gerade dem Stand der Sonne folgen, nachdem er nachts die Position der Sterne betrachtet hatte, um zu bestimmen, ob sie sich noch auf dem richtigen Kurs befanden. Wael würde die Ausrüstung überprüfen und Momo schlief vermutlich noch. Mit etwas Glück bekam niemand den Husten mit, der sich über Nacht wieder etwas verschlimmert hatte.
      Karim richtete sich bald wieder auf und nahm tiefe Atemzüge. Rihmun bedeutete ihm, sich zurückzulegen, und hielt für ein paar Sekunden das Ohr an seine Brust. Karims Herz raste, aber seine Lunge gab keine Geräusche von sich, auch dann nicht, als er auf Rihmuns Geheiß den Mund beim Atmen öffnete. Rihmun nickte, zog sich zurück und schrieb alles auf.
      “Es ist nicht die Sand-Krankheit, oder?”, fragte Karim besorgt, während er sein Hemd wieder schloss. Rihmun schüttelte den Kopf.
      “Nein. Mach dir keine Sorgen.”
      Aber Rihmun sorgte sich. Denn wäre es die Sand-Krankheit gewesen, hätte er gewusst, wie sich die Symptome entwickelten. So wusste er gar nichts.
      Vielleicht sollte er mal die Götter danach fragen.


      @Asuna