Ich las weiter, während die Zeit außerhalb der kleinen Hütte still und unbemerkt verstrich. Meine Augen wanderten über die vertrauten Zeilen, blieben bei sorgfältig gezeichneten Blüten und Blättern hängen und folgten den Beschreibungen, die ich längst schon beinahe auswendig kannte. Dennoch war es etwas anderes, die Worte erneut vor sich zu sehen, als sie nur aus der Erinnerung hervorzurufen. Manche Einzelheiten waren mit den Jahren verblasst, kleine Hinweise über die beste Zeit zum Sammeln oder die richtige Art, eine Pflanze zu trocknen, und so nahm ich mir die Zeit, mein Gedächtnis wieder aufzufrischen. Meine Finger glitten über eine Zeichnung, die eine zarte Blume mit schmalen, hellen Blättern zeigte. Ich erinnerte mich daran, sie weiter südlich am Bach gefunden zu haben, dort, wo die Erde selbst im Sommer feucht blieb und das Moos die Steine bedeckte. Das Buch beschrieb ihre Wirkung auf Fieber und Entzündungen, doch auch die Warnung, sie niemals in zu großer Menge zu verwenden. Ich blätterte weiter und blieb bei den nächsten Kräutern hängen. Unwillkürlich begann ich in Gedanken, das eine oder andere miteinander zu verbinden. Diese Blätter könnten sich vielleicht mit den getrockneten Wurzeln vermengen lassen. Vielleicht würde ein wenig von jener Blüte den bitteren Geschmack einer anderen Pflanze mildern. Ich spielte die Möglichkeiten in meinem Kopf durch und stellte mir vor, wie die Kräuter im Mörser zermahlen und anschließend in warmem Wasser aufgekocht wurden. Doch nach einer Weile schüttelte ich kaum merklich den Kopf. Ich hatte keinen Nutzen für eine neue Mischung. Zumindest keinen, den ich gegenwärtig erkennen konnte. Es wäre töricht gewesen, meine wenigen Vorräte für etwas zu verbrauchen, das ich am Ende vielleicht gar nicht benötigte. Also ließ ich den Gedanken wieder ziehen und wandte mich den nächsten Seiten zu.
So verlor ich mich erneut zwischen den Zeilen des alten Buches. Das Knistern des Feuers begleitete mich, ebenso wie das gelegentliche Rascheln der Seiten, wenn ich eine davon umblätterte. Draußen musste die Welt ihren gewohnten Gang genommen haben, doch ich schenkte ihr keine Beachtung. Erst als sich nach einer Weile ein ziehender Schmerz in meinem Nacken bemerkbar machte, hob ich den Kopf und streckte ihn vorsichtig. Ich hatte wohl zu lange in derselben Haltung gesessen. Mit einem leisen Atemzug rieb ich mir den Nacken und sah zum Fenster hinüber. Erst da bemerkte ich, wie spät es geworden war. Das Licht, das noch vor einiger Zeit durch das Fenster gefallen war, hatte sich vollkommen verändert. Die Sonne war längst hinter den Bäumen verschwunden, und über dem Wald hatte sich die Dämmerung gelegt. Nur die letzten schwachen Spuren des Tageslichts lagen noch zwischen den dunklen Baumstämmen, ehe auch sie allmählich von der Nacht verschlungen wurden. Wie lange hatte ich gelesen? Ich vermochte es nicht zu sagen. Die Zeit hatte sich mir gänzlich entzogen. Mein Blick wanderte beinahe von selbst zu Leonard hinüber. Der Jäger lag noch immer in seinem Bett und hatte sich seit meinem letzten Blick kaum bewegt. Seine Augen waren geschlossen, und an seinem ruhigen Atem erkannte ich, dass er eingeschlafen war. Für einen Moment betrachtete ich ihn schweigend. Es war vermutlich das Beste. Sein Körper brauchte die Ruhe mehr als alles andere, und auch wenn ich nicht wusste, ob seine Gedanken ebenso rastlos waren wie meine, so schien der Schlaf ihn zumindest für eine Weile von allem fernzuhalten. Ich hatte nicht vor, ihn zu wecken.
Vorsichtig schloss ich das Kräuterbuch und legte es zurück auf das Regal, wobei ich darauf achtete, keinen unnötigen Lärm zu machen. Danach wandte ich mich dem Tisch zu. Es war inzwischen Zeit, mich um das Abendessen zu kümmern. Ich nahm die Zutaten zur Hand, die ich noch besaß, und begann, sie mit ruhigen Bewegungen zu schneiden. Das Messer glitt über das Holz, während ich darauf bedacht war, nicht mehr Lärm zu machen, als nötig war. Leonard mochte tief schlafen, doch ich wollte sein wenig erholsames Ruhen nicht durch unnötiges Klappern stören. Die Stücke fielen nach und nach auf das Brett, ehe ich sie beiseitelegte. Anschließend nahm ich den Eimer und füllte den Kessel mit dem Wasser, das mir noch zur Verfügung stand. Morgen würde ich neues holen müssen. Der Gedanke daran ließ meinen Blick für einen Augenblick zum Eimer wandern. Das Wasser würde nicht ewig reichen, und mit einem weiteren Menschen unter meinem Dach verbrauchte ich ohnehin mehr als gewöhnlich. Leonard konnte mir dabei gewiss nicht helfen, zumindest noch nicht. Also würde ich den Weg zum Bach selbst antreten müssen. Vielleicht konnte ich die Gelegenheit zugleich nutzen, um nach einigen der Kräuter Ausschau zu halten, die mir im Buch erneut in den Sinn gekommen waren. Doch das war eine Sorge für den kommenden Tag. Für den Augenblick stellte ich den Kessel über das Feuer und begann, das Essen langsam zu kochen.
Der aufsteigende Dampf erfüllte nach und nach die Hütte und vermischte sich mit dem warmen Geruch des Feuers und den Kräutern, die noch immer von der Decke hingen. Während ich mit dem Löffel vorsichtig im Kessel rührte, glitt mein Blick erneut zu Leonard. Er schlief noch immer. Vielleicht würde er erst später erwachen, wenn der Geruch des Essens ihn aus seinem Schlaf lockte. Meine Gedanken wanderten jedoch bereits weiter. Nachdem wir gegessen hatten, würde ich seine Verbände erneut kontrollieren müssen. Die Wunden sollten sauber bleiben, und ich wollte nicht riskieren, dass sich etwas darunter entzündete. Es war besser, vorsichtig zu sein, auch wenn ich wusste, dass ihm der Wechsel der Verbände alles andere als angenehm sein würde. Mein Blick blieb einen Moment länger auf dem schlafenden Jäger liegen. „Ihr werdet wohl kaum Freude daran haben“, murmelte ich so leise, dass es eher ein Gedanke als wirkliche Worte waren. Dann wandte ich mich wieder dem Kessel zu und rührte weiter. Draußen hatte die Nacht den Wald nun gänzlich eingenommen, und die Hütte lag nur noch im flackernden Licht des Feuers. Die Schatten bewegten sich über die Wände, während das leise Blubbern des kochenden Wassers die Stille durchbrach. Ich atmete langsam aus und setzte meine Arbeit fort. Der Abend war gekommen, und so würde bald auch eine weitere Nacht beginnen, in der ein Jäger unter meinem Dach schlief und ich darauf achten musste, dass er bis zum nächsten Morgen noch immer atmete. Eine seltsame Wendung für einen Tag, der einst so gewöhnlich begonnen hatte.
So verlor ich mich erneut zwischen den Zeilen des alten Buches. Das Knistern des Feuers begleitete mich, ebenso wie das gelegentliche Rascheln der Seiten, wenn ich eine davon umblätterte. Draußen musste die Welt ihren gewohnten Gang genommen haben, doch ich schenkte ihr keine Beachtung. Erst als sich nach einer Weile ein ziehender Schmerz in meinem Nacken bemerkbar machte, hob ich den Kopf und streckte ihn vorsichtig. Ich hatte wohl zu lange in derselben Haltung gesessen. Mit einem leisen Atemzug rieb ich mir den Nacken und sah zum Fenster hinüber. Erst da bemerkte ich, wie spät es geworden war. Das Licht, das noch vor einiger Zeit durch das Fenster gefallen war, hatte sich vollkommen verändert. Die Sonne war längst hinter den Bäumen verschwunden, und über dem Wald hatte sich die Dämmerung gelegt. Nur die letzten schwachen Spuren des Tageslichts lagen noch zwischen den dunklen Baumstämmen, ehe auch sie allmählich von der Nacht verschlungen wurden. Wie lange hatte ich gelesen? Ich vermochte es nicht zu sagen. Die Zeit hatte sich mir gänzlich entzogen. Mein Blick wanderte beinahe von selbst zu Leonard hinüber. Der Jäger lag noch immer in seinem Bett und hatte sich seit meinem letzten Blick kaum bewegt. Seine Augen waren geschlossen, und an seinem ruhigen Atem erkannte ich, dass er eingeschlafen war. Für einen Moment betrachtete ich ihn schweigend. Es war vermutlich das Beste. Sein Körper brauchte die Ruhe mehr als alles andere, und auch wenn ich nicht wusste, ob seine Gedanken ebenso rastlos waren wie meine, so schien der Schlaf ihn zumindest für eine Weile von allem fernzuhalten. Ich hatte nicht vor, ihn zu wecken.
Vorsichtig schloss ich das Kräuterbuch und legte es zurück auf das Regal, wobei ich darauf achtete, keinen unnötigen Lärm zu machen. Danach wandte ich mich dem Tisch zu. Es war inzwischen Zeit, mich um das Abendessen zu kümmern. Ich nahm die Zutaten zur Hand, die ich noch besaß, und begann, sie mit ruhigen Bewegungen zu schneiden. Das Messer glitt über das Holz, während ich darauf bedacht war, nicht mehr Lärm zu machen, als nötig war. Leonard mochte tief schlafen, doch ich wollte sein wenig erholsames Ruhen nicht durch unnötiges Klappern stören. Die Stücke fielen nach und nach auf das Brett, ehe ich sie beiseitelegte. Anschließend nahm ich den Eimer und füllte den Kessel mit dem Wasser, das mir noch zur Verfügung stand. Morgen würde ich neues holen müssen. Der Gedanke daran ließ meinen Blick für einen Augenblick zum Eimer wandern. Das Wasser würde nicht ewig reichen, und mit einem weiteren Menschen unter meinem Dach verbrauchte ich ohnehin mehr als gewöhnlich. Leonard konnte mir dabei gewiss nicht helfen, zumindest noch nicht. Also würde ich den Weg zum Bach selbst antreten müssen. Vielleicht konnte ich die Gelegenheit zugleich nutzen, um nach einigen der Kräuter Ausschau zu halten, die mir im Buch erneut in den Sinn gekommen waren. Doch das war eine Sorge für den kommenden Tag. Für den Augenblick stellte ich den Kessel über das Feuer und begann, das Essen langsam zu kochen.
Der aufsteigende Dampf erfüllte nach und nach die Hütte und vermischte sich mit dem warmen Geruch des Feuers und den Kräutern, die noch immer von der Decke hingen. Während ich mit dem Löffel vorsichtig im Kessel rührte, glitt mein Blick erneut zu Leonard. Er schlief noch immer. Vielleicht würde er erst später erwachen, wenn der Geruch des Essens ihn aus seinem Schlaf lockte. Meine Gedanken wanderten jedoch bereits weiter. Nachdem wir gegessen hatten, würde ich seine Verbände erneut kontrollieren müssen. Die Wunden sollten sauber bleiben, und ich wollte nicht riskieren, dass sich etwas darunter entzündete. Es war besser, vorsichtig zu sein, auch wenn ich wusste, dass ihm der Wechsel der Verbände alles andere als angenehm sein würde. Mein Blick blieb einen Moment länger auf dem schlafenden Jäger liegen. „Ihr werdet wohl kaum Freude daran haben“, murmelte ich so leise, dass es eher ein Gedanke als wirkliche Worte waren. Dann wandte ich mich wieder dem Kessel zu und rührte weiter. Draußen hatte die Nacht den Wald nun gänzlich eingenommen, und die Hütte lag nur noch im flackernden Licht des Feuers. Die Schatten bewegten sich über die Wände, während das leise Blubbern des kochenden Wassers die Stille durchbrach. Ich atmete langsam aus und setzte meine Arbeit fort. Der Abend war gekommen, und so würde bald auch eine weitere Nacht beginnen, in der ein Jäger unter meinem Dach schlief und ich darauf achten musste, dass er bis zum nächsten Morgen noch immer atmete. Eine seltsame Wendung für einen Tag, der einst so gewöhnlich begonnen hatte.