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A court of Masquerade [Yumi&Royal]
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Sorgfältig richtete Rei das strahlend weiße Jackett mit dem türkisen Farbakzenten und den goldenen Details, eine Farbkombination die in den Jahren zu seinem Markenzeichen geworden waren. Ganz anders, als das typische Rot und Gold der königlichen Familie, dass sein Vater und seine älteren Brüder zu tragen pflegen, ganz abgesehen von seiner einzigen Schwester, die in Rot und Gold zu leben scheint. Als wolle sie damit verdeutlichen, dass sie der Liebling der Krone war, auch wenn sie niemals den Thron würde erben können.
Das war Frauen in diesem Königreich nun einmal nicht gestattet. Und Rei musste es wissen. Wie viele seiner Schwestern, Töchter von Konkubinen die in den Augen seines Vaters noch weniger wert hatten als er, waren wohl durch die Hand ihres eigenen Vaters gestorben? Wie viel Frauen wurden dafür bestraft keine Söhne in die Welt zu setzen?
Rei schüttelte diese dunklen Gedanken ab, bevor er sich über den Spiegel beugte um sein Gesicht genauer zu betrachten. Er griff nach dem Pinsel und fuhr seine Konturen nach, sorgte dafür, dass er wie die männlichste Version seiner selbst aussah... denn wenn nicht, dann würde es als nächstes sein Leben sein, das verwirkt wäre.
Denn auch Rei war als Mädchen geboren worden. Sie wusste noch immer nicht recht, was ihren Vater zu gebracht hatte, ihr ihr Leben zu lassen. Ob es daran lag, dass sie schon älter war, als er von ihrer Existenz erfuhr? Oder war es schlicht und einfach eine seiner Launen gewesen? Zumindest wurde er nicht müde sich auf ihre Kosten zu amüsieren, wenn die Beiden ungestört und unter sich waren. Was zu Reis Glück nicht oft passierte. Alleine mit diesem Mann in einem Raum zu sein, sorgte noch immer für Albträume... ein Albtraum der wohl nur mit ihm enden würde.
Und der heutige Tag markierte einen Meilenstein, ein Schritt näher an dem Ende ihres Vaters. Auch wenn der König selbst seinen fünfzigsten Geburtstag niemals als solchen bezeichnen würde.
Der junge Prinz betrat den Saal, das Bankett zu Ehren seines Vaters in vollem Gange. Adelige und jene aus hoher Geburt – oder der Gunst des Königs – hatten sich in ihre wertvollsten Stoffe geworden, trugen ihren glänzendsten Schmuck oder hatten die hübscheste Begleitung mitgebracht, von denen Rei sich sicher war, dass sie unter anderen Umständen niemals hier herein gelassen werden würde.
Aber ihr Vater scherte sich nicht recht um solche Dinge. Waren die Frauengeschichten des Königs doch allzeit bekannt, wurden gar voller Stolz erzählt, selbst in seinem hohen Alter. Manchmal fragte sich Rei, ob alle Väter so waren. Aber selbst wenn, würde seiner sicherlich der Schlimmste bleiben.
„... oh! Wie ich sehe seid ihr auch ihr, um den Geburtstag eures Vaters zu feiern, Prinz Rei? Wir dachten schon ihr kommt nicht, eure Geschwister sind schon etwas länger hier.“, wurde ihm von einem blonden Adeligen mit einem hinterhältigen Lächeln ein Glas Wein in die Hand gedrückt, was der Prinz jedoch nur mit einem freundlichen Lächeln erwiderte. Idioten wie diese beachtete man lieber nicht weiter.
„Ach, ihr wisst doch, dass ich meinen Geschwistern ungern die Aufmerksamkeit streitig mache, Duke Tarnish. Doch unter uns...“, blickte er sich von einer Seite zur anderen, ehe er sich verschwörerisch hinunter beugte, „... mein Jackett wurde von meinen Bediensteten verlegte und musste erst einmal gefunden werden. Können sie sich das vorstellen?“
Sofort gab der Duke ein Seufzen von sich und schüttelte seinen Kopf.
„Gutes Personal findet man heutzutage wirklich nur selten, nicht wahr? Ich hoffe doch, ihr habt sie anständig bestraft?“
„Aber natürlich doch.“, nickte Rei, wobei er nichts davon getan hatte und sein Jackett war auch nicht verlegt worden. Aber der Duke liebte bekanntlich Klatsch und Tratsch wie diesen.
Ihm fiel ein ihm bekanntes Gesicht auf und er verabschiedete sich von dem Duke mit einem Lächeln, ehe er an dem Wein nippte.
„Junger Lord Galvus, wie ich sehe habt ihr es auch geschafft. Ist euer Vater bei meinem?“, begrüßte Rei seinen Kindheitsfreund mit der selben Höflichkeit, die von jedem in diesem Raum verlangt wurde. Unter vier Augen würde er dies natürlich niemals tun. Dafür kannte sie sich zu lange. Und teilten zu viele Geheimnisse.
Rei blickte hinauf zu der Tür, welche der Ehrengast des Tages sicherlich bald durchschreiten würde, um sein Volk zu grüßen und sich von allen feiern zu lassen. Sie hatte nur ein paar Momente, in welchen sie die Feier überhaupt genießen können würde. Und sie war sich fast sicher, dass seine Schwester ihn auch heute begleiten würde.
„... mh?“, fiel dem Prinzen über die Schulter ein Gesicht auf, dass er bisher noch nie gesehen hatte. Eine wunderschöne, blonde Dame... die etwas an sich hatte, dass Rei gar nicht aufhören konnte, sie anzustarren. Irgendwas... störte sie an ihr.01001000 01100101 01110010 01100101 00100000 01110100 01101111 00100000 01100100 01100101 01110011 01110100 01110010 01101111 01111001 00100000 01110100 01101000 01100101 00100000 01110111 01101111 01110010 01101100 01100100 -
Zedric, welcher sich bis eben noch mit seiner üblichen freundlichen Art mit einem der adligen Gäste unterhalten hatte, blickte auf, als er die ihm so bekannte Stimme hörte.
Seine Mundwinkel zogen sich zu einem höflichen Lächeln, als er seine Aufmerksamkeit auf seinen Kindheitsfreund richtete, doch in seinen Augen glitzerte etwas Vertrautes. Etwas, das vermutlich nur Rei selbst richtig deuten konnte.
"Seid gegrüßt, Eure Hoheit.", grüßte er mit einer passenden Verbeugung. Respektvoll , aber nicht zu tief.
Wenn sie nur unter sich waren, würde Zedric sich niemals vor Rei verbeugen. Höchstens, um seinen besten Freund zu necken, was wahrscheinlich in einer weiteren Rauferei enden würde.
Aber hier? Auf dem fünfzigsten Geburtstags des Königs und unter den wachsamen Augen der nur allzu Tratsch und Klatsch liebenden Adligen? Dort hielt er sich an das formale Protokoll um Ärger zu vermeiden. Vor allem Rei zur Liebe.
"Gewiss. Ihr wisst doch, das mein Vater dem Eurem kaum von der Seite weicht. Vor allem bei einem solch wichtigen Tag wie diesem."
Er nickte, wie als ob er seine eigene Aussage nochmal bestätigen wollte.
Wenn sein eigener Vater nicht der engste Berater, fast schon die rechte Hand des Königs wäre, dann hätte er wohl Rei nie so kennengelernt, wie es jetzt der Fall war.
Schnell bemerkte er die Ablenkung in seinem besten Freund und legte leicht seinen Kopf schief, bevor er seinen Blick folgte und ebenfalls die blonde Frau erblickte.
Fragend zog er seiner Augenbrauen hoch und blickte aus dem Augenwinkel heraus wieder zu Rei. Der junge Lord selbst, hatte die junge Frau noch nie gesehen gehabt. Ob es Rei wohl auch so ging und er deshalb so reagierte?
"Kennst du sie?", fragte er mit gesenkter Stimme, sodass nur Rei ihn hören konnte.
Währenddessen bewegte sich besagte junge Frau - unwissend, dass über sie gesprochen wurde - elegant durch Adlige und Bedienstete. Ihr Kinn war leicht angehoben, aber so, dass es nicht arrogant wirkte. Genauso, wie es ihr von ihrer Meisterin beigebracht wurde.
Seraphines Meisterin - oder wie der Adel sie kannte Baronin Valemont - hatte ihr alles beigebracht was sie wissen musste...
Wie man sich tarnte, wie man sich unter die Menschen mischte und vor allem... wie man jemanden tötete, ohne Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Aber noch wichtiger? Wie sich Seraphine - oder besser gesagt Alaric - als Frau ausgab, um seine wahre Identität zu schützen.
Für einen Moment wanderte der Blick der blonden Frau umher. Nicht zu auffällig für ein ungeübtes Auge, aber dennoch... suchend.
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"Nicht das ich wüsste...", gab der Prinz mit einem Murmeln von sich und konnte kaum seinen Blick von der hübschen Dame abwenden, die sich ihren Weg durch den Raum bahnte.
Er hatte sie noch nie zuvor gesehen, da war er sich sicher. Niemals ein Gesicht zu vergessen war eine wichtige Eigenschaft, um in diesen Kreisen zu überleben.
Dennoch hatte sie etwas... bekanntes an sich, dass er nicht so recht benennen konnte.
Erst als sich die Türen öffneten und eine Fanfare die Ankunft des Königs ankündigte, konnte Rei sich von dem Anblick los reißen. Stattdessen wandte er seine Aufmerksamkeit seinem Vater zu, der mit seinen zahlreichen Titel angekündigt wurde. Eroberer der Sonne. Kriegsgott. Sonnengott. Zerstörer seiner Feinde. Rei war sich sicher, dass jedes Mal wenn er angekündigt wurde ein weiterer Title hinzu kam. Und jene, die seinem Vater nicht mehr gefielen, einfach gestrichen würden.
Kindermörder wäre ebenfalls ein passender Titel., dachte er sich, versteckte diesen Gedanken jedoch hinter einem perfekt aufgesetzten Lächeln.
Trotz seines hohen Alters war ihr Vater noch immer bei bester Gesundheit. Ja, er hatte ein paar graue Haare hier und da, aber seine Augen brannten noch immer mit der Leidenschaft eines Eroberers.
Seine Muskeln strotzen vor Kraft, bereit jeden Moment das goldene Schwert an seiner Hüfte, das nicht nur zur Zierde diente, zu ziehen, wenn es sein musste. Keine Seltenheit.
Die Narbe, die vom Kinn zur Wange verlief, zeichnete ihn als Krieger aus. Er trug noch mehr Narben an den Händen und unter der Kleidung. Rei wünschte, eine davon hätte ihn schon vor langer Zeit zu Grabe getragen.
Natürlich hing an seinem Arm seine Schwester, die einzige Tochter des Tyrannenkönigs, die leben durfte. Zumindest als Tochter.
Und an seiner Seite Zerds Vater, seine rechte Hand. Ein Mann, der Rei ebenfalls nicht geheuer war. Er hatte ihm schon als Kind Angst gemacht... alleine Zed zu liebe hatte er sich stets bemüht.
Der König von Solaris - Narak Solaris - hielt die Hand erhoben, winkte seinem Volk von seiner erhöhten Position, während er sich an die Balustrade stellte.
"Ich danke euch, dass ihr alle gekommen seid, um meinen fünfzigsten Geburtstag mit mir zu feiern! Auf das es noch weitere fünfzig Jahre werden! Immerhin gibt es noch viele Länder zu erobern und einzunehmen.", lachte er herzlich und die Adeligen stimmten ein, als hätte er den besten Witz des Jahrhunderts gemacht.
"Und natürlich einige, die die Ehre haben sich Verbündete nennen zu dürfen.", zwinkerte er in den Raum, als hätte er sich gerade erst an diese erinnert.
"Trinkt! Tanzt! Erfüllt den Saal mit Leben! Ich will keinen langweiligen Geburtstag feiern!", verteilten die Bediensteten wie auf Stichwort Wein und Bier. Auch Rei nahm gezwungenermaßen ein Glas zur Hand.
Erst als der König seinen Kelch in einem Zug leerte und Platz auf seinem Thron nahm, entspannten sich die Gäste wieder ein wenig. Die Gespräche kehrten zurück... und Rei erwischte sich dabei, wie der die blonde Dame wieder in der Menge suchte.01001000 01100101 01110010 01100101 00100000 01110100 01101111 00100000 01100100 01100101 01110011 01110100 01110010 01101111 01111001 00100000 01110100 01101000 01100101 00100000 01110111 01101111 01110010 01101100 01100100 -
Seraphines Augen hafteten auf dem König, als dieser endlich sein Gesicht zeigte. Eine eiskalte Wut stieg in der jungen Frau auf, doch sie zwang sich dazu, ihr Herz schnell wieder zu beruhigen.
Voreilige Handlungen waren unvernünftig und würden sie im schlimmsten Fall auffliegen lassen – und damit ihren Tod bedeuten.
Für einen Moment schloss sie die Augen und nahm einen tiefen Atemzug. Die Gesichter ihrer Eltern und ihres kleinen Bruders blitzten in ihren Erinnerungen auf und ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen.
Heute würde der Tyrannenkönig dafür bezahlen. Für alles.
Als sie ihre Augen wieder öffnete, war ihr höfliches und charmantes, aber dennoch sachtes Lächeln zurück auf ihren Lippen. Sie akzeptierte ein Glas Wein von einem der Bediensteten, dennoch trank sie nicht davon.
Sie hatte in ihrem ganzen Leben noch nie einen Schluck Alkohol getrunken - und auch heute konnte sie es sich nicht erlauben. Sie musste einen klaren Kopf befahren, denn nur heute hatte sie die Chance, endlich ihre Rache zu bekommen. Sie musste nur nah genug an den König heran und möglichst... alleine mit ihm sein.
Währenddessen blieb die einzige - zumindest die einzig offizielle - Tochter des Königs, dicht an der Seite ihres Vaters. Ihr Blick wanderte über die Menschenmasse. Ihr perfektes - falsches - Lächeln war wie immer, stets auf ihren Lippen.
Doch als sie ihren Bruder - genau diesen Bruder - erblickte, verzogen sich ihre Lippen kaum merklich und auch ihre Augenbrauen zogen sich vor Unfreude leicht zusammen.
Ihr Unmut wurde nur noch größer, als sie sah, wer nehmen ihm stand - Zedric. Ihr Zedric. Der Zedric, der schon lange ihr sein sollte, doch nie länger in ihre Richtung blickte. Der ihr noch nicht den Hof gemacht hatte!
"Ich will tanzen, Vater!", klagte sie mit zuckersüßen Stimme und stampfte leicht mit ihrem Fuß auf. In großer Erwartung, dass ihr Vater ihre Gedanken lesen und sich sofort um ihre Bedürfnisse kümmern würde.
Der königliche Berater - Lord Edward van Galvus - trug ein wissendes Lächeln auf seinen Lippen, als er dem Blick der Prinzessin zu seinem eigenen Sohn folgte.
Doch dieses versteinerte sich, als er diesen wieder bei dem jungen Prinzen Rei sah. Warum konnte sein Sohn seine Zeit nicht mit dem direkten Thronerben verbringen? In seiner zukünftigen Position waren andere Beziehungen doch nichts weiter als Zeitverschwendung.
Er unterdrückte ein Seufzen und entschloss sich die Angelegenheit für den Moment zu ignorieren, bevor er sich zu dem König hinunter beugte und ihm ins Ohr flüsterte: "Prinzessin Amélie schein heute wohl sehr munter zu sein, Eure Majestät."
Zedric hatte derweil Reis Reaktion schweigend beobachtet, als der König - der Ehrengast dieses Festes - zusammen mit seinem eigenen Vater, endlich auf den Feierlichkeiten erschien.
In einer unauffälligen Bewegung, strichen seine Fingerspitzen für einen kurzen Moment über den Handrücken des Prinzen. Eine stumme Message, die sich alleine an seinen besten Freund richtete: "Du bist nicht allein."
Die blonde fremde Dame hatte er bereits schon längst wieder vergessen.
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