The Seaborn [Royal&Yumi]
-
-
Als Naeris noch ein kleiner Guppy war, mochte er nichts lieber als mit seinem Bruder hinaus in das Meer zu schwimmen und alles mit seinen kleinen Händen und großen Augen zu erkunden.
Raus aus der überfüllten Stadt mit viel zu vielen Leuten um sie herum, die immer irgendetwas wollten.
Hier konnten sie so schnell schwimmen wie sie wollten, fangen in den Algen spielen und Muscheln sammeln.
Für einen Moment wurde die junge Sirene von einem funkelnden Fisch abgelenkt und schwamm diesem sogar ein paar Meter hinterher, als er plötzlich seinen Bruder schreien hörte.01001000 01100101 01110010 01100101 00100000 01110100 01101111 00100000 01100100 01100101 01110011 01110100 01110010 01101111 01111001 00100000 01110100 01101000 01100101 00100000 01110111 01101111 01110010 01101100 01100100 -
Im einen Moment betrachtete Nereis noch eine schimmernde Perle in seinen Händen... im nächsten wurde sein Körper plötzlich von einem Fischernetz umschlungen.
Er hatte das Fischernetz nicht bemerkt... genauso wenig wie das Schiff, das an der Wasseroberfläche aufragte. Ein Piratenschiff, um genau zu sein.
Ein angsterfüllter Schrei entwich der jungen Sirene. Verzweifelt schlug er mit seiner Schwanzflosse, zerrte mit beiden Händen an dem Netz... doch ganz gleich, was er auch versuchte... er verfing sich nur immer tiefer darin.
Seine panischen Augen hasteten umher, suchten verzweifelt nach seinem Bruder, bis er ihn schließlich fand.
„N-Naeris!“, war das Einzige, das seinen Lippen in seiner Panik entwich.
Und zu seinem absoluten Entsetzen wurde das Fischernetz langsam zur Wasseroberfläche gezogen...
-
Die Panik in der Stimme seines Bruders ließ Naeris sofort umdrehen und zu seinem Entsetzen sah er seinen Bruder von etwas umschlungen, was er nicht so recht benennen konnte. Er konnte nicht mal sagen, ob es lebte oder nicht.
Mindestens genauso panisch wie sein Bruder schwamm er zu seinem Bruder und versuchte genau wie er an dem Netz zu ziehen, um es irgendwie zu entfernen, doch egal wie sehr er zerrte oder zog, das Netz blieb.
"Keine Sorge, ich hole doch da raus, Nereis!", versprach er, doch gerade als er auf den Meeresboden blickte, in der Hoffnung eine scharfe Muschel zu erspähen, bewegte sich das Netz mit einem Mal.
Zunächst langsam und dann immer schneller bewegte es sich hinauf zur Oberfläche. Mit Nereis darin. Sein Herz schlug schneller als er versuchte sich etwas einfallen zu lassen.
Er könnte nach einer Muschel suchen, aber was, wenn er nicht schnell genug war? Wenn was auch immer da seinen Bruder gepackt hatte, ihn nach oben zog und er nicht da war?
Also fasste die junge Sirene einen Entschluss und knallt sich an den Seilen fest.
"Keine Sorge, Nereis. Ich lass dich nicht alleine."01001000 01100101 01110010 01100101 00100000 01110100 01101111 00100000 01100100 01100101 01110011 01110100 01110010 01101111 01111001 00100000 01110100 01101000 01100101 00100000 01110111 01101111 01110010 01101100 01100100 -
Angst und Panik stiegen in Nereis auf. Egal, was er und sein Bruder auch versuchten... er konnte sich einfach nicht befreien.
Sein Herz schlug ihm so heftig gegen die Brust, dass er befürchtete, sich jeden Moment übergeben zu müssen.
„Naeris, ich habe Angst!“, wimmerte er, während ihm bereits die ersten Tränen über die Wangen liefen.
Unaufhörlich und gnadenlos bewegte sich das Fischernetz weiter in Richtung Wasseroberfläche.
Als sein Bruder sich an das Netz klammerte, wollte Nereis protestieren, ihm sagen, dass er fliehen und Hilfe holen sollte. Doch tief in seinem Herzen war er dankbar, dass sein Zwilling ihn nicht allein ließ.
Schließlich durchbrach das Netz die Wasseroberfläche und wurde an Bord eines riesigen Piratenschiffes gezogen. Mit einem dumpfen Aufprall landeten die Zwillinge auf dem Deck.
Sofort wurden sie von einer Flut unbekannter Gerüche überrumpelt: verschiedene Gewürze, Alkohol und Schweiß.
Nun drehte sich Nereis der Magen erst recht um. Doch das war vermutlich noch ihr kleinstes Problem.
Denn als wäre ihre Lage nicht schon schlimm genug, wurden die Zwillinge bereits von mehreren unbekannten Wesen umringt.
Was waren das nur für seltsame Flossen? Wo waren ihre Kiemen? Und warum hatten sie keine Schuppen?
Langsam trat eines der unbekannten Wesen vor und legte mit einem dunklen Glitzern in den Augen den Kopf schief.
Diese Geste... das Böse in seinen Augen .. erinnerte die junge Sirene an einen Hai, der kurz davor war, seine Beute anzugreifen und zu verschlingen.
"My, my, my.... was haben wir denn da?", fragte es und ehe Nereis sich versah, wurde sein Bruder von dem Wesen gepackt und näher an sich herangezogen.
-
"Keine... Angst, Nereis... wir schaffen das schon!", versuchte Naeris seinem Bruder Mut zu machen, auch wenn ihm selber die Tränen in den Augen standen. Aber er weigerte sich strickten anzufangen zu weinen, auch wenn er selber große Angst hatte. Er war noch nie über der Wasseroberfläche. Und alle Erwachsenen erzählen immer Geschichten davon, was für Ungeheuer da oben lebte. Aber er versuchte nicht daran zu denken. Nicht jetzt.
"Nein! Los lassen! Los lassen!", beschwerte sich die junge Sirene sofort, als er gepackt wurde. Er weigerte sich das Netz los zu lassen, hielt weiterhin mit einer Hand daran fest, während er versuchte sich aus dem Griff des Wesens zu befreien. Naeris war sich sicher, dass das ein Monster sein musste, auch wenn sich der obere Teil seines Körpers nicht allzu sehr von seinem eigen Volk unterschied. Aber es hatte keine Flossen! Eindeutig ein Oberflächen Monster!
Ob sie jetzt gefressen werden?
Mit diesem Gedanken und Tränen in den Augen schlug er dem Monster mit der Flosse ins Gesicht.01001000 01100101 01110010 01100101 00100000 01110100 01101111 00100000 01100100 01100101 01110011 01110100 01110010 01101111 01111001 00100000 01110100 01101000 01100101 00100000 01110111 01101111 01110010 01101100 01100100 -
Aber natürlich war das "Oberflächen Monster" um einiges stärker, als eine kleine zierliche Sirene, die eindeutig noch ein Kind war.
Ein amüsiertes Lächeln zog sich über die Lippen des Monsters, als es beobachtete, wie sie sich eisern mit einer Hand an das Netz klammerte.
"Zwei kleine Sirenen... was für einen Glückstag wir doch heute haben, nicht wahr?", fragte er, verstärkte seinen Griff um das kleine Wesen und riss es mit einem festen Ruck vom Netz weg.
Nereis zitterte am ganzen Leib. Tränen liefen ihm nun unaufhörlich über die Wangen. Als sein Zwilling vom Netz weggerissen wurde, schrie er entsetzt auf. "Nein, Naeris!", wimmerte er und versuchte sich ein weiteres Mal aus dem Netz zu befreien.
Seine Schwanzflosse zappelte nutzlos und seine Hände zitterten zu stark, als sie am Netz zogen.
-
"Nein... Nein... los lassen...", wimmerte Naeris ganz entsetzlich und obwohl er sich fest vorgenommen hatte keine Tränen zu vergießen, konnte er nicht anders als laut los zu weinen. Er hatte Angst! Und das Monster zerrte ihn auch noch von seinem Bruder weg! Was, wenn er jetzt gefressen wird? Er hörte gar nicht mehr auf zu weinen.
"Was ist das denn hier für ein Radau?", beschwerte sich ein weiteres dieser Monster und tauchte durch eine Tür auf, fuhr sich genervt durchs Haar während er dem Tumult näher kam... nur damit sogleich jegliche Müdigkeit und schlechte Laune aus seinem Gesicht wich, als er den Grund für den ganzen Lärm erblickte.
Man könnte schwören seine Augen leuchteten auf wie Goldmünzen.
"Das glaub ich ja nicht... Isaac, sei nicht so grob mit der Ware! Hast du eine Ahnung wie viel sie wert ist?!", gefiel ihm der feste Griff um den Arm der jungen Sirene ganz und gar nicht.
Als er näher trat, bemerkte er etwas, dass ihn noch milder stimmte: eine weitere Sirene im Netz.
"Wie, ihr habt zwei gefangen? Habt ihr eine Ahnung, was das bedeutet? Keine Geldsorgen für Monate! Nein, womöglich sogar Jahre!", begab er sich in die Hocke neben der Sirene im Netz und betrachtete ihn ganz genau, wie man ein Produkt prüfen würde.
"Sieht gesund aus...", murmelte das Oberflächen Monster und strich einen Finger über die Schuppen der Schwanzflosse.01001000 01100101 01110010 01100101 00100000 01110100 01101111 00100000 01100100 01100101 01110011 01110100 01110010 01101111 01111001 00100000 01110100 01101000 01100101 00100000 01110111 01101111 01110010 01101100 01100100 -
"Seemannsglück.", entgegnete Isaac in einem trockenen Ton, als auch Richard sich endlich aufs Deck bewegte.
Sein Griff um den Arm der Sirene lockerte sich nicht und er konnte nicht anders, als leicht seine Augen zu verdrehen, als er die Worte seines Geschäftspartners hörte.
"Das sind Sirenen, Richard. Und keine Porzellanpuppen."
Er schüttelte leicht seinen Kopf und seine Aufmerksamkeit wanderte wieder auf die kleine Sirene, die sich noch immer in seinem Griff befand. "Oh, du kannst ja sprechen...", er grinste leicht. "Dann verrate mir doch mal deinen Namen, hm?"
Er empfand kein Mitleid - warum sollte er auch? Am Ende des Tages waren Sirenen auch nichts weiter als wilde Bestien. Raubtiere.
Und wie um seinen Gedanken zu bestätigen...
Nereis Herz raste, als er nur hilflos mit ansehen konnte, wie sein Bruder von ihm weggezogen wurden. Das durfte nicht passieren. Er durfte nicht von seinem Zwillingsbruder getrennt werden!
Und dann, als das andere Monster mit seinem Finger über die Schuppen seiner Schwanzflosse strich... gingen seine Instinkte mit ihm durch.
Seine Pupillen verengten sich zu schlitzen, seine Klauen wurden etwas länger und... dann schnellte er schließlich mit einen lauten Fauchen vor und rammte seine spitzen Reißzähne in den Finger des Monsters. So fest, dass er Blut auf der Zunge schmeckte.
-
"Ah! Verdammt, blödes Vieh! Nimm gefälligst deine Zähne von meinem Finger!", zögerte Richard keine Sekunde der Sirene mit der Faust gegen den Kopf zu schlagen. Wertvolle Ware hin oder her, er wird ganz sicher nicht seinen Finger deswegen verlieren!
Naeris dagegen weinte bitterlich weiter, er schrie geradezu in der Hoffnung man würde ihn dann früher oder später in Ruhe lassen. Dann roch er das Blut und blickte zu seinem Bruder... schniefte kurz, während er versuchte wieder Mut zu fassen, bevor er dem Monster direkt in den Arm biss.01001000 01100101 01110010 01100101 00100000 01110100 01101111 00100000 01100100 01100101 01110011 01110100 01110010 01101111 01111001 00100000 01110100 01101000 01100101 00100000 01110111 01101111 01110010 01101100 01100100 -
Isaac zuckte nicht einmal mit der Wimper, als die Sirene ihm in den Arm biss.
Ganz im Gegenteil.
Fast schon beeindruckt legte er seinen Kopf schief und ein weiteres Grinsen legte sich auf seine Lippen.
"My, my... was für scharfe Zähnchen du doch hast, meine kleine Sirene... versucht du mir weh zu tun?", fragte er und hob langsam seine Hand.
Doch anstatt zuzuschlagen, fuhrt er mit seiner Hand langsam durch das Haar der Sirene.
"Na komm... lass lieber freiwillig los. Oder muss ich dich zwingen, hm?"
Nereis keuchte, die Faust des Monsters seinen Kopf traf. Er sackte zusammen, während ihn stumme Tränen über die Wangen liefen und sich alles drehte.
"Naeris...", wimmerte er in den Gedanken seines Zwillingsbruders.
-
Neu
Naeris weitete die Augen und zitterte, als er die Hand des Monsters in seinem Haar spürte. Es tat nicht weh. Es war fast schon sanft... was der jungen Sirene nur noch mehr Angst machte.
Er hatte ihm doch weh getan. Wieso grinste es so? Wieso reagierte es nicht? Das muss doch weh tun! ... oder?
Er zuckte zusammen, als er die Stimme seines Bruders hörte und blickte hinüber zu Nereis und erst jetzt zog er langsam seine Zähne aus dem Arm des Monsters.
Es machte ihm noch mehr Angst, dass sie Nereis etwas antun könnten.
"Nicht... nicht weh tun. Nereis nicht weh tun...", schniefte der Junge und musste sich zusammen reißen nicht wieder in Tränen auszubrechen.
"Geht doch.", schnaufte Richard dagegen und schüttelte seine Hand aus. Er fluchte bei dem Anblick des Blutes.
"Will mir den keiner einen Verband holen?!", was für Idioten, dachte er sich nur, als ob das nicht selbstverständlich wäre. Hallo? Er blutete, verdammt nochmal!
"Du solltest lieber lernen dich zu benehmen, Kleiner. Andere sind nicht so nett wie ich."01001000 01100101 01110010 01100101 00100000 01110100 01101111 00100000 01100100 01100101 01110011 01110100 01110010 01101111 01111001 00100000 01110100 01101000 01100101 00100000 01110111 01101111 01110010 01101100 01100100 -
Neu
Das Grinsen auf den Lippen des Monsters wurde noch ein wenig breiter, als er die leise eingeschüchterte Stimme der Sirene hörte.
"Ah... da bist du ja.", er legte seinen Kopf erneut schief. "Sogar volle Sätze kannst du sprechen, my my... was für ein schlaues kleines Ding du doch bist."
Er löste seinen Blick, behielt jedoch seine Hand im Haar des jungen, sollte dieser etwas Dummes versuchen.
Seine Augen trafen auf Richard und er schnalzte missbilligend mit seiner Zunge, als realisierte, was dieser gerade getan hat.
"Wie war das eben noch? Sei nicht so grob mit der Ware! Hast du eine Ahnung wie viel sie wert ist?!", äffte er seinen Geschäftspartner an und schüttelte seinen Kopf.
"Eine ziemliche Doppelmoral, die du an den Tag legst. Aber scheinbar ziehst du das magisch an. Erst Pabu und jetzt eine kleine Sirene... du musst irgendwas an dir haben, das solche Wesen nicht mögen."
Nereis blieb währenddessen einfach auf dem harten Boden des Deckes liegen. Sein Kopf drehte sich und noch immer liefen ihm Tränen über die Wangen. Das war alles seine Schuld. Nur weil er nicht aufgepasst hatte, war sein Bruder und er selbst in Gefahr.
Langsam wanderten seine Augen wieder zu dem Monster, welchen noch immer über ihm stand. Wenn er doch nur schon größer wäre... wenn er doch nur schon...
Er biss auf seine zittrige Unterlippe. Er hatte keine Wahl, er musste es versuchen. Und somit öffnete er seinen Mund um zu singen...
-
Ähnliche Themen