Stubenkater wider Willen (Nim & Kiba)

    • Gemeinsam setzten wir uns In die Sitzecke mit gemütlichen Sofas und Sesseln. In der Mitte stand ein Tisch, auf dem jetzt gerade das Tablet lag, welches sich Harris da hingelegt hatte. Ich schlug mein Bein über das andere und verschränkte skeptisch meine Arme. Ich war mir immer noch nicht so sicher, was das Ganze hier sollte. Und nach wie vor fand ich, dass sie nicht die Richtige für diesen Job war. Aber das konnte ich jetzt wohl vergessen, dass ich noch aufsteigen konnte. Bennet schien ja begeistert von ihr zu sein. Und so wie Jamie und Miles aussahen, waren es die beiden ebenfalls.
      Nach einer erneuten Vorstellung, die ich persönlich völlig überflüssig fand, erklärte Harris, dass sie sich auch die anderem Projekte angesehen hatte. Ja ok. Auf dem neusten Stand sein und woran wir alle arbeiten sollte man schon wissen. Sie lobte die Projekte. Ja was dachte sie denn? Dass hier nur Schwachmaten arbeiteten? Klar waren wir gut. Schließlich verstanden alle ihren Job. Das Team ist zwar klein, aber trotzdem waren wir gefragt. Da könnte man fast überlegen, noch jemanden einzustellen. Würde ich persönlich ja so machen. Sie redete weiter und teilte uns ihre Vorstellungen vom zukünftigen Arbeiten mit. Ich dachte, ich hör nicht richtig. Was sollen wir?
      "Nur damit ich das jetzt richtig verstehe: Unsere Projekte sind von jedem Einzelnen hier von hervorragender Leistung und nun sollen wir ins Handwerk pfuschen und dem anderen erklären, wie sie ihren Job machen sollen? Jamies Projekt ist super und man erkennt in allem ihre Handschrift. Sie hat ja nicht umsonst die Kleidungsabteilung abbekommen. Miles ist perfekt darin, Nahrungsmittel in Szene zu setzen, weil er auch selbst gern isst. Jeder hat hier sein Thema und wenn wir da reingrabbeln, ist es nicht mehr ihre Handschrift. Und wenn jemand Fragen zur Meinung hat, wissen alle, dass wir zueinander gehen können, um Antworten zu bekommen. Ist ja nicht so, dass wir nicht miteinander reden. Und mein Büro würde ich dann auch gerne behalten. Ich brauche meine Ruhe dabei und kann das lästige Geknister irgendwelcher Süßigkeiten, die die beiden konsumieren nicht ab."
      Okay, vielleicht war das etwas zu aufbrausend. Aber das war meine Meinung dazu und wenn sie nicht einen triftigen Grund hat, mich vom Gegenteil zu überzeugen, bleib ich gern dabei. Jedoch schien das Jamie nicht so zu gefallen.
      Plötzlich spürte ich nur noch ein Ziehen an meinem Ohr.
      "Wie wärs, wenn du mal wieder ein bisschen runter kommst, Jack? Tut mir leid, Miss Harris. Mister Winston hier sagt meist das, was er denkt und merkt nicht, dass er dadurch gerne mal aneckt. Bis jetzt haben wir das aber immer irgendwie in den Griff gekriegt.", entschuldigte sich Jamie an meiner Stelle, während ich immer noch damit beschäftigt war, mein Ohr von ihrem Griff zu lösen.
      "Du darfst mich jetzt trotzdem loslassen Jamie!"
    • Ich unterdrückte ein amüsiertes Schmunzeln, als Jamie Jacks Ohr schließlich freigab und er sich mit hochgezogener Augenbraue die gerötete Stelle rieb. Ich ließ ihn ausreden, ohne ihn zu unterbrechen. Sein Ton war deutlich schärfer geworden, als es für eine sachliche Diskussion nötig gewesen wäre, aber zumindest wusste ich jetzt, woran ich war. Und ehrlich gesagt war mir ein offener Einwand lieber als jemand, der nickte und später hinter meinem Rücken darüber schimpfte. Sollte sich dieser Kerl nur versuchen ...ich war es gewöhnt, mit einer Vierjährigen zu argumentieren, also war dies absolut nichts, was mich aus der Ruhe bringen konnte. Wer jeden Abend Verhandlungen über das Zähneputzen, die richtige Pyjamafarbe und eine extra Gute-Nacht-Geschichte führte, empfand einen bockigen Senior Designer bestenfalls als amüsante Abwechslung. "Nun, Jack, wenn das Ihre größte Sorge ist, können wir uns glücklich schätzen." Ich legte eine Hand locker auf die Tischkante und lächelte freundlich. "Nein, ich möchte Ihnen nicht ins Handwerk pfuschen. Ich möchte nur verhindern, dass gute Ideen ausschließlich deshalb nicht besser werden, weil niemand den Mut hat, sie zu hinterfragen." Ich ließ meinen Blick kurz über die Runde schweifen, ehe er wieder auf dem Tablet in der Mitte des Tisches landete. "Ihre Handschrift bleibt Ihre. Das ist sogar ziemlich wichtig. Ich möchte keine Agentur, in der am Ende alles aussieht, als wäre es von derselben Person gemacht worden. Meine Aufgabe ist es lediglich, dafür zu sorgen, dass Ihre Arbeit auch ihr volles Potenzial entfaltet und gesehen wird." Ich sah Jack wieder direkt an. "Was ich möchte, ist ein Team, das sich gegenseitig herausfordert. Nicht, indem jeder dem anderen erklärt, wie er seinen Job zu machen hat, sondern indem wir unterschiedliche Perspektiven zulassen." Ich musste leicht lächeln, als mein Blick kurz zu Jamie wandert, die sich ein leises Grinsen kaum verkneifen konnte. "Und falls Sie mir gerade unfreiwillig beweisen wollten, dass dieses Team durchaus in der Lage ist, sich gegenseitig die Meinung zu sagen: Hervorragend. Dann müssen wir daran offenbar gar nicht mehr so viel arbeiten." Ich lehnte mich entspannt zurück. "Und Ihr Büro bleibt selbstverständlich Ihr Büro. Ich möchte schließlich nicht riskieren, dass Sie wegen ein paar Bonbonpapieren gleich zur Konkurrenz wechseln." Ich hob leicht eine Augenbraue. "Allerdings würde ich mich freuen, wenn Sie Ihre Skepsis genauso offen in unsere Projekte einbringen würden wie gerade eben. Solange sie konstruktiv bleibt, kann ich damit sehr gut leben." Mein Blick blieb einen Moment ruhig und absolut gelassen auf ihm liegen. "Ich habe schließlich nicht vor, Ihnen Ihre Arbeit wegzunehmen. Ich möchte sehen, was wir alle gemeinsam daraus machen können."
    • Sie blieb ruhig. Zu ruhig für meinen Geschmack. Und sie blieb sachlich. Ich hasste sie wirklich. Wenn sie nur nicht so ne süße Nichte Zuhause hätte. Tse. Herrausfordern. Als ob der Job nicht manchmal herausfordernd genug war. Warum sollte ich meine Kollegen kritisieren? Leise hörte ich Miles hinter vorgehaltener Hand kichern. Der bekam definitiv noch was zu hören. Ich verschränkte die Arme und verdrehte die Augen. So ein Quatsch.
      "Ich verstehe nicht, was das soll. Ich finde die Arbeit von Jamie und auch Miles gut so, wie sie ist. Ich mag die Farben, die sie gewählt haben und würde da auch nichts dran ändern.", erklärte ich dann und bekam einen dankenden Blick von den beiden. Wahrscheinlich aber nur wegen des Lobs. Denn die beiden mochten die Harris scheinbar, so wie sie sich gaben. Aber von denen wurde der Job auch nicht vor der Nase stibitzt.
      "Und sicherlich riskieren Sie nicht meine Anwesenheit durch Bonbonpapier. Sondern eher durch Aufgaben, die unnötig sind. Daher würde ich jetzt gerne wieder an meine Arbeit gehen.", antwortete ich noch und stand auf. Mir wurde es echt zu bunt. Was hat sich Bennet eigentlich bei ihr gedacht? Der Laden lief hervorragend auch ohne sie. Murrend verließ ich den Raum.

      "Sie müssen Jack entschuldigen, Miss Harris. Eigentlich ist er ein lieber sonniger Mensch. Normalerweise arbeitet er immer gut mit und wir können uns immer auf ihn verlassen. Tatsächlich hat er uns schon öfter mal geholfen und auch mein Projekt ist nur so gut, weil er Tips gegeben hat, als ich ihn gefragt habe. Ich hoffe, sie nehmen ihm sein Verhalten nicht übel. Auch wenn das höchst unprofessionell war. Dafür darf man ihn gerne schelten.", sagte Jamie erklärend. Ihr war das wirklich unangenehm. Denn das Verhalten konnte sie sich auch nicht ganz erklären. Der Job konnte doch nicht das Einzige sein.