Cain schnaubte leise durch die Nase.
Natürlich. Sie war kaum wieder auf den Beinen und diskutierte bereits erneut mit ihm darüber, dass sie ihn jederzeit wieder beschützen würde. Als wäre das eine völlig normale Aussage.
Seine roten Augen hoben sich kurz von den Unterlagen in seiner Hand und musterten sie einen Moment schweigend.
Sie meinte jedes einzelne Wort ernst.
Das war vermutlich das Verstörendste an der ganzen Sache.
Die meisten Wesen, denen Cain in seinem Leben begegnet war, wollten etwas. Macht. Geld. Schutz. Einfluss. Einen Gefallen. Einen Vertrag. Irgendetwas.
Luna hingegen schien vollkommen unfähig zu sein, ihren eigenen Selbsterhaltungstrieb über den Haufen zu werfen, wenn es darum ging, jemanden zu beschützen.
Selbst ihn. Besonders ihn.
Ein Gedanke, der ihm immer noch absurd vorkam.
Mit einem leisen Seufzen legte er die Akte auf den Tisch und lehnte sich dagegen.
„Täubchen“, murmelte er schließlich mehr zu sich selbst als zu ihr, „du bist wirklich miserabel darin, vernünftige Entscheidungen zu treffen.“
Seine Finger trommelten nachdenklich gegen die Tischkante.
Die Frage, was er machen würde…?
Ehrlich gesagt hatte er darauf selbst keine besonders gute Antwort.
Früher wäre sie einfach gewesen.
Jemand bedrohte etwas, das ihm gehörte.
Cain beseitigte die Bedrohung.
Fertig!
Doch mittlerweile hatte die ganze Angelegenheit längst aufgehört, so einfach zu sein.
Sein Blick wanderte unwillkürlich zu ihr.
Sie wirkte immer noch erschöpft, blass und zerbrechlich.
Und trotzdem hatte sie vor nicht einmal einem Tag einen Erzengel zusammengestaucht, als wäre dieser lediglich eine lästige Fliege.
Widersprüchliches kleines Ding.
Mit einem genervten Laut fuhr er sich durchs Haar.
Die eigentliche Frage war ohnehin nicht, was er machen würde.
Sondern warum er überhaupt darüber nachdachte.
Vor wenigen Tagen hatte dieser Engel noch versucht, ihn umzubringen.
Jetzt stand er hier und organisierte Kleidung für sie, ließ Nachforschungen zu ihrer Vergangenheit anstellen, war kurz davor, seine eigenen Untergebenen zusammenzuprügeln, wenn sie ihr zu nahe kamen, und überlegte ernsthaft, wie er verhindern konnte, dass sie sich bei der nächsten heldenhaften Dummheit selbst ins Grab beförderte.
Wenn Hyla davon erfuhr, würde sie ihn bis zum Ende aller Zeiten damit aufziehen.
Wahrscheinlich völlig zurecht.
Als Luna nach den Akten fragte, glitt sein Blick automatisch zurück auf den Schreibtisch.
Die Unterlagen lagen dort mittlerweile in mehreren ordentlich sortierten Stapeln.
Einige waren bereits aussortiert, mit Markierungen versehen und ein einzelner Ordner lag noch immer geöffnet dort.
Genau der Ordner, der all das hier überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte.
Seine Lippen verzogen sich leicht.
„Weil es mich nervt.“
Die Antwort kam sofort.
„Ich hasse offene Fragen.“
Er griff nach dem Ordner und blätterte einige Seiten durch.
„Irgendjemand hat vor zehn Jahren Entscheidungen in meinem Namen getroffen. Jemand hat Befehle freigegeben, die ich nicht freigegeben habe. Und irgendjemand geht offenbar davon aus, dass ich zu beschäftigt oder zu dumm bin, das zu bemerken.“
Ein gefährliches Funkeln trat in seine Augen.
Das war der eigentliche Grund, oder zumindest der, der er sich selbst einzureden versuchte.
Jemand hatte ihn benutzt.
Und das war eine der wenigen Dinge, die Cains Stolz deutlich schlechter ertrug als Verrat.
Langsam schloss er die Akte wieder.
„Außerdem“, fügte er nach einem Moment hinzu und warf ihr einen kurzen Seitenblick zu, „schuldest du mir einen Gefallen, wenn ich dir weiterhin helfe.“
Ein trockenes Grinsen erschien auf seinem Gesicht.
„Und ich habe schon einige Ideen, wie ich diesen Gefallen einlösen könnte.“
Natürlich. Sie war kaum wieder auf den Beinen und diskutierte bereits erneut mit ihm darüber, dass sie ihn jederzeit wieder beschützen würde. Als wäre das eine völlig normale Aussage.
Seine roten Augen hoben sich kurz von den Unterlagen in seiner Hand und musterten sie einen Moment schweigend.
Sie meinte jedes einzelne Wort ernst.
Das war vermutlich das Verstörendste an der ganzen Sache.
Die meisten Wesen, denen Cain in seinem Leben begegnet war, wollten etwas. Macht. Geld. Schutz. Einfluss. Einen Gefallen. Einen Vertrag. Irgendetwas.
Luna hingegen schien vollkommen unfähig zu sein, ihren eigenen Selbsterhaltungstrieb über den Haufen zu werfen, wenn es darum ging, jemanden zu beschützen.
Selbst ihn. Besonders ihn.
Ein Gedanke, der ihm immer noch absurd vorkam.
Mit einem leisen Seufzen legte er die Akte auf den Tisch und lehnte sich dagegen.
„Täubchen“, murmelte er schließlich mehr zu sich selbst als zu ihr, „du bist wirklich miserabel darin, vernünftige Entscheidungen zu treffen.“
Seine Finger trommelten nachdenklich gegen die Tischkante.
Die Frage, was er machen würde…?
Ehrlich gesagt hatte er darauf selbst keine besonders gute Antwort.
Früher wäre sie einfach gewesen.
Jemand bedrohte etwas, das ihm gehörte.
Cain beseitigte die Bedrohung.
Fertig!
Doch mittlerweile hatte die ganze Angelegenheit längst aufgehört, so einfach zu sein.
Sein Blick wanderte unwillkürlich zu ihr.
Sie wirkte immer noch erschöpft, blass und zerbrechlich.
Und trotzdem hatte sie vor nicht einmal einem Tag einen Erzengel zusammengestaucht, als wäre dieser lediglich eine lästige Fliege.
Widersprüchliches kleines Ding.
Mit einem genervten Laut fuhr er sich durchs Haar.
Die eigentliche Frage war ohnehin nicht, was er machen würde.
Sondern warum er überhaupt darüber nachdachte.
Vor wenigen Tagen hatte dieser Engel noch versucht, ihn umzubringen.
Jetzt stand er hier und organisierte Kleidung für sie, ließ Nachforschungen zu ihrer Vergangenheit anstellen, war kurz davor, seine eigenen Untergebenen zusammenzuprügeln, wenn sie ihr zu nahe kamen, und überlegte ernsthaft, wie er verhindern konnte, dass sie sich bei der nächsten heldenhaften Dummheit selbst ins Grab beförderte.
Wenn Hyla davon erfuhr, würde sie ihn bis zum Ende aller Zeiten damit aufziehen.
Wahrscheinlich völlig zurecht.
Als Luna nach den Akten fragte, glitt sein Blick automatisch zurück auf den Schreibtisch.
Die Unterlagen lagen dort mittlerweile in mehreren ordentlich sortierten Stapeln.
Einige waren bereits aussortiert, mit Markierungen versehen und ein einzelner Ordner lag noch immer geöffnet dort.
Genau der Ordner, der all das hier überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte.
Seine Lippen verzogen sich leicht.
„Weil es mich nervt.“
Die Antwort kam sofort.
„Ich hasse offene Fragen.“
Er griff nach dem Ordner und blätterte einige Seiten durch.
„Irgendjemand hat vor zehn Jahren Entscheidungen in meinem Namen getroffen. Jemand hat Befehle freigegeben, die ich nicht freigegeben habe. Und irgendjemand geht offenbar davon aus, dass ich zu beschäftigt oder zu dumm bin, das zu bemerken.“
Ein gefährliches Funkeln trat in seine Augen.
Das war der eigentliche Grund, oder zumindest der, der er sich selbst einzureden versuchte.
Jemand hatte ihn benutzt.
Und das war eine der wenigen Dinge, die Cains Stolz deutlich schlechter ertrug als Verrat.
Langsam schloss er die Akte wieder.
„Außerdem“, fügte er nach einem Moment hinzu und warf ihr einen kurzen Seitenblick zu, „schuldest du mir einen Gefallen, wenn ich dir weiterhin helfe.“
Ein trockenes Grinsen erschien auf seinem Gesicht.
„Und ich habe schon einige Ideen, wie ich diesen Gefallen einlösen könnte.“