Fake Hero [Royal & Nao]

    • Fake Hero [Royal & Nao]

      Vorstellung
      @RoyalMilkTea

      River

      Fühlte es sich so an einen Teil von sich selbst zu verlieren? Ein Auge, einen Teil der Seele, ein lebensnotwendiges Stück, ohne dem man bisher nie auskommen musste?
      River sah auf die Erde zu seinen Füßen hinab. Seine Schuhe waren nass und verschmutzt. Der Regen tropfte von seinen Haarspitzen in sein Gesicht, von seiner Nasenspitze auf seine Schuhe, und doch wollte der Schmutz nicht weggewaschen werden. Blut war hartnäckig.
      River nahm einen tiefen Atemzug und zog widerwillig seine Schuhe aus. Eigentlich musste er seine ganze Kleidung vergraben, gemeinsam mit dem warmen, leblosen Körper seines Zwillings. Er hatte noch keine Zeit gehabt, um den Angriff zu verarbeiten. Er war sich auch nicht sicher, ob er das richtige tat. Den Tod seines eigenen Bruders vertuschen? Nein, das war falsch. Den Tod des Auserwählten zu vertuschen widerrum… Ihm fiel noch immer keine bessere Lösung ein, um mit dieser Tatsache umzugehen. Der Angriff hatte sie beide überrascht, sie waren schließlich nur auf dem Weg zur nächsten Taverne gewesen, um zusammen ihren Geburtstag zu feiern und… Abschied zu nehmen. Es hatten nurnoch einige Stunden gefehlt bis zu Gray‘s Aufbruch. Ob der Angriff geplant gewesen war? Dabei hatte man die Identität des Helden geheim gehalten, um so etwas zu vermeiden.
      River zog sich die blut- und schlammverschmierte Weste aus, dann seine Hose, und grub einige Meter weiter im Unterholz ein kleineres Loch. Er war ausdauernd. Einen Menschen zu vergraben war keine leichte Arbeit, aber das Adrenalin half bestimmt. Dass die Dämonen ihn einfach lebendig zurückgelassen hatten, hatte er nur der Tatsache zu verdanken, dass er völlig unbedeutend war. Und dem Mal auf seinem Rücken, das ihn klar von Gray unterschieden hatte.
      River biss die Zähne zusammen und grub schneller. Sobald von seiner Kleidung nichts mehr zu sehen war, machte er sich zielstrebig auf den Weg. Er musste die Klippen wieder hochklettern, die sie hinunter gefallen waren. Die Dämonen hatten sie ein gutes Stück vom Dorf weggetrieben, und River war sich garnicht sicher, ob er sofort zurückfinden würde. Er musste es schaffen, bevor die Sonne aufging. Er wusste, wo die frisch geschmiedete Rüstung seines Bruders war, wo er sein heiliges Schwert aufbewahrte, seine Zaubersprüche, die Tränke, die Kartensammlung. Er musste sich beeilen und verschwinden, bevor irgendjemandem auffiel, dass etwas Seltsames passiert war. Niemand in diesem Dorf würde hinterfragen, dass Gray sich ohne großartigem Abschied auf seine Reise begeben hatte, und River… um es nett zu formulieren, würde es wahrscheinlich kaum jemandem negativ auffallen. Er würde eine Nachricht hinterlassen, dass er seinen Bruder begleitete. Ja… er… musste diese blinde Hoffnung, die man in seinen Zwilling gesteckt hatte, irgendwie aufrechterhalten.

      River kämpfte ein wenig mit seinen Tränen, als er die schwachen Laternenlichter seines Dorfs erkannte, und musste sich zusammenreißen, um nicht entdeckt zu werden, als er sich zurück in sein Haus schlich. Er packte alles ein, das er mit einem Handgriff schnappen konnte, und zögerte nur eine Sekunde, bevor er in der übertrieben prunkvollen Rüstung durch die Tür trat. Er tat doch das Richtige, oder? Wenn sich herumsprach, was Gray passiert war, würde die ganze Welt mehr verlieren als einen Zwillingsbruder. Und es würde seiner Familie schaden. Ein Held, der so einfach bei einem Überfall ermordet wurde? Nein, nicht nur seiner Familie, vor allem der Kirche würde es schaden, und Glauben war zurzeit alles, das der Armee des Dämonenkönigs entgegenstand.
      Er klappte das Visir seines Helms zu und trat wieder hinaus in die Dunkelheit. So nutzlos sein bisheriges Leben auch gewesen war… Jetzt konnte er seinem Dorf helfen. Einen genauen Plan hatte er zwar noch nicht, aber das würde sich bestimmt alles irgendwie ergeben. Es musste hunderte Abenteurer geben, die genauso hart trainiert hatten, wie Gray. River würde einfach… der Route folgen, die sein Bruder geplant hatte, und sich in der Hauptstadt ein paar Leute suchen und bis dahin würde das Schwert hoffentlich seine Heiligkeit zur Schau stellen und ihn nicht sterben lassen.

      Eine ganze Ansammlung an Karten, ein Kompass und eine Taschenuhr waren scheinbar nicht genug, um einen Vollidioten auf den richtigen Weg zu bringen. River gab einen verzweifelten Laut von sich, als er die Karte zum dritten Mal drehte und immernoch nicht sagen konnte, ob er in die richtige Richtung lief. Es war verdammt dunkel und der leichte Nieselregen half auch nicht. Vielleicht war das einfach sein Schicksal. Sein Bruder wurde kaltblütig ermordet und er vergeigte seine einzige Chance, etwas sinnvolles zu tun, indem er sich im Wald verlief und… wahrscheinlich ebenfalls kaltblütig ermordet wurde. Die del Evynwood Methode zu einem frühzeitigen, schmerzvollen Tod.
      „Das kann nicht-“ Das kann nicht wahr sein, wollte er sagen, und vielleicht noch ein paar Flüche anhängen, bevor er von einem seltsamen Laut unterbrochen wurde. Das war definitiv keine Eule. Eulen hörten sich selten nach Kobolden an. Diese ekelhaften Wesen waren die einzigen, die abenteuerlustig genug waren, um selbst ein Fischerdorf zu überfallen, indem nichts zu holen war, und deshalb… kannte River diese giftigen Stimmchen zu gut. Er hob den Kopf und steckte die Karte schnell in seinen Rucksack. Er würde bestimmt nicht so viel Unglück haben, einer Herde Kobolde über den Lauf zu laufen, oder? Ein, zwei würde er mit dem Schwert schon kleinkriegen. Die Anzahl leuchtender Augen um ihn herum ließen seine Hoffnung aber ziemlich schnell schrumpfen. Er zog etwas zittrig sein Schwert.
      „H-hey, ich hab nichts, das sich zu stehlen lohnt, wirklich…“ Sehr heldenhaft. Trotz der Lüge klammerte River sich an seinem Rucksack fest. Er durfte auf keinen Fall diese Karten verlieren. Auch, wenn sie ihm bisher wenig gebracht hatten…
      Es dauerte nur einen Bruchteil einer Sekunde bis die kleinen Viecher sich in Unmengen auf ihn stürzten. River versuchte, sie mit seinen Schwert abzuwehren, aber er konnte kaum etwas sehen, und wurde so lange durch die Gegend gedrängt, bis ihm eine Wurzel zum Verhängnis wurde und er schließlich vom Boden aus gegen die Kobolde ankämpfen musste. Er war nicht sehr erfolgreich, und stieß zwischen ächzenden Geräuschen erst ein lautes „Hey!!“ aus, als er ein Klink hörte und sich ziemlich sicher war, einen Trank leichter zu sein.
      „Was war das?! Komm zurück!“ River streckte verzweifelt einen Arm durch den Haufen Kobolde heraus. Vielleicht wurde er heute noch genauso begraben wie Gray.
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    • Yuan

      Es war mal wieder einer dieser Tage. Wolkenverhangener Himmel, ein elender Nieselregen und das schlimmste von allem: diese ewige Langeweile. Wenn doch wenigstens die Sonne scheinen könnte, dann könnte Yuan darin ein Nickerchen halten und die Wärme des Tages genießen. Oder ein Sturm, an dem er sich erfreuen konnte. Dieser unbedeutende Regen, den er kaum spürte, dagegen war einfach nur nervig. Nicht das er nass wurde, natürlich nicht, er stand über diesen Dingen.
      Es war kein Tag, an dem Yuan erwartet hätte über irgendetwas interessantes zu stolpern. Und doch tat er es.
      Seine Ohren zuckten als er den Tumult zunächst hörte, lauter kleine Stimmchen und darunter... ein Mensch? Wie eigenartig. Diese Wesen verirrten sich doch sonst nie in seinen Wald... wahrlich interessant.
      Mit einem amüsierten Lächeln auf seinen Lippen und gemächlichen Schritten näherte sich der Fuchsgeist dem Tumult.

      "Oh? Was ist denn hier los?", gab er mit einem amüsierten Laut von sich und mit einem einfachen Fingerschnipsen seinerseits brachte er die Meute von Kobolden dazu in ihrem tun inne zu halten, Yuan anzustarren, als wäre gerade ein Monster aus dem Dickicht gekrochten. Sie bewegten sich nicht. Zitterten. Hielten hier und da einen Gegenstand in den Händen, die sie aus Rivers Rucksack geklaut hatten.
      Einer hatte es sogar geschafft dem Weißhaarigen einen seiner Rüstungsschuhe auszuziehen. Eine andere Hand lang sogar an Rivers Schwert, offenbar hatte dieses besonders mutige Kerlchen versucht ihm das Schwert aus der Hand zu ziehen.
      Mit einem neugierigen Blick und gemächlichen Schritten ging er auf den Neuankömmling zu, bedeutete den kleinen Kerlchen mit einem Fächer - den er vor einer Sekunde sicherlich nicht in der Hand gehalten hatte - von dem jungen Mann abzulassen und ihm frei Raum zu geben. Sein Schuh wurde dabei gedrückt, als hätte der Kobold Angst, man würde ihm den auch gleich abnehmen.
      "Mhmm... Du siehst aus als wärst du auf dem Weg zu einer Schlacht...", kommentierte der Fuchsgeist, während er River umrundete. Seine Augen blitzten auf, als er etwas interessantes an seinem Rücken bemerkte. Oh? Welches Geheimnis mag dieser Mensch wohl verbergen?
      Statt es anzusprechen, warf er jedoch einen Blick auf Rivers Angreifer.
      "Nun, diese Schlacht scheinst du zumindest nicht zu gewinnen...", wirkte Yuan fast schon enttäuscht.
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    • River

      Es war alles aus. Er hatte versagt, bevor er überhaupt angefangen hatte. Er hatte nur mehr einen Schuh, nichts zu essen, gleich auch kein Schwert mehr, und-
      River erstarrte ebenso wie die Meute Kobolde, die ihn eindeckte, als auf einmal eine weitere, deutlich ruhigere Stimme zu hören war. Er kannte sich mit Monstern nicht wirklich aus. Aber wenn sie Angst hatten, war etwas in der Nähe, das stärker war.
      Er versuchte durch die Schlitze seines Visiers und die grünen Ärmchen irgendetwas zu erkennen, wurde aber erst erfolgreich, als die Kobolde aich zurück zogen. River setzte sich schnurstracks auf und sah zu seinem Glück noch alle Gegenstände verstreut um ihn herum liegen, und ein langes, weißes Gewand… das einem… Geist gehörte? Rivers Augen wanderten an dem Fremden hoch bis zu den flauschigen Ohren auf seinem Kopf. Und dann wurde er bereits umkreist.
      „D-danke für die Hilfe“, sagte er, sobald er sich einigermaßen sicher war, dass der Fremde ihn nicht angriff. Er stützte sich auf ein Knie und zog sich seinen Schuh wieder an. Er hatte keine Zeit, um Angst zu haben, oder zitternd davonzulaufen wie die Kobolde. Solange der Geist ihn nicht attackierte hatte er einen Moment gewonnen, bestenfalls konnte er ihn nach dem Weg fragen. Seine Überlebenschance konnten kaum mehr sinken, also war er vielleicht etwas zu optimistisch. Aus dem Augenwinkel beobachtete er den Fremden ein wenig, während er den Inhalt seines Rucksacks einsammelte.
      „Ich bin nicht auf dem Weg in eine Schlacht, sondern in die Hauptstadt. Falls du den Weg kennst…“ Vielleicht war er auch zu unverschämt. River richtete sich auf und klappte sein Helmvisier hoch. „Kann ich mich irgendwie für deine Hilfe bedanken?“, fragte er. Er sollte sein Glück nicht ausreizen. Wenn er nicht so verzweifelt wäre, wäre er schon längst über alle Berge. Mit einem Geist wollte er sich wirklich nicht anlegen. Also das Beste aus der Situation machen.
      „Ich hab ein paar Zaubersprüche, für die ich keine Verwendung habe, wenn du Interesse hast, oder… Geld? Ich wäre jedenfalls sehr dankbar für einen Tipp, in welche… Richtung ich gehen muss“ River kramte die Karte wieder aus seinem Rucksack hervor, die er eben beinahe nie wieder gesehen hätte. Er hielt sie dem Geist vor und tippte auf die abgebildete Hauptstadt. „Ich weiß bloß nicht, wo ich gerade bin“, erklärte er. Er warf dem Geist weiterhin kontrollierende Blicke zu, um einschätzen zu können, wie gefährlich diese Situation für ihn gerade wirklich war. Aber wie etwas einschätzen, das er noch nie erlebt hatte?
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    • Yuan

      "... oh?", versteckte der Fuchsgeist sein breitet werdendes Lächeln hinter seinem Fächer, denn noch bevor seine Gegenüber es selber aussprach, wurde ihm bewusst, dass der junge Mann keine Ahnung hatte, wo er war. Er musste ein Kichern unterdrücken, das war wirklich zu lustig. Da verirrte sich mal ein Mensch in seinen Wald, und dann hatte sich dieser wirklich verirrt. Wäre River nicht schon an einer Gruppe Kobolde gescheitert, hätte er fast denken können, dass er hier war um Yuan herauszufordern. Fast.
      "Oh nein, ich habe kein Interesse an deinen Zaubersprüchen... oder deinen Geld.", schüttelte der Weißhaarige den Kopf, was sollte er damit schon anstellen? Zaubersprüche kannte er genug und mit Geld handelten die Monster des Waldes nun wirklich nicht.
      Stattdessen malte er eine kleine Flamme in die Luft, aus welcher sogleich ein kleines, blaues Irrlicht entstand und Yuan folgte dem kleinen Ding, mit einem Nicken erwartend, dass River es ebenso tun würde.
      "Wieso verrätst du mir stattdessen nicht, was du in der Hauptstadt vor hast? Wie heißt du denn?", erkundigte er sich neugierig mit der Hoffnung eine einigermaßen interessante Geschichte zu hören.
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    • River

      Oh. Mehr hatte er aber nicht anzubieten. River überlegte kurz, ob es eher beleidigend rüberkommen würde, wenn er ein Stück Brot herschenkte, nachdem man ihm gerade das Leben gerettet hatte. Aber scheinbar… hatte der Fremde es garnicht auf eine Belohnung abgesehen. Und offensichtlich hatte er auch nichts von dem nötig, was River ihm geben hätte können, wenn er sich so die Magie ansah, die er mit Leichtigkeit erschuf.
      „Ah. Ähh…“ Wirklich? Hatte er vor, River persönlich in der Hauptstadt abzuliefern? Oder war das eine Masche, um ihn tiefer in den Wald zu locken und aufzufressen? River hatte keine Ahnung. Und Narren konnten sich nur auf ihr Glück verlassen.
      Er setzte endlich ein Bein vor das andere und lief dem Irrlicht hinterher, Seite an Seite mit dem Wesen, das die Kobolde mit einer Handbewegung verscheucht hatte. Es konnte heute nurnoch bergauf gehen.
      „Ri… Richtig. Mein Name. Ist Gray“, erklärte er stockend, nachdem ihm fast sein richtiger Name rausgerutscht wäre. Okay, das würde gewöhnungsbedürftig werden. Besonders, wenn ihm jedesmal, wenn er den Namen hörte, das Bild von seinem leblosen Bruder in den Kopf schoss.
      „Gray del Evynwood. Ich bin auf dem Weg, um Abenteurer zu finden, die sich mir anschließen, um den Dämonenkönig zu erledigen“, sagte er mit möglichst starker, selbstsicherer Stimme. Gray hatte dafür 12 Jahre lang trainiert, er würde seine Pläne nicht wie ein Weichei vortragen. „Deshalb gehe ich in die Hauptstadt. Zur Königin“ Klar, oder? Die würde ihm sicher ein paar fähige Leute zur Seite stellen. Als Held der Prophezeiung musste er den ein oder anderen Vorteil haben. Als… gespielter Held der Prophezeiung.
      „Und wer bist du? Die Kobolde scheinen dich ja gekannt zu haben, aber ich bin nicht so bewandert. Tut mir leid“ River schmunzelte. Er musste irgendwie darauf hoffen, dass der Fremde ihn weder fressen noch stehen lassen würde, weil er immernoch nicht wusste, wo er hier war. „Ich komme aus Avelon, das ist ein Fischerdorf im Osten. Ich erwarte nicht, dass dir das etwas sagt. Wir sind dort ziemlich abgeschottet von… allem. Gestern war mein 18. Geburtstag, deshalb musste ich mich heute auf den Weg machen. Um den Dämonenkönig zu erledigen“ Widerholte er sich? Das Licht vor ihm beruhigte ihn zwar etwas, weil er endlich sehen konnte, wo er hin trat, aber die Präsenz neben ihm machte ihn leicht nervös. Er musste dringend üben, sich nicht verunsichern zu lassen.
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    • Yuan

      "Den Dämonenkönig besiegen... Warum willst du ausgerechnet etwas so langweiliges tun?", gab Yuan ein tiefes Seufzen von sich und klang geradezu enttäuscht. 18 Jahre... war das nicht der Moment, wo Menschen erwachsen wurden? Und er wollte sein sowieso schon kurzes Leben mit so etwas verschwenden? Wussten Menschen etwa nicht mehr wie man Spaß hatte?
      "Gray, also... Du kannst mich Yuan nennen. Und keine Sorge, ich habe nicht vor dich aufzufressen.", stellte sich der Fuchsgeist mit einem Lächeln, das wahrscheinlich freundlich wirken sollte, vor, doch das aufblitzen seiner spitzen Zähne hatten wohl einen etwas anderen Effekt.
      Aber wenn er vorgehabt hätte ihn zu essen, dann hätte er das schon längst getan.
      "Außerdem hattest du ja schon mit einer Bande von Kobolden Probleme... sicher, dass du das schaffst? Dieses Dämonenkönige Ding?", klang Yuan nun doch etwas besorgt. Alles nur gespielt. Er wollte nur wissen, warum ausgerechnet Gray dachte, dass er so etwas vollbringen könnte.
      Selbst Yuan - der von Menschen und Monstern gefürchtet wurde, vielleicht sogar von dem ein oder anderen Dämonen, begegnet war er diesen Wesen jedoch noch nicht - glaubte nicht, dass er den Dämonenkönig besiegen konnte. Und er kämpfte keine Kämpfe, von denen er wusste, dass er sie nicht gewinnen konnte.
      Und dieser junge Mann hier? Sprach davon den Dämonenkönig zu besiegen, obwohl er machtlos gegen Kobolde gewesen war. Kobolde. Kobolde. Nicht mal einen davon hatte er zu Fall gebracht.
      Moment. Muss? Zuckten seine Ohren, als ihm dieses einfache Wörtchen auffiel. Da musste doch mehr dahinter stecken eindeutig.
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    • River

      Warum würde das irgendjemand tun wollen? Niemand zog wirklich freiwillig los und riskierte sein Leben, oder? Zumindest war River kein Adrenalinjunky und er könnte durchaus ganz auf Monster verzichten. Aber das stand nicht zur Option, und es gab hier keine Wahl, die getroffen werden musste. Ihm war sein Leben lang völlig klar gewesen, dass irgendjemand den Dämonenkönig besiegen musste. Von Nichts anderem hatte man in seinem Dorf geredet. Und dieser Jemand hätte Gray sein sollen.
      „Weil es so prophezeit wurde“, antwortete er ernst. „Du hast noch nie davon gehört? Der Held, der geboren wurde, nur um diese Aufgabe zu erfüllen?“ Jetzt wo River diese Worte aussprach, fiel ihm wieder ein, wie Gray auf die Neuigkeiten damals reagiert hatte. Er war alles andere als glücklich gewesen.
      „Ich mache das, weil es jemand machen muss. Zufällig hat es halt mich getroffen“ River war fast ein wenig genervt davon, je länger er darüber sprach. Als ob sich irgendjemand tatsächlich freuen würde, so eine Aufgabe zugeschoben zu bekommen. Nicht, dass er davon ausging, dem Dämonenkönig tatsächlich besiegen zu können. Es ging ihm nur darum, den Glauben der Allgemeinheit aufrecht zu erhalten und ein paar Abenteurer zu finden, die sich mit Monstern besser auskannten, als er. Wie… einen Fuchsgeist, zum Beispiel. River warf Yuan einen Seitenblick zu. Der hatte vermutlich besseres zu tun, oder? Sehr interessiert am Dämonenkönig schien er zumindest nicht zu sein. Klar. Er konnte Monster ja auch einfach wegschnippen, wie es aussah.
      River räusperte sich. „Die Kobolde haben mich überrascht. Ich hab fast mein ganzes Leben für diese Sache trainiert“, sagte er. Zumindest hatte er jemandem fast sein ganzes Leben lang beim Training zugesehen. Irgendwas würde schon hängen geblieben sein. Wenn es ums Fischen ging, konnte ihn zumindest niemand schlagen. Das war eher sein Gebiet.
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    • Yuan

      "Mhmmm... jemand der dazu geboren wurde... um den Dämonenkönig zu töten?", murmelte Yuan in Gedanken vor sich hin, die Hälfte seines Gesichts hinter seinem Fächer versteckt, "... Nein, da klingelt nichts."
      Woher hätte er auch etwas davon wissen sollen? Es kamen kaum Menschen in seinen Wald, schon gar nicht um ein Schwätzchen zu halten. Und einen Grund diesen zu verlassen hatte er auch nicht.
      Vielleicht war er auch ein bisschen Schuld an seiner ewigen Langeweile.
      "Überrascht... wie?", wiederholte der Fuchsgeist mit einem Lächeln, das nicht eindeutig machte, ob er Gray glaubte oder nicht. Zumindest beließ er es dabei.
      "Nun... wenn es eine Prophezeiung ist, dann hast du wohl keine andere Wahl, was?", fügte er mit einem Schulterzucken hinzu, während sie weiterhin dem Irrlicht folgten. Mittlerweile war es im Wald wieder etwas heller geworden, das Laub lichtete sich und sie waren bereits kurz davor ihn zu verlassen. Und Yuan? Der dachte keine einzige Sekunde lang stehen zu bleiben.
      "Was mag wohl so besonders an dir sein, mh?", erkundigte er sich mit einem Schmunzeln.
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    • River

      "Nein… habe ich nicht", stimmte er Yuan leise zu. Er hatte keine Wahl, wenn er nicht dabei zusehen wollte, wie jeder, der ihm etwas bedeutete, in Panik ausbrach. Vielleicht war es lebensmüde und dumm, was er tat, aber es war besser, als garnichts zu tun. Wäre Gray an seiner Stelle gewesen, und nicht der Auserwählte, hätte er ganz bestimmt dasselbe getan.
      Was an River besonders war? Wenn er das mal selbst wüsste. Sollte man dem Priester und seiner Familie glauben… absolut garnichts. Er hatte keine besonderen Kräfte oder Fähigkeiten, und das einzige, was ihm lag, war Arbeit. Er hatte im Dorf bei allem geholfen, das gerade anstand, weshalb er zumindest einige Sachen einigermaßen gut konnte. Er konnte reparieren, kochen, jagen. Außerdem wusste er, wie man Löcher flickte und einfache Heiltränke herstellte. Besonders war daran aber nichts.
      "Ich hab ein geweihtes Schwert", murmelte er also, weil das Schwert Gray gehörte. "Und kann den Dämonenkönig besiegen. Wie besonders willst du es noch? Es gibt nur einen Auserwählten auf der Welt" Und jetzt… irgendwie zwei. Diese Dinge gingen ihm schwer über die Lippen. Er hatte noch nicht viel Zeit gehabt, sich daran zu gewöhnen, und war nie ein guter Lügner gewesen. Wenn diese Mission mal nicht zum scheitern verurteilt war…
      Als sie den Wald auf einmal hinter sich hatten, wunderte River sich, dass Yuan ihn weiterhin begleitete, oder eher führte, ohne ein Wort dazu zu sagen. Ob er selbst in die Stadt musste? River wollte lieber nicht nachfragen, bevor er Yuan damit erinnerte, dass er eigentlich garnicht so weit gehen wollte. Und… die ganze Zeit über hatte River kein Monster gesehen oder gehört. Es war ein wenig, als wäre Yuan eine Art Schutzzauber, wenn er nur neben ihm her lief. Vielleicht sollte er ihn später tatsächlich fragen, ob ihm nicht langweilig war, und er zufällig mit zum Dämonenkönig reisen wollte… Haha…
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    • Yuan

      "... oh? Funktioniert das so? Nur weil die Prophezeiung das sagt, kannst du den Dämonenkönig besiegen?", konnte sich der Fuchsgeist einen amüsierten Laut nicht verkneifen, während er Gray von oben bis unten musterte. Sollte diese Prophezeiung also auch der Grund dafür sein, dass Yuan eingeschritten war, bevor der Junge durch die Kobolde zu Tode verurteilt war? Oder wäre irgendetwas anderes passiert, wenn der Fuchsgeist nich zufällig in der Nähe gewesen wäre? Vielleicht war das das besondere and diesem Menschen? Ungewöhnliches Glück?
      Yuan gefiel der Gedanke nicht, dass irgendeine übergeordnete Macht seine Finger darin im Spiel hatte, was er tat und so recht glaubte er nicht daran, aber umso neugieriger war er darauf, ob Gray tatsächlich in der Lage sein würde den Dämonenkönig zu besiegen. Ob sein geweihtes Schwert reichte.
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    • River

      Bei der Aussage warf River Yuan einen skeptischen Seitenblick zu. Er glaubte nicht an die Prophezeiung? Jedenfalls klang das so. River wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Natürlich hatte er sich auf die Prophezeiung und die Kirche verlassen, wie jeder andere auch. Zugegeben hatte ihn Grays plötzlicher Tod ziemlich verstört und er hatte noch nicht allzu viel Zeit gehabt, um ihn zu verarbeiten oder darüber nachzudenken, was er eigentlich bedeutete. Lag die Prophezeiung falsch? Offensichtlich. Aber vielleicht sprang sie bloß auf einen anderen Helden über, dann müsste River sich vielleicht garnicht die Mühe machen, selbst loszuziehen. Er hatte doch keine Ahnung, wie das alles funktionierte. Er hatte sich eben darauf verlassen, dass ein Priester wusste, was er tat!
      "Zumindest sollte es so sein", antwortete River also frustriert. Gerade war er sich nicht mehr so sicher, ob er Yuan bitten sollte, ihn zu begleiten. Der Fuchsgeist schien seinen Spaß daran zu haben, ihn zu verarschen. Darauf konnte River verzichten. Er wusste selbst, dass das alles vollkommen irre war.
      Sie liefen eine ganze Weile stumm nebeneinander her, bis sie über den Hügel kamen, der ihnen einen weitläufigen Blick über Solaris, die Hauptstadt des Königreichs, bot. Sie hatten es fast geschafft… Und jetzt, wo e so weit war, fragte River sich auf einmal, ob andere, die tatsächlich von der Prophezeiung wussten, ihm auch einfach so abkaufen würden, dass er sein auserwählter Zwillingsbruder war. Noch dazu… musste er die Königin betrügen. Selbst wenn er es am Ende schaffte, den Dämonenkönig zu besiegen, würde man ihn mit Sicherheit töten, wenn man erfuhr, was dem tatsächlichen Auserwählten widerfahren war. Und ewig konnte man das nicht verheimlichen…
      River schluckte und musste kurz stehen bleiben. Er hatte das Gefühl, dass sein Körper ihn anschrie, umzudrehen. Stimmen in seinem Kopf, die ihm zuflüsterten, dass das eine grauenvolle, verantwortungslose Idee war.
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    • Yuan

      Zumindest sollte es so sein... wie? Für jemanden, der gerade noch verkündet hat, dass er den Dämonenkönig besiegen wird, klang Gray plötzlich nicht mehr ganz so überzeugt und Yuan versteckte ein breites Lächeln hinter seinem Fächer. Er hatte noch nie zuvor mit einer Prophezeiung zu tun gehabt, umso neugieriger war er darauf, wie sich diese zu erkennen gab... und welche Auswirkungen sie hatte. Also dachte der Fuchsgeist gar nicht erst daran, von der Seite des Helden zu weichen – wahrscheinlich hätte er ohne ihn den Weg in die Hauptstadt sowieso nicht gefunden, dachte er sich belustigt.
      „... mh?“, drehte sich der Weißhaarige halb um, als seine Begleitung plötzlich stehen blieb. Dabei war es doch genau da vorne. Eine Riesengroße Ansammlung von Menschen, Hauptstadt genannt. Zumindest sagten ihm das seine Irrlichter.
      „Nur nicht so schüchtern! Da wolltest du doch hin, oder nicht?“, schenkte Yuan ihm sein breitestes, freundlichstes Lächeln und packte ihn an den Schultern, um Gray vor sich her zu schieben, als wäre er es eigentlich, der es kaum erwarten könnte, Solaris endlich zu betreten.
      Mit ein bisschen Magie seinerseits kamen die Beiden recht einfach an den Stadtwachen vorbei, sie beachteten die beiden nicht einmal, verlangten keine Eintrittsgebühren, ja, schauten sie nicht einmal mit dem Rücken an. Warum? Weil Yuan diese lästigen Interaktionen überspringen wollte.
      „Achja... wohin müssen wir noch gleich?“, lächelte er, als sie bereits mitten im Marktplatz standen und als hätte er mit diesem einen Satz seine Magie aufgehoben, starrten die beiden plötzlich zahlreiche Augen an. Ein Korb fiel vor Schreck.
      Ein Kind fing an lauthals zu Weinen.
      „I-i-ist das... d-d-d-der...“, vernahmen Yuans zuckende Ohren eine zitternde Stimme und als hätte sich die Welt daran erinnert, dass sie sich weiter drehen musste, kam wieder Bewegung in die Menschenmenge und sie stoben davon. Schrien nach der Stadtwache.
      Die sich sogleich samt Hellebarden, die nun auf die beiden gerichtet waren, im Kreis um die Beiden aufstellten.
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    • River

      River zuckte etwas zusammen als Yuan ihn aus seiner Starre riss, an den Schultern packte und er vorwärts, wieder den Weg entlang stolperte. Die Stadt kam immer näher. Was auch bedeutete, dass es kein zurück gab. Aber Yuan hatte recht, das hatte er sich in den Kopf gesetzt. …Wie dumm konnte man nur sein? Er biss die Zähne zusammen und schüttelte Yuans Hände ab um widerwillig von selbst weiterzugehen. Er wollte wirklich nicht. Aber manchmal musste man wohl Dinge tun, die man nicht tun wollte, oder so. Auch, wenn man sich eigentlich bloß selbst zwang.
      „Schon gut. Ich gehe ja“, sagte er und begleitete abermals Yuan und sein Irrlicht, der nun wirklich offensichtlich selbst in die Stadt wollte. Dass die Wachen sie am Tor allerdings nicht einmal ansahen, fand River äußerst seltsam. Er schloss nicht automatisch darauf, dass Yuan dafür verantwortlich war. Er sah den Wachen nur irritiert hinterher, bis er seinen Kopf nicht mehr drehen konnte. Dann waren sie inmitten der Stadt und River wollte gerade antworten, dass er zum Schloss musste, als… um sie herum ein absolutes Chaos ausbrach. River erschrak, als eine Frau neben ihm zu Schreien begann und weglief. Er murmelte ein paar Flüche zu sich selbst und rieb sich über die Ohren. Was war heute nur los? Wovor hatten sie Leute Angst, dass sie…
      River sah erst zu seiner Rechten, Yuan. Dahinter auf einmal Wachen. Er sah geradeaus. Yup, sie wurden eingekesselt. Er seufzte tief. Hatte man jetzt schon bemerkt, dass er eine Fälschung war? Ohne, dass er noch den Mund geöffnet hatte? War das sein letzter Tag?
      Er bekam kurz ein wenig spontane Angst vor dem Tod und fror ein, wie vorhin am Weg. Das musste er sich ebenfalls abgewöhnen, wie es aussah. Obwohl Angst vor dem Tod seiner Meinung nach gesund war.
      „Ah… Ich hab mich… schon gefragt, wieso wir nicht am Tor aufgehalten wurden“, sagte River und versuchte irgendwie ein entschärfendes Gespräch mit einer Wache zu starten. „Braucht ihr… doch noch das Eintrittsgeld?“, fragte er vorsichtig.
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    • Yuan gab einen belustigten Laut von sich, gefolgt von einem breiten Lächeln, als Gray sich von seinen Händen befreite, die er daraufhin stattdessen in seinen langen Ärmeln vergrub und mit einem zufriedenen Ausdruck dem Heldenhinterher dackelte. Er konnte kaum erwarten zu sehen, was in der Stadt passieren würde.
      Dass sie jedoch sofort von Wachen umzingelt werden würden, damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Sollte diese Prophezeiung nicht dafür sorgen, dass es ihm gut ging oder sowas? Mhmmm... wie interessant. Mit einem Lächlen blieb der Fuchsgeist einfach wo er war und beschloss alles weitere Gray zu überlassen. Die perfekte Gelegenheit zu beobachten, wie dieses Prophezeiungs Zeug funktionierte.

      „... Eintrittsgeld? Wovon redest du da, Junge?! Du kannst froh sein, dass du noch lebst! Schnell, entferne dich von diesem Monster, wenn du leben möchtest!“, bellte die Wache zurück, offensichtlich angespannt und bedeutete ihm mit seiner Wache sich aus der Einkesselung zu entfernen. Yuan dagegen... wurde von allen Seiten angestarrt. Und das er nichts tat, schien jeden nur noch nervöser zu machen.
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