Vorstellung
@RoyalMilkTea
River
Fühlte es sich so an einen Teil von sich selbst zu verlieren? Ein Auge, einen Teil der Seele, ein lebensnotwendiges Stück, ohne dem man bisher nie auskommen musste?
River sah auf die Erde zu seinen Füßen hinab. Seine Schuhe waren nass und verschmutzt. Der Regen tropfte von seinen Haarspitzen in sein Gesicht, von seiner Nasenspitze auf seine Schuhe, und doch wollte der Schmutz nicht weggewaschen werden. Blut war hartnäckig.
River nahm einen tiefen Atemzug und zog widerwillig seine Schuhe aus. Eigentlich musste er seine ganze Kleidung vergraben, gemeinsam mit dem warmen, leblosen Körper seines Zwillings. Er hatte noch keine Zeit gehabt, um den Angriff zu verarbeiten. Er war sich auch nicht sicher, ob er das richtige tat. Den Tod seines eigenen Bruders vertuschen? Nein, das war falsch. Den Tod des Auserwählten zu vertuschen widerrum… Ihm fiel noch immer keine bessere Lösung ein, um mit dieser Tatsache umzugehen. Der Angriff hatte sie beide überrascht, sie waren schließlich nur auf dem Weg zur nächsten Taverne gewesen, um zusammen ihren Geburtstag zu feiern und… Abschied zu nehmen. Es hatten nurnoch einige Stunden gefehlt bis zu Gray‘s Aufbruch. Ob der Angriff geplant gewesen war? Dabei hatte man die Identität des Helden geheim gehalten, um so etwas zu vermeiden.
River zog sich die blut- und schlammverschmierte Weste aus, dann seine Hose, und grub einige Meter weiter im Unterholz ein kleineres Loch. Er war ausdauernd. Einen Menschen zu vergraben war keine leichte Arbeit, aber das Adrenalin half bestimmt. Dass die Dämonen ihn einfach lebendig zurückgelassen hatten, hatte er nur der Tatsache zu verdanken, dass er völlig unbedeutend war. Und dem Mal auf seinem Rücken, das ihn klar von Gray unterschieden hatte.
River biss die Zähne zusammen und grub schneller. Sobald von seiner Kleidung nichts mehr zu sehen war, machte er sich zielstrebig auf den Weg. Er musste die Klippen wieder hochklettern, die sie hinunter gefallen waren. Die Dämonen hatten sie ein gutes Stück vom Dorf weggetrieben, und River war sich garnicht sicher, ob er sofort zurückfinden würde. Er musste es schaffen, bevor die Sonne aufging. Er wusste, wo die frisch geschmiedete Rüstung seines Bruders war, wo er sein heiliges Schwert aufbewahrte, seine Zaubersprüche, die Tränke, die Kartensammlung. Er musste sich beeilen und verschwinden, bevor irgendjemandem auffiel, dass etwas Seltsames passiert war. Niemand in diesem Dorf würde hinterfragen, dass Gray sich ohne großartigem Abschied auf seine Reise begeben hatte, und River… um es nett zu formulieren, würde es wahrscheinlich kaum jemandem negativ auffallen. Er würde eine Nachricht hinterlassen, dass er seinen Bruder begleitete. Ja… er… musste diese blinde Hoffnung, die man in seinen Zwilling gesteckt hatte, irgendwie aufrechterhalten.
River kämpfte ein wenig mit seinen Tränen, als er die schwachen Laternenlichter seines Dorfs erkannte, und musste sich zusammenreißen, um nicht entdeckt zu werden, als er sich zurück in sein Haus schlich. Er packte alles ein, das er mit einem Handgriff schnappen konnte, und zögerte nur eine Sekunde, bevor er in der übertrieben prunkvollen Rüstung durch die Tür trat. Er tat doch das Richtige, oder? Wenn sich herumsprach, was Gray passiert war, würde die ganze Welt mehr verlieren als einen Zwillingsbruder. Und es würde seiner Familie schaden. Ein Held, der so einfach bei einem Überfall ermordet wurde? Nein, nicht nur seiner Familie, vor allem der Kirche würde es schaden, und Glauben war zurzeit alles, das der Armee des Dämonenkönigs entgegenstand.
Er klappte das Visir seines Helms zu und trat wieder hinaus in die Dunkelheit. So nutzlos sein bisheriges Leben auch gewesen war… Jetzt konnte er seinem Dorf helfen. Einen genauen Plan hatte er zwar noch nicht, aber das würde sich bestimmt alles irgendwie ergeben. Es musste hunderte Abenteurer geben, die genauso hart trainiert hatten, wie Gray. River würde einfach… der Route folgen, die sein Bruder geplant hatte, und sich in der Hauptstadt ein paar Leute suchen und bis dahin würde das Schwert hoffentlich seine Heiligkeit zur Schau stellen und ihn nicht sterben lassen.
Eine ganze Ansammlung an Karten, ein Kompass und eine Taschenuhr waren scheinbar nicht genug, um einen Vollidioten auf den richtigen Weg zu bringen. River gab einen verzweifelten Laut von sich, als er die Karte zum dritten Mal drehte und immernoch nicht sagen konnte, ob er in die richtige Richtung lief. Es war verdammt dunkel und der leichte Nieselregen half auch nicht. Vielleicht war das einfach sein Schicksal. Sein Bruder wurde kaltblütig ermordet und er vergeigte seine einzige Chance, etwas sinnvolles zu tun, indem er sich im Wald verlief und… wahrscheinlich ebenfalls kaltblütig ermordet wurde. Die del Evynwood Methode zu einem frühzeitigen, schmerzvollen Tod.
„Das kann nicht-“ Das kann nicht wahr sein, wollte er sagen, und vielleicht noch ein paar Flüche anhängen, bevor er von einem seltsamen Laut unterbrochen wurde. Das war definitiv keine Eule. Eulen hörten sich selten nach Kobolden an. Diese ekelhaften Wesen waren die einzigen, die abenteuerlustig genug waren, um selbst ein Fischerdorf zu überfallen, indem nichts zu holen war, und deshalb… kannte River diese giftigen Stimmchen zu gut. Er hob den Kopf und steckte die Karte schnell in seinen Rucksack. Er würde bestimmt nicht so viel Unglück haben, einer Herde Kobolde über den Lauf zu laufen, oder? Ein, zwei würde er mit dem Schwert schon kleinkriegen. Die Anzahl leuchtender Augen um ihn herum ließen seine Hoffnung aber ziemlich schnell schrumpfen. Er zog etwas zittrig sein Schwert.
„H-hey, ich hab nichts, das sich zu stehlen lohnt, wirklich…“ Sehr heldenhaft. Trotz der Lüge klammerte River sich an seinem Rucksack fest. Er durfte auf keinen Fall diese Karten verlieren. Auch, wenn sie ihm bisher wenig gebracht hatten…
Es dauerte nur einen Bruchteil einer Sekunde bis die kleinen Viecher sich in Unmengen auf ihn stürzten. River versuchte, sie mit seinen Schwert abzuwehren, aber er konnte kaum etwas sehen, und wurde so lange durch die Gegend gedrängt, bis ihm eine Wurzel zum Verhängnis wurde und er schließlich vom Boden aus gegen die Kobolde ankämpfen musste. Er war nicht sehr erfolgreich, und stieß zwischen ächzenden Geräuschen erst ein lautes „Hey!!“ aus, als er ein Klink hörte und sich ziemlich sicher war, einen Trank leichter zu sein.
„Was war das?! Komm zurück!“ River streckte verzweifelt einen Arm durch den Haufen Kobolde heraus. Vielleicht wurde er heute noch genauso begraben wie Gray.
@RoyalMilkTea
River
Fühlte es sich so an einen Teil von sich selbst zu verlieren? Ein Auge, einen Teil der Seele, ein lebensnotwendiges Stück, ohne dem man bisher nie auskommen musste?
River sah auf die Erde zu seinen Füßen hinab. Seine Schuhe waren nass und verschmutzt. Der Regen tropfte von seinen Haarspitzen in sein Gesicht, von seiner Nasenspitze auf seine Schuhe, und doch wollte der Schmutz nicht weggewaschen werden. Blut war hartnäckig.
River nahm einen tiefen Atemzug und zog widerwillig seine Schuhe aus. Eigentlich musste er seine ganze Kleidung vergraben, gemeinsam mit dem warmen, leblosen Körper seines Zwillings. Er hatte noch keine Zeit gehabt, um den Angriff zu verarbeiten. Er war sich auch nicht sicher, ob er das richtige tat. Den Tod seines eigenen Bruders vertuschen? Nein, das war falsch. Den Tod des Auserwählten zu vertuschen widerrum… Ihm fiel noch immer keine bessere Lösung ein, um mit dieser Tatsache umzugehen. Der Angriff hatte sie beide überrascht, sie waren schließlich nur auf dem Weg zur nächsten Taverne gewesen, um zusammen ihren Geburtstag zu feiern und… Abschied zu nehmen. Es hatten nurnoch einige Stunden gefehlt bis zu Gray‘s Aufbruch. Ob der Angriff geplant gewesen war? Dabei hatte man die Identität des Helden geheim gehalten, um so etwas zu vermeiden.
River zog sich die blut- und schlammverschmierte Weste aus, dann seine Hose, und grub einige Meter weiter im Unterholz ein kleineres Loch. Er war ausdauernd. Einen Menschen zu vergraben war keine leichte Arbeit, aber das Adrenalin half bestimmt. Dass die Dämonen ihn einfach lebendig zurückgelassen hatten, hatte er nur der Tatsache zu verdanken, dass er völlig unbedeutend war. Und dem Mal auf seinem Rücken, das ihn klar von Gray unterschieden hatte.
River biss die Zähne zusammen und grub schneller. Sobald von seiner Kleidung nichts mehr zu sehen war, machte er sich zielstrebig auf den Weg. Er musste die Klippen wieder hochklettern, die sie hinunter gefallen waren. Die Dämonen hatten sie ein gutes Stück vom Dorf weggetrieben, und River war sich garnicht sicher, ob er sofort zurückfinden würde. Er musste es schaffen, bevor die Sonne aufging. Er wusste, wo die frisch geschmiedete Rüstung seines Bruders war, wo er sein heiliges Schwert aufbewahrte, seine Zaubersprüche, die Tränke, die Kartensammlung. Er musste sich beeilen und verschwinden, bevor irgendjemandem auffiel, dass etwas Seltsames passiert war. Niemand in diesem Dorf würde hinterfragen, dass Gray sich ohne großartigem Abschied auf seine Reise begeben hatte, und River… um es nett zu formulieren, würde es wahrscheinlich kaum jemandem negativ auffallen. Er würde eine Nachricht hinterlassen, dass er seinen Bruder begleitete. Ja… er… musste diese blinde Hoffnung, die man in seinen Zwilling gesteckt hatte, irgendwie aufrechterhalten.
River kämpfte ein wenig mit seinen Tränen, als er die schwachen Laternenlichter seines Dorfs erkannte, und musste sich zusammenreißen, um nicht entdeckt zu werden, als er sich zurück in sein Haus schlich. Er packte alles ein, das er mit einem Handgriff schnappen konnte, und zögerte nur eine Sekunde, bevor er in der übertrieben prunkvollen Rüstung durch die Tür trat. Er tat doch das Richtige, oder? Wenn sich herumsprach, was Gray passiert war, würde die ganze Welt mehr verlieren als einen Zwillingsbruder. Und es würde seiner Familie schaden. Ein Held, der so einfach bei einem Überfall ermordet wurde? Nein, nicht nur seiner Familie, vor allem der Kirche würde es schaden, und Glauben war zurzeit alles, das der Armee des Dämonenkönigs entgegenstand.
Er klappte das Visir seines Helms zu und trat wieder hinaus in die Dunkelheit. So nutzlos sein bisheriges Leben auch gewesen war… Jetzt konnte er seinem Dorf helfen. Einen genauen Plan hatte er zwar noch nicht, aber das würde sich bestimmt alles irgendwie ergeben. Es musste hunderte Abenteurer geben, die genauso hart trainiert hatten, wie Gray. River würde einfach… der Route folgen, die sein Bruder geplant hatte, und sich in der Hauptstadt ein paar Leute suchen und bis dahin würde das Schwert hoffentlich seine Heiligkeit zur Schau stellen und ihn nicht sterben lassen.
Eine ganze Ansammlung an Karten, ein Kompass und eine Taschenuhr waren scheinbar nicht genug, um einen Vollidioten auf den richtigen Weg zu bringen. River gab einen verzweifelten Laut von sich, als er die Karte zum dritten Mal drehte und immernoch nicht sagen konnte, ob er in die richtige Richtung lief. Es war verdammt dunkel und der leichte Nieselregen half auch nicht. Vielleicht war das einfach sein Schicksal. Sein Bruder wurde kaltblütig ermordet und er vergeigte seine einzige Chance, etwas sinnvolles zu tun, indem er sich im Wald verlief und… wahrscheinlich ebenfalls kaltblütig ermordet wurde. Die del Evynwood Methode zu einem frühzeitigen, schmerzvollen Tod.
„Das kann nicht-“ Das kann nicht wahr sein, wollte er sagen, und vielleicht noch ein paar Flüche anhängen, bevor er von einem seltsamen Laut unterbrochen wurde. Das war definitiv keine Eule. Eulen hörten sich selten nach Kobolden an. Diese ekelhaften Wesen waren die einzigen, die abenteuerlustig genug waren, um selbst ein Fischerdorf zu überfallen, indem nichts zu holen war, und deshalb… kannte River diese giftigen Stimmchen zu gut. Er hob den Kopf und steckte die Karte schnell in seinen Rucksack. Er würde bestimmt nicht so viel Unglück haben, einer Herde Kobolde über den Lauf zu laufen, oder? Ein, zwei würde er mit dem Schwert schon kleinkriegen. Die Anzahl leuchtender Augen um ihn herum ließen seine Hoffnung aber ziemlich schnell schrumpfen. Er zog etwas zittrig sein Schwert.
„H-hey, ich hab nichts, das sich zu stehlen lohnt, wirklich…“ Sehr heldenhaft. Trotz der Lüge klammerte River sich an seinem Rucksack fest. Er durfte auf keinen Fall diese Karten verlieren. Auch, wenn sie ihm bisher wenig gebracht hatten…
Es dauerte nur einen Bruchteil einer Sekunde bis die kleinen Viecher sich in Unmengen auf ihn stürzten. River versuchte, sie mit seinen Schwert abzuwehren, aber er konnte kaum etwas sehen, und wurde so lange durch die Gegend gedrängt, bis ihm eine Wurzel zum Verhängnis wurde und er schließlich vom Boden aus gegen die Kobolde ankämpfen musste. Er war nicht sehr erfolgreich, und stieß zwischen ächzenden Geräuschen erst ein lautes „Hey!!“ aus, als er ein Klink hörte und sich ziemlich sicher war, einen Trank leichter zu sein.
„Was war das?! Komm zurück!“ River streckte verzweifelt einen Arm durch den Haufen Kobolde heraus. Vielleicht wurde er heute noch genauso begraben wie Gray.
✦ . ⁺ . ✦ . ⁺ . ✦⁺ . ✦ . ⁺ . ✦⁺ . ✦ . ⁺ . ✦