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@Bitter Lemon
Vorstellung
Es war noch Dunkel als Elliot seine Wohnung verließ. Halb in dem Leder seiner alten Motorradjacke versteckt, die aussah als hätte sie nicht nur einen Motorradunfall überlebt. In der Hand eine Tasse, keinen Thermobecher, keinen Kaffeebecher mit Doppelwandsystem um den darin enthaltenden Kaffee warm zu halten, eine tatsächliche Tasse. Allein das beschrieb wohl alles was man über Elliot Elies O‘Brain wissen musste.
Es war noch ruhig um diese Uhrzeit, vielleicht schloss er deswegen die Tür seines Cafés grundsätzlich um 06:42 Uhr auf…obwohl es wahrscheinlich um 06:30 Uhr oder 06:40 Uhr oder selbst um 06:50 Uhr noch genau so ruhig gewesen wäre. Warum er die Tür des kleinen, von außen schon fast unscheinbaren Ladens genau um 06:42 Uhr aufschloss wusste wohl niemand. Wenn man ihn fragte, hatte er immer eine neue Erklärung auf Lager. Einigen erzählte er, dass sich die Zahl 42 ausgeglichen anfühlte, anderen, dass genau bei Minute 42 der Lieblingssong seines Vaters auf einer alten Kassette angefangen hatte, manchmal behauptete er dass die Zahl kosmisch relevant war und nannte es „Performer-Aberglaube“, warum genau er aber im Endeffekt sein Café jeden Morgen um genau 06:42 Uhr aufschloss wusste eigentlich keiner.
Das kleine Glöckchen oberhalb der Tür läutete leise und zog sich wie ein röchelndes Etwas durch den Raum, als ob das Café selbst Elliot einen guten Morgen wünschte, es aber eigentlich nicht so meinte.
„Ich weiß, ich bin doch auch nicht begeistert.“ Murmelte er leise als Antwort, als ob das Café tatsächlich mit ihm geredet hatte.
Er genoss die ersten Minuten. Dann wenn alles noch ganz ruhig war, der Raum langsam, mit jeder kleinen Lampe die er anknipste, in warmes Licht getaucht wurde und langsam zum Leben erwachte. 1985 - wie er sein Café damals getauft hatte - besaß keine Deckenleuchte. Nur viele kleine und größere Lampen die schon fast willkürlich in dem Raum verteil waren und angenehm warm-orangenes Licht spendeten.
Elliot besaß eine tiefe Abneigung gegenüber grell-weißes Deckenlicht…oder Deckenlicht an sich. Wenn man Elliot O‘Brain fragen würde, warum er keine Deckenleuchte besitze (nicht mal seines eigene Wohnung hatte eine…diese hatte er direkt nach seinem Einzug sehr unfachmännisch entfernt), hatte er - mal wieder - viele Antworten die sich je nach Tageszeit, Stimmung und Person, die in fragte änderte, aber alle Antworten hatten eine Gemeinsamkeit: Sekundäres Licht war angenehmer und Deckenleuchten fühlten sich an wie die kalte, nackte Realität und vor genau dieser Realität wollte er mit seinem Café einen kurzen Ausflucht bieten.
Es war 07:17 Uhr als die Tür das nächste Mal aufging. Zu dieser Zeit spielte der Plattenspieler in der Ecke schon die ersten Lieder, knisterte leise wann immer die Nadel ihre Spure wiederfand. Die Kaffeemaschine lief noch nicht auf Hochtouren, es war um ehrlich zu sein überhaupt ein Wunder, dass die alte Siebträgermaschine überhaupt noch funktionierte, an stressigen Tagen röchelte sie wie eine asthmatische Dampflokomotive, aber gerade schien sie wie die Ruhe selbst das System langsam zu erhitzen.
Elliot stellte gerade den letzten Stuhl runter als der alte Mann, welcher durch die Tür kam, diese von innen wieder schloss.
„Du bist drei Minuten zu früh, Artur. Das ist psychotisch, selbst für dich.“ Elliot musste sich nicht mal umdrehen um zu wissen zu wem die langsamen, dumpfen Schritte gehörten. Er kannte seine Stammgäste mittlerweile viel zu gut. Der Cafébesitzer konnte den Mittelfinger nicht sehen, welcher Artur ihm wortlos zeigte, aber er kannte den Alten gut genug um zu wissen, dass er es tat.
„Kaffee dauert noch zwei Minuten, bedank dich beim Kapitalismus.“ grinste Elliot als er den Stuhl - welcher wie jeder andere der Stühle nicht wirklich zusammenpasste - an den Tisch schob und hinter den Tresen ging. „Du redest zu viel am Morgen.“ schnaubte der Ältere während er sich an einen der runden Tische setzte, der irgendwie über die Zeit zu seinem Tisch geworden war. „Und du redest zu wenig.“ Erwiderte Elliot kokett, während er sich die Schütze zuband. „Zusammen ergeben wir eine fast funktionierende Persönlichkeit.“ Artur schüttelte den Kopf und obwohl er so tat, als ob Elliots mehr oder weniger geistreichen Kommentare ihn nerven würden, wusste der Barista, dass das definitiv nicht der Fall war, sonst würde er sich das Theater wohl nicht jeden einzelnen Tag antun.
Vorstellung
Es war noch Dunkel als Elliot seine Wohnung verließ. Halb in dem Leder seiner alten Motorradjacke versteckt, die aussah als hätte sie nicht nur einen Motorradunfall überlebt. In der Hand eine Tasse, keinen Thermobecher, keinen Kaffeebecher mit Doppelwandsystem um den darin enthaltenden Kaffee warm zu halten, eine tatsächliche Tasse. Allein das beschrieb wohl alles was man über Elliot Elies O‘Brain wissen musste.
Es war noch ruhig um diese Uhrzeit, vielleicht schloss er deswegen die Tür seines Cafés grundsätzlich um 06:42 Uhr auf…obwohl es wahrscheinlich um 06:30 Uhr oder 06:40 Uhr oder selbst um 06:50 Uhr noch genau so ruhig gewesen wäre. Warum er die Tür des kleinen, von außen schon fast unscheinbaren Ladens genau um 06:42 Uhr aufschloss wusste wohl niemand. Wenn man ihn fragte, hatte er immer eine neue Erklärung auf Lager. Einigen erzählte er, dass sich die Zahl 42 ausgeglichen anfühlte, anderen, dass genau bei Minute 42 der Lieblingssong seines Vaters auf einer alten Kassette angefangen hatte, manchmal behauptete er dass die Zahl kosmisch relevant war und nannte es „Performer-Aberglaube“, warum genau er aber im Endeffekt sein Café jeden Morgen um genau 06:42 Uhr aufschloss wusste eigentlich keiner.
Das kleine Glöckchen oberhalb der Tür läutete leise und zog sich wie ein röchelndes Etwas durch den Raum, als ob das Café selbst Elliot einen guten Morgen wünschte, es aber eigentlich nicht so meinte.
„Ich weiß, ich bin doch auch nicht begeistert.“ Murmelte er leise als Antwort, als ob das Café tatsächlich mit ihm geredet hatte.
Er genoss die ersten Minuten. Dann wenn alles noch ganz ruhig war, der Raum langsam, mit jeder kleinen Lampe die er anknipste, in warmes Licht getaucht wurde und langsam zum Leben erwachte. 1985 - wie er sein Café damals getauft hatte - besaß keine Deckenleuchte. Nur viele kleine und größere Lampen die schon fast willkürlich in dem Raum verteil waren und angenehm warm-orangenes Licht spendeten.
Elliot besaß eine tiefe Abneigung gegenüber grell-weißes Deckenlicht…oder Deckenlicht an sich. Wenn man Elliot O‘Brain fragen würde, warum er keine Deckenleuchte besitze (nicht mal seines eigene Wohnung hatte eine…diese hatte er direkt nach seinem Einzug sehr unfachmännisch entfernt), hatte er - mal wieder - viele Antworten die sich je nach Tageszeit, Stimmung und Person, die in fragte änderte, aber alle Antworten hatten eine Gemeinsamkeit: Sekundäres Licht war angenehmer und Deckenleuchten fühlten sich an wie die kalte, nackte Realität und vor genau dieser Realität wollte er mit seinem Café einen kurzen Ausflucht bieten.
Es war 07:17 Uhr als die Tür das nächste Mal aufging. Zu dieser Zeit spielte der Plattenspieler in der Ecke schon die ersten Lieder, knisterte leise wann immer die Nadel ihre Spure wiederfand. Die Kaffeemaschine lief noch nicht auf Hochtouren, es war um ehrlich zu sein überhaupt ein Wunder, dass die alte Siebträgermaschine überhaupt noch funktionierte, an stressigen Tagen röchelte sie wie eine asthmatische Dampflokomotive, aber gerade schien sie wie die Ruhe selbst das System langsam zu erhitzen.
Elliot stellte gerade den letzten Stuhl runter als der alte Mann, welcher durch die Tür kam, diese von innen wieder schloss.
„Du bist drei Minuten zu früh, Artur. Das ist psychotisch, selbst für dich.“ Elliot musste sich nicht mal umdrehen um zu wissen zu wem die langsamen, dumpfen Schritte gehörten. Er kannte seine Stammgäste mittlerweile viel zu gut. Der Cafébesitzer konnte den Mittelfinger nicht sehen, welcher Artur ihm wortlos zeigte, aber er kannte den Alten gut genug um zu wissen, dass er es tat.
„Kaffee dauert noch zwei Minuten, bedank dich beim Kapitalismus.“ grinste Elliot als er den Stuhl - welcher wie jeder andere der Stühle nicht wirklich zusammenpasste - an den Tisch schob und hinter den Tresen ging. „Du redest zu viel am Morgen.“ schnaubte der Ältere während er sich an einen der runden Tische setzte, der irgendwie über die Zeit zu seinem Tisch geworden war. „Und du redest zu wenig.“ Erwiderte Elliot kokett, während er sich die Schütze zuband. „Zusammen ergeben wir eine fast funktionierende Persönlichkeit.“ Artur schüttelte den Kopf und obwohl er so tat, als ob Elliots mehr oder weniger geistreichen Kommentare ihn nerven würden, wusste der Barista, dass das definitiv nicht der Fall war, sonst würde er sich das Theater wohl nicht jeden einzelnen Tag antun.