Arkham Horror: The Doom That Came to Arkham (Nightking&Maskenraich)

    • Arkham Horror: The Doom That Came to Arkham (Nightking&Maskenraich)

      Die Stadt Arkham lag im matt-dunklem Licht, als hätte der Tag selbst vergessen, zu leuchten. Die Häuserzeilen am Flussufer wirken eng zusammengepfercht, ihre Fassaden aus dunklem Backstein sind von feinen Rissen durchzogen, als würden sie jeden Augenblick einknicken. Mansardendächer mit schiefergrauen Dachziegeln ziehen eine schattenhafte Linie gegen den Himmel, unter der sich winzige Fenster wie funkelnde Augen verbargen. Türen und Portale wirken schwer, als würden sie jeden Besucher mit einer stillen Warnung empfangen.
      Der Miskatonic River schlängelt sich träge durch die Stadt, sein Wasser eine dunkle Spur aus Grau und Blau, in der sich die Wolken spiegeln wie ein verdrehter Spiegel der Himmelsschauder. Am Ufer stehen Bäume mit knorrigen Ästen, deren Schatten sich lang und schmutzig über Gehwege und Gravel-Pfade legen. Der Bahnhof am Nordufer wirkt wie ein vergessener Zeuge der Zeit: rostendes Metall, zersplitterte Glasscheiben hinter dicken Vorhängen aus Staub, und ein Geruch von Öl und kalter Eisenhaut.
      Im Zentrum dominieren der Campus der Miskatonic-Universität: ehrwürdige Fachwerkfassaden, hohe Türme, deren Türmecken in den Wolken zu verschwinden scheinen. Zwischen den Gebäuden wachsen enge Gassen, in denen das Licht nur tastend durchkommt. In den Kirchen am Südufer hängen schwere Glocken in dunklen Türmen, deren Klang sich selten, aber wenn, dann wie ein dunkler Atem über die Dächer legt.
      Über der Stadt zieht sich eine schwerfällige Stille, die langsam zu einem feinen Zischen wird. Der Himmel hängt dumpf und bleigrau, als habe sich ein Schleier über Arkham gelegt, aus dem sich kaum Licht lösen will. Die Luft schmeckt nach kaltem Metall, nach Regen, der noch nicht gefallen ist, und nach etwas Verborgenen, das sich hinter jeder Ecke zu verstecken scheint.
      Und dann kommt der Sturm. Aus dem Nordwesten zieht eine dunkle Wand heran, eine Wolkenfront so dicht, dass selbst das Licht der Straßenlaternen sie zu durchdringen scheint. Der Wind beginnt als unruhiges Flüstern, ein Atemhauch, der die Bretter der Fassaden zum Knarren bringt und die Blätter der kahlen Bäume gegeneinander peitscht. Plötzlich reisst der Wind wie ein schwarzer Flügel aus dem Himmel, und mit ihm setzt der Regen ein, schwer wie Nägel, der auf Dächer, Fenster und Sträucher prasselt.
      Blitze zucken horizontal, doch ihr Licht bleibt dumpf und kurz; die darüber liegenden Wolkenschichten zerreißen sich in scharfe Linien, die wie die Finger einer unsichtbaren Hand wirken, die nach etwas greift, das zu lange verborgen blieb. Der Donner rollt in tiefem, brachialem Grollen, als würde die Erde selbst atmen und sich gegen das unheilvolle Erwachen wehren. Der Sturm zieht durch die Straßen, wirbelt Staub und Regen in trüben Strudeln, lässt Laternen flackern und die Schatten zu spröden Gestalten werden. Türen schlagen zu, Fenster klirren, und die Stadt scheint sich enger zusammenzuziehen, als würde sie sich gegen die unsichtbare Bedrohung schirmen, die hinter dem Gewitter lauert.
      Die Gassen wirken erstickt, die Luft schmeckt nach Eisen und Regen, und irgendwo am Flussufer nistet ein dumpfer, schwerer Klang als würde das Wasser selbst unter dem Druck der Nacht röcheln. In Arkham wächst das Gefühl, dass dieser Sturm nicht nur Sturm ist, sondern der Vorbote eines uralten Schweigens, das sich wieder erhebt und in den Tiefen der Stadt wiederkehrt.

      Die Amüsiermeile der Stadt Arkham mit ihren vielen Bar´s, Bistro´s und Resturants war besonders beliebt bei den Schülern, Arbeiter, Studenten und den Bewohnern des Umfeldes der Stadt die da sie ein vielfältiges Programm anbot.
      Es ein großes Kino so wie auch kleine Szene Clubs, wo verschiedene Bands spielten.
      In einer dieser Bars in einer der dunkelen Nebengasse trat einer vom Regen durchnässten Mantel und Hut er sah sich immer wieder um seine Aktentasche an sich geklemmt.
      Seine Name war Thurson er hatte vor einigen Tagen mit einer Reporterin der Arkham Gazette Kontakt aufgenommen und bat ein Treffen sie hatten ausgemacht sich hier in der Bar zu treffen.
      Francis Thurson hängte seinen Mantel und Hut auf und blickte sich um und entdeckte in einer Ecke die einzige Frau in dieser Bar. Nun in dieser Stürmischen Abend war die Bar, kaum gefüllt nur die üblichen Stammgäste die auch bei jeden Wind und Wetter ihren Drink hier zu sich nahmen. Langsam und bedacht näherte er sich in die Nische.

      "Guten Abend....ich nehme an Sie sind Samantha Peterson von der Arkham Gazette?" fragte er nervös blickend zu der Frau.

      "Wir haben miteinander telefoniert mein Name ist Wayland Francis Thurson." stellte er sich vor langsam setzte sich auf dem freien Stuhl ihr gegenüber und immer wieder sah er sich um und umklammerte fest seine Aktentasche.

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    • Ein kurzes Zucken ging durch die Flamme der Tischkerze, als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel. Der Sturm heulte in den Gassen wie ein hungriges Tier, doch in der Nische war es für einen Moment still - zu still.
      Samantha hob langsam den Blick. Ihre haselnussbraunen Augen musterten ihn aufmerksam, nicht unfreundlich, aber wachsam. Ein Notizblock lag aufgeschlagen neben ihrem Glas, der Füller ruhte zwischen ihren Fingern wie eine bereitliegende Waffe.
      ''Mister Thurson.'' sagte sie ruhig, ihre Stimme erstaunlich fest angesichts des Donners, der über die Dächer rollte. ''Sie sehen aus, als hätte der Sturm es persönlich auf sie abgesehen.'' Ein kurzes, dünnes Lächeln huschte über ihr Gesicht, dann deutete sie auf die Aktentasche.
      ''Ist das der Grund für unsere ... ungewöhnliche Zusammenkunft?''
      Ein Blitz ließ für den Bruchteil einer Sekunde die ganze Bar in kaltes, weißes Licht tauchen. In diesem Moment wirkten die Schatten an den Wänden wie verzerrte Gestalten, die sich näher schoben, nur um im nächsten Atemzug wieder zu gewöhnlichen Umrissen zu erstarren. Samantha beugte sich leicht vor. ''Sie sagten am Telefon, es ginge um etwas, das nicht für die Polizei bestimmt sei. Und dass es mit der Universität zu tun habe.'' Ihre Stimme senkte sich. ''Mit etwas, das man besser nicht in alten Archiven sucht.'' Ein Glas zersprang irgendwo hinter dem Tresen, vermutlich vom Donner erschüttert. Keiner der Stammgäste reagierte. Sie hielt seinen Blick fest. ''Nun, Mister Thurson ...'' sagte sie leise und verschränkte die Finger auf dem Tisch, ''da Sie sich bereits zu mir gesetzt haben, erzählen Sie mir bitte, warum Sie glauben, dass ein Sturm wie dieser der richtige Moment ist, um über Dinge zu sprechen, die Arkham lieber vergisst.''
      Draußen peitschte der Regen gegen die Scheiben, und für einen Herzschlag lang war es, als käme das dumpfe Grollen nicht vom Himmel, sondern aus der Richtung des Flusses. Für einen Augenblick antwortete nur das Ticken der Wanduhr über dem Tresen. Es klang zu laut, zu gleichmäßig, als würde es etwas zählen, das keiner von Ihnen benennen wollte.

      Ein kalter Luftzug strich durch den Raum, obwohl niemand die Tür geöffnet hatte. Die Kerzenflamme flackerte erneut, diesmal nicht unruhig, sondern als neige sie sich in eine bestimmte Richtung. Zum Fenster.
      Samanthas Finger spannten sich kaum merklich um den Füller. ''Sie zögern.'' stellte sie leise fest. Keine Anklage, nur Beobachtung. ''Das bedeutet entweder, dass Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen ... oder dass der Anfang bereits zu viel ist.''
      Ein weiterer Blitz zuckte herab. Im fahlen Licht wirkte sein Gesicht für den Bruchteil einer Sekunde bleich, fast duchscheined, als hätte der Sturm ihm bereits etwas genommen. ''Arkham vergisst nichts.'' fuhr sie fort, während draußen das Grollen näher rückte. ''Es vergräbt nur. In Kellern. In Archiven. In Menschen.'' Sie schlug das Notizbuch zu, doch sie schrieb nichts. Noch nicht. ''Wenn Sie mich heute Abend hierher gebeten, Mister Thurson, dann nicht, um mich mit Andeutungen zu füttern. Sie wollten eine Zeugin. Oder eine Verbündete.'' Ihre Augen verengten sich leicht. ''Vielleicht auch jemanden, der bezeugen kann, dass Sie bei klarem Verstand waren.''
      Wieder dieses dumpfe Geräusch vom Fluss. Tiefer diesmal. Kein Donner. Samantha drehte den Kopf minimal in diese Richtung. Nur kurz. Lange genug, um zu bestätigen, dass sie es ebenfalls gehört hatte. Dann sah sie ihn wieder an. ''Was genau haben Sie jetzt gefunden?'' fragte sie schließlich. ''Und warum habe ich das Gefühl, dass der Sturm da draußen nicht zufällig tobt?'' Die Bar schien kleiner zu werden. Die Schatten dichter. Und irgendwo im Hintergrund begann das alte Radio zu rauschen, obwohl es nicht eingeschalten war.
    • Nur langsam ließ die Anspannung in Thurstons Schultern nach, als er sich tiefer in die schmale Nische der Bar zurückzog. Der Ort wirkte wie ein Zufluchtsort, kaum mehr als ein dunkler Winkel zwischen schweren Holzbalken und einer beschlagenen Fensterscheibe. Ein einzelnes, flackerndes Licht warf zittrige Schatten an die Wände, die bei jedem Aufblitzen des Gewitters jäh auseinandergerissen wurden. Für den Bruchteil einer Sekunde lag der Raum dann grell und entblößt da jede Kante scharf, jede Bewegung verdächtig, bevor die Dunkelheit alles wieder verschluckte. Draußen prasselte der Regen unerbittlich gegen das Glas, als wollte er Einlass erzwingen. Der Wind heulte durch die Gassen und drückte mit unsichtbarer Gewalt gegen das Gebäude, sodass das Holz leise ächzte. Zwischen den Donnerschlägen lag eine unheimliche Stille, so dicht, dass selbst das leise Klirren eines Glases am Tresen wie ein Fehltritt wirkte. Thurston atmete tief ein. Die Luft roch nach kaltem Rauch und feuchtem Stoff. Er zwang sich, ruhiger zu werden, seine Gedanken zu ordnen, langsam löste er den festen Griff um seine Aktentasche, deren Ecken sich in seine Handflächen gedrückt hatten. Für einen Moment zögerte er, als fürchte er, sie könnten ihm im nächsten Augenblick entrissen werden. Dann hob er den Blick zu Mrs. Peterson. Ihr Gesicht lag halb im Schatten, halb im unsteten Lichtschein. Ihre Fragen klangen ruhig, beinahe beiläufig doch in ihren Augen lag etwas wachsames, prüfendes. Thurston erwiderte ihren Blick vorsichtig. Er wusste nicht, ob er hier Schutz gefunden hatte oder sich geradewegs in etwas hineinmanövriert hatte, das weit gefährlicher war als das Gewitter draußen. Doch was hatte er schon zu verlieren er wusste das er durch seine Nachforschungen sowieso sein Leben verwirkt hatte doch bevor es soweit kommen sollte wollte er sein Gewissen erleichtern und aus diesem Grund war hier.

      Gut Mrs Peterson...aber es wir eine lange Geschichte werden und ich hoffe sie werden danach die Welt wie sie kennen mit vollkommen anderen Augen sehen den es gibt Dinge in dieser Welt die am besten für immer verborgen bleiben sollten.“sprach er mit einer festen Stimme der so am Anfang ängstlich wirkende Mann hatte in diesem Moment seine ganzen Mut zusammengenommen um jetzt seine Geschichte zu erzählen.

      Mein Name ist Waylon Francis Thurston ich stamme aus Boston und bin Anthropologe an der dortigen Universität und auch gleichzeitig der Großneffe von George Gammell Angell Professor für Semitische Sprachen an der Brown Universität in Providence.“erklärte er machte nur eine kurze Pause als die Bedienung ihnen Kaffee brachte erst als sie wieder gegangen war setzte er fort.

      Vor einem Jahr verstarb mein Großonkel ganz plötzlich und unerwartet auf dem Nachhause von den Docks Providence als mit jemanden zusammenstieß und unglücklich stürzte es gab Zeuge die meinte das der Sturz einen Streit vorausging und mein Onkel einfach zusammengebrochen war. Die Polizei nahm sich der Sache an und der Gerichtsmediziner vermutete das ein unerkannter Herzfehler und die Aufregung einen tödlichen Herzinfarkt verursachte. Zwar fahndete man nach dem Mann mit dem mein Onkel zusammenstieß aber man legte den Fall zu den Akten.“erklärte er schließlich mit gedämpfter Stimme und hob die Tasse an die Lippen. Der Kaffee war stark und bitter. Als er daran nippte, breitete sich eine wohlige, beinahe trügerische Wärme in seinem Körper aus, kroch langsam durch seine Glieder und vertrieb für einen Moment die Kälte, die ihm seit Stunden in den Knochen saß.
      Sein Blick glitt in die schwarze Flüssigkeit, als suche er dort eine Antwort – oder den Mut, weiterzusprechen. In der spiegelnden Oberfläche glaubte er für einen Augenblick, sein eigenes Gesicht fremd und verzerrt zurückblicken zu sehen. Mrs. Peterson machte sich derweil Notizen. Das leise Kratzen ihres Füllers auf dem Papier schnitt durch die gedämpfte Geräuschkulisse wie ein gleichmäßiger, unerbittlicher Takt.
      Auch sie hielt kurz inne, führte ihre Tasse an die Lippen und nahm einen ruhigen Schluck, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Dann griff sie in die Tasche ihrer Jacke und zog eine schmale Schachtel hervor. Mit routinierter Bewegung tippte sie eine der weiß filtrierten Zigaretten heraus, klemmte sie sich zwischen die Lippen und zündete sie an.
      Das Feuerzeug flammte auf ein kurzes, grelles Leuchten, das ihr Gesicht für einen Moment hart und kantig erscheinen ließ. Der Rauch stieg in dünnen, bläulichen Schwaden auf und sammelte sich träge unter der niedrigen Decke. Während sie weiter zuhörte, wirkte sie ruhig, beinahe unbeteiligt. Doch in der Art, wie sie den Rauch ausatmete und ihn durchdringend musterte, lag etwas Prüfendes als würde sie jedes seiner Worte abwägen und entscheiden, was Wahrheit war und was nicht.
      Thurston sprach weiter, nun leiser, aber mit einer fiebrigen Entschlossenheit in der Stimme. Er erzählte ihr alles von den Tagen und Nächten, in denen er die Hinterlassenschaften seines Großonkels durchforstet hatte.
      Kisten voller Notizen, vergilbte Zeitungsausschnitte,Protokolle einer Tagung, Baserelif,Fotos Briefe ohne Absender, seltsam nummerierte Aktenmappen.
      Je tiefer er in dieses Material eingedrungen war, desto klarer war ihm geworden, dass sein Großonkel nicht bloß ein exzentrischer Gelehrter gewesen war.Er hatte geforscht. Systematisch. Beharrlich.Und sein Tod so war Thurston inzwischen überzeugt war kein Unfall gewesen.

      Es war Mord“, sagte er schließlich, und das Wort blieb einen Moment schwer zwischen ihnen hängen.

      „Man wollte verhindern, dass er etwas aufdeckt.“
      Er legte dar, was sein Onkel untersucht hatte: eine Gesellschaft, einen Kult, der im Verborgenen operierte mit Verbindungen, die weiter reichten, als es zunächst den Anschein hatte. Alles ließ sich belegen.
      Die Aufzeichnungen waren akribisch geführt, durchsetzt mit Querverweisen, Datierungen, Zeugenaussagen.
      Sein Onkel hatte nichts dem Zufall überlassen.
      Und Thurston hatte weitergemacht. Er hatte die Arbeit fortgeführt, Puzzleteil für Puzzleteil zusammengesetzt. In den Dokumenten fanden sich detaillierte Untersuchungen zu einem Kult, der einen Namen trug, der selbst im Flüsterton Unbehagen auslöste: der Cthulhu-Kult. Zeitungsberichte über unerklärliche Rituale.
      Protokolle privater Ermittlungen. Aussagen verstörter Zeugen, die von nächtlichen Gesängen, fremdartigen Symbolen und unbeschreiblichen Träumen berichteten.
      Je tiefer Thurston grub, desto deutlicher trat ein Muster hervor.Schließlich führte ihn eine Spur zu der Witwe eines bereits verstorbenen Kapitäns eines Mannes, dessen Schiff auf den Weltmeeren in ein seltsames, kaum erklärbares Ereignis verwickelt gewesen sein sollte. Es hatte Gerüchte gegeben. Von einer unkartierten Region. Von einer Insel, die nicht auf Karten verzeichnet war.
      Von einer Rückkehr, die keine war. Die Witwe hatte gezögert, doch am Ende übergab sie ihm ein verborgen gehaltenes Tagebuch. Seine Hände hatten gezittert, als er es zum ersten Mal aufschlug. Darin berichtete der Kapitän von der Entdeckung einer uralten, aus dem Meer aufgestiegenen Stadt R’lyeh, deren Geometrie jeder menschlichen Vorstellung widersprach.
      Von Winkeln, die nicht sein konnten. Von Mauern, die schief und doch auf verstörende Weise korrekt wirkten. Und schließlich von etwas, das dort geschlafen hatte. Von einer kurzzeitigen Erweckung.Von einem Wesen namens Cthulhu. Die letzten Einträge des Tagebuchs waren hastig, die Schrift verzerrt, als sei sie unter unsäglicher Anspannung niedergeschrieben worden. Sie schilderten eine Flucht. Panik. Das Gefühl, von etwas beobachtet zu werden, das älter war als jede bekannte Zivilisation.Thurston verstummte für einen Moment. Draußen rollte der Donner über die Stadt, als würde er das Gesagte bestätigen.

      Wenn mein Onkel recht hatte“, sagte er schließlich heiser, „Dann wollte man nicht nur ihn zum Schweigen bringen.“
      Sein Blick glitt unruhig durch den Raum.

      Sondern jeden, der zu nahe an die Wahrheit kommt.“
    • Samantha ließ sich Zeit mit ihrer Antwort. Sie klopfte die Asche in einen überfüllten Porzellan-Aschenbecher, ohne den Blick von Thurson zu nehmen. Das leise Prasseln des Regens füllte die Pause zwischen ihnen, bis sie schließlich ruhig sprach.
      ''Sie verlangen viel von mir, Mr. Thurson.'' Ihre Stimme war weder spöttisch noch mitfühlend, sie war nüchtern. Prüfend.
      ''Ein toter Professor. Ein angeblicher Herzinfarkt. Verschwundene Zeugen. Eine geheime Gesellschaft mit globalen Verbindungen. Eine versunkene Stadt mit unmöglicher Geometrie.'' Sie zog langsam an ihrer Zigarette. ''Und ein schlafendes Wesen aus einer Zeit vor der Menschheit.''
      Ein Blitz zerriss den Himmel, und für einen Sekundenbruchteil spiegelte sich das grelle Licht in ihren Augen.
      ''Wissen Sie, was mein Beruf mit sich bringt? Männer kommen zu mir mit Geschichten. Mit Theorien. Mit Wahrheiten, die angeblich zu groß sind für die Öffentlichkeit.'' Sie lehnte sich vor. ''Die meisten davon zerfallen, sobald man sie dem Licht aussetzt.''
      Ein dünnes Lächeln huschte über ihren Lippen, es reichte ihren Augen nicht. ''Aber Sie...'' Sie musterte ihn eingehend. ''Sie glauben jedes einzelne Wort.'' Sie nahm einen Schluck Kaffee, stellte die Tasse mit bedächtiger Präzision ab.
      ''Nehmen wir an, ich schenke Ihnen Glauben. Nehmen wir an, Ihr Onkel wurde ermordet, weil er einem Kult auf der Spur war. Einem Kult, der ein uraltes Wesen, verehrt, das irgendwo unter dem Meer schläft.'' Ihre Stimme wurde leiser. ''Warum kommen Sie zu mir?'' Sie beugte sich weiter vor, die Ellbogen nun auf den Tisch, der Rauch kringelte sich zwischen ihnen wie ein lebendiges Etwas.

      ''Wollen Sie, dass ich es veröffentliche? Einen Artikel drucke, der Panik auslöst? Der mich zur Zielscheibe macht? Oder hoffen Sie, dass allein das Niederschreiben genügt, um sich reinzuwaschen?'' Der Donner grollte dumpf über ihnen hinweg. ''Sie sagen, man bringe jeden zum Schweigen, der der Wahrheit zu nahe kommt.'' Ein kaum merkliches Heben ihrer Augenbraue. ''Dann sitzen Sie gerade im falschen Raum. Denn wenn ihre Geschichte stimmt, habe ich sie nun ebenfalls gehört.'' Sie drückte ihre Zigarette aus, langsam, mit Nachdruck.
      ''Also sagen Sie mir, Mr. Thurson.'' Ihre Stimme sank zu einem fast vertraulichen Tonfall. ''Sind Sie bereit, dass ich nachprüfe, was Sie mir da erzählt haben? Wirklich nachprüfe?'' Ein weiterer Blitz. Diesmal zuckte kein Muskel in ihrem Gesicht. ''Denn wenn auch nur ein Bruchteil davon belegbar ist, dann haben wir es nicht mit einer Sensationsgeschichte zu tun.'' ...Eine kurze Pause... ''Sondern mit etwas, das sehr viele mächtige Menschen verzweifelt begraben halten wollen.''

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    • Thurson hielt ihrem Blick stand, doch seine Finger verrieten ihn. Sie krallten sich so fest in die Krempe seines Hutes, dass die Knöchel weiß hervortraten.

      „Wenn ich mich reinwaschen wollte,wäre ich nicht hier.“ sagte er leise, der Regen schlug nun härter gegen die Scheiben, als wollte er das Gebäude prüfen. Thurson atmete einmal durch, langsam.

      „Ich will keinen Skandal. Keine Schlagzeile.“ Ein bitteres Lächeln huschte über sein Gesicht.

      „Wenn es nach mir ginge, würde niemand je erfahren, was mein Onkel gefunden hat.“ Er beugte sich vor, genau wie sie zuvor. Zwischen ihnen hing noch der Geruch von Rauch und kaltem Kaffee.

      „Aber sie werden weitermachen.“ seine Stimme war ruhig, doch darin lag etwas Unerschütterliches den er hatte das gute Gefühl das er in Mrs Peterson eine Verbündete gefunden hatte.

      „Mein Onkel Professor Gammel war nicht der Erste. Und ich fürchte, er sollte auch nicht der Letzte sein. Was immer unter dem Meer liegt – was immer diese Gesellschaft verehrt – es bewegt sich. Vielleicht nicht im wörtlichen Sinn.“ Ein Zögern.

      „Aber in Einfluss. In Entscheidungen. In Geldflüssen. In verschwundenen Archiven.“ Ein ferner Donner ließ das Glas in den Fenstern erzittern.

      „Sie haben gefragt, warum ich zu Ihnen komme.“ Er schluckte.

      „Weil Sie nicht nur drucken. Sie prüfen. Sie graben. Und wenn Sie etwas veröffentlichen, dann nicht als Sensation, sondern als Tatsache.“ Sein Blick wurde dunkler.

      „Wenn ich Unrecht habe, verlieren Sie ein paar Tage Arbeit. Wenn ich recht habe…“ Er ließ den Satz einen Moment hängen. „…dann ist Schweigen keine Neutralität mehr.“ sprach er und es kam ein Stiller Augenblick. Dann,sagte er kaum hörbar:

      „Sie sagten, die meisten Geschichten zerfallen im Licht. Was, wenn diese hier das Licht fürchtet?“ sprach er hob endlich den Blick vollständig zu ihr.
      Thurson zog die Aktentasche unter dem Tisch hervor, als wäre sie schwerer geworden, seit er das Café betreten hatte.
      Er hielt sie einen Moment fest, beide Hände am Griff. Dann reichte er sie Mrs. Peterson hinüber – nicht zögernd, nicht theatralisch. Eher wie jemand, der eine brennende Fackel weitergibt, bevor sie ihm die Haut versengt.
      In seinem Blick lag etwas, das sie zuvor nicht gesehen hatte.
      Erleichterung.
      Nicht, weil die Gefahr vorüber war. Sondern weil sie nun geteilt wurde.

      „Alles ist darin“, sagte er leise. öffnete die Aktentasche und legte dessen Inhalt frei. Mehr nicht. Er stand auf, strich sich fahrig über den Mantel und zwang ein höfliches Nicken hervor.

      „Entschuldigen Sie mich einen Moment." sprach er höflich seine Schritte wirkten kontrolliert, doch ein aufmerksames Auge hätte das leichte Schwanken bemerkt, das angespannte Tempo, das er bewusst drosselte. Die Tür zu den Toiletten schloss sich hinter ihm mit einem gedämpften Klicken. Mrs. Peterson blieb allein zurück sie nahm die Aktentasche nicht sofort entgegen.
      Sie betrachtete sie einen Moment lang, als könne allein das Leder ihre Entscheidung beeinflussen. Dann griff sie zu.
      Das Gewicht überraschte sie nicht.
      Auf ihren Tisch lagen nun sauber gebündelte Dokumente. Fotografien. Kartenmaterial. Kopien alter Briefe. Randnotizen in einer eiligen, kantigen Handschrift. Ein kleines, in Stoff gewickeltes Objekt.
      Die ersten Fotografien kamen zum vorschein. Es war kein unscharfes Seemonster-Bild. Keine manipulierte Aufnahme.
      Es war ein Satellitenbild. Ein dunkler Kreis im Ozean. Perfekt symmetrisch. Zu groß für einen natürlichen Krater. Zu präzise für Zufall.
      In den nächsten Aufnahme. Unterwasseraufnahmen. Steinstrukturen. Winkel, die dem Auge Widerstand leisteten. Linien, die nicht stimmten. Als würden sie sich der Perspektive entziehen.Dann ein im Stoff gewickeltes Objekt.
      Ein flaches Stück weißen Steins kam zum Vorschein. Kühl. Glatt. Und doch durchzogen von Linien, die weder ornamental noch zufällig wirkten. Sie bildeten ein Muster, das Abbild einer Gottheit.
    • Samantha ließ den Blick lange auf dem weißen Stein ruhen, ohne ihn zu berühren. Nur ihre Finger glitten langsam über die Kante eines der Fotografien, als müsse sie sich vergewissern, dass die Welt noch aus Papier und nicht aus diesem… anderen Material bestand.
      Der Regen draußen hatte an Rhythmus gewonnen. Gleichmäßig. Unerbittlich.
      ''Das Licht fürchtet nichts'', sagte sie schließlich ruhig, fast beiläufig – doch ihre Stimme war leiser geworden. ''Es zeigt nur, was ohnehin da ist.'' Erst dann griff sie nach dem in Stoff gewickelten Objekt. Vorsichtig. Bedacht. Als würde sie nicht nur Gewicht prüfen, sondern Widerstand. Ihre Finger hielten inne, kaum dass sie den Stein berührten. Ein kaum sichtbares Zucken ging durch ihre Hand, als hätte sie etwas gespürt, das sich nicht benennen ließ. Sie legte ihn nicht zurück.
      Stattdessen zog sie eines der Fotos näher heran – das Satellitenbild. Ihr Blick wurde schärfer, analytischer, der einer Frau, die gelernt hatte, hinter Behauptungen Muster zu erkennen. ''Symmetrie dieser Größenordnung entsteht nicht einfach so'', murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu irgendwem sonst. ''Und wenn doch, dann hinterlässt sie Spuren. Messbare. Nachvollziehbare.'' Ein kurzer Blick zur Toilettentür. Geschlossen. Dann zurück zur Aktentasche. Sie begann, die Dokumente systematisch zu ordnen. Karten zu Karten. Briefe zu Briefen. Ihre Bewegungen wurden schneller, sicherer, Routine übernahm, wo Zweifel sich einzunisten drohten. Doch der Stein blieb, wo er war.
      ''Einfluss, Entscheidungen, Geldflüsse…'' wiederholte sie leise. ''Das lässt sich verfolgen. Alles davon.''
      Ein fernes Grollen ließ die Fensterscheiben zittern. Diesmal sah sie nicht auf. ''Was sich nicht verfolgen lässt…'' Ihre Augen wanderten zurück zu den Unterwasseraufnahmen. Zu den Linien, die sich weigerten, still zu bleiben. ''…ist das hier.''
      Ein kaum merkliches Lächeln erschien – nicht aus Belustigung, sondern aus Erkenntnis.
    • Während Samantha noch über den Fotografien saß und die Linien auf dem Satellitenbild mit wachsender Konzentration verfolgte, löste sich einige Tische weiter eine Gestalt aus dem Halbdunkel. Unauffällig. Fast beiläufig. Niemand schenkte ihr Beachtung.
      Auch Thurson nicht.
      Er hatte sich gerade erhoben, murmelte etwas Unverständliches und verschwand in Richtung Toilette. Die Gestalt folgte ihm mit ein paar Sekunden Abstand genau so viel, dass es wie Zufall wirkte. Die Tür schloss sich hinter ihnen.
      Für einen Moment blieb alles ruhig. Nur der Regen war zu hören, gleichmäßig gegen die Scheiben schlagend, und das gedämpfte Stimmengewirr aus dem Schankraum.
      Dann ein dumpfes Geräusch. Kurz. Schwer einzuordnen. Als wäre etwas gegen Holz oder Fliesen gestoßen. Danach Stille. Zu lange, um bedeutungslos zu sein.
      Wenig später öffnete sich die Tür erneut. Die Gestalt trat hinaus, strich sich beiläufig über den Ärmel, als hätte sie nur Staub entfernt, und ging ohne Hast zur Tür der Bar. Doch in der Art, wie sie den Raum verließ, lag etwas Endgültiges. Der Barbesitzer sah ihr nach.
      Es war kein klarer Verdacht eher ein Gefühl, das sich nicht abschütteln ließ. Ein leiser Widerstand gegen die Normalität des Moments. Er trocknete seine Hände an einem Tuch, zögerte einen Augenblick und trat schließlich hinter dem Tresen hervor. Seine Schritte wurden langsamer, je näher er der Toilettentür kam. Er klopfte nicht. Drückte die Klinke. Die Tür gab nach.
      Ein scharfer Geruch schlug ihm entgegen Metall, vermischt mit feuchter Luft. Sein Blick brauchte einen Moment, um sich an das Licht zu gewöhnen.
      Dann sah er Thurson. Am Boden.
      Unnatürlich verdreht, als hätte sein Körper den Halt verloren, bevor er verstand, was geschah. Blut hatte sich unter ihm ausgebreitet, dunkel gegen die hellen Fliesen.
      Der Barbesitzer blieb im Türrahmen stehen. Reglos. Sein Atem stockte.
      Und für einen kurzen, klaren Augenblick wusste er, dass sich in dieser Nacht etwas unwiderruflich verändert hatte.
      Der Barbesitzer rannte panisch zurück zur Theke. Sein Gesicht war blass, die Hände zitterten. Samantha hob den Kopf und bemerkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Sein hastiger Griff nach dem Telefon, das hastige Wählen der Nummer alles wirkte wie ein Signal, dass etwas Schlimmes geschehen war.
      Am anderen Ende saß der Polizeichef von Arkham. In seinem Büro standen stapelweise Akten auf dem Schreibtisch, neben einer halb leeren Tasse Tee. Der Morgen war ruhig verlaufen, zu ruhig vielleicht. Dann das Klingeln des Telefons.
      Er nahm den Hörer ab, und sofort erkannte er die Stimme. Den Besitzer. Die Bar. Das quälende Gefühl, dass diesmal etwas ernsthaft aus dem Ruder gelaufen war, ließ ihn unwillkürlich gerade sitzen.

      Was ist passiert?“ fragte er, die Stimme ruhig, doch die Augen hinter der Brille verengten sich. Er kannte die Bar, den Besitzer, das Umfeld und er wusste, dass dieser Tonfall nur im Ausnahmefall auftrat.
      Der Polizeichef von Arkham, Mike Banning, stand auf. Mit routinierten Bewegungen streifte er seine Dienstwaffe über die Schulter, zog die Regenjacke an und setzte den Hut auf. Der Regen trommelte unaufhörlich gegen die Fensterscheiben, als er zwei seiner Polizisten heranrief.

      Kommt mit“, sagte er knapp. „Wir fahren zusammen zur Bar. Der Besitzer hat eine Leiche gefunden.“
      Ohne weitere Fragen zuzulassen, griffen die beiden Polizisten ihre Ausrüstung, während Banning bereits Richtung Ausgang ging. Jeder Schritt auf dem nassen Asphalt spiegelte die Dringlichkeit wider. Sie wussten, dass ein solcher Einsatz selten Routine war hier ging es nicht um gewöhnliche Vorfälle. Die Tür zur Bar öffnete sich mit einem Schlag, der Regen peitschte herein. Mike Banning trat ein, dicht gefolgt von zwei Polizisten. Ihre Schritte hallten über das Holz des Bodens, jeder Tropfen auf den nassen Mänteln ein leiser Trommelwirbel der Dringlichkeit.
      Der Barbesitzer stand hinter der Theke, blass und starr vor Schock. Banning nickte ihm kurz zu, dann richtete er seinen Blick sofort auf den hinteren Bereich der Bar, wo das Geschehen stattgefunden hatte.
      Ohne ein Wort wies er die beiden Polizisten an, den Bereich abzusperren und den Raum zu sichern. Die Tür schlug erneut hinter ihnen zu, und der Regen draußen schien für einen Moment leiser zu werden nur die Anspannung in der Luft war greifbar.
      Banning kniete kurz neben der Leiche von Thurson, musterte den Tatort sorgfältig, bevor er die Bar absperren ließ. Gelassen, aber aufmerksam, wies er die Polizisten an, nichts zu berühren und die Spuren zu sichern.

      "Ruft auch Doc Schulz ich brauche von eine Gerichtsmedizinische Untersuchung und macht einige Fotos vom Tatort ich befrage eben den Barbesitzer und die Anwesenden." sprach an und wies seinen Polizten an. Er trat in den Barraum und wandte sich zuerst an den Barbesitzer den von früher kannte den Banning war hier in Arkham geboren und aufgewachsen und war nur kurzfristig eine Zeit in der Großstadt tätig bevor er wieder zurückkehrte.

      Erzähl mir, was du gesehen hast.“ meinte Mike und sprach ruhig auf ihn ein seine alter Freund zögerte, dann nickte er hastig sich um.

      Dieser Mann war keiner meiner Stammgäste er war auch nicht von hier er hatte kurz vorher
      mit einer Frau gesprochen. Sie saß in der Nische dort drüben, kaum dass ich es bemerkte.“ Banning sah in die Nische und hatte sich einige Notzien gemacht. Dann trat zu näher zu der Nische. Die Frau war beschäftigt, packte sorgfältig alle Unterlagen und Fotos von Thurson zusammen. Eine weißflitrige Zigarette hing zwischen ihren Lippen, das Feuerzeug streikte, als sie es versuchte zu entzünden.
      Banning bemerkte es, griff schnell in seine Tasche und reichte ihr sein eigenes Feuerzeug. Ohne ein Wort nickte sie ihm dankbar zu, und das kleine Klicken des Feuerzeuges in der Stille der Bar war fast lauter als das tropfende Wasser draußen.

      "Guten Tag mein Name ist Mike Banning ich bin der Polizeichef von Arkham ich schätze sie haben mitbekommen was passiert ist. Ich hätte eine einige Fragen und ich hoffe sie können mir diese beantworten." sagte er und sich vorgestellt.
    • Während Samantha noch über den Fotografien saß und die Linien auf dem Satellitenbild mit wachsender Konzentration verfolgte, löste sich einige Tische weiter eine Gestalt aus dem Halbdunkel. Unauffällig. Fast beiläufig. Niemand schenkte ihr Beachtung.
      Auch Thurson nicht.
      Er hatte sich gerade erhoben, murmelte etwas Unverständliches und verschwand in Richtung Toilette. Die Gestalt folgte ihm mit ein paar Sekunden Abstand genau so viel, dass es wie Zufall wirkte. Die Tür schloss sich hinter ihnen.
      Für einen Moment blieb alles ruhig. Nur der Regen war zu hören, gleichmäßig gegen die Scheiben schlagend, und das gedämpfte Stimmengewirr aus dem Schankraum.
      Dann ein dumpfes Geräusch. Kurz. Schwer einzuordnen. Als wäre etwas gegen Holz oder Fliesen gestoßen. Danach Stille. Zu lange, um bedeutungslos zu sein.
      Wenig später öffnete sich die Tür erneut. Die Gestalt trat hinaus, strich sich beiläufig über den Ärmel, als hätte sie nur Staub entfernt, und ging ohne Hast zur Tür der Bar. Doch in der Art, wie sie den Raum verließ, lag etwas Endgültiges. Der Barbesitzer sah ihr nach.
      Es war kein klarer Verdacht eher ein Gefühl, das sich nicht abschütteln ließ. Ein leiser Widerstand gegen die Normalität des Moments. Er trocknete seine Hände an einem Tuch, zögerte einen Augenblick und trat schließlich hinter dem Tresen hervor. Seine Schritte wurden langsamer, je näher er der Toilettentür kam. Er klopfte nicht. Drückte die Klinke. Die Tür gab nach.
      Ein scharfer Geruch schlug ihm entgegen Metall, vermischt mit feuchter Luft. Sein Blick brauchte einen Moment, um sich an das Licht zu gewöhnen.
      Dann sah er Thurson. Am Boden.
      Unnatürlich verdreht, als hätte sein Körper den Halt verloren, bevor er verstand, was geschah. Blut hatte sich unter ihm ausgebreitet, dunkel gegen die hellen Fliesen.
      Der Barbesitzer blieb im Türrahmen stehen. Reglos. Sein Atem stockte.
      Und für einen kurzen, klaren Augenblick wusste er, dass sich in dieser Nacht etwas unwiderruflich verändert hatte.
      Der Barbesitzer rannte panisch zurück zur Theke. Sein Gesicht war blass, die Hände zitterten. Samantha hob den Kopf und bemerkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Sein hastiger Griff nach dem Telefon, das hastige Wählen der Nummer alles wirkte wie ein Signal, dass etwas Schlimmes geschehen war.
      Am anderen Ende saß der Polizeichef von Arkham. In seinem Büro standen stapelweise Akten auf dem Schreibtisch, neben einer halb leeren Tasse Tee. Der Morgen war ruhig verlaufen, zu ruhig vielleicht. Dann das Klingeln des Telefons.
      Er nahm den Hörer ab, und sofort erkannte er die Stimme. Den Besitzer. Die Bar. Das quälende Gefühl, dass diesmal etwas ernsthaft aus dem Ruder gelaufen war, ließ ihn unwillkürlich gerade sitzen.

      Was ist passiert?“ fragte er, die Stimme ruhig, doch die Augen hinter der Brille verengten sich. Er kannte die Bar, den Besitzer, das Umfeld und er wusste, dass dieser Tonfall nur im Ausnahmefall auftrat.
      Der Polizeichef von Arkham, Mike Banning, stand auf. Mit routinierten Bewegungen streifte er seine Dienstwaffe über die Schulter, zog die Regenjacke an und setzte den Hut auf. Der Regen trommelte unaufhörlich gegen die Fensterscheiben, als er zwei seiner Polizisten heranrief.

      Kommt mit“, sagte er knapp. „Wir fahren zusammen zur Bar. Der Besitzer hat eine Leiche gefunden.“
      Ohne weitere Fragen zuzulassen, griffen die beiden Polizisten ihre Ausrüstung, während Banning bereits Richtung Ausgang ging. Jeder Schritt auf dem nassen Asphalt spiegelte die Dringlichkeit wider. Sie wussten, dass ein solcher Einsatz selten Routine war hier ging es nicht um gewöhnliche Vorfälle. Die Tür zur Bar öffnete sich mit einem Schlag, der Regen peitschte herein. Mike Banning trat ein, dicht gefolgt von zwei Polizisten. Ihre Schritte hallten über das Holz des Bodens, jeder Tropfen auf den nassen Mänteln ein leiser Trommelwirbel der Dringlichkeit.
      Der Barbesitzer stand hinter der Theke, blass und starr vor Schock. Banning nickte ihm kurz zu, dann richtete er seinen Blick sofort auf den hinteren Bereich der Bar, wo das Geschehen stattgefunden hatte.
      Ohne ein Wort wies er die beiden Polizisten an, den Bereich abzusperren und den Raum zu sichern. Die Tür schlug erneut hinter ihnen zu, und der Regen draußen schien für einen Moment leiser zu werden nur die Anspannung in der Luft war greifbar.
      Banning kniete kurz neben der Leiche von Thurson, musterte den Tatort sorgfältig, bevor er die Bar absperren ließ. Gelassen, aber aufmerksam, wies er die Polizisten an, nichts zu berühren und die Spuren zu sichern.

      "Ruft auch Doc Schulz ich brauche von eine Gerichtsmedizinische Untersuchung und macht einige Fotos vom Tatort ich befrage eben den Barbesitzer und die Anwesenden." sprach an und wies seinen Polizten an. Er trat in den Barraum und wandte sich zuerst an den Barbesitzer den von früher kannte den Banning war hier in Arkham geboren und aufgewachsen und war nur kurzfristig eine Zeit in der Großstadt tätig bevor er wieder zurückkehrte.

      Erzähl mir, was du gesehen hast.“ meinte Mike und sprach ruhig auf ihn ein seine alter Freund zögerte, dann nickte er hastig sich um.

      Dieser Mann war keiner meiner Stammgäste er war auch nicht von hier er hatte kurz vorher
      mit einer Frau gesprochen. Sie saß in der Nische dort drüben, kaum dass ich es bemerkte.“ Banning sah in die Nische und hatte sich einige Notzien gemacht. Dann trat zu näher zu der Nische. Die Frau war beschäftigt, packte sorgfältig alle Unterlagen und Fotos von Thurson zusammen. Eine weißflitrige Zigarette hing zwischen ihren Lippen, das Feuerzeug streikte, als sie es versuchte zu entzünden.
      Banning bemerkte es, griff schnell in seine Tasche und reichte ihr sein eigenes Feuerzeug. Ohne ein Wort nickte sie ihm dankbar zu, und das kleine Klicken des Feuerzeuges in der Stille der Bar war fast lauter als das tropfende Wasser draußen.

      "Guten Tag mein Name ist Mike Banning ich bin der Polizeichef von Arkham ich schätze sie haben mitbekommen was passiert ist. Ich hätte eine einige Fragen und ich hoffe sie können mir diese beantworten." sagte er und sich vorgestellt.
    • Samantha ließ sich einen Moment Zeit, zog den Rauch der Zigarette langsam ein und musterte Banning dabei genau. Ihr Blick war ruhig, fast kühl, doch dahinter arbeitete es sichtbar.
      ''Kommt darauf an, welche Fragen Sie stellen'', erwiderte sie schließlich leise und blies den Rauch seitlich aus. ''Und ob Sie bereit sind, die Antworten auch ernst zu nehmen.''

      Sie legte das Feuerzeug behutsam neben sich auf den Tisch, als würde sie damit unbewusst eine Grenze markieren. Dann schob sie die gesammelten Unterlagen ein Stück beiseite – nicht hastig, eher kontrolliert, als hätte jede Bewegung Bedeutung.
      „Ja, ich habe mit ihm gesprochen“, fuhr sie fort und sah nun direkt zu Banning auf. ''Thurson war nervös. Mehr als nur ein bisschen. Er hat ständig zur Tür gesehen, als würde er jemanden erwarten… oder fürchten.''
      Ein kurzes Zögern. Ihre Finger strichen über den Rand eines der Fotos, ohne es wirklich anzusehen.
      ''Er hat mir etwas zeigen wollen. Diese Aufnahmen hier.'' Sie deutete knapp auf den Stapel. ''Satellitenbilder, Markierungen, Koordinaten… nichts, was man einfach so mit sich herumträgt. Und ganz sicher nichts, weswegen man mitten in einer Bar plötzlich ins Schwitzen gerät.''
      Samantha lehnte sich leicht zurück, ihre Augen verengten sich minimal.
      ''Dann ist er aufgestanden. Ohne Erklärung. Einfach weg. Und keine Minute später…'' Sie machte eine kleine, fast bedeutungslose Handbewegung in Richtung hinterer Räume. ''…das.''
      Ein leises Klirren war zu hören, als sie die Zigarette im Aschenbecher ablegte, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen.
      ''Sie suchen jemanden?'' fragte sie dann, etwas schärfer. „Dann würde ich nicht bei mir anfangen, Chief. Die Person, die Sie suchen, ist längst durch diese Tür gegangen.“
      Ein kurzer Blick zur Eingangstür, hinter der der Regen noch immer unnachgiebig prasselte.
      ''Und sie wusste ganz genau, was sie tut.''
      Sie beugte sich nun leicht nach vorne, ihre Stimme wurde leiser, eindringlicher.
      ''Dunkler Mantel. Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Nicht hastig – eher… kontrolliert. So, als hätte sie alle Zeit der Welt. Aber ihre Hände…'' Samantha hielt inne, als würde sie das Bild noch einmal vor sich sehen. ''Zu ruhig. Kein Zittern. Kein Zögern. Das war nichts Spontanes.''
      Banning schwieg, sein Blick haftete auf ihr. Man konnte fast hören, wie er jedes Wort gegeneinander abwog.
      Samantha griff nach einem der Fotos und drehte es langsam zu ihm.
      ''Er hat mir das hier gezeigt, kurz bevor er ging.''
      Auf dem Bild waren verschwommene Geländeformen zu erkennen, durchzogen von präzisen Linien und markierten Punkten. Einige Stellen waren mehrfach eingekreist, als hätte jemand verzweifelt versucht, ein Muster zu erkennen – oder zu bestätigen.
      ''Er meinte, es gäbe Überschneidungen. Orte, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben sollten… und trotzdem immer wieder auftauchen.''
      Ihre Augen glitten kurz zu den übrigen Unterlagen, dann wieder zurück zu Banning.
      ''Ich glaube nicht, dass Thurson zufällig hier war. Und ich glaube auch nicht, dass sein Tod etwas mit einem einfachen Streit zu tun hat.''
      Ein dumpfer Donner grollte draußen, ließ die Fensterscheiben kurz erzittern.
      ''Das hier'', fuhr sie fort und tippte mit dem Finger leicht auf das Foto, ''ist größer als das.''
      Für einen Moment entstand Stille zwischen ihnen. Dann lehnte sie sich wieder zurück, verschränkte die Arme locker.
      ''Also, Chief…'' Ihre Stimme war wieder ruhiger, fast herausfordernd. ''Wollen Sie mich jetzt als Zeugin behandeln… oder als Verdächtige?''
      Ein kaum merkliches Lächeln huschte über ihre Lippen – nicht spöttisch, eher wissend.
      ''Denn je nachdem fällt meine nächste Antwort sehr unterschiedlich aus.''
    • Banning ließ sich nichts anmerken, als sein Blick über das Foto glitt. Nur ein winziger Moment kaum länger als ein Wimpernschlag blieb er an einer der markierten Stellen hängen. Eine Form. Vertraut. Zu vertraut. Doch im nächsten Augenblick war sein Gesicht wieder undurchdringlich. Er schob das Bild leicht zurück, als wäre es nur eines von vielen.

      Bewegung…“ wiederholte er ruhig, fast nachdenklich. „Kein schlechtes Bild.“
      Er richtete sich ein wenig auf, verschränkte die Arme jedoch nicht offen, kontrolliert.

      Thurson hat also nichts Konkretes gesagt? Keine Namen, keine Organisation, keine Andeutungen, wer hinter diesen… Verbindungen stecken könnte?“ Sein Ton war sachlich, aber gezielt. Samantha schüttelte leicht den Kopf. Banning nickte langsam, als hätte er genau das erwartet.

      Hat er erwähnt, woher er die Daten hatte?“ Ein kurzer Blick auf die restlichen Unterlagen.

      So etwas zieht man nicht einfach aus einer öffentlichen Datenbank.“ Er machte eine kleine Pause, ließ den Regen für einen Moment die Lücke füllen.

      Und diese Person die mit dem Mantel.“ Seine Augen gingen wieder zu ihr. „Hat Thurson auf sie reagiert, bevor er gegangen ist? Irgendein Zeichen, dass er sie gesehen oder erkannt hat?“
      Banning griff erneut nach dem Foto, diesmal nur, um es scheinbar beiläufig zu drehen, als würde er die Markierungen aus einem anderen Winkel betrachten. In Wahrheit vermied er genau den Punkt, der ihm aufgefallen war.

      Dann bleiben uns drei Dinge“, sagte er ruhig.

      „Ein nervöser Mann mit Daten, die er nicht haben sollte.“ Er tippte leicht auf den Rand des Bildes.

      Ein Muster, das keiner von uns sofort versteht.“ Ein kurzer Blick zur Tür.

      Und jemand, der genau wusste, wann er auftauchen muss.“ Er legte das Foto endgültig ab.

      Das spricht gegen Zufall.“ Sein Blick ging zurück zu Samantha fest, aber nicht anklagend.

      Ich sehe im Moment keinen Grund, Sie hier festzuhalten.“Eine kleine Pause. „Im Gegenteil.“
      Ein kaum sichtbares Aufweichen in seiner Haltung.

      Sie haben Dinge gesehen, die wir brauchen werden.“ Er zog sein Notizbuch wieder hervor, riss eine Seite sauber heraus und schob sie zu ihr.

      Falls Ihnen noch etwas einfällt egal wie unbedeutend es wirkt. Rufen sie mich einfach an und wir werden von ihnen noch die Personalien aufnehmen und ich würde Sie bitte die Stadt nicht zu verlassen. “ dann griff er aus seiner Jackentasche eine Visitenkarte mit der direkten Nummer zu seinem Büro.
    • Samantha nahm die Seite und die Visitenkarte entgegen, ließ sie jedoch zunächst unberührt zwischen ihren Fingern ruhen. Ihr Blick blieb auf Banning gerichtet, ruhig, aber wachsam, als würde sie versuchen, hinter seine kontrollierte Fassade zu sehen – oder vielleicht abzuwägen, wie viel sie ihm wirklich sagen sollte.
      ''Sie sind sich ziemlich sicher, dass das kein Zufall ist'' murmelte sie schließlich. Es klang nicht wie eine Frage, eher wie das leise Eingeständnis, dass sie selbst zu demselben Schluss gekommen war.
      Langsam senkte sie den Blick wieder auf das Foto. Diesmal betrachtete sie es länger, bewusster. Ihre Finger glitten über die Oberfläche, blieben an einer der markierten Stellen hängen. Für einen kurzen Moment verharrte sie dort – genau an dem Punkt, den Banning so demonstrativ gemieden hatte. Ein kaum sichtbares Innehalten, ein feines Zusammenziehen ihrer Augen, als hätte sich ein Gedanke geformt, den sie noch nicht ganz greifen konnte.
      Dann zog sie die Hand zurück, als wäre ihr die eigene Reaktion bewusst geworden.
      ''Thurson…'' setzte sie erneut an, ihre Stimme leiser, suchender. ''Er hat nichts Konkretes gesagt, nein. Keine Namen, keine Organisationen.'' Ein leichtes Kopfschütteln. ''Aber er war auch nicht der Typ, der einfach irgendwas aufschnappt und dann Panik bekommt.''
      Sie lehnte sich ein Stück zurück, die Schultern angespannt, verschränkte die Arme jedoch erst nach einem kurzen Zögern – weniger als Schutz, mehr als Versuch, ihre Gedanken zu ordnen.
      ''Es war mehr als Nervosität'', fuhr sie fort. ''Er war… gehetzt. So, als würde ihm die Zeit davonlaufen.'' Ihr Blick glitt kurz zur Tür, dann wieder zurück zu Banning. ''Und nicht wegen mir. Ich hatte eher das Gefühl, ich war für ihn nur… ein letzter Versuch.''
      Ein flüchtiges, bitteres Lächeln huschte über ihre Lippen und verschwand genauso schnell wieder.
      ''Als müsste er etwas loswerden, bevor es zu spät ist.''
      Ihre Finger griffen nun doch nach der Visitenkarte. Sie drehte sie langsam zwischen Daumen und Zeigefinger, ohne wirklich darauf zu schauen.
      ''Was die Daten angeht…'' Sie zögerte. ''Sie haben recht. Das war nichts, was man einfach irgendwo runterlädt. Es wirkte… zusammengestellt. Als hätte jemand gezielt Verbindungen gezogen, die eigentlich nicht sichtbar sein sollten.'' Ein kurzer Atemzug. ''Und Thurson war nicht gut genug, um so etwas allein auf die Beine zu stellen.''
      Dann kam sie auf den Punkt zurück, der sie sichtlich mehr beschäftigte.
      ''Diese Person im Mantel…''
      Ihre Stimme wurde leiser, konzentrierter.
      ''Ich habe zuerst gar nicht auf sie geachtet. Sie war einfach da. Zu unauffällig fast.''
      Sie schüttelte leicht den Kopf. ''Aber jetzt, wo ich darüber nachdenke… vielleicht war genau das der Punkt.''
      Sie sah Banning direkt an.
      ''Thurson hat sie nicht direkt angesehen. Nicht einmal wirklich in ihre Richtung.'' Eine kleine Pause. ''Aber sein Körper hat reagiert. Ganz kurz. Die Schultern… sind minimal angespannt gewesen. Und er hat den Satz, den er gerade gesagt hat, nicht beendet.''
      Ihre Augen verengten sich leicht, als würde sie die Szene erneut durchleben.
      ''Das war kein Zufall. Das war Erkennen – oder zumindest das Bewusstsein, dass jemand da ist, der nicht da sein sollte.''
      Ein Moment Stille breitete sich zwischen ihnen aus, nur vom imaginären Regen getragen.
      ''Wenn also jemand wusste, wann er auftauchen muss…'' Sie hob die Visitenkarte leicht an, hielt sie nun ruhig fest. ''Dann wusste diese Person auch, was Thurson bei sich hatte. Oder dass er es weitergeben wollte.''
      Sie lehnte sich wieder leicht nach vorn, die Stimme nun fester, entschlossener.
      ''Und ich glaube nicht, dass ich zufällig in der Mitte davon gelandet bin.''
      Ein kurzer, prüfender Blick.
      ''Also sagen Sie mir ehrlich, Banning…'' Ihre Worte waren ruhig, aber direkt. ''Wenn das wirklich gegen Zufall spricht – wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass ich jetzt auch beobachtet werde?''
    • Banning antwortete nicht sofort. Er ließ sich Zeit, als hätteihre Frage ein Gewicht, das man nicht leichtfertig aufheben sollte.Sein Blick blieb auf ihr, aber nicht durchdringend eher prüfend,kalkulierend. Dann lehnte er sich minimal zurück, gerade genug, umDistanz zu schaffen, ohne das Gespräch zu verlassen.

      Wenn Sie jetzt erst darübernachdenken,dann sind Sie spät dran.“ sagte er schließlichruhig,kein Lächeln. Kein Versuch, die Schärfe abzumildern. SeinBlick glitt kurz zur Visitenkarte in ihrer Hand, dann zurück in ihrGesicht.

      Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie beobachtet wurden…“ Ermachte eine kleine Pause, als würde er die Formulierung bewusstwählen. „…war bereits hoch, bevor Sie diesen Raum betretenhaben.“
      Er verschränkte die Hände locker vor sich, die Haltungkontrolliert, fast entspannt aber seine Stimme blieb präzise.

      Die interessantere Frage ist nicht ob,sondern von wem und seit wann.“Ein leises Tippen seiner Finger auf dem Tisch, kaum hörbar.
      Wenn Thurson tatsächlich etwas bei sich hatte, das sowertvoll ist, wie es scheint, dann reden wir nicht überZufallsbeobachter. Dann reden wir über jemanden, der vorbereitetist. Geduldig. Und sehr gut darin, nicht aufzufallen.“ SeinBlick wurde für einen Moment schärfer.

      So jemand taucht nicht einfach auf, weil sich eineGelegenheit ergibt. So jemand ist schon da, lange bevor die Situationüberhaupt entsteht.“ Er ließ das kurz im Raum stehen.

      Und Sie,“ fuhr er fort, „waren der geplanteÜbergabepunkt – auch wenn Sie das vielleicht nicht wussten.“
      Ein kaum merkliches Neigen seines Kopfes.

      Das macht Sie nicht zufällig. Es macht Sie relevant.“sagte er und es folgte ein Moment der Stille. Dann, etwas leiser:
      Und relevante Personen werden beobachtet. Fast immer.“ Erlehnte sich wieder leicht nach vorne, die Stimme nun nüchterner,beinahe sachlich.

      Die gute Nachricht ist: Wenn Sie nochhier sitzen und wir dieses Gespräch führen, dann sind Sie im Momententweder nicht akut in Gefahr…“ Ein kurzer Blick zurTür.„…oder jemand ist sehr geduldig.“
      Seine Augen fanden wieder ihre.

      Beides sollte Ihnen nicht gefallen.“ Ein winzigerMoment, in dem sich etwas wie ein trockenes, kaum wahrnehmbaresLächeln andeutete mehr Gedanke als Ausdruck.

      Also,“ sagte er ruhig, „wenn Sie mich fragen, wiehoch die Wahrscheinlichkeit ist…“ Er machte eine minimaleHandbewegung, als würde er eine Zahl in die Luft schreiben.

      Nicht hoch.“ Eine kurze Pause. „Sondern gegeben.“
      Banning ließ den Gedanken einen Moment stehen, als würde erprüfen, wie weit er gehen konnte – oder musste. Dann änderte sichetwas in seiner Haltung. Nicht viel, aber genug, dass klar wurde: Ertraf eine Entscheidung.

      Wir drehen uns im Kreis,“ sagte er schließlich ruhig.„Nicht, weil Sie etwas zurückhalten sondern weil wir beidegerade mit zu vielen offenen Enden arbeiten.“ Sein Blick glitt kurz zur Tür, dann zurück zu ihr.

      Und ehrlich gesagt…“ Er atmete leise aus. „…sindwir beide nicht in der besten Verfassung, um heute noch klareSchlüsse zu ziehen.“ Er richtete sich ein wenig auf.

      Ich schlage vor, wir verlegen das Gespräch. Morgen oderÜbermorgen. Mit etwas Abstand und hoffentlich mit mehr, das wireinordnen können.“ Eine kurze Pause, bevor er fortfuhr, diesmal etwas bestimmter.

      Bis dahin sollten Sie nicht nach Hause gehen.“ SeineWorte waren sachlich, aber ohne Spielraum für Widerspruch.
      Nehmen Sie sich ein Hotel. Etwas Unauffälliges, nichts, dasSie sonst nutzen. Zahlen Sie bar, wenn möglich.“ Sein Blickblieb fest auf ihr.

      Und Sie bleiben nicht allein. Ich stelle Ihnen einen meinerDeputys zur Seite. Jemand, der weiß, worauf er achten muss und derdiskret genug ist, um keine zusätzliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.“
      Ein leichtes Neigen seines Kopfes.

      Er wird kein Schatten sein, der Ihnen im Nacken sitzt. Aberer wird da sein, wenn jemand anderes zu nah kommt.“ Dann lehnteer sich wieder ein Stück zurück.

      Das gibt uns Zeit. Ihnen, die Dinge zu sortieren… und mir,ein paar Fäden zu verfolgen.“
      Sein Ton wurde einen Hauch leiser.

      Und falls tatsächlich jemand zusieht,“ fügte erhinzu, „dann geben wir ihm für heute nichts Weiteres, das erverwerten kann.“
      Ein kurzer Moment Stille.

      Einverstanden?“
    • Sie sagte zunächst nichts.
      Der Raum war still genug geworden, dass selbst das leise Summen der Beleuchtung plötzlich zu deutlich wirkte. Ihre Finger lagen noch immer um die Visitenkarte geschlossen, als hätte sie vergessen, dass sie sie überhaupt hielt. Erst nach einigen Sekunden hob sie den Blick wieder zu ihm.
      Nicht erschrocken. Nicht panisch.
      Eher so, als würde sie versuchen zu entscheiden, welcher Teil seiner Worte sie am meisten beunruhigen sollte.
      ''Sie haben eine unangenehme Art, Dinge auszusprechen'' sagte sie schließlich ruhig. ''Nicht dramatisch. Das wäre einfacher zu ignorieren.''
      Ein leichtes Neigen ihres Kopfes. ''Sie sagen alles so, als hätten Sie die Antworten längst akzeptiert und würden nur darauf warten, dass andere irgendwann aufholen.''
      Ein schwacher Zug ging über ihr Gesicht, irgendwo zwischen Müdigkeit und trockenem Humor, verschwand aber schnell wieder.
      Ihr Blick wanderte kurz zur Tür, blieb dort einen Moment hängen, bevor sie wieder zu ihm zurücksah.
      ''Wissen Sie, was das Verrückte daran ist?'' fragte sie leiser. ''Vor zwei Tagen hätte ich wahrscheinlich noch gelacht, wenn mir jemand erzählt hätte, ich würde in irgendeiner Form beobachtet werden.'' Sie atmete langsam aus. ''Und jetzt sitze ich hier und versuche herauszufinden, ob jeder Fremde, der mir heute begegnet ist, vielleicht längst mehr wusste als ich selbst.''
      Sie lehnte sich etwas zurück, verschränkte die Arme locker vor sich, mehr um sich zu sammeln als aus Abwehr.
      ''Thurson hat nie erwähnt, dass irgendetwas davon gefährlich sein könnte.'' Ihre Stimme wurde nachdenklicher. ''Er wirkte nervös, ja. Abgelenkt vielleicht. Aber nicht wie jemand, der glaubt, dass Menschen ihm folgen oder ihn beobachten.'' Eine kurze Pause. ''Oder vielleicht hat er genau das geglaubt und wusste nur nicht mehr, wem er noch vertrauen kann.''
      Für einen Moment wurde ihr Blick unfokussiert, als würde sie gedanklich etwas durchgehen, einzelne Erinnerungen neu zusammensetzen.
      Dann sah sie ihn wieder direkt an.
      ''Und jetzt sagen Sie mir, ich soll nicht nach Hause gehen.'' Ein kaum hörbares, humorloses Lachen. „Das war eigentlich der einzige Plan, den ich für heute noch hatte.“
      Sie schüttelte leicht den Kopf, diesmal eher über sich selbst.
      ''Ein Hotel also'' murmelte sie. ''Bar bezahlen. Nicht auffallen. Klingt fast wie der Anfang einer schlechten Spionagegeschichte.''
      Trotz der Worte lag kein echter Spott darin. Eher der Versuch, die Spannung irgendwie kleiner wirken zu lassen.
      Als er den Deputy erwähnte, hob sie leicht eine Augenbraue.
      ''Sie schicken mir also einen Aufpasser.''
      Die Formulierung kam trocken, aber nicht feindselig. Nach einem kurzen Moment seufzte sie leise und rieb sich mit zwei Fingern über die Stirn.
      ''Nein… vermutlich haben Sie recht.'' Ihr Blick senkte sich kurz auf den Tisch. ''Allein zu sein klingt gerade deutlich besser, als es wahrscheinlich tatsächlich wäre.''
      Wieder entstand eine kurze Stille zwischen ihnen.
      Dann nickte sie langsam.
      ''Einverstanden.''
      Diesmal klang es endgültiger.
      ''Ich nehme das Hotel. Ihren Deputy auch.''
      Ihr Blick hob sich erneut zu ihm. Aber wenn er versucht, Smalltalk mit mir zu führen oder so tut, als wäre das hier eine normale Vorsichtsmaßnahme, lasse ich ihn irgendwo im Hotelflur zurück.
      Ein winziger Moment verstrich, bevor sie leiser hinzufügte:
      ''Und falls tatsächlich jemand zusieht…'' Ihr Blick glitt erneut kurz zur Tür. ''…dann hoffe ich wirklich, dass er geduldig ist. Denn ich fange gerade erst an zu begreifen, wie wenig ich eigentlich verstehe.''

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    • Er beobachtete sie, ohne sie zu unterbrechen. Nicht dieses aufdringliche Beobachten vieler Menschen kein ständiges Nicken, kein gespieltes Mitgefühl. Eher die konzentrierte Ruhe von jemandem, der prüfte, ob ein Mensch gerade auseinanderfiel oder anfing, die richtigen Fragen zu stellen.
      Als sie endete, blieb sein Blick noch einen Moment auf ihr liegen. Dann lehnte er sich langsam zurück.

      Die meisten Menschen merken erst sehr spät, dass Wissen gefährlicher sein kann als Angst“, sagte er ruhig. Das Summen der Beleuchtung schien wieder kurz den Raum zu füllen.
      Bei ihrer Bemerkung über den Deputy erschien tatsächlich etwas, das beinahe wie ein echtes Lächeln wirkte.

      Keine Sorge. Deputy Vale spricht freiwillig mit fast niemandem. Das ist einer seiner sympathischeren Charakterzüge.“ Er griff nach der mittlerweile kalten Tasse neben sich, stellte jedoch nach einem kurzen Blick fest, dass sie leer war, und ließ sie wieder sinken.

      Und was Thurson betrifft…“Seine Stimme wurde etwas nachdenklicher.

      Menschen erzählen selten direkt, dass sie Angst haben. Vor allem dann nicht, wenn sie glauben, dass das Aussprechen einer Gefahr sie realer macht.“ Ein kurzer Blick zur Tür.

      Die meisten versuchen stattdessen, normal zu wirken. Sie reden über Arbeit. Über Termine. Über belanglose Dinge.“ Er sah sie wieder an.

      Bis sie irgendwann anfangen, zweimal hinzusehen, wenn draußen ein Wagen zu lange im Leerlauf steht.“ Stille. Dann stand er langsam auf.

      Gut“, sagte er knapp. „Dann machen wir es einfach.“
      Er zog ein kleines Notizblatt aus der Innentasche seines Mantels, schrieb eine Adresse darauf und schob es über den Tisch.

      Das Hotel läuft unter einem anderen Namen. Sie melden sich nicht selbst an. Vale übernimmt das.“Eine kleine Pause.

      Und Sie benutzen heute Nacht weder Ihr Telefon noch Ihre Kreditkarte.“ Er sagte es ohne Dramatik. Genau das machte es unangenehm glaubwürdig. Bevor sie antworten konnte, fügte er noch etwas hinzu.

      Und hören Sie gut zu, Miss Peterson.“ Zum ersten Mal lag etwas Härteres in seiner Stimme.

      Ab diesem Moment gibt es einen Unterschied zwischen den Dingen, die zufällig wirken… und den Dingen, die nur noch so aussehen sollen.“ Sein Blick hielt ihren fest.

      Wenn Ihnen heute Nacht jemand bekannt vorkommt zufällig im Hotel, zufällig auf der Straße, zufällig noch einmal irgendwo dann ignorieren Sie den Instinkt, höflich zu sein.“Wieder diese kurze, absolute Ruhe.

      Menschen überleben solche Situationen erstaunlich oft“ sagte er schließlich leiser.

      Aber fast nie beim ersten Versuch, sich einzureden, dass alles bestimmt harmlos ist.“ Banning wartete, bis Miss Peterson aufstand.
      Sie zögerte nur kurz, als würde ein Teil von ihr noch immer hoffen, jemand würde im nächsten Moment lachen und erklären, dass das alles ein Missverständnis gewesen war. Doch dieser Moment kam nicht.
      Deputy Vale trat wortlos zur Seite, gerade genug, um ihr den Weg zur Tür freizumachen. Er war groß, schmal gebaut, mit jener stillen Präsenz, die weder freundlich noch einschüchternd wirkte lediglich aufmerksam. Als sie an ihm vorbeiging, nickte er nur einmal knapp.

      Miss Peterson.“ Kein Smalltalk. Offenbar hatte Banning nicht übertrieben. Die Tür öffnete sich mit einem dumpfen Geräusch zum Flur hinaus. Für einen Augenblick fiel kühleres Licht herein, dann verschwand sie gemeinsam mit Vale nach draußen. Banning blieb noch stehen. Sein Blick ruhte auf der Tür, lange nachdem sie sich bereits geschlossen hatte. Irgendetwas in seiner Haltung wirkte angespannt, auch wenn man es nur bemerkte, wenn man genau hinsah die Art, wie seine rechte Hand reglos an der Tischkante lag, als würde er auf etwas warten, das er selbst nicht benennen konnte.
      Dann hörte man Schritte draußen im Korridor. Schnell. Unregelmäßig. Jemand, der sich beeilte.
      Die Tür öffnete sich erneut, diesmal ohne anzuklopfen.
      Der Gerichtsmediziner trat ein, einen dunklen Mantel halb offen, feine Regentropfen noch auf den Schultern. Er wirkte leicht außer Atem und zugleich gereizt darüber, außer Atem zu wirken.

      Sagen Sie mir bitte, dass ich nicht wegen irgendeiner weiteren paranoiden Theorie herbestellt wurde“, murmelte er, während er eine schmale Ledertasche auf den Tisch stellte.
      Banning antwortete nicht sofort. Er warf nur einen letzten Blick zur Tür hinaus dorthin, wo Miss Peterson verschwunden war. Erst dann wandte er sich langsam um.

      Das“, sagte er ruhig,„hängt davon ab, wie Sie definieren, was paranoid ist, Doctor.“Es dauerte fast eine weitere Stunde, bis alles vorbereitet war.
      Der Körper wurde schließlich unter einer grauen Transportdecke aus dem Gebäude gebracht, begleitet vom gedämpften Funkrauschen der Deputys draußen und dem kalten Wind, der inzwischen durch die Straßen zog. Niemand sprach viel währenddessen. Selbst die üblichen routinierten Bemerkungen der Beamten blieben aus, als hätte die Stimmung des Abends längst begonnen, auf alle überzugreifen.
      Banning blieb, bis der Wagen des Coroner’s Office abfuhr.
      Er stand mit verschränkten Armen unter dem Vordach des Gebäudes und sah den Rücklichtern nach, bis sie hinter der nächsten Kreuzung verschwanden. Erst dann zog er langsam seine Handschuhe aus und steckte sie in die Manteltasche.
      Das gerichtsmedizinische Institut des St. Mary’s Hospital lag am südlichen Rand der Stadt ein nüchterner Betonbau, dessen sterile Helligkeit selbst nachts nie ganz verschwand. Der Gerichtsmediziner verschwand dort mit seinem Team und der Leiche hinter den automatischen Türen, ohne Banning mehr als ein kurzes:

      „Ich rufe an, sobald ich etwas habe.“ Banning antwortete lediglich mit einem knappen Nicken.
      Er blieb noch einige Minuten auf dem Parkplatz stehen.
      Der Regen hatte inzwischen eingesetzt nicht stark, eher dieser feine, kalte Nieselregen, der Straßenlaternen verschwimmen ließ und alles älter wirken ließ, als es war. Schließlich stieg er in seinen Wagen.
      Die Fahrt zurück zur Polizeiwache verlief schweigend.
      Das Radio blieb ausgeschaltet. Nur das monotone Geräusch der Scheibenwischer durchschnitt regelmäßig die Stille im Wagen. Die Straßen waren inzwischen fast leer; vereinzelte Neonlichter spiegelten sich auf dem nassen Asphalt, während die Stadt langsam in jene tiefe Nacht überging, in der selbst gewöhnliche Geräusche plötzlich fehl am Platz wirkten. Als Banning vor der Wache hielt, brannte im oberen Stockwerk noch Licht. Natürlich.
      Er stellte den Motor ab, blieb aber noch einen Moment sitzen, die Hände locker am Lenkrad. Sein Blick ruhte auf dem Gebäude vor ihm, doch seine Gedanken schienen längst woanders zu sein. Dann griff er schließlich nach dem Funkgerät.

      Dispatch.“ Ein kurzes Rauschen antwortete.

      Status von Deputy Vale.“ Die Antwort kam fast sofort.

      Vale und die Frau sind vor zwölf Minuten im Hotel eingetroffen. Bis jetzt keine Auffälligkeiten.“ Banning schwieg einen Moment.

      Verstanden.“ Mehr sagte er nicht. Er legte das Funkgerät zurück, stieg aus und machte sich auf den Weg hinein hinein in das grelle Licht der Wache, in Akten, Berichte und die langsam unangenehme Ahnung, dass dieser Fall längst aufgehört hatte,
    • Samantha nahm den Zettel entgegen, ohne sofort daraufzusehen. Ihre Finger schlossen sich darum, als würde das Stück Papier schwerer wiegen, als es eigentlich sollte.
      Sie hatte erwartet, dass Banning ihr widersprechen würde. Dass er ihre Sorgen relativierte. Dass er ihr erklärte, wie leicht Menschen Muster dort sahen, wo keine waren.
      Stattdessen hatte er ihr ein Hotelzimmer organisiert und ihr geraten, sich zu verhalten, als wäre sie bereits Teil von etwas geworden, das sie nicht verstand.
      ''Das ist beruhigend auf eine ausgesprochen beunruhigende Art'', murmelte sie trocken, während ihr Blick kurz auf die Adresse fiel.
      Als Banning sie schließlich direkt ansah und seine Stimme härter wurde, verschwand der Anflug von Humor jedoch wieder. Sie erwiderte seinen Blick, ohne auszuweichen.
      Der Instinkt, höflich zu sein.
      Normalerweise war genau das ihre erste Reaktion. Menschen anlächeln. Situationen erklären. Vernünftige Gründe finden.
      Sie fragte sich, wie oft sie heute bereits versucht hatte, genau das zu tun.
      ''Verstanden.''
      Die Worte kamen leise, aber ohne Zögern.
      Zum ersten Mal an diesem Abend glaubte sie, dass er nicht versuchte, ihr Angst zu machen. Das machte alles nur schlimmer.
      Als sie schließlich aufstand, glitt ihr Blick noch einmal durch den Raum. Die kalten Lampen. Die halb leere Tasse. Die Akten auf dem Tisch. Alles sah vollkommen gewöhnlich aus.
      Und doch hatte sie das Gefühl, als würde sie etwas zurücklassen, das sie nie wieder ganz einholen konnte.
      Bei der Tür angekommen nickte sie Banning knapp zu.
      ''Danke.''
      Es war vermutlich nicht genug für das, was er gerade tat. Aber mehr fiel ihr nicht ein.
      Dann trat sie hinaus auf den Flur.
      Der Deputy wartete bereits.
      Als er ihren Namen sagte, hob sie kurz den Blick zu ihm. Tatsächlich kein Smalltalk.
      ''Deputy Vale.''
      Ein leichtes Nicken ihrerseits.
      Sie gingen nebeneinander durch den Korridor, ihre Schritte hallten gedämpft von den Wänden zurück. Erst als sie das Gebäude verlassen hatten und die kalte Nachtluft ihr entgegenschlug, sprach Samantha wieder.
      ''Sagen Sie mir bitte, dass Sie wenigstens der gesprächigere Teil dieses Teams sind.'' Ihr Blick wanderte kurz zu ihm.

      ''Oder muss ich mir die nächsten Stunden sämtliche Informationen aus einsilbigen Antworten zusammensetzen?''
      Der Versuch eines Scherzes war schwach. Mehr ein Test, ob sich die Welt noch normal anfühlen konnte.
      Doch während sie gemeinsam auf den Wagen zugingen, glitt ihr Blick unwillkürlich über den Parkplatz.
      Zu den dunklen Fahrzeugen.
      Zu den Fenstern.
      Zu den Schatten zwischen den Laternen.
      Und zum ersten Mal fragte sie sich ernsthaft, ob dort draußen vielleicht tatsächlich jemand zurücksah.
    • Vale öffnete ihr die Beifahrertür und wartete, bis sie eingestiegen war.

      Keine Sorge“, sagte er, während er den Motor startete.

      Ich bin deutlich gesprächiger als der Sheriff. Das ist allerdings keine große Kunst. Wenn Banning zwei vollständige Sätze hintereinander sagt, feiern wir intern schon kleine Feste.“ Er warf ihr ein kurzes Grinsen zu, bevor er den Wagen auf die Straße lenkte.

      Sie müssen übrigens nicht antworten. Nach dem Abend hatten Sie vermutlich genug Fragen für eine Woche.“ Die Fahrt verlief ruhig. Das Funkgerät knackte gelegentlich, ansonsten war nur das gleichmäßige Brummen des Motors zu hören.
      Als das Hotel schließlich vor ihnen auftauchte, bog Vale auf den Parkplatz ein. Das Neon-Schild summte leise über der Einfahrt.

      Nicht das Ritz“, meinte er mit einem Blick auf das Gebäude.

      Aber die Betten und die Zimmer sind sauber und gut eingerichtet, der Kaffee ist trinkbar und das Essen ist auch gut und Earl stellt keine Fragen. Für heute Nacht sind das genau die richtigen Qualifikationen.“ Er stieg aus, wartete einen Moment auf Samantha und ging mit ihr zur Rezeption.

      Abend, Deputy.“Hinter dem Tresen saß ein älterer Mann mit Lesebrille, der beim Eintreten seine Zeitung sinken ließ.

      Abend, Earl.“ Vale legte einen Umschlag auf den Tresen.

      Zimmer zwölf, wie abgesprochen.“Earl nickte, zog den Schlüssel aus einem Fach hinter sich und schob ihn über den Tresen.

      Frühstück gibt's von 7.00 bis 10.30 Uhr. Falls sie für die Nacht eine Kaffee brauchen der Kaffeeautomat in der Lobby läuft meistens gut. Falls sie streikt, einmal kräftig gegen die rechte Seite klopfen.“ Vale lachte leise.

      Sehen sie ? Genau deshalb komme ich nur hierher. Fünf-Sterne-Service.“ Earl verzog den Mund zu einem schmalen Grinsen.

      Fünf Sterne kosten extra.“ Vale nahm den Schlüssel an sich, bedankte sich knapp und wandte sich wieder Samantha zu.

      Kommen Sie. Ich bringe Sie noch zur Tür.“ Deputy Vale brachte Samantha bis vor die Tür ihres Zimmers. Er schloss auf, warf einen routinierten Blick hinein und trat erst zur Seite, als er sich überzeugt hatte, dass alles in Ordnung war.

      Falls etwas sein sollte ganz gleich was , rufen Sie sofort im Büro an. Warten Sie nicht bis morgen.“
      Mit einem knappen Nicken ließ er den Schlüssel in ihrer Hand zurück.

      Versuchen Sie, etwas Schlaf zu bekommen.“ Dann zog er die Tür hinter sich zu. Der dumpfe Klang des Schlosses ließ das Zimmer mit einem Mal ungewohnt still wirken. Samantha stellte ihre Tasche auf den kleinen Tisch neben dem Fenster und ließ den Blick durch den Raum schweifen. Ein schmales Bett, eine Kommode, ein Fernseher, der vermutlich älter war als sie selbst, und ein Badezimmer, dessen Neonlicht durch den Türspalt fiel. Nichts Besonderes.
      Genau das machte den Raum für den Moment beinahe beruhigend.Sie hängte ihre Jacke über die Stuhllehne, legte den Zettel mit der Hoteladresse neben den Schlüssel und zog die Vorhänge sorgfältig zu, bevor sie ein letztes Mal prüfte, ob die Tür wirklich abgeschlossen war.
      Erst dann setzte sie sich auf die Bettkante. Draußen rollte langsam ein Wagen über den Parkplatz.
      Kurz darauf verstummte das Geräusch wieder.
      Während Samantha versuchte, sich an die ungewohnte Stille zu gewöhnen, setzte Deputy Vale draußen seine Runde fort. Mit gemächlichen Schritten ging er über den Parkplatz, ließ den Blick über die abgestellten Fahrzeuge und die dunklen Ecken des Motels gleiten und nickte dem Nachtportier im Vorbeigehen knapp zu. Für jeden, der ihn beobachtet hätte, wirkte es wie eine gewöhnliche Kontrollrunde. Genau so sollte es aussehen.
      Samantha hatte ihre wenigen Sachen eingeräumt. Die Reisetasche stand geöffnet auf dem kleinen Kofferständer, Kleidung lag ordentlich in den Schubladen der Kommode. Es war keine echte Gemütlichkeit, eher der routinierte Versuch, einem fremden Zimmer für eine Nacht etwas Vertrautes zu verleihen.
      Bevor sie duschen wollte, öffnete sie die Balkontür und trat hinaus.
      Die Nachtluft war kühl und roch nach feuchtem Asphalt. Irgendwo summte das Neon-Schild des Motels, und aus der Ferne war das vereinzelte Rauschen vorbeifahrender Autos zu hören.
      Sie griff in die Jackentasche und zog eine Zigarettenschachtel hervor. Auf der Vorderseite stand in schlichten Buchstaben Kim.
      Mit geübter Bewegung schob sie den Deckel auf, nahm eine weiß filtrierte Zigarette heraus und klemmte sie sich zwischen die Lippen. Einen Moment später ließ sie das Feuerzeug aufflammen. Die kleine Flamme spiegelte sich kurz in ihren Augen, bevor die Tabakspitze orange aufglühte.Sie nahm den ersten Zug, hielt den Rauch einen Augenblick zurück und ließ ihn langsam in die kühle Nacht entweichen.
      Für einen kurzen Moment schien alles still zu sein. Nur das leise Knistern der glimmenden Zigarette und das entfernte Summen des Motels begleiteten ihre Gedanken, während sie sich mit den Unterarmen auf das Balkongeländer stützte und in die Dunkelheit des Parkplatzes hinabsah.
      Samantha stützte sich mit den Unterarmen auf das Geländer des Balkons und ließ den Blick über den nur spärlich beleuchteten Parkplatz schweifen. Langsam ging sie den Abend noch einmal durch.
      Das Gespräch mit Banning. Seine Warnungen. Der Zettel mit der Adresse. Die ungewohnte Ernsthaftigkeit in seiner Stimme. Je länger sie darüber nachdachte, desto weniger gelang es ihr, eine vernünftige Erklärung für das alles zu finden.
      Sie führte die Zigarette, die locker zwischen Zeige- und Mittelfinger ruhte, an ihre Lippen und nahm einen langen Zug. Für einen Moment hielt sie den Rauch zurück, bevor sie ihn langsam in die kalte Nacht ausatmete.
      Der Wind trug die grauen Schwaden davon, bis sie sich in der Dunkelheit verloren.
      Sie bemerkte nicht, dass sich hinter ihr die Vorhänge im Zimmer kaum sichtbar bewegten.
      Während ihr Blick weiterhin über den Parkplatz glitt und ihre Gedanken um die Ereignisse des Abends kreisten, hatte bereits jemand das Zimmer betreten. Lautlos. Geduldig.Und nur wenige Schritte von der geöffneten Balkontür entfernt. Plötzlich legte sich eine Hand fest auf ihren Mund. Der Schreck ließ Samantha zusammenzucken.
      Die brennende Zigarette glitt ihr zwischen den Fingern hindurch, fiel auf den Balkonboden und verglomm dort mit einem leisen Zischen.
      Instinktiv riss sie die Arme hoch, versuchte sich loszureißen, etwas zu sagen, um Hilfe zu rufen. Doch die Hand erstickte jeden Laut. Aus ihrer Kehle drangen nur dumpfe, unverständliche Geräusche. Sie stemmte sich mit aller Kraft gegen den Griff, schlug nach hinten aus und versuchte, den Angreifer aus dem Gleichgewicht zu bringen.Vergeblich. Der Griff um sie war unerwartet stark.
      Mit einem einzigen Ruck wurde sie rückwärts über die Schwelle ins Zimmer gezogen. Die Balkontür schwang hinter ihr gegen den Rahmen, während ihre Füße über den Teppich rutschten.
      Ihre Gedanken überschlugen sich. Wie hatte jemand hier hineingelangen können?
      Die Frage blieb unbeantwortet. Alles, woran sie noch denken konnte, war, sich irgendwie aus dem eisernen Griff zu befreien.Noch bevor Samantha begriff, was geschah, löste sich die Hand für einen Augenblick von ihrem Mund.
      Sie sog hastig Luft ein und versuchte erwahren wer die Männer waren doch weiter kam sie nicht.
      Eine zweite Gestalt trat aus dem Schatten des Zimmers. In ihrer Hand befand sich eine Rolle silberfarbenen Klebebands. Mit einer geübten Bewegung riss sie einen Streifen ab, das scharfe Reißen durchschnitt die Stille.
      Im nächsten Augenblick wurde das Band fest über Samanthas Mund gedrückt.
      Ihre Worte erstickten, noch ehe sie ausgesprochen waren. Statt eines Schreis entwich ihrer Kehle nur ein dumpfer, gedämpfter Laut.
      Panik schoss durch ihren Körper.
      Sie versuchte sich loszureißen, trat um sich und stemmte sich gegen die beiden Unbekannten. Doch sie war ihnen körperlich unterlegen.
      Mit entschlossenen Bewegungen drängten sie sie rückwärts, bis ihre Knie gegen die Bettkante stießen. Einen Moment später verlor sie das Gleichgewicht und fiel auf die Matratze.
      Sie wand sich, versuchte ihre Arme freizubekommen, doch einer der Eindringlinge brachte ihre Hände hinter ihrem Rücken zusammen, während der andere weitere Streifen des silberfarbenen Klebebands abriss.
      Das Band wurde mehrfach eng um ihre Handgelenke gewickelt. Samantha presste die Augen zusammen und rang gegen die Fesseln an, doch jede Bewegung schien sie nur noch fester zusammenzuhalten.
      Aus ihrer Kehle drangen nur gedämpfte Laute, während ihr Herz so laut schlug, dass es in ihren Ohren zu hämmern schien.
      Samantha rang nach Luft, während sie sich gegen die Fesseln stemmte. Jeder Versuch, sich loszuwinden, wurde sofort unterbunden.
      Die beiden Gestalten arbeiteten schweigend und mit auffallender Routine. Weitere Streifen des silberfarbenen Klebebands wurden um ihren Oberkörper gelegt, fest genug, um ihre Bewegungen deutlich einzuschränken, ohne ein Wort miteinander zu wechseln.
      Samantha schüttelte den Kopf, stieß gedämpfte Laute hinter dem Klebeband hervor und versuchte verzweifelt, Blickkontakt zu den Unbekannten aufzunehmen. Keiner von ihnen reagierte.
      Anschließend wurden auch ihre Beine eng zusammengehalten und mit weiteren Streifen fixiert. Schließlich folgten ihre Fußgelenke.
      Als sie fertig waren, hoben die beiden sie vorsichtig, aber bestimmt an und legten sie mittig auf das Bett zurück.
      Für einen Moment herrschte völlige Stille.
      Samantha lag reglos da, ihr Atem ging schnell und flach. Das gedämpfte Summen des Neon-Schilds draußen drang durch die geschlossene Balkontür, während ihr Blick zwischen den beiden reglosen Gestalten hin und her wanderte.
      Sie wusste weder, wer sie waren, noch warum sie hier waren.
      Nur eines war ihr in diesem Augenblick klar: Die Nacht hatte gerade erst begonnen.
    • Samantha blieb reglos auf der Matratze liegen. Ihr Brustkorb hob und senkte sich in kurzen, hastigen Abständen, während ihr Herz so laut gegen ihre Rippen hämmerte, dass sie für einen Moment glaubte, die beiden Männer müssten es ebenfalls hören.
      Das Klebeband über ihrem Mund spannte unangenehm, bei jedem Atemzug zog es leicht an ihrer Haut. Auch die Fesseln um ihre Handgelenke und Beine saßen so fest, dass bereits ein dumpfes Pochen durch ihre Glieder zog. Instinktiv versuchte sie erneut, ihre Hände gegeneinander zu bewegen. Nur wenige Millimeter. Mehr ließ das Band nicht zu.
      Sie schloss für einen Augenblick die Augen.
      Nicht aus Resignation.
      Um sich zu sammeln.
      Der erste Schock ließ langsam nach, auch wenn das Adrenalin noch immer durch ihren Körper jagte. Ihre Gedanken, eben noch ein wirres Durcheinander aus Angst und Panik, begannen sich allmählich zu ordnen. Panik würde ihr nicht helfen. Sie musste denken.
      Langsam öffnete sie die Augen wieder.
      Ihr Blick glitt unauffällig durch das Zimmer.
      Die Balkontür war inzwischen geschlossen, doch die Vorhänge bewegten sich noch leicht im Luftzug. Auf den dunklen Holzdielen des Balkons lag ihre Zigarette, nur noch ein schwach glimmender Punkt in der Dunkelheit, bevor sie endgültig verlosch.
      Ihre geöffnete Reisetasche stand unverändert auf dem Kofferständer. Die Kleidung, die sie eben erst ordentlich eingeräumt hatte, war teilweise wieder verrutscht. Einer der Männer musste sich dort bewegt haben.
      Kein Wort war gefallen. Nicht eines. Gerade dieses Schweigen machte die Situation beinahe noch beängstigender.
      Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf die beiden Gestalten.
      Der Mann zu ihrer Linken war größer als sie, kräftig gebaut, seine Bewegungen ruhig und kontrolliert. Nichts wirkte hektisch oder unüberlegt. Selbst jetzt, nachdem sie sie vollständig überwältigt hatten, stand er vollkommen reglos da, als hätte er alle Zeit der Welt.
      Der zweite war etwas schmaler. Er trug Handschuhe. Dunkle Kleidung. Keine auffälligen Merkmale. Sein Gesicht lag größtenteils im Schatten.
      Absichtlich. Sie wollte sich jedes Detail einprägen. Die Art, wie der Größere sein Gewicht leicht auf das rechte Bein verlagerte.
      Die kleinen Kratzer an der Schnalle seines Gürtels. Den kaum wahrnehmbaren Geruch nach kaltem Rauch und Motoröl.
      Alles. Irgendwann würde jedes einzelne Detail wichtig werden. Langsam hob sie den Kopf ein Stück an.
      Sofort trat einer der Männer einen halben Schritt näher. Nicht bedrohlich. Nicht hektisch.
      Einfach nur als stumme Erinnerung daran, dass jeder Fluchtversuch zwecklos wäre.
      Samantha hielt inne.
      Ein gedämpfter Laut entwich ihr hinter dem Klebeband. Es war weniger ein Ruf als vielmehr ein unwillkürlicher Ausdruck ihrer Anspannung.
      Keine Reaktion. Nicht einmal ein Blick. Sie schluckte schwer. //Warum?// Diese Frage ließ sie nicht los.
      Wenn sie sie hätten töten wollen, hätten sie dafür kaum einen solchen Aufwand betrieben. Warum also fesseln? Warum schweigen? Warum überhaupt hier?
      Unwillkürlich musste sie an Sheriff Banning denken. Seine ernste Miene. Seine Warnungen.
      Die Art, wie Deputy Vale darauf bestanden hatte, sie persönlich zum Motel zu bringen.
      "Falls etwas sein sollte – ganz gleich was –, rufen Sie sofort im Büro an." Die Worte hallten in ihrem Kopf nach.
      Ein bitterer Gedanke schoss ihr durch den Sinn. Sie hatte keine fünfzehn Minuten allein verbracht. Sie presste die Augen für einen Moment zusammen.
      Hatte jemand sie beobachtet? War sie vom Sheriffbüro bis hierher verfolgt worden? Oder hatte bereits jemand im Motel auf sie gewartet?
      Je länger sie darüber nachdachte, desto mehr Fragen entstanden. Keine Antworten. Langsam richtete sie den Blick wieder auf die beiden Männer. Sie zwang sich, ihnen direkt in die Augen zu sehen. Vielleicht verriet einer von ihnen etwas.
      Unsicherheit. Ungeduld. Wut. Irgendetwas. Doch sie fand nichts.
      Keine erkennbare Regung. Keine Nervosität. Sie wirkten erschreckend routiniert. Als wäre das hier nichts Besonderes.
      Als hätten sie Vergleichbares schon oft getan. Ein kalter Schauer lief Samantha über den Rücken. Sie atmete langsam durch die Nase ein.
      Wieder aus. Noch einmal. Sie durfte die Kontrolle über sich selbst nicht verlieren. Nicht jetzt. Nicht solange sie nicht wusste, womit sie es zu tun hatte.
      Ihre Finger versuchten beinahe unmerklich erneut, gegen das Klebeband zu arbeiten. Sie drehte die Handgelenke gegeneinander, suchte nach einer lockeren Stelle oder einer Kante, an der das Band nachgeben könnte.
      Nichts. Es saß fest. Viel zu fest. Sie ließ den Versuch wieder bleiben, bevor einer der Männer ihre Bewegung bemerkte. Stattdessen lauschte sie.
      Das Summen des Neon-Schildes. Das entfernte Rauschen einer vorbeifahrenden Straße. Das leise Ticken einer Uhr irgendwo im Zimmer.
      Und das ruhige Atmen der beiden Männer. Mehr nicht. Kein Gespräch. Keine Anweisungen. Kein Hinweis darauf, was als Nächstes geschehen würde. Gerade diese Ungewissheit nagte an ihr. Sie wusste nicht, ob Minuten oder Stunden vergingen. Jede Sekunde schien sich endlos zu ziehen. Samantha hielt den Blick aufrecht, obwohl ihre Augen langsam zu brennen begannen.
      Sie würde sich erinnern. An jedes Gesicht. An jede Bewegung. An jede Stimme – falls sie irgendwann doch sprechen würden.
      Und wenn sich ihr auch nur die kleinste Gelegenheit bot, würde sie sie nutzen. Bis dahin blieb ihr nichts anderes übrig, als zu warten.
      Und zu hoffen, dass irgendwo außerhalb dieses Zimmers bereits jemand bemerkte, dass etwas nicht stimmte.
    • Die Sekunden krochen dahin.
      Samantha hatte längst jedes Gefühl für die Zeit verloren.
      Ihr Atem ging inzwischen ruhiger, doch ihr Herz schlug noch immer hart gegen ihre Brust. Sie zwang sich, gleichmäßig durch die Nase zu atmen. Jeder hastige Atemzug hätte sie nur schneller erschöpft.
      Keiner der beiden Männer sagte ein Wort.
      Der Größere stand weiterhin wenige Schritte vom Bett entfernt. Seine Haltung hatte sich kaum verändert. Lediglich seine Hände ruhten nun locker vor dem Körper. Wachsam. Bereit.
      Der andere befand sich näher an der Tür.
      Sein Kopf war leicht gesenkt, als würde er auf etwas lauschen, das Samantha nicht hören konnte.
      Sie versuchte erneut, ihre Aufmerksamkeit auf jedes noch so kleine Detail zu richten.
      Die Handschuhe des schmaleren Mannes saßen eng an den Fingern. Schwarzes Material, matt, ohne erkennbare Nähte. Sein linker Ärmel war ein Stück zurückgerutscht. Für einen kurzen Moment glaubte sie, den Rand einer dunklen Tätowierung am Handgelenk zu erkennen.
      Bevor sie genauer hinsehen konnte, zog er den Ärmel unbewusst wieder nach unten.
      Verdammt.
      Sie prägte sich trotzdem die Stelle ein. Der größere Mann verlagerte sein Gewicht erneut auf das rechte Bein. Genau wie zuvor. Offenbar eine Angewohnheit. Sein rechter Stiefel knarrte dabei kaum hörbar über den Boden. Samantha ließ den Blick langsam weiterwandern.
      Die Tür. Das Fenster. Der schmale Spalt unter den Vorhängen.
      Der Lichtschein des Neon-Schildes, der in regelmäßigen Abständen heller und dunkler wurde.
      Nichts veränderte sich.
      Das Warten begann zermürbend zu werden.
      Sie spürte, wie ihre Finger langsam taub wurden. Das Klebeband schnitt immer tiefer in ihre Handgelenke. Jeder noch so kleine Versuch, sich zu bewegen, ließ den Druck stärker werden.
      Trotzdem gab sie nicht auf.
      Ganz vorsichtig drehte sie die Hände erneut gegeneinander.Millimeter. Nicht mehr. Das Band gab keinen Deut nach. Sie stellte die Bewegung sofort wieder ein. Der Größere hatte den Kopf leicht angehoben. Hatte er es bemerkt? Sein Blick ruhte für einen Moment auf ihren gefesselten Händen.
      Dann sah er ihr wieder direkt ins Gesicht. Regungslos. Seine Augen verrieten nichts.
      Samantha erwiderte den Blick. Sie weigerte sich, den Kopf zu senken. Wenn sie Angst sehen wollten, sollten sie sie nicht bekommen. Für einen endlosen Augenblick sahen sie einander schweigend an. Dann richtete der Mann seine Aufmerksamkeit wieder auf den Raum.Als wäre sie lediglich ein weiterer Gegenstand in diesem Zimmer. Genau das jagte Samantha einen neuen Schauer über den Rücken. Die Stille hielt an. Dann griff der schmalere der beiden Männer langsam unter seine Jacke. Samantha erstarrte. Mit ruhigen, geübten Bewegungen zog er eine Pistole hervor. Das matte Metall fing für einen kurzen Moment das fahle Licht des Neon-Schildes ein, das durch den Spalt zwischen den Vorhängen fiel. Sie konnte den Blick nicht davon lösen.Ohne jede Hast holte der Mann einen zylindrischen Gegenstand aus einer Tasche seiner Jacke. Er setzte ihn auf den Lauf der Waffe und schraubte ihn mit wenigen gleichmäßigen Drehungen fest.
      Kein Wort. Kein überflüssiger Handgriff. Nur das leise, metallische Geräusch des Gewindes, das sich ineinander fügte. Samantha spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog.
      Ihr Herz begann erneut gegen ihre Rippen zu hämmern. Instinktiv spannte sie ihre gefesselten Hände an, obwohl sie wusste, dass das Klebeband keinen Millimeter nachgeben würde.
      Der Mann prüfte die Waffe mit einem kurzen Blick.
      Anschließend senkte er sie wieder. Nicht auf sie gerichtet. Aber fest in seiner rechten Hand.
      Langsam setzte er sich in Bewegung. Jeder Schritt war ruhig. Kontrolliert.
      Er blieb schließlich unmittelbar neben dem Bett stehen und blickte schweigend auf Samantha herab.
      Sie hielt seinem Blick stand, obwohl jeder Instinkt in ihr danach schrie, den Kopf abzuwenden.
      Das Klebeband über ihrem Mund ließ nur ein gedämpftes Atmen zu. Ihre Kehle war trocken, und sie musste gegen den Drang ankämpfen, sich loszureißen.
      Der größere Mann hatte sich nicht von der Stelle bewegt.
      Er beobachtete die Szene regungslos. Für Samantha schien die Zeit stillzustehen. Sie wusste nicht, was als Nächstes geschehen würde. Und gerade diese Ungewissheit war schlimmer als alles andere.
      Zum ersten Mal durchbrach eine Stimme die Stille.

      Du wirst jetzt einige Fragen beantworten.“ er sprach sie ruhig. Fast sachlich.

      Ich nehme dir das Klebeband ab.“ Er machte eine kurze Pause.

      Und wehe, du schreist.“ Mit einer kaum wahrnehmbaren Bewegung deutete er auf die Pistole.

      Dann war es das für dich.“ Samantha hielt seinem Blick stand. Man konnte sich denken das Ihr Herz raste, doch sie zwang sich, äußerlich so ruhig wie möglich zu bleiben. Sie nickte kaum merklich. Der Mann beobachtete sie noch einen Augenblick, als wolle er jede Regung in ihrem Gesicht deuten.Dann beugte er sich langsam vor. Mit einer Hand hielt er ihren Kopf ruhig fest, während die andere eine Ecke des Klebebands löste. Langsam zog er den Streifen von ihrem Mund. Das Band riss schmerzhaft an ihrer Haut. Sie verzog unwillkürlich das Gesicht, unterdrückte jedoch jeden Laut. Als das Klebeband vollständig entfernt war, sah man die Konturen auf ihre Haut wo das Klebeand platziert war, durch dieses waren auch ihre Lippen ausgetrocknet und rissig.Sie holte vorsichtig Luft. Der Mann trat einen halben Schritt zurück. Die Pistole blieb gesenkt, aber sichtbar in seiner Hand.

      Keine Spielchen“, sagte er ruhig.

      Verstanden?“ Samantha nickte erneut. Sie wusste, dass sie jedes Wort sorgfältig wählen musste. Dann sprach er erneut.

      Was hat Ihnen Thurson erzählt?“
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