War of Gods [Watermoon feat. Pumkin]

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    • War of Gods [Watermoon feat. Pumkin]

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      "Die Yazata haben sich die Türkei gekrallt," beschwerte sich Eris. "Ich wette, die marschieren als nächstes nach Norden und versuchen, sich Byzanz zu schnappen."
      "Byzanz gibt es doch schon lange nicht mehr," wandte Erebos ein, wohlwissend, dass seine Stieftochter kein bisschen zuhörte.
      "Dann eben den Rest von was mal Byzanz war!"
      Hm. Vielleicht hörte sie ja doch zu.
      "Mein Punkt ist, dass sie uns Land wegnehmen und sich dabei immer weiter an die Römer annähern. Ich wette sie arbeiten mit den Römern zusammen. Mithras, dieser kleinen Kakerlake, ist es auf jeden Fall zuzutrauen. Der wollte doch schon immer mit den richtigen Göttern spielen."
      Erebos verzog bei der Erwähnung dieses Names kurz das Gesicht. Er mochte Sonnengötter einfach nicht besonders. Die waren immer so... hell.
      "Kannst du nicht mit Than sprechen? Ich könnte seine Hilfe echt gebrauchen."
      Und da war er: der Grund für Eris' Besuch. Sie kotzte sich gern bei Erebos aus, so war das nicht, aber sie beschwerte sich nur selten über irgendwelche Probleme, die sie eindeutig mit Gewalt lösen konnte. Jedes Mal, wenn sie mit einem Problem zu ihm kam, dann hieß das meistens, dass sie seine Hilfe brauchte - insbesondere mit irgendwelchen Dingen, die einer verbalen Herangehensweise bedurften. Eris war nicht besonders gut darin, ihre Worte zu benutzen. Erebos konnte es ihn nicht verübeln; so war sie eben nicht geschaffen.
      "Selbst wenn ich mit ihm sprechen würde, du weißt ganz genau, dass Krieg nicht sein Ding ist."
      Eris schnaubte.
      "Aber," fuhr Erebos fort. "Ich kann Oizys fragen."
      Die Augen seiner Stieftochter - blutrot durch und durch - weiteten sich und ein Grinsen breitete sich auf ihrem vernarbten Gesicht aus. Der Grund mochte unangenehm sein, aber Erebos liebte es, wenn sie wieder aussah wir früher, als sie noch klein gewesen war und ihr größtes Ziel im Leben darin gelegen hatte, die Schere ihrer Schwestern Klotho, Lachesis und Atropos zu klauen, damit sich die drei zankten.
      "Das würdest du?" fragte sie voller Hoffnung.
      Erebos konnte nicht anders und lächelte ein bisschen. Eris war so leicht zufrieden zu stellen.
      "Natürlich."
      Mit einem Quietschen, das nicht unbedingt nach der Göttin der Zwietracht und des Streites klang, warf sich Eris um seinen Hals und drückte ihn so fest, dass seine Knochen zu protestieren begannen, auch wenn sie ihn niemals verletzen würde.
      "Danke danke danke! Du bist der Beste, Dad!"
      Er wuschelte ihr durch die Haare, bevor sie ihn losließ.
      "Ich geh Ares Bescheid sagen! Er soll seine Mädels einsammeln und dann treten wir diesen persischen Arschlöchern in den Arsch!"
      Sie sprang vom Dach und flog davon. Erebos konnte nur den Kopf über ihre poetische Wortwahl schütteln, während er ihn nachsah.
      "Wenigstens hat sie Spaß," seufzte er und hob den Blick gen Sternenhimmel.
      Nyx hatte sich dagegen entschieden, auf die Erde zu kommen. Sie war an der Seitenlinie schon immer zufriedener gewesen. Erebos eigentlich auch, aber die Seitenlinie war so langweilig geworden, seit die Menschen aufgehört hatten, den Göttern zuzuhören. Er hätte sich eigentlich denken können, dass Zeus und seine Geschwister sich nur daneben benehmen würden, sobald sie sich wieder unter die Menschen gemischt hatten. Nie hätte Erebos erwartet, dass es so ausarten würde.
      Er schloss die Augen und atmete tief durch. Er konnte Nyx spüren, aber wie immer blieb sie still. Er verübelte es ihr nicht. Er hatte seine Entscheidung getroffen und sie die ihre. Ob sie nun hier war oder nicht spielte kaum eine Rolle, er redete so oder so mit ihr. Im Gegensatz zu ihrer Tochter konnte sich Erebos nämlich auch einfach so auskotzen, ohne Hilfe bei irgendetwas zu brauchen. Außerdem wusste er ganz genau, dass sie ihm das Ganze hier so sehr unter die Nase reiben würde.
      "Dann will ich mal unsere Tochter fragen, ob sie in den Krieg mit den Persern ziehen will. Und vielleicht mit den Römern."
      Erebos verließ das Dach des Hochhauses, dass er sich unter den Nagel gerissen hatte, kaum dass die Götter die Apokalypse der Menschheit erklärt hatten. Das Haus war seine kleine Insel des Friedens, wo er sich nicht mit irgendwelchen Schlachtplänen herumschlagen musste. Kein anderer Gott hatte Zugang zu diesem Gebäude, wenn er es nicht erlaubte - und als Grieche nahmen er und der Rest seines Pantheons Xenios sehr ernst. Ausländische Götter hielten sich ebenfalls an diese Regeln, da sich niemand mit dem gesamten Pantheon anlegen wollte. Selbst Götter waren in der Lage, sich zurückzuhalten, wenn sie es wirklich mussten.
      Er ließ sich vom Aufzug ganz nach unten ins Erdgeschoss bringen, wo die Menschen, die sein Zeichen trugen, brav ihrer Arbeit nachgingen. Die Hälfte von allen Menschen, die in seinem Dienste standen, war blind - was sie perfekt für seine Vorliebe für dunkle Räume machte. Sie konnten sich ungehindert bewegen, ohne jemals das Licht einschalten zu müssen. Die andere Hälfte musste in stark gedimmten Licht auskommen. Sie durften das Licht ein wenig aufdrehen, wenn sie wussten, dass er nicht da war, aber da man nie wissen konnte, wann ein Gott sich dazu entschied, aufzutauchen, mieden es die meisten. Viel zu sehen gab es sowieso nicht - Erebos hatte nie wirklich etwas in dem Gebäude verändert und anders als die meisten anderen Götter behielt er die Menschen, die für ihn arbeiteten relativ lange; sie kannten sich also alle recht gut aus.
      Als er im Erdgeschoss aus dem Aufzug stieg, wurde er von einem Menschen in Empfang genommen. Der Mann verneigte sich so tief, dass er eigentlich nur Erebos' nackte Füße zu Gesicht bekommen konnte.
      "Meister," grüßte der Mann. "Die Gruppe der Neuen ist bereit, von Euch begutachtet zu werden."
      Hm. Da war ja was. Apollo war langweilig gewesen und er hatte beim Zielschießen auf Menschen aus versehen eine Gruppe von Erebos' Boten ausgeschaltet. Hermes ärgerte ihn heute noch - drei Monate später - deswegen, weil Apollo ihn dazu abgestellt hatte, Erebos' Botengänge zu erledigen, bis Nachschub da war. Dabei ging es nicht darum, dass Hermes plötzlich so viel zu tun hatte, sondern viel eher darum, dass Apollo das einfach mal so beschlossen hatte, ohne Hermes vorher zu fragen. Erebos mochte Hermes. Er war einer der wenigen jungen Götter, die nicht schreiend vor ihm und Nyx davon gerannt war, sobald sie ihn nur angesehen hatten. Er brachte immer ein bisschen Schwung in die Bude, auch wenn seine Besuche nur selten gewesen waren.
      "Bring mich zu Ihnen," befahl Erebos.
      "Meister?"
      "Du hast meine Worte und deren Bedeutung doch verstanden, oder?"
      "Ja natürlich, Meister. Es ist nur... normalerweise lasst Ihr die Neuen doch zu Euch kommen?"
      Erebos seufzte. Er legte dem Mann zwei Finger unter das Kinn und zwang ihn dazu, sich aufzurichten und ihn anzusehen. Der Mann versteifte sich sofort. Er hatte so viel Angst, dass er nicht einmal zittern konnte. Dabei war Erebos noch einer der netten Götter.
      "Ich weiß, dass ihr es nicht gewöhnt seid, wenn ich meine Pläne ändere, aber manchmal kommt das vor," sagte Erebos sanft. "Ich habe meine Gründe und du hast nicht das Recht, diese zu hinterfragen. Verstanden?"
      Der Mann nickte hektisch.
      "Gut," Erebos lächelte und ließ den Mann los. "Dann bring mich jetzt zu den Neuen Boten."
      Der Mann drehte sich ohne ein weiteres Wort um und führte Erebos in die Tiefgarage des Gebäudes, wo eine kleine Gruppe Menschen wartete. Manche Götter zogen es vor, sich einen eigenen Sicherheitsdienst heranzuziehen, aber Erebos kümmerte sich nur wenig darum. Er konnte nicht sterben und er hatte nichts von anderen Göttern zu befürchten, solange sich Eris und Ares und all die anderen Kriegstreiber um die Grenzen kümmerten.
      "Neuankömmlinge. Das ist unser Meister - euer neuer Herr, sollte er euch als würdig empfinden - Erebos."


    • Niemals hätte es soweit kommen sollen- nein! DÜRFEN!
      Früher, als Kind, hatte Damien die Götter geliebt. Doch er war auch zu unschuldig und klein, um die Taten der mystischen Wesen zu verstehen. Zugegeben: er tat es jetzt auch nicht.
      Eigentlich hätte es ein gelungener Angriff werden sollen. Ein Angriff, der bewies, dass es noch Menschen gab, die Widerstand leisten würden.
      Das Eindringen in Erebos' Herrschaftsgebiet war fast schon zu leicht. Nicht, dass sich der Jüngling sich beschweren würde...
      Doch dann verspürte Damien einen harten Schlag an seinem Hinterkopf. Er wusste nicht, was hier vor sich ging.
      Als er zu Boden sank, Blut über seinen Nacken fließen spürte, glitt sein Blick zu seinen "Freunden". Während die Sicht des Blonden langsam eintrübte und seine Sinne schwanden, erkannte er, dass seinen Verbündeten ein Bündel- ziemlich sicher Geld- gereicht wurden. Er war zu schwach, um die Wahrheit erkennen zu können- er war in eine Falle getreten! Seine Leute hatten ihn verraten.
      Damien spürte dumpf, wie ein Fremder Mann- deutlich älter und muskulöser- ihn einfach so hochhob.
      Die Augen des Verratenen schlossen sich wie von selbst und die Welt versank in Dunkelheit.

      Eigentlich war der Zustand, in dem er sich befand, gar nicht mal so übel.
      Er hatte keine Schmerzen, keine Erinnerungen an früher, keine Wahrnehmungen von gequälten Schreie der sterbenden Sterblichen.

      "...auf. WACH AUF!" Erst, als diesen Worte ein Schlag auf die rechte Wange folgte, kam Damien zu sich. Atemlos huschte sein Blick durch den Raum.
      Gut, wenigstens war er nicht allein, soweit er das erkennen konnte. Neben dem Kerl, der ihn geweckt hatte, befand sich unmittelbar vor ihm ein regelrechter Hüne. "Er steht aktuell nicht zur Auswahl." entschied dieser. "Zu welcher Auswahl?" brachte Damien krächzend hervor.
      Er räusperte sich, um seiner Stimme einen besseren Klang zu verpassen.
      Der Hüne schwieg ein paar Sekunden. "Zur Auswahl, unserem Herrn Erebos zu dienen."

      Damien lachte kalt. "Dann werde ich wohl NIE zur Auswahl stehen."
      Der Kerl, der ihn geweckt hatte, knurrte. "Wollen wir mal sehen, wie du das siehst, wenn wir mit dir fertig sind!"
      Sein Kamerad stieß ihn an, dann drehten sie sich zeitgleich um und verneigten sich tief und respektvoll.
      Damien zog eine Augenbraue in die Höhe. Erst jetzt bemerkte er die Fesseln um Arme und Beine. So ein Mist! Ihm fiel auf, dass der Hüne und dieser Schläger ihn scheinbar verbargen.
      ~Nur die Kämpfer werden siegen.~
    • Erebos ließ seinen Blick über die Menschen gleiten, die man ihm gebracht hatte. Er wusste nicht, woher sie kamen - es war ihm gelinde gesagt egal - er wusste nur, dass diese Menschen genauso hilflos waren, wie alle die nicht hier waren. Die meisten Menschen arbeiteten für Götter und die, die es nicht taten... denen ging es nicht besonders gut, also versuchten sie, sich Arbeit bei einem Gott zu schnappen.
      Die Gruppe, die vor Erebos stand, war da keine Ausnahme. Es waren zu viele für die wenigen Positionen, die er zu füllen hatte, aber er würde alle behalten. Vorerst. Die, die sich als nützlich erwiesen, würden bleiben, der Rest würde rausgeworfen werden. Die Spielregeln hatten sich allerdings geändert, seit er das letzte Mal auf Erden gewandelt war. Die Menschen beteten Seinesgleichen schon lange nicht mehr an. Für einen Gott zu arbeiten bedeutete, nicht zu verhungern. Niemand, der so aufgegabelt wurde, war loyal zu einem Gott - sie waren wie Hunde; bloß aus auf das Essen und das Dach über dem Kopf. Man musste also gut wählen, wen man in seinem Domizil duldete.
      Erebos schritt auf die kleine Gruppe zu, während er die Menschen musterte. Hier in der Tiefgarage gab es kaum Licht. Lediglich die Notausgangsschilder leuchteten vor sich hin. Für Menschen war das kaum genug, um irgendetwas sehen zu können. Für Erebos... naja, er war die Dunkelheit.
      Lautlos umrundete er die Gruppe, nahm sozusagen Maß von ihnen. Sein humanoider Körper war bloß eine Form, die er angenommen hatte. Jetzt gerade war er überall um diese Menschen herum, zwischen ihnen. Er nahm jeden Herzschlag wahr, jedes Zittern, jedes Schlucken.
      "Hm."
      Seine Aufmerksamkeit blieb an einem jungen Mann hängen, den man in Ketten auf den Boden geworfen hatte. Warum?
      Erebos ging vor ihm in die Hocke, betrachtete die Züge des Mannes. Wut, Frust... Hass. Faszinieren. Warum war er hier, wenn er doch so offensichtlich nicht hier sein wollte?
      Der Mann wurde flankiert von zwei weiteren Menschen, die schon vorher für Erebos gearbeitet hatten. Warum hatten die beiden versucht, diesen jungen Mann vor ihm zu verstecken? War das hier ihr Werk? Sie sollten eigentlich wissen, wie dumm es, etwas vor Erebos verheimlichen zu wollen.
      Dunkle Schatten erhoben sich vom Boden hinter Erebos und glitten unbemerkt den Rücken der beiden Menschen hinauf. Im nächsten Moment wurden die beiden auf die Knie gerissen, ihre Köpfe in den Nacken geworfen. Die Schatten hielten sie in dieser unangenehmen Position, ohne dass Erebos auch nur mit der Wimper gezuckt hatte.
      "Wenn ich Spiele spielen wollte, würde ich euch das wissen lassen," kommentierte Erebos schlicht. "Habe ich euch den Auftrag gegeben, mir einen kleinen Götterschlächter zu bringen?"
      "N-nein, Meister," krächzte einer der beiden Menschen.
      "Dann stellt sich doch die Frage, warum hier eine gefesselt in meiner Garage liegt."
      "Wir wollten nur-"
      Der Schatten legte sich über die Münder der beiden Menschen. Erebos waren ihre Erklärung egal.
      Erebos richtete sich wieder auf.
      "Ich will alle," beschloss er. "Sie sollen die Routen lernen. Sie haben einen Monat, um sich zu beweisen."
      "Jawohl, Meister. Beinhaltet das den Ungewollten?"
      "Nein."
      Erebos musterte den jungen Mann noch einmal. Er hatte ihn als Götterschlächter bezeichnet, aber das war er nicht, oder? Dieser Mensch war einfach nur voller Hass, wahrscheinlich für Seinesgleichen. Erebos konnte es ihm nicht verübeln. Die Menschheit hatte keinen Grund, die Götter als Freunde anzusehen. Nicht nach all dem, was sie gerade so anrichteten. Aber hatte dieser Mensch wirklich die Eier in der Hose, um einen Gott umzubringen? Oder es zumindest zu versuchen?
      Erebos lächelte.
      "Den behalte ich für mich," beschloss er. "Bring ihn nach oben in meinen Tempel. Und räum das hier auf."
      Erebos gestikulierte zu den beiden Menschen, die von seinen Schatten festgehalten wurden. Die Schatten zogen sich zurück und die Körper der beiden Menschen sanken reglos zu Boden - die Schatten hatten ihnen das Genick gebrochen und sie langsam ersticken lassen.
      "Ich will, dass er sauber und vorbereitet ist," befahl Erebos.
      Was nichts weiter hieß als dass dieser junge Mann ein höchst unangenehmes Bad nehmen würde und man ihm ein paar saubere Klamotten brachte, bevor man ihn im Penthouse einsperrte.
      "Ich habe noch etwas zu erledigen. Und weil heute scheinbar alle eine Erklärung brauchen: Ich werde vor Sonnenaufgang zurück sein."
      Sein letzter lebender Festangestellter verneigte sich tief.
      "Sehr wohl, Meister. Ich werde die neuen Boten markieren und zur Einweisung schicken, dann werde ich mich persönlich um Euren Gast kümmern. Soll er ebenfalls markiert werden?"
      Irgendetwas sagte Erebos, dass es dem jungen Mann ganz und gar nicht gefallen würde, ein Halsband mit seinem Zeichen zu tragen.
      "Ja," antwortete Erebos.
      "Jawohl, Meister."
      Erebos wandte sich von den Menschen ab und schlenderte davon. Nach ein paar Schritten gab er seine menschliche Form auf und verschmolz mit der Dunkelheit dieses Ortes. Auf diese Weise konnte er schneller bei seiner Tochter sein. Er war die Dunkelheit. Sobald er seine feste Form aufgab, war er überall, wo es dunkel war. Was wie ein einfacher Schritt für einen Menschen aussah, war weniger als ein Gedanke für Erebos.


    • Damien spürte die Anwesenheit des Gottes, auch, wenn er ihn nicht wirklich gut erkannte. Noch viel weniger gefiel ihm das, was ihm bevorstand.
      Er hatte keine Lust, von Erebos "behalten" zu werden. Sofort wollte er protestieren, doch seine Stimme gehorchte nicht. Der Jüngling hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was das Ganze sollte. Sah dieser verfluchte Unsterbliche nicht, dass Damien ihn über alle Maße hasste?
      Die Bezeichnung "Götterschlächter" passte seiner Meinung nach ganz gut, denn auch, wenn Damien bisher noch keinen Gott getötet hatte, war sich der Mensch sicher, dass dieser Tag kommen würde.

      Wenige Augenblicke später verschwand die spürbare Aura des Gottes. Was wohl mit "markieren" gemeint war? Eilige Schritte erklangen, die sich jedoch scheinbar von ihm entfernten. Und dann...war Damien scheinbar allein. Fluchend kämpfte er gegen die Fesseln an- erfolglos.

      Der Jüngling hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Er vernahm nach einer Weile die Präsenz eines Menschen, der seine Füße geschickt befreite. "Komm!" erklang eine dunkle Stimme. Damien wurde auf die Beine gezogen und von dem Kerl mit sich gerissen.
      "Als persönliches Eigentum unseren Herrn wirst du jedem Befehl widerstandslos Folge leisten!" bestimmte der Fremde ruhig. "Keine Befehle in Frage stellen, niemals zögern. Verstanden?"
      Damien schnaubte verächtlich. "Warum sollte ich das tun?"
      Stille.
      "Er wird dir deinen Trotz schon noch austreiben." Der Kleinere verdrehte genervt die Augen.
      Er antwortete jedoch nicht mehr. Damien blinzelte, als das plötzlich aufkommende Licht ihn blendete.
      Schweigend ließ er sich weiterführen. Der fremde Mann brachte ihn in ein großes, geräumiges Bad. Dort befreite er auf die Hände des Gefesselten und deutete auf ein riesiges Becken.

      Das Wasser in diesem schien noch heiß zu sein. Damien verzog das Gesicht- er hasste heißes Wasser!
      Da es seinem "Aufpasser" scheinbar zu lang dauerte, riss dieser ihm einfach so die Kleidung vom Leib. Noch ehe Damien sich beschweren konnte, wurde er ins Wasser gestoßen. Für einen Moment war der Jüngling so perplex, dass er nicht bemerkte, dass er untergetaucht war. Als er sich wieder zurecht fand, durchstieß sein Kopf die Wasseroberfläche und Damien schnappte nach Luft. Viel Zeit zur Erholung blieb jedoch nicht. Der Mann hinter ihm packte ihn grob. Nicht gerade behutsam griff er nach einem Schwamm, der in ein gut riechendes Duschgel getränkt war und begann, den Jüngeren zu säubern. "Ich kann das selbst!" beschwerte sich Damien sofort, erhielt jedoch keine Reaktion.
      Damien war noch zu erschöpft, um etwas ausrichten zu können, daher ließ er die Behandlung zu.
      Er bemerkte nicht, dass der Kerl nach einem eleganten Halsband gegriffen hatte. Erst, als er spürte, wie es ihm angelegt wurde, erwachte sein Instinkt wieder- und er begann, sich heftig zu wehren.

      In seiner Verzweiflung versuchte Damien natürlich, es abzunehmen- erfolglos.
      "Du bekommst es nicht ab." kommentierte das Monster hinter ihm ruhig. "Und jetzt komm. Wir müssen dich noch passend einkleiden."
      Damien knurrte wütend und frustriert. Doch da er es dem Typen zutraute, ihn NACKT vor Erebos auftreten zu lassen, gehorchte er.
      Natürlich mit einem düsteren, hasserfüllten Blick.
      ~Nur die Kämpfer werden siegen.~
    • Oizys hatte sich ein eigenes, kleines Königreich mitten in der Stadt aufgebaut. Und dort hielt sie sich einen ganzen Haufen Menschen, die einst in der Politik gearbeitet hatten wie Tiere in einem Zoo. Da war ein US Präsident, da ein Verteidigungsminister aus Australien, sowas eben. Besonders stolz war sie auf ihre Sammlung militärischer Anführer, die sich alle irgendwann einmal ein Land unter den Nagel gerissen hatten. Jeder von ihnen steckte in einem eigenen, kleinen Käfig und musste ihr nach Lust und Laune dienen.
      Hier, in dieser Menagerie der Lügen, trat Erebos aus den Schatten hervor. Seine Tochter fütterte ihre kleinen Haustiere gerade. Oizys was eine seltsame Göttin. Erebos liebte sie trotzdem.
      "Hi Dad," grüßte sie ihn, ohne von ihrer Arbeit abzusehen.
      Sie hatte sich ein paar Milliardäre gefangen - ihr neustes Hobby - und die waren immer noch ein bisschen zickig. Am Anfangen hatten sie doch tatsächlich versucht, die Götter zu vermarkten. Und dann hatten sie versucht, sich ihre Freiheit zu erkaufen. Als ob so etwas wie Geld eine Rolle für Götter spielte.
      Erebos schwieg. Er trat von hinten an seine Tochter heran und legte seine Arme um sie. Sie lehnte sich nach hinten in die Umarmung.
      "Was gibt's?" fragte sie.
      "Kann ich nicht einfach mal meine Tochter besuchen?"
      Oizys kicherte. Von all seinen Kindern war sie gefühlt noch die jüngste, abgesehen von Klotho. Die beiden würden wohl auf ewig kindhaft bleiben.
      "Ich weiß, dass dir schnell langweilig wird," meinte sie. "Aber normalerweise kündigst du dich an. Also: was gibt's."
      Erebos lächelte und drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe.
      "Eris war bei mir. Sie wollte, dass ich Thanatos für ihre Sache gewinne."
      "Hm. Lass mich raten: wir marschieren gegen Persien?"
      "Korrekt."
      "Und Than hat Nein gesagt?"
      "Ich habe ihn nicht einmal gefragt, weil er so oder so Nein sagen würde. Aber so ein kleiner Sturm auf Persien wäre viel einfacher, wenn es ein paar Probleme mit der Kommunikation gibt. Die Yazata sind viele und sie alle haben ihren eigenen Kopf. Würde doch überhaupt nicht auffallen, wenn jeder da seine eigenen Pläne macht - oder glaubt, dass alle anderen einen anderen Plan haben."
      Mit einem breiten Grinsen drehte sich Oizys in seinen Armen um.
      "Eris will mich dabei haben?"
      "Ja. Sie hat Ares schon Bescheid gesagt."
      Oizys schlang die Arme um ihn und drückte ihn fest, als hätte er ihr ein wundervolles Geschenk gemacht. Hatte er so gesehen auch. Als Göttin der Lügen würde seine Tochter sicherlich Spaß mit den Persern haben.
      "Stellt sich nur die Frage, was ich anziehe."
      Erebos ließ sie los und sie verschwand, um sich diesem Rätsel zu stellen. Er musterte derweil die eingesperrten Menschen. Sie waren alle nackt und wie üblich gebrandmarkt mit dem Zeichen seiner Tochter. Die Käfige waren liebevoll nach dem Geschmack der Menschen darin eingerichtet. Allerdings wertschätzten die das nicht wirklich.
      "Genießt die paar Tage Frieden," meinte Erebos zu ihnen, bevor er sich wieder in Dunkelheit auflöste.

      Einen Herzschlag später erschien er wieder in seinem Tempel - dem Penthouse - und streckte sich. So viel hin und her war unüblich für ihn, aber der kleine Ausflug hatte ihm gut getan, beschloss er. Nun war es aber Zeit, sich mit seinem eigenen neuen Haustier zu beschäftigen.


    • Der Mann, der Damien gewaschen hatte, suchte für diesen mit großem Interesse Kleidung heraus. Dabei hatte er dem Gefangenen den Rücken zugedreht und fummelte in einem gigantischen Schrank herum.
      Angst davor, dass Damien ihn attackieren oder gar versuchen wollte, zu fliehen, hatte er scheinbar nicht.
      Dennoch schien er die Anspannung des Jünglings wahrzunehmen.

      "Ich an deiner Stelle würde es NICHT in Erwägung ziehen, zu fliehen." merkte er desinteressiert an, während er ein Oberteil betrachtete. "...verbirgt zu viel." murrte er dann und warf das Kleidungsstück einfach in eine Ecke. "Unser Herr...kann darüber sehr ungehalten werden." erklärte er dann noch zusätzlich. "Ah, das!"

      Damien konnte das Gesicht des Kerls nicht sehen, doch er schien sich über irgendwas zu freuen. Dies bestätigte auch das glückliche Lächeln, welches seine Lippen zierte. "Zieh das an!" befahl er und reichte dem "Neuen" einen dünnen Chiton, der gerade so das nötigste bedeckte. Obwohl..." nachdenklich neigte er den Kopf. "Bei deinem Aussehen könnte das durchaus ohnehin passieren."
      Der Diener Erebos' lachte, als er Damiens entsetzten Blick sah.
      "Was? Denkst du denn, er will von dir nur, dass du in der Ecke stehst und süß aussiehst?"

      Damien war sprachlos. Er würde...? Nein! Nie im Leben würde er das Bett mit so einem Monster teilen!
      Lieber starb er. Natürlich...nicht nackt. Missmutig zog sich der Neuzugang an. Wütend über sich starrte er zu Boden.
      In diesem Hauch von Nichts, was er trug, fühlte er sich vollkommen verloren.
      Der andere Mensch griff nach seinem Arm, zerrte ihn grob mit sich.
      Damien erstarrte, als er eine unheimlich starke Präsenz spürte.
      ~Nur die Kämpfer werden siegen.~
    • "Meister."
      Sein Diener verneigte sich tief und hielt den Blick strengstens auf den Boden gerichtet. Er war nicht im Geringsten überrascht darüber, dass Erebos schon wieder da war und dass er nicht den privaten Aufzug nach oben genommen hatte. Erebos mochte diesen Menschen auf seine eigene, verdrehte Weise. Sein Name war Kostas und er arbeitete nun schon seit Jahren für Erebos. Einer der wenigen Menschen, denen diese Arbeit Spaß machte, dessen Loyalität nicht durch Luxusgüter erkauft worden war. Kostas hatte sich seine Position hart erarbeitet. Das konnte Erebos respektieren.
      Erebos betrachtete nun aber mit viel größerem Interesse den jungen Mann, den man vor ihm hatte verbergen wollen. Das schwarze Halsband stand ihm gut. Das Oberteil... hm. Sein Fehler, Kostas nicht zu sagen, warum genau er diesen Menschen hatte haben wollen. Erebos gab sich vergleichsweise selten seinen körperlichen Gelüsten hin, aber hin und wieder war auch er Opfer seiner Lust. Kostas sollte ruhig denken, dass das auch heute der Fall war. Nur, weil der Mann loyal war, hieß das noch lange nicht, dass Erebos all seine Pläne mit ihm teilte.
      "Du kannst gehen," meinte er schlicht.
      Kostas machte einen Schritt zurück, dann richtete er sich auf und ging.
      Der Mensch fühlte sich offenkundig alles andere als wohl in dem Fimmel, in den Kostas ihn gesteckt hatte. Mit einem einzigen Gedanken hoben sich Schatten im Gästekleiderschrank und fischten eine schwarze Robe von einem Hänger. Die Robe schwebte wie von Geisterhand geführt aus dem Raum heraus und legte sich um die Schultern des Menschen, bevor die Schatten sich wieder ins Nichts auflösten.
      "Hm," brummte Erebos. "Das ist besser, findest du nicht?"
      Er wandte sich von dem Menschen ab und schlenderte in Richtung Küche.
      "Wann war das letzte Mal, dass du etwas gegessen hast?" fragte er.


    • Damien empfand das Verhalten Kostas' lächerlich. Anders als dieser blieb er aufrecht stehen.
      Er war dennoch erleichtert, dass Erebos ihn wegschickte.
      Das Verhalten des Gottes überraschte ihn, denn eigentlich hätte er mit einer Bösartigkeit gerechnet.
      Erebos war...ANDERS. Nein! Das durfte er nicht denken. Er würde den Göttern niemals vergeben.
      Aus übertriebenen Stolz schwieg Damien.
      Zugegeben- eine Robe über diesem..."Nichts" zu tragen war tatsächlich besser.
      Sich das eingestehen? Nein, soweit war der Sterbliche längst nicht.
      Sein Misstrauen und sein Hass Göttern gegenüber war einfach zu groß...
      Auf die Frage nach seiner letzten Nahrungsaufnahme, musste der Kleinere tatsächlich überlegen.
      Er beobachtete Erebos skeptisch, verfolgte jede seiner Bewegungen. "Vor ein paar Tagen." antwortete er dann schließlich.
      ~Nur die Kämpfer werden siegen.~
    • "Hm," brummte Erebos erneut.
      Er öffnete einen riesigen Kühlschrank und zauberte eine fertig hergerichtete Mezze Platte hervor, die gefüllt war mit Pita Bread, Oliven, frischem Gemüse, and Fetakäse. Anders, als die Menschen lange Zeit angenommen hatten, aßen die Götter sehr wohl etwas anderes als nur Nektar und Ambrosia.
      Erebos stellte die Platte auf der Kücheninsel ab und bot dem Menschen mit einer einfachen Geste an, sich zu bedienen, bevor er sich selbst eine Olive in den Mund schob. Da der Mensch sich dem Essen garantiert nicht nähern würde, solange das bedeutete, sich ihm nähern zu müssen, wandte sich Erebos ab und schlenderte stattdessen weiter zu der enormen Fensterfront. Davor lagen dutzende schwarze Kissen in allen möglichen Formen und Größen. Entspannt ließ er sich darauf nieder. Dass er dem Menschen den Rücken zugewandt hatte und der sich mit Leichtigkeit eine Waffe in der Küche suchen konnte, war ihm vollkommen egal. Ein bisschen Edelstahl konnte ihm nun wirklich nichts anhaben.
      "Wie heißt du?" fragte er von seinem Sitzplatz aus, von dem aus er die gesamte Stadt sehen konnte, wie sie da in der Dunkelheit ruhte.
      Der Sonnenaufgang war noch gute zwei Stunden entfernt; da draußen war es still. Erebos liebte diese Stille. Sie gehörte vollkommen zu Nyx.