Die Sterne von Caelin [ Deep x Nio ]

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    • Die Sterne von Caelin [ Deep x Nio ]


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      Die Sterne von Caelin
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      Y ist eine junge Frau, die in den endlosen Steppen eines Nomadenstammes aufwuchs. Ihre Mutter war einst die Tochter des Grafen von Caelin, doch sie gab Rang und Titel auf, um der Liebe zu folgen – a die Seite des stolzen Anführers des Stammes.
      Vor wenigen Monaten änderte sich alles: Eine finstere Organisation, bekannt als die Black Fang, stieß auf den Stamm. In einem erbarmungslosen Gefecht wurden fast alle Nomaden niedergemetzelt – nur wenige entkamen dem Massaker, darunter Y.
      Während sie um ihr Überleben kämpfte, erhielt der Graf von Caelin Nachricht vom Schicksal seiner Tochter und erfuhr, dass eine Enkelin existierte. Er beauftragte zwei junge Ritter, Y zu finden und sicher nach Caelin zu bringen. Als die Ritter sie schließlich aufspürten, zögerte Y nicht lange – der Graf war die einzige Familie, die ihr noch geblieben war.
      Gemeinsam traten sie den gefährlichen Rückweg an, verfolgt von den Black Fang, die scheinbar alles daransetzten, Y in ihre Gewalt zu bringen. In einer kleinen Stadt, in der sie für kurze Zeit untertauchten, wurden sie schließlich umzingelt – bis plötzlich X und sein Gefährte auftauchten und das Blatt wendeten...


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      x - @Nio
      y - @DeeplyRouge


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      Naia
      Die Zeit verging unbedeutend langsam seit dem Massaker. Alles scheint so bedrohlich und nichts wirkt mehr so sicher wie zuvor. Der andauernde Spagat zwischen ständiger Wachsamkeit und dieser erdrückenden Müdigkeit macht es Naia unmöglich auch nur einen vollkommen geordneten Gedanken zu fassen. Das Pferd unter ihr ist nicht ihr eigenes. Es wirkt in den gespannten Zügeln und dem engen Sattel fast schon angezogen, nicht so frei wie ein Pferd in ihrem Stamm. Mensch und Tier sind hier ungleich. Ihr Blick haftet an den beiden Reitern aus Caelin, ihre Gedanken schweifen von Eindruck zu Eindruck. Die grausamen Bilder aus Astralys versucht ihr Inneres zwanghaft zu unterdrücken.
      Ihre Hände streichen unentwegt sanft über den weichen, warmen Hals ihres großen Begleiters.
      „Meint Ihr, es fühlt sich beengt?“. Ihre Augen wandern zu einem der Reiter, welcher nur ein leises „Hm?“ von sich gibt, verwirrt von der Frage. „Ein Pferd benötigt eine solche Ausstattung nicht. Meint Ihr, dass es sich dadurch gefangen fühlt? Ich habe schon viel über diese Materialien gelesen, aber noch nie ein Pferd an Zügeln geführt“.
      Bei genauerer Betrachtung liegen die Zügel unberührt auf dem Rücken des Pferdes; Naia berührt diese nicht leitend. Sie fährt mit ihren Fingern nur über das weiche Leder.
      Wieder und wieder suchen ihre Augen ein neues Ziel, lassen nichts außen vor, denn alles könnte potentiell die Intention haben die letzte Überlebende der Astralys aufzuspüren und dem Stamm sein endgültiges Ende zu setzen. Jedes Geräusch lässt Naia aufmerksam werden, stellt es sich auch nur als Windzug heraus.
      Langsam dreht sie ihren Körper nach hinten und jede Bewegung fühlt sich an, als würde sie in Zeitlupe passieren.
      Ihre Sicht in die Weite ist verschwommen, sie kann nicht erkennen, was hinter ihnen passiert. Wer sind diese Leute? Und warum pocht ihr Herz so schnell?
      Plötzlich spult jemand die Zeit vor, Naias innerer Zeiger dreht sich ununterbrochen und rasant. Sie wird aus ihrer ruhigen Vorstellung zurück in die Realität gerissen.
      Ja! Stimmt! Sie werden verfolgt und der Feind ist ihnen dicht auf. Als sie sich nach vorne dreht, sitzt einer der Ritter vor ihr. Ihre Hand gleitet an ihren Bogen und mit der anderen zückt sie einen ihrer Pfeile.
      Sie spannt ihn. Wäre doch nur ihre Sicht nicht so verschwommen. Ihre Hände sind ruhig und ihr Pfeil visiert ihr Ziel genau an. Aber tut er es wirklich? Das Pfeifen des Pfeils im Flug ist auch für das Ziel unüberhörbar, als er das Ohr des Feindes passiert und sein Gesicht nur kurz streift.
      Verfehlt! Oder wollte sie ihn gar nicht treffen?
      Sie spannt den nächsten Pfeil. Sie darf nur bloß, unter keinen Umständen, das Pferd treffen! Ihre Augen fokussieren nicht. Ihr Sichtfeld bebt und wankt.
      Ergeben senkt sie Pfeil und Bogen.
      Sie weiß, dass sie nicht töten kann. Ihr Körper und Verstand wehren sich vehement dagegen.
      Aber ihren Stamm konnte sie nicht retten. In ihrer Brust wütet ein Sturm von Scham und Enttäuschung. Das Bild ihrer toten Geliebten breitet sich vor ihrem inneren Auge aus.
      Sie muss lernen sich zu verteidigen, um zu verstehen welche Monster ihr ihre Familie genommen hat. Sie muss sich in die dunklen Gedanken dieser Menschen begeben, um Gnade für diese Taten walten lassen zu können.
      Denn gerade fühlt sie einzig und allein Hass und er wird zu einem Verlangen nach Rache, mit welchem sie sich nicht mehr fühlt wie sie selbst.
      Sie sieht nach vorn in der Hoffnung, dass der Reiter ihr den Weg in Sicherheit leiten kann.



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    • Kaelen spürte die Anspannung, die Naia ausstrahlte, als sie den Bogen spannte und den Pfeil Richtung Feind abschoss – verfehlt, aber das Ziel war klar. Er hielt den Blick fest auf die Umgebung gerichtet, die Schatten der Verfolger wuchsen bedrohlich näher. „Halt dich bereit“, murmelte er knapp und ließ die Zügel seines Schimmels straffer werden.

      Die Gruppe setzte sich in Bewegung, Kaelens Schimmel Aster schnaubte angespannt unter ihm. „Wir können hier nicht bleiben, nicht, wenn sie uns so nah sind“, sagte er und ritt an die Spitze. Sein Blick fixierte die Landschaft vor ihnen – die offene Steppe wich langsam dicht bewachsenem Wald, das leise Rauschen eines Flusses wurde hörbar.

      Nach einigen Minuten erreichten sie das Ufer eines breiten Flusses, das Wasser floss mit kräftiger Strömung dahin. Kaelen ließ das Pferd abrupt stoppen, sein Blick wurde scharf. „Hier kommen wir nicht rüber“, sagte er knapp. „Zu breit, zu schnell, und das Ufer hier ist steil.“ Ein missmutiges Knirschen war von ihm zu vernehmen.

      Er drehte sich zu den anderen um, seine Stimme fest und entschlossen. „Wir sind in die Ecke getrieben worden.“ Kaelen ließ den Blick um sich kreisen, suchte nach einem Ausweg, doch alles war zu eng, zu begrenzt. Aus dem Wald hinter ihnen konnte man bereits die Pferde der Black Fangs stampfen hören.

      „Sir Kent. Wenn es zum Kampf kommt, müssen wir vorbereitet sein.“ Kent nickte und war sich bewusst, dass die Situation schnell ziemlich aussichtslos werden könnte.
      Kaelen sah Naia ernst an und fügte hinzu: „Wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann flieht. Steigt auf keinem Fall vom Pferd ab! Ihr müsst überleben Naia.“
      Das Rauschen des Flusses wurde lauter, die Geräusche der Verfolger rückten näher. Er umklammerte den Griff der Lanze mit seiner Hand, bereit, jede Herausforderung anzunehmen. „Sie glauben, wir sind gefangen“, sagte er ruhig. „Aber wir sind nicht verloren. Noch nicht.“
    • Ihr Blick streift suchend den Wald. Überall wild verwachsene Sträucher und die dicken Stämme eng aneinandergereihter Bäume. Genau suchen ihre hellen Augen einen geeigneten Ausweg - für alle. Fliehen? Sie soll fliehen? Sie schluckt schwer. Der Frosch in ihrem Hals möchte einfach nicht weichen. Ihre Augen wandern zu Kaelen.
      „Ich soll ohne Euch fliehen? Ich kann nicht-…“, sie stoppt und schüttelt den Kopf.
      „Ich weiß nicht wohin und…“. Sie möchte die beiden Ritter sichtlich nicht hinter sich lassen. Sie hat niemanden mehr an ihrer Seite und nun soll sie wieder ihre beiden Helfer allein zurücklassen? Es fühlt sich falsch an. Ihr Körper wehrt sich gegen die Flucht.
      Vor ihr ziehen die Bilder ihres Stammes an ihr vorbei. Sie rufen nach Hilfe, greifen nach Naias Hand und sie möchte sie ergreifen. Doch sie verschwimmen vor ihr. Jeder Griff ist leer.
      Ihre Hände zittern ein wenig, dennoch wirkt sie gefasster, als sie innerlich eigentlich ist.
      Die Geräusche der Pferde klingen noch genauso wie in der Nacht des Überfalls. Ihr ganzer Körper fühlt sich heiß an. Ihre Brust fängt Feuer.
      Ihre Hand fährt an den weichen Gürtel der quer über ihren Brustkorb führt. Sie nimmt zwei kleine Fläschchen in die Hand, dessen Inhalt hellblau leuchtet. „Bitte…Nehmt das!“.
      Naia steigt von dem großen Pferd ab und reicht den Rittern die zwei Tränke. „Vielleicht wird es Euch nicht retten, aber es wird helfen…“.
      Das Stampfen wird lauter und Naia sieht in die Richtung, in welcher sie einen sehr engen Durchgang erblickt hat, kaum passierbar für die beiden Ritter. Sie zwängt sich zwischen die beiden Stämme, ihre Kleidung bleibt an der Rinde der Bäume hängen und ihre Hände schneiden sich an den scharfen Kanten. Die spitzen Dornen zerren an dem Stoff und ihrer Haut.
      Kaum sichtbar, aber dennoch nicht unsichtbar hängt ein kleines Stück des blauen Stoffs ihrer Oberbekleidung an dem Holz des Baumes.
      Sie dreht sich um. Hinter ihr geht es nicht weiter. Sie ist gefangen in einem Versteck, hat hiermit keinen Ausweg gefunden. Sie dreht sich ein paar mal um ihre eigene Achse, bevor sie sich dazu entscheidet sich soweit zurückzuziehen, um nicht allzu viel von dem bevorstehenden Kämpfen erblicken zu müssen.
    • Das Stampfen der Hufe wurde lauter. Kaelen hob den Kopf, die Hand fest um den Schaft seiner Lanze geschlossen. Aus dem Schatten der Bäume löste sich eine Reitergruppe – schwarze Rüstungen, dunkle Umhänge, ihre Silhouetten schwer und drohend. Vorneweg fünf Reiter, dicht dahinter vier Magier in dunklen Roben und ein einzelner Bogenschütze. Kaelen erkannte sofort, dass die Magier und der Schütze von den Pferden glitten, um festen Stand zu haben.

      Er und Kent sprangen aus den Sätteln, zogen ihre Waffen, die Stiefel tief im feuchten Waldboden verankert.
      Der vorderste Reiter trieb sein Pferd bis auf wenige Schritte an Kaelen heran. „Gebt uns das Mädchen“, knurrte er, die Stimme tief und drohend. „Jetzt. Sonst wird niemand hier lebend davonkommen.“

      Kaelen richtete sich zu seiner vollen Größe auf, der Blick hart und unbeirrbar. „Ihr werdet sie nie bekommen“, erwiderte er, jede Silbe fest wie Stahl. „Für Caelin werden wir kämpfen.“

      Ein kurzes, abfälliges Lachen entwich dem Mann. „Eher für Caelin sterben.“

      „Wir werden sehen.“ Kaelen senkte die Lanze, die Spitze auf den Gegner gerichtet – und in der nächsten Sekunde brach das Chaos los.

      Die ersten beiden Reiter stürmten vor. Kaelen riss die Lanze hoch, fing den Schlag des ersten Gegners ab und stieß ihm die Waffe mit voller Kraft gegen den Brustpanzer. Das Krachen des Aufpralls hallte durch den Wald, der Mann kippte aus dem Sattel und blieb keuchend am Boden liegen. Neben ihm hörte er Kents energisches Brüllen, als dieser seinen Gegner mit einem wuchtigen Schildstoß aus dem Sattel schleuderte.

      Der kurze Erfolg hielt nicht lange. Gleißende Magieblitze zischten zwischen den Bäumen hindurch, ein Pfeil sirrte dicht an Kaelens Kopf vorbei. Er wich einem brennenden Geschoss aus, spürte jedoch die sengende Hitze an seiner Schulter. Kent hob den Schild, um einen Pfeil abzufangen, doch der Aufprall ließ ihn zurücktaumeln.

      Ein weiterer Reiter preschte heran, schlug Kent seitlich gegen den Arm. Er unterdrückte einen Fluch, konterte mit einem scharfen Stoß der Lanze, der den Gegner von seinem Pferd riss. Doch die anhaltenden Fernangriffe setzten beiden Rittern spürbar zu – die Bewegungen wurden schwerer, die Luft brannte in den Lungen. Und Schlussendlich schlug einer der Pfeile in Kaelens linker Schulter ein. Ein stechender Schmerz.

      „Die Tränke, jetzt!“, rief Kaelen, griff nach dem Fläschchen, das Naia ihm gegeben hatte, und trank hastig. Die Kälte des Gebräus durchströmte ihn, der Schmerz ließ etwas nach. Kent tat es ihm gleich.

      „Kent, gib mir Deckung!“ Kaelen preschte vor, rammte die Lanze durch die verbliebene Reiterlinie und stürmte auf die Magier zu. Zwei konnte er erreichen – die Lanze fegte den Stab des einen zur Seite, bevor ein kräftiger Stich den zweiten zu Boden warf.
      Dann sammelte sich am Rand seines Blickfelds eine unheilvolle, dunkle Glut. Ein Magier schleuderte einen Ball schwarzer Energie, der Kaelen voll traf. Die Wucht schleuderte ihn nach hinten, der Boden nahm ihm den Atem.

      Zwischen dumpfem Rauschen und metallischem Krachen hörte er Kent noch kämpfen – bis ein erstickter Aufschrei und das Scheppern von Stahl den Kampf endeten.

      Kaelens Blick suchte das Gebüsch, in dem Naia verschwunden war. „Lauf… Naia…“ murmelte er, ehe die Dunkelheit ihn umfing.
    • Naias Blicke verfolgten das Geschehen noch eine ganze Weile, bis sie nach hinten weiter in das Dickicht rutschte. Ihre Hände zitterten und das Gefühl der Hilflosigkeit durchdrang sie erneut.
      Sie konnte ihn nicht retten. Ihre Kräfte waren zu schwach, ihre Tränke so gut wie alle schon verbraucht.
      Sie entschloss sich den Worten Kaelens Folge zu leisten und erhob sich langsam und sehr leise. Leise wie eine Katze versuchte sie sich stumm über den Boden des Waldes weiter in den Wald zu bewegen, ohne genau zu wissen, wohin diese Wege sie führen würden.
      Sie kannte diese Orte nicht und vor allem war sie zuvor noch nie allein.
      Niemals wurde ein Astralys zurückgelassen. Sie wanderten stets im Kollektiv und selbst der Langsamste wurde unentwegt begleitet.
      Der Wald wirkte unendlich laut. Alles schien Naia zu erdrücken. Die Wege die sie entlang schlich wurden immer enger und dunkler. Doch dann sah sie eine kleine Lichtung. Sie hörte ein Plätschern. Wasser! Eilig folgte sie dem Geräusch des kleinen Baches, der sie hin zu einem fließenden Gewässer führte.
      Aber…Die Richtung in der das Wasser floss und die Stärke der Strömung.
      Das musste das gleiche Gewässer sein an welchem sie und die Ritter zuvor ankamen!
      Ihre Bewegungen wurden schneller. Die drehte sich um, nach links und nach rechts. War hier jemand? Sie konnte niemanden sehen. Leise…Niemand war zu hören.
      Das Wasser muss in einen großen See fließen. Vielleicht sogar ein Meer.
      Die leisen Worte der schwindenden Stimme des Ritters wollten Naias Gedanken nicht verlassen.
      Ihr Leben war doch nicht mehr wert als ihres und doch opferten sie sich für sie. War das alles vergeblich? Sie wusste nicht wohin. Sie kannte diese Orte nicht, diese Menschen und sich selbst schien sie auch zu verlieren. Sie war verloren, hatte sich verlaufen und nun konnte nur noch die Nacht ihr helfen, also wartete sie am Rand des kleinen Baches und horchte, ob ihr jemand gefolgt sei. Sie war müde, erschöpft von all der Last, der gefallenen Menschen um sie herum, aber schlafen konnte sie nicht. Ihre Gedanken ließen ihr keine Ruh.
      Naias Blick war starr in den Himmel gerichtet. Sie hoffte die ersten Sterne erblicken zu können, so könne sie den Weg nach Caelin selbst finden! Leise versuchte sie die alten Sternenlieder zu summen, jedoch brachte sie keinen Ton hervor. Ihr Herz schmerzte tief in ihrer Brust.
      Nun war ihr nur noch die Hoffnung in den Nachthimmel geblieben.
      „Bitte…Verlasst mich nicht…“, flüsterte sie leise zu den Sternen hinauf.
      „Ich habe euch enttäuscht, aber Ihr dürft mich nicht verlassen…“, wimmerte sie leise, während sie das Gebet zu dem versteckten Funkeln im Himmel sprach. Ihre Stimme zitterte und der Frosch in ihrem Hals schien an Größe zu gewinnen.
      „Führt mich zu meinem Großvater…Ich möchte Reue zeigen…!“, sprach sie suchend nach Vergebung. Doch die Sterne zeigten sich nicht, die Wolken verdeckten sie weiterhin. War es ihr Zorn? Oder einfach nur ein Zufall?
      Die kommende Nacht blieb stumm und Naia hatte sich in der Weite der unbekannten Wälder verlaufen.

    • Die Nacht hatte sich tief und schwer über den Wald gesenkt, eine dunkle Decke aus samtigem Schwarz, durchsetzt von vereinzelten Sternen, die kaum durch das dichte Blätterdach schimmerten. Nur das sanfte Knistern eines kleinen Lagerfeuers durchbrach die Stille, die sich wie ein schützender Mantel um die Lichtung legte. Eldritch saß entspannt auf einem umgestürzten Baumstamm, die Beine locker ausgestreckt, während das Feuer sorgsam entfacht war – klein, kontrolliert, so wie es nur ein erfahrener Reisender zu machen wusste.

      Vor ihm, auf einem einfachen Spieß aus einem Ast, brutzelten zwei Fische langsam über den Flammen. Der Duft von frischem Fisch, gewürzt mit einer Prise wildwachsender Kräuter, zog sanft durch den kühlen Nachthauch und vermischte sich mit dem erdigen Geruch von Moos, feuchtem Holz und dem Duft des Waldbodens. Die Flammen warfen flackernde Schatten auf Eldritchs Gesicht, die seine markanten Züge in ein wechselndes Spiel aus Licht und Dunkel hüllten.

      Sein treues Pferd stand nur wenige Meter entfernt, ruhig und aufmerksam. Das Tier war an den geräuschvollen Alltag der Reise gewöhnt, doch auch es schien die nächtliche Atmosphäre zu spüren. Eldritch hatte seine schwere Rüstung abgelegt, die neben dem Lagerfeuer lag und im flackernden Licht wie ein Fremdkörper wirkte. Stattdessen trug er ein einfaches, abgetragenes Hemd aus grobem Stoff, dessen Ärmel bis zu den Unterarmen hochgekrempelt waren. Die Hose war alt, der Stoff an den Knien ausgefranst und von zahlreichen Reisen gezeichnet.

      Eine leise, alte Melodie pfiff er in einer eine einfache, doch eingängige Weise, die sich mit dem Zirpen der Grillen, dem leisen Rascheln der Blätter und dem entfernten Ruf einer Eule zu einem harmonischen Klangteppich verband. Die Ruhe und der Frieden der Nacht waren kostbare Momente, die er sich nur selten gönnte.

      Doch seit einiger Zeit hatte er ein Rascheln im Gebüsch hinter sich bemerkt. Es war mehr als nur ein flüchtiges Geräusch. Immer wieder erklang es, gedämpft und stetig, länger, als es ein gewöhnliches Tier zuließe. Eldritch ließ seinen Blick nicht abschweifen, drehte sich nicht um. Stattdessen hob er die Hand, um sein Pferd zu beruhigen, und sprach mit ruhiger, fester Stimme: „Komm doch einfach raus, mein Freund.“ Dabei streichelte er sanft das dichte Fell seines Pferdes, das sich hinter ihm auf den Boden gesetzt hatte und ebenso aufmerksam auf das Rascheln achtete.

      Mehr als Füchse oder Luchse trieben sich hier selten herum – und vor denen fürchtete er sich nicht. Doch etwas in der Luft war anders. Eine kaum greifbare Spannung lag zwischen den Bäumen, als hätte sich der Wald selbst angehalten.

      Die Nacht um ihn herum war lebendig, geheimnisvoll und zugleich beruhigend – und Eldritch wusste, dass er sich auf diese Stille verlassen konnte, so lange sie anhielt.
    • Die Nacht wurde wärmer, dank des Feuers, das der Reisende entfacht hatte.
      Naias Blick blieb stehts in den Himmel gerichtet, denn die Sterne hatten sie verlassen. In ihr machte sich ein ungutes Gefühl von Schuld breit.
      Sie vermisste die Nähe zu ihrem Stamm. Gerade jetzt würden sie zu einer neuen Ortschaft wandern, denn heute ist Vollmond. Warum war er hier nicht zu sehen? Wurde es ihr wirklich von dem großen Kosmos verwehrt? So viele Fragen machten sich in ihr groß. Und diese Trauer.
      In ihrem Stamm gab es selten Traurigkeit. Die Menschen waren so verknüpft miteinander, mit jedem Lebewesen, dass Traurigkeit so unfassbar fern schien.
      Umso mehr schmerzte sie dieses unbekannte Unbehagen. Ihr stiegen Tränen in die Augen. Ihre Einsamkeit und Verlorenheit machte ihr mehr zu schaffen, als sie zuvor erwartet hatte.
      „Komm doch einfach raus, mein Freund“, hörte sie die freundliche Stimme sagen. Sie wurde ertappt! Ihr Herz begann unaufhaltsam zu pochen an. Sie erstarrte, ihre Hände fest auf den Boden gepresst und der Körper angespannt.
      Es wütet ein Kampf zwischen der Angst und dem Bedürfnis nach Nähe und Hilfe.
      Ihr Atem wurde schneller. Ihr Herzschlag so laut, dass sie befürchtete, dass er sie hören könnte. Ihre Hand lag auf dem Bogen in Gras, jedoch mit vollem Wissen, dass sie niemals einen ihrer Pfeile gegen ihn schießen könnte.
      Mit Blick in den Himmel erblickte Naia einen funkelnden Stern.
      Mit Vorsicht und Wachsamkeit erhob sie sich und spannte ihren Bogen mit der Spitze auf seinen Brustkorb gerichtet.
      Die Atmosphäre hinter ihm erinnerte stark an das Leben in der Steppe. Das Feuer, das Geruch des Essens, obwohl er allein mit seinem Pferd war.
      Naias Stimme klang bestimmt, jedoch war das Beben ihres Körpers nicht zu überhören.
      „Ich stelle keine Bedrohung für Euch dar, solange Ihr keine Bedrohung für mich darstellt!“.
      Sie blieb tief im Dunkel der Blätter versteckt und das Aufblitzen ihrer Pfeilspitze war mit ihren Augen das hellste in dieser Dunkelheit.
      „Bitte gebt mir keinen Grund Euch zu verletzten…“, sprach sie sehr sanft zu ihm, ihr Bogen jedoch sicher auf ihn gerichtet und die Augen an ihm haftend.
    • Eldritch rührte sich kaum, als sich aus dem Schatten der Bäume die Gestalt erhob. Er hörte das leise Knirschen von Schritten auf trockenem Laub, das kaum lauter war als das Knistern der Flammen. Er sah sie nicht sofort klar, doch er spürte, wie sich die Atmosphäre um das kleine Lager veränderte. Da war nun etwas Waches, etwas Angespanntes in der Luft — wie der kurze Moment vor einem Regenschauer, wenn die Natur den Atem anhält.

      Mit gelassener Selbstverständlichkeit beugte er sich nach vorne, nahm einen dünnen, rußgeschwärzten Ast und stocherte im Feuer herum. Glutstücke rieselten leise in die Asche, während er die kleineren Hölzer so zusammenschob, dass die Flammen leichter auf die dickeren, noch halbverkohlten Scheite übergreifen konnten. Es war eine Bewegung, die er unzählige Male auf Reisen gemacht hatte, ohne darüber nachzudenken.

      Das Feuer knackte auf, eine kleine Stichflamme züngelte kurz in die Nacht, und ein Funkenregen stob nach oben, bevor er in der Dunkelheit verlosch. Eldritch spürte, wie die Wärme auf seine Hände strahlte, und er ließ sich Zeit, bevor er sprach.
      „Du kannst dich gern ans Feuer setzen“, sagte er schließlich, die Stimme ruhig und gleichmäßig, ohne die Schärfe einer Aufforderung, eher wie eine Einladung, die er ernst meinte.

      Er drehte den Kopf leicht und sah nun erstmals zu der Gestalt hinüber. Die Entfernung und die Dunkelheit ließen keine klaren Züge erkennen, doch er bemerkte die Haltung sofort — angespannt, wie eine Bogensehne, die kurz davor war, zu schnappen. In der Bewegung ihrer Arme, im kaum sichtbaren Glanz eines gespannten Bogens in der Nacht, erkannte er die Vorsicht einer Jägerin… oder die Nervosität eines Menschen, der nicht wusste, ob er willkommen war.

      Ein schlichtes Lächeln glitt über seine Lippen. Nicht aufgesetzt, nicht spöttisch, sondern warm und offen, wie ein kleines Licht in der Dunkelheit. Es war kein Versuch, sie zu entwaffnen, sondern eher ein stilles Zeichen, dass er keine Gefahr sei.

      Sein Pferd hob den Kopf und schnaubte leise, als würde es die fremde Präsenz ebenfalls bemerken. Eldritch legte den Stock wieder beiseite, lehnte sich zurück und griff kurz nach dem Fischspieß, den er ein Stück zur Seite drehte, damit die Haut der Fische nicht verbrannte.

      „Ist besser, wenn du dich aufwärmst“, fügte er nach einer kleinen Pause hinzu, fast beiläufig. „Die Nächte hier können kalt werden, und der Wind macht’s nicht besser.“

      Er sprach, als wäre die Spannung im Wald gar nicht vorhanden, als wäre es das Natürlichste der Welt, dass jemand nachts mit gespanntem Bogen am Rand seines Feuers stand. Vielleicht, weil er solche Begegnungen kannte. Vielleicht auch, weil er gelernt hatte, dass Angst selten ein guter Ratgeber war.
    • Die Skepsis in ihrer Stimme schien kaum zu schwinden und Vertrauen konnte er in ihr nur schwer erwecken.
      Doch er hatte recht. Es wurde immer kälter und auf ihrer Haut zeichneten sich immer wieder und wieder kleine Pünktchen ab, aus denen man schließen konnte, dass auch an ihr die eisige Briese nicht unbemerkt vorbeizog.
      Jedoch zeichneten sich am Himmel immer mehr Sterne ab. War es eine Warnung? Oder eher ein Hinweis?
      Sie senkte Pfeil und Bogen nicht. Noch nicht!, dachte sie sich. Vielleicht ist es ja ein Hinterhalt. Sie konnte ihm einfach nicht vertrauen.
      Sie trat etwas aus dem Schatten heraus und ging ein wenig auf ihn zu. Sie war nicht bedrohlich, jedoch etwas schwer einzuschätzen.
      Ihre Augen fixierten ihn, jedoch sah man ihr keine bösen Absichten an. Naia war einfach durch und durch verängstigt.
      Er lächelte. Er wollte sie sicher entwaffnen! Sie war der festen Überzeugung, seinen Plan durchschaut zu haben. Ja! Er musste böse sein!
      Mit jedem Schritt näher ans Licht wurde ihre recht zierliche Statur sichtbarer, die durch die Stammestypische Bekleidung verdeckt wurde. Der Stamm der Astralys war die nächtliche Kälte der Steppe gewöhnt, jedoch unterschied sich der Wind hier von dem, den sie sonst spürte. Oder lag es daran, dass ihr Gewand schon so in Mitleidenschaft gezogen wurde?
      Das blaue Gewand mit dem wärmenden Kragen hatte sie schon lange während des stürmischen Ritts verloren. Ihr langes schwarzes Haar war nun mehr durch Äste und Blätter verziert, als durch den selbstgemachten Haarschmuck des Stammes. Überall waren kleine Sterne zu sehen. Auf den kleinen Medaillen in ihrem Haar und an ihrer Kleidung. Der schwarze Gurt an ihrem Arm trug keine Heiltränke mehr und ihre Pfeile neigten sich langsam dem Ende zu.
      Man sah ihr an, dass sie in der Klemme steckte und nicht ganz hierhin gehörte. Sie schluckte stark und seufzte tief.
      Ihr Atem war kalt und ließ in der Luft einen kleinen hellen Nebel zurück.
      Mit einem kleinen Schnipsen erhellte die Umgebung ein wenig. Ein kleiner Orb, ähnlich wie ein verirrter Stern flog langsam vor ihr Gesicht.
      Sie gab sich ihm zu erkennen. Ihre feinen Gesichtszüge wirkten nun noch viel unbedrohlicher, jedoch war sie sehr bestimmt in ihrem Vorhaben. Langsam wanderte ihr Bogen und der Pfeil wieder tiefer, sie loszulassen traute sie sich jedoch noch nicht.
      „Was tut Ihr hier allein in der Nacht?", fragte sie eindringlich.
      War er denn überhaupt allein? Sie sah sich kurz um, wendete ihren Blick dann jedoch wieder dem Unbekannten zu.
      Sie stand einige Zeit da, dann merkte sie jedoch, dass sie viel zu schnell aufgestanden war. Ihre Sicht wurde verschwommen, stolperte einen Schritt nach hinten, fing sich jedoch selbst recht rasch wieder.
      Das war seine Chance! Würde er sie ergreifen?
    • Das Feuer knackte leise, Funken stoben in die kalte Nachtluft. Aus den Augenwinkeln betrachtete er die junge Frau – nicht wie einen Feind, sondern wie ein verletztes Tier, das sich in die Enge getrieben fühlte. Kein Geschöpf, das aus Boshaftigkeit beißen würde, sondern eines, das aus purer Furcht keinen anderen Ausweg kannte.

      Er konnte sehen, wie ihre Finger noch immer den Bogen umklammerten, die Sehne leicht gespannt, als wollte sie sich selbst die Illusion geben, bereit zu sein. Doch ihr Blick verriet Unsicherheit, ein inneres Schwanken zwischen Flucht und Standhalten. Sie wirkte fehl am Platz hier – nicht nur in diesem Wald, sondern auch in dieser Begegnung.

      Als sie plötzlich schwankte und einen Schritt zurückstolperte, zuckte Eldritch leicht zusammen. Für einen Augenblick war er im Begriff, zu ihr zu eilen, doch noch bevor er einen Schritt machen konnte, fing sie sich selbst. Er verharrte. Keine Feindseligkeit ging von ihm aus – nur eine stille, abwartende Präsenz. Für ihn war diese Nacht im Wald eine von vielen, eine Zwischenstation auf einer Reise, die ihn schon durch weit einsamere Orte geführt hatte.

      Er wandte sich wieder dem Feuer zu, rückte die Fische, die über den Flammen garten, ein Stück vom heißen Schein weg. Der Duft von geröstetem Fleisch hing in der Luft. Eldritch nahm einen der Spieße in die Hand, das Holz noch warm unter seinen Fingern.
      „Ich bin auf dem Weg nach Albion“, sagte er ruhig, als wäre das Grund genug, mitten in der Nacht allein hier zu sitzen. „Verbringe nur die Nacht hier.“

      Mit gemessenem Schritt ging er auf sie zu, langsam, ohne jede Hast. Drei, vielleicht vier Meter vor ihr blieb er stehen, da ihre Reaktion weiterhin abweisend blieb. Der Fisch in seiner Hand glänzte leicht im flackernden Licht des Feuers.

      „Nimm ruhig. Der ist ganz frisch.“ Seine Stimme war nicht aufdringlich, eher ein schlichtes Angebot – so, wie man einem hungrigen Wanderer am Wegesrand ein Stück Brot reichen würde.

      Doch als er ihr Zögern bemerkte, verzog er keine Miene. Ohne ein weiteres Wort nahm er den Spieß, steckte ihn mit der Spitze in den weichen Boden und ließ ihn dort stehen, aufrecht zwischen ihnen.

      Dann ging er langsam rückwärts, die Hände gut sichtbar, bis er wieder an seinem Platz am Feuer war. Er setzte sich, drehte den Stock in der Glut, als hätte es diese stumme Geste zwischen ihnen nie gegeben – und doch war sie vielleicht der erste Riss in der Mauer aus Misstrauen, die zwischen ihnen stand.
    • Naia beobachtete die Bewegungen und Gestik des Fremdeb genau, analysierte jeden seiner Schritte.
      Er machte auf sie keinen bösartigen oder gefährlichen Eindruck, aber sie hatte schlichtweg Angst. Sie fürchtete sich vor einer erneuten Hilflosigkeit.
      Der Mann kam auf sie zu. Sollte sie einen Schritt zurücknahmen, würde er wissen, dass sie ihn fürchtet. Sie blieb standhaft und spannte den Bogen erneut etwas fester. Doch dann…-! Blieb er einfach stehen? Er nahm den Stab mit dem gebratenen Fisch und steckte ihn in vor sie in den Boden. Naia musste ein wenig schlucken. War er wirklich einfach nur nett? Sie ging einen Schritt auf den Stab zu, jedoch windete sich im nächsten Moment gekonnt eine schwarze Katze durch ihre Beine und schnurrte sehr unbehaglich.
      Sie ergötzte sich sichtlich an der Wärme die das Feuer ausstrahlte und dem Geruch, den der Fisch um sie herum versprühte.
      Naias Magen war leer und drohte sich gefühlt von innen selbst zu verspeisen.
      Das erste Mal schlich sich ein kleines Lächeln auf die Lippen des Mädchens. Sie griff nach dem Fisch und kniete sich hin, ließ all ihre Verteidigung fallen und murmelte leise: „Du bist wohl hungrig…“. Ihr Pfeil und Bogen wanderten zurück an ihre gewohnten Plätze am Rücken und Naia beugte sich liebevoll zu dem kleinen Kätzchen.
      Äußerst behutsam hielt sie ihr ein kleines Stück des Fisches hin, nachdem sie sichergestellt hatte, dass es nicht zu heiß sein wird.
      „Iss…“. Das kleine schwarze Kätzchen zögerte nicht lang und bediente sich sehr eingeladen an dem Fisch, den der junge Mann eigentlich ihr angeboten hatte.
      Ihr Gefühl von Einsamkeit wurde etwas kleiner, dennoch.
      Ein Tier flog aus einem der Büsche heraus und in den Nachthimmel. Das Geräusch nahm sie direkt in seinen Bann. Sie schrak auf, drehte sich direkt um. Ihre Hände zitterten und das Kätzchen erschrak ebenfalls. Es bäumte sich auf und machte einen riesen Buckel, welches es durch ein hohes Fauchen noch melodisch untermalte.
      Sie war in der Tat ein verlorenes Kätzchen in einer Welt voller Wölfe. Sie kannte niemanden und nichts in dieser Gegend.
      Der Weg nach Caelin kam ihr immer mehr vor wie eine Unmöglichkeit. Innerlich versank sie in ein tiefes Seufzen. Erleichtert davon, dass es nur ein Vogel war, stand sie langsam auf und verbeugte sich leicht vor dem Mann, dankbar für seine Geste.
      Er hatte ihr etwas gegeben und sie wollte ihm ebenfalls etwas schenken, also schenkte sie ihm seinen Dank.
      „Naia…“, sagte sie leise in ihrer Verbeugung.
      „Mein Name ist Naia…“, sprach sie erneut, als sie sich wieder erhoben hatte und zu dem Mann sah, welcher seinen Platz am warmen Feuer wieder eingenommen hatte.
    • „Eldritch“, stellte er sich knapp, aber nicht unfreundlich vor, während er den Blick kurz zu ihr hob. Die Schatten der Nacht ließen ihre Züge verschwimmen, doch er konnte die vorsichtige Haltung und die Restspannung in ihren Bewegungen klar erkennen. Mit einer leichten Handbewegung deutete er auf den Platz, an dem er zuvor gesessen hatte. „Setz dich ruhig dorthin. Die Wärme tut gut, und…“ – er stieß sich mit den Händen vom Boden ab und trat einen Schritt zur Seite – "… wenn du willst, kannst du auch den anderen Fisch haben."

      Er ging zu einem dickeren Baumstamm, der wenige Schritte abseits lag, und rollte ihn mit einem dumpfen Knacken und Rascheln näher ans Feuer. Die Glut glomm auf, als er ihn am Rand platzierte. „Die Nacht ist noch lang. Da kann man etwas Stärkung gebrauchen.“
      Ein tiefes, leicht ungeduldiges Schnauben drang von der Seite herüber. Eldritch drehte den Kopf und grinste breit, als er den Blick seines Pferdes auffing. „Du hattest doch schon drei Fische, Hector.“ Seine Stimme trug eine Mischung aus neckender Wärme und dem stillen Humor eines Mannes, der sein Tier wohl besser kannte als so manchen Menschen.

      Hector, der große, dunkle Hengst, lag immer noch halb hinter dem gefällten Baumstamm, reckte nun aber neugierig den Hals und streckte den Kopf zu der jungen Frau hinüber. Die Nüstern bebten leise, während er an ihr schnupperte, als wolle er prüfen, ob sie in irgendeiner Weise interessant für ihn war.

      Eldritch setzte sich auf den neu ausgerichteten Stamm, lehnte sich leicht nach vorne und legte die Arme auf die Knie. Sein Blick ruhte erneut auf Naia – weniger prüfend als zuvor, mehr… interessiert. Die Flammen warfen warmes Licht auf sein Gesicht, das nun deutlicher zu erkennen war: kantige Züge, aber weichere Augen, die von einer aufmerksamen Ruhe zeugten.

      „Was machst du denn nachts so alleine hier im Wald?“ fragte er schließlich, ohne dabei streng oder fordernd zu klingen. Vielmehr lag in seiner Stimme ein Hauch von ehrlicher Neugier, als wäre ihre Antwort nicht nur eine Formalität, sondern von Bedeutung für ihn. Die Glut knackte, Funken stoben kurz in den schwarzen Nachthimmel, und zwischen den Geräuschen der Nacht hing seine Frage für einen Moment in der Stille, wie ein Faden, den sie nur noch aufnehmen musste.
    • Sie folgte ihm weiterhin mit ihren Augen, jedoch nicht mehr allzu skeptisch, eher folgend. Als würde sie sich an seinem Verhalten fast schon orientieren.
      Sie lief langsam rüber zum Feuer und sprach dann leise zu ihm. „Vielen Dank, Eldritch“.
      Naia sagte seinen Namen in einer Art und Weise, als würde sie eine neue Sprache lernen.
      Das Knistern des Feuer entspannte sie sehr rasch. Ihre Hände beruhigten sich ebenfalls schnell, sobald sie nicht mehr am Bogen ruhen müssen und halten sie nun sicher gestützt auf dem Baumstamm.
      Sie seufzte sanft, jedoch eher aus Entspannung, stieß ein sehr sanftes Hauchen aus und sah wieder in den Himmel. Nun konnte sie einige Sterne sehen, was ihr wieder ein sanftes Lächeln auf die Lippen zaubern konnte. Sie hatten sie doch nicht verlassen, der Weg schien ihr nun etwas klarer geworden zu sein.

      Der große Hengst hinter ihr zog sie aus ihren Gedanken. Naia sah ihn interessiert an und hielt ihm respektvoll die Hand hin, um ihm das Schnuppern zu erleichtern. Dann musste sie etwas kichernd, während sie leise zu ihm murmelte. „Ich rieche wahrscheinlich nicht so angenehm, hm?“. Das Kichern tat ihrer Seele gut, jedoch löste es in ihr erkennbare Schuldgefühle aus. Wie könne sie nur in so einer Situation Freude empfinden? Ihre Liebsten haben ihr Leben gelassen, weil sie es nicht schaffte, ihnen das Leben zu retten. Sie hatte ihnen das Kostbarste der Welt nicht erhalten können, weil sie schlichtweg zu schwach war. Scham überkam Naia. Ihr Blick wurde wieder etwas trübe.
      In Gedanken versunken spürte sie zwei Augen auf sich ruhen. Sie folgte ihrem Instinkt und sah zu dem Mann rüber.
      Das Licht gab ihr die Möglichkeit sein Gesicht endlich etwas besser erkennen zu können.
      Er hatte markante Gesichtszüge, jedoch freundliche Augen. Ihr Bauchgefühl sagte ihr, dass er kein schlechter Mensch sein konnte.
      Ihre Augen wanderten neugierig, jedoch nicht aufdringlich über seine Merkmale. Sie sah sie genau, starrte ihn dennoch nicht an.
      Ihre müden Augen schweiften mit mäßigem Tempo zu seinen Augen, als er begann zu ihr zu sprechen.
      „Ich suche etwas…Jemanden.“, antwortete sie leise und ruhig.
      Sie stockte kurz fuhrt dann fort.
      „Kurz dachte ich, dass ich den Weg nicht finden könne. Diese Reise sah erst ausweglos aus, aber“, sie streckte ihren schmalen Finger in den Himmel und ein breites und herzliches Lächeln verzierte ihr Gesicht, „das ist sie nicht!“. Ihr Ton wirkte selbstsicher.
      „Ich werde finden, was ich suche! Die Sterne leiten mich. Die Karten sind mir neu, aber ich werde sie lernen!“.
      Sie nickte. Ihr Körper schien neue Kraft aus den Sternen geschöpft zu haben und am liebsten wäre ihr neuer Mut in der jetzigen Sekunde aufgebrochen. Sie folgte dem roten Faden des Mannes und zog in hoch in den Nachthimmel.

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    • Eldritch lehnte sich leicht zurück, ließ die Beine ein Stück zur Seite gleiten, während er die Arme auf den Knien ruhen ließ. Das Feuer knackte beharrlich, sein warmer Schein tanzte über den staubigen Stoff seines Mantels. Er hörte Naia aufmerksam zu, ohne sie zu unterbrechen. Ihre Stimme hatte etwas Entschlossenes, und obwohl er keine großen Gesten machte, merkte man an seiner entspannten Haltung, dass er sich die Zeit nahm, ihre Worte aufzunehmen.

      Langsam griff er nach einem kleinen Stück Holz, das neben ihm lag, und legte es ins Feuer. „Große Ziele,“ murmelte er leise, beinahe so, als würde er den Gedanken erst einmal für sich selbst wiederholen. Dann sah er zu ihr hinüber, das Knistern des Feuers spiegelte sich in seinen Augen. „Solche sollte man verfolgen. Die meisten verlieren sie zu schnell aus den Augen, wenn der Weg steinig wird.“

      Er schwieg für einen Moment, ließ seinen Blick in die Flammen sinken. In seinem Inneren regte sich eine Erinnerung – das Gesicht eines Mannes tauchte vor seinem geistigen Auge auf. Ein Händler, den er vor Jahren auf einer der alten Handelsstraßen getroffen hatte. Der Fremde hatte oft von Sternen und Karten gesprochen, als seien sie alte Freunde, nicht bloß Hilfsmittel. Damals hatte Eldritch es für eine Eigenheit gehalten, eine romantische Vorstellung, die für einen harten Alltag wenig taugt. Doch dieser Händler hatte behauptet, seine Jugend bei einem Stamm verbracht zu haben, der nach den Sternen zog, als wären sie ein untrüglicher Kompass.

      Eldritch hob den Blick wieder zu Naia, sein Ton war nun etwas wärmer, wenn auch immer noch ruhig. „Du klingst wie er..", murmelte er leise, ohne das Naia den Kontext verstehen konnte. Also gibt es wirklich solche Stämme. Er zog kurz den Mundwinkel nach oben, ein kaum merkliches Lächeln, bevor er fortfuhr. „Sag mir… wohin führen dich deine Sterne?“ Er beugte sich ein wenig nach vorn, sein Ellbogen ruhte locker auf seinem Knie. „Sollte es dieselbe Richtung sein, die auch Hector und ich einschlagen… dann könnten wir dich ein Stück mitnehmen.“

      Der Wind wehte leicht durch das Lager, während er auf ihre Antwort wartete. Die Flammen warfen nun lange Schatten hinter ihnen, und irgendwo im Dunkeln schnaubte Hector leise.
    • Naia sah zu dem Mann am Feuer. Seine Haare schienen fast wie die Flammen um das Holz herum im Wind zu tanzen. Sie verstand ihn kaum. Scheinbar dachte er viel und sagte nur wenig. Sie fand es angenehm, seine ruhige Art. Wie er ihren Worten lauschte und diesen wirklich Aufmerksamkeit schenkte.
      Sein Wesen ermutigte ihr Inneres ihm ein wenig von ihrem Vertrauen zu schenken.

      Für einen Moment schwieg er und schien in seinen Gedanken zu versinken. Naia sah zu ihm, blickte in seine Augen und konnte sehen wie sich in ihnen das Feuer klar und deutlich spiegelte.

      Ihre Blicke trafen sich als Eldritch seinen wieder hob. „Du klingst wie er…“, sprach er, ohne ihr zu erklären, wer „er“ eigentlich war. Ihre Stirn runzelte sich leicht und die Augenbrauen zogen sich fragend zusammen. „Er?“, fragte sie leise, jedoch blieb ihre Frage unbeantwortet. Er fuhr fort, stellte ihr weiterhin Fragen.

      Naia sah unentwegt zu ihm. Ihr Blick verfinsterte sich. „Ich reise nach Caelin…Mein Großvater soll dort leben“, offenbarte sie ihm leise und sah dann wieder in den Himmel. „Wir studieren diese Karten von kleinauf“, wandte sie vom Thema ab und streckte ihren Finger in den Himmel.

      „Der Kosmos ist im stetigen Wandel, jedoch hört er niemals auf zu leiten“, lehrte sie ihn. „Sieh nur da…Es ist alles miteinander verknüpft!“. Naia drehte sich wieder zu ihm und rückte sogar ein Stück näher, damit er ihre Perspektive besser annehmen konnte. „Über unseren Häuptern liegt ein riesiges Netz aus Wegen, an denen wir uns orientieren können. Sie sind wie eine Karte“.

      Sie nahm einen der Stöcker, pustete das Feuer an ihm aus und zeichnete den Nachthimmel fast wie einstudiert in den Schutt. „Hier sind wir“, markierte etwas in dieser Karte und fuhr fort.
      „Und dort-…Dort muss ich hin“. Sie schenkte ihm ein warmes Lächeln, jedoch waren die Tränen, die ihre Augen fast schon zum überquellen füllten, nicht zu übersehen. „Und dieses Netz dazwischen weist mir den Weg zu meinem Ziel. Es ist ein naturgegebener Kompass“.

      Sie hatte kaum bemerkt wie naiv sie sich nah an diesen Fremden rangesetzt hatte. Ihre Euphorie löste in ihr einen Wirbel aus Emotionen aus, welchen sie nicht länger innehalten konnte. Eine Träne lief ihr übers Gesicht, das stolze Lächeln welches sie trug, wenn sie über ihren Stamm und seine Lehre reden konnte, verlor sie jedoch auch jetzt nicht.

      Eine kühle Brise wehte an den beiden vorbei und ließen ihre Haare etwas im Wind wehen. Das Feuer knackte weiterhin leise. Nicht weit entfernt von Hectors Schnauben konnte man das sanfte Schnurren des kleinen Kätzchens vernehmen. Die Nacht zog friedlich in die Tiefe und die dicke Mauer des Misstrauens schien kleine Risse zu offenbaren.

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    • Eldritch ließ ihre Worte in sich nachhallen, während er mit ruhigem Blick die Linien und Punkte betrachtete, die Naia mit dem erkaltenden Stock in die Asche und Erde gezeichnet hatte. Die flackernden Flammen warfen unstete Schatten über ihr improvisiertes Himmelsbild, und er konnte nicht anders, als von der Einfachheit und doch tiefen Bedeutung ihrer Darstellung fasziniert zu sein. Seine Augen folgten dem schwungvollen Strich, der ihre Reise markierte, bis hin zu dem Punkt, den sie mit einer beinahe kindlichen Entschlossenheit als Ziel kennzeichnete.

      „Hm…“ murmelte er leise, wobei ein leichtes Lächeln seine Lippen umspielte. „Also Caelin.“ Er ließ den Blick schweifen, zurück auf die Linien, die sie mit sicherer Hand gezogen hatte, und dann wieder zu ihr. „Wenn deine Karte stimmt – und ich zweifle nicht daran, dass sie das tut – dann führt uns der Weg in dieselbe Richtung.“

      Er sah das stolze Lächeln in ihrem Gesicht, das trotz der Tränen nicht weichen wollte. Es rührte etwas in ihm, das er nur selten verspürte – ein Hauch von Anerkennung, vielleicht sogar von Neid. Eldritch richtete sich etwas auf, zog einen kleinen Ast aus dem Feuer, drehte ihn in den Fingern, als wollte er die Glut darin mit seinen Gedanken spiegeln. „Es muss… befreiend sein“, meinte er schließlich, seine Stimme ruhig, fast nachdenklich. „Eine Karte zu besitzen, die nicht auf Pergament gemalt ist. Eine Karte, die nie verloren geht. Nur du und der Himmel… und der Weg liegt dir offen. Grenzenlos“

      Er ließ den Stock zurück in die Glut gleiten und blickte wieder auf ihre Zeichnung, dann zu ihr. „ Also die Sterne… so habe ich sie noch nie betrachtet. Als Landkarte.“

      Das Feuer knackte leise, und für einen Moment lag nur die Nacht zwischen ihnen, durchzogen von dem Atem des Windes und dem friedlichen Schnurren des kleinen Katers in der Nähe. Eldritch zog den Mantel etwas enger um seine Schultern, dann sah er Naia wieder ernst an, sein Blick fest, aber nicht hart.

      „Wenn es dein Ziel ist, nach Caelin zu kommen – und wenn dein Weg dich über Albion führt – dann begleite ich dich ein Stück.“ Er hob eine Hand, als wollte er einer drohenden Ablehnung schon im Keim die Schärfe nehmen. „Allein zu gehen ist töricht. Vor allem, wenn du zu Fuß reisen willst. Von hier bis Albion ist es ein Marsch, der dich mehr kosten wird, als du vielleicht glaubst. Mit dem Pferd sieht die Sache anders aus."
    • Naia sah Eldritch an, beobachtete ihn dabei wie er seinen Mantel enger um die Schultern zog. Es schmeichele ihr, dass er ihre Worte in sich aufgenommen hatte und sein Bick hoch in die weite Ferne des Kosmos nun ein anderer war. Er hatte recht. Die Sterne gaben Naia ein warmes Gefühl von Sicherheit, selbst in dieser kalten Nacht konnte sie sich auf ihre funkelnden Wegweiser verlassen. Und doch, umgeben von abermillionen Sternen, Mutter Natur und ihren neuen Gefährten, fühlte sie sich einsam und etwas leer. Dieses Gefühl war ihr so neu und fremd, dennoch hatte es sich blitzschnell in ihre Brust gebrannt.

      Ihre Hände fuhren beruhigend über ihre Oberarme. Die Kälte des Windes und ihrer Gefühle durchzogen ihre Haut langsam und sie wollte sie wegstreichen. Sie war müde, hungrig, erschöpft, aber ein bisschen weniger verloren. Das machte ihr Mut.

      Aus irgendeinem kosmischen Grund hatte sie das Gefühl, dass sie ihm vertrauen konnte. Sie sah ihn an und erkannte keine Gefahren in ihm, jedoch zweifelte sie nicht daran, dass er im Gefecht nicht äußerst gefährlich werden konnte. Er war undurchsichtig, aber freundlich. Seine Gedanken konnte sie jedoch nicht erraten, auch wenn sie sich sehr darum bemühte.

      Naia holte gerade Luft, lächelte sanft um ihm zu signalisieren, dass sie nicht die Absicht hatte sein Angebot aususchlagen- auch wenn es eigentlich viel mehr eine Aufforderung war. „Es gibt keinen Grund mich überzeugen zu wollen", sprach sie mit freundlicher Stimme. „Ich wäre sehr dankbar, wenn du und dein Pferd mich begleiten würden". Dann packte sie jedoch das schlechte Gewissen.

      „Eldritch...Ehm...", stockte sie. Naia spielte ein wenig nervös an ihren Fingern und sah zu ihm. „Ich möchte dir nicht verschweigen, dass ich in Gefahr bin. Das-...Das denke ich zumindest". Ihre Worte klangen wie eine Beichte vor dem Vater in der Kirche- würden Astralys diesem Glauben nachkommen.

      „Auf meiner Flucht nach Caelin mussten zwei Ritter meinetwegen ihr Leben lassen. Ich bin nicht imstande einem Menschen das Leben zu retten und ungern möchte ich, dass du nicht noch sehr lang und intensiv die Wege der Sterne kennen und verstehen lernst". Ihre Worte klangen sehr ehrlich und wirkten im Unterton sogar leicht besorgt. Sie war sich sehr sicher, dass sie auf diesem ungewissen Weg nicht noch mehr Menschenleben auf dem Gewissen haben wollte. „Ich wäre nicht böse darüber, wenn du mich allein reisen lässt. Ich weiß selbst nicht, was mich bei meinem Ziel erwartet, sollte ich es erreichen", versicherte sie ihm.

      Die Nacht wurde immer dunkler und die Wälder hinter ihnen verschwanden in einem schwarzen Gewand. Mysteriös versteckten sich alle Bäume und verschmolzen zusammen in etwas großes Ungewisses. Jedes Geräusch das seinen Weg aus der Dunkelheit hin an das Feuer bahnte, wirkte plötzlich bedrohlich. Jedes Rascheln der Blätter konnte unheimlich viele Ursachen verbergen. Klar war jedoch, dass diese Ursache die beiden Fremden am Feuer eher sah, als sie das Unbekannte in den Büschen je hätten erspähen können.
    • Eldritch bemerkte, wie Naia ihn ansah, und als sie ihm dieses sanfte, fast scheue Lächeln schenkte, erwiderte er es ohne zu zögern. Kein übertriebenes Grinsen, sondern ein ehrliches, leises Hochziehen seiner Mundwinkel, das seine sonst so ernste Miene für einen Moment weicher erscheinen ließ. „Hm“, murmelte er, während er sie einen Atemzug lang betrachtete, „du machst es mir schwer, dich nicht zu begleiten.“

      Doch dann blieb sein Blick nachdenklich in den Flammen hängen, während ihre Worte in seinem Kopf nachhallten. Zwei Ritter...? Hier? Sein Kiefer spannte sich unwillkürlich an. Ungewöhnlich soweit weg von den großen Grafschaften. Das schien schon etwas zu bedeuten.

      Er hob schließlich den Kopf, sah sie wieder an und nickte langsam. „Danke, dass du ehrlich mit mir bist, Naia.“ Seine Stimme war ruhig, fast sanft, aber nicht ohne Gewicht. „Die meisten hätten geschwiegen."
      Einen Moment blieb er still, das Knistern des Feuers füllte die Lücke, bis er fortfuhr: „Das ändert nichts. Bei der Dunkelheit werden sie sicher nicht durch den Wald irren.“
      Seine Augen verengten sich, als er über die Dunkelheit hinweg ins Dickicht sah. Doch nirgends war etwas zu erkennen. Die Dunkelheit zog alles in sich hinein und nur das Zirpen der Insekten war zu hören. „Wir brechen früh auf. Noch vor der Dämmerung. Dann haben wir auf jeden Fall einen Vorsprung.“

      Langsam erhob er sich und ging zu Hector hinüber, der ein Stück abseits lag und genüsslich schnaubte. Mit routinierten Griffen löste Eldritch eine der Satteltaschen, wühlte kurz darin und zog schließlich eine zusammengerollte Decke hervor. Er kehrte zurück ans Feuer, kniete sich neben Naia und hielt sie ihr hin.
      „Hier“, sagte er leise. „Die Nacht wird noch kälter. Nimm sie.“ Seine Miene blieb kurz nachdenklich, doch sein Blick zeigte ein ehrliches Wohlwollen, gefolgt von einem kleinen Lächeln, als er sie ansah.
    • Naias Körper war angespannt. Sie befürchtete, dass er sie nicht begleiten würde. Es könnte ihr gleich sein, jedoch war ihr bei dem Gedanken etwas unwohl. Ihr Magen zog sich etwas in sich zusammen. Er sah sie an und sie erwiderte seinen sanften Blick. Eldritchs Lächeln beruhigte sie ein wenig. Vielleicht hatte sie doch nicht allein aufbrechen müssen. Die Anspannung viel von ihrem Körper ab, als er ihr versicherte, dass er sie begleiten würde. Sie nickte ihm sehr dankbar zu und sah voller Demut auf dem Boden. Es wirkte fast etwas so, als würde sie sich nickend vor ihm verbeugen. Als Zeichen ihrer Dankbarkeit.

      „Das ändert nichts. Bei der Dunkelheit werden sie sicher nicht durch den Wald irren“, sprach er zu ihr. Ihr Blick wanderte durch den Wald, wieder ein leichtes Schnipsen und ein kleines Licht ging auf. Es wanderte ein wenig den Rand des dichten Waldes entlang und gab ihnen die Möglichkeit, in dem tiefen Schwarz wieder an Orientierung zu gewinnen. „Du hast wahrscheinlich recht. Ich möchte nur nichts riskieren…“, sagte sie mit leiser Stimme zu ihm.

      Dann stand er jedoch auf und griff zu seiner Satteltasche. Eine Decke war es, welche er ihr entgegenhielt und sie seufzte erneut vor Dankbarkeit. „Vielen Dank…“. Sie legte sich die Decke um die Schultern und vergrub ihren Körper direkt in das wohlige warm des Stoffes. Ihre Haut und Gliedmaßen wärmten sich langsam auf und dankte es ihr mit einem netten Gefühl in der Brust.

      Naia lehnte sich nach vorne und legte sehr behutsam ihre Hände um den kleinen Kater. Er miaute, wehrte sich jedoch nicht. Sie setzte den kleinen schwarzen Gefährten neben sich auf den Baumstamm und ohne große Hast kuschelte auch er sich in Eldritchs Decke.

      Beide sahen im Licht des Feuer friedlich aus. Es war so harmonisch, dass nichts diese Harmonie zu zerstören vermuten ließ.
    • Eldritch beobachtete eine Weile schweigend, wie sie die Decke enger um ihre Schultern zog und der kleine schwarze Kater sich zufrieden neben ihr zusammengerollt hatte. Ein leises Knacken im Feuer begleitete die Stille, während er das Holz mit dem Stock zurechtschob. Das leise, gleichmäßige Knistern wirkte beruhigend, fast wie eine Antwort auf die angespannte Atmosphäre, die den Wald noch immer umgab.

      Sein Blick wanderte schließlich zu dem Tier, das in aller Selbstverständlichkeit seinen Platz an ihrer Seite eingenommen hatte. Ein leichtes Schmunzeln legte sich auf seine Lippen. „Gehört er zu dir?“, fragte er beiläufig, ohne den Tonfall von Neugier zu sehr durchdringen zu lassen. Es war eher eine Feststellung, eine Art vorsichtige Brücke, die er zu ihr schlug. Seine Stimme blieb ruhig, warm, als könne sie keinen Schatten in der Dunkelheit tragen.

      Er wartete nicht lange auf eine Antwort, sondern stand währenddessen gemächlich auf. Mit einer geübten Bewegung nahm er ein paar dickere Scheite vom Stapel neben dem Feuer und legte sie nach. Funken stoben auf, tanzten für einen kurzen Augenblick im Nachthimmel, bevor sie verglühten. Die Flammen leckten gierig an dem frischen Holz und warfen neue Wärme in den Kreis, der die beiden umgab.

      „Wir sollten versuchen, ein wenig Schlaf zu finden“, sagte er dann und drehte den Baumstumpf, auf dem er bisher gesessen hatte, leicht zur Seite, sodass er näher am Feuer Platz gewann.

      Während er sprach, griff er zu seinem Mantel und zog ihn von den Schultern. In der Bewegung lag nichts Hastiges – eher das gewohnte Ritual eines Mannes, der wusste, wie man sich draußen im Freien einrichtete. Den Mantel breitete er wie eine Decke neben dem Stamm aus, prüfte mit einem flüchtigen Blick den Boden und legte sich dann ohne Zögern darauf nieder.

      Eldritch wählte seinen Platz bewusst nah am Feuer – so nah, dass die Hitze für andere fast unangenehm gewesen wäre. Doch bei ihm wirkte es selbstverständlich. Er schien nicht einmal darüber nachzudenken, ob die Flammen ihm gefährlich werden könnten. Vielmehr war es, als läge er in der Nähe eines alten Freundes, vertraut und unerschütterlich. Sein Gesicht entspannte sich, die Augen halb geschlossen, während das rote Licht über seine Züge spielte.

      „Mach dir keine Sorgen“, fügte er nach einem Moment hinzu, ohne sie dabei direkt anzusehen

      Mit einer fast beiläufigen Bewegung legte er den Arm hinter den Kopf, drehte sich leicht seitlich zum Feuer, sodass sein Körper die Wärme aufnehmen konnte. Er wirkte, als könnte er jederzeit einschlafen, aber gleichzeitig war da dieses stille Bewusstsein, als sei er selbst im Dämmern noch wachsam.

      „Ruh dich aus“, murmelte er schließlich, seine Stimme kaum lauter als das Knistern der Flammen. „Morgen früh geht es weiter."