The Art of Survival [Codren feat. Pumi]

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    • Kai zog einen dicken, fetten Strich über seine Leinwände und wiederholte die Bewegung in die andere Richtung. Das Bild - wenn man es so bezeichnen konnte, es war hauptsächlich Farbe - hatte etwas wüstes an sich. Eine undeutbare Rohheit.
      Das hatte der Mann wohl damit gemeint, seinen Emotionen in etwas physisches zu verwandeln. Das hier war definitiv sehr emotional.
      Kai seufzte, verharrte einen Moment und kam dann zur Couch zurück. Isaac beobachtete, wie er sich auf die Couch fallen ließ und sich dann, ganz natürlich, gegen Isaac lehnte. Dort blieb er dann, als hätte er nach seiner vorherigen Ruhelosigkeit endlich seinen Platz gefunden.
      Isaac sah auf seinen dunklen Lockenschopf hinab, dann streckte er den Arm aus und legte ihn ganz locker um Kais Schultern. Als wäre er dafür gemacht, sank Kai weiter gegen ihn.
      Das war schön, sehr schön sogar. Eine Wärme breitete sich in Isaacs Bauch aus, die sich in seine Glieder erstreckte. Er fuhr mit dem Daumen in Kreisbewegungen über Kais Schulter.
      Sein Blick wanderte zurück zu Kais Bildern. An der ganzen Sache war einzig und allein Colonel Duncan Schuld. Der Mann konnte ihn mal kreuzweise.
      Wenn er nur eine Möglichkeit hätte, den anderen Vets zu zeigen, was für ein Vater der Colonel war.
      Er blickte zurück auf Kais Lockenkopf. Das Bedürfnis drängte sich ihm plötzlich auf, sich hinab zu beugen und das Gesicht in seinen Locken zu vergraben, den Duft einzuatmen, den Kais Shampoo verströmte. Das Bedürfnis war sogar so groß, dass er für einen Moment seine Vorsicht vergaß. Er legte auch den anderen Arm um Kai und zog ihn vollständig an sich, bis Kai seinen Kopf an Isaacs Schulter legen konnte. Dann legte er seinen Kopf auf Kais ab.
    • Als Isaac seinen Arm um ihn legte, zuckte Kai kurz zusammen, aber das waren nur Nachwehen, das wusste er. Also atmete er noch einmal tief durch und zwang seine Muskeln dazu, sich zu entspannen. Das Ergebnis war, dass er geradezu gegen Isaacs Seite schmolz. Er schloss die Augen und genoss einfach nur die Wärme und Nähe des Mannes.
      Isaac schien zu bemerken, dass das genau das war, was Kai im Moment brauchte, also schlang er auch den anderen Arm um ihn und hielt ihn einfach nur fest. Kai kuschelte sich gegen den massigen Körper und ließ sich von Isaac wie von einer lebendigen Decke einpacken.
      Was konnte ihm sein Vater schon anhaben, wenn er jemanden wie Isaac hatte, der auf ihn aufpasste?
      "Du bist warm," nuschelte Kai gegen Isaacs Schulter. Vielleicht war es auch seine Waschbrettbrust, das war schwer zu sagen. "Ich mag warm. Fühlt sich gut an."
    • Isaac schnaubte leicht. Ihm war bewusst geworden, dass er mit Kai kuschelte, als wären sie schon lange so vertraulich, aber Kai störte sich daran nicht. Und wenn Isaac ehrlich war, störte es ihn auch nicht.
      "Deine Decke ist wohl eher warm."
      Er fuhr mit der Rechten Kais Rücken hinab und wieder hinauf. Aus Ermangelung an Alternativen hielt er ihn mit der Linken einfach nur fest.
      Kais Shampoo-Duft hüllte ihn auf vertraute Art ein. Er war süß und fruchtig, untersetzt von einem cremigen Geruch, der vermutlich von seinem Conditioner stammte. Isaac schloss die Augen und konnte auch den fernen Geruch von Malfarbe ausmachen, entweder an Kai oder aus dem Zimmer. In jedem Fall roch es vertraulich und nach einer Art zweitem Zuhause.
      "Hm. Ich bin gerne bei dir, Kai." Er zog ihn etwas fester an sich. "Du bist mein bester Freund."
    • "Hm. Ich bin gerne bei dir, Kai. Du bist mein bester Freund."
      Kai schmunzelte in sich hinein und rollte sich weiter zusammen, als sei er eine Katze. Das, zusammen mit Isaacs verstärkter Umarmung, führte unweigerlich dazu, dass er sich auf Isaacs Schoß wiederfand. Beschweren würde er sich darüber nicht. Hier war es genauso bequem wie vorhin, als er auf ihm aufgewacht war.
      Jetzt, wo er so darüber nachdachte...
      Kai schubste Isaac sanft, sodass sich dieser auf seiner Couch langmachte. Und dann parkte sich Kai einfach auf ihm drauf. Das war sogar irgendwie noch bequemer als vorher. So bequem, dass Kai doch tatsächlich unbewusst zu schnurren begann, oder wie auch immer man das bei Menschen nennen mochte. Er lachte leise, als ihm das auffiel.
      "Zähle ich jetzt als allergie-freundliche Katze?" scherzte er.
    • Kai war bald ganz auf seinem Schoß und dann lag Isaac irgendwann auf dem Rücken, Kai wie einen Liebhaber in den Armen. Er lächelte leise über das Gefühl und strich weiter seinen Rücken entlang, hinauf und wieder hinunter. Er war sich nicht wirklich bewusst, was er genau tat, sondern genoss einfach nur das Gefühl der Nähe und Wärme. Ganz besonders, nachdem es sich bei dem Verursacher um Kai handelte.
      Es war einfach schön, so dort zu liegen, mit keinen einzigen Sorgen.
      Irgendwann gab Kai sogar ein Geräusch von sich, das sich verdächtig nach einem Schnurren anhörte. Er lachte und Isaac schloss sich ihm an.
      "Zähle ich jetzt als allergie-freundliche Katze?"
      "Würde ich schon sagen. Außer du bringst später tote Mäuse nachhause, dann zählst du doch lieber nur als Kai, der gerne kuschelt."
      Isaac verschob seine Hüfte etwas, um das Gewicht anders zu verteilen. Alles wackelte kurz, dann war es wieder ruhig.
      Gedankenverloren wanderte er mit der Hand nach oben und strich sie durch Kais Haare. Bei einem Knoten ging er gleich wieder raus und setzte oben erneut an.
      "Wirst du heute wieder Arbeiten gehen? Wenn dein Dad da jetzt die ganze Zeit herumschleicht?"
    • "Würde ich schon sagen. Außer du bringst später tote Mäuse nachhause, dann zählst du doch lieber nur als Kai, der gerne kuschelt."
      "Was, wenn ich lebende Mäuse mitbringe? Die sind viel süßer."
      Isaac hatte behauptet, außer Form zu sein, bewegte sich jetzt aber so unter Kai, als mache ihm sein Gewicht nicht das Geringste aus. Was für ein Lügner.
      "Wirst du heute wieder Arbeiten gehen? Wenn dein Dad da jetzt die ganze Zeit herumschleicht?"
      Kai seufzte. Er drehte den Kopf und legte ihn mit dem Kinn auf Isaacs Brust, sodass er den Mann ansehen konnte. Mit einem Finger malte er sinnlose Muster auf Isaacs Schulter.
      "Ich muss ja," grummelte er.
      Er wusste nicht, ob sein Vater noch einmal auftauchen würde. Er wusste ja auch gar nicht, warum er in der Stadt war. Wenn er das herausfinden könnte, dann könnte vielleicht auch herausfinden, wann er wieder verschwinden würde. Ansonsten musste er einfach darauf hoffen, dass er nicht schon wieder seine sieben Sachen packen musste, um dem Mann zu entkommen. Kai hatte nur wenig Lust, von hier zu verschwinden. Es gefiel ihm hier. Seine Arbeit, seine Freunde. Er wollte hier nicht weg.
      "Du hast nicht zufälligerweise ein paar alte Kontakte, die du nach dem Grund fragen könntest, warum ein Colonel der Air Force hier in der Gegend auftaucht? Im Fernsehen seid ihr Soldaten doch alle immer ein eingeschworener Club oder sowas."
    • Isaac zuckte halbwegs lässig mit den Schultern.
      "Du könntest ein paar Tage aussetzen. Warten, dass er wieder weggeht. Er ist Colonel, er wird sich kaum erlauben können, irgendwo lange Urlaub zu machen."
      Außer, er war beruflich hier und würde deswegen noch ein paar Wochen bleiben. Aber das wollte Isaac lieber nicht aussprechen, das würde Kai jetzt auch nicht weiterhelfen.
      "Du hast nicht zufälligerweise ein paar alte Kontakte, die du nach dem Grund fragen könntest, warum ein Colonel der Air Force hier in der Gegend auftaucht? Im Fernsehen seid ihr Soldaten doch alle immer ein eingeschworener Club oder sowas."
      Isaac schnaubte.
      "Glaub dem Fernsehen nicht. ... Es stimmt schon, aber glaub dem Fernsehen trotzdem nicht. Und zufälligerweise habe ich sogar einen Kontakt, wobei er nicht so alt ist. Du kennst Jack? Wir waren gestern Laufen, erinnerst du dich? Da konnte er nichts anderes reden als vom Colonel und dass er zurück in die Army will. Das ist nichts neues bei ihm, er ist einfach sehr... hm... engagiert, aber mit dem Colonel sieht er eine ernsthafte Chance. Sonst brauchst du nämlich ärztliche Gutachten und du musst durch ein ganzes Verfahren durch, das Militär muss prüfen, ob du auch unter Extremsituationen noch zuverlässig bist und... wieso erzähle ich das eigentlich? Jedenfalls müsste er bei deinem Vater nur hingehen, sich ein paar gute Worte sichern und er könnte die ganze Bürokratie überspringen. Das hat er sich jetzt in den Kopf gesetzt. Ich glaube, ich kann von ihm in den nächsten Tagen zu hören bekommen, wieso dein Vater hier ist und auch wo er übernachtet und mit welchen Leuten er spricht und welche Farbe das Klopapier hat, mit dem er sich den Arsch abwischt."
      Er lächelte breit, was fast einem Grinsen gleichkam.
      "Du kannst dich auf mich verlassen. Gib Jack ein paar Tage und er hat alles raus."
      Er löste eine von Kais Locken, die sich irgendwie mit sich selbst verknotet hatte und senkte die Stimme verschwörerisch.
      "Unter uns ist die Marine sowieso viel cooler als die Air Force."
    • Ach ja, Jack. Kai würde es niemals offen zugeben, aber Jack war einer der Kunden im Rula Bula, die er nur ungern bediente. Würde Kai nur ein wenig mehr nach eingeborenem Hawaiianer aussehen, würde er wohl auch in die Kategorie "Hasenfresser" gesteckt werden. Ob Jack überhaupt wusste, wen er damit alles meinte?
      "Versteh ich das richtig, dass ich sein Army Soldat bei einem Air Force Soldaten einschleimen will, um wieder ins Feld zu kommen?" fragte Kai.
      Er wusste nicht viel vom Militär, aber er wusste sehr wohl, dass Army, Air Force, und Marine sich nicht miteinander sehen lassen wollten. Und dann gab es noch die ganzen Unterkategorien. Bei der Army waren es die Ranger, wenn er das richtig im Kopf hatte, bei der Marine waren es die Seals, und bei der Air Force lag der Schwanzvergleich darin, was man flog und ob man auf einem Schiff oder Stützpunkt startete. Irgendwie sowas.
      "Unter uns ist die Marine sowieso viel cooler als die Air Force."
      Kai kicherte.
      "Lass mich raten: Die Seals sind die besten von allen? Warte mal... was genau warst du eigentlich im Militär?"
    • "Jack war ursprünglich in der Air Force, doch. Da wird er nur nicht mehr hinkommen mit seinem..."
      Isaac zögerte. Er wollte nichts persönliches über Jack erzählen, wenn der Mann es nicht selbst tat, aber er wollte erklären, woran Jack scheiterte.
      "Jack geht es körperlich gut, aber, uhm, es scheitert psychisch bei ihm. Du musst körperlich und geistig topfit sein, um in der Air Force zu bleiben. Das wird er nicht mehr hinbekommen, deswegen würde ihm nur die Army bleiben. "Nur". Du weißt, wie ich das meine."
      "Lass mich raten: Die Seals sind die besten von allen? Warte mal... was genau warst du eigentlich im Militär?"
      Isaacs Lächeln breitete sich aus, bis es ein regelrechtes Grinsen war. Seine Augen funkelten.
      "Rate. Du hast genau, hm, einen Versuch."
      Dann lachte er und schlang beide Arme um Kai, wie um ihn festzuhalten.
      "Guck nicht so! Natürlich bin ich ein SEAL und ja, die SEALs sind die besten von allen. Wobei, so natürlich ist das nicht, ich hab dir das nie erzählt. Ich war SO."
      Er packte seine beste Soldatenstimme aus, die er im Liegen mit Kai obendrauf zustande brachte.
      "Petty Officer Stafford, melde mich wie befohlen, Sir! Man hat mir schon versichert, dass ich auf dem guten Weg gewesen wäre, Chief zu werden. Dann wäre es Chief Petty Officer Stafford geworden, in ein paar Jahren. Wenn ich gute Arbeit geleistet hätte."
      Sein Lächeln sackte wieder etwas ein, das Funkeln verschwand.
      "Ist ja nicht wirklich was geworden. Gar nicht. Habe es ziemlich verkackt beim letzten... ja."