The Art of Survival [Codren feat. Pumi]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Isaac zuckte hilflos mit den Schultern. Daran hatte er auch schon gedacht, einfach den Eimer so nah ranzuhalten, dass das Wasser nicht mehr platschen konnte, aber anfangen musste er trotzdem irgendwie. Und momentan wusste er nicht, wie dieser Anfang aussehen sollte.
      Aber alles zu seiner Zeit. Für den Moment konnte er sich glücklich schätzen, dass er Kai hatte und gewaschen war. Wenn er nicht schwitzte und sich nicht anstrengte, hatte er noch ein paar Tage, bevor das wieder zum Problem werden würde.
      Neben ihm behandelte Kai seine Mähne mit zwei Fingern, bevor er zwei Haargummis einsetzte. Bewundernd sah Isaac auf das Kunstwerk aus Haaren, das der Mann mit einem Handgriff herbei gezaubert hatte. Bei Kai sah wirklich alles leicht aus.
      "Was macht der Nacken?"
      Kai legte die Hände an seine Schultern und drückte ein bisschen. Isaac ließ den Kopf nach vorne fallen, um ihm aus dem Weg zu sein, und entspannte seine Muskeln. Fast sofort spürte er eine angenehme Wärme, die von Kais Fingern ausging.
      "War schonmal besser. Gott - mach weiter da. Das ist gut."
      Er lehnte sich ein Stück nach vorne und stützte die Ellbogen auf den Knien auf. Kais knetende Finger fühlten sich wirklich gut an. Er schloss für einen Moment die Augen.
      "Das gefällt mir."
    • "War schonmal besser. Gott - mach weiter da. Das ist gut."
      Lächelnd drückte Kai ein bisschen bewusster an Isaacs Muskeln herum. Die waren immer noch steinhart - und das nicht nur, weil der Mann aussah, als ginge er regelmäßig ins Fitnessstudio.
      Isaac lehnte sich nach vorn, um ihm mehr Raum zu geben. Kai arbeitete sich auch ein bisschen Isaacs Schultern hinab, schließlich war da hinten alles irgendwie miteinander verbunden, konzentrierte sich aber weiterhin auf Isaacs Nacken, der wirklich am Schlimmsten war.
      "Das gefällt mir."
      "Kann ich mir vorstellen. Aber ich mach jetzt mal was, was weniger cool ist. Einfach weiter atmen und bis dreißig zählen. Sag mir Bescheid, wenn wir bei dreißig Sekunden angekommen sind. Den Schmerz ist es wert, vertrau mir."
      Kai drückte ein bisschen herum, bis er einen der vielen Knoten in Isaacs Muskulatur fand. Dann positionierte er seinen Daumen und drückte mit ordentlich Kraft dagegen. Er wusste aus eigener Erfahrung, dass das alles andere als angenehm war und sogar manchmal ziemlich schmerzhaft sein konnte. Aber sobald der Druck nachließ... Er hatte schon mehrfach gehört, dass man danach Gott sehen konnte. Und ja, die Erleichterung und Entspannung, die einen von einer solchen Druckpunktmassage überkommen konnte, kam dem ziemlich nahe.
      Sobald Isaac ihm Bescheid gab, ließ Kai los und rieb ein bisschen beruhigend über die Stelle, um den Muskel warm zu halten. Nach etwa einer Minute wandte er sich einem Knoten auf der gegenüberliegenden Seite zu und wiederholte das ganze. Das machte er ein paarmal, bis er die meisten Knoten erwischt und ein paar sogar komplett gelöst hatte. Er belohnte Isaac mit einer weitaus entspannteren, leichten Massage zum Abschluss.
      "Und jetzt trinkst du was. Sonst kippst du mir im wahrsten Sinne des Wortes noch aus den Latschen. Warst du schonmal bei einer Thaimassage? Ich glaube, dass könnte dir echt gut tun. Ich gönn mir meistens eine Monat und wow! Wahre Wunder für mich und meine Shrimp-Haltung."


    • Kai drückte weiter auf ihm herum und Isaac konnte einfach nicht leugnen, wie gut sich das anfühlte. Erst jetzt spürte er wirklich, wie fest alles an ihm geworden war, durch sein ständiges Kopf einziehen, klein machen und auf dem Boden schlafen. Er hätte sowas schon viel früher machen lassen sollen.
      "Ich mach jetzt mal was, was weniger cool ist", sagte Kai. "Einfach weiter atmen und bis dreißig zählen. Sag mir Bescheid, wenn wir bei dreißig Sekunden angekommen sind. Den Schmerz ist es wert, vertrau mir."
      "Was denn für ein Schmerz?", fragte Isaac. Kai drückte ein wenig herum, aber weh tat hier gar nichts. Trotzdem fing er brav an zu zählen.
      Doch dann entwich ihm ein abgehackter Laut, als Kai einen Punkt fand und so fest darauf eindrückte, dass Isaac Blitze durch den Körper schossen. Das war sehr viel schlimmer, als Kai glauben gemacht hatte. Wie sollte das etwas bringen?! Isaac grunzte gequält. Er kämpfte sich durch bis zur Sekunde acht und schaffte es dann noch weiter zur 13, wo er ernsthaft überlegte, dass ihm das alles nicht zu viel wurde, als der anfängliche Schmerz plötzlich anfing nachzulassen. Und als es besser wurde, als der Druck sich zu ändern begann...
      "Oh. Oh. Wow. Das... ow."
      Es ziepte noch ein bisschen, aber mit dem anfänglichen Schmerz war es nicht mehr zu vergleichen. Isaac ließ prompt die Schultern fallen und den Kopf hängen. Das war viel besser, als er sich erwartet hatte.
      "Das ist gut. Richtig gut. Uh, 30."
      Kai wechselte die Stelle und mit ihr kam der Schmerz erneut, aber diesmal war Isaac vorbereitet. Er biss die Zähne zusammen und ließ es über sich ergehen, bis auch dieser Schmerz sich nach und nach einem Druck ergab, der Isaacs Nervenenden beflügelte. Isaac hätte das den ganzen Tag lang mitmachen können.
      Kai ließ ihn aber irgendwann wieder frei und erst da merkte Isaac eigentlich, wie viel Kraft ihm diese Behandlung entzogen hatte. Seine Muskeln fühlten sich an wie Gelee und so toll das auch war, fühlte er sich damit fast schwächer als zuvor. Plötzlich hatte er sehr große Lust dazu, wieder ordentlich Sport zu machen. Sein Army-Training durchzugehen.
      "Und jetzt trinkst du was. Sonst kippst du mir im wahrsten Sinne des Wortes noch aus den Latschen. Warst du schonmal bei einer Thaimassage?"
      "Nein."
      "Ich glaube, dass könnte dir echt gut tun. Ich gönn mir meistens eine Monat und wow! Wahre Wunder für mich und meine Shrimp-Haltung."
      "Eigentlich mache ich genug Sport, dass es gar nicht erst soweit kommt. Eigentlich."
      Er streckte sich ein bisschen hierhin und dorthin und befand, dass er eigentlich gar keine Energie dazu hatte, sich großartig zu bewegen. Dankbar nahm er Kais Glas entgegen, das er ihm hinhielt, und trank es aus.
      "Das war super. Woher kannst du das? Langsam glaub ich, dass es gar nichts gibt, was du nicht kannst."
    • "Das war super. Woher kannst du das? Langsam glaub ich, dass es gar nichts gibt, was du nicht kannst."
      "Pfft. Es gibt 'ne Menge, was ich nicht kann. Du hast gerade alles erlebt, was ich an Massage kann. Ich hab ziemlich viel Zeit im Krankenhaus verbracht, da schnappt man das ein oder andere auf. Und als ich zur Physio bin wegen meinem Handgelenk, da hab ich mich so gut mit einem Therapeuten verstanden, dass der mir erklärt hat, was wir da machen und warum. Und dann... bin ich dem weißen Kaninchen gefolgt und hab mich einfach ein bisschen damit beschäftigt, wie alles zusammenhängt."
      Kai zuckte mit den Schultern.
      "Das kam mir eigentlich einfach alles so. Und das ganze Lernen von Anatomie hat sich Jahre später dann für's Studium echt ausgezahlt. So läuft das meistens bei mir: Ich schnapp Dinge einfach auf."
      Er machte sich auf seinem Sofa lang, wobei er die Beine über Isaacs Schoß ausbreitete. Bei der Gelegenheit streckte sich Kai; er sah dabei ein bisschen wie eine Katze aus.
      "Es ist auch praktisch, sowas zu wissen, wenn man mit Kids arbeitet, die regelmäßig irgendwelche Krämpfe bekommen."
      Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
      "Sport könnte ich eigentlich auch mal wieder machen..." sinnierte er.


    • "Pfft. Es gibt 'ne Menge, was ich nicht kann", sagte Kai und Isaac musste ihm da sofort widersprechen. "Du hast gerade alles erlebt, was ich an Massage kann. Und dann... bin ich dem weißen Kaninchen gefolgt und hab mich einfach ein bisschen damit beschäftigt, wie alles zusammenhängt."
      Kai zuckte mit den Schultern, als wäre das alles gar nicht, aber für Isaac war das schon mehr, als er sich vorstellen konnte. Kai hatte einfach so viele Interessen, dass ihm nie langweilig werden konnte.
      "So läuft das meistens bei mir: Ich schnapp Dinge einfach auf."
      "Ja, darin bist du echt talentiert", sagte Isaac. Er ließ seine Schultern nochmal kreisen; Kais Massage hatte wirklich gezeigt, wie er das alles so aufschnappte. Isaac fühlte sich super.
      Kai streckte sich auf der Couch aus und legte die Beine über Isaacs Schoß. Isaac war zu entspannt, um sich groß darüber zu kümmern und ließ ihn einfach seinen Schoß ausnutzen.
      "Sport könnte ich eigentlich auch mal wieder machen..."
      Isaac nickte langsam; das wollte er auch mal wieder tun. Seit er aus dem Krankenhaus entlassen worden war, eigentlich. Es hatte immer in seinem Hinterkopf herum gehangen, während er mit dem Regen klarzukommen versucht hatte, aber verschwunden war es nie. Er hatte es sich immer vorgenommen, wenn es ihm dann mal besser ging.
      Ging es ihm jetzt besser? Ein wenig. Und wenn er das mit dem Waschen wieder regelmäßig umsetzen könnte...
      Er sah Kai wieder an.
      "Hast du Lust zu trainieren? Mit mir?"
      Er setzte sich ein Stück auf.
      "Wir hatten bei den Marines immer einen Morgendrill: 5 Meilen laufen, nach jeder Meile zehn Pushups, 30 Sekunden Planks und 4 x 2 Pullups. So zum Aufwärmen. Wir müssen nicht... also, je nachdem, wie viel Sport du treibst, könnten wir uns sowas überlegen. So zum... beweglich werden."
    • "Wir hatten bei den Marines immer einen Morgendrill: 5 Meilen laufen, nach jeder Meile zehn Pushups, 30 Sekunden Planks und 4 x 2 Pullups. So zum Aufwärmen."
      "Bitte was?! Zum Aufwärmen?!?!"
      "Wir müssen nicht... also, je nachdem, wie viel Sport du treibst, könnten wir uns sowas überlegen. So zum... beweglich werden."
      Kai angelte sich Isaacs Hand und hielt sie wie eine Großmutter die Hand ihres Enkelkindes halten würde.
      "Wir können morgens gern eine Runde joggen gehen, aber ich will kein Marine werden, wenn ich mal groß bin. Wie wärs, wenn wir einfach einmal die Woche ins Studio gehen oder so? So wie alle anderen auch? Ansonsten kannst du dein Aufwärmen nämlich damit beenden, meine Leiche nach Hause zu tragen. Wir können nicht alle Superman sein, weißt du?"
      Mit einem Grinsen ließ Kai Isaacs Hand wieder los und lehnte sich wieder gegen die Armlehne seines Sofas.
      "Ich hab donnerstags immer frei, da können wir gern gehen, wenn's dir passt. Da haben wir genug Zeit für alles und müssen uns mit nichts hetzen. Und danach können wir zur Feier des Tages zusammen Essen und einen Film gucken? So'n richtiges, wöchentliches Ritual?"


    • Isaac lächelte zurück.
      "Das ist eigentlich eine ganz gute Idee, das machen wir. Das gefällt mir. Und keine Sorge, niemand muss Marine werden. Wir machen alles in unserem eigenen Tempo."
      Damit war die Sache abgemacht und Isaac verspürte ein unbeschreibliches Hochgefühl, als er am Donnerstag Sportklamotten zusammensuchte. Es war wirklich kaum zu glauben - vor gerade mal einem Monat hatte er noch damit gekämpft, überhaupt die Wohnung zu verlassen, und jetzt brachte Kai ihn dazu, wöchentlich Sport zu machen. Wöchentlich. Sport. Der Gedanke wäre vor einem Monat noch so absurd gewesen, dass Isaac nichtmal darüber hätte lachen können. Er und Sport, bei dem man schwitzte, nach dem er sich nicht einfach waschen konnte. Wieso hätte er sowas tun sollen? Wieso hätte er das Problem nur noch vergrößern sollen?
      Aber jetzt hatte er keinerlei solcher Sorgen, als er seinen Rucksack packte und ein Handtuch sowie die Kopfhörer mit dazu packte. Er würde schwitzen gehen in einem Raum, in dem alle Leute schwitzten, und dann würde er sich mit Kais Taktik Zuhause irgendwie sauber bekommen, er würde seine verschwitzte Kleidung waschen und morgen würde man ihm gar nicht mehr ansehen, dass er Sport getrieben hatte. Man würde es ihm nichtmal anriechen können. War das nicht wirklich und wahrhaftig ein sehr normales Leben?
      Mit dem gepackten Rucksack wartete er unten auf Kai. Es gab ein Fitnessstudio in der Stadt, direkt hinter dem Park, eine knappe halbe Stunde von ihrer Wohnung entfernt. Sie hätten die Distanz joggen können und sich dabei vermutlich auch noch das Studio sparen können, aber Isaac wusste nicht, wie fit Kai war, und er wusste auch nicht, wie fit er selbst war. Fünf Wochen in einem Krankenhaus zu verbringen und dann noch einmal drei Monate in einer Wohnung eingesperrt, wo er es nicht wagte, sich mehr als nötig zu bewegen, hatten seinen Muskeln sicher nicht geholfen. Er würde von sich selbst erstmal eine Bestandsaufnahme machen müssen und dann weitersehen. Und irgendwann, da würde er wirklich wieder laufen können. Da könnte er sich morgens sogar die fünf Meilen vornehmen.
      Vorerst freute er sich aber auf den Sport mit Kai und das Ausklingen hinterher. Auf dem Weg versuchten sie schon einen Film zu finden, den sie danach schauen konnten.
    • Kai genoss die letzte Woche seines Urlaubs und war dabei um einiges fauler als in der ersten. Jetzt, wo Isaacs Wohnung auf- und eingeräumt war, gab es auch dezent weniger zu tun.
      Erst am Donnerstag änderte sich das für Kai. Er und Isaac hatten sich zum Sport verabredet, also warf er sich direkt in ein paar Shorts und ein Tanktop - es war echt ziemlich warm, da ging das schon - und band sich die Haare im Nacken zusammen, bevor er seine Umhängetasche packte und sich schließlich mit Isaac unten am Haupteingang traf.
      "Hi Isaac," grüßte er mit einem fröhlichen Grinsen im Gesicht und ein bisschen Pepp in seinem Step.
      Er hackte sich ungebremst bei Isaac unter und zog ihn mit nach draußen in den Sonnenschein.
      "Weißt du schon, was du machen willst?" fragte er entspannt. "Leg Day, Arm Day, Chesticles? Ich persönlich hab noch null Ahnung. Ich mein, Calisthenics geht eigentlich immer bei mir - das ist ja auch irgendwo der Sinn der Sache. Aber einen wirklich Plan hab ich nicht."
      Auf dem Weg ins Studio plapperte Kai einfach weiter vor sich hin und brainstormte unerfüllbare Trainingspläne für sich selbst und auch für Isaac, verwarf sie aber alle so schnell wie er sie zusammengestellt hatte. Beim Studio angekommen meldete er sich mit seiner Mitgliedskarte an und benutzte endlich mal den Bonus, den er da hatte: Ein Freund durfte fünfmal kostenlos mitmachen! Ha!
      Das Studio war relativ leer für die Uhrzeit, die sie sich ausgesucht hatten. Lag wahrscheinlich daran, dass entweder alle auf der Arbeit waren, oder aber das gute Wetter draußen genossen. Perfekt. Kai trainierte nicht oft, wenn die großen Mucki-Idioten vor den Spiegeln tanzten. Wobei man das nicht wirklich tanzen nennen konnte, das wäre eine Beleidigung für den Sport.
      "Na-ah!" schalte Kai, als Isaac direkt die Gewichte anpeilte. "Zuerst wird gedehnt! Deine Muskeln werden's dir danken."
      Er zog den Riesen mit zu einem Bereich, der mit Matten ausgelegt war. Der Bereich war lang genug, um eine komplette Cheerleading-Routine zu performen, aber aktuell war da niemand.
      "Beine zusammen, Hände auf den Boden. Bevor du nicht mindestens mal deine Fingerspitzen zu den Zehen bekommst, lass ich dich hier nicht weg. Brauchst du Hilfe?"


    • Drinnen war zum Glück wenig los, was Isaac erleichterte. Kai hatte es zwar höchst effektiv geschafft, seine Gedanken auf dem Weg mit etwas anderem abzulenken, aber ein bisschen nervös war Isaac letztlich doch gewesen. Das hier war immerhin ein sehr normaler Ausflug und damit für ihn der Beweis, ob er normal sein konnte. Wirklich normal.
      Sie gingen sich umziehen - Isaac trug seine Kopfhörer, um eventuelle Duschen auszublenden - dann peilten sie die Geräte an. Oder Isaac ging zumindest zielstrebig auf die Racks zu, weil er mittlerweile darauf brannte zu erfahren, wie sehr er nachgelassen hatte. Kais Gerede über diese und jene Trainingspläne hatte ihn auf neue Ideen gebracht, die er umzusetzen gedachte. Sobald er rausgefunden hatte, wo er überhaupt stand.
      "Na-ah!", kam es von Kai hinter ihm.
      Isaac blieb stehen und drehte sich nach ihm um.
      "Huh?"
      "Zuerst wird gedehnt! Deine Muskeln werden's dir danken."
      "Nicht das schon wieder."
      Isaac hatte diesmal keine Geduld dafür - er wollte Sport treiben und sich nicht dehnen! In der Army hatten sie sich auch nie gedehnt, das war nur Zeitverschwendung. ... Fairerweise hatte er in der Army auch regelmäßig Sport getrieben und nicht drei Monate lang auf der faulen Haut gelegen. Gut, vielleicht ein bisschen dehnen. Nur ein bisschen.
      Er ließ sich von Kai ziehen und beschlagnahmte eine der Matten für sich.
      "Beine zusammen, Hände auf den Boden. Bevor du nicht mindestens mal deine Fingerspitzen zu den Zehen bekommst, lass ich dich hier nicht weg."
      Isaac gehorchte, denn nur ein bisschen strenger, nur ein bisschen mehr Gefluche und Kai hörte sich schon an wie sein Drill Sergeant. Isaac vermisste den Mann. Er hätte ihn sicher nicht in seiner Wohnung verfaulen lassen.
      Er streckte sich nach unten und gab ein paar wehleidige Geräusche von sich. Bis zu den Knöcheln kam er, dann ging's nicht weiter. Wieso musste er auch so lange Beine haben.
      "Brauchst du Hilfe?"
      Isaac spürte seinen Kopf heiß werden, als ihm klar wurde, dass Kai zusah.
      "Nein. Mach's doch selbst erstmal, bevor du meckerst."
      Er hatte gehofft, Kai dabei an einem schlechten Tag zu erwischen, aber bei Kai gab es keine schlechten Tage. Der Mann konnte sich nach unten strecken und dann die ganzen Handflächen auf den Boden legen. Es sah genauso einfach wie natürlich aus.
      Isaac schnaubte.
      "Deine Beine sind auch nicht so lang. Daran liegt's. Ich komm nicht weiter."
    • "Nein. Mach's doch selbst erstmal, bevor du meckerst."
      Kai warf Isaac einen Blick zu, dann schob er die Füße zusammen und ließ seinen Oberkörper nach vorn sinken. Er musste sich nicht einmal anstrengen, um seine ganze Hand auf den Boden zu kriegen.
      "Deine Beine sind auch nicht so lang. Daran liegt's."
      "Mh-hm."
      Kai ergriff seine eigenen Knöchel und zog sich daran weiter, bis er sich vollständig gefaltet hatte. Das hielt er für fünfzehn Sekunden, bevor er sich nach vorn auf die Matte rollen ließ. Von dort aus, alle Viere von sich gestreckt, grinste er zu Isaac hinauf.
      "Ich komm nicht weiter," meinte der.
      "Ach was, so schwer ist das gar nicht."
      Kai stand wieder auf und schickte Isaac wieder mit dem Kopf nach unten. Dann drückte er von oben auf Isaacs Schultern, wie er das früher bei den Cheerleadern auch gemacht hatte. Am Anfang war er sanft, damit er herausfinden konnte, wie viel Gegenzug in Isaacs Muskeln steckte - ne ganze Menge, wie er feststellte. Kai wollte es nicht übertreiben, aber zusammen bekamen sie Isaacs Fingerspitzen schlussendlich doch auf den Boden. Dort hielt Kai den Riesen einen Moment, dann ließ er ihn los.
      "Guck? Gar nicht so schlimm. Nur ein bisschen ziepen. Nächstes Mal machen wir das im Sitzen, das ist viel schlimmer."
      Grinsend ging Kai seine gesamte Stretching-Routine durch und tat die einfachsten Übungen davon auch Isaac an. Danach erlaubte er dem Mann, seine Gewichte heben zu gehen. Ganz brav positionierte sich Kai hinter dem Kopfteil, um im Zweifelsfall eingreifen zu können. Zumindest hoffte er, dass er das Schlimmste verhindern konnte - Gewichtheben war nie wirklich Kais Ding gewesen. Er hatte schon immer lieber auf der Matte rumgeturnt.


    • Kai stand wieder auf und drückte diesmal gegen Isaacs Schultern, als der sich erneut runterbeugte. Das half aus seiner Sicht gar nichts, außer mehr Schmerzen zu verursachen und ihn wie einen alten Mann fühlen zu lassen. Isaac grunzte, dann schluckte er seine Beschwerden runter und ließ Kai seinen Körper übernehmen. Nach und nach schaffte er es bis zu den Zehenspitzen und richtete sich mit einem Schnaufen auf, als Kai ihn ließ.
      "Guck? Gar nicht so schlimm. Nur ein bisschen ziepen. Nächstes Mal machen wir das im Sitzen, das ist viel schlimmer."
      "Wo ist der kreative Kai geblieben? Ich mag Sadisten-Kai nicht."
      Kai grinste nur - ein böses Sadisten-Grinsen - und halste Isaac noch ein paar Dehnübungen auf. Er war furchtbar darin, aber genau deswegen erkannte er auch den Zweck dahinter. Kai zeigte ihm, wie ein Körper richtig funktionieren sollte. Im Gegensatz dazu bewegte Isaac sich nämlich wirklich wie ein alter Mann. Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen.
      Er machte die Übungen ohne weitere Proteste mit und schüttelte im Anschluss seine Gelenke aus. Wenigstens war Kai jetzt zufrieden genug, um ihn an die Gewichte zu lassen.
      "Spottest du? Ich weiß nicht, wie viel ich nachgelassen hab."
      Für den Anfang wagte er sich nur an die 90 kg ran. Früher hatte er es an die 120 geschafft - das waren quasi anderthalb Kais und Kai konnte er ziemlich sicher hochheben. Da war 90 kg ja nur ein etwas größerer Kai.
      Isaac schloss beide Hände um die Stange und hob sie aus der Halterung. Seine Muskeln spannten sich spürbar, sein Trizeps wurde hart, sein Bauch spannte sich an. Er senkte die Stange und hob sie auch wieder, aber was früher sicher einmal leicht gewesen wäre, forderte jetzt eine gewisse Konzentration. Isaac konnte die Anstrengung spüren, die das Heben ihn benötigte, und er musste sich willentlich an sämtliche Trainingseinheiten erinnern, die er jemals durchgemacht hatte. Finger entspannen, atmen. Beide Füße sicher auf den Boden. Sich nicht von Kais dunklen Locken ablenken lassen.
      Von den Sets, die er sich vorgenommen hatte, schaffte er zumindest zwei, dann begann seine Hand zu ziepen, sehr unangenehm sogar. Isaac wurde sich ziemlich schnell des Metalls bewusst, das mit seinem Fleisch verbunden war, und musste abbrechen. Er ließ sich von Kai helfen, setzte er sich auf und schüttelte beide Hände aus. Sehr unangenehm. Gott, wie er diese Prothese manchmal hasste.
      "Das war's wohl mit den Gewichten, die Hand sagt Nein. Möchtest du ran? Ich kann dir zeigen, wie man es richtig macht."
    • Isaac schob sich seine Gewichte zurecht, wie er sie gern hätte, während Kai einfach nur dumm in der Gegend herumstand und ihm dabei zusah. Bei sowas war er wirklich keine große Hilfe. Dann legte sich Isaac hin und legte los. Und Kai musste sich aktiv daran erinnern, dass auf Isaac aufpassen wollte, während ihn die Muskeln des Mannes eindeutig ablenkten. Wie sich seine Arme anspannten als er die Stange auf und ab schob. Wie sich Isaacs Bauchmuskeln so sehr anspannten, dass Kai sie deutlich unter dem Shirt erkennen konnte. Wie sich Isaacs Oberschenkel gegen den Stoff seiner Hose wehrten. Mann, selbst die Schweißtropfen, die dem Mann über die Schläfen rannen waren attraktiv.
      Kai war froh, dass er vor lauter lauter doch mitbekam, wie Isaac etwas zu einer Seite abknickte. Schnell griff er ein und half Isaac, die Stange wieder auf die Halterung zu hieven. Naja, das meiste Heben machte eigentlich Isaac.
      "Das war's wohl mit den Gewichten, die Hand sagt Nein. Möchtest du ran? Ich kann dir zeigen, wie man es richtig macht."
      "Ich? Nee, das ist nicht so meins. Ich geh lieber rudern oder sowas."
      Sein Blick glitt rüber zu der Tumble-Bahn, die noch immer komplett frei war. Nachdenklich kaute Kai auf seiner Unterlippe herum. Er hatte schon seit Jahren keine volle Routine mehr gemacht, aber sowas verlernte man nicht, wenn man das einmal drauf hatte. Sollte er? Wenn nicht jetzt, wann dann? Isaac konnte ja zur Not nach Hause tragen - dass er so viel heben konnte, hatte er eben sehr deutlich gemacht.
      "Ich würd gern was ausprobieren," meinte Kai schließlich. "Keine Panik, du musst nichts machen, außer zugucken."
      Mit einem Kichern schlug er Isaac sanft gegen den Oberarm - den super starken, sich gegen das T-Shirt wehrenden Oberarm, an den sich Kai wahrscheinlich ohne Probleme dranhängen konnte.
      Er zog Isaac wieder zurück zu der Mattenbahn und machte ein paar Testsprünge.
      "Während der Highschool war ich im Cheerleader Team als Tumbler," erklärte er. "Aber es ist schon Jahre her, dass ich das mal gemacht habe und ich will wissen, ob ich das noch sauber hinbekomme. Und wenn nicht, dann weiß ich, woran ich in Zukunft arbeiten werde. Hab das nämlich immer noch nicht raus und so ganz ohne Ziel kann ich irgendwie nicht arbeiten. Zumindest nicht, wenn's ums Training geht."
      Er schob Isaac in Position, sodass der Riese alles sehen konnte, was Kai gleich hoffentlich auf der Matte lassen würde, dann ging er an den Rand. Im Geiste ging er seine alte Routine noch einmal durch. Wenn er erstmal loslegte hatte er keine Zeit mehr zum Nachdenken. Dann klatschte er in die Hände, hob sie kurz, und rannte schließlich los. Er bekam alle seine Flick Flacks, Räder, Radewenden, und Twists hin, aber Kai war sich ziemlich sicher, dass seine Form unter aller Kanone war. Ghetto-Tumbling würde sein Coach das wohl nennen. Und bei seinem Abschluss landete er so hart, als wolle er den Boden kaputt machen. Oops. Dennoch beendete er das ganze wie es sich gehörte, mit einem Clasp. Das ganze dauerte nur ein paar Sekunden, aber danach ging ihm ordentlich die Pumpe. Aber man, hatte sich das gut angefühlt, einfach mal wieder über die Matte zu fliegen! Er sollte das öfter machen.
      Von der Butterfly Maschine her kam ein kleiner Applaus und Kai lächelte geschmeichelt. So beeindruckend war das doch gar nicht gewesen, oder?
      "Und?" fragte er Isaac, noch immer ein bisschen schnaufend. "Wie schlecht war das?"
      Also an seiner Kondition musste er auf jeden Fall arbeiten.


    • Kai lehnte ab und Isaac drängte ihn nicht weiter. Nicht jeder stand aufs Gewichte heben. Isaac stand auf und machte das Sportgerät hinter sich sauber.
      "Ich würd gern was ausprobieren," meinte Kai stattdessen. "Keine Panik, du musst nichts machen, außer zugucken."
      "Es beunruhigt mich gar nicht, wenn du es schon so formulieren musst", sagte Isaac. Das brachte Kai zum Kichern und er schlug ihm gegen den Oberarm. Isaac lächelte; Kais Lachen war schön. Und so ansteckend.
      Er nahm sein Handtuch und sein Wasser und folgte Kai zurück zur Mattenbahn. Dort schien der Mann sowieso besser aufgehoben, so wie er anfing herumzuspringen. Und das mit einer ziemlich guten Form.
      "Während der Highschool war ich im Cheerleader Team als Tumbler", erzählte er, was so einiges erklärte. Oder zumindest konnte Isaac ihn sich sehr gut als Cheerleader vorstellen, Kai und seine immerzu fröhliche Art.
      "Aber es ist schon Jahre her, dass ich das mal gemacht habe und ich will wissen, ob ich das noch sauber hinbekomme. Und wenn nicht, dann weiß ich, woran ich in Zukunft arbeiten werde. Hab das nämlich immer noch nicht raus und so ganz ohne Ziel kann ich irgendwie nicht arbeiten. Zumindest nicht, wenn's ums Training geht."
      "Dann lass mal sehen. Ich verurteile dich sicher nicht."
      Kai ging in Position und Isaac stellte sich neugierig dazu. Er konnte die Konzentration förmlich spüren, die sich auf Kais Gesicht abzeichnete, als er Haltung einnahm. Ein paar Sekunden nahm er sich, dann legte er los - und flog regelrecht über die Matten davon. Isaac riss die Augen auf, als Kai sich drehte und katapultierte und der Gravitation den Mittelfinger zeigte, so leichtfüßig, wie er durch die Luft sprang. Und so elegant! Sein Rücken war immer ganz durchgestreckt, seine Beine beschrieben ganze Kreise in der Luft und unter all dem wirkte er so, als wäre es überhaupt keine Anstrengung für ihn. Erst, als er auf der letzten Matte aufkam und Position einnahm, machte das dumpfe Rascheln der Matten seinem lauten Atem Platz. Also war das ganze doch nicht so ganz ohne gewesen.
      Isaac klatschte sofort begeistert in die Hände, oder zumindest versuchte er es. Seine stählerne Hand gab nämlich keine sehr lauten Geräusche von sich. Kai drehte sich zu ihm um.
      "Und? Wie schlecht war das?"
      "Toll war das! Das war super. Ich kenn mich mit sowas nicht aus, aber es hat richtig gut ausgesehen. Du lässt es wie ein Kinderspiel wirken."
      Kais Haare hatten sich verselbstständigt und hingen ihm in Strähnen herab. Seine Kleidung saß nicht mehr ganz richtig, sein Shirt warf Falten und sein Hosenbein war hochgerutscht. Er sah unfassbar attraktiv aus.
      ... Attraktiv? Ja. Ja, eigentlich schon. Isaac fand Kai attraktiv, und wenn schon? Er war ja auch ein hübscher Mann und ein lustiger dazu und seine Haare sahen einfach prächtig aus. Isaac konnte ihn attraktiv finden, da war doch nichts dabei.
      "Mir bringst du das aber nicht bei. Ich kann dir höchstens Unterstützung geben, wenn du sie brauchst?"
    • "Toll war das! Das war super. Ich kenn mich mit sowas nicht aus, aber es hat richtig gut ausgesehen. Du lässt es wie ein Kinderspiel wirken."
      Kai, noch immer schnaufend, stemmte die Hände in die Hüften. Seine Lungen brannten und er konnte jetzt schon spüren, dass er morgen Muskelkater haben würde. Hauptsächlich in den Beinen, so wie seine linke Wade zuckte...
      "Kinderspiel?" fragte er, ganz außer Atem. "Du bist so ein Footballspieler." Kai lachte, auch wenn ihm die Luft dafür noch fehlte. "Halt, nein. Basketball. Du bist zu groß für Football. Basketball passt."
      "Mir bringst du das aber nicht bei. Ich kann dir höchstens Unterstützung geben, wenn du sie brauchst?"
      "Nur, wenn du ein paar Lungen hast, die ich mir mal kurz ausleihen kann."
      Kai lief ein bisschen im Kreis, als ob ihm das beim Atmen helfen könnte. Tat es nicht.
      "Kondition," meinte er, als er sich vorn über beugte. "Ich muss definitiv an meiner Kondition arbeiten. Wow."
      Kai gesellte sich zu Isaac und legte ihm seine Arme auf die Schultern. Der Mann war groß genug, sodass Kai ganz brav seine Arme heben konnte, um zu atmen, ohne dabei die Muskelkraft aufbringen zu müssen. Und seinen Kopf lehnte er gegen Isaacs Brust. Seine wohlgeformte, äußerst muskulöse Brust.
      "Heilige Scheiße," keuchte Kai mit einem Kichern. "Meine alte Trainerin würde mir den Arsch aufreißen, wenn die wüsste, wie sehr ich mich habe gehen lassen."
      Er konzentrierte sich für die nächsten zwei Minuten ausschließlich darauf, wieder Luft zu bekommen. Mit Isaac als wortwörtliche Stütze ging das auch ganz gut. Schlussendlich lehnte er sich einfach ganz an Isaac.
      "Ich hab dich gar nicht gefragt: Wie furchtbar ist deine Form verglichen mit deinem Früher?"


    • "Kinderspiel? Du bist so ein Footballspieler", sagte Kai und lachte.
      "Footballspieler?", sagte Isaac. "Nicht ganz."
      "Halt, nein. Basketball. Du bist zu groß für Football. Basketball passt."
      "Auch nicht. Ich bleibe lieber bei Baseball."
      Isaac lächelte. Was für eine dumme Unterhaltung, aber genau das mochte er so sehr. Mit Kai war alles so leicht.
      Der andere lief ein bisschen im Kreis, noch immer außer Puste. Das Kunststück war wohl doch anstrengender als angenommen.
      "Kondition. Ich muss definitiv an meiner Kondition arbeiten. Wow."
      "Das war aber auch viel. Mach doch die Hälfte davon. Du bist hier beim Trainieren und nicht bei der Olympiade."
      Kai kam zu ihm und legte ihm die Arme auf die Schultern. Isaac sah auf ihn hinab; der Mann strahlte eine ungemeine Hitze von sich aus. Schweiß glänzte ihm auf der Stirn und ließ seine Haut weich erscheinen. Isaac starrte.
      "Heilige Scheiße. Meine alte Trainerin würde mir den Arsch aufreißen, wenn die wüsste, wie sehr ich mich habe gehen lassen."
      "Wirklich?"
      Isaac sah überrascht in Kais helle Augen. Aus seiner Sicht war das wirklich nicht schlecht gewesen.
      "Ich hab dich gar nicht gefragt: Wie furchtbar ist deine Form verglichen mit deinem Früher?"
      "Wahrscheinlich ähnlich wie bei dir: Ganz furchtbar. Ich konnte in Höchstform mal 120 Kilo stemmen." Er lächelte. "Aber ich habe auch einige Wochen im Krankenhaus verbracht und dann drei Monate in meinem Bett. Was ist deine Ausrede? Warum machst du kein cheerleading mehr?"
      Er legte die Hand an Kais unteren Rücken, tätschelte ihn ein bisschen, während er zu Atem kam. Sein Shirt war hinten schwitzig, aber Isaac störte das nicht. Er hatte schon schlimmere Erfahrungen mit Schweiß gemacht.
      "Du warst doch nicht so schlecht gerade, oder?"
    • "Wahrscheinlich ähnlich wie bei dir: Ganz furchtbar. Ich konnte in Höchstform mal 120 Kilo stemmen."
      "120 Kilo?! Nächstes Mal lass ich dich die Matratze aus meinem Schlafzimmer schleppen, Arni," scherzte Kai.
      120 Kilogramm... Kai könnte sich an den alten Isaac dran hängen und der würde wahrscheinlich nicht einmal mit der Wimper zucken. Ein... interessanter Gedanke. Ja. Nur interessant, nichts weiter.
      "Aber ich habe auch einige Wochen im Krankenhaus verbracht und dann drei Monate in meinem Bett. Was ist deine Ausrede? Warum machst du kein Cheerleading mehr?"
      Isaac legte ihm eine Hand in den Rücken und ein warmes Kribbeln schoss Kais Wirbelsäule hinauf. Okay. Auch... interessant. Sonst nichts. Ganz bestimmt nicht.
      "Du warst doch nicht so schlecht gerade, oder?"
      "Eh. Ich war nicht schlecht, das nicht. Aber Cheerleading auf dem Level gibt es nach dem College nicht. Alles danach ist nur dumm rumstehen und mit PomPoms wedeln und das ist mir nun wirklich zu langweilig. Und ich bin mit einem Stipendium auf ein College für Kunst gegangen. Die hatten gar kein Team, also war meine Cheerleader-Karriere mit der Highschool vorbei."
      Kai zuckte mit den Schultern. Hätte er sich mehr reingekniet, wäre er nicht so sprunghaft gewesen, hätte er vielleicht ein bisschen mehr draus machen können. Er hätte Cheer-Uniformen modeln können. Er hätte die nächste Generation trainieren können. Stattdessen hatte er in Chicago ein ganz anderes Leben gelebt. Und dann war er gereist, hatte noch ein dutzend gelebt. So war er eben. Aber Cheerleading...
      "Ich glaube, ich will das wieder ein bisschen trainieren," meinte er halb in Gedanken versunken. "Cheerleading war das erste wirklich Hobby, dass mit Spaß gemacht hat, nachdem meine Mutter gestorben ist."
      Er nickte, mehr zu sich selbst als zu Isaac.
      "Ja. Ja, ich glaube, ich möchte zumindest meine alte Routine mal wieder draufhaben. Was ich damit mache, kann ich später rausfinden."
      Sein Lächeln kehrte zurück und er grinste zu Isaac hinauf.
      "Jetzt aber erstmal richtig trainieren. Ein bisschen Gewichte stemmen und eine unsaubere Tumbling Routine sind ja jetzt nicht wirklich ein volles Workout, oder?"


    • "Schade", sagte Isaac und meinte es auch so. Dass Kai kein Cheerleading mehr betrieb, schien ihm wie Vergeudung von Talent. Sicher hatte er stattdessen seine Kunst perfektioniert, aber schade war es trotzdem. Isaac hätte ihn gerne bei einem Football-Spiel das Team anfeuern gesehen.
      "Ich glaube, ich will das wieder ein bisschen trainieren", sagte Kai gedankenverloren. "Cheerleading war das erste wirklich Hobby, das mit Spaß gemacht hat, nachdem meine Mutter gestorben ist."
      Isaac blinzelte verdutzt. Das hatte er gar nicht gewusst - das mit Kais Mutter. Plötzlich hatte er Mitleid mit ihm.
      "Das... ist ein schönes Hobby. Du kannst es immer wieder aufnehmen."
      Kai nickte, aber Isaac war sich nicht sicher, ob er ihm richtig zugehört hatte.
      "Ja. Ja, ich glaube, ich möchte zumindest meine alte Routine mal wieder draufhaben. Was ich damit mache, kann ich später rausfinden."
      Sein Lächeln kam zurück und damit etwas von seiner Fröhlichkeit. Isaac verspürte den nahezu unbezwingbaren Drang, den Arm ganz um ihn zu legen und ihn an sich zu drücken. Kai sah mit goldenen Augen vertrauensvoll zu ihm auf.
      "Jetzt aber erstmal richtig trainieren. Ein bisschen Gewichte stemmen und eine unsaubere Tumbling Routine sind ja jetzt nicht wirklich ein volles Workout, oder?"
      "Nein, sicher nicht."
      Isaac lächelte zurück. Sein Blick verfing sich für einen Moment in dem schönen Gold Kais Augen.
      Sie lösten sich voneinander und gingen zurück zu ihren Trainingsgeräten. Isaac probierte sich durch alles einmal durch, fünf Minuten hier und fünf Minuten dort, um jeden Muskel seines Körpers einmal bedient zu haben. Am Schluss hatte er die Diagnose stehen, dass er ziemlich außer Form war. Wochen des Herumliegens und der Medikamente hatten ihn sicher ein Jahr zurückversetzt, aber Muskeln verschwanden nicht so schnell. Isaac glaubte, dass er seine alte Kraft und seine alte Kondition wieder aufbauen konnte - wenn er nur dran blieb. Das bedeutete, dass er es regelmäßig schaffen musste zu trainieren. Mit Kai war es ein guter Anfang, aber dieser Tag war auch ein guter Tag gewesen. Isaac musste es auch schaffen, an schlechten Tagen zu trainieren.
      Das war aber ein Problem für später. Für heute war er fertig und rieb sich mit dem Handtuch den Schweiß ab, bevor er seine Sachen packte. Er wollte seine sauberen Klamotten nicht schmutzig machen und ließ die Sportklamotten einfach an. Sie gingen zurück, duschten bei Kai und saßen eine Stunde später mit Pizza bewaffnet auf seiner Couch.
      "Besuchst du deine Familie eigentlich manchmal? In - wo leben sie nochmal?", fragte Isaac, in Gedanken noch immer bei Kais Mutter.
    • Während Isaac seine Muskeln strapazierte, legte Kai Meile um Meile auf dem Laufband zurück. Irgendwie blieben sie beide immer in Sichtweite voneinander, tauschten Blicke aus, lächelten einander aufmunternd zu. Kai beschloss für sich, dass ja, das hier konnten sie ruhig öfter machen. Wöchentlich, wenn sein Plan aufging.
      Nachdem sie sich die Seele aus dem Leib trainiert hatten, kehrten sie nach Hause zurück, wo sie sich daran machten, wieder sauber zu werden. Sie hatten es nur ein paarmal gemacht, aber diese langsame, ausgiebige Katzenwäsche schien gut für Isaac zu funktionieren. Das war doch mal was!
      Kai gab seine Pizzabestellung an Isaac weiter, damit der bestellen konnte, während Kai unter die Dusche hüpfte. Und eine halbe Stunde später saß er dann in ein paar Haremshosen und einem lockeren Tanktop, die Haare frisch geflochten auf seiner Couch, bewaffnet mit einer Pizza, Isaac neben ihm.
      "Besuchst du deine Familie eigentlich manchmal? In - wo leben sie nochmal?"
      "Hawai'i. O'ahu, um genau zu sein. Und ja, manchmal gehe ich zurück. Nicht so oft wie alle wollen, aber wir wir machen ständig irgendwelche Video Calls."
      Kai zuckte mit den Schultern und schob sich einen großen Bissen Pizza in den Mund. Kauend griff er nach seinem Smartphone und suchte eins seiner vielen Familienfotos heraus. Er hielt es Isaac hin. Das Foto zeigte eine ganze kleine Armee and Leuten, die alle fröhlich auf einer Wiese verteilt waren. Ein paar Kinder spielten, ein paar ältere Leute unterhielten sich an einem Tisch sitzend, eine Horde Männer stand um einen kleinen Hügel aus Palmblättern herum, der ein bisschen qualmte. Kai benannte jede einzelne Person, die in dem Bild zu sehen war, und wie er mit ihnen verwandt war. Das Wort Cousin and Cousine fiel oft.
      "Wir sind nicht blutsverwandt oder so," erklärte er, als sich die ersten seltsamen Zeichen von Inzest meldeten. "Wir nennen das Hanai. Das hat keine wirkliche Übersetzung. Stell es dir als inoffizielle Adoption vor. Wir kümmern uns eben umeinander."
      Wieder zuckte er mit den Schultern. Ohne seine 'ohana hätte er den Tod seiner Mutter wahrscheinlich nicht so gut weggesteckt. Allein schon, weil er zu seinem Vater hätte zurückkehren müssen...
      "Ich kann dich ja mal mitnehmen. April bis September ist sogar ziemlich regenarm. Wir bleiben einfach im Dschungel und machen uns da eine schöne Zeit, dann musst du auch den Ozean nicht hören."


    • Isaac wischte sich die Hände an einer Serviette ab und beugte sich zu Kai, um auf sein Handy zu sehen. Auf dem Bildschirm war die Bevölkerung eines ganzen Dorfes zu sehen - und Kai bezeichnete sie alle als Familie. Isaac konnte da nur staunen. So viele? Wie sollte man da denn bei den ganzen Namen mitkommen? Und wie sahen wohl Geburtstage aus? Musste bei Kai jeden Tag etwas gefeiert werden, bei so vielen Leuten?
      Doch als Kai anfing, sie alle aufzuzählen, musste Isaac schon stutzen. Das erste Mal dachte er noch, nicht richtig verstanden zu haben, aber als Kai beim zweiten Mal schon dieselben Eltern erwähnte...
      "Uhm..."
      "Wir sind nicht blutsverwandt oder so", sagte Kai, der Isaacs Ausdruck sofort verstand. "Wir nennen das Hanai. Das hat keine wirkliche Übersetzung. Stell es dir als inoffizielle Adoption vor. Wir kümmern uns eben umeinander."
      "Ah. Achso."
      Das erklärte so einiges. Hauptsächlich, wie man so viele Geburtstage bewältigen sollte.
      "Ist das so wie Ohana?" Isaac lächelte. So ein bisschen konnte er es sich ja doch vorstellen.
      "Ich kann dich ja mal mitnehmen. April bis September ist sogar ziemlich regenarm. Wir bleiben einfach im Dschungel und machen uns da eine schöne Zeit, dann musst du auch den Ozean nicht hören."
      "Ich weiß gar nicht, ob mir der Ozean etwas ausmacht", sagte Isaac, bevor er überhaupt realisierte, was Kai ihm vorgeschlagen hatte. Er sah er ihn an.
      "... Wirklich? Das würde mir gefallen. Ich war noch nie zum Urlaub dort, nur für die Army."
      Er zögerte.
      "Aber ein Flug ist doch ziemlich teuer, oder? Hin und zurück? Ich hab nicht wirklich die... Finanzen für so einen Ausflug, wenn ich ehrlich bin."
    • "Aber ein Flug ist doch ziemlich teuer, oder? Hin und zurück? Ich hab nicht wirklich die... Finanzen für so einen Ausflug, wenn ich ehrlich bin."
      "Und genau deswegen bin ich nicht oft zuhause," stimmte Kai zu. "So gern ich auch drüben bin, die Insel ist nun mal am Arsch der Welt."
      Er zuckte mit den Schultern und packte sein Smartphone wieder weg, bevor er sich wieder ein ordentliches Stück Pizza in den Mund schob.
      "Wenn ich dann mal drüben bin, bleibe ich meistens auch eine Weile. Es hilft, dass ich mir nur um den Flug Sorgen machen muss - die Unterbringung ist immer geregelt, sobald ich Bescheid sage, wann ich denn ankomme. Mit Flügen außerhalb der Stoßzeiten und Reisesaison und nur ein bisschen Handgepäck geht das eigentlich sogar."
      Na toll. Jetzt bekam Kai das Bild nicht mehr aus dem Kopf, wie er Isaac seiner Familie vorstellte. Die würden ihn doch alle sofort bemuttern, sobald sie herausfanden, wie sanft der Riese eigentlich war. Diese Vorstellung - Isaac und seine Familie gemeinsam beim Essen, Spielen, Reden - ließ Kais ganzen Körper kribbeln. Nicht auf eine unangenehme Weise, nur... bemerkenswert eben.
      "Was ist eigentlich mit dir?" fragte Kai schnell, um die Bilder ins einem Kopf zu vertreiben, bevor er sich noch ganz in den Tagträumereien verlor. "Ich weiß, dass deinem Onkel das Gebäude gehört, da hört's aber auch schon auf."