The Art of Survival [Codren feat. Pumi]

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    • Kai beschloss für sie beide, dass Verlieren außer Frage stand, und zehn Sekunden später waren sie mitten in einem Haufen tanzender Menschen, die sich unter der Lichtershow zum Rhythmus der Musik bewegten. Rachel begann sofort zu tanzen und auch Kai verfiel schnell in rhythmische Bewegungen, die er mit einer gewissen Anmut vollzog. Isaac war langsamer dabei, es ihm nachzumachen; er hatte das Tanzen definitiv verlernt. Die Musik pulsierte um ihn herum und der Alkohol floss bereits durch seinen Körper, aber er versuchte sich vorsichtiger an das, was er einmal gekonnt hatte. Vermutlich dachte er noch zu viel darüber nach; seine Aufmerksamkeit lag zu sehr auf Kai, der alles so leicht und locker erschienen ließ, sein Tanz wie eine einstudierte Choreografie. Isaac beobachtete, wie Kai den Kopf herumwarf, sodass die Perlenhaare nur so flogen, und dann musste er lachen. Das hier war toll; Kai war toll. Wieso war er nicht früher ausgegangen?
      Die Lichter waren wie hypnotisierend und sobald Isaac seinen Groove gefunden hatte, ging alles wie von selbst. Er bewegte sich mit den Massen und dann bewegte er sich auch ohne; Caitlin war an seiner Seite und dann war dort eine schwarzhaarige Frau, die sich mit einem anzüglichen Hüftschwung an seinen Rhythmus anpasste. Isaac genoss den nonverbalen Flirt, das Gefühl, gänzlich normal zu sein, und erwiderte ihren Blick - dann entdeckte er wieder den bunten Wirbel, der Kai darstellte, und er tanzte sich an der schwarzhaarigen vorbei zu ihm durch. Kai ergriff seine Hand und wirbelte ihn herum; Isaac lachte. Er brachte den anderen dazu, sich zu drehen bis seine Haare nur so flogen, dann fing er ihn auf, als er durch den Schwindel das Gleichgewicht verlor. Er grinste und sie tanzten wieder auseinander. Die schwarzhaarige war schnell zurück und Caitlin, aber Isaac tanzte immer wieder zu Kai zurück. Ein Aufblitzen von Farben und Perlen und er war wieder bei ihm. Es war so natürlich wie atmen.
      Früher als die anderen zog er sich von der Tanzfläche wieder zurück und genehmigte sich seinen Drink. Er war außer Form, auf alle erdenkliche Weisen, und musste sich setzen. Sein Hemd war unter den Armen schweißnass und seine Stirn feucht, aber ausnahmsweise kümmerte ihn das nicht. Hier schwitzten alle, wer sollte sich da um ihn scheren? Zum ersten Mal konnte er sich zurücklehnen und wahrlich genießen, unter Menschen zu sein.
      Caitlin kam sehr bald nach und ließ sich schwer atmend neben ihn fallen. Sie grinste und stieß mit ihm an, wobei ihr ein "Woah!" entfuhr. Sie hatte die Prothese entdeckt.
      "Ist das eine Prothese?"
      "Ja!"
      "Cool!"
      Sie nahm seine Hand ohne weiter zu fragen und spielte mit den Fingern herum. Er ließ sie und beobachtete sie einen Moment dabei, dann richtete er seinen Blick wieder auf die Tanzfläche. Er entdeckte Kais fliegendes Haar und lächelte automatisch in sich hinein.
    • Von wegen Isaac konnte nicht tanzen! Der Mann war nur zu schüchtern, um es einfach so zu tun. Kai war ein bisschen stolz darauf, dass er derjenige war, der Isaac dazu brachte, sich ein bisschen gehen zu lassen und einfach mal Spaß zu haben.
      Irgendwann verschwand Isaac, aber das war okay. Kai hatte bekommen, was er hatte haben wollen. Er war vollkommen zufrieden damit, sich alleine noch ein bisschen mehr gehen zu lassen. Aber alles Gute musste einmal ein Ende haben - in diesem Fall das Set vom DJ. Lachend fielen Kai und Rachel sich in die Arme.
      "Du, dein Freund, ist der eigentlich single?" fragte sie.
      "Isaac? Warum fragst du?"
      Kai wollte keine Antwort geben. Er hatte Isaac ja gesagt, dass sie so tun konnten, als seien sie beide auf einem Date, wenn es ihm zu viel wurde. Zwar hatte er zufrieden gewirkt, während sowohl Caitlin als auch eine andere Frau sich an ihn rangemacht hatten, aber eine Tanzfläche war eine Welt für sich, das zählte schon fast gar nicht.
      "Naja, weil sich Caitlin ja offensichtlich für ihn interessiert."
      "Ja, macht Sinn. Aber ist das nicht eher eine Frage, die sie ihm stellen sollte und nicht du mir?"
      Rachel kniff die Augen zusammen.
      "Du bist ganz schön clever."
      Kai grinste. "Das sagt man mir öfter."
      Die beiden gesellten sich an die Bar zu ihren Freunden. Kai griff sich gleich seinen Drink und nahm einen großen Schluck. Half das mit seinem Durst. Nein. Aber es schmeckte gut.
      "Und du?" fragte Rachel.
      "Was soll mit mir sein?" entgegnete Kai.
      "Bist du single?"
      "Warum? Bist du an mir interessiert?"
      Kai hörte Caitlin hinter sich kichern.
      "Und wenn es so wäre?" Rachel hielt sich an ihrem Drink fest und lächelte in ihren Stohhalm.
      "Dann müsste ich dir leider mitteilen, dass du nicht mein Typ bist," antwortete Kai. "Ich hab da dieses furchtbare Problem, dass ich auf Männer stehe."
      "Ooff," kam es von Rachel.
      "Dann teilen wir uns wenigstens unseren schlechten Geschmack," scherzte die dritte im Bunde, die nun auch an die Bar zurückkehrte.
      Kai lachte mit den Ladies.


    • Als Kai wiederkam, lagen er und Rachel sich quasi in den Armen. Isaac musste lächeln, dann schwand das Lächeln ein bisschen, als sie die Köpfe zusammensteckten. Das lag bestimmt an seiner Ausdauer, die machte ihn müde. Er konnte ja nicht die ganze Zeit gut drauf sein.
      Die beiden gesellten sich zu ihnen an die Bar und Isaac schnappte ein paar Wörter auf, während er zu Caitlin zurücksah.
      "Und du?"
      "Was soll mit mir sein?"
      "Bist du single?"
      Caitlin sah auf. Ihre Blicke trafen sich und sie berührte Isaac dort, wo die Prothese in den Arm überging.
      "Warum? Bist du an mir interessiert?"
      Da kicherte Caitlin und Isaac lächelte. Aber hauptsächlich, weil er sich Kais Gesicht dabei vorstellen konnte, das schiefe Lächeln, der freche Ausdruck in den Augen.
      "Und wenn es so wäre?"
      "Dann müsste ich dir leider mitteilen, dass du nicht mein Typ bist. Ich hab da dieses furchtbare Problem, dass ich auf Männer stehe."
      Isaac wusste nicht woher, aber plötzlich fühlte er sich unglaublich erleichtert. Als würde er wieder Luft zum Atmen bekommen.
      "Ooff", sagte Rachel.
      "Dann teilen wir uns wenigstens unseren schlechten Geschmack."
      Alle lachten, aber Isaac lehnte sich zurück und entzog Caitlin seine Hand, um sich mehr in die Runde zu stellen. Caitlin griff gleich nach ihrem Drink.
      "Entschuldigung, aber von schlechtem Geschmack kann wohl kaum die Rede sein, wenn er mit dazu zählt."
      Er machte eine Geste, die Kai und sein komplettes Outfit mit einbezog.
      "Das ist der beste Geschmack, den man haben kann. Die nächste Runde geht auf mich. Freiwillig."
      Er hob seinen Drink an. "Auf den attraktivsten, lustigsten und stylishsten Mann im ganzen Club!" Und grinste Kai an.
    • "Entschuldigung, aber von schlechtem Geschmack kann wohl kaum die Rede sein, wenn er mit dazu zählt."
      Isaac deutete mit einer großen Geste auf ihn und Kai konnte nicht anders als sich ein bisschen in Pose zu werfen.
      "Zählt das überhaupt, wenn er schwul ist?" fragte Rachel, wofür Kai ihr leicht gegen den Oberarm schlug.
      "Das ist der beste Geschmack, den man haben kann."
      "Ha!"
      "Die nächste Runde geht auf mich. Freiwillig."
      Kai hob seinen Drink zusammen mit Isaac. Sein Arm war nicht einmal ansatzweise lang genug. Er bekam es gerade mal so hin, seinen Drink über Isaacs Kopf zu heben, so klein war er im Vergleich. Naja, egal. Da gehörte der Cocktail ja sowieso nicht hin.
      "Auf den attraktivsten, lustigsten und stylishsten Mann im ganzen Club!"
      Die Art wie Isaac grinste... das stellte irgendwas mit Kais Eingeweiden an. Etwas, das er nicht zu sehr analysieren wollte. Zumindest nicht jetzt. Stattdessen klinkte er ihre Gläser gegeneinander, bevor er den Rest seines Cocktails leertrank, damit Isaac ihm noch einen bestellen konnte. Und jetzt war Kai angeheitert genug, um sich auf den blöden Witz mit dem Blue Hawaiian einzulassen.
      "Mahalo!" brüllte er der Barkeeperin über den wieder einsetzenden Beat hinweg zu.
      Kichernd ließ er sich gegen Isaac sinken.
      "Nächste Frage," presste Rachel. "Ihr zwei: Freunde oder Roommates?"
      Kai, der mit der sich mit dem Rücken gegen Isaac lehnte, grinste bloß und sah zu dem blonden Riesen hinauf.


    • “Zählt das überhaupt, wenn er schwul ist?”, fragte Rachel.
      “Und ob das zählt.”
      "Ha!"
      Darauf stießen sie an. Der Alkohol floss mittlerweile leichter und machte Isaac ganz beschwingt. Beherzt bestellte er sich noch einen Zombie und kicherte dann, als Kai sich einen Blue Hawaiian bestellte. Wie passend.
      Caitlin war wieder zurück an seiner Seite und schien seine Hand wieder ergreifen zu wollen, aber da lehnte Kai sich schwer an Isaac und der legte seine freie Hand auf seine Hüfte, um ihn zu stützen. Er bereute es ein bisschen, mit der Rechten seinen Drink ergriffen zu haben, nachdem er mit der Prothese kein Gefühl für irgendwas hatte. Um das irgendwie auszugleichen, schob er schließlich den ganzen Arm um Kais schlanke Taille.
      Caitlin verblieb damit, wo sie war. Rachel sah den Arm und sagte lächelnd:
      “Nächste Frage. Ihr zwei: Freunde oder Roommates?”
      Isaac schnaubte. Ein And they were roommates lag ihm quasi auf der Zunge, aber er war noch nüchtern genug, dem Drang zu widerstehen. Schließlich waren sie nicht zusammen und daten taten sie auch nicht - zumindest nicht inoffiziell. Nicht einmal darüber gesprochen hatten sie und sowieso war das nicht das erste, was Isaac bei der Frage sofort in den Kopf schoss. Stattdessen sagte er voller Überzeugung:
      “Kai ist mein bester Freund. Er ist der tollste Mensch, den ich kenne.”
      Als Kai zu ihm hoch grinste, lächelte Isaac auf ihn hinab.
      "Roommates sind wir nicht. Zumindest noch nicht."
      Die Aussage überraschte ihn selbst - so weit hatte er gar nicht gedacht, es war einfach herausgerutscht. Allerdings verbesserte Kai ihn nicht und Isaac blieb auch eine weitere Ausführung erspart, als Caitlin fragte:
      "Dann bist du auch schwul?"
      Ihre Augen waren groß und ihre Wangen rosa gefärbt. Isaac hatte plötzlich ein schlechtes Gewissen, als er sie ansah, wobei er gar nicht genau wusste, warum. Es gab nichts, wofür er sich hätte rechtfertigen müssen.
      "Ich bin pan."
      "Ah."
      Die Erleichterung stand ihr quasi ins Gesicht geschrieben, trotzdem traute sie sich nicht wieder heran, solange Isaac den Arm um Kai gelegt hatte. Und den nahm er auch so schnell nicht wieder weg, also zog sie sich zur Bar zurück.
      Isaac interessierte sich dafür nur mittelmäßig. Er griff zu seinem Drink.
      "Was ist los, wollten wir nicht Shots trinken? Macht ihr schon schlapp?"

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    • "Roommates sind wir nicht. Zumindest noch nicht."
      Noch nicht? Was sollte das denn heißen? Ach, egal. Darüber konnte sich Kai auch morgen noch Gedanken machen. Zumal es bestimmt lustig wäre, mit Isaac in einer WG zu wohnen.
      "Dann bist du auch schwul?"
      "Ich bin pan."
      Kai kicherte.
      "Du bist ein kleiner Notfall in der Luftfahrt? Ich dachte, du warst bei den Marines?"
      Was für ein Insider. Kai war sich nicht einmal sicher, dass den Witz irgendjemand außer ihm verstand. Welcher Normalsterbliche kannte denn auch schon das Notsignal für kleine Zwischenfälle in der Luft, die keiner sofortigen Notlandung bedurften? Oh Mann, er war echt ein Trottel.
      Dankenderweise rettete Isaac ihn, als er verkündete: "Was ist los, wollten wir nicht Shots trinken? Macht ihr schon schlapp?"
      "Shots!" brüllte Kai und drehte sich mitsamt seinem Isaac-Rucksack zur Bar um.
      Der kleinen Gruppe wurde ein Brett mit besagten Shots serviert und sie alle stießen gemeinsam auf ihre schlechte Angewohnheit, Männer zu mögen, an. Dieser zweite Shot brannte ein bisschen härter als der erste und Kai schüttelte wild den Kopf, bevor er kurz auf der Stelle hüpfte.
      "Hooooh! Krasser Scheiß!"
      In dem Moment legte ein neuer DJ auf. Kai hatte noch nie wirklich Nein sagen können, wenn der Beat so gut und die Tanzfläche so leer war.
      Er drehte sich aus Isaacs Griff, grinste den Mann kurz an, während er rückwärts in Richtung Tanzfläche wanderte, dann sprang Kai mitten in das blinkende Quadrat, schnappte sich den Beat und ließ reagierte darauf. Ein paar Leute gingen ebenfalls auf die Tanzfläche, aber als sie sahen, was Kai da machte, hielten sie alle staunend Abstand. Ein paar jubelten ihm sogar über die Musik hinweg zu.








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    • Kai kicherte. "Du bist ein kleiner Notfall in der Luftfahrt? Ich dachte, du warst bei den Marines?"
      Isaac starrte Kai einen Moment lang an, dann brach er in lautes Gelächter aus. Der war so schlecht. Der war so schlecht, dass ihm kaum Luft zum Atmen blieb.
      "Wow! Echt jetzt? Den kannte ich nicht. Den kannte ich wirklich noch nicht."
      Er lachte noch einmal, wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel, zuckte bei dem kühlen Metall zusammen und nutzte die Rechte. Wirklich ein schlechter Witz. Hoffentlich würde er sich morgen noch daran erinnern.
      Was er nicht wirklich begünstigte, als er noch einen Shot runterkippte. Sein ganzer Magen brannte davon und diesmal musste sogar Isaac das Gesicht verziehen, als die anderen sich schüttelten. Furchtbar. Langsam begann die Welt aber schon zu schwanken.
      Kai ergriff wieder seine Hand und zerrte ihn zurück auf die Tanzfläche. Isaac folgte willig. Es war leichter, dem Beat zu folgen, wenn man nicht aktiv darüber nachdachte, dass man sich gerade bewegte, und genau das versuchte Isaac umzusetzen. Neben Kai sah er natürlich trotzdem wie ein Trottel aus; der Mann packte plötzlich Moves aus, mit denen er einen Tanzwettbewerb hätte gewinnen können. Isaac sah ihm grinsend dabei zu, stolz darüber, was für Bewegungen sein Freund draufhatte, und jubelte begeistert, als Kai schließlich die Kraft verließ. Oder seine Choreo vorbei war. Ganz genau wusste er es nicht, aber es war ihm auch egal, als er sich wieder mit Kai zum Beat bewegte. Um sie herum füllte sich die Tanzfläche erneut, eine Masse dunkler Leiber, die sich chaotisch bewegten. In dem ansteigenden Rausch war es perfekt und Isaac grinste, während er sich an dem fliegenden Perlenhaar orientierte. Nur immer Kai nach. Bei Kai war er glücklich, nur immer den Perlen folgen.
      Die weiteren Stunden wiederholte sich das ganze Schema. Tanzen, von der Tanzfläche stolpern, sich etwas zu trinken suchen, mit Menschen sprechen, die Isaac irgendwann schon gar nicht mehr auseinander halten konnte. Alles drehte sich, er fühlte sich himmlisch frei von allem. Kai war immer da, eine Bewegung zur Seite, ein suchender Blick und irgendwo entdeckte er ihn, ein wirbelnder Traum inmitten von Massen. Kai riss die dümmsten Witze und Isaac lachte über sie alle, warf sich fast weg vor lachen. Alles war so einfach. Isaac liebte es.
      Irgendwann wurde sogar das Denken schwierig. Isaac hatte Filmrisse; erst war er auf der Tanzfläche, dann saß er wieder, dann war er an der Bar, wieder auf der Tanzfläche. Menschen um ihn herum, ein Drink in seiner Hand. Caitlin die irgendwas sagte, was er nicht verstand; er grinste nur. Oder vielleicht schnitt er auch eine Grimasse vom Alkohol, ganz genau wusste er das nicht. Die Schwarzhaarige war zurück, tanzte mit ihm. Mit ihm und Kai, oder vielleicht auch nur mit ihm. Sie nahm seine Hand, versuchte ihn zu lenken und Isaac ging in die andere Richtung, zu Kai zurück. Immer Kai nach.
      Wieder die Bar. Leute, die mit ihm sprachen. Dann Caitlin, Caitlin und ein Paar warmer, feuchter Lippen, die sich auf seine drückten. Sein Arm lag um ihre Taille und er zog sie näher, suchte nach etwas bekanntem, das er nicht fand. Ihr Atem strich gegen seine Wange, ein Geruch nach Alkohol. Ihr Körper war heiß an seinem, zu heiß. Alles war zu heiß. Isaac schwitzte und als sie den Kuss brach, um eine Spur von Küssen über sein Kinn nach unten fortzusetzen, schob er sie ungelenk von sich. Alles drehte sich, ihm war heiß. Kai. Wo Kai?
      "Ich muss ma'", lallte er und stand wankend auf. Sie setzte sich zurück, sah zu ihm auf, biss sich auf die Lippe und wickelte eine Strähne ihres Haars um den Finger. Er taumelte davon in Richtung der Toiletten - glaubte er zumindest. Irgendwo würde er schon rauskommen, wenn er da einfach... links ging. Ja. Links war bestimmt gut.
    • Kai schoss sich nicht ganz so ab wie Isaac, den Abend wollte er dem Mann aber auch nicht verderben. Allerdings machte Kai nach seinem zweiten Cocktail eine Pause mit dem Alkohol. Dafür tanzte er viel zu gern. Also stieg er auf Wasser und ein paar Salzbrezeln um, nur um auf Nummer sicher zu gehen.
      Die DJs heute Nacht waren wirklich gut und Kai bekam geradezu ein ganzes Workout rein, so oft bewegte er sich über die Tanzfläche und wieder zurück.
      Von da kam er auch gerade, um sein Wasser zu leeren. Dabei fiel ihm auf, dass Isaac verschwunden war. Er stellte sich auf die Zehenspitzen, um den Riesen in der Masse zu erkennen, konnte ihn aber nicht finden. Dabei war der Mann ihm doch den ganzen Abend noch nicht mehr als nur ein paar Minuten von der Seite gewichen.
      "Hey, Cait? Hast du Isaac gesehen?"
      Sie war die andere Person, die den ganzen Abend schon an ihm gehangen hatte wie ein treuer Pudel.
      "Aufs Klo!" antwortete sie.
      Hm. Da könnte Kai eigentlich auch mal hin. Und das definitiv nicht nur weil er sich Sorgen um Isaac machte. Er musste wirklich!
      Kai trank den letzten Schluck seines Wassers, dann machte er sich auf den Weg.
      Tatsächlich fand er Isaac, gerade als der links abbog. Auf die Damentoilette.
      "Halt Stopp, mein Großer," kicherte Kai und schnappte sich Isaac hinten am Hosenbund. "Falsche Richtung."
      Grinsend zog er Isaac hinter sich her in Richtung Männerklo. Sobald sie durch die Tür waren, zog er Isaac zu sich runter und hielt ihm die Hände auf die Ohren. Zwar wummerte auch hier hinten die Musik wie blöd, aber ganz übertönte sie das Geräusch von dem Typen, der sich gerade die Hände wusch - zum Glück - dann doch nicht. Kai schob Isaac schnellen Schrittes in eine der Kabinen. Sobald Ruhe im Klo herrschte, drehte er sich um, um abzuschließen.
      "Hopp hopp. Ich muss auch," meinte er, bevor er Isaac zum Klo drehte und ihm dann die Ohren wieder zuhielt, während er auf diesen viel zu attraktiven muskulösen Rücken blickte.
      Kai senkte den Blick - nur um mit militärischen tactical buttcheeks konfrontiert zu werden. Mann, warum sah der Kerl auch so unverschämt gut aus?!


    • Auf halbem Weg zu seinem Ziel wurde er abgegriffen und stolperte in die andere Richtung.
      “Halt Stopp, mein Großer. Falsche Richtung.”
      Oh! Kai! Isaacs Gesicht hellte sich auf.
      “Hi Gai!"
      Jetzt war alles wieder gut.
      Sie wankten zusammen in die andere Richtung und durch eine vielversprechende Tür. Das Gehämmer des Basses wurde einen Tick leiser, als die Tür hinter ihnen zufiel, und dann presste Kai unmittelbar die Hände auf Isaacs Ohren. Er verstand nicht, warum er das tat; das war wohl die neue Art, jemanden am Umfallen zu hindern. Über den Gedanken musste er grinsen und starrte beim Vorbeigehen einen Typ an, der seine Hände wusch. Komisch, er hatte das Gefühl, irgendwas vergessen zu haben. Aber auch nicht so wichtig. Kai war da, da wurde der Rest unwichtig.
      Sie gingen zusammen in eine Kabine und Kai schloss ab. Isaac wandte sich pflichtbewusst der Klobrille zu und nestelte an seinem Gürtel herum, der sekündlich die Form veränderte. Der Boden schwankte und Isaac schwankte mit ihm.
      Dann war Kai wieder da und hielt ihm die Ohren zu. Wie nett.
      “Hopp hopp. Ich muss auch.”
      “Ja-ja.”
      Isaac bekam das Rätsel seines Gürtels gelöst und machte sich ans Werk. Er hatte so einige Zielschwierigkeiten, wo der Boden doch so sehr wankte, aber Kais Hände auf seinen Ohren wirkten Wunder. So konnte er sich ganz aufs Anvisieren konzentrieren. Kai und seine Wunderhände.
      Als er fertig war, packte er alles wieder ein und zwängte sich an Kai vorbei, um mit ihm Platz zu tauschen.
      “Jetz’ bis’ du dran.”
      Pflichtbewusst hielt er jetzt ihm die Ohren zu - so machte man das doch anscheinend. Und Isaac war ein guter Freund, sogar der beste Freund, der er nur sein konnte. Bei dem Gedanken grinste Isaac und lehnte sich ein bisschen gegen Kai. Er starrte auf die Perlen in seinem Haar und dann auf die dunkle Haut seines Nackens. In seinem Kopf drehte sich alles, aber irgendetwas war da doch, was dieser Anblick mit ihm machte.
      “Hm…”
    • "Hä?"
      Warum legte Isaac ihm denn jetzt die Hände auf die Ohren?
      Kai kicherte und lehnte sich gegen Isaac, der sich zeitgleich gegen ihn lehnte. Er war sich ziemlich sicher, dass sie sich gerade gegenseitig auf den Beinen hielten.
      "Du Dussel," meinte Kai und kraulte Isaac hinter einem seiner Ohren. "Du bist doch der, der das Geräusch von Wasser nicht abkann. Halt dir lieber selbst die Ohren zu."
      Kai bewegte Isaacs Hände zu dessen Ohren, bevor er sich seinen eigenen Geschäften zuwandte. Sobald das erledigt war, schob er Isaac aus der Kabine zu den Waschbecken und wusch sich schnell die Hände, bevor er sie Isaac wieder auf die Ohren legte, damit der es ihm gleich tun konnte.
      "Du brauchst was zu essen, mein Großer," beschloss Kai, als sie die Toiletten wieder verließen.
      Zurück an der Bar schob er Isaac die Salzbrezeln zu und bestellte ihm ein Wasser. Trinken konnte er das ja wohl, hier draußen würde er es gar nicht hören können.
      "Iss. Trink. Bevor du noch von allein umkippst."
      Kai bediente sich ebenfalls an den Brezeln und bestellte sich auch noch ein harmloses Wasser. Offenkundig war er derjenige, der sie beide heute irgendwie nachhause bringen musste, da schonte er seine verbliebenen Hirnzellen wohl lieber. Er war sowieso nicht gern komplett dicht, also passte das.


    • “Du Dussel”, sagte Kai und kraulte Isaac hinter dem Ohr. Das fühlte sich gut an. “Du bist doch der, der das Geräusch von Wasser nicht abkann. Halt dir lieber selbst die Ohren zu.”
      “Oh.” Isaac nahm die Hände von Kais Ohren. “Stimmd ja. Hab’ ich gans vergess’n.”
      Kai half ihm, seine eigenen Ohren zu finden - die bewegten sich nämlich auch - dann erleichterte er sich selbst, schob Isaac aus der Kabine und wusch seine Hände. Alles in Rekordzeit. In der Zwischenzeit war Isaac nämlich höchst konzentriert darauf, seine Ohren nicht zu verlieren, sonst würde er nämlich sterben oder sowas. Böses Wasser.
      Isaac wusch sich auch die Hände, gründlich, dann stolperten sie wieder nach draußen, durch das Gedränge und zurück zur Bar. Beim Anblick der Sitzecken erinnerte er sich daran, was er vor der Toilette getan hatte, und öffnete schon den Mund, um Kai davon zu erzählen, als der ihm Salzbrezeln und ein Wasser hinstellte.
      “Iss. Trink. Bevor du noch von allein umkippst.”
      Und weil Isaac niemand war, der ein direktes Kommando verweigern würde, aß er und trank er, bis sein Mund wieder leer genug war, um genutzt zu werden.
      “Gai.”
      Umständlich lehnte er sich zu ihm und weil das gleich die ganze Bar zum Mitdrehen brachte, schlang er den Arm um Kais Mitte, um sich zu stabilisieren. Dabei war es ganz natürlich, ihn auch gleich an sich zu ziehen.
      Er beugte sich zu seinem Ohr.
      “Ich hab Kätlin gegüssd.”
      Kai roch nach Shampoo, Parfüm und Schweiß. Isaac schwelgte in dem Geruch und grinste.
      “Ich kann’s noch. Ich dachd’ ich hädd’s vergess’n, aber ich kann’s noch. Willsd du… Willsd du ma’ probier’n?”
    • "Gai."
      "Hm?"
      Isaac schlang einen Arm um ihn. Kai war sich nicht ganz sicher, ob das eine geplante Umarmung war oder ob Isaac gerade wieder um sein Gleichgewicht kämpfte. Aber er würde sich nicht beschweren - Kai war schon immer jemand gewesen, der Körperkontakt mochte und mit Isaac. Naja, das war eben Isaac.
      "Ich hab Kätlin gegüssd," lallte Isaac ihm ins Ohr. "Ich kann’s noch. Ich dachd’ ich hädd’s vergess’n, aber ich kann’s noch. Willsd du… Willsd du ma’ probier’n?"
      Kai kicherte und schob Isaac von seinem Hals weg.
      "Nicht, während du so dicht bist, dass du nicht einmal richtig sitzen kannst, mein Großer."
      Kai ging sicher, dass Isaac sich selbst aufrecht halten konnte, dann winkte er einen der Barkeeper heran und fragte nach ihrer Rechnung.
      "Ihr geht schon?" fragte Rachel, die gerade wieder von der Tanzfläche purzelte.
      "Jap. Der Große hat sich ein bisschen überschätzt wie viel er aushält," erklärte Kai. "Richte Caitlin aus, dass es ihm leidtut."
      Rache nickte verstehend.
      "Brauchst du Hilfe, um ihn in ein Taxi zu kriegen?" fragte sie.
      "Nee, das geht schon. Aber danke. Viel Spaß noch."
      "Viel Glück."
      Kai bezahlte und dann begann er die mühselige Aufgabe, Isaac aus dem Club zu schleifen. Er warf sich einen Arm des Mannes um die Schultern, dann packte er ihn herzhaft mit beiden Händen am Gürtel. Auf die Weise konnte er Isaacs Körperschwerpunkt einigermaßen kontrollieren. Sie schlingerten ein bisschen, weil Isaac doch ein bisschen schwer war und Kai war ja nun auch nicht vollkommen nüchtern, aber sie schafften es schlussendlich aus dem Club heraus. Die frische Luft draußen tat gut und sie war auch noch ein bisschen kühler als es drinnen war. Nicht genug, um sie beide zum frösteln zu bringen, aber genug, um sich gut anzufühlen.
      "Na komm, mein Großer. Auf nach Hause."
      Kai parkte Isaac auf einer Bank in der Nähe des Clubs und rief ihnen einen Uber, der nur ein paar Minuten später auftauchte. Dankenderweise schaffte es Isaac, seinen Mageninhalt für sich zu behalten, bis sie vor ihrem Apartmentgebäude wieder ausstiegen. Jetzt musste Kai ihn nur noch die Stufen hochbekommen.
      "Zu dir oder zu mir?" fragte er scherzhaft.


    • Kai kicherte nur und ging gar nicht auf Isaacs Angebot ein.
      "Nicht, während du so dicht bist, dass du nicht einmal richtig sitzen kannst, mein Großer."
      "Huuh?"
      Isaac sah an sich herab und auf den Hocker, der zwischen seinen Beinen hervor lugte.
      "Ich sids... sids schon richdig. Richdig auf dem Hogger."
      Über dieses Rätsel musste er erstmal nachdenken, während Kai nach der Rechnung fragte. Rachel kam noch und sagte irgendwas, was Isaac nicht ganz verstand, dann zog Kai ihn sowieso vom Hocker und beförderte ihn zum Ausgang. Isaac verstand, dass es nachhause ging. In Gedanken sagte er Lebwohl zum Club und der langen Zeit als völliger Normalo.
      Dann waren sie draußen und die kühlte Nachtluft half dabei, dass er nicht mehr ganz so undeutlich sah. Sein Gehirn klärte sich ein bisschen und er sah den Nutzen ein, sich auf eine Bank zu setzen. Dort stützte er die Ellbogen auf den Knien ab, sah dem Boden beim Drehen zu und grinste in sich hinein. Ein ganzer normaler Abend ohne irgendwelche Katastrophen. Ein Abend mit Kai und mit vielen Leuten und niemand hatte ihn auf seinen Geruch angesprochen. Wer weiß, vielleicht war er jetzt wirklich normal? Vielleicht hatte er es geschafft?
      Der Uber kam und Isaac vergaß, worüber er soeben nachgedacht hatte, als der Wagen sich bewegte und sein Magen synchron rebellierte. Isaac stöhnte ein paarmal leidig und versuchte seinen Körper daran zu hindern, ein Körper zu sein. Vorhin ging es ihm noch so gut und jetzt plötzlich nicht mehr? So funktionierte das doch nicht. Er blinzelte mühselig und hielt sich an Kai fest.
      Zuhause taumelten sie aus dem Auto.
      "Zu dir oder zu mir?", fragte Kai und Isaac musste nicht eine Sekunde darüber nachdenken.
      "Zu dir."
      Dort hatte er sich bisher immer am Wohlsten gefühlt und außerdem war Kais Bad sauber. Das war nämlich der einzige Ort, an den er gerade denken konnte.
      Sie quälten sich die Treppe hoch und kamen mit einem klimpernden Schlüssel irgendwie durch die Tür. Isaac ging ein paar Schritte, dann blieb er stehen und fluchte herzhaft.
      "Die Schuhe. Ich hab die Schuhe vergessen."
      Er drehte sich zur Tür um und drehte sich dann weiter, bis er wieder nach vorne blickte.
      "Mir's schlecht..."
      Damit schlurfte er weiter und taumelte durch die Tür, um sich kurz darauf mit Leib und Seele in Kais Toilette zu verewigen. Dabei war er so mit Übergeben beschäftigt, dass er nicht einen Gedanken an das Plätschern seines Mageninhalts verschwendete.
    • Kai schleifte Isaac irgendwie die Treppe hoch. Wie genau, das wusste er nicht. Aber was auch immer er getan hatte, es musste als Workout zählen. Der Mann war nicht nur groß und muskelbepackt. Isaac wog auch ordentlich was.
      Kai hatte gerade genug Zeit, um das Licht anzumachen und seine Tasche in die Ecke zu werfen, bevor Isaac lautstark verkündete, was Kai im Auto schon gesehen hatte: "Mir's schlecht..."
      Kai ging sicher, dass Isaac das Badezimmer fand und die Kloschüssel traf, bevor er den Mann kurz allein ließ, um ihm ein Glas Wasser zu holen. So laut, wie Isaac am Kotzen war, dürfte der gerade sowieso nichts anderes hören. Er schnappte sich auch noch ein paar seiner Sitzkissen und eine leichte Decke, bevor er sich zu Isaac ins Badezimmer gesellte. Er kletterte über den Mann hinweg und öffnete das Fenster schön weit. Dann ließ er sich neben der Toilette auf eines seiner Kissen sinken und wartete, bis Isaac sich nicht weiter übergeben konnte. Während der Mann würgte, rieb er ihm sanft den Rücken - Haare zum Hochhalten hatte er ja keine.
      "Trink," orderte er, als Isaac sich erschöpft gegen den Rand seiner Duschwanne sinken ließ, und reichte ihm das Glas Wasser.
      Als das Glas leer war, signalisierte Kai Isaac, sich die Ohren zuzuhalten. Er spülte ab, dann füllte er das Wasserglas neu. Er reichte Isaac eins der Kissen und die Decke.
      "Gute Nacht," meinte er, als er sich in die leere Wanne setzte, um zu schlafen.

      Am nächsten Morgen war Kai vor Isaac wach. Er kletterte vorsichtig aus der Wanne und über Isaac hinweg, der sich irgendwie zwischen seine Toilette und den Schrank unter dem Waschbecken gefaltet hatte. Bevor er das Bad verließ, bediente sich Kai an seinen Kopfschmerzmitteln.
      "Nächster Punkt", murmelte er leise zu sich selbst, "fettiges Frühstück. Mit Proteinen. Äh... Ah! Bacon'n'Eggs! Mit Käse? Warum eigentlich nicht?"
      Kai hatte Muskelkater von gestern, wie er feststellte, während er durch seine Küche turnte. Kein unangenehmer, aber es ließ ihn wissen, dass er a) mehr Bewegung brauchte, und b) vielleicht doch ein bisschen zu viel getrunken hatte. Ups.


    • Isaac spürte Kais Hand in seinem Rücken, ein Trost in Anbetracht seiner gewaltigen Niederlage. Kümmerlich lag er halb auf dem Toiletten-Sitz und würgte von seinem Ekel. Mittlerweile war ihm gar nicht mehr schlecht wegen dem Alkohol, sondern wegen dem Schlechtsein.
      "Trink", sagte Kai, als Isaac sich genug ausgekotzt hatte, um sich vom rettenden Klo zu trennen. Er kippte das Glas herunter und erschauderte von dem schleimigen Gefühl in seinem Mund. Dann hielt er sich pflichtbewusst die Ohren zu und zählte bis zehn, während im Hintergrund die Spülung rauschte.
      Im Nachhinein war er fix und fertig. Das Kotzen hatte den letzten Rest seiner Energie gezogen und so griff er nur schwach nach dem Bettzeug, das Kai ihm reichte. Sollte er nicht auf der Couch schlafen? Auf der anderen Seite - würde er es überhaupt zur Couch schaffen? Und wenn er sich doch wieder übergeben musste, würde er es auch zurückschaffen?
      So gesehen war das Bad eigentlich keine schlechte Wahl. Er zog die Decke über sich.
      "Gute Nacht", sagte Kai hinter ihm, der in die Wanne stieg. Isaac ließ das Kissen auf den Boden fallen und legte sich einfach dorthin, wo er war.
      "Gute Nacht."
      Er war eingeschlafen, noch ehe er darüber nachdenken konnte, wie unfassbar dicht sie doch beide waren.

      Am Morgen wachte Isaac mit einem schmerzenden Rücken auf, aber der Schmerz rückte bei dem wilden Hämmern in seinem Kopf in den Hintergrund. Er streckte sich ein bisschen und stöhnte, dann blinzelte er gegen eine bunte Zimmerdecke. Wo war er überhaupt? Gott, hatte er sich echt so weggeschossen, dass er nichtmal mehr wusste, wohin er danach gegangen war? ... Er war doch nicht mit diesem einen Mädchen nachhause gegangen?! Wie hieß sie nochmal?
      Er setzte sich auf, stieß sich den Kopf an und fluchte. Dann entdeckte er zwei riesige Paar Augen, nämlich einmal von der Waschmaschine unten und dem Trockner darüber. Da war er sofort erleichtert. Die Chance, dass gleich zwei Leute in der Umgebung ihren Möbeln große googly eyes draufklebten, war dann doch verschwindend gering.
      Kai war schon in der Küche vor einer brutzelnden Pfanne, als Isaac herauskam. Von dem Geruch von Bacon wurde ihm schlecht.
      "Morgen..."
      Er kam herangeschlurft und ließ sich auf einen der Hocker fallen.
      "Bitte sag mir, dass du genauso viel getrunken hast wie ich. Ich glaube, ich muss sterben."
    • Trotz der Tatsache, dass Kai vollkommen erledigt war und ihm durchaus alles wehtat, konnte er sich nicht davon abhalten, ein bisschen mit den Hüften zu wackeln während er Lady Gaga vor sich hin summte.
      "Morgen..." grummelte es hinter ihm und Kai drehte sich mit einem Lächeln im Gesicht und einem Pfannenwender in der Hand zu Isaac um.
      "Morgen!"
      "Bitte sag mir, dass du genauso viel getrunken hast wie ich. Ich glaube, ich muss sterben."
      "Ich hab sogar noch mehr getrunken, aber das war alles Wasser," antwortete Kai bevor er zwei Teller aus dem Regal angelte.
      Er stellte Isaac ein Glas Wasser, ein Glas Orangensaft, und eine Kopfschmerztablette auf den Tresen, dann machte er sich daran, Käse in die Pfanne zu den Eiern zu werfen und den bacon auf die Teller zu stapeln.
      "Ich hab versucht, dich mit Wasser und Brezeln zu füttern, aber ich glaube das war zu wenig und zu spät. Wir hätten vorher echt was essen gehen sollen. Sorry."
      Kai servierte Isaac ein ordentliches Frühstück. Und er würde seinen inneren Drillsergeant auspacken, sollte sich Isaac weigern, etwas zu essen. Und noch viel mehr, sollte er sich weigern, genug zu trinken.
      Kai selbst kletterte mit seinem Teller auf den Tresen und kreuzte die Beine unter sich, bevor er sich seinem Frühstück widmete.
      "Ich glaub, du hast dieser Caitlin das Herz für eine Nacht gebrochen. Die war echt scharf auf dich. Fast schon gruselig, wie sie immer wieder nach dir geangelt hat. Was macht der Nacken?"


    • Isaac stöhnte ein bisschen leidselig vor sich hin, dann stellte Kai ihm Wasser, Orangensaft und Tabletten auf den Tisch. Das hätte er auch machen sollen - gestern mehr trinken. Jetzt strafte ihn das ganze Leben dafür.
      Er nahm eine Tablette und kippte sie mit dem halben Glas Wasser hinunter.
      "Ich hab versucht, dich mit Wasser und Brezeln zu füttern, aber ich glaube das war zu wenig und zu spät. Wir hätten vorher echt was essen gehen sollen. Sorry", sagte Kai.
      "Ja das war nicht durchdacht. Ich war so lange nicht mehr trinken, ich hatte schon ganz vergessen, wie das alles geht."
      Er rieb sich die Augen und seine Fingerspitzen kamen schwärzlich zurück. Shit, der Kajal. Überhaupt ein Wunder, dass er noch dran war.
      Kai servierte ihnen beiden Frühstück und davon nicht wenig. Isaac wusste, dass er essen sollte, aber von dem Geruch wurde ihm schlecht, und von dem Anblick auch und von der Idee von Essen erst recht. Er nahm sich die Gabel und zwang sich dazu, sich wenigstens für die Proteine am Ei zu bedienen. Vor ihm hüpfte Kai kurzerhand auf den Tresen und setzte sich mit seiner "ich lebe mein Leben wie ich will"-Einstellung genau obendrauf. Isaac sah zu ihm auf, was auch mal eine ganz nette Abwechslung war. Sein Nacken fand das jedenfalls ganz gut.
      "Ich glaub, du hast dieser Caitlin das Herz für eine Nacht gebrochen. Die war echt scharf auf dich. Fast schon gruselig, wie sie immer wieder nach dir geangelt hat."
      "Stimmt." Isaac machte große Augen. "Caitlin hieß sie. Gott, ich hab sie geküsst und kann mich nichtmal an ihren Namen erinnern." Er rieb sich das Gesicht. "Furchtbar. Die hält mich bestimmt für einen Aufreißer. Ich hab ihr nicht meine Nummer gegeben, oder?"
      "Was macht der Nacken?"
      "Meh."
      Er setzte sich gerader hin und ließ den Kopf kreisen, einmal ganz herum.
      "War schon besser. Hey, kannst du mir ein paar von deinen Dehnübungen nochmal zeigen? Ich glaube das brauch ich jetzt."
      Er fühlte sich nämlich scheußlich - schlimmer als im Krankenhaus. Und wenn er sowieso schon von dem gestrigen Schweiß stank und in seinen Party-Kleidern hier saß, konnte er das alles genauso gut ein wenig schlimmer machen und sich etwas besser fühlen. Ach, wie sehr er doch den morgendlichen Drill vermisste und das Gefühl hinterher, wach und am Leben zu sein. Momentan fühlte er sich nicht besser als ein Kartoffelsack, dessen Kartoffeln durch ein Loch alle flöten gingen.
    • "Die hält mich bestimmt für einen Aufreißer. Ich hab ihr nicht meine Nummer gegeben, oder?"
      "Ach was. Die war bestimmt nur auf eine nette Nacht nach einem netten Abend aus." Kai faltete eine Scheibe Bacon in seinen Mund. "Ich glaub nicht, dass sie deine Nummer hat. Du warst zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr besonders flink mit den Fingern."
      Er lachte leise und beobachtete, wie Isaac seinen eigene Nackenfunktionsweise testete. Besonders elegant sah es ja nicht aus.
      "Hey, kannst du mir ein paar von deinen Dehnübungen nochmal zeigen? Ich glaube das brauch ich jetzt."
      Kai nickte, den Mund voller Rührei. Er streckte eine Hand aus und befühlte Isaacs Nacken und Schultern ein bisschen, um sich ein Bild von der Katastrophe zu machen. Er selbst würde auch ein bisschen Stretching brauchen nach der Nacht in der Badewanne. Die war zwar bequemer als der Boden seines Badezimmers, aber Fliesen waren eben immer noch Fliesen.
      "Bisschen Stretching, bisschen Yoga, danach spielen wir japanisches Badehaus und schon sind wir wie neugeboren. Vorausgesetzt du isst deinen Bacon, um den ganzen Rest-Alkohol aufzusaugen. Hopp Hopp. Der ist perfekt angebraten und das passiert mir nur alle paar Jahre!"

      Nach dem Frühstück parkte Kai alles an Geschirr erstmal in der Spüle und vergaß es prompt. Dann zog er Isaac auf die Füße - und ignorierte dabei die Tatsache, wie viel Spaß es machte, so einen Giganten einfach so, ohne Widerstand bewegen zu können - und parkte ihn in der Mitte des Raumes. Kai hatte nicht besonders viel Lust auf stehen, also setzte er sich einfach hin - und zog Isaac mit sich auf den Boden. Hier unten zeigte er Isaac eine ordentliche Stretching Routine für den Großteil ihrer geschundenen Körper. Hals, Schultern, unterer Rücken, Hamstings, sowas eben. Sobald sie fertig waren, zwang er Isaac dann auch noch zu ein bisschen Yoga - aber nicht besonders viel, da der Mann nach der letzten Nacht so gar keine Balance mitbrachte. Kai verkniff sich irgendwelche Calesthenics Akrobatik.
      Das Bad bereitete Kai wie beim letzten Mal vor, während Isaac sich eine Pause auf seinem Sofa mit den Kopfhörern verdient hatte.
      "Also wenn deine Therapeutin jetzt noch rummeckert, dann weiß ich auch nicht," meinte Kai, als sich Isaac brav auf den Hocker setzte. "Deine Wohnung ist aufgeräumt, deine Kisten ausgepackt, deine Wäsche gewaschen, und du warst draußen mit Leuten. Das ist bestimmt sechs Monate Therapie-Erfolge in sechs Tagen."
      Kai reichte Isaac die Kopfhörer.
      "Willst du's heute mal selbst versuchen, oder soll ich wieder?" fragte er und deutete auf den Waschlappen, der im Wassereimer auf seinen Einsatz wartete.


    • Isaac dehnte sich und streckte sich und verrenkte sich, bis ihm alles ziepte und wehtat. Dann legte er sich auf den Rücken und existierte einfach nur, während Kai schon wieder aufstand, um das Bad vorzubereiten. Wie hielt der Mann das nur durch? Sie hatten doch gestern mindestens, bestimmt, ähnlich viel getrunken und Kai war schon wieder quicklebendig. Ging er öfters so aus? Isaac wollte ihn danach fragen, brachte aber nicht die Kraft dazu auf, sich hochzustemmen. Später vielleicht.
      In jedem Fall hatte das Dehnen aber geholfen. Sein Nacken war schon nicht mehr so steif wie zuvor und er hatte Muskeln in seinem Körper gespürt, die er schon längst vergessen hatte. Noch eine Sache, die er sich auf die Liste aller Dinge setzen konnte, die er fixen wollte. Vielleicht konnte er ja eine richtige Morgen-Routine bauen, wenn das mit dem Waschen funktionierte.
      "Also wenn deine Therapeutin jetzt noch rummeckert, dann weiß ich auch nicht", sagte Kai, als alles fertig war. "Deine Wohnung ist aufgeräumt, deine Kisten ausgepackt, deine Wäsche gewaschen, und du warst draußen mit Leuten. Das ist bestimmt sechs Monate Therapie-Erfolge in sechs Tagen."
      "Vergiss nicht das Duschen. Oder was ähnliches zumindest. Ich bin fast schon wieder normal, stell dir das mal vor."
      Er lächelte für Kai, der ihm die Kopfhörer gab. Das war wirklich eine tolle Erkenntnis.
      "Willst du's heute mal selbst versuchen, oder soll ich wieder?"
      "Ich will. Ich kann immerhin nicht immer zu dir kommen zum Waschen."
      Auch wenn mit Kai alles viel besser war. Aber Isaac durfte jetzt nicht abhängig werden, nur weil er ein paar Fortschritte erzielt hatte. Das wäre bestimmt auch etwas, was Dr. Harver ihm sagen würde.
      Letzten Endes konnte er sich aber tatsächlich waschen. Das Abschrubben war leicht und obwohl er ein paar Tropfen fallen sah, kam nichts durch die Kopfhörer durch. Nur mit dem Eimer war er vorsichtig, ganz besonders, wenn er den Lappen eintauchte. Seine Haut prickelte schon, wenn er sich das Schwappen vorstellte, das er dadurch verursachen musste - völlig lächerlich, überhaupt darüber nachzudenken, aber er konnte nicht anders. Zum Glück hatte er aber keinen Zeitdruck und Kai war sowieso niemand, der ihn für seine Langsamkeit verurteilen würde. Er ließ sich Zeit und wusch sich zum ersten Mal so lange, bis er sich sauber fühlte. Nicht etwa, bis ihm die Energie ausging.
      Danach zog er seine Partysachen zwar wieder an, aber die würde er Zuhause sowieso wechseln. Zuhause, in der Wohnung, die nicht mehr unordentlich war. Wo er die Sachen auch gleich waschen konnte, weil seine Waschmaschine funktionierte.
      Zufrieden mit sich, mit der Welt und mit allem drum und dran, setzte er sich zurück auf die Couch.
      "Kai, meinst du, ich krieg das Bad auch Zuhause hin? Waschen ist kein Problem, aber den Eimer auffüllen, das schaff ich nicht. Hat deine Kreativität auch dafür eine Lösung?"
    • Nachdem Isaac mit seiner Katzenwäsche fertig war, duschte Kai in Windeseile, bevor er sich zu dem Mann auf die Couch gesellte. Er nestelte an seinen Haaren herum, um sie genug in den Griff zu kriegen, um sie wieder zu flechten, sobald sie trocken genug waren.
      "Kai, meinst du, ich krieg das Bad auch Zuhause hin? Waschen ist kein Problem, aber den Eimer auffüllen, das schaff ich nicht. Hat deine Kreativität auch dafür eine Lösung?"
      "Hm... gute Frage. Spontan fällt mir da nichts ein, aber mein Hirn läuft gerade nur auf halber Kraft, also gib mir mal ein, zwei Tage. Vielleicht fällt mir was ein. Ich glaube, der Trick liegt darin, den Wasserhahn unter Wasser zu haben. Dann hörst du die Wassergeräusch nicht und es schwappt nicht so viel. Duschkopf abnehmen und in den Eimer halten ist nah dran, aber nicht perfekt, bis der Eimer sich nicht ein bisschen gefüllt hat."
      Kai kämmte sich mit den Fingern gedankenlos durch die Haare. Er blieb an gleich mehreren Knoten hängen. Autsch.
      Er gab seinen Kampf mit seiner Mähne auf und kramte zwei Scrunchies aus einer alten Schuhbox unter dem Couchtisch hervor. Mit flinken Fingern teilte er seine Haare in einen Mittelscheitel, dann wickelte er sie auf - einmal rechts, einmal links - und fixierte sie mit den Scrunchies. Und schon hatte er perfekte Fun Buns. Das war fast so einfach wie einen Buzzcut zu haben.
      "Was macht der Nacken?" fragte er und legte seine Hände auf Isaacs Schultern. Er drückte leicht an ihnen herum.