The Art of Survival [Codren feat. Pumi]

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    • Kais erste Reaktion war zu lachen und voller Enthusiasmus zu klatschen, wobei er ein wenig auf der Stelle tänzelte. Isaac war schnell viel mehr von dem Mann als von dem Licht fasziniert und sah zu, wie Kai mit glitzernden Augen zu der neuen Deko empor schaute. Das Licht tauchte ihn in einen himmlischen Farbton und zeichnete attraktive Schatten auf sein Gesicht. Isaac gaffte plötzlich, nicht mehr daran denkend, wie schön das Licht den Raum machte, sondern wie schön es Kai machte. Und das ganz besonders deswegen, weil er strahlte wie ein Honigkuchenpferd.
      "Danke danke danke!"
      Kai kam herangehüpft und schlang ohne weiteres den Arm um ihn. Isaac zuckte kurz, dann legte er vorsichtig den Arm Kais Schulter. So standen sie da und schauten sich wie zwei Volltrottel Wandbeleuchtung an.
      Aber zwei glückliche Volltrottel.
      "Das müssen wir richtig einweihen. Was hältst du von Horrorfilmen?"
      Isaac sah zu Kai und wackelte einmal mit den Augenbrauen.
    • "Das müssen wir richtig einweihen. Was hältst du von Horrorfilmen?"
      "Ich hätte jetzt eher an irgendeine schnulzige Romanze gedacht," gab Kai zurück.
      Dann drückte er sein Gesicht gegen Isaacs Brust - Mann, mit diesen Muskeln könnte man Wände einreißen! - damit der nicht sah, wie er ein wenig errötete.
      "Das klingt jetzt total klischee, aber... Horrorfilme erschrecken mich tatsächlich. Du darfst also nicht lachen, wenn ich wie ein Kleinkind rumkreische, okay?!"
      Kai hatte sich noch nie einen Horrorfilm allein ansehen können. Und in Gruppen fanden es dann immer alle furchtbar lustig, dass er sich tatsächlich vor den Monstern erschreckte. Es suchte ihn nicht in seinen Träumen heim, so war das nicht. Aber Kai war nun einmal schreckhaft! Und er gruselte sich leicht.
      Kai machte einen Schritt zurück und drückte einen Finger geradezu testend gegen Isaacs steinharten Waschbrettbauch.
      "Immerhin hab ich mir einen menschlichen Betonblock als Schutz gegen die ganzen Monster geangelt," meinte er geradezu sachlich. "Die Magie hinter deinen Muskeln versteh mal einer. Du warst 'ne Woche im Krankenhaus und damit kann man immer noch Fenster einwerfen."
      Er schüttelte den Kopf. Das war doch alles unfair.
      "Naja. Wenigstens bist du bequem geformt. Apropos: Ich geh mir schnell was bequemes anziehen."
      Kai warf Isaac die Fernbedienung zu, dann verschwand er in seinem Schlafzimmer, um sein T-Shirt und seine Cargohosen durch ein größeres, ausgewascheneres T-Shirt und ein paar Jogging-Shorts zu ersetzen. Er schnappte sich noch ein paar seiner viel zu vielen Kissen, damit sie es sich im Wohnzimmer bequem machen konnten.
      "Und? Was gucken wir?" fragte er, als er wieder zurückgewatschelt kam.


    • Kai drehte sich und dann drückte er das Gesicht gegen Isaacs Brust. Er sah hinab auf seinen dunklen, wirren Haarschopf, den Arm noch immer locker um seine Schulter gelegt.
      "Das klingt jetzt total klischee, aber... Horrorfilme erschrecken mich tatsächlich."
      "Wirklich?" Isaac musste schmunzeln.
      "Du darfst also nicht lachen, wenn ich wie ein Kleinkind rumkreische, okay?!"
      "Oh okay." Er wischte sich das Schmunzeln sofort wieder aus dem Gesicht, aber ein bisschen blieb es ihm dann doch hängen. "Dann machen wir das erst recht. Das ist viel besser als eine schnulzige Romanze. Du wirst die Lichter ganz anders verinnerlichen."
      Die Idee war ihm spontan gekommen, aber jetzt fand er sie sogar ganz witzig. Sie hatten Science Fiction angeschaut, sie hatten einen Western angeschaut, jetzt war Horror fällig. Das war ja wohl nur die natürliche Reihenfolge der Dinge.
      Kai trat einen Schritt zurück und piekste ihn in den Bauch. Isaac zuckte; dort war er kitzlig.
      "Immerhin hab ich mir einen menschlichen Betonblock als Schutz gegen die ganzen Monster geangelt."
      "Ach wirklich? Wo steht der denn?"
      "Die Magie hinter deinen Muskeln versteh mal einer. Du warst 'ne Woche im Krankenhaus und damit kann man immer noch Fenster einwerfen."
      Isaac sah an sich hinab, auf seinen vom Shirt verdeckten Bauch. Ganz so sehr stimmte es nicht, er hatte seit seiner Entlassung aus dem Dienst bereits drastisch abgenommen und Muskeln hatte er auch verloren. Das war in der vergangenen Woche auch nicht besser geworden, sondern eher noch sehr viel schlechter. Aber er schätzte, dass man es nicht gut sehen konnte; dahinter standen immerhin fünf weitere Jahre Training. Die waren mit einem Jahr Auszeit nicht so leicht verloren.
      Trotzdem wurde ihm von dem Kompliment warm. Er lächelte ein bisschen, weil Kai sich die Mühe machte.
      "Früher war es mehr. Ich habe Fett verloren, da sind die Muskeln auch zurückgegangen."
      "Naja. Wenigstens bist du bequem geformt. Apropos: Ich geh mir schnell was bequemes anziehen."
      Damit drehte Kai um und verschwand im Schlafzimmer. Isaac ging zurück zur Couch und setzte sich, wobei er immernoch darüber nachdachte, dass Kai seine Muskeln gefielen. ... Er flirtete doch nicht mit ihm, oder? Nein, sicher nicht. Er nahm sich die Fernbedienung und scrollte.
      "Und? Was gucken wir?"
      Kai kam zurück und pflanzte sich neben ihm auf die Couch, gekleidet in ein lockeres Shirt und eine lockere Jogginghose. Der lässige Look stand ihm.
      "Conjuring. Das ist ein Klassiker. Und dein menschlicher Betonblock kann dich vor dem Dämon beschützen."
      Er stellte die Schüsseln zwischen ihnen auf und machte es sich dann bequem. Spätestens jetzt waren alle Sorgen von draußen vergessen und sie waren zurück bei einem Filmabend gelandet. Isaac begann so langsam, diese Abende zu lieben.
      Der Film startete mit seiner ominösen Musik und verwandelte das beschauliche Licht tatsächlich in ein düsteres Leuchten, das sich ganz hervorragend an den Film anpasste. Ja, mit einer Romanze wäre das hier sicher sehr gemütlich geworden, aber mit einem Horrorfilm wurde es jetzt sehr gruselig. Was so ein paar Lichterketten nicht alles anstellen konnten.
      Isaac selbst lehnte sich zurück und ließ sich den Film gefallen. So schreckhaft war er nicht und neben dem Gefühl, das er beim Regen entwickelte, fühlte sich alles andere sowieso viel zu unspektakulär an. Manchmal zuckte er aber trotzdem zusammen; es waren immerhin gute Jumpscares dabei.
    • Der Film fing harmlos genug an: Eine Familie zieht in ein neues Haus, die Kids haben Spaß, bla bla bla. Und dann begannen die seltsamen Spiele. Kai merkte ganz genau, wann die Stimmung im Film kippte und stellte vorsichtshalber das Tablett mit den - nun halb leer gefutterten - Snackschalen auf den Couchtisch. Keine Minute später zuckte er zusammen, quietschte dabei ein bisschen, und klammerte sich an Isaac. Bei der Kellerszene versuchte er dann schon, sich hinter den breiten Schultern des Mannes zu verstecken.
      Er faltete sich zwischen die Rückenlehne seines Sofas und Isaacs Arm, den er sowohl mit den Armen, als auch mit den Beinen umschlang. Sein Gesicht drückte er immer wieder gegen Isaacs Schulter. Aber so, wie das mit Horrorfilmen nun einmal üblich war, konnte Kai einfach nicht weggucken. Er starrte den Fernseher mit großen Augen an, während er sich halb hinter Isaac verstecke.
      Sobald der Horror des Horrorfilms einsetzte, verstummten Kais Kommentare allerdings. Er konnte sich einfach nicht auf solche Dinge wie Set-Design oder seltsamen Dialog konzentrieren, während eine dämonische Figur auf dem Schrank der Kinder saß.
      Erst, als Ed Warren mit der Gitarre im Wohnzimmer saß, um die Familie zu beruhigen, da entspannte sich Kai wieder ein bisschen. Mit Musik konnte er was anfangen und Patrick Wilson hatte eine wundervolle Stimme. Darauf konnte sich Kai konzentrieren. Und dann flogen die Bilder im Treppenhaus durch die Gegend und schon sprang Kai auf Isaacs Schoß und versteckte sein Gesicht an dessen Brust.
      "Sag, wenn's nicht mehr gruselig ist," bat er.
      Ihm war bewusst, wie dumm das war, und im Nachhinein würde er auch darüber lachen können, aber jetzt gerade hämmerte sich sein Herz ein Loch durch seine Rippen.


    • Kai machte wirklich Geräusche, wenn er sich erschreckte, und ja, es war schon ein wenig lustig. Dann erzitterte nämlich die ganze Couch und er gab dabei einen überraschend hohen Ton von sich, bei dem Isaac sich fragte, ob er wohl gut singen konnte. Er machte aber eine neutrale Miene und lachte ihn dafür nicht aus, so, wie er es versprochen hatte.
      Manchmal traf ihn der Jumpscare selbst unerwartet und er fuhr zusammen, aber nachdem Kai seinen Arm umklammerte und sich hinter seinem Rücken versteckte - es war schon niedlich - riss er sich mehr zusammen. Dann rührte er sich fast gar nicht mehr, wenn die ganz besonders dunklen Szenen kamen, auch wenn ihm das Herz dabei selbst in der Brust zersprang. Ihm gefiel es viel zu sehr, wie Kai bei ihm Schutz suchte, um es ihm zu zerstören. Ja, vielleicht war das Macho-Gehabe, aber für den Moment war ihm das herzlich egal. Ganz sicher sogar, wenn Kai sich mit dem ganzen Körper an seinen Arm drückte.
      Dann kam es zum Höhepunkt und nachdem Kai sich einigermaßen entspannt hatte, gab er jetzt Isaacs Rückendeckung auf und sprang ihm ganzkörperlich auf den Schoß. Überrascht zog Isaac die Arme weg und sah auf den Mann hinab, der ängstlich das Gesicht gegen seine Brust drückte.
      "Sag, wenn's nicht mehr gruselig ist", nuschelte er gegen sein Shirt und Isaac konnte einfach nicht das Kichern verhindern, das ihm dabei herausrutschte. Er konnte dabei überhaupt nicht mehr auf das Geschrei, Gepolter und die dissonante Musik aus dem Fernseher achten.
      "'Tschuldigung."
      Er legte die Arme um Kai, erst ein bisschen zögerlich, um ihn mit seinem Gestank nicht zu überrollen, dann fester, nachdem der Film wirklich gruselig war und er doch nicht so tough war, wie er sich hier ausgab. Alle paar Sekunden sah er trotzdem auf Kai hinab und schwelgte in dem steigend schönen Gefühl, den Mann auf seinem Schoß zu haben. Nicht sexuell - das hätte Isaac ganz andere Probleme beschert - sondern warm und so vertrauensvoll. Es gefiel ihm und er war auch ein bisschen gierig danach, wodurch er Kai noch ein bisschen fester an sich drückte. Zaghaft streichelte er ihm die Schulter.
      "Ist noch ziemlich gruselig."
      Fairerweise hatte er gar nicht mehr richtig aufgepasst. Sie hatten irgendeinen Exorzismus gemacht und dann irgendwie doch nicht. Es herrschte Chaos.
      Isaac streichelte Kai weiter, bis der Dämon doch gebannt wurde und klar wurde, dass der ganze Horror vorüber war. Da er aber unwillig und ziemlich selbstsüchtig war, machte er keine Anstalten, Kai aus seinen Armen zu lassen.
      "Ist immernoch ziemlich gruselig, wenn du mich fragst."
    • Allein das ganze Gepolter und Gekreische im Hintergrund zu hören reichte aus, um Kai fest auf seinem neuen Sitzplatz zu verankern, wo er absolut nichts zu fürchten hatte. Isaac hielt ihn fest und beschützte ihn vor dem Fernseh-Dämon. Das war perfekt. Da konnte er ihm auch das kleine Kichern vergeben. Seine Reaktionen waren ja auch irgendwie lustig. Und Isaac lachte eindeutig mit ihm, nicht über ihn.
      "Ist immer noch ziemlich gruselig, wenn du mich fragst," meinte Isaac, selbst nachdem es eindeutig war, dass der Film vorbei war.
      "Credits sind echt angsteinflößend, da stimme ich dir zu," scherzte Kai.
      Er hob den Kopf und legte ihn auf Isaacs Schulter ab.
      "Hmm," brummte er zufrieden. "Bequem.
      Isaac machte Anstalten, mit seinen kleinen Streicheleinheiten aufzuhören. Das unterband Kai ganz schnell, indem er Isaacs Hand wieder auf seinen Rücken legte - gelenkig genug war er dafür.
      "Gibt's nicht noch mehr Filme im Conjuring Universum, die wir gucken könnten? Und bei uns meine ich dich, weil ich werd mich nur wieder hinter oder auf dir verstecken."


    • "Credits sind das schlimmste", beteuerte Isaac. "Ich mach mir hier fast in die Hose. So schlimm."
      Kai entfaltete sich aber zumindest aus seiner defensiven Haltung und legte den Kopf auf Isaacs Schulter ab. Jetzt schien er ihm sogar noch viel näher mit seinem warmen Atem, der Isaac am Kinn kitzelte. Es schien ihm wie eine intime Geste und machte ihn ganz kribbelig. Angestrengt sah er sich die Credits an. John Brotherton, ahja, sehr interessant.
      "Hmm", machte Kai an ihm. "Bequem."
      Isaac lugte möglichst unauffällig auf Kai hinab. Das sanfte Licht betonte seine Wangenknochen noch immer und die Schärfe seines Kiefers. Wie sich wohl seine Haut anfühlte? Genauso weich, wie sie aussah?
      Gott, nein. Nicht wieder damit anfangen. Kai war tabu, er wollte ihn schließlich nicht vergraulen. Er wollte die Freundschaft nicht kaputt machen, die sie hier entwickelten, auf keinen Fall. Er ließ Kai los, damit er von seinem Schoß rutschen konnte, aber Kai hatte ganz andere Pläne und zog seine Arme zurück.
      "Gibt's nicht noch mehr Filme im Conjuring Universum, die wir gucken könnten? Und bei uns meine ich dich, weil ich werd mich nur wieder hinter oder auf dir verstecken."
      Isaac schnaubte. Okay, keine Freundschaft kaputt machen, aber kuscheln sollte in Ordnung sein.
      "Ein Conjuring 2 gibt's doch auch noch, nicht? Wo ist die... ah."
      Die Fernbedienung lag auf dem Tisch.
      "Kannst du mal... nein, passt schon."
      Er beugte sich nach vorne, presste Kai an sich, um seine wertvolle Fracht nicht zu verlieren, und streckte sich zur Fernbedienung aus. Er bekam sie mit den Fingerspitzen zu fassen und zog sie heran, bevor er sich wieder zurückfallen ließ.
      "... Ja, da. Conjuring 2. Willst du hinsehen, wenn der Titel kommt? Der ist ganz sicher wenigstens nur ein bisschen gruselig."
      Er legte die Fernbedienung weg und nahm Kai wieder in seine Arme. Es war wirklich bequem, da musste er zustimmen; Kais Gewicht erdete ihn und seine ausstrahlende Wärme war sehr angenehm. Irgendwann musste er sich hinlegen, weil ihm der Hintern wehtat, aber sie arrangierten sich, bis Isaac unten lag und Kai es sich auf seiner Brust bequem gemacht hatte. Die Couch war nicht lang genug für seine Beine, aber eins winkelte er an und das andere ließ er runter hängen. So war es sogar bequem genug, dass er Kai wie ein Kuscheltier an sich zog.
    • "Ein Conjuring 2 gibt's doch auch noch, nicht? Wo ist die... ah. Kannst du mal... nein, passt schon."
      Kai schlang seine Arme und Beine um Isaac wie ein Klammeräffchen, als sich der Riese zu bewegen begann. Was auch immer er tat, es schien zu funktionieren und Isaac setzte sich wieder richtig hin. Kai ließ ihn los, rührte sich aber sonst nicht weiter.
      "Ja, da. Conjuring 2. Willst du hinsehen, wenn der Titel kommt? Der ist ganz sicher wenigstens nur ein bisschen gruselig."
      "Hach, na gut."
      Kai rutschte ein bisschen zur Seite, sodass er jetzt wie eine Prinzessin auf Isaacs Schoß saß. Isaac startete den Film und Kai schaffte es tatsächlich durch die Titelsequenz. Natürlich gab er sich Mühe, den Film auch tatsächlich zu gucken. Aber jetzt, wo er Isaac endlich so nahe sein konnte, da übernahm seine Vorliebe für Körperkontakt und er ließ den Mann nicht mehr aus seinen Fängen. Isaac schien dankenderweise nichts dagegen zu haben. Selbst nachdem er seine Position änderte, zog er Kai gleich wieder in seine Arme. Und Kai genoss das in vollen Zügen.

      Der zweite Film war weniger schlimm als der erste, aber er hatte trotzdem ein paar Momente, in denen sich Kai lieber mit der Struktur von Isaacs Shirt auseinandersetzte. Als der Film rum war, musste Kai dann aber doch auch mal aufstehen und seine Muskeln strecken.
      "Du solltest das auch machen," meinte Kai, als er gerade seinen Nacken streckte. "Deine steinharten Backsteinmuskeln würden es dir bestimmt danken."
      Er nahm Isaac bei den Händen und zog ihn auf die Füße.
      "Na komm. Zumindest mal deinen Knackarsch."
      Die Beine durchgestreckt ließ sich Kai nach vorn fallen und drückte seine Hände flach gegen den Fußboden. Für ihn war das kein Problem und er begrüßte das Ziehen in seinen Oberschenkeln.
      "Red dich nicht raus, ich weiß dass du dafür nicht zu groß sein kannst - nur zu ungelenkig."


    • Nach dem zweiten Film stand Kai auf und Isaac musste sich erstmal strecken. Seine ganzen Gelenke knackten und er stöhnte leidig, blieb aber liegen, wo er war. Nicht so wie Kai, der seinen ganzen Oberkörper verrenkte, um sich zu strecken.
      "Du solltest das auch machen. Deine steinharten Backsteinmuskeln würden es dir bestimmt danken."
      "Die sind nicht hart, sondern sehnig. Unterernährt."
      Er kratzte sich am Bauch, wo es jetzt ohne Kai unangenehm kühl wurde, doch der andere ergriff seine Hand und zog ihn auf die Füße.
      "Na komm. Zumindest mal deinen Knackarsch."
      "Du kennst ihn doch gar nicht."
      Er sah zu, wie Kai vorne über klappte und dann seine beiden Hände flach auf den Boden drückte. Wow, so weit wäre er in seiner besten Form nie gekommen. Kai machte bestimmt Yoga.
      "So weit komm ich nicht, bestimmt nicht. Du bist ja auch viel näher dran. Am Boden."
      "Red dich nicht raus, ich weiß dass du dafür nicht zu groß sein kannst - nur zu ungelenkig."
      "Hast du mal meine Beine gesehen?"
      Er redete sich aber nicht weiter raus, sondern beugte sich vornüber und versuchte, nach unten zu kommen. Er kam kein bisschen zum Boden, geschweige denn überhaupt zu seinen Zehenspitzen; alles zog und schmerzte und war unangenehm. Das war aber auch für ihn eine Überraschung - so ungelenk hatte er sich auch noch nicht erlebt. Aber klar, nach etwa vier Monaten nur im Bett, auf dem Sofa und auf dem Boden herumliegen, was sollte da schon groß daraus werden? Ächzend richtete er sich wieder auf und streckte den Rücken durch.
      "Das ist genug. Mehr als genug. Den Rest kannst du ruhig alleine machen, ich guck zu."
      Damit ließ er sich wieder auf die Couch fallen.
    • Neben sich hörte Kai Isaac ächzen und stöhnen. Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
      "Das ist genug. Mehr als genug. Den Rest kannst du ruhig alleine machen, ich guck zu."
      Zugucken wollte der Mann also? Dann sollte Kai ihm wohl auch eine Show bieten, was?
      "Nur damit du's weißt: Ich setz das auf die Liste," meinte Kai, dann stieß er sich mit den Füßen vom Boden ab und hievte sich in einen Handstand.
      Das hatte er schon eine Weile nicht mehr gemacht und seine Schultern beschwerten sich sofort. Aber das spornte ihn nur weiter an. Kai drehte seinen Körper ein bisschen und ließ seine Beine in einen Spagat sinken. Dann verlagerte er sein Gewicht auf seinen rechten Arm und hob den linken, sodass er nun alle Gliedmaßen von sich streckte und nur auf einer Hand balancierte. Sein Handgelenk, sein Ellenbogen, seine Schulter, alles schrie ihn an, das hier zu beenden, aber Kai hielt die Pose für zwanzig Sekunden. Dann senkte er seine Hand wieder vorsichtig ab, verlagerte sein Gewicht erneut. Er nahm seine Beine wieder zusammen und dann änderte er den Winkel bis er beinahe parallel zum Boden war, ohne dass seine nackten Füße den Boden berührten. Das hielt er auch einen Moment, bevor er die Beine wieder spreizte und sie nach vorn holte wie ein Cheerleader. Und dann ließ er sich ganz unzeremoniell auf seinen Hintern plumpsen.
      "Wow! Dass ich dass noch so kann!" lachte er.
      Er lehnte sich zur Seite und hielt sich mit beiden Händen an seinem linken Fuß fest.
      "Calisthenics hab ich jetzt echt schon eine Weile nicht mehr gemacht."
      Er richtete sich wieder auf, dann griff er nach seinem rechten Fuß. Er griff nur mit einer Hand danach, damit er sich Isaac auf dem Sofa zuwenden konnte.
      "Und?" fragte er aus dieser gefalteten Position heraus. "Besser oder schlechter als Conjuring?"


    • "Was denn für eine List - woah."
      Isaac machte sofort den Mund zu, als Kai sich mir nichts dir nichts in einen Handstand beförderte. Einen ziemlich ordentlichen noch dazu und auch ohne mit dem Couchtisch zusammen zu prallen. Ein bisschen war Isaac schon zusammengezuckt, um den Mann vor einem Unfall zu bewahren, aber das musste er gar nicht. Kai legte auch noch einen drauf und spreizte sich langsam in eine Spagat.
      "Wow."
      Isaac rollte sich auf die Seite und stützte den Kopf mit der Hand ab. Kai ging jetzt dazu über, sein Gewicht auf einen einzelnen Arm zu verlagern und den anderen wegzustrecken. Wie eine Zirkusnummer, die Isaac ernsthaft beeindruckte. Sowas hätte er ganz sicher nicht gekonnt.
      "Toll! Wie lange kannst du das halten?"
      Lange, wie es sich herausstellte. Kai gab ihm keine Antwort - dafür strengte er sich vermutlich zu sehr an - aber Isaac zählte im Kopf mit. Zwanzig Sekunden lang, dann senkte er sich langsam wieder ab, wobei in seinem Arm ein attraktives Muskelspiel zu beobachten war. So schlank, wie der Mann auch war, hatte er an seinen Muskeln nicht gespart. Sie kamen jetzt erst recht zur Geltung und Isaac beobachtete fasziniert, wie er sich weiter absenkte. Als er parallel zum Boden in der Luft hing, zitterte sein Körper etwas und an seiner Hand traten die Venen hervor. Isaac vergaß vor lauter Faszination glatt, seine Bewunderung auszudrücken. Er setzte sich auf und klatschte, da holte Kai auch schon seine Beine nach vorne und ließ sich den Rest des Weges auf den Hintern fallen.
      "Wow! Dass ich das noch so kann!"
      "Wie? Willst du mir etwa sagen, das hast du nicht geübt?"
      "Calisthenics hab ich jetzt echt schon eine Weile nicht mehr gemacht."
      Das beeindruckte Isaac gleich noch viel mehr. Er gab ein entsprechendes Pfeifen von sich, bei dem Kai sich ihm zuwandte.
      "Und? Besser oder schlechter als Conjuring?"
      "Das kannst du gar nicht vergleichen. Bei Conjuring gibt es Dämonen."
      Er rollte sich zurück auf den Rücken, legte eine Hand unter den Kopf und die andere auf den Bauch.
      "Und bei Conjuring musstest du schreien. Hier nicht. Dafür fand ich deine Figuren interessanter als den Plot."
      Interessant traf es eigentlich nicht gerade - eher anziehend. Aber er lächelte nur.
      "Wo hast du das gelernt?"
    • "Dämonen sagst du? So ungefähr?"
      Kai ließ seine Stretches sein und legte sich auf den Rücken, nur um gleiche eine Brücke zu schlagen und sich dann wie eine Spinne Isaac zuzudrehen.
      "Boo!" kicherte er.
      "Wo hast du das gelernt?" fragte Isaac.
      "Hier und da," antwortete Kai.
      Er ließ sich wieder auf den Boden sinken und setzte sich wieder auf.
      "Calisthenics selbst hab ich in Chicago auf dem College angefangen. Zwischen den ganzen Kursen, in denen ich hauptsächlich rumgesessen habe, brauchte ich irgendwas, um in Bewegung zu bleiben. Mein Mitbewohner hat vorgeschlagen, dass wir uns durch das Sportprogramm fressen, bis wir was finden. Calisthenics war einer der Kurse, den ich gut fand - und ich konnte es in meinem viel zu kleinen Zimmer machen oder wenn ich unterwegs war, also war es genau richtig. Hat auch mit meinem Handgelenk geholfen."
      Besagtes kaputtes Handgelenk schüttelte Kai jetzt aus - ohne richtige Vorbereitung mit so langer Pause war es wahrscheinlich keine gute Idee gewesen, gleich so viel Druck darauf auszuüben. Er würde es später einfach tapen, dann ging das bestimmt schon.
      "Du hast nach der Liste gefragt: Neben unserem Schlachtplan gibt es noch eine andere, geheimere Liste, voller Dinge, die ich dir antun werde, damit es dir besser geht. Und so ungelenk wie du dich gerade angestellt hast, kommt da eine ordentliche Dehnungsroutine drauf. Ich weiß, dass ich ziemlich faltbar bin, aber Finger auf den Boden sollte das Minimum sein. Du hast keine Entschuldigung dafür, dich wie ein Opa zu bewegen, wenn du keiner bist. Dein Rücken wird's dir danken."


    • Isaac schüttelte sich sichtbar.
      "Boo!"
      "Ekelhaft. Lass das lieber."
      Kai kicherte und setzte sich wieder normal hin. Für das Kichern hätte Isaac es gleich nochmal gemacht.
      Er hörte zu, wie Kai von seiner College-Sportunternehmung erzählte. Er konnte ihn sich als ziemlich coolen Studenten vorstellen, jemanden, den man für alles animieren konnte. Auch für Calisthenics. An das Handgelenk erinnerte er sich auch gleich und sah darauf hinab. Wahrscheinlich war die ganze Nummer auf einem Arm nicht so gut für das Handgelenk gewesen und Kai schüttelte es auch aus. Isaac runzelte die Stirn; er sollte besser auf seinen Körper aufpassen.
      "Du hast nach der Liste gefragt: Neben unserem Schlachtplan gibt es noch eine andere, geheimere Liste, voller Dinge, die ich dir antun werde, damit es dir besser geht", sagte Kai.
      "Das hört sich schlimm an", sagte Isaac skeptisch. "Dinge, die du mir antun wirst? Muss ich mir Sorgen machen?"
      "So ungelenk wie du dich gerade angestellt hast, kommt da eine ordentliche Dehnungsroutine drauf."
      Isaac ließ die Luft aus seinem Mund entweichen. Sowas also.
      "Ich weiß, dass ich ziemlich faltbar bin, aber Finger auf den Boden sollte das Minimum sein. Du hast keine Entschuldigung dafür, dich wie ein Opa zu bewegen, wenn du keiner bist. Dein Rücken wird's dir danken."
      "Meinem Rücken geht's gut. Und ich will keinen Sport betreiben, dann schwitz ich nur alles voll."
      Er stutzte.
      "... Okay, ich kann es ja jetzt waschen, aber mich vielleicht nicht. Ich will nicht noch mehr stinken als sonst."
    • "Meinem Rücken geht's gut. Und ich will keinen Sport betreiben, dann schwitz ich nur alles voll... Okay, ich kann es ja jetzt waschen, aber mich vielleicht nicht. Ich will nicht noch mehr stinken als sonst."
      "Ich glaube, dein Rücken hat da eine ganz eigene Meinung. Das ist auch noch sowas, was auf meiner super geheimen Folterliste steht. Aber das kann fürs erste warten. Viel wichtiger ist die Frage, was wir heute Abend essen wollen. Ideen? Oder machen wir einfach Pizza wie letztes Mal?"
      Kai hatte tatsächlich so einige Pläne, die alle im Halbdunkel seines Schlafzimmer entstanden waren. Was sollte er auch sonst nach einem langen Tag im Krankenhaus machen? Listen halfen ihm immer dabei, den Kopf frei zu bekommen. Also hatte Kai eine - oder sieben - davon gemacht. Und jetzt hatte er seinen ganzen Urlaub Zeit, so viel davon abzuarbeiten, wie möglich. Was ganz von Isaac abhing, natürlich.


    • "Das ist auch noch sowas, was auf meiner super geheimen Folterliste steht."
      Isaac fand langsam Gefallen an dem Gedanken, die super geheime Folterliste brennen zu sehen.
      "Aber das kann fürs erste warten. Viel wichtiger ist die Frage, was wir heute Abend essen wollen. Ideen? Oder machen wir einfach Pizza wie letztes Mal?"
      "Also eigentlich..." Isaac sah auf die leeren Snackschüsseln hinab. "So viel Hunger hab ich nicht. Das passt schon."
      Immerhin war da Käse dabei gewesen und Obst und Gurken und Tomaten und sowas, das entsprach ja schon fast einem eigenen Abendessen. Und noch dazu hatte er das Frühstück im Krankenhaus gehabt, so wie das Essen der letzten Tage. Er fühlte sich also genährt genug, um jetzt einfach mal nicht über Essen nachzudenken.
      "Aber mach du, was du willst."
    • "Mach ich doch sowieso," gab Kai einfach nur zurück.
      Am Ende bestellte er Chinesisch - für sie beide. Wie auch schon die Pizza bei ihrer letzten Übernachtungsparty teilten sie sich alles, was so auf dem Tisch stand. Die Reste wanderten einfach in den Kühlschrank - die würden schon noch Verwendung finden, wenn sie morgen unweigerlich vergaßen, dass sowas wie ein Mittagessen eigentlich ganz nice war.
      Sie schauten noch einen Film, aber dieses Mal konnte Kai einem weiteren Exorzismus entgehen, indem sie einfach wahllos durch das online Angebot scrollten, bis sie etwas passendes fanden: irgendeinen Action Thriller, der herrlich schlecht geschrieben war und demnach viel Gesprächsstoff ergab.
      Später dann, als sowohl Kai also auch Isaac dazu übergegangen waren, sich mit Gähnern auf walisch zu unterhalten, wie zwei Fische aus Findet Nemo, beschlossen sie gemeinsam, dass es Zeit war, ins Bett zu gehen. Isaac machte es sich schon auf der Couch bequem, als Kai nur stirnrunzelnd den Kopf schüttelte.
      "Du glaubst doch wohl nicht im ernst, dass ich dich auf der zu kleinen Couch schlafen lasse," meinte er. "Hab ich dir nicht vor zwei Stunden noch einen Vortrag darüber gehalten, dass ich deinen Rücken in Ordnung bringen will?"
      Kai klaute Isaac die Kopfkissen und die Bettdecke und trug alles in sein Schlafzimmer. Als Isaac ihm auch nach mehreren Minuten noch nicht gefolgt war, schnaufte er und ging zurück, packte Isaac an der Hand, und zerrte auch ihn mit ins Schlafzimmer, wo er ihn ganz uncharmant auf das Bett schubste, bevor er selbst hinein sprang. Dass es groß genug für ihn und Mr. Riese war, wussten sie ja schon.
      Kai machte es sich bequem zwischen all seinen Kissen und krabbelte dann unter seine Gewichtsdecke.
      "Wag es ja nicht, dich raus auf meine Couch zu schleichen, sobald ich eingeschlafen bin," drohte er Isaac noch, bevor er das Licht ausmachte.


    • Isaac hatte ein ganzes, gewaltiges Arsenal zur Verfügung aus Gründen, weshalb er ganz sicher nirgendwo anders schlafen würde als die Couch; etwa, dass er zu Gast war, dass die Couch ausreichte, dass er schlimmeres gewohnt war, dass er die Privatsphäre des Wohnzimmers schätzte, dass ihm das Licht gefiel, dass, dass, dass. Einen ganzen verdammten Aufsatz hätte er darüber schreiben können mit Gründen, denen keiner etwas entgegenzusetzen hatte - und trotzdem nahm Kai sich einfach seine mitgebrachte Bettwäsche und marschierte in sein Schlafzimmer hinüber. Isaac stand wie angewurzelt da, unfähig, mit der Durchsetzungsfähigkeit des Mannes umzugehen. Da kam er auch schon wieder zurück, nahm ihn bei der Hand und schleifte ihn mit sich.
      Isaac legte sich an den äußersten aller äußersten Ränder, so weit von Kai entfernt, wie es ihm möglich war. In seiner von Grauen erfüllten Vorstellung stank er das ganze Zimmer voll und jetzt auch noch das Bett; er hätte sich duschen müssen. Kai würde ihn hassen und rauswerfen. Verdammt.
      Er würde sich einfach raus auf die Couch schleichen, sobald der Mann eingeschlafen war. Er konnte ja sagen, dass er geschnarcht hatte oder so.
      "Wag es ja nicht, dich raus auf meine Couch zu schleichen, sobald ich eingeschlafen bin.”
      Mist.
      Isaac vergrub sich tief unter seiner Decke und murmelte sein Gute Nacht. Dann starrte er lange und unbewegt in die Dunkelheit.

      Die Nacht verging und das mehr schlecht als recht. Isaac schlief nicht gut, weil er sich trotz des großen Bettes an den Rand kauerte und die Beine anzog. Wann immer Kai sich bewegte, schreckte er auf, weil er fest damit rechnete, dass er ihn doch rauswerfen würde. Zweimal träumte er höchst lebhaft davon, wie Kai aufwachte und sich über den Gestank ausließ, bis Isaac die Flucht ergriff. Beide Male wachte er auf, weil Kai sich bewegte, und war jedes Mal davon überzeugt, seinem Ende ins Auge zu sehen.
      Der Morgen kam und Kai warf ihn nicht raus, aber Isaac hatte davon geschwitzt, sich so unter der Decke vergraben zu haben. Er fühlte sich ekelhaft, weil er genau wusste, dass die Dusche sehr fern war. Er fühlte sich außerdem nicht im geringsten bereit dazu, seine Wohnung anzugehen.
      Trotzdem schleppte er sich neben Kai her, als sie die Wohnung verließen und rüber gingen. Eine Wolke aus muffiger, abgestandener Luft kam ihnen beiden entgegen.
      Isaac holte tief Luft und versuchte seine Energie zusammenzuraffen. Er drehte sich zu Kai um.
      "Also, was... wie ist der Plan?"
      Wäsche zuerst. Wäsche. Okay, ja, das war ja einfach. Isaac schaffte das.
      Das meiste hatte er sowieso ins Schlafzimmer geworfen, mit den saubersten Klamotten auf dem Bett und den schmutzigsten zwischen den Kisten und Möbeln gestopft. Isaac versuchte nicht allzu sehr darüber nachzudenken, als er eindeutig zu lange getragene Unterwäsche aufhob und in den Sack stopfte. Gott, er wollte sich die Hände waschen. Es nicht zu können war in diesem Augenblick furchtbar.
      Sie schafften es zumindest, die sichtbare Wäsche einzusammeln und zu Kai zu bringen. Als Belohnung hatten sie sich eine Pause verdient, in der Isaac den Kopf hängen ließ. Obwohl sie kaum eine Stunde lang drüben gewesen waren, fühlte es sich schon wie der halbe Tag an. Am liebsten hätte er sich irgendwo hingelegt und hätte wieder geschlafen.
      Er fügte sich aber Kais Führung und sie gingen noch einmal rüber, um wenigstens ein bisschen zu schaffen. Der Müll sollte jetzt drankommen - okay. Isaac hatte keine Motivation mehr dafür übrig.
      Er schlurfte erst in die Abstellkammer hinüber, um die Konservendosen einzusammeln. Dabei fiel ihm auf, dass die Flaschen weg waren - fuck. Nicht drüber nachdenken, nicht drüber nachdenken. Kai war schließlich immernoch hier und er hatte auch keine Bemerkung dazu abgegeben. Einfach weitermachen.
      Die Konservendosen bekam er noch einigermaßen leicht in den Müllsack, aber als er zurück ins Wohnzimmer kam, um sämtliche Pizzaschachteln vom Couchtisch reinzuschieben, glitt ihm der Sack aus und die Hälfte des Inhalts ergoss sich zurück auf den Boden; dazu eine undefinierbare Flüssigkeit, die aus einer halb aufgegessenen Konserve spritzte. Isaac starrte darauf, auf die größere Unordnung, die er jetzt hier hinterlassen hatte, dann ließ er den Sack ergeben fallen und setzte sich schwer auf das Sofa.
      "Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr." Er fuhr sich über den geschorenen Kopf und stützte sich mit den Ellbogen auf den Beinen ab. "Das wird nichts. Ich lass mich einweisen.”
    • So nett Kai gestern noch gewesen war, so unerbittlich war er nach dem Frühstück. Er ließ Isaac keine Zeit, sich zu beschweren oder sich zu wehren. Er befahl dem Mann, sich anzuziehen, und dann gingen sie rüber in dessen Wohnung, um sich ans Werk zu machen.
      Kai hatte ein paar seiner Wäschesäcke mitgebracht und nun wies er Isaac an, seine Klamotten einzusammeln, damit er sie waschen konnte. Soweit so gut. Sie schleppten das ganze Zeug rüber zu ihm - sein Handgelenk beschwerte sich ordentlich, wenn er Druck darauf ausübte - und er parkte alles im Badezimmer. Die erste Maschine füllte er, schaltete sie aber erst an, als sie wieder rüber gingen, damit Isaac dem Füllen und Leeren der Maschine mit Wasser nicht zuhören musste.
      "Müll als nächstes," orderte Kai und drückte Isaac einen großen Müllsack in die Hand. "Ich sammle in der Zwischenzeit das Bisschen Geschirr, das du hast, ein und park's in der Spüle."
      Er klatschte in die Hände und schon machte er sich an die Arbeit. Isaac bewegte sich langsam, eindeutig überfordert mit der Menge an Chaos, der er sich gegenübersah. Aber das war okay, solange er nicht stehen blieb. Langsam brachte einen immer noch ans Ziel.
      Kai stapelte derweil fleckige Gläser, dreckige Teller, die zwei Töpfe, die Isaac hatte, und eine Pfanne in die Spüle. Er sprenkelte Spülmittel auf alles, hütete sich aber davor, den Wasserhahn zu berühren. Stattdessen nutzte er einen der vielen Tricks, die er vorbereitet hatte: Feuchttücher. Speziell welche für die Küche. Damit begann er, die Arbeitsplatten und den Herd zu putzen. Kein Wasser nötig, aber alles wurde ordentlich sauber und keimfrei.
      Kai summte friedlich vor sich hin, während er sich über den Tresen streckte und putzte. Sein Frieden wurde unterbrochen von einem lauten CRASH, gefolgt von einem schweren Seufzen von Isaac.
      "Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Das wird nichts. Ich lass mich einweisen," verkündete der Mann und ließ sich auf seine Couch sinken.
      Kai betrachtete das neue Chaos und runzelte die Stirn.
      "Weil dir eine Saftflasche aus der Hand gefallen ist? Das passiert jedem mal, Isaac."
      Kai schnappte sich seine Packung Feuchttücher und seine Rolle Küchenrolle und ging zu dem Müllsack. Ohne zu zögern oder eine große Show daraus zu machen wischte er die Saftflecken auf, dann ging er mit dem Feuchttuch drüber, damit nichts kleben blieb. Er schob den Müll zurück in den Beutel und knotete ihn zu. Problem gelöst.
      "Guck? Kein Weltuntergang."
      Kai war nicht dumm. Es war leicht zu erkennen, dass Isaac eine Pause brauchte. Wahlweise ein bisschen Motivation.
      "Hier ist es viel zu leise, weißt du das?" meinte Kai und watschelte zurück zu seiner Tasche.
      Er zauberte eine Blutooth-Box hervor und verband sie mit seinem Smartphone. Im nächsten Moment schallte ein peppiger Popsong aus dem Speaker und Kai wandte sich grinsend wieder Isaac zu.
      "Na komm!" rief Kai über die Musik hinweg. "Müllsack in die Ecke bei der Tür, dann alle Kisten da rüber an die Wand. Wenn sie zu schwer sind für deine untrainierten, sehnigen Muskeln, Mr. Ich-bin-überhaupt-nicht-in-Form, dann kannst du sie ja einfach schieben."
      Kai tanzte rüber zu der Rolle mit den Müllsäcken und übernahm Isaacs Job, den Müll einzusammeln. Er tanzte durch das ganze Apartment und sammelte den Müll in Rekordzeit ein. Das Apartment sah gleich viel besser aus, allein schon weil man jetzt den Boden sehen konnte. Mit Müll und Wäsche eingesammelt, war der Großteil schon getan. Die Kisten alle an einem Ort zu haben half auch. Zur Feier ihres Erfolges schnappte sich Kai Isaac bei den Händen und tanzte ein bisschen mit ihm. Naja, Kai tanzte und Isaac stand mehr oder weniger einfach nur da.
      "Komm schon!" rief Kai ihm zu. "So schwer ist das nicht. Ich zeig's dir!"
      Er wechselte den Song und packte seine Tanzskills aus. Naja, für ihn war die Choreografie ziemlich leicht, aber er wusste nicht, wie gut Isaac einen Beat halten und bis acht zählen konnte, also musste er klein anfangen.
      "Links nach vorne, rechts nach vorne," erklärte Kai im Rhythmus und machte ein paar einfache Schritte. "Schritt nach links, Mitte, Schritt nach rechts, Mitte. Links, Mitte, Rechts, Mitte."
      Natürlich machte er ein bisschen mehr, da er seine Arme bewegte und seine Hüften kreisen ließ. Aber runtergebrochen war es nur auf der Stelle laufen und im Rhythmus bleiben.
      "Du kannst das auch. Los!"









      (for reference of what Kai is doing: vm.tiktok.com/ZNdp6pAdC/ )


    • "Weil dir eine Saftflasche aus der Hand gefallen ist?"
      "Ja."
      "Das passiert jedem mal, Isaac."
      Isaac seufzte nur. Er hatte weder die Muße, noch die Energie dazu, Kai zu erklären, dass das nicht jedem passierte. Oder wenigstens, dass nicht jeder in eine solche Situation geriet, in der sie sich beide befanden. Er wollte für den Moment einfach nur sitzen und darauf klarkommen, dass er existierte.
      Kai kam derweil herüber, bewaffnet mit Feuchttuch und Küchenrolle, und machte sich wie ein Held über die erschaffene Unordnung her. In weniger als einer Minute war alles aufgewischt und zurück in den Sack befördert; Isaac konnte nur sitzen und dümmlich schauen. Er hätte das alles nichtmal halb so schnell hinbekommen.
      "Guck? Kein Weltuntergang."
      Darüber ließ sich streiten. In den Sack hätte noch viel mehr passen können, der einzige Grund, weshalb Isaac sich dabei auch so angestellt hatte, und es schien ihm eine Verschwendung, das ganze Ding wegzuwerfen, wenn es doch nur zur Hälfte gefüllt war. Aber hätte er es weiter versucht, wäre vielleicht noch mehr schiefgegangen und hätte noch mehr Unordnung verursacht. Wenn er doch den Fleck schon nicht hatte wegwischen wollen, was hätte er dann mit viel mehr getan? Liegenlassen wahrscheinlich, und aufgeben. So, wie er es jetzt getan hatte.
      Aber es war nichts passiert und der ganze Müll war sicher im verknoteten Sack verstaut. Ein bisschen mehr Freiraum in dem Haufen aus Unrat, den Isaac seine Wohnung bezeichnete.
      "Hier ist es viel zu leise, weißt du das?", sagte Kai und verschwand auch schon wieder. Isaac sah ihm nur hinterher, wie er eine Bluetooth Box zutage beförderte und sein Handy anschloss. Das wurde ihm bald alles viel zu viel. Er wusste nicht, wie er jetzt auch noch mit Musik umgehen sollte.
      Die Box erwachte zum Leben und Kai wandte sich mit dem größten Grinsen um, das Isaac jemals an ihm gesehen hatte.
      "Na komm!"
      Die Musik war so laut, dass er fast schreien musste. Isaac dachte besorgt an die Nachbarn.
      "Müllsack in die Ecke bei der Tür, dann alle Kisten da rüber an die Wand. Wenn sie zu schwer sind für deine untrainierten, sehnigen Muskeln, Mr. Ich-bin-überhaupt-nicht-in-Form, dann kannst du sie ja einfach schieben."
      Isaac sah schweren Herzens auf den Müllsack hinab, dann gab er sich einen sehr anstrengenden Ruck und kämpfte sich zurück auf die Beine. Schließlich konnte er Kai nicht alles machen lassen; der Mann war nämlich dazu übergegangen, jetzt selbst den Unrat aufzusammeln, der den Boden bedeckte. So schnell und unermüdlich, wie er dabei war, würde er die ganze Wohnung noch alleine hinbekommen und das konnte Isaac ja nun wirklich nicht zulassen. Das war vermutlich die einzig wahre Motivation, die ihn dazu verleitete, den Müllsack aufzuräumen und sich dann schlurfend an die Kisten zu machen. Die ersten hob er noch hoch, doch mit seiner Hand und dem ungewohnten Gefühl, das Gewicht zu spüren, nicht aber die Kiste selbst, beließ er es bald beim Schieben. Außerdem tat es weh; der Zug fühlte sich so an, als würde jemand den Boden seiner Prothese greifen und ihm aus der Haut zu ziehen versuchen. Dass das nicht möglich war, wusste er zwar von seiner Physio, aber darauf ankommen lassen wollte er es auch nicht. Schließlich war der Schmerz unangenehm und verleitete ihn zum Schwitzen.
      Auf halbem Weg ging Kais Energie mit ihm durch und er packte sich Isaac, um ihn damit anzustecken. Isaac sah höchst unenthusiastisch auf den Mann hinab, der ihn bei den Händen hielt und auf und ab zappelte.
      "Komm schon!" rief Kai ihm zu. "So schwer ist das nicht. Ich zeig's dir!"
      "Nein passt schon", versuchte er sich zu entziehen, aber ohne Erfolg. Kai drückte ihm einige energetische Tanzmoves auf, die Isaac in ihren Grundzügen wohl hinbekommen würde, aber nicht mit allem drum und dran. Wie machte Kai das mit diesem Hüftschwung? Und überhaupt, wie konnte er dabei so rumzappeln? Isaac bekam gerade mal die Beinbewegung zustande, aber das sah nichtmal annähernd so aus wie bei Kai. Und für mehr hatte er einfach nicht die Energie, die sich anfühlte, als würde sie ihm bei jeder Bewegung aus sämtlichen Poren entweichen. Nein, entweder aufräumen oder tanzen, aber beides packte er nicht.
      "Lass mal. Mach ruhig weiter, aber... wannanders. Vielleicht."
      Er entwand sich Kai, bekam es aber mit seinem Rumgehampel im Hintergrund immernoch zustande, die Kisten wenigstens an die Wand zu schieben. Als er das geschafft hatte, wurde das Ausmaß ihrer Aktion überhaupt erst ersichtlich: Man konnte jetzt angenehm durch den Flur gehen und der Boden war auch wieder sichtbar, wenn auch schmutzig und mit undefinierbarem Zeug verklebt. Isaac konnte es kaum glauben und mit diesem ersten Erfolg entwich ihm auch das letzte bisschen Kraft. Er setzte sich, wo er war, auf den Boden und lehnte sich an die Kiste, die er gerade mühsam geschoben hatte. Er hatte geschwitzt und würde sich waschen müssen, aber das war ein Problem für ein anderes Mal. Jetzt wollte er gerade nichts anderes, als nur zu sitzen und ihren Erfolg zu betrachten.
      "Das reicht. Ich bin fertig."
    • Isaac war wirklich zu nichts zu motivieren. Schade. Aber Kai würde nicht aufgeben. Irgendwann würde er Isaac schon aus seinem Loch kriegen, da war er sich sicher. Er musste nur die richtige Leiter finden.
      "Das reicht. Ich bin fertig," verkündete Isaac und ließ sich auf den Boden sinken.
      "Okay," meinte Kai kurzerhand, drehte die Musik runter und setzte sich neben ihn.
      Er reiche Isaac eine Flasche Wasser.
      "Wir haben schon ordentlich was geschafft. Und wenn wir wieder drüben sind, hast du eine Ladung frisch gewaschener Wäsche! Morgen lass ich die zweite laufen, und schon hast du keine dreckigen Klamotten mehr."
      Isaac hatte sehr viel weniger Klamotten als Kai, wie er heute gelernt hatte.
      Er sah auf seine Uhr. Es war gerade mal Mittag. Es juckte ihn in den Fingern, weiterzumachen, aber wenn Isaac nicht mehr konnte, dann würde er ihn nicht weiter pushen. Hatte er heute ja schon genug getan. Wobei... eine Sache war da noch, die er Isaac antun würde. Oder zumindest würde er es versuchen.
      "Lass mich raten: du fühlst dich gerade ziemlich klebrig und eklig. Ich weiß, dass ich das tue. Und ja, ich weiß, du kannst nicht duschen."
      Kai nahm Isaacs Hand in seine - die aus Fleisch und Blut natürlich - um ihm zu zeigen, dass das okay war.
      "Weißt du noch, wie ich dir im Krankenhaus gesagt habe, dass du mir vertrauen musst?" fragte er und suchte Isaacs Blick. "Ich kann dir helfen, zu baden, wenn du mich lässt. Keine Sorge, deine schicken Kronjuwelen kannst du ruhig verstecken, aber du musst mich an dich ranlassen, während du nicht viel mehr als ein Handtuch anhast. Und es wird Wasser im Spiel sein. Gruselig, ich weiß, selbst für jemanden, der mich wahrscheinlich auf mehr Arten außer Gefecht setzen kann, als ich kenne. Das ist der Part mit dem Vertrauen. Du wirst nicht triefend nass sein und du wirst kein Wasser hören. Aber wir beide wissen, dass es nötig ist. Regelmäßig. Du kannst es natürlich auch gern selbst machen, ich will dir ja gar nicht vorschreiben, wie du was zu machen hast. Aber meine Hilfe ist da. Keine Fragen, keine Vorwürfe, keine Vorträge. Und wir können jederzeit aufhören. Und danach kannst du dich in frischen Klamotten ins Bett kuscheln und so lange schlafen, wie du willst. Selbst, wenn du's nicht schaffst, kannst du das."