a moon between us [by Akkubird & yuyuumyn]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Die Jahre waren vergangen – doch den Schmerz der Vergangenheit hat Ayumi nie vergessen. Wie hätte sie auch?
      Nicht nach dem Verlust ihrer Eltern. Ihrer Freunde. Ihres ganzen Dorfes. Und vor allem: ihres besten Freundes.
      Damals, an jenem schicksalhaften Tag, war sie gelaufen. Immer weiter. Bis zum Sonnenaufgang - wie sie es sich geschworen hatte.
      Und dann, völlig erschöpft, war sie auf einem verlassenen Wanderpfad zusammengebrochen. Sie hatte geglaubt, dass es ihr Ende war.
      Ihr Herz hatte so wild und rasend in ihrer Brust geschlagen, dass sie sicher war, es würde jeden Moment versagen – oder einfach explodieren.

      Doch so weit kam es nicht. Denn sie wurde gefunden. Und nicht von irgendwem, sondern von einem Mitglied der Dämonenjäger-Organisation – einer der stärksten Säulen überhaupt. Ein Krieger, der mehr gesehen hatte, als sie je begreifen konnte. Und der Mann, der ihr nicht nur das Leben rettete, sondern ihr ein neues schenkte. Ihr Lehrmeister, ihr Mentor, und die Säule des Feuers: Daigo Akeboshi.

      Heute ist Ayumi selbst Teil der Dämonenjäger – als Schülerin in den Reihen der Organisation, geführt von Kagura Shirakawa, der Anführerin. In den Jahren hat sie sich verändert. Sie ist ruhiger geworden, reifer, erwachsener. Doch hin und wieder glitzert er noch immer – dieser schelmische Funke in ihren Augen, genau wie früher.

      ~~~

      Aufmerksam ließ Ayumi ihren Blick über die Umgebung wandern – wie eine Katze, die nur darauf wartete, dass sich ihre Beute zeigte. Von Daigo fehlte jede Spur. Er hatte seine Anwesenheit so vollständig verschleiert, dass selbst sie nicht sagen konnte, wo er sich gerade aufhielt. Aber sie wusste: er war da. Und er würde dafür sorgen, dass weder ihr noch einem der Dorfbewohner etwas zustieß.

      Als einfache Besucherin getarnt bewegte sich Ayumi durch die festlich geschmückten Straßen. Das Katana an ihrem Rücken und das kleine Messer, mit dem sie einst ihren ersten Dämon verletzt hatte, waren geschickt verborgen unter ihrem Kimono.
      Ihr Blick glitt über die Verkaufsstände, an denen die verschiedensten Köstlichkeiten dampften und brutzelten – süßer Reiskuchen, gegrillter Fisch, warmer Sake. Doch so gut es auch roch: jetzt war nicht die Zeit, um ans Essen zu denken. Sie waren aus einem Grund hier – um das Dorf während des Lichterjubiläums zu beschützen.

      Wie viele andere trug auch Ayumi eine traditionelle Maske – weiß, mit feinen roten Linien, geformt wie das Gesicht eines Schneefuchses.
      Sie bewegte sich weiter durch das Fest, langsam, scheinbar ziellos. Ihre Schritte waren leicht, fast ein wenig schüchtern – wie die einer jungen Frau, die allein unterwegs war. Eine Fremde. Unbewaffnet. Abgelenkt vom Lichterglanz.
      In Wahrheit jedoch war Ayumi ganz bei sich. Jeder Muskel in ihrem Körper war angespannt, jeder Sinn geschärft. Sie lauschte auf jedes Geräusch, beobachtete jede Bewegung in ihrer Umgebung. Die Art, wie sich Schatten unter Laternen verzogen. Die kurzen Blicke, die manche ihr zuwarfen.

      Sie wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war. Wenn sich tatsächlich ein Dämon unter die Menge gemischt hatte, würde er auf genau so etwas anspringen. Eine einsame, junge Frau. Schwach und abgelenkt.
      Sie trat aus dem bunten Licht der Laternen in eine ruhigere Seitengasse – nicht zu abgelegen, aber weit genug, um glaubhaft unvorsichtig zu wirken. Sie ließ ihre Schultern leicht sinken, atmete etwas schneller, senkte den Blick und wartete...
    • Es gelang dem jungen Dämonen sich wieder unbemerkt auf die Lauer zu legen. Dieses Mal dauerte es jedoch deutlich länger und er musste viel öfter die Stellung wechseln. Sich zu verkleiden und durch die Menschen zu gehen war ihm allerdings noch mehr zuwider, als einfach immer wieder die Stellung auf den Dächern zu wechseln, wenn sich Wachen nährten.

      In einer der kleinen Gassen sah er im Vorbeispringen eine junge Frau, die einsam und verlassen da stand. Eigentlich eine perfekte Gelegenheit, fast schon zu perfekt. Etwas an ihr zog ihn jedoch so sehr in an, dass er das Risiko bewusst ignorierte und seine Richtung änderte. Bis jetzt war die Luft noch rein. Keine Wachen. Nur eine einsame Frau, die ungewöhnlich Anziehung hatte. Sie musste stark sein. Die perfekte Nahrung. Die Gier nach Erfolg trieb Jakuji mit gefletschten Zähnen und aufgeholten Krallen um Angriff.
      Ohne Vorwarnung stürzte er sich auf die vermeintlich ahnungslose Frau.
      Doch gerade als er sich packen und wieder aufs Dach zurück springen wollte, entglitt sie seinen Pranken.
      Irritiert wich auch Jakuji zurück und bereitete sich auf einen Gegenangriff vor.
      So wie es aussah, war er in eine Falle getappt. Seine Augen funkelten vor Aufregung, sein Kampfgeist war geweckt.
    • Ayumi wartete. Sie atmete ruhig, der Blick wachsam, jede Faser ihres Körpers war angespannt.
      Dann ging alles blitzschnell. Aus dem Augenwinkel nahm sie einen Schatten wahr – flüchtig und für ungeübte Augen viel zu schnell.
      Und nur Sekunden später kam der Angriff, mit dem sie längst gerechnet hatte. In einer fließenden Bewegung wich sie den Klauen des Dämons aus und zog im selben Moment ihr Katana.

      Ihre Finger schlossen sich fest um den Griff, während sie sich in eine stabile Kampfhaltung begab. Die Fuchsmaske saß noch immer perfekt auf ihrem Gesicht – ein stilles Abbild der Ruhe, welches ihre Identität schützte.
      Sie setzte nicht sofort zum Gegenangriff an. Stattdessen fixierte sie den Dämon vor sich mit wachsamen Augen. Sie beobachtete jede Bewegung, jede noch so kleine Regung seines Körpers.
      Denn sie wusste: eine falsche Entscheidung, ein überhasteter Atemzug, ein Schritt zur falschen Zeit – und es konnte ihr letzter sein.
      Wer im Kampf überstürzt handelte oder seinen Gegner unterschätzte, bezahlte mit dem Leben. Das war das, was ihr von Daigo immer wieder gepredigt wurde.

      Einen langen Atemzug lang rührte sich keiner von beiden. Sie schienen aufmerksam abzuwarten, was der jeweils andere wohl tun würde. Nach einem weiteren Moment des Schweigens ergriff Ayumi aber schließlich das Wort:
      „Bevor ich dir den Kopf abschlage, will ich eine Antwort, Dämon. Wie viele von euch sind hier?“, fragte sie – klar, aber distanziert.
      Ihre ruhigen Augen blieben fest auf den Dämon gerichtet, suchten jede Bewegung, jede Regung ab. Doch sie verlor dabei nie die Umgebung aus dem Blick. Jeder Schatten, jedes Geräusch, jede Veränderung in der Luft – sie nahm alles wahr.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von yuyuumyn ()

    • Jakuji hatte schon einige dieser Gutmenschen zur Strecke gebracht, doch noch nie hatte es einer von ihnen Geschafft seiner Geschwindigkeit aus dem Hinterhalt auszuweichen. Starr fixierte der Dämon seinen Gegner, der ihm, anstatt anzugreifen eine Frage stellte. Was soll der Scheiß? Schoss es ihm in den Kopf. Als würde er verraten wie viele außer ihm noch hier waren.
      Seine innere Stimme mahnte ihn zur Vorsicht. Dieser Gegner war anders, denn im etwas im inneren des Dämons hatte damit begonnen zu rebellieren.
      War das der Grund weshalb sein Angriff fehlgeschlagen war?
      Ein lästiges Herz? Erinnerte er sich, an die Warnung die sein Meister damals aussprach. Mitleid, Furcht was war es dass er da in der Brust spürte? Ein Fluch? Eine Atmun?


      Wütend spreizte Jakuji seine Klauen und gab der Damen nur ein Fauchen als Antwort.
      Aus irgend einem Grund weigerte sich sein Körper einen Angriff auszuführen. Jakuji änderte die Taktik,
      Nun war er es der wartete, um ihren Angriff zu kontern.
      Zusätzlich nutzte er die dunkle Umgebung um seine Körper in den Schatten der Nacht zu Hüllen.
    • Ayumi verengte leicht die Augen, als der Dämon ihr auf ihre Frage hin nur ein drohendes Fauchen entgegnete. Der Dämon vor ihr gehörte mit Sicherheit nicht zu den Dämonenmonden, von denen Daigo bereits so oft gesprochen hatte – unterschätzen würde sie ihn dennoch nicht.
      „Verdammter Shoukage...“, zischte sie leise unter ihrem Atem, während sie beobachtete, wie er die Dunkelheit nutzte, um seinen Körper in den Schatten der Nacht zu hüllen. Ihre Stimme war dabei kaum lauter als das leise Flüstern des Windes.
      Der Griff um ihr Katana wurde fester, ihre Konzentration schärfte sich nur noch mehr.
      Sie durfte sich keinen Fehler erlauben. Dennoch sollte sie den Kampf nicht unnötig in die Länge ziehen. Es wurde Zeit, dem ein Ende zu setzen und sich auf die Suche nach den anderen Dämonen zu machen. Wenn einer hier war, dann waren mit Sicherheit noch mehr in der Umgebung.

      Mit einem Satz schnellte sie schließlich vor – das Katana erhoben, um dem Dämon mit einem präzisen Hieb den Kopf von den Schultern zu trennen, ohne dabei ihre eigene Deckung zu vernachlässigen.
    • Jakuji beobachtete seinen Gegner ganz genau. Bevor der Angriff kam, nuschelte die Dame etwas unter ihrer Maske.
      Der Dämon meinte das Wort: Shoukage gehört zu haben.
      Doch ehe er sich weiter den Kopf darüber zerbrechen konnte, musste er dafür sorgen, dass dieser auf seinem Hals blieb.
      Es ging alles sehr schnell. Die Dame stürmte blitzschnell auf den Dämonen zu. Doch auch er war nicht unvorbereitet und ließ sich auf den Boden gleiten, um dem Angriff auf seinen Hals zu umgehen. Bevor die Damen weiter mit ihrem Schert umher fuchteln konnte, tarnte sich der Dämon in seiner Bodenposition und machte sich breit für einen Angriff aus dem Hinterhalt. Dieses Mal würde sie ihn garantiert nicht kommen sehen. "Shoumato" Zischte Jakuji mit seiner Dämonenstimme und täuschte einen Angriff von unten nach oben an, wobei sein Tarnung ihren Effekt verlor. Anstatt den Angriff auf durchzuziehen, nutzte er den Schwung um am Gegner vorbei zu ziehen und sich, falls man gegen den dunklen Nachhimmel sah, erneut zu tarnen. Die dadurch entstandene Energie verstärkte er, durch das abdrücken an der Hauswand mit den kräftigen Beinen. Wie einen Kanonenkugel mit Zähnen und Klauen, schoss der Dämon nun auf die Dame zu.
    • Ayumi fluchte leise unter ihrem Atem, als der Dämon ihrem Angriff auswich. Es wäre ja auch wirklich zu einfach gewesen...
      Ihre Augen huschten aufmerksam umher, während er erneut die Schatten nutzte, um sich zu tarnen.
      Doch dann fiel ein einziges Wort – eines, das sie erstarren ließ und sich ihre Augen vor Schreck weiteten: Shoumato.
      Woher kannte dieser Dämon nur dieses Wort? Nein... das konnte nicht sein. Das war vollkommen unmöglich.
      Dieses Wort stand in keinem gewöhnlichen Wörterbuch. Es hatte eine tiefere Bedeutung – eine Bedeutung, die außer Ayumi nur eine einzige Person kannte. Eine Person, die sie seit vielen Jahren für tot gehalten hatte. Eine Person, die sie nie vergessen hatte.

      Ihre Augen weiteten sich noch mehr, als die Erkenntnis sie traf. Es konnte nur einen Grund geben, warum dieser Dämon dieses Wort kannte.
      Besagter Dämon schoss wieder auf sie zu – bereit, erneut anzugreifen. Doch Ayumi setzte nicht zum Gegenangriff an. Stattdessen hob sie eine Hand zu ihrer Fuchsmaske. Langsam, fast zögerlich, nahm sie sie ab. Und in diesem Moment trafen sich die Blicke des Dämonen und der Jägerin zum ersten Mal richtig.

      „H-haruto…?“, fragte sie mit erstickter Stimme.
    • Der Dämon verspürte einen unglaubliche Mordlust, als die Dame keine Anstalten machte seinem Angriff auszuweichen oder gar einen Gegenangriff zu starten. Was hate sie dazu bewegt ihr Leben einfach so zu beenden?
      Diese Frage schoss dem Dämon durch den Kopf, als die Dame sich die Maske vom Gesicht nahm, doch als ihre Blicke sich trafen wusste er es sofort. "Ayumi..." murmelte der junge Dämon und schaffte es gerade noch so sich mit den Armen an der Wand abzustoßen, um vor, anstatt auf Ayumi, zu landen.
      Ein tiefer, unsagbarer Schmerz durchlief seine sonst so kalte Brust. Es war so schlimm, dass sein armes Herz fast ein paar Schläge von sich gab. Der Dämon richtete sich nach diesem Schock wieder auf und sah dem Mädchen fassungslos ins Gesicht.
      Sie... Er... was was war nur passiert?
      Er zögert, ging dann aber wieder auf Abstand. "Mein Name ist Jakuji!" Seine Brust schmerzte bei diesen Worten, doch die Wut in seinem Bauch, die der anderen Name auslöste hatte, ließ ihm keine anderen Wahl. Er wollte erneut angreifen, doch schaffte er es nicht, egal wie sehr er es auch versuchte, er konnte seine Hände nicht dazu bringen ihr die Kehle aufschlitzen. Wütend fauchend stand er da. Hilflos, wie damals auf dem Friedhof, als er das erste Mal diesen inneren Konflikt spüren konnte.
    • Ayumi konnte es immer noch nicht fassen. Haruto. Er lebte. Alles in ihrem Kopf begann sich zu drehen und ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Sie hatte das Gefühl, das Bewusstsein zu verlieren – oder sich jeden Moment übergeben zu müssen. Vielleicht sogar beides.

      Jakuji...“, wiederholte Ayumi seinen neuen Namen. Doch ihn auszusprechen, fühlte sich einfach falsch an.
      Den Griff ihres Katanas hielt sie weiterhin fest umklammert. Die Klinge war eine stille Präsenz zwischen den einstigen Kindheitsfreunden.
      Als Haruto – oder besser gesagt Jakuji – wieder auf Abstand ging, machte Ayumi zwei zögerliche Schritte auf ihn zu.
      „Ich kann nicht fassen, dass du lebst... Ich dachte, du wärst-...“, sie unterbrach sich, um ihre Gedanken zu ordnen, dann fuhr sie leise fort: „Das Kinderheim... es stand in Flammen, als ich es damals erreichte. Ich habe immer geglaubt, du wärst mit den anderen Kindern...“, sie stockte erneut, als ihr die Wahrheit schmerzlich bewusst wurde.
      „Aber stattdessen... bist du zu einem Dämon geworden. Du hast Menschen getötet.“, sagte sie, und allein der Gedanke daran hinterließ einen bitteren Geschmack in ihrem Mund.

      Ihre Gedanken schweiften zurück – zu jenem Tag vor so vielen Jahren. Zu dem Tag auf dem Friedhof, zu dem Versprechen, das sie sich damals gaben. Und zu der Narbe in ihrer rechten Handfläche, die dieses Versprechen mit Blut besiegelt hatte – und die nun schmerzhaft brannte.
      Ayumi biss die Zähne zusammen und machte einen weiteren, langsamen Schritt auf Jakuji zu.
      „Haruto... wir werden ein Gegenmittel finden. Wir werden einen Weg finden, dich wieder zu einem Menschen zu machen...“, sagte sie und streckte zögernd ihre Hand nach seiner aus.
    • Der junge Dämon wich erneut zurück, als die junge Frau auf ihn zu kam. Als sie begann die Ereignisse von damals zu wiederholen, biss der Dämon seine spitzen Zähne zusammen, als wolle er damit verhindern eine Antwort auf ihre Aussage zu geben. Waren es nicht das, weshalb er sich gegen den Tod und für ein Leben in Freiheit entschieden hatte? Genau das? Doch er hatte in jener Nacht keine Wahl. Er wusste nicht einmal, dass das Mädchen noch am Leben war. Im Inneren spürte Jakuji, wie die Schmerzen in der Brust und das Verlangen nach Blut weiterhin einen Machtkampf ausfechten.
      Eigentlich müsste er sich nun doch freuen, dem Mädchen um den Hals fallen, ihr alles erklären. Denn selbst jetzt, da sie wusste, dass er ein mieser Mörder und Bösewicht war, schien sie immer noch Hoffnung in sich zu tragen. Eine Hoffnung die Jakuji so tief in sich vergraben hatte, dass er nicht einmal mehr sagen konnte worauf er eigentlich gehofft hatte. "...Ich bin gestorben...Hunderte Male...Schon vor... diesem Angriff..." Antwortete er abgehackt, denn sein Kiefer schien beim Sprechen zu blockieren, wenn er an den Tag der Rache zurück dachte. "...Ich... dich retten..." Den Satz konnte er schon gar nicht mehr richtig zusammen setzen.

      Und schon wieder kam das Mädchen Näher und bot im Hilfe an. Die Spannung in Jakujis Körper schien komplett ab zufallen. Als ihre Hand näher kam, blieb er regungslos stehen und sah ihr tief in die Augen, ehe er das Wort ergriff. "...Dafür ist es längst zu spät." Lehnte er ihren Vorschlag ab und lächelte dabei zufrieden. "Und jetzt tu wozu du hier bist!" Forderte er sie auf.Die Ruhe in seiner Stimme war wieder dem scharfen Ton eines Dämons gewichen.
    • Es schmerzte Ayumi in der Brust, als Jakuji sagte, dass er bereits Hunderte Male vor dem Angriff auf ihr gemeinsames Heimatdorf gestorben sei. Natürlich wusste sie, was er meinte – sie hatte die Blicke der Erwachsenen gesehen... oder miterlebt, wie die anderen Kinder ihn bedroht und geschlagen hatten.
      All das führte dazu, dass Ayumi sich Vorwürfe machte. Sie hatte immer versucht, für ihn da zu sein... ihn zu beschützen... aber scheinbar war das nicht genug gewesen. Sie hätte mehr tun müssen.

      Bei seinem nächsten, halb fertigen Satz weiteten sich ihre Augen wieder ein wenig.
      „...mich retten?“, wiederholte sie vorsichtig, als wolle sie, dass er erklärte, wie genau er das meinte.
      Ihre Hand kam zum Stillstand und hing nur wenige Millimeter zwischen ihnen in der Luft, als er wieder mit seiner dämonischen Stimme sprach und ihren Vorschlag ablehnte. Aber Ayumi war stur... das war sie schon immer gewesen.
      „Warum tust du es nicht? Du solltest mich töten – so wie ich dich töten sollte. Hab ich recht?“, fragte sie und ließ ganz langsam ihre Hand wieder sinken.

      „Ich kann dich nicht töten... nicht nach dem Versprechen, das ich dir damals auf dem Friedhof gegeben habe.“
      Dann verdunkelten sich ihre Augen kaum merklich und es schien fast so, als würde ihre Aura selbst kälter werden.
      „Aber weißt du, wen ich töten werde? Denjenigen, der dir das angetan hat. Ich werde ihn jagen und ihm den Kopf abschlagen. Das schwöre ich bei meinem Leben. Er wird für jedes einzelne Leben, das er genommen hat, bezahlen.“

      Sie streckte ihm erneut ihre Hand entgegen – diesmal so, dass er sie greifen konnte, wenn er wollte.
      „Haruto... es ist nicht zu spät. Komm mit mir und gemeinsam finden wir eine Lösung. Wir müssen nur zusammenhalten. Genau wie früher, als wir alles gemeinsam durchgestanden haben.“, sie stockte und fragte dann in leiserer Stimme:

      „Sind wir... denn überhaupt noch Freunde?“
    • Jakuji zögerte. Alles was er ihr zu sagen hatte war traurig. Sie so verletzt zu sehen brachte ihn zunehmend mehr um den Verstand. Warum tat er das? Sie war doch die Einzige die ihm je zugehört hatte. Sie und Meister Madou.
      Der Dämon musste ganz tief Luft holen, um dem Gefühl der Enge in seiner Brust Platz zu verschaffen, als sie den Spieß umdrehte und nun das einforderte, weshalb er hier war. Es war nicht zu leugnen, dass sie in einer Zwickmühle steckten.
      "Ich kann nicht und wenn Meister Madou herausfindet, dass ich... dann wir er mich so oder so töten." Gestand er kühl. Als sie dann aber meinte den Übeltäter zur Strecke zu bringen, der ihm das angetan hatte, zuckte Jakuji automatisch zusammen. Angst spiegelte sich in den blutroten Augen des Dämons wieder. "Nein. Auf gar keinen keinen Fall. Du hast keine Ahnung was du da sagst..." Riet er ihr, doch war ihm längst klar, dass sie nicht aufgeben würde.

      Sie stand erneut da und sprach ihn mit seinem menschlichen Namen an. Hatte sie überhaupt nicht zugehört? Er war ein Dämon. Ein Monster. Ein Mörder. Ihr Erzfeind. Jakuji dachte darüber nach einfach zu flüchten. Einfach weg von ihr. Doch was würde dann mit ihr passieren? Würde die tatsächlich auf die Jagt gehen? Einen Gegner herausfordern, der Welten spalten konnte?
      Unerwartet durchbrachen ihre Worte: Sind wir... denn überhaupt noch Freunde? Seine stillen Gedanken.

      Ein Stich fuhr ihm ins Herz und zeitgleich bahnte sich eine tief rote Träne aus Blut einen Weg aus seinem linken Auge, über die Wangen, am Kinn entlang und blieb dort hängen. Auf der dunklen Haut des jungen Dämonen zeichnete sie eine kaum sichtbare Linie, die den Weg der Träne erahnen ließ. Am liebsten hätte er sie in die Arme geschlossen, doch das Risiko, dass er doch noch die Kontrolle verlor war viel zu groß.
      So legte er seine muskulöse Pranke in ihre weiche Hand, wie damals als sie sich ein Versprechen gegeben hatten.
      "Wir haben uns noch nicht umgebracht... Also sind wir wohl immer noch Freunde..." beantwortete er ihre Frage wahrheitsgetreu.
    • Ayumi entging die Angst in Jakujis blutroten Augen nicht, als sie über seinen Meister sprachen – den Dämonenkönig Madou.
      „Ich weiß genau, was ich da sage.“, entgegnete sie ihm, schon fast ein wenig trotzig. Ihr war bewusst, dass sie – so wie sie jetzt war – keine Chance gegen seinen Meister hatte. Aber eines Tages... mit genug Training und einem gut durchdachten Plan... da sah sie ein Licht am Ende des Tunnels. Eine Befreiung – sowohl für die Menschheit als auch für die verwandelten Dämonen.

      Als sie dann jedoch – nach ihrer Frage nach der noch bestehenden Freundschaft – die Blutträne bemerkte, die ihm über die Wange lief, war sie an der Reihe, leicht zusammenzuzucken.
      „Haruto...“, flüsterte sie, schon fast erschrocken. Als er ihre Frage dann aber beantwortete und seine Pranke auf ihre Hand legte, zogen sich ihre Mundwinkel zu einem schwachen, traurigen Lächeln.
      Doch dann... bevor sie irgendetwas erwidern konnte... brach plötzlich in den Straßen von Tatsumaki die reinste Panik aus.
      Menschen flüchteten – teilweise mit ihren weinenden Kindern auf den Armen – und Dämonen und Jäger begannen, sich offen zu bekämpfen. Und mitten im Chaos: Daigos Stimme, laut wie immer – und das scharfe, feuchte Geräusch, wenn sein Katana mit Leichtigkeit Dämonenköpfe zum Rollen brachte.

      Ayumi riss die Augen auf und fluchte leise unter ihrem Atem. „Nein... nein, nein, nein, nein – das ist nicht gut.“
      Schon fast panisch huschten ihre Augen wieder zu dem Dämon, der vor ihr stand. „Los, du musst verschwinden, bevor–“
      „Ayumi?! Zurück! Ich übernehme das!“
      Ayumi erstarrte, als ihr Name vom Eingang der ruhigen Seitenstraße widerhallte. Ihr Blick wanderte zur Stimme und sie sah einen weiteren Jäger, der sich - genau wie sie - noch in der Ausbildung befand.
      Blitzschnell zog sie ihre Hand von Jakuji weg und hielt ihm – in einer noch schnelleren Bewegung – die Klinge ihres Katanas an die Kehle, um den Eindruck eines Kampfes zu erwecken.
      „Kotaro, ich hab alles im Griff! Kümmere dich nicht um mich – hilf den wehrlosen Menschen!“

      Der andere Jäger zögerte sichtlich und seine Augen wanderten zwischen dem Dämonen und Ayumi hin und her, bevor er sich aber umdrehte und den anderen Jägern half, die Menschen vor den Dämonen zu beschützen.
    • Bevor das Treffen der Beiden zu einem endgültigen Ergebnis kommen konnte, unterbrach der Gesang des Kampfes die zuvor so sentimentale Stimmung. Ayumi versuchte ihn zwar zu warnen, doch es reichte nur um die Hand zurück zu ziehen, da wollte sich auch schon ein Jäger einmischen. In der Sekunde, in der der Dämon noch abgelenkt war, hatte er auch schon ein Schwert am Hals. Gereizt vom ganzen Blut, dass in der Luft war und seinen Erfahrungen mit Menschen, verfinsterte sich sein Blick. Es war ihm nicht mehr möglich die Gefühle zu fassen, die ihm eben noch eine Träne abverlangt hatten.
      Sein Körper begann sich fast schon automatisch anzuspannen, was seinem Erscheinungsbild deutlich mehr Fülle und Eindruck verschaffte.
      Mehr als ein unmissverständliches Fauchen hatte er in dieser Situation nicht für sie übrig.

      Plötzlich lag ein seltsamer Duft in der Luft. Blut? Angst? Nein... es war Seife! Ein widerlich angenehmer Duft, der sich erstaunlich gut mit den Ausdünstungen aus Blut und Angst mischten. Es wäre zum niederknien gewesen, wenn Jakuji nicht genau wusste was nun auf ihn zukommen konnte.
      Eine Gestalt hatte eben mal im vorbei gehen einen kleinen Trupp Jäger gerichtet und stand nun auf der gegenüberliegenden Seite der Gasse. Es schien als wären auf einer Seite die Dämonen in Führung gegangen. Das musste bedeuten sie befanden sich genau zwischen den Fronten. Auf einer Seite waren Ayumis Jäger Kollegen und auf der anderen Seite Jakujis Dämonenmeute. Doch keiner dieser Halsabschneider machte ihm sehr viele Sorgen. -Nur einer.

      "Ohhh... Geil." Raunte die Gestalt und leckte sich die Lippen. "Aber warum hört ihr auf? Hab ich etwa gestört?" Hauchte der Dämon mit gespielt fragender Stimme und trat langsam in die Gasse ein. Ein finsteres Lächeln zeichnete sich zu einer richtigen Fratze, als die Gestalt plötzlich inne Hielt und sich begann nachdenklich am Kinn zu reiben. "Sag mal Jakuji. Flennst du etwa um dein Leben? Hätte dich nicht für nen softie gehalten." Die Gestalt sah nun direkt zu Ayumi und kicherte leise. "Na los, hop hop. Danach spielen wir beide." Forderte er sie auf und deutete dabei mit deiner Klaue einen Halsschnitt bei herausgestreckter Zunge an.

      Jakuji ballte wütend die Fäuste, denn er konnte sich nicht vorstellen, dass Ayumi es alleine gegen einen der Monde schaffen würde. Doch würde er entkommen, könnte er das gesehene an den Meister weiter tragen. Es gab also nur noch die Flucht nach vorne.
      Der Junge vertraute darauf, dass Ayumi ihr Schwert im richtigen Moment von seinem Hals nehmen und irgendwas hilfreiches damit anstellen wollen würde. "Na los du Trottel. Hilf mir doch mal." Schnaubte Jakuji seinen Kollegen an, der jedoch nur danken abwinkte. "Nein. Nein. Ihr habt das angefangen und ihr bringt das jetzt ordentlich zu Ende. Oder fehlt der jungen Jägerin... der Schneid dazu?"
      Gespielt nachdenklich lehnte sich die Gestalt an die Mauer der Gasse. "Naah, ich weiß doch schon, dass ihr mich verarscht. Hab euch schon ne Weile beobachtet. Echt kranker Scheiß den ihr da am laufen habt." Konfrontierte er mit gespielt enttäuschter Stimme die Beiden. Nun hatten sie definitiv keine Wahl mehr als zu kämpfen.


      "Dann fordere ich dich heraus." Antwortete Jakuji, wie aus der Pistole geschossen und trat ein paar Schritte nach hinten, um das Schwert endlich von seinem Hals weg zu bekommen. "Ich fordere dich heraus und du kämpfst gegen mich." Wiederholte der junge Dämon mit seiner Dämonenstimme. "Ich wusste: -Ein Softie." antwortete die Gestalt und begab sich ebenso in einer Startposition. "Ich, Getsumaru 6. aufgehender Dämonenmond... akzeptiere" Stimmte er dem Rangkampf zu und zeitgleich schoss ein unglaublich beißender Gestank in die kleine Gasse. Das Atmen wurde schwerer, doch für einen Menschen musste dies noch um einiges Schlimmer sein.
    • Ayumi hatte Kotaro gerade noch nachgeblickt. Doch Zeit zum Durchatmen blieb den beiden Freunden nicht – denn ein neuer Gegner trat aus dem Schatten, und ein süßlicher Duft nach feinster Seife lag plötzlich in der Luft.
      Ein Dämon. Stärker als alle, denen Ayumi bisher begegnet war. Seine Aura war vollkommen anders als die der gewöhnlichen Dämonen.
      Gehörte dieser etwa... zu einem der Dämonenmonde?!

      Instinktiv schlossen sich ihre Finger wieder fester um den Griff ihres Katanas, während ihre Augen den Neuankömmling aufmerksam musterten. Das alles gefiel ihr nicht. Ganz und gar nicht. Kaum war Kotaro weg – tauchte schon der nächste auf.
      Als diese Missgeburt dann auch noch seinen Mund öffnete, musste sich Ayumi wirklich zusammenreißen, ihm nicht selbst wie ein rasender Dämon an die Kehle zu springen.
      Auch wenn sie es nach außen nie zeigen würde – die Worte trafen sie. Sie provozierten sie... und zwar gewaltig.
      Doch jetzt unüberlegt auf einen viel stärkeren Gegner loszugehen, wäre reinster Selbstmord. Und das wusste sie genau.
      Zu oft hatten sich junge Jäger – Auszubildende oder frische Absolventen – überschätzt... und waren dem Tod direkt in die offenen Arme gelaufen.

      Sie spannte jeden Muskel in ihrem Körper an, bereit, auf auch nur die kleinste Bewegung des Gegners zu reagieren, während sie dem Gespräch weiter lauschte. Der Dämon hatte sie beobachtet - er wusste alles.
      Wenn er dem Dämonenkönig alles petzte – und davon ging sie aus – war Jakuji geliefert. Und sie selbst gleich mit dazu. Sie mussten ihn aus dem Weg räumen. Es gab keinen anderen Weg, wenn sie beide überleben wollten.

      Als Jakuji ihn plötzlich zu einem Rangkampf herausforderte, öffnete Ayumi gerade den Mund, um zu protestieren –
      doch da kroch bereits ein widerlicher Gestank durch die Luft, der ihr sofort würgend die Kehle zuschnürte. Hektisch riss sie sich den Ärmel ihres Kimonos vors Gesicht. Der Geruch war so beißend, dass ihre Augen brannten und sich tränend zusammenzogen. Aber das war für Ayumi kein Grund, einzuknicken. Kein Grund, zu fliehen. Im Gegenteil: Jetzt wollte sie dieser sinnlosen Lebensform erst recht den Kopf abschlagen.

      „Jetzt halt endlich deine Klappe, du Stück Scheiße. Du gehst mir auf die Nerven.“, zischte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen und presste den Ärmel weiterhin schützend über ihre Nase.
      Im nächsten Moment hielt sie so gut sie konnte die Luft an und löste den Ärmel von ihrer Nase. Aus einer verborgenen Schlaufe zog sie ein kleines Messer – genau das, das Haruto sich damals „ausgeliehen“ hatte – und warf es gezielt auf den Dämon.
      Doch es war nur eine Ablenkung. Kein ernst gemeinter Angriff. Denn dieser folgte erst jetzt: sie schnellte selbst vor – das Katana erhoben – und zielte mit voller Entschlossenheit auf die empfindliche Stelle an seinem Hals, um seinen Kopf von den Schultern zu trennen.
    • Jakuji war schon zu sehr um Fokus, um Ayumi von ihrem Angriff abzuhalten. Getsumaru war schnell. Viel schneller als all die gewöhnlichen Demonen es waren. Das kleine Messer interessierte ihn recht wenig, waren es doch seine angeborenen Dämonenkräfte die ihn vor solch minimalen Verletzungen heilen konnten. So wich er dem Messer keinen Zentimeter aus und nutzte die Zeit, um noch viel mehr von seinem Gestank zu verbreiten. Und als das Ayumi bei ihm angekommen war, schnitt das Schwert dem Dämon mit einem Hieb den Kopf ab.
      Verwirrt und zugleich erleichtert, sah Jakuji zum Ayumi hinüber. Er selbst hatte sich ebenfalls noch nicht bewegt.
      Die Luft wurde immer dicker. Die Wände der Gasse rückten immer dichter zusammen und ein wildes Gejaule lag in der Luft.

      Plötzlich spürte Jakuji einen leichten Hauch an seinem Nacken. -Eine Illusion! Gedanke und Reaktion waren zeitgleich. Der junge Dämon wurde mit einem gewaltigen Hieb, aus dem Hinterhalt, gegen die Wand geschleudert. Alles drehte sich. Die Luft schien sich wie viele kleine Schlangen durch die Gasse zu bewegen. Und noch einmal schleuderte es Jakuji durch die Gegend. Dieses Mal in Richtung der Jägerin, die eben noch dem Mond den Kopf abgeschlagen hatte. Orientierungslos versuchte er einen Weg zu finden die Illusion des Mondes zu durchschauen uns stieß dabei, Rücken an Rücken mit Ayumi zusammen.
      Er wusste dass sie es war. Oder nicht? Zur Sicherheit sah er nach und blickte erschrocken in die Fratze des Mondes. "Buh!" Mit diesem Ausruf bekam Jakuji eine undefinierbare Substanz ins Gesicht gesprüht. Wie ein feiner Nebel. der seinem Hirn den Stecker zog.

      Getsumaru nutzte seine Illusion um Ayumi im Bild von Jakuji zu erscheinen.
      Ihm hingegen zeigte er ein Bild von Ayumi als Getsumaru.

      Jakuji brauchte einen Augenblick um wieder klar zu kommen. Noch immer kämpfte er mit den Auswirkungen der harten Schläge.
      Als sein Blickfeld wieder klarer wurde, bemerkte er sofort eine Unstimmigkeit. Getsumaru war 2 mal da. Demnach war er vielleicht auch 2 mal da? Wen sollte er nun angreifen? Der Druck der Entscheidung lastete schwer, doch kannte er die Körperhaltung, die Ayumi immer wieder eingenommen hatte. Egal ob sie ihn oder den Mond angegriffen hatte. Ihre Körperhaltung war immer perfekt gleich geblieben.
      Der junge Dämon machte sich bereit den richtigen Mond im richtigen Moment anzugreifen. Wenn er mit seiner Vermutung richtig lag, dass kam der falsche Jakuji gerade auf die richtige Ayumi zu und versuchte sie in eine Falle zu locken.
      Und für den richtigen Jakuji bedeutete dies, dass der richtige Dämonenmond keine Schwertkampfhaltung annehmen würde.

      Somit konnte er das Ziel für seinen Überraschungsangriff bestimmen. Ein Angriff den er über die letzten Jahre immer nur dann eingesetzt hatte, wenn er all seine Wut hinein legen musste. Die Rede war von seiner berüchtigten flachen Hand, die schon den ein oder anderen Dämonenkopf zu platzen gebracht hatte. Der junge Dämon machte sich bereits auf das Signal der Schwertkämpferin zu warten. In Gedanken rief er ihr zu: Bau jetzt keinen Mist, sonst erwische ich den falschen!

      Ob sie sich nicht hätten verständigen können? Der zu Beginn freigesetzte Gestank blockierte die Atemwege zu sehr, als dass man hätte sprechen können.
    • Als Ayumi es dann tatsächlich schaffte, dem Dämonenmond mit einem einzigen Hieb den Kopf abzuschlagen, traute sie zuerst ihren Augen nicht. Doch dann breitete sich ein stolzes Grinsen auf ihren Lippen aus – eines, das jedoch nicht lange hielt.
      Sie hatten sich zu früh gefreut... viel zu früh.
      Die Luft wurde noch schwerer, der Gestank noch bestialischer, sodass Ayumi gezwungen war, den Atem anzuhalten. Aber sie wusste: Es war nur eine Frage der Zeit, bis ihr Körper sie dazu zwingen würde, wieder zu atmen. Ihre Augen brannten immer stärker. Für einen winzigen Moment schloss sie sie. Dann hörte sie es: Jakuji, wie er durch die Luft geschleudert wurde – erst gegen eine Wand, dann noch weiter durch die Gasse.

      Als sie ihre Augen wieder öffnete, weiteten sie sich erschrocken. Denn nun... stand da nicht nur ein Jakuji. Es waren zwei.
      War das etwa...eine Blutdämonenkunst?! Meisterin Kagura und Meister Daigo hatten im Theorieunterricht unzählige Male davon gesprochen. Aber wie sollte sie – die noch nicht einmal eine eigene Atmentechnik beherrschte – gegen so etwas bestehen?!
      Verdammt...verdammt, verdammt, verdammt!

      Ihr Atem wurde ihr sprichwörtlich entzogen. Panik kroch langsam in ihr hoch. Sie mussten den Kampf beenden - so schnell wie nur möglich. Ihr Blick sprang vom einen Jakuji zum anderen und dann wieder zurück. Nur einer von ihnen konnte der echte sein... und der andere war dieser verdammte Mistkerl.
      Und da war noch etwas...wenn sie zweimal Jakuji sah – was sah dann der echte Jakuji?!
      Einer von ihnen kam gerade auf sie zu. Der andere stand abwartend da, bereit zum Angriff, den Blick zwischen ihr und seinem Doppelgänger springend.

      Ayumi wich langsam ein paar vorsichtige Schritte von beiden Jakujis zurück, hob ihr Katana und hielt es schützend vor ihren Köerper. Ihre Gedanken rasten. Sie musste dem echten Jakuji ein Zeichen geben. Irgendetwas, das nur er verstehen würde. Dann – plötzlich – fiel es ihr ein. Sie wusste genau, wie sie sich zu erkennen geben konnte. Und wie sie anhand seiner der Reaktion herausfinden würde, wer der echte Jakuji war.

      Shoumato“, keuchte sie – ihre Stimme rau, der Atem fast am Ende...
    • Jakuji beobachtete die Lage so gut er noch konnte. Sein Körper fühlte sich allmählich immer schwächer an. Es war für ihn eine Kampf alleine die Augen offen zu halten und den Fokus zu behalten.
      Dann hörte er etwas, dass einem Wort ähnelte, dass nur die echte Ayumi kennen konnte. Es sein denn, der Dämonenmond war auch in der Lage dieses Wissen zu reproduzieren. Es bleib keine Zeit mehr, da auch Jakuji langsam die Sinne schwanden.

      Der junge Dämon nutzte alle seine verbliebene Kraft, um Getsumaru schnell und trotzdem leise näher zu kommen. Gerade als er zum Schlag ausholen wollte, drehte sich dieser aber eine halbe Umdrehung nach hinten und konterte den Angriff ohne Mühe. Ein freches Grinsen lag auf dem Gesicht des Mondes. Er war sich in diesem Moment sicher den Kampf gewonnen zu haben, als Jakuji ins taumeln kam.
      Der Junge Dämon musste noch ein paar gute Hiebe einstecken, doch es ging ihm nicht darum den Dämonenmond zu besiegen. Denn aus dieser jedes Mal wenn Getsumaru versuchte Abstand aufzubauen, packte Jakuji seinen Körper, einen Arm oder was er auch zu fassen bekam. Der Mond verlor sein schelmisches Grinsen, als Jakuji es nach einige Rückschlägen sogar schaffte einen Kick abzufangen, der ihn eigentlich hätte davon schleudern sollen. Nun hatte er den Dämonenmond soweit im Griff, dass er nur noch versuchen musste einen besseren Griff zu bekommen und auf keinen Fall die Besinnung zu verlieren, bis es in dem Gerangel eine Möglichkeit für Ayumi gab ihm den Kopf abzuschlagen.

      Getsumarus und Jakuji rangen noch ein paar Mal, es wurden Schläge ausgetauscht. Fast hätte es Jakuji geschafft einen guten Treffer zu landen, da er seinen Hebel aber nicht aufgeben wollte, konnte der Dämonenmond seinen Schlag mit dem Arm abblocken. Noch einmal ging es wild durcheinander, bis Jakuji sich auf den Rücken drehen ließ. Beide Hände des Mondes lagen an seinem Hals und drückten ihn zu Boden. Jakujis Beine hatten seine Hüfte aber immer noch fest umschlossen. Er griff nach den Händen des Mondes und presste mit seinen Beinen gegen die Hüfte seines Gegners. Nun war er gefangen. unaufmerksam und hoffentlich bald erledigt, denn die Hände am Hals des jungen Dämonen Quetschten so heftig zu, dass er glaubte selbst gleich den Kopf zu verlieren.

      Mit allerletzter Kraft versuchte Jakuji seinen Position zu halten.
    • Kaum hatte das Wort „Shoumato“ – das für sie selbst und damals auch für Haruto so viel Bedeutung gehabt hatte – ihre Lippen verlassen, konnte sie beobachten, wie sich einer der beiden Jakujis schnell, aber dennoch leise, dem anderen näherte.
      Jetzt war sie sich sicher, bei wem es sich um den echten Jakuji handeln musste. Beziehungsweise: Es blieb ihr keine andere Wahl, als sich auf ihren natürlichen Instinkt zu verlassen.
      Ihr Atem schwand immer weiter, doch Ayumi weigerte sich stur, Luft zu holen. Wissend, dass es sonst ihr letzter Atemzug sein könnte.
      Mit zusammengebissenen Zähnen blieb ihr nichts anderes übrig, als den Schlagabtausch zwischen den beiden zu beobachten. Sie wollte eingreifen, aber sie wusste, dass sie auf den perfekten Moment warten musste. Ein Fehler, ein falscher Hieb, und sie könnte den echten Jakuji verletzen. Das Risiko war einfach zu hoch.

      Und dann... endlich!
      Der Dämonenmond hatte Jakuji zu Boden gedrückt. Die Hände um seinen Hals gelegt, presste er ihn mit aller Kraft nach unten – unachtsam gegenüber seiner Umgebung.
      Jakuji jedoch hielt den Mond mit seinen Beinen an der Hüfte fest und versuchte ihn in Position zu halten.
      Das war die Chance - die eine Gelegenheit, auf die Ayumi gewartet hatte. Und die von Jakuji so perfekt vorbereitet wurde. Die einzige Chance, die sie kriegen würden. Wenn sie jetzt nichts unternahm, würde sich eine solche Möglichkeit nicht noch einmal ergeben. Und dann würden sowohl Jakuji, als auch sie selbst...

      Ayumi schüttelte den Gedanken so schnell ab, wie er gekommen war. Sie hatte keine Zeit dafür.
      Ohne auch nur eine weitere kostbare Sekunde zu verschwenden, sprintete sie lautlos und mit hoher Geschwindigkeit auf die beiden Dämonen zu. Die erhobene Klinge glitzerte in der Dämmerung – dem ersten Licht des sich bedrohlich nähernden Sonnenaufgangs.
      Noch einmal spannte sie jeden einzelnen Muskel in ihrem Körper an. Noch einmal ging sie über ihre Grenzen, nutzte jede Kraft, die noch in ihr steckte.

      Dann schlug sie zu. Die Klinge ihres Katanas traf den Hals des Dämons. Sie spürte den Widerstand. Den Widerstand seiner Muskeln... seines Fleisches... seiner Knochen...
      Aber Ayumis Wille zu überleben – und Jakuji mit sich zu retten – war stärker. Und so trennte die Klinge den Kopf des Dämons von dessen Schultern. Er flog durch die Luft, schlug auf dem staubigen Boden auf und kam ein paar Meter weiter zum Liegen.
      In dem Moment verzog sich der beißende Gestank, der die Luft verpestet hatte. Ayumi sackte keuchend auf die Knie und presste eine Hand an ihren Brustkorb, während sie tief nach Luft rang.

      Sie hatten es geschafft. Gemeinsam hatten sie es geschafft, einen Dämonenmond zu besiegen. Sie hatten einander beschützt – so, wie sie es sich einst versprochen hatten.
      Noch immer schwer atmend, hob Ayumi den Blick. Ihre Augen suchten nach den denen von Jakuji - und als sie sie fand, zog sich ein schwaches Lächeln über ihre Lippen.

      "Haruto...du warst klasse."
    • Jakuji spürte einen Ruck. Der Körper des Mondes versteifte sich kurz, brach dann auf ihm zusammen. Erschöpft und erleichtert, rang der junge Dämon nach der immer frischer werdender Luft. Es war nicht zu glaube. Sie hatten es geschafft einen der Dämonenmonde zu erledigen... Zusammen. Dämonenjäger und Dämon. Eine sehr skurrile Paarung. Oder mit den Worten des 6. abnehmende Dämonenmondes: Kranker Scheiß. "Das war Wahnsinn... Im wahrsten Sinne des Wortes. Trotzdem warst du cool wie immer." Antwortete Jakuji mit rauer Stimme. Seine Kehle hatte noch immer kein Gefühl. Dennoch meinte man für den Bruchteil einer Sekunde die Antwort wäre aus Harutos Mund gekommen.

      Der Junge Dämon rappelte sich so schnell er konnte auf, als er bemerkte, dass der Körper des erledigten Mondes allmählich begann sich aufzulösen. Jakuji hatte keine Zeit mehr. Er musste es jetzt tun, sonst würde der Schwindel am Ende doch noch auffallen. Ohne Rücksicht auf Ayumi zu nehmen, labte er sich an dem was er von Getsumaru noch erwischen konnte. Wie ein Tier, fiel er über den allmählich schwindenden Kadaver her. Schmatzend, schnaufen. Wie in einem Rausch, den er erst unterbrechen konnte, als nichts mehr übrig war. Ein kleiner Teil hatte sich aufgelöst. Doch das Meiste konnte er sich zeitnah einverleiben.

      Über und über mit Blut bekleckert, stand er nun da. Es musste sein. Das war der Gang der Dinge. Nur so konnte er den Kreislauf schließen ohne später als Lügner entlarvt zu werden. Außerdem konnte Jakuji jetzt schon spüren, wie seine Kräfte wieder zurückkehrten. Mehr als das. Er fühlte sich sogar deutlich stärker als zuvor. Satt und zufrieden, schenkte er Ayumi wieder seine Aufmerksamkeit. "Er war auch nur einer der die Schwächeren schikaniert hat. Ich habe kein schlechtes Gewissen ihn ebenso unfair besiegt zu haben wie er all meine Brüder und Schwestern betrogen hat." Rechtfertigte sich Jakuji gegenüber Ayumi. Dieses Mal war seine Stimme wieder gewöhnlich dämonisch.-regeneriert. Man meinte aber auch ein Quäntchen Haruto heraus zu hören.

      Es gab aber noch eine Sache, die er der Schwertkämpferin sagen musste, bevor er sie womöglich eine ganze Weile nicht mehr wiedersehen würde. Denn der Weg den er nun beschritten hatte war noch dunkler und noch unbarmherziger als der zuvor. Er war sich nicht mal sicher, ob Ayumi sich über das Ausmaß dieses Sieges bewusst war.
      "Wenn wir uns das nächste Mal treffen... Werde ich einer der 12 sein..." Erklärte er ihr mit gewohnt kalter Stimme.


      Der Tumult der Panik hatte sich allmählich gelegt. Die Dämonenjäger hatten es geschafft die Dämonen zurück zu treiben. Die Straßen waren fast komplett leer. Jakuji spürte, dass er nun nicht mehr viel Zeit hatte, bevor man ihn stellen und erledigen würde. Noch schlimmer war aber, dass man Ayumi womöglich auch noch bestrafen würde.
    • Benutzer online 1

      1 Besucher