My flirtatious Knight [Concorde&Royal]

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    • My flirtatious Knight [Concorde&Royal]

      Vorstellung

      @RoyalMilkTea

      Philippe saß ungeduldig auf seinem kleinen Thron, der unweit von dem seines Vaters stand. Es war eine alte Sitte, die heute eher antiquiert wirkte. Es gab in dem Sinne keine Audienzen mehr. Wer ihn oder seinen Vater einen Gefallen abbringen wollte, konnte das theoretisch zu jeder Zeit und in jedem Moment. Sei es beim Abendessen mit einigen Hofbediensteten und niederen Adeligen, auf einer Soiree des Hauses oder beim königlichen Dinner in der Hauptstadt. Insofern waren Philippe diese Thronsessel ein Dorn im Auge und mehr ein Zeuge einer alten Zeit als wirklich ein Symbol der Macht. Doch sein Vater legte Wert auf Tradition und Geschichte. Davon konnte der junge Prinz ein Lied singen: hatte er doch erst gerade die Chronik des Reichs, die nur läppische 5.000 Seiten umfasste in Latein gelesen. Wohl deswegen und aufgrund eines Umstands, dem ihn sein Vater bereits vor ein paar Tagen mitgeteilt hatte seufzte der Erbe des Herzogs. Dem Herzog entging dies nicht und er hob musternd die Augenbraue, ehe er zu seinem Erstgeborenen sah. "Benimm dich gefälligst. Dies alles ist nur zu deinem Schutz.", erinnerte ihn sein Vater an das leidige Thema, das jetzt begann. Sein Vater war nämlich auf die Idee gekommen, ihm einen Leibwächter zur Seite zu stellen. "Aber Vater, das ist doch übertreiben! Wir leben nicht mehr im Mittelalter, wo Erben mit Gift umgebracht wurden oder zufällig von einer Burgmauer gestoßen wurden." Der Herzog schnaubte zornig. "Als mein Sohn solltest du bei weitem nicht so einfältig sein! Es geht um viel mehr als das! Die Situation auf der Straße hat sich geändert. Das Volk sieht es nicht mehr als gegeben an, dass ein Herzog über sie wacht. Unser König wurde doch selbst schon von einem Mobb in der Straße der Hauptstadt angegriffen."

      Der junge Prinz erinnerte sich an den Brief, den sie aus dem Palast bekamen. Darin war die Situation geschildert und sicherlich hatte Philippe Mitleid mit seiner Majestät und dennoch. Der König hielt mehr Bälle ab als sein kurz vorher verstobener Vater. Man nannte den König schon gar spöttisch den Feierkönig, in einer Zeit, in der vor allem Getreide und Mehl knapp waren, war dieser Beiname kein förderlicher. Davon waren Philippe und sein Vater jedoch weit entfernt. In ihrem Reich waren sie sehr beliebt und regierten mit weit mehr Augenmaß als der König, der immer wieder die teuersten Weine für seine Soireen orderte. Eine Gefahr für das System sah er darin jedoch noch nicht. Aufstände und Mobbs gab es schon immer und dafür hatten sie auch eine eigene Garde. Also wofür brauchte er, Philippe, unbedingt einen eigenen Wächter? Er wollte sich gar nicht so sehr von jemanden beobachten lassen, noch dazu wen, den er selbst gar nicht ausgesucht hatte. Der junge Prinz kannte seinen Vater zu gut und früchtete, dass er ihm einen regelrechten Aufpasser auf den Hals hetzen wird.

      Philippes Gedanken verloren sich als die mächtige Türe zum Thronsaal geöffnet wurde und ein elegant gekleideter Ritter hereinkam. "Sir le Fleur, eure Exzellenz", kündigte der Hofprotokollant den Besuch an. Der schwarzhaarige Thronfolger fragte sich, ob er den Namen schonmal gehört hatte, konnte ihn aber nicht zuteilen. Vielmehr folgten seine blauen Augen den gut getakteten Schritten des Sirs, der den Saal zielgerichtet betrat und erst vor dem Thron zum Stehen kam. Während sich der neue Leibwächter in den Saal begab musterte Philippe bereits sehr genau den Menschen und versuchte aus ihm und seinem Habitus schlau zu werden. Doch er konnte sich auf den Typen noch keinen Reim machen, bloß die hellen blonden Haare und die violetten Augen fielen ihm jetzt schon stark auf. Beinah fühlte er sich von diesen beobachtet.
    • Würde ein anderer an Gradiantes Stelle stehen, hätte er sicherlich kein Augen in der letzten Nacht zu machen können, nicht wenn er kurz davor war nicht nur einem mächtigen Herzog und seinem Erben gegenüber zu stehen, sondern auch noch mit der Aufgabe betraut zu sein, eben jenen Erben mit seinem Leben zu beschützen. Womöglich hätte ein Anderer sich sogar Sorgen gemacht beim scheitern sein eigenes Leben zu verlieren.
      Doch nicht er, nicht Gradiante. Er nahm die ganze Angelegenheit locker, vielleicht ein wenig zu locker – nein, ganz eindeutig zu locker.
      Diese Verantwortung hätte auf seinen Schultern lasten sollen, doch der Blonde fragte sich nur, was ihm das bringen sollte? Vielleicht hätte er diesen Job sogar abgelehnt, wenn die Bezahlung nicht so gut gewesen und das Land seines Vaters – seine Heimat – das Geld nicht dringend gebrauchen könnte.
      Die Ernte dieses Jahr war schrecklich und auch wenn er im Namen ein Adeliger war, so bestand seine Familie doch mehr aus Bauern, die sogar Hand anpackten, wenn es zu wenig Hände gab. Wovor sich Gradiante selbstverständlich gedrückt hatte, wo er nur konnte.
      Der junge Schwertkämpfer richtete noch einmal seinen Kragen – auch wenn er nicht unbedingt beeindrucken wollte, so war ihm ein gutes Aussehen doch wichtig – während er sich mal wieder fragte, wie er es so weit geschafft hatte. Ja, er war gut mit dem Schwert, wirklich gut, so gut, dass sein Schwertmeister Empfehlungsschreiben in die entferntesten Winkel des Reiches verteilt hatte.
      Und nun war er hier. Und hoffte, dass der Erbe, auf den er aufpassen durfte, nicht ganz so verwöhnt wie andere Adeligen war.
      Letztendlich gab man ihm ein Zeichen, dass er eintreten durfte und sein Name wurde für die mächtigen Herrschaften verkündet. Sir le Fleur. Ob er sich jemals daran gewöhnen würde ein Sir zu sein? Es waren zwar schon einige Jahre, aber so richtig schien der Titel immer noch nicht zu ihm zu passen. Wie eine zweite Haut, die nicht so richtig sitzen wollte.
      Dennoch setzte Gradiante sein charmantestes Lächeln auf, trat herein und verbeugte sich sogleich mit der Hand auf dem Herzen, wie man es ihm beigebracht hatte. Immerhin hielt der Großadel viel von Etikette, nicht wahr?
      „Sir le Fleur, eure Exzellenzen, zu ihrem Diensten.“, blickte der Blondschopf erst auf, als es ihm erlaubt wurde und während auf dem größeren Thron ein älterer Mann saß, der genauso aussah, wie Gradiante sich einen Herzog vorgestellt hatte – was nicht unbedingt ein Kompliment war – stockte ihm kurz sein Herz, als sein Augenmerk auf den jüngeren Herrn gerichtet war. Und er konnte beim besten Willen nicht aufhören ihn anzustarren.
      Durfte ein Mensch so... schön aussehen? War es etwa das adelige Blut? Da Gradiante nur der Sohn eines kleinen Counts war – und noch dazu einer der jüngsten Söhne, für die nicht einmal ein Krümmel an Verantwortung oder Macht übrig blieb – war er bis zum heutigen Tage kaum einem Hochadel begegnet. Für all diese hochtrabenden Soireen, Partys und Bälle erhielt er nicht einmal eine Einladung.
      Hätte man ihm eröffnet, dass ein Engel vor ihm saß, hätte Gradiante es geglaubt. Oder dass dieser junge Mann tatsächlich von Gott für seine Position ausgewählt wurde, wie viele über den König und Adel behaupteten, würde er es tatsächlich glauben. Nur dieses eine Mal.
      Ein Lächeln bahnte sich an, dass Gradiante strickt unterdrückte. Vielleicht würde es ihm sogar Spaß machen, diesem jungen Mann zu dienen. Da durfte er auch ruhig etwas verwöhnt sein.
      Wie war der Name noch gleich... Henri? Philip? Nein... aber so ähnlich. Er wünschte sich er hätte dieses Mal besser bei den Namen aufgepasst.
      Letztendlich riss er sich endlich von Philippes Anblick los – auch wenn er wirklich nicht wollte – und richtete seine Aufmerksamkeit wieder nach vorne.
      Hoffentlich würde der alte Mann bald verschwinden.
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    • Philippe erwiderte den höflichen Gruß des Ritters nicht sofort. Zu sehr war er damit beschäftigt, seine spontane Reaktion unter Kontrolle zu bringen. Dass dieser Sir le Fleur keineswegs wie ein typischer, alterfahrener Leibwächter aussah, irritierte ihn. Es war nicht seine Schuld, dass ihm die violetten Augen sofort ins Auge gestochen waren. Natürlich, dachte Philippe, muss mein Vater ausgerechnet diesen Parade-Beau engagieren. Der Herzog war da weniger beeindruckt. Mit verschränkten Armen und prüfendem Blick musterte er den Neuankömmling, ließ sich Zeit, ehe er sprach. „Sir le Fleur“, wiederholte er betont ruhig, beinahe ein wenig gedehnt. „Ihr kommt mit großen Empfehlungen. Und ebenso großen Erwartungen. Ich hoffe, ihr seid euch bewusst, dass dies kein Posten für einen eitlen Turnierhelden ist.“ Ein beinahe unmerkliches Zucken zog durch Philippes Mundwinkel. Natürlich muss Vater gleich wieder alles zerreden.

      Die Haltung des Ritters blieb tadellos, doch in seinem Blick blitzte ein Hauch von etwas auf – Stolz vielleicht, oder Trotz. Der Herzog erhob sich ein Stück von seinem Thron, nur so weit, dass seine Stimme mehr Gewicht bekam. „Mein Sohn wird ab sofort unter eurer Obhut stehen. Ihr weicht nicht von seiner Seite, es sei denn, ich oder mein Sohn geben es ausdrücklich frei. Ihr begleitet ihn zu jeder offiziellen Veranstaltung, bei jeder Reise, jedem öffentlichen Auftritt. Wenn er nachts durch den Palast streift, dann geht ihr mit. Und wenn er sich wieder einmal unter das einfache Volk mischt – dann umso mehr. Und auch ansonsten werdet ihr ihm nicht von der Stelle weichen! Habe ich mich da klar ausgedrückt?“
      Philippe seufzte hörbar. „Wirklich, Vater? Muss das so… streng sein? Ich bin kein Kind mehr.“
      „Du bist auch kein gewöhnlicher junger Mann“, entgegnete der Herzog scharf. „Du bist mein Erbe. Und in einer Zeit, in der Unruhe, Hunger und Groll durch die Gassen zieht, ist dein Leben nicht nur wertvoll – es ist politisch. Versteh das endlich.“ Die Faust des Herzogs haute dabei bestimmt auf die Armlehne des Throns. Philippe verdrehte die Augen und suchte dann den Blick des neuen Leibwächters.
      „Dann hoffe ich, Sir le Fleur, dass Ihr nicht allzu viel Angst davor habt, bei Nacht durch die Küchen zu schleichen. Oder vor Gesprächen mit Händlern auf dem Markt. Ich nehme meine Freiheit sehr ernst.“
      Der Herzog verdrehte nur leicht die Augen. „Er testet euch bereits. Gewöhnt euch besser daran.“ Philippe war gar nicht danach, dass sich der Ritter daran gewöhnte, er wollte ihn so schnell es ging auch wieder los werden - wenngleich ihn etwas an dem jungen Mann faszinierte. Doch was?

      Der Herzog ließ sich wieder auf seinem Thron nieder und winkte beiläufig einem Bediensteten zu. „Bringt Sir le Fleur zu seinen neuen Gemächern. Heute Abend findet hier ein kleiner Ball anlässlich des Geburtstags der Herzoginmutter statt. Dort werdet ihr bereits ein Auge auf diesen Freigeist dort haben.“ Philippe rollte erneut die Augen und verschränkte die Arme vor der Brust. Er wollte seinen Vater aus Respekt nicht weiter provozieren und dennoch teilte er dessen übervorsichtige Ansicht nicht.
    • … eitler Turnierheld? War es das, wie die anderen ihn sahen? Zugegeben, er mag sicherlich recht eitel wirken, wie er immerzu auf sein Aussehen bedacht war und sicherlich auch arrogant, wie er das Schwert mit einem Lächeln schwang, ohne sich so recht Mühe zu geben und mit Leichtigkeit ein Turnier nach dem anderen gewann – in welche sein Lehrmeister ihn gesteckt hatte, um seine Talente zu zeigen. Vielleicht wollte er aber auch nur mit seinem Schüler angeben, dem alten Mann war das durchaus zuzutrauen.
      Gradiante sah sich selber jedoch weder als eitel, noch als Turnierhelden. Die Bezeichnung amüsierte ihn, nur ein kurzes Funkeln in seinen Augen, dass jedoch sogleich von einer vorgespielten Professionalität verschluckt wurde.
      Als ihm befohlen wurde, dem Erben nicht von der Seite zu weichen, wurde sein Lächeln dann doch ein Stückchen breiter, etwas ehrlicher. Auch der Wortwechsel zwischen Vater und Sohn amüsierte ihn zusehends, der hübsche Mann mischte sich also gerne in das einfache Volk, wie?
      Der Ritter zweifelte keine Sekunde daran, dass er mit diesem hübschen Gesicht sofort auffiel.
      „Aber nicht doch. Weder die Nacht, noch die Küche machen mir Angst und vor Händlern werde ich euch schon beschützen können.“, konnte er sich das amüsierte Lächeln nicht verkneifen und verbeugte sich ein weiteres Mal kurz, dieses Mal jedoch deutlich verspielter, „Ich werde keine einzige Sekunde von eurer Seite weichen, eure Exzellenz.“, und Gradiante freute sich bereits darauf.

      Ein Ball... wie? Dann würde das wohl sein erster werden. Ob der junge Mann wohl gerne tanzte?
      „Selbstverständlich, ich werde ihn nicht aus den Augen lassen.“, starrte der Ritter Philippe bei diesen Worten bereits mit einer solchen Intensität an, die deutlich machte, dass er seinen Worten Taten folgen lassen würde. Auch wenn in seinem Blick deutlich mehr mitschwang als bloße Loyalität oder Entschloss den jungen Erben zu beschützen.
      Mit einem Nicken verabschiedete er sich von den beiden Herrschaften für einen Moment und folgte dem Bediensteten, der Sir Le Fleur in seine Gemächer brachte und amüsiert musste dieser feststellen, dass man ihm bereits ein für den Anlass passendes Gewandt vorbereitet hatte.
      Er mag nur ein Leibwächter sein, aber selbst dieser hatte gut neben dem Erben auszusehen, wie?
      Für einen Moment betrachtete sich der Ritter noch im Spiegel, richtete das blütenweiße Halstuch und fragte sich, ob dem Schwarzhaarigen diese Kleidung gefallen würde.
      Wenn es nicht zu unschicklich gewesen wäre, hätte er glatt ein paar Knöpfe offen gelassen.
      So aber ließ er sich von dem Bediensteten zu den Gemächern des Herzogserben führen, welcher an die Tür klopfte und diesen Wissen ließ, dass Sir Le Fleur zugegen war.
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    • Philippe stand vor dem Spiegel und um ihm rum zwei Bedienstete. Er seufzte. "Immer dieser Bälle. Ich sehe aus wie ein Geschenk. Hochwertig verpackt, aber total unpraktisch. Dieses komische Tuch hier stör mich und diese ... und ...", er fummelte an einem Tuch, das den oberen Kragen seines Seidenhemdes zierte. Er fühlte sich in dem Anzug, den ihm seine Bediensteten entsprechend des Hofprotokolls herausgesucht hatten, nicht wohl. Er öffnete das teure, aufwendig mit Tüchern bestickte Seidenhemd und zog es sich gerade aus, als es in diesem Moment klopfte. Ein Diener trat ein und kündigte den neuen Beschützer Philippes an. Dieser rollte die Augen und war jetzt schon genervt von seiner neuen Leibgarde. "Bringt ihn rein!", wies er den Diener harsch an und musterte nebenbei die Hemden, die extra auf einer kleinen fahrbaren Kleiderstange in die Mitte des Raums gebracht wurden. Seine Laune verschlechterte sich mit jeder Sekunde. Der Prinz schaute sich die Hemden auf der Stange an während er Sir le Fleur eintreten hörte. Er drehte sich um und musterte ihn kurz. "Ah man hat dir bereits ein Gewand rausgelegt. Wie Toll du doch aussiehst", sagte er ironisch und schaute wieder zu den Hemden, ehe er sich für ein hellblaues Hemd entschied, das schlichter war. "Das steht euch gewiss gut, Marquis aber das ist recht ... einfach. Vielleicht solltest Ihr lieber ...", wand ein Diener ein und der schwarzhaarige Erbe schüttelte den Kopf. "Ich weiß, aber deswegen mag ich es." Einer der Diener wollte antworten, da warf er ihm einen tadelnden Blick zu und erstickte die Widerworte im Keim. Er zog sich dann Hemd an und während er dieses zuknöpfte, drehte er sich zu seinem neusten Bediensteten, Sir le Fleur. "Glaub nicht, dass du die ganze Zeit in meiner Nähe bist", raunte er und schloss den letzten Knopf am Hemd und richtete den Kragen. "Reicht mir schon, dass meine Eltern mich auf jedem Ball mit irgendeinem daher gelaufenen Mädchen verkuppeln wollen. Da brauche ich nicht noch dich als Beschützer. Also bleib den Abend über am besten an der Seite oder oben auf der Balustrade im Ballsaal." Dabei warf ihm Philippe ein charmantes - nicht wahr gemeintes - Lächeln zu, mit dem er es gewohnt war, dass man ihm jeden Wunsch erfüllte.

      Die Diener nutzten die Ablenkung und reichten Philippe eine Jacke passend zu seinem Kostüm und richteten sie an seinem Körper. Er hasste die formalen Abendkleider und würde viel lieber etwas Aufregendes erleben als hier auf Brautschau zu sein. Er raunte und blickte zu seinem Ritter, der ihn angrinste als ob er am längeren Hebel saß. Dazu diese Ausstrahlung! Er würde noch wahnsinnig werden. Der schwarzhaarige Erbe schnaufte daraufhin so doll, dass die Haarsträhne, die im im Gesicht lag, nach oben wehte. Das Zeichen für die Diener: Sie rückten mit Pomade an. "Auf keinen Fall!", wimmelte er die beiden Männer ab. Mit großen Augen blickte der dritte Diener, der hinter Sir le Fleur stand die beiden Bediensteten an. "Ich mag meine Haare so wie sie sind. Vielen Dank. Ich bitte nun alleine mit Sir le Fleur zu sein."
      "Aber eure Schuhe!"
      "Na so alt bin ich nun wirklich nicht. Vielen Dank." Mit diesen Worten verbeugten sich die drei Diener und verließen die geräumigen Gemächer des Prinzen. Er seufzte , setzte sich auf einen kleinen Hocker im Raum und zog die schwarzen Anzugschuhe an. "Ich komme mir vor wie ein Pokal", raunte er und sah zu dem Ritter. "Ein Pokal, den man bewachen muss." Er schüttelte den Kopf und fragte sich, wie lange er es mit dem Ritter aushalten würde. Philippe - so war er sich sicher - würde sich größte Mühe geben diesen unnötigen Ballast so schnell wie möglich wieder los zu werden.
    • Gradiante konnte das amüsierte Schmunzeln nicht verbergen – nun, eigentlich wollte er auch nicht – als der junge Erbe ihm ein Kompliment machte. Er ignorierte den Sarkasmus in der Stimmte des Schwarzhaarigen entschieden, außerdem war auch der Anblick, der viel zu schnell hinter sich schließenden Knöpfen verschwand, ein guter Grund zum schmunzeln.
      „Dann nehme ich wohl an, dass mein Gewand eurem Geschmack entspricht?“, erkundigte sich der Ritter neugierig und beobachtete die Reaktionen dessen genau. Also mochte er schlichte Gewänder, was? Das ganze zu recht machen schien ihm ja ganz schön lästig zu sein, musste der blonde Ritter feststellen, während er zusah, wie die Diener wie Motten zum Licht um Phillipe herum schwirrten und sich offenbar Mühe machten – Mühe machenwollte – um den Schwarzhaarigen so gut aussehen zu lassen wie nur möglich.
      Nicht, dass das nötig gewesen wäre. Selbst in den Kleidern eines Bauern wäre Phillipe ihm sofort ins Auge gefallen.
      „... mh? Aber nicht doch. Ich habe eurem Vater doch versprochen, nicht von eurer Seite zu weichen...“, näherte er sich ein paar Schritte, „... also werde ich genau das tun.“, rückte der Ritter näher, als er müsste und lachte vergnügt, als Phillipe die Pomade ablehnte.
      So hatte er sich nun wirklich keinen Herzogserben vorgestellt. Und er begann gefallen daran zu finden.
      „Mhmmm... aber nicht doch.“, kommentierte der Blonde mit einem Lächeln die Worte des Schwarzhaarigen, als dieser ihn wissen ließ, dass er sich wie ein Pokal fühlte und Gradiante konnte einfach nicht anders, als sich mit einem gebeugten Knie vor den Anderen zu knien und begann die Schnürsenkel der Schuhe zu binden, ehe er die Hand auf eines dieser perfekten Beine legte und mit einer Intensität in den Augen hinauf blickte, die mehr als nur deutlich machte, dass er Interesse am Schwarzhaarigen hatte.
      Es mochte ihm seinen Job kosten, aber ihm lag sowieso nicht so viel an diesem.
      „Ihr seid deutlich wertvoller als ein lebloses Stück Metall. So... lebendig. Voller Feuer. Schickt ihr euer Diener öfter so fort?“, erkundigte er sich mit einem belustigten Grinsen und öffnete nun doch ein paar Knöpfe seines Hemdes.
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    • Für einen winzigen Augenblick blieb Philippe vollkommen reglos sitzen. Er beobachtete wie dieser vorlauter Ritter ihm die Schnürsenkel zuband. Beinahe stieg ihm dabei die Röte ins Gesicht. Noch nie war ihm jemand - außer seiner Diener so nah gekommen. Und dann ... Die Hand auf seinem Bein – zu nah, zu selbstverständlich – ließ eine Wärme durch seinen Körper jagen, die nichts mit der Raumtemperatur zu tun hatte. Sein Blick fiel in die Augen des Ritters, diese unverschämt violetten Augen, und es kostete ihn einiges an Selbstbeherrschung, nicht den Kopf zur Seite zu drehen oder gar brüskiert zu reagieren.

      Stattdessen schluckte er kaum merklich und hob dann langsam eine Braue, die Haltung wieder stolz und kontrolliert, auch wenn ihm nun ganz kurz die Farbe in die Wangen gestiegen war. Nur ein Hauch – aber wer genau hinsah, konnte es vielleicht bemerken.
      „Du nimmst deinen Dienst sehr... wörtlich, Sir le Fleur“, sagte er schließlich ruhig, mit einem Tonfall, der höflich, aber spürbar reserviert war. Nicht schroff, doch mit der leichten Distanz, die er brauchte, um wieder Herr der Lage zu werden.
      Um sich aus der für ihn schambehafteten Situation zu befreien und Abstand zwischen den Ritter und sich zu bringen, richtete er sich ruckartig auf. Er richtete den Kragen seines Hemdes und ging zu dem Spiegel wenige Meter von ihnen entfernt zu. Er musterte sich darin und blickte gleichzeitig durch den Spiegel in Sir le Fleurs Augen. „Es wird wohl eine Herausforderung für dich sein, nicht aufzufallen.", stellte er mit einer trockenen Stimme fest. Philippes Blick war fest, ruhig – doch wer ihn gut kannte, hätte das vorsichtige Aufblitzen von Unsicherheit darin erkennen können. „Ich hoffe, du kannst zwischen Pflicht und ... anderen Dingen ... unterscheiden." Er wagte es nicht von Avancen, Aufmachung oder gar Flirt zu sprechen. Er würde zu rot werden. Es war es gewohnt, dass er die Zügel in der Hand und wenn er den ersten Schritt macht. Ungeduldig und nicht wissend, wie er sich verhalten sollte. Zupfte er nochmals prüfend an seinem engen, blauen Hemd, das seinen stattlichen Körper mehr als gut betonte. Im Nachgang wirkte es fast wie eine Provokation .. doch Philippe mochte eine gewisse Provokation. Die Reaktion des Ritters jedoch hatte er so nicht provozieren wollten.

      Er holte tief Luft, drehte sich schließlich ganz zu Gradiante um und musterte ihn für einen Moment stumm. Dann glitt ein kaum sichtbares Lächeln über seine Lippen – höflich, vielleicht sogar ein wenig verlegen, aber gefasst. „Lass uns gehen. Je eher wir uns sehen lassen, desto schneller ist dieser Abend vorbei.“ Mit diesen Worten schritt er zur Tür, den Rücken aufrecht, das Kinn leicht gehoben – der perfekte Herzogserbe, als hätte er nichts gespürt. Nur sein Herzschlag verriet, dass das nicht ganz stimmte.
    • Der Ritter lachte in sich hinein, leise, wollte er den Herzogs Erben doch nicht in Verlegenheit bringen, doch es war viel zu amüsant, wie sich seine Haltung für einen Moment veränderte, nur um umso stolzer und kontrollierter zurück zu kehren. Also hatte Sir le Fleur wohl eine gewissen Wirkung auf den jungen Mann, was?
      Das verleitete den Blondschopf ja geradezu dazu, seine Hand ein weniger höher wandern zu lassen, als würde er nur den Stoff und den Sitz der Kleidung prüfen, dabei wanderten seine Gedanken in eine ganz andere Richtung.
      „Nun, man tut was man kann.“, antwortete der Ritter mit einem spielerischen Zwinkern und ließ sich von der kühle in Phillipes Stimme nicht beirren. Im Gegenteil. Es klang nach einer Herausforderung und wozu war das Leben da, wenn nicht für Herausforderungen? Alleine wenn es um die Liebe ging war selbst Gradiante bereit sich ein wenig anzustrengen und seinem Interesse hinterher zu jagen.
      Als sich der Schwarzhaarige aufrichtete, tat es ihm der Ritter gleich, blieb jedoch nahe seinem neuen Schützling, näher als das Protokoll von ihm verlangte.
      „Wieso? Weil ich so gut aussehe?“, grinste der Blonde und konnte nicht anders als dem Anderen ein Kompliment entlocken zu wollen. Wieso sonst sollte es eine Herausforderung für ihn sein nicht aufzufallen?
      „Oh, nur keine Sorge... ich kann ganz gut, zwischen diesen beiden Dingen unterscheiden...“, legte er ihm die Hand auf die Schulter. Manch einer könnte denken, dass sei eine ganz harmlose Geste um Phillipe zu beschwichtigen, doch die Art und Weise wie er seine Hand über die Schulter des anderen Streifen ließ und seine Stimme etwas senkte machte deutlich, dass mehr darin lag.
      Und wie Gradiante zwischen Pflicht und anderen Dingen unterscheiden konnte.
      Andere Dinge machten schlicht und einfach mehr Spaß und waren deutlich... verführerischer.
      Die Augen des Blondschopfs wanderten über den Körper des Schwarzhaarigen, als an seinem Hemd zupfte und seine Mundwinkel wanderten ein Stückchen nach oben. Hatte der Fisch doch angebissen? Womöglich war der werte Herr einfach nur etwas schüchtern? Oder gar unsicher?

      „Mh? Nun... da haben sie wohl recht.“, fragte sich der Ritter, ob es eine gute Sache war, wenn der Abend schnell vorbei war und ob dieser wohl noch zu anderen Dingen als einem Ball führen könnte. So folgte Gradiante Phillipe aus seinem Zimmer heraus, die Haltung eines Bodyguards, eines stattlichen Ritters einnehmend und nur aufmerksamen Augen würde auffallen, dass er nur wenige Schritte näher hinter dem Schwarzhaarigen her ging, als er hätte müssen.
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    • Philippe blieb vor der Tür stehen. Einen Moment zu lange. Seine Hand lag bereits auf der Klinke, doch irgendetwas hielt ihn davon ab, sie herunterzudrücken. Vielleicht war es die Art, wie der Ritter hinter ihm stand – zu nah, zu präsent, zu … sicher seiner Wirkung.
      „Weil du so gut aussiehst?“ wiederholte Philippe trocken, ohne sich zu ihm umzudrehen. Seine Stimme klang kontrolliert, fast spöttisch. „Bitte. Du bist hübsch, ja. Aber weißt du, hübsch sind viele. Und hübsch allein bedeutet gar nichts.“
      Langsam drehte er sich um, sein Blick suchte den des Ritters – offen, wachsam, mit einem Hauch von Trotz darin.
      „Du willst Eindruck machen. Das sehe ich. Doch bin ich nicht an Männer interessiert.“ Er trat einen Schritt näher an ihn heran. Nah genug, dass ihre Schultern beinahe berührten. „Und Ich weiß, was du versuchst, Sir le Fleur.“ Seine Lippen verzogen sich zu einem schmalen, messerscharfen Lächeln. „Aber ich bin auch nicht dumm. Wenn du schon spielst, dann solltest du wenigstens ein Spiel wählen, das du auch gewinnen kannst.“

      Einen Moment blieb es still zwischen ihnen, Spannung lag in der Luft – nicht nur aus Unmut, sondern aus etwas, das flüchtig war, schwer greifbar, aber dennoch da. Vermutlich weil Philippe tief in sich wusste, dass es nicht ganz stimmte. Die Aufmerksamkeit, die ihm Gradiante schenkte, das war die erste aufrichtige an ihm als Mensch. Wenn auch nur wegen seiner Optik - aber bestimmt nicht wegen seines Standes wie es sonst so oft der Fall war. Doch die Stille zwischen den beiden dauerte schon zu lange. Philippe wandte sich ruckartig ab, strich sich eine dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht und öffnete endlich die Tür. „Lass uns gehen. Ich habe heute schon genug Gefälligkeiten verteilt, ich muss mich nicht auch noch verführen lassen.“

      Er trat in den Gang hinaus, das Kinn leicht gehoben, die Haltung gerade, wie es sich für einen Herzogserben gehörte. Doch seine Stimme klang weicher, als er, ohne sich umzudrehen, hinzufügte: „Und hör auf, bei jedem Schritt dichter an mich heranzurücken. Ich rieche dein Parfum schon jetzt mehr als mein eigenes.“ Dann schritt er den Korridor hinab – mit jenem selbstbewussten, stolzen Gang, den man ihm beigebracht hatte. Aber der Rhythmus seiner Schritte war ein wenig schneller als sonst.

      Der Weg zum Ballsaal war gesäumt von höflich nickenden Bediensteten, hier und da ein neugieriger Blick – schließlich war es der erste öffentliche Auftritt des Erben mit seinem neuen „Schatten“. Philippe ignorierte die Blicke souverän, doch in seinem Inneren kribbelte es noch immer dort, wo Gradiantes Hand auf seinem Bein gelegen hatte. Am Eingang des prunkvoll geschmückten Ballsaals blieb Philippe stehen. Der Klang von Geigen und gedämpftem Gelächter strömte durch die geöffneten Türen, und der warme Schein unzähliger Kerzen ließ Kristalle an der Decke funkeln. „Du bleibst oben“, wies Philippe mit einer knappen Geste zur Balustrade hinauf. „Von dort hast du den besten Blick. Und die geringste Chance, mir auf die Nerven zu gehen.“ Er schenkte dem Ritter ein süffisantes, beinahe verspieltes Lächeln – eines, das ebenso sehr ein Befehl wie eine Herausforderung war – und wandte sich dann zum Abstieg in den Ballsaal.

      Kaum hatte er die untere Ebene betreten, bewegte sich bereits eine Gestalt auf ihn zu, die er unter hundert anderen erkannt hätte: seine Mutter. Elegant, würdevoll und mit diesem leicht vorwurfsvollen Zug um den Mund, der immer dann erschien, wenn sie über seine Entscheidungen nicht begeistert war – also fast immer. „Philippe“, raunte sie, kaum dass sie ihn erreicht hatte, und musterte sein schlichtes, hellblaues Hemd mit einem Blick, der mehr sprach als jedes Urteil. „Du hast dich selbst eingekleidet?“
      „Das wäre mir tatsächlich zuzutrauen“, konterte er ruhig.
      „Kind, heute sind Töchter einiger unserer engsten Verbündeten hier“, sagte sie streng, während ihr Blick noch einmal über seinen Kragen glitt. „Du kannst dich doch nicht in einem Hemd zeigen, das aussieht wie etwas, das man beim Lesen am Kamin trägt.“
      „Ich finde, es sieht... menschlich aus“, entgegnete Philippe knapp und musterte nun sie. „Vielleicht hilft es ja, wenn sie sehen, dass ich nicht nur ein hübsch verpacktes Verlobungsgeschenk bin.“

      Seine Mutter sog hörbar die Luft ein, hielt sich jedoch mit weiterer Kritik zurück – vorerst.
      Philippe nutzte den Moment, um sich abzuwenden. Nur einen Augenblick glitt sein Blick nach oben – zu der Balustrade. Und obwohl er es sich nicht eingestehen wollte, hoffte er fast ein wenig, dass sein Schatten noch dort stand. Und ihn ansah. Denn das bedeutete, dass er nicht allein war – und sei es nur für diese eine Nacht.