Eoma [akkubird x yumia]

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    • Eoma [akkubird x yumia]


      Eoma


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      Genre: Dystopia, Fantasie, Abenteuer, Romanze
      Rollen: @Akkubird @Yumia

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      Wir schreiben das Jahr 2314. Die Welt ist nicht mehr so, wie wir sie kennen. Städte existieren nicht mehr, nur ihre Ruinen sind hinterblieben und Mutternatur hat ihr rechtmäßigen Platz in der Welt eingenommen. Nach einem Atomkrieg hat sich die Welt verändert. Die Chemikalien ließen nicht nur die Tiere aber auch Menschen mutieren. Manche Menschen besitzen außergewöhnliche Haar- und Augenfarben, manch andere - nur ein kleiner Anteil - besitzen Fähigkeiten. Doch diese werden zum einen etwas argwöhnisch angeschaut, andere wiederum sehen in ihnen die Hoffnung die Monster endgültig auslöschen zu können. Noch dazu ist jegliche fortgeschrittene Technologie verschwunden und somit leben die Menschen wie in den sehr frühen Zeiten. Doch nicht nur veränderten sich die Lebewesen, sondern die Städte selbst. Länder an sich gibt es nicht, stattdessen unterteilte man die Welt in Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Jede Jahreszeit hat ihre eigene Gefahr. Es gibt jedoch eine Geschichte, die besagt, dass man nach Winter einen Schleier finden kann, der zu einem utopischen Welt führt: Eoma. Kein Hunger, keine Monster und eine friedliche Welt. Die Geschichte hat sämtliche Abenteuerer angelockt, doch bisher kam niemand zurück, um bestätigen zu können, doch etwas Wahres an der Geschichte liegt. Nun, wenn man es gefunden hat, wer würde zurück zu den Jahreszeiten gehen. Eine stempeln es als Humbug an, andere wiederum sehen es als ihre Hoffnung von hier zu fliehen.
      Auch unsere Charaktere machen sich auf den Weg nach Eoma. Beide treffen sich in Frühling und beschließen sich zusammen zu arbeiten. Auf nach Eoma!





      .our world.


      Skaarks


      Mutierte Bestien, die nachtaktiv sind, doch wenn ausgehungert, kommen sie auch am Tag raus. Diese sind in jeder Jahreszeit zu erkennen. Je nach Jahreszeit sehen sie anders aus, doch ihre Grundmerkmale bleiben erhalten. Sie sind schnell, stark und können sehr gut hören. Was jedoch keiner weiß, dass sie sehr schlechte Augen haben. Menschen meiden sie, weil ein Skaark sie problemlos in Stücke zerreißen kann. Selbst eine kleine Gruppe kommt schwer gegen einen an. Es ist daher ratsam sich von dunklen Ecken, Nachtzeit oder laute Geräusche zu meiden. An manchen Stellen haben sie eine verhärtete Stelle, doch diese sind bei jedem Skaark verschieden



      Jahreszeiten



      Jede Jahreszeit hat ihre Eigenart, an die man sich anpassen muss. Jede von ihnen hat ihre eigene Gefahren, eigene Regeln und eigene Skaarks. Um in eine andere Jahreszeit zu kommen, bedarf es an gründliche Vorbereitung.


      Frühling
      Das Wetter ist recht angenehm. Die meisten Orte bestehen aus Ruinen, die von Pflanzen verschlungen sind. Hier ist darauf zu achten, dass man nicht falschen Pflanzen und Beeren ist. Täglich entdeckt man neue Arten. Viele Bereiche bestehen aus große Wälder, in denen die meisten Skaarks sind aufhalten. Es haben sich jedoch kleine Dörfer gebildet, die oftmals die Ruinen als ihr Zuhause umgewandelt haben. Hier wird, je nach Ort, auf die Lautstärke geachtet.

      Sommer
      Weit und breit nur Wüsten. Manchmal sieht man Menschen auf mutierte Tiere reiten und sie zelten in der brütenden Sonne. Doch wo bleibt die Zivilisation? Diese hat im Untergrund Städte gebaut, schützend vor der Sonne. Manche kleine Städte, manche groß, doch die Distanz zwischen ihnen ist relativ groß. Jede Stadt, wenn man diese überhaupt so nennen kann, hat ihre Eigenart. Manche sind auf das Wasser einer anderen Stadt angewiesen, stattdessen bieten sie neue Erfindungen an. Die Eingänge dieser Städte sind nicht immer ersichtlich. Oben auf der Wüste sind große Skaarks zu finden, aber auch riesige Skorpione, andere an Würmer mit tausenden Zähnen. Ein Versteck zu finden, ist bei einer Wüste schwer zu finden.

      Herbst
      Die Temperaturen sind nicht so angenehm, wie in Frühling doch deutlich besser als in Sommer. Wirbelnde Tornados oder Erdbeben, sind an der Tagesordnung. Wann sie erscheinen werden, weiß so keiner wirklich. Weniger Pflanzen, viel mehr Straßen und zerstörte Gebäude. Kleine Tiere, die man jagen kann, dienen einen als Nahrungsquelle. Doch Vorsicht geboten: Hier sind Skaarks auch tagsüber aktiv und verstecken sich gerne im Schatten der verstörten Gebäuden. Hier leben die Menschen sehr versteckt und halten sich von Fremden generell fern. Sie leben in den hohen Stockwerken der Gebäuden.

      Winter
      Wie man es sich vorstellen kann, besteht die Landschaft nur aus Schnee, Eis und Stürme. Mit unpassender Kleidung wird man innerhalb ein paar Stunden erfrieren. Dort ist es meist dunkel, perfekte Zeit für Skaarks. Menschen haben sich Eisschlösser erbaut, die jedoch nicht definitiv eine Sicherheit vor den Skaarks darstellen. Hier sind die Skaarks die Quelle für ihr Feuer. Da Menschen ungern nach Winter ziehen, wissen nicht viele, dass bei der Enthäutung der ersten Schicht der Haut von Skaarks brennbar ist.




      Es gab keine heile Welt mehr. Nur zerbrochene Mauern, deren Risse von dickem Efeu verschluckt wurden. Dächer, die längst eingestürzt waren, überwuchert von Gräsern und knorrigen Wurzeln, die sich ihren Weg durch Beton und Stahl gebahnt hatten. Was einst Straßen gewesen waren, existierte nur noch als zerbröckelnde Wege, überzogen von Moos, Splittern und wildem Unkraut. Die Luft roch nach feuchter Erde, verrottetem Holz und dem metallischen Hauch von Verfall.
      Für Serona war all das keine Ruine einer vergangenen Zeit — es war ihr Alltag. Die Welt von früher, von der man ihr in seltenen Momenten erzählt hatte, war für sie kaum mehr als ein Märchen. Städte, in denen man sicher schlafen konnte. Häuser, die Schutz boten. Gemeinschaften, die zusammenhielten. Diese Erinnerungen der Älteren wirkten auf sie so fremd. Serona hatte nie so gelebt. Ihre Wirklichkeit war geprägt von Flucht, von Hunger und vom ständigen Ausweichen vor den Skaarks, diesen lautlosen Jägern, deren durchdringende Augen selbst im Dunkeln leuchteten und die jeden Fehler tödlich machten.
      Sie saß am Rand eines eingestürzten Gebäudes. Zerbrochene Fensterscheiben lagen in funkelnden Splittern um sie herum. Die Morgensonne, gefiltert durch das dichte Blätterdach, tauchte die Ruinen in grünliches Licht. Serona zog ihre Knie an sich heran und legte die Arme darum. Ihre pinkfarbenen Haare fielen ihr dabei ins Gesicht, ein auffälliges Erbe der Mutation, das sie nie ablegen konnte. Ebenso wenig wie die roten Augen, die unter dichten Wimpern hervorleuchteten. Andere trugen ähnliche Zeichen, doch es war ihr nie gelungen, sich damit wohlzufühlen. Blicke blieben an ihr hängen. Flüsternde Stimmen begleiteten ihre Schritte. Vertrauen war in dieser Welt ohnehin rar geworden, mit ihrem Aussehen noch seltener.
      Deshalb verbarg sie sich. Immer. Die schwarze Kapuze war längst mehr als nur Kleidung. Sie war Schutz, Schild und Abstand zugleich.
      Heute jedoch lag ein nervöses Flattern in ihrem Magen. Heute würde alles anders werden.
      Seit Wochen schon spielte sie mit dem Gedanken aufzubrechen. Eoma — der Name war wie ein Flüstern durch die Ruinen getragen worden. Ein Ort, an dem es Frieden geben sollte. Schutz. Sicherheit. Vielleicht war es nur ein Mythos, eine Geschichte, die Menschen sich erzählten, um nicht zu verzweifeln. Doch was, wenn nicht? Was, wenn es diesen Ort wirklich gab? Zum ersten Mal wagte Serona, Hoffnung über Furcht zu stellen.
      Langsam stand sie auf. Ihre Bewegungen waren vorsichtig, geübt im Leben zwischen Trümmern. Sie zog sich die schwarze, wetterfeste Jacke über, schloss die abgewetzten Riemen an ihren Stiefeln, befestigte einen schmalen Gürtel um ihre Taille, an dem ein kleiner Beutel hing. Dann setzte sie die Kapuze auf und zog sie tief ins Gesicht. Nur ein Hauch ihres pinkfarbenen Haares blitzte darunter hervor.
      Bevor sie jedoch aufbrach, musste sie noch zum Markt. Er lag im Herzen der Ruinenstadt, dort wo sich die letzten Überlebenden zusammenfanden, um zu handeln. Zwischen zerborstenen Mauern und eingestürzten Straßen standen notdürftige Stände: alte Türen, die auf Fässer gelegt worden waren; Decken, auf denen ausgeblichene Waren ausgebreitet lagen; selbstgebaute Gestelle aus Schrott. Die Händler boten alles an, was man zum Überleben brauchen konnte – Trockenfleisch, alte Werkzeuge, improvisierte Waffen, Flaschen mit gefiltertem Wasser.
      Serona spannte die Schultern an und trat den Weg an. Ihre Stiefel setzten leise auf dem moosigen Boden auf, während sie sich zwischen überwucherten Mauern hindurchschob. Über ihr raschelten Vögel in den Baumkronen, irgendwo zirpte ein einzelner Käfer. Die Welt war stiller geworden als früher, aber nie ganz lautlos.
      Mit wachsamen Augen scannte sie ihre Umgebung. Noch war der Weg zum Markt nicht weit, aber selbst hier durfte sie nicht unachtsam sein. Jeder Schatten konnte mehr bergen, als er versprach. Doch Serona ließ sich nicht abbringen. Heute würde sie vorbereitet sein. Heute würde sie die letzten Vorräte holen und dann, endlich, aufbrechen. Hin zu einem Ort, der mehr versprach als nur bloßes Überleben.
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    • In einem kleinen Unterstand, gebaut aus verfaultem Unterholz, schnürte der junge Wanderer seine weniger Habseligkeiten zu einer Art Rucksack zusammen. Zwei Riemen aus Hirschleder hielten das kleine Bündel, über den Schultern, am Rücken fest. Es war ein Privileg in dieser verrotteten Welt an gute Materialien zu gelangen. Felle, Fleisch, Wasser und Knochen waren begehrte Handelsgüter und zum Tausch sehr gut geeignet.
      Mühsam war es gewesen die Ruinenstadt zu erreichen, denn wer sicher reisen wollte musste entweder eine vertrauenswürdige Gruppe finden oder alleine durch die Wildnis ziehen, ohne entdeckt zu werden. Wincent tat letzteres, da es meist nicht lange dauerte bis die Gruppen seine unnormal gesunde Ausstrahlung bemerkten und ihn als das erkannten was er war: ein Mutant, einfach anders und potenziell gefährlich. Mit einem langen Mantel, einer Art Overall, Handschuhen und seinen langen Haaren, schaffte er es in den meisten Fällen unerkannt zu bleiben. Um auf Nummer sicher zu gehen, beschmierte der Junge heute sein Gesicht mit einer extra Portion Kohlestaub aus einer verlassenen Feuerstelle.
      Viele Menschen waren in diese Ruinen gekommen. Man munkelte, dass es den ein oder anderen Gab, der plante von hier nach Eoma zu ziehen. Eoma, wie eine Geschichte aus alten Tagen, die niemand so richtig glauben konnte. Und trotzdem hörte man immer wieder davon.
      Wincent konnte sich nicht vorstellen, dass man einen solchen Ort einfach erfand nur um Leute in den Tod zu locken oder ihnen das Hab und Gut abzunehmen. Irgendwer musste schon mal dort gewesen sein und diese Kunde in die Welt getragen haben. Dies motivierte den jungen Wanderer in den letzten Tagen so sehr, dass er beschlossen hatte selbst auf die Reise zu gehen.

      Mit bedachten Schritten, glitt der Junge zwischen den Trümmerresten und Wurzeln der Ruine hindurch. Hier und da waren ein paar Menschen, die ebenfalls ihren Weg durch Gassen suchten. Etwas lebhafter wurde es erst auf dem Markt im Zentrum. Wincent hatte ein Stück Geweih in seiner Tasche, das er noch in Trockenfleisch umtauschen wollte. Die Händler hatten ihre Stände bereits aufgebaut und die Baumkronen über der Ruine spendeten bereits angenehmen Schatten. Der Boden war hier schon sehr ausgetreten und einigermaßen aufgeräumt, dass man sich nicht sofort einen Knöchel brachen, wenn man stöbernd an den Ständen vorbei ging.

      An einem der Stände wurde Wince fündig und bot sein kleines Stück Geweih zu Tausch an. Der Händler war jedoch eher an Riemen seines Rucksacks interessiert. Es war nicht unüblich, dass die Tauschgeschäfte manchmal etwas ausarteten. Vor allem dann, wenn einer der Tauschpartner seine gute Lage dazu nutzen wollte den Anderen über den Tisch zu ziehen. "Unverkäuflich." War die kurze Antwort, die der Schwarzhaarige dem Händler gab. Wie sollte er ohne sie seinen Proviant tragen? Aber ohne Nahrung los zu ziehen war ebenso bescheiden.
      Gedrungen eine andere Handelsgrundlage zu schaffen, bot er dem Händler seine Lederhandschuhe an. Sie waren noch sehr gut in Schuss, schließlich hatte er sie sich erst vor ein paar Monaten von einer Bekannten anfertigen lassen. Das Material dafür hatte er sich in mühevoller Kleinarbeit selbst zusammen gesucht. Als die Tauschmengen stimmten, zog Wincent seine Handschuhe aus und schob sie mit reumütigem Blick über das Holzbrett, welches als Tisch diente. Das Trockenfleisch stopfte er in die Taschen seines Mantels und dort beließ er nun auch seine Hände. Zu groß war die Angst erkannt zu werden.
      Der Händler hatte ihm fast seinen ganzen Vorrat, welcher nicht gerade groß war. 8 große Streifen. übergeben. Nun waren nur noch ein paar kleine Fetzen übrig. Die anderen Kunden schienen nicht sehr begeistert, doch Wince wusste dass er hier nicht auf die Anderen Rücksicht nehmen konnte. Die Reise würde alles abverlangen und mit leerem Magen noch viel mehr.
    • Mit jedem Schritt, den Serona dem Marktplatz näherkam, wurde ihr Vorhaben greifbarer. Was bislang nur als flüchtiges Gedankenspiel in ihrem Kopf existiert hatte, formte sich nun zur Wirklichkeit. Wie oft hatte sie sich vorgestellt, wie es sein würde, eines Tages aufzubrechen – Richtung Eoma, dem sagenumwobenen Ort des Friedens, den so viele in ihren Erzählungen beschrieben hatten wie einen letzten Hoffnungsschimmer. Immer wieder hatte sie sich Szenarien ausgemalt, Bilder, die vor ihrem inneren Auge flimmerten: wie sie losging, wie sie den Rand ihrer bekannten Welt überschritt. Doch das war alles nur Vorstellung gewesen.
      Heute war der Tag, an dem Vorstellung zur Tat wurde.
      Ein seltsames Kribbeln breitete sich in ihrem Körper aus – ein eigenartiger Mix aus Aufregung, Unsicherheit und der schneidenden Angst vor dem Unbekannten. Ihre Schritte waren entschlossen, aber innerlich zögerte sie noch. Hatte sie Angst? Ja. Denn ihr ganzes Leben lang hatte sie in Frühling verbracht, der Zone, die sie als ihre Heimat kannte – wenn man in diesen Zeiten überhaupt noch von einer Heimat sprechen konnte. Schon früher hatte sie mit dem Gedanken gespielt, in Richtung Sommer aufzubrechen. Doch es hatte ihr stets an Mut gefehlt, an einem konkreten Ziel, an einem Funken, der stark genug war, die Flammen der Entschlossenheit zu entzünden.
      Jetzt aber führte ihr Weg sie nach Eoma, und dazu musste sie die anderen Jahreszeiten durchqueren. Sommer, Herbst, Winter – eine gefährliche Route, die kaum jemand lebend hinter sich brachte. Serona hatte nie einen Fuß außerhalb Frühlings gesetzt. Alles, was sie über die anderen Regionen wusste, stammte aus Geschichten, die sie an Lagerfeuern oder bei seltenen Zusammenkünften aufgeschnappt hatte – Geschichten über brennende Hitze, frostklirrende Kälte, über unheimliche Kreaturen, die mit der Natur verschmolzen waren und zwischen Nebel oder Staub lauerten.
      Trotzdem wusste sie: Erzählungen waren nur Worte. Die Realität war etwas anderes. Sie war roh, unbarmherzig – und niemand konnte sie wirklich vorbereiten auf das, was sie erwarten würde. Besonders, wenn es um die mutierten Tiere ging. Kaum jemand sprach offen über sie. Und wenn doch, klang es oft wie ein Mythos – zu grausam, um wahr zu sein. Doch Serona glaubte daran.
      Langsam bewegte sie sich durch das verfallene Stadtbild. Vorsichtig stieg sie über hervorstehende Wurzeln, kletterte über die Bruchstücke alter Mauern, die der Zahn der Zeit und das Gewicht des Grüns zu Boden gerissen hatten. Der Asphalt unter ihren Füßen war aufgerissen, rissig und von Moos durchzogen. Bei jedem Schritt wich sie Stolperfallen aus, ganz automatisch, so wie man es eben lernt, wenn man in Ruinen aufwächst.
      Je näher sie dem Markt kam, desto tiefer zog sie die schwarze Kapuze über ihr Gesicht. Sie wollte vermeiden, dass jemand ihre pinkfarbenen Haare bemerkte – zu auffällig, zu ungewöhnlich. Ein Nebeneffekt der Mutation, die auch ihre Augen blutrot leuchten ließ. Einige Menschen trugen ähnliche Merkmale, doch sie fühlte sich mit ihnen nie wohl. Ihr Aussehen bedeutete Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit war gefährlich.
      Sie hörte das Treiben des Marktes bereits, bevor sie ihn sah. Stimmengewirr, das Klirren von Metall, leise Musik aus einem alten Gerät. Zwischen den Ruinen hatte sich eine improvisierte Händlerstraße gebildet – Holzplanken auf Fässern, Stoffbahnen über Stahlstangen gespannt, einfache Auslagen mit allem, was das Überleben erleichtern konnte.
      Serona wusste ungefähr, wo sie hingehen musste. Sie wollte nicht viel mitnehmen – nur das Nötigste. Ihr Gepäck sollte leicht bleiben. Zu schwer, und sie würde es auf der Reise bereuen. Die Temperaturen würden ansteigen, sobald sie Frühling verließ und Sommer erreichte. Sie hatte keine Ahnung, wie stark die Hitze wirklich sein würde. Und es gab keine Karte, keine sicheren Routen. Die Städte in den anderen Jahreszeiten waren versteckt, ihre Eingänge gut getarnt oder vergessen. Wenn sie Pech hatte, irrte sie tagelang, ohne Schutz oder Wasser.
      Wasser hatte sie sich gestern noch organisiert. Heute wollte sie sich nach Proviant umsehen – etwas Nahrhaftes, das sich leicht tragen und gut lagern ließ.
      Es überraschte sie kaum, wie viele Menschen bereits auf den Beinen waren. Vielleicht war es sogar besser so – in der Menge konnte sie untertauchen, sich unsichtbar machen. Andererseits bedeutete es auch, dass sie nicht die Einzige war, die nach Vorräten suchte. Vielleicht war das, was sie brauchte, schon vergriffen. Doch sie nahm es gelassen. Wenn sie heute nichts finden würde, dann musste sie eben mit dem auskommen, was sie hatte.
      Vor einem der Stände blieb sie stehen. Die Auswahl war mager. Auf der hölzernen Platte lagen nur noch ein paar vertrocknete Wurzeln, zäh und bitter, aber nahrhaft. Serona verzog leicht das Gesicht. Der Geschmack dieser Dinger war kaum zu ertragen, doch sie sättigten. Für einen Moment zögerte sie, dann hob sie die Hand, um den Händler auf sich aufmerksam zu machen.
      Er sah sie an, musterte sie, als wollte er mehr von ihr sehen als nur die Augen unter der Kapuze. Sie zeigte auf die Wurzeln und hob vier Finger. Der Mann nickte nur knapp. Sie reichte ihm ein kleines Bündel Anzündmaterial – feine, mit Harz behandelte Fasern, die sie in mühseliger Arbeit getrocknet und zusammengesammelt hatte. Er nahm es entgegen, prüfte es, und akzeptierte den Tausch schließlich.
      Womöglich nur, weil er wusste, dass er die bitteren Wurzeln sonst nicht loswurde.
      Es war nicht der Handel, den sie sich erhofft hatte, aber es war genug. Serona verschwand wieder in der Menge, ohne sich lange aufzuhalten. Sie wollte den Markt verlassen, aufbrechen – endlich losziehen. Doch ein kleiner Teil in ihr hielt sie zurück. Vielleicht gab es ja doch noch etwas, das sie gebrauchen konnte. Etwas Nützliches, vielleicht sogar Wertvolles. Auch wenn sie nicht genau wusste, was sie dafür geben sollte.
      Ihre Augen schweiften weiter über den Markt. Noch war Zeit.
      Noch war sie nicht aufgebrochen.
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    • Den Proviant war nun erstmal sicher. Wince verschwand wieder zwischen den Menschen. Mit langsamen Schritten ging er an den einzelnen Ständen vorbei, bis einer der Händler ein abgetragenes paar Handschuhe anzubieten hatte. Der Stoff war noch gut aber schön war anders, selbst für die heutigen Verhältnisse. Der Junge wurde mit diesem Handel wenigstens noch sein Hornstück los. Mit den neuen Handschuhen an den Händen, konnte er nun wieder frei gehen. Einige Menschen gingen ihm aus dem Weg. Andere stießen mit ihm zusammen. Es wurde viel geredet und verhandelt. Die Geräuschkulisse war befremdlich und es war wirklich ungewöhnlich voll.

      Im Mittleren Teil des Marktes hatten sich einige Gesellen zum Glücksspiel versammelt. Hier zu spielen war definitiv dumm. Die wenigsten Würfel waren vertrauenswürdig genug um als normal zu gelten. Man sollte einfach keinen Würfeln trauen, an denen man nicht selbst die Kanten abgeschliffen hatte. Trotzdem sah Wince dem Treiben eine Weile zu. Die Einsätze waren ebenso verrückt wie ungewöhnlich. Ein Hut, ein Stiefel, der Junge fragte sich was man mit nur einem Stiefel anfangen sollte? Ach, der Andere war bereits verspielt worden. Vermutlich war der Wetteinsatz deshalb so heiß begehrt. Jeder wollte den zweiten Stiefel für sich haben.
      Belustigt beäugte Wincent dieses Spiel noch eine Weile, bis der Stiefel endlich den Besitzer wechselte und ein glücklicher Betrüger und ein ein trauriger Betrüger das Feld verließen.

      Noch mit einem Grinsen auf dem Gesicht, setzte der Junge seine Tour fort und kam an ein paar weniger stark besuchte Stände. Warum das so war, konnte er gleich erkennen. Schmuck, saubere Leinen, Messer, Sogar ein Bogen aus gutem Holz und perfekt gearbeitete Pfeile in einem wunderschönen Köcher. -Unbezahlbar. Diese Stände hatten Meist auch ein paar grimmige Aufpasser. Kein Händler wäre so dumm seine Waren ungeschützt auf einem Markt voller Halsabschneider zu verkaufen.
      Interessiert begutachtete Wincent die Waffen und stellte sich vor wie einfach es wohl sein musste mit so einem Bogen zu jagen.
    • Es war jedes Mal aufs Neue faszinierend, welche Gestalten sich an diesem Ort versammelten. Immer wieder entdeckte Serona fremde Gesichter, unbekannte Stimmen und neue Bewegungen. Gleichzeitig begegneten ihr auch vertraute Silhouetten, die sie aus vergangenen Tagen kannte. Sie hatte sich längst daran gewöhnt, die Rolle der stillen Beobachterin einzunehmen. Ihre Einsamkeit war nicht nur ein Schutzschild, sondern eine bewusste Entscheidung. Dennoch wusste sie, wie wertvoll Informationen sein konnten. In dieser Welt bedeutete Wissen Überleben, und selten kam es freiwillig zu einem. Es versteckte sich nicht in der Stille ihrer Schlafstätte, sondern floss aus den Gesprächen der Menschen, wenn sie dachten, niemand höre zu.
      Am redseligsten waren sie, wenn Alkohol im Spiel war. Dann lösten sich Zungen, Wahrheiten tropften langsam aus müden Kehlen, und Lügen wurden zu Geschichten, aus denen man lernen konnte. Serona hielt sich fern von Gesprächen. Ihre Kapuze lag tief in ihrem Gesicht und erschwerte jede Kontaktaufnahme. Sie wollte nicht reden, sie wollte zuhören. In den dunkleren Ecken, versteckt zwischen Schatten und Trümmern, fand sie ihre Position. Dort wurde sie nicht beachtet, war ein Teil der Kulisse, während ihre Ohren die wichtigen Fetzen aufnahmen.

      Obwohl sie für heute ihren Aufbruch geplant hatte, entschied sie sich, noch ein letztes Mal durch das Gebiet zu streifen. Vielleicht konnte sie etwas Neues aufschnappen, einen Handel beobachten oder ein Gespräch belauschen, das für ihre Reise nützlich sein würde. Mit schnellen, geschmeidigen Bewegungen glitt sie durch die Menge. Ihre Schultern berührten gelegentlich die anderer Passanten, doch sie wich jedem Blick aus und ging weiter, ohne ein Wort zu verlieren. Jede Konfrontation hätte Blicke auf sie gelenkt, und das war das Letzte, was sie in diesem Moment wollte.
      Spontan wandte sie sich in Richtung eines halbüberdachten Bereichs, der sich nicht weit vom Markt befand. Es war ein Ort, der von vielen zum Trinken und Verweilen genutzt wurde. Vielleicht lag es an dem natürlichen Schutz vor Regen, den das bröckelnde Dach noch bot, oder an der Nähe zu den Ständen, die den Zugang zu Alkohol erleichterten. Auch heute war der Platz belebt. Gelächter und das gedämpfte Klirren von Flaschen erfüllten die Luft. Einige saßen eng beisammen, andere hockten allein, starrten vor sich hin und ließen den Regen wortlos auf sich niedergehen.
      Serona hielt sich am Rand auf und ließ sich geräuschlos in der Nähe einer kleinen Gruppe nieder. Vier Männer saßen im Kreis und unterhielten sich über Belanglosigkeiten. Es ging um verlorene Wetten, missglückte Tauschgeschäfte und Geschichten, die von Stolz durchdrungen waren. Serona hörte ihnen nur halb zu, ihre Gedanken begannen bereits abzuschweifen, als plötzlich einer der Männer die Stimme senkte und mit einer Mischung aus Stolz und Sorge sagte:
      „Ich habe gehört, dass eine Karawane im Sommer gefallen ist. Die Reittiere wurden einfach verschluckt. Spurlos.“
      Sofort wurde Serona hellhörig. Sie richtete ihren Blick auf den nassen Boden, doch innerlich war sie ganz bei dem Gespräch. Die Handelszeit hatte also begonnen. In dieser Zeit zogen viele Karawanen von Frühling bis zur Grenze des Sommers und weiter bis in den Herbst. Es war eine gefährliche Periode, aber auch voller Chancen. Händler bewegten sich nun wieder vermehrt durch die Gebiete, und mit ihnen kamen Ziele für jene Kreaturen, die auf Beute aus waren. Vor allem Skaarks. Serona wusste, dass sie ihnen aus dem Weg gehen musste, mehr denn je. Doch sie wusste auch, dass sich ihr durch diese Bewegung vielleicht die Möglichkeit bot, sich einer Karawane anzuschließen. Wenn sie Glück hatte, würde sie sich so den mühsamen Weg durch den endlosen Sand des Sommers ersparen und könnte direkt zu einer der verborgenen Städte gelangen.
      Allerdings ließ der Bericht über die verschwundenen Reittiere nichts Gutes ahnen. Wenn sie wirklich verschluckt wurden, war unklar, ob sich dahinter ein Tier oder der Sand selbst verbarg. Sicher war nur, dass auch in einer Karawane niemand sicher war.
      Serona war klar, dass sie genug gehört hatte. Wenn es in diesem Viertel schon die Runde machte, dass die Handelszeit begonnen hatte, dann wussten es auch die anderen. Händler, Räuber und all jene, die von der Unruhe lebten. Auch die Skaarks. Ihr Zeitfenster war klein. Sie musste sich auf den Weg machen, noch bevor sich alle Karawanen in Bewegung setzten. Noch hatte sie einen kleinen Vorsprung.
      Ohne noch einmal zurückzublicken, stand sie auf. Anstatt durch die Menge zu gehen, nahm sie den äußeren Pfad, wo sie seltener gesehen wurde. Während ihre Schritte sie durch das feuchte Grün führten, begannen ihre Gedanken zu kreisen. Sie musste sich überlegen, was sie einer Karawane als Gegenleistung anbieten konnte. Etwas, das überzeugend genug war, um sie mitzunehmen in eine Stadt, die irgendwo in der Hitze des Sommers verborgen lag. Etwas, das ihr Platz bedeutete, ohne dass sie als bloße Last galt.
      Die Zeit drängte. Und Serona wusste, ihr Weg hatte gerade erst begonnen
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    • Als sich der Junge genug in seinen Träumen verloren hatte, entschloss er sich seinen Beutezug zu beendenden. Er hatte ohne hin nicht mehr viel, was er eintauschen konnte und wollte. Viel mehr interessierte ihn nun die Lage am Karawanenplatz der Stadt. Dort trafen sich unter anderem auch die Jäger, von denen er sich erhoffte den ein oder Anderen aus früheren Jagten zu kennen.
      Zuvor wollte er es aber noch an der, wie er es nannte, Trinkerecke versuchen. Denn auch hier saßen öfter einmal Jäger oder Sammler, die er eventuell kennen würde.

      Gemächlich schlenderte Wince zu besagter Ecke hinüber und besah sich akribisch die anwesenden Personen. Doch niemand kam ihm auf Anhieb bekannt vor. Hier auf dem Markt gab es auch zu viele Ohren, als dass er es riskieren wollte ein Gespräch anzufangen. Hier und da konnte er jedoch ein paar Fetzen der Gespräche aufnehmen, die hier des öfteren unbedacht laut geführt wurden. So war es zumindest möglich die unwichtigen von wichtigeren Konversationen zu trennen. Ein vermeintlicher Sammler erzählte von einem geplanten Aufbruch nach Sommer. Sein Gesprächspartner schien davon wenig begeistert. Ob sie gerade versuchte eine Gruppe zusammen zu stellen?
      Der Junge ging etwas langsamer, um mehr zu hören und kam dabei an einer Gruppe aus 4 Männern vorbei, die erst mit ihrer Lautstärke das Hören erschwerten und plötzlich leiser wurden. Zum Glück, denn nun konnte Wince mehr von den anderen Männern mithören.
      Es stellte sich heraus, dass die Beiden erst vor kurzem einen Aufbruch geplant aber aufgrund mangelnder Vorräte abgebrochen hatten. Hier wollte er keine Zeit mehr investieren. Die beste Gelegenheit, um Verbündete zu finden war dann wohl doch am Karawanenplatz.

      Gerade als er wieder zurück in die Menge gehen wollte, bemerkte er eine unscheinbare Gestalt, die sich sehr zielstrebig vom Trinkereck entfernte. Wince vermutete einem Taschendieb auf die Spur gekommen zu sein. Eigentlich eine gute Gelegenheit, denn einen Dieb zu bestehlen war streng genommen kein richtiger Diebstahl. Sein Blick folgte der Person, bis sie einen eher ungewöhnlichen Weg vom Markt nahm. Das wiederum bestärkte seine Vermutung und brachte ihn dazu ebenfalls, mit Abstand, in die kleine verfallene Seitengasse zu gehen. Besagte Person sah von der Statur her nicht besonders groß oder kräftig aus. Ein sehr junger Mann oder eine Frau, dachte sich der Schwarzhaarige. Über die Kleidung machte er sich weniger Gedanken, denn viele Menschen verbargen sich gerne unter tiefen Mützen und Umhängen. Nicht zuletzt um Schutz vor dem Wetter zu haben.
      Mit schneller werdenden Schritten, verringerte Wince den Abstand zu seiner Zielperson, um dann wieder langsamer zu werden. Er musste auf eine passende Gelegenheit warten. Schließlich war es nicht gerne gesehen, wenn man auf offener Straße eine vermeintlich unschuldige Person überfiel. Er wollte sicher sein, dass dies wirklich ein Dieb war. Und praktischerweise bewegte sich dieser auch in Richtung des Umschlagplatzes. Dadurch konnte er nun verfolgen, beobachten und gleichzeitig an sein Ziel kommen. Und würde sich die Person umdrehen, dann hätte er sich eben verlaufen und würde nach dem Weg fragen.
    • Serona war in ihren Grübeleien gefangen. Sollte sie wirklich schon zu Beginn ihrer Reise Anschluss an eine Karawane suchen? Das Risiko war hoch. Eine größere Gruppe konnte leicht die Aufmerksamkeit von Skaarks auf sich ziehen – eine Gefahr, die sie nur ungern auf sich nahm. Andererseits würde es ihr helfen, vorab zu wissen, wo sich die Karawanen an der Grenze zwischen Frühling und Sommer sammelten. So könnte sie vermeiden, versehentlich bereits im Sommer auf eine zu treffen, ohne vorbereitet zu sein.
      Doch der Weg durch das Frühlingsland war lang und beschwerlich. Es gab keine Abkürzungen, keine Umgehungen. Wollte sie ihr Leben für einen ungewissen Gruppengang riskieren? Sie neigte dazu, ihre Sicherheit über alles zu stellen. Auch wenn sie sich selbst als Einzelgängerin betrachtete, hätte sie, wenn es darauf ankam, nicht gezögert, anderen zu helfen. Aber eine Karawane war zu auffällig, zu laut, zu verlockend für Gefahren aller Art.
      Serona seufzte leise, hin- und hergerissen zwischen Vernunft und Instinkt. Je weiter sie ging, desto mehr gefiel ihr der Gedanke, zunächst allein zu reisen und sich erst an der Grenze einer Karawane anzuschließen. Doch sie konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob es dort einen festen Treffpunkt gab.
      Leicht genervt atmete sie aus – bis ihr ein Gedanke kam, mit dem sie sich anfreunden konnte. Sie würde der Karawane nicht direkt folgen, sondern aus sicherer Distanz. Nah genug, um nicht verloren zu gehen, aber weit genug, um kein Ziel zu sein. Sie nickte unmerklich. Ja, das war ein guter Plan. So konnte sie Risiken minimieren und dennoch zur rechten Zeit am rechten Ort sein, um sich einer Gruppe anzuschließen, die weiter Richtung Sommerland zog.
      In ihre Gedanken versunken, bemerkte sie zunächst nicht, dass sie verfolgt wurde. Zwar vernahm sie dumpfe, fremde Schritte hinter sich – doch nicht laut oder ungewöhnlich genug, um ihre volle Aufmerksamkeit zu wecken. Es war nicht unüblich, dass andere denselben Weg nahmen. Aber nun, da sie ihre Überlegungen abgeschlossen hatte, wurde sie sich ihrer Umgebung bewusster.
      Ein ungutes Gefühl kroch ihr den Rücken hinauf. Ihre Hand glitt in den Mantel und umschloss instinktiv den Griff des Messers, das sie dort verborgen hielt. Nur für den Fall der Fälle, sagte sie sich. Vielleicht war es übertrieben, vielleicht spielte ihr die Nervosität vor dem Aufbruch einen Streich. Doch in dieser Welt durfte sie keine Nachlässigkeit zeigen. Sie musste wachsam sein, nicht nur vor Tieren oder Skaarks, sondern auch vor Menschen. Denn so sehr sich alles verändert hatte, Grausamkeit kannte keine Grenzen. Manche verloren selbst in dieser düsteren Welt nicht ihre Skrupellosigkeit.
      Serona verstand es nicht. In einer Welt, die mehr Zusammenhalt und Mitgefühl nötig hatte als je zuvor, blieb doch Platz für Niedertracht. Aber sie konnte die Welt nicht ändern. Sie konnte nur reagieren.
      Um sich selbst zu beruhigen, bog sie in einen Seitenweg ab, vielleicht nur zur Beruhigung ihres Gewissens. Vielleicht aber auch, um herauszufinden, ob ihr Gefühl richtig war. Wenn sie weiterhin Schritte hinter sich hörte, würde sie erneut abbiegen, notfalls mehrmals, bis sie sicher war. Erst dann würde sie den Mut aufbringen, die mögliche Bedrohung zu konfrontieren.
      Noch war sie nicht bereit, eine Szene zu machen, nicht vor ihrer langen Reise. Nicht vor Menschen, um eine Szene zu machen. Und schon gar nicht, wenn sich ihre Sorgen als unbegründet herausstellten.
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    • Der junge Mann seufzte innerlich, als die Zielperson die Richtung wechselte. Entweder hatte sie ihn bemerkt oder tatsächlich einen anderen Weg eingeschlagen. Was nun? Weiter verfolgen oder nicht? Es war keine Zeit um lange zu überlegen. Die Person war bereits um eine Ecke verschwunden und nicht mehr zu sehen. Wincent entschloss sich weiterhin der anderen Person zu folgen. Er bemerkte auch, dass sich die Art ihrer Haltung minimal geändert hatte. Waren zuvor noch beide Hände frei, lag nun eine permanent am Körper.
      Klar, dachte er sich. Wer würde sich nicht verteidigen wollen, wenn er den Verdacht hatte verfolgt und verschleppt zu werden.
      Und irgendwie tat es ihm auch Leid, falls die Person doch kein Dieb war.
      Das Ganze ging noch eine ganze Weile so weiter, ehe der Junge sich entschloss einen Schlussstrich zu ziehen. Jetzt oder nie.
      Die Gassen waren unübersichtlich und menschenleer. Es war einen Versuch Wert der Fremden Person etwas näher zu kommen.
      "Hey du! Was schleichst du hier so verlassen umher?" Rief er, als die ominöse Person schon wieder in eine andere Gasse abbiegen wollte.
      Dieses Mal quetschte sich Wincent jedoch durch einen Teil einer Ruine und schaffte es ihr den Weg zu versperren. "Du hast doch sicher was geklaut." Beschuldigte er die Person deren Weg er gerade versperrte, nicht aggressiv oder besonders bedrohlich. Er stand einfach nur da uns besah sich die Hand, die im Mantel versteckt war. Ein popeliges Messer oder ein Stück Eisenrohr konnte der Junge ohne Probleme weg stecken. Seine Haut war stark genug. Zumindest hatte es bisher kein Mensch und kein Tier geschafft ihn ernsthaft zu verletzten.
    • Das Gefühl, verfolgt zu werden, wollte Serona nicht loslassen. Und je mehr Zeit verstrich, desto sicherer war sie, dass es keine Einbildung war. Ihr Instinkt hatte sie selten getäuscht – und auch diesmal schien er recht zu behalten. Sie suchte nach einem Grund, warum jemand auf die Idee kommen sollte, ihr zu folgen. Soweit sie wusste, hatte sie niemandem Anlass gegeben, sie zur Rechenschaft zu ziehen. Doch seit wann spielte Logik in dieser Welt eine entscheidende Rolle?
      Serona war es leid, in Konflikte verwickelt zu werden, mit denen sie nichts zu tun hatte, und erst recht nicht zu einem solch ungünstigen Zeitpunkt.
      Da sie sich nun sicher war, nicht allein zu sein, schloss sich ihre Hand fester um den Griff des versteckten Messers in ihrem Umhang. Unauffällig lenkte sie ihre Schritte weiter weg von der Menschenmenge. Sie wollte kein Aufsehen erregen – nicht jetzt. Ihre Gedanken rasten: Wie lange würde der Unbekannte ihr noch folgen? Und vor allem – warum hatte er bisher nichts unternommen?
      Als sie schließlich seine Stimme hörte, wusste sie sofort, dass es sich um einen jüngeren Mann handelte. Sie verlangsamte ihre Schritte, blieb jedoch wachsam. Offenbar wollte er nun die Initiative ergreifen. Doch Serona konnte seine Absichten nicht einschätzen. Wollte er sie bloß ansprechen? Oder war dies der Auftakt zu etwas Gefährlicherem?
      Er trat vor sie, wirkte zurückhaltend, nicht aufdringlich, aber auch nicht harmlos. Als er sie schließlich beschuldigte, etwas gestohlen zu haben, verzog sie irritiert die Stirn. Gestohlen? Was redete er da? Entweder hatte er sie beobachtet und sich etwas zusammengereimt, oder er nutzte diese Anschuldigung nur als Vorwand, um mit ihr ins Gespräch zu kommen. Vielleicht wollte er sie ablenken, um einen günstigen Moment abzupassen.
      Sie seufzte genervt. Sie hatte keine Zeit für solche Spielchen – schon gar nicht jetzt, wo ihr Aufbruch unmittelbar bevorstand.
      „Hast du mich etwa selbst klauen sehen? Oder woher kommt dieser Unsinn?“ Ihre Stimme war kühl und unmissverständlich. Sie machte sich nicht die Mühe, ihre Verärgerung zu verbergen. „Gehst du zu jedem und wirfst ihm ohne Beweise etwas an den Kopf?“ Ihre Arme verschränkten sich fest vor ihrer Brust, während sie ihn musterte, abwartend, aber kampfbereit.
      So gern sie sich einfach an ihm vorbeischieben wollte, durfte sie jetzt nicht unvorsichtig sein. Wer wusste schon, ob er nicht plötzlich angreifen oder gar selbst etwas stehlen würde?
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    • Wincent ließ die Worte der jungen Frau auf sich wirken, beobachtete sie dabei ganz genau. Ihr Haltung war wachsam, aber nicht aggressiv. Sie schien ernsthaft empört, fast schon genervt. Passierte ihr das etwas öfter? Klar. Als Frau war es hier deutlich schwerer seine Ruhe zu haben. Als er schon dabei war sie zu beobachten, entgingen ihm auch nicht ihre Augen. Der Rest des Körpers lag weiterhin verdeckt unter dem Stoff ihrer Robe. "Selbst Schuld, wenn du wie eine Diebin auf dem Markt herum schleichst." Konterte er ihre Unterstellung. Woraufhin die Frage nach der Unterstellung folgte und er antwortete. "Eigentlich lasse ich mir bei der Recherche mehr Zeit und jage präziser. Also die Antwort auf deine Frage ist: Nein. Du bist die Erste die ich ohne Beweise konfrontiere. Hätte sich vielleicht gelohnt einen Dieb auszunehmen."
      Die junge Frau schien etwas angepisst zu sein, weshalb Wince nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen wollte. Nicht weil er ihr glaubte, sondern weil die Farbe ihrer Augen ihm verriet, dass sie es auch nicht leichter hatte als er selbst. Unweigerlich hatte er sie nun ein paar Sekunden wortlos angestarrt, den Blick verloren in ihren roten Augen. Schließlich sammelte er wieder seine Gedanken.
      "War wohl ein Missverständnis. Schleich nächstes Mal nicht so auffällig auf dem Markt umher. Wenn ich das sehe, dann auch die, die keinen Grund brauchen um unseresgleichen zu jagen." Entschuldigte er sich bei der jungen Frau, wobei es eher wie ein Vorwurf klang, dass er sich getäuscht hatte. Und mit -welche wie uns- meinte er eben Jene, die anderes ware. Egal ob mutant oder einfach nur besonders. Sie hatten es hier alle nicht leicht und wurden benachteiligt.
    • Je länger sie ihm zuhörte, desto irritierter wurde sie. Auf dem Markt herumschleichen? Nun, vielleicht kam das bei dem einen oder anderen so rüber, aber sie hatte sich diese Art der Bewegung bereits vor Jahren angewöhnt. Wenn sie unterwegs war, musste sie nicht ständig darauf achten, ob sie leise und unauffällig genug war. Ihr Verhalten war längst zur zweiten Natur geworden. Dennoch konnte sie ein Stück weit nachvollziehen, warum er vielleicht den Eindruck hatte, sie hätte etwas gestohlen. Vorhin hatte sie sich bewusst im Hintergrund gehalten, um Gesprächen ungestört lauschen zu können – eine Methode, um an mündliche Informationen zu gelangen. Trotzdem war ihre genervte Haltung kaum zu verbergen.
      Serona schnaubte leise, als er tatsächlich begann, ihre Fragen zu beantworten. War er ein Gutmensch? Oder hatte er einfach zu viel Zeit und suchte nach Gelegenheiten, andere zurechtzuweisen? Sie selbst hatte weder Zeit noch Geduld dafür. Ihr Alltag drehte sich um das Sammeln oder Herstellen von Rationen und nützlichen Gegenständen, die sie wie heute auf dem Markt eintauschen konnte. Die Sorgen anderer Menschen, die sich wie sie in dieser zerrütteten Welt durchschlagen mussten, interessierten sie wenig. Wenn möglich, mied sie ihre Mitmenschen. Zu oft hatte sie Benachteiligung und Ablehnung wegen ihres Aussehens erlebt – sie hatte keine Kraft mehr, sich ständig damit auseinanderzusetzen.
      Zu allem Überfluss starrte der Fremde sie zu lange an, und zwar direkt in die Augen. Unangenehm berührt wandte sie den Blick ab. Serona konnte es nicht leiden, angestarrt zu werden. Seit jeher kämpfte sie innerlich mit ihrem Äußeren, auch wenn sie wusste, dass sie daran nichts ändern konnte.
      Wäre sie nicht kurz vor dem Aufbruch gewesen, hätte sie vermutlich gelassener reagiert. Doch ausgerechnet jetzt kam dieser Fremde und beanspruchte ihre Aufmerksamkeit. Immerhin schien er nichts weiter von ihr zu wollen, als sich zu vergewissern, dass sie nichts gestohlen hatte. Als er jedoch das Wort „unseresgleichen“ erwähnte, wurde sie hellhörig. Misstrauisch warf sie ihm einen Seitenblick zu. Unseresgleichen? Offenbar spielte er damit darauf an, dass sie etwas gemeinsam hatten – vielleicht ein ähnliches Schicksal. Auf den ersten Blick konnte sie jedoch nichts erkennen, das auf eine solche Verbindung hindeutete. Auch wenn andere solche Eigenheiten gern als „Abnormalitäten“ bezeichneten, fragte sie nicht weiter nach.
      „Erzähl mir was Neues“, brummte sie mehr zu sich selbst als zu ihm und setzte sich in Bewegung. Sie hielt dabei so viel Abstand wie möglich zwischen sich und den Fremden. In seiner Gegenwart wollte sie keinesfalls unvorsichtig werden. Ihre Gedanken kreisten bereits um den nächsten Schritt: Sie musste endlich die Karawanen erreichen und ihnen mit der nötigen Distanz folgen – im besten Fall, ohne dass ihre Anwesenheit überhaupt bemerkt wurde.
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    • Wincent bereute es mal wieder seine Gute Seite gezeigt zu haben. Doch er war auch froh darüber keine Frau ausgeraubt zu haben die offensichtlich genug eigene Probleme hatte. Darum nahm er es auch nicht direkt persönlich, dass sie kein Interesse daran hatte mit einem Stalker zu quatschen und ihm ihre Sorgen und Ängste zu beichten.
      Dummerweise lief sie weiterhin in die Richtung in die auch der Junge gehen wollte, was ihn in der Vermutung bestärkte, dass die Rotäugige das selbe Ziel hatte: Den Umschlagplatz.
      Um weiteren Ärger zu vermeiden, ließ der Junge etwas Abstand entstehen und kam letztendlich auf dem Umschlagplatz an.

      Die Fläche war gefüllt mit provisorisch gebauten Karren. Kleinen Buchten, in denen die Karawanen ihrer Tiere und Güter Zwischen lagerten und vielen anderen Dingen, die man so benötigte um eine apokalyptische Infrastruktur am Leben zu halten.
      Wincent interessierte sich vorwiegend für die Jäger, die bei den Karawanenplätzen auf die nächste Ausfuhr warteten. Tatsächlich hatte er einige bekannte Gesichter getroffen, die ihm wichtige Dinge über die Reiseziele ihrer eigenen Karawane geben konnte. Nur leider war keine der Karawanen breit einen weiteren Jäger aufzunehmen. Zu groß war die Angst ein Maul mehr stopfen zu müssen.

      Etwas geknickt, saß Wincent auf einer kleinen Mauer im Schatten und beobachtete das rege Treiben. So wie er mitbekommen hatte ging heute nur noch eine Karawane raus und die hatte ihn bereits abgelehnt. Es drängte sich ihm der Gedanke auf doch alleine los zu ziehen.
    • Zu ihrem Glück schien der junge Mann sie in Ruhe zu lassen, als sie ihren Weg fortsetzte. Ihren Griff um das Messer lockerte sie jedoch nicht, bis sie die Karawane schließlich zu Gesicht bekam. Es war weniger los, als sie erwartet hatte. Vielleicht war das sogar von Vorteil – so behielt sie einen guten Überblick. Gleichzeitig bedeutete es jedoch auch, dass ihre Anwesenheit leichter auffallen konnte. Doch darum konnte sie sich später Sorgen machen.
      Anstatt direkt auf jemanden zuzugehen, schlenderte sie in Hörweite an einigen Menschen vorbei, in der Hoffnung, Gesprächsfetzen aufzuschnappen. Als sie hörte, dass sie auf dem Weg nach Sommer waren, reichte ihr das. Serona hatte ohnehin nicht vor, sich einer Gruppe anzuschließen. Sie vertraute Fremden nicht mit ihrer Sicherheit – besonders nicht in der Nacht. Wenn es darauf ankam, rettete jeder seine eigene Haut. Plötzliche Übergriffe oder Verrat wollte sie vermeiden. Sie brauchte lediglich die Information, wo das Treffen an der Grenze stattfinden würde.
      Also hielt sie sich am Rand des Lagers auf, im Schatten und mit gebührendem Abstand zu den anderen. Die Stimmen verschwammen mit der Zeit, wurden undeutlich. Stattdessen beobachtete sie schweigend das Treiben der Menschen und verschränkte die Arme vor der Brust. Es blieb ihr wohl nichts anderes übrig, als abzuwarten.
      Während ihr Blick über die Menge glitt, blieb er kurz an dem jungen Mann hängen, der sie zuvor angesprochen hatte. Welch ein Zufall, dachte sie mit einem Anflug von Unmut. Ihre Augen folgten seinen Bewegungen. Wohin er wohl wollte? Es dauerte nicht lange, bis sie bemerkte, dass er nicht mit der Gruppe reisen würde. Für einen Moment fragte sie sich, warum – doch am Ende interessierte es sie nicht genug. Sie wandte den Blick ab. Solche Ablenkungen konnten zu Unachtsamkeit führen, und Unachtsamkeit konnte tödlich enden. Sie hätte sich im Grab umgedreht, wenn sie wegen eines vermeidbaren Fehlers gestorben wäre.
      Um die Zeit zu überbrücken, begann sie, ihre Umgebung genauer zu mustern. Die grüne Landschaft, die zerfallenen Ruinen – all das war ihr vertraut, nichts Neues. Dennoch ertappte sie sich dabei, wie sie plötzlich eine Pflanze oder eine bestimmte Farbe faszinierend fand. Manchmal wirkte das Grün um sie herum beinahe wunderschön. Trotz der Grausamkeit der Welt, in der sie lebten, versuchte Serona stets, das Schöne zu sehen, damit ihre Welt nicht völlig in Dunkelheit versank.
      Ein Rufen riss sie aus ihren Gedanken. Mit einem Mal wurden die Bewegungen der Menschen hektischer – sie schienen aufbrechen zu wollen. Seronas Herz begann schneller zu schlagen. Eigentlich unterschied sich dieser Tag nicht von den anderen. Sie würde, wie sonst auch, alleine auf sich gestellt sein. Doch allein die Vorstellung, nun endlich die harte Reise nach Eoma anzutreten, ließ ein kribbelndes Gefühl in ihren Fingern aufkommen. Nervosität – etwas, das sie gar nicht leiden konnte.
      Mit wachsamen Blicken beobachtete sie, wie die Gruppe ihre letzten Vorbereitungen traf und schließlich aufbrach. In Gedanken erinnerte sie sich daran, dass sie den jungen Mann von vorhin hin und wieder im Auge behalten sollte – nur für den Fall der Fälle. Sie würde erst nach ein paar Minuten ihre eigene Reise antreten.
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    • Hektik trat auf den Platz. Die letzte Karawane des Tages hatte damit begonnen sich in Bewegung zu setzen.
      Die Karren, Tiere und Menschen begannen sich allmählich aus ihrer Bucht heraus zu bewegen. Es fühlte sich nicht an, als würde er hier eine wahnsinnig gute Gelegenheit verpassen. Er verstand das eher als Weckruf, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. So zog er seinen kleinen Rucksack über die Schultern und wollte gerade den Platz verlassen um etwas Abseits in die Wildnis zu gehen, als ihm diese seltsame Frau auffiel. Es schien als würde sie hier auf etwas warten.
      Eigentlich wollte er sich von ihr fern halten, denn zweimal ein einem Tag belästigt zu werden war schon etwas übel. Aber anderseits würde er sie so oder so nie wieder sehen. Wer so kalt und unnahbar war musste doch Nerven aus Stahl haben.

      So lenkte er seine Schritte Absichtlich in ihre Richtung. Es war auch abzusehen, dass sie keine Lust haben würde eine besonders tiefgründige Konversation zu führen. Trotzdem wollte er ihr was zum nachdenken an den Kopf werden. Etwas absurdes.
      Etwas worüber sich niemand ernsthaft Gedanken machen würde aber vielleicht trotzdem etwas Belustigung erfahren könnte. Denn sie schien dringen etwas Aufmunterung zu brauchen, so gereizt und muffig wie sie da auf saß. "Das nächste Mal sehnen wir uns in Eoma wieder. Und dann hoffentlich besser gelaunt als heute." Sagte er fröhlich lächelnd und winkte sogar freundlich, als er an ihr vorbei ging.

      Unterwegs würde Wince schon etwas einfallen, wie er er weiter machen konnte. Bisher war ihm immer eine Lösung für seine Probleme in den Sinn gekommen. Er wanderte also weiter und schwang sich, etwas Abseits des Karawanenplatzes über die Trümmerwand, die die Ruinenstadt vom Rest des Umlandes trennte. Die letzte Karawane hatte sich bereits gut in Bewegung gesetzt und Wincent versuchte noch seinem Bekannten zu winken, der dies sogar sah und den Abschiedsgruß erwiderte. Nun war es also soweit. Allein und ohne Plan machte er sich nun auf den Weg nach Eoma.
    • Serona hatte ihren Blick auf die Karawane gerichtet und bemerkte daher nicht, dass der junge Mann sich ihr näherte. Erst als er bereits in ihrer Nähe war, fiel ihr seine Gestalt auf und sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf ihn. Es konnte nur einen Grund geben, warum er zu ihr kam: Er wollte ihr erneut etwas sagen. Die Erinnerung an ihre vorherige Begegnung ließ ihre Laune sofort absinken – und dieser Eindruck bestätigte sich, als er tatsächlich das Wort an sie richtete. Wenn er nur wüsste, dass er der Grund für ihre miese Stimmung war, dachte sie seufzend und schüttelte leicht den Kopf.
      Doch ein Satz blieb in ihrem Kopf hängen: Auch er hatte die Reise nach Eoma angetreten. Serona musste sich eingestehen, dass dieser Zufall sie überraschte. Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass er – wie sie – genau an diesem Tag denselben Weg wählte und es ihr auch noch mitteilte? Er hätte über alles Mögliche sprechen können, doch er entschied sich für genau diese Information. Serona fragte sich, ob sie ihm auf der Reise noch öfter begegnen würde. Woher er seine gute Laune nahm, war ihr ein Rätsel.
      Kopfschüttelnd wandte sie sich wieder nach vorne und wartete eine Weile, bevor sie sich schließlich entschloss, der Karawane ebenfalls zu folgen. Sie schulterte ihre Tasche, atmete tief durch und verließ ihre Heimat. In der Ferne konnte sie die Karawane erkennen – weit genug entfernt, um Abstand zu halten, doch nah genug, um sie im Blick zu behalten. Mit neuer Energie machte sie sich auf den Weg, schlängelte sich zwischen Bäumen, Baumstämmen und Felsen hindurch. Die Umgebung war ihr teilweise vertraut, und da noch immer das heilige Tageslicht über ihnen lag, verschwendete sie keinen Gedanken an mögliche Skaarks. Diese Sorgen würden erst mit der Dunkelheit kommen.
      So folgte Serona beinahe gedankenverloren der Karawane. Dabei achtete sie darauf, den Abstand beizubehalten. Wenn die Gruppe Pausen einlegte, hielt auch sie an, um sich auszuruhen. An das Reisetempo konnte sie sich gewöhnen, auch wenn es Momente gab, in denen sie am liebsten schneller gegangen wäre. Doch sie zwang sich, sich dem Rhythmus der Karawane anzupassen, um sie nicht aus den Augen zu verlieren.
      Die Zeit verstrich, und als sie den Blick zum Himmel hob, sah sie, wie sich das dunkle Band der Nacht mit ersten Sternen über den Himmel legte. Noch bevor sie sich fragen konnte, wann die Karawane wohl ihr Nachtlager aufschlagen würde, ertönte ein Ruf – die Karawane kam zum Stehen.
      Serona suchte sich einen Platz, der zumindest halbwegs bequem wirkte, um dort zu nächtigen. Auch wenn sie froh sein sollte, endlich eine längere Pause einlegen zu können, wusste sie nur zu gut, dass genau jetzt die gefährlichste Zeit des Tages anbrach. Monster lauerten überall – besonders nachts. Wenn die Reisenden zu laut waren, konnte das ihr aller Verhängnis werden. Serona verspürte keinerlei Lust, sich bereits in der ersten Nacht mit einer dieser Kreaturen auseinandersetzen zu müssen. Mit etwas Pech würde im Ernstfall auch noch einer der anderen Reisenden direkt zu ihr fliehen.
      Sie stellte ihren Rucksack ab und entschied sich bewusst dagegen, ein Feuer zu machen. Sie hoffte, dass die Karawanne sich ebenso das Feuer ersparte. Außerdem sie waren so sehr in ihrer Fähigkeit und ihren Waffen sicher, dass sie meinten Skaarks aufnehmen zu können.
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    • Der junge Wanderer folgte den ganzen restlichen Tag dem Kurs der Karawane. Erst gegen Abend, als er in einem Trümmerfeld Anzeichen von Tierspuren sah, verlor er diese aus den Augen. Doch er war sich sicher, dass sie bald rasten würde.
      Es gab zwar keine Tiere mehr, die zu dieser Tageszeit greifbar wären, doch konnte Wincent etwas Pflanzenmaterial finden, welches er an seinem Rucksack fest schnürte.
      Wenige Minuten später, konnte er gerade noch die Karawane am Horizont erblicken. Die Gegend schien noch halbwegs sicher zu sein, doch das Risiko angegriffen zu werden stieg nun von Minute zu Minute, mir erlöschen der letzten Sonnenstrahlen.
      Wincent ging noch so lange weiter, wie er ohne Hilfsmittel sehen konnte. Dann ließ er sich zwischen einigen felsigen Vorsprüngen nieder.

      Es erschien ihm als ein schlechter Ort, um ein größeres Lager zu errichten. Aber gut genug um ein paar Stunden halbwegs geschützt zu ruhen. Zwischen den Spalten der Vorsprünge hindurch, blickte Wince auf die nun dunkle Ebene. Büsche, Gräser, Felsen. Nichts aufregendes. Der Wind ging sanft über die nächtliche Ebene hinweg, die minimal durch das Licht der Sterne erhellt wurde. Der Himmel war nur noch leicht bewölkt. Eigentlich eine gute Nacht um zu jagen. Dachte sich der Junge und lauschte weiter in die Umgebung. Doch außer den leisen Geräuschen der Karawane konnte er nur das Rauschen des Windes vernehmen.

      Zwischenzeitlich hatte es sich wince an einem seiner Vorsprünge bequem gemacht und schlief immer mal wieder für wenige Minuten ein. Er war es gewohnt hier draußen nur das Nötigste an Schlaf mitzunehmen, denn je später die Nacht, desto aktiver die Jäger.
      Daher war es sinnvoll die ersten Stunden mehr zu schlafen und dann wachsam zu bleiben. In einer Gruppe hätte man sich abwechseln können, doch diesen Luxus konnte er sich im Moment nicht erlauben.

      Im letzten Drittel der Nacht, entschied sich Wincent einige Male die Stellung zu wechseln. Zu Groß war die Angst, dass ein Skaark seine Nachtlager aufspüren und ihn doch noch fressen könnte. Bei seinem letzten Stellungswechsel, verfehlte er den Aufenthaltsort der jungen Dame nur um einige Meter. Sein Ziel war es bei Sonnenaufgang den Aufbruch der Karawane zu beobachten.Vielleicht waren dabei auch noch ein paar kleinere Tiere zu sehen, die ihren Bau verließen um Futter oder Wasser aufzunehmen.
    • Serona versuchte zu schlafen, doch trotz der vermeintlichen Sicherheit der Karawane und obwohl Frühling ein ihr vertrauter Ort war, fand sie keine Ruhe. Ihre Gedanken kreisten unaufhörlich, ihr Körper blieb angespannt, aus Angst vor einem plötzlichen Angriff. Statt tief zu schlafen, dämmerte sie nur vor sich hin, in einem Zustand des Halbschlafs. Zu ihrem Glück fühlte sie sich dennoch ausgeruht, als die ersten sanften Sonnenstrahlen ihr Gesicht erreichten und sie weckten. Diese Art von Schlaf war ihr fremd, es fühlte sich seltsam und ungewohnt an.
      Leise gähnte sie, streckte sich und dehnte ihren Körper durch. Es war ihr wichtig, gelenkig zu bleiben und Verspannungen zu vermeiden. Um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, bewegte sie sich ruhig und überlegte, was sie frühstücken sollte. Da sie nicht einschätzen konnte, wie schnell die Karawane nach dem Erwachen der Reisenden aufbrechen würde, wollte sie vorbereitet sein. Außerdem wusste sie nicht, wie knapp die essbaren Tiere in Sommer sein würden und wollte daher ungern ihr Proviant schon hier in Frühling verbrauchen. Vielleicht blieb ihr noch etwas Zeit, um nach Beeren oder kleinen Tieren Ausschau zu halten, die wie sie früh unterwegs waren, auf der Suche nach Nahrung oder Wasser. Ob sie dabei Erfolg haben würde, musste sich zeigen.
      Da sie am Abend zuvor keine Fallen aufgestellt hatte, blieb ihr nur die Möglichkeit, selbst auf die Jagd zu gehen. Sie besaß schon seit längerer Zeit keinen Bogen mehr, ebenso wenig Pfeile, und hatte bislang keine Gelegenheit gehabt, sich neue zu fertigen. Deshalb war sie auf die Wurftechnik mit ihren Messern angewiesen. Ihre Tasche ließ sie zurück, in der Annahme, dass sie bei ihrer Rückkehr noch da sein würde. Ihre auffällige Haarfarbe war für die grünlich gefärbte Umgebung zu leuchtend, also verbarg sie ihr Haar unter der Kapuze und entfernte sich vorsichtig von ihrem Lagerplatz.

      Mit einem Messer in der Hand schlich sie ein paar Schritte, bis sie in der Ferne etwas Dunkles zwischen den Büschen entdeckte. Sie hob den Arm, bereit, mit einem schnellen, präzisen Wurf zuzustoßen. Doch im letzten Moment, ehe sie den Griff losließ, erkannte sie den Schopf einer ihr bekannten Person – denselben, den sie gestern gesehen hatte. Ein leises Zischen entwich ihren zusammengepressten Zähnen. Wie konnte es sein, dass er sich in ihrer Nähe befand, ohne dass sie es bemerkt hatte? Sie hätte ihn beinahe mit dem Messer verletzt.
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    • Wincent war so vertieft in seine Beobachtungen, dass er erst bemerkte, dass er angegriffen wurde, als ein Zischen ihn erschrocken herum wirbeln ließ. Was er sah, war das angepisste Mädel vom Vortag mit einem Messer in der Hand. Wie um alles in der Welt hatte sie sich so einfach an ihn heran schleichen können? Aus reflex, hob der Junge seine Hände vor den Körper und sah der jungen Frau erschrocken in die Augen. Erst allmählich sammelten sich seine Gedanken wieder. Hätte sie ihn töten wollen, hätte sie dies vermutlich einfach getan ohne sich vorher zu verraten. Ihrem Blick entnahm er aber, dass sie weiterhin nicht gerade glücklich darüber war ihn zu treffen.

      Wincent ließ die Hände wieder langsam sinken und setzte sich etwas bequemer hin. "Du?" Flüsterte er erstaunt und musterte die Frau erneut. Dass sie ihn nicht einfach ausgeraubt oder umgebracht hatte, sprach entgegen aller Erwartungen für sie. Doch nichts in dieser Welt war umsonst. Das wusste Wince und es war immer schlecht jemandem etwas schuldig zu sein. "Ich wusste ja nicht, dass du das gleich so persönlich nimmst." Flüsterte der Junge nachdenklich und griff ganz langsam nach seinem Rucksack, wobei sein Blick nicht aus ihren Augen wich. Als er ein Stangen Trockenfleisch zu packen bekam, reichte er ihr diese und meinte trocken: "Mehr kann ich dir nicht geben, hab noch nen langen Weg vor mir..."
      Erwartungsvoll schüttelte er die Stange Trockenfleisch etwas auf und ab, um ihr zu zeigen, dass sie sie einfach nehmen durfte.
    • Er wirkte ebenso überrascht von ihrer Anwesenheit, wie sie es von seiner war. Offenbar hatten beide nicht damit gerechnet, sich hier erneut über den Weg zu laufen. Doch das änderte nichts daran, dass die Situation für keinen von ihnen angenehmer wurde. Mit zusammengezogenen Augenbrauen beobachtete Serona aufmerksam jede seiner Bewegungen. Es war offensichtlich, dass er ihren plötzlichen „Angriff“ missverstanden hatte.
      Seufzend ließ sie den Arm sinken und drehte das Messer gedankenverloren in ihrer Hand. Ihren Blick hatte sie noch immer nicht von seinem Gesicht abgewandt, doch am Rande ihres Sichtfeldes bemerkte sie das Trockenfleisch, das er bei sich trug. „Ich habe gedacht, du wärst ein Tier“, erklärte sie knapp und mit ruhiger Stimme. Damit war für sie alles gesagt. Natürlich hatte sein Verhalten sie verärgert – er war ihr ohne ersichtlichen Grund gefolgt und hatte sie überrascht –, aber sie war nicht kaltblütig genug, ihm deshalb das Leben zu nehmen.
      Mehr Worte hielt sie für unnötig. Sie war überzeugt, dass er in der Lage war, eins und eins zusammenzuzählen. Immerhin hatte er gestern genug Verstand bewiesen, um sie zur Rede zu stellen.
      Nachdem sie ihm noch einen letzten prüfenden Blick zugeworfen hatte, wechselte sie das Messer in die andere Hand und wandte sich von ihm ab. Die Zeit vor dem Erwachen der Karawane war kostbar, und wenn sie Glück hatte, konnte sie noch jagen gehen. Natürlich wäre es einfacher gewesen, sich einfach an seinem Trockenfleisch zu bedienen, doch so handelte sie nicht. Serona hatte Prinzipien. Was er mit seiner Ration tat, interessierte sie nicht – solange er nicht erwartete, dass sie ihre mit ihm teilte. Sollte sie heute früh kein Fleisch erbeuten können, würden Beeren und Wurzeln reichen, auch wenn Letzteres nicht gerade zu ihren Lieblingsspeisen zählte.
      Sie entfernte sich ein Stück von ihm, weiter hinein in das Dickicht, in der Hoffnung, dass dort kein Tier durch ihre vorherige Begegnung verschreckt worden war. Sie ging leicht in die Hocke, jede Bewegung kontrolliert, jede Fußstellung bedacht. Am meisten würde es sie ärgern, wenn sie ein Tier ausmachen würde, nur um es dann mit einem unbedachten Rascheln zu vertreiben.
      Nach einigen Minuten, die sich wie eine halbe Ewigkeit anfühlten, erreichte sie einen kleinen Bach. Tiere hatte sie keine entdeckt, aber immerhin ein paar essbare Beeren gefunden. Sie setzte sich ans Ufer, wusch die Beeren sorgfältig im klaren Wasser, nahm die Kapuze ab und strich sich mit den Fingerspitzen das Haar aus dem Gesicht. Dann beugte sie sich vor, nahm ein paar Schlucke des kühlen Wassers und wusch sich das Gesicht. Schließlich legte sie eine nasse Hand an ihren Nacken und schloss für einen Moment die Augen, um die wohltuende Kälte zu genießen.
      So sehr sie diesen friedlichen Augenblick auch schätzte, sie wusste, dass sie hier nicht lange verweilen konnte. Immerhin war die Nacht ohne Zwischenfälle vergangen, und sie fühlte sich erfrischt und bereit für den Tag.
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    • Etwas ungläubig schon Wincent sein Trockenfleisch wieder zurück in den kleinen Beutel. Ihrer Haltung wurde spürbar lockerer, jedoch nicht achtlos. Als sie sich dann zu dem "Angriff" äußerte, atmete der Junge erleichtert auf. Er war nicht leichtgläubig, doch ihr Verhalten passte relative gut zu ihrer Erklärung. Und es war gut zu wissen, dass sie nicht scharf darauf war ihm nachts die Kehle zu öffnen. Es würde schwierig werden sich vor jemandem zu verstecken, den man nicht kommen hörte.
      Ehe Wince weiter auf das Thema eingehen konnte, war die Frau schon wieder auf dem Weg andere Dinge zu tun. Sie schien überhaupt gar kein Interesse an ihm oder sonst etwas zu haben. Wollte sie einfach nur reisen?

      Aus irgend einem Grund verspürte er den Drang ihren Bewegungen, aus seiner Deckung heraus, mit den Augen zu folgen. Sie ging bedacht. Sehr bedacht. Wie ein Tier, dass sein ganzes Leben lang nichts anderes getan hatte. Sie sage sie hätte ihn mit einem Tier verwechselt. Das würde schon mal dafür sprechen, dass sie Erfahrung mit der Jagt hatte.
      Der Junge wusste, dass er ihr die Tage genug auf die Nerven gegangen war und trotzdem beobachtete er sie noch eine ganze Weile weiter. Fühle er sich schuldig? Eigentlich nicht, denn er war ihr dieses Mal nicht absichtlich gefolgt.
      Aber wusste sie das auch? Was wenn sie sich heute Mittag nochmal begegnen würden und sie das falsch verstehen würde? Wincent hatte absolut keine Lust darauf gemeuchelt zu werden. In dem Fall musste er entweder abbrechen oder eine andere Lösung für dieses Problem finden.

      Kurz nachdem er den Status der Karawane geprüft hatte, suchte der Wincent noch einmal nach der Frau, die nun an einem kleinen Bachlauf saß und das sogar recht entspannt. Ihre langen roten Haare bestätigten seine Vermutung aus der Stadt, dass sie wie er etwas anders war. Diese Erkenntnis war nur leider keine Große Hilfe, da dies nur noch mehr Unsicherheit in sein Vorhaben brachte.
      Trotzdem wollte er die Situation aufklären. Deshalb zog er ebenfalls seine Kapuze herunter und nährte sich etwas geräuschvoller, um nicht den Eindruck zu erwecken sie überfallen zu wollen.
      Auf einem respektvollen Abstand, ging der Junge in die Hocke und beließ seine Hände auf den Schenkeln, um ihr zu zeigen dass er auch weiterhin unbewaffnet war.

      "Du willst nicht zufällig nach Sommer und hast keinen Platz in der Karawane bekommen? Weil dann könnte es sein, dass wir noch eine Weile... unfreiwillig aufeinander treffen." Fragte er mit gedämpfter Stimme und kam dabei nicht umhin ihre Haare zu bewundern. Unter anderen Umständen wäre sie wohl zu beneiden gewesen. Doch die meisten Menschen hegten eine gewisse Abneigung gegen alles was anders war.